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Der Kriegsverlauf im Jahr 1940

Die Geschehnisse 1940    
(aus Wikipedia)

Der Krieg weitete sich 1940 auf Nord- und Westeuropa aus. Unabhängig von dem britischen Vorhaben, zur Durchsetzung der Wirtschaftsblockade Norwegen zu besetzen, plante auch das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) seit Kriegsbeginn aus rüstungswirtschaftlichen und militärstrategischen Aspekten die Besetzung Norwegens. Aus Furcht vor einem Festsetzen der Alliierten in Skandinavien und einer Front im Norden des Reiches begann am 9. April die Landung von sieben deutschen Divisionen entlang der norwegischen Küste. Die Wehrmacht kam der bevorstehenden britischen Norwegenaktion dabei nur um wenige Stunden zuvor. Zur Sicherung der Nachschubverbindungen und der Ostseezugänge erfolgte gleichzeitig die Besetzung Dänemarks. Während die dänische Armee angesichts der militärischen Übermacht der Deutschen nahezu kampflos kapitulierte, leisteten die von britischen, französischen und exilpolnischen Verbänden unterstützten sechs norwegischen Divisionen zwei Monate erbitterten Widerstand. In der heftig geführten Schlacht um Narvik erlitt vor allem die deutsche Kriegsmarine erhebliche Verluste.

Die Kapitulation Norwegens am 10. Juni erfolgte erst, nachdem die britischen und französischen Einheiten aufgrund der deutschen Westoffensive gegen Frankreich und die Benelux-Staaten Anfang Juni 1940 abgezogen worden waren. Die Offensive von drei Heeresgruppen der Wehrmacht gegen Frankreich war am 10. Mai erfolgt: Im Norden griff die Heeresgruppe B die neutralen Niederlande, Belgien und Luxemburg an, um die im Gegenzug in die Benelux-Staaten vorrückenden alliierten Streitkräfte zu binden. Der Angriffsschwerpunkt der deutschen Offensive lag bei der Heeresgruppe A im mittleren Frontabschnitt. Nach dem Vorstoss durch die Ardennen erreichten deutsche Panzerverbände nach zehn Tagen die Mündung der Somme und die französische Kanalküste. Belgien kapitulierte daraufhin am 28. Mai. Die Niederlande hatten nach deutschen Luftlandeunternehmen und der Bombardierung von Rotterdam bereits am 15. Mai ihre Kapitulation erklärt.

Am 5. Juni setzte mit der "Schlacht um Frankreich" die zweite Phase der Offensive ein. In mehreren Stossrichtungen rückte die Wehrmacht nach Süden und Südosten vor. Die Heeresgruppe B erreichte am 9. Juni die untere Seine. Fünf Tage später erfolgte kampflos der deutsche Einmarsch in Paris, nachdem sich die französische Regierung nach Bordeaux zurückgezogen hatte. In Richtung Schweiz vorstossende deutsche Panzerverbände schlossen die Maginot-Linie in Elsass-Lothringen von Westen her ein. Der Heeresgruppe C gelang gleichzeitig der Einbruch in die Verteidigungsstellung von Osten über den Oberrhein, wodurch das Gros der französischen Armee eingekesselt wurde. Die aussichtslose militärische Lage zwang die französische Regierung am 17. Juni, um Waffenstillstand nachzusuchen. Der fünf Tage später im Wald von Compiègne unterzeichnete Waffenstillstandsvertrag stellte drei Fünftel Frankreichs mit den wichtigsten Industriestädten unter deutsche Besatzung. Das unbesetzte südliche Gebiet wurde dem Vichy-Regime unterstellt. In London bildete Charles de Gaulle die französische Exilregierung.

Nach dem kaum erwarteten schnellen deutschen Triumph über Frankreich schien das Deutsche Reich die Hegemonie über weite Teile Europas errungen zu haben. Einen herben Rückschlag erlitten die deutschen Expansionsgelüste jedoch durch das Scheitern der geplanten Invasion in Grossbritannien, zu deren Vorbereitung am 13. August die "Luftschlacht um England" begann. Die deutsche Luftwaffe scheiterte allerdings an der Eroberung der Luftüberlegenheit und der Zerstörung englischer Rüstungsindustrien. Der Invasionsplan wurde nach schweren Verlusten Ende des Jahrs aufgegeben.

Karten 1940 

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01_28/Karte von Europa Anfang des Jahres 1940

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01_29/Karte von Europa Ende des Jahres 1940

Unternehmen Weserübung (09.04.1940 - 10.06.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_30/Dänemark, Norwegen und Westfeldzug 1940

Unternehmen Weserübung, auch Fall Weserübung, war der Deckname für den mit der Kriegsmarine verübten Überfall der deutschen Wehrmacht auf Norwegen und Dänemark am 9. April 1940.

Strategische Ziele der Invasion waren die Besetzung der norwegischen Häfen, um die deutsche Ausgangsstellung im Krieg gegen Grossbritannien zu erweitern und eine Seeblockade zu verhindern, die Kontrolle der Ostseezugänge und die Sicherung der Eisenerz-Versorgung der deutschen Rüstungsindustrie aus Kiruna (Schweden) über Narvik. Dänemark erschien den Planern unter General Nikolaus von Falkenhorst als

Nachschubweg unverzichtbar. Langfristig sollten Norwegen und Dänemark in ein "Grossgermanisches Reich" auf dem europäischen Kontinent eingegliedert werden.

Sowohl Dänemark als auch Norwegen waren neutral. Dänemark hatte 1939 als einziges nordeuropäisches Land einen Nichtangriffspakt mit Deutschland geschlossen. Deutschland stellte beiden Staaten ein Ultimatum mit der Zusicherung, ihre territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit nicht anzutasten, falls sie sofort kapitulierten. Norwegen lehnte ab; die Dänen akzeptierten nach wenigen Stunden Kampf. In der Schlacht um Narvik erlitt die Wehrmacht ihre erste Niederlage des Krieges, doch Anfang Mai war der britisch-norwegische Widerstand weitgehend gebrochen. Allerdings kapitulierte Norwegen erst am 10. Juni 1940, als der deutsche Sieg im Westfeldzug absehbar war und die Wehrmacht sich auch in Narvik durchsetzen konnte.

Strategische Überlegungen    
(aus Wikipedia)

Zu Beginn des Krieges spielten Überlegungen, für die Kriegsmarine in Norwegen Stützpunkte zu gewinnen, für die deutsche Admiralität eine entscheidende Rolle. Diese Behauptung stützen zahlreiche Indizien, die seit der Denkschrift des Vizeadmirals Wegener mit dem Titel "Die Seestrategie des Weltkrieges" aus dem Jahre 1926 belegt sind. Demnach hätte im Ersten Weltkrieg vor einer deutschen maritimen Offensive eine Verständigung mit Dänemark über die Besetzung seiner Gewässer und die Öffnung der von Dänemark gesperrten Belte erreicht werden müssen, um so den Schlüssel zur Ostsee zu gewinnen und die Seeherrschaft über die nordischen Handelswege zu erlangen. Auf britischer Seite zielten die Überlegungen hingegen darauf ab, durch ein Engagement der Alliierten in Nordskandinavien die finnischen Truppen im Winterkrieg zu unterstützen und gleichzeitig das Deutsche Reich von den skandinavischen Rohstoffquellen abzuschneiden. Bevor diese Planungen das Stadium ernsthafter Vorbereitungen erreichen konnten, änderte sich jedoch die Ausgangslage: Mit dem Frieden von Moskau am 13. März 1940 fanden mit dem Winterkrieg auch die Überlegungen für eine militärische Unternehmung auf alliierter Seite ihr Ende. Die Alliierten nahmen nun Planungen für eine zweigeteilte Unternehmung auf. Durch die Verminung norwegischer Gewässer in der Operation Wilfred sollte die Gegenseite zum Eingreifen provoziert werden, dem dann durch die Anlandung eigener Truppen im Rahmen des Plan R 4 begegnet werden sollte. Das Deutsche Reich betrieb seinerseits weitere Planungen für die Invasion Skandinaviens, zu der insbesondere Erich Raeder ungeachtet der in dieser Region mittlerweile wieder entspannteren Gesamtlage drängte. Am 26. März stimmte Adolf Hitler in der Erwartung einer weiteren Blitzaktion den Vorschlägen des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine zu. Die Unternehmung sollte sich an den strategischen Vorgaben orientieren, die Hitler bereits am 1. April formuliert hatte: Sicherung der schwedischen Erzlieferungen, Verbesserung der Ausgangsstellung für den Krieg gegen Grossbritannien und die Kontrolle über die Zugänge zur Ostsee. Unter diesen Massgaben erfolgte wenige Tage später der Überfall auf die skandinavischen Länder somit nicht – wie oft in der Literatur dargestellt – als Präventivmassnahme, sondern als Ausdruck "blanke(r) Aggression".

Vorgeschichte    
(aus Wikipedia)

Grossadmiral Raeder drängte Adolf Hitler seit Oktober 1939 zur Besetzung Norwegens. Es gelte, Grossbritannien zuvorzukommen, welches dies früher oder später mit grosser Wahrscheinlichkeit selbst tun würde und das Deutschland am 3. September 1939 den Krieg erklärt hatte. Am 10. November 1939 versuchte Raeder einen weiteren Vorstoss bei Hitler. Bei seinem Vortrag forderte er eine Forcierung der Belagerung Grossbritanniens, was eine Umschreibung für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg war. Raeder führte in diesem Zusammenhang aus, dass die Eroberung der niederländischen Küste für den U-Boot-Krieg keine Vorteile bringe, wohl aber Stützpunkte an der norwegischen Küste, die möglicherweise mit Hilfe sowjetischen Druckes erworben werden könnten; konkret nannte er Trondheim.

Der Winterkrieg und die Folgen für Skandinavien
Die Situation der skandinavischen Staaten änderte sich schlagartig, als die Sowjetunion am 30. November 1939 den sowjetisch-finnischen Krieg begann. Während die skandinavischen Staaten am 7. Dezember 1939 übereinkamen, in der Frage des sowjetisch-finnischen Konfliktes strikte Neutralität wahren zu wollen, sahen die Westalliierten eine vorzügliche Möglichkeit, unter dem Vorwand der Unterstützung Finnlands gegen die Sowjetunion ihren Einfluss auf diese Staaten zu vergrössern. Nach der Vorstellung Churchills wollte man für die Unterstützung Finnlands mit Truppen und Gerät von Norwegen und Schweden die Gewährung freien Durchzugs verlangen. Favorisiert wurde die Route über Narvik, von dort mit der Eisenbahn über Kiruna, Gällivare nach dem Ostseehafen Luleå und von dort in Richtung Osten nach Finnland. Diese Vorhaben wurden durch den Friedensschluss zwischen Finnland und der Sowjetunion vom 13. März 1940 überflüssig und die Planung dafür eingestellt.

Besuch des norwegischen Politikers Quisling in Berlin
Im Dezember 1939 kam es zu einem Besuch des ehemaligen norwegischen Kriegsministers (Staatsrats) Quisling in Berlin. Quisling war Parteiführer der Nasjonal Samling, einer kleinen und wenig bedeutsamen nationalsozialistischen Partei, zu der das Aussenpolitische Amt der NSDAP unter Leitung des Reichsleiters Alfred Rosenberg vor dem Krieg Verbindung aufgenommen hatte. Am 12. Dezember 1939 wurde Quisling, nachdem er von Raeder bei einem Treffen instruiert worden war, von Hitler zu einer Begegnung empfangen. Quisling informierte Hitler einerseits, er glaube, dass die norwegische Regierung britischen Landungen und der Einrichtung von Stützpunkten eifrig zustimmen würde, andererseits vermittelte er Hitler den falschen Eindruck, das norwegische Volk werde einem deutschen Einmarsch als Schutz vor einer englisch-französischen Besetzung "nicht ohne Wohlwollen" zusehen. Danach gab Hitler dem Oberkommando der Wehrmacht, OKW, grünes Licht, einen möglichen Angriff auf Norwegen zu planen.

Altmark-Zwischenfall
Die Frage der norwegischen Neutralität, die Erwägungen über die Absichten Grossbritanniens und Frankreichs und die deutschen Präventivüberlegungen erhielten Mitte Februar besondere Bedeutung durch den sogenannten Altmark-Zwischenfall. Die Altmark war ein mit lediglich zwei Fliegerabwehrmaschinengewehren bewaffnetes Trossschiff der Kriegsmarine, welches das deutsche Panzerschiff Admiral Graf Spee im Nord- und Südatlantik zu versorgen hatte. Die Altmark hatte 303 britische Seeleute an Bord, die von den Schiffen stammten, die die Admiral Graf Spee aufgebracht hatte. Unter Führung von Kapitän Dau war es der Altmark gelungen, die britische Seeblockade zu durchbrechen, und sie erreichte am 14. Februar 1940 nördlich von Trondheim die norwegischen Hoheitsgewässer. Die Altmark war zweifellos ein Hilfsschiff der deutschen Kriegsmarine, führte aber die Reichsflagge und galt aus deutscher Sicht nicht als Kriegsschiff, was von britischer Seite ganz anders beurteilt wurde. Am 14. Februar wurde die Altmark zweimal von zwei verschiedenen norwegischen Torpedobooten angehalten und oberflächlich kontrolliert. Es gab keine Beanstandungen, da die britischen Kriegsgefangenen nicht entdeckt wurden. Hiermit gab sich der Chef des Zweiten norwegischen Seeverteidigungsabschnittes, Konteradmiral Tank-Nielsen, der von den britischen Internierten an Bord der Altmark wusste, nicht zufrieden. Er griff persönlich ein, begab sich mit dem Torpedoboot Garm selbst zur Altmark und verlangte eine neuerliche Untersuchung. Dies lehnte Kapitän Dau ab; sein Versuch, auf dem Funkweg die deutsche Botschaft in Oslo zu erreichen, wurde von den Norwegern verhindert. Immerhin gestattete der norwegische Admiral die Weiterfahrt unter dem Begleitschutz norwegischer Torpedoboote. Die Briten hatten vermutlich aufgrund des lebhaften Funkverkehrs die Altmark orten können. Gegen 14:50 Uhr wurde das deutsche Schiff von drei englischen Flugzeugen innerhalb der norwegischen Hoheitsgewässer entdeckt. Gegen 16:00 Uhr kamen auf der Höhe von Egersund drei britische Zerstörer in Sicht. Um der Kaperung zu entgehen, zog sich Kapitän Dau mit seinem Schiff in den teilweise vereisten Jøssingfjord zurück. Inzwischen hatten die norwegischen Torpedoboote Anweisung, sich längsseits der Altmark zu legen, um ein Entern des Schiffes durch die Briten zu verhindern. Der Befehl wurde indessen widerrufen, und die Norweger beschränkten sich den Briten gegenüber auf Protest. Eine halbe Stunde vor Mitternacht lief der britische Zerstörer Cossack in den Fjord ein, legte sich längsseits der Altmark und liess diese durch ein Stosstruppkommando entern. Bei der folgenden Schiesserei kamen sieben deutsche Seeleute ums Leben. Die Cossack übernahm die britischen Kriegsgefangenen und kehrte mit ihnen nach England zurück.

Berufung des Sonderstabes Gruppe XXI
Noch ehe weitere Nachrichten zu den Absichten der Briten eintrafen, sich in Norwegen Marine- und Luftstützpunkte zu verschaffen, befahl Hitler am 20. Februar 1940 den Kommandierenden General des XXI. Armeekorps, General Nikolaus von Falkenhorst, in die Reichskanzlei. Nachdem Hitler am 21. Februar von Falkenhorst in das beabsichtigte Norwegenunternehmen eingewiesen hatte, übertrug er ihm den Auftrag, das Unternehmen vorzubereiten. Für den Fall der Durchführung der Operation sollte der General das Kommando übernehmen. Im Anschluss wurde die Gruppe XXI gebildet und dem OKW unmittelbar unterstellt. Die Umgehung des Generalstabs des OKH bei Planung und Durchführung war ein Sonderfall und stand in Konflikt mit der üblichen Befehlskette. Der erfolgreiche Ausgang des Unternehmens beflügelte Hitler und das OKW in schicksalhafter Weise zu ähnlich unorthodoxen Operationen unter OKW-Leitung im weiteren Verlauf des Krieges.

Operative Idee    
(aus Wikipedia)

Angesichts der überwältigenden Überlegenheit der Royal Navy war für das Gelingen der Operation Weserübung die absolute Geheimhaltung aller Vorbereitungsmassnahmen geradezu Bedingung. Um die gegnerischen Nachrichtendienste täuschen zu können, mussten auch die für die Durchführung des Unternehmens vorgesehenen Kriegsschiffbesatzungen, die Verbände des Heeres, der Luftwaffe und die Besatzungen der zur Versorgung benötigten Handelsschiffe über die wahren Absichten der deutschen Führung im Unklaren gelassen werden. Die Geheimhaltung ging so weit, dass man den Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, nicht informierte. Die Grundüberlegung zielte darauf ab, der Unternehmung den Charakter einer friedlichen Besetzung zu geben, und zwar unter dem Vorwand, der Neutralität der beiden Länder bewaffneten Schutz zu geben. Entsprechende Forderungen sollten bei Beginn der Besetzung den Regierungen Dänemarks und Norwegens auf diplomatischem Wege mitgeteilt werden. In der späteren Durchführung sollte sich die friedliche Besetzung als ein Unsicherheitsfaktor erweisen, da die deutschen Streitkräfte dem Gegner den ersten Schuss überlassen mussten, um dessen Haltung im Zweifelsfall als feindselig erkennen zu können.

Das Kernstück der operativen Idee bestand aus der Forderung, durch überfallartige Landungen mit Flugzeugen, von Kriegsschiffen und sonstigen Seefahrzeugen durch je eine Kampfgruppe an je sieben Landungsplätzen in Dänemark und Norwegen an einem bestimmten Tag (dem Wesertag) im Schutze der Nacht zu einer bestimmten Zeit (der Weserzeit) gleichzeitig zuzuschlagen. In Dänemark sollten auf dem Seewege Heereskampfgruppen bei Middelfart, Nyborg, Korsør, Kopenhagen und Gedser angelandet werden. Gleichzeitig sollten eine Infanterie-Division und ein durch Panzer verstärktes motorisiertes Schützen-Regiment die Grenze nach Dänemark in breiter Front überschreiten. Die Besetzung Dänemarks (Tarnbezeichnung Weserübung Süd) war nach übereinstimmender Einschätzung der Stabsoffiziere der drei Wehrmachtteile hauptsächlich aus Gründen der Versorgung Voraussetzung für die erfolgreiche Besetzung Norwegens (Tarnbezeichnung Weserübung Nord).

Die für die Besetzung Norwegens vorgesehenen Landeplätze Narvik, Trondheim, Bergen, Kristiansand, Egersund, Arendal und Oslo waren von Kriegsschiffgruppen anzulaufen. Stavanger sollte aus der Luft genommen werden und durch Heerestruppen, die von Handelsschiffen nachgeführt wurden, gesichert werden. Auftrag der Heerestruppen war es, die Städte in Besitz zu nehmen und vorläufig gegen voraussehbare britische Gegenangriffe zu verteidigen. Da die Norweger über eine Milizarmee verfügten, sollte als nächstes Ziel die Inbesitznahme der in der Nähe befindlichen Ausbildungslager (Übungsplätze) des norwegischen Heeres in Angriff genommen werden, weil diese Einrichtungen zugleich Mobilisierungszentren waren.

Durchführung der Unternehmung    
(aus Wikipedia)

Noten der deutschen Reichsregierung an Dänemark und Norwegen
In gleichlautenden Noten an die dänische und norwegische Regierung erklärte die Reichsregierung am 9. April, ihr militärisches Vorgehen sei allein dazu bestimmt, einem Angriff der Westmächte auf die beiden Länder zuvorzukommen. Sie könne es "unter keinen Umständen dulden, dass Skandinavien von den Westmächten zum Kriegsschauplatz gegen Deutschland gemacht werde". Die deutschen Truppen kämen "nicht in feindseliger Gesinnung". Die beiden Regierungen wurden aufgefordert, den deutschen Massnahmen keinen Widerstand entgegenzusetzen. Dänemark beugte sich unter Protest den deutschen Forderungen und konnte so gewährleisten, dass die Regierung bis zur Verhängung des Ausnahmezustandes durch die deutschen Besatzungsbehörden am 29. August 1943 im Amt blieb und die dänischen staatlichen Strukturen im Wesentlichen erhalten blieben. König Christian X. blieb im Land.

Besetzung Dänemarks

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01_31/Besetzung Dänemark

Oberst Hans Oster vom Amt Ausland/Abwehr des OKW (Oberkommando der Wehrmacht) verriet am 4. April 1940 die Operation an den niederländischen Militärattaché, Major Bert Sas, der sein Wissen unverzüglich an den dänischen Marineattaché, Fregattenkapitän Frits A. Kjølsen, sowie an norwegische und britische Diplomaten weiterleitete. Auch der dänische Heeresnachrichtendienst war durch seine Agenten in Norddeutschland über deutsche Truppenkonzentrationen informiert und gab diese Informationen an die Regierung weiter. Diese Nachrichten wurden jedoch von den Regierungen der betroffenen Staaten wenig ernst genommen. In Dänemark wirkte sich das Überraschungsmoment für die deutschen Truppen in vollem Umfang aus. Am 9. April um 4:15 Uhr überschritten deutsche Truppen die Grenze. Widerstand leistete die dänische Armee nur stellenweise (in Kopenhagen, in Südjütland, im Bereich der Storstrømsbroen und auf Seeland). In Kopenhagen verteidigte das Garde-Ausbildungsbataillon Schloss Amalienborg gegen die Landungstruppen, die das deutsche Minenschiff Hansestadt Danzig an der Langelinie, dem zentralen Schiffskai, ausgeschifft hatte, bevor die Küstenbatterien überhaupt alarmiert wurden.

Teile der Garnison von Roskilde marschierten durch Sjælland nach Helsingør und setzten mit einer requirierten Fähre nach Schweden über, da ihr Kommandeur annahm, Schweden sei ebenfalls angegriffen worden. Die Garnison von Tønder (Tondern) legte auf ihrem Rückzug nach Norden improvisierte Strassensperren an. Der dänische Oberbefehlshaber, General Prior, plädierte für symbolischen, hinhaltenden Widerstand, konnte sich aber gegen Regierung und König nicht durchsetzen. Auf Befehl Christians X. wurde der Kampf eingestellt. Während der Besetzung Dänemarks fielen 17 dänische und 20 deutsche Soldaten. Am Abend des 9. April war Dänemark vollständig besetzt. Bereits an diesem Tag konnte die Wehrmacht das dänische Eisenbahnnetz und die Flugplätze in Jütland zur Versorgung und Unterstützung der deutschen Truppen in Norwegen benutzen. Die 'Operation Weserübung Süd' war bereits am 10. April erfolgreich abgeschlossen.

Dänemark hatte vom Tag der Besatzung bis zum 5. November 1942 eine besondere Stellung unter den von Deutschland besetzten Ländern (an diesem Tag wurde Werner Best Reichsbevollmächtigter in Dänemark).

Die dänische Regierung war entschlossen, die Verhältnisse im Land selbst zu regeln. Das NS-Regime beliess König, Regierung, Parlament, Verwaltung und sogar dänische Armee und dänische Marine unangetastet und intakt. Das nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund einer Volksabstimmung 1920 von Deutschland abgetrennte Nordschleswig blieb ebenfalls dänisch. Am 23. März 1943 fanden turnusmässig die Wahlen zum Folketing statt, bei denen die Sozialdemokraten mit Abstand die stärkste Partei wurden. Die Dänische Nationalsozialistische Arbeiterpartei erhielt nur 2,1 % der Stimmen. In Dänemark unvergessen ist die Rettung der dänischen Juden im Oktober 1943.

Invasion Norwegens

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01_32/Europa während des Unternehmens Weserübung (Ende April 1940)

Für die Invasion Norwegens hatte die Seekriegsleitung fünf Kriegsschiffgruppen zusammengestellt: Die für Narvik bestimmte Kriegsschiffgruppe 1 bestand aus zehn Zerstörern. Am 6. April 1940 bunkerten sie an der Columbuskaje. Bei Anbruch der Dämmerung kamen auf jeden Zerstörer 200 Gebirgsjäger des österreichischen Gebirgsjägerregiments 139. Dabei hatten sie Motorradgespanne, grosse Mengen Reserveproviant und eigene Munition. Ebenfalls eingeschifft waren Oberst Alois Windisch und der Stab der 3. Gebirgs-Division unter Generalmajor Eduard Dietl. Die für Trondheim bestimmte Kriegsschiffgruppe 2 setzte sich aus dem Schweren Kreuzer Admiral Hipper und vier Zerstörern zusammen. Die Kriegsschiffgruppen 1 und 2 nahmen am 7. April 1940 um 3:00 Uhr unter dem Schutz der Schlachtschiffe Gneisenau und Scharnhorst aus der Deutschen Bucht gemeinsame Fahrt nach Norden auf. Es handelte sich um den grössten Flottenverband, den die Kriegsmarine im Verlauf des Zweiten Weltkrieges für eine offensive Operation jemals zusammenstellen konnte.

Um 14:30 Uhr wurde der Verband von zwölf Wellington-Bombern erfolglos angegriffen. Noch am 7. April 1940 ging bei der Gruppe XXI die Meldung ein, dass der Flottenverband der Narvik-Trondheim-Gruppen von einem britischen Aufklärungsflugzeug erfasst und dessen Kurs zutreffend angegeben worden war. In der Nacht vom 7. auf den 8. April durchbrachen die Kampfgruppen die Enge zwischen den Shetlandinseln und Bergen nach Norden. In dieser Nacht frischte der Wind aus Südwest erheblich auf und erreichte Windstärke 9. Da die Zerstörer bei dem zunehmenden Seegang die Geschwindigkeit von 26 Knoten nicht halten konnten, war in der Nacht die Verbindung zu neun Zerstörern abgerissen. Zehn Soldaten gingen aussenbords und kamen um.

Narvik
Die Kriegsschiffgruppe 1 erreichte planmässig zur Weserzeit Narvik. Die Küstenpanzerschiffe Eidsvold und Norge, deren Kommandanten Widerstand leisten wollten, wurden vor und im Hafenbecken von Narvik von den Zerstörern Z 21 Wilhelm Heidkamp und Z 11 Bernd von Arnim torpediert und versenkt. Der Standortkommandant von Narvik, Oberst Sundlo, übergab die Stadt ohne Gegenwehr. Für den Führer der Zerstörer, Kommodore Bonte, stellte sich das Problem des Rückmarsches, weil von den zwei vorgesehenen Tankern nur die Jan Wellem Narvik erreicht hatte. Die Ladung des Tankers war zwar ausreichend, doch gestaltete sich die Ölübernahme so zeitraubend, dass die gemäss Operationsbefehl vorgesehene Auslaufzeit am Abend des 9. April 1940 nicht eingehalten werden konnte. Am Morgen des 10. April drang eine britische Zerstörer-Flottille bis zum Hafen vor Narvik vor und versenkte zwei der deutschen Zerstörer, das Führerboot Z 21 Wilhelm Heidkamp und Z 22 Anton Schmitt. Kommodore Bonte fand dabei den Tod. Bei ihrem Rückzug stiessen die britischen Schiffe auf erneute Gegenwehr in Form einer von Fregattenkapitän Bey geführten Zerstörerflottille und verloren dabei ihr Führungsschiff, den Flottillenführer HMS Hardy und den Zerstörer HMS Hunter.

Die Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau übernahmen die Fernsicherung der Invasion Narviks auf See und trafen hier auf den britischen Schlachtkreuzer HMS Renown. Die Gneisenau erhielt dabei einen Volltreffer in den Artillerieleitstand auf der Vormarsplattform. Die deutschen Schiffe brachen das Gefecht ab und kehrten ein paar Tage später nach Wilhelmshaven zurück.

Am 13. April 1940 kam es vor Narvik zu einem erneuten Gefecht mit einem britischen Flottenverband unter Führung von Vice-Admiral Whitworth, als das britische Schlachtschiff Warspite mit den Zerstörern Icarus, Hero, Foxhound, Kimberley, Forester, Bedouin, Punjabi, Eskimo und Cossack zu den Liegeplätzen der deutschen Schiffe vordrang. Im Verlauf des Gefechts versenkten Warspite, Bedouin und Eskimo Z 13 Erich Koellner, während Cossack und Foxhound Z 12 Erich Giese versenkten. Die Hero torpedierte Z 18 Hans Lüdemann. Die übrigen deutschen Zerstörer wurden nach Erschöpfung ihrer Treibstoff- und Munitionsvorräte von ihren Besatzungen entweder auf Grund gesetzt oder selbst versenkt. Dabei wurden die Schiffbrüchigen der Erich Giese, die sich im Wasser befanden, beschossen. Auch einige der britischen Zerstörer wurden zum Teil erheblich beschädigt, jedoch keiner versenkt. Die Punjabi erhielt Artillerietreffer und die Eskimo verlor ihr Vorschiff durch einen Torpedotreffer von Z 2 Georg Thiele. Die Cossack wurde durch Artillerietreffer von Z 17 Dieter von Roeder und das Auflaufen auf ein Wrack stark beschädigt.

Das Bordflugzeug der Warspite, ein Fairey Swordfish-Schwimmerflugzeug, versenkte das deutsche U-Boot U 64. Ein Angriff von U 25 gegen den britischen Verband am 13. April 1940 sowie ein weiterer Angriff von U 25 und U 48 im Vestfjord gegen das Schlachtschiff Warspite am 14. April 1940 schlugen wegen Torpedoversagern fehl.

Am 14. April 1940 versenkte der Schwere Kreuzer HMS Suffolk nordwestlich Bodø den deutschen Versorgungstanker Skagerrak (6044 BRT).

Trondheim

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01_33/Der Schwere Kreuzer Admiral Hipper bei der Besetzung Norwegens, vermutlich beim Anlanden der Truppen in Trondheim

Auf dem Marsch nach Norden versenkte der Schwere Kreuzer Admiral Hipper am Morgen des 8. April den britischen Zerstörer Glowworm. Durch Rammstoss hatte dieser die Admiral Hipper noch schwer am Bug beschädigt. Die Kriegsschiffgruppe 2 unter Kapitän zur See Hellmuth Heye drang planmässig in den zum Hafen von Trondheim führenden Fjord ein. Dem Kommandeur des Gebirgsjäger-Regiments 138, Oberst Weiss, gelang es mit etwa 100 Gebirgsjägern Trondheim zu besetzen. In Trondheim selbst befanden sich kaum norwegische Truppen.

Bergen und Stavanger
Die Kriegsschiffgruppe 3 hatte den Auftrag, rund 1'900 Mann Heerestruppen und Marineartillerie-Einheiten nach Bergen zu bringen. Der Befehlshaber der Kampfgruppe, Konteradmiral Schmundt, erreichte im Schutz von dichtem Nebel die Einfahrt nach Bergen unbehelligt. Als am 9. April 1940 um 0:00 Uhr die norwegischen Aussenfeuer gelöscht wurden, war für Schmundt klar, dass das Überraschungsmoment verloren war. Um 5:15 Uhr Weserzeit steuerte der Verband in den Byfjord ein und geriet in den Wirkungsbereich der Küstenbatterien bei Kvarven. Das Artillerieschulschiff Bremse und der Leichte Kreuzer Königsberg erhielten Treffer, und auf dem Schnellbootbegleitschiff Carl Peters wurden einige Heeressoldaten bei einem Treffer in den Mast durch Splitter getötet und verwundet. Bergen selbst konnte kampflos besetzt werden; bald darauf wurden auch die Küstenbatterien von deutschen Truppen eingenommen.

In Stavanger wurde durch einen Angriff von Ju 87 Sturzkampfbombern der III./KG4 das norwegische Torpedoboot Æger, das zuvor den deutschen Nachschubfrachter Roda (6780 BRT) versenkt hatte, so schwer beschädigt, dass es aufgegeben werden musste.

Die 8. und 9. Staffel des Kampfgeschwaders 4 konnten zwei Bataillone des Infanterieregiments 193, eine Kompanie Fallschirmjäger, Flak- und Versorgungseinrichtungen auf dem Luftweg nach Stavanger bringen und dort absetzten.

Kristiansand, Egersund, Arendal
Vier Boote der 2. Minensuchflottille mit einer Radfahrkompanie an Bord eroberten Egersund planmässig, um die dortige Kabelstation einzunehmen, wo sie auf keinen Widerstand stiessen. Wegen dichten Nebels konnte die Kriegsschiffsgruppe 4 nicht den Hafen von Kristiansand anlaufen. Als es um 6:00 Uhr, 45 Minuten nach Weserzeit, einigermassen aufklarte, versuchte der Verband, in die Fjordeinfahrt einzulaufen. Drei Angriffsversuche scheiterten am Abwehrfeuer der dem Hafen vorgelagerten Küstenbefestigungen auf dem Felsen Odderøy und der Küstenbatterie Gleodden. Der zufällig vor Kristiansand liegende deutsche Frachter Seattle geriet in das Kreuzfeuer von Angreifern und Verteidigern, wurde in Brand geschossen und sank später. Erst gegen 11:00 Uhr gelang den kleineren Einheiten unter Feuerschutz des Leichten Kreuzers Karlsruhe der Einbruch in den Hafen. Stadt und Küstenbatterien wurden von den deutschen Truppen eingenommen. Die beiden im Hafen liegenden norwegischen Torpedoboote Gyller und Odin der Sleipner-Klasse und eine Anzahl weiterer Schiffe fielen dabei unbeschädigt in deutsche Hand. Zwei im Hafen liegende norwegische U-Boote, B 2 und B 3, wurden durch Herausnehmen der Drucklager fahruntüchtig gemacht. Das Torpedoboot Greif lief Arendal an und setzte dort die Radfahrkompanie 234 an Land. Ohne auf Widerstand zu stossen, wurde Arendal eingenommen und gesichert. Auf dem Rückmarsch erhielt die "Karlsruhe" am Abend des 9. April durch das britische U-Boot HMS Truant einen Torpedotreffer, der sie so schwer beschädigte, dass sie nach der Abbergung der Besatzung nahe der Kristiansand vorgelagerten Insel Oksøy durch zwei Torpedos der Greif versenkt werden musste.

Oslo

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01_34/Oslofjord mit Festung Oscarsborg

Das Landeunternehmen in Oslo war für das Gelingen der Gesamtoperation im Sinne einer sogenannten friedlichen Besetzung von zentraler Bedeutung. Die Erfüllung der deutschen Forderungen auf dem Verhandlungswege setzte voraus, dass durch raschen Zugriff der norwegische König und dessen Regierung in deutschen Gewahrsam gerieten. Die Besetzung von Oslo durch die 163. Infanterie-Division (Kommandeur: Generalmajor Engelbrecht) wurde deshalb nicht nur von See her geplant, sondern gleichzeitig – sofern die Wetterlage dies zuliess – auf dem Luftwege. Nach Einnahme des Flughafens Oslo-Fornebu durch das I./Fallschirmregiment 1 sollten ferner dort mit der 1. Lufttransportstaffel zwei Bataillone des Infanterieregiments 324 und eine Pionierkompanie gelandet werden, um so eine Ausgangsstellung für die Inbesitznahme von Oslo zu gewinnen. Die Kriegsschiffgruppe 5 war unter Prestigegesichtspunkten zusammengestellt worden.

Zum Durchbruch durch den gut 100 Kilometer langen Oslofjord waren die schweren Einheiten wenig geeignet, weil es in dem engen Fahrwasser wenig Ausweichmöglichkeiten gibt. Der Kampfverband wurde am 9. April 1940 gegen 0:00 Uhr beim Passieren der Küstenbefestigungen auf Bolærne und Rauøy von Scheinwerfern erfasst. Kurze Zeit darauf hatten die Norweger die Leuchtfeuer am und im Fjord gelöscht. Der Kampfgruppenführer konnte also nicht mehr mit dem Überraschungsmoment rechnen. Es ist insofern unklar, weshalb Konteradmiral Kummetz die Durchquerung der Drøbak-Enge mit seinem Flaggschiff, dem Schweren Kreuzer Blücher, versuchte. Die Blücher erhielt von der Festung Oscarsborg zwei 28-cm-Treffer. Gleichzeitig eröffnete die 15-cm-Batterie nördlich Drøbak das Feuer und erzielte mindestens 13 Treffer. Zwei Torpedos, die von einer vorzüglich getarnten Torpedobatterie auf der Insel Nord-Kaholmen abgeschossen wurden, besiegelten das Schicksal des Schiffes. Um 7:23 Uhr sank die Blücher östlich der Insel Askholmen. Dort liegt das Wrack noch heute in einer Tiefe von 90 m. Die 28 cm-Geschütze der Festung Oscarsborg waren 1893 von Krupp aus Deutschland geliefert worden und die etwa 40 Jahre alten Torpedos kamen aus Österreich-Ungarn von Whitehead & Co. in Fiume (heute Rijeka, Kroatien). Die Blücher kam praktisch direkt von ihrer Erprobungsfahrt, ihr erster Kampfeinsatz war auch ihr letzter. Trotz des Verlusts des Flaggschiffs wurde Oslo schliesslich, später als von den Deutschen geplant, von Luftlandetruppen eingenommen.

Der norwegische Minenleger Olav Tryggvason versenkte das deutsche Räumboot R 17 bei Horten. Der Minenleger, die Küstenpanzerschiffe Harald Haarfagre und Tordenskjöld sowie die Torpedoboote Balder und Gyller wurden von deutschen Besatzungstruppen erbeutet und als Minenleger Brummer bzw. nach Umbau als Flakschiffe Thetis und Nymphe und als Torpedoboote Leopold und Löwe wieder in Dienst gestellt. Die beiden neuen Minensuchboote Otra und Rauma wurden ebenfalls erbeutet und als Minenleger Togo und Kamerun in Dienst gestellt.

Auch die Landung von Truppen auf dem Flugplatz von Oslo verlief nicht wie geplant. Die 1. Lufttransportstaffel mit 29 Flugzeugen vom Typ Ju 52 stiess auf dichten Nebel in der Nähe von Oslo. Daraufhin befahl der Gruppenkommandeur abzudrehen, weil seine Piloten nicht im Blindflug ausgebildet waren. Zwei Piloten empfingen den Befehl nicht und landeten auf dem Flugplatz. 18 Fallschirmjäger und 50 Infanteristen nahmen Fornebu ein. Das X. Fliegerkorps hob den Umkehrbefehl auf, als von einem deutschen Schiff die Meldung kam, dass auf Fornebu deutsche Flugzeuge landeten und starteten. Im Verlauf des Nachmittags griffen Verbände des X. Fliegerkorps Bolærne, Rauøy, Horten und Drøbak an. Um 18:30 Uhr waren die norwegischen Stellungen niedergekämpft und konnten besetzt werden. Am Vormittag des 10. April liefen die Schiffe der Kampfgruppe in den Hafen von Oslo ein. Alles in allem war die Unternehmung Weserübung mit der Stabilisierung der Lage in Oslo am 10. April, soweit vorausgeplant, gelungen, obgleich die Norweger mit alliierter Unterstützung weiterhin Widerstand leisteten. Durch die Verzögerungen bei der Besetzung der Hauptstadt konnte die Königsfamilie samt den Goldreserven des Landes entkommen. Erst am 10. Juni 1940 unterschrieb der norwegische Oberstleutnant i. G. Roscher-Nielsen für das norwegische Oberkommando in Trondheim die Kapitulationsurkunde. Als Reichskommissar für das besetzte Norwegen wurde Josef Terboven ernannt.

Einsatz der U-Boote
Von den 300 U-Booten, die Karl Dönitz vor Kriegsbeginn als notwendig definiert hatte, um einen effizienten Handelskrieg führen zu können, standen im Frühjahr 1940 lediglich 48 zur Verfügung. Dass nun im Rahmen des Unternehmen Weserübung den deutschen U-Booten aufgetragen wurde, zum Schutz der Überwassereinheiten in der Nordsee, insbesondere in Küstennähe zu patrouillieren und, wenn möglich, offensiv das Gefecht mit den erwarteten britischen Seestreitkräften zu suchen, stellte einen Paradigmenwechsel im taktischen Einsatz von U-Booten dar. Bisher hatten U-Boote in weit entfernten Seegebieten unabhängig voneinander operiert, wobei ihren Kommandanten bei der Jagd auf Handelsschiffe ein sehr weitläufiger Entscheidungsspielraum zugestanden wurde. Nun sollten die Boote zentral koordiniert als Verband auftreten, Sicherungsaufgaben wahrnehmen und sogar das Gefecht mit Kriegsschiffen suchen, was sonst, mit Ausnahme solch spektakulärer Aktionen mit Propagandawert, wie Kapitänleutnant Priens Angriff auf Scapa Flow für ein U-Boot nur die Ultima ratio darstellte. Auf Raeders Anweisung hin positionierte der Befehlshaber der U-Boote 32 Boote in den skandinavischen Gewässern, davon einige innerhalb der für diese sehr ungünstigen norwegischen Fjorde. Hier waren die U-Boote nicht nur durch das teils flache Wasser, sondern auch wegen der Notwendigkeit, ihre Batterien nachts bei Überwasserfahrt wiederaufzuladen, in Folge der zu dieser Zeit nur drei bis vier Stunden währenden Polarnächte besonders stark gefährdet. Im Verlauf des Unternehmen Weserübung meldeten mehrere U-Bootkommandanten eine seltsame Erfolglosigkeit bei Angriffen mit eigentlich sicherer Ausgangslage. Viktor Schütze, Kommandant von U 25 schoss zwei Torpedos aus nächster Nähe auf den aus Narvik zurückkehrenden britischen Zerstörerverband, aber erzielte keine Treffer. Auch die auf dasselbe Ziel gerichteten vier Torpedos von U 51 richteten nichts aus. In den nächsten Stunden häuften sich die Beschwerden der U-Bootkommandanten, die von Fehl- oder Frühzündern berichteten und sich schliesslich zu einer Fehlerquote von 66 % summierten (Torpedokrise). Da der Leiter der Torpedo-Versuchs-Anstalt, Oskar Kummetz, im Rahmen von Weserübung die Invasionstruppen in Oslo befehligte, und daher für Dönitz nicht erreichbar war, wurden alternativ einige Sachverständige befragt, was allerdings ergebnislos blieb. Die nun erfolgte Anweisung, bei jedem Angriff zusätzlich zu den als anfällig bewerteten Magnetzündertorpedos einen Torpedo mit Aufschlagzünder abzufeuern, führte nur zu einer raschen Abnahme der verfügbaren Munition, aber zu keinerlei Erfolg. Der Einsatz der deutschen U-Boote im Unternehmen Weserübung fand unter grossem Risiko statt, brachte jedoch keine Erfolge ein und wird somit als Fehlschlag gewertet.

Verluste
Die deutschen Verluste an Mannschaft während der "Weserübung" betrugen 1'317 Tote, 1'604 Verwundete und 2'375 Vermisste (überwiegend auf hoher See). Die Schiffsverluste waren sehr hoch. Im Oslofjord versenkte eine norwegische Küstenbatterie am 9. April den Schweren Kreuzer "Blücher". Zwei Leichte Kreuzer, zehn Zerstörer, ein Torpedoboot und vier U-Boote erlitten innerhalb der nächsten Wochen dasselbe Schicksal. Nach Darstellung des Marinehistorikers Michael Salewski verlor die deutsche Flotte nahezu die Hälfte ihrer Überwasserstreitkräfte. Die Luftwaffe verlor 242 Maschinen.

Auf alliierter Seite fielen in den Kämpfen zu Lande 1'896 Briten, 1'335 Norweger sowie je 530 Franzosen und Polen. Auf See verlor Grossbritannien einen Flugzeugträger, zwei Leichte Kreuzer, neun Zerstörer und sechs U-Boote mit zusammen über 2'500 Toten.

Ergebnis
Im Unternehmen Weserübung, der grössten triphibischen Operation der damaligen Kriegsgeschichte, griff das Deutsche Reich entgegen eigener Zusagen und vertraglicher Vereinbarungen zwei neutrale Staaten an. Die Planung und Durchführung dieses unprovozierten Angriffskrieges wurden im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher und den Folgeprozessen angeklagt und die Hauptverantwortlichen verurteilt.

Der Überfall und die Verbrechen der Besatzungszeit haben das Verhältnis zwischen Deutschland und den skandinavischen Staaten über Jahrzehnte schwer belastet.

Unter operativen Gesichtspunkten war das Unternehmen für die Kriegsmarine wegen der hohen Verluste ein schwerer Rückschlag. Die erweiterte geostrategische Ausgangsbasis konnte von der Seekriegsleitung kaum ausgenutzt werden. Trotzdem war die Operation Weserübung sicherlich eine Voraussetzung für die Fortsetzung der deutschen Kriegsführung. Der Export der schwedischen Eisenerze und der Stahlveredlungsmetalle aus dem skandinavischen Raum nach Deutschland blieb für die gesamte Dauer des Krieges gesichert. Nach britischer Einschätzung hätte das Deutsche Reich ohne die kriegswirtschaftlich notwendigen skandinavischen Erze den Krieg nicht länger als zwölf Monate durchhalten können.

Durch die Besetzung Dänemarks und Norwegens blieb die Ostsee unter deutscher Kontrolle. Schliesslich wurde durch das Unternehmen Weserübung eine weitere Front in Skandinavien verhindert, die vor allem Frankreich zu seiner Entlastung gefordert hatte. Propagandistisch-innenpolitisch war die Militäroperation ebenfalls ein Erfolg und verstärkte in der Heimat den politischen Mythos der "unbesiegbaren Wehrmacht".

Nachdem 1941 der Krieg gegen die Sowjetunion begonnen hatte und die Vereinigten Staaten Waffen und anderen Nachschub nach Murmansk und Archangelsk lieferten (siehe auch Leih- und Pachtgesetz), konnte die Wehrmacht die Häfen und Flugstützpunkte in Nord-Norwegen dazu nutzen, diese Geleitzüge anzugreifen und die russischen Häfen zu bombardieren. Auf Seiten der Alliierten wurde insbesondere Chamberlain vorgeworfen, er sei zum wiederholten Mal ausmanövriert worden. Im Verlauf der Norwegendebatte verlor er die Unterstützung auch seiner eigenen Partei, trat zurück und wurde als Premierminister durch Churchill ersetzt.

Schlacht um Narvik (09.04.1940 – 08.06.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_35/Ofotfiorden mit der Eisenerz-Verladestation Narvik

Die Schlacht um Narvik fand während der überfallartigen Besetzung von Norwegen im Zweiten Weltkrieg statt und bestand aus See-, Land- und Luftgefechten. In zwei Seegefechten vor Narvik erlitt die deutsche Flotte erhebliche Verluste, alle zehn eingesetzten Zerstörer gingen verloren. Die zahlenmässig unterlegenen Landstreitkräfte der Deutschen, verstärkt durch die Besatzungen der versenkten Schiffe, standen vor einer grossen Niederlage und mussten sich zurückziehen. Die Alliierten hatten die Stadt bereits besetzt, als sie wegen der schlechten Lage bei der Schlacht um Frankreich gezwungen waren, bis zum 8. Juni 1940 ihre Expeditionskräfte abzuziehen. Nach dem Abzug der Alliierten wurde Narvik wieder von den Deutschen besetzt.

Vorgeschichte
Um die Transportwege für die wichtigen Eisenerzlieferungen aus Schweden zu sichern, wurde im deutschen Oberkommando schon lange vor Kriegsbeginn die Besetzung Norwegens erwogen. Konkrete Pläne dafür legte der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Grossadmiral Raeder, bereits im Oktober 1939 vor. Die Alliierten hatten mit der Operation Wilfred ebenfalls Pläne entwickelt, Norwegen zu besetzen und das Deutsche Reich so vom Erznachschub aus Schweden abzuschneiden. Als die deutsche Führung hiervon Kenntnis erlangte, sah sie sich Anfang April 1940 genötigt, entgegen den ursprünglichen gegen die Sowjetunion gerichteten Kriegsplanungen kurzfristig und schlecht vorbereitet die Besetzung Norwegens durchzuführen, was sich in den improvisierten Transportkapazitäten und in hohen Verlusten unter den eingesetzten Kriegsschiffen niederschlug. Anscheinend kamen die deutschen Truppen einer alliierten Landung nur um Stunden zuvor. Offiziell war das Eingreifen des britisch-französischen Korps an die Bedingung einer deutschen Invasion geknüpft gewesen.

Die norwegische Hafenstadt Narvik war hier von besonderer Wichtigkeit, da sie einen ganzjährig eisfreien Hafen besitzt, über den ein Grossteil des Eisenerzes verschifft wurde. Das Eisenerz wurde aus den Minen im nahegelegenen schwedischen Kiruna per Eisenbahn nach Narvik transportiert.

Die deutsche Besetzung Narviks
Die Besetzung Narviks war die Aufgabe der Kriegsschiffgruppe 1, bestehend aus zehn Zerstörern unter Kommodore Friedrich Bonte mit 2000 eingeschifften Gebirgsjägern des durch Artillerie- und Aufklärungseinheiten der Division verstärkten Gebirgsjäger-Regiments 139 (Oberst Alois Windisch) der 3. Gebirgs-Division unter dem Kommando von Generalmajor Eduard Dietl an Bord. Sie erreichte gegen 4:00 Uhr am 9. April den Eingang des Ofotfjordes, wo sich die Gruppe aufteilte: Drei Zerstörer wurden zur Niederkämpfung von Befestigungsanlagen abgestellt, vier weitere zur Besetzung des Truppenübungsplatzes Elvegårdsmoen bei Bjerkvik am Nordostende des Herjangsfjords. Kommodore Bonte hielt mit den restlichen drei Schiffen auf Narvik zu.

Das 40 Jahre alte norwegische Küstenpanzerschiff Eidsvold legte sich der deutschen Flottille in den Weg, woraufhin Bonte einen Unterhändler zum norwegischen Kommandanten, Fregattenkapitän Odd Isachsen Willoch, schickte. Als Willoch sich weigerte, den deutschen Verband passieren zu lassen, schoss der Zerstörer Wilhelm Heidkamp zwei Torpedos, die die Eidsvold trafen und explodieren liessen. Nur sechs Besatzungsmitglieder überlebten. Das Schwesterschiff Norge, dessen Kommandant Per Askim noch von Willoch über das deutsche Eindringen informiert worden war, hielt aus einem Nebenfjord auf den Hafen zu und traf auf den deutschen Zerstörer Bernd von Arnim, der im Begriff war, zur Anlandung der auf ihm eingeschifften Truppen an der Pier anzulegen. Beide Schiffe eröffneten Artilleriefeuer aufeinander, erzielten aber keine Treffer. Die Bernd von Arnim schoss dann insgesamt sechs Torpedos auf die Norge, von denen zwei trafen und das Schiff in weniger als einer Minute sinken liessen. Nur etwa 90 Besatzungsmitglieder überlebten. Auf den beiden norwegischen Schiffen starben insgesamt etwa 300 Mann.

Die Besetzung des Hafens und der Stadt verlief danach kampflos. Der Standortkommandant von Narvik, Oberst Sundlo, war ein Sympathisant der Nasjonal Samling unter Quisling und übergab die Stadt ohne Gegenwehr. Allerdings ging dennoch ein deutsches Schiff verloren: der Frachter Bockenheim, der, da nicht in die Planung der Kriegsmarine einbezogen, eher zufällig in Narvik lag, wurde von seiner Besatzung in Brand gesteckt und auf Grund gesetzt, da diese die einlaufenden Zerstörer für ein britisches Geschwader hielt.

Der erste Angriff der britischen Marine
Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass Bonte mit seinen Zerstörern nach der Übernahme von Treibstoff noch am 9. April wieder auslaufen und nach Deutschland zurückkehren sollte. Da nur einer der zum Betanken vorgesehenen Tanker, die Jan Wellem, eingetroffen war, verzögerte sich die Versorgung des Verbandes bis zum nächsten Tag. Bonte liess drei Zerstörer vorgeschobene Wachpositionen im Fjord einnehmen, einen davon direkt am Eingang.

Währenddessen erreichte am Abend des 9. April eine aus fünf Zerstörern bestehende britische Flottille den Eingang zum Ofotfjord. Ihre Aufgabe war es, den Hafen vor einem deutschen Zugriff zu bewachen. Als beim Befehlshaber Bernard Warburton-Lee unklare Meldungen über die Lage in Narvik eingingen, wartete er zunächst ab. Als er die Meldung erhielt, dass ein deutscher Zerstörerverband von sechs Schiffen sowie ein U-Boot im Hafen liege, entschloss er sich zum Angriff in den frühen Morgenstunden des 10. April.

Gefechtsverlauf
Bei äusserst schlechten Sichtverhältnissen durch Schneefall liefen die fünf britischen Zerstörer, von dem den Eingang bewachenden deutschen Schiff unentdeckt, gegen 1:00 Uhr in den Fjord ein. Die beiden anderen deutschen Zerstörer bemerkten die Briten nicht, die gegen 4:45 Uhr den Hafen erreichten. Warburton-Lee detachierte zwei Einheiten zur Bekämpfung von vermuteten Landbatterien auf der Landzunge Framnes, die aber von den Norwegern bereits unbrauchbar gemacht worden waren; die drei übrigen (Hardy, Hunter und Havock) eröffneten um 4:20 Uhr das Feuer auf die deutschen Schiffe, die von dem Angriff völlig überrascht wurden. Die "Wilhelm Heidkamp" mit Kommodore Bonte und die "Anton Schmitt" unter Korvettenkapitän Friedrich Böhme sanken in den ersten Minuten des Gefechtes durch Torpedotreffer. Die "Hans Lüdemann" und die "Hermann Künne", die gerade von der "Jan Wellem" Öl bunkerten, wurden wie die an der Pier liegende "Diether von Roeder" durch Artillerietreffer beschädigt. Die britischen Zerstörer entgingen einem aus dem Hafen heraus geschossenen Torpedofächer nur deshalb, weil die Tiefeneinstellung dieser Torpedos nicht mehr geändert worden war (die Torpedos waren auf 4 m zur Bekämpfung feindlicher Grosskampfschiffe eingestellt und nicht auf nur 2 m für Zerstörer) und die Torpedos daher unter den britischen Schiffen durchliefen.

Warburton Lee glaubte, die deutsche Streitmacht entscheidend getroffen zu haben, da er zu diesem Zeitpunkt noch von der Anwesenheit von nur sechs deutschen Einheiten ausging. Er machte sich daher mit seinen unbeschädigten Schiffen auf den Rückweg, traf dabei aber auf die deutschen Zerstörer "Wolfgang Zenker", "Erich Giese" und "Erich Koellner", die zu Gefechtsbeginn im Herjangsfjord gelegen hatten, sowie die "Georg Thiele" und die "Bernd von Arnim", die aus Richtung Ballangen kamen. Die deutschen Zerstörergruppen hatten erst nach 5:00 Uhr Meldungen über das Gefecht erhalten, waren daraufhin ausgelaufen und konnten den britischen Verband von zwei Seiten angreifen, wobei die beiden von Ballangen aus anlaufenden Zerstörer das Seekriegsmanöver "Crossing the T" gegen die ablaufenden Engländer durchführen konnten. Dabei konnten sie ihre gesamten Breitseiten von je fünf Geschützen gegen die beiden Buggeschütze des britischen Führungsbootes einsetzen. Der Flottillenführer Hardy war somit zunächst allein diesem Feuer ausgesetzt und erhielt schwere Treffer, wurde manövrierunfähig und strandete in seichtem Wasser. 70 Besatzungsmitglieder kamen um, Warburton-Lee wurde schwer verwundet und verstarb kurz darauf. Das zweite Schiff in der britischen Linie, die "Hunter", wurde in Brand geschossen, und die folgende "Hotspur" erhielt einen Treffer in die Ruderanlage und konnte nicht mehr ausweichen. Sie rammte ihr Schwesterboot "Hunter, das daraufhin sank. Die beiden übrigen britischen Zerstörer "Hostile" und "Havock" konnten die "Georg Thiele" und die "Bernd von Arnim" durch ihre Artillerie beschädigen, bevor sie sich mit der schwer beschädigten "Hotspur" zurückzogen, wobei sie nur mit grossem Glück den fünf in diesen Gewässern befindlichen deutschen U-Booten entgingen. Die deutschen Schiffe brachen wegen Brennstoffknappheit das Gefecht ab.

Ergebnis

Deutsche Schiffe

Schiksal

Wilhelm Heidkamp

Versenkt

Anton Schmitt

Versenkt

Diether von Roeder

Schwer beschädigt

Bernd von Arnim

Beschädigt

Hermann Künne

Beschädigt

Hans Lüdemann

Beschädigt

Georg Thiele

Beschädigt

Erich Koellner

Keine Schäden

Erich Giese

Keine Schäden

Wolfgang Zenker

Keine Schäden

Britische Schiffe

Schiksal

HMS Hardy

Versenkt

HMS Hunter

Versenkt

HMS Hotspur

Beschädigt

HMS Havock

Keine Schäden

HMSHostile

Keine Schäden

Auf ihrem Weg zum Fjordausgang trafen die Briten noch auf den deutschen Versorger Rauenfels, den sie enterten und sprengten, nachdem die Besatzung von Bord gegangen war. Das U-Boot U 51 griff den britischen Zerstörerverband beim Einlaufen in den Fjord an, später zusammen mit U 25 noch einmal die verbliebenen drei Zerstörer beim Auslaufen. Alle Angriffe schlugen aufgrund von Torpedoversagern fehl. Während des britischen Torpedoangriffes im Hafen von Narvik wurden unter anderem der deutsche Frachter Planet und die britische Blythmoor getroffen und sanken.

Die Tage nach dem Gefecht
Nach dem Tod Bontes führte Fregattenkapitän Bey das Kommando über die verbliebenen deutschen Einheiten. Die "Diether von Roeder" war nicht mehr seefähig; die anderen Schiffe wurden notdürftig mit Bordmitteln repariert. Am Nachmittag befahl Grossadmiral Raeder den Rückzug des restlichen Verbandes nach Deutschland. Bey stiess zunächst nur mit den unbeschädigten "Erich Giese" und "Wolfgang Zenker" vor und sichtete den Leichten Kreuzer "HMS Penelope" mit acht Zerstörern, die die Royal Navy im Verlauf des 10. April entsandt hatte, um den Eingang des Fjordes zu sperren. Er funkte daraufhin nach Berlin, dass ein Ausbruch unmöglich sei.

Am 11. April lief die "Penelope" bei der Verfolgung eines weiteren deutschen Versorgers auf einen Felsen und wurde so schwer beschädigt, dass sie von einem Zerstörer abgeschleppt werden musste. Der für den nächsten Tag geplante Angriff des Verbandes auf die restlichen deutschen Schiffe vor Narvik konnte so nicht durchgeführt werden. Stattdessen nahm nun das Schlachtschiff "HMS Warspite" mit vier Zerstörern Kurs in Richtung Narvik. Am Nachmittag des 13. April lief das Schlachtschiff mit fünf weiteren Zerstörern aus dem Penelope-Verband unter dem Kommando des Vizeadmirals William Whitworth in den Ofotfjord ein.

Bey, der durch die deutsche Funkaufklärung vor dem Angriff gewarnt worden war, plante, seine sieben teils nur eingeschränkt seetüchtigen Schiffe in Nebenfjorde zu verlegen und die britischen Einheiten aus dem Hinterhalt anzugreifen. Der Treibstoffmangel verzögerte dies jedoch; nur "Z 19 Hermann Künne" und "Z 13 Erich Koellner" hatten angesichts der zu erwartenden Übermacht des Gegners einen grossen Teil ihrer Besatzung bis auf Geschützbedienungen und eine Maschinenwache an Land gebracht und sich auf den Weg zu ihren Positionen gemacht, als sie das britische Schlachtschiff gegen 13:00 Uhr sichteten.

Der zweite britische Angriff
Die "Hermann Künne" und die "Erich Koellner" wurden vom Bordflugzeug der Warspite, einem Fairey-Swordfish-Schwimmerflugzeug, entdeckt und gemeldet. Die "Erich Koellner" sank nach mehreren Treffern der "Warspite" und der Zerstörer "Eskimo" und "Bedouin". Der Kommandant der "Hermann Künne" lief nach Verbrauch der verbliebenen Munition in den Herjangsfjord und setzte sein Schiff auf Grund, um mit der Besatzung das Ufer zu erreichen. Dort wurde das Wrack durch einen Torpedo zerstört. Vor dem Hafen von Narvik wurden die "Erich Giese" und die bewegungsunfähig an der Pier liegende "Diether von Roeder" zerstört, letztere durch die eigene Besatzung gesprengt. Dabei wurde die "Cossack" beschädigt und lief auf Grund. Ein gleichzeitig durchgeführter Luftangriff von zehn Trägerflugzeugen der HMS Furious erzielte keine Treffer, zwei Swordfishs wurden dabei abgeschossen. Das Bordflugzeug der "Warspite" versenkte währenddessen das U-Boot U 64.

Die restlichen vier Zerstörer (Georg Thiele, Wolfgang Zenker, Bernd von Arnim und Hans Lüdemann) hatten sich in den Rombaksfjord nordöstlich von Narvik zurückgezogen. Nachdem die "Wolfgang Zenker", die "Bernd von Arnim" und die "Hans Lüdemann" ihre Munition verschossen hatten, wurden sie zur Rettung der Besatzungen am östlichen Ende des Fjordes auf Grund gesetzt, während die "Georg Thiele" die Deckung übernahm und im Rombaksfjord querliegend den britischen Verband aufhielt. Dabei erhielt der nachsetzende britische Zerstörer "Eskimo" einen schweren Torpedotreffer, der ihm das Vorschiff abriss. Als die "Georg Thiele" keine Munition mehr hatte, wurde sie auf der Südseite des Fjordes auf Grund gesetzt.

Das Achterschiff der in zwei Teile zerbrochenen "Hans Lüdemann" war nach der Sprengung des Bootes wieder aufgeschwommen und wurde von einem britischen Enterkommando betreten. Da sich die Bergung des Wracks als unmöglich herausstellte, wurde es durch einen Torpedo zerstört. Damit waren zehn deutsche Zerstörer in Narvik verloren.

Nach der erfolgreichen Bergung der beiden beschädigten britischen Zerstörer verliess Whitworth den Ofotfjord am Abend des 13. April, da er vom Vorhandensein deutscher U-Boote ausging. Tatsächlich war die "Warspite" beim Einlaufen in den Ofotfjord nur knapp einem Torpedoangriff entgangen, da das angreifende U 46 kurz vor dem Abschuss seiner Torpedos auf eine Untiefe auflief und den Angriff abbrechen musste.

Ergebnis

Deutsche Schiffe

Schiksal

Britische Schiffe

Schiksal

Erich Giese

Versenkt

HMS Warspite

keine Schäden

Erich Koellner

Versenkt

HMS Eskimo

Schwer beschädigt

Diether von Roeder

Selbstversenkt

HMS Cossack

Beschädigt

Bernd von Arnim

auf Grund gesetzt / zerstört

HMS Bedouin

keine Schäden

Hermann Künne

auf Grund gesetzt / zerstört

HMS Punjabi

keine Schäden

Hans Lüdemann

auf Grund gesetzt / zerstört

HMS Forester

keine Schäden

Georg Thiele

auf Grund gesetzt / zerstört

HMS Foxhound

keine Schäden

Wolfgang Zenker

auf Grund gesetzt / zerstört

HMS Hero

keine Schäden

Erich Giese

Versenkt

HMS Icarus

keine Schäden

Erich Koellner

Versenkt

HMS Kimberley

keine Schäden

Im Rahmen des zweiten Gefechtes kam es zu erfolglosen U-Boot-Angriffen. U 25 griff den britischen Verband sowohl beim Ein- als auch beim Auslaufen an. Am 14. April attackierten U 25 und U 48 die "Warspite". Alle Angriffe scheiterten an Torpedoversagern.

Folgen der Seegefechte
Alle zehn eingesetzten deutschen Zerstörer wurden entweder vernichtet oder mussten sich selbst versenken. Dieses Ergebnis war eine Folge mangelnder Luftunterstützung, vieler Torpedoversager auf deutscher Seite sowie der Tatsache, dass die Zerstörergeschütze bei Entfernungen von über 3 Seemeilen kaum wirksam waren. Die etwa 2600 überlebenden Besatzungsmitglieder der deutschen Zerstörer wurden unter dem Kommando von Fregattenkapitän Fritz Berger, dem bisherigen Chef der 1. Zerstörer-Flottille, in vier Bataillonen im sogenannten Marineregiment Narvik (am 18. April umbenannt in Marine-Regiment Berger) zusammengefasst und den Gebirgstruppen General Dietls unterstellt. Diese Truppen waren nun von jeglichem Nachschub abgeschnitten: die deutschen Versorgungsschiffe waren versenkt oder aufgebracht worden, und die Briten besassen die uneingeschränkte Seeherrschaft in den Gewässern vor Nordnorwegen. So konnte die Warspite mit drei Kreuzern am 24. April ungehindert deutsche Stellungen in Narvik unter Beschuss nehmen. Der Mangel an Nachschub sollte eine bedeutende Rolle für die folgenden Kämpfe an Land spielen.

Am Tag nach dem zweiten Gefecht begann die Landung von alliierten Truppen im Raum Harstad im Vågsfjord und dessen Seitenarmen wie dem Salangen. Eine direkte Landung in Narvik hielt der britische Generalstab für zu riskant.

Der Kampf an Land
Die Alliierten – Polen, Frankreich, Grossbritannien und Norwegen – landeten 24'500 Mann, darunter Marineinfanteristen, französische Fremdenlegionäre und polnische Gebirgsjäger, die anschliessend bis Narvik vordrangen. Ihnen standen lediglich 4'600 Deutsche (2'000 Gebirgsjäger und 2'600 Mann von den gesunkenen Zerstörern) unter Generalleutnant Eduard Dietl gegenüber. Das Kräfteverhältnis stand so eindeutig zugunsten der Alliierten, dass Hitler am 17. April den deutschen Truppen den Befehl geben wollte, sich in Schweden internieren zu lassen. Nach Intervention des Führungsstabes des Heeres erhielt Dietl den Befehl, die Stadt zu verteidigen.

Am 24. April begannen zunächst norwegische Verbände unter Generalmajor Carl Gustav Fleischer, die Deutschen anzugreifen. Diese hatten sich teilweise in den Bergen um Narvik verschanzt. Die im Stadtgebiet verbliebenen Truppen mussten nach zähen Gefechten am 28. Mai 1940 Narvik räumen. Es gelang ihnen, die wichtige Erzbahn gegen die Alliierten zu halten. Bereits am 10. Mai hatte das Deutsche Reich die Westoffensive gegen Frankreich eröffnet. Zur Verstärkung ihrer Streitkräfte in Frankreich wurden die alliierten Truppen aus Norwegen ab dem 24. Mai abgezogen – zu einem Zeitpunkt, als es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit war, bis die deutschen Truppen hätten kapitulieren müssen. Die deutsche Wehrmacht konnte Narvik deshalb am 8. Juni erneut besetzen.

Westfeldzug (Der Fall Gelb) (10.05.1940 – 25.06.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_36/Deutsche und alliierte Angriffspläne

Der Westfeldzug der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, verlängert auch Frankreichfeldzug unter Bezug auf das Hauptziel genannt, ist die erfolgreiche Offensive vom 10. Mai bis 25. Juni 1940 gegen die vier westlichen Nachbarstaaten. Ein Teil der Offensive ist unter den Namen Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg bekannt.

Sie führte zur Niederlage und Besetzung der neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg (Fall Gelb) sowie zur Besetzung Frankreichs (Fall Rot). Sie endete mit dem In-Kraft-treten des Waffenstillstands von Compiègne am 25. Juni.

Der Westfeldzug ist auch als "Blitzkrieg" bezeichnet worden, war aber nicht als solcher geplant. Unerwartet führte der operative Erfolg der Panzer- und der Luftwaffe zu einem Bewegungskrieg, der durch einen rasanten Verlauf einen Wendepunkt der Kriegsgeschichte markierte.

Als Reaktion auf den Polenfeldzug hatten Frankreich und Grossbritannien dem Deutschen Reich, im Rahmen der britisch-französischen Garantieerklärung vom 31. März, am 3. September 1939 den Krieg erklärt, ohne militärisch wirksam einzugreifen. Dieser als "Sitzkrieg" bezeichnete Zustand endete ansatzweise erst Anfang April 1940, als es zu einem britisch-deutschen Wettlauf um die Besetzung Norwegens kam. Das "Unternehmen Weserübung" war Anfang Mai weitgehend zugunsten des Deutschen Reichs entschieden worden, woraufhin der Angriffsbefehl im Westen erteilt wurde. In Hitlers Proklamation an die Armeen der Westfront (10. Mai 1940) lautete der Schlusssatz: "Der heute beginnende Kampf entscheidet das Schicksal der deutschen Nation für die nächsten tausend Jahre". Damit endete der als Sitzkrieg eingefrorene militärische Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich endgültig und es begann die "Schlacht um Frankreich".

Zunächst wurden die Niederlande, Belgien und Luxemburg angegriffen. Am 14. Mai um 20:30 Uhr wurde per Rundfunk die Gesamtkapitulation der niederländischen Streitkräfte verkündet. Am 28. Mai um 4 Uhr stellte die belgische Armee das Feuer ein und kapitulierte bedingungslos. In Belgien wird die – vergebliche – Verteidigung des Landes als Campagne des 18 jours bezeichnet (10. bis 28. Mai = 18 Tage). In einer Art "Sichelschnitt" drangen deutsche Panzerverbände anschliessend binnen weniger Tage durch die Ardennen bis zur Kanalküste vor und kreisten die teilweise nach Belgien vorgerückten britisch-französischen Truppen ein. Das Gros des britischen Expeditionskorps und Teile der französischen Armee konnten jedoch während der Schlacht von Dünkirchen in der bis dahin grössten militärischen Rettungsaktion der Geschichte, der Operation Dynamo, nach Grossbritannien evakuiert werden.

Von den besetzten Benelux-Ländern aus erfolgte Anfang Juni der Angriff auf das französische Kernland, der mit der Besetzung von Paris am 14. Juni vorentschieden wurde. Der Waffenstillstand, der am 25. Juni 1940 in Kraft trat, teilte das eroberte Frankreich in eine deutsche Besatzungszone, die den Grossteil Frankreichs im Westen und Norden umfasste und der unbesetzten Zone im Südosten die vom Vichy-Regime ("Französischer Staat") verwaltet wurde, sowie in eine italienische Zone in den Westalpen, die sich Benito Mussolini durch seinen Kriegseintritt in der Endphase des Feldzugs sichern konnte.

Der Krieg gegen Grossbritannien konnte nun direkt von der Küste des Ärmelkanals mit der Luftschlacht um England und im Seekrieg (Atlantikschlacht) fortgeführt werden.

Vorgeschichte    
(aus Wikipedia)

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01_37/Karte der Maginot-Linie

Adolf Hitlers langfristiges Kriegsziel seit den 1920er-Jahren war die Eroberung von "Lebensraum im Osten". In seiner programmatischen Schrift "Mein Kampf" hatte er als Bedingung dafür die Ausschaltung Frankreichs zur Rückendeckung für den Feldzug gegen die Sowjetunion gefordert. Diese Zielsetzung verkündete er auch am 28. Februar 1934 in einer Rede in der Reichskanzlei vor Reichswehroffizieren, indem er erklärte, zur Gewinnung neuen Lebensraumes "kurze entscheidende Schläge erst nach Westen, dann nach Osten" zu führen. Hitler blieb aber in der Frage, wo er den Krieg eröffnen wolle, flexibel; so bekannte er in einer Rede vor den Oberbefehlshabern am 23. November 1939: "Ich habe lange gezweifelt, ob ich erst im Osten und dann im Westen losschlagen sollte". Schliesslich entschied er sich für den Überfall auf Polen.

Trotz der zielgerichteten Aufrüstung der Wehrmacht durch Hitler ab 1935 setzten sich in der Politik Frankreichs und des Vereinigten Königreichs zunächst die Prinzipien des Appeasement durch. Ihre Vertreter waren bereit, für eine spannungsfreie Koexistenz der grossen mitteleuropäischen Staaten auch Revisionen des Vertrages von Versailles zu dulden. Unter diesem Aspekt ist u. a. der deutsch-britische Flottenvertrag, die Duldung der Rheinlandbesetzung und des "Anschlusses" Österreichs sowie das Münchner Abkommen zu sehen. Die vertragswidrige "Zerschlagung der Rest-Tschechei" beendete die Appeasementpolitik. Frankreich und Grossbritannien versuchten nun ein Bündnissystem aufzubauen, um eine weitere Expansion des Deutschen Reichs zu verhindern: Am 31. März 1939 wurde die britisch-französische Garantieerklärung für Polen abgegeben, eine ähnliche Erklärung für Rumänien und Griechenland folgte am 13. April 1939. Mit der Türkei und der Sowjetunion wurde über Beistandsverträge verhandelt. Dabei war die britische Regierung die treibende Kraft. Mit dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts im August 1939 wurde deutlich, dass diese Eindämmungsversuche erfolglos waren.

Hitler hatte die Zugeständnisse der Westmächte als Schwäche von Staaten rezipiert, die – wenn nicht selbst angegriffen – auch in Zukunft eine militärische Konfrontation mit Deutschland scheuen würden. Diese zuletzt nur mehr mit Aussenminister Joachim von Ribbentrop geteilte Beurteilung führte dazu, dass Hitler bis zum britischen Ultimatum vom 3. September 1939 überzeugt war, dass es wegen Polen zu keiner militärischen Konfrontation mit den Westmächten kommen würde. Nachdem Polen geschlagen war, konnte sich Hitler der Ausschaltung Frankreichs zuwenden.

Taktische Grundlagen    
(aus Wikipedia)

Das operative Nachkriegsdenken Frankreichs wurde geprägt von Marschall Philippe Pétain, dem Generalinspekteur der französischen Armee. Angesichts der horrenden Verluste, die Frankreich bei seinen Offensivoperationen im Ersten Weltkrieg erlitten hatte und gestützt auf persönliche Abwehrerfolge ("Held von Verdun") räumte er der Verteidigung Priorität ein und forcierte den Ausbau eines starken Verteidigungswalls, der Maginot-Linie. Zur Rolle der Panzerwaffe enthalten seine Grundsatzweisungen von 1921 nur den Satz: "Panzer unterstützen das Vorgehen der Infanterie durch Niederkämpfen von Feldbefestigungen und von hartnäckigem Widerstand der Infanterie". Der junge Panzeroffizier Charles de Gaulle schlug hingegen in seinem Buch Vers l’Armée de Métier vor, als Kern der Landstreitkräfte hochmobile, gepanzerte Grossverbände aus Berufssoldaten zu rekrutieren, die die Entscheidung im Angriff suchen. Mit diesen Ideen konnte er sich allerdings erst nach Hitlers Sieg in Polen durchsetzen; bis zum Beginn des Westfeldzuges kam es zu keiner wesentlichen Umsetzung der neuen Strategie.

Unter dem Eindruck von Hitlers Rheinlandbesetzung und der Inaktivität Frankreichs erklärte Belgien am 14. Oktober 1936 seine Neutralität. Der Beistandspakt mit den Westmächten wurde durch die grobe Geheimabsprache ersetzt, im Falle einer deutschen Invasion in der "Dyle-Breda-Stellung" gemeinsam Widerstand zu leisten. Diese Linie verlief entlang der belgischen Maas bis Namur, dann über die sogenannte "Lücke von Gembloux" nach Wavre und von dort entlang der Dyle über Antwerpen und Breda bis Moerdijk mit Anschluss an die so genannte Festung Holland.

Im Deutschen Reich wurde die Taktik von Generaloberst Hans von Seeckt bestimmt, der ab 1920 die Reichswehr führte. Er war überzeugt, die Kriege der Zukunft würden von gut ausgebildeten, hochmobilen und von Fliegern unterstützten Heeren gewonnen werden. Da man Deutschland ein solches Heer in Versailles verwehrt hatte (Verbot von Panzer- und Luftfahrzeugen, Beschränkung auf 100.000 Mann Berufssoldaten), wollte er zumindest die Voraussetzungen dafür schaffen. Zur Sicherstellung einer raschen Expansion durch Truppenvermehrung nach dem Wegfall der Restriktionen erhielt die Masse der Reichswehrsoldaten eine weit über ihre aktuelle Funktion hinausgehende Ausbildung als Führungskräfte oder Spezialisten. Bezüglich der Entwicklung moderner Waffensysteme wurde die Kooperation mit dem Ausland angestrebt. Bedeutsam war vor allem die von 1922 bis 1933 laufende deutsch-sowjetische Zusammenarbeit (Panzer, Kampfflugzeuge, Giftgas). Die Restriktionen fielen am 17. März 1935; die Aufstellung deutscher Offensivstreitkräfte begann. Ihre Taktik: Panzerkräfte erzwingen gemeinsam mit der Infanterie und mit Luftwaffenunterstützung den Durchbruch und stossen dann rasch in die Tiefe des Gefechtsfelds vor. Die (motorisierte) Infanterie folgt, schaltet Widerstandsnester aus und sichert die Flanken des Vormarsches mit Hilfe von Panzerabwehrkanonen ab.

Ausgangslage    
(aus Wikipedia)

"Sitzkrieg"
Zwei Tage nach dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 erklärten Frankreich und das Vereinigte Königreich dem Deutschen Reich den Krieg; eine ernsthafte Offensive zur Entlastung der unter schwerem Druck stehenden Polen fand allerdings weder auf dem Boden noch in der Luft statt. Frankreich beschränkte sich auf ein Vorrücken bis einige Kilometer vor den Westwall ("Saar-Offensive") und es begann die Verlegung von Truppen des britischen Expeditionskorps (BEF) nach Nordfrankreich. Von der Royal Air Force (RAF) geplante Angriffe auf Ziele in Deutschland wurden von den Franzosen mit dem Hinweis auf mögliche Gegenangriffe untersagt. Nach der militärischen Niederlage Polens nahm der französische Oberbefehlshaber Maurice Gamelin seine Truppen bis Mitte Oktober 1939 wieder an die Maginot-Linie zurück.

Die folgenden Monate wurden als die Zeit des Sitzkrieges (frz. la drôle de guerre; engl. Phoney War) bezeichnet, da sich die Aktivitäten auf beiden Seiten auf die Aufklärung beschränkten. Im politisch tief gespaltenen Frankreich nahm die Ablehnung des Kriegs weiter zu. Einen wesentlichen Anteil daran hatte die politische Kehrtwendung der Sowjetunion. Josef Stalin am 8. September 1939 vor Wjatscheslaw Molotow, Andrei Schdanow und Georgi Dimitrow:

"Der Krieg wird zwischen zwei Gruppen kapitalistischer Staaten geführt – (arme und reiche im Hinblick auf Kolonien, Rohstoffe usw.) um die Neuaufteilung der Welt, um die Weltherrschaft! Wir haben nichts dagegen, dass sie kräftig aufeinander einschlagen und sich schwächen. Nicht schlecht, wenn Deutschland die Lage der reichsten kapitalistischen Länder (vor allem Englands) ins Wanken brächte. Hitler selber zerrüttet und untergräbt, ohne es zu verstehen und zu wollen, das kapitalistische System. […] Die Kommunisten der kapitalistischen Länder müssen entschieden gegen ihre Regierungen, gegen den Krieg auftreten".

Die Kommunistische Partei Frankreichs (PCF) erhielt daraufhin über die Komintern die Weisung, das Volksfront-Bündnis mit den Sozialisten zu lösen und die Kriegsanstrengungen des Landes zu sabotieren. Angebliche Sabotageakte in der französischen Rüstungsindustrie dienten als Vorwand, die PCF bis zum 26. September 1939 in ganz Frankreich zu verbieten. Der tatsächliche Umfang der Sabotage der französischen Verteidigungsbemühungen wird als extrem gering eingeschätzt. Eine kommunistische Organisation innerhalb der Armee existierte nicht, ebenso wenig wie organisierte Sabotageaktionen. Tatsächlich ist nur ein Fall beim Flugzeughersteller Farman bekannt, in dem Anfang 1940 Kommunisten auf eigene Faust Sabotage verübten. Die Regierung machte die kommunistische Propaganda für die Verschlechterung der Moral und den mangelnden Kriegsenthusiasmus verantwortlich, obwohl diese weder Defätismus verbreitete noch ihre Mitglieder zur Desertion oder zur Verbrüderung mit dem Feind anhielt.

Planungen    
(aus Wikipedia)

Alliierte
Die alliierte Strategie wurde von den Franzosen bestimmt. Diese planten, vor dem Frühsommer 1941 keine grenzüberschreitenden Operationen vorzunehmen. Deutsche Angriffe sollten an der von der Grenze zur Schweiz bis Sedan reichenden Maginotlinie abgewehrt werden, in der die Heeresgruppen 2 (Prételat) und 3 (Besson) eingesetzt waren. Einen Angriff über Belgien wollte man in der Dyle-Breda-Stellung zum Stehen bringen. In ihr sollte die Heeresgruppe 1 (Billotte) gemeinsam mit dem britischen Expeditionskorps (9 Divisionen) sowie Teilen der belgischen und niederländischen Armee zum Einsatz kommen.

Kommandostruktur: Oberbefehlshaber Gamelin hatte am 6. Januar 1940 die Verantwortung über die Nordostfront (Heeresgruppen 1–3) an seinen Stellvertreter General Alphonse Georges überantwortet; die Koordinierung des Einsatzes der französischen Heeresgruppe 1, des britischen Expeditionskorps und der belgischen sowie niederländischen Streitkräfte wurde nach der Invasion Belgiens an General Billotte übertragen.

Belgien und Niederlande
Die Belgier verfügten mit Lüttich, Antwerpen und Namur über drei befestigte Plätze; die Masse des Heeres (20 Divisionen) sollte jedoch in den Grenzstellungen zu Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden sowie in der Tiefe am Albert-Kanal eingesetzt werden. Mit dem Ausbau einer dritten Verteidigungslinie, der K.-W.-Stellung (Koningshooikt-Wavre-Stellung), von den Alliierten als Dyle-Breda-Stellung bezeichnet, wurde erst im August 1939 begonnen.

In den Niederlanden hoffte man, wie im Ersten Weltkrieg den Neutralitätsstatus wahren zu können, und war daher nicht bereit, Verteidigungsabsprachen zu treffen. Die eigene Verteidigung plante man entlang Maas und IJssel; als zweite Linie waren die Peel-Raam- und die Grebbe-Stellung vorgesehen. Die "Festung Holland" (Bereich Amsterdam, Rotterdam, Den Haag) sollte an der "Neuen-Wasserlinie" auf der Höhe von Utrecht verteidigt werden. Der Ausbauzustand dieser Linien war im Vergleich zu jenen der Belgier gering; auch der Ausbildungsstand der niederländischen Truppen war schlechter als der der Belgier.

Luxemburg
Das neutrale und unbewaffnete Luxemburg verfügte nur über ein kleines Freiwilligenkorps von 461 Mann, so dass eine bewaffnete Gegenwehr nicht denkbar war. Entlang der Grenze zu Deutschland wurde die Schusterlinie errichtet. Sie wurde nach dem Baukonduktor Schuster benannt und sollte mit Stahlpforten und Betonblöcken ein Vordringen deutscher Truppen behindern.

Deutsche
Als Hitler am 27. September 1939 seinen Entschluss bekanntgab, unverzüglich nach Ende des Polenfeldzugs die Westmächte anzugreifen, löste dies in der Generalität aufgrund des Stärkeverhältnisses "grösstes Entsetzen" aus. Nachdem Hitler alle Gegenargumente verworfen hatte, liefen die Planungen an. In den ersten drei Operationsentwürfen lag das Schwergewicht im Norden (Heeresgruppe B). Als Gegenvorschlag präsentierte der damalige Generalstabschef der Heeresgruppe A, Generalleutnant Erich von Manstein, seinen gemeinsam mit General der Panzertruppe Heinz Guderian entwickelten Sichelschnittplan, der als Kern einen Überraschungsstoss der Heeresgruppe A durch die Ardennen vorsah. Dieser Plan fand bei Generalstabschef Franz Halder wegen des panzerungünstigen Schlüsselgeländes in den Ardennen keine Gegenliebe. Er versetzte den unbequemen Manstein auf eine eher unbedeutende Position als Kommandierender General eines neugebildeten Korps nach Schwerin.

Hitlers Entschluss zum Angriff im Westen wurde definitiv, als ein positives Echo auf seine "Friedensrede" vom 6. Oktober ausblieb. Schon am 9. Oktober, als die Wirkung seiner Rede sich noch nicht abzeichnen konnte, hatte Hitler eine Denkschrift zum Thema Notwendigkeit des sofortigen Angriffs fertiggestellt und die Weisung Nr. 6 für die Kriegführung (Geheime Kommandosache, OKW Nr. 172/39) erlassen. Kurz darauf nannte er die Zeit zwischen dem 15. und 20. November als Angriffstermin. Am 23. November 1939 teilte er der Generalität in einer Ansprache seinen "unabänderlichen Entschluss" mit, England und Frankreich "zum günstigsten und schnellsten Zeitpunkt anzugreifen".

Alte und neue Pläne
Am 10. Januar 1940 wurde der gesamte bisherige Plan jedoch durch einen bizarren Vorfall zu Makulatur, als der Luftwaffenoffizier Major Helmut Reinberger mit brisanten Akten auf der Reise zu einer in Köln angesetzten Stabsbesprechung in Münster aufgehalten wurde. Er entschloss sich, das Angebot anzunehmen, in einer Kuriermaschine der Luftwaffe mitzufliegen, um sich die lange Fahrt mit dem Nachtschnellzug zu sparen, obwohl er damit gegen einen eindeutigen Befehl Hermann Görings verstiess, Geheimsachen nicht auf dem Luftweg zu überbringen. Seine Aktentasche enthielt den streng geheimen Plan für einen wichtigen Teil des deutschen Einfalls in Frankreich und die Niederlande.

Bald nach dem Start der Messerschmitt Bf 108 vom Flugplatz Münster-Loddenheide verdichteten sich dünne Nebelschleier zu einer geschlossenen Wolkendecke, und starker Ostwind bewirkte eine Windversetzung von etwa 30 Grad. Der Rhein, eine wichtige Orientierungslinie, wurde bei schlechter Sicht unbemerkt überflogen. Der Flugzeugführer, Major Erich Hönmanns, sichtete schliesslich einen Fluss und erkannte, dass es nicht der Rhein sein konnte. In der feuchten, eiskalten Luft vereisten die Tragflächen und der Vergaser ihrer Maschine; dann setzte der Motor aus. Hönmanns fand gerade noch rechtzeitig ein kleines Feld, auf dem notgelandet wurde. Unverletzt mussten die beiden Wehrmachtoffiziere erkennen, dass sie die Maas überflogen hatten und 80 Kilometer westlich von Köln bei Vucht in Belgien (heute: Maasmechelen) bruchgelandet waren.

Reinberger wollte sofort die Papiere verbrennen. Da aber keiner der beiden Zündhölzer bei sich hatte, liehen sie sich ein Feuerzeug von einem herbeigeeilten Bauern. Gerade als es Reinberger gelungen war, die Papiere trotz des starken Windes in Brand zu setzen, trafen belgische Gendarmen ein und löschten die Flammen.

Am gleichen Abend lagen die lesbaren Dokumente dem belgischen Generalstab vor, der sofort die Mobilmachung der belgischen Streitkräfte anordnete. Die Belgier übermittelten auch den französischen und britischen Armeen in Nordfrankreich eine Zusammenfassung des Inhalts der bei Reinberger gefundenen Unterlagen. Aus diesem Operationsplan ging hervor, dass das deutsche Heer in einer Umfassungsbewegung durch Belgien nach Frankreich hinein vorstossen sollte – ähnlich dem Schlieffen-Plan.

Hitler machte Göring heftige Vorwürfe und befahl, den Kurier bei seiner Rückkehr erschiessen zu lassen, wozu es nie kam, da Reinberger und Hönmanns den ganzen Krieg in einem kanadischen Kriegsgefangenenlager verbrachten. Die Umstände aber führten zu der sehr wichtigen Entscheidung, einen völlig neuen deutschen Angriffsplan auszuarbeiten.

Dies tat Erich von Manstein; er verwarf den alten, vorausberechenbaren Plan eines durch Belgien führenden Hauptstosses und arbeitete einen später als Sichelschnittplan bezeichneten Plan aus. Wie er Hitler am 17. Februar 1940 erklärte, sollte der deutsche Angriffsschwerpunkt stattdessen in den Ardennen liegen, einem undurchdringlich erscheinenden bewaldeten Bergland im Grenzgebiet zwischen Belgien, Frankreich und Luxemburg: Durch die unerwartete Angriffsrichtung hätten die Deutschen nicht nur den Vorteil des Überraschungsmoments auf ihrer Seite, sie standen auch vor dem verteidigungsschwächsten Abschnitt der französischen Grenze. Die deutschen Panzer würden die französischen Stellungen bei Sedan durchstossen (was ihnen später erstaunlich schnell gelang), einen Keil bis zum Ärmelkanal vortreiben und die anglo-französischen Armeen aufspalten. Die luftüberlegene deutsche Luftwaffe sollte die Panzer- und Fahrzeugkolonnen bei ihrem Marsch über die engen Ardennenstrassen schützen und dann einen Bombenteppich vor die Panzer legen, wenn sie nach Frankreich vorstiessen.

Schlacht von Fort Eben-Emael (10.05.1940 – 11.05.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_38/Die Lage des Forts an der belgischen Grenze

Die Luftlandeoperation gegen das belgische Fort Eben-Emael war ein Kampf zwischen den belgischen und deutschen Streitkräften zu Beginn des sogenannten Westfeldzuges im Zweiten Weltkrieg. Das Gefecht zur Einnahme des Sperrforts fand am 10. und 11. Mai 1940 statt und war Teil des Westfeldzuges, des deutschen Einmarsches in die Benelux-Länder und Frankreich. Eine Angriffsgruppe der deutschen Fallschirm-Pioniere wurde beauftragt, das Fort Eben-Emael, eine belgische Festung im Festungsring Lüttich, zu erobern, deren Artilleriegeschütze mehrere wichtige Brücken über den Albert-Kanal beherrschten. Diese Brücken mussten unbeschädigt erobert werden, um den Heereskräften den weiteren Vormarsch ohne Verzögerung nach Belgien und Frankreich hinein zu ermöglichen.

Ein Teil der deutschen Luftlandetruppen griff die Festung direkt an, um die Garnison und die Artillerie darin auszuschalten. Gleichzeitig gingen weitere Fallschirmjäger-Kampfgruppen gegen die drei Brücken vor, die über den Albert-Kanal führten. Die Festung wurde eingenommen und ebenso wie die drei Brücken gegen belgische Gegenangriffe verteidigt, bis die Spitzen der deutschen 18. Armee aus Richtung Aachen eintrafen.

Der Kampf war ein entscheidender Sieg für die deutschen Truppen. Die Luftlandetruppen erlitten zwar Verluste, es gelang aber, die Brücken bis zur Ankunft der deutschen Kräfte zu halten. Der Besitz des Forts trug massgeblich zum Erfolg des Westfeldzugs bei.

Deutsche Kriegsplanung
Der deutsche Planungsstab hatte durch Aufklärungsflüge (wahrscheinlich wurden Fotos von Zivilflugzeugen gemacht, welche die (seit 1926 beflogene) Strecke Köln – Paris beflogen) zahlreiche Informationen über die Festung gewonnen. Ein Angriff mit konventionellen Mitteln erschien unmöglich. Die Luftaufklärungs-Fotos zeigten, dass so gut wie keine Flugabwehr auf dem Fort vorhanden war und dass die Besatzung des Forts auf dem Plateau gelegentlich Fussball spielte. Daraus wurde zu Recht geschlossen, dass es nicht vermint war. Auf diesen Erkenntnissen fusste der deutsche Angriffsplan.

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01_39/Wirkung einer Hohlladung

Bei der Erstürmung des Forts kamen erstmals Hohlladungen als Waffe gegen die gepanzerten Festungsteile zum Einsatz. Die schwerste dieser Hohlladungen wog 50 kg. Die Hohlladung musste direkt auf ein Panzerteil abgelegt werden, 45 Sekunden nach dem Aktivieren des Zeitzünders zündeten dieser. Der sich dann entwickelnde Metallstachel durchschlug mit einer Geschwindigkeit von 15'000 m/s jede Panzerung. Da eine exakte Landung mit damaligen Fallschirmen nicht möglich war und auch die pioniertechnischen Mittel, insbesonddere die Hohlladungen, mit abgesetzt werden mussten, war eine Anlandung per Fallschirm nicht möglich. Stattdessen wurden Lastensegler vom Typ DFS 230 verwendet, die von Schleppflugzeugen wie dem Transportflugzeug Junkers Ju 52/3m über deutschem Gebiet in grosse Höhen geschleppt und dort ausgeklinkt wurden, um dann die 30 km von der deutschen Grenze bis nach Eben-Emael im Gleitflug – nahezu geräuschlos – zurückzulegen. Dort landeten sie im Morgengrauen des 10. Mai 1940 in Steilspiralen auf dem Dach des Forts. Die wenigen Soldaten der Besatzung, die einen der Gleiter sichteten, waren der Ansicht, es seien belgische Flieger in Not, da die deutschen Gleiter von der belgischen Seite kamen, nachdem sie das Fort umflogen hatten. Zugleich begann im Morgengrauen der allgemeine deutsche Angriff auf die Niederlande, Frankreich und Luxemburg.

Zur Durchführung des Auftrages wurde die Sturmabteilung Koch mit 353 Mann und 41 Lastenseglern in 4 Sturmgruppen "Granit", "Beton", "Stahl" und "Eisen+ (je 1 Oberleutnant, 2 Oberfeldwebel, 22 Unteroffiziere und 57 Mann) und diese wieder in elf Sturmtrupps zu je sieben bis acht Fallschirm-Pionieren gegliedert. Sie waren mit Maschinenpistolen, Karabinern, Pistolen, Handgranaten, Flammenwerfern und Sprengmitteln bewaffnet. Pionier-Zugführer war Rudolf Witzig. Die Gruppen starteten mit je 10 bis 11 Lastenseglern in Köln-Ostheim (Fliegerhorst Ostheim) und Köln-Butzweilerhof. Das Schleppseil, an dem Witzigs Lastensegler hing, riss beim Treffen der Gruppen über Efferen bei Köln. Der Pilot des Lastenseglers versuchte nach Ostheim umzukehren, schaffte es jedoch nur zu einer Wiese jenseits des Rheins. Auch ein weiterer Lastensegler musste vorzeitig durch ein Missverständnis bei Düren landen. Witzig organisierte eine neue Schleppmaschine für den in Köln gelandeten Lastensegler und konnte so gegen 8:30 Uhr noch auf dem Dach des Forts landen.

Ebenfalls mit Lastenseglern wurden die Brücke bei Canne, die bei Vroenhoven und die bei Veldwezelt angeflogen.

Das Fort war zwar alarmiert, aber noch nicht voll gefechtsbereit: Werk 13 war noch nicht besetzt, Werk 31 hatte noch keine Munition und die 7,5-cm-Kanonen des Werkes 12 waren noch eingefettet; Werk 24 konnte nicht gefechtsbereit gemacht werden, da der Munitionsaufzug nicht funktionierte und auch Teile der Zünderstellmaschine fehlten.

Etwa um 5:25 Uhr, eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang (die Piloten konnten ihre Landeplätze ausreichend erkennen), landeten neun Lastensegler mit Fallschirmpionieren auf dem Dach der Festung. Sieben landeten jeweils in unmittelbarer Nähe ihrer Kampfziele; zwei an der Nordspitze der Festung, von wo sie zunächst nicht in den Kampf eingreifen konnten. Bei der Landung wurden sie von vier Maschinengewehren beschossen, von denen aber bald zwei wegen Ladehemmungen ausfielen, während das dritte Maschinengewehr vom ersten landenden Segler umgerissen und das vierte von dessen ausgestiegener Besatzung ausgeschaltet wurde.

Binnen zehn Minuten nach der Landung sprengten die sieben Sturmtrupps – jeweils mit einer aufgesetzten Hohlladung – alle Artilleriewerke des Forts (ausser 9), dazu die FIaMG (Werk 29), den Infanterieblock 30 und einen Entlüftungsschacht (Werk 10). Die Werke 12 und 18 wurden bis auf Sohlentiefe gesprengt. Die Angreifer vernebelten einige Beobachtungskuppeln. Das Fort war nun "blind"; die Verteidiger konnten sich keinen Überblick über die Lage verschaffen.

Eine verbogene Lüfterschaufel erzeugte soviel Lärm, dass die Verteidiger glaubten, die Angreifer würden den Hügel unterminieren, um ihn zu sprengen. Die enormen Detonationen der Hohlladungen, die den ganzen Hügel erschütterten, trugen ebenfalls zu diesen Befürchtungen bei.

Später versuchten die deutschen Angreifer mehrfach, einen Weg in das Innere des Forts zu sprengen; teilweise gelang dies jedoch erst nachrückenden Sturmpionieren mit Sprengtrupps.

Es gelang den Deutschen, in das Fort selbst einzudringen, indem sie in die Kasematte "Maastricht 1" ein Loch sprengten. Die belgische Besatzung der Kasematte wurde durch die Explosion getötet; die Besatzung des Forts versperrte den Zugang zur Kasematte daraufhin mit dafür vorgesehenen Stahlprofilen und Sandsäcken. Hinter diesem 50 bis 80 Zentimeter starken Hindernis bezogen die belgischen Soldaten Stellung und warteten darauf, dass der Feind durch die verbarrikadierten Türen brechen würde.

Dies erwies sich als taktischer Fehler, da die Deutschen dadurch genügend Zeit erhielten, um eine 50-kg-Hohlladung an den Türen zu befestigen und per Zeitzünder zur Explosion zu bringen.

Der Explosionsdruck der Hohlladung zerstörte die Barrikade und tötete die hinter den Türen verschanzten belgischen Soldaten. Im Gang standen Fässer oder Kisten mit Chlorkalk zur Desinfizierung der Toiletten, die durch den Explosionsdruck platzten und Dämpfe freisetzten. Diese verteilten sich in den Gängen, so dass die Belgier annahmen, dass die Deutschen Giftgas einsetzten.

Zudem zerstörte der Druck der Explosion die 20 Meter hohe Stahlkonstruktion der Geschützturmtreppe, so dass die Deutschen den Turm nicht mehr als Zugang nutzen konnten. Nach dieser Erfahrung sahen die Deutschen davon ab, weitere Türme auf diese Art zu erobern, da das Fort nach der Eroberung weitergenutzt werden sollte.

Weil dem Festungskommandanten zu diesem Zeitpunkt klar wurde, dass nur die Zurückerlangung des Plateaus den Verlust des Forts verhindern könne, befahl er den Ausfall. Um das Plateau wieder zu nehmen, hätte die Fort-Besatzung von unten dorthin vorstossen müssen, denn es gab von oben keinen Zugang auf das Plateau. Die Verteidiger waren zwar zahlenmässig 10:1 überlegen; sie setzten aber zu wenig Kräfte ein, um die deutschen Soldaten vom Dach des Forts zu treiben. Zudem hatten die Deutschen dort eine gute Verteidigungsposition und konnten ihre Stellungen halten. Die belgische Führung in Lüttich konnte sich ebenfalls nicht zu einem entschlossenen Gegenangriff durchringen.

Kommandant und Besatzung konnten nicht erkennen, welche Kräfte das Fort angriffen. Dazu kam ein erheblicher psychischer Druck; sie befürchteten wegen der Erschütterungen, dass die Anlage einstürzen werde. Damals waren Hohlladungen und ihre Wirkung noch weitgehend unbekannt. So blieb es für die Besatzung rätselhaft, wie ihre Geschütze derart schnell ausgeschaltet werden konnten.

Am nächsten Morgen erreichten Entsatztruppen des Heeres auf dem Landweg Fort Eben-Emael. Als erster kämpfte sich Feldwebel Portsteffen vom Pionierbataillon 51 gegen 7:00 Uhr morgens in einem Schlauchboot unter Feindfeuer über den Albert-Kanal setzend zu den Fallschirmjägern durch. Einige Stunden gab es harte Kämpfe um das Eingangswerk und den Kanal.

Der Fort-Kommandant Major Jottrand bat den belgischen Generalstab um eine Entscheidung, ob er aufgeben solle oder nicht. Die belgische Führung überliess dem Major diese Entscheidung. Er kapitulierte am 11. Mai um 11:30 Uhr.

24 belgische und sechs deutsche Soldaten waren bei den Kämpfen ums Leben gekommen. Alle übrigen belgischen Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Diese wurden streng getrennt von anderen Kriegsgefangenen gehalten, um zu verhindern, dass Informationen über den Einsatz der Lastensegler und Hohlladungen nach aussen drangen.

Wortlaut Wehrmachtbericht: Samstag, 11. Mai 1940: (Sondermeldung) "Das stärkste Fort der Festung Lüttich, Eben-Emael, das die Übergänge über die Maas und den Albert-Kanal bei und westlich Maastricht beherrscht, hat sich Sonnabendnachmittag ergeben. Der Kommandant und 1000 Mann wurden gefangen genommen".

Das Fort wurde schon am 10. Mai durch eine ausgesuchte Abteilung der Luftwaffe unter Führung von Oberleutnant Witzig und unter Einsatz neuartiger Angriffsmittel kampfunfähig gemacht und die Besatzung niedergehalten. Als es einem von Norden angreifenden Verband des Heeres nach hartem Kampf gelungen war, die Verbindung mit der Abteilung Witzig herzustellen, hat die Besatzung ihre Waffen gestreckt.

Sonntag, 12. Mai 1940 Zwischen Hasselt und Maastricht ist der Übergang über den Albert-Kanal erzwungen. Das Fort Eben-Emael, südlich Maastricht, der stärkste Eckpfeiler Lüttichs, ist, wie schon durch Sondermeldung bekanntgegeben, in deutscher Hand. Der Kommandant und die Besatzung von 1'000 Mann haben sich ergeben.

Weitere Folgen für den Krieg
In psychologischer Hinsicht war der schnelle Fall von Eben-Emael für die Alliierten fatal, denn sie wussten nichts über die Methoden des Angreifers. Der militärische Nutzen der von Frankreich mit grossem Aufwand gebauten Maginot-Linie war damit in Frage gestellt.

Während des Krieges wurde die Anlage häufig ausgewählten Besuchern aus Staaten gezeigt, die mit dem Deutschen Reich verbündet waren; dabei hielten die Deutschen aber ihre Methoden beim Angriff sorgfältig geheim.

Hitler versuchte bei einem Treffen am 23. Oktober 1940 in Hendaye, den spanischen Diktator Franco dazu zu bewegen, auf Deutschlands Seite in den Krieg einzutreten. Franco solle das britische Gibraltar in einem Überraschungscoup besetzen. Dazu bot Hitler Franco die bei Eben-Emael erfolgreichen Soldaten an. Franco lehnte dies ab; Spanien blieb den ganzen Zweiten Weltkrieg neutral.

Verluste

Schlacht am Grebbeberg (10.05.1940 – 13.05.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_40/Kartenausschnitt vom Grebbeberg

Die Schlacht am Grebbeberg (Niederländisch Slag om de Grebbeberg) war ein grösseres Gefecht während des Westfeldzuges entlang der Grebbe-Linie im Zweiten Weltkrieg.

Schauplatz
Der nördliche Teil des Grebbebergs bildet der Laarsenberg, der Süden wird das Gelände von Niederrhein und Valleikanaal begrenzt, im Westen von der Stadt Rhenen und im Osten die Überschwemmungsfläche bis Wageningen. Der 52 Meter hohe Grebbeberg war der östlichste Punkt der niederländischen Verteidigung an der Grebbe-Linie zwischen den Städten Rhenen und Wageningen an der Grenze der Provinzen Utrecht und Gelderland. Der Grebbeberg liegt am Ouwehands Dierenpark und war aufgrund seiner Lage über dem Nederrijn von strategischer Bedeutung. Bereits im Jahr 2000 v. Chr. wurden am Grebbeberg Befestigungsanlagen erbaut. Der Grebbeberg ist mit Eichen bestanden und besitzt teilweise sehr steile Kanten und Klippen. Zu den Besonderheiten gehören Erosion und auf der Südseite ein besonders warmes Mikroklima. So bietet der Grebbeberg einer sehr speziellen Flora Lebensraum. Die Gefallenen, Deutsche wie Niederländer, wurden nach der Schlacht am Grebbeberg beerdigt. Nach dem Krieg wurden die deutschen Opfer in Ysselsteyn umgebettet.

Vorgeschichte
Wasserwege wie die Maas und die IJssel bildeten die geographischen Hindernisse der "Festung Holland". Die Grebbe-Linie bildete davon den östlichen Teil. Die Grebbe-Linie wurde bereits 1745 erbaut und war zum ersten Mal im Jahre 1794 gegen die Franzosen im Einsatz. Ende der 1930er Jahre wurde eine Reihe von Bunkern und Kasematten in der Gegend südlich des IJsselmeer und nördlich des Rheins errichtet. Es gab grosse Mängel in der Konstruktion der Bunker, welche schwierig gegen Angriff von den Flanken und von hinten zu verteidigen waren. Die Bewaffnung der Bunker war überholt. Vieles entstammte noch aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Aus Rücksicht zur Zivilbevölkerung wurden Gebäude und Bäume aus der Schusslinie nicht entfernt. Für den Angreifer war somit viel Deckung vorhanden. Das Grabensystem folgte dem Muster aus dem Ersten Weltkrieg.

Die Verteidigungslinie bestand aus seiner Reihe von Aussenposten (Voorpostenlijn), einer Frontlinie (Frontlijn), einer Stoplinie (Stoplijn) und eine Schlusslinie (Ruglijn). Deutsche Spione erkannten, dass der Grebbeberg, aufgrund des Fehlens von Überflutungsflächen, der schwächste Punkt in der Grebbelinie sein musste.

Der Angriff
Der Kampf begann am 10. Mai 1940 um 03:55 Uhrzeit durch die deutsche Heeresgruppe B. Der Widerstand an der IJssel und bei Westervoort war stärker als erwartet. Die 207. Infanterie-Division unter Generalleutnant Carl von Tiedemann und das SS-Regiment "Der Führer" unter SS-Standartenführer Georg Keppler, beide der 18. Armee unterstellt, erhielten den Befehl, den Grebbeberg zu nehmen.

11. Mai 1940
Am 11. Mai 1940 begann der Sturm auf die niederländischen Aussenposten, die einen drei Kilometer breiten Abschnitt vor dem Grebbeberg abdeckten. Verteidigt wurden die Aussenposten durch das 8. Infanterie-Regiment (III-8 RI) /4. Infanterie-Division. Die Aussenposten waren durch Sandsäcke und hölzerne Hindernisse nur improvisiert und unzureichend gesichert. Der Wirkungsradius des Abwehrfeuers war so angelegt, dass es sich nicht überlappte. Der deutsche Angriff begann mit einem Artillerieschlag auf die Linie der Aussenposten, welcher die niederländische Kommunikation lahmlegte. Aufgrund der Mängel in der niederländischen Verteidigung konnten zwei Bataillone Stosstrupps des SS-Regiments "Der Führer" die Abwehr dadurch neutralisieren, dass eine Gruppe Deckungsfeuer schoss, während die andere nach Schwachstellen für einen Flankenangriff suchte.

Im Nordsektor, im Bereich einer Überschwemmungsfläche, begann der Angriff gegen das niederländische 19. Infanterie-Regiment (19 RI) in der Frontlinie bei Kruiponder. Der Angriff wurde mit Unterstützung der niederländischen Artillerie zurückgewiesen. Die niederländische Linie war bereits vom SS-Regiment umgangen. Um 18 Uhr kapitulierten die Niederländer in der letzten Stellung der Aussenpostenlinie.

In den Abendstunden versuchen deutsche Panzerwagen den Berg zu stürmen, werden jedoch mit 47-mm-Pak-Geschützen zurückgetrieben. Der Artillerie-Sergeant Chris Meijer wurde hingerichtet, da ihm angelastet wurde, seinen Posten verlassen zu haben. Gegen 21 Uhr wollte das II. Bataillon des 19 RI zum Gegenangriff gegen die besetzten Aussenposten übergehen, wo sie 3.000 SS-Grenadieren begegnen würden. An der niederländischen Seite vermutete man nur einige hunderte von deutschen Soldaten. Der Gegenangriff wurde nicht ausgeführt. Die niederländische Artillerieunterstützung vereitelte ihrerseits einen deutschen Nachtangriff. Die Deutschen vermuteten, dass der deutsche Angriff schon während des Aufbaus von den niederländischen Artilleriebeobachtern erkannt wurde. Das war aber nicht der Fall.

12. Mai 1940
Am Pfingstsonntag, dem 12. Mai 1940, konzentrierte sich der Schwerpunkt des deutschen Angriffs auf den östlichen Abhang des Grebbebergs. Der Hügel wurde von vier Kompanien der II-8 RI und I-8 RI verteidigt. Verstärkt wurden diese Einheiten durch eine Maschinengewehr-Kompanie und eine Panzerjäger-Einheit, welche die umliegenden Kasematten bezogen hatte. Die niederländische Verteidigung war besser organisiert als am Vortage, und die Deutschen fanden keinen toten Winkel, um dort einzudringen. Das deutsche Artilleriefeuer war nicht in der Lage, die niederländischen Bunker zu zerstören, doch es demoralisierte die niederländischen Soldaten, die hauptsächlich aus Wehrpflichtigen bestanden. Um die Mittagsstunden fiel das Fort Hoornwerk, danach wurde der bewaldete Hang des Grebbebergs gestürmt. Die niederländischen Verteidiger hatten nicht genügend Kräfte für einen Gegenangriff. Gegen 13 Uhr kam es zur ersten Begegnung zwischen den Gegnern. Die niederländische Abwehr brach unter der überlegenen deutschen Feuerkraft zusammen. Major Johan Henri Azon Jacometti vom II-19 RI fiel dabei. Weil das SS-Regiment auf engem Raum konzentriert war, wurde es verwundbar für niederländische Artillerie und Granatwerfer.

Am späten Nachmittag "säuberten" die SS-Grenadiere vom III. Bataillon/SS-Regiment "Der Führer" unter SS-Obersturmbannführer Hilmar Wäckerle einen Teil des Bereichs zwischen Stoplinie und Frontlinie von Feindwiderstand. Wäckerle sah es als eine Frage der persönlichen Ehre an, den Grebbeberg, um jeden Preis zu nehmen. Wäckerle befahl zwei Stosskeile gegen die Stoplinie an der Strasse Rhenen-Wageningen und den anderen südlich in der Nähe des Rheins. Wäckerle erreichte die Eisenbahnlinie Rhenen-Veenendaal. Durch den schnellen Vorstoss des III. Bataillons konnten nachrückende Einheiten nicht folgen.

Die niederländische Abwehr, v. a. II-19 RI konnte sich wieder stabilisieren. Verstärkung durch das 46. Infanterie-Regiment (I-46 RI) erreichte die Grebbe-Linie. Die ersten Truppen, die auf dem Schlachtschauplatz erschienen, waren das 3. und 4. Husaren-Regiment. Der einzige Weg nach Rhenen verlief unterhalb des Viaduktes, welches von Truppen der Koninklijke Marechaussee angeführt von Hauptmann G.J.W. Gelderman. Geldermann eröffnete das Feuer und traf dabei sowohl den Gegner als auch eigene Soldaten. Einer SS-Kompanie gelang es, sich in einer Fabrik zwischen Eisenbahnlinie und Rhein festzusetzen.

Die Verstärkungen wurden vom Kommandeur der Feldarmee, Baron van Voorst tot Voorst, entsandt. Ihm standen verhältnismässig geringe Kräfte zur Verfügung, da viele Reserven bei der Abwehr der Luftlandungen in Dordrecht, Rotterdam und die Flugplätze rund Den Haag gebunden waren. Vorgesehen waren das II-11 RI, I-20 RI sowie fünf weitere Bataillone, um die Stoplinie zu einer neuen Abwehrlinie neu zu organisieren. Drei Bataillone sollten den Grebbeberg, die Stoplinie und die endgültige Linie stabilisieren, während nördlich vom Grebbeberg vom Dorf Achterberg mit vier Bataillonen ein Flankenangriff geführt werden sollte.

13. Mai 1940
Am Morgen des 13. Mai 1940 hatte Generalleutnant von Tiedemann den Kontakt zum III. SS-Bataillon Wäckerle verloren. Von Tiedemann beschloss, angesichts der verwirrenden Lage auf dem Grebbeberg, eine zweite Angriffsachse zu eröffnen. Zu diesem Zweck wurde die 207. ID nicht im nördlichen Sektor, sondern gegen den Grebbeberg selbst eingesetzt. Die Angriffe beider Seiten wurden von indirektem Feuer unterstützt. Die Niederländer forderten Luftunterstützung der British Royal Air Force an. Dieser konnte jedoch nicht erfolgen, da alle Kräfte in der Schlacht um Frankreich gebunden waren. Nur die Koninklijke Luchtmacht (die niederländische Luftwaffe) konnte vier Fokker C.X leichte Doppeldecker entbehren, die insgesamt 30 Bomben auf deutsche Artilleriestellungen vor dem Grebbeberg abwarfen.

Der niederländische Gegenangriff in der Nähe von Achterberg verzögerte sich um vier Stunden und begann um 8 Uhr. I-29RI, III-29RI, II-24RI und I-20RI gingen in den Kampf, waren jedoch schlecht vorbereitet, schlecht ausgerüstet und vom langen Marsch erschöpft. Die deutschen Verbände hatten mittlerweile auf breiter Front die Stoplinie erreicht. Artilleriefeuer und irrtümlicher Beschuss durch eigene MGs führten zu hohen Verlusten bei den Niederländern. Gegen 14 Uhr griffen 27 Junkers Ju 87-Sturzkampfbomber an und richteten grosse Verwirrung unter den niederländischen Truppen an. Die niederländischen Truppen wurden danach von einer "Sauve qui peut"-Mentalität erfasst. Damit brach die Verteidigungslinie der 4. Division am Grebbeberg zusammen.

Durchbruch an der Stoplinie
Erneut sollten Entsatztruppen in das Kampfgeschehen eingreifen. Die Kommunikation zwischen den niederländischen Truppen war durch den Stosskeil des Bataillons Wäckerle unterbrochen. Am Vortage wurden Schützengräben an der Strasse Rhenen – Wageningen bereits aufgegeben. Es erwies sich als fatale Entscheidung, keine Waldflächen in der Nähe der Stoplinie abgeholzt zu haben. Dies wurde nun zum Nachteil der Verteidiger, die nicht in der Lage waren, um die deutschen Truppen durch die Abdeckung unten zu halten, wozu die Bäume vorgesehen waren. Mit der Stoplinie war die gesamte Grebbelinie in Gefahr, da es keine tieferen Verteidigungsanlagen mehr gab, welche den deutschen Angriff noch hätten aufhalten können.

Nach einem deutschen Einbruch kam es zu einer vorübergehenden Panik bei den wenig fronterfahrenen Einheiten. Ein zweiter Artillerieschlag führte zur Stabilisierung, und gegen die Mittagsstunden war die Stoplinie ausser Gefecht gesetzt. Der Befehlshaber des I-8RI, Major Willem Pieter Landzaat, gab Durchhalteparolen wie "steht fest hinter den Trümmern" und "Widerstand leisten bis zur letzten Patrone" durch. Landzaat fiel im Kampf. Die in Rhenen verbliebenen niederländischen Truppen waren zu schwach und zu stark demoralisiert, um einen weiteren Angriff zu führen. Im Laufe des Tages verliessen weitere niederländische Verbände das Schlachtfeld, um sich in Richtung Westen zurückzuziehen.

Währenddessen hatte eine SS-Kompanie die Nacht in der verlassenen Fabrik verbracht. Sie unternahmen zwei Versuche, die letzte Linie des Gegners zu durchbrechen. Wäckerle verletzte dabei zweimal geltendes Kriegsrecht: einerseits, weil er niederländische Kriegsgefangene als menschliche Schutzschilde missbrauchte, und andererseits, weil er einen Angriff unter der Verwendung von Feinduniformen durchführen liess. Die so maskierten SS-Männer wurden jedoch an ihren Stiefeln erkannt.

Die Marechaussee-Einheit hatte den Befehl, eigene Soldaten hinrichten zu lassen, die sich nach Westen absetzen wollten. Das Viadukt wurde von zurückweichenden Kräften zerstört. Wäckerle selbst wurde im Laufe der Kampfhandlungen schwer verwundet. Luftangriffe auf die Brigade B nördlich des Grebbeberges führte zu nur geringen physischen Schäden, aber zu einer starken Demoralisierung.

Das Ende
Der Fall des Grebbeberges war von entscheidender Bedeutung im Feldzug gegen die Niederlande. Dadurch brach die gesamte Grebbelinie zusammen, und als Folge mussten sich vier niederländische Divisionen zurückziehen. Deutsche Truppen stellten erst am 14. Mai 1940 fest, dass die Linie verlassen war.

Verluste

Schlacht bei Hannut (12.05.1940 – 14.05.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_41/Kartenausschnitt von Hannut

Die Schlacht bei Hannut war die grösste Panzerschlacht während des Westfeldzuges im Rahmen des Zweiten Weltkriegs, die vom 12. bis zum 14. Mai 1940 bei Hannut im zentralen Teil Belgiens stattfand.

Vorgeschichte
Der am 10. Mai begonnene Angriff der Heeresgruppe A durch die Ardennen war planmässig verlaufen. Das XVI. Panzerkorps unter Erich Hoepner hatte die Maas und ganz in der Nähe des belgischen Forts Eben-Emael auch den

Albert-Kanal überquert. Die Alliierten versuchten, in Belgien vorgeschobene Positionen entlang dem Fluss Dijle (Dyle-Stellung) einzunehmen und dort den deutschen Vormarsch aufzuhalten. Eine Schwachstelle – weil ohne natürliche Hindernisse – bildete die ungefähr 33 km lange, sogenannte Gembloux-Lücke. Hier wurden starke Einheiten zusammengezogen, eine vorgelagerte Panzersperre verstärkte die Stellung. Das französische Kavalleriekorps Prioux unter René Prioux sollte noch weiter vorrücken und bei Hannut den deutschen Aufmarsch verzögern, um genügend Zeit für den Ausbau der Dyle-Stellung zu erhalten.

Kräfte

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01_42/Zerstörte französische Panzer AMC Somua, ein Geschütz im Vordergrund (Mai 1940)

Auf französischer Seite stand das Kavalleriekorps Prioux mit der 2. und 3. leichten mechanisierten Division. Sie verfügten über 600 Panzer, darunter 239 Hotchkiss H-35 und 176 Somua S-35 sowie Aufklärungspanzer Renault AMR 35-ZT und 90 Spähpanzer Panhard 178.

Auf deutscher Seite stand das XVI. Panzerkorps mit der 3. und 4. Panzer-Division mit 620 Panzern: 498 Panzerkampfwagen I und Panzerkampfwagen II, 73 Panzerkampfwagen III und 52 Panzerkampfwagen IV.

Verlauf
Am Morgen des 12. Mai stiessen die vorrückenden deutschen Panzer auf die französischen Einheiten bei Hannut. Die deutschen Panzer zeigten sich gerade dem Somua S-35 eindeutig unterlegen, so dass ein Weiterkommen zunächst nicht möglich war.

Am zweiten Tag konzentrierte General Hoepner die Angriffe auf einen schmalen Abschnitt der Front. Die französischen Panzer waren gleichmässig über die Front verteilt, auch stand keine Reserve zur Verfügung. So gelang den deutschen Panzern der Durchbruch, ein Grossteil der französischen Panzer konnte gar nicht in die Kämpfe eingreifen. Am 14. Mai erreichten die deutschen Truppen Perwez.

Folgen
Das französische Kavalleriekorps zog sich nach Westen zurück, die deutschen Kräfte setzten nach. In Gembloux, 35 km im Südwesten, gingen die Kämpfe in die nächste Runde.

Die französischen Panzer waren den deutschen technisch überlegen – nur die Panzer IV konnten etwas gegen die starke Panzerung des SOMUA ausrichten. Deshalb hatten die deutschen Truppen die grösseren Verluste.

Als entscheidend hatte sich jedoch die modernere deutsche Einsatzkonzeption erwiesen: während die Franzosen eine eher starre Taktik verfolgten, gingen die Deutschen dynamisch vor, nutzten die Möglichkeiten der Funkkommunikation und konnten schnell neue Schwerpunkte setzen. Auch beim Zusammenspiel der Waffengattungen (Gefecht der verbundenen Waffen) agierten die Deutschen überlegen: die Panzer wurden durch starke Luftwaffenverbände unterstützt, darunter Stukas, die viele französische Panzer zerstörten. Deshalb gelang den Deutschen der Durchbruch.

Verluste

Schlacht bei Sedan (13.05.1940 – 15.05.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_43/Kartenausschnitt von Sedan

Die Schlacht bei Sedan (auch "Panzerdurchbruch bei Sedan"; Französisch 'percée de Sedan' = Durchbruch bei Sedan) war eine entscheidende Schlacht während des Westfeldzuges im Zweiten Weltkrieg, die vom 13. bis zum 15. Mai 1940 bei Sedan stattfand. Die Schlacht war der wichtigste Teil des deutschen Schlachtplanes zur Einkreisung der alliierten Armeen in Belgien und im Nordosten Frankreichs (Sichelschnittplan). Die deutsche Heeresgruppe A überquerte hier mit dem XIX. Armeekorps unter General Heinz Guderian die Maas mit der Absicht, von einem sicheren Maasübergang aus tief nach Nordwesten in Richtung der Küste des Ärmelkanals und somit in den Rücken der gemäss dem Dyle-Plan nach Belgien vorgerückten alliierten Truppen vorzustossen.

Vorgeschichte
Der am 10. Mai begonnene Angriff der Heeresgruppe A durch die Ardennen war bis dahin weitgehend gemäss dem deutschen Feldzugsplan verlaufen. Die Panzergruppe Kleist war gegen den Widerstand von zwei Divisionen belgischer Ardennenjäger durch das bewaldete Hochland durchgebrochen und hatte auch die zur Verstärkung entsandten französischen Kavallerieverbände am 12. Mai zur Aufgabe ihrer Verteidigungslinie an der Semois und zum Rückzug hinter die Maas gezwungen. Am selben Abend erreichten die ersten Einheiten von Guderians Korps die Maas bei Sedan, kurz nachdem die letzten französischen Einheiten den Fluss überquert hatten und die Brücken gesprengt worden waren.

Früher am Tag hatten der Befehlshaber der Panzergruppe Ewald von Kleist und Guderian bei einem Treffen die Angriffe des nächsten Tages besprochen. Da die Masse der Artillerie Guderians noch in den Ardennen feststeckte, war man zur Vorbereitung des Angriffs über den Fluss auf die Unterstützung der Luftwaffe angewiesen. Zusammen mit dem Kommandierenden General des II. Fliegerkorps Bruno Loerzer hatte Guderian einen Angriffsplan ausgearbeitet, der aufeinanderfolgende Wellen von Luftangriffen auf die französischen Stellungen vorsah. Der Sturm über den Fluss sollte erst am Nachmittag beginnen, da Guderian abwarten wollte, bis seine zurückhängende 2. Panzer-Division in Position gegangen war.

Verlauf
Der Angriff der Luftwaffe im Bereich der Panzergruppe Kleist am 13. Mai wurde mit der Masse der Luftflotte 3 und Teilen der Luftflotte 2 ausgeführt; davon waren allein 300 zweimotorige Bomber und 200 Stukas bei Sedan eingesetzt. Durch die gezielten, dauerhaften Bombardierungen, die schon am Morgen begannen und kurz vor dem Angriff der Bodentruppen am Nachmittag ihren Höhepunkt erreichten, brach die psychologische Widerstandskraft der französischen Verteidiger des hier eingesetzten X. Korps (55. und 71. Infanterie-Division, 3. Nordafrikanische Division). Hauptziel der Angriffe war die an der Maas-Schleife und rund um Sedan eingesetzte 55. Infanterie-Division, eine Division der Kategorie B (Reservisten älter als 30 Jahre), die in den Monaten vor dem Angriff kaum Gefechtsausbildung bekommen hatte, da der französische Oberbefehlshaber Marschall Gamelin hier nicht mit einem deutschen Angriff rechnete ("Die Ardennen sind für Panzer unpassierbar"!). Bei den Luftangriffen wurden vor allem die offen verlegten Kabel der französischen Feldfernsprecher zerstört, wodurch die vordersten Verbände keinen Kontakt mehr zu ihren Kommandeuren hatten und somit ein koordinierter Abwehrkampf nicht mehr möglich war. Auch waren die Bunker im Abschnitt Sedan zum grossen Teil noch im Rohbau, viele Bunker hatten weder Türen noch verschliessbare Schiessscharten. Selbst das Anlegen von Minenfeldern hatten die Franzosen unterlassen, obwohl sie knapp 1'000 Minen zur Verfügung hatten. Diese wurden später von deutschen Truppen in einem Depot entdeckt.

Um 16 Uhr begann das XIX. Armeekorps, gedeckt durch die Luftangriffe von Stukas und Bombern, mit dem Angriff über die Maas. Die 1. Panzer-Division unter Friedrich Kirchner mit unterstelltem Infanterie-Regiment "Grossdeutschland" (Gerhard Graf von Schwerin) griff im Zentrum an, die 2. Panzer-Division unter Rudolf Veiel weiter westlich bei Donchery und die von Ferdinand Schaal befehligte 10. Panzer-Division weiter südöstlich durch die südlichen Vororte Sedans. Der Schwerpunkt des Angriffs lag bei der 1. Panzer-Division im Zentrum, wo die Franzosen eine durch eine Flussschleife gebildete Landzunge aufgrund ihrer exponierten Lage evakuiert hatten. Da die Franzosen alle Brücken über die Maas gesprengt hatten, mussten die angreifenden Sturmpioniere und Infanteristen mit Schlauchbooten übersetzen. Nachdem drei relativ kleine Stosstrupps erste Breschen in die Verteidigungsstellungen geschlagen hatten, stiess das Schützen-Regiment 1 der 1. Panzer-Division, geführt von Oberstleutnant Hermann Balck, weiter vor und durchbrach letztlich auch die weiteren Auffanglinien der Franzosen. Mit der Einnahme der Höhe 301 (La Boulette) gegen 22 Uhr war der Durchbruch endgültig gelungen. Gegen 19 Uhr war die erste 12-t-Fähre fertiggestellt und setzte sofort einige Panzerabwehrkanonen, Infanteriegeschütze und Spähpanzer über, bevor mit dem Bau der Pontonbrücke bei Floing begonnen wurde. Diese Kriegsbrücke wurde gegen 0:20 Uhr fertiggestellt. Um etwa 7:30 Uhr rollten die ersten Panzer über die Maas. In der Nacht war der Angriff der deutschen Infanterie wegen völliger Erschöpfung der Soldaten zum Stillstand gekommen.

Ein Gegenangriff der Reserve des französischen X. Korps unterblieb, weil aufgrund einer fehlerhaft weitergegebenen Meldung eines französischen Artillerieoffiziers eine Massenpanik ("Panik von Bulson") unter den Franzosen ausbrach. In der falschen Annahme, die deutschen Panzer würden bereits Bulson (rund acht Kilometer südlich von Sedan) angreifen, gab der Befehlshaber der französischen Korpsartillerie gegen 18 Uhr den voreiligen Rückzugsbefehl. Daraufhin kam es zu besagter Panik, die rasch auf andere Truppenteile übergriff und schliesslich zu einer wilden Flucht grosser Teile der 55. Division führte, die sich letztlich im Strudel der Panik fast völlig auflöste. Die Panik sprang auf die rechts benachbarte 71. Division über. Der Vormarsch der Korpsreserve wurde durch die fliehenden Soldaten aufgehalten und der Gegenangriff so um etliche Stunden verzögert.

Gegen sieben Uhr am 14. Mai begann die linke Angriffsgruppe, bestehend aus dem französischen Infanterieregiment 213 und dem Panzerbataillon 7, auf der Achse Chémery und Maisoncelle den Gegenangriff Richtung Norden auf Sedan. Die rechte Angriffsgruppe, gebildet aus dem Infanterieregiment 205 und dem Panzerbataillon 4, hatte aufgrund der Panik noch nicht aufgeschlossen und konnte so nicht mit angreifen. Durch Aufklärungsflugzeuge gewarnt, setzte der Kommandeur der 1. Panzer-Division Kirchner sofort die erste über die Maas gesetzte deutsche Panzer-Kompanie in Marsch Richtung Bulson, wo sie nach Kämpfen mit verbliebenen französischen Kräften gegen 8:45 Uhr eintraf und kurz vor den Franzosen den entscheidenden Höhenzug besetzen konnte ("Wettlauf nach Bulson"). Hier traf die einzelne deutsche Panzer-Kompanie auf eine Übermacht von zwei Infanteriebataillonen des Infanterieregiments 213, die mit PaK und zwei Panzerkompanien des Panzerbataillons 7 (ausgerüstet mit leichten Panzern FCM 36) Richtung Bulson angriffen. Bald war die deutsche Panzer-Kompanie aufgerieben; als eine zweite Panzerkompanie eintraf, konnte der französische Angriff gestoppt werden. Nachdem eine weitere Panzerkompanie und Infanterie des Regiments "Grossdeutschland" eingetroffen waren, gingen die Deutschen zum Gegenangriff über und drängten die Franzosen zurück. Im Tal des Flüsschens Bar Richtung Châtel-Chéhéry war der Angriff an der Kreuzung östlich von Connage durch zwei Züge Pak (3,7-cm-PaK 36) des Regiments "Grossdeutschland" gestoppt worden. Auch hier wurde das Gefecht erst durch Eintreffen einer Panzerkompanie sowie 8,8-cm-Flak entschieden. Nachdem weitere Verstärkungen durch Infanterie und Sturmpioniere eingetroffen waren, gingen die Deutschen auch hier zum Gegenangriff über und trieben die Franzosen zurück nach Süden, wo sie gegen Mittag Chémery (etwa zwei Kilometer südlich von Connage) und die wichtigen Brücken über den Ardennenkanal und die Bar bei Malmy intakt erobern konnten.

Hier entschied sich der Westfeldzug, als General Guderian gegen 14 Uhr den Befehl gab, dass die 1. und 2. Panzer-Division mit allen Kräften über die Brücken hinweg Richtung Westen angreifen sollten (zuvor hatte die 2. Panzer-Division die Brücken an der Mündung zur Maas bei Pont-à-Bar erobern können). Dabei missachtete er nicht nur den strikten Befehl seiner Vorgesetzten, die erst die Sicherung des labilen Brückenkopfes forderten, sondern auch einen Führerbefehl, der alle Aktionen nach einem erfolgreichen Maasübergang unter seinen persönlichen Befehl gestellt hatte. Dabei ging Guderian ein grosses Risiko ein, da die Franzosen starke Reserveverbände für einen Gegenangriff von Süden her im Anmarsch hatten. Bereits um fünf Uhr morgens am 14. Mai hatte der Befehlshaber der 2. Armee General Charles Huntziger seinen Reservedivisionen den Gegenangriff befohlen. Hierbei sollten zwei verstärkte Armeekorps (fünf Divisionen, darunter eine Panzerdivision und Restverbände des X. Korps) unter General Flavigny vom Nordrand des Bois de Mont-Dieu aus nach Norden über Chémery und Bulson auf Sedan vorstossen. Nach zahlreichen Verzögerungen standen die Angriffstruppen gegen 17 Uhr bereit und warteten nur noch auf den Angriffsbefehl, den Flavigny aber nicht erteilte. Auf dem Weg zur Front hatte Flavigny die Strassen voller in Panik fliehender Soldaten gesehen. Als er gerade den Angriffsbefehl geben wollte, kamen Offiziere des 213. Infanterie-Regiments auf seinen Gefechtsstand, die ihm in Panik den gescheiterten Angriff der Korpsreserve schilderten und von hunderten, ja tausenden angreifenden deutschen Panzern sprachen. Da sein Vorgesetzter ihm befohlen hatte, zuerst den deutschen Durchbruch abzuriegeln und dann erst zum Gegenangriff anzusetzen, entschied er sich, zunächst das erstere zu tun und befahl seinen Divisionen, zur Verteidigung überzugehen.

Ein weiterer Versuch zum Gegenangriff wurde am 15. Mai unternommen, doch auch hier sagte Flavigny nach etlichen Verzögerungen bei der Bereitstellung seiner Truppen entnervt den Angriff ab, zumal inzwischen die 10. Panzer-Division weiter nach Süden vorgedrungen war und das strategisch wichtige hochgelegene Dorf Stonne, das Sprungbrett für den Gegenangriff, erobert hatte. Hier entschied sich eigentlich die Schlacht um Sedan, da sich die Franzosen in taktischen Gefechten um dieses Dorf verzettelten (das Dorf wechselte in drei Tagen 17 mal den Besitzer; deutsche Soldaten sprachen später von der "Hölle von Stonne") und es so zu keinem koordinierten Gegenangriff auf Sedan mehr kam. Damit konnten die nachrückenden deutschen Panzer der Panzergruppe Kleist fast ungehindert zum Ärmelkanal vorstossen, um die alliierten Armeen im Norden einzukesseln, womit der Feldzug praktisch entschieden war.

Luftkämpfe
Die alliierten Luftstreitkräfte versuchten am 14. Mai, die Brücke von Floing aus der Luft zu zerstören. Aufgrund der sehr starken deutschen Flak und Konzentration von Jagdflugzeugen misslang dies unter hohen Verlusten. Ein Treffer auf dieser bis zu diesem Zeitpunkt einzigen Kriegsbrücke hätte weitreichende Folgen gehabt, da sie mit dem buchstäblich letzten Meter Pontonmaterial zusammengebaut worden war. Die Brücken der 2. und 10. Panzer-Division wurden erst in den darauffolgenden Tagen fertiggestellt, so dass letztlich alle Fahrzeuge und Panzer des XIX. Korps am 14. und 15. Mai über diese eine Brücke fahren mussten. Die hohen Verluste an Bombern führten auch dazu, dass es die alliierten Kommandeure in der Folgezeit nicht mehr wagten, ihre Bomber massiert einzusetzen. Somit errang die deutsche Luftwaffe an diesem Tag die Luftherrschaft, ein weiterer wichtiger Faktor für den deutschen Sieg.

Folgen
Am 15. Mai besiegten deutsche Truppen die letzten französischen Abwehrkräfte, durchbrachen die alliierte Front und rückten mit hohem Tempo westwärts vor. Fünf Tage später, am 20. Mai, erreichten Panzer der Wehrmacht bei Abbeville den Ärmelkanal. Die Masse der in Belgien und Nordfrankreich stehenden alliierten Truppen wurde hierdurch eingeschlossen (Schlacht von Dünkirchen, Operation Dynamo). Die Schlacht von Sedan trug somit massgeblich zur schnellen Niederlage Frankreichs (Waffenstillstand von Compiègne am 22. Juni 1940) bei.

Verluste

Schlacht von Dünkirchen (21.05.1940 – 05.06.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_44/Kartenausschnitt von Dünkirchen

Die Schlacht von Dünkirchen fand im Mai und Juni 1940 im Zuge des Westfeldzugs während des Zweiten Weltkrieges statt. Während des deutschen Westfeldzugs war die nordfranzösische Stadt Dünkirchen der letzte Evakuierungshafen der British Expeditionary Force, die 1939/40 in Frankreich als Teil der zunächst defensiven Strategie der Westalliierten eingesetzt war. Es gelang den Briten und Franzosen, den Brückenkopf so lange zu verteidigen, bis sie über 330'000 von etwa 370'000 ihrer Soldaten in der Operation Dynamo evakuiert hatten. Die Einnahme der Stadt durch die deutsche Wehrmacht erfolgte am 4. Juni.

Ausgangslage
Trotz Warnungen hoher Offiziere befahl Adolf Hitler am 10. Mai 1940 den Angriff auf die Beneluxländer und Frankreich ("Fall Gelb"). Dabei ging im Norden die Heeresgruppe B unter Generaloberst Fedor von Bock durch Belgien und die Niederlande vor.

Nach dem für die Alliierten überraschenden Vorstoss der deutschen Heeresgruppe A unter Gerd von Rundstedt über die Ardennen und der Erzwingung des Übergangs über die Maas bei Sedan (→ Schlacht von Sedan) erreichten Panzerverbände unter General Ewald von Kleist am 19. Mai den Schauplatz der Schlacht an der Somme im Ersten Weltkrieg. Gleichzeitig setzte die Heeresgruppe B im Norden ihren Vormarsch durch Belgien fort. Aufgrund des deutschen Durchbruchs im Süden ordnete der Oberbefehlshaber der alliierten Nordgruppe Gaston Billotte, dem die britischen und belgischen Armeen unterstellt waren, am 16. Mai einen Rückzug von der Dyle-Linie zur Schelde an. Hitler und die Generale der Wehrmacht waren von der Schnelligkeit des Vormarsches ihrer Verbände überrascht. Durch den Vorstoss des XIX. Armeekorps der Panzergruppe Kleist unter Heinz Guderian zeichnete sich am 18. Mai ab, dass die Hauptstossrichtung des Angriffs der Heeresgruppe A weder die Maginot-Linie im Südosten noch Paris im Süden war: Guderian rollte nach Westen, in Richtung Atlantikküste.

Da sich im Süden die französische 3. Heeresgruppe weitgehend auf eine Verteidigung der Somme-Linie beschränkte, entblösste sie dadurch die südwestliche Flanke der alliierten nördlichen Heeresgruppe. Damit wurde deutlich, dass das Britische Expeditionskorps (BEF) unter Lord Gort, die belgische Armee und die französische 1. Armee und 7. Armee von der französischen Hauptstreitmacht im Süden getrennt werden könnten. Den deutschen Panzerdivisionen stand der Weg zum Aufrollen der rückwärtigen Gebiete der alliierten Nordgruppe und zur Eroberung der Kanalhäfen Calais und Boulogne offen. Am 19. Mai begann die Royal Navy im Auftrag des englischen Kriegskabinetts unter Winston Churchill und einem Vorschlag Lord Gorts folgend mit der Vorbereitung einer Rettungsaktion. Mit den Planungen wurde Vice-Admiral Bertram Ramsay betraut, man rechnete in der Planungsphase mit der Evakuierung von 300'000 Soldaten.

Versuche, die Lücke zwischen der Somme im Süden und der Scarpe im Norden, durch die die deutschen Panzerverbände vordrangen, zu schliessen, blieben ebenso erfolglos wie ein britisch geführter Gegenangriff bei Arras am 21. Mai, bei dem die letzten Panzerreserven der Nordarmee verbraucht wurden. Bereits am 20. Mai hatte die 2. Panzer-Division des XIX. Armeekorps die Kanalküste bei Abbeville erreicht. Damit war die alliierte Nordgruppe mit rund 1'200'000 Mann (63 Divisionen: 29 französische, 22 belgische und 12 britische) durch die Heeresgruppe A im Süden und die Heeresgruppe B im Osten zwischen der Somme und dem Meer eingeschlossen. Auf deutscher Seite fiel nun die Entscheidung, nach Norden zu drehen, um den Einschliessungsring enger zu ziehen und die Kanalhäfen zu nehmen.

Lord Gort musste eine Entscheidung treffen: Entweder den französischen Verbündeten im Kampf beizustehen und die Hauptstreitkraft Grossbritanniens aufs Spiel zu setzen oder aber zu versuchen, über die See zu entkommen. Obwohl er damit den Interessen der ihm übergeordneten französischen Armeeführung zuwiderhandelte, schlug er dem britischen Kriegsminister Anthony Eden per Telegramm vor, eine Evakuierung zu versuchen. Gort liess dennoch den französischen Oberkommandierenden Maxime Weygand über mehrere Tage in dem Glauben, dass sich britische Truppen an einer Doppeloffensive zur Wiedervereinigung der Nordgruppe mit den französischen Hauptkräften, durch die die deutschen Panzerdivisionen ihrerseits von ihren Verbindungen abgeschnitten worden wären, beteiligen würden.

Zwei Millionen belgische und acht Millionen französische Zivilisten waren auf der Flucht vor der deutschen Wehrmacht und behinderten die Beweglichkeit der alliierten Armeen.

Der Haltebefehl
Am 22. Mai starteten die Panzer Guderians den Angriff in Richtung Calais und waren am 24. Mai nur 18 Kilometer von Dünkirchen entfernt. Unerwarteterweise liess von Rundstedt, bestätigt durch Hitler bei einem Frontbesuch am selben Tag, die Panzer anhalten. Derartige Haltebefehle hatte es im Verlauf des Westfeldzuges schon zuvor gegeben, zuletzt am 17. Mai. Sie waren als Pause für die oft ohne ausreichende Begleitmassnahmen vorangeeilte Panzerspitze gedacht, um sich mit den übrigen Truppenteilen zu konsolidieren. Auch bestand die Befürchtung, dass eine koordinierte Aktion der Engländer im Norden und der Franzosen im Süden die Panzerspitze einschliessen könnte. Dass die letzten britischen Kampfpanzer längst bei Arras abgestellt waren, wusste von Rundstedt nicht. Generalfeldmarschall Hermann Göring kündigte ausserdem an, die Truppen allein durch Luftangriffe zu vernichten. Von Rundstedt kam dieser Vorschlag entgegen, da er die Panzer für die bevorstehende Schlacht um Frankreich ("Fall Rot") schonen und den durch den raschen Vormarsch erschöpften Truppen eine Ruhepause gönnen wollte.

Die Gründe für den Haltebefehl vom 24. Mai werden bis heute kontrovers diskutiert. Einige Historiker führen diesen auf die blosse Exzentrik Hitlers zurück, er habe sich als Führer gegenüber der Heeresleitung als oberste Autorität behaupten wollen. Dass er deswegen einen sicheren militärischen Triumph opfern würde, ist aber unwahrscheinlich. Andere Erklärungsversuche bzw. Thesen (Beispiel: die eingeschlossenen britischen Truppen könnten als Unterpfand für eventuelle Friedensverhandlungen mit den Briten dienen) gelten als unwahrscheinlich.

Zu von Rundstedts Verwunderung wurden auf einen Befehl des Generalobersten Walther von Brauchitsch, des Oberbefehlshabers des Heeres, die Panzer im Süden und Südwesten des Einschliessungsrings dem Befehl der Heeresgruppe B unterstellt, um die an der Einkesselung des Feindes beteiligten Truppen unter ein gemeinsames Oberkommando zu stellen. Diese Heeresgruppe, die sich von Osten näherte und die belgische Armee nach Norden abdrängte, verfügte bis dahin nur über die 9. Panzer-Division. Die Heeresgruppe A sollte sich jetzt mit ihren anderen Armeen (2., 12. und 16.) auf die Sicherung der Somme-Aisne-Linie konzentrieren, was eine durchaus sinnvolle Massnahme des OKH war, doch hatte von Brauchitsch diesen Befehl ohne Kenntnis und Genehmigung von Hitler erteilt. Hitler machte diesen Befehl, der am selben Abend um 20 Uhr in Kraft treten sollte, sofort rückgängig: Die Heeresgruppe B werde in diesem Abschnitt auch ohne Panzer zurechtkommen. Hitler brüskierte von Brauchitsch ausserdem dadurch, dass er die weitere Operationsführung der Heeresgruppe A übertrug und somit das OKH zeitweise entmachtete. Dies trug zusätzlich zur Verwirrung über die Stossrichtung der westlich des Flusses Aa liegenden deutschen Panzerverbände bei.

Ablauf
Verteidigungsring
Lord Gort und die französische 1. Armee unter Befehl von General Blanchard hatten nun vom 24. bis 27. Mai die Möglichkeit, einen Verteidigungsring um Dünkirchen zu errichten. Das schlechter werdende Wetter erschwerte den Einsatz der Luftwaffe und war somit ein Vorteil für die Alliierten.

Am 25. Mai wurde Boulogne von der 10. Panzer-Division, die zum XIX. Armeekorps Guderians gehörte, eingenommen. Zwei britische Divisionen konnten dort zuvor über den Seeweg entkommen. Der französische Zerstörer Chacal sank nach einem Luftangriff durch Junkers Ju 87 Sturzkampfbomber (Stukas) der Luftwaffe. Auch in Calais waren britische Truppen, auf deren Evakuierung verzichtet wurde; sie sollten die Zitadelle im Hafen so lange wie möglich halten. Am Morgen des 26. Mai wurde der Hafen von Stukas und Artillerie angegriffen. Gegen Mittag setzten die Panzer der 10. Panzer-Division zum Angriff an. Um 16:45 Uhr kapitulierten 20'000 alliierte Soldaten, davon etwa 5'000 Briten.

Am selben Tag wurden die deutschen Panzer vor Dünkirchen wieder eilig in Bewegung gesetzt, als sich eine umfangreiche Rettungsaktion (→ Operation Dynamo) abzeichnete.

Die belgische Armee im Norden näherte sich bereits dem Zusammenbruch und teilte am 26. Mai den Alliierten mit, dass sie nicht allein imstande sei, die Lücke zu schliessen, die sich zur BEF im Raum Courtrai gebildet hatte.

27. und 28. Mai
Am 27. Mai war der Verteidigungsring um Dünkirchen hart umkämpft. Im Westen wurden französische Verbände über die Aa zurückgedrängt. Die Panzer des XIX. Armeekorps drangen wie Speerspitzen durch die Front, mussten aber immer wieder auf nachrückende Infanterie zur Absicherung der Flanken warten. Der Frontverlauf war unregelmässig.

Im Südwesten konnte die 2. Division der BEF den Bassée-Kanal bis zum 28. Mai gegen die 7. Panzer-Division General Erwin Rommels halten. Die Alliierten verfügten hier über keinerlei panzerbrechende Waffen, von den 400 Panzern Rommels gingen dennoch 22 verloren. Danach zogen sich die Briten nach Norden auf die Lys zurück.

Im Osten wurde der Ypern-Komen-Kanal gegen die anrückende Infanterie der Heeresgruppe B bis zum 28. Mai gehalten. Der Kanal war bereits am 27. Mai erstmals von deutschen Grenadieren überschritten worden, wurde in der darauffolgenden Nacht jedoch zurückerobert; beide Seiten erlitten dabei starke Verluste. Durch diese Massnahmen wurde es möglich, die schlecht bewaffneten und für den Kampfeinsatz unzureichend ausgebildeten Truppen der britischen 23. und 46. Division aus dem Korridor nach Dünkirchen zu bringen.

Am 28. Mai um 00:00 Uhr kapitulierte auf Befehl des belgischen Königs Leopold III. die im Kessel von Dünkirchen eingeschlossene belgische Armee (22 Divisionen mit ca. 500'000 Mann). Damit war die östliche Flanke gegen die Heeresgruppe B entblösst. Die Verteidigungslinie fiel bis zum 29. Mai auf einen Kanal etwa 15 Kilometer südlich von Dünkirchen zurück. Der Einbruch des östlichen Abschnittes war damit verhindert.

Am Nachmittag des 28. Mai erfuhr General Blanchard durch Lord Gort persönlich von der Weisung Edens, die britischen Truppen von Dünkirchen aus zu evakuieren. Blanchard wollte einen Brückenkopf halten und bis Lille erweitern. Grosse Teile der französischen 1. Armee wurden im Raum Lille eingeschlossen und leisteten noch bis zum 31. Mai Widerstand (dort kapitulierten dann 35.000 Franzosen), der Teile der deutschen Truppen band. Das III. Korps der 1. Armee schlug sich nach Dünkirchen durch und nahm an der Evakuierung teil.

29. und 30. Mai
Britische Truppen und Reste der französischen 1. Armee konnten einen Abschnitt westlich von Dünkirchen bei Mardyck entlang eines Kanals bis kurz vor Nieuport stabilisieren und zwei Tage lang halten. Die deutschen Panzer wurden bereits im von der Luftwaffe sturmreif gebombten Hafen von Dünkirchen erwartet. Sie umgingen stattdessen die Stadt im Süden, um die Aktionen der Luftwaffe nicht zu behindern.

Lord Gort wurde von Winston Churchill durch einen direkten Befehl nach England beordert, um nicht in deutsche Gefangenschaft zu geraten. Zu seinem Nachfolger als Oberbefehlshaber des BEF bestimmte Gort Generalmajor Harold Alexander, der gemeinsam mit Admiral Jean Abrial, dem französischen Stadtkommandanten von Dünkirchen, den Verteidigungsring um Dünkirchen so lange wie möglich halten sollte. Inzwischen hatten sich auf der Südseite des Kanals die Panzer der Heeresgruppe A mit der Infanterie der Heeresgruppe B vereinigt.

31. Mai bis 3. Juni
Am 31. Mai wurde die vorletzte Verteidigungslinie vermutlich an mehreren Stellen überschritten. Die Panzer beteiligten sich nicht an diesem Vorstoss, sie wurden bereits nach Süden für die Schlacht um Frankreich abgezogen.

Die deutsche Artillerie hatte nun die schweren Geschütze bei Gravelines im Westen und Nieuwpoort im Osten erobert und belegte von dort aus die Hafeneinfahrt und grosse Teile der An- und Abfahrtsrouten mit Störfeuer. Auch der Hafen und die Stadt Dünkirchens lagen unter Artilleriefeuer. Französische und englische Truppen zogen sich auf die letzte Verteidigungslinie, einen fünf Kilometer breiten Streifen zwischen La Panne und Dünkirchen, zurück. Dabei wurde die britische Nachhut mehr und mehr durch Franzosen ersetzt, welche nicht daran dachten, ihr Land zu verlassen. Der Grossteil dieser Nachhut geriet noch am 3. Juni in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Bis zum Morgen des 4. Juni bestiegen alliierte Soldaten Seefahrzeuge aller Art. Dann erst wurde Dünkirchen durch das Infanterie-Regiment 54 unter Oberst Hermann Recknagel erobert, der dafür zwei Monate später das Ritterkreuz erhielt. Der Generalstabschef des Heeres, General Franz Halder, schrieb in sein Tagebuch: "Stadt und Küste in unserer Hand. Franzosen und Engländer sind weg". Tatsächlich gingen etwa 80'000 alliierte Soldaten, zum grössten Teil Franzosen, in deutsche Kriegsgefangenschaft. 50'000 Fahrzeuge aller Art und anderes schweres Kriegsgerät wurden erbeutet.

Die Flugzeugeinsätze

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01_45/Hawker Hurricane

Der Hafen von Dünkirchen erlitt zwar schwere Schäden durch die deutschen Luftangriffe, aber für den Abtransport der Soldaten, besonders bei Nacht, blieb er weiter nutzbar. Die Bombenangriffe auf die Truppen, die von den Stränden evakuiert wurden, waren wenig erfolgreich, da die Bomben tief in den weichen Sand eindrangen und ihre Explosionen vom Sand stark gedämpft wurden. Es wurden aber auch viele erfolgreiche Angriffe auf Transportschiffe und Kriegsschiffe geflogen. Wären alle Luftangriffe auf die Transportschiffe konzentriert worden, wäre die Evakuierung von Dünkirchen wesentlich verlustreicher verlaufen. Wahrscheinlich sind tausende bei den Bombardements ums Leben gekommen. Die deutschen Bomber erlitten bei ihren Angriffen auf die Schiffe viele Verluste durch die Flak der Kriegsschiffe.

Die alliierten Schiffsverluste bei der Evakuierung betrugen 226 Seefahrzeuge aller Art. Die meisten Schiffe gingen durch Luftangriffe verloren.

Die Royal Air Force tat, was sie für die Luftsicherung der Evakuierung tun konnte, aber sie hatte den Nachteil des langen Anflugweges über die Nordsee, der die Flugzeit ihrer Jagdflugzeuge, die zu der Zeit nur über eine geringe Reichweite verfügten, über den Kampfraum beschränkte, und sie war zahlenmässig unterlegen. Einige Skua- und Roc-Jagdflugzeuge der Royal Navy, die über Dünkirchen Luftschutz flogen, wurden versehentlich von Spitfires und Hurricanes der Royal Air Force abgeschossen, da sie die ihnen unbekannten Flugzeuge für deutsche Maschinen hielten. Die Royal Air Force verlor 106 Jagdflugzeuge und auch die Royal Navy verlor Jagdmaschinen beim Einsatz über Dünkirchen, während die deutschen Verluste an allen Flugzeugtypen 132 betrugen. Davon sind aber etwa 50–60 Maschinen von der Flak der alliierten Bodentruppen und der Flak der französischen und englischen Kriegsschiffe abgeschossen worden.

Die Zahl der deutschen Jagdfliegereinsätze über Dünkirchen betrug genau 2'000, bei einem Verlust von 37 Jagdflugzeugen, die Royal Air Force flog 1'764 Jagdeinsätze über dem Kampfraum.

Ergebnis
Insgesamt 338'226 alliierte Soldaten konnten bei Dünkirchen nach England übergesetzt werden, darunter 85 Prozent des britischen Expeditionskorps, allerdings unter Zurücklassung fast des gesamten Materials. Auf dem Festland hinterliess die Evakuierung ein Gefühl des "Im-Stich-gelassen-Seins". Kriegsmüdigkeit und der Wunsch nach baldiger Waffenniederlegung unter der Zivilbevölkerung und bei Militärs waren die Folge. Die Schlacht um Frankreich ("Fall Rot") wurde nach der Einnahme von Dünkirchen fortgesetzt und endete am 22. Juni 1940 mit der Kapitulation Frankreichs. Bis dahin hatte die französische Marine tausende französische Soldaten, die aus Dünkirchen gerettet worden waren, wieder zum weiteren Kampf von Southampton nach Frankreich zurücktransportiert und so gerieten diese Soldaten doch noch in deutsche Kriegsgefangenschaft.

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01_46/Gedenktafel in Dünkirchen

In Grossbritannien führte die erhöhte Invasionsgefahr zunächst zu einer Verschärfung der Defence Regulation 18B, in deren Ausführung politisch rechtsgerichtete Personen als Sympathisanten des Gegners verhaftet wurden. Archibald Maule Ramsay, weitere Abgeordnete, sowie der US-Chiffrierer Tyler Kent wurden inhaftiert. Die im Ergebnis unerwartet erfolgreiche Operation führte zu enormer Erleichterung. Die verlorene Schlacht wurde unter dem Ausnahmezustand durch die vom Ministry of Information gelenkte Presse wie ein Sieg gefeiert. Es wurde vom Wunder von Dünkirchen gesprochen.

Winston Churchill betonte in seiner berühmten Rede We Shall Fight on the Beaches vor dem Unterhaus, dass man mit einer Evakuierung keinen Krieg gewinnen könne.

Der Haltebefehl vom 24. bis 26. Mai wird von manchen Publizisten als kapitaler taktischer Fehler angesehen, von anderen als militärische Routine. Die Gefangennahme des gesamten britischen Expeditionskorps hätte die Kraft Grossbritanniens, den Krieg gegen das Deutsche Reich fortzuführen, wohl entscheidend beeinträchtigt, da der Verlust dieses gut ausgebildeten Berufsheeres zum damaligen Zeitpunkt nicht hätte ersetzt werden können. Die Luftwaffe konnte Görings Ankündigung, die eingekesselten Truppen allein durch Luftangriffe zu vernichten, nicht erfüllen. Als Gründe dafür gelten eine Überschätzung der Möglichkeiten des Luftkrieges zum damaligen waffentechnischen Entwicklungsstand, eine meist tiefhängende Wolkendecke über Dünkirchen und die Gegenwehr der Royal Air Force.

Während der Schlacht um Dünkirchen kam es im umliegenden Gebiet am 27. und 28. Mai 1940 zu drei Massakern, die deutsche Truppen an Kriegsgefangenen und Zivilisten verübten: das Massaker von Le Paradis durch ein Bataillon des 2. SS Totenkopf Regiments (mot). unter Fritz Knöchlein, das Massaker von Vinkt der 225. Infanterie-Division an Bewohnern von Teilgemeinden von Deinze, und das Massaker von Wormhout durch ein Bataillon der Leibstandarte SS Adolf Hitler unter Wilhelm Mohnke.

Schlacht um Frankreich (Der Fall rot)    
(aus Wikipedia)

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01_47/Frankreich nach dem Waffenstillstand

Nach der mit der Besetzung der Niederlande und Belgien erfolgreich abgeschlossenen ersten Phase der deutschen Westoffensive begann am 5. Juni 1940 mit der als "Fall Rot" bezeichneten "Schlacht um Frankreich" die zweite Phase. Durch Kämpfe, Gefangennahme und die Evakuierung bei Dünkirchen hatte das französische Heer bis dahin über 250'000 Soldaten - zehn Prozent seiner Gesamtstärke - verloren. Für die Verteidigung entfiel zudem der Grossteil des ebenfalls evakuierten Britischen Expeditionskorps. Unter Schwächung der an der Maginot-Linie stehen den Heeresgruppe 2 fügte der alliierte Oberbefehlshaber Maxime Weygand (1867-1965) zahlreiche Armeen in eine hastig improvisierte Abwehrfront entlang der Somme und Aisne ("Weygand-Linie") ein.

Vor allem durch den Einsatz leistungsfähiger Panzerverbände drang die Heeresgruppe B unter Generaloberst Fedor von Bock wenige Tage nach Eröffnung des Angriffs an die untere Seine bei Rouen vor. Die Heeresgruppe A unter Generaloberst Gerd von Rundstedt vermochte nach der Überwindung der Aisne die Marne-Linie zu erreichen. Nach dem Durchbruch durch die "Weygand-Linie" war es den Franzosen nunmehr unmöglich, eine neue geschlossene Abwehrfront aufzubauen. Massive Angriffe der deutschen Luftwaffe und durch zurückflutende Flüchtlingstrecks verstopfte Strassen verhinderten einen geordneten Rückzug der französischen Truppen. Zunehmende Auflösungserscheinungen der französischen Streitkräfte und grosse operative Bewegungen der Wehrmacht in Richtung Schweizer Grenze bedingten sich gegenseitig.

Während am 14. Juni kampflos der Einmarsch in das zur "offenen Stadt" erklärte Paris durch die 18. Armee unter Generaloberst Georg von Küchler erfolgte, stiess die Heeresgruppe C unter Generaloberst Wilhelm Ritter von Leeb im Südwesten auf französisches Gebiet vor. Im Raum Saarbrücken durchbrach die 1. Armee die Maginot-Linie. Ein weiterer Abschnitt fiel durch die 7. Armee am Oberrhein nördlich von Colmar. Der französische Widerstand war endgültig gebrochen, feste Fronten von grösserer Ausdehnung gab es nicht mehr. Als am 17. Juni über Verdun vorstossende Panzertruppen unter Generaloberst Heinz Guderian die Grenze zur Schweiz erreichten, schlossen sie die Maginot-Linie und den Grossteil des französischen Heers ein. Am selben Tag unterbreitete der französische Ministerpräsident Henri Philippe Pétain dem Deutschen Reich ein Angebot über einen Waffenstillstand, der am 22. Juni im Wald von Compiègne unterzeichnet wurde.

Schlacht bei Abbeville (24.05.1940 – 26.05.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_48/Kartenausschnitt von Abbeville

Die Schlacht bei Abbeville fand vom 28. Mai bis 4. Juni 1940 statt. Zur gleichen Zeit evakuierten während der Schlacht von Dünkirchen die Briten in der Operation Dynamo die britischen Truppen über den Ärmelkanal. Dabei konnten sie davon profitieren, dass die gepanzerten deutschen Truppen vom 24. bis zum 26. Mai einen Haltebefehl hatten. Nachdem General Maurice Gamélin (1872–1958) am 19. Mai (rund eine Woche nach dem Beginn des deutschen Angriffs) seines Amtes enthoben worden war– sein Tun und Lassen trug entscheidend zur schnellen Niederlage an der Westfront bei – wurde General Maxime Weygand (1867–1965) sein Nachfolger als Generalstabschef. Er versuchte, um jeden Preis einen Weg freizukämpfen, um aus Abbeville herauszukommen.

Ziele der Franzosen
Weygand gab mehrere offensive Tagesbefehle: die noch freien Häfen von Dieppe, Le Havre und Rouen zu schützen (wohingegen Calais, Boulogne-sur-Mer und Dünkirchen eingekesselt waren und alle kurz vor dem Fall standen) die Deutschen aus ihrem Brückenkopf zurückzudrängen, um später eine Verteidigungslinie an der Somme – die "ligne Weygand" – errichten zu können. Man kann diese Idee vergleichen mit dem "Wunder an der Marne" im Jahr 1914, als der deutsche Vormarsch an der Marne zum Stehen kam und die Franzosen sie dort lange "in Schach halten" konnten. Weygand versuchte so, die damaligen Züge von Joffre nachzuahmen. Man versuchte, eine stabile dichte Front zu schaffen; es war nicht das Ziel, den Gegner durch direkte Angriffe zu destabilisieren.

Ziele der Deutschen
Die Wehrmacht hatte das Ziel, die Flanken ihrer gestoppten Einheiten zu sichern, die kämpften und – allerdings mehr im Norden – zur Einnahme der Häfen beitrugen. Dazu genügte ihnen ihr Ufer der Somme; ihnen schadete es nichts, wenn die Franzosen den Fluss überschritten. Das OKH stand vor der belastenden Frage, ob man Verluste in Kauf nehmen sollte, um den Brückenkopf zu halten. Für den Fall Rot (Eroberung Frankreichs im Zuge des Westfeldzugs) waren die Brücken von Abbeville keine bevorzugten Routen für deutsche Truppen; ihr Schwerpunkt lag weiter östlich. Man kann sagen, dass Abbeville für die Franzosen wichtiger war als für die Deutschen.

Truppen Alliierte Seite
Weygand verfügte – aus dem, was von seinen Einheiten übrig war – über 400 Panzer; diese waren aufgeteilt zwischen der 1st Armoured Division, die in der Normandie geblieben war, der 4. DCR von De Gaulle und der 2. DCR von Colonel Perré. Nach dem Fehlschlag der Schlacht bei Montcornet und dem Angriff im Sektor Crécy-sur-Serre war die 4. DCR frisch aufgefüllt worden. Er erhielt auch die 5. britische DI unter General Victor Fortune, die aus Lothringen kam.

Truppen deutsche Seite
Gegenüber, auf dem Mont Caubert, standen Einheiten der 57. Infanterie-Division. Sie waren ausgerüstet mit 37-mm-Kanonen, 88-mm-Flakkanonen sowie Batterien von Kaliber 105 und 150 mm.

Panzerschlacht
Anstatt alle seine Panzer gleichzeitig gegen die deutschen Panzer antreten zu lassen, führte Weygand drei Angriffe nacheinander. Es war die bis dahin grösste alliierte Panzerattacke des Westens seit dem Beginn des Krieges. Die 57. hielt dem Vorstoss stand; sie war auf ihren Verteidigungspositionen gut installiert. Die Engländer verloren 66 Panzer und zogen sich am 27. Mai zurück. De Gaulle versuchte den Mont Caubert zu nehmen und attackierte drei Tage nacheinander mit 190 Panzern, dem 22. Kolonie-Infanterieregiment und 1'200 "dragons portés".

Die Alliierten verloren in diesen Schlachttagen 260 Panzer und 200 Mann; auf deutscher Seite gab es 1'200 Tote. Der Angriff zeigte, dass sogar eine Panzerattacke manchmal von Infanterie aufgehalten werden kann, wenn die Infanterie gut aufgestellt und mit Panzerabwehrkanonen (PAK) ausgerüstet ist. Es zeigte sich, dass nur die Acht-Acht die Panzerung der schweren britischen Panzer vom Typ Matilda II durchschlagen konnte. Die Deutschen verwendeten diese Verteidigungstechnik vier Jahre später erneut, nämlich am 18. Juli 1944 bei der Schlacht um Caen.

Folgen und Fazit
Die Schlacht bei Abbeville gilt als ein Erfolg für die Alliierten. Dünkirchen fiel gleichwohl (schon) am 4. Juni. Die Schlacht allein reichte nicht, um das Kriegsglück zu wenden. Mit Blick auf die baldige Kapitulation Frankreichs – am 22. Juni 1940 in Compiègne – war die Schlacht nur eine Episode.

Henri de Wailly verglich in seinem 1990 erschienenen Buch De Gaulle sous le casque die Sturheit de Gaulles, die Front am Mont Caubert zu attackieren mit der Sturheit der französischen Ritter in der Schlacht von Crécy 1346.

Sonstiges
Charles de Gaulle wurde am 24. Mai zum Brigadegeneral ernannt; die Ernennung trat zum 1. Juni in Kraft. Nach der Schlacht von Abbeville wurde de Gaulle mit den folgenden Worten im Armeebefehl zitiert:

"Le 7 mai 1940, à peine formée, la 4. DCR, sur les ordre du colonel de Gaulle a été jeté dans la bataille. Isolée de toute unité combattante au nord de l'Aisne au cours d'actions sur Montcornet, Crécy-en-Serre et dans les massif de Laon, a pris l'ascendant sur l'ennemi. Quelques jours plus tard, par une série de fougueuses attaques, a arrêté l'ennemi débouchant d'Abbeville ... La 4. DCR a bien mérité de la Patrie".

(etwa: gerade erst formiert wurde die 4. DCR unter Befehl von Colonel de Gaulle in die Schlacht geworfen. Im Norden der Aisne von jeder mitkämpfenden Einheit isoliert – im Zuge der Aktionen auf Montcornet, Crécy-en-Serre und im Massiv von Laon – nahm sie den aufsteigenden Weg zum Feind. Einige Tage später hat sie durch eine Serie von heftigen Attacken den Feind gestoppt, der aus Abbeville herauskam. ... Die 4. DCR hat sich sehr um das Vaterland verdient gemacht).

Verluste

Operation Catapult (03.07.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_49/Kartenausschnitt Operation Catapult

Die Operation Catapult war eine Unternehmung der Royal Navy Grossbritanniens am 3. Juli 1940 während des Zweiten Weltkriegs gegen den Grossteil der im Hafen von Mers-el-Kébir liegenden Flotte des ehemaligen Verbündeten Frankreich. Zuvor war der gemeinsame Abwehrkampf gegen die deutsche Invasion in Frankreich, die zur französischen Kapitulation am 22. Juni (Waffenstillstand von Compiègne) geführt hatte, gescheitert. Die Flotte sollte weitgehend ausgeschaltet werden, um eine mögliche Übergabe der Schiffe durch Frankreich an Deutschland zu verhindern. Die Operation begann am frühen Morgen zusammen mit der Operation Grasp, bei der alle in britischen Gewässern befindlichen französischen Schiffe gekapert und beschlagnahmt wurden.

Vorgeschichte
Mit der Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940 verlor Grossbritannien den wichtigsten damaligen Hauptverbündeten gegen Deutschland. Die Kapitulationsbedingungen für Frankreich sahen eine eigenständige Regierung und Administration vor, die auch die Kontrolle über die französische Flotte behalten sollte. Die meisten Flotteneinheiten waren schon vor der Kapitulation ins Mittelmeer ausgelaufen und lagen dort in auswärtigen Häfen. Das Gros der Flotte lag in Mers-el-Kébir bei Oran, dem Kriegshafen Frankreichs in Algerien. Der britische Premierminister Winston Churchill traute den Zusagen der Vichy-Regierung nicht, dass sie einen Zugriff der Deutschen auf die Schiffe verhindern würde. Für Grossbritannien bestand die Gefahr, dass die französische Flotte auf Seiten der Achsenmächte gegen die Royal Navy eingesetzt werden könnte. Daher beschloss er, einen Schlag gegen diese Schiffsverbände auszuführen.

Die britische Admiralität meldete ihrer politischen Führung am 27. Juni, dass bis zum 3. Juli ein Flottenverband vor Mers-el-Kébir in Stellung gebracht werden könne. Diese Force H unter dem Kommando von Vizeadmiral James Fownes Somerville bestand aus dem Flugzeugträger HMS Ark Royal, dem Schlachtkreuzer HMS Hood, den Schlachtschiffen HMS Valiant, HMS Resolution und HMS Nelson sowie weiteren Kreuzern und Zerstörern.

Am 3. Juli erschien ein britischer Flottenverband vor Oran und überraschte die nicht kampfbereite französische Flotte. Die Briten stellten dem französischen Admiral Marcel Gensoul auf Befehl Churchills ein Ultimatum mit mehreren Optionen, zum einen die, dass er mit seinen Schiffen und den Besatzungen in britische Häfen einlaufen dürfe, von wo aus er und seine Männer nach Frankreich zurückgebracht würden. Als Alternative wurde eine Überführung in entfernte französische Häfen, beispielsweise nach Martinique, vorgeschlagen. Dort sollten die Schiffe unter britischer Kontrolle abgerüstet werden. Es wurde ferner das sofortige Überlaufen vorgeschlagen und er könne mit seinen Schiffen gemeinsam mit den Briten gegen die Deutschen und Italiener kämpfen. Zudem wurde eine Rückgabe der Schiffe an Frankreich nach Kriegsende versprochen. Als letzte Variante wurde vorgebracht, die Schiffe selbst zu versenken. Sollten die Franzosen sich nicht für eine der Optionen entscheiden können, drohte ihnen der britische Flottenverband die sofortige Vernichtung an.

Das Ultimatum
Im Hafen lagen neben den älteren Schlachtschiffen Provence und Bretagne auch die modernsten Schlachtschiffe Dunkerque und Strasbourg sowie der Seeflugzeugträger Commandant Teste und sechs Zerstörer. Dem Befehlshaber der "Force H", Admiral James Somerville, stationiert in Gibraltar, wurde befohlen, das Ultimatum zu überbringen.

"It is impossible for us, your comrades up to now, to allow your fine ships to fall into the power of the German enemy. We are determined to fight on until the end, and if we win, as we think we shall, we shall never forget that France was our Ally, that our interests are the same as hers, and that our common enemy is Germany. Should we conquer we solemnly declare that we shall restore the greatness and territory of France. For this purpose we must make sure that the best ships of the French Navy are not used against us by the common foe. In these circumstances, His Majesty's Government have instructed me to demand that the French Fleet now at Mers el Kebir and Oran shall act in accordance with one of the following alternatives;

  1. Sail with us and continue the fight until victory against the Germans.
  2. Sail with reduced crews under our control to a British port. The reduced crews would be repatriated at the earliest moment. If either of these courses is adopted by you we will restore your ships to France at the conclusion of the war or pay full compensation if they are damaged meanwhile.
  3. Alternatively if you feel bound to stipulate that your ships should not be used against the Germans unless they break the Armistice, then sail them with us with reduced crews to some French port in the West Indies — Martinique for instance — where they can be demilitarised to our satisfaction, or perhaps be entrusted to the United States and remain safe until the end of the war, the crews being repatriated.
  4. If you refuse these fair offers, I must with profound regret, require you to sink your ships within 6 hours. Finally, failing the above, I have the orders from His Majesty's Government to use whatever force may be necessary to prevent your ships from falling into German hands".

"Es ist uns, die wir bis heute Ihre Kameraden sind, unmöglich zu erlauben, dass Ihre ausgezeichneten Schiffe in die Gewalt des deutschen Feindes fallen. Wir sind entschlossen, bis zum Ende zu kämpfen, und falls wir, wie wir glauben, siegen werden, werden wir niemals vergessen, dass Frankreich unser Verbündeter war, dass wir die gleichen Ziele haben und dass unser gemeinsamer Feind Deutschland ist. Wir erklären feierlich, dass wir, falls wir siegen, die Grösse und das Territorium Frankreichs wiederherstellen werden. Zu diesem Zweck müssen wir sicherstellen, dass die besten Schiffe der französischen Flotte nicht durch den gemeinsamen Feind gegen uns eingesetzt werden können. Unter diesen Umständen hat mich die Regierung Seiner Majestät angewiesen, von der französischen Flotte in Mers el Kebir und Oran zu verlangen, dass sie entsprechend einer der folgenden Alternativen handeln möge:

  1. Mit uns zu fahren und den Kampf gegen Deutschland bis zum Sieg fortzusetzen.
  2. Mit reduzierter Besatzung unter unserer Kontrolle zu einem britischen Hafen zu fahren. Die reduzierte Besatzung würde zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Heimat zurückgeführt werden. Falls eine dieser Möglichkeiten von Ihnen angenommen wird, so werden wir Ihre Schiffe zum Ende des Krieges an Frankreich zurückgeben oder volle Entschädigung zahlen, falls sie zwischenzeitlich beschädigt werden sollten.
  3. Alternativ, falls Sie Sich der Festlegung verpflichtet fühlen, dass Ihre Schiffe nicht gegen die Deutschen eingesetzt werden sollten, ausser wenn diese den Waffenstillstand brechen, dann fahren Sie sie mit uns unter reduzierter Besatzung zu einem französischen Hafen der Westindischen Inseln – zum Beispiel Martinique – wo sie zu unserer Zufriedenheit demilitarisiert oder gegebenenfalls den Vereinigten Staaten anvertraut werden können und bis zum Ende des Krieges sicher sind, während die Besatzungen in die Heimat zurückgeführt werden.
  4. Sollten Sie diese gerechten Angebote ablehnen, muss ich mit tiefem Bedauern fordern, dass Sie ihre Schiffe innerhalb von 6 Stunden versenken. Schlussendlich, sollte obiges nicht befolgt werden, habe ich von der Regierung Seiner Majestät den Befehl erhalten, jedwede notwendige Gewalt anzuwenden, um zu verhindern, dass Ihre Schiffe in deutsche Hände fallen".

Nicht Admiral James Somerville übergab das Ultimatum, sondern der besser französisch sprechende Captain Cedric Holland, ein kommandierender Offizier der HMS Ark Royal. Admiral Gensoul, beleidigt, weil die Nachricht nicht von einem gleichrangigen Offizier überbracht wurde, schickte den Lieutenant Bernard Dufay, um die Nachricht anzunehmen, was für Verzögerung und Verwirrung sorgte.

Noch bevor die Verhandlungen abgeschlossen wurden, begannen Swordfish-Kampfflugzeuge des Trägers Ark Royal, eskortiert von Skuas, die Hafeneinfahrt zu verminen. Als erste Kampfhandlung versuchten französische P-36-Jäger, dies zu unterbinden. Dabei wurde eine Skua abgeschossen. Deren Besatzung war der einzige britische Verlust bei dieser Operation.

Der Angriff
Die Operation Catapult begann am frühen Morgen des 3. Juli 1940 zusammen mit der Operation Grasp, bei der alle in britischen Gewässern befindlichen französischen Schiffe gekapert und beschlagnahmt wurden. Die Force H mit der Hood als Flaggschiff steuerte auf den Hafen von Mers-El-Kébir zu und übersandte den Franzosen kurz nach Mitternacht ein letztes Ultimatum. Nachdem keine Antwort eingetroffen war, wurde das Ultimatum um einen Punkt erweitert: Die Franzosen wurden aufgefordert, ihre Schiffe an Ort und Stelle zu versenken. Um das Ultimatum zu unterstreichen, stiegen gegen 1:00 Uhr Flugzeuge von der Ark Royal auf, um die Hafeneinfahrt zu verminen. Dies alarmierte zwar die Franzosen; sie hatten die britischen Drohungen bis dahin für einen Bluff gehalten. Auf das Ultimatum antworteten sie aber wiederum nicht. Um 16:46 Uhr bekam Somerville die Nachricht, dass er nun freie Hand habe, da sich französische Verstärkung auf dem Weg befinde. Churchill befahl das Feuer auf die französischen Schiffe.

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01_50/Kartenausschnitt Hafen von Mers-El-Kébir

Nach Ablauf des Ultimatums eröffnete die Hood um 16:56 Uhr mit ihrer schweren Schiffsartillerie das Feuer auf das Schlachtschiff Bretagne, das innerhalb weniger Minuten kenterte und sank und 977 Seeleute mit in die Tiefe riss. Die britischen Schiffe feuerten etwa eine Viertelstunde lang weiter. Danach waren die Schlachtschiffe Dunkerque und Provence ausser Gefecht gesetzt und wurden ins Flachwasser gesteuert, um um das Sinken zu verhindern. Der Zerstörer Mogador wurde schwerstbeschädigt und wurde ebenfalls auf Grund gesetzt. Alle drei Schiffe wurden bald nach dem Angriff geborgen und wieder repariert. Somerville ordnete eine Feuerpause an und forderte die Franzosen noch einmal auf, ihre Schiffe selbst zu versenken. Damit sie nicht in Schussreichweite der französischen Küstengeschütze und Schiffe verblieb, zog er gleichzeitig seine Streitmacht weiter vom Hafen zurück. Das Schlachtschiff Strasbourg nutzte diese Chance und entkam zusammen mit sechs Zerstörern durch die verminte Hafenausfahrt. Eine Verfolgung durch die Hood und Flugzeuge der Ark Royal brachte keinen Erfolg. Das Schiff konnte nach Toulon entkommen.

Das einzige grössere französische Schiff, welches das Bombardement praktisch ohne Schaden überstand, war die Commandant Teste. Sie entkam während der Nacht aus dem verminten Hafen und lief über Arzew zunächst nach Bizerta und dann nach Toulon. Dabei wurde das Schiff von einem britischen U-Boot gesichtet, das aber keine Gelegenheit zum Angriff fand.

Die Dunkerque wurde drei Tage später durch Torpedobomber der Ark Royal angegriffen. Ein Torpedo traf das neben dem Schlachtschiff verankerte Hilfsschiff, ein weiterer brachte dessen Wasserbombenladung zur Explosion. Unterhalb von Turm "B" des Schlachtschiffs wurde die Bordwand durch diese Explosion grossflächig aufgerissen. Die Dunkerque machte stark Wasser und sackte auf den seichten Hafengrund. Es kam zu weiteren Verlusten von 154 Toten und Verwundeten.

Beteiligte Einheiten
Royal Navy (Force H)

Schiffname / Typ

Schiffname / Typ

Hood – Schlachtkreuzer

Fearless – Zerstörer

Resolution – Schlachtschiff

Foresight – Zerstörer

Valiant – Schlachtschiff

Forester – Zerstörer

Ark Royal – Flugzeugträger (mit 24 Skuas und 30 Swordfish)

Foxhound – Zerstörer

Arethusa – Leichter Kreuzer

Keppel – Zerstörer

Enterprise – Leichter Kreuzer

Vidette – Zerstörer

Active – Zerstörer

 

Vortigern – Zerstörer

Escort – Zerstörer

Wrestler – Zerstörer

Faulknor – Zerstörer

 

Französische Marine

Schiffname / Typ

Schiffname / Typ

Dunkerque – Schlachtschiff

Lynx – Zerstörer

Strasbourg – Schlachtschiff

Mogador – Zerstörer

Bretagne – Schlachtschiff

La Terrible – Zerstörer

Provence – Schlachtschiff

Tigre – Zerstörer

Commandant Teste – Seeflugzeugträger

Volta – Zerstörer

Kersaint – Zerstörer

 

Alexandria
In Alexandria, dem Stützpunkt der britischen Mittelmeerflotte, erreichte Admiral Andrew Browne Cunningham eine Übereinkunft mit dem Befehlshaber der französischen Force X, Vizeadmiral René-Emile Godfroy. Die dort liegenden französischen Schiffe wurden im Beisein der Briten abgerüstet und bewegungsunfähig gemacht.

Ergebnis
Der Angriff schädigte das Verhältnis zwischen Frankreich und Grossbritannien nachhaltig und stärkte den Rückhalt des Vichy-Regimes in der französischen Armee.

Bei dem Angriff in Mers-el-Kébir starben je nach Quelle 1'147 bis ca. 1'300 französische Seeleute, 351 bis ca. 400 wurden verwundet. Sechs britische Flugzeuge wurden von französischen Flugabwehrkanonen abgeschossen. Die Franzosen bombardierten aus Vergeltung am 24. und 25. September 1940 Gibraltar, wobei aber nur geringe Schäden verursacht wurden.

Als die Wehrmacht im November 1942 den Rest Frankreichs besetzte, versenkte sich die französische Flotte im Hafen von Toulon selbst.

Luftschlacht um England (10.07.1940 – 31.10.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_51/In Bereitstellung, Messerschmitt BF 109

Die Luftschlacht um England war der Versuch der deutschen Luftwaffe, im Zweiten Weltkrieg nach dem Sieg über Frankreich zwischen Sommer 1940 und Anfang 1941 mit Luftangriffen gegen die britischen Streitkräfte und britische Städte die Kapitulation Grossbritanniens zu erzwingen bzw. durch die Erringung der Luftüberlegenheit die geplante Invasion der Insel vorzubereiten.

International bekannt als Battle of Britain, war die Luftschlacht eine Serie von Gefechten im britischen Luftraum, die von der deutschen Luftwaffe gegen die Royal Air Force (RAF) geführt wurde. Britische Historiker legen den Zeitraum der Schlacht vom 10. Juli bis zum 31. Oktober 1940 fest, da ab diesem Tag die Tagangriffe in grösserem Ausmass ausblieben. Manche Quellen und Statistiken beziehen sich auf einen Zeitraum bis zum Mai 1941, als die Kampfgeschwader der Luftwaffe für das Unternehmen Barbarossa abgezogen wurden.

Ziel des Oberkommandos der Wehrmacht in der Luftschlacht um England war die Erringung der Luftherrschaft über den britischen Luftraum durch die Vernichtung der Royal Air Force (RAF). Dies galt als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Invasion, deren Planung bereits im Dezember 1939 zwischen Hitler und Grossadmiral Raeder besprochen worden war (Unternehmen Seelöwe). Hitler hoffte jedoch später, Grossbritannien durch verstärktes Bombardement zu Friedensverhandlungen zwingen zu können; Ende September 1940 wurden die Invasionspläne intern auf unbestimmte Zeit verschoben, also faktisch aufgegeben.

Der Begriff Luftschlacht um England (eigentlich Battle of Britain) wurde vom britischen Premierminister Winston Churchill geprägt, der am 18. Juni 1940 in einer Rede vor dem Unterhaus erklärte:

"Die Schlacht, die General Weygand die Schlacht um Frankreich nannte, ist vorbei. Ich erwarte, dass jetzt die Schlacht um Grossbritannien beginnen wird".

Hintergrund
In den 1930er-Jahren wurde die Rolle der Luftstreitkräfte in einem künftigen Krieg von führenden Militärs ebenso wie von Politikern als entscheidend angesehen.

Diese Meinung stützte sich auf die Erfolge der im Ersten Weltkrieg von deutschen Luftschiffen und Bombern auf Grossbritannien durchgeführten Bombenangriffe. Sie hatten trotz der geringen Zahl eingesetzter Luftfahrzeuge und der kleinen abgeworfenen Bombenlasten die britische Rüstungsproduktion spürbar geschädigt und den Abzug bedeutender britischer Kräfte von der Westfront nötig gemacht. Der Schaden an zerstörtem Gerät und der Ausfall der getroffenen Betriebe wurde dabei weit übertroffen durch den Produktionsausfall, der dadurch verursacht wurde, dass Fabrikarbeiter aus Furcht vor weiteren Bombenangriffen nicht am Arbeitsplatz erschienen. Dies machte in der Planung des Luftkrieges die Moral der Bevölkerung zu einem wichtigen Faktor.

Die Entwicklung der Luftfahrttechnik und der Technik des Verbrennungsmotors (höhere Leistungsdichte) führte ausserdem dazu, dass in den 1920er- und 1930er-Jahren grössere und schnellere Bomber mit schwererer Bombenlast als im Ersten Weltkrieg gebaut werden konnten. Militärs und Politiker erwarteten daher, dass die Wirkung zukünftiger Bombenangriffe, die im Ersten Weltkrieg beobachteten Effekte weit übertreffen würde.

Durch den geringen Leistungsvorsprung der in der Zwischenkriegszeit gebauten Jagdflugzeuge gegenüber den Bombern und das Fehlen eines funktionsfähigen Luftraumüberwachungssystems nahm man an, dass es den feindlichen Jagdflugzeugen selten gelingen würde, die Bomber überhaupt abzufangen. Sollten die Jagdflugzeuge doch einmal in Schussposition gelangen, wurde erwartet, dass die Bomber aufgrund ihrer verbesserten Abwehrbewaffnung bei gegenseitiger Feuerunterstützung im engen Formationsflug alle Angriffe von Jagdflugzeugen abwehren könnten.

Der einflussreiche britische Politiker Stanley Baldwin äusserte 1932: "Der Bomber wird immer [zum Ziel] durchkommen" und drückte die damals verbreitete Ansicht aus, ein zukünftiger Krieg würde durch Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung entschieden werden. Gemäss der 1928 formulierten Trenchard-Doktrin nahm man an, dass Bombenangriffe auf "alle Objekte, die wirksam zur Zerstörung der gegnerischen Mittel des Angriffs beitragen und seine Entschlossenheit zum Kampf verringern" strategisch günstiger seien, als gegen feindliche Streitkräfte in direkter Feldschlacht vorzugehen, und begann bereits mit der Entwicklung der Stabbrandbombe, der Hauptwaffe des späteren Bombenkrieges und dem Auslöser von über 20 Feuerstürmen in deutschen Grossstädten ab Frühjahr 1943.

Als 1934 ein Krieg gegen das seit 1933 von Hitler geführte und stark aufrüstende Deutsche Reich absehbar wurde, formulierte die britische Regierung einen auf fünf Jahre angelegten Plan zur Erweiterung der britischen Luftstreitkräfte. Er sah sowohl die Aufstellung einer starken Streitmacht von Bombern zum Angriff auf Deutschland als auch die Schaffung eines Luftverteidigungssystems zur Abwehr deutscher Bombenangriffe vor. Dieser Plan wurde in wesentlichen Teilen entsprechend dem ursprünglichen Entwurf umgesetzt. Der Aufbau eines Netzes von Militärflugplätzen in Südengland und die Ausbildung eines Kaders von Kampfpiloten und Besatzungen hatten dabei Priorität. Die Ausrüstung der Royal Air Force mit modernen Kampfflugzeugen konnte dagegen erst gegen Ende des Planungszeitraums stattfinden.

Das Fehlen genügend starker und einsatzbereiter Luftstreitkräfte in den 1930er Jahren beeinflusste die britische Politik und wird häufig als einer der Gründe für Chamberlains Appeasement-Politik angesehen. Umgekehrt war sich das Deutsche Reich der von seiner neu geschaffenen Luftwaffe ausgehenden Drohwirkung voll bewusst und nutzte sie zur Unterstützung seiner expansiven Politik. Dass zur Luftverteidigung eine Radarkette an der englischen Südküste aufgebaut wurde, blieb den Deutschen verborgen.

Der Zweite Weltkrieg zeigte, dass die Erwartungen an die Kampfkraft von Bombern viel zu hoch gewesen waren. Bereits 1939 wurde durch britische Angriffe auf deutsche Kriegsschiffe und Marinestützpunkte an der Nordsee deutlich, dass durch Suchradar geführte Jagdflugzeuge jetzt Bomber zum Kampf stellen und den Bomberformationen trotz ihrer Abwehrbewaffnung vernichtende Verluste zufügen könnten. Diese Schlussfolgerung liess britische Luftverteidigungssysteme als wesentlich wichtiger erscheinen, als man vor dem Krieg erwartet hatte. Zugleich hatten sich Bomberangriffe als weniger wirkungsvoll erwiesen als gedacht.

Trotzdem hielten die Briten an der Erwartung fest, Bombenangriffe gegen die Zivilbevölkerung würden kriegsentscheidend sein (ab 1942 "morale bombing"" genannt). Auch die deutschen Luftangriffe während der darauffolgenden Luftschlacht um England richteten sich in der Endphase, von der die Entscheidung erwartet wurde, gegen den Grossraum London ("The Blitz") und damit gegen die Zivilbevölkerung Grossbritanniens. Hitler war offenbar unentschlossen Grossbritannien anzugreifen.

Ausgangssituation

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01_52/Britische Radarüberwachung; weisse Linie Radarreichweite, schwarze Linie Tiefflugradar

Seitdem 1934 der Erweiterungsplan für die Royal Air Force (RAF) unter dem Namen Plan A verabschiedet worden war, arbeiteten die Briten systematisch am Aufbau einer modernen Luftwaffe. Die wichtigsten Schritte waren dabei der Ausbau eines Netzwerks von Fliegerhorsten, der Aufbau einer Basis von geschultem Bodenpersonal und eines Kaders von Piloten, und später – etwa in den zwei Jahren zwischen dem Münchner Abkommen und der Luftschlacht um England – die Ausrüstung der RAF mit modernen Bombern und Jagdflugzeugen. Am 1. September 1939 griff das Deutsche Reich Polen an, Frankreich und Grossbritannien erklärten Deutschland am 3. September den Krieg, der Zweite Weltkrieg hatte begonnen. In mehreren Blitzkriegen konnte Deutschland 1940 den Alliierten massive Verluste zufügen und während des Westfeldzugs die Beneluxländer und weite Teile Frankreichs besetzen. Die britischen Truppen auf dem Festland wurden bei der nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen eingekesselt, konnten jedoch in der Operation Dynamo gerade noch vor der Vernichtung gerettet werden. Die Rettung der Expeditionsarmee von ca. 240'000 Soldaten und von 100'000 weiteren Soldaten verbündeter Staaten förderte sehr die britische Moral. Da bei der Evakuierung alle schweren Waffen zurückgelassen werden mussten, war die erfolgreiche Verteidigung der britischen Inseln gegen eine deutsche Invasion noch nicht sicher. Der überragende Abwehrerfolg weniger Tage bildete aber die entscheidende Grundlage für Churchills kategorisches Nein, mit dem Deutschen Reich Friedensverhandlungen aufzunehmen und war der frühzeitige Anfang vom Ende des Invasionsplans gegen England. Hitler entschloss sich zu dem Angriff auf die Sowjetunion, den ideologischen Hauptgegner, ohne vorher den Gegner im Westen besiegt zu haben oder mit ihm zu einem modus vivendi gekommen zu sein.

Am 22. Juni 1940 wurde zwischen der französischen Armee und der deutschen Wehrmacht ein Waffenstillstand unterzeichnet, sehr zur Enttäuschung Grossbritanniens.

Begründet durch den schnellen Sieg über alle Kriegsgegner ausser Grossbritannien wurden von Hitler Signale erwartet, die den Wunsch auf Beendigung der Kampfhandlungen seitens der Briten ausdrückten. Tatsächlich gab es politische und populäre Strömungen, die dazu bereit waren.

Doch Arthur Neville Chamberlain, der bis dahin die Appeasement-Politik vertreten hatte, war am 10. Mai 1940 als Premierminister zurückgetreten, und der energische Winston Churchill trat an seine Stelle. Er stellte am 13. Mai klar, dass der "Krieg gegen eine monströse Tyrannei, wie sie nie übertroffen worden ist, im finsteren Katalog der Verbrechen der Menschheit" nur mit einem "Sieg um jeden Preis" beendet werden dürfe. Die Angriffe der britischen RAF auf deutsche Städte begannen mit dem Angriff auf Mönchengladbach am 11. Mai 1940 mit 35 Bombern.

Am 16. Juli 1940 gab Hitler den Befehl zur Vorbereitung des Unternehmens Seelöwe. Um diesen Plan durchführen zu können, war sich der deutsche Generalstab sicher, müsse man erst die Luftherrschaft über England gewinnen.

Hitlers Appell an die Vernunft Englands, es könne weiteres Blutvergiessen vermieden werden, ausgesprochen in einer Rede vor dem Reichstag am 19. Juli, führte zu keiner Reaktion.

Aus heutiger Sicht wird der Plan zur Landung in Grossbritannien als unrealistisch angesehen. Weder die Ausrüstung der Kriegsmarine noch des Heeres war für dieses Vorhaben geeignet. Es fehlten Transportmöglichkeiten für eine Invasionsarmee. An einen Eroberungskrieg gegen Grossbritannien hatte man in der Aufrüstungsphase bis 1939 nicht gedacht.

Deutscher Operationsplan
Oberbefehlshaber der Luftwaffe war Generalfeldmarschall Hermann Göring. Dieser zeichnete sich stets durch seinen vorauseilenden Gehorsam gegenüber Hitler aus, der ihm am 19. Juli, den eigens für ihn geschaffenen Rang Reichsmarschall des Grossdeutschen Reiches verlieh. Hitler sah sich nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich, von dem ihm der Stab des Oberkommandos der Wehrmacht eindringlich abgeraten hatte, als hervorragenden Feldherrn. Der einzig verbliebene Gegner im Westen war Grossbritannien, und obwohl er noch Anfang 1939 versichert hatte, nie gegen England Krieg zu führen, führte er ihn nun in Überschätzung der eigenen militärischen und politischen Möglichkeiten.

Göring konnte bei der Schlacht von Dünkirchen seine Ankündigung, das britische Expeditionskorps zu vernichten, nicht erfüllen. Dies ermöglichte den Alliierten, in der Operation Dynamo hunderttausende ihrer Soldaten nach England zu evakuieren. Trotzdem sah Göring nun erneut die Chance, die Kampfkraft der Luftwaffe, insbesondere die Wirksamkeit strategischer Bombardements, auf der britischen Insel unter Beweis zu stellen.

Die deutsche Luftwaffe zog fünf Luftflotten zusammen. Drei davon wurden für den Angriff aufgeboten: Luftflotte 2 unter Generalfeldmarschall Albert Kesselring mit dem Ziel, den Südosten und London anzugreifen; Luftflotte 3 unter Generalfeldmarschall Hugo Sperrle mit dem Ziel, den Westen, die Midlands und den Nordwesten anzugreifen; und Luftflotte 5 unter Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff, die in Norwegen und Dänemark stationiert war, sollte den Norden Englands und Schottland angreifen. Gegen Ende der Luftschlacht griff auch ein Verband der italienischen Luftwaffe, das Corpo Aereo Italiano, unter dem Kommando von Rino Corso Fougier in die Kämpfe ein.

Einem Befehl Görings zufolge sollten die britische Luftraumüberwachung und die küstennahen Stützpunkte der RAF in vier Tagen ausgeschaltet werden. In einem weiteren Schritt sollten innerhalb von vier Wochen vor allem Produktionsanlagen für Jäger und andere Flugzeuge angegriffen werden.

Doch die britische Verteidigung war stärker als erwartet, und die Befehlshaber der Luftflotten wollten die Strategie unterschiedlich umsetzen, wurden aber auf ein einheitliches Vorgehen festgelegt. Während Albert Kesselring von der Luftflotte 2 vor allem London bombardieren lassen wollte, beabsichtigte Hugo Sperrle von der Luftflotte 3, zunächst die britischen Fliegerhorste angreifen zu lassen. Sperrles Plan wurde umgesetzt.

Der Luftwaffenführungsstab 1c, verantwortlich für die Feindaufklärung, schätzte am 16. Juli, dass die Royal Air Force um die 900 Jagdflugzeuge besass, davon 675 einsatzbereite. Damit hatten die Deutschen ein realistisches Bild von der britischen Jagdwaffe, die zu diesem Zeitpunkt ungefähr 700 Jäger besass.

Britischer Operationsplan
Bis Oktober 1940 war der verantwortliche Oberbefehlshaber des RAF Fighter Command Air Marshal Hugh Dowding. Auf ihn geht das Dowding-System – also das britische Luftverteidigungskonzept – zurück.

Räumlich wurde die Luftverteidigung des britischen Luftraumes vier Gruppen zugeteilt:

  • Südwestengland und Wales: 10 Fighter Group, unter dem Kommando von Sir Christopher Quintin Brand;
  • Südostengland mit dem Grossraum London: 11 Fighter Group, unter dem Kommando von Air Vice Marshal Keith Park;
  • Mittelengland: 12 Fighter Group, unter dem Kommando von Air Vice Marshal Trafford Leigh-Mallory;
  • Norden: 13 Fighter Group unter dem Kommando von Air Vice Marshal Richard Saul.

Eine weitere Aufteilung erfolgte in Sektoren, die über jeweils zwei bis vier Squadrons verfügten. Die Befehlszentralen wurden Sector Stations genannt.

Aufbauend auf dem im Ersten Weltkrieg zur Abwehr der deutschen Luftangriffe entwickelten Luftverteidigungssystem, hatten die Briten ein modernes System zur Identifizierung und Abwehr von Luftangriffen entwickelt, das auf einem von Radarbesatzungen und Luftraumbeobachtern mit Meldungen über eigene und feindliche Flugbewegungen versorgten Informations- und Befehlsnetz beruhte.

An der britischen Küste befanden sich zahlreiche Radarstationen (Chain Home), deren Reichweite sich bis zu den deutschen Luftwaffenstützpunkten in Frankreich erstreckte. Über dem Binnenland wurden Flugzeuge vom Beobachter-Korps optisch verfolgt und telefonisch gemeldet.

Die so gewonnenen Informationen wurden zunächst im Hauptquartier des Fighter Command der RAF, dem Bentley Priory, einem Herrschaftshaus nahe Stanmore, gesammelt und beurteilt. Die Feindbewegungen wurden auf grossen Kartentischen dargestellt, und die Informationen wurden an die Operation Rooms der Sector Stations weitergeleitet. Von dort aus erfolgte die Alarmierung und Leitung der Abfangjäger.

Diese wurden dann mittels Sprechfunkanweisungen an den Feind herangeführt. Limitierend dabei war die Kurzwellen-Technologie, welche eine ungestörte Kommunikation schwierig machte und deshalb ab September 1940 durch UKW ersetzt wurde.

Obwohl Deutschland bei der Erforschung und Entwicklung des Radars (unter dem Namen Funkmessung) einen technologischen Vorsprung hatte, war die einsatznahe Anwendung der vorhandenen Ausrüstung von der Ortung der feindlichen Flugzeuge bis hin zur Leitung der Abfangjäger durch die Briten höchst effektiv.

Die Entzifferung des deutschen Enigma-Codes in Bletchley Park, als Unternehmen bekannt unter dem Kodenamen ULTRA, lieferte auch wichtige Informationen über die Angriffe der Deutschen.

Um dem Pilotenmangel zu begegnen, wurden Piloten aus dem Commonwealth, Frankreich, den USA, Polen und der Tschechoslowakei unter dem Befehl der Royal Air Force eingesetzt.

Während sich Deutsche Jäger in freien Feindflügen auf RAF-Flugzeuge über Südengland konzentrieren wollten, wurden die Britischen Piloten instruiert, alleine, fliegende Jäger nicht anzugreifen, sondern nur dann, wenn sie Bomber begleiteten. Dieser Fakt war ein vermeintlicher zusätzlicher Anhaltspunkt zur viel zu frühen Einschätzung, die RAF wäre erschöpft und geschlagen.

Kräfteverhältnis zu Beginn der Luftschlacht
Bei einer als Abnutzungsschlacht geführten Auseinandersetzung kommt dem Zahlenverhältnis eine gewisse Bedeutung zu, wenn auch nicht die alleinige. Die Anzahl der für die Schlacht zur Verfügung stehenden Flugzeuge (wie in der Tabelle unten dargestellt) unterscheidet sich von den tatsächlich einsatzbereiten Maschinen um ungefähr 10 bis 25 %. Der Bestand an einsatzklar gemeldeten Maschinen variierte täglich.

Die Produktion an einsitzigen Jagdflugzeugen betrug dank Lord Beaverbrook (Minister für Flugzeugproduktion) in den Monaten Juli bis September bei der RAF durchschnittlich 440 Stück. Beaverbrook hatte die Produktion von Jagdflugzeugen auf Kosten jeder anderen Flugzeugart gesteigert und wurde von der Führung der RAF teils heftig dafür kritisiert, unter anderem weil die Herstellung von Schulflugzeugen für die Pilotenausbildung, die für die RAF von kritischer Bedeutung war, durch Beaverbrooks Massnahmen beeinträchtigt wurde.

Bei der Luftwaffe war der monatliche Ausstoss mit näherungsweise 230 Jagdflugzeugen durchschnittlich nur halb so gross, verantwortlich dafür war Generalluftzeugmeister Ernst Udet. Während in Deutschland monatlich etwa 800 ausgebildete Piloten die Fliegerschulen verliessen, kam die RAF nur auf knapp über 200.

Die Tabelle spart die 84 Messerschmitt Bf 109 E der Luftflotte 5 (Norwegen) aus, da sie aufgrund ihrer Reichweite keine Möglichkeit hatten, die britische Küste zu erreichen.

Es standen ausserdem eine beträchtliche Anzahl von Aufklärern und Verbindungsflugzeugen auf beiden Seiten zur Verfügung. Die Luftwaffe verfügte darüber hinaus über eine nennenswerte Zahl von Seenotrettungsflugzeugen, die in der Luftschlacht um England später eine wichtige Rolle spielten. Insgesamt nannte die RAF um diese Zeit in etwa 3000 Flugzeuge ihr Eigen, die Luftwaffe dagegen um 4500, auf fünf Luftflotten verteilt.

Typ

Luftwaffe: Luftflotten 2, 3 und 5 (20. Juli 1940)

Royal Air Force (Juni 1940)

Bomber

1'576, davon 316 einmotorige Ju 87

ca. 500

Einmotorige Jäger

809 Bf 109 E

ca. 700, davon ca. 250 Spitfires

Zweimotorige Jäger

300 Bf 110

ca. 96 Bristol Blenheim IF

Verlauf der Luftschlacht (Kanalkampf 10. Juli bis 11. August 1940)
Obwohl bereits auch bei Tage Ziele an der englischen Küste angegriffen wurden, konzentrierten sich in dieser Phase die Angriffe der Luftwaffe auf Konvois im Ärmelkanal, in der Themsemündung sowie auf Marineeinrichtungen entlang der Küste. Bei Nacht wurden Ziele im Landesinneren bombardiert. Sowohl die Luftwaffe als auch die RAF nahmen diese Gelegenheit wahr, ihre Taktik und Kampfkraft zu vergleichen.

Die Verluste bei den Alliierten waren so hoch, dass Konvois im Ärmelkanal strengstens untersagt wurden.

Angriffe auf küstennahe Ziele: 12.–23. August 1940
Am 12. August kam es schliesslich zu einem Grossangriff durch die Erprobungsgruppe 210 auf vier Radarstationen bei Portland und Dover, bei dem über 200 Bomber beteiligt waren. Auch einige küstennahe Stützpunkte der britischen Abfangjäger wurden von Bombern und Jagdflugzeugen angegriffen. Die Radarstationen waren jedoch sechs Stunden nach dem Angriff wieder einsatzbereit, da nur die Stromversorgung und einige Baracken zerstört wurden, während die Türme des Radars unbeschädigt blieben. Das führte auf Seiten der Luftwaffe zu der Entscheidung, die anscheinend nur sehr schwer zu zerstörenden Radaranlagen nicht weiter zu attackieren, wodurch diese bis zum Kriegsende weitgehend ungestört in Betrieb blieben.

Mit dem 13. August, dem "Adlertag", begann eine Serie von Grossangriffen auf die Einrichtungen der RAF, im Speziellen die Stützpunkte der 11 Fighter Group unter der Führung von Luftmarschall Keith Park. Auch küstennahe Radarstationen und Einrichtungen der Marine waren immer wieder das Ziel der Angriffe.

Am 15. August griff die Luftflotte 5 im Norden Englands an, da man vermutete, dass die Luftverteidigung auf den Süden konzentriert sei. Dies erwies sich jedoch als ein fataler Fehler, und zahlreiche Bomber wurden abgeschossen. Daher wird der Tag auf britischer Seite auch als The Greatest Day (deutsch: Der grossartigste Tag) bezeichnet. Ein Grund für die hohen Verluste war auch der Mangel an Begleitjägern mit hoher Reichweite. Die zweimotorige Messerschmitt Bf 110 (Me 110) besass zwar die entsprechende Reichweite, war jedoch den einmotorigen Jägern unterlegen und hatte selbst hohe Verluste zu verzeichnen. Die Luftflotte 5 konnte sich während der gesamten Luftschlacht nicht mehr von den hohen Verlusten erholen.

Der 18. August wird als The Hardest Day (deutsch: Der härteste Tag) bezeichnet, da beide Seiten die höchsten Verluste der gesamten Schlacht hatten. Am Vortag stellte Oberst Schmidt, der für Geheimdienstaufgaben zuständige Offizier des Luftwaffenoberkommandos, folgende Einsatzstärke der britischen Luftverteidigung fest: 430 Hurricanes, Spitfires und Defiants. Davon seien 70 % einsatzbereit, also etwa 300. Tatsächlich verteilten sich die Kräfte am 18. August wie folgt:

Einsatzbereite Kräfte am Morgen des 18. August:

Luftwaffe: Luftflotten 2, 3 und 5

Royal Air Force

Bomber

1'134, davon 276 einmotorige

Ju 87

 

Einmotorige Jäger

780 Bf 109 E

826, davon 262 Spitfires

Zweimotorige Jäger

214 Bf 110

51 Bristol Blenheim IF

 

Verluste bis Abend des 18. August:

Luftwaffe: Luftflotten 2, 3 und 5

Royal Air Force

Flugzeuge zerstört oder schwer beschädigt

100

136, davon 60 am Boden zerstört oder beschädigt

Piloten gefallen oder in Gefangenschaft

62, davon 17 in Gefangenschaft

30

Unter den 60 am Boden zerstörten Maschinen der RAF befanden sich Schulungs- und Verbindungsflugzeuge, Aufklärer und Seerettungsflugzeuge, aber keine einzige Hurricane oder Spitfire. Diese wurden alle rechtzeitig zum Kampf in die Luft gebracht. Die Verteilung der Verluste dieses einzigen Tages ist symptomatisch für die gesamte Schlacht: Der Schwund unter den Piloten der Luftwaffe durch Verwundung, Gefangenschaft und Tod war stets deutlich höher als bei der RAF. Die britischen Piloten kämpften in der Regel über dem Heimatland und waren so nach einer Notlandung wieder einsatzbereit, während deutsche Piloten unter ähnlichen Umständen in Gefangenschaft gingen.

Nach diesem Tag zog Göring das Sturzkampfflugzeug Ju 87 Stuka weitestgehend von der Luftschlacht ab. Dieses Flugzeug stand als Symbol für den Blitzkrieg, erwies sich jedoch in der Luftschlacht um England als zu stark gefährdet und die Verluste waren sehr hoch. Dadurch verlor die Luftwaffe aber ihr Potenzial an Präzisionsangriffen. Göring veranlasste ebenfalls, dass die Bf 110 nur dann eingesetzt werden sollte, wenn es absolut notwendig sei.

Göring stoppte auch die Angriffe auf Radarstationen, da er die Angriffe als wirkungslos ansah. Dies erwies sich als strategischer Fehler, da in der Folge die britischen Verteidiger immer wussten, wann und wo sie auf die Deutschen treffen würden, eine Erleichterung für die Struktur der britischen Luftverteidigung.

Angriffe auf Flugplätze und Flugzeugwerke in Südengland: 24. August bis 6. September 1940
Je mehr die Ziele ins Landesinnere rückten, desto schwieriger wurde die Situation für die Angreifer. Ein grosses Handicap der deutschen Messerschmitt Bf 109 war ihre für den Einsatz als Begleitschutzjäger unzureichende Eindringtiefe. Ab Erreichen der englischen Küste hatten die Piloten der Bf 109 noch einen Treibstoffvorrat für etwa 30 Minuten Kampfzeit. Mussten sie Bomber 15 Minuten (etwa 100 Kilometer) weit ins Landesinnere begleiten, blieb praktisch kein Treibstoff für einen Kampf gegen die britischen Jagdflugzeuge.

Je mehr die Ziele ins Landesinnere rückten, desto schwieriger wurde die Situation für die Angreifer. Ein grosses Handicap der deutschen Messerschmitt Bf 109 war ihre für den Einsatz als Begleitschutzjäger unzureichende Eindringtiefe. Ab Erreichen der englischen Küste hatten die Piloten der Bf 109 noch einen Treibstoffvorrat für etwa 30 Minuten Kampfzeit. Mussten sie Bomber 15 Minuten (etwa 100 Kilometer) weit ins Landesinnere begleiten, blieb praktisch kein Treibstoff für einen Kampf gegen die britischen Jagdflugzeuge.

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01_53/Die Supermarine Spitfire war ein Jagdflugzeug aus britischer Produktion

Die eigentlich als Langstrecken-Begleitschutz vorgesehene zweimotorige Messerschmitt Bf 110 verfügte zwar über die nötige Eindringtiefe, erwies sich aber für diese Aufgabe als völlig ungeeignet und erlitt schwere Verluste. Dennoch kamen die Stützpunkte der 11 Fighter Group, zuständig für die Verteidigung Südenglands und Londons, in schwere Bedrängnis.

Die von der Luftwaffe angenommenen Verlustzahlen auf britischer Seite waren jedoch fehlerhaft und von der Propaganda verändert. Viele der als Totalverlust gezählten Flugzeuge der RAF waren tatsächlich nur beschädigt, und die wichtigen Piloten konnten, sofern sie unverletzt blieben, noch am selben Tag mit neuen Flugzeugen wieder eingesetzt werden. Die deutsche Aufklärung versagte und seitens der deutschen Führung entstand die Auffassung, dass die RAF de facto nicht mehr einsatzfähig sei. Göring liess verlauten, dass die RAF höchstens noch über 50 Spitfires verfüge. Tatsächlich war der Bestand an täglich einsatzbereiten Jagdmaschinen zu keiner Zeit geringer als 650, Hurricanes und Spitfires zusammengenommen.

Angriffe auf London und andere Städte: ab 7. September 1940
Am 24. August fielen während eines Angriffes auf Themsehäfen östlich von London erstmals Bomben auf die Vororte der Stadt, was einen Nachtangriff der RAF am 25. August auf Berlin zur Folge hatte. Darauf befahl Hitler am 4. September, von nun an London anzugreifen. Als die Bombardierung der südenglischen Jägerstützpunkte eingestellt wurde, konnte sich die britische Luftverteidigung erholen und in der Folge ihre Wirkung gegen die unzureichend ausgerüsteten Verbände deutscher Bomber und Jagdbomber voll entfalten.

Zur Verteidigung Londons wurde ausserdem nun auch die 12 Fighter Group unter Führung von Air Vice Marshal Leigh-Mallory hinzugezogen. Damit wurden erstmals zahlenmässig starke Verbände britischer Jäger zum Einsatz gebracht. Während der deutschen Angriffe diente die Londoner U-Bahn als Luftschutzbunker.

Der Sonntag, 15. September, gilt in England auch als Battle of Britain Day, an welchem eine Rekordzahl von feindlichen Flugzeugen abgeschossen worden war und sich die Angriffsstrategie der Deutschen als Misserfolg erwiesen hatte. Zeitgenössische Quellen sprachen von 175 abgeschossenen deutschen Flugzeugen, spätere Zahlen lagen bei fast einhundert. Am Nachmittag dieses Tages waren alle britischen Staffeln ohne am Boden verbleibende Reserven in der Luft.

Am Morgen des 17. September verschob Hitler die Operation Seelöwe auf "unbestimmte Zeit", am 12. Oktober verlautbarte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel:

"Der Führer hat beschlossen, dass ab heute bis zum Frühjahr die Vorbereitungen für Seelöwe (Landung in England) lediglich zu dem Zweck fortgeführt werden sollen, um Grossbritannien politisch und militärisch weiterhin unter Druck zu setzen. Sollte die Landeoperation im Frühjahr oder im Frühsommer 1941 wieder in Erwägung gezogen werden, ergehen weitere Befehle […]".

Ab dem 29. Oktober 1940 wurden die Grossangriffe auf London bei Tage eingestellt. Vereinzelte Angriffe mit Bombern und Jagdbombern wurden jedoch weiterhin geflogen. Die Nachtangriffe wurden bis Mai 1941 weitergeführt.

Um auch effektive Nachtangriffe fliegen zu können, wurde das Knickebein-Funknavigationssystem entwickelt, bei dem einmal aus Norddeutschland und einmal aus Nordfrankreich Radiostrahlen gesendet wurden, die sich über dem Abwurfgebiet kreuzten. Die Briten nahmen die Geheimdienstberichte über dieses System zunächst nicht ernst. Als MI6-Agent Reginald Victor Jones die Existenz der Strahlen nachweisen konnte, wurden jedoch erfolgreiche Gegenmassnahmen eingeleitet. Dazu wurden Störsignale und Strahlen gesendet, die das System unbrauchbar machten.

Die Angriffe auf die Stadt Coventry am 14. November 1940 und am 8. April 1941 waren die schwersten Bombenangriffe des Krieges bis dahin. Diese Angriffe prägten in der deutschen Propaganda den Begriff Coventrieren, der das Vernichten einer Stadt bedeutet, um die Moral des Feindes zu brechen. Diese Formulierung war indes eine propagandistische Übertreibung, da sich die Angriffe in erster Linie gegen militärische Produktionsstätten richteten. Die Opfer unter der Zivilbevölkerung betrugen 1'236 Tote. Ausserdem wurden viele tausend Wohnungen und zirka 75 % der Fabriken zerstört, was jedoch nicht zu nennenswerten Produktionsrückgängen führte. Die Flächenbombardements der Royal Air Force ab 1942, etwa gegen das Altstadtzentrum von Lübeck, galten anfangs als Rache für Coventry. Der Angriff auf London am 29. Dezember 1940 führte zu einem "zweiten Brand Londons" und kostete viele Menschen das Leben.

Ausländische Unterstützung
Grossbritannien
In der Royal Air Force flogen auch freiwillige Piloten fremder Nationen. Neben den freiwilligen Piloten stellten auch die Regierungen, die vor den deutschen Truppen nach Grossbritannien geflohen waren, eigene Flugeinheiten auf, die unter dem Kommando der RAF an den Kämpfen teilnahmen. Besonders die tschechoslowakischen und polnischen Piloten erwiesen sich als effektiv. Die polnische Staffel war am 31. August 1940 einsatzbereit und hatte, obschon die Piloten nur einen Anteil von 5 % aller RAF-Piloten ausmachten, etwa 12 % der Abschüsse zu verzeichnen. An der Luftschlacht um England nahmen von den insgesamt 2927 Piloten zahlreiche Piloten anderer Nationen teil, nach einigen Angaben etwa ein Fünftel, darunter 147 polnische, 101 neuseeländische, 94 kanadische und 87 tschechoslowakische Piloten.

Deutsches Reich
Die deutsche Luftwaffe wurde gegen Ende der Luftschlacht von einem italienischen Geschwader, dem Corpo Aereo Italiano, unterstützt. Angeblich einer Bitte Benito Mussolinis folgend, wurden 80 Fiat BR.20 Bomber, unterstützt durch eine unbestimmte Zahl von Fiat G.50 und Fiat CR.42 Jagdflugzeugen, in Belgien stationiert.

Bei geringem eigenen Erfolg wurden dem Verband am 11. November durch Hurricanes der RAF schwere Verluste zugefügt.

Ergebnis
Opfer unter der englischen Zivilbevölkerung bis April 1941: 27'450 Tote, 32'138 Verletzte.

Verluste der RAF zwischen 10. Juli und 31. Oktober 1940: 544 Piloten gefallen, 1'547 Flugzeuge zerstört, davon 915 im Luftkampf abgeschossen.

Verluste der deutschen Luftwaffe im Luftkrieg gegen Grossbritannien bis Mai 1941: 2000 Luftwaffenangehörige gefallen, 2'600 Luftwaffenangehörige vermisst oder in Gefangenschaft, 2'200 Flugzeuge zerstört, davon 1'733 im Zeitraum vom 10. Juli bis 31. Oktober im Luftkampf abgeschossen.

Die Luftschlacht um England führte zu einer deutlichen Niederlage der deutschen Luftwaffe. Die Ursachen lagen unter anderem in verfehlten deutschen Vorstellungen über die Möglichkeiten eines strategischen Luftkrieges, schlechter Einsatztaktik des deutschen Oberkommandos, Fehlen strategischer Bomber und Langstreckenbegleitjäger, mangelhafter Geheimdienstarbeit sowie im leistungsfähigen, radargestützten britischen Jägerleitsystem.

Ausserdem erlitt die deutsche Luftwaffe in der als Abnutzungskrieg geführten Luftschlacht grössere Verluste, während die Briten ihre Verluste durch eine gesteigerte Produktion von Jagdflugzeugen, eine beschleunigte Pilotenausbildung und das Anwerben von Piloten aus fremden Nationen wettmachen konnten.

Winston Churchill bemerkte über die Bedeutung der Schlacht: "Nie zuvor in der Geschichte des kriegerischen Konflikts verdankten so viele so wenigen so viel". Damit war der legendäre Ausdruck The Few (Deutsch: die Wenigen) als Synonym für die Piloten der Royal Air Force geprägt. Er spielte damit auch auf die zu Beginn der Operation wahrgenommene Unterlegenheit in Hinsicht auf die Anzahl der einsatzbereiten Kampfflugzeuge an.

Die britische Öffentlichkeit hatte über den Zeitraum von Herbst 1940 bis Frühjahr 1941 keine klare Wahrnehmung über das Ende der Schlacht und über ihren eigenen Sieg. Die Bedrohung aus der Luft war aufrechterhalten durch die Nachtangriffe, und die Bedrohung durch deutsche U-Boote, die verstärkt gegen Versorgungskonvois vorgingen, war alarmierend. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Sieg in der (Luft)Schlacht um England bei einer grossen Zeremonie in London gefeiert. Im Herbst 1940 kam es als Folge der Big-Wing-Kontroverse zur Ablösung Dowdings durch Charles Portal. Auch Keith Park wurde durch Trafford Leigh-Mallory abgelöst, der dann während der Invasion 1944 die gesamten alliierten Luftstreitkräfte leiten sollte.

Hitler versuchte noch im Oktober 1940, mit Franco (Spanien) und Pétain (Vichy-Frankreich) neue Verbündete im Kampf gegen Grossbritannien zu gewinnen, scheiterte aber auch in diesem Ansinnen. Sogar mit der Sowjetunion wurden Verhandlungen über eine Anti-England-Koalition begonnen, die aber ebenfalls scheiterten.

Die deutschen Jägerpiloten wurden in der Folge von ihrem Oberkommandeur Hermann Göring der Feigheit bezichtigt. Göring erneuerte diesen Vorwurf im weiteren Verlauf des Krieges verschiedene Male, um Niederlagen der Luftwaffe zu erklären und von seinem eigenen Versagen als Befehlshaber abzulenken.

Propaganda
Die britische Zensur der privaten Post hatte im Juni 1940 zu der Erkenntnis geführt, dass unter der britischen Bevölkerung der Krieg nicht sehr "populär" sei. Sozial benachteiligte Gesellschaftsschichten hielten den Krieg für eine Unterstützung der Interessen der Privilegierten. Die plötzliche Erkenntnis jedoch, dass Grossbritannien nach dem faktischen Ausscheiden Frankreichs aus dem Konflikt "alleine gegen Hitler" kämpfte, sowie die energischen Reden Churchills vor dem britischen Unterhaus ("[…] Ich habe nichts anzubieten ausser Blut, Mühsal, Tränen und Schweiss […]") führten zu einem Umschwung der Stimmung.

Als deutsche Bombenangriffe massive Opfer in der Zivilbevölkerung forderten, erübrigte sich in Grossbritannien jede Propaganda zur Erzeugung eines Feindbildes. Nun war Durchhalten gefragt, weswegen britische Abschusszahlen deutscher Flugzeuge bewusst überhöht angegeben wurden, und zwar bis zu einem Vierfachen der tatsächlichen deutschen Verluste. Filmmaterial wurde ganz im Gegensatz zu Deutschland nicht in grossem Massstab verbreitet. Plakate warnten vor gefährlicher Geschwätzigkeit und ermutigten zur Mitwirkung an Kriegsaktivitäten.

Zum Schutz gegen die verheerenden nächtlichen Bombenangriffe wurde die baldige Einsatzreife von Geheimwaffen verkündet. Damit waren Luftminenfelder, mit Präzisionsradar ausgerüstete Nachtjäger und zielsuchende Boden-Luft-Raketen gemeint. Keines dieser Projekte erreichte während des Krieges Einsatzreife.

Auf deutscher Seite konzentrierte man sich darauf, die Bevölkerung weiter auf die Person Adolf Hitlers einzuschwören. Die schnellen militärischen Erfolge im Westen, in Bild und Ton verbreitet durch "Die Deutsche Wochenschau", dienten dazu hervorragend. Die regelmässige und spektakuläre Darbietung von Filmmaterial von der Front zeigte Wirkung bei allen Altersgruppen. Der deutschen Bevölkerung war das Kriegsgeschehen am Ärmelkanal jedoch zu weit entfernt, um dafür eine besondere Leidenschaft zu entwickeln. Die zunehmenden Nachtangriffe durch britische Bomber wurden allerdings verwertet, um die Briten und vor allem Winston Churchill als Feindbild aufzubauen. Englands Propaganda gab die deutschen Verluste doppelt so hoch an wie sie tatsächlich waren; die NS-Propaganda etwa halb so hoch wie tatsächlich. Bis zum Angriff auf die Sowjetunion 1941 wurde die Invasionsdrohung gegenüber Grossbritannien aufrechterhalten, um von den Vorbereitungen für das Unternehmen Barbarossa abzulenken. Ab dem Frühjahr 1941 fehlte der Luftwaffe – infolge der Verlegung zahlreicher Verbände in den Mittelmeerraum (siehe Afrikafeldzug), auf den Balkan (Balkanfeldzug (1941)) und in die östlichen Grenzgebiete – die Stärke zu einer solchen Invasion.

Flugzeugtypen
Die wichtigsten eingesetzten Flugzeugtypen werden im der Folge aufgelistet.

Luftwaffe
Bomber:

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01_54/Junkers Ju 87

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01_55/Dornier Do 17

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01_56/Heinkel He 111

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01_57/Junkers Ju 88

Jäger:

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01_58/Messerschmitt BF 109

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 01_59/Messerschmitt BF 110

Royal Air Force
Bomber:

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01_60/Bristol Blenheim

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01_61/Bristol Beaufighter

Jäger:

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01_62/Hawker Hurricane

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01_63/Supermarine Spitfire

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01_64/Boulton-Paul Defiant

 
Planung Unternehmen Seelöwe (14.05.1940 – 18.12.1940)    
(aus Wikipedia)

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01_65/Plan des Unternehmens Seelöwe

Das Unternehmen Seelöwe war die im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht vorbereitete, aber nicht verwirklichte Invasion Grossbritanniens.

Vorgeschichte (Erste Planungen)
Zum ersten Mal taucht eine Landung in England als Möglichkeit in den schriftlichen Dokumenten der Stäbe der Wehrmacht Anfang August 1939 auf, rund einen Monat bevor Grossbritannien Deutschland den Krieg erklärte (3. September 1939).

In einer "Studie für den Luftkrieg gegen England" der Luftwaffe ist am 7. August 1939 als letzter Punkt der Liste "Zielsetzung der Luftkriegführung gegen England in der Endlösung" vermerkt: "6. Die Drohung mit der Invasion und ihre Durchführung im Rahmen grösserer kontinentaler Operationen der gesamten Wehrmacht, um die letzte Widerstandskraft des Gegners durch Besetzung grösserer Landesteile zu brechen".

Nachdem das Oberkommando der Wehrmacht am 14. November 1939 beschlossen hatte, das südliche Holland in den geplanten Westfeldzug einzubeziehen – was hiess, dass die Flussmündungen des Rheins mit ihren günstigen Möglichkeiten zum Sammeln und Ausrüsten einer Landungsflotte und ihrer grösseren Nähe zu England als die Deutsche Bucht, mit Sicherheit in deutsche Hand fallen würden – befahl der Oberkommandierende der Kriegsmarine, Erich Raeder, am 15. November 1939 eine "Überprüfung der unter bestimmten Voraussetzungen weiterer Kriegsentwicklung gegebenen Möglichkeiten einer Invasion Englands". Das heisst, die Kriegsmarine hatte vorher schon entsprechende Überlegungen angestellt.

Diese "Überprüfung" stellte die vielfältigen Schwierigkeiten einer Landungsflotte für die Invasion Englands fest, wobei als Haupthindernisse die Royal Navy, die britische Flotte, zu der Zeit die stärkste Flotte der Welt, und die Royal Air Force, die britische Luftwaffe, angesehen wurden. Die Studie kam zu dem Schluss, die Niederringung der Royal Navy und der Royal Air Force werde "höchstwahrscheinlich gleichzeitig das völlige Zusammenbrechen des Widerstandswillens dieses Landes im Gefolge haben, so dass eine Landung und Besetzung… kaum notwendig wird".

Trotzdem wurde in der Studie festgehalten: "ein Landungsunternehmen im grossen Stil über die Nordsee unter den vorerwähnten Voraussetzungen ein mögliches Mittel, die Friedensbereitschaft des Feindes zu erzwingen".

Im Heer begann Anfang Dezember 1939 die Planung für eine Invasion Englands. Am 6. Dezember 1939 forderte Franz Halder, der Generalstabschef des Heeres, Karten von England an. Am 13. Dezember lag eine Ausarbeitung des Heeres vor, die der Kriegsmarine und der Luftwaffe zugestellt wurde, für deren Ansichten über diesen Rohentwurf für eine Landung an der südlichen Nordseeküste Englands (East Anglia) von der Deutschen Bucht aus. Darin heisst es, durch den Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, sei "die Untersuchung der Möglichkeiten einer Landung in England angeordnet worden. Das Ergebnis soll in einer Studie, Nordwest‘ niedergelegt werden".

Die Kriegsmarine und die Luftwaffe antworteten dem Heer am 30. Dezember 1939, dass zunächst die Royal Navy ausgeschaltet werden müsse, was gegenwärtig nicht möglich sei, und dass auf Grund der begrenzten Reichweite der Flugzeuge der Luftwaffe eine Luftunterstützung für eine Landung in England von Deutschland aus nicht möglich sei.

Ernsthafte Vorbereitungen
Mit dem erfolgreichen Verlauf des Westfeldzuges im Mai 1940 begann die Kriegsmarine wieder Planungen für eine Invasion Englands. Am 27. Mai lag eine neue Studie vor, die sich auch auf die Studie Nordwest des Heeres vom Dezember 1939 bezog, und nun alle Häfen von der französischen Kanalküste bis zum im April 1940 besetzten Dänemark als Basis für eine Invasionsflotte einbezog. Am 31. Mai begann die Kriegsmarine die Arbeiten für den Aufbau einer Landungsflotte. Dafür wurden in den nächsten Wochen alle Seefahrzeuge erfasst, die für eine Landung in England brauchbar waren. Nun hatten ernsthafte Vorbereitungen für eine Invasion Englands begonnen. Bis zum 7. Juni war eine Studie erstellt, in der die navigatorischen Bedingungen in den britischen Küstengewässern, der Zustand jedes englischen Hafens im möglichen Landungsraum und die Küstenabschnitte für Landemöglichkeiten an offener Küste dargestellt wurden.

Mit dem militärischen Zusammenbruch Frankreichs im Juni 1940 und dem folgenden Waffenstillstand, der am 25. Juni 1940 in Kraft trat, musste auch eine Entscheidung über den weiteren Kriegsverlauf mit Grossbritannien als dem einzigen verbliebenen Gegner Deutschlands fallen.

Auch das Heer begann Anfang Juni wieder mit Planungen für eine Invasion Englands, und verschiedene Konferenzen über eine Landung in England wurden in den Führungsebenen der Wehrmacht abgehalten. Am 13. Juli 1940 hielt Halder als Generalstabschef des Heeres in Anwesenheit des Oberkommandierenden des Heeres, von Brauchitsch, einen Vortrag über die Vorüberlegungen des Heeres für eine Landung in England vor Adolf Hitler. Im Anschluss an den Vortrag befahl dieser den beiden Generalen, sofort mit den praktischen Vorbereitungen der Invasion Englands zu beginnen.

Unternehmen Seelöwe (Vorbereitung der Landung)
Am 16. Juli 1940 erteilte Hitler die "Weisung Nr. 16 über die Vorbereitung einer Landungsoperation gegen England". Darin heisst es:

"Da England, trotz seiner militärisch aussichtslosen Lage, noch keine Anzeichen einer Verständigungsbereitschaft zu erkennen gibt, habe ich mich entschlossen, eine Landungsoperation gegen England vorzubereiten und, wenn nötig, durchzuführen".

Die Planungen von Heer und Kriegsmarine waren sich über Ort und Zeitpunkt der Invasion und andere Zuständigkeiten uneinig. Aufgabe der Luftwaffe und Voraussetzung für die Invasion war nach Ansicht der Marine in jedem Fall die Erringung der totalen Luftüberlegenheit über dem Invasionsraum sowie die operative Unterstützung von Heer und Marine.

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01_66/Verladen eines Tauchpanzers III

Das deutsche Heer wollte an möglichst vielen Stellen landen und Grossbritannien auf breiter Front angreifen. Die Kriegsmarine wollte hingegen nur auf einem schmalen Korridor in der Strasse von Dover landen, da sie selbst bei totaler Luftüberlegenheit zu schwach war, mehrere Landungsoperationen gegen die überlegene Royal Navy zu schützen. Nach Plänen der Marine sollte der Korridor links und rechts durch Minensperren und vorgeschobene U-Boote geschützt werden.

Daraufhin griff Hitler ein und entschied folgenden Plan, der weder die Marine noch das Heer befriedigte:

  • Die 9. Armee startet in den Häfen Le Havre und Boulogne und landet im Gebiet zwischen Bognor Regis und Eastbourne
  • Die 16. Armee startet in den Häfen Calais, Dünkirchen, Ostende, Antwerpen und Rotterdam und landet im Gebiet zwischen Eastbourne und Dover, beide Armeen unter dem Oberbefehl von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt
  • Die 6. Armee wird in Cherbourg in Reserve gehalten unter dem Oberbefehl von Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb.

Am 25. Juli berechnete die Marine den Bedarf an Seefahrzeugen:

  • 155 Frachter (etwa 700'000 BRT)
  • 1'722 Kähne
  • 471 Schlepper
  • 1'161 Motorboote

In diesen Zahlen war eine Reserve von 10 % für Verluste aller Art (Feindeinwirkung, Havarien) eingeschlossen.

Als frühesten Landetermin meldete die Kriegsmarine am 22. Juli den Zeitraum Mitte August, aber auch nur unter der Voraussetzung der Luftherrschaft. Laut Kriegstagebuch des OKW vom 1. August 1940 meldete das Oberkommando der Kriegsmarine, dass das Minenlegen und Minenräumen nicht vor dem 13. September beendet sein könnte. Die Vorbereitungen für die Landung in England waren schliesslich erst Mitte September 1940 abgeschlossen, hauptsächlich wegen des zeitaufwändigen Umbaus von rund 2'000 Kähnen zu Landungsbooten.

Anfang September begann die Verlegung der Landungsflotte in ihre Absprunghäfen. Trotz Verlusten durch Luftangriffe der Royal Air Force auf die Landungsflotte in ihren Häfen waren genug Schiffe für die Landungsflotte vorhanden. Der Bestand betrug am 19. September

1940:

  • 168 Frachter
  • 1'975 Kähne
  • 100 Küstenmotorschiffe
  • 420 Schlepper
  • 1'600 Motorboote

Zur Täuschung der britischen Verteidigung wurde noch eine Scheinlandung im Norden Grossbritanniens vorbereitet (Operation Herbstreise).

Politische Manöver
Hitler zeigte keine grosse Begeisterung für eine Landung in England, was sich schon an der Formulierung in der Weisung Nr. 16 erkennen lässt, eine Landung nur "wenn nötig durchzuführen", und Raeder erklärte ihm als Chef der Kriegsmarine immer wieder die Schwierigkeiten einer Landung. Eine "Verständigungsbereitschaft" Englands war Hitler offensichtlich lieber. So machte er am 19. Juli während einer Rede in Berlin ein Friedensangebot an England, auf das die Regierung in London aber nicht einging. Darauf reagierte Hitler am 2. August 1940 mit der "Weisung Nr. 17 für die Führung des Luft- und Seekrieges gegen England".

Anstatt nun alle Vorbereitungen auf die Invasion Englands zu konzentrieren, versuchte Hitler mit der Weisung Nr. 17 sowohl die geplante Landungsoperation im Vorfeld zu unterstützen, indem er verlangte "die englische Luftwaffe möglichst bald niederzukämpfen", als auch einen reinen Wirtschaftskrieg zu führen. So sollten die "Luftrüstungsindustrie" und die "Lebensmittelbevorratung" Englands angegriffen werden und dafür sogar der Kampf gegen feindliche Kriegsschiffe aus der Luft zurücktreten, wie es in der Weisung heisst – also ein Befehl, welcher der Vorbereitung der Landung in England genau widerspricht. Im letzten Punkt der Weisung Nr. 17 hielt Hitler fest: "Terrorangriffe als Vergeltung behalte ich mir vor". Schnell entwickelten sich diese Luftangriffe zu reinen Bombardements von Städten ohne jeden Zusammenhang mit dem Unternehmen Seelöwe. Die Angriffe brachten der Luftwaffe hohe Verluste und Hitlers Hoffnung erfüllte sich nicht, durch die Bombenangriffe auf Städte – insbesondere auf London – die Moral der englischen Bevölkerung und Regierung zu brechen, um sie friedensbereit zu machen. Auch die Luftherrschaft konnte nicht errungen werden. Dieser im Sinne der geplanten Landung in England sinnlose Luftkrieg ging als Luftschlacht um England in die Geschichte ein.

Erich Raeder, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, schrieb in seinen Lebenserinnerungen: "Die Umstellung der Angriffe der Luftwaffe war von Hitler gebilligt worden. Es war zu erkennen, dass er ebenso wie Göring die Hoffnung hegte, durch die Angriffe auf London zum Erfolg zu kommen, ohne das Risiko einer Invasion einzugehen. Ich hielt es für aussichtslos, ihn von dieser Einstellung abzubringen. Ich hätte ihm dann raten müssen, stattdessen die Operation "Seelöwe" durchzuführen, an deren Gelingen ich von vornherein zweifelte".

Die in Libyen stehenden Italiener wurden um den 10. August aufgefordert, die italienische Invasion Ägyptens zu beginnen, um britische Truppen dort für den Fall der Invasion Englands zu binden.

In seinen Lebenserinnerungen schrieb Raeder über ein Gespräch mit Hitler am 13. August: "Ich wies erneut darauf hin, dass die Operation "Seelöwe" nur als letzter Ausweg in Frage kommt, wenn England auf keinem anderen Wege friedensbereit gemacht werden könne. Hitler stimmte meiner Auffassung zu, wollte aber mit dem Oberbefehlshaber des Heeres noch einmal sprechen".

Als letzten Versuch, mit England, ohne eine Invasion des Landes zum Frieden zu kommen, begann Hitler Anfang September 1940 geheime Verhandlungen mit England, die er über Zwischenträger in Schweden führte. Sie endeten am 19. September 1940 in einer geheimen offiziellen Stellungnahme der britischen Regierung mit für Hitler unannehmbaren Bedingungen, u. a. der Räumung der von Deutschland besetzten Länder.

Zu dieser Zeit kam eine vom War Cabinet der politischen Militärführung Grossbritanniens unter dem Vorsitz des Premierministers Winston Churchill in Auftrag gegebene Studie zu dem Schluss, dass die Royal Navy als entscheidende Waffe gegen eine deutsche Invasion die Eroberung Englands durch die Wehrmacht nicht würde verhindern können.

Verschiebung
Genau in dieser Zeit der Geheimverhandlungen mit England fiel auch die Zeit der endgültigen Entscheidung, ob das Unternehmen Seelöwe durchgeführt würde oder nicht. Mitte September 1940 hätte Hitler den Befehl zur Durchführung geben müssen, weil vom Befehl bis zur Durchführung auf Grund aller notwendigen Vorbereitungsmassnahmen mehrere Tage vergehen würden und um den 20. bis 25. September wegen der dann mondhellen Nächte bestes Operationswetter herrschen würde. Später würden sowohl die Wetterbedingungen mit dem einsetzenden Herbstwetter und den immer kürzer werdenden Tagen und dunklen Nächten eine Landungsoperation immer schwerer machen. Hitler gab den Befehl zur Landung in England jedoch nicht und verschob am 15. Oktober 1940 das Unternehmen Seelöwe auf das Frühjahr 1941.

Dem General der Flieger Kurt Student, der die Luftlandetruppen befehligte, die beim Unternehmen Seelöwe an Fallschirmen und mit Lastenseglern in der ersten Welle und später mit Transportflugzeugen in England landen sollten, sagte Hermann Göring, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, am 2. September 1940: "Der Führer will gar nicht nach England, Student"! Student: "Und warum nicht?" Als Antwort zuckte Göring mit den Achseln.

Am 18. Dezember 1940 gab Hitler mit der "Weisung Nr. 21: Fall Barbarossa" den Befehl zur Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion. Diese Vorbereitungen sollten bis zum 15. Mai 1941 abgeschlossen sein, um sodann zum Angriff übergehen zu können. Damit war eine Invasion Englands auch 1941 ausgeschlossen, obwohl die Vorbereitungen für die Landung in England weiterliefen, wenn auch seit dem 15. Oktober 1940 immer mehr Truppen und Material vom Unternehmen Seelöwe für andere Aufgaben abgezogen wurden.

Am 14. Dezember 1941 wurde vom Oberkommando der Wehrmacht der Bau des Atlantikwalls befohlen, der eine Invasion der Engländer und Amerikaner in West- und Nordeuropa verhindern sollte.

Endgültig aufgegeben wurde die Operation Seelöwe nie. Der letzte Befehl zur offiziell weiterhin geplanten Landung in England wurde von der Kriegsmarine am 5. Februar 1944 gegeben: "Die Fertigungen (und nur die) für die Vorbereitungen für Seelöwe sind bis auf weiteres stillzulegen".