Hitlers Machtergreifung

Programmatik des Nationalsozialismus    
(aus Wikipedia)

Hitlers aussenpolitisches Denken, das er 1926 im zweiten Band seines Buches "Mein Kampf" veröffentlichte, beruhte auf Ideen, die aus der Völkischen Bewegung des Kaiserreichs und Österreich-Ungarns seit etwa 1880 stammten:

Hitler knüpfte dabei an die deutsche Ostsiedlung bis zum 14. Jahrhundert an. Einen Krieg gegen Polen nannte Hitler hier nicht, erklärte aber Russland für "reif zum Zusammenbruch", weil "die Juden" in der Oktoberrevolution die "germanische Führungsschicht ausgerottet" hätten. Dies sollte der "neue Germanenzug" nach Osten revidieren. Als Vorstufe für seinen Eroberungskrieg strebte Hitler ein Bündnis mit dem früheren Hauptfeind Grossbritannien und Italien an. Er glaubte, der Verzicht auf Kolonien in Übersee und eine deutsche Garantie für den Bestand des britischen Imperiums würde dessen Führung dazu bringen, Deutschland auf dem Kontinent freie Bahn zu gewähren. Diese Bündnis- und Geopolitik unterschied Hitlers Konzept vom bisherigen Grossmachtstreben der deutschnationalen und preussischen Eliten.

Eroberungen im Osten, Zerstörung der Sowjetunion und Beseitigung des Judentums bildeten bei ihm ein untrennbares Ganzes. "Die Aussenpolitik hatte die Voraussetzungen zu schaffen für die Bodenpolitik der Zukunft und damit für das Überleben der höherwertigen arischgermanischen Rasse. Damit hatte sie auch, sofern sich ihr Widerstände entgegenstellten, grundsätzlich den Einsatz kriegerischer Gewalt mit in Rechnung zu stellen. Dieser Einsatz brachte aber langfristig nur einen Gewinn, wenn zum einen die völkische Wehrkraft nicht durch ‚artfremdes Blut‘ gefährdet, mithin der Einfluss des Judentums schon im Frieden ‚ausgemerzt‘ war, und wenn zum anderen im Kriege die ‚Judenfrage‘ im Interesse einer Sicherung des ‚Lebensraumes‘ für immer ‚gelöst‘ wurde". Die Judenverfolgung bis 1939, der als Vernichtungskrieg geplante und durchgeführte Krieg gegen die Sowjetunion und die ab 1941 zum Holocaust eskalierende "Endlösung der Judenfrage" waren in Hitlers Ideologie bereits in Grundzügen ausformuliert. Auch die Ausdehnung des Deutschen Reiches nach Osten war für Hitler nur Vorstufe und Ausgangspunkt einer späteren deutschen Weltmacht, zu der er die germanische Rasse innen- wie aussenpolitisch befähigen wollte. Bei diesen Plänen konnte Hitler auf das Wirken und die Unterstützung nationalkonservativer Kräfte aufbauen, die von einem Imperium Germanicum träumten.

Nationalsozialistische Aussenpolitik ab 1933    
(aus Wikipedia)

Hitlers 1924 veröffentlichte langfristige Hauptziele, die er nie zurücknahm, bestimmten die Politik des NS-Regimes nach der Machtergreifung entgegen den Befürchtungen vieler Gegner vor allem aus der organisierten Arbeiterbewegung – "Hitler bedeutet Krieg"! (1934) – keineswegs von Beginn an. Sie wurden nicht sofort und direkt in Angriff genommen, sondern weitgehend zurückgestellt zugunsten einer auf aussen- und innenpolitische Machtkonsolidierung gerichteten Politik, die sich zunächst kaum von der traditionellen Revisionspolitik der Weimarer Zeit unterschied. Diese hatte seit 1931 zu einer Teilrevision der Versailler Auflagen, aber auch zu einer teilweisen internationalen Isolation geführt.

Revisions-, Bündnis- und Rüstungspolitik    
(aus Wikipedia)

Nach seinem Amtsantritt verfolgte Hitler die Nahziele, die volle "Wehrhoheit" und die 1919 abgetretenen Gebiete wiederzuerlangen, Deutschland aufzurüsten und wirtschaftlich zu stärken. Dies sollte möglichst durch Vermeidung internationaler Konflikte erreicht werden. Hitlers erste aussenpolitischen Schritte dienten der Beruhigung des Auslands: Er liess die Verlängerung des Berliner Vertrages mit der Sowjetunion am 5. Mai 1933 ratifizieren, hielt am 17. Mai eine vielbeachtete "Friedensrede" im Reichstag und vereinbarte am 20. Juli 1933 das Reichskonkordat mit dem Vatikan.

Das Auswärtige Amt blieb traditionelle Domäne konservativer Diplomaten und wurde durch den Aufbau konkurrierender Parteiämter – dem Aussenpolitischen Amt der NSDAP, der Auslandsorganisation der NSDAP (NSDAP/AO) und der Dienststelle Ribbentrop – noch nicht wesentlich eingeschränkt. Seinen Förderer Alfred Hugenberg, der im Juni 1933 bei der Londoner Weltwirt-schaftskonferenz Kolonien und "Lebensraum" gefordert und damit einen Eklat ausgelöst hatte, veranlasste Hitler zum Rücktritt von seinem Amt als Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung.

Die erste deutliche Änderung der bisherigen Aussenpolitik war der Rückzug der deutschen Delegation von der Genfer Abrüstungskonferenz am 14. Oktober und die Kündigung von Deutschlands Mitgliedschaft im Völkerbund am 19. Oktober 1933. Die Initiative dazu ging gleichermassen von Aussenminister Konstantin von Neurath, Reichswehrminister Werner von Blomberg und Hitler aus. Jede Form einer internationalen Rüstungskontrolle hätte Deutschlands Aufrüstung, die Hitler vorrangig betreiben wollte, im Wege gestanden. Die Massnahme wurde mit der Weigerung Frankreichs und Grossbritanniens begründet, ihre eigenen Streitkräfte auch auf die im Versailler Vertrag für Deutschland festgelegte Stärke von maximal 100.000 Mann zu reduzieren. Sie wurde bei der folgenden "Volksabstimmung über den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund" am 12. November 1933 von angeblich 93 Prozent der Abstimmenden begrüsst.

Mit dem auf zehn Jahre befristeten deutsch-polnischen Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934 schien Hitler sich überraschend von der Weimarer Polenpolitik abzuwenden und auf die Revision der deutschen Ostgrenze zu verzichten. Noch im Jahr zuvor hatte der deutsche Reichstag für die Verlängerung des Berliner Vertrages von 1926 mit der Sowjetunion gestimmt. Gleichzeitig brach Hitler die Beziehungen ab, die zwischen der Reichswehr und der Roten Armee bestanden hatten. Mit der Verlängerung des polnisch-sowjetischen Nichtangriffspaktes im Mai 1934 sicherte Polen sich auch nach Osten ab.

Der französische Aussenminister Jean-Louis Barthou hatte versucht, ein Sicherheitsbündnis zu schmieden, das Deutschland, Frankreich, die Sowjetunion, Polen sowie die Donau- und Balkanstaaten einschliessen sollte. Die Verständigung mit Polen diente Hitler dazu, Barthous Plan zu boykottieren. Nun wies nicht allein Deutschland, sondern auch Polen diesen Plan zurück. Von Barthous Plan eines multilateralen Sicherheitsbündnisses blieb nur ein bilateraler französisch-sowjetischer Pakt vom 2. Mai 1935 übrig, der Polen ungewollt noch näher an Deutschland heranrücken liess. Hitler schaltete mit dem Nichtangriffspakt mit Polen die Möglichkeit aus, dass Frankreich mit seinen "Trabanten" Polen und Tschechoslowakei präventiv gegen den Aufbau der Wehrmacht intervenieren konnte. Die Wehrmacht war noch weit davon entfernt, einen Krieg auch nur an einer Front mit Aussicht auf Erfolg führen zu können, geschweige denn einen Zweifrontenkrieg.

Die deutsche Interessensphäre sollte durch den Anschluss Österreichs nach Südosteuropa erweitert werden. Doch der italienische Duce Benito Mussolini verlegte Hitler hier zunächst den Weg, indem er seinerseits mit Österreich und Ungarn in den Römischen Protokollen vom 17. März 1934 wirtschaftliche Zusammenarbeit vereinbarte. Nach der Ermordung des österreichischen Bun-deskanzlers Engelbert Dollfuss am 25. Juli 1934 liess Mussolini gegen einen möglichen deutschen Zugriff italienische Divisionen am Brennerpass aufmarschieren. Der Juliputsch österreichischer Nationalsozialisten scheiterte; Hitler musste sich kurzfristig von den Putschisten distanzieren.

Bei der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 entschieden sich 90,67 Prozent der abstimmenden Saarländer dafür, das Saarland wieder in das Deutsche Reich einzugliedern. Getragen von dieser Zustimmung liess Hitler am 16. März die allgemeine Wehrpflicht wieder einführen. Bereits am 8. März 1935 hatte Hitler bekanntgegeben, dass Deutschland eine neue Luftwaffe besitze und eine Woche später verkündete er, Deutschland werde sich nicht mehr an die militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages halten, der eine Höchststärke von 100'000 Mann vorsah, sondern ein Heer von 36 Divisionen mit 550'000 Soldaten aufbauen. Diese Truppenstärke stimmte mit Forderungen der Heeresleitung überein, die sich für ein militärisches Rüstungsziel von 30 bis 36 Divisionen ausgesprochen hatte.

Der Völkerbund protestierte daraufhin; Grossbritannien, Frankreich und Italien schlossen am 14. April 1935 in Stresa ein Abkommen zum Schutz Österreichs und gegen weitere einseitige deutsche Vertragsbrüche (Stresa-Front). Sie traten Hitler aber nicht entschlossen genug entgegen.

Die Sowjetunion war schon am 18. September 1934 dem Völkerbund beigetreten, um nach Deutschlands Austritt die kollektive Sicherheit zu stärken. Frankreich vereinbarte mit der Sowjetunion am 2. Mai 1935 einen fünfjährigen Beistandspakt. Dieser machte sowjetische Hilfe davon abhängig, dass Frankreich zugunsten der Tschechoslowakei militärisch eingreifen würde. Dies bewirkte jedoch im späteren Münchner Abkommen die Isolation der Tschechoslowakei.

Hitler hatte nun nicht nur Deutschland von den Fesseln des europäischen Sicherheitssystems befreit, sondern auch die Weichen gestellt, um seine Politik der Gleichschaltung und Wiederaufrüstung fortzusetzen. Am 18. Juni 1935 folgte das deutsch-britische Flottenabkommen, das der deutschen Wiederaufrüstung seinen Segen erteilte. Diese Appeasement-Politik war eine Folge der Weltwirtschaftskrise: Sie hatte Grossbritannien wirtschaftlich und politisch weiter geschwächt, so dass das Land versuchte, auf dem Kontinent Entspannung zu erreichen, um so Abwehrkräfte gegenüber Japan im Pazifik zu sammeln. Damit blieb die Stresafront jedoch weitgehend wirkungslos.

Italien begann am 2. Oktober 1935 den Abessinienkrieg und erhielt gegen die vom Völkerbund verhängten Wirtschaftssanktionen Unterstützung aus Berlin.