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Schlachten im zweiten Weltkrieg bis 1939

Die neue Art von Krieg    

Weit mehr als im Ersten Weltkrieg wurden Kriegsführung und Kriegsverlauf im Zweiten Weltkrieg durch den Einsatz hochentwickelter Kriegstechnik bestimmt. Die raumgreifende Mobilität von Kraftfahrzeugen und Panzern verlieh den Kampfhandlungen einen ausgeprägten Bewegungscharakter. Den deutschen Feldzügen zu Kriegsbeginn lag das von der Wehrmacht entwickelte Konzept des überfallartigen "Blitzkriegs" zugrunde. Angesichts der für einen langen Stellungskrieg unzureichenden Ressourcen sollte der Gegner durch massiven Einsatz von Heer und Luftwaffe in gewaltigen Umfassungsschlachten innerhalb kürzester Zeit besiegt werden. Vor allem die Flächenbombardements der Luftstreitkräfte forderten enorme Verluste in der Zivilbevölkerung. Der Krieg hatte von Anfang an einen globalen Charakter. Seit September 1939 befanden sich die Commonwealth-Mitglieder Australien, Neuseeland, Kanada und Südafrika sowie Indien im Krieg gegen Deutschland. Während das Deutsche Reich eine hegemoniale Grossmachtstellung in Europa anstrebte, verfolgte das mit Deutschland befreundete Japan ähnliche Ziele im Fernen Osten. Die verwendete Karten basiert auf dem aktuellen Google-Maps Kartenmaterial. Die Standorte der Schlachten werden auf diesen Kartenausschnitten gezeigt.

Polenfeldzug    
(aus Wikipedia)

Als Überfall auf Polen wird der völkerrechtswidrige Angriffskrieg des nationalsozialistischen Deutschen Reichs gegen die Zweite Polnische Republik bezeichnet, mit dem Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg in Europa entfesselte. Die deutschen Streitkräfte griffen am 1. September 1939, unterstützt von slowakischen Truppen, unprovoziert an, unmittelbar nach dem angeblichen, zur Rechtfertigung angeführten Überfall auf den Sender Gleiwitz.

Am 3. September 1939 erklärten Frankreich und Grossbritannien im Rahmen ihrer Beistandsverträge mit Polen Deutschland den Krieg. Ihre begrenzten militärischen Massnahmen wie die Saar-Offensive waren jedoch nicht zur Entlastung Polens geeignet. Unterstützt von Luftangriffen rückten zwei deutsche Heeresgruppen von Norden bzw. Süden auf polnischem Territorium vor. Deutsche Truppen erreichten am 8. September Warschau, das am 28. September kapitulierte.

Nachdem gemäss dem geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt ab dem 17. September drei sowjetische Armeen in Ostpolen einmarschierten, floh die polnische Regierung am 17./18. September 1939 in das neutrale Rumänien, wo sie interniert wurde. Die am 30. September gebildete polnische Exilregierung versuchte, mit geflohenen Truppenteilen Widerstand gegen die Besatzer zu organisieren. Die letzten in Polen verbliebenen Verbände der polnischen Streitkräfte kapitulierten am 6. Oktober 1939; die meisten polnischen Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft.

In ihrem Vertrag vom 28. September 1939 teilten Deutschland und die Sowjetunion Polen unter sich auf. Posen und Westpreussen wurden dem Deutschen Reich eingegliedert. In den übrigen deutsch besetzten Gebieten wurde das sogenannte Generalgouvernement als Zone der "Neuordnung" und Eindeutschung eingerichtet. Die ostpolnischen Gebiete wurden durch die Sowjetunion annektiert.

Im Kriegsverlauf und unter der deutschen Besetzung Polens 1939–1945 verübten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD und Angehörige der Wehrmacht teils planmässig, teils spontan Massenmorde an polnischen Intellektuellen, Priestern, Gewerkschaftern, Adligen und Juden. Dies gilt als "Auftakt zum Vernichtungskrieg" des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion und zum Holocaust.

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01_06A/Überfall auf Polen

Der Begriff Überfall auf Polen bezeichnet manchmal nur den Kriegsbeginn. Der gesamte Kriegsverlauf, wahlweise auch mitsamt der sowjetischen Invasion, wurde vor allem früher oft als Polenfeldzug bezeichnet. In Polen nennt man diesen Septemberfeldzug (Kampania wrześniowa) oder Verteidigungskrieg von 1939 (Wojna obronna 1939 roku).

Aufteilung Polens
Gemäss dem geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Paktes vom 23. August 1939 marschierten am 17. September auch sowjetische Truppen ein (siehe Sowjetische Besetzung Ostpolens). Im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag teilten beide Mächte am 28. September den polnischen Staat unter sich auf. Das westliche Polen geriet daraufhin unter deutsche Besatzungsherrschaft oder wurde teilweise ins Deutsche Reich eingegliedert.

Gefecht um das polnische Postamt in Danzig (01.09.1939)    
(aus Wikipedia)

Das Gefecht um das polnische Postamt in Danzig gehörte zu den ersten Kampfhandlungen beim Überfall auf Polen, mit dem das nationalsozialistische Deutsche Reich in Danzig den Zweiten Weltkrieg auslöste.

Vorgeschichte
Ähnlich wie das Gefecht um das polnische Munitionsdepot auf der Westerplatte fand es auf dem Gebiet der Freien Stadt Danzig statt. In dieser zu weit über 90 % von deutschsprachiger Bevölkerung bewohnten (aber aufgrund des Vertrags von Versailles nicht zum Deutschen Reich gehörenden) Hafenstadt waren durch den Völkerbund der Zweiten Polnischen Republik exterritoriale Standorte in Hafennähe zugestanden worden (insgesamt 17).

Durch diesen Status bedingt gab Danzig eigene Briefmarken heraus, siehe Postgeschichte und Briefmarken von Danzig. Polen war zugestanden worden, zur Postversorgung im Danziger Hafen bzw. im Bezirk Danziger Altstadt einen eigenen Postdienst einzurichten. Ab dem 5. Januar 1925 wurden im gesamten Stadtgebiet zehn polnische Briefkästen aufgestellt und polnische Postbedienstete stellten in Danzig Briefe zu. Es entspann sich über die Zulässigkeit dieser Massnahmen ein längerer Streit zwischen den Danziger und polnischen Behörden.

Der deshalb angerufene Völkerbundrat traf nach einem Gutachten des Ständigen Internationalen Gerichtshofs vom 11. Mai 1925 die Entscheidung, dass in einem näher umgrenzten Gebiet, das den Hafen und die gesamte Danziger Innenstadt umfasste, polnische Postkästen aufgestellt bleiben durften.

Laut dem polnischen Militärhistoriker Edmund Charaszkiewicz (1895–1975) war das Postamt seit 1935 Stützpunkt der polnischen Geheimdienstgruppe "Zygmunt".

Am 28. April 1939 kündigte Adolf Hitler den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934. Beide bzw. alle drei Seiten begannen, Vorbereitungen für einen militärischen Konflikt zu treffen. Eine SS-Heimwehr Danzig wurde am 20. Juni aufgestellt.

Im Postgebäude wurde ein Waffendepot angelegt: 40 Pistolen, drei leichte Maschinengewehre Typ Browning wz.1928 und drei Kisten voller Handgranaten. Der Plan war, wie bei der Westerplatte, sich so lange zu verteidigen, bis die reguläre polnische Armee zum Entsatz eintrifft. Da der polnische Korridor nahe lag, veranschlagte man dafür sechs Stunden. Im August eskalierte die Lage zusehends.

Kampfhandlungen
Das Gebäude der polnischen Post wurde am 1. September um 4.45 Uhr von der SS-Heimwehr Danzig und Polizeitruppen der Freien Stadt Danzig angegriffen, gleichzeitig mit dem Angriff des Kriegsschiffes Schleswig-Holstein auf die Westerplatte. Zuvor hatte man schon Strom- und Telefonleitungen gekappt.

In diesem Moment befanden sich in dem Gebäude 57 Personen: 40 Postbeamte aus Danzig, zehn aus Gdingen und Bromberg delegierte Postbeamte mit Wehrausbildung, ein Angestellter der polnischen Eisenbahn sowie der dort wohnende Hausmeister samt Frau und zehnjähriger Adoptivtochter.

Der Angriffsplan, vorbereitet im Juli 1939, sah vor, die Post mit Hilfe von drei Sturmgruppen zu erobern, wovon eine zur Ablenkung den Haupteingang angreifen sollte, wobei zur Deckung drei österreichische Steyr ADGZ-Radpanzer dienten, beschriftet mit "Sudetenland", "Ostmark" und "Saar". Das Kommando hatte Willi Bethke von der Danziger Polizei.

Der erste deutsche Angriff wurde aufgehalten, obwohl man kurzzeitig am Eingang eindringen konnte, dabei allerdings Verluste erlitt (zwei Tote, sieben Verwundete). Der Angriff vom Seitengebäude aus durch die Wand wurde auch abgewehrt, dabei starb der polnische Kommandant Konrad Guderski durch seine eigene Handgranate.

Um 11 Uhr wurde mit Unterstützung von zwei nun eingetroffenen 75-mm-Geschützen angegriffen, jedoch ergebnislos. Ein zweistündiges deutsches Ultimatum um 15 Uhr wurde von den Verteidigern ignoriert. Zwischenzeitlich traf eine Pioniereinheit ein und platzierte eine Sprengladung im Keller unter dem Eingang.

Um 17 Uhr sprengte diese ein grosses Loch in die Fassade und ein nächster Angriff folgte, nun auch mit einem 105-mm-Geschütz. Das Gebäude wurde dabei teilweise erobert. Um 18 Uhr wurde von den Angreifern Benzin in den Keller, wo es noch Widerstand gab, eingepumpt, angezündet und gleichzeitig mit Flammenwerfern vorgerückt, denen drei Polen zum Opfer fielen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren somit sechs Polen im Kampfgeschehen gestorben.

Um 19 Uhr entschieden die 50 am Leben gebliebenen Verteidiger um sich zu ergeben. Die ersten zwei Personen, die aus dem Gebäude mit weisser Flagge heraustraten, waren Direktor Dr. Jan Michoń und Kommandant Józef Wąsik. Beide wurden erschossen. Sechs konnten fliehen, die restlichen 44 wurden festgenommen. 16 Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Sechs davon starben, darunter das zehnjährige Mädchen. Von den sechs Flüchtigen wurden zwei später gefasst.

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01_07/Denkmal an die Ereignisse in dem Postgebäude

Folgen
Am 8. September standen 28 unverletzte Verteidiger vor dem Kriegsgericht, am 30. September die restlichen zehn. Alle wurden als Partisanen bzw. für die Zugehörigkeit zu einer illegalen Kampfgruppe zum Tode verurteilt. Die Verurteilten wurden wahrscheinlich am 5. Oktober erschossen. Das Urteil wurde im Jahr 1997/8 vom Landgericht Lübeck als widerrechtlich revidiert. Die Grosse Strafkammer des Landgerichts begründet das damit, dass der Vorsitzende des Feldkriegsgerichts sich einer Verletzung seiner Amtspflichten zu Schulden habe kommen lassen. Es handele sich um eine Rechtsbeugung, weil die Kriegssonderstrafrechtsverordnung, auf der das Urteil basierte, erst mit Wirkung zum 16. November 1939 in Danzig in Kraft getreten sei. Die an diesem Justizmord beteiligten Juristen – Kurt Bode (Gerichtsvorsitzender) und Hans-Werner Giesecke (Ankläger) – wurden nie zur Verantwortung gezogen. Beide machten in der Bundesrepublik Deutschland erneut Karriere.

Die Belagerung der polnischen Post in Danzig wird im Roman Die Blechtrommel von Günter Grass literarisch sowie im gleichnamigen Film dargestellt, wobei Szenen nachgestellt wurden, die in der Ufa-Tonwoche, einem Vorläufer der Deutschen Wochenschau, 1939 gezeigt wurden.

Gefecht bei Krojanty (01.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_08/Kartenausschnitt von Krojanty

Das Gefecht bei Krojanty fand am 1. September 1939 bei Krojanty (Krojanten) nördlich von Chojnice (Konitz) im polnischen Korridor statt, wo das polnische 18. Ulanen-Regiment auf Teile der deutschen 20. Infanterie-Division traf. Aus diesem Gefecht entstand später der Mythos, dass polnische Kavallerie vorsätzlich deutsche Panzer mit blanken Säbeln angegriffen habe.

Entwicklung der Lage am 1. September
Schon am ersten Tag des Polenfeldzuges sollte das deutsche XIX. Armeekorps unter General der Panzertruppe Heinz Guderian den Polnischen Korridor durchstossen und den Fluss Brda (Brahe) erreichen. Der motorisierten 20. Infanterie-Division (Generalleutnant Mauritz von Wiktorin), die zu diesem Korps gehörte, fiel die Aufgabe zu, auf dem Weg zur Brahe auch den Eisenbahnknotenpunkt Konitz zu erobern. Dieser Ort wurde nach harten Kämpfen am frühen Nachmittag eingenommen. Die polnischen Truppen, Teile der 9. Infanterie-Division und der Obrona Narodowa wichen nun langsam, geordnet und kämpfend vor der 20. Infanterie-Division (mot.) nach Nordosten zurück. Da ihre Verbände jedoch nicht motorisiert waren, drängten die Deutschen schneller nach, als die Polen im Stande waren, ihre Absetzbewegung auszuführen. Die Nachhut geriet immer stärker unter Druck. In dieser Situation erhielt Oberst Kazimierz Mastalerz, Kommandeur des polnischen 18. Ulanen-Regiments (18. Pułk Ułanów Pomorskich), am späten Nachmittag den Auftrag, durch einen örtlichen Entlastungsangriff auf die deutschen Verfolger den sich zurückziehenden Infanterieeinheiten Zeit zu verschaffen.

Verlauf des Gefechtes
Mastalerz hatte sein eigenes 18. Ulanen-Regiment der Kavallerie-Brigade "Pomorska", die Tanketten der Brigade sowie einige Infanterieeinheiten aus Konitz zur Verfügung. Das Ziel des begrenzten Gegenangriffes sollte eine Eisenbahnkreuzung nahe dem Dorf Krojanty (zirka 7 km nördlich Konitz) sein, die kurz zuvor von der deutschen Infanterie eingenommen worden war. Bei diesen Truppen handelte es sich um ein Bataillon des Infanterie-Regimentes (mot.) 76 von Oberst Hans Gollnick (etwa 800 Mann).

Mastalerz fand die deutschen Truppen in offenem Gelände vor einem Wald. Er befahl daraufhin dem Rittmeister Eugeniusz Świeściak, dem Führer der 1. Schwadron, mit seiner und einer weiteren Schwadron (zirka 250 Mann von 600 Mann) einen Kavallerieangriff auszuführen. Die verbleibenden beiden Schwadronen des Regiments blieben mit den Tanketten in den Ausgangsstellungen als Reserve zurück.

Der Angriff begann um 19:00 Uhr und kam für die Deutschen überraschend. Die 1. Schwadron galoppierte mit blankem Säbel durch das Abwehrfeuer und konnte im Verbund mit, der etwas verzögert angreifenden 2. Schwadron ohne grössere Verluste die deutsche Infanterie zurückwerfen. Aber noch während des Angriffs tauchten deutsche Panzerfahrzeuge (wahrscheinlich Teile der Aufklärungs-Abteilung 20) aus dem Wald hinter einer Strassenbiegung auf. Sie eröffneten aus Maschinenwaffen das Feuer auf die Schwadronen Swiesciaks, die sich nun ihrerseits auf dem offenen Gelände befanden und die Pferde nicht so schnell wenden konnten. Als der Rittmeister fiel, griff Oberst Mastalerz mit einigen Reitern ein, um ihn zu retten, wobei auch er fiel. Die Ulanen zogen sich fluchtartig vor den deutschen Spähwagen zurück, doch bis dahin war bereits jeder dritte polnische Reiter tot oder verwundet.

Der Angriff blieb nicht ohne Folgen. Tatsächlich gewann die Attacke genügend Zeit für das polnische 1. Schützenbataillon und die Operationsgruppe "Czersk", um sich zur Brahe zurückzuziehen. Die 20. Infanterie-Division (mot.) wagte an diesem Tag keine ernsthafte Verfolgung der Polen mehr. Aber der Angriff hatte bei den deutschen Soldaten Eindruck hinterlassen. Heinz Guderian berichtete später, dass ihn gegen Mitternacht der Kommandeur der 2. Infanterie-Division (mot.) angerufen habe, um ihm zu melden, dass er gezwungen sei, vor polnischer Kavallerie zurückzuweichen. Der kommandierende General musste ihn erst zum Halten seiner Stellung überreden. Die Panik des ersten Kriegstages sei jedoch bald überwunden worden.

Am 2. September besuchte General Stanisław Grzmot-Skotnicki (1894–1939), der Kommandeur der Operationsgruppe "Czersk", die Überreste des 18. Ulanen-Regimentes und verlieh der Einheit symbolisch seinen eigenen Virtuti-Militari-Orden. Das Regiment nahm in den nächsten Wochen noch an der Schlacht in der Tucheler Heide und in der Schlacht an der Bzura teil. In letzterer wurde es fast vollständig aufgerieben.

Der Mythos
Am darauffolgenden Tag besuchte der italienische Journalist Indro Montanelli das Schlachtfeld. Als er nachfragte, was hier passiert wäre, antworteten ihm einige Soldaten, dass hier polnische Kavallerie deutsche Panzer angegriffen hätte. Der Journalist schmückte diese Geschichte etwas aus und veröffentlichte diese kurz darauf. Die deutsche Propaganda nahm sie dankbar auf. Am 13. September schon berichtete die Zeitschrift Die Wehrmacht in dem Artikel "So kämpfen unsere Panzer":

"Wie sehr die Polen die Kampfkraft unserer modernen Waffen unterschätzten, zeigte sich vor allem in den ersten Tagen des Kampfes. Eine unverantwortliche Propaganda hatte den polnischen Soldaten eingeredet, dass unsere Panzerkraftwagen bessere Blechatrappen seien. Es kam daher zu einem beinahe grotesken Angriff eines polnischen Ulanenregiments gegen einige unserer Panzer. Die vernichtenden Folgen dieses Angriffs kann man sich vorstellen".

Tatsächlich waren die polnischen Kavallerieverbände standardmässig mit Panzerabwehrwaffen ausgerüstet und in der richtigen Bekämpfung von Panzern geschult. Die deutschen Spähpanzer waren überraschend aus dem Wald aufgetaucht, so dass von einem beabsichtigten Angriff der polnischen Reiter auf deutsche Panzer keine Rede sein konnte. Hierfür wären eher die Tanketten in Frage gekommen, welche die Kavallerie-Brigade ja auch besass.

In den Propaganda-Filmen Feldzug in Polen (1940) und Kampfgeschwader Lützow (1941) wurde das Thema nochmal aufgegriffen. Seither findet sich diese Geschichte meist verkürzt und unreflektiert in vielen populären Veröffentlichungen über den Zweiten Weltkrieg. Die Polen wiederum, die auch nach Kriegsende seitens der sowjetischen Seite wenig vorteilhaft dargestellt wurden, betonen die Panik, die sie laut Guderian unter den Deutschen ausgelöst hätten, wenn auch nur kurzfristig am ersten Kampftag. Andrzej Wajda drehte mit Lotna einen Film um das Thema. Nachdem 1989 gar die Marshall Islands das Thema in einer Briefmarke darstellten, wurde das Gefecht genauer aufgearbeitet und grafisch dargestellt. Heutzutage werden durch eine polnische Gruppe Kampfszenen aufwendig nachgestellt, für Internetvideos und direkt vor Publikum, auch mit historischen oder nachgebildeten Fahrzeugen.

Verluste

Luftangriff auf Wieluń (01.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_09/Kartenausschnitt von Wieluń

Der Luftangriff auf Wieluń wurde am frühen Morgen des 1. September 1939 in drei Wellen zu jeweils 29 Stukas vom Stuka-Geschwader 76 und Stuka-Geschwader 2 Immelmann der deutschen Luftwaffe durchgeführt, wobei die militärisch unbedeutende polnische Kleinstadt Wieluń grösstenteils zerstört wurde und schätzungsweise bis zu 1'200 Menschen getötet wurden. Der Angriff wird von Historikern als erstes Kriegsverbrechen beim deutschen Überfall auf Polen angesehen und ist nach Zeugenaussagen zeitlich vor dem dem Beschuss der Westerplatte erfolgt und damit die erste militärische Aktion im Zweiten Weltkrieg.

Luftangriff
Am frühen Morgen des 1. September 1939 wurde Wieluń durch deutsche Sturzkampfbomber angegriffen und bombardiert. Es handelt sich anscheinend um das erste Kriegsverbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Der Angriff begann laut Zeitzeugen gegen 4:37 Uhr Ortszeit, laut deutscher Einsatzmeldung eine Stunde später. Die erste Angriffswelle machte das Krankenhaus der Stadt dem Erdboden gleich. Die völlig überraschten Einwohner wurden aus Bordwaffen gezielt beschossen. Bei insgesamt drei Bombenangriffen im Lauf des Tages starben bis zu 1'200 der damals etwa 16'000 Einwohner. Die Gebäude der Stadt wurden zu 70 Prozent und der Ortskern durch Brände zu 90 Prozent zerstört.

Der Zweck des Angriffs ist unter Historikern umstritten. Rolf-Dieter Müller argumentiert, die Luftwaffe habe militärische Ziele ausschalten wollen, um unmittelbare Wirkung auf dem Schlachtfeld zu erzielen. In Wieluń seien am 31. August eine polnische Division und eine Kavalleriebrigade ausgemacht worden, denen die Angriffe gegolten hätten. Aber wegen Bodennebels seien diese Ziele verfehlt worden. Der Angriff auf Wieluń sei trotz der verheerenden Wirkung deshalb kein geplanter Terrorangriff gewesen. Laut Jochen Böhler verzeichnete der erste Einsatzbericht des Sturzkampfgeschwaders 76 "keine Feindbeobachtung". Neuere Forschungserkenntnisse legten vielmehr den Verdacht nahe, dass die Vernichtung der Stadt Ziel des Angriffs gewesen sei, um zugleich die Schlagkraft der deutschen Luftwaffe zu testen. Der Chef des Generalstabes des Heeres, Franz Halder, hatte zwei Wochen vor dem Angriff in seinem Kriegstagebuch vermerkt: "Jagdeinsatz Rot in Gegend Wielun". Die Luftwaffe flog in diesem Gebiet in den ersten Kriegstagen weitere Angriffe unter anderem auf die Kleinstädte Działoszyn und Kamieńsk und liess "Wirkungsbilder" von anderen bombardierten Ortschaften anfertigen. Halder unterschied in seinem Kriegstagebuch ausserdem zwischen "Terrorangriff" und militärischen Angriffen. Hans-Erich Volkmann unterstreicht, dass die deutsche 10. Armee, die in diesem Frontabschnitt den ausschlaggebenden militärischen Faktor bildete, der Ortschaft Wieluń keine operative, geschweige denn eine strategische Bedeutung beimass, mit der sich eine Bombardierung hätte rechtfertigen lassen. Der zuständige Befehlshaber der Luftwaffe, Wolfram von Richthofen, habe den Angriff auf eigene Faust befohlen. Richthofen habe zwar keinen "Terrorangriff" beabsichtigt, aber Wieluń als grenznahes militärisches Übungsziel ausgewählt, um möglichst ohne eigene Verluste die Einsatzfähigkeit und Funktionstüchtigkeit der Sturzkampfbomber zu erproben. Volkmann charakterisiert die Zerstörung Wieluńs als einen Angriff auf ein nicht militärisches Ziel und deshalb als Kriegsverbrechen.

Schlacht von Mława 01.09.1939 – 03.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_10/Kartenausschnitt von Mlawa

Die Schlacht bei Mława, auch bekannt als Verteidigung der Mława-Stellung war eine der ersten Schlachten des Polenfeldzugs und somit auch des Zweiten Weltkrieges im Allgemeinen. Die Schlacht fand zwischen dem 1. und 3. September 1939 nördlich der nordpolnischen Stadt Mława statt. Die Kontrahenten waren die 3. Armee der deutschen Wehrmacht unter dem Befehl von General der Artillerie Georg von Küchler und die polnische Modlin-Armee unter General Emil Krukowicz-Przedrzymirski.

Vorgeschichte
Nach dem Vertrag von Versailles lag die Grenze des Deutschen Reiches zum neugeschaffenen polnischen Staat rund 120 km nördlich der polnischen Hauptstadt Warschau. Wegen der gefährdeten Lage wurde bei der polnischen Mobilmachung im März 1939 die Modlin-Armee unter Brigadegeneral Emil Krukowicz-Przedrzymirski als Hauptverteidigung im polnischen Norden entlang der Grenze zu Ostpreussen formiert, um so Vorstösse von dort auf Warschau verhindern zu können. Ihren Namen erhielt die Armee von ihrem Hauptquartier, das sich in der Festung Modlin in der Nähe von Warschau befand. Aufgrund der zunehmenden Kriegsgefahr im Jahr 1939 wurde entschieden, die Stellungen im Zentrum der Modlin-Armee nördlich von Mława mit einer Reihe Feldbefestigungen und Bunkern zu befestigen. Diese Verteidigungslinie erhielt den Namen Mława-Stellung.

Die vorgesehene Hauptverteidigungslinie der Armee sollten die Flüsse Weichsel und Narew bilden. In diesem Gebiet waren einige Befestigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert vorhanden, die Ebene nördlich davon war jedoch weitgehend schutzlos. Um eine Verzögerung des deutschen Angriffs zu gewährleisten, entschied der Generalstab der polnischen Armee, die Modlin-Armee an der Grenze zu Ostpreussen zu positionieren, die möglichst lange gehalten werden sollte. Danach sollte sich die Armee unter hinhaltenden Kämpfen hinter die Flusslinie zurückziehen, die zusammen mit der "Unabhängigen Operationsgruppe Narew" gehalten werden sollte.

Nach Beginn der geheimen polnischen Mobilmachung im März 1939 wurde die 20. polnische Infanteriedivision der Modlin-Armee unterstellt und in den Raum Mława verlegt. Zusätzlich erhielt die Armee neben einigen Zugladungen von Beton und anderen Baumaterialien einige Pionier-Bataillone zum Ausbau der Mława-Stellung. Am 19. Juni 1939 waren die Planungen fertig und am 3. Juli wurde von dem polnischen Oberbefehlshaber Marschall Edward Rydz-Śmigły der Beginn des Ausbaus angeordnet.

Die Linie von Schützengräben und Betonbunkern, umgeben von Panzergräben und anderen Hindernissen, sollte entlang eines niedrigen Moränenrückens errichtet werden, von wo man den Überblick über das Tal des Mławka-Flusses nördlich der Stadt hatte. Der Fluss selbst konnte durch einen Damm blockiert werden, was den Defensivwert der Stellung erhöhte. Im Zentrum lag das sumpfige Niemyje-Marschgebiet, das für gepanzerte Fahrzeuge unpassierbar war. Die Flanken zu beiden Seiten des Sumpfes sollten befestigt werden. Die westliche Flanke sollte mit 68 Betonbunkern befestigt werden, die wesentlich kürzere Ostflanke mit 25 Bunkern.

Zu Friedenszeiten war die 20. Division in Baranowicze stationiert. Im Kriegsfall mit der Sowjetunion sollte sie an vorderster Front einige deutsche Befestigungen aus dem Ersten Weltkrieg nutzen, die 1915 erbaut worden waren. Viele ihrer Soldaten konnten daher auf Erfahrungen in der Verteidigung befestigter Stellungen zurückgreifen.

Der Festungsbau im westlichen Frontabschnitt nahe der Stadt Mława begann am 14. Juli 1939. Die Arbeit wurde meist von den Soldaten selbst verrichtet, die von dem Kommandeur des 20. Pionier-Bataillons Major Juliusz Levittoux kommandiert wurden. Der Bau der Bunker an der Ostflanke nahe dem Dorf Rzęgnowo begann am 12. August, wobei die Soldaten bald freiwillig von einer Reihe Zivilisten unterstützt wurden, die halfen, Schützengräben auszuheben. Die Stellungen und viele der Bunker wurden jedoch bis zum Ausbruch des Krieges nicht fertiggestellt.

Schlachtverlauf
Am Mittag des 1. September 1939 wurde die von der 20. Infanteriedivision besetzte polnische Verteidigungsstellung von Truppen des I. Armeekorps unter dem Befehl von Generalleutnant Walter Petzel angegriffen. Trotz der deutschen Luft- und Panzerunterstützung schlug die polnische Armee den ersten deutschen Angriff mit Panzerabwehrkanonen vom Typ Armata ppanc. wz. 36 zurück. Von Küchler befahl seinen Truppen, ihre Angriffe fortzusetzen, welche von den polnischen Truppen allesamt abgewehrt werden konnten. Dies hatte zur Folge, dass sich die Deutschen abends auf ihre Ausgangsstellungen zurückziehen mussten.

Am folgenden Nachmittag begann die deutsche Artillerie mit einem schweren Beschuss der Rzegnów-Position an der rechten polnischen Flanke. Nach zweistündigen Artilleriebeschuss begann der Sturm auf die polnischen Stellungen. Im Nahkampf angegriffen, gerieten die polnischen Kräfte ins Wanken. Nachdem ein Gegenangriff des 79. polnischen Infanterieregiments scheiterte, befahl Krukowicz-Przedrzymirski der 20. Infanteriedivision, sich nach Osten zurückziehen und dort die Verteidigung der rechten Flanke zwischen den Dörfern Dębsk und Nosarzewo vorzubereiten. Zur selben Zeit wurde die 8. polnische Infanteriedivision, die bis dahin nahe Ciechanów in Reserve gehalten wurde, für einen Gegenangriff vorbereitet.

Die 8. Division erreichte das Kampfgebiet in den Morgenstunden des 3. September. Da die Kavallerie-Brigade Masowien, die weiter östlich operierte, ebenfalls von deutschen Panzertruppen bedroht war, befahl Krukowicz-Przedrzymirski, die Divisionskräfte in zwei Teile zu teilen und in zwei Richtungen anzugreifen: in Richtung Grudusk östlich von Mława und in Richtung Przasnysz. Jedoch führten Unstimmigkeiten und Aktionen einer deutschen Fünften Kolonne im polnischen Hinterland zu einem Chaos. Am Abend war der Grossteil der 8. Infanteriedivision vernichtet und lediglich das Infanterieregiment 21 unter dem Kommando von Oberst Stanisław Sosabowski schaffte es, sich aus den Gefechten in Richtung Modlin zurückzuziehen. Trotzdem scheiterten weitere deutsche Angriffe auf die Flanken der 20. Infanteriedivision.

Am 3. September konnten deutsche Pioniere endgültig die polnischen Panzerbarrieren durchtrennen, wobei sie einheimische Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzten. Dies erlaubte den deutschen Truppen, viele Bunker an der linken polnischen Flanke einzunehmen, jedoch konnten die Truppen noch immer nicht in Richtung Osten vorstossen. An der rechten Flanke im Frontabschnitt der Stellung Rzegnów östlich des Sumpfes waren die deutschen Angriffe erfolgbringender. Am späten Abend brach das deutsche Korps Wodrig endgültig durch die Linien des polnischen Infanterieregiments 79 ins Hinterland durch, was die Frontlücke rund um Grudusk vergrösserte.

Krukowicz-Przedrzymirski ordnete, die Gefahr einer möglichen Einkesselung erkennend, den Rückzug der 20. Infanteriedivision und der Reste der 8. Division in Richtung Warschau und Modlin an, womit er die befestigten Stellungen endgültig aufgab.

Folgen
Der Rückzug der Modlin-Armee begann am frühen Morgen des 4. September. Obwohl die Stellung aufgegeben wurde, waren die deutschen Verluste beträchtlich und eine sofortige Verfolgung der geschlagenen polnischen Truppen nicht möglich. Allerdings wurden die polnischen Truppen in dem wenig Schutz bietenden, weil dünn bewaldeten Gebiet südlich von Mława fortgesetzt von der Luftwaffe bombardiert und im Tiefflug unter Beschuss genommen, wobei sie sowohl hohe Verluste an Soldaten als auch an Ausrüstung erlitten.

Am 6. September überquerten die Truppen des I. Armeekorps und des Korps Wodrig bei Pułtusk und Różan ohne Widerstand den Narew und erreichten am 13. September den Raum Modlin-Warschau. Damit war der polnische Plan einer Verteidigung an den grossen Flussläufen zusammengebrochen und Warschau auch von Osten her eingeschlossen.

Verluste

Schlacht in der Tucheler Heide (01.09.1939 – 05.10.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_11/Kartenausschnitt von der Tucheler Heide

Die Schlacht in der Tucheler Heide zu Beginn des Zweiten Weltkrieges vom 1. bis 5. September 1939 wurde in der Tucheler Heide südwestlich von Danzig im Polnischen Korridor zwischen deutschen und polnischen Truppen ausgetragen.

In der Kaiserzeit befand sich dort in der Provinz Westpreussen der Truppenübungsplatz Gruppe (auch Gruppa, polnisch Grupa) westlich von Graudenz, so dass das Gelände den deutschen Truppen bekannt war. Heinz Guderian z. B. stammte aus dem nahegelegenen Kulm. Das Aufgebot der Wehrmacht, bestehend aus der 4. Armee unter General der Artillerie Günther von Kluge, hatte sich in Hinterpommern versammelt. Beteiligte deutsche Truppenteile waren:

  • Das XIX. Armeekorps unter General der Panzertruppe Heinz Guderian mit
  • der 2. Infanterie-Division (mot.) unter Generalleutnant Paul Bader,
  • der 20. Infanterie-Division (mot.) unter Generalleutnant Mauritz von Wiktorin,
  • der 3. Panzer-Division unter Generalleutnant Leo Freiherr Geyr von Schweppenburg.
  • Das II. Armeekorps unter General der Infanterie Adolf Strauss bestand aus zwei Infanterie-Divisionen,
  • der 3. Infanterie-Division unter Generalmajor Walter Lichel und
  • der 32. Infanterie-Division unter Generalleutnant Franz Böhme.

Die polnische Pommern-Armee (Armia Pomorze), bestehend aus der 9. und 27. Infanterie-Division, hatte das Gelände als Verteidigungsstellung gewählt. Die Verbände, die ab dem 30. August teilmobilisiert worden waren, waren noch nicht vollständig in ihren Stellungen angelangt, als die 300 Panzer von Guderian vorrückten.

Am Abend des 1. September fand das Gefecht bei Krojanty statt; daraus entstand später der Mythos, polnische Kavallerie habe vorsätzlich deutsche Panzer mit blanken Säbeln angegriffen.

An der Schlacht beteiligt war auch das Infanterie-Regiment 9, in dem der zweite und dritte Sohn des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt Ernst von Weizsäcker dienten. Leutnant Heinrich von Weizsäcker fiel am 2. September am Bahndamm von Klonowo bei einem polnischen Gegenangriff in den Abendstunden, Richard von Weizsäcker, der spätere Bundespräsident, überlebte.

Der Grossteil der Polen war am 3. September eingekesselt, einigen polnischen Truppenteilen gelang noch der Rückzug nach Bydgoszcz (Bromberg). Nach wenigen Tagen waren die polnischen Kräfte aufgerieben, und der Durchbruch nach Ostpreussen erreicht.

Ab 5. September teilten sich die deutschen Truppen auf, um Widerstandsnester an der Ostseeküste zu bekämpfen bzw. nach Süden ins polnische Kernland vorzustossen.

Am 6. September besuchte Adolf Hitler Guderian und gratulierte ihm zum Erfolg.

Verluste

Kampf um die Westerplatte (01.09.1939 – 05.09.1939)    
(Wikipedia)

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01_12/Kartenausschnitt der Westerplatte

Der Kampf um die Westerplatte in Danzig war Auftakt des Überfalls auf Polen, der als der Beginn des Zweiten Weltkrieges gilt. Dabei feuerte das zu dieser Zeit im Danziger Hafen befindliche Linienschiff SMS Schleswig-Holstein völlig überraschend um 4:47 des 1. September 1939 etwa 10 Minuten lang Salven ihrer schweren Schiffsgeschütze auf ein kleines befestigtes Munitionslager Polens auf der Westerplatte, einer Halbinsel am Hafenrand von Danzig. Anschliessend versuchten Infanterieeinheiten vergeblich, das Munitionslager zu erobern. Die polnischen Verteidiger ergaben sich erst nach sieben Tagen der vielfachen deutschen Übermacht. Das 1966 eingeweihte Westerplatte-Denkmal erinnert an die tapferen Verteidiger. Die Westerplatte war eine Sandbank an der Weichselmündung. Durch Aushubmaterial des Danziger Hafenkanals wurde sie erst zur Insel und nach Schliessung der Mündung der Toten Weichsel zur heutigen Halbinsel erweitert. Der Teil der Danziger Nehrung mit dem die Westerplatte zusammenwuchs wird heute als Wyspa Portowa (polnisch für Hafeninsel) bezeichnet.

Vorgeschichte
Die waldreiche Westerplatte wurde seit etwa 1830 zu einem Ostseebad mit Kurpark, Kurhaus und drei Badeanlagen an der Ostsee ausgebaut.

Bau des Munitionshafens und -depots Westerplatte
Seit 1920 hatte Polen von der Freien Stadt Danzig ein Gelände zur Anlegung eines Munitionsdepots verlangt. Dieser Forderung gab der Völkerbund mit Beschluss vom 14. März 1924 statt. Polen wurde das Ostseebad Westerplatte "als Platz zum Löschen, Lagern und Transport von Sprengstoffen und Kriegsgerät" zugestanden, obwohl der Danziger Senat unter Senatspräsident Heinrich Sahm von Anfang an dagegen protestiert hatte. Unter hohen Kosten, an denen sich Danzig wider Willen beteiligen musste, wurde unmittelbar neben dem Hafeneingang an der Stelle des vielbesuchten Seebades ein Hafenbecken ausgehoben. Dazu wurden entsprechende Lagerschuppen errichtet und ein Anschluss an das Danziger Eisenbahnnetz geschaffen.

Die Westerplatte wurde zwar nicht polnisches Staatsgebiet, der Hauptteil der Halbinsel war jedoch dem polnischen Militär vorbehalten und für Unbefugte nicht zugänglich. Die zulässige Stärke der Wachmannschaft war vom Völkerbund auf zwei Offiziere, 20 Unteroffiziere und 66 Mannschaften festgesetzt worden. Die Stadt Danzig durfte seit einer Abmachung von 1928 zwei Polizeiposten an den Zugängen zur Westerplatte unterhalten.

Affäre Westerplatte
In der Folge kam es zu zwei Vorfällen, die die "Affäre Westerplatte" ausmachten. Der Vertrag von Versailles räumte der polnischen Seite die Benutzung des Danziger Hafens als "port d’attache/Heimathafen" für ihre Kriegsschiffe ein. Als am 14. Juni 1932 ein Flottenbesuch britischer Zerstörer stattfand, verweigerte jedoch der Danziger Senat der polnischen Marine das Recht, auch eines ihrer Kriegsschiffe dort anlegen zu lassen. Als Antwort darauf lief der polnische Zerstörer ORP Wicher, ohne den Senat wie gewöhnlich zu benachrichtigen, im Danziger Hafen ein. Im Anschluss kam es zu gegenseitigen Höflichkeitsbesuchen zwischen dem polnischen und britischen Offizierskorps. Überdies wurde die Wachmannschaft der Westerplatte in Alarmbereitschaft versetzt. Diese Machtdemonstration hemmte den Senat zunächst, die Rechte der polnischen Seite weiter zu beschneiden.

Zum zweiten Teil der "Affäre Westerplatte" kam es am 6. März 1933, nachdem der Danziger Senat vorher entgegen den Vertragsbestimmungen die Polen aus der bisher gemeinsam gebildeten Hafenpolizei ausgeschlossen hatte. Als Reaktion darauf landete der polnische Truppentransporter ORP Wilia eine verstärkte Kompanie polnischer Marineinfanterie an und verstärkte somit entgegen den Vertragsbestimmungen die dortige Garnison. Der Völkerbund zwang Polen, diese Verstärkung zurückzunehmen.

Marschall Józef Piłsudski wollte mit dieser Aktion zwei Dinge erreichen: Er wollte Hitler zu Gesprächen mit Polen geneigt machen und vor allem die Danzig regierende deutschnationale Volkspartei schwächen, da diese eine starke antipolnische Einstellung besass und vehement revisionistische Forderungen erhob. Die Aktion hatte jedoch ein für Piłsudski unerwartetes Ergebnis: Mit der Wahl vom 28. Mai 1933 erlangten die Nationalsozialisten (NSDAP) im Volkstag mit 50,03 % der Stimmen die absolute Mehrheit und ab Juni 1933 hatte Danzig eine nationalsozialistische Regierung.

Ausbau der Westerplatte seit 1933
In Gdynia (Gdingen), das im Gegensatz zur Westerplatte im Jahre 1920 eingerichteten polnischen Korridor lag, baute Polen zu gleicher Zeit einen eigenen Industrie- und Militärhafen aus.

Die polnische Marineinfanterie hatte im März 1933 begonnen, das Munitionslager auf Danziger Gebiet zu befestigen. Auf eine entsprechende Beschwerde der Freistadt verfügte der Völkerbund, dass Polen dieses Vorhaben aufzugeben und die erbauten Feldbefestigung zu schleifen habe. Die polnische Seite fügte sich zunächst der Anordnung. Sie schuf aber in den kommenden Jahren durch Abreissen alter Bauten und den Bau neuer Unterkunfts- und Wachhäuser mit in den Kellergeschossen vorbereiteten MG-Stellungen ein befestigtes Verteidigungssystem. Das geschah heimlich – hauptsächlich nachts – in der Zeit von 1933 bis 1936 unter Leitung von Major (Ing.) Mieczysław Kruszewski, dem Chef der Befestigungsabteilung der Marine.

Nachdem Deutschland ab Mitte 1935 in mehreren Fällen den Vertrag von Versailles und andere internationale Verträge gebrochen hatte, vergrösserte sich insbesondere durch die deutsche Besetzung der Rest-Tschechei das Misstrauen der deutschen Nachbarstaaten zu Deutschland. Die Polen begannen, sich in Danzig auf einen deutschen Angriff gegen die polnische Befestigung auf der Westerplatte einzurichten. Im März 1939 wurden die Befestigungen weiter verstärkt und heimlich die Stärke der Besatzung bis zum 31. August auf etwa 218 Mann erhöht. An Bewaffnung waren ein 7,62-cm-Feldgeschütz, zwei 3,7-cm-Pak, 18 schwere und 23 leichte Maschinengewehre sowie Gewehre, Pistolen und Handgranaten vorhanden.

Ausgangslage der Verteidiger
Der Auftrag für die Besatzung lautete ursprünglich, im Falle eines deutschen Angriffs die Stellung sechs Stunden lang zu halten. Bis dahin würden polnische Truppen in Danzig eingedrungen sein und die Besatzung befreit haben. Dieses Versprechen hatte Oberst i. G. Hoszowski der versammelten Mannschaft bei einem Besuch im Sommer 1939 gegeben. Die Lage hatte sich jedoch inzwischen geändert. Am 31. August hatte Oberstleutnant Sobocinski, Leiter der Militärabteilung bei der polnischen Botschaft in Danzig, die Westerplatte besucht und den Kommandanten Henryk Sucharski über die aussichtslose Lage der Verteidiger informiert. Das zum Entsatz der Westerplatte geschaffene Einsatzkorps, bestehend aus der 13. und 17. Division der Pommern-Armee, war aufgelöst worden; die beiden Divisionen waren am 31. August in die Gegend von Skierniewice zurückgezogen worden. Das der Besatzung gegebene Versprechen konnte also nicht eingehalten werden. Sobocinski befahl, das Durchgangslager sollte zwölf statt der zuvor befohlenen sechs Stunden Widerstand leisten. Diese Informationen behielt der Kommandant für sich.

Die Ankunft des Linienschiffes Schleswig-Holstein im Danziger Hafen
Am 25. August lief die als Schulschiff eingesetzte "Schleswig-Holstein" zu einem angeblichen friedlichen Besuch in Danzig ein. Sie hatte unter anderem den Auftrag, bei Kriegsbeginn die Westerplatte zur erobern. Die ersten Pläne für den Überfall auf Polen sahen den 26. August 1939 als Stichtag vor. Am 24. August 1939 wurden deutsche Marinestosstruppsoldaten (MSK-Soldaten) auf Boote der 1. Minensuchflottille aufgenommen und am Abend in Höhe von Stolpmünde auf hoher See auf das als Schulschiff dienende Linienschiff Schleswig-Holstein überbracht. Dies geschah, um den beabsichtigten Einsatz der Marinestosstruppkompanie MSK geheim zu halten. Sie bestand aus vier Offizieren, einem Arzt und 225 Mann. Der Kommandant der "Schleswig-Holstein", Kapitän zur See Gustav Kleikamp, lief am Vormittag des 25. August nach Anmeldung bei den polnischen Hafenbehörden zu einem angeblichen Freundschaftsbesuch den Danziger Hafen in dem der Westerplatte gegenüberliegendem Stadtteil Neufahrwasser an. Der Kapitän empfing hohe Würdenträger aus Danzig, darunter auch den Völkerbundskommissar Carl Jacob Burckhardt, den deutschen Vizekonsul und den polnischen Gesandten auf seinem Schiff. Die in feldgrau gekleideten Soldaten des MSK waren unter Deck versteckt worden. Am Nachmittag des 25. August kamen Generalmajor Eberhard und sein Stabsoffizier zur Lagebesprechung an Bord, um über das geplante Vorgehen bei der Einnahme der Westerplatte zu beraten. Den um 15:02 Uhr erteilten Befehl zum Angriff am folgenden Tag nahm Hitler um 20 Uhr wieder zurück, nachdem er vom britisch-polnischen Beistandspakt und Mussolinis Nichtbeteiligung an einem Krieg erfahren hatte. Am 28. August erhielt Kapitän Kleikamp vom Danziger Gauleiter Albert Forster scharfe Luftaufnahmen der Westerplatte.

Angriff am 1. September 1939
Am 31. August kam der verschlüsselte Funkspruch mit der Aufforderung, um 4:45 Uhr Polen anzugreifen. In der Nacht zum 1. September verholte die "Schleswig-Holstein" an eine andere Stelle des Hafenkanals, etwa 400 Meter von der Westerplatte entfernt, um ein besseres Schussfeld auf die Westerplatte zu haben. Die Lage und Stärke der polnischen Befestigungen waren der deutschen Seite nicht bekannt. Sie konnten von der "Schleswig-Holstein" aus auch nicht eingesehen werden.

In der Nacht zum 1. September wurden die MSK-Soldaten ausgebracht, damit sie sich zum Angriffsbeginn vor der Festung in Position bringen konnten. Um 4:47 Uhr begann der Angriff, der den Beginn des Überfalls auf Polen darstellt. Nach einem Feuerschlag der Schiffsartillerie der "Schleswig-Holstein" von der Landseite her griff die Marinestosstruppkompanie unter Oberleutnant Henningsen mit zwei Infanteriezügen und einem Pionierzug an und einem Beobachtungstrupp unter der Leitung von Leutnant Harny. Weiter stand die polnische Garnison unter Feuer der SS-Heimwehr Danzig sowie von Leutnant Hartwig, der das Kommando über den Maschinengewehr-Zug auf dem Linienschiff innehatte. Die Westerplatte wurde aber hartnäckig verteidigt. Während der Kämpfe wurde Oberleutnant Henningsen tödlich verwundet, Oberleutnant Schug übernahm das weitere Kommando. Offensichtlich war der Angriff schlecht vorbereitet gewesen, denn den polnischen Verteidigern gelang es, trotz des vernichtenden Artilleriebeschusses der Schleswig-Holstein den Angriff der MSK aufzuhalten und auch den Vorstoss der Pioniereinheit auf dem Landweg.

Der erste Angriff blieb unter schweren deutschen Verlusten im Abwehrfeuer liegen. Die Verluste der MSK beliefen sich auf 13 Tote und 58 Verwundete, von denen am folgenden Tag noch vier weitere starben. Insgesamt wurden die Verluste auf 40 bis 50 Tote geschätzt. Die polnischen Verteidiger hatten mit Wojciech Najsarek ein Todesopfer und sieben Verletzte zu beklagen, von denen drei in den folgenden Tagen starben. Nachdem auch am zweiten Kriegstag die Verteidiger die deutschen Angriffe hatten abwehren können, wurden Bombenangriffe angefordert, die am 2. September durch Stuka-Verbände erfolgten.

Am Abend des 2. Septembers wurde zwischen 18:05 Uhr und 18:45 Uhr ein Angriff mit Sturzkampfflugzeugen auf die Westerplatte geflogen. Etwa 60 Flugzeuge des Schlachtgeschwaders 2 "Immelmann" griffen mit Sprengbomben und Bordwaffen an, richteten schwere Schäden an den Befestigungen an und demoralisierten die Besatzung. Der Kommandant, Major Henryk Sucharski, schrieb in seinen Erinnerungen, dass die Besatzung einem unmittelbar folgenden Angriff wohl nicht hätte standhalten können, zumal auch die Kommunikationswege zerstört worden waren. Wegen der mangelnden Abstimmung zwischen den deutschen Verbänden blieb jedoch ein anschliessender Infanterieangriff aus. Inzwischen war zur Verstärkung eine Pionier-Kompanie der Wehrmacht herangebracht worden, die von Oberstleutnant Henke geführt wurde. Er riet von einem weiteren Angriff ab, solange man nicht die Feindlage erkundet habe.

Beschuss und Bombardement der Westerplatte zogen sich bis zum 7. September hin, an dem noch eine (erfolglose) bewaffnete Aufklärung stattfand. Erst nachdem die Verteidiger diesen Vorstoss zum Stehen gebracht hatten, kapitulierten sie. Vor den abziehenden polnischen Soldaten salutierten deutsche Offiziere, dem Kommandanten wurde der Säbel zurückgegeben "mit dem Recht, ihn während der Gefangenschaft zu tragen". Der Funker Kazimierz Rasiński wurde nach einem brutalen Verhör, in dem er sich weigerte, Funkcodes zu verraten, ermordet.

Die polnischen Verluste waren in Anbetracht des schweren Feuers durch 28-cm- und 15-cm-Schiffsgeschütze und des Angriffs durch Flugzeuge relativ gering: Eine polnische Quelle beziffert sie auf 15 Gefallene, 13 Schwer- und 25 bis 40 Leichtverwundete. Die Anzahl der während des eine Woche dauernden Angriffs auf die Westerplatte gebundenen deutschen Soldaten wird auf 3400 geschätzt.

Symbolische Bedeutung

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01_13/Symbol des Widerstandes gegen Nazi-Deutschland

Diese Verteidigung wurde in Polen nach dem Krieg zum Symbol des Widerstandes gegen Deutschland. In Fernsehinterviews zum Jahrestag berichteten deutsche Kriegsveteranen, dass bei den deutschen Soldaten der harte Kampf um die Westerplatte bald schon als Schlacht um "Klein-Verdun" tituliert wurde. Ein Denkmal befindet sich heute auf der Westerplatte, die in Polen diesen deutschen Namen behalten hat. Die Schüsse der "Schleswig-Holstein" am 1. September 1939 um 4.47 Uhr auf die Westerplatte werden häufig als der Beginn des Zweiten Weltkriegs genannt. Wenige Minuten zuvor war es jedoch bereits zu einem deutschen Luftangriff auf Wieluń mit etwa 1200 Opfern gekommen.

Schlacht bei Wizna (06.09.1939 – 10.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_14/Kartenausschnitt von Wizna

Die Schlacht bei Wizna (polnisch Obrona Wizny) oder polnische Thermopylen (polnisch Polskie Termopile) ereignete sich zwischen dem 6. und 10. September 1939, während des deutschen Überfalls auf Polen. Aufgrund des Kräfteverhältnisses von 55:1 für den Angreifer ist diese Schlacht charakteristisch für den Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Vorbereitungen
Um 1939 befanden sich um Wizna einige polnische Stellungen, die Teil einer Verteidigungslinie waren, die entlang des Flusses Narew verlief. Östlich der Stadt Wizna befand sich ein Flussübergang, der von ausserordentlich wichtiger strategischer Bedeutung war. Nördlich des Überganges mündet die Biebrza in den Narew. In diesem Gebiet gibt es grosse Sumpfgebiete, die erst wieder in Osowiec-Twierdza überschritten werden konnten. Südlich der Stadt erstreckten sich ebenfalls Sümpfe.

Die Verteidigungsstellung Wizna bestand aus nicht fertiggestellten Befestigungen, mit deren Bau im Frühling 1939 begonnen wurde. Die Stellungen wurden in zwei Verteidigungslinien gegliedert. Die erste, so genannte vorgeschobene Linie bestand aus zwei leichten Bunkern im Dorf Włochówka und einer nicht befestigten Stellung in Grądy-Woniecko. Die Hauptverteidigungslinie (zweite Verteidigungslinie) erstreckte sich von der Ortschaften Kołodzieje und Giełczyn am rechten Narewufer über Strękowa Góra bis zum Dorf Maliszewo. Die Verteidigungsstellungen wurden so angelegt, dass sie sich das 4 km entfernte Gebirge zunutze machten. Aufgrund dessen konnte man das Tal von den Stellungen aus gut überschauen. Auf der Verteidigungslinie wurden folgende Befestigungsanlagen errichtet:

  • Giełczyn-Kołodzieje – 3 Bunker
  • Góra Strękowa – 3 Bunker
  • Kurpiki – 1 Bunker.
  • Maliszewo – 1 Bunker.

Die Bunker, die sich bei Wizna befanden, wurden damals in für die Zweite Polnische Republik üblicher Bauweise erstellt. Jeder Bunker, mit Ausnahme der "leichten Fortifikationen", wurde individuell gefertigt. Man bemühte sich die Bunker möglichst günstig an das Gelände anzupassen und die Anforderungen des jeweiligen Verteidigungsabschnittes zu berücksichtigen. Die Bunker bei Wizna waren alle eingeschossige Stahlbetonkonstruktionen. Aus den Bunkern konnte man mit schweren Maschinengewehren seitlich feuern, ferner waren die Bunker mit gepanzerten Kuppeln ausgestattet, die man unter anderem auch zur Beobachtung nutzen konnte.

Die nicht vollständige Fertigstellung führte zu zwei wesentlichen Schwachpunkten der Verteidigungsstellungen. Einer der Schwachpunkte dieser Verteidigungsstellung war das Fehlen von Granatwerfern und Panzerabwehrgeschützen. Ein weiterer Schwachpunkt der Verteidigungslinien war die geringe Anzahl von Bunkern, da hierdurch die einzelnen Befestigungswerke so weit voneinander entfernt waren, dass diese sich nicht gegenseitig ausreichend unterstützen konnten. Hierdurch war es der Wehrmacht möglich, einen Bunker nach dem anderen auszuschalten.

Verlauf der Kämpfe
Der Befehlshaber der polnischen Stellungen war Hauptmann Władysław Raginis, der schwor die Stellungen nicht lebend dem Feind zu übergeben. Die Kämpfe dauerten zwischen dem 7. und dem 10. September 1939 an. Die Verteidigungsstellung von Wizna wird auch als "polnische Thermopylen" bezeichnet. 720 polnischen Verteidigern standen weit über 40.000 Angreifer des XIX. Armeekorps unter General der Panzertruppe Heinz Guderian in der Heeresgruppe Nord gegenüber. Die mangelnde Artillerieunterstützung auf Seiten der Polen und die zahlenmässige Überlegenheit an Soldaten und Panzern auf Seiten der Wehrmacht ermöglichte es den Deutschen, die Bunker zu stürmen und zu sprengen. Die polnischen Besatzungen leisteten grossen Widerstand und verzögerten den Vorstoss des XIX. Armeekorps. Ausschlaggebend hierfür war primär die Sprengung der Brücke über den Narew am 7. September durch polnische Pioniere, als deutsche Panzer diesen zu überqueren versuchten. Eine schnelle Umgehung der polnischen Stellungen war nun nicht möglich. Dies zwang die Wehrmacht zum zeitaufwendigen Errichten einer schwimmenden Pontonbrücke über den an dieser Stelle 60 Meter breiten Narew. Zum Symbol der Verteidigung wurde der Befehlshaber der Stellung, der die Soldaten des letzten Bunkers vom Eid entband, während er selbst in seiner Stellung blieb und mit einer Handgranate drei den Bunker stürmende deutsche Soldaten und sich selbst tötete.

Verluste
Die genauen Opferzahlen auf beiden Seiten sind bisher ungeklärt. Kriegsarchiven zufolge soll es auf deutscher Seite mindestens zehn zerstörte Panzer und einige zerstörte Schützenpanzerwagen gegeben haben. Auf polnischer Seite sind mindestens 70 Gefangene zu verzeichnen.

Schlacht bei Radom (08.09.1939 – 09.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_15/Kartenausschnitt vo Radom

Die Schlacht um Radom (auch bekannt als Schlacht um Iłża) ereignete sich während des Zweiten Weltkrieges vom 8. bis zum 9. September 1939. Polnische Truppen der Armee Prusy unter dem Kommando von Oberst Muzyka, denen der Rückzug über die Weichsel durch deutsche Panzerverbände abgeschnitten war, wurden im Raum um die mittelpolnische Kleinstadt Radom eingekesselt. Die polnischen Truppen verteidigten das Gebiet der Stadt Iłża und einen Abschnitt der Strasse von Sandomierz nach Radom. Am 9. September wurde die letzte Stellung der polnischen Infanterieverbände in einer mittelalterlichen Burg auf einem Hügel oberhalb der Stadt Iłża eingenommen. Nur wenigen Einheiten der eingeschlossenen polnischen Armee Prusy war der Ausbruch aus dem Kessel in Richtung Warschau oder über den Fluss Weichsel gelungen. Rund 60.000 polnische Soldaten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Schlacht um Warschau (08.09.1939 – 28.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_16/Kartenausschnitt von Warschau

In der Schlacht um Warschau kämpfte während des Polenfeldzuges die in der polnischen Hauptstadt Warschau eingeschlossene polnische Armee Warschau (Armia Warszawa) gegen Verbände der deutschen Wehrmacht. Die Kämpfe begannen mit grossangelegten Luftangriffen auf militärische Einrichtungen und Infrastrukturziele im Grossraum der polnischen Hauptstadt Warschau, ab dem ersten Kriegstag, dem 1. September 1939.

Vorgeschichte
Seit dem ersten Kriegstag griff die deutsche Luftwaffe mit unterschiedlicher Intensität Ziele im Grossraum Warschau an. Die anfangs aus 54 Flugzeugen bestehende Abfangjäger-Brigade konnte in den ersten Tagen des Bombardements 43 angreifende Flugzeuge abschiessen, wurde aber selbst schwer dezimiert und am 6. September nach Osten abgezogen. Bereits am Vortag waren elf Flak-Batterien aus der Stadt abgezogen worden. Das Bombardement erreichte seinen Höhepunkt am 10. September, dem "blutigen Sonntag", an dem 17 Luftangriffe stattfanden. Am 3. September ordnete der polnische Oberbefehlshaber Marschall Edward Rydz-Śmigły die Bildung eines Oberkommandos für die Verteidigung Warschaus an und ernannte Divisionsgeneral Walerian Czuma, den bisherigen Chef der Grenztruppen, zu dessen Befehlshaber. Der von Czuma zum Zivilkommissar ernannte Stadtpräsident Stefan Starzyński ordnete die Bildung einer Zivilwacht an, um Polizei und Feuerwehr zu ersetzen, die ebenso wie die meisten Männer im wehrfähigen Alter evakuiert wurden. In täglichen Radioansprachen forderte er die Bevölkerung auf, sich am Bau von Barrikaden und Panzersperren zu beteiligen. Die zur Verteidigung zur Verfügung stehenden Truppen, anfangs nur vier Bataillone, wurden nach und nach durch sich zurückziehende Einheiten der Armee und Neuaushebungen ergänzt.

Oberbefehlshaber der angreifenden 8. Armee war General der Infanterie Johannes Blaskowitz. Östlich der Stadt war das I. Armeekorps unter Generalleutnant Walter Petzel als Teil der 3. Armee des Generals der Artillerie Georg von Küchler vorgedrungen. Auf der polnischen Seite führte General Juliusz Rómmel die am 8. September aufgestellte Armee Warschau, die das Gebiet um Warschau und die Festung Modlin verteidigte. Ihm unterstellt war General Czuma als Befehlshaber der Verteidigung Warschaus, dieser beauftragte Juliusz Zulauf mit der Verteidigung im Osten der Stadt und Marian Porwit mit der im Westen.

Verlauf
Die Bodenkämpfe begannen am 8. September 1939, nachdem deutsche Panzerverbände der 4. Panzer-Division mit Teilen der 31. Infanterie-Division unter der Führung von General Hossbach die südwestlichen Vororte Warschaus erreichten. Eine schnelle Einnahme Warschaus durch deutsche Truppen misslang jedoch, nachdem infolge der am 9. September begonnenen Schlacht an der Bzura westlich von Warschau Teile der Angriffstruppen abgezogen wurden. Am 15. September wurde Warschau auch von deutschen Truppen von Osten her eingeschlossen. Während der Strassenkämpfe im östlichen Stadtbezirk Praga fiel der verabschiedete Generaloberst Werner von Fritsch, der als Chef sein Regiment begleitet hatte. Durch das vollständige militärische Einschliessen Warschaus am 15. September hatte sich ein grosser Kessel gebildet. Dieser zog sich beginnend in Modlin nördlich von Warschau längs des Ostufers der Weichsel bis in das Stadtgebiet von Warschau. Nach Westen hin bestand noch ein lose Verbindung mit den im Raum Kutno sich befindlichen polnischen Armeeverbänden. Diese Verbindungslinie führte durch das unwegsame Waldgebiet der Kampinosheide nordwestlich von Warschau. Nach dem Ende der Schlacht an der Bzura schlugen sich Reste der eingekesselten Truppen unter schweren Rückzugsgefechten durch das Gebiet der Kampinosheide (Schlacht in der Kampinos-Heide) nach Warschau durch und brachten die Zahl der Verteidiger auf 120.000 Soldaten. Nach dem Ende der Kämpfe in der Kampinosheide war der Warschau/Modliner Kessel auch von Westen her vollständig geschlossen Am 22. September wurde die Verbindung zwischen Warschau und Modlin durch einen deutschen Vorstoss von Osten her bis an die Weichsel endgültig unterbrochen. Es blieben nun zwei belagerte Kessel übrig. Der Kessel von Warschau mit rund 120.000 verteidigenden Soldaten und der Kessel von Modlin mit rund 60.000 polnischen Verteidigern. Aus strategischen und politischen Gründen konzentrierte nun die deutsche Wehrmacht ihre Kräfte auf die Eroberung der polnischen Hauptstadt Warschau.

Als Vorbereitung für den finalen Angriff wurden insbesondere die polnischen Verteidigungslinien in den Vororten Warschaus tagelang von deutscher Artillerie, darunter Eisenbahngeschützen und Belagerungsmörsern, beschossen; gleichzeitig wurde das taktische Bombardement durch zwei deutsche Luftflotten fortgesetzt. Am 24. September wurden alle an der Belagerung beteiligten deutschen Truppen 'Blaskowitz' Befehl unterstellt. Am folgenden Tag führten die Deutschen einen Grossangriff mit insgesamt neun Divisionen durch, der abgewehrt wurde. Gleichzeitig flog die deutsche Luftwaffe einen Vernichtungsangriff auf das Stadtgebiet; in über 1700 Einsätzen warfen die Bomber 560 Tonnen Spreng- und 72 Tonnen Brandbomben ab. Am 26. September nahm der frühere Oberbefehlshaber der Armee Posen Tadeusz Kutrzeba Verhandlungen über eine Übergabe der Stadt auf. Am 27. September um 12:00 Uhr trat ein Waffenstillstand in Kraft. Mehrere polnische Einheiten weigerten sich, das Feuer einzustellen, und mussten von Rómmel und Czuma persönlich dazu aufgefordert werden. Am 29. September versteckten oder zerstörten die Verteidiger Warschaus ihre Waffen. Am Folgetag verliessen rund 100'000 polnische Soldaten das Stadtgebiet Warschaus in deutsche Kriegsgefangenschaft. Fünf Tage nach der bedingungslosen Kapitulation Warschaus besetzte die deutsche Wehrmacht das von polnischen Truppen geräumte Stadtzentrum Warschaus kampflos.

Folgen
Mit der Kapitulation Warschaus und der Festung Modlin (Schlacht um Modlin) war der Polenfeldzug praktisch beendet. Isolierte Gruppierungen der polnischen Armee wie die "Unabhängige Operationsgruppe Polesien" wurden bis zum 6. Oktober besiegt (→ Schlacht bei Kock). Etwa 12 Prozent der Gebäude Warschaus wurden bei den Kämpfen zerstört. Insbesondere von den Zerstörungen betroffen waren das Regierungsviertel und die Warschauer Vororte entlang der Frontlinie. Einige der Waffen wurden versteckt und wurden später beim Warschauer Aufstand benutzt.

Verluste

Schlacht an der Bzura (09.09.1939 – 19.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_17/Kartenausschnitt von Bzura

Mit der Schlacht an der Bzura (auch: Schlacht bei Kutno) fand zu Beginn des Zweiten Weltkrieges nahe der Stadt Kutno in Polen vom 9. bis 19. September 1939 zwischen deutschen und polnischen Truppen die Entscheidungsschlacht im deutsch-polnischen Krieg statt.

Bereits kurz nach dem Beginn des deutschen Angriffs auf Polen gelang es der Wehrmacht, die polnischen Linien zu durchbrechen. Die deutschen Truppen drangen so von Norden und Südwesten in die Tiefe Polens vor. Dem polnischenHeer gelang es, im Gegenzug – unbemerkt von der deutschen Aufklärung – unter General Tadeusz Kutrzeba zwei polnische Armeen bei Kutno nördlich der Bzura zusammenzuziehen. Vereinigt umfasste die neugebildete Streitmacht acht Infanteriedivisionen und zwei Kavalleriebrigaden. Um den Vorstoss der Wehrmacht abzuschwächen, griffen die Polen die vorrückende 8. Armee unter General der Infanterie Johannes Blaskowitz an der Flanke und im Rücken an. Die 8. Armee wurde dadurch ernsthaft bedroht.

Nachdem es der Wehrmacht gelungen war, die Situation zu stabilisieren, wurde eine Umfassung der polnischen Truppen eingeleitet. Aus dem Norden und Westen griff die 4. Armee unter General der Artillerie Günther von Kluge an. Zusätzliche Unterstützung für die 8. Armee kam in Form zahlreicher Panzer und schneller beweglicher Verbände der 10. Armee unter General der Artillerie Walter von Reichenau im Südosten. Die polnischen Streitkräfte waren eingekesselt und die vereinigten deutschen Kräfte begannen mit Unterstützung von 820 Flugzeugen am 16. September einen Grossangriff. Nach hohen Verlusten und einem missglückten Ausbruchsversuch ergaben sich die polnischen Verbände am 19. September. Somit war die entscheidende und längste Schlacht verloren, 170'000 Soldaten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Verluste

Schlacht in der Kampinos-Heide (09.09.1939 – 20.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_18/Kartenausschnitt der Kampinos-Heide

Die Schlacht in der Kampinos-Heide zwischen der polnischen Armee und der deutschen Wehrmacht ereignete sich während des Zweiten Weltkrieges in den ausgedehnten Waldgebieten um den polnischen Ort Kampinos nordwestlich von Warschau, die als Kampinos-Heide (siehe Nationalpark Kampinos) bezeichnet werden.

Die schweren Kämpfe ereigneten sich zwischen dem 9. und 20. September 1939. Reste polnischer Verbände brachen aus dem Kessel von Kutno aus und versuchten, sich polnischen Verbänden im Raum Warschau und Modlin anzuschliessen. Deutsche Verbände versuchten dies zu verhindern. Hierzu führten die deutschen Truppen Angriffe von Norden und Süden in das ausgedehnte Waldgebiet durch. Nach schweren Kämpfen konnte ein Teil der polnischen Truppen den deutschen Einschliessungsring bei dem Ort Wólka Węglowa durchbrechen und sich unter schweren Verlusten Richtung Weichsel zurückziehen.

Verluste

Belagerung der Halbinsel Hel (09.09.1939 – 02.10.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_19/Kartenausschnitt der Halbinsel Hel

Die Belagerung der Halbinsel Hel war eine der längsten Schlachten des Überfalls auf Polen bzw. Polenfeldzuges zu Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Auf der Halbinsel Hel und der Stadt Hel (deutsch: Hela), hielt sich der längste polnische Widerstand während des Polenfeldzuges. Schätzungsweise 3'000 Soldaten der Einheit Helski Rejon Umocniony, Teil der Küstenverteidigungsgruppe (Grupa Obrony Wybrzeża) unter Włodzimierz Steyer, verteidigten das Gebiet zwischen dem 9. September bis zum 2. Oktober. Am 2. Oktober kapitulierte die Gruppe.

Vorgeschichte
1928 richtete Polen einen Militärhafen in Hel ein, woraufhin die gesamte Halbinsel 1936 zur befestigten Region erklärt wurde. Die Helski Rejon Umocniony wurde dort stationiert. Insgesamt befanden sich in Hel ca. 3'000 Soldaten, drei Seeziel-Batterien und Luftabwehrgeschütze. Die Küstenschutzbatterien waren mit 4 × 152 mm-Geschützen, zwei älteren 2 × 105 mm-Geschützen und drei Batterien mit 8 × 75 mm-Geschützen ausgestattet. Die Flugabwehr bestanden aus 6 × 75 mm- und 8 × 40 mm-Kanonen.

Die Schlacht
Die deutsche Luftwaffe begann am Tage der deutschen Invasion (1. September) mit Luftangriffen auf Hel. Die deutsche Wehrmacht zwang polnische Einheiten der pommerschen Armee (Armia Pomorze) bereits in der ersten Kriegswoche zum Rückzug aus dem Danziger Korridor. Am 9. September wurde der Angriff auf Hel eingeleitet. Die Armia Pomorze wurde in der Schlacht in der Tucheler Heide geschlagen (5. September). Nachdem weitere polnische Niederlagen an der Küste folgten – Westerplatte, Gdynia und Kępa Oksywska – war Hel ab dem 20. September der letzte Ort des Widerstandes an der Küste.

Am 3. September war es den Polen gelungen, einen deutschen Zerstörer zu beschädigen. Nach der Versenkung einiger polnischer Schiffe durch die Luftwaffe retteten sich polnische Marinesoldaten an Land und schlossen sich den Landstreitkräften von Hel an. Die deutsche Marine beschoss Hel mit den Schiffen Schleswig-Holstein und Schlesien. Die Schleswig-Holstein wurde am 25. September leicht beschädigt. Die Luftabwehrbatterien schossen zwischen 46 und 53 Flugzeuge ab.

Am 14. September gelang es den Deutschen, die polnischen Kräfte vom Festland abzutrennen. Anschliessend schafften sie schwere Artillerie heran, um die Belagerung zu intensivieren. Am 25. September wurde das Dorf Chałupy (heute Teil von Władysławowo) durch die Wehrmacht erobert.

Am 1. Oktober erkannte der polnische Marineoberbefehlshaber Józef Unrug, dass Hel nicht mehr mit Nachschub versorgt werden könne und am 2. Oktober kapitulierten die polnischen Streitkräfte in Hel. Es war die vorletzte Kapitulation polnischer Kräfte während des Polenfeldzuges.

Verluste

Schlacht um Modlin (13.09.1939 – 29.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_20/Kartenausschnitt von Modlin

Die Schlacht um die Festung Modlin ereignete sich während des Überfalls auf Polen. In der Festung Modlin befand sich das Hauptquartier der polnischen Armia Modlin (Modlin Armee) nach ihrem Rückzug von den Grenzbefestigungen. Vom 13. September bis 29. September 1939 wurde die Festung Modlin von deutschen Truppen belagert. Die Truppen der Festung wurden vom polnischen General Wiktor Thommée kommandiert. Die Kämpfe um Modlin standen im strategischen Gesamtzusammenhang mit der einige Kilometer südlich stattfindenden Schlacht um Warschau (1939). In der Festung war auch der polnische Panzerzug Śmierć (übersetzt: "Tod") stationiert. Die Festung Modlin kapitulierte am 29. September 1939 gegenüber der deutschen Wehrmacht. Rund 35.000 polnische Soldaten gingen in deutsche Kriegsgefangenschaft.

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01_21/Ruine des südlichen Brückenkopfes der Festung Modlin am Fluss Narew

Im Verlauf der Kampfhandlungen um Modlin kam es zum ersten dokumentierten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs: Zu diesem Zeitpunkt war Kurt Meyer, und die von ihm kommandierte Panzerabwehr-Kompanie der Leibstandarte SS Adolf Hitler, in schwere Kämpfe im Raum Modlin verwickelt. Kurt Meyer wurde in einem alliierten Untersuchungsbericht vorgeworfen, bei Modlin 50 Juden zusammengetrieben und erschossen zu haben. Meyer wurde 1945 wegen anderer Kriegsverbrechen von den Kanadiern zum Tode verurteilt, später begnadigt und 1954 aus der Haft entlassen.

Verluste

Kampf um die Brester Festung (14.09.1939 – 17.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_22/Kartenausschnitt der Brester Festung

Die Schlacht um die strategisch wichtige Festung Brest-Litowsk (auch: Belagerung der Festung Brest-Litowsk) ereignete sich im Rahmen des Überfalls auf Polen während des Zweiten Weltkrieges zwischen dem 14. und 17. September 1939 in der Nähe der Stadt Brest-Litowsk am Fluss Bug. Nach drei Tagen schwerer Kämpfe konnten sich Teile der polnischen Festungsbesatzung zurückziehen; der Rest kapitulierte gegenüber dem deutschen XIX. Armeekorps (mot.) unter General Heinz Guderian. Die Vorbereitungen zum Angriff begannen am 13. September mit dem Eintreffen erster deutscher Aufklärungseinheiten im Zielgebiet. Am gleichen Tage erging der Befehl zum Angriff auf die Festung Brest-Litowsk durch General Heinz Guderian. Am Morgen des 14. September drangen erste Teile der 10. Panzer-Division (Aufklärungsabteilung und Panzerregiment 8) in die Frontlinie vor Brest vor. Um die Festung in einem schnellen Überraschungsangriff zu nehmen, setzte General Guderian das gesamte Korps zum Angriff an. Am 15. September wurde der Ring um die Stadt von Osten her geschlossen. Ein Versuch, die Festung durch einen schnellen Panzerangriff im Handstreich einzunehmen, scheiterte an den im Festungseingang quer gestellten polnischen Renault-FT-Panzern, da die deutschen Panzer deshalb nicht ins Festungsinnere vordringen konnten.

Zur Vorbereitung eines grösseren Angriffs auf die Festung wurde der deutsche Korpsgefechtsstand in die nahe gelegene Ortschaft Kamieniec Litewski verlegt. Am 16. September wurden die 20. motorisierte Infanterie-Division und die 10. Panzer-Division zum Angriff eingesetzt. Hierbei sollte die Festung durch Erstürmung der Wallkrone eingenommen werden. Dieser Angriff konnte von den polnischen Verteidigern abgewehrt werden und scheiterte unter hohen deutschen Verlusten.

Erst am Morgen des 17. September konnte die Festung eingenommen werden, als die polnische Festungsbesatzung versuchte, über die unversehrte Bugbrücke in Richtung Westen auszubrechen. Die Einnahme der Festung erfolgte durch das Infanterieregiment 76 unter Oberst Hans Gollnick.

Kurz darauf erreichten erste sowjetische Einheiten Brest-Litowsk. Aufgrund aussenpolitischer Absprachen sollte das gesamte Festungsgebiet östlich des Bug bis zum 22. September 1939 geräumt und an die Sowjetunion übergeben werden. Dieser kurze Zeitraum reichte jedoch nicht aus, um alle deutschen Verwundeten und liegengebliebene Fahrzeuge zu bergen. Daher wurde durch mündlich Verhandlungen in der von General Guderian und dem sowjetischen Brigadegeneral Kriwoschein beherrschten französischen Sprache eine Sondervereinbarung getroffen, gemäss welcher die Räumungsfrist verlängert wurde, bis alle deutschen Fahrzeuge und Verwundeten über den Bug transportiert waren. Im Gegenzug verzichtete Guderian auf die Verbringung der in der Festung erbeuteten polnischen Vorräte über den Bug und übergab diese vollständig den sowjetischen Streitkräften.

Nach dem Ende der Kämpfe kam es am 22. September 1939 zu einer deutsch-sowjetischen Militärparade in Brest-Litowsk. Der östlich des Bugs gelegene Teil der Festung wurde an die Sowjetunion übergeben.
Verluste

Schlacht bei Szack (28.09.1939 – 28.09.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_23/Kartenausschnitt von Szack

Die Schlacht bei Szack (Heute Schazk, Wolhynien, Ukraine) fand am 28. September 1939, nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Polen bei der heute zur Ukraine gehörenden Kleinstadt Schazk (polnisch Szack) statt.

Am Morgen des 28. Septembers griffen Einheiten des polnischen Grenzschutzkorps die Stadt an. Gegen Mittag wurde sie nach blutigen Kämpfen erobert. Nachmittags eroberten die polnischen Einheiten bei der Verfolgung der verbliebenen Einheiten der sowjetischen52. Schützendivision mehrere Dörfer in der Umgebung. Am nächsten Tag zerstörte das Grenzschutzkorps die Vorhut einer anderen sowjetischen Division und zog sich dann über den Bug zurück. Die polnische Armee verlor bei der Schlacht 350 Soldaten, die Sowjets 500 Mann und 7 Panzer sowie mehrere gepanzerte Transporter.

Verluste

Schlacht bei Kock (02.10.1939 – 05.10.1939)    
(aus Wikipedia)

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01_24/Kartenausschnitt von Kock

Die Schlacht bei Kock fand während des Zweiten Weltkrieges zwischen dem 2. und dem 5. Oktober 1939 nahe der zentralpolnischen Kleinstadt Kock statt. Es war die letzte Schlacht des Überfalls auf Polen bzw. des Polenfeldzuges. Einheiten der polnischen "Unabhängigen Operationsgruppe Polesien" (poln. Samodzielna Grupa Operacyjna Polesie) unter General Franciszek Kleeberg

(1888–1941) kämpften gegen Verbände des deutschen XIV. motorisierten Korps unter General Gustav von Wietersheim. Die Schlacht endete am Morgen des 5. Oktober mit einem polnischen Sieg. Aufgrund der aussichtslosen Gesamtlage an der Front und Erschöpfung der Munitionsvorräte erfolgte am 6. Oktober die Kapitulation der polnischen Einheiten. Mit dem Ende der Kampfhandlungen gerieten 17'000 polnischen Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Verluste

Winterkrieg in Finnland (30.09.1939 - 13.03.1940)    
(aus Wikipedia)

Der Winterkrieg (finnisch talvisota) war ein vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940 zwischen der Sowjetunion und Finnland ausgetragener Krieg. Er wird auch als Sowjetisch-Finnischer Krieg oder "Sowjetisch-Finnländischer Krieg" bezeichnet.

Im Herbst 1939 hatte die Sowjetunion Finnland mit Gebietsforderungen in der Karelischen Landenge konfrontiert und diese mit unabdingbaren Sicherheits-interessen für die Stadt Leningrad begründet. Nachdem Finnland die Forde-rungen abgelehnt hatte, griff die Rote Armee am 30. November 1939 das Nachbarland an. Ursprüngliches Kriegsziel der Sowjetunion war vermutlich die Besetzung des gesamten finnischen Staatsgebiets gemäss dem Ribben-trop-Molotow-Pakt. Der Angriff wurde aber von den zahlen- wie materialmässig erheblich unterlegenen finnischen Streitkräften zunächst gestoppt. Erst nach umfassenden Umgruppierungen und Verstärkungen konnte die Rote Armee im Februar 1940 eine entscheidende Offensive beginnen und die finnischen Stellungen durchbrechen. Am 13. März 1940 beendeten die Parteien den Krieg mit dem Friedensvertrag von Moskau. Finnland konnte seine Unabhängigkeit wahren, musste aber erhebliche territoriale Zugeständnisse machen, insbesondere grosse Teile Kareliens abtreten.

Rund 70'000 Finnen wurden in dem Konflikt verwundet oder getötet. Die Grössenordnung der sowjetischen Verluste ist umstritten; sie wird auf ein Vielfaches geschätzt. Der Kriegsverlauf offenbarte Schwächen in der Roten Armee, die einerseits die sowjetische Führung zu umfassenden Reformen veranlassten und andererseits im Deutschen Reich zu einer folgenreichen Unterschätzung der militärischen Stärke der Sowjetunion beitrugen. In Finnland wurde die Überwindung der nach dem Finnischen Bürgerkrieg verbliebenen gesellschaftlichen Spaltung durch die Erfolge bei der Abwehr der sowjetischen Angriffe unterstützt.

Vorgeschichte aus finnischer Sicht    
(aus Wikipedia)

Finnland war seit 1809 als Grossfürstentum in das Russische Kaiserreich integriert. Die Finnen bewahrten sich gegenüber mehreren Versuchen der Russifizierung ihre kulturelle Eigenständigkeit und gewisse politische Autonomie innerhalb des autokratischen Systems. Die finnische Unabhängigkeitsbewegung erstarkte nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Als das Russische Reich nach der Oktoberrevolution und der Machtübernahme der Bolschewiki im Russischen Bürgerkrieg versank, erklärte Finnland im Dezember 1917 seine Unabhängigkeit. Da Lenin die finnische Selbstständigkeit im Gegensatz zu den Weissen Armeen in Russland nicht als Bedrohung für die sowjetische Herrschaft sah, erkannte er Finnland im Januar 1918 als souveränen Staat an.

Das unabhängige Finnland wurde kurz darauf von einem Bürgerkrieg erschüttert, ausgelöst durch einen Umsturzversuch sozialistischer Kräfte mit Unterstützung der russischen Bolschewiki. Bürgerlichen Kräften unter Führung von Carl Gustaf Emil Mannerheim gelang es mit deutscher Hilfe, den Krieg für sich zu entscheiden. Der grösste Teil der sozialistischen Führung floh nach Russland. Das bürgerliche Finnland interpretierte den Bürgerkrieg in erster Linie als Freiheitskrieg gegen Russland. Die Beziehungen der beiden Staaten blieben in der Folge weiter spannungsreich. Besonders trugen hierzu Bestrebungen zur Schaffung eines Grossfinnland und damit verbundene Gebietsansprüche gegenüber dem östlichen Nachbarn bei. In mehreren Ostkriegszügen zwischen 1918 und 1920 versuchten irreguläre finnische Militärverbände erfolglos, die sowjetischen Teile Kareliens Finnland einzugliedern. 1920 besiegelten beide Staaten im Frieden von Dorpat das Ende der Feindseligkeiten. Der grossfinnische Gedanke lebte jedoch weiter. Die 1922 gegründete Akademische Kareliengesellschaft (Akateeminen Karjala-Seura), der zahlreiche prominente Personen aus Politik und Wissenschaft angehörten, betrieb offen Propaganda für den Anschluss Ostkareliens.

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01_25/Unterzeichnung des finnisch-sowjetischen Nichtangriffspakts am 21. Januar 1932 durch den finnischen Aussenminister Aarno Yrjö-Koskinen (links) und den sowjetischen Botschafter in Helsinki Iwan Maiski.

Die Beziehungen der beiden Länder in der Folgezeit waren "korrekt, aber kühl". Anfang 1932 schlossen die Nachbarn einen Nichtangriffspakt. Das gegenseitige Misstrauen konnte dadurch aber kaum abgebaut werden. Im sich zuspitzenden Interessengegensatz zwischen der Sowjetunion und Deutschland versuchte Stalin vergeblich, Finnland durch weitere Verträge enger an sich zu binden.

Die Einordnung Finnlands als zum kapitalistischen Lager gehörig, die Propaganda der Akademischen Kareliengesellschaft sowie die betont deutschfreundlichen Aktivitäten der faschistischen Lapua-Bewegung trugen zum Wachsen der Spannungen bei.

In Finnland hatten der Bürgerkrieg und der gegenseitige Terror zwischen "Roten" und "Weissen" eine tiefe Spaltung der Gesellschaft hinterlassen. Erst in den 1930er Jahren, besonders nach der Wahl von Kyösti Kallio zum Präsidenten 1937, begann eine Versöhnungspolitik im Land zu greifen. Im gleichen Jahr wurde die Sozialdemokratische Partei Finnlands unter Ministerpräsident Aimo Kaarlo Cajander erstmals seit dem Bürgerkrieg an einer Regierung beteiligt. Auch der ehemalige "weisse General" Mannerheim warb für die Überwindung der Gräben. Zum Jahrestag der Beendigung des Bürgerkriegs im Mai 1933 erklärte er:

"Ein vaterländischer Geist, dessen Ausdruck der Verteidigungswille ist und der Entschluss, wie ein Mann in der Linie zu stehen, wenn dieses Land einmal verteidigt werden muss, das ist alles, was wir fordern, und wir brauchen nicht mehr zu fragen, wer vor fünfzehn Jahren jeweils wo gewesen ist".

Ausgangslage aus Sicht der Sowjetunion    
(aus Wikipedia)

Aus Sicht der Sowjetunion war die Beziehung zu Finnland 1939 angespannt und von Misstrauen geprägt. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern waren trotz der langen gemeinsamen Grenze minimal und die sowjetische Regierung nahm grossen Anstoss an der Unterdrückung der finnischen Kommunisten. Inspiriert von der Grossfinnland-Ideologie hatten tausende finnische Freiwillige zwischen 1918 und 1922 an gleich mehreren Kriegsschauplätzen aktiv gegen Sowjetrussland gekämpft. So griffen zahlreiche finnische Freiwillige in den estnischen Unabhängigkeitskrieg ein und unternahmen an anderer Stelle drei Militärexpeditionen in das sowjetrussische Karelien, die teilweise erst nach Monaten niedergeschlagen werden konnten. Des Weiteren unterstützten finnische Freiwillige separatistische Aufstände in Ostkarelien und Nordingermanland. Mit Nordingermanland hatten 1920 für einige Monate pro-finnische Separatisten ein Gebiet in geringer Entfernung von Leningrad kontrolliert. Die Sowjetunion sah die Stadt im Falle eines Kriegsausbruchs daher als unmittelbar gefährdet an. Zudem nahmen in den späten 1930er Jahren unter Stalin irredentistische und revisionistische Tendenzen stark zu, die darauf abzielten, nach 1918 verlorenes Territorium des Russischen Reichs zurückzugewinnen.

Seit der Mitte der 1930er Jahre war die sowjetische Führung durch das Wiedererstarken Japans und den Aufstieg Hitlers in Deutschland vom Kommen eines neuen Krieges zwischen den Grossmächten überzeugt. Die militärische und politische Führung der Sowjetunion sah das Baltikum und Finnland als strategisch wichtig an. Der finnische Meerbusen und die Küste der baltischen Staaten wurden als potenzielles Einfallstor fremder Mächte zur zweitgrössten Stadt Leningrad betrachtet. Ebenso war Stalin davon überzeugt, dass etwaige Küstenbefestigungen Finnlands und der baltischen Staaten die Aktionsfähigkeit der sowjetischen Baltischen Flotte in der Ostsee im Kriegsfall empfindlich einschränken könnten.

Im Falle eines Landkrieges sah die Führung der Sowjetunion die baltischen Staaten als notwendiges Durchmarschgebiet für einen Einsatz ihrer Truppen gegen potenzielle Gegner in Mitteleuropa und den finnischen Teil Kareliens als ein mögliches Aufmarschgebiet für fremde Mächte gegen Leningrad. Ebenso vermutete Stalin Finnland als mögliche Basis für Luftangriffe einer fremden Macht gegen sowjetisches Territorium.

Bis zum Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes im August 1939 und dessen Ausführung im Angriff auf Polen versuchte die sowjetische Führung, die Neutralisierung des strategisch wichtigen Gebiets durch Nichtangriffspakte mit den Anrainerstaaten, unter anderem mit Finnland, zu verwirklichen. Durch die Zerschlagung Polens als Staat hatte sich das Gleichgewicht in Osteuropa allerdings geändert. Stalin versuchte nun, Estland, Lettland und Litauen durch Bündnisse und die Stationierung sowjetischer Truppen in das Verteidigungssystem der Sowjetunion einzugliedern. Die kleinen Nachbarn stimmten diesen Bündnissen nach kurzen, von militärischen Drohungen begleiteten Verhandlungen im Herbst 1939 zu.

Verhandlungen mit Finnland und Kriegsbeginn    
(aus Wikipedia) 

Am 11. September 1939 begann die Sowjetunion eine neue Verhandlungsrunde mit Finnland. Stalin begründete seine Forderungen mit der drohenden Kriegsgefahr und der Notwendigkeit der Sicherung Leningrads durch strategische Neuregelungen. Zu diesem Zweck sollte Finnland den Südteil der befestigten Karelischen Landenge im Austausch gegen andere karelische Gebiete abtreten. Die zukünftige finnisch-sowjetische Grenze sollte bis auf etwa 30 Kilometer vor die Stadt Wiborg (Viipuri), Finnlands zweitgrösste Stadt, vorgeschoben werden. Dies hätte die Aufgabe sämtlicher finnischer Verteidigungsanlagen entlang der sogenannten Mannerheim-Linie bedeutet. Ebenso forderte Stalin die Verpachtung der Halbinsel Hankoniemi um die Stadt Hanko, die Überlassung von Inseln im finnischen Meerbusen und die Fischerhalbinsel an der Küste des Nördlichen Eismeeres. Als Ausgleich bot die Sowjetunion Finnland die Abtretung von Gebieten in Karelien an, die flächenmässig etwa doppelt so gross waren. Die finnische Regierung unter Ministerpräsident Cajander war zunächst bezüglich der Annahme der sowjetischen Forderungen gespalten, lehnte sie jedoch letztendlich ab. Als Konzession bot die finnische Regierung der Sowjetunion die Abtretung des Gebietes um den Ort Terijoki an, was von der Sowjetunion als ganz ungenügend abgelehnt wurde. Finnland leitete daraufhin eine Teilmobilmachung der Armee ein und versuchte erfolglos, sich mit Schweden zu verbünden. Auch eine Anfrage zwecks diplomatischer Unterstützung an Deutschland brachte keinen Erfolg. Die Verhandlungen dauerten noch bis zum 13. November an, ohne dass eine Einigung erzielt werden konnte.

Da der finnische Nachrichtendienst die Rote Armee als nicht einsatzbereit bezeichnete, ging der finnische Aussenminister Eljas Erkko davon aus, die Sowjetunion werde keinen Krieg beginnen. Auch die Einschätzung der Regierung, dass das Parlament keinen Gebietsabtretungen zustimmen würde, trugen zur ablehnenden Haltung Finnlands bei.

Die sowjetische Seite hatte allerdings schon vor dem Ende der Verhandlungen eine militärische Option ins Auge gefasst. Am 3. November 1939 unterstellte der sowjetische Aussenminister Molotow in der Prawda Finnland kriegerische Absichten gegenüber dem Sowjetstaat. Am selben Tag erhielt die Baltische Flotte den Befehl, in Bereitschaft zu gehen und endgültige Pläne für eine Invasion Finnlands auszuarbeiten. Das Gleiche befahl Stalin dem Leningrader Militärbezirk der Roten Armee am 15. November. Am 26. November inszenierte die Rote Armee im Dorf Mainila (russisch Майнило) einen Grenzzwischenfall, bei dem angeblich sowjetische Truppen von finnischer Artillerie beschossen worden seien (Mainila-Zwischenfall). Als die finnische Regierung diese Vorwürfe zurückwies, brach Molotow die Beziehungen zu Finnland ab und kündigte den bestehenden Nichtangriffspakt. Ohne dass die Sowjetunion eine formelle Kriegserklärung abgegeben hätte, überschritt die Rote Armee am frühen Morgen des 30. November 1939 die Grenze. Am Nachmittag stellte Präsident Kallio formell fest, dass sich das Land im Kriegszustand befindet. Cajanders Regierung, deren Einschätzung der Kriegsgefahr sich als unzutreffend erwiesen hatte, trat noch am selben Abend zurück; ihr folgte am folgenden Tag eine auf breiterer parlamentarischer Grundlage stehende neue Regierung unter Risto Ryti, dem bisherigen Chef der Finnischen Zentralbank.

Finnische Verteidigung    
(aus Wikipedia)

Die finnische Armee war zu Kriegsbeginn nicht nur wegen der geringen Bevölkerung zahlenmässig unterlegen, sondern auch in materieller Hinsicht schlecht auf den Krieg vorbereitet. In den Vorkriegsjahren befanden sich die militärische und die politische Führung in dauerndem Streit um das aus Sicht der ersteren völlig unzureichende Militärbudget. Insbesondere die beiden stärksten Parteien, die antimilitaristisch eingestellten Sozialdemokraten und der auf Sparsamkeit bedachte Landbund, blockierten eine Steigerung der Rüstungsausgaben selbst unter dem Eindruck der sich zuspitzenden internationalen Lage. Noch im August 1939 drückte Ministerpräsident Cajander, der einer Koalition beider Parteien vorstand, seine Freude darüber aus, dass Finnland seine Mittel statt für schnell veraltendes Kriegsmaterial für nützlichere Dinge verwendet habe. Ausserdem bevorzugte die Regierung die im Aufbau befindliche heimische Rüstungsindustrie gegenüber ausländischen Herstellern. Dies verlangsamte zusätzlich zum Geldmangel die Modernisierung der Bestände der Streitkräfte.

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01_26/Die Mannerheim-Linie stellte die Hauptverteidigungs-linie der Finnen auf der Karelischen Landenge dar.

Die finnische Armee umfasste bei Kriegsbeginn 250'000 Soldaten, von denen 130'000 die Karelische Landenge und 120'000 die übrige Ostgrenze verteidigten. Wegen des Mangels an Waffen verringerte sich die tatsächliche Einsatzstärke jedoch um 50.000. Schwere Bewaffnung war noch knapper. So hatte die finnische Armee nur dreissig Panzer zur Verfügung, die auch erst einige Wochen in Dienst waren. Ebenso herrschte Mangel an automatischen Waffen. Die ganze Armee besass insgesamt nur einhundert Panzerabwehrkanonen, importiert aus Schweden. Die Soldaten mussten daher in der Panzerabwehr oft auf improvisierte Lösungen zurückgreifen, so etwa auf aus Flaschen gefertigte Wurfbrandsätze, denen sie den Namen Molotow-Cocktail gaben. Die Artillerie stammte in vielen Einheiten noch aus Zeiten des Ersten Weltkriegs und hatte eine geringe Reichweite. Pro Division waren nur 36 Geschütze vorhanden; zudem herrschte Mangel an Artilleriemunition. Die finnische Luftwaffe umfasste nur hundert Flugzeuge. An die Kampftruppen selbst konnten keine Flugabwehrkanonen (Flak) ausgegeben werden, da die verfügbaren einhundert Stück für die Verteidigung der Städte gegen Bombenangriffe verwendet wurden.

Das finnische Oberkommando hatte in der Vorkriegszeit die Sowjetunion als einzig realistischen Kriegsgegner betrachtet. Deshalb war die Karelische Landenge, durch die von der Presse später so genannte Mannerheim-Linie befestigt worden. Hier sah das Kommando unter Carl Gustaf Emil Mannerheim, der 1939 erneut die Führung der Armee übernommen hatte, die entscheidende Front des Krieges, da hier der schnellste Weg nach Viipuri und Helsinki ins finnische Kernland führte. Die seit den 1920er Jahren errichtete Linie bestand aus rund hundert Betonbunkern. Diese waren strukturell allerdings oft schwach; nur die neuesten bestanden aus festem Stahlbeton. Am dichtesten waren die Bunker im Bereich um Summa, das sich zum einen gefährlich nahe bei Viipuri befand und in dem ausserdem das baumlose Heideland einen Panzerangriff begünstigte. Ausserdem wurde die Linie durch von den Truppen angelegte Feldbefestigungen verstärkt. Bereits im Frieden wurde die Grenze durch vier Deckungsgruppen abgeschirmt. Diese verstärkte Mannerheim noch durch fünf Divisionen, gegliedert im 2. und 3. Korps der Armee. Insgesamt hatte der Befehlshaber an der Landenge, Hugo Österman, rund 92'000 Soldaten unter seinem Kommando.

Auch am nördlichen Ufer des Ladogasees war genug Infrastruktur vorhanden, um eine Offensive einer modernen Armee zu ermöglichen. Um diese Flanke der Mannerheim-Linie zu verteidigen, postierten die Finnen hier das 4. Korps unter Woldemar Hägglund. Dem 4. Korps standen zwei Divisionen mit insgesamt rund 28'000 Soldaten zur Verfügung. Nach Einschätzung des finnischen Oberkommandos war der übrige Teil der ungefähr tausend Kilometer langen Grenze mit der UdSSR aufgrund der dichten Bewaldung und mangelnder Strassen für eine Armee unpassierbar. Deshalb wurden hier nur improvisierte kleinere Verbände eingesetzt, welche die wenigen Verkehrsachsen blockieren sollten. Diese Gruppe Nordfinnland stand unter dem Befehl von General Viljo Tuompo. Mannerheim selbst hielt als Oberbefehlshaber der Armee zwei Divisionen als Reserve zurück.

Sowjetischer Invasionsplan    
(aus Wikipedia)

Während der laufenden Verhandlungen beauftragte Stalin den Chef des Generalstabs der Roten Armee, Schaposchnikow, mit der Ausarbeitung eines Plans zur Invasion Finnlands. Schaposchnikow skizzierte eine mehrmonatige Operation, welche einen Grossteil der Armee benötigt hätte. Dies lehnte Stalin ab und delegierte die Arbeit an den Befehlshaber des Leningrader Militärbezirks Merezkow. Dieser General stellte eine Operation in Aussicht, die nur auf wenige Wochen angelegt war und bezüglich der Landstreitkräfte nur den Einsatz der Truppen des Leningrader Militärverwaltungsgebiets vorsah.

Merezkows Plan legte das Hauptaugenmerk auf die Karelische Landenge und damit auf die Mannerheim-Linie. Dieses Nadelöhr stellte den kürzesten Weg zur finnischen Hauptstadt Helsinki dar. Des Weiteren waren die Strassen- und Eisenbahnverbindungen hier am besten ausgebaut. Die 7. Armee unter Wsewolod Jakowlew sollte mit Hilfe von 200'000 Soldaten und 1'500 Panzern direkt durch die finnische Befestigungslinie brechen. Die 8. Armee unter Chabarow sollte nördlich des Ladogasees die finnischen Befestigungen umgehen und den Verteidigern der Linie in den Rücken fallen. Dazu standen 130.000 Soldaten und 400 Panzer zur Verfügung. Weiter nördlich sollten zwei weitere Armeen an der fast unbewohnten und kaum durch Strassen erschlossenen Grenze der beiden Länder Angriffe durchführen, um die Verkehrsverbindungen abzuschneiden und finnische Truppen zu binden. Dazu stand die 9. Armee unter Duchanow nördlich der sowjetischen 8. Armee. Sie stellte das Bindeglied zur 14. Armee unter Frolow dar, welche nach Petsamo vorrücken sollte. Den beiden Armeen an dieser Nebenfront standen insgesamt 140.000 Mann und 150 Panzer zur Verfügung. Ihr Ziel war die Besetzung des gesamten finnischen Staatsgebietes.

Die Baltische Flotte sollte in diesem Plan mehrere Aufträge erfüllen. Durch U-Boote sollten die Nachbarländer beobachtet und die Seeverbindungen Finnlands abgeschnitten werden. Marineinfanterie sollte die kleinen Inseln im finnischen Meerbusen einnehmen; die Marineflieger sollten die Landstreitkräfte an der Hauptfront unterstützen. Zusätzlich sollte ein sowjetischer Flottenverband mit drei Schlachtschiffen auf dem Ladogasee den Bodentruppen Artillerieunterstützung liefern. Insgesamt hatte die Rote Armee eine Überlegenheit an Soldaten von drei zu eins, an Artillerie von fünf zu eins und an Panzern achtzig zu eins.

Verlauf    
(aus Wikipedia)

Der erste sowjetische Angriff 1939
In den frühen Morgenstunden des 30. November setzte die Rote Armee ihre Divisionen entlang der Front von Petsamo bis Karelien in Marsch. Nachdem um 9:20 Uhr ein sowjetisches Flugzeug Flugblätter über Helsinki abgeworfen hatte, griffen um 10:30 Uhr neun sowjetische Bomber Helsinki an. Im Verlaufe des Tages erfolgten weitere Luftangriffe auf Helsinki, Wyborg, den Hafen von Turku, das Wasserkraftwerk in Imatra und eine Gasmaskenfabrik in Lahti.

Die 7. Armee unter Jakowlew benötigte bis zum 6. Dezember, um das Vorfeld von 25 bis 65 Kilometern vor den finnischen Befestigungen zu überwinden und zur Mannerheim-Linie an der Karelischen Landenge aufzuschliessen. Währenddessen war im finnischen Oberkommando eine Kontroverse entbrannt. Mannerheim wollte gegen den Widerstand des Befehlshabers der Landenge Östermann die im Vorfeld eingesetzten Deckungsgruppen offensiv vorgehen lassen, anstatt sie unter hinhaltendem Widerstand auf die Befestigungen zurückziehen zu lassen. Östermann setzte sich in dieser Frage durch.

Noch vor den ersten grossen Offensiven liess Stalin den Oberbefehlshaber der 7. Armee Jakowlew durch Merezkow ersetzen, da er mit dem langsamen Vormarsch an der Landenge unzufrieden war. Merezkow plante Offensiven an zwei verschiedenen Abschnitten der Linie. Am 14. Dezember wurde die Sowjetunion anlässlich des Angriffs auf Finnland aus dem Völkerbund ausgeschlossen. Dies hielt die Rote Armee aber nicht davon ab, ihre Offensive fortzuführen. Am 16. Dezember startete sie den Angriff am östlichen Rand der finnischen Befestigungen bei Taipale. Der finnischen 10. Division gelang es allerdings, diese Angriffe ohne Zuhilfenahme ihrer Reserven abzuwehren. Ein erneuter sowjetischer Versuch vom 25. bis zum 27. Dezember führte ebenso zu keinem Durchbruch der Linie. Als eigentlichen Durchbruchsort hatte Merezkow den Abschnitt bei Summa ausersehen. Zeitgleich zur Offensive bei Taipale versuchten hier die sowjetischen Truppen nach einer langen Artillerievorbereitung, die Linie zu durchbrechen. Der Versuch wurde aber ähnlich wie bei Taipale von der finnischen 3. Division ohne den Ruf nach Verstärkungen abgeschlagen. Die sowjetische Übermacht konnte nicht zur Auswirkung kommen, da das Waldgelände und der tiefe Schnee die Rote Armee an die wenigen Strassen banden und jeweils nur ein Regiment an der Spitze kämpfen konnte.

Sowohl Mannerheim als auch Östermann sahen Mitte Dezember die Chance, einen Gegenangriff zu starten. Zu diesem Zweck setzten sie am 23. Dezember zusammen mit den bereits im Kampf stehenden Einheiten die in Reserve gehaltene 6. Division ein. Diese Operation wurde aber nach acht Stunden abgebrochen. Den hohen finnischen Verlusten von 1'500 Mann standen keine relevanten Geländegewinne gegenüber. Der Sowjetunion war es nicht gelungen, an der Hauptfront des Krieges eine Entscheidung herbeizuführen, die Finnen vermochten aber auch nicht die sowjetischen Kräfte an der Landenge zu zerschlagen. Nachdem beide Seiten dies erkannt hatten, folgte eine Phase relativer Ruhe, während der das sowjetische Militär die Gründe für sein Scheitern analysierte.

Nach dem Plan des sowjetischen Oberkommandos sollte die 8. Armee den Ladogasee binnen zehn bis fünfzehn Tagen umgangen haben, um den Verteidigern der Mannerheim-Linie in den Rücken zu fallen. Auch an dieser Front verlief der sowjetische Vormarsch schleppend. Infolgedessen wurde der Befehlshaber der Armee Divisionskommandeur I. N. Chabarow am 3. Dezember durch den Korpskommandeur W. Kurdionow ersetzt. Die finnische Armee nutzte abseits des Stellungskrieges an der Karelischen Landenge ihre Beweglichkeit auf Skiern zu erfolgreichen Angriffsoperationen gegen die eingedrungenen sowjetischen Verbände. Der sowjetische Vormarsch konnte in der Schlacht von Kollaa zum 9. Dezember aufgehalten werden. Ab dem 27. Dezember konnte das finnische IV. Korps unter Hägglund die ihr gegenüberstehenden zwei sowjetischen Divisionen in die Defensive zwingen. Dabei wurden zwei Divisionen in sogenannten Mottis, durch schnelle Umkreisungsbewegungen kleiner, beweglicher Verbände entstandene Einkesselungen, gefangen. Die eingekesselte 18. Division wurde am 29. Februar 1940 zerstört, die 168. Division konnte sich bis Kriegsende halten.

Weiter nördlich standen der finnischen Gruppe Talvela unter Paavo Talvela drei sowjetische Divisionen gegenüber. Diese Einheiten sollten dem IV. Korps in die Flanke fallen und dadurch die Bewegung zur Umgehung der Mannerheim-Linie unterstützen. Den finnischen Truppen gelang es in diesem Sektor, die sowjetische 139. Division und die 75. Division bis zum 23. Dezember bei der Schlacht von Tolvajärvi zurückzutreiben. Ebenso gelang es den finnischen Truppen, die 155. Division aufzuhalten und in die Defensive zu drängen. Die geplante Umgehung der Mannerheim-Linie scheiterte somit für die Sowjetunion unter grossen Verlusten. Die eingekesselten sowjetischen Kräfte banden aber bis Kriegsende finnische Truppenteile, die Mannerheim eigentlich so schnell wie möglich an die Landenge hatte verlegen wollen.

Die sowjetischen Offensiven in Nordfinnland stiessen anfangs auf geringen Widerstand, da der finnische Generalstab nicht mit einem Angriff in diesem Landesteil gerechnet hatte. Der sowjetischen 104. Division gelang es nach wenigen Kriegstagen, den Hafen Petsamo einzunehmen. Die Einheit sollte sich mit der 88. und 122. Division zum Vormarsch auf Rovaniemi, der Hauptstadt der Region Lappland vereinigen. Die beiden letzteren Divisionen wurden in der Schlacht von Salla von improvisierten finnischen Verbänden in die Defensive gedrängt und am weiteren Vormarsch gehindert. Der 104. Division selbst erging es nach dem Erfolg in Petsamo genauso. In der Schlacht von Suomussalmi schafften es die Finnen durch das Aufbieten einer Reservedivision, die 163. sowjetische Division und die 44. Motorisierte Schützendivision in Mottis einzuschliessen und zu zerschlagen. Damit hatte die Rote Armee auch das Ziel verfehlt, Oulu zu erobern und damit Finnland von Schweden zu isolieren.

Die finnischen Truppen nahmen danach an der Schlacht von Kuhmo teil. Dort konnten sie die sowjetische 54. Division zwar einkesseln, diese verteidigte aber bis zum Kriegsende ihre Position. Bis auf die Eroberung von Petsamo konnte die sowjetische Führung im finnischen Norden keines ihrer strategischen Ziele erreichen. Da die Finnen die sowjetischen Einheiten aber auch nicht vollständig von ihrem Territorium vertreiben konnten, banden diese Gefechte finnische Reserven, die an der Landenge fehlten.

Die finnische Heimatfront    
(aus Wikipedia)

Die neue finnische Regierung unter Risto Ryti strebte zunächst eine baldige Wiederherstellung des Friedens durch Verhandlungen mit Moskau an. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Sowjetunion die Regierung in Helsinki nicht mehr anerkannte. Stattdessen installierte Stalin mit Kriegsbeginn eine kommunistische Gegenregierung, bestehend aus finnischen Bürgerkriegsemigranten unter der Führung von Otto Wille Kuusinen. Nachdem die Rote Armee die ersten Geländegewinne erzielt hatte, trat Kuusinens "Volksregierung Finnlands" im finnischen Grenzort Terijoki zusammen. Am 2. Dezember 1939 schloss sie mit der Sowjetunion einen Bündnisvertrag, in dem sie die in den Verhandlungen von Moskau geforderten Gebiete abtrat. Im Gegenzug sagte die sowjetische Regierung die Abtretung der Hälfte Ostkareliens zu.

Die Einsetzung der Regierung von Terijoki und deren Ankündigung volksdemokratischer Reformen in Finnland erfolgten in der Erwartung, dass Kuusinen unter den sozialistisch gesinnten Finnen Unterstützung gewinnen werde. Damit wäre die finnische Heimatfront geschwächt und die Besetzung des Landes legitimiert worden. Die erwartete Reaktion blieb aber aus. Vielmehr demonstrierten die finnischen Bevölkerungsgruppen in ihrer Verteidigungsbereitschaft eine Einmütigkeit, die auch inländische Beobachter überraschte. Das bedingungslose Zusammenrücken der Finnen im Kampf gegen den übermächtigen Angreifer, das noch lange nach dem Krieg unter der Bezeichnung "der Geist des Winterkrieges" beschworen wurde, löste das Schisma des Bürgerkrieges auf und bildete in der Folge eine neue Grundlage für das finnische Selbstverständnis.

Sinnbildlich für die Überbrückung bestehender Feindbilder war das sogenannte "Januarverlöbnis": Am 23. Januar 1940 erkannte der Arbeitgeberzentralverband (Suomen työnantajain keskusliitto) in einer gemeinsamen öffentlichen Stellungnahme erstmals den Gewerkschaftsbund (Suomen Ammattiyhdistysten Keskusliitto) als Vertreter der Arbeitnehmer und gleichwertigen Verhandlungspartner an. Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes, Eero Vuori, stellte im Anschluss fest:

"Das Volk kämpft nun um seine Freiheit. An der Front kämpfen Arbeitgeber wie Arbeitnehmer Seite an Seite. Ich glaube daran, dass die Blutsbande, die an der Front geschlossen wird, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den verschiedenen Gesellschaftskreisen hinter der Front festigen werden".

Gleichwohl waren die Erwartungen in der finnischen Öffentlichkeit zunächst düster. Der Finanzminister der Regierung Ryti, Rainer von Fieandt, schrieb in seinen Memoiren:

"Das Ergebnis unseres ungleichen Kampfes konnte kein anderes sein als die Niederlage Finnlands. Die Frage lautete nur, wie lange es uns gelingen würde, uns zu verteidigen, und ob die neue Regierung in dieser kurzen Zeit die Möglichkeit haben würde, Frieden zu schliessen".

Die in der Anfangsphase des Krieges erzielten Erfolge, als das Vorrücken des Feindes gestoppt und diesem schwere Verluste zugefügt worden waren, führten sodann zu einem völligen Umschwung in der Stimmungslage. In Politik, Militär und Presse schaffte sich die Auffassung Raum, der Krieg sei zu gewinnen. Da nur die wenigsten über die genaue Lage an den Fronten informiert waren, hielt diese Stimmung bis zum Ende des Krieges an.

Reform der sowjetischen Kräfte    
(aus Wikipedia)

Probleme der sowjetischen Streitkräfte
Ende Dezember zeigte sich für das sowjetische Oberkommando, dass sein Plan einer schnellen Niederringung Finnlands gescheitert war. Stalin äusserte sich in einer Konferenz mit Merezkow und seinem Stab:

"Die Autorität der Roten Armee ist eine Garantie der nationalen Sicherheit der UdSSR. Wenn wir für eine lange Zeit mit einem solch schwachen Gegner zu kämpfen haben, wird dies die antisowjetischen Kräfte der Imperialisten anstacheln".

Die sowjetische Führung hatte zu Kriegsbeginn die eigenen Kräfte überschätzt und hatte nur wenige Kenntnisse über die Stärken der finnischen Armee. Die Befestigungen der Mannerheim-Linie waren im Vorhinein nicht ausreichend durch Aufklärung kartographiert worden. Die sowjetischen Truppen hatten sich hierbei fast ausschliesslich auf Luftaufklärung verlassen, und so waren ihnen getarnte Stellungen vor dem Angriff kaum bekannt. Merezkow war sich zwar darüber im Klaren, dass Betonbefestigungen das Rückgrat der Linie bildeten, dennoch wurden die Truppen vor dem Krieg nicht im Kampf gegen solche Bunker trainiert. Die Aufklärung durch die Bodeneinheiten selbst wurde vernachlässigt, so dass die sowjetischen Truppen, insbesondere im Norden Finnlands, kein treffendes Bild der gegnerischen Einheiten hatten.

Die klimatischen Bedingungen des finnischen Kriegsschauplatzes wurden von der Sowjetunion ebenso missachtet. Starke Schneefälle machten das Gelände fast nur per Ski oder Schneeschuh begehbar. Fahrzeugen war das Terrain querfeldein kaum zugänglich. Die tiefen Temperaturen von −35 °C beanspruchten Maschinen und Menschen gleichermassen. Dazu kam, dass insbesondere im finnischen Norden kaum Strassen und Wege vorhanden waren. Während der ersten Phase des Krieges stand der Roten Armee keinerlei Wintertarnkleidung zur Verfügung. Zu allem Überfluss war selbst warme Winterkleidung in einigen Einheiten aufgrund von Logistikproblemen knapp. Da die sowjetischen Truppen fast keine Skier erhalten hatten und im Umgang mit diesen auch nie trainiert worden waren, blieb die Beweglichkeit der Armee auf dem Gefechtsfeld sehr beschränkt. Dies hatte besonders im unwegsamen Gelände Nordfinnlands katastrophale Auswirkungen. Ferner beschwerten sich sowjetische Offiziere über die mangelnden Fähigkeiten der Soldaten im Umgang mit feindlichen Minen. Die finnischen Deckungsgruppen legten beim Rückzug intensiv Minen und Sprengfallen, die unter den sowjetischen Soldaten grosse Verluste forderten und durch den psychologischen Effekt die Beweglichkeit der Soldaten noch weiter einschränkten.

Die Sowjetunion scheiterte aber nicht nur an den Eigenheiten des finnischen Kriegsschauplatzes, sondern auch an der eigenen Kriegsführung. Die sowjetische Militärdoktrin und Merezkows Plan sahen eine enge Kooperation zwischen Luftwaffe, Panzern, Infanterie, Artillerie und gegebenenfalls Marineeinheiten vor. Dies verwirklichte sich aber nicht auf dem Gefechtsfeld, meist gingen Panzer oder Fusssoldaten getrennt voneinander ohne entsprechende Artillerieunterstützung vor. Die Koordination zwischen den verschiedenen Truppenteilen war zu schwach. Offiziere gaben Befehle, die ein sinnvolles Zusammenwirken der verschiedenen Elemente unmöglich machten, und die Kommunikation zwischen den Einheiten sowie den übergeordneten Stellen brach oft zusammen. Verschlimmert wurden diese Probleme noch durch Materialausfälle von Funkgeräten, sowohl an der Front als auch in den Stäben. Der Grund dafür, dass die Rote Armee ihrem Standard nicht gerecht wurde, lag in einer mangelhaften Ausbildung vor dem Krieg begründet. Das Offizierskorps war nicht gross genug, um alle Rekruten entsprechend zu schulen. Ein leistungsfähiges Unteroffizierkorps fehlte durch den inneren Aufbau der sowjetischen Armee vollkommen. Infolgedessen wurde die Armee in Einheiten minderer und höherer Ausbildungsqualität unterteilt. Diese Einheiten wurden ohne Berücksichtigung ihrer tatsächlichen Fähigkeiten in Finnland zusammengewürfelt.

Grosse Teile des Offizierskorps waren während der Stalinschen Säuberungen der Jahre 1937/1938 politischen Verfolgungen zum Opfer gefallen. Sie mussten durch unerfahrene Nachrücker ersetzt werden. Die nachwirkende Atmosphäre der Bedrohung hemmte die Initiative der verbleibenden Befehlshaber. So beschwerte sich Merezkow nach dem Krieg darüber, dass Soldaten wie Offiziere zögerten, ihren Vorgesetzten offen die Wahrheit zu sagen. In einem internen Bericht an Stalin schilderte dessen enger Mitarbeiter Lew Mechlis, dass eine grosse Zahl der einfachen Soldaten den Krieg für ungerecht halte.

Dieselben Probleme betrafen die sowjetische Luftwaffe. Sie blieb stark hinter den Erwartungen zurück. Schlechtes Wetter, technische Probleme, geringer Ausbildungsstand und schlechte Kommunikation mit den Bodentruppen liessen ihr Eingreifen auf dem Schlachtfeld marginal werden. Die sowjetische Luftkampagne zielte darauf ab, die Mobilisierung der finnischen Armee in ihrem rückwärtigen Gebiet zu stören. Da die Armee aber zwei Wochen vor Kriegsausbruch mobilisiert wurde und sich zu Kriegsausbruch bereits in ihren Stellungen befand, lief diese Operation ins Leere. Auch parallel dazu unternommene Versuche, durch die Bombardierung von Städten und Eisenbahnlinien den finnischen Nachschub zu behindern, zeigten keine massgebliche Wirkung. Hauptziele der sowjetischen Bombardements waren Helsinki, Tampere, Turku und im späteren Kriegsverlauf Viipuri. Finnische Quellen sprechen insgesamt von 2075 Luftangriffen auf zivile Ziele. Der Ausfall an Arbeitsstunden in den Industriezentren des Landes betrug aber weniger als fünf Prozent. Aufgrund des finnischen Zivilschutzsystems, das Verdunkelungsmassnahmen und Rettungseinsätze regelte, hielten sich die zivilen Opfer in Grenzen. Die finnische Luftwaffe, die durch ausländische Lieferungen auf rund 200 Flugzeuge anwuchs, erzielte 240 Abschüsse bei 26 eigenen Verlusten. Schläge gegen das sowjetische Hinterland konnte sie aufgrund ihrer zahlenmässigen Unterlegenheit jedoch kaum durchführen. Insgesamt verlor die Rote Armee rund 800 Maschinen während des gesamten Krieges.

Weitgehend folgenlos blieb auch die Unterstützung durch Flotteneinheiten. Die Ladogaflottille hatte stark mit technischen Problemen und Navigationsfehlern zu kämpfen. Unter anderem lief ein Schlachtschiff wenige Tage nach Kriegsbeginn auf Grund. Auch die Einheiten der Baltischen Flotte griffen in den Krieg ein. Ihre Anstrengungen hatten aber wegen Nachschubproblemen, technischer Unzulänglichkeiten, schlechtem Ausbildungsniveau und mangelnder Aufklärung keinen Einfluss auf den Verlauf der Kämpfe. So warfen Flugzeuge der Flotte rund 64,5 Tonnen Bomben auf finnische Inseln im finnischen Meerbusen ab. Die Inseln waren jedoch grösstenteils evakuiert worden, und die einzige Küstenbatterie der Finnen auf den Inseln wurde durch diese Angriffe nicht ausgeschaltet. Ende Dezember kamen die Flottenoperationen durch Packeis weitgehend zum Stillstand.

Neue Planungen der sowjetischen Führung    
(aus Wikipedia)

Schon am 26. Dezember liess Stalin die Einheiten an der Karelischen Landenge neu organisieren. Das Kommando der 7. Armee wurde von Merezkow selbst übernommen. Dazu wurde noch eine neue Armee aufgebaut, die 13. unter V. D. Grendal. Am 7. Januar berief er Semjon Timoschenko zum Oberbefehlshaber über die Nordwestfront. In diesem Grossverband wurden die Einheiten des finnischen Kriegsschauplatzes nun zusammengefasst, analog zur weissrussischen Front und ukrainischen Front, die 1939 Ostpolen besetzt hatten. Damit hatte Stalin die Hoffnung, Finnland nur mit begrenzten Kräften aus dem Leningrader Militärbezirk zu besiegen, endgültig verworfen. Neue Einheiten wurden aus anderen Militärbezirken herangeschafft, und der neue Offensivplan unter Timoschenkos Ägide sah nun eine alleinige Offensive an der karelischen Landenge vor. Im Grunde genommen ähnelte sein Plan dem von Stalin vor dem Krieg abgelehnten Vorschlag Schaposchnikows.

Timoschenkos Grundidee war es, die Mannerheim-Linie durch zahlenmässige Überlegenheit zu brechen und die Truppen besser für die Erfordernisse des Schauplatzes auszubilden. Als Hauptfaktor sah er eine starke Überlegenheit der Artillerie vor. Diese sollte zuerst in einem langen Bombardement die feindlichen Stellungen schwächen. Sobald die Bodentruppen angriffen, sollten die Geschützbesatzungen den Vormarsch eng mit ihnen abstimmen und die Angriffe in Form einer Feuerwalze unterstützen. Im Gegensatz zu den Planungen der ersten Offensive sollten Kommandeure kleinerer Einheiten bis zum Zugführer Geschützfeuer anfordern können. Insgesamt gruppierte die Rote Armee rund 48 Geschütze pro Frontkilometer. Ebenso sollte Langstreckenartillerie Bewegungen hinter der Front der Finnen niederhalten. Die Bodentruppen wurden im Umgang mit Betonbefestigungen eigens an Modellen im Hinterland ausgebildet und spezielle Sturmgruppen wurden geschaffen. Diese Einheiten umfassten Gruppen aus normaler Infanterie, Panzern, Pionieren und Panzerabwehrgeschützen. Sie sollten die stärksten Punkte der feindlichen Linie brechen.

Des Weiteren wurde der Infanterie befohlen, Gräben und Feldbefestigungen möglichst nah an die finnischen Stellungen heranzutreiben, um das zu überquerende Niemandsland möglichst klein zu halten. Auch wurden neue Waffen an die Front geschafft, unter anderem Panzer vom Typ KW-1 und T-34. Manche dieser Fahrzeuge wurden zur Bekämpfung der Betonbunker mit Flammenwerfern ausgerüstet. Für den Schutz der Infanterie wurden gepanzerte Schlitten bereitgestellt, die von Panzern gezogen wurden. Um die Kampfmoral zu heben, wurden Auszeichnungen im Gefecht nicht nur durch Orden honoriert, sondern auch durch materielle Geschenke wie Uhren und Fahrräder. Um den Mangel an erfahrenen Offizieren zu mindern, wurden rund 4'000 Inhaftierte aus den Lagern des Gulag entlassen und an die Front geschickt.

Zweite sowjetische Offensive Anfang 1940    
(aus Wikipedia)

"Molotows Brotkörbe" für die finnische Zivilbevölkerung. Diese sarkastische Bezeichnung erhielt diese mit 200 2,5-kg-Bomben gefüllte Streubombe aufgrund einer Erklärung des sowjetischen Aussenministers als Reaktion auf die durch die Bombardierung ziviler Ziele hervorgerufenen weltweiten Proteste, die sowjetischen Flugzeuge würden doch nur Brotsäcke für die hungernde finnische Bevölkerung abwerfen. Insgesamt verloren 956 Zivilisten bei den Bombardements ihr Leben.

Mit den Verstärkungen verfügte die Rote Armee an der karelischen Landenge kurz nach Jahresbeginn 1940 über rund 600'000 Soldaten, 2'000 Panzer und 3'137 Geschütze. Die finnische Armee war zahlenmässig am Ende ihrer Ressourcen. Die sowjetischen Truppen konnten vor und während der Offensive ihre Fronttruppen rotieren. Die finnischen Einheiten standen seit Kriegsbeginn im Feld. Nur im am stärksten umkämpften Sektor von Summa wurde die dortige Division durch eine Reservedivision ersetzt. Das finnische Oberkommando hob zwei neue Divisionen aus, die aber nur aus älteren Reservisten bestanden und mangelhaft ausgerüstet waren. Einen Eindruck über die psychische Belastung der Soldaten gibt das Schicksal eines finnischen Zugführers. Dieser halluzinierte, seine Ehefrau sei auf dem Weg, ihnen mehr Waffen zu bringen. Daraufhin verliess er den schützenden Bunker und fiel dem russischen Artilleriefeuer zum Opfer.

Die sowjetische Armee begann am 15. Januar den kontinuierlichen Artilleriebeschuss der finnischen Linien, gleichzeitig erkundete sie systematisch durch Luftaufklärung und Aufklärung der Fronttruppen den Befestigungsapparat. Am 1. Februar leitete Timoschenko den ersten Angriff von Bodentruppen ein. Fünf Divisionen griffen im Zentrum der Mannerheim-Linie an. Dieser Angriff sollte laut Timoschenko nur eine Art Demonstration sein. Das sowjetische Kommando experimentierte dabei mit der Doktrin der Auftragstaktik, welche die deutsche Wehrmacht verwendete. Die untergeordneten Befehlshaber konnten dabei frei ihre Zwischenziele und den Einsatz ihrer Truppen zum Erreichen ihres Ziels planen. Die Angriffe brachten limitierte Gebietsgewinne und wurden von den sowjetischen Befehlshabern positiv bewertet. Zwischen diesen Angriffen und der eigentlichen Offensive auf breiter Front war eigentlich eine Pause vorgesehen. Timoschenko liess die Demonstrationsangriffe aufgrund ihres Erfolges dann aber nahtlos in die Grossoffensive übergehen. Am 11. Februar liess der sowjetische Befehlshaber die ganze Front angreifen. Am selben Tag durchbrachen die Divisionen, die seit dem 1. Februar kämpften, die vorderste Befestigungslinie der Mannerheim-Linie.

Mannerheim führte mit seiner einzigen kampferfahrenen Reservedivision einen Gegenangriff. Dieses Vorhaben derjenigen Einheit, die noch im Vorjahr Summa erfolgreich verteidigt hatte, schlug allerdings fehl. Als mögliche Gründe werden Munitionsmangel und ein Zögern Mannerheims zum Gegenangriff diskutiert. Infolgedessen zogen sich die finnischen Truppen auf die mittlere Linie ihrer Befestigungen zurück. Dieser Durchbruch wird generell als der militärische Wendepunkt des Krieges gesehen. Trotzdem kritisierte Timoschenko den Mangel an Koordination, der noch in der Truppe geherrscht habe. Er führte dies auf den Mangel an ausgebildeten Offizieren zurück. Um dieses Problem zu mildern, wurden die Regimentskommandeure angewiesen, das Kommando von mobilen Befehlsposten aus zu führen.

Am 19. Februar gelang es den sowjetischen Truppen, auch die mittleren Stellungen der Finnen zu durchbrechen. Ein Gegenangriff einer Reservedivision wurde durch die Bombardierung von deren Verkehrswegen verhindert. Am 25. Februar brachen die sowjetischen Truppen durch die rückwärtigen Befestigungen der Mannerheim-Linie, auf die sich die finnischen Einheiten am 20. Februar zurückgezogen hatten. Tags darauf setzte das finnische Oberkommando erstmals 15 Panzer zu einem Gegenangriff ein. Die Fahrzeuge britischer Fertigung vom Typ Vickers waren aber den sowjetischen Modellen technisch unterlegen. Ihr Einsatz wurde zur Katastrophe, denn die Geräusche der Fahrzeuge lösten in den eigenen Reihen Panik aus, da sie für sowjetische Panzer gehalten wurden. Nachdem Timoschenko seine Frontdivision durch frische Einheiten ersetzt hatte, befahl er die Fortsetzung des Angriffs auf breiter Front am 28. Februar.

Während der zweiten sowjetischen Grossoffensive offenbarten sich die Schwächen der finnischen Verteidigung an der Landenge. Die starke Konzentrierung auf die Mannerheim-Linie machte die Truppen unbeweglich. Da sich hinter der Linie kaum noch Befestigungen befanden, bestand kein Spielraum für ein Zurückweichen. So war den finnischen Offizieren in der Ausbildung eingeschärft worden, dass verlorene Stellungen durch Gegenangriffe zurückzuerobern seien. Diese Strategie wurde später dafür kritisiert, die Verluste unnötig erhöht zu haben.

Timoschenko bemerkte allerdings, dass ein Hauptziel der Offensive gegen die Befestigungen nicht erreicht worden war: Der Roten Armee war es nicht gelungen, grössere finnische Truppenteile einzuschliessen und somit die finnische Armee im Feld zu vernichten. Nachdem sie die Mannerheim-Linie überwunden hatte, begann die Rote Armee ihren Angriff auf das eigentliche Ziel der Offensive: die Stadt Viipuri. Sie wurde von den sowjetischen Truppen sowohl von Land als auch von der See her am 1. März eingeschlossen.

Den sowjetischen Truppen gelang es, ein ganzes Schützenkorps, eine Panzerbrigade und Kavallerie über den gefrorenen finnischen Meerbusen an die Stadt heranzubringen. Ebenso führte die Baltische Flotte zahlreiche kleinere amphibische Landungsunternehmen an der finnischen Küste durch. Diese Angriffe erfüllten ihr Ziel, nämlich finnische Reserven von der Front, um Viipuri abzuziehen.

Die vollständige Eroberung Viipuris gelang den sowjetischen Truppen allerdings nicht. Am Tag des Friedensschlusses, dem 13. März 1940, waren sowjetische Einheiten bis ins Zentrum der Stadt vorgedrungen, doch konnten sie den finnischen Widerstand in der Stadt nicht brechen. Den eigentlichen Plan, eine schnelle Eroberung von Viipuri bis zum 7. März konnten sie nicht erfüllen. Die militärische Situation der Finnen war aber nach dem Durchbruch so prekär, dass sich die finnische Regierung mehr und mehr gezwungen sah, Friedensverhandlungen aufzunehmen.

Unterstützung durch das Ausland    
(aus Wikipedia)

Sympathieveranstaltung in New York am 20. Dezember 1939 in New York: von links nach rechts: Ex-Präsident Herbert Hoover, Hendrik Willem van Loon und der Bürgermeister von New York City Fiorello LaGuardia.

Die öffentliche Meinung bekannte sich in vielen Staaten zur Unterstützung Finnlands. In den Vereinigten Staaten wurden Demonstrationen als Ausdruck der Solidarität mit Finnland gehalten und Benefizkonzerte gegeben. Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt rief ein "moralisches Embargo" auf den Handel mit der Sowjetunion aus, so dass der Handel von Januar 1940 bis zum 21. Januar 1941 eingestellt wurde. Die diplomatische Brandmarkung der Sowjetunion durch den Ausschluss aus dem Völkerbund stellte dabei die Spitze der diplomatischen Bemühungen dar. Dies blieb für den Kriegsverlauf aber folgenlos, da die Frage von Sanktionen der Mitgliedsstaaten gegen die UdSSR nicht einmal zur Sprache kam. Die Wirkungskraft des Beschlusses wurde auch dadurch geschwächt, dass die Mehrheit der Mitgliedsstaaten der Sitzung ferngeblieben waren. So wurde der Beschluss nur durch sieben von insgesamt fünfzehn Mitgliedern gefasst. Die Sowjetunion selbst liess der Ausschluss unbeeindruckt. Sie war dem Völkerbund erst 1934 in erster Linie mit dem Ziel beigetreten, sich vor dem erstarkenden Deutschland zu schützen; dieser Zweck war jedoch mit dem Hitler-Stalin-Pakt scheinbar obsolet geworden. Für den Niedergang des politischen Einflusses des Völkerbunds war die Entscheidung bezüglich des Krieges nicht massgeblich: Er war durch den Mitgliederschwund in den dreissiger Jahren, unter anderem den Austritt Deutschlands, Japans und Italiens bereits entscheidend geschwächt. Im Hinblick auf das Versagen des Völkerbundes, die aggressive Politik dieser drei Staaten einzudämmen, konnte das Vorgehen gegen die Sowjetunion sein Prestige auch nicht wiederherstellen.

Zahlreiche Nationen unterstützten Finnland aber in gewissem Mass materiell. Der grösste Beitrag wurde hierbei von Schweden geleistet. Zwar konnte Finnland die schwedische Regierung, die auf der Neutralität bestand, nicht zu einem aktiven Eingreifen in den Krieg bewegen, jedoch gestattete Schweden es, dass 8'000 schwedische Freiwillige in der finnischen Armee dienten. Diese Einheiten griffen zum Ende des Krieges in die Gefechte ein. 33 schwedische Staatsangehörige fanden dabei den Tod, 185 wurden verletzt. Insbesondere ein Kontingent an schwedischen Piloten erwies sich für die finnischen Streitkräfte als besonders wertvoll. Entscheidender war aber die Lieferung von Waffen und Ausrüstung: Das Nachbarland lieferte an die Finnen unter anderem 77'000 Gewehre, grosse Mengen an Munition und auch Flugabwehrgeschütze.

Andere Kontingente umfassten 800 Dänen und Norweger, 230 US-Amerikaner und 150 Italiener. Diese Einheiten kamen aber zu spät in Finnland an, als dass sie noch an den Kämpfen beteiligt gewesen wären. Ungarn stellte noch eine vergleichsweise grosse Zahl von 5'000 Mann in Aussicht, aber davon kamen nur 450 vor dem Friedensschluss in Finnland an und auch diese kamen nicht mehr zum Einsatz. Die Vereinigten Staaten stellten Finnland darüber hinaus einen Kredit von zehn Millionen US-Dollar zur Verfügung. Sie weigerten sich allerdings unter Berufung auf die Cash-and-carry-Klausel, direkt Waffen nach Finnland zu liefern. Die finnische Regierung konnte aber über den Ankauf von Nahrungsmitteln das Geld für Waffenkäufe einsetzen. Auch diese Lieferungen trafen nicht mehr vor Kriegsende an der Front ein.

Ebenso wurde die finnische Luftwaffe durch Flugzeuge aus dem Ausland verstärkt. Die bedeutendste Lieferung kam aus Frankreich in Form von 30 Morane-Saulnier-MS.406-Jagdflugzeugen. Das Vereinigte Königreich schickte 30 veraltete Gloster-Gladiator-Doppeldecker. Italien stellte 17 moderne Bomber des Typs Fiat BR.20 zur Verfügung. Diese Lieferungen stockten die kleine finnische Luftwaffe zwar auf, sie blieben aber in ihrer Wirkung marginal und änderten wenig an der materiellen Überlegenheit der sowjetischen Luftwaffe. Die Mehrzahl der 800 verlorenen Flugzeuge der sowjetischen Streitkräfte wurde durch finnische Flugabwehrgeschütze abgeschossen.

Grosse Hoffnungen setzte die finnische Seite in den Erhalt unmittelbarer militärischer Unterstützung aus Westeuropa. Frankreich und Grossbritannien signalisierten bereits am 19. Dezember 1939 die Möglichkeit, starke Hilfsverbände nach Finnland zu entsenden. Die Bedeutung und die Verfügbarkeit solcher Hilfe blieb für Finnland jedoch beständig im Dunkeln. Schweden und Norwegen hatten sehr deutlich gemacht, dass sie den Durchmarsch fremder Armeen nicht erlauben würden. Es hätte ausserdem rund drei Monate gedauert, die Truppen über Norwegen und Schweden heranzubringen und die notwendige Infrastruktur für ihre Versorgung aufzubauen. Die Westalliierten hatten ein erkennbares Interesse an der Fortsetzung der Kriegsaktivitäten im Norden. Durch eine Intervention in Skandinavien erhofften sie sich, den militärischen Druck auf den Kriegsgegner Deutschland zu erhöhen. Besonders verlockend erschien ein mögliches Abschneiden der Erzgebiete im nordschwedischen Kiruna von den deutschen Nachschubwegen. Als der französische Aussenminister Édouard Daladier den Finnen im Februar 1940 ein Expeditionskorps von 50.000 Soldaten versprach, fasste der britische General Henry Royds Pownall diese Offerten wie folgt zusammen:

"Von den vier oder fünf Divisionen, die vielleicht über die Nordsee gesandt worden wären, war nicht eine für Finnland bestimmt – vielleicht ein oder zwei Brigaden, wenn sie Glück hatten […] Der Rest war einfach dazu bestimmt, die Eisenerzminen zu besetzen und zu halten und Schweden und Norwegen zu unterstützen. Es ist wirklich ein höchst unehrliches Geschäft".

Am 3. März 1940 stellte die britische Regierung den Finnen eine Eingreiftruppe von rund 12'500 Mann in Aussicht, die aber bestenfalls erst im April hätte ankommen können. Die finnische Regierung fühlte sich durch das dauernde Taktieren getäuscht und verlor auch vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Tschechoslowakei und in Polen das Vertrauen in ein Eingreifen der Westmächte. Schliesslich stellte sich die militärische Lage Anfang März für Finnland bereits so dramatisch dar, dass westliche Hilfe nach Einschätzung des finnischen Oberkommandos jedenfalls zu spät gekommen wäre.

Der Weg zum Frieden    
(aus Wikipedia)

Nachdem die Vorkriegsverhandlungen abgebrochen worden waren, bestanden zwischen den beiden kriegführenden Staaten keine offiziellen diplomatischen Verbindungen mehr. Die finnische Regierung war hinsichtlich der Notwendigkeit eines schnellen Friedensschlusses gespalten. Die Siege an der nördlichen Front und das Halten der Mannerheim-Linie verführten weite Teile der Politik, des Militärs und der Medien zu der Vorstellung, der Krieg sei zu gewinnen. Eine treibende Kraft hinter den Friedensbemühungen war der ehemalige Chefunterhändler Juho Kusti Paasikivi, der sich keinen Illusionen hingab:

"Unsere Siege werden entsetzlich gross erachtet, und von unserem Blickwinkel aus sind sie herrlich. Sie haben aber keine Auswirkung auf das endgültige Ergebnis. Angesichts der Macht des riesigen russischen Staates haben diese Niederlagen keine Bedeutung".

Am 10. Januar öffnete die finnische Regierung unter Ministerpräsident Risto Ryti über die sowjetische Botschafterin in Stockholm, Alexandra Kollontai, einen ersten Kanal zu sowjetischen Stellen. Ende des Monats signalisierte Moskau die Bereitschaft, mit der Regierung Rytis einen Frieden zu schliessen. Damit wurde gleichzeitig die von Moskau installierte Gegenregierung unter Kuusinen fallengelassen. Am 12. Februar erhielt die finnische Seite erstmals Kenntnis von den von der sowjetischen Regierung aufgestellten Bedingungen. Diese beinhalteten Gebietsabtretungen, die deutlich über die von den Finnen vor dem Krieg abgelehnten Forderungen hinausgingen. Zwar wurden die Bedingungen zunächst mit Bestürzung aufgenommen, jedoch zwang die sich rasch verschlechternde militärische Lage zum Handeln. Am 28. Februar beriet Ryti mit Mannerheim, der feststellte, der Frieden müsse sehr bald, zur Not auch unter harten Bedingungen geschlossen werden.

Am 8. März traf eine offizielle finnische Delegation unter Führung von Ryti und Paasikivi in Moskau ein. Auf sowjetischer Seite führte Molotow die Gespräche, Stalin selbst nahm an ihnen nicht teil. Zu Zugeständnissen zeigte sich die russische Seite nicht bereit, stattdessen wurden noch einmal leicht verschärfte Bedingungen gestellt. Die finnische Seite zögerte noch, jedoch teilte die militärische Führung am 9. März mit, dass die Stärke der erschöpften Bataillone an der Landenge meist kaum noch 250 Mann betrug und an der Front der völlige Zusammenbruch drohte. Dieser Situationsbericht gab den Ausschlag. Am 13. März unterzeichnete die Delegation den Friedensvertrag von Moskau, der am selben Tag um 12:00 Uhr die Kampfhandlungen zwischen beiden Staaten beendete.

Folgen    
(aus Wikipedia)

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01_27/Abgetretene finnische Gebiete, 1940

Gebietsabtretungen
Durch den Friedensvertrag verlor Finnland grosse Teile Kareliens, darunter die gesamte Landenge und grosse Gebiete nördlich des Ladogasees. Die neue finnische Südostgrenze folgte im Wesentlichen der Grenze des Friedens von Nystad von 1721. Es handelte sich bei dem abgetretenen Gebiet also weitgehend um dieselben Gebiete, die 1721 von Schweden an Russland abgetreten und 1812 als Teil des sogenannten Altfinnlands durch Zar Alexander I. wieder an das Grossfürstentum Finnland angegliedert worden waren. Die abgetretenen Gebiete waren deutlich grösser als die ursprünglich von der Sowjetunion vor dem Krieg geforderten.

Die finnische Wirtschaft und Gesellschaft wurden durch diesen Verlust hart getroffen. Rund 420'000 Finnen flohen aus den verlorenen Gebieten und mussten von staatlicher Seite bei einer Neuansiedlung unterstützt werden. Mit den abgetretenen Gebieten verlor das Land rund zehn Prozent seiner Agrarwirtschaft und Industrie. Weiterhin abgetreten werden mussten zahlreiche strategisch wichtige Inseln im finnischen Meerbusen sowie die Fischerhalbinsel am Nordmeer. Hanko in Südwestfinnland wurde für dreissig Jahre an die Sowjetunion als Flottenstützpunkt verpachtet. Ausserdem musste Finnland sich bereit erklären, eine Eisenbahnverbindung zwischen der schwedischen Grenze bei Tornio und Murmansk zu bauen und zu betreiben. Ein militärisches Bündnis verlangten die sowjetischen Unterhändler im Gegensatz zu 1939 nicht mehr. Damit war die ursprünglich beabsichtigte militärische und gegebenenfalls auch politische Integration der Finnen in das kommunistische System gegenstandslos geworden.

Der Friedensvertrag löste in der finnischen Bevölkerung und weiten politischen Kreisen, die nicht im Detail über die verheerende militärische Lage informiert gewesen waren, Entsetzen aus. Am 13. März wurde im ganzen Land Trauerbeflaggung gehisst. Der finnische Präsident Kyösti Kallio erklärte, unmittelbar nachdem er die Ratifizierung des Friedensvertrages unterzeichnet und damit in Kraft gesetzt hatte, verbittert:

"Kuivukoon käteni, joka on pakotettu tällaisen paperin allekirjoittamaan".

"Möge meine Hand verdorren, die gezwungen ist, ein derartiges Papier zu unterschreiben".

Die Sowjetunion integrierte die abgetretenen Gebiete in die neugegründete Karelo-Finnische SSR, deren Vorsitz der einstige Chef der kommunistischen Gegenregierung Kuusinen übernahm. Die Annexionen verstärkten die sowjetische Verteidigungsposition gegenüber Finnland und gegenüber Seeangriffen aus der Ostsee. Als Deutschland im Juni 1941 die Sowjetunion angriff, erfolgte der deutsche Hauptstoss von Westen und nicht über Skandinavien, so dass die Annexionen aus der militärischen Perspektive keinen Vorteil für die Verteidigung der Sowjetunion bedeuteten.

Kriegsopfer    
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Die Verluste der Roten Armee wurden in den offiziellen Zahlen nach dem Krieg mit rund 48'000 Toten und rund 159'000 Verwundeten und Kranken angegeben. Diese Zahlen sind sowohl in der westlichen wie in der russischen Literatur umstritten. Russische Quellen gehen heute von rund 127'000 Toten und Vermissten sowie 265'000 Verwundeten und Kranken aus. Finnische Historiker nehmen noch höhere Zahlen an: rund 230'000–270'000 Tote und 200'000–300'000 Verwundete und Kranke, ein grosser Teil davon durch Erfrierungen und mangelnde Versorgung mit Kleidung und Nahrungsmitteln. Ungewiss ist das Schicksal von rund 5'000 repatriierten sowjetischen Kriegsgefangenen. In westlichen Quellen wird der Verdacht geäussert, diese seien nach dem Kriege grösstenteils in Lagern des NKWD ermordet worden.

Ein sowjetischer Offizier äusserte sich über das Kampfgebiet in Karelien nach dem Krieg:

"Die Tatsache, dass im folgenden Frühjahr und Sommer, als der Schnee zu schmelzen begann, viele Leichen unserer Soldaten aus den Sümpfen und Seen geborgen wurden, ist nicht in den offiziellen Kriegsberichten erwähnt. Die Überlebenden pflegten scherzhaft zu sagen, dass das Land, das wir den Finnen nahmen, gerade ausreichte, um unsere während des Feldzugs gefallenen Offiziere und Soldaten zu begraben".

Die Verluste der finnischen Streitkräfte wurden von finnischer Seite nach dem Krieg mit rund 25'000 Toten und rund 43'500 Verwundeten angegeben. Die Führung der Roten Armee gab an, die Finnen hätten zwischen 60'000 und 85'000 Todesopfer und 250'000 Verwundete zu beklagen. Die finnische Geschichtswissenschaft zählt heute 26'662 gefallene Soldaten. Die sowjetischen Bombenangriffe auf zivile Ziele forderten rund 900 Todesopfer und rund 1'800 Verwundete unter der Zivilbevölkerung. Die wirtschaftlichen Schäden durch die Luftoffensive behinderten aber die Kriegsanstrengungen der finnischen Seite nur marginal.

Reform der sowjetischen Streitkräfte    
(aus Wikipedia)

Durch die geringe Leistung und hohen Verluste der Roten Armee wurde deren Ruf unter den Grossmächten desavouiert, infolgedessen wurde sie unterschätzt. Ein interner Bericht der deutschen Wehrmacht konstatierte, dass die sowjetischen Streitkräfte gegen eine moderne und gut geführte Armee chancenlos seien. Es wird angenommen, dass diese Umstände die Bereitschaft Hitlers zum Angriff auf die UdSSR weiter steigerten. Auch im westlichen Lager litt der Ruf der Roten Armee. Als die Sowjetunion 1941 von Deutschland angegriffen wurde, schätzte der US-General George C. Marshall in einem Bericht an den Präsidenten Roosevelt, die Sowjetunion werde binnen drei Monaten zusammenbrechen. Britische Schätzungen aus dieser Zeit sprachen sogar von nur zwei Monaten.

Die sowjetischen Militärstellen reagierten auf den Krieg mit Versuchen, die Leistungsfähigkeit der Armee zu erhöhen. Es kam auch zu einem personellen Wechsel an der Spitze, als Stalin Woroschilow als Volkskommissar für Verteidigung durch Timoschenko ersetzte. In diesem Zuge wurden die letzten Überbleibsel der Idee einer sozialistischen Armee getilgt und der Schaffung der Disziplin durch Drill und autoritäre Führung mehr Raum gegeben. Um das Offizierskorps weiter zu stärken, wurde der Einfluss der Politoffiziere zurückgefahren und ein neues Beförderungssystem eingeführt, das Leistung mehr entlohnen sollte. Die Autorität der Offiziere im Feld sollte in den neuen Dienstvorschriften durch grössere Privilegien wie einen eigenen Unterstand und bessere Kost gegenüber den Mannschaften gestärkt werden. Die Offiziere erhielten ausserdem das Recht, über ihre Untergebenen selbstständig Strafmassnahmen zu verhängen. Um die Autorität der Truppenführer noch weiter zu stärken, führte die Rote Armee nach dem Winterkrieg Generals- und Admiralsränge ein.

Im Bereich von Strategie und Taktik sprachen sich Stalin und sein neuer Volkskommissar für eine Abkehr vom Bewegungskrieg des Russischen Bürgerkriegs aus und proklamierten eine eher statische Kriegsführung. Stalin war trotz der Fortschritte der kombinierten Waffen und des deutschen "Blitzkriegs" davon überzeugt, dass ein kommender Krieg zwischen den Grossmächten sich als Stellungskrieg abspielen werde. Ob der Winterkrieg die Kampffähigkeit der Roten Armee bis zum Angriff der deutschen Armee insgesamt durch die Reformen gestärkt oder durch die Verluste geschwächt hat, ist unter Historikern bisher umstritten.

Auswirkungen in Finnland    
(aus Wikipedia)


Nach dem Krieg hatte Finnland mit massiven Problemen zu kämpfen. Die Flüchtlingsströme aus den abgetretenen Gebieten führten zu inneren Spannungen und wirtschaftlichen Engpässen. Die durch Waffenkäufe und Kredite gestiegene Auslandsverschuldung hatte einen negativen Effekt auf den finnischen Staatshaushalt und dessen Möglichkeiten, die Krise zu kompensieren. Die territorialen Verluste verschlimmerten auch die militärische Lage. Eine Verteidigung des Landes gegen einen neuerlichen sowjetischen Angriff wäre weitaus schwieriger geworden. Infolgedessen leitete die finnische Regierung eine Politik der Aufrüstung ein. Die Armee wurde auf 400'000 Mann in etwa verdoppelt und auf eine schnellere Mobilisierung und höhere Bereitschaft ausgelegt.

Andererseits half das Erlebnis der gemeinsamen Bedrohung und das während des Krieges immer wieder beschworene Thema der nationalen Einheit, die inneren Zerwürfnisse infolge des Bürgerkrieges von 1918 zu überwinden. Die Verwundbarkeit des Landes war den Finnen ebenso deutlich vor Augen geführt worden wie die Tatsache, dass Finnland sich gegen einen sowjetischen Angriff nicht dauerhaft allein verteidigen konnte. Die diplomatischen Geplänkel um eine alliierte Intervention waren nicht geeignet, Vertrauen in eine Zusammenarbeit mit den Westmächten zu schaffen. So versuchten die Finnen, sich einerseits in Skandinavien Verbündete zu suchen und sich andererseits wieder an Deutschland anzunähern. Ersteres wurde nach der Intervention deutscher Truppen in Skandinavien ("Unternehmen Weserübung") mit der Besetzung Dänemarks und Norwegens unmöglich. Die Zusammenarbeit mit Deutschland wurde dagegen schon bald Realität und mündete im Juni 1941 in der Beteiligung Finnlands am deutschen Angriff auf die Sowjetunion und dem Beginn des finnisch-sowjetischen Fortsetzungskrieges.

Bewertungen    
(aus Wikipedia)

Der Winterkrieg hat in der Geschichtsschreibung zwei vollkommen gegensätzliche Bewertungen erfahren. In der Sowjetunion und den mit ihr verbündeten Staaten wurde das sowjetische Vorgehen als legitime Wahrnehmung der geostrategischen Interessen und als Sicherung der militärstrategischen Lage Leningrads betrachtet. Leningrad, das nur 50 Kilometer von der alten finnischen Grenze entfernt lag, sei einem Angriff von finnischem Boden aus schutzlos ausgeliefert gewesen. Finnland habe unter dem Einfluss sowohl der westlichen Mächte als auch als des nationalsozialistischen deutschen Imperialismus gestanden und hätte daher einen wichtigen Aufmarschraum im Falle eines Krieges gegen die Sowjetunion dargestellt. Nach dieser Bewertung hätte der Krieg durch angemessene Zugeständnisse der finnischen Regierung vermieden werden können. Auch finnische Historiker mit prosowjetischer Einstellung haben sich in der Nachkriegszeit dieser Bewertung angeschlossen.

Die bürgerliche finnische und westliche Geschichtsschreibung hält den Angriff der Sowjetunion dagegen für den Ausdruck einer imperialistischen Politik Stalins und Molotows. Ein Einlenken in den Verhandlungen des Herbstes 1939 hätte nach dieser Ansicht die Stellung Finnlands entscheidend geschwächt und das Land neuen Gefahren ausgesetzt. Hier wird insbesondere darauf verwiesen, dass, nachdem der Krieg begonnen hatte, Stalin nachweislich zunächst das Ziel der vollständigen Besetzung Finnlands verfolgt habe.