Leih- und Pachtgesetz (18.02.1941)

(aus Wikipedia)

02_03/US-Präsident Roosevelt bei der Unterzeichnung des Lend-Lease Act

Das Leih- und Pachtgesetz (englisch Lend-Lease Act, offiziell An Act to Promote the Defense of the United States – Ein Gesetz, um die Verteidigung der Vereinigten Staaten zu fördern) wurde vom US-Kongress am 18. Februar 1941 verabschiedet. Es ermöglichte den Vereinigten Staaten, kriegswichtiges Material wie Waffen, Munition, Fahrzeuge, Treibstoffe, Nahrungsmittel, Flugzeuge etc. an die gegen die Achsenmächte (Deutschland, Italien, Japan) kämpfenden Staaten zu liefern. Grossbritannien, die UdSSR, China und viele andere Staaten erhielten aufgrund des Leih- und Pachtgesetzes Güter in einem Gesamtwert von knapp 50 Milliarden US-Dollar US-Dollar (ohne Transportkosten). Das Programm lief im August 1945 aus.

Das Gesetz    
(aus Wikipedia)

Das Gesetz, das von US-Präsident Roosevelt unterstützt wurde, ging auf eine direkte Initiative des britischen Premierministers Winston Churchill zurück und trat am 11. März 1941 in Kraft. Es besagte, dass der amerikanische Präsident "jeder Nation, deren Verteidigung er für die Vereinigten Staaten für lebenswichtig" halte, jede Art von Waffen verkaufen, schenken oder vermieten durfte, sofern der Wert nicht 1,3 Mrd. US-Dollar in Summe überschritt. Damit wurden die Neutralitätsgesetze aufgehoben und eine schon seit Monaten geübte Praxis legalisiert, die den britischen Abwehrkampf gegen das Deutsche Reich in den besonders kritischen Monaten zwischen dem Sommer 1940 und dem Sommer 1941 entscheidend stärkte. Am 2. September 1940 wurden im Rahmen des Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommens 50 veraltete amerikanische 1200-Tonnen-Zerstörer als Gegenleistung für bis dahin britische Basen an die alliierten Regierungen übertragen.

Grossbritanniens materielle und finanzielle Kräfte waren nach der Niederlage des Hauptverbündeten Frankreich im Juni 1940 weitgehend erschöpft. Die Möglichkeit, Kriegsschiffe und andere kostspielige Waffensysteme von den USA zunächst zu leihen oder zu leasen und erst später zu bezahlen, schuf in dieser Situation die dringend benötigte Abhilfe.

Das Gesetz galt zunächst nur für Grossbritannien und die Staaten des Commonwealth, für die es 1943 noch einmal verlängert wurde. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde es im Zeichen der Anti-Hitler-Koalition seit November 1941 auch auf dieses Land angewandt. Verstärkt in den Jahren 1942/1943 wurde die Sowjetunion über die Eismeerhäfen Murmansk und Archangelsk, über Wladiwostok am Pazifik sowie über den Persischen Korridor mit der Eisenbahnlinie von Bandar-e Schahpur (heute: Bandar-e Imam Chomeini) am Persischen Golf über Teheran nach Bandar Pahlawi (heute Bandar Anzali) am Südufer des Kaspischen Meeres in grossem Umfang mit Kriegsgütern und Lebensmitteln aus den USA versorgt. In der Encyclopædia Britannica wird der Lend-Lease-Act als "praktisch eine Kriegserklärung" der USA an Deutschland bezeichnet, auch Churchill bezeichnete die Massnahme in seiner ersten Reaktion als eine solche.

Leistungen
Leistungen der USA nach dem Leih- und Pachtgesetz

Empfängerland

Waren in Mio. US-Dollar

Empfängerland

Waren in Mio. US-Dollar

Britisches Commonwealth

          31 387,1

Brasilien

               372,0

Sowjetunion

          10 982,1

Mexiko

                 39,2

Frankreich mit Kolonien

            3 223,9

Chile

                 21,6

China

            1 627,0

Peru

                 18,9

Niederlande mit Kolonien

               251,1

Kolumbien

                  8,3

Belgien

               159,5

Ecuador

                  7,8

Griechenland

                 81,5

Uruguay

                  7,1

Norwegen

                 47,0

Kuba

                  6,6

Türkei

                 42,9

Bolivien

                  5,5

Jugoslawien

                 32,2

Venezuela

                  4,5

Saudi-Arabien

                 19,0

Guatemala

                  2,6

Polen

                 12,5

Paraguay

                  2,0

Liberia

                 11,6

Dominikanische Republik

                  1,6

Iran

                  5,3

Haiti

                  1,4

Äthiopien

                  5,3

Nicaragua

                  0,9

Island

                  4,4

El Salvador

                  0,9

Irak

                  0,9

Honduras

                  0,4

Tschechoslowakei

                  0,6

Costa Rica

                  0,2

Insgesamt

                                                                                                                   48 395,4

Der Wert der Hilfe beläuft sich umgerechnet auf das Jahr 2019, auf ca. 816 000 000 000 Dollar (816 Milliarden Dollar).

Zitat
Präsident Roosevelt war immer darauf bedacht, seine Politik vor dem Volk und der Presse zu rechtfertigen. Für das Leih- und Pachtgesetz warb er mit folgen-der Erklärung:

"Wenn es bei meinem Nachbarn brennt, dann werde ich ihm selbstverständlich meinen Gartenschlauch leihen und nicht zu ihm sagen: ‚Herr Nachbar, der Schlauch hat $15 gekostet, Sie müssen mir jetzt die $15 zahlen.‘ … Ich will nicht die $15 – ich will meinen Gartenschlauch zurück, wenn Sie das Feuer gelöscht haben".

Der Präsident sicherte sich so die Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit, obwohl diese vor dem Angriff auf Pearl Harbor eher isolationistisch eingestellt war und eine direkte Kriegsbeteiligung der USA ablehnte.

Die Hilfslieferungen an das britische Commonwealth
Die Lieferungen im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes dürften ein sehr wichtiger Faktor beim Durchhalten des britischen Empire und beim späteren Erfolg der Alliierten Streitkräfte gewesen sein. Insbesondere die 43 Zerstörer für die Royal Navy Grossbritanniens und die sieben Zerstörer für die Royal Canadian Navy, die vollständig ausgerüstet und im einsatzbereiten Zustand übergeben wurden, benötigte man dringend. Die meisten dieser Zerstörer wurden zum Geleitschutz gegen deutsche U-Boote in der Atlantikschlacht eingesetzt, um die bedrohten kriegswichtigen Warenlieferungen über den Atlantik zu schützen.

So wurde allein in den Jahren 1943 bis 1944 ein Viertel der britischen Munition von den USA geliefert. Ein weiterer Schwerpunkt betraf die Bereitstellung von Flugzeugen, Lastkraftwagen und Schiffen sowie die Lieferung von Lebensmitteln für die Truppe. In vielen Fällen wurden die Logistik sowie ein Grossteil der Transportkapazität sowohl mit Lastkraftwagen als auch mit Lokomotiven und Waggons über das Leih- und Pachtgesetz von den USA zur Verfügung gestellt.

Ein Grossteil der Lieferungen umfasste allerdings Lebensmittel für die briti-sche Zivilbevölkerung. Nach dem Ende des Krieges war Grossbritannien voll-ständig abhängig von Lebensmittellieferungen aus den USA. Als am 29. Au-gust 1945 die USA die Lieferungen im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes einstellte, wurde John Maynard Keynes in die USA entsandt, um ein Darlehen ("Anglo-American Loan") auszuhandeln, mit dem die weiteren Lebensmittellie-ferungen aus den USA finanziert werden konnten. Ferner wurden sämtliche nach Grossbritannien gelieferten Ausrüstungsgegenstände an Ort und Stelle belassen und zu einem Sonderpreis von 10 Prozent des eigentlichen Wertes an die Briten verkauft. Des Weiteren stellten die USA, damals weltgrösster Produzent, 90 Prozent der Treibstoffversorgung der westlichen Alliierten.

Hilfslieferungen an die Sowjetunion