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Schlachten im Jahr 1941

Schlacht von Keren (02.02.1941 – 27.03.1941)    
(Wikipedia)

02_09/Kartenausschnitt Keren Eritrea

Bei Keren in Eritrea kämpften vom 2. Februar bis zum 27. März 1941 Truppen des Britischen Empires gegen italienische Verbände. Es war eine der bedeutendsten Schlachten im Ostafrikafeldzug des Zweiten Weltkrieges.

Hintergrund
1940 eroberte Italien Britisch-Somaliland und einige Landstriche an den Grenzen zu Kenia und zum Sudan, darunter die strategisch wichtige Stadt Kassala. Im Verlauf des britischen Gegenangriffs eroberten die Briten diese Stadt nahe der eritreischen Grenze wieder zurück und starteten von dort aus eine Invasion der italienischen Kolonie Eritrea. Durch die Einnahme der Hafenstadt Massaua sollte u. a. auch der dortige italienische Flottenstützpunkt ausgeschaltet werden. Dem britischen Vormarsch am Roten Meer wollte die italienische Führung bei der strategisch wichtigen Stadt Keren begegnen, wo auch das für die Verteidigung günstigere Terrain ausgenutzt werden konnte.

Verlauf der Schlacht
Eine verstärkte italienische Division besetzte die Bergketten um die Zugangsstrasse nach Keren, während sechs Brigaden in Reserve gehalten wurden. Am 2. Februar versuchten gepanzerte britische Verbände, in die Schluchten einzudringen, was an italienischen Minensperren scheiterte. Am 3. Februar versuchte die 4. indische Division, einige der Berge einzunehmen, was nach vier Tagen schwerer Kämpfe scheiterte. Am 7. Februar begann die 5. indische Brigade einen Nachtangriff auf den rechten italienischen Flügel. Einige Gipfel wurden genommen (Aqua Col), doch warfen die Italiener die indischen Truppen im Lauf des Gefechts wieder zurück. Am 10. Februar trat die Brigade zu einem erneuten Angriff auf den Aqua Col an, musste sich aber wiederum unter schweren Verlusten zurückziehen (hierfür Verleihung des Victoria-Kreuzes). Danach stellten die Briten ihre Angriffe vorübergehend ein und führten Verstärkungen heran, darunter ein britisches und ein indisches Bataillon sowie eine freifranzösische Brigade.

Mitte März begann ein alliierter Grossangriff. Die 4. indische Division griff auf der linken Flanke an, während die 5. auf der rechten Seite Dologorodoc einnehmen sollte, um dann auf Falestoh und Zeban vorzustossen. Die nur 12 km vor Keren liegende 7. indische Brigade sollte einen Ablenkungsangriff durchführen.

Am 15. März stürmten die beiden indischen Divisionen nach einem Luftangriff und Artillerievorbereitung die Bergketten und erreichten alle ihre Ziele. Drei Gipfel gingen nach einem italienischen Gegenangriff wieder verloren. Am 16. März blieb der weitere Vormarsch auf Dologorodoc im italienischen Abwehrfeuer stecken. Am folgenden Tag warfen die Briten ihre Reserven in die Schlacht, kamen aber wegen ständiger italienischer Gegenangriffe kaum voran. Diese schweren Kämpfe dauerten weitere fünf Tage, wobei beide Seiten erhebliche Verluste zu verzeichnen hatten. Allein die Italiener hatten 2/3 ihrer Truppen verloren. Am Abend des 26. März gelang es indischen Pionieren, unter schwerem italienischen Mörser- und Artilleriefeuer eine Bresche zu schlagen, durch die am Morgen des 27. März die Panzer des Royal Tank Regiment in Richtung Keren rollten. Nach diesem Durchbruch zogen sich die italienischen Verbände geordnet zurück und evakuierten Keren noch vor Eintreffen der britischen Panzer.

Folgen
Nach den mehrwöchigen Kämpfen hatten die Alliierten 536 Tote und 3.299 Verwundete zu beklagen, auf italienischer Seite waren mehr als 3.000 Soldaten gefallen und fast alle anderen verwundet.

Die italienischen Verbände, die in Keren den britischen Vormarsch zwei Monate aufgehalten hatten, zogen sich nach Abessinien zurück. Am 1. April erreichten die Briten Asmara und marschierten von dort nach Massaua weiter. Der dortige italienische Befehlshaber, Admiral Bonetti, wies eine britische Aufforderung zur Niederlegung der Waffen und zur Übergabe der italienischen Kriegsschiffe zurück. Die fünf in Massaua stationierten italienischen Zerstörer liefen am 2. April zu einem Angriff auf Port Sudan aus, wurden aber von britischen Aufklärungsflugzeugen entdeckt. Britische Torpedoflugzeuge versenkten vier der Zerstörer, der fünfte wurde schwer beschädigt und versenkte sich dann selbst. Das kleine italienische U-Boot-Geschwader fuhr um das Kap der Guten Hoffnung nach Bordeaux und schloss sich dort einem im Atlantik operierenden italienischen U-Boot-Verband an.

Zwei indische Brigaden und die freifranzösische Brigade marschierten indes weiter auf Massaua zu. Am 8. April eroberten sie mit britischer Luftunterstützung die eritreische Hafenstadt. Italienisch-Ostafrika war erobert und damit auch die Gefahr für die britischen Verbindungen nach Indien und zum Pazifik beseitigt. Die alliierten Truppen wurden in der Folge schrittweise nach Nordafrika verlegt, wo sie gegen Rommels deutsche und italienische Truppen weiterkämpften.

Belagerung von Tobruk (10.04.1941 – 27.11.1941)    
(Wikipedia)

02_10/Kartenausschnitt mit Tobruk

Die Belagerung von Tobruk war eine Auseinandersetzung zwischen den Achsenmächten und den Alliierten während des Afrikafeldzugs im Zweiten Weltkrieg. Sie dauerte – vom Beginn der Belagerung der Stadt Tobruk durch eine italienisch-deutsche Armee unter dem Kommando von Erwin Rommel am 11. April bis zum Entsatz der Stadt im Rahmen der Operation Crusader durch die alliierte 8. Armee unter dem Kommando von Claude Auchinleck am 27. November 1941 – insgesamt 230 Tage.

Hintergrund
Italien hatte Frankreich und Grossbritannien am 10. Juni 1940 den Krieg erklärt. Der italienische Diktator Benito Mussolini ging von einem nur kurzen Krieg aus und hoffte, durch ein Bündnis mit dem Deutschen Reich einige der Gebietsansprüche Italiens befriedigen zu können. In Nordafrika bestanden diese zum einen aus einer Vergrösserung der Kolonie Italienisch-Libyen Richtung Westen um das französische Protektorat Tunesien. In östliche Richtung strebte Italien eine Kontrolle über Ägypten und den strategisch wichtigen Sueskanal an, sowie die Herstellung einer direkten Landverbindung zu seinen Kolonien in Ostafrika. Nachdem Frankreich im Westfeldzug geschlagen worden war und Tunesien zum nun verbündeten Vichy-Frankreich gehörte, richteten sich die italienischen Expansionsziele in Nordafrika ganz auf Ägypten. Am 9. September 1940 marschierte Italien schliesslich mit der 10. Armee in Ägypten ein.

Kriegsverlauf in Nordafrika
Die Invasion verlief allerdings wenig erfolgreich und kam aufgrund der schlechten Versorgung und Ausrüstung der Truppen nur wenig mehr als 100 km hinter der ägyptisch-libyschen Grenze zum Stehen. Am 8. Dezember starteten die Alliierten mit der Operation Compass eine Gegenoffensive. Das ursprünglich auf nur wenige Tage begrenzte und der Vertreibung der italienischen Armee aus Ägypten gerichtete Unternehmen erwies sich als derart erfolgreich, dass der Vormarsch bis nach Libyen fortgesetzt wurde. Bis Anfang Februar 1941 hatten die alliierten Truppen die Kyrenaika bis einschliesslich El Agheila besetzt und die 10. italienische Armee nahezu restlos aufgerieben.

Die vollständige Einnahme Italienisch-Libyens unterblieb allerdings, da Teile der in Nordafrika eingesetzten alliierten Truppen zur Abwehr des sich ankündigenden Balkanfeldzugs des Deutschen Reichs im April 1941 benötigt wurden. Während die Alliierten somit ab Februar 1941 Truppen zur Verteidigung Griechenlands abzogen, verschiffte Deutschland im so genannten Unternehmen Sonnenblume zur gleichen Zeit heimlich erste Truppenkontingente nach Tripolis und begründete das Deutsche Afrikakorps.

Militärische Ausgangslage
Das britische Middle East Command hatte im April 1941 nur noch wenige und schlecht ausgebildete Verbände in der Kyrenaika stationiert. Durch andauernde Angriffe der Luftwaffe auf Bengasi konnte der Hafen nicht mehr von alliierten Schiffen angelaufen werden, was die Versorgung der Truppen insbesondere mit Kraftstoff für die Fahrzeuge zunehmend schwierig gestaltete. Die Royal Air Force hatte ihre gesamten Kräfte nach Griechenland verlegt, so dass die Lufthoheit in Nordafrika bei den Achsenmächten lag, was die Versorgungs- und Kommunikationslinien der Alliierten noch zusätzlich einschränkten.

Am 24. März, etwa sechs Wochen nachdem die ersten deutschen Truppen in Tripolis gelandet waren, ging ein italienisch-deutscher Verband unter dem Kommando von Erwin Rommel zur Gegenoffensive in der Kyrenaika über. Angesichts der schwierigen Lage zogen sich die alliierten Truppen schrittweise in Richtung Bardia zurück. Am 8. April nahmen die Achsenmächte Mechili ein und die dort verbliebenen etwa 2700 alliierten Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft. Nur zwei Tage später erreichten die ersten Spitzen von Rommels Verband den strategisch bedeutsamen Tiefwasserhafen Tobruk.

Beteiligte Streitkräfte
Achsenmächte

02_11/Karte des ägyptisch-libyschen Grenzgebiets 1940/41

Die von Erwin Rommel in Nordafrika geführten deutsch-italienischen Truppen setzten sich aus dem Deutschen Afrikakorps, sowie dem italienischen XX. und XXI. Korps zusammen. Die Ankunft der deutschen Truppen in Afrika ("Unternehmen Sonnenblume") zogsich da bei von Anfang Februar bis Ende Mai 1941 hin, so dass Rommel beim Beginn der Belagerung von Tobruk nicht über volle Divisionen verfügte, zugleich aber ständig frisch in Tripolis eingetroffene Verstärkungen zu den Belagerungstruppen stiessen.

Alliierte
Die in Tobruk stationierten alliierten Truppen waren überwiegend unerfahrene, gerade erst neu aufgestellte Verbände. So war die Australische Division ursprünglich nach Nordafrika zur Beendigung ihres Trainings verlegt worden und wartete zu Beginn der Belagerung noch auf das Eintreffen ihrer Artillerie- und Kavallerieverbände. Auf Bitte des australischen Parlaments wurden sie schliesslich im September und Oktober 1941 aus der belagerten Stadt abgezogen und durch die britische 70. Division, sowie je eine tschechoslowakische und polnische Brigade ersetzt. Das XIII. Korps griff erst im Rahmen der Operation Crusader ab November 1941 in die Kämpfe um Tobruk ein.

Die Verteidigungsanlagen der Stadt waren überwiegend von den Italienern angelegt worden und wurden von den Alliierten noch durch zusätzliche Gräben und Minenfelder verstärkt. Sie bestanden aus zwei Linien, wobei die vordere aus einer Reihe von betonierten Bunkern und Stellungen bestand, vor denen Panzergräben und Stacheldrahtverhaue lagen. Der innere Ring wurde von einer weiteren Bunkerreihe gebildet, zwischen denen zusätzliche Stellungen für Panzerabwehrgeschütze vorbereitet wurden.

Verlauf der Belagerung
Bereits am 10. April 1941 fiel im Vorfeld von Tobruk der Kommandeur der 15. Panzer-Division General von Prittwitz und Gaffron, als sein Wagen bei einer Erkundungsfahrt von einer PaK getroffen wurde. Die ersten Angriffe der Achsenmächte auf Tobruk begannen am 11. April 1941 und konzentrierten sich auf den südlichen Abschnitt der Befestigung. Auch um die Stärke der Verteidigung abzuschätzen, wurden an diesem ersten Tag der Belagerung drei Angriffe entlang der Strasse nach El Adem unternommen, die alle von den australischen Verteidigern abgeschlagen werden konnten. In den folgenden Tagen liess Rommel verschiedene Taktiken ausprobieren, um die beiden Verteidigungsringe um Tobruk zu durchbrechen. Dazu gehörte unter anderem auch ein Kommandounternehmen von Pionieren, die mit einer grösseren Menge Sprengstoff eine Bresche in die Panzerabwehrgräben sprengen sollten. Die Alliierten beantworteten diese Versuche mit dem weiteren Auslegen von Minen im Gelände und aggressiven Patrouillen, die sie immer wieder nah an den Feind heranbrachten und dadurch mögliche Angriffe frühzeitig aufdeckte. Am 13. April liess Rommel einen weiteren gross angelegten Angriff auf den südlichen Abschnitt der Verteidigung starten, mit dem Ziel, wenn schon nicht durchbrechen zu können, so doch wenigstens einen Brückenkopf für weitere Operationen zu sichern. Auch dieser Angriff wurde schliesslich nach heftigen Gefechten abgeschlagen.

Nach diesen Fehlschlägen verlagerte Rommel seine Bemühungen auf den westlichen Abschnitt der Verteidigung. Am 15. April griffen etwa 1000 italienische Soldaten die australischen Stellungen bei Ras el Madauar an. Obwohl es ihnen gelang einen Posten zu überrennen, wurden sie schliesslich von alliierten Verstärkungen und konzentriertem Artilleriefeuer zurückgeworfen. Ein weiterer geplanter Angriff der italienischen Division "Trento" wurde durch eine alliierte Patrouille entdeckt und konnte frühzeitig aufgefangen werden. Die Angriffe der Achsenmächte scheiterten nicht zuletzt an dem wenig koordinierten Zusammenspiel zwischen deutschen Panzertruppen und italienischer Infanterie. So feuerten teils deutsche Panzer irrtümlich auf sich zurückziehende italienische Truppen oder Panzerangriffe gingen durch viel zu spät vorgehende italienische Infanterie fehl.

Rommel liess nach diesem erneuten Fehlschlag zunächst alle weiteren Angriffsbemühungen ruhen. Zum einen war dies auf den Besuch des Oberquartiermeisters I Friedrich Paulus zurückzuführen, der Rommels Pläne zur Eroberung Tobruks prüfen sollte. Das Oberkommando der Wehrmacht zeigte sich besorgt angesichts des stockendes Vormarschs des Afrikakorps, auch, weil die dort gebundenen Truppen dringend für die bevorstehende Invasion der Sowjetunion benötigt wurden. Zum anderen trafen zeitgleich weitere Kontingente der nach Afrika verlegten 15. Panzer-Division ein, die Rommel für den nächsten Angriff auf Tobruk nutzen wollte.

Am Abend des 30. April schliesslich wurde der Angriff auf Tobruk wieder aufgenommen. Die 15. Panzer-Division führte dabei zusammen mit der 5. Leichten Division und unterstützt von italienischer Infanterie den Angriff erneut aus westlicher Richtung. In einem ersten Stoss gelang es, die australischen Verteidiger aus einer ganzen Reihe von befestigten Stellungen zu verdrängen und den erhofften Brückenkopf zu sichern. Alle weiteren Versuche diese Position auszubauen, scheiterten aber. In den folgenden Tagen kam es zu andauernden und mit grosser Härte geführten Gefechten, ohne dass eine der beiden Seiten nennenswerte Geländegewinne verbuchen konnte. Am 4. Mai schliesslich liess Rommel alle weiteren Angriffe einstellen und seine Truppen sich für eine längere Belagerung von Tobruk eingraben.

Belagerung Tobruks
Rommel nutzte die folgenden Monate, um seine Truppen durch die nach und nach eintreffenden Verstärkungen aus Deutschland zu verstärken. Gleichzeitig sollte das Zusammenspiel zwischen italienischer Infanterie und deutschen Panzern durch intensives Training verbessert werden. Einen erneuten Angriff auf Tobruk wollte Rommel erst im November 1941 wieder versuchen. Er liess daher lediglich eine Reihe von italienischen Divisionen zurück, um die Belagerung von Tobruk aufrechtzuerhalten, während die Panzertruppen zur Frontlinie an der libysch-ägyptischen Grenze verlegt wurden.

In dieser Zeit starteten die Alliierten zwei Versuche, die belagerte Stadt zu entsetzen. Die im Mai gestartete Operation Brevity konnte allerdings kaum Geländegewinne verbuchen und endete schliesslich mit der Einnahme des Halfaya-Passes, der aber noch im gleichen Monat von deutschen Truppen zurückerobert werden konnte. Der nächste Versuch eines alliierten Entlastungsangriffs, die Operation Battleaxe endete mit dem Verlust des grössten Teils der alliierten Panzertruppen in Ägypten und einem erfolgreichen deutschen Gegenangriff, bei dem die Angreifer nur knapp der Einkesselung entgehen konnten. Aufgrund des Fehlschlags der Operation Battleaxe wurde Archibald Wavell vom Middle East Command entbunden und durch Claude Auchinleck ersetzt.

Die in Tobruk eingeschlossenen Truppen selbst versuchten ebenfalls einige der bei den Angriffen im Mai verloren gegangenen Verteidigungspositionen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Zwar konnten einige Stellungen zurückerobert werden, der Brückenkopf der Achsenmächte blieb insgesamt aber stabil. Ein letzter Angriff der Alliierten im August endete schliesslich in einem Fehlschlag mit hohen Verlusten, was den britischen Kommandeur Leslie Morshead schliesslich dazu bewog, auf weitere offensive Operationen gegen die Belagerer zu verzichten. Als Reaktion auf diese Gefechte bat das australische Parlament schliesslich um den Abzug der australischen Division, welche im Verlauf des Septembers und Oktobers grösstenteils vollzogen wurde. Die Verteidigung der Stadt wurde durch die 70. britische Infanteriedivision sowie je einer Brigade der polnischen und tschechoslowakischen Exilregierungen übernommen. Morshead wurde von Ronald Scobie als kommandierendem Offizier abgelöst.

Versorgung und Situation in der belagerten Stadt

02_12/Feldbahnzüge vor der Senussihöhle

Aufgrund seines Tiefwasserhafens und der Kontrolle der Royal Navy über das östliche Mittelmeer konnte Tobruk fortwährend über See versorgt werden. Um Verluste an Schiffen durch Angriffe der deutschen Luftwaffe zu vermeiden, wurde Tobruk bald von kleinen Konvois – mit dem Spitznamen "Tobruk Ferry Service" – in Begleitung von ein bis zwei britischen und australischen Kriegsschiffen nachts angefahren. Die übliche Versorgungsstrecke hatte ihren Ausgangspunkt dabei in Alexandria. Die Schiffe fuhren dort früh morgens beladen mit Versorgungsgütern los und trafen in der folgenden Nacht in Tobruk ein. Dort wurde die Ladung umgehend gelöscht und unter anderem durch die Senussi Cave Railway in ein Bomben sicheres Lager gebracht. Verwundete wurden aufgenommen, damit die Schiffe sofort wieder nach Marsa Matruh auslaufen konnten. Dort wurden sie erneut beladen, um nachts ein weiteres Mal Tobruk anlaufen zu können. Anschliessend kehrten sie nach Alexandria zurück, um dort die Fahrt von neuem zu beginnen. Auch wenn in Tobruk die Lage durch Kämpfe und Luftangriffe schwierig war, stellten die gut eingespielten Versorgungskonvois doch eine vergleichsweise gute Versorgung der Truppen sicher.

Entsatz der belagerten Stadt
Bevor Rommel im November des Jahres seine Truppen zu einem erneuten Sturm auf Tobruk ansetzen konnte, starteten die Alliierten am 18. November 1941 einen letzten und schliesslich erfolgreichen Versuch, die Stadt zu entsetzen. Die so genannte Operation Crusader sah einen koordinierten Angriff des in Ägypten stationierten XIII. Korps der 8. Armee sowie der belagerten Truppen vor. Dabei sollte der östliche Abschnitt des Belagerungsgürtels von beiden Seiten durchbrochen werden, um eine direkte Verbindung nach Tobruk freizukämpfen. Am 21. November gelang es der eingeschlossenen 70. Division schliesslich, etwa 5–6 km in Richtung Ed Duda vorzustossen. Am 27. November brach die neuseeländische Division des XIII. Korps aus Ägypten kommend ebenfalls durch die Linien der Belagerer und konnte damit einen Korridor nach Tobruk sichern.

Die folgenden Tage waren von wechselnden Erfolgen geprägt. Rommel gelang es zwar, weitere Ausbruchsversuche aus Tobruk erfolgreich zu verhindern und die anmarschierenden alliierten Truppen immer wieder abzudrängen, zugleich konnte die neuseeländische Division den Korridor nach Tobruk aber erfolgreich gegen alle Gegenangriffe halten und die 8. Armee jede entscheidende Niederlage verhindern. Die zunehmend schwierige Versorgungslage der deutsch-italienischen Truppen und der infolge der Gefechte schnell abnehmende Panzerbestand gaben schliesslich den Ausschlag. Am 7. Dezember liess Rommel die letzten Belagerer um die Stadt abziehen, um seine Truppen für einen strategischen Rückzug aus der Kyrenaika zurückzunehmen. Die Belagerung von Tobruk fand damit nach 230 Tagen ihr Ende.

Folgen
Für die Alliierten war die erfolgreiche Verteidigung von Tobruk ein wichtiger Etappensieg. Nach der Niederlage im Balkanfeldzug war der Sieg über Deutschland in Nordafrika ein dringend benötigtes Gegengewicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Militärisch kam ihr insofern eine wichtige Bedeutung zu, als lediglich die im Rücken der Achsenmächte stehende Besatzung von Tobruk nach der alliierten Niederlage in der Operation Battleaxe einen schnellen Vorstoss Rommels im Sommer 1941 nach Ägypten verhindert hatte.

Für die Achsenmächte war die erfolglose Belagerung eine schmerzvolle strategische Niederlage, die alle Hoffnungen auf einen schnellen Sieg in Nordafrika zunichtemachte. Auch wenn die Verluste mit etwa 8000 Mann nicht sehr hoch waren, sollten insbesondere die verlorenen Panzer im weiteren Verlauf des Feldzugs einen herben Verlust darstellen.

Die Belagerung aus heutiger Sicht
Vor allem in Australien, Neuseeland, Polen, Tschechien und der Slowakei, deren Soldaten jeweils entscheidend an den Kämpfen um Tobruk beteiligt waren, bildet die Belagerung heute einen wichtigen Eckstein der jeweiligen Betrachtung auf die militärischen Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs. Dies spiegelt sich in der Rezeption dieser Geschehnisse in Literatur, Film und Geschichtswissenschaft dieser Länder wider. Die grösste öffentliche Wahrnehmung für die Belagerung gibt es wohl bis heute in Australien, wo unter anderem ein Schwimmbad in Townsville, das Tobruk Memorial Baths, daran erinnert. In Tobruk selbst ist heute eine Gedenkstätte mit einem Obelisk für die bei der Verteidigung gefallenen Soldaten.

In Deutschland und Italien wird mit "Tobruk" eher die rasche und erfolgreiche Eroberung der Stadt durch Rommel im Jahr 1942 assoziiert als die lange und erfolglose Belagerung Tobruks 1941. Die NS-Propaganda bzw. die Deutsche Wochenschau erwähnten letztere kaum und erstere ausgiebig.

Verluste

Schlacht bei den Thermopylen (24.04.1941 – 25.04.1941)    
(aus Wikipedia)

02_13/Kartenausschnitt Griechenland

Die Schlacht bei den Thermopylen während des Zweiten Weltkriegs am 24. und 25. April 1941 begann nach dem alliierten Rückzug aus Nordgriechenland. Truppen des britischen Commonwealth errichteten Verteidigungsstellungen am Engpass der Thermopylen. Der alliierte General Bernard Freyberg war mit der Aufgabe der Verteidigung des Durchgangs betraut, während die Verteidigung des nahegelegenen Dorfes Brallos von Major Giffard Mackay übernommen worden war. Im neuseeländischen Sektor war die 5. Brigade entlang der Küstenstrasse aufgestellt und verteidigte die Hügel südlich der Stadt Lamia und Stellungen am Fluss Sperchios. Die 4. Brigade stellte Patrouillen zur Überwachung der Küstenlinie gegen deutsche Anlandeversuche auf.

Die 6. Brigade wurde in Reserve gehalten. Im australischen Sektor verteidigte die 19. Brigade zusammen mit dem 4. australischen Infanterie-Bataillon und dem 8. australischen Infanterie-Bataillon den Ort Brallos. Als am Morgen des 23. der Befehl zum Rückzug kam, wurde beschlossen, dass zwei Brigaden den Pass solange wie möglich halten sollten, um den alliierten Rückzug zu sichern. Bei dem folgenden deutschen Angriff am 24. April 1941 hatten die Deutschen hohe Verluste und verloren unter anderem 15 Panzer im alliierten Abwehrfeuer.

Die Australier und Neuseeländer hielten rund einen Tag lang die Stellung. Nach dem hinhaltenden Widerstand zogen sie sich in Richtung der Evakuierungsstrände zurück. Die Schlacht endete mit einem Durchbruch der deutschen Truppen nach Südgriechenland. Die Verteidigung der Thermopylen hatte es jedoch vielen alliierten Soldaten ermöglicht, aus Griechenland evakuiert zu werden.

Schlacht um den Amba Alagi (03.05.1941 – 19.05.1941)    
(aus Wikipedia)

02_14/Kartenausschnitt Amba Alagi, Äthiopien

Der Amba Alagi ist wegen dreier Schlachten um den Amba Alagi bekannt, die dort von italienischen Verbänden gegen Truppen Äthiopiens (1895 und 1936) und des britischen Commonwealth (1941) geschlagen wurden. Der Amba Alagi, mit 3438 Metern einer der höchsten Berge Äthiopiens, liegt im Norden des Landes zwischen den Städten Dese und Mek’ele.

Erste Schlacht um den Amba Alagi (1895)
Am 7. Dezember 1895 wurde im Verlauf des zweiten Italienisch-Äthiopischen Kriegs der aus knapp 2.400 Soldaten bestehende italienische Militärstützpunkt von ungefähr 30.000 abessinischen Soldaten angegriffen. Die Italiener und ihre Askaris wehrten sich unter dem Befehl des Majors Pietro Toselli bis zur letzten Patrone und kämpften dann mit blanken Waffen gegen die abessinische Übermacht. Auf italienischer Seite überlebten etwa 600 Mann.

Zweite Schlacht um den Amba Alagi (1936)
Beim brutalen Eroberungsfeldzug Mussolinis 1935/36 gegen Abessinien wurde der Amba Alagi im Februar 1936 von den Italienern eingenommen. Zuvor hatten sich die italienischen Truppen in der Schlacht am Bergmassiv Amba Aradam den Weg freikämpfen müssen. Am Amba Alagi selbst kam es dann nur mehr zu schwachem äthiopischen Widerstand.

Auf der Seite der italienischen Faschisten kam auch Giftgas zum Einsatz, wie Karlheinz Deschner in "Mit Gott und den Faschisten" (Seite 29) erläutert:

"Nach der sogenannten Schlacht von Amba Aradam zählte ein italienischer Hauptmann mehr als sechzehntausend hingemähte ‚Feinde‘. Sie lagen tot und halbtot dort, wo das aus der Luft verspritzte, hautverbrennende und lungenzerreissende Gas sie erreicht hatte und wurden alle zusammen auf dem hygienischten Wege durch Flammenwerfer beseitigt".

Dritte Schlacht um den Amba Alagi (1941)
Im Zweiten Weltkrieg zogen sich die italienischen Truppen im Frühjahr 1941 während des britischen Gegenangriffs im Ostafrikafeldzug unter dem Befehl des Vizekönigs Amadeus III. von Savoyen-Aosta von Addis Abeba auf das Bergmassiv um den Amba Alagi zurück. Dort wollte sich der Herzog von Aosta mit seinen 7000 Mann wie schon Toselli 1895 bis zum Äussersten verteidigen. Über das Alagi-Massiv führte eine strategisch wichtige Verkehrsachse, die auf der Passhöhe von der "Toselli-Festung" und dem nebenan gelegenen Amba Alagi beherrscht wurde. Dort und auf den umliegenden Gipfeln des von Westen nach Osten verlaufenden Massivs verfügten die Italiener über gut ausgebaute Verteidigungsstellungen, über 40 Geschütze und Nachschub für drei Monate.

Die Verbände des britischen Generals Alan Cunningham (25.000 Commonwealth-Soldaten und 16.000 abessinische Freiwillige) begannen am 3. Mai 1941 mit einem Ablenkungsangriff auf den ganz im Osten gelegenen Falagà-Pass, wo die Einheiten des Highland-Regiments keine der italienischen Stellungen einnehmen konnten. Am folgenden Tag nahmen Einheiten der 29. indischen Brigade dank starker Artillerieunterstützung die drei westlichsten Gipfelstellungen "Pyramid", "Whaleback" und "Elephant" ein. Der weitere Vormarsch des britischen Worcestshire-Regiments scheiterte am 5. Mai am italienischen Widerstand. In der Zwischenzeit war es dem 1. Bataillon des 12. Frontier-Force-Regiments gelungen, den Falagà-Pass zu überwinden und sich im Rücken der Italiener deren Amba-Alagi-Stellungen bis auf fünf Kilometer zu nähern. Ein weiterer Vormarsch scheiterte jedoch am erbitterten italienischen Widerstand.

In den folgenden Tagen trafen eine zusätzliche südafrikanische Brigade und äthiopische Freiwilligenverbände aus Dessie ein, die umgehend gegen die italienischen Stellungen auf den Twin Pyramids geworfen wurden. Diese Gipfelstellungen wurden nach heftigen Gefechten eingenommen, wobei die Äthiopier fast alle überlebenden Italiener umbrachten. Dies hatte man in den umliegenden italienischen Stellungen mit Entsetzen beobachtet. Einen weiteren äthiopischen Angriff auf die angrenzende Triangle-Stellung warfen die italienischen Soldaten mit aller Macht zurück. Am 14. Mai gelang es den Südafrikanern jedoch, diesen Gipfel einzunehmen, woraufhin sich die Italiener in der Nacht zum 15. von Westen kommend auf den Amba Alagi zurückzogen. Auf der westlichen Seite war der Amba Alagi nicht befestigt und der Verlust des Triangle-Gipfels bedeutete für die britische Führung einen entscheidenden Vorteil. Das wussten neben dem Herzog von Aosta und seinen Offizieren auch viele italienische Soldaten. Um bei der sich abzeichnenden Niederlage ein weiteres Massaker der Äthiopier an italienischen Kriegsgefangenen zu verhindern, nahm der Herzog von Aosta Kontakt zu den Südafrikanern auf, um mit ihnen über eine Einstellung der Kampfhandlungen zu verhandeln. Am 19. Mai 1941 ergaben sich die 5.000 überlebenden Italiener und Askaris nach zwei Wochen schwerer Kämpfe. Eine Ehrenformation der Commonwealth-Truppen verabschiedete die unterlegenen Gegner in die Kriegsgefangenschaft, woran man sich in Italien bis heute gern erinnert.

Unternehmen Merkur (20.05.1941 – 01.06.1941)    
(aus Wikipedia)

02_15/Kartenausschnitt der Insel Kreta

Das Unternehmen Merkur war eine Schlacht im Zweiten Weltkrieg, die deutsche Fallschirmjäger, unterstützt von Gebirgsjägern, zur Einnahme der Insel Kreta durchführten, und zugleich die erste grosse Luftlandeoperation der Geschichte. Nach der Einnahme Griechenlands im Verlauf des Balkanfeldzuges 1941 wurde das von alliierten Truppen verteidigte Kreta durch die deutsche Wehrmacht erobert und blieb bis 1945 besetzt. Für erfolgreiche Teilname an der Luftlandeschlacht wurde ab Mitte 1943 das Ärmelband Kreta verliehen – als Erinnerungstag für die Luftlandeoperation und deren Gefallenen gilt der 20. Mai.

Vorgeschichte
Kreta war aus britischer Sicht von strategischem Interesse, da der Besitz der Insel wegen ihrer geografischen Lage für die Verteidigung Ägyptens und Maltas wichtig war. Deshalb war die Besetzung Kretas bereits in der logistischen Vorbereitung, als am 28. Oktober 1940 Italien Griechenland angriff und die griechische Regierung von London Hilfe erbat. Bereits am 1. November landeten Vorauskommandos aus Alexandria auf Kreta. In den folgenden Monaten folgten einige britische Infanterieverbände und Flugabwehreinheiten, die Verteidigungsstellungen wurden jedoch nicht wesentlich ausgebaut. Athen zog die Masse, der auf Kreta stationierten, griechischen Verbände im November 1940 an die Epirus-Front auf das Festland ab. Zu Beginn des Jahres 1941 standen nur noch etwa 1000 griechische Soldaten auf der Insel. Bis Februar 1941 wurden in Maleme, Rethymno und Iraklio drei Landeplätze für die Verbände der Royal Air Force eingerichtet.

Mitte April 1941 zeichnete sich nach dem deutschen Eingreifen die Niederlage der von den britischen Expeditionsstreitkräften unterstützten griechischen Armeen ab. Als etwa 250 deutsche Transportflugzeuge nach Plowdiw in Bulgarien verlegt wurden und deutsche Fallschirmjäger nach ihrem Einsatz in Korinth Griechenland nicht wieder verliessen, rechnete die britische Führung mit einem deutschen Luftlandeunternehmen. London beschloss, seine Truppen vom griechischen Festland abzuziehen. Auf Anweisung des britischen Premierministers Churchill wurde ein Teil des britischen Expeditionskorps nach Kreta transportiert, um die dortige Verteidigung zu verstärken. Die Masse der britischen Truppen wurde jedoch nach Ägypten verbracht. Churchill sah trotz der Vorbehalte, die die britischen Oberbefehlshaber im Nahen Osten und in Nordafrika wegen unzureichender militärischer Kapazitäten äusserten, die Gelegenheit gekommen, den deutschen Angreifern erhebliche Verluste zuzufügen oder aber im günstigsten Falle die Insel zu halten. Zudem erwartete er von seinem Entschluss, Kreta zu verteidigen bzw. zu halten, günstige politische Auswirkungen auf die Türkei und den gesamten Nahen Osten.

Als die griechischen Streitkräfte im Krieg gegen Italien vor der deutschen 12. Armee kapitulierten, erschoss sich der (neue) griechische Ministerpräsident Alexandros Koryzis. Der griechische König Georg II. bildete eine neue Regierung unter Emmanouil Tsouderos, die von Kreta aus den Widerstand fortsetzen wollte. Sie verliess das griechische Festland am 23. April 1941 und errichtete in Chania den Sitz einer unabhängigen griechischen Regierung.

Aus deutscher Sicht boten die britischen Stützpunkte auf Kreta – und auch auf Malta – den Briten die Möglichkeit, den Schiffsverkehr bzw. den Nachschub der Achsenmächte nach Nordafrika wirkungsvoll zu behindern. Von Kreta aus waren zusätzlich Vorstösse der Briten in die Ägäis möglich. Ausserdem befürchtete Hitler, dass von Kreta aus Luftangriffe auf die rumänischen Erdölfelder (z. B. Ploiești) geführt werden könnten, die für den geplanten und kurz bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion von kriegswichtiger Bedeutung waren.

Auch die deutsche Seekriegsleitung drängte auf eine Eroberung Kretas, weil sie davon ausging, dass die Zurückdrängung der Briten aus dem östlichen Mittelmeer entscheidend für die weitere Kriegsführung gegen Grossbritannien sei. Genau wie die Luftwaffenführung erwartete sie, von Kreta aus den Nachschubverkehr der Briten durch den Sueskanal lahmlegen zu können. Erste strategische Überlegungen dazu wurden bereits Ende Oktober 1940 durch den Chef des Wehrmachtführungsstabes (WFSt) Alfred Jodl angestellt. Diesen zufolge würde eine militärische Aktion der Italiener gegen Nordgriechenland und den Hafen von Piräus mit Sicherheit zu einer Inbesitznahme der Insel Kreta durch die Briten führen.

Am 15. April 1941 wurde Reichsmarschall Hermann Göring von General der Flieger Alexander Löhr ein konkreter Plan zur Eroberung Kretas durch Luftlandetruppen vorgelegt. Im vorgeschobenen Führerhauptquartier "Frühlingssturm" überzeugte Kurt Student am 21. April 1941 in Begleitung des Generalstabschefs der Luftwaffe Jeschonnek den widerstrebenden Hitler von den strategischen Notwendigkeiten der Inbesitznahme Kretas. Dieser befahl daraufhin per Führerweisung Nr. 28, das Unternehmen Merkur mit Luftlandetruppen, Fallschirmjägerverbänden und der Unterstützung der 5. Gebirgs-Division Mitte Mai 1941 durchzuführen.

Militärische Lage und Planung vor dem Angriff
Deutscher Angriffsplan
Göring beauftragte die Luftflotte 4 mit der Planung und Durchführung der Operation. Dem General der Flieger Alexander Löhr wurde dazu das XI. Fliegerkorps unter Kurt Student mit seinen Luftlande- und Fallschirmjägerverbänden unterstellt. Die Jagd- und Bomberstaffeln des VIII. Fliegerkorps unter Wolfram von Richthofen sollten ihren Schutz übernehmen sowie nach der Erringung der Lufthoheit die kämpfenden Bodentruppen aktiv unterstützen. Ausserdem sollte die 12. Armee in Griechenland Teile der 5. Gebirgs-Division zur Verstärkung des XI. Fliegerkorps abstellen und aus weiteren Teilen der 6. Gebirgs-Division Reserven bilden. Weil der deutschen Marineführung im Mittelmeerraum keine nennenswerten Schiffsverbände zur Verfügung standen, wurde Italien um Unterstützung gebeten.

Löhrs Plan sah vor, zunächst die Hauptstadt Chania und Maleme, den grössten Flugplatz Kretas, mit Luftlande- und Fallschirmtruppen zu erobern und danach nach Osten vorzustossen. Student wollte dagegen alle wichtigen Punkte der Insel gleichzeitig aus der Luft angreifen und danach auf den eroberten Flugfeldern Heeresverbände landen lassen, die den Rest der Insel besetzen sollten. Richthofens Fliegerverbände hatten aber für die Sicherung einer grösseren Zahl von Absetzorten keine ausreichende Stärke. Deswegen sah der endgültige Plan vor, nur vier Punkte aus der Luft zeitlich gestaffelt anzugreifen. Im ersten Anflug in den Morgenstunden des Angriffs sollte wie in Löhrs Plan das Gebiet von Chania und Maleme angegriffen werden, im zweiten Anflug am Nachmittag Rethymno und Iraklio.

Angesichts der Überlegenheit der Royal Navy auf See entschloss sich die deutsche Führung, den grössten Teil der Soldaten auf dem Luftweg zu transportieren, zumal dem maritimen "Admiral Südost" Karlgeorg Schuster nur zwei Schiffsstaffeln mit zusammen etwa 60 Motorseglern zur Verfügung standen. Die italienische Regia Marina übernahm den Schutz dieser improvisierten Flotte von Griechenland über die Insel Milos nach Kreta. Nach der Sicherung von Brückenköpfen und Anlandungsstellen durch Luftlandetruppen sollten weitere Truppen und Kriegsmaterial per Schiff auf die Insel gebracht werden.

Der ursprünglich früher geplante Zeitpunkt für den Angriff wurde wegen Engpässen in der Versorgung mit Flugbenzin endgültig auf den 20. Mai gelegt. Schon in den ersten Maitagen begannen jedoch Verbände des VIII. Fliegerkorps mit Aufklärungsflügen und anschliessenden Angriffen auf Konvois und Schiffe der Briten.

Ab der zweiten Maiwoche wurde der britische Schiffsverkehr an der Nordseite Kretas, wo die wichtigsten Häfen lagen, praktisch blockiert. Von den Anfang Mai eingeschifften rund 27.000 Tonnen wichtiger Nachschubgüter für Kreta konnten nur etwa 3000 Tonnen gelandet werden, während der Rest umkehren musste.

Auf deutscher Seite war ein schneller Angriff von Gebirgs- und Fallschirmjägern vorgesehen. Diese waren gut ausgebildet und besassen auf Grund ihrer ausschliesslich leichten Ausrüstung zwar nur eine geringe absolute Feuerkraft, bedingt durch ihre hohe Mobilität und Motivation sowie ihren ausgeprägten Korps- und Kampfgeist aber einen hohen Einsatzwert.

Die Wehrmacht verfügte über 15.000 Fallschirmjäger der 7. Flieger-Division, die nach der Eroberung eines Flugfeldes von etwa 14.000 Gebirgsjägern der 5. Gebirgs-Division und 700 Kradschützen der 5. Panzer-Division durch Lufttransporte unterstützt werden sollten. Weitere Verstärkung sollte dann auch über See angelandet werden. Dazu kam Unterstützung von 46 Kampf- und 16 Jagdflugzeugen der Italiener von den Dodekanes.

Für die Überführung dieser Kräfte nach Kreta war Generalmajor Rudolf Konrad verantwortlich, der zehn Kampfgruppen zur besonderen Verwendung (z. B.V.) mit 550 Transportmaschinen Ju 52 und 60 Lastenseglern zur Verfügung hatte. Das zur Sicherung und Unterstützung eingeplante VIII. Fliegerkorps hatte 280 Bomber, 150 Sturzkampfbomber, 180 Jagdflugzeuge und 40 Aufklärer zur Verfügung. Zur See war die Kriegsmarine mit zwei Dampferstaffeln und zwei Motorseglerstaffeln beteiligt. Die Sicherung erfolgte durch die italienische Marine (Kapitän zur See Peccori-Giraldi) mit zwei Zerstörern und zwölf Torpedobooten, mehreren U-Booten, Schnellbooten und Minensuchern.

Der deutsche Militär-Nachrichtendienst Abwehr unterschätzte die tatsächliche Anzahl feindlicher Soldaten auf Kreta erheblich und war der Ansicht, auf der Insel seien maximal 15.000 britische Soldaten und nur wenige griechische Truppen stationiert. Die Bevölkerung Kretas sei den Deutschen wohlgesinnt. Dort befänden sich viele antimonarchische Kräfte, welche die alte griechische Regierung abgelehnt hätten. Die Aufklärung der 12. Armee ging zwar von mehr Truppen aus, unterschätzte aber die tatsächlichen Zahlen ebenfalls.

Nach dem gelungenen Abschluss des Unternehmens Merkur sah die Wehrmachtführung eine weitere Verwendung der Luftlandetruppen während des in Vorbereitung befindlichen Russlandfeldzuges vor. Zu diesem Zweck sollte die 7. Flieger-Division auf die drei Heeresgruppen Nord, Mitte und Süd aufgeteilt und punktuell im Bedarfsfalle während des Vormarsches eingesetzt werden.

Die Fallschirmjäger führten beim Absprung nur Pistolen und Handgranaten am Soldaten mit. Maschinengewehre, Karabiner und Maschinenpistolen wurden in Abwurfbehältern an Lastenfallschirmen abgeworfen. Das sollte den Fallschirmjäger vor Verletzungen bei der Landung schützen. Die Fallschirme der Waffenbehälter waren farbig markiert. Erst nach Kreta wurde durch die Erfahrungen mit dem Absprung in eine Gefechtszone mit Waffe am Mann experimentiert. Rund 25 Prozent der Truppen waren mit MP40-Maschinenpistolen ausgerüstet, für jeden achten bis zwölften Soldaten war ein MG34-Maschinengewehr vorgesehen.

Seiner Konstruktion wegen erwies sich von Anfang an der Granatwerfer als zweckmässig. Beim 8-cm-Granatwerfer 42 wurde das Rohr verkürzt, damit er in die Abwurfbehälter passte. Prädestiniert waren die zerlegbaren 7,5-cm-Gebirgsgeschütze 36, deren Konstruktion von jeher auf ein geringes Gewicht hin optimiert war. Diese und die 3,7-cm-PaK 36 wurden auch mit Fallschirmen abgesetzt. Die Deutschen setzten auf Kreta mit dem Leicht-Geschütz 40 (LG40) erstmals eine neue Panzerabwehrwaffe ein, die leichter als die bisherigen Waffen war. Die schweren Waffen konnten nach dem Fallschirmabwurf erst mit Beiwagenkrädern nach Luftanlandung oder Beutefahrzeugen beweglich gemacht werden. Schwere Waffen wie Feldkanonen oder gar Haubitzen standen den luftgelandeten "Leichten Infanterieverbänden" nicht oder nur als Beutewaffen zur Verfügung.

Verteidigungsvorbereitungen der Briten und Griechen
Am 30. April wurde Generalmajor Bernard Freyberg, der die neuseeländische Division des britischen Expeditionskorps auf dem griechischen Festland befehligt hatte, vom Oberbefehlshaber Nahost Archibald Wavell das Kommando auf Kreta übertragen. Gleichzeitig wurde mit den Verteidigungsvorbereitungen, die den Decknamen "Scorcher" trugen, begonnen. Auf der Insel befanden sich zu diesem Zeitpunkt 14.000 britische Soldaten der ursprünglichen Inselbesatzung und weitere 25.000 Mann aus Commonwealth-Verbänden, die vom Festland evakuiert worden waren. Hinzu kamen etwa 9.000 Griechen, darunter die Reste mehrerer auf dem Festland zerschlagener Verbände und 2500 kretische Gendarmen.

Die griechischen Soldaten waren schlecht ausgerüstet, da zu Beginn des Balkankrieges alle neueren und schweren Waffen auf das Festland gebracht worden waren. Die meisten Gewehre waren deutscher oder österreichischer Herkunft, vor allem Mannlicher-Schönauer Gebirgskarabiner im Kaliber 6,5×54 (M.-Sch.) und Steyr-Mannlicher M1895 (im Rahmen des Versailler Vertrags beschlagnahmt). Etwa 1000 Griechen waren noch mit antiquierten Gras-Gewehren bewaffnet. Weiterhin waren veraltete Maschinengewehre unterschiedlicher Fabrikate und Kaliber vorhanden. Zudem herrschte Munitionsmangel – die Briten hatten für viele griechische Waffen keine entsprechende Munition in ihren Beständen.

Durch die Evakuierung waren die britischen Einheiten auf der Insel stark vermischt und mussten neu geordnet werden. Dem Oberbefehlshaber der britischen Mittelmeerflotte, Admiral Andrew Cunningham, gelang es trotz der Angriffe deutscher Flugverbände auf seine Schiffe, etwa 7000 nicht für den Kampf geeignete Soldaten von der Insel abzuziehen, rund 2000 Mann an Kampftruppen auf die Insel zu schaffen und die ärgsten Lücken in Ausrüstung und Bewaffnung zu schliessen.

Es mangelte an schweren Waffen, nur 85 Artillerie-Geschütze konnten aus eroberten italienischen Beständen aufgeboten werden. Zur Flugabwehr konnte die British Army 50 Flak-Geschütze und 24 Scheinwerfer einsetzen. An gepanzerten Fahrzeugen verfügten die Verteidiger nur über 16 veraltete Cruiser-Mk-I-, neun Matilda-II- und 16 leichte Mk-VI-Panzer. Für die Panzer stand aber hauptsächlich panzerbrechende Munition zur Verfügung, deren Einsatz gegen Infanterie wenig sinnvoll ist. Auch gab es kaum Ersatzteile für die Panzer und das Gelände erschwerte deren Einsatz. So wurden einige Panzer in befestigte Stellungen eingebaut. Der bei Fallschirmjäger-Anlandungen angezeigte bewegliche Einsatz von Panzerkräften wurde dadurch zusätzlich behindert.

Der Bestand der Royal Air Force umfasste Anfang Mai 36 Maschinen auf Kreta, von denen nur die Hälfte einsatzfähig war. Diese Flugzeuge wurden einen Tag vor dem deutschen Angriff nach Ägypten verlegt, um sie der Vernichtung zu entziehen und für andere Einsätze zu erhalten. Unmittelbar vor der Verlegung flogen die Briten aber noch Angriffe gegen die deutschen Häfen. Daraus schlossen wiederum die Deutschen, dass die Briten die Vorbereitungen für Operation Merkur erkannt hatten.

Die Royal Navy kontrollierte weiterhin die See um Kreta, die Lufthoheit hatten jedoch die Achsenmächte.

Alliierter Verteidigungsplan
Vorgewarnt durch Ultra-Informationen ging Freyberg von einem kombinierten Luft-See-Angriff aus und legte die Masse seiner Truppen an die Nordküste in den Bereich Maleme–Chania–Souda-Bucht mit dem Auftrag, Hauptstadt, Flugplatz und Hafen zu halten.

Da die Briten die deutsche Verschlüsselungsmaschine Enigma mitlesen konnten, waren sie über die Angriffspläne in annähernd allen Einzelheiten informiert. Abgehört wurden fast alle Funksprüche zwischen dem Oberkommando der Luftwaffe und den in Griechenland mit der Vorbereitung und Planung befassten militärischen Stäben, so dass die Alliierten gezielte Abwehrmassnahmen einleiten konnten und General Freyberg daraufhin die Verteidigung der Flugfelder verstärken liess. Die schlechte Ausbildung von Teilen und die schlechte Ausstattung aller seiner Truppen erschwerten eine effektive Verteidigung.

Freyberg plante daher, die Flugfelder so zu beschädigen, dass sie unbenutzbar würden. Dies wurde ihm von Wavell untersagt. Wavell ging davon aus, dass allein das Wissen über den Angriffsplan genügen würde, um den Angriff abzuwehren, und eine Zerstörung der Flugfelder nur eine schnelle Ausstattung der Insel mit eigenen Flugzeugen verhindert hätte. Bis heute ist diese Entscheidung umstritten; sie gilt als ein Grund für den deutschen Sieg. Die deutschen Transportflieger nahmen allerdings teilweise bewusst Bruchlandungen auf Stränden und Feldern in Kauf. Einige Historiker glauben, dass für die deutsche Führung der Verlust einer beträchtlichen Anzahl von Flugzeugen nachrangig war beziehungsweise einkalkuliert wurde. Im Vordergrund habe allein der Erfolg des Angriffs gestanden; der wäre somit auch ohne die Eroberung von Flugfeldern gelungen.

Operationsverlauf
Erster Tag: 20. Mai
Am Dienstag, dem 20. Mai, gegen 07:15 Uhr begann Unternehmen Merkur mit der Bombardierung der vorgesehenen Absetzzonen durch die deutsche Luftwaffe. Bei Maleme war die britische Flugabwehr praktisch sofort ausser Gefecht. Während das Bombardement noch im Gange war, begannen bereits westlich des Flugplatzes Lastensegler des I./Luftlande-Sturm-Regiments der Gruppe West (erste Welle), in echter oder in Bruchlandung niederzugehen.

Die britischen Truppen, überrascht wegen der schonungslosen und draufgängerischen Art und Weise der Landung sowie der Kampfstärke der Landetruppen, begannen die Gleiter sowie die ausbootenden Soldaten der Luftlande-Sturmeinheiten mit Granatwerfern unter Feuer zu nehmen. Die sofortige Einnahme des Flugfeldes Maleme verhinderten die Neuseeländer im Nahkampf.

Das Absetzen des II., III. und IV. Bataillons der ersten Welle gelang fast ohne Schwierigkeiten, und nur sieben der 493 aufgestiegenen Ju 52 gingen verloren. Die niederschwebenden Fallschirmjäger wurden jedoch unerwartet hohem Sperrfeuer ausgesetzt, wodurch viele bereits in der Luft verwundet oder getötet wurden. Selbst wenn sie heil am Boden ankamen, waren sie teilweise vom Wind weit verstreut und mussten sich, nur leicht bewaffnet, erst zu den Waffenbehältern durchkämpfen, um sich dann neu zu gruppieren. Ausserdem wurden sie durch die grosse Anzahl feindlicher Truppen und das starke Abwehrfeuer überrascht, da die Aufklärung weit geringeren Widerstand vorausgesagt hatte.

Durch Verzögerungen erwies sich das geplante Zusammenführen von Bomber- und Transportverbänden als undurchführbar. Zum einen mussten die zu ihren Stützpunkten zurückgekehrten Transportmaschinen zum Teil mühsam mit Handpumpen aus Fässern aufgetankt werden, zum anderen war eine grössere Ansammlung von Flugzeugen in der Luft wegen der enormen Staubentwicklung beim Start nicht möglich.

So wurde die Gruppe Mitte (zweite Welle) gegen 16:15 Uhr bei Rethymno und um 17:30 Uhr bei Iraklio verspätet abgesetzt, nachdem der vorausgegangene Bombenangriff bereits einige Stunden vorher stattgefunden hatte und die entstandenen Schäden notdürftig beseitigt worden waren.

Die zweite Welle der deutschen Luftlandeverbände erlitt deshalb ebenfalls schwere personelle Ausfälle im Abwehrfeuer. Gegen Ende des Tages hatten die Deutschen keines ihrer Ziele erreicht. Dennoch zeichneten sich auf britischer Seite erste Probleme ab. Es mangelte an Fahrzeugen, hauptsächlich an sachgemäss bewaffneten Panzern, vor allem aber an Kommunikationsmitteln, um wenigstens die vorhandenen Fahrzeuge gegen die einzelnen provisorisch errichteten deutschen Widerstandsnester zum Einsatz zu bringen. Ausserdem erschwerte die deutsche Lufthoheit die britischen Verteidigungsbemühungen. Dadurch konnten die deutschen Fallschirmjäger ihre provisorisch errichteten Stellungen behaupten.

Die vorgesehenen 200-Watt-Funksender der deutschen Landungstruppen gingen beim Aufprall der Lastensegler teilweise zu Bruch, und die Gruppe West und Mitte hatte keine Verbindung zum Gefechtsstand in Athen. So hatte der kommandierende General des XI. Fliegerkorps keine Kenntnis darüber, dass der Angriff auf den Flugplatz Maleme vorerst gescheitert war, Wilhelm Süssmann, der Kommandeur der 7. Flieger-Division, Kreta gar nicht erreicht hatte, weil er über der Insel Ägina abgestürzt war, und dass manche der Landeeinheiten nur noch über einen Bruchteil ihrer Kampfstärke verfügten.

Bei Sonnenuntergang des ersten Tages waren von den ursprünglich 10.000 gelandeten Fallschirmjägern nur noch 6.000 Mann kampffähig.

Als General Student in der Nacht vom 20. zum 21. Mai über die Lage auf Kreta unterrichtet wurde, befahl er, alle zur Verfügung stehenden Kräfte vordringlich auf die Einnahme des Flugplatzes bei Maleme zu konzentrieren.

Zweiter Tag: 21. Mai
In der Nacht zum 21. Mai wurde jede im Südosten Europas verfügbare deutsche Transportmaschine nach Kreta abgezogen, um die Überführungsflüge für die Fallschirmjäger zu unterstützen, da innerhalb kurzer Zeit mehr als 150 Maschinen Ju 52 während der Kampfhandlungen ausgefallen waren. Dazu stellte die Luftwaffe hauptsächlich die erst kürzlich in den Iran aufgenommenen Versorgungsflüge wieder ein.

Am Mittwoch, dem 21. Mai 1941, sprang Oberst Ramcke bei Maleme ab und übernahm anstelle des verwundeten Generalmajors Meindl die Führung über die Gruppe West. Die Landebahn selbst lag jedoch unter dem Beschuss der britischen Granatwerfer, Geschütze und Maschinengewehre sowie mehrerer leichter und schwerer Flak, die auf der dominierenden Höhe 107 (heute deutscher Soldatenfriedhof Maleme) aufgestellt war. Trotzdem landeten die ersten Ju 52 unter hohen Verlusten auf den Pisten und dem westlich angrenzenden unebenen Gelände. Schrittweise gelang es den Deutschen, ihre Position westlich des Flughafens auszubauen sowie Material und Personal anzulanden.

Nach schwerer Bombardierung durch Sturzkampfbomber gelang die schrittweise Eroberung der Höhe 107 durch deutsche Truppen, die dann neu koordiniert das Flugfeld von Maleme von Westen aus angriffen und gegen 17 Uhr einnahmen. Zur Unterstützung des Angriffes erfolgte eine zweite Absprungwelle deutscher Fallschirmjäger. Ein nächtlich unternommener Gegenangriff der Briten und verbündeter Einheiten drang bis zum Rand des Flugplatzes vor; der Angriff musste jedoch bei Tagesanbruch und mit Wiedererscheinen der deutschen Luftwaffe eingestellt werden.

In der Nacht zum 22. Mai wurde ein aus Piräus in Richtung Kreta ausgelaufener erster deutscher Geleitzug (Oberleutnant zur See Albert Oesterlin), bestehend aus kleinen Dampfern und Motorseglern und mit über 2300 Gebirgsjägern an Bord, durch die britische Force D (Konteradmiral Irvine Glennie) gestellt, der über drei Kreuzer (Ajax, Dido, Orion) und vier Zerstörer (Hasty, Hereward, Janus und Kimberley) verfügte. Nur das entschlossene Eingreifen des italienischen Torpedoboots Lupo war dafür verantwortlich, dass der Konvoi vor der völligen Vernichtung bewahrt blieb und sich auflösen konnte. Trotzdem starben rund 300 deutsche Soldaten.

Ein zweiter deutscher Geleitzug mit 4000 Gebirgsjägern wurde bei Tagesanbruch durch vier Kreuzer und drei Zerstörer der Force C (Konteradmiral King) entdeckt. Jedoch erschien die deutsche Luftwaffe; zusammen mit dem sichernden Torpedoboot Sagittario konnte der Konvoi verteidigt werden, lediglich zwei Segler wurden versenkt.

Dritter Tag: 22. Mai
Am 22. Mai gelang es den deutschen Einheiten, das Flugfeld bei Maleme zu einer brauchbaren Operationsbasis auszubauen. Stündlich landeten nun durchschnittlich 20 Transporter und brachten Nachschub. Noch entscheidender war jedoch die Tatsache, dass diese Flugzeuge nun auch wieder aufsteigen konnten, um neue Truppen einzufliegen.

Weiterhin bekämpfte die Luftwaffe die britischen Marineeinheiten, die eine Überführung deutscher Truppen nach Kreta in der Nacht verhinderten. Die Force C und D sowie deren Deckungsgruppe unter Konteradmiral Rawlings mit mehreren Zerstörern und Kreuzern mussten unter den ständigen Luftangriffen die Gewässer nördlich Kreta, zum Teil schwer beschädigt, verlassen. Es zeigte sich, dass die deutsche Luftüberlegenheit den Schlachtverlauf entscheidender beeinflusste als die britische Seeherrschaft. Ab dem 23. Mai war auch der Seeweg für Nachschublieferungen der Achsenmächte nach Kreta offen.

Die deutsche Öffentlichkeit wurde erst spät über die angelaufenen militärischen Operationen auf Kreta informiert. Mit der Ausweitung des Landekopfes bei Maleme fiel am 26. Mai die endgültige militärische Entscheidung zu Gunsten der deutschen Truppen, worauf das britische Oberkommando in der Nacht zum 27. Mai den Entschluss fasste, Kreta zu räumen. Am 27. Mai fiel die Hauptstadt Chania, am 28. Mai der Hafen in der Soudabucht in deutsche Hand. Am 29. Mai kapitulierte Rethymno.

Evakuierung der Alliierten vom 28. Mai bis zum 1. Juni
Der bereits durch Fliegerangriffe angeschlagenen britischen Flotte oblag die Aufgabe der Evakuierung der rund 22.000 Mann von Kreta. Die Einschiffungen erfolgten vornehmlich vom offenen Strand bei Sfakia. Mindestens 15.000 Mann der Empiretruppen lagen dort im felsigen Gelände verborgen und warteten auf ihre Einschiffung, während die britische Nachhut in steter Gefechtsfühlung mit den nachstossenden deutschen Verbänden blieb. In mehreren nächtlichen Aktionen konnte vom 28. bis zum 31. Mai ein Grossteil der Truppen an Bord genommen werden, um sie unter ständigen Luftangriffen fast 380 Seemeilen nach Alexandria in Sicherheit zu bringen.

Eine gleichzeitig durchgeführte Expedition Admiral Rawlings zur Rettung der Garnison in Iraklio erlitt auf der Rückfahrt durch die Luftwaffe empfindliche Verluste und einige Totalausfälle an Schiffsraum. Die Bombenabwürfe begannen um 6 Uhr und dauerten bis 15 Uhr, als sich das mit über 4000 evakuierten Soldaten belegte Geschwader Alexandria bereits auf 100 Seemeilen genähert hatte. Viele Bombentreffer hatten in Anbetracht der Überbelegung der Schiffe verheerende Auswirkungen, und bei der Ankunft wurde festgestellt, dass mindestens jeder fünfte Mann tot oder verwundet war. Den Briten stellte sich die Frage, inwieweit die Flotte zur Rettung der Truppen riskiert werden könne. Befürchtungen der Armee wurden jedoch durch Admiral Cunningham mit der Bemerkung "It takes three years to build a ship, it takes three centuries to build a tradition". (dt. Es braucht drei Jahre, um ein Schiff zu bauen, es braucht drei Jahrhunderte, um eine Tradition aufzubauen.) zerstreut, und die Einschiffungen wurden fortgesetzt.

Die deutschen und die mittlerweile angelandeten italienischen Truppen versuchten, den zurückweichenden alliierten Truppen den Weg abzuschneiden. Gebirgsjäger und Kradschützen konnten sich wesentlich schneller in dem gebirgigen Gelände bewegen, doch wurden grössere Einkreisungen durch die erbitterte Gegenwehr der Alliierten, insbesondere durch die Layforce, einen Vorläufer des SAS unter dem späteren General Robert Laycock, die den Rückzug der britischen Truppen nach Sfakia deckte sowie durch das felsige Terrain verhindert.

In der Nacht zum 31. Mai wurde General Freyberg auf Anweisung des Generalstabes ausgeflogen. Der griechische König und der britische Gesandte wurden einige Tage zuvor unter erheblichem Risiko evakuiert. Die Truppeneinschiffungen wurden am 1. Juni gegen 3 Uhr eingestellt. Es gelang der Royal Navy, fast 17.000 Mann britischer und Empiretruppen nach Ägypten zu bringen. General Wavell ermächtigte die über 5000 auf Kreta verbliebenen Soldaten zur Kapitulation. Etwa 500 Commonwealth-Soldaten zogen sich jedoch stattdessen in die umliegenden Berge zurück, nachdem auch der letzte Hafen Chora Sfakion von deutschen Truppen eingenommen worden war. Teile der Landbevölkerung leisteten ihnen und den griechischen Soldaten Beistand. Im Falle der Entdeckung drohte ihnen durch die deutsche Besatzungsmacht drakonische Strafen. Da die schweren Waffen fast vollständig zerstört oder bereits aufgegeben waren, wurde die noch vorhandene Munition an Partisanen verteilt.

Zur Stärkung der Verteidigungskräfte auf Kreta waren in den Tagen und Wochen vor dem deutschen Angriff Milizen und Bürgerwehren aufgestellt worden. Unmittelbar nach Beginn der Landung deutscher Fallschirmjäger schlossen sich zahlreiche kretische Zivilisten diesen Verbänden an oder unterstützten Truppen der griechischen Armee oder der Gendarmerie im Kampf gegen die Angreifer. Wenn deutsche Truppen im Kampf auf bewaffnete Zivilisten stiessen, betrachteten sie diese als Freischärler und erschossen sie gewöhnlich an Ort und Stelle.

Im weiteren Verlauf der Kämpfe wurden wiederholt deutsche Soldaten aus der kretischen Bevölkerung heraus angegriffen. Insbesondere verwundete und versprengte Fallschirmjäger wurden von kretischen Zivilisten misshandelt und zum Teil nur von alliierten Soldaten vor Übergriffen geschützt.

Der Widerstandswille der kretischen Bevölkerung kam für die deutsche Führung völlig überraschend, hatte sich doch die Bevölkerung auf dem griechischen Festland während des deutschen Vormarsches in aller Regel passiv verhalten. Diese Erfahrung und das Auffinden von deutschen Gefallenen, die (tatsächliche oder vermeintliche) Verstümmelungen aufwiesen, führten zu zahlreichen spontanen Vergeltungsmassnahmen von Seiten der eingesetzten deutschen Truppen.

Zur Aufrechterhaltung der Moral der durch grosse Verluste geschwächten Truppe und als Abschreckung erliess General Student am 31. Mai 1941 folgenden Befehl:

"Jetzt ist die Zeit gekommen, allen derartigen Fällen planmässig nachzugehen, Vergeltung zu üben und Strafgerichte abzuhalten, die auch als Abschreckungsmittel für die Zukunft dienen sollen. Ich beabsichtige, in dieser Richtung mit äusserster Härte vorzugehen.

[…] Als Vergeltungsmassnahmen kommen in Frage: 1.) Erschiessungen 2.) Kontributionen 3.) Niederbrennen von Ortschaften (vorher Sicherstellung aller Barmittel, die restlos den Angehörigen zugutekommen sollen) 4.) Ausrottung der männlichen Bevölkerung ganzer Gebiete. Die Genehmigung zu 3.) u. 4.) behalte ich mir vor. Sie ist auf dem kürzesten Wege einzuholen (mit stichwortartiger Begründung).

Es kommt nun darauf an, alle Massnahmen mit grösster Beschleunigung durchzuführen, unter Beiseitelassung aller Formalien und unter bewusster Ausschaltung von besonderen Gerichten. Bei der ganzen Sachlage ist dies Sache der Truppe und nicht von ordentlichen Gerichten. Sie kommen für Bestien und Mörder nicht in Frage".

Diese von Student befohlenen Massnahmen waren auch im Sinne des damals geltenden Kriegsvölkerrechts keine zulässigen Repressalien, sondern Kriegsverbrechen. Unmittelbar nach der Beendigung der Kampfhandlungen auf Kreta wurde am 2. Juni 1941 auf Befehl von Oberleutnant Horst Trebes in Kondomari eine unbekannte Anzahl von männlichen Zivilisten erschossen (auf einem Gedenkstein im Ort sind 23 Namen verzeichnet). Noch während der Kämpfe erging, wie ihr Kommandeur Generalmajor Ringel am 4. Juni berichtete, an die 5. Gebirgs-Division der Befehl, für jeden deutschen Gefallenen zehn Kreter zu erschiessen. Ausserdem wurden Gehöfte und Dörfer, aus denen heraus deutsche Truppen beschossen worden waren, niedergebrannt und in allen Orten Geiseln genommen.

Wegen des Widerstandes der Bevölkerung während der Invasion wurden zwei Sonderunternehmen durchgeführt. In Zusammenarbeit mit dem Reichssicherheitshauptamt, das die Fahndungslisten und die standgerichtlichen Urteile erstellte, wurden Personen gefangen genommen. Beim Sonderunternehmen Völkerbund, das von der 5. Gebirgs-Division geführt wurde, wurden 110 Männer zum Tode verurteilt und erschossen, weitere 39 Zivilisten bei bewaffnetem Widerstand oder auf der Flucht. Wegen des Widerstandes der Bevölkerung wurden in der Folge circa 50.000 deutsche Soldaten auf Kreta stationiert. Schon in den ersten Monaten wurden mehr als 2000 Kreter getötet.

Insgesamt starben nach der Niederlage der Alliierten in der Luftlandeschlacht um Kreta bis 1945 infolge der Besatzung der Achsenmächte 8575 Kreter.

Militärische Bewertung der Operation
Bei der Durchführung dieser militärischen Unternehmung zeigte sich grundsätzlich die deutsche Lufthoheit der britischen Seeherrschaft als überlegen. Letztlich war es nur dieser Luftüberlegenheit zu verdanken, dass nach dem dritten Angriffstag deutsche Verstärkungen auf dem Seewege nach Kreta überführt werden konnten und die britische Flotte nicht in der Lage war, die Landungsoperation nennenswert zu behindern.

Die Besetzung Kretas durch die Achsenmächte sicherte deren Südostflanke angesichts des bevorstehenden Überfalls auf die Sowjetunion. Dennoch hatte die Besetzung Kretas durch deutsche und italienische Truppen keinerlei strategische Auswirkungen auf die weitere Kriegsführung auf diesem Kriegsschauplatz, auch wenn Teile der Insel noch über die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 hinaus bis von deutschen Truppenverbänden kontrolliert wurden. Die Wehrmachtseinheiten auf Kreta gingen erst am 12. Mai, als letzte deutsche Besatzung, in Kriegsgefangenschaft. Sicherlich spielte die Tendenz der deutschen Führung, Afrika, den Mittelmeerraum und den Vorderen Orient als Nebenkriegsschauplätze zu betrachten, eine Rolle. Die Nichtauslösung des im April 1942 beschlossenen und für Juli festgesetzten Unternehmen Herkules, der geplanten Besetzung der Insel Malta, entwertete zum grossen Teil die Eroberung Kretas und war sicherlich auch auf die blutigen Erfahrungen von "Merkur" zurückzuführen. Gleichzeitig war dies ein Anzeichen für das generelle Fehlen einer deutschen Gesamtkriegskonzeption. So blieben die Befürchtungen der Alliierten, dass das Deutsche Reich nach dem Balkanfeldzug eine Entscheidung im Mittelmeerraum und in Afrika anstreben würde, grundlos.

Die deutsche Wehrmacht verfügte zu diesem Zeitpunkt des Krieges lediglich über eine Fallschirmjägerdivision, nämlich die 7. Flieger-Division. Diese Grossteils aus hochmotivierten Freiwilligen bestehende Division verlor nahezu die Hälfte ihrer Soldaten im Kampf gegen die britischen, australischen, neuseeländischen und griechischen Verteidiger. Nach dem verlustreichen Einsatz auf Kreta wurde die Division wieder aufgefüllt und in verschiedenen Einsätzen als "Feuerwehr" verwendet. Zur Aufstellung neuer Fallschirmjägerverbände durch die Luftwaffe kam es erst ab 1943, ohne dass diese noch in Luftlandeoperationen eingesetzt worden wären.

Die Operation "Merkur" wurde durch die deutschen Truppen nur unter grossen Verlusten erfolgreich abgeschlossen. Die Ursachen dafür lagen in Führungsfehlern, vorhandenen Mängeln in der Bodenorganisation und zu knapp bemessener Vorbereitungszeit. Die Hauptgründe waren jedoch die völlige Unterschätzung des Gegners, die Annahme, dass die Bevölkerung die deutschen Truppen freundlich empfangen würde, sowie das fehlende Überraschungsmoment, da die Briten in fast allen Einzelheiten über den bevorstehenden Angriff informiert waren. Im Schlachtbericht des XI. Fliegerkorps heisst es unter anderem:

"Die britischen Bodentruppen auf Kreta waren ungefähr dreimal so stark wie angenommen. Die Kampfgebiete auf der Insel waren mit grösster Sorgfalt und mit allen Mühen zur Verteidigung vorbereitet worden […] Alle Befestigungen waren sehr geschickt getarnt […] Die auf den Mangel an Informationen zurückzuführende Unkenntnis über die genaue Lage des Feindes gefährdete den Angriff und führte zu ausserordentlich hohen und blutigen Verlusten".

Die Westalliierten waren von der Schlagkraft der deutschen Fallschirmjäger beeindruckt. Winston Churchill befahl darauf den Aufbau von britischen Luftlandeeinheiten. Die Alliierten unternahmen im Verlaufe des Krieges grosse Luftlandungen während der Landung auf Sizilien, der Landung in der Normandie, der Luftlandung während der Operation Market Garden, mit der grössten Luftlandung während der Operation Varsity 1945.

Verluste
Das "Unternehmen Merkur" forderte auf deutscher und britischer Seite sowie unter der griechischen Zivilbevölkerung erhebliche Verluste an Menschenleben und Material. Die Royal Navy erlitt in den Seegefechten vor Kreta und hauptsächlich während der Evakuierung hohe Verluste. So wurden drei Kreuzer (Gloucester, Fiji und Calcutta) und sechs Zerstörer (Kelly, Greyhound, Kashmir, Hereward, Imperial und Juno) versenkt sowie sechs Kreuzer, fünf Zerstörer, drei Schlachtschiffe und der einzige Flugzeugträger zum Teil stark beschädigt. Dabei fanden über 2000 britische Seeleute den Tod.

Insgesamt gerieten etwa 5000 britische und Empiresoldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft, wobei später durch Kommando-Unternehmen einigen Hundert zur Flucht verholfen wurde.

Die Deutschen hatten Verluste von 6200 Soldaten zu beklagen, darunter 3714 Gefallene und 2494 Verwundete. Alle auf Kreta geborgenen 4465 deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges wurden 1974 auf den neugestalteten Deutschen Soldatenfriedhof Maleme umgebettet. 3352 der Gefallenen auf dem Soldatenfriedhof Maleme starben bei der Luftlandeschlacht um Kreta. Die Gefallenen der Alliierten und zwei deutsche Soldaten sind auf dem Souda Bay War Cemetery begraben.

Prominentester Verwundeter war die Boxlegende Max Schmeling, der sich am 21. Mai bei der Landung eine Verletzung zuzog.

Von den 493 durch die Luftwaffe eingesetzten Junkers 52 wurden 271 abgeschossen oder waren so schwer beschädigt, dass sie icht mehr einsetzbar waren.