Die Operation Overlord

Von der Vorgeschichte bis zur Landung      
(aus Wikipedia)

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051_17/Plan zur Operation Overlord und zur begleitenden Bomberoffensive, mit den deutschen Stellungen am 6. Juni 1944

Operation Overlord (englisch für Oberherr, Lehnsherr) war der Deckname für die in Nordfrankreich 1944 stattgefundene Landung der Westalliierten der Anti-Hitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene Errichtung der von der Sowjetunion zur Entlastung der Roten Armee seit längerem gewünschten zweiten Front gegen das Deutsche Reich. Die Landung vorwiegend mit Hilfe von Schiffen und massiver Luftunterstützung erfolgte im Wesentlichen ab dem 6. Juni 1944 (D-Day) an der französischen Küste des Ärmelkanals östlich von Cherbourg in der Normandie.

Die deutsche Führung hatte an der Atlantikküste ein System von Verteidigungsanlagen, den sogenannten Atlantikwall, errichtet und rechnete – auch wegen der alliierten Täuschungsoperation Fortitude – mit einer alliierten Invasion weiter östlich beim Pas-de-Calais, da dort der Weg über den Kanal wesentlich kürzer war.

"Unter Einsatz von 6400 Schiffen […] landeten bis 12. Juni 326.000 Mann, 104.000 Tonnen Material und 54.000 Fahrzeuge. Bis zum 30. Juni belief sich die Anzahl angelandeter Truppen bereits auf 850'000 Mann".

Nach der Sicherung eines Brückenkopfs war die Invasion mit dem Durchbruch bei Avranches Ende Juli 1944 gelungen. Am 25. August 1944 wurde Paris befreit.

An den Kämpfen nahmen Truppen aus den Vereinigten Staaten, Grossbritannien, Kanada, Polen, Frankreich, Neuseeland und weiteren Staaten teil. Für das Unternehmen wurde die grösste Landungsflotte des Krieges zusammengezogen und eine grosse Anzahl von Flugzeugen bereitgestellt (siehe auch Seekrieg während der Operation Overlord und Luftkrieg während der Operation Overlord).

Zum Gedenken an die Gefallenen und die Ereignisse errichteten ehemalige Kriegsteilnehmer nach dem Krieg mehrere Friedhöfe, Gedenkstätten und Museen im ehemaligen Operationsgebiet. Operation Overlord nimmt insbesondere in der amerikanischen und britischen Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle ein und ist Gegenstand zahlreicher Sachbücher, Romane und Spiele sowie von Dokumentar- und Spielfilmen.

Kurzchronik
Nach den ersten Landungstagen bauten die Alliierten ihren Brückenkopf weiter aus. Im Westen des Invasionsgebietes behinderte sie dabei das nur schwer zu durchdringende Bocage-Gelände. Vorrangiges Ziel war der Hafen von Cherbourg. Im Osten waren die deutschen Elite-Panzerverbände konzentriert (Schlacht um Caen), da ein dortiger Durchbruch direkt nach Paris führen konnte.

Nach wochenlangen Kämpfen gelang es in der Operation Cobra nach einem Grossangriff von US-Truppen die deutschen Stellungen im Westen des Invasionsbereiches nahe der Atlantikküste zu durchbrechen.

Die Amerikaner rückten danach sofort in verschiedene Richtungen vor: Weiter nach Westen in die Bretagne, teils in den Süden zur Loire; mit dem Gros nach Osten nach (Paris) und mit einigen Divisionen den Kanadiern, Polen und Briten entgegen, um die verteidigende 7. Armee (Wehrmacht) im Kessel von Falaise einzuschliessen. Paris blieb vor Kriegszerstörungen bewahrt.

Der von Hitler kurzfristig von der im Sommer ebenfalls angegriffenen Ostfront in den Westen kommandierte Generalfeldmarschall Walter Model organisierte sofort und ohne Nachfragen den Rückzug der deutschen Truppen aus dem grössten Teil Frankreichs. Ab Herbst 1944 bildeten sich vor der deutschen Westgrenze wieder stabilere Fronten.

Vorgeschichte und alliierte Planung
Die Rettung des grössten Teiles seines Expeditionsheeres aus Frankreich während der Schlacht von Dünkirchen Anfang Juni 1940 versetzte England moralisch und auch personell in die Lage die Schlacht, um die Insel gegen die deutsche Luftwaffe zu bestehen und damit auch Hitlers Invasionsdrohung abzuwenden.

Unmittelbar nach dem Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich am 22. Juni 1940 – in der folgenden Nacht – "unternahmen britische Kommandos bei Boulogne einen Erkundungsvorstoss an die französische Küste". Es gab ein kurzes Gefecht, aber keine weiteren Ergebnisse. Ein symbolischer Neuanfang war gemacht. Schon im Juli 1940 "bildete Churchill ein Kommando für amphibische Unternehmen" und beauftragte am 5. Oktober 1940 den Planungsstab, "die Möglichkeiten offensiver Operationen in Europa, darunter die Bildung eines Brückenkopfes auf der Halbinsel Cherbourg, zu untersuchen".

Mitte September 1940 hatte die Royal Air Force die Luftüberlegenheit errungen und schon Teile der deutschen Transportflotte zerschlagen, so dass Hitler sich für einen "Aufschub der ‚Operation Seelöwe‘ für unbestimmte Zeit" entschied.

Deutsches Zwischenspiel
Gegen Ende des Jahres 1940 unternahm Hitler eine Initiative, um den Krieg gegen England offensiv fortsetzen zu können und schlug der Sowjetunion einen "Viermächtepakt" (noch mit Italien und Japan) zur "Verteilung des britischen Empire" und der "Abgrenzung ihrer Interessensphären im weltweiten Rahmen" vor. Die Besprechung dazu fand am 12. und 13. November 1940 in Berlin zwischen Ribbentrop und Molotow und zeitweilig auch mit Hitler statt. Während die Deutschen nicht mit offenen Karten spielten (es ging darum, "Russland aus der Balkansphäre wegzuziehen und nach Osten hin zu orientieren" – Hitler an Mussolini am 20. November 1940), hatte Molotow die sowjetischen Interessen klar definiert – Schwarzes Meer und Ostsee sowie der Balkan – und konkret nach den deutschen Absichten gefragt und nach Garantien für die Sowjetunion verlangt. Hitler hielt sich daraufhin bedeckt und als zwei Wochen nach der Konferenz Stalin die genannte Festlegung der russischen Interessen bekräftigte, wurde "Hitlers Antwort […] nicht nach Moskau gesandt, sondern ging am 18. Dezember [1940] als Weisung an seine Oberbefehlshaber: ‚Die deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Beendung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen‘ (Fall Barbarossa)". Noch sah es für Hitler so aus, als könne er die Briten durch eine Eroberung des Mittelmeerraumes in eine strategische Defensive bringen, doch erhielt dieser Plan durch die Bündnisabsage Francos am 26. Februar 1941 einen entscheidenden Dämpfer.

Am 8. Februar 1941 stimmte nach dem Senat auch das Repräsentantenhaus Roosevelts Leih- und Pachtgesetz zur Unterstützung Grossbritanniens zu. Damit war auch für Hitler klar, dass er die Sowjetunion möglichst schnell niederwerfen musste, wenn er einen Zweifrontenkrieg vermeiden wollte.

Nach dem Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 äusserte Churchill am selben Tag: "Wir haben nur ein Ziel, eine einzige unwiderrufliche Aufgabe. Wir sind entschlossen, Hitler und jede Spur des Naziregimes zu vernichten. Davon wird uns nichts abbringen – nichts". Bald darauf bekräftigte Roosevelt diese Äusserung.

Am 3. Oktober 1941 hatte Hitler bereits seinen Sieg im Osten verkündet und schon Ende September 1941 befohlen, die notwendige Umrüstung zum Aufbau der zum unmittelbaren Angriff auf die britischen Inseln nötigen Luft- und Seemacht einzuleiten. Als die Rote Armee am 5. Dezember 1941 vor Moskau zur Gegenoffensive überging, zerstob die Illusion vom schnellen Feldzugsende.

Tauziehen um die zweite Front
Noch im Juni 1941, als "sich Russland von einem unfreundlichen neutralen in einen hilfsbedürftigen Verbündeten verwandelte, sandte Stalin an Churchill das erste einer Reihe von Schreiben, die auf sofortige Bildung einer zweiten Front in Frankreich drängten".

Als Stalins Schreiben vom 4. September 1941 zu einer vorwurfsvollen Forderung wurde, kam es zu einer scharfen Kontroverse mit Churchill. Gleichwohl wies Churchill den Planungsstab umgehend an, die Planungen für Operationen auf dem Festland abzuschliessen, was im Dezember 1941 als Entwurf mit Bezug auf den Sommer 1943 auch geschah.

Zwei Wochen nach dem Angriff auf Pearl Harbor, den US-Flottenstützpunkt auf Hawaii, am 7. Dezember 1941 und dem damit verbundenen Kriegseintritt der USA kamen Churchill und Roosevelt sowie ihre Führungsstäbe zur Arcadia-Konferenz in Washington D.C. zusammen (22. Dezember 1941 bis zum 14. Januar 1942). "Sie beschlossen, die gesamten militärischen und wirtschaftlichen Mittel der beiden Nationen unter der Leitung eines gemeinsamen Kommandos, des ‚Kombinierten Komitees der Stabschefs‘, zusammenzulegen". Befürchtungen der Briten, die Amerikaner würden nach Pearl Harbour ihre Ziele ändern, zerstreute General George C. Marshall, der Vorsitzende des Komitees: "Trotz dem Eintritt Japans in den Krieg ist es nach wie vor unsere Ansicht, dass Deutschland der Hauptfeind und seine Niederlage der Schlüssel zum Sieg ist. Ist erst Deutschland geschlagen, dann müssen der Zusammenbruch Italiens und die Niederlage Japans folgen".

Am 9. März 1942 ergriff Roosevelt wieder die Initiative und am 8. April trafen Marshall und Harry Hopkins, der persönliche Berater des Präsidenten, in London ein. Den Vorbereitungen zur Operation Roundup, die eine Landung in Nordfrankreich 1943 vorsah, folgte nun mit Beschluss vom 14. April 1942 die Planung der Operation Sledgehammer als "Notmassnahme" (Churchill) für den Fall, "eine Landung in Frankreich 1942 zu versuchen, wenn ein verzweifeltes Unternehmen notwendig werden sollte, um die Sowjetunion vor dem Zusammenbruch zu bewahren".

Zur "Ausnutzung der Zeitspanne" nahm Roosevelt Churchills Vorschlag an, die dann Operation Torch genannte anglo-amerikanische Landung in Tunesien auszuführen.

Die "Verzweiflung" rührte auch daher, dass neben dem Vordringen Japans und der unklaren Lage in Afrika sich vor allem der Seekrieg für die Westalliierten katastrophal zu entwickeln begann.

Im Mai 1942 traf Molotow in London ein, "um über ein englisch-russisches Bündnis zu verhandeln und unsere Ansichten über die Eröffnung einer Zweiten Front kennenzulernen". Nachdem Molotow zwischenzeitlich auch in Washington war, wurde am 11. Juni 1942 in London ein Kommuniqué veröffentlicht, das den Satz enthielt: "Im Verlauf der Verhandlungen wurde über die dringende Aufgabe, im Jahre 1942 eine Zweite Front in Europa zu errichten, volle Verständigung erzielt".

Churchill schreibt weiter: "Mir aber schien es vor allem wichtig, dass dieser Versuch zur Irreführung des Gegners nicht auch unseren Bundesgenossen irreführte. Ich händigte deshalb Molotow […] ein aide-mémoire aus, in dem ich klarstellte, dass wir zwar unser Bestes versuchten, Pläne zu machen, uns aber nicht zu einer Aktion verpflichteten und kein Versprechen geben könnten".

Den Sommer 1942 über wurde an "Sledgehammer" gearbeitet, doch führte dies lediglich zur Erkenntnis der Aussichtslosigkeit des Unternehmens. Die Akte wurde geschlossen: "Alle waren wir für die grosse Kanalüberquerung im Jahr 1943. Doch unausweichlich erhob sich die Frage: Was tun wir in der Zwischenzeit? […] Präsident Roosevelt war entschlossen, dass so viele Amerikaner wie nur möglich, den Deutschen schon im Jahr 1942 gegenübertreten sollten. Wo nun liess sich das erreichen? […] in Französisch-Nordafrika".

Landung in Dieppe

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051_18/Tod und Zerstörung am Strand von Dieppe

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051_19/Kartenausschnitt des Landeversuches

Die Alliierten planten ausserdem, einen Angriff auf die französische Stadt Dieppe durchzuführen, der hauptsächlich das Ziel hatte, zu erkunden, ob es möglich wäre, einen Hafen auf dem besetzten Festland über einen kurzen Zeitraum zu halten. Des Weiteren sollten nachrichtendienstliche Informationen gesammelt und das Verhalten der deutschen Besatzer analysiert werden. Diese Operation Jubilee ging massgeblich von Admiral Lord Louis Mountbatten, Chef der Combined Operations, aus und fand am 19. August 1942 statt. Für den Angriff wurden überwiegend kanadische Soldaten ausgewählt, die nach längerer Zeit wieder einen Kampfeinsatz bestreiten sollten.

In Grossbritannien verfestigte sich die Erkenntnis, dass die von Josef Stalin geforderte zweite Front in Westeuropa 1942 noch nicht aufgebaut werden könne. Des Weiteren lieferte der Dieppe-Angriff wichtige Erkenntnisse für die spätere Operation Overlord. Inwieweit der Scheinangriff dazu dienen sollte, Stalin davon zu überzeugen, dass die von ihm geforderte Invasion 1942 noch nicht möglich sei, ist bei Historikern umstritten.

Die NS-Propaganda versuchte, den fehlgeschlagenen alliierten Vorstoss als gescheiterten Versuch einer gross angelegten Invasion hochzuspielen. Die Verluste der Alliierten beliefen sich auf insgesamt 4304 Gefallene, Verwundete und Gefangene, darunter 907 tote Kanadier. Von den 4963 Kanadiern kehrten 2210 nach dem Einsatz zurück, viele davon verwundet. Insgesamt kamen ungefähr 2000 alliierte Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft. 119 alliierte Flugzeuge gingen verloren (davon mit 106 Maschinen der höchste Tagesverlust in der Geschichte der RAF). Die Wehrmacht hatte demgegenüber Verluste in Höhe von etwa 591 Mann erlitten (mindestens 311 Gefallene und 280 Verwundete), ausserdem 48 Flugzeuge.

Die Planung für 1944

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051_20/Gruppenbild Casablanca-Konferenz

Auf der Casablanca-Konferenz im Januar 1943, nach der unterdessen erfolgreich durchgeführten ersten Invasion an der nord-afrikanischen Küste, der Operation Torch, kamen die Combined Chiefs of Staff zum Schluss, dass die Vorbereitungen zur Operation Roundup nicht vor Mitte August beendet sein würden. Damit wäre ein Start der Invasion

nicht vor dem Spätherbst 1943 möglich, was hiesse, dass Roundup nicht die sowjetische Sommeroffensive unterstützen könnte. Die Landung an der italienischen Küste auf Sizilien sollte vorgezogen werden, und die Invasion Westeuropas wurde auf 1944 verschoben, wobei sich die Briten noch die Option für einen kleinen Brückenkopf ab Ende 1943 vorbehielten. Darüber hinaus wurde die Vernichtung der deutschen Luftwaffe durch Luftangriffe noch 1943 und darauffolgende Angriffe auf Versorgungseinrichtungen beschlossen, die die grosse Landung 1944 vorbereiten sollten.

Auf der amerikanisch-britischen Trident-Konferenz im Mai in Washington legten Churchill und Roosevelt sich auf den Mai 1944 als Invasionstermin fest. Stalin wurde nach dieser Konferenz davon informiert, dass es 1943 keine Invasion mehr geben werde. Auf der Quadrant-Konferenz im August in Quebec wurden erste detaillierte Pläne für die Operation Overlord vorgelegt.

Operation Skyscraper
Der Roundup-Plan wurde ab März 1943 vom britischen Lieutenant General Frederick E. Morgan, dem späteren COSSAC, deutlich erweitert. Eine erste Version, genannt Operation Skyscraper, sah eine Landung an den Stränden bei Caen und den östlichen Cotentin-Stränden vor, wobei vier Divisionen die erste Welle bilden und weitere sechs dieser direkt folgen sollten. Zusätzlich waren elf Sonderkommandos für spezielle Einsätze geplant und ebenso vier Luftlandedivisionen zum Angriff auf den deutschen Nachschub. Nach dem ersten Brückenkopf, der auch Cherbourg mit einschloss, war die Eroberung weiterer Häfen zur Sicherung des eigenen Nachschubs angedacht. Der Vorstoss sollte in Richtung der Häfen an der Seine-Mündung verlaufen, mit einer notwendigen weiteren Landung bei Le Havre. Im weiteren Verlauf sollte Antwerpen fallen, um die alliierten Truppen zwischen dem Pas-de-Calais und der Ruhr aufzustellen. Die Planung von Skyscraper war von der Aufdeckung der Hauptprobleme für eine Kanalüberquerung geprägt, die im Wesentlichen in der Bereitstellung einer genügenden Anzahl von Landungsschiffen lagen. Als absolutes Minimum wurde eine zu befördernde Anzahl von zehn Divisionen angesehen, die gerade ausreichen würden, die aktuellen Feindeinheiten im Westen zu bekämpfen. Sollte es den Alliierten nicht gelingen, zusätzliche deutsche Truppen-verlegungen nach Frankreich zu verhindern, musste die Invasionsflotte zum Transport weiterer Divisionen aufgestockt werden. Zwei zusätzliche Divisionen mussten zur Küstenverteidigung bereitstehen.

Die Operation Skyscraper stellte hohe Anforderungen, nicht zuletzt um die Abhängigkeiten von Truppenstärken, Materialverfügbarkeit, Zeitabläufen und Kosten zu entwirren, die wesentlich zum Stillstand der Roundup-Planungen beitrugen. Die Planer drängten aber auch auf eine schnelle Entscheidung, um ihre Forderungen nicht gegen eine aufkommende gegnerische Aufrüstung durchsetzen zu müssen. Je länger sich die Planungsphase hinzog, desto mehr stellte sich heraus, dass die Alliierten für eine Invasion noch nicht bereit waren. Schliesslich waren die Ziele für die Operation Skyscraper doch zu hoch gesteckt. Die britischen Planer zogen sich aus dem Stab zurück, da ihnen der Gedanke an "entschiedenen Widerstand" nicht ausreichend erschien, um die Anzahl der Angriffsdivisionen zu bestimmen. So kam es zu einem Bruch in der Invasionsplanung.

Operation Overlord
Da einige der Planer zum COSSAC-Stab wechselten, gingen viele der Skyscraper-Ideen nicht verloren und wurden in die Operation Overlord übernommen. General Morgan sah aber auch, dass ein Neubeginn mit einem neuen Ansatz unumgänglich war. Zwar waren sehr viele verwertbare Daten gesammelt worden, aber ein konsistenter, praxistauglicher Plan fehlte noch. Morgan wies seinen Planungsstab an, die vorhandenen Pläne weitestgehend zu berücksichtigen, um Zeit zu sparen, aber die Planungsarbeiten als etwas völlig Neues zu betrachten.

Die dann vorgelegte Gesamtkonzeption bestand hauptsächlich aus einer gross angelegten Landoffensive, deren Höhepunkt aus der Invasion und Besetzung Deutschlands mit etwa 100 Divisionen bestand. Das Eröffnungsszenario sollte eine kanadische Armee im Südwesten bestreiten, während die Hauptstreitmacht in den USA bereitstand, um den Atlantik zu überqueren. In Anbetracht der notwendigen Luftunterstützung sollte der Angriff über die linke Flanke erfolgen, gegenüber den britischen Einheiten. Weitere amerikanische Kräfte sollten den Brückenkopf erweitern und die Häfen erobern, über die die Haupteinheiten aus den USA an Land gehen sollten. Um einer Verwirrung der administrativen Zuständigkeiten vorzubeugen, war es besser, den kanadischen Brückenkopf als linke Flankendeckung der Amerikaner zu bezeichnen. Jedenfalls bedeutete die Öffnung der Atlantikhäfen eine Verlegung des Invasionsortes von Osten weiter nach Westen. So war Morgan schnell klar, dass die Landungen nur in Frankreich stattfinden konnten. Die Häfen in Belgien und den Niederlanden zu erobern hätte bedeutet, dass die Landungstruppen auch direkt den Kampf um Deutschland hätten aufnehmen müssen.

Unter der Annahme, dass die Deutschen die bestmögliche Abwehr an der Küste etablieren würden, und in Anbetracht der den Alliierten zur Verfügung stehenden Ressourcen schätzte Commodore John Hughes-Hallett, der britische Marine-Chefplaner im Mai, dass die Landungstruppen aus vier Divisionen mit zusätzlich 16.000 Soldaten in gepanzerten Landungsschiffen und etwa 12.000 Fahrzeugen in LSTs und ähnlichen Schiffen bestehen müssten. Eine weitere Division müsste innerhalb von 24 Stunden an Land gehen.

Doch das Hauptproblem, die Verfügbarkeit von Landungsschiffen aller Art, war immer noch nicht gelöst. Die Briten versuchten, den Amerikanern eine Versicherung abzuringen, dass die Schiffe rechtzeitig zur Verfügung ständen. Durch die damalige aktuelle Lage im Pazifikkrieg liessen sich die Amerikaner aber vorerst nicht zu einer derartigen Zusicherung überreden, obwohl die Massenproduktion von amphibischen Einheiten aufgrund des Marshall-Memorandums seit 1942 auf Hochtouren lief. Die Verantwortung dafür trug die US-Marine, die zwar in ihren Werften alle Arten von Schiffen vom Kanonenboot bis zum Flugzeugträger baute, aber keinerlei Erfahrungswerte mit Landungsbooten hatte. Zudem waren die Werften auch noch mit älteren Aufträgen stark belastet. Aus diesem Grund gaben sie die Aufträge an kleinere Werften in das amerikanische Inland ab. Es wurde aber schwierig, die Mannschaften zu finden und zu trainieren, die die Boote zur atlantischen Küste fuhren. Diese Aufgabe übernahm schliesslich die amerikanische Küstenwache mit technisch schlecht ausgebildetem Personal. Beispielsweise konnte ein schwerer Unfall, den ein junger Kommandant einer Inlandfähre fast auslöste, nur knapp verhindert werden. Er steuerte nachts ein Landungsboot den Niagara-Fluss hinunter und verpasste die Abzweigung in den Eriekanal, so dass er direkt auf die Niagarafälle zulief. Alle Warnzeichen vom Ufer missachtend, lief sein Boot aber einige hundert Meter vor dem Wasserfall auf Grund. Als er später befragt wurde, sagte er aus, dass er die Lichtzeichen wohl gesehen habe, deren Bedeutung allerdings nicht kannte. Diese Unerfahrenheit verzögerte zwar das Programm, konnte es aber nicht ernsthaft gefährden. Im Februar 1943 endete das Programm vorerst wie vorgesehen mit einer Rekordproduktion von 106.146 Verdrängungstonnen. Das Programm wurde danach zwar fortgesetzt, aber die Produktionszahlen wurden heruntergefahren, und im Mai 1943 wurden nur noch 60.000 t im Monat produziert.

Die Briten drängten die USA zu einer Erhöhung der Produktion, um zum vorgesehenen Zeitpunkt im Frühjahr 1944 über die geplante Landeflotte zu verfügen. Da die britischen Produktionsstätten selbst voll ausgelastet waren, mussten die Boote aus den USA kommen. Im Gegenzug argumentierten die Amerikaner mit der Verzögerung ihrer anderen Schiffsbauprogramme durch den hohen Ausstoss an Landungsschiffen seit 1942. Sie waren für die folgenden sechs Monate nicht gewillt, weitere Auftragsverschleppungen hinzunehmen.

Konferenz von Teheran

Auf der Konferenz von Teheran im November 1943, einer Konferenz der Anti-Hitler-Koalition, an der erstmals Josef Stalin teilnahm, hatten US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill die Operation Overlord zur Landung in Nordfrankreich für Mai 1944 angekündigt. Für eine zweite in Südfrankreich stattfindende Landung war die Operation Dragoon im Gespräch.

Diese zweite Landung wollte Churchill verschieben und erst auch Norditalien erobern und dann auf dem Balkan landen, um dort ein Gegengewicht zum sowjetischen Vormarsch zu bilden. Er konnte sich damit nicht durch setzen. Während die Briten und Amerikaner zwei getrennte Aktionen vorschlugen, wollte Stalin diese als gleichzeitig vorgetragenen Zangenangriff aus dem Süden und Norden Frankreichs auf die deutschen Besetzer sehen. Damit gerieten die Westalliierten unter Zugzwang und begannen, die Operation Overlord wie auch die Operation Dragoon nun endgültig in allen Einzelheiten auszuarbeiten. Schon Anfang 1944 begannen sie in Grossbritannien mit den ersten Übungen für die Landung, die allerdings noch nicht den Ausarbeitungen für die Operation Neptune, dem Angriffsplan für die Normandieküste folgen konnten, da dieser zu der Zeit erst in seinen Grundzügen existierte.

Dazu wurde eine gemeinsame Kommandostelle in Betracht gezogen, die die Koordination zur Vorbereitung und Durchführung der Aktion übernehmen musste. Diese wurde mit der Gründung des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force (SHAEF) Mitte Februar 1944 etabliert. SHAEF beinhaltete neben dem Führungsstab und operativen Abteilungen auch eine Aufklärungsabteilung, die für das Ausspähen der deutschen Stellungen für die geplante Landung äusserst wichtig war.

Der Stab des SHAEF nahm den Grundriss des von Frederick E. Morgan entwickelten Plans und formte ihn in die Endversion, der Operation Overlord, die am 6. Juni 1944 von General Dwight D. Eisenhower und dem Landstreitkräftekommandanten für den Anfangsteil der Invasion, General Sir Bernard Montgomery gestartet wurde.

Die Planung umfasste im Wesentlichen folgende Operationen:

  • verschiedene Trainingsoperationen für die beteiligten See- und Landtruppen, zur Landung an den Strandabschnitten, darunter die Exercise Tiger
  • Operation Fortitude zur Ablenkung und Desinformation des deutschen Geheim- und Aufklärungsdienstes (s. u. Alliierte Täuschungsvorkehrungen ("Operation Fortitude"))
  • Operation Neptune – Sturmangriff auf die Befestigungen in der Normandie und die Etablierung eines Brückenkopfes inklusive der Errichtung zweier Nachschubhäfen (Mulberry-Hafen)
  • Eroberung von Cherbourg mit seinem Tiefwasserhafen
  • Erringung der Luftherrschaft über die Normandie und später über das komplette Frankreich
  • Eroberung der kompletten französischen Ärmelkanalküste mit ihren Häfen
  • Vorrücken der Truppen auf Paris mit dem Ziel, die Stadt zu befreien
  • Befreiung ganz Frankreichs
  • Planung einer strategischen Bombardierung deutscher Ziele auf deutschem Boden
  • Bildung einer alliierten Westfront.

Deutsche Massnahmen
Noch vor der Konferenz von Teheran, am 3. November 1943:

  • Hitlers ‚Weisung Nr. 51‘ (die letzte strategische Weisung, die er erteilt) sieht eine Verstärkung der dt. Kräfte im Westen zur Abwehr einer alliierten Invasion vor. (Die Gefahr im Osten ist geblieben, aber eine grössere im Westen zeichnet sich ab; die angelsächsische Landung! […] Gelingt dem Feind hier ein Einbruch in unsere Verteidigung in breiter Front, so sind die Folgen unabsehbar. [Hitler]).
  • Mitte Dezember 1943: Generalfeldmarschall Rommel beginnt mit der Überprüfung der Verteidigungsmassnahmen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Zum 1. Januar 1944 übernimmt Rommel als OB der H. Gr. B – unter dem OB West (v. Rundstedt) "die Führung aller dt. Kräfte nördl. der Loire".
  • Mai 1944: Bildung der Armeegruppe G. (Generaloberst Blaskowitz) in Frankreich südl. der Loire unter dem OB West.
  • Juni 1944: Beim Frühstück erhält Hitler die Nachricht von der Invasion in Frankreich. Er bemerkt zu Keitel: Die Nachrichten können gar nicht besser sein. So lange sie in England waren, konnten wir sie nicht fassen. Jetzt haben wir sie endlich dort, wo wir sie schlagen können.

Vorbereitung
Besondere Ausrüstung der Alliierten

Zu Beginn des Jahres 1944 konnten Major-General Percy Hobart, Eisenhower und Montgomery eine Brigade von schwimmfähigen DD tanks, Crab-Minenräumfahrzeugen und AVRE-Panzern, sowie ein Regiment von "Crocodile" Flammenwerfer-Panzern vorführen, die alle zu den Hobart’s Funnies gehörten. Montgomery war davon überzeugt, dass sie auch den US-Streitkräften zugänglich gemacht werden sollten, und bot ihnen die Hälfte der verfügbaren Fahrzeuge an. Die Amerikaner reagierten verhalten auf diesen Vorschlag. Eisenhower gefielen die Schwimmpanzer, aber er überliess die Entscheidung den anderen Führungskräften, wie etwa General Omar Bradley, der sie wiederum an seine Offiziere verwies. Von den anderen Entwürfen nahmen die Amerikaner nichts an.

In Anbetracht der Notwendigkeit einiger neuer experimenteller Fahrzeuge, die das Vorankommen an den französischen Invasionsstränden unterstützen sollten, war bereits 1943 die Entscheidung von Feldmarschall Alan Brooke gefallen, diese zu entwickeln. Es war nötig, die Hindernisse an den britischen Landungsstränden schnellstmöglich aus dem Weg zu räumen, da das relativ flache Hinterland einen frühen deutschen Gegenangriff ermöglichte. Einige der Ideen waren schon etwas älter, getestet und schon eingesetzt worden, wie beispielsweise die Scorpion-"Dreschflegel"-Panzer, umgebaute Matilda-Panzer, die in Nordafrika den Briten den Weg durch die deutschen Minenfelder geebnet hatten.

Der Invasionsplan sah ausserdem die Errichtung von zwei künstlichen "Mulberry"-Häfen vor, um in den ersten Wochen der Invasion Truppen und Ausrüstung an Land zu bringen. Des Weiteren sollten unter dem Wasser verlaufende Pipelines gelegt werden, um die alliierten Streitkräfte mit Treibstoff zu versorgen (Operation PLUTO).

Aufklärungsoperationen
Mittels Luftbildaufnahmen, Zeichnungen der Résistance, der Sammlung privater Urlaubsbilder in Grossbritannien und einzelner Kommandooperationen, bei denen ergänzend Sand- und Gesteinsproben genommen wurden, erstellten die Alliierten ein Profil des Landungsbereiches.

Die britische Admiralität hat sich über die BBC am 19. Mai 1942 an die Bevölkerung gewandt, mit der Bitte, dass ihr Postkarten und Fotos, die die französische Küste zeigen, zugesandt würden. Innerhalb kurzer Zeit erhielt die Admiralität neun Millionen Fotos und Karten, von denen ca. 500.000 kopiert und von Fachleuten ausgewertet wurden. Auf diese Weise wurde eine Vielzahl von geologischen Details entdeckt, die auf keiner Karte verzeichnet waren.

Im Herbst 1943 stellten die Kartografen der Alliierten dann fest, dass die Karten der Normandie auf Vermessungen der Jahre 1895/96 beruhten und somit nur noch bedingt zu gebrauchen waren. Es wurden daher alle Landungsabschnitte sowohl aus 10.000 Meter Höhe als auch im Tiefflug fotografiert. Zur Ablenkung wurden für jeden Flug über der Normandie zwei im Pas-de-Calais durchgeführt. Ziel war die Erstellung einer "D-Day Invasion Map", die allen Einheiten die Orientierung erleichtern sollte. Das Kartenwerk war im Juni 1944 fertig und ging mit einer Gesamtauflage von über 18 Millionen Stück in die Produktion.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1943 landeten zehn Mitglieder der so genannten "Forfar Force", einer Sondereinheit aus dem X. "deutschen" Trupp des 10. interalliierten Commandos und der Special Boat Section (SBS), nahe dem normannischen Seebad Onival bei Le Tréport. Die Landung war der erste von insgesamt sieben Aufklärungsangriffen im Verlauf der Operation Forfar Easy, die zum Ziel hatten, die in Küstennähe stationierten deutschen Verbände zu identifizieren, Umfang und Art der Strandhindernisse festzustellen, deutsche Stellungen zu verzeichnen und Bodenproben zu nehmen. Ausgerüstet waren die deutschsprachigen Soldaten der Sondereinheit mit deutschen Uniformen und Waffen. Teilweise hielten sich die Trupps längere Zeit in den Dörfern im Pas-de-Calais-Gebiet und in der Normandie auf und tauschten mit den Einheimischen Postkarten mit eingezeichneten deutschen Stellungen gegen Schokolade. Bis zum August 1943 hatte die Sondereinheit ihre Operation beendet.

Bei den Vorbereitungen auf die Normandielandungen wurden auch britische Chariots (bemannte Torpedos) und Kampftaucher eingesetzt, um den Meeresgrund entlang der Normandieküste nach Hindernissen abzusuchen. Diese untersuchten das Gewässer und inspizierten den Strand, soweit das möglich war, weshalb den Alliierten gute Informationen zum Landungsbereich zur Verfügung standen. Des Weiteren wurden Modelle der Umgebung gebaut, die auf Luftbildern der Royal Air Force (R. A. F.) und Berichten von französischen Widerstandskämpfern basierten.

Am 12. Januar 1944 stellte das COPP (Combined Operations Pilotage Parties) fest, dass es einige Probleme mit den Landungs-stränden geben könnte, da bei Proben Torf und Lehm gefunden wurden. Der Physiker Professor J. D. Bernal beschrieb mögliche Auswirkungen des Torfs und Lehms:

"A large part of the area between Asnelles and la Rivière will prove impassable even to lightly equipped infantry without vehicles".

"Ein grosser Teil des Gebiets zwischen Asnelles und la Rivière (beides Gemeinden im Kanton Ryes) wird sich als undurchdringlich erweisen, sogar für nur leicht ausgerüstete Infanterie ohne Fahrzeuge".

Aufgrund Bernals Report wurden weitere Erkundungsmissionen befohlen, um zusätzliche Proben zu nehmen. Ausserdem wurden französische Geologen nach Paris geschickt, um geologische Karten der Normandie zu suchen. Vier Karten wurden gefunden und nach England geschmuggelt, wo sie vom Inter-Services Topographical Department in Oxford begutachtet wurden. Die Warnungen von Bernal erwiesen sich als zu pessimistisch, obwohl trotzdem mit dem Verlust einiger gepanzerten Fahrzeuge gerechnet werden musste.

Am 17. Januar stach ein alliiertes U-Boot, die HMS X20, im Verlauf der Operation Postage Able von England aus in See, um vier Tage lang die französische Küste auszukundschaften. Während des Tages analysierte die Besatzung die Uferlinie und den Strand mit dem Periskop und lotete mit einem Echolot den Meeresgrund aus. In den Nächten schwammen zwei der Besatzungsmitglieder an den Strand – jeder mit einer Spezialausrüstung, die unter anderem ein Unterwassernotizbuch mit Bleistift, einen Kompass, einen 45er-Revolver und einen Erdbohrer umfasste. Bodenproben wurden in Präservativen gesammelt. Die Taucher gingen in zwei Nächten an Land, um die Strände bei Vierville, St. Laurent, Les Moulins und Colleville, die den US-amerikanischen Strandabschnitt Omaha Beach bilden würden, zu überblicken. In der dritten Nacht sollten sie an der Ornemündung an Land gehen, konnten dies aber aus Erschöpfung und wegen schlechter Wetterverhältnisse nicht durchführen, woraufhin sie am 21. Januar nach England zurückkehrten. Sie brachten Informationen über die geologische Beschaffenheit der Strände, die Position von Felsen und die Gezeiten mit.

Am 31. März stand die gesamte Küste Nordfrankreichs bereits unter der Beobachtung speziell ausgerüsteter alliierter Flugzeuge mit horizontalen und vertikalen Kameras. Aufklärungsflüge ergaben, dass die Anzahl deutscher Batterien innerhalb von acht Wochen von 16 auf 49 Artilleriebatterien (für die gesamte Küste Nordfrankreichs) gestiegen war.

Übungen und Planungslücken

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051_22/Invasionstraining an der englischen Küste – Manöver mit echter Munition

Die Alliierten probten die Invasion bereits Monate vor dem D-Day. So übten alliierte Streitkräfte am 28. April 1944 südlich von Devon im Verlauf der Exercise Tiger eine Landung. Als der Schiffskonvoi von deutschen Schnellbooten entdeckt und torpediert wurde, verloren 749 US-amerikanische Soldaten ihr Leben. Eine Gefahr für den Erfolg der Operation Fortitude (vgl. Alliierte Täuschungsvorkehrungen ("Operation Fortitude")) und somit auch der gesamten Invasion stellte das Reiseverbot in die und aus der Republik Irland (die neutral war und teilweise mit den Deutschen kooperierte) dar, ebenso wie das Verbot, sich in den Küstenbereichen zu bewegen, die für die Operation Overlord genutzt wurden. Um diesen deutlichen Hinweis auf eine Invasion zu entwerten, überschütteten die alliierten Geheimdienste die deutschen Konsulate mit Fehlinformation, sodass die Verbote von den Deutschen letztlich ignoriert wurden.

In den Wochen vor der Invasion sorgte bei den Planern der Operation Overlord die überraschend grosse Anzahl an Kreuzwörtern des britischen Daily Telegraphs, die gleichzeitig Codenamen bei der Invasion darstellten, für Aufruhr. Der britische Geheimdienst MI 5 hielt dies erst für einen Zufall, aber als das Wort "Mulberry" auftauchte, wurde man unruhig und suchte den Ersteller des Rätsels auf. Der Ersteller, ein Lehrer, wusste nichts von der Operation, allerdings stellte sich später heraus, dass die Wörter von seinen Schülern vorgeschlagen worden waren, die diese wiederum von Soldaten gehört hatten, jedoch nicht wussten, was sie bedeuteten.

Es gab mehrere Planungslücken vor und am D-Day. Ein bedeutender Fehler der Alliierten drehte sich um den Funkspruch General de Gaulles nach dem D-Day. Er stellte dort, anders als alle anderen alliierten Führer, fest, dass die Invasion in der Normandie die richtige und einzige Invasion war. Diese Aussage konnte die gesamte Wirkung der Operationen Fortitude North und South beeinträchtigen. Eisenhower beispielsweise bezeichnete die Invasion nur als eine Anfangsinvasion. Die Deutschen glaubten de Gaulle jedoch nicht; sie blieben dabei, eine zweite Invasion an einem anderen Ort zu erwarten, und verlegten deshalb keine zusätzlichen Einheiten in die Normandie.

Operation Anvil/Dragoon
Die Alliierten planten neben der Operation Overlord, die damals noch Operation Hammer hiess, die Operation Anvil (= Amboss). Winston Churchill befürchtete, Anvil würde die Kampfkraft der alliierten Streitkräfte auf zu viele Kriegsschauplätze gleichzeitig verteilen und dazu führen, dass die Verbände der West-Alliierten langsamer als die sowjetischen Verbündeten in Richtung Berlin vordringen würden. Er reklamierte später, so lange bedrängt worden zu sein, bis er die Invasion akzeptierte, die dann unter dem Decknamen Operation Dragoon stattfinden sollte.

Die amerikanischen Befürworter versprachen sich von der Operation die schnelle Eroberung von zwei grossen Häfen – Toulon und Marseille, mit deren Einnahme die Versorgung der in Frankreich kämpfenden Truppen, also auch der in der Normandie kämp-fenden, erheblich erleichtert würde. Tatsächlich konnte bis zur Einnahme Antwerpens im Dezember 1944 etwa ein Drittel der gesamten Truppenversorgung der Alliierten von Marseille über die Rhône-Route inklusive reparierter Brücken und Eisenbahn-trassen nach Nordfrankreich transportiert werden. Die Operation Dragoon sollte an der Côte d’Azur zwischen Toulon und Cannes am 15. August 1944 beginnen.

Schauplatz

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051_23/Karte der Normandie und der alliierten Front mit eingezeichneter Bocage-Landschaft

Im Westen der Normandie besteht die Küste aus Granit- und im Osten aus Kalksteinklippen, die bis zu 150 Meter hoch aufragen. An manchen Stellen, vornehmlich in der Mitte der Region, findet man jedoch auch kilometerlange Sandstrände. Aufgrund besonderer Küstenphänomene kann der Wasserstand am Scheitelpunkt der Flut um mehr als zehn Meter, über dem bei Ebbe liegen (Tidenhub). Deshalb erreicht die Strömung oft auch eine Geschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde. Das ganze Jahr über herrschen in der Normandie Westwinde vor, oft auch in Orkanstärke. Im Norden wird die Normandie durch den Ärmelkanal begrenzt und von mehreren Flüssen wie Seine, Orne und Vire durchzogen. Die Orne war taktisch wichtig, da sie eine natürliche Grenze zwischen der deutschen 7. und 15. Armee darstellte, die nur über die Brücken überwunden werden konnte. Daher war es für die Alliierten von Nutzen, diese Brücken zu zerstören und so den Zusammenschluss der Armeen zu verhindern.

Keltische Bauern hatten vor etwa 2000 Jahren Wallhecken im westlichen Teil der Normandie zum Zweck von Feldabgrenzungen gebaut. Diese so genannte Bocage-Landschaft beinhaltete viele Felder, kleine Wege, Flüsse und Bäche, die gute Verteidigungs-positionen während der Operation Overlord boten. In den zwei Jahrtausenden hatten sich aus den Wallhecken etwa einen bis drei Meter breite und bis zu dreieinhalb Meter hohe Wälle herausgebildet. Diese Wälle waren meist von Brombeer- und anderen dornigen Sträuchern sowie Büschen bewachsen, sodass sie insgesamt bis zu 4,5 Meter an Höhe erreichen konnten. Überlebende alliierte Soldaten berichteten, dass jedes einzelne Feld durch heftige Kämpfe erobert werden musste. Neben dem Bocage befand sich im Westen noch ein weiteres natürliches Hindernis für die Alliierten: Ausgedehnte Sümpfe erstreckten sich im Gebiet von Carentan und machten eine Überquerung durch Fahrzeuge unmöglich. Von diesen Sümpfen befinden sich fünf grössere und etliche kleinere in der Ebene von Carentan, die von den deutschen Verteidigern noch durch künstliche Überflutungen ausgeweitet wurden. Wegen dieser undurchdringlichen Sumpflandschaft mussten die Alliierten letztlich durch die Bocage-Landschaft vorrücken.

Im Gebiet von Arromanches bis zur Orne-Mündung hatten die Deutschen die zum Meer zeigenden Fenster der Häuser zugemauert und mit Schiessscharten versehen, um im Notfall von dort aus Widerstand leisten zu können. Alle Strassen, die in die Strand-promenaden mündeten, hatten die Deutschen mit Betonmauern versperrt, die mit den Häuserfronten eine Linie bildeten.

Im Osten der Normandie – im Raum von Caen – war der Boden meist flach, trocken und fest. Daher eignete er sich gut für grosse Panzermanöver. Ausserdem hat man wegen des kaum hügeligen Landes guten und vor allem weitreichenden Überblick. Die Deutschen kannten den taktischen Wert dieses Geländes und stationierten deshalb den Grossteil ihrer in der Normandie befindlichen Panzerdivisionen im Raum von Caen. Ausserdem postierten sie Beobachtungsposten auf hochgelegenen Gebäuden oder Türmen, um den guten Überblick über das Gelände für sich zu nutzen.

Alliierte Täuschungsvorkehrungen ("Operation Fortitude")

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051_24/Mit Hilfe, der in Bletchley Park entzifferten, deutschen Enigma-Funksprüche konnten die Alliierten ihre Täuschungsunternehmen besser koordinieren.

Um die Deutschen glauben zu machen, die Invasion werde am Pas-de-Calais oder in Norwegen stattfinden, starteten die Alliierten die so genannte Operation Fortitude. Das gross angelegte Täuschungsmanöver war zweigeteilt in die Operationen "Fortitude North" (Norwegen, Briten) und "Fortitude South" (Pas-de-Calais, Amerikaner). Im Südosten Englands wurde daher die fiktive First U.S. Army Group ("FUSAG") unter dem Befehl von Lesley J. McNair und

George S. Patton aufgestellt. Falscher Funkverkehr bestärkte die deutschen Vermutungen, dass die Invasion im Gebiet des Pas-de-Calais stattfinden solle. So wurde von der Rekrutierung der Soldaten aus den unterschiedlichsten US-Staaten berichtet. Fiktive Befehlshaber wurden erfunden und komplette Baseball- und Footballspiele zwischen den Abteilungen übertragen. Auch Privat-nachrichten von den nicht existierenden Soldaten zurück in die Heimat wurden verlesen. Die zu dieser Armeegruppe gehörenden Phantomdivisionen wurden von jeweils wenigen Soldaten mit fingierten Truppenabzeichen repräsentiert.

Die Deutschen hatten ein Netzwerk von Spionen in Grossbritannien installiert, die allerdings vom britischen MI5 im Kriegsverlauf weitgehend enttarnt und zum Teil als Doppelagenten eingesetzt werden konnten. Diese Überläufer lieferten im Rahmen des "Double Cross Systems" den Deutschen falsche Informationen über Ort und Konzentration der alliierten Truppen. Gleichzeitig wurden auch Attrappen von Landungsbooten in den Häfen in Südost- und Ostengland platziert, die von der deutschen Luftwaffe fotografiert wurden und so die Annahme einer Invasion im Pas-de-Calais-Bereich erhärteten.

Im Verlauf der Operation Fortitude North wurde von Schottland aus Funkverkehr simuliert, um die Deutschen glauben zu lassen, dass eine Invasion in Norwegen stattfinden werde. Als Konsequenz beliessen die deutschen Truppenverbände in Norwegen, die sonst nach Frankreich verlegt worden wären. Auch die Briten kreierten eine nicht existente Armee, die britische 4. Armee, die als fiktiver Verband zur Durchführung dieser Invasion in Norwegen dienen sollte.

Deutsche Situation
Die Sorge um einen adäquaten Ausbau des Atlantikwalls beschäftigte die Deutschen schon seit 1941, da sie vor allem im von ihnen besetzten Frankreich mit einer alliierten Invasion rechneten. Sie vermuteten sie am Pas-de-Calais, konnten andere Gebiete jedoch nicht ausschliessen und sich deshalb nicht konzentriert auf Gegenmassnahmen einer Invasion vorbereiten. Trotzdem liefen die Vorbereitungen zur Küstenverteidigung bis 1943 unter der niedrigsten Prioritätsstufe.

Die Ostfront forderte ihren zusätzlichen Tribut, indem immer wieder Truppen aus den westlichen Verteidigungszonen abgezogen wurden.

Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) arbeitete gegen Ende des Jahres 1943 einen detaillierten Plan aus, der alle möglichen feindlichen Szenarien beinhaltete, die durch eine Invasion an den verschiedensten Küsten des Westens entstehen konnten. Der Plan sah für den Fall einer Invasion in Frankreich die Verschiebung von drei Infanterie-Divisionen aus Norwegen und Dänemark, einer Infanterie-Division, eines Werferkorps und eines Korpshauptquartiers aus Italien, sowie von vier Infanterie- und Jäger-Divisionen und kleineren Einheiten aus dem Balkanraum vor. Dies sollte vor dem Hintergrund geschehen, dass die Verbündeten im Westen "einen" grossen Invasionsangriff planten. Im Januar 1944 begann das OKW an dieser "einen" grossen Attacke zu zweifeln. Obwohl alles auf einen Angriff am engsten Kanalpunkt hindeutete, meinten sie auch Zeichen ausgemacht zu haben, dass es auch zu Begleitinvasionen, beispielsweise in Portugal oder dem Balkan kommen könnte. Die deutschen Zweifel bekamen durch die alliierte Landung bei Anzio am 22. Januar noch mehr Nahrung. General Alfred Jodl war der Meinung, dass diese Landung nicht mit der italienischen Front zusammenhänge, sondern der Beginn von mehreren kleineren Operationen sei, die die deutschen Kräfte zersplittern und von der Hauptlandung in Nordfrankreich ablenken sollten. Für Frankreich sah er Landungen in der Biskaya und Südfrankreich voraus, die die Iberische Halbinsel abschneiden sollten (damit lag er richtig: am 15. August 1944 begann die Operation Dragoon). Die Überlegungen wurden so ernst genommen, dass als Folge im Februar zwei neue Infanterie-Divisionen aufgestellt und der 19. Armee im Süden zugewiesen wurden. Vom OB West wurde die 9. SS-Panzer-Division abgezogen und nach Avignon in Reserve verlegt. Zu Bewachung der spanischen Grenze und der Biskaya-Küste erhielt die 1. Armee eine neue Division.

Weil die Lage an der Ostfront und auf dem mediterranen Kriegsschauplatz schnellen Änderungen unterworfen war, konnte das OKW so gut wie keine langfristigen Zukunftspläne ausarbeiten, sondern nur von Tag zu Tag planen. Schon im März erging der Befehl zur Rücknahme des vorher ausgegebenen Verteidigungsplans und der damit verbundenen Truppenverlegungen. Es erging zudem die Anweisung an die Kommandanten, dass Truppenverlegungen erst dann detailliert genehmigt würden, nachdem der Feind einen Hauptinvasionsangriff gestartet hätte. Dazu wurden Verlegungspläne der Reserveeinheiten für mögliche Invasions-szenarien ausgearbeitet. Nach diesen würde OB West ein Korpshauptquartier, zwei verstärkte Panzergrenadierregimenter, ein verstärktes Infanterieregiment, Kampfgruppen aus drei Infanterieregimentern als Basis für eine neue Division sowie ein motorisiertes Artillerieregiment, fünf Landschützenbataillone und ein Nebelwerferbataillon bekommen. Diese neu aufgestellten Einheiten waren natürlich in Erfahrung und Kampfkraft nicht mit den nach den alten Plänen zu erwartenden acht Divisionen vergleichbar. Da die oberste Führung von mehreren Invasionsschauplätzen anstelle eines Grossangriffs ausging, erschienen die vorhandenen dislozierten Kräfte als ausreichend.

Bei einem Treffen der Führungsebene mit Adolf Hitler im März 1944 versuchte Generalfeldmarschall Erwin Rommel eine Ausweitung seiner Befehlsgewalt durchzusetzen, was zu einer faktischen Ablösung Gerd von Rundstedts und Leo Geyr von Schweppenburgs als Kommandierende der Verteidigungskräfte geführt hätte. Im Speziellen forderte Rommel eine Unterstellung aller motorisierten und Panzerverbände sowie der Artillerie unter sein Oberkommando. Hitler war von seinen Einbringungen angetan und versprach eine Überprüfung der aktuellen Situation. Eine Studie des Operationsstabes des OKW, die einen später geschriebenen Protestbrief von Rundstedts unterstützte, liess Hitler wieder auf den alten Kurs einschwenken. Allerdings hatten einige Änderungen schon gegriffen und wurden nicht wieder revidiert. Die 2., 21. und 116. Panzer-Division waren Rommel mit voller taktischer Kontrolle als Reserve für die Heeresgruppe B unterstellt worden. Von Schweppenburg blieb aber für deren Ausbildung und Organisation verantwortlich.

Etwa zur gleichen Zeit wurden dem OKW im Sektor des OB West vier weitere Panzereinheiten zur Verfügung gestellt. Es handelte sich dabei um die 1. und 12. SS-Panzer-Division, die 17. SS-Panzergrenadier-Division und die Panzer-Lehr-Division. Sie sollten als zentrale mobile Reserve dienen.

Die letzte Änderung in der Kommandostruktur fand im Mai statt, als v. Rundstedt den Aufbau einer zweiten Heeresgruppe anordnete, die das Kommando über die 1. und 19. Armee übernahm. Die Heeresgruppe G unterstand Generaloberst Johannes Blaskowitz und übernahm neben den beiden Armeen auch die drei übrigen Panzer-Divisionen in Frankreich, die 9., 10. und 2. SS-Panzer-Division. Über die Einrichtung des neuen Hauptquartiers versuchte v. Rundstedt, seine Position neu zu definieren. Damit stand fest, dass in der kritischen Phase der Verteidigungsvorbereitungen die Befehle vom OB West oder direkt von Hitler kommen würden. Hitler befand sich auf dem Berghof und reiste erst nach der erfolgten Invasion in den Westen. Er selbst konnte anscheinend keine direkten taktischen Vorschläge machen; seine Entscheidungen verloren sich in Details und enthielten kaum politische Definitionen. Hitlers Befehlsberechtigung störte weiterhin das ohnedies schon gestörte Verhältnis zwischen Rommel und v. Rundstedt.

Der Schwerpunkt der deutschen Verteidigungsvorbereitungen lag im Raum Pas-de-Calais, da dort wegen der geringen Entfernung von England zum Festland am ehesten mit einem Landungsversuch gerechnet wurde. Diese Vermutungen wurden durch eine alliierte Täuschungsoperation ("Operation Fortitude") bestärkt. Die Deutschen vermuteten, dass die Alliierten am Tag, bei gutem Wetter und bei Flut angreifen würden, da sie dies bei vorangegangenen alliierten Invasionen beobachtet hatten.

Rolle Frankreichs
"Freies Frankreich" und besetztes Frankreich

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051_25/General de Gaulle und General Mast in Tunis (1943)

Am 25. Juni 1940 gründete der französische General Charles de Gaulle in London das Komitee "Freies Frankreich" und wurde Chef der "Freien Französischen Streitkräfte" (force française libre, FFL) und des "Nationalen Verteidigungskomitees". Daraufhin wurde de Gaulle vom Kriegsrat der Vichy-Regierung im August 1940 wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die meisten Staaten erkannten das Vichy-Regime Marschall Pétains als die legitime Regierung Frankreichs an. Winston Churchill bemühte sich zwar anfangs diplomatisch um das Vichy-Regime, unterstützte aber de Gaulle und liess die in Nordafrika in Mers El Kébir unter dem Kommando von Pétains Marineminister Admiral François Darlan vor Anker liegende französische Kriegsflotte mit etwa 1300 Mann an Bord zerstören (Operation Catapult).

Mehrere französische Kolonialbesitzungen, vornehmlich in Afrika (darunter Kamerun und Tschad, später ab 1942 Diégo-Suarez auf Madagaskar und Dakar in Französisch-Westafrika) unterstellten sich im Laufe des Krieges dem von de Gaulle geschaffenen Freien Frankreich, das von seinem Comité National Français regiert wurde. Er sorgte besonders dafür, dass Frankreich im Lager der Alliierten durch seine "Freien Französischen Streitkräfte" (FFL), die an verschiedenen Fronten den Kampf fortsetzten, stets präsent blieb. U. a. stimulierte und förderte er dank Colonel Passy, Pierre Brossolette und besonders Jean Moulin die Bewegung der "résistance intérieure", die er von "France libre" zur "France combattante", zum kämpfenden Frankreich, transformierte.

Rolle der Résistance
Schon seit Anfang 1941 unterhielt die britische Special Operations Executive (SOE) Kontakt zur französischen Widerstands-bewegung, der Résistance, als deren erste Agenten über Frankreich absprangen, um eine ausgeklügelte Struktur zur Nachrichten-übermittlung zu etablieren. Nachdem sich eine zentrale Kommunikationskontrolle als nicht sinnvoll herausgestellt hatte, wurden 1942 17 Funker zusammen mit 36 anderen Agenten in Frankreich abgesetzt. Dazu kamen zusätzliche Nachschublieferungen über Gibraltar und Südfrankreich, so dass eine relativ sichere Kommunikationsstruktur aufgebaut werden konnte. Das grösste Hemmnis für die Versorgung der Résistance mit Waffen und Munition für den Untergrundkampf waren die wenigen zur Verfügung stehenden Flugzeuge.

Erst als COSSAC die Mitwirkung der Résistance beim Overlordplan als Bonus in Betracht zog, erhöhte sich nach und nach die Anzahl der Nachschubflüge nach Frankreich. COSSAC wollte zunächst einen französischen Aufstand in die Planung mit aufnehmen, verwarf dies jedoch wieder als zu unsicher. Die britische Armee und die SOE überzeugten schliesslich die Planer von den weitläufigen Möglichkeiten, die ein integrierter Résistanceeinsatz bei der Invasion bot. Durch die vielen erfolgreichen Aktionen, die besonders die Organisation des Maquis ausführte, kamen die Planer zum Schluss, die Résistance vollwertig für Guerillaoperationen vorzusehen. Nun flogen auch die USA Nachschub zur Résistance.

Die effektivsten Schläge führte die Résistance gegen das französische Strassen- und Schienennetz, um die Deutschen daran zu hindern, Nachschub und Truppen zu transportieren. So konnte sie beispielsweise in den ersten drei Monaten des Jahres 1944 808 Lokomotiven sabotieren. Die Vichypolizei führte in einem Report mehr als 3000 Anschläge auf das Schienensystem an. Je näher der Invasionstag rückte, umso mehr koordinierte die SOE die Anschläge der Résistance. Unmittelbar vor dem D-Day sollten speziell ausgesuchte Strassen- und Schienenverbindungen unterbrochen werden. Danach sollten weitere Aktionen folgen. Um dem Widerstand den genauen Termin der Landung mitzuteilen, bediente sich SOE des britischen Senders BBC. Die Organisatoren der Résistance hatten schon Monate vorher die Anweisung erhalten, an jedem 1., 2., 15. und 16. jeden Monats den Sender zu hören, und auf eine vorbereitete, codierte Nachricht zu warten. Sobald sie diese hörten, musste zur Sicherheit noch die zweite Über-prüfungsnachricht abgewartet werden, die kurz darauf folgte. 48 Stunden nach den Durchsagen sendete BBC codierte Meldungen, die die genauen Einsatzorte und durchzuführenden Aktionen betrafen. Da die Anschläge der Résistance meist regional geplant wurden, konnten sie leicht mit den jeweiligen Operationen von Overlord bzw. Neptune abgestimmt werden.

Im gesamten Juni und besonders in den Tagen nach der Landung zerstörte die Résistance 486 Schienenstränge und 26 Tele-grafenleitungen, darunter die Verbindungen zwischen Avranches und Saint-Lô, Saint-Lô und Cherbourg und zwischen Saint-Lô und Caen.

Weitergehende Planungen banden die Kämpfer der Résistance sogar als feste französische Verbände in die nachfolgenden Operationen mit ein. Zwar war die Anzahl der Angehörigen des Widerstands schwer kalkulierbar, aber in London wurde das Hauptquartier des FFI (Forces françaises de l’intérieur) unter General Marie-Pierre Kœnig gegründet, der wiederum ein drei-staatliches Oberkommando, bestehend aus Franzosen, Briten und Amerikanern, einsetzte. Das FFI wurde anschliessend direkt dem Supreme Allied Commander Eisenhower unterstellt. Auch hier bestand wieder das Problem der Versorgung, insbesondere mit schweren Waffen wie Artilleriegeschützen. Dazu fanden sich in den Tagen nach D-Day elf Spezialeinheiten des SAS zusammen, von denen fünf von Grossbritannien und sechs von Nordafrika aus unter dem Kommando von Lieutenant General Browning mittels Fallschirmen entsprechende Waffen und Geschütze aus der Luft anlieferten.

Operationen des französischen SAS

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051_26/Karte der Operationen und Sabotagen der SAS-Truppen und Résistancemitglieder in der Bretagne

Während der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 sprangen vier Gruppen des französischen 4. SAS (36 Soldaten) über der südlichen und nördlichen Bretagne ab, um die Stützpunkte "Dingson", "Samwest" und "Grog" zu errichten, von denen die französische Résistance unterstützt und Lande- und Absprungzonen für das restliche Bataillon markiert werden sollten. Die Aufgabe des französischen SAS war es, alle Kommunikationsleitungen und -wege zu zerstören und Hinterhalte und Sabotageakte vorzubereiten, um die Deutschen am Vorrücken in Richtung Normandie zu hindern. In der Nacht nach

dem D-Day wurden achtzehn französische SAS-Teams (58 Soldaten) mit dem Namen "Cooney-Teams" damit beauftragt, in weiten Gebieten der Bretagne abzuspringen und die Sabotagen an Bahnstrecken, Strassen, Brücken usw., die vorher von den anderen Einheiten vorbereitet worden waren, auszuführen. Die Verbände zogen von Juni bis Juli 1944 durch das Land und rüsteten die örtlichen Mitglieder der Résistance mit Waffen aus. Ausserdem trainierten sie mit ihnen den Kampf.

Nacht für Nacht wurden weitere SAS-Gruppen sowie Nachschubgüter in das Gebiet von Saint-Marcel "Dingson" eingeflogen, wodurch es den alliierten Verbänden gelang, die Sabotagen in den meisten Fällen erfolgreich zu beenden. Die SAS-Teams gruppierten dort etwa 10.000 Résistancekämpfer um sich, die ihnen halfen, ihre Aufgaben zu erfüllen. Am 18. Juni lieferten sich 200 Männer des französischen SAS, zusammen mit vier bewaffneten Jeeps und etwa 2500 Mitgliedern der Résistance einen Kampf mit schätzungsweise 5000 deutschen Soldaten, die von Mörserteams unterstützt wurden. Die SAS-Truppen sowie die Résistance hielten ihre Stellungen bis in die Nacht, um sich dann im Schutze der Dunkelheit zurückzuziehen. Nach diesen Kämpfen wurden die SAS-Einheiten von den Deutschen mit allen Mitteln gejagt, so dass viele ums Leben kamen. Heute erinnert ein Museum in Saint-Marcel an die Kämpfe.

Am 1. August begann das VIII Corps der 3. US-Armee die Schlacht um die Bretagne. Die 2. Squadron des 3. SAS wurde in die Bretagne eingeflogen, um die Männer des 4. SAS abzulösen. Ausserdem wurden viele Fahrzeuge per Lastensegler nach Vannes und Morbihan gebracht. Das französische SAS (532 Soldaten) zählte nach den Kämpfen in der Bretagne 77 Tote und 195 Verwundete.

Vorabend der Invasion

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051_27/Beladen der Landungseinheiten in einem englischen Hafen (Juni 1944)

Ursprünglich war der Start der Operation Overlord mit der Operation Neptune auf einen Maitermin festgelegt worden. Wegen schlechter Witterungsverhältnisse musste der Tag der Landung (der D-Day) aber mehrfach verschoben werden. Am 8. Mai 1944 setzte der alliierte Oberkommandierende des SHAEF, General Dwight D. Eisenhower, den D-Day auf den 5. Juni 1944 fest. Als am 4. Juni für den nächsten Tag schlechtes Wetter vorhergesagt wurde, verschob Eisenhower den Termin auf den 6. Juni. Auf der entscheidenden Sitzung um 4:15 Uhr am 5. Juni wurde dem Unternehmen grünes Licht gegeben.

Aus Geheimhaltungsgründen erhielten nicht nur die einzelnen Operationen selbst und ihr Startdatum militärische Tarnbezeich-nungen, sondern auch die für die Landung an der Küste der Halbinsel Cotentin vorgesehenen Strandabschnitte. Die 1. US-Armee landete an den Stränden Utah bei Sainte-Mère-Église und Omaha bei St. Laurent. Die britische 2. Armee ging in den Abschnitten Gold bei Arromanches und Sword bei Ouistreham an Land, die Kanadier im Abschnitt Juno bei Courseulles-sur-Mer.

Als Eisenhower am Abend vor dem D-Day die 101. US-Luftlandedivision besuchte, hatte er bereits seine offizielle Pressemeldung für den Fall, dass die Invasion missglückte, formuliert:

"Our Landings in the Cherbourg-Havre area have failed to gain a satisfactory foothold and I have withdrawn the troops. My decision to attack at this time and place was based upon the best information available. The troops, the air and the Navy did all that bravery and devotion to duty could do. If any blame or fault attaches to the attempt, it is mine alone.”

"Unsere Landungen im Cherbourg-Havre Gebiet konnten keinen ausreichenden Brückenkopf bilden und ich habe die Truppen [daher] zurückgezogen. Meine Entscheidung, zu dieser Zeit und an diesem Ort anzugreifen, basierte auf den besten zur Verfügung stehenden Informationen. Die Land-, Luft- und Seestreitkräfte haben alle mögliche Tapferkeit und Pflichterfüllung geleistet. Wenn dem Unternehmen irgendeine Schuld oder ein Tadel zugemessen wird, ist es meine alleinige".

Ablauf der Operation Neptune (D-Day)
Am 6. Juni 1944 kamen die stärksten Landungskräfte der Kriegsgeschichte zum Einsatz. Unterstützt und getragen wurden diese durch die grösste Schiffsansammlung aller Zeiten mit insgesamt über 6000 Schiffen.

Zur Sicherung der Flotte und zur Unterstützung der Bodentruppen stellten die Alliierten etwa 4190 Jagdflugzeuge, 3440 schwere Bomber, 930 mittlere und leichte Bomber, 1360 Truppentransporter und Frachtmaschinen, 1070 Maschinen des Küstenkommandos, 520 Aufklärungsflugzeuge und 80 Rettungsflugzeuge bereit. Insgesamt wurden am D-Day auf alliierter Seite 11.590 Flugzeuge eingesetzt. Der Angriff erfolgte auf einer Breite von 98 km zwischen Sainte-Mère-Église auf der Halbinsel Cotentin im Westen und Ouistreham im Osten. In den westlichen Abschnitten der amerikanischen Truppen (mit den Codenamen Utah und Omaha Beach) landeten drei Infanteriedivisionen, in den angrenzenden Abschnitten Gold, Juno und Sword Beach zwei britische und eine kanadische Division, insgesamt an diesem Tag etwa 170.000 Mann.

Zur Verschleierung der Normandielandungen stiegen am Morgen des 6. Juni 1944 alliierte Flugzeuge von Flugplätzen bei Dover auf und warfen vor der britischen Küste über dem Ärmelkanal Stanniolstreifen (Düppel) ab. Die damit erzeugten Radarechos täuschten den Deutschen den Anflug von hunderten von Flugzeugen und die Überfahrt von vielen Schiffen in Richtung Pas-de-Calais vor.

Luftlandemanöver
Die alliierten Luftlandedivisionen, die am D-Day absprangen, hatten zum Ziel, die Flanken zu sichern und wichtige Schlüsselpunkte und Batterien zu erobern oder zu zerstören.

Sechzehn Minuten nach Mitternacht begann die Operation der britischen 6. Luftlandedivision, die Operation Tonga mit der Landung von Gleitern an den Brücken über die Orne und den Caen-Kanal bei Bénouville. Die 6. Luftlandedivision hatte den Auftrag, mit Fallschirmjägern und Gleitertruppen in drei Landezonen (K, V und N) zu landen, die Orne-Caen-Kanal-Brücken zu nehmen und zu halten, Brücken über die Dives zu zerstören, die Küstenbatterie Merville auszuschalten und den Raum zwischen Orne und Dives zu halten und damit die linke Flanke der alliierten Landung zu schützen. Die Bedeutung der Operation war hoch, da hier der einzige Bereich war, in dem schon nach wenigen Stunden mit einem Panzerangriff gerechnet werden musste (21. Panzer-Division): "Versagte die 6. Luftlandedivision, so konnte es geschehen, dass der ganze Landekopf vom östlichen Flügel her aufgerollt wurde, ehe die von See landenden Divisionen Fuss zu fassen vermochten". Den Fallschirmjägern gelang es schnell, die Landezonen zu nehmen und für die Landung der Verstärkungen vorzubereiten. Auch die Sprengungen der Brücken über die Dives bei Troarn, Bures, Robehomme und Varaville gelangen. Bis zum Abend des 6. Juni erreichte die Division alle Ziele. Ein weiterer Teil der Operation bestand aus der Landung von Fallschirmjägern bei der Artilleriebatterie bei Merville, die diese zerstören sollten, was ihnen – mit schweren Verlusten von etwa 50 % – auch gelang.

Die 82. US-Luftlandedivision sollte im Verlauf der Operation Detroit und die 101. US-Luftlandedivision im Verlauf der Operation Chicago an der Westflanke des Invasionsbereiches landen. Aufgrund teilweise unmarkierter Landezonen, schlechten Wetters und schlechten Geländes wurden die Fallschirmjäger weit verstreut und konnten sich oft nicht zusammenschliessen. Einige der Fall-schirmjäger ertranken in Seen oder in von den Deutschen überflutetem Gelände. Nach 24 Stunden hatten sich nur 2500 der 6000 Angehörigen der 101. Luftlandedivision zusammengeschlossen. Viele der Soldaten irrten noch Tage später durch das Gelände. Die 82. Luftlandedivision hatte bereits am Morgen des 6. Juni die Stadt Sainte-Mère-Église erobert, womit dies die erste von den Alliierten kontrollierte Stadt während der Invasion war.

Eine spezielle Gruppe der 101. US-Luftlandedivision, die aus zwölf Männern bestand, liess sich ihre Haare zu Irokesenschnitten frisieren, um die deutschen Verbände einzuschüchtern. Diese Gruppe nannte sich "Filthy 13", und die Angehörigen waren als harte Kämpfer und für ihren grossen Mut berüchtigt. Die Idee für die Aktion hatte der Fallschirmjäger Jake McNiece, ein Halb-Indianer aus Oklahoma. Die Gruppe wurde vor dem D-Day von einem Fotografen des Magazins Stars and Stripes aufgenommen, als sie sich Kriegsbemalung auf ihre Gesichter auftrugen, und dadurch bekannt – das Material wurde auch später von mehreren Filmen genutzt. Die "Filthy 13" kämpften bis zum Ende des Krieges, wobei insgesamt etwa 30 verschiedene Soldaten gefallene oder verwundete Mitglieder ersetzten. Die Deutschen sollen vermutet haben, dass die "Filthy 13" Kriminelle seien, die die Amerikaner freigelassen und in den Kampf geschickt hätten.

Ein alliierter Fallschirmjäger schilderte seine Erlebnisse am D-1 (dem 6. Juni 1944) wie folgt:

"Kleinkriege entbrannten rechts und links von mir. Sie dauerten meist zwischen fünfzehn Minuten und einer halben Stunde, aber man konnte nur raten, wer als Sieger aus ihnen hervorging. Ich konnte weder Freund noch Feind ausmachen. Wenn man allein, tief im Feindesland, an Hecken entlang schleicht und genau weiss, dass das Meer einen vom nächsten Verbündeten trennt, fühlt man sich wie der einsamste Mensch der Welt".

 

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051_28/Übersicht Landeorte

Sword Beach   
(aus Wikipedia)

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051_29/Landezone Sword-Beach

Sword Beach bezeichnete während der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg einen französischen Küstenabschnitt in der Normandie zwischen Ouistreham an der Ornemündung und Saint-Aubin-sur-Mer. Die Landezone war ungefähr acht Kilometer lang und wurde in vier Abschnitte mit den Namen Oboe, Peter, Queen und Roger unterteilt. Sie war die östlichste der alliierten Landezonen. Im Westen schloss Juno Beach an. Truppen der britischen 3. Infanteriedivision in der Stärke von ca. 30.000 Soldaten landeten am D-Day (6. Juni 1944) um 7:25 Uhr im Rahmen der Operation Overlord an diesem Strandabschnitt östlich der Orne und des Caen-Kanals. Ihnen waren zur Verstärkung britische Kommandos zugeteilt worden. Um auch die Franzosen an der Landung an ihrer eigenen Küste zu beteiligen, hatte sich Charles de Gaulle in London für eine Beteiligung stark-gemacht und die Zusage zur Teilnahme erhalten. So gingen am Sword Beach auch französische Truppen mit an Land.

Das South Lancashire Regiment war dem Sektor Peter zugewiesen, das Suffolk Regiment dem Queen Sektor und das East Yorkshire Regiment landete am Roger Sektor.

Die Invasionstruppen hatten die Aufgabe, die deutschen Widerstandsnester (WN) an und in den Küstenstädtchen auszuschalten und dann durch Ouistreham in Richtung Caen vorzurücken und die Stadt einzunehmen. Caen war ein logistischer Knotenpunkt, da hier alle Strassen und Eisenbahnlinien an der Normandieküste zusammenliefen, und daher ein strategisch sehr wich-tiges Ziel. Zudem lag dort der Flugplatz Carpiquet, der ein zusätzliches Ziel war. Weiterhin sollte im Osten eine Verbindung mit den dort im Rahmen der Operation Tonga vorher gelandeten Einheiten der britischen 6. Luftlandedivision hergestellt werden.

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051_30/Häuserkampf in Riva Bella nahe Ouistreham

Am Sword Beach waren die deutschen Verteidigungsstellungen nicht so gut ausgebaut. Es gab zwar die üblichen am Atlantikwall benutzten Strandhindernisse wie Panzersperren aus zersägten Eisenträgern, die so genannten Tschechenigel, Auflaufblöcke, mit Stacheldraht verdrahtete Betonpfosten und die gegen Luftlandungen gerichteten Rommelspargel, nur waren hier bislang weniger verbaut worden als an den anderen Landungsstränden. MG-Nester be

fanden sich in den Dünen und in den Häusern der umliegenden Städtchen. Zur Verteidigung lagen hier Teile der deutschen 716. Infanterie-Division, die Regimenter 736 und 125 sowie Kräfte der 21. Panzer-Division, die aus dem nahen Hinterland eingreifen konnten. Im Osten hinter der Dives war noch zusätzlich die 711. deutsche Infanterie-Division stationiert.

Die Brücken über die Orne waren schon in der Nacht zuvor im Rahmen der Operation Tonga von britischen Fallschirmjägern unter dem Kommando von Major John Howard eingenommen worden. Diese waren von Gleitern abgesetzt worden.

Am Ostende der Invasionszone wurden rund vier Kilometer vor dem Strand DD tanks von Landungsbooten ausgesetzt. 32 von den 34 Schwimmpanzern erreichten das Ufer, da dort die See relativ ruhig war. Die DDs arbeiteten sehr gut, so dass sie die Landungs-truppen planmässig unterstützen konnten. Damit trugen sie wesentlich zu den dortigen relativ geringen Opferzahlen bei.

Die Briten konnten trotz des deutschen Widerstands ins Landesinnere vordringen und sich mit den Soldaten der 6. Luftlande-division vereinen. Da der Sturm auf Caen nicht von einigen Fallschirmjägereinheiten allein durchgeführt werden konnte, warteten die Truppen auf die Einheiten der 1. Commando-Brigade unter dem Kommando von Lord Lovat, die am späten Morgen an der Pegasusbrücke eintrafen. Das Vorrücken auf Caen wurde erheblich durch die 21. Panzer-Division und später durch die 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" behindert. Es dauerte bis zum Ende des Monats, bis Caen vollständig eingenommen werden konnte.

Die Verluste der Briten am Strandabschnitt Sword werden auf ca. 700 Soldaten beziffert.

Juno Beach   
(aus Wikipedia)

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051_31/Kartenausschnitt Juno-Beach

Juno Beach war der Operationsname während der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg für einen französischen Küstenabschnitt in der Normandie. Juno Beach erstreckte sich zwischen Saint-Aubin-sur-Mer im Osten und einem Ort zwischen den beiden Städten La Rivière-Saint-Sauveur und Courseulles-sur-Mer im Westen. Die Landezone war nochmals in zwei Abschnitte mit den Namen Mike und Nan unterteilt. Im Rahmen der Operation Overlord wurde dieser Strandabschnitt kanadischen Truppen zugewiesen, er lag zwischen den – jeweils britischen – Abschnitten Sword und Gold. Die 3rd Canadian Division unter Major General Rod Keller, unterstützt von Royal Marines Commandos, landete am D-Day (6. Juni 1944) an diesem Strandabschnitt, der daher auch oft Kanadischer Strand genannt wird.

Juno Beach war der von der deutschen Wehrmacht am zweitheftigsten verteidigte Strand nach Omaha Beach. Im Vergleich mit Omaha hatte der Strand von Juno selbst weniger Tiefe, der künstliche Wall war sogar höher und das Wasser wesentlich stärker vermint. Omaha hatte dagegen 30 m hohe Klippen und war schwer einzunehmen, weil auf ihnen Stellungen mit freiem Schussfeld waren.

Dieser Abschnitt war von deutscher Seite her der 716. Infanterie-Division unter Befehl von General Wilhelm Richter zugewiesen worden. Dazu kamen elf schwere Batterien mit 155-mm-Geschützen, sowie neun mittlere Batterien mit 75-mm-Geschützen. Zahlreiche deutsche Bunker und Befestigungen lagen dem Landungsabschnitt gegenüber; sie konzentrierten sich besonders auf der Seite von Courseulles-sur-Mer. Allerdings bestand diese 716. Division hauptsächlich aus Unter-18-Jährigen und Männern über 35, darunter weitgehend Veteranen des Krieges gegen die Sowjetunion, die behindernde Verletzungen hatten. Das minderte die Kampfkraft dieser Division beträchtlich.

Die vorausgegangenen nächtlichen Luftangriffe auf die deutschen Stellungen hinterliessen zunächst keine nennenswerten Schäden. Selbst beim anschliessend von See aus unmittelbar vor der Landung durchgeführten starken Dauerbeschuss zwischen 6:00 Uhr und 7:30 Uhr, bei dem die Schiffsgeschütze und sogar an Deck stehende Panzer und Artillerieeinheiten eingesetzt wurden, konnte nur etwa jeder siebte Bunker entlang des Strandes zerstört werden. Als sich die Landung selbst auch noch wetterbedingt um eine gute halbe Stunde verzögerte, gab dies alles den Verteidigern noch einmal Zeit sich neu zu formieren.

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051_32/Kanadische Truppen landen am Abschnitt 'Nan White' Beach bei Bernières-sur-Mer

Der Angriff wurde von der 3. kanadischen Infanteriedivision und der 2. kanadischen Panzerbrigade durchgeführt, während das 1. kanadische Fallschirmjägerbataillon am Flankenschutz der Landungen beteiligt war. 14.000 Kanadier betraten im Zuge dessen am 6. Juni 1944 französischen Boden. Zur Unterstützung der Infanterie brachten Landungsboote DD-Tanks bis auf etwa 700 Meter an das Ufer. Allerdings konnten nur einige wenige dieser Schwimmpanzer zu Wasser gelassen und angelandet werden, dadurch kamen sie wesentlich später als die erste Welle der Soldaten an, die deshalb hohe Verluste hinnehmen mussten. Am östlichen Ende des Juno Beach war die See noch rauer und so stürmten die dort gelandeten Kanadier völlig ohne Panzer ans Ufer, was sie überproportional viele Opfer kostete. Trotz dieses hohen Blutzolls gelang aber auch ihnen letztendlich der Durchbruch.

Die 7. Brigade, unterstützt vom 6. kanadischen Panzerregiment (1st Hussars), gingen im westlichen Sektor, genannt Mike, an Land. Die 8. Brigade, unterstützt vom 10. kanadischen Panzerregiment (The Fort Garry Horse), im östlichen Strandabschnitt Nan. Die 9. Brigade blieb vorerst als Reserve zurück.

In der ersten Stunde nach dem erfolgten Angriff beliefen sich die gesamten kanadischen Verluste schon etwa auf die Hälfte aller an Land gegangenen Soldaten (und ist damit nur für diese eine Stunde vergleichbar mit den weltbekannten amerikanischen Verlusten am Omaha Beach.) Den wenigen angelandeten Schwimmpanzern gelang es dann aber, die Verteidigungspositionen der erbittert kämpfenden deutschen Verteidiger erfolgreich zu bekämpfen, nicht zuletzt indem sie – dem Häuserkampf ähnlich – gezielt die am Strand befindlichen Häuser zusammenschossen, in die kurz vorher deutsche Stellungen beordert wurden. Nachdem es den Kanadiern nach über einer Stunde Kampf dann endlich gelungen war, den Wall von der Strandseite her zu überwinden, konnten sie dann wiederum mit diesen Panzern ins Hinterland vordringen und die dortigen – zur Landseite hin nur unzulänglich gesicherten – deutschen Stellungen rückwärtig schnell ausschalten.

Gegen Mittag war die komplette 3. kanadische Division an Land und bereits einige Kilometer in das Hinterland vorgedrungen, sie konnte dann die Brücken über den Fluss Seulles einnehmen und die Stadt Saint-Aubin-sur-Mer war gegen 18:00 Uhr in kanadischer Hand. Eine Gruppe des 6. kanadischen Panzerregiments konnte als einzige die gesteckten Ziele in der Normandie erreichen, sie waren beachtliche 15 km landeinwärts gerückt und kreuzten sogar die Route Nationale 13 zwischen Caen und Bayeux. Ohne die nicht unterstützend nachrückende Infanterie hielt man es allerdings nach einigen Stunden für klüger, sich zunächst wieder zu der Linie ihrer restlichen Truppen zurückziehen.

Am Ende des D-Day war es den Kanadiern gelungen, so weit wie keine andere alliierte Einheit auf französischen Boden vorzudringen, obwohl sie bei der Landung auf ähnliche Gegenwehr gestossen waren wie die Amerikaner am Omaha Beach. Dabei verloren an diesem einen Tag 359 kanadische Soldaten ihr Leben, weitere 715 wurden verwundet. Von dem eigentlich noch am D-Day geplanten Zusammenschluss mit den britischen Truppen von Sword Beach und Gold Beach, sowie mit den US-Amerikanern von Omaha Beach gelang bis zum Abend des Invasionstages nur das Zusammentreffen mit den Truppen von Gold, etwa 10 km landeinwärts. Mit Sword erfolgte dies am Abend des nächsten Tages, mit Omaha sogar erst am 8. Juni.

Der Marsch über Bayeux zur Grossstadt Caen konnte beginnen, wo die Schlacht um Caen die Entscheidung brachte, dass sich die Invasionstruppen dauerhaft in der Fläche auf französischem Boden festsetzen konnten. Erst danach konnte man die Einnahme der Hafenstadt Cherbourg angehen, ohne dass die Invasionstruppen von der deutschen Wehrmacht noch komplett auf der Halbinsel Cotentin hätten eingekesselt werden können.

Gold Beach   
(aus Wikipedia)

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051_33/Kartenausschnitt Gold-Beach

Gold Beach bezeichnete bei der Landung der Alliierten in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs einen acht Kilometer langen französischen Küstenabschnitt zwischen La Rivière und Longues-sur-Mer im Département Calvados.

Der Landungsstrand war unterteilt in die vier Abschnitte How, Item, Jig und King. Die beiden letzten waren weiterhin jeweils in die Unterabschnitte Green und Red unterteilt, so dass insgesamt sechs Sektoren vorhanden waren.

Zur Verteidigung lagen hier Teile der deutschen 716. Infanterie-Division und bei Le Hamel ein Bataillon der 352. Infanterie-Division, die Kampfgruppe Mey-er. Die Stellungen befanden sich hauptsächlich in den strandnahen Häusern und waren besonders in La Rivière, Arromanches, Le Hamel und Longues-sur-Mer konzentriert. Auf einem Kliff bei Longues-sur-Mer befand sich zudem ein deutscher Beobachtungsposten, der das Feuer einer aus vier 155-mm-Geschützen bestehenden Batterie leitete, die etwa ein Kilometer im Hinterland stand. Die Batterie selbst war wie der Beobachtungsposten durch ein Meter starke Betonmauern gesichert.
Britische Truppen der 50th (Northumbrian) Division unter dem Kommando von Major General Graham zugehörig der britischen 2. Armee unter Lieutenant General Miles Dempsey landeten am D-Day (6. Juni 1944) im Rahmen der Operation Overlord an diesem Strandabschnitt. Sie bestanden aus den vier Regimentern Devonshire, Hampshire, Dorsetshire und East Yorkshire. Weiterhin waren im Jig-Sektor die 231. Brigade und im King-Sektor die 69. Brigade den Landungstruppen zugewiesen, da die Strände lang genug waren, um die Soldatenanzahl zweier Brigaden bei der Landung aufzunehmen. Im Item-Sektor kämpfte das 47. Royal Marine Kommando zusammen mit der 50. Division.

Ihre Aufgabe bestand darin, einen Brückenkopf am Strand zu bilden und noch am Invasions-Tag die Kleinstadt Arromanches-les-Bains einzunehmen, die als Lagepunkt für den Mulberry-Hafen "B" ausgewählt worden war. Danach sollte inländischer Truppenkontakt zu den US-amerikanischen Einheiten – von Omaha Beach kommend – und den kanadischen Truppen – von Juno Beach kommend – hergestellt werden.

Die Landungszeit war auf 7:25 Uhr festgelegt worden, eine Stunde nach den westlichen Landungen bei Utah und Omaha. Dies resultiere aus der Richtung der Flut, die den Gold-Abschnitt von der Atlantikküste aus um etwa eine Stunde später erreichte. Da an diesem Tag aber ein sehr starker Nordwestwind vorherrschte, lief das Wasser viel schneller anlandig, als vorher errechnet. Die Strandhindernisse ("Rommelspargel") gegen die Landungsboote waren daher schon vollständig unter Wasser und die britischen Sprengkommandos konnten sie nicht mehr zu kontrollierten Sprengungen erreichen.

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051_34/Cromwell-Panzer mit Soldaten auf dem Weg zum Gold Beach

Durch das dadurch langsamere Manövrieren der offenen Boote wurde es für die Soldaten darin zusätzlich sehr gefährlich, da sie von den deutschen Stellungen aus länger unter MG-Feuer genommen werden konnten. Von den ersten anlaufenden Landing Craft, Tanks (LCT) liefen 20 auf Minen und wurden leicht bis schwer beschädigt, sie hatten allerdings Panzer als Ladung.

Da die deutschen Verteidiger an diesem Strandabschnitt aber keine schweren Artilleriegeschütze hatten, war der Widerstand gegen die angreifende britische Infanterie von Anfang an nicht sehr effektiv, die meisten Widerstandsnester (WN) waren ohnehin schon durch die frühmorgendlichen Bombardements vor der Landung ausgeschaltet worden. Hinzu kam, dass der deutsche General-leutnant Dietrich Kraiss die durch den heftigen Wind unbeabsichtigt weit abgetriebenen Fallschirmjäger der 101. US-Luftlandedivision (mit einer sehr grossen Anzahl von Paradummies) in der Umgebung von Vire als die primäre Bedrohung ansah und gegen 4:00 Uhr einen Grossteil seiner Truppen dorthin in Marsch setzte. Als er seinen schwerwiegenden Irrtum bemerkte hatten seine Männer schon fast 30 Kilometer zurückgelegt.

Die See am Gold Beach war deutlich aufgewühlter als weiter östlich am Sword Beach, so dass beschlossen wurde, die DD tanks direkt mit den Landungsbooten an Land zu bringen und sie nicht vorher auf See auszusetzen. Daher waren sie nicht, wie geplant, als erste Einheiten am Strand und konnten so die deutschen Stellungen nicht vor der Landung der Bodentruppen unter Feuer nehmen, sondern kamen zusammen mit den Invasionstruppen an. In einigen Abschnitten fingen die deutschen Verteidiger sofort an, die noch am Strandsaum befindlichen DDs mit Panzerabwehrgeschossen anzugreifen und dabei gelang es ihnen, einige ausser Gefecht zu setzen.

Als der deutsche Widerstand dann nach und nach immer heftiger wurde, beschloss die 50. Division spontan durchzubrechen, um den Verteidigern die Möglichkeit zu nehmen, doch noch Artillerie beischaffen zu können. Dieser Durchbruch gelang ihr bei relativ wenigen Verlusten, was nicht zuletzt an der üppigen Ausstattung der Landungstruppen mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen der 79. britischen Panzerdivision lag. Dazu gehörten die sogenannten Hobart’s Funnies, die mit 290-mm-Mörsern ausgestattet waren und Hindernisse wie Minenfelder und grössere Befestigungen aus dem Weg räumen sollten. Der wohl bekannteste für diese Spezialaufgabe umgebaute Panzer war der Crab, oder auch Flail tank (Flegel-Panzer), der mit einem weit nach vorne herausragenden Gestell, an dem lange rotierende Ketten angebracht waren, das Terrain von Minen und anderen Hindernissen freimachen konnte. Die solchen Fahrzeugen folgende Infanterie konnte dadurch ohne nennenswerte Verluste den Strandabschnitt einnehmen.

La Rivière fiel schon morgens um 10:00 Uhr und Le Hamel war am Nachmittag in britischer Hand. Dazu gelang es dem britischen Kreuzer HMS Ajax nach einem längeren Duell mit der deutschen Batterie bei Longues-sur-Mer, diese auszuschalten.

Die Briten brachten an Gold Beach bis zum frühen Abend des D-Day erstaunliche 25.000 Mann an Land und verzeichneten dabei insgesamt etwa 400 Tote. Durch die hohe Zahl der angelandeten Soldaten konnte der Brückenkopf auf zehn Kilometer ins Inland ausgebaut werden und damit Truppenkontakt mit den östlich von ihnen gelegenen Kanadiern von Juno Beach hergestellt werden.

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051_35/Gold Beach vor Arromanches, 2011

Die Kleinstadt Arromanches wurde gegen 22:30 Uhr vollständig besetzt und kurz vor Mitternacht erreichten die Briten sogar die Aussenbezirke der Stadt Bayeux. Die ebenfalls an diesem Tag geplante Verbindung mit den Truppen von Omaha Beach gelang jedoch an diesem Tag nicht, einerseits war Omaha der grösste Strandabschnitt der ganzen Invasion, andererseits hatten die US-Amerikaner auch noch die grössten Probleme bei der Einnahme und die meisten Toten Der Lückenschluss konnte tatsächlich erst zwei Tage später, am Abend des 8. Juni gemacht werden.

Omaha Beach    
(aus Wikipedia)

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051_36/Kartenausschnitt Omaha Beach

Als Omaha Beach bezeichneten die Alliierten im Zweiten Weltkrieg einen französischen Küstenabschnitt in der Normandie bei Colleville-sur-Mer und Saint-Laurent-sur-Mer, an dem die Landung des V. US-Korps im Rahmen der Operation Neptune stattfand.

US-amerikanische Truppen landeten am 6. Juni 1944 (D-Day) im Rahmen der Operation Neptune an dieser Landungszone, für den die Stadt Omaha in den USA namensgebend war. Der westlich gelegene Strandabschnitt wurde als Utah Beach, die drei östlich gelegenen als Gold, Juno und Sword Beach bezeichnet. Omaha Beach – mit den zehn Kilometern Strand zwischen der Mündung der Vire bei Vierville-sur-Mer und dem kleinen Fischerhafen von Port-en-Bessin der längste Frontabschnitt der alliierten Landung – war in acht Zonen unterteilt, von West nach Ost codiert als Charlie, Dog Green, Dog White, Dog Red, Easy Green, Easy Red (mit rund 2,2 km die längste), Fox Green und Fox Red.

Das westliche Drittel des Strandes wurde durch einen 3 Meter hohen Wall be-grenzt, und der komplette Strand endete an 30 Meter hohen Klippen. Es gab fünf Ausgänge (Exits) ins Hinterland. Der am besten befestigte war eine ge-pflasterte Strasse in einer Schlucht, die nach Vierville-sur-Mer führte. Zwei waren nur einfache, unbefestigte Wege und zwei weitere waren die schmalen, unbefestigten Strassen zu den Dörfern Colleville-sur-Mer und Saint-Laurent-sur-Mer.

Formal gehörte auch das westlich von der Zone Charlie gelegene Kliff Pointe du Hoc zum Omaha-Landegebiet. Dort befand sich eine befestigte deutsche Artilleriestellung mit sechs französischen 155-mm-Beutegeschützen, die den Strand bewachten und somit die amerikanischen Landungstruppen an den Strandabschnitten Utah und Omaha Beach unter Beschuss hätten nehmen können. Obwohl die Stellungen oft von Bomberverbänden und Schiffsartillerie angegriffen wurden, waren die Befestigungen zu stark und hielten dem Beschuss stand. Deshalb wurde dem US-amerikanischen 2. Rangerbataillon der Auftrag gegeben, die Geschütze am Morgen des D-Day zu vernichten.

Omaha Beach lag ebenso wie der Pointe du Hoc im rund 50 Kilometer breiten deutschen "Verteidigungsbereich Bayeux", der sich von der Vire-Mündung im Westen bis knapp östlich von Arromanches-les-Bains im Osten erstreckte und von der deutschen 352. Infanterie-Division unter Generalleutnant Dietrich Kraiss verteidigt wurde. Westlich schloss sich die 709. Infanterie-Division und öst-lich die 716. Infanterie-Division an. Die 352. ID hatte diesen Küstensektor im März 1944 von der zuvor auf rund 100 Kilometer auseinandergezogen stehenden 716. ID übernommen, deren Sektor dadurch halbiert wurde. Diese Änderung war den Alliierten bis Anfang Juni verborgen geblieben und war den Kommandeuren der Landungstruppen nicht bekannt. Die eigentliche Landezone wurde von Teilen der Grenadierregimenter 916 (unter Oberst Ernst Goth) und 726 (von der 716. ID, der 352. ID temporär unterstellt) verteidigt.

Deckname der Geschützstellung am Pointe du Hoc war "Igel" bzw. "Imme". Die Doppelbezeichnung rührt daher, dass dieser Stützpunkt sowohl von der Luftwaffe als auch von der Marine genutzt wurde und daher unterschiedliche Decknamen vergeben wurden.

Im Dezember 1943 hatte Generalfeldmarschall Erwin Rommel nach der Besichtigung der Abschnitte einen sofortigen Ausbau des Sektors befohlen, und es waren inzwischen 13 gut befestigte Stellungen errichtet worden. Diese waren mit kleineren Posten durch ein weitläufiges Grabensystem verbunden. Zusätzlich legten die Deutschen weiträumige Minenfelder aus, die bis unter die Niedrigwasserlinie reichten, und errichteten Strandhindernisse. Dazu gehörten Panzersperren aus Eisenträgern, Stacheldraht und die berüchtigten Rommelspargel gegen Luftlandungen und anlaufende Landungsfahrzeuge.

Die Deutschen hatten den langen, offenen Strand zwischen Vierville-sur-Mer und Colleville-sur-Mer als mögliche Landestelle eines alliierten Angriffes erkannt, als sie ihre Küstenverteidigungsanlagen (Atlantikwall) planten.

Wie auf Utah Beach legten sie Widerstandsnester (WN) entlang des 10 km langen Strandes an, konzentrierten diese aber um 5 Wasserläufe, die das Steilufer oberhalb des Strandes durchschnitten. Durch die leicht konkave Krümmung der Küste hatten das WN 70, WN 71, WN 72 und WN 73 am Westende und das WN 60, WN 61 und das WN 62 am Ostende ausgezeichnete Feuerbereiche über den ganzen Strand. Ebenso wie diese lagen auch WN 63, WN 67 und WN 69 tief hinter den Felsen. Häuser an den Küstenstrassen hatte man abgetragen, um den Feuerbereich zu vergrössern. Ihr Material diente zum Bau von Befestigungsanlagen. Zwischen den Widerstandsnestern und in den Wasserläufen legte man Minenfelder an, und zum Schutz der toten Winkel grub man ferngesteuerte Flammenwerfer ein. Alles war stark befestigt, doch die alliierten Planer wussten, dass eine Landung auf Omaha nötig war, damit Utah nicht an der von den anglokanadischen Stränden entfernten Flanke ungeschützt blieb.

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051_37/Heutige Ansicht von Omaha Beach

Die sicherste Route weg vom Strand war die Schotterstrasse westwärts zum Dorf Vierville. Diese war durch einen Panzerabwehrwall blockiert, und die Deutschen hatten auf dem Felsufer das WN 70 mit Infanteriewaffen und das WN 71 mit zwei 7,5-cm-Kanonen, eine in einer offenen Werfergrube, eine in einer Kasematte, sowie zwei Granatwerfern und einer 2-cm-Flak errichtet. Das WN 72 beim Zugang zur Abflussrinne war

eine Festung mit zwei 8,8-cm-Kanonen, die den Strand bestrichen, einer 5-cm-Kanone und fünf 5-cm-Granatwerfern. Doch waren WN 71 und WN 73 unterbesetzt. Männer von Baubrigaden mussten sie ergänzen. Der erdige Weg hinauf zum St-Laurent-Exit wurde von vier Widerstandsnestern geschützt. Das WN 64 hatte zwei 7,5-cm-Kanonen, fünf 5-cm-Granatwerfer und eine 2-cm-Flak. WN 65 besass eine 8,8-cm-Kanone und einen 5-cm-Granatwerfer in einer Kasematte. WN 68 hatte nur Infanteriewaffen, doch WN 66 war stärker befestigt. Geschützt von einem Panzergraben hatte es zwei 7,5-cm-Kanonen, drei in Bunkern einbetonierte Renault-Panzertürme und sechs 5-cm-Granatwerfer.

In der Tiefe befanden sich WN 67 und WN 69, letzteres mit einer Raketenbatterie. Die I. Abteilung des Artillerieregiments 352 der 352. Infanteriedivision unter Oberstleutnant Wilhelm Ocker stand mit seinen Beobachtungsposten um Houtteville in WN 59, WN 61 und WN 62, von wo aus der Artilleriebeobachter Leutnant Frerking das Feuer justieren konnte.

Der Colleville-Exit, bloss ein Pfad, wurde von drei Widerstandsnestern geschützt. WN 60 hatte zwei 7,5-cm-Kanonen, einen Bunker mit einem Renault-Panzerturm, vier 5-cm-Granatwerfer und eine 2-cm-Flak. WN 61 war mit einer 8,8-cm-Kanone und einer 5,5-cm-Kanone und Renault-Panzerturmbunkern sowie einem 5-cm-Granatwerfer bestückt. Ein Panzergraben lag vor dem WN 62, dem Gefechtsstand Oberleutnant Frerkings. Die Bewaffnung bestand aus zwei 7,5-cm-Kanonen in Kasematten, zwei 5-cm-Kanonen und einem 5-cm-Granatwerfer. Der Panzergraben erwies sich als wirksames Hindernis. Noch um 11:40 Uhr am D-Day suchten US-Panzerfahrer eine Stelle, um ihn zu queren. Landeinwärts auf der Strasse nach Colleville lag WN 63 mit einer 7,5-cm-Kanone. In diesem Gebiet sollte sich die 2./GR916. konzentrieren. Alle Widerstandsnester waren von Stacheldraht umgeben, und die alliierten Planer wussten, dass am Strand und landeinwärts ein dichtes Netz von Minenfeldern lag.

Die Landungstruppen erlitten am Omaha Beach die grössten Verluste, da die 448 B-24-Bomber mit 1285 Tonnen Bomben der 2. Bomberdivision der Eighth Air Force die deutschen Stellungen verfehlten beziehungsweise die Verteidigungsanlagen trotz Bombardierung grösstenteils intakt blieben. 117 B-24 Bomber kehrten sogar mit ihrer Ladung wieder zurück nach England, da sie ihre Ziele nicht fanden.

Lediglich die Schiffsartillerie der USS Texas, USS Arkansas, der HMS Glasgow sowie der französischen Kriegsschiffe Montcalm und Georges Leygues beschossen Ziele am Strand und auf den Höhen. Ein weiteres Problem bestand darin, dass die LCR (Landing Craft Rocket, mit Raketenwerfern bewaffnete Landungsboote) ihre Raketensalven, die die Stacheldrahtverhaue und Minenfelder zerstören sollten, zu kurz ins Wasser schossen, ohne die deutschen Stellungen zu beschädigen. Die bis zu 30 m hohen Steilhänge und Klippen sowie die dort seit Dezember 1943 stationierte 352. Infanteriedivision erschwerten zusätzlich die Stürmung und Sicherung des Abschnittes.

Etwa 50 Minuten vor der eigentlichen Landung der Infanterie wurden die in Schwimmhüllen eingekleideten Sherman-Panzer (DD tanks) des 741. Panzer Bataillons gestartet. Durch die raue See gelang es jedoch nur zwei Panzern, den Strand schwimmend zu erreichen. Drei weitere wurden von einem Landungsboot, dessen Klappen sich auf See nicht öffnen liessen, bis an den Strand gebracht. 27 DDs gingen noch auf See unter, die Besatzungen ertranken. Ihre Atemgeräte reichten nur für fünf Minuten, angesichts der turbulenten See war das zu kurz. Die Schwimmpanzer waren nicht besonders weit entwickelt: Auf die herkömmlichen Sherman-Panzer waren lediglich segeltuchbespannte Gerüste montiert, die allenfalls Wellen von 30 cm Höhe standhalten konnten. An diesem Tag waren die Wellen aber fast zwei Meter hoch. Die Panzer wurden sehr früh ins Wasser entlassen, der Abstand zum Ufer betrug noch fast fünf Kilometer. Die Schwimmpanzer waren schwer zu manövrieren: Der Panzerfahrer hatte keine Sicht, ein weiterer Soldat auf dem Turm musste als Ausguck dienen. Angesichts dessen darf es erstaunen, dass es einige Panzer überhaupt bis zum Strand geschafft haben.

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051_38/Geschützturm einer deutschen Stellung am Omaha Beach

Das erste deutsche Widerstandsnest (WN 61) wurde gegen 7:10 Uhr von einem der beiden ersten an Land gelangten DD-Tanks ausgeschaltet. Unerwartete Probleme ergaben sich bei der Navigation der Landungsboote der Infanterie. Jedem Boot war ein enger Strandabschnitt zugeteilt, an dem die angelandeten Truppen genaue Anweisungen zur Zerstörung von Hindernissen am Strand und zur Erstürmung der steilen Küste hatten.

Trotz einer genauen Luftkartographierung des Strandes konnten die besonderen Marken an Land schlecht ausgemacht werden. Ausserdem trieben starker Wind und eine bei Flut eintretende Unterwasserströmung die Boote ab, so dass die wenigsten an ihrem vorgesehenen Punkt anlandeten. Die meisten landeten deutlich weiter östlich, und der Brückenkopf hatte sich auf mehr als 6,5 Kilometer ausgedehnt. Aus diesem Grund kämpften die Infanterieeinheiten der 29. Infanteriedivision der Nationalgarde und der 1. Infanteriedivision zum Teil an vollkommen anderen Orten als ursprünglich geplant. Auf unbekanntem Gelände gerieten sie in die Schusslinien ihnen unbekannter deutscher Stellungen und erlitten teils extrem hohe Verluste. So blieb der Vormarsch vorerst im Abwehrfeuer stecken. Hinter den deckungsuchenden Truppen strömten trotz allem ab 7:00 Uhr weitere Soldaten der nächsten Wellen an Land. Es dauerte etwa 40 Minuten, bis alle Einheiten an Land waren.

Auf der rechten (westlichen) Flanke konnte das 743. Panzerbataillon fast alle seine Panzer mittels der Landungsboote an den Strand bringen. Zehn Panzer wurden am Strand zerstört, vier Panzer sanken mit einem LCT vor Vierville, weitere gingen am Strand durch eine Explosion verloren. Drei Panzer wurden von den Kanonieren der 9./GR726, die der 352.ID unterstellt war, ausgeschaltet. Um ca. 13:25 waren mit der 13. Welle etwa 34 Panzer am Weststrand zwischen Vierville und Saint Laurent.

Die an Land gegangenen Pioniereinheiten (Engineer Special Brigade), die Breschen in die deutschen Verteidigungsstellungen sprengen sollten, kamen meist mit 10 Minuten Verspätung an ihre Einsatzstellen, wenn sie sie denn überhaupt erreichten. Vielfach waren unterwegs die kompletten Sprengstoffpakete und Zünder verlorengegangen.

Der erste bedeutende Durchbruch gelang um 9:00 Uhr am Abschnitt Dog White. Hier bestand die Verteidigung nur aus leichtem, nicht konzentriertem Maschinengewehrfeuer aus dem Widerstandsnest 70. 31 deutsche Soldaten der 352. Infanteriedivision wurden gefangen genommen. Etwa 20 Minuten später gelang es der Kompanie C des 116. Regiments und Rangern des 5. Ranger-Bataillons unter dem Befehl von General Norman Cota, den steilen Strandabschnitt zu ersteigen und in das Hinterland vorzudringen. General Cota führte seine Männer von Osten nach Vierville und kämpfte sich dann den Weg zum Strand hinunter.

Gegen 10:00 Uhr lagen am Strand ca. 2000 Tote, und die Offiziere begannen die verbliebenen Soldaten neu zu gruppieren. Sie kämpften sich anschliessend durch die klippennahen Minenfelder und Hindernisse, um weiter gegen die deutschen Stellungen vorrücken zu können. Kurz darauf begann die Belagerung des Widerstandsnestes 64 östlich des Ruquet-Tals am E1 Beach Exit, das in der Folge von den Deutschen aufgegeben wurde. WN 65 fiel etwa um 10:30 Uhr. Damit war E1 freigekämpft, und die Amerikaner konnten an dieser Stelle den Vormarsch ins Hinterland beginnen.

Zwei amerikanische Zerstörer näherten sich Omaha bis auf rund 1.100 Meter, um deutsche Schlüsselstellungen östlich von Les-Moulins zu beschiessen.

An anderen Stellen des Omaha Beach waren wesentlich stärker bewaffnete und befestigte deutsche Verteidigungsstellungen zu überwinden. General Bradley erhielt gegen Mittag die Nachricht, dass grosse Truppenteile auf dem Strandabschnitt Easy Red feststeckten. Auf den Abschnitten Easy Red und Easy Green trafen weitere Verstärkungswellen ein und die Verwundeten wurden abtransportiert.

Das deutsche Widerstandsnest 72 ergab sich etwa um 13:00 Uhr, so dass der Strandausgang D1 nach Vierville-sur-Mer frei war. Eine halbe Stunde später unterlief der deutschen 352. Infanteriedivision ein schwerwiegender Fehler: Sie meldete fälschlicherweise an die deutsche 7. Armee, dass der alliierte Landungsversuch ins Meer zurückgeworfen wurde. Möglicherweise kam der Funkspruch auch verstümmelt bei der 7. Armee an und wurde dort falsch interpretiert.

Im Sektor Easy Red an der Grenze zum Sektor Fox Green gelang den Amerikanern um 14:35 Uhr die Ausschaltung des starken deutschen Widerstandsnestes 62, aus dem nur vier deutsche Soldaten (darunter Hans Warnecke, Franz Gockel und der später unter den Amerikanern als "Beast of Omaha Beach" bekannt gewordene Heinrich Severloh) entkommen konnten.

Der Strandausgang D1 wurde vom deutschen Stützpunkt WN 73 in der Nähe eines Hauses unter starken Beschuss genommen und konnte erst gegen 17:00 Uhr von zwei amerikanischen Rangerbataillonen genommen werden. Anschliessend gelang es Truppenteilen der 29. US-Infanteriedivision, fast bis Pointe du Hoc vorzudringen. Bedingt durch Gegenstösse von deutscher Seite mussten sich die Truppen und die Panzer allerdings auf den letzten Ort vor Pointe du Hoc zurückziehen.

Ab 20:00 Uhr trafen weitere Landungswellen ein, die zusätzliches Material wie Panzer und Artillerie brachten.

Auf der Westseite von Omaha Beach gelang es der 1. US-Division nicht, die Tagesziele zu erreichen. Am Morgen des 7. Juni unternahmen Teile des deutschen Grenadierregiments 915 nochmals einen Vorstoss Richtung Küste. Dieses Unternehmen scheiterte und führte zum endgültigen Zusammenbruch im Strandbereich.

Ab dem 7. Juni 1944 zogen sich die restlichen deutschen Truppenteile nur noch zurück, da gegen die Übermacht der alliierten Panzer, Artillerie und Luftwaffe ein Ankämpfen mit Handwaffen und vereinzelten Panzern nicht mehr möglich war.

Omaha Beach diente nach dem D-Day als Hafenanlage. Neben dem künstlichen Hafen in Arromanches-les-Bains (Mulberry B) wurde ein zweiter Hafen am Strand von Vierville und Saint-Laurent eingerichtet. Dieser Mulberry A (A-American /B-British) wurde durch einen sehr starken Sturm zwischen dem 19. und 22. Juni 1944 zerstört. Die noch gebrauchsfähigen Teile wurden nach Arromanches verbracht, und die Versorgungsgüter wurden direkt auf dem Strand durch LCTs, DUKWs und LSTs ausgeladen.

Pointe du Hoc    
(aus Wikipedia)

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051_39/Lage und Schussbereich der Batterie bei der Pointe du Hoc

Bei der Pointe du Hoc, die in US-amerikanischen Armee-Dokumenten oft fälschlicherweise als "Pointe du Hoe" angegeben wird, befand sich eine deutsche Stellung mit sechs 155-mm-Feldkanonen, die den Strand bewachten und somit die amerikanischen Landungstruppen an den Strandabschnitten Utah und Omaha Beach unter Beschuss hätten nehmen können. Obwohl die Stellungen oft von Bomberverbänden und Schiffsartillerie angegriffen wurden, hielten die starken Befestigungen deren Beschuss stand. Deshalb wurde dem US-amerikanischen 2. Rangerbataillon der Auftrag gegeben, die Geschütze am Morgen des D-Day zu vernichten.

Die Stellung war von der deutschen Organisation Todt erbaut worden. Das Areal war durch zwei 2-cm-Flugabwehrkanonen, diverse Maschinengewehr-Stellungen, Minenfelder und Stacheldrahtverhaue sowie durch die Klippen geschützt. Laut Berichten der Résistance sollten sich 125 Soldaten der SS und 85 Kanoniere in den Stellungen befinden. Die Batterie war vom 1260. Heeres-Küstenregiment bemannt. Nahegelegen befand sich auch ein Beobachtungs- und Feuerleitposten, der mit einer fünf Kilometer entfernten Radarstation bei der Pointe de la Percée verbunden war.

Das aus 225 Männern bestehende Rangerbataillon wurde von Lieutenant Colonel James Earl Rudder angeführt. Der Plan sah für die drei Rangerkompanien (D, E und F) vor, von See aus an den Füssen der Klippen anzulanden und dann mit Seilen, Leitern und ähnlichem die Felswände emporzuklettern. Danach sollten die Truppen das obere Kliff erobern. Der Angriff sollte vor den alliierten Hauptlandungen ausgeführt werden. Es war vorgesehen, ihn um 6:30 Uhr morgens zu beginnen, eine halbe Stunde später sollte eine zweite Gruppe, bestehend aus acht Kompanien, folgen. Daraufhin sollten sie von Truppen, die am Abschnitt "Dog Green" bei Omaha Beach landeten, abgelöst werden.

Die Ranger wurden für den Angriff auf der Isle of Wight von britischen Kommandoeinheiten trainiert. Fünfzig der Ranger hatten zuvor, im Jahr 1942, bei dem Angriff auf Dieppe an der Operation Jubilee teilgenommen. Nach einigen anfänglichen Rückschlägen aufgrund schlechten Wetters wurde die Operation um einen Tag verschoben. Alle mussten auf See bleiben. Am nächsten Tag war das Wetter noch immer schlecht, doch es wurde grünes Licht gegeben.

Gegen 4:30 Uhr bestiegen die Soldaten des 2. Rangerbataillons zehn britische Landungsboote und machten sich auf den Weg zur Festung. Doch schon in den ersten Minuten hatten verschiedene Boote Probleme mit dem Wasserstand und dem schweren Seegang. Gegen 5 Uhr konnte ein Boot diesem nicht mehr standhalten und kenterte. Aufgrund der widrigen Bedingungen kamen 19 Soldaten dabei um.

Nach einigen anfänglichen Rückschlägen wegen schlechten Wetters und Navigationsproblemen landeten die Amerikaner 40 Minuten später als vorgesehen, um 7:10 Uhr, am Fuss der Klippen, wobei der Angriff von alliierten Zerstörern unterstützt wurde. Die Deutschen leisteten jedoch verbissen Widerstand und warfen mit Felsbrocken und Handgranaten auf die heraufkletternden Amerikaner. Gegen 7:15 Uhr erreichten die ersten Ranger das Kliff in Höhe der zerstörten Flak-Stellung und richteten sich zur Verteidigung ein. Nach weiteren 20 Minuten waren alle Männer oben.

Die Geschütze waren allerdings schon weggeschafft worden, möglicherweise wegen der Bombenangriffe, welche die Invasion einleiteten. Die Ranger formierten sich auf dem Kliff neu, errichteten Verteidigungsstellungen und schickten einige Männer weiter ins Inland, um die Geschütze zu suchen. Eine der Patrouillen fand die Geschütze unbewacht und ohne Munition in einem Obstgarten, etwa einen Kilometer südwestlich der Pointe du Hoc. Die Patrouille zerstörte die Geschütze mit Thermit-Granaten, wodurch der Höhen- und Schwenkmechanismus zerstört wurden. Die zweite Patrouille kam hinzu und zerstörte ein Munitionslager.
Nachdem die Ranger am Rande der Pointe du Hoc einen Brückenkopf errichtet hatten, wurden sie am 6. und 7. Juni mehrmals von deutschen Truppen angegriffen und 200 Meter vor der Spitze der Klippe eingekesselt. Das 116. US-Infanterieregiment und das 5. US-Rangerbataillon, die vom Omaha Beach kamen, rückten ca. 900 Meter an die eingeschlossenen Ranger heran. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni befahl der Befehlshaber der deutschen Truppen, die die Ranger einkesselten, sich zurückzuziehen, woraufhin die amerikanische Verstärkungen des Omaha Beach durchbrechen konnten. Am Ende des zweiten Tages war die Einheit von mehr als 225 Männern auf 90 noch kampffähige Männer geschrumpft.

Nach der Schlacht waren einige Ranger davon überzeugt, dass französische Zivilisten den deutschen Soldaten zur Seite gestanden hatten. Viele wurden angeklagt, auf die Amerikaner geschossen zu haben oder als Artilleriebeobachter für die Deutschen gedient zu haben. Einige unter ihnen wurden von den Rangern hingerichtet.

Aufgrund seiner Verdienste in der Normandie wurde Rudder einige Zeit später zum General befördert und leitete daraufhin in Texas die Schule des Rangerregimentes.

Ein Museum in Grandcamp-Maisy und eine Gedenkstätte erinnern heute an den Kampf um die Pointe du Hoc. Viele der alten Befestigungen sind heute noch auf den von Bombentrichtern übersäten Klippen sichtbar. Zum 60-jährigen Jubiläum der Landung in der Normandie wurde das Gelände neu hergerichtet und den USA übereignet. Ein grosser PKW-Parkplatz, Busparkplätze und eine Aussichtsplattform ermöglichen es heute Touristen, das Kampfgelände zu erkunden.

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051_40/Blick über das heutige Gelände von Südosten her

Das Gelände des ehemaligen Kampffeldes wurde am 11. Januar 1979 den Vereinigten Staaten von Amerika zur dauerhaften Nutzung überlassen. Die ABMC (American Battle Monuments Commission) pflegt seither das Gelände und versucht, es im Zustand von 1944 zu erhalten. Nachdem in den letzten 60 Jahren ca. 10 Meter der Felsenküste erodiert sind, hat die ABMC nach einer Studie von 2004 beschlossen, dieses historische Gelände zu retten. Besonders der Feuerleitstand der Batterie ist durch das Abbröckeln des Felsens darunter gefährdet, in die Tiefe zu rutschen. Im Frühjahr 2010 wurde das Ranger-Denkmal entfernt und eine Zufahrtsstrasse zum Feuerleitstand gebaut. Seither werden nun die Auswaschungen unter dem Pointe du Hoc mit Beton verfüllt. Zudem werden horizontale und vertikale Stabilisierungsbohrungen rund um den Feuerleitstand angelegt, um diesen dauerhaft zu stabilisieren. Die Bauarbeiten wurden Ende 2010 abgeschlossen. Das Rangerdenkmal wurde wieder aufgestellt.

Utah Beach 
(aus Wikipedia)

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051_41/Kartenausschnitt Utah Beach

Utah Beach war bei der Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg der Deckname für einen französischen Küstenabschnitt von knapp fünf Kilometern Länge zwischen Pouppeville und La Madeleine am Fuss der Halbinsel Cotentin, in der Landschaft Plain, im Département Manche. Es war der am weitesten westlich gelegene Landungsabschnitt, in dessen Gebiet nach den ersten Planungen kein Landungsangriff vorgesehen war. Da die Alliierten jedoch möglichst schnell nach dem Beginn der Landung einen Tiefwasserhafen benötigten - und Cherbourg an der Nordspitze der Halbinsel am geeignetsten erschien -, wurde Utah Beach in den Invasionsplan aufgenommen. Die nächstfolgenden Landungsabschnitte waren Omaha-, Gold-, Juno- und Sword-Beach sowie die Geschützstellung Pointe du Hoc.

Die Verteidigung der Küste unterstand auf deutscher Seite dem rund 50 Kilometer breiten "Verteidigungsbereich Bayeux" (Hauptstossrichtung), der östlich an die Vire-Mündung angrenzte und sich bis knapp östlich von Arromanches-les-Bains im Osten erstreckte, der deutschen 352. Infanterie-Division unter Generalleutnant Dietrich Kraiss und weiteren Marine- und Luftwaffeneinhei-ten. Westlich daran schloss sich unter Generalleutnant Karl-Wilhelm von Schlieben (Cherbourg) der zu verteidigende Bereich der 709. Division mit dem Angriffsabschnitt Utah Beach an.

In der Nacht vor der Landung wurden im Hinterland von Utah Beach Einheiten der 82. und 101st Airborne Division (101. US-Luftlandedivision) zur Flankensicherung der Landungsstrände abgesetzt. Die erste Phase der Landung auf Utah Beach umfasste vier Wellen. Mit der ersten Welle sollten in insgesamt 20 Landungsbooten, die mit je einem 30 Mann starken Kampfteam des 8. Infante-rieregiments der 4. US-Infanteriedivision besetzt waren, zwei Landeköpfe etabliert werden. Die zehn Boote der rechten Flanke hatten die Aufgabe, den Strandabschnitt Tare Green zu nehmen, der genau gegenüber dem starken deutschen Verteidigungsbereich in den Dünen bei Vareville liegen sollte. Die Boote der linken Flanke waren für den Strandabschnitt Uncle Red vorgesehen, der rund 900 m weiter südlich lag.

Die komplette Operation baute auf der ersten Landungswelle auf, die für 6:30 Uhr am Morgen vorgesehen war. Etwa zur gleichen Zeit sollten auch acht mit je vier Schwimmpanzern bestückte Landungsboote auf den Weg geschickt werden.

Die zweite Welle bestand laut Plan aus weiteren 32 Landungsbooten mit Kampfgruppen, Pionieren und Sprengkommandos, die die Unterwasserhindernisse beseitigen sollten.

Nach weiteren 15 Minuten sollte die dritte Welle mit Panzern an Land gehen. Ihr sollte unmittelbar die vierte Angriffswelle folgen, die aus zwei Pionier-Bataillonen bestand. Deren Aufgabe war die Säuberung des Strands von Verhauen und Minen bis zur Hochwasserlinie.

Vor dem Beginn der Landung am D-Day, dem 6. Juni 1944, erfolgte eine massive Bombardierung der deutschen Küstenstellungen durch Schiffsartillerie und Luftangriffe. Um 5:30 Uhr – eine Stunde vor dem Landungsbeginn – begannen amerikanische und britische Schlachtschiffe, Kreuzer und Zerstörer sowie das niederländische Kanonenboot Soemba mit dem Beschuss der deutschen Küstenbefestigungen und Artilleriestellungen. Zu den Schiffen gehörte unter anderem das Schlachtschiff USS Nevada, das beim japanischen Angriff auf Pearl Harbor schwer beschädigt worden war. Um 6:00 Uhr griffen 269 Mittelstreckenbomber vom Typ B-26 Marauder sieben deutsche Verteidigungsstellungen mit insgesamt 4.404 Bomben an.

Durch den Beschuss von Utah Beach wurden – anders als auf Omaha Beach – viele der deutschen Verteidigungsstellungen zerstört oder schwer beschädigt. Zudem waren viele der überlebenden Verteidiger durch das einstündige Bombardement so stark mitgenommen, dass sie keinen ernsthaften Widerstand leisten konnten.

Zwei Stunden vor dem Beginn der Landung besetzten Einheiten der 4. und der 24. US-Kavallerie-Schwadron die – dem Utah Beach vorgelagerten – Saint-Marcouf-Inseln, auf denen ein deutscher Vorposten vermutet wurde. Entgegen den Erwartungen fanden die Angreifer keine deutschen Truppen vor, erlitten durch Minen jedoch trotzdem einige Verluste. Bis 5:30 Uhr waren die beiden Inseln vollständig in alliierter Hand. Vor dem Beginn des Angriffs auf die Inseln ging ein Voraustrupp von vier nur mit Messern bewaffneten Männern an Land, um die Landungszonen zu markieren. Diese Männer waren wahrscheinlich die ersten alliierten Soldaten, die am 6. Juni 1944 französischen Boden von See aus betraten.

Kurz vor 6:30 Uhr näherten sich die ersten Sturmtruppen mit 20 Booten dem Südrand von Utah Beach. Als sie noch 250 bis 350 Meter von der Küste entfernt waren, wurden auf den Booten Rauchsignale abgefeuert, um den Marineeinheiten zu signalisieren, den Beschuss des Strandes einzustellen. Die 300 Mann des 2. Bataillons des 8. Infanterieregiments erreichten um 6:31 Uhr als erste die Küste, wobei sie die letzten 100 Meter bis zum Strand im Wasser laufend zurücklegen mussten. Nördlich davon ging kurze Zeit später auch das 1. Bataillon an Land.

Einige Minuten darauf erreichten auch 28 der 32 schwimmfähigen Sherman-DD-Panzer des 70. US-Panzer-Bataillons die Küste und nahmen die verbliebenen deutschen Verteidigungsstellungen unter Beschuss. Vier Panzer gingen verloren, als ihr Landungsfahrzeug auf eine Mine lief und sank. Die effektive Panzerunterstützung der ersten Landungswelle war ein weiterer bedeutender Unterschied zu der Landung auf Omaha Beach und trug ebenfalls dazu bei, hier die alliierten Verluste gering zu halten. Anders als am Omaha Beach wurden die Panzer nur drei Kilometer vor der Küste von den Landungsbooten ausgesetzt und kamen mit dem ruhigeren Seegang in Küstennähe problemlos zurecht.

Zu dieser Zeit begannen Pioniere und Spezialeinheiten der Marine, Utah Beach von Minen und Strandhindernissen zu säubern, damit die nachfolgenden Einheiten gefahrlos und ohne Verzögerung landen und ins Landesinnere vorstossen konnten.

Die erste Welle ging jedoch 1800 Meter südlich des geplanten Landeabschnitts an Land. Dies war die Folge einer starken seitlichen Strömung, welche die Landungsboote nach Süden abdrängte. Da die Küste infolge des vorangegangenen Beschusses von Rauchwolken verdeckt war, fehlten den Besatzungen der Landungsboote Orientierungspunkte für eine Kurskorrektur.

Der falsche Landeort hätte eigentlich zu grosser Verwirrung führen können, die aber nicht eintrat. Zwar liessen sich die einzelnen Befehle nicht im Detail ausführen, aber Brigadegeneral Theodore Roosevelt, jr., der stellvertretende Kommandeur der 4. US-Infanteriedivision, hatte die Lage im Griff und liess die erreichbaren starken deutschen Stellungen angreifen. So konnten die Ameri-kaner schnell zu den Hauptstrassen im Hinterland vorstossen und die deutschen Truppen von dort aus angreifen.

Den Soldaten wurde nur relativ wenig Gegenwehr entgegengesetzt, so dass die Verluste von 197 Mann als relativ niedrig bezeichnet werden konnten. Einige deutsche Artilleriestellungen beschossen die Schiffe auf See, konnten dort aber keine Schäden anrichten. Am Ende des Tages hatten mehr als 20.000 Soldaten mit 1.700 Fahrzeugen am Abschnitt Utah Beach französischen Boden betreten.

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051_42/Bomber vom Typ Martin B 26 „Marauder“

Das 1962 eröffnete Landungs-Museum Utah Beach (frz. Musée du Débarquement Utah Beach) liegt an der Stelle, an der ein deutscher Bunker den Küstenabschnitt sicherte. Er konnte am Morgen des 6. Juni 1944 durch den amerikanischen Angriff zerstört werden. Insbesondere an hier beteiligte US-Truppenteile wird erinnert: die 4. US Infanteriedivision und deren 8. Infanterieregiment, die 101. US-Luftlandedivision. Neben einem Landungsboot und vielen kleineren mit dem Krieg zusammenhängenden Ausstellungsstücken zeigt das Museum einen der wenigen noch existierenden mittelschweren amerikanischen Bomber vom Typ Martin B 26 "Marauder". Es wurde nach einer Erweiterung 2011 neu eröffnet.

Deutsche Reaktionen
Da für den 5. und am 6. Juni 1944 schlechtes Wetter vorausgesagt worden war, waren viele Generäle abwesend. Einige, wie der Befehlshaber der 7. Armee, Generaloberst Friedrich Dollmann, hielten sich bei Planspielen (Stabsübung) in Rennes auf. Rommel besuchte am 6. Juni seine Frau in Deutschland, da diese ihren 50. Geburtstag feierte.

Die deutsche Abwehr wusste von zwei Zeilen aus Paul Verlaines Gedicht Herbstlied, die kurz vor der Invasion Störaktionen der französischen Widerstandsbewegung auslösen sollten, und die über BBC verlesen wurden. Die entscheidende zweite Zeile kündigte die Invasion innerhalb der nächsten 48 Stunden gerechnet von 0:00 Uhr des auf die Durchsage folgenden Tages an. "Die am 5. Juni um 21:15 Uhr beginnende Sendung mit verschlüsselten Mitteilungen an die Résistance hatte an diesem Tag die doppelte Länge und erregte auch in Rundstedts Hauptquartier Argwohn. Von 22 Uhr an meldeten Radarstationen zwischen Cherbourg und Le Havre, sie würden gestört, und Stationen von Fécamps bis Calais ungewöhnlich starke Schiffsbewegungen im Kanal. […] Trotz allen immer deutlicher werdenden Anzeichen wies v. Rundstedts Stabschef, Blumentritt, die Meinung ab, dass dies der Beginn der Invasion sei, und der Oberbefehlshaber West befahl keine besonderen Vorkehrungsmassnahmen. In Rommels Hauptquartier jedoch hatte man bereits gehandelt. Um 22:00 Uhr wurde für alle Truppen höchste Alarmbereitschaft befohlen, aber nur die für die 15. Armee, die Divisionen zwischen Orne und Schelde. Die 7. Armee an dem Küstenabschnitt, dem sich jetzt die Invasionsflotte näherte, erhielt keinerlei Warnung". Dort wurde die Invasion nicht erwartet.

Die 7. Armee wurde erst am 6. Juni nachts um 1:20 Uhr von der Meldung des Kommandos des LXXXIV. Korps überrascht, dass "Seit 0.30 Uhr Fallschirmabsprünge im Raum ostwärts Caen [… bis] Ostküste Cotentin" stattfänden. Um 2:40 Uhr wurde der Stabschef unterrichtet: "Nach Ansicht des Ob. West handelt es sich nicht um Grossaktion".

Während die deutschen Radarstationen nördlich der Seine weiterarbeiten 'durften', um die vorgetäuschten Geleitzüge zu melden, war die Störung in der Normandie von solchem Ausmass, dass "Die Invasionsflotte erst entdeckt [wurde], als die für Utah bestimmten Schiffe um 2:00 Uhr ihren 12 Meilen von der Küste der Halbinsel Cotentin entfernten ‚Transportabschnitt‘ [zur Umladung auf kleine Landungsfahrzeuge] erreicht hatten, und dann nicht durch Radar, sondern durch direkt wahrnehmbares Geräusch"!

In der Folge wurde Rundstedts Hauptquartier von Meldungen überschüttet, doch waren die Täuschungsmanöver zwischen Le Havre und Rouen noch nicht aufgedeckt. "Um 4.00 Uhr, als die Lage noch undurchsichtig war, ersuchte Blumentritt telefonisch Jodl in Berchtesgaden um die Genehmigung Hitlers, die 12. SS-Panzer-Division und die Panzer-Lehr-Division zum Einsatz gegen die Landungen in der Normandie heranzuziehen. Jodl antwortete, der Führer wolle die operative Reserve nicht vorschnell binden". Auch die 7. Armee meldete in der Morgenlage um 6.45 Uhr an Rommel: "Es ist möglich, dass es sich um Ablenkungsangriffe handelt".

Die katastrophale Informationslage bewirkte, dass vor Ort bis in die Mittagszeit am 6. Juni kaum koordinierte Massnahmen möglich waren und auch Abwehrerfolge eher zufällig geschahen.

Der alliierten Streitmacht stand eine relativ kleine deutsche Luftwaffe gegenüber. Am frühen Morgen der Landung waren es zwei deutsche Jagdflugzeuge, geflogen von Oberstleutnant Josef Priller und Feldwebel Heinz Wodarczyk, die die alliierten Landungstruppen am Strand mit Bordwaffen angriffen. Gegen 10:00 Uhr griffen zwölf Fw 190 der I./JG 2 die Landungsflotte mit BR-21-Werfer-Geschossen an, wobei ein Landungsschiff getroffen wurde. Viele Flugzeuge waren am 4. Juni ins Landesinnere verlegt worden, da man die bisherigen Flugplätze als zu bedroht ansah. Einige Einheiten wurden bereits im Laufe des Tages in die Kampfzone zurückverlegt. Am Abend fanden mehrere Angriffe des SG 4 mit Jagdbombern auf die alliierte Landungsflotte und auf Fahrzeuge statt, wobei zwei Volltreffer auf Landungsschiffe gemeldet wurden. Im Verlaufe des D-Days hatten die Alliierten die absolute Luftherrschaft.

"Hitlers Anordnung von 4.00 Uhr, die den Einsatz der strategischen Panzerreserve verbot, war nahezu 12 Stunden in Kraft. […] und erst um 16.00 Uhr erfuhr die 7. Armee. dass [die beiden Panzer-Divisionen] ihrem Befehl unterstellt worden waren. Zu dieser Zeit war es für jede dieser Divisionen zu spät, in die Schlacht bei Caen einzugreifen. […] Die vom Wetter verursachten Verzögerungen wurden ausgeglichen durch die Entschlusslosigkeit der deutschen Obersten Führung, und als der X-Tag zu Ende ging, hatte[n die Alliierten] noch die Initiative".

Am Abend des 6. Juni war es "das einzige Mal, wo Hitler, v. Rundstedt und Rommel übereinstimmten: Dieser Angriff war ein Ablenkungsmanöver, um die deutschen Reserven westlich der Seine zu binden und dann zu einem Hauptangriff am Pas-de-Calais zu schreiten". So wurden mit wenigen Ausnahmen vorerst nur die vor Ort befindlichen Kräfte zur Abwehr der Invasion eingesetzt.

"Noch am Abend des 9. Juni äusserte Rommel zu Dollmann, er erwarte auf der Halbinsel (Cotentin) keine weiteren Luftlandungen, da das OKW in den nächsten Tagen mit Grosslandungen an der Kanalküste rechnet".

Als erste Berichte von der Invasion Deutschland erreichten, war die offizielle Reaktion der Bevölkerung Erleichterung, ja sogar Freude. Man war der Meinung, dass man den Feind, der nun zum Greifen nahe war, endlich entscheidend schlagen könne. Andere aber (z. B. an der Ostfront, wo im Sommer 1944 ein totaler Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte stattfand) waren unter der Hand der Meinung, dass der Krieg, der nach der Katastrophe von Stalingrad ohnehin verloren sei, jetzt (anderthalb Jahre später) bald zu Ende gehen werde. Jedenfalls verschwand in den Tagen nach der alliierten Invasion in der Normandie schlagartig bei der gesamten Bevölkerung das Vertrauen in den seit 1942 von der NS-Propaganda als unüberwindbar angepriesenen Atlantikwall. Mit anderen "Wällen", z. B. dem Westwall, war es später ebenso.

Folgetage der Landung

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051_43/Nachschublandungen für Overlord

Die Alliierten hatten bei ihren amphibischen Landungen im Mittelmeerraum erkannt, dass es einer gut durchdachten Organisation an den Stränden bedurfte, um die Bewegungen der Schiffe und Fahrzeuge zu koordinieren und die Nachschubgüter zu lagern bzw. zu verwerten. Daher setzten sie Strandmeister ein, wobei es pro Landungsabschnitt (Omaha, Utah Beach etc.) einen Beach Naval Officer-in-Charge (NOIC) gab, der die Versorgung organisieren sollte. So sorgten die Alliierten sogar für Bäcker- und Barbierstände und weitere Einrichtungen an den Stränden. Admiral Ramsay sagte später:

"Die Strandmeister stehen bei der ersten Anlandung vor einer übermenschlichen Aufgabe. Die Strände sind lang, und es ist schwierig, sie schnell und gründlich zu inspizieren. Die Strandtrupps sind höchst gefährdet, überall ändert sich die Lage schnell".

Für die Koordinierung der Ankunft und Rückkehr von Nachschub- und Geleitzügen wurden zwei schwimmende Kommandostellen in jedem Gebiet eingerichtet, die die Namen Captain Southbound Sailings und Captain Northbound Sailings trugen. Der Omaha Beach diente nach dem D-Day als Hafenanlage, während bereits drei Tage nach der Landung der schnellstmögliche Aufbau der beiden Mulberrys begann, zuerst Mulberry B bei Arromanches und kurz darauf Mulberry A am Omaha Beach bei Vierville/Saint-Laurent. Damit war der Nachschub von der britischen Insel gesichert. Obwohl Mulberry A bereits am 19. Juni durch einen schweren Sturm zerstört wurde, konnten bis zum 31. Oktober 628.000 Tonnen Nachschubgüter, 40.000 Fahrzeuge und 220.000 Soldaten an Land gehen.

Um einen gesicherten Brückenkopf aufzubauen, mussten die nächstgelegenen Städte eingenommen werden und ein Zusammenschluss der Landungstruppen erfolgen. Gleichzeitig mussten die Strände geschützt werden, um die Nachschub-transporte sicher an Land bringen zu können. Aus diesen Gründen wurden Patrouillen und ganze Kampfverbände in das Hinterland geschickt, die vorrücken und die Städte erobern sollten, was die Deutschen jedoch zu verhindern versuchten. In der Folge entbrannten schwere Kämpfe hinter den Stränden. So versuchte die 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" vom 7. bis zum 8. Juni, die kanadischen Einheiten bis zum Strand zurückzudrängen, was ihr aber nicht gelang.

Auch während der Schlacht um Carentan (8. bis 15. Juni) wurde der deutsche Widerstand schliesslich gebrochen und Carentan von den Alliierten eingenommen.

Weitere Operationen    
(aus Wikipedia)

Offensive der Sowjetunion

Durch die grosse Sommeroffensive der Sowjetunion im Mittelabschnitt der Ostfront, die Operation Bagration, die am dritten Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, am 22. Juni des Jahres 1944, begann, wurden die deutschen Verbände enorm geschwächt.

Aufgrund der alliierten Invasion in der Normandie waren deutsche Verbände von der Ostfront abgezogen worden, weshalb weniger Truppen an den deutschen Frontlinien im Osten zur Verfügung standen. Vier sowjetische "Fronten" (Armeegruppen), zusammen mit mehr als 120 Divisionen und 2,15 Millionen Soldaten, rückten gegen die mit etwa 600.000 Soldaten stark unterlegenen und schlecht ausgerüsteten deutschen Truppen der 9. und 4. Armee sowie der 3. Panzerarmee vor.

Die Rote Armee nutzte ihre Überlegenheit und erzielte auf ganzer Linie Durchbrüche, in die dann Panzerkeile vorstiessen. Operativ wendete sie damit zum ersten Mal die von den Deutschen drei Jahre zuvor gegen sie verwendeten Verfahren des Blitzkriegs an. Begünstigt wurde dies durch Hitlers Befehle, zu halten und "Feste Plätze" zu bilden, anstatt zur beweglichen Verteidigung überzugehen. So kam es zu Kesseln und letztlich zur Vernichtung der Heeresgruppe Mitte mit drei deutschen Armeen (insgesamt 25 deutsche Divisionen).

Es folgte ein deutscher Rückzug von 500 Kilometern in Richtung Westen, wo die Front erst Mitte August vor der deutschen Reichsgrenze zum Stehen kam. Die Heeresgruppe Nord wurde von allen Landverbindungen abgeschnitten, hielt sich jedoch bis zur Kapitulation im Mai 1945 in Kurland. Nach neuesten Schätzungen verloren die Deutschen bei der Operation, die bis zum 19. August andauerte, über 670.000 Mann, die Rote Armee ungefähr 765.000 Mann. Die Verluste der Wehrmacht konnten nicht wieder ausgeglichen werden, zumal Deutschland zu diesem Zeitpunkt in einem Drei–Frontenkrieg stand. So wurden auch die Nachschübe für deutsche Truppen an der Invasionsfront in Nordfrankreich immer weniger, was den Vormarsch der alliierten Truppen Richtung Osten begünstigte.

Erweiterung des Brückenkopfes

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051_44/Die Situation in der Normandie bis zum 30. Juni 1944

Bis zum 12. Juni gelang es den Alliierten, die Brückenköpfe auf einer Länge von etwa 100 km und einer Tiefe von rund 30 km landeinwärts miteinander zu verbinden. In nur sieben Tagen war es ihnen gelungen, 326.000 Soldaten, 54.000 Fahrzeuge und mehr als 100.000 t Kriegsmaterial anzulanden. Trotz dieses Erfolges liefen sie ihrer Overlord-Planung hinterher. So war beispielsweise die Einnahme der Stadt Caen schon für den Landungstag vorgesehen. Auch der Vormarsch durch das Bocage-Gelände der Cotentin-Halbinsel in Richtung der Orte im Landesinneren, wie Carentan und dem wichtigen Kanalhafen Cherbourg gestaltete sich äusserst mühsam. Die Hecken und Gräben boten den deutschen Verteidigern hervorragende Deckungsmöglichkeiten. Besonders für Scharfschützen war das Gelände ausgezeichnet geeignet.

Doch nicht zuletzt wegen der alliierten Luftüberlegenheit und der zerstörten französischen Bahngleise gelang es der deutschen Seite nicht, schnellstmöglich zusätzliche Einheiten in das Kampfgebiet der Normandie zu verlegen. Am 14. Juni gelang es der 4. US-Infanteriedivision trotz starken Widerstandes, die deutsche Hauptverteidigungslinie im Norden zu durchbrechen. Im Westen kam das VII. US-Korps ebenfalls langsam voran, da sie die Flüsse Merderet und Douve überqueren mussten. Durch ein verstärktes alliiertes Bombardement der deutschen Stellungen gelang es den Amerikanern am 18. Juni die Cotentin-Halbinsel mit einem schnellen Vorstoss nach Westen abzuriegeln. Die Deutschen zogen sich am 20. Juni in die Stadt Cherbourg zurück, die zu einer Festung ausgebaut wurde.

Cherbourg unter Festungskommandant Karl-Wilhelm von Schlieben fiel am 26. Juni nach starkem amerikanischen Artilleriebeschuss und heftigen Strassenkämpfen. Nun waren die Alliierten auch im Besitz eines Tiefwasserhafens, was ihnen ermöglichte, Truppen und Kriegsgerät in noch grösserer Zahl über See heranzuschaffen.

Die Schlacht um die Normandie war zu dieser Zeit in eine Anzahl von kleinen Schlachten zerfallen, in die sich alliierte Infanterieeinheiten, unterstützt von Artillerie, verzettelt hatten und nur sehr langsam gegen die deutsche Verteidigung vorstiessen. Beispielsweise beklagte man beim VIII. US-Korps zwischen dem 2. und 14. Juli mehr als 10.000 Opfer bei einem Raumgewinn von nur elf Kilometern.

Da die Deutschen immer noch am Ostufer der Orne lagen und von dort aus mit motorisierter Artillerie und Granatwerfern den Sword Beach beschossen, wurde die alliierte Versorgung von Nachschubgütern über diesen Strandabschnitt erheblich erschwert. Das Gebiet östlich der Orne war der Landungsbereich der britischen 6. Luftlandedivision während der Operation Tonga gewesen; diese hatte den Abschnitt jedoch nicht erobern bzw. halten können. Ursprünglich war der Strandabschnitt vor diesem Gebiet auch als alliierter Landungsstrand mit dem Codenamen Band Beach eingeplant aber später wieder verworfen worden. Als der deutsche Beschuss immer präziser wurde und mehr und mehr Schiffe, Landungsboote und Versorgungsgüter verloren gingen, gaben die Alliierten am 1. Juli 1944 den Sword Beach auf, da von dort aus keine sinnvolle Nachschubversorgung mehr möglich war.

Sicherung des Nachschubs
Der Baubeginn der beiden künstlichen Mulberry-Häfen direkt nach der Landung war am 7. Juni. Mulberry "A" sollte vor Vierville-sur-Mer (Omaha Beach) von den Amerikanern und Mulberry "B" vor Arromanches (Gold Beach) von den Briten errichtet werden. Schon nach drei Tagen konnten die ersten Schiffe entladen werden. Die Fertigstellung sollte am 20. Juni erfolgen. Ein heftiger Sturm, der am 19. Juni begann und sich erst nach drei Tagen abschwächte, zerstörte Mulberry "A", der baulich noch nicht gesichert war, fast vollständig. Die Amerikaner verzichteten auf dessen Reparatur, so dass die noch verwendbaren Teile zur Komplettierung des leichter beschädigten Hafens Mulberry "B" benutzt wurden. Vor Omaha Beach, bei Vierville-Saint-Laurent, entluden die Amerikaner in der Folgezeit Transportschiffe an Land, was sich später sogar als effektiver erwies als die Entladung auf See. Der britische Hafen Mulberry "B" ging kurz darauf voll in Betrieb.

Die Einnahme von Caen erwies sich für die alliierten Truppen der Briten und Kanadier an der Ostseite des Normandie-Brückenkopfes als ungleich schwieriger. Caen wurde von starken deutschen Einheiten entschlossen verteidigt. Montgomery führte daher mehrere militärische Operationen zur Eroberung der strategisch wichtigen Stadt und zur Kontrolle ihres Umlandes durch. Die Kontrolle über Caen und dem Umland hätte den Alliierten den Bau von Landebahnen für Nachschubflugzeuge, bzw. die Nutzung des Flugfeldes bei Carpiquet ermöglicht.

Darüber hinaus wäre die Überquerung der Orne durch die Einnahme der Stadt und ihrer Brücken erleichtert worden. Zur Verteidigung verlegten die Deutschen 150 schwere und 250 mittlere Panzer in das Caen-Gebiet. Dies und auch die zeitweise ungünstige Wetterlage erschwerte den Alliierten die Einnahme der Stadt. Erst am 8. Juli, mehr als einen Monat später als geplant, gelang die Eroberung des so wichtigen Flugfeldes bei Carpiquet. Damit war die Frontlinie bis auf weniger als einen Kilometer an die Stadt Caen herangerückt. Am nächsten Morgen rückten die alliierten Truppen in das nördliche Ende Caens ein, wurden aber beim weiteren Vorrücken von Scharfschützen aufgehalten. Der Pionier Arthur Wilkes beschrieb den Zustand der Stadt wie folgt: "Berge von Trümmern, [etwa] 20 oder 30 Fuss [≈ 6 oder 9 m] hoch […] die Toten lagen überall". Im Kriegstagebuch des 1. Battalion King’s Own Scottish Borderers steht ebenfalls ein Eintrag zum 9. Juli:

"In den verlassen wirkenden Häusern begann langsam ein Aufleben, als den [französischen] Zivilisten klar wurde, dass wir die Stadt eroberten. Sie rannten mit Gläsern und Weinflaschen [aus ihren Häusern] heraus".

Es dauerte noch etwa neun weitere Tage, bis die südlichen und östlichen Stadtteile sowie die Gegend und die Vororte südlich und östlich der Stadt am 19. Juli 1944 von den Briten und Kanadiern erobert wurden.

Ausbruch aus dem Gebiet um Caen
Ein herber Rückschlag traf die Alliierten allerdings während der Operation Goodwood, bei der Montgomery versuchte, mit Panzern den deutschen Widerstand zu brechen und aus dem Gebiet, um Caen auszubrechen. Mehr als 430 britische Panzer wurden dabei zerstört, und die alliierten Truppen beklagten mehr als 5500 Tote und mussten sich zurückziehen. Die Deutschen konnten ihre wichtigsten Stellungen mit einem Verlust von 109 Panzern halten, was für sie hoch war, da sie die Verluste, im Gegensatz zu den Alliierten, nur schwer ersetzen konnten. Taktisch gesehen war die Operation zwar eine Niederlage für die Alliierten, strategisch gesehen jedoch erreichte die Operation, dass die Deutschen den alliierten Hauptangriff zum Ausbruch aus dem Brückenkopf jetzt noch stärker im britischen Sektor vermuteten.

Die Operation Spring zur Eroberung des Hochplateaus bei Cramesnil und La Bruyers und der Einnahme der Stadt Verrières südöstlich von Caen war eine der verlustreichsten der Kanadier im Zweiten Weltkrieg. Die Kanadier verloren etwa 1500 Mann.

Am 25. Juli hatten die Alliierten erst die D+5-Linie erreicht, das heisst, sie hielten Positionen, die sie laut Overlord-Planung schon am 11. Juni erreicht haben wollten. Damit wurde ein Mangel der alliierten Planung für die Tage nach der Invasion aufgedeckt. Man war so mit den Problemen beschäftigt gewesen, die die Invasion selbst mit sich brachte, dass ein adäquates Konzept zum Ausbau des Brückenkopfes fehlte. Besonders die taktischen Probleme an der Front im Westen des Invasionsgebiets, bei der 1. US-Armee, waren so nicht erwartet worden.

Ausbruch und Verfolgung
Ausbruch im amerikanischen Sektor und Einkesselung der Wehrmachtsverbände
Nach der Einnahme von Saint-Lô unternahmen die US-Amerikaner daher zeitgleich mit den Vorstössen der anderen Alliierten am 25. Juli einen Ausbruchsversuch aus ihrem Brückenkopfsektor, der in den Folgetagen im Westen zum Ausbruch aus der Cotentin-Halbinsel bei Avranches führte.

Am 30. Juli führte die US-Armee eine Neugruppierung und Umbildung ihrer Einheiten in der Normandie durch. Mit der 3. US-Armee unter der Führung von General George S. Patton wurde eine neue Armee aufgestellt, die zusammen mit der 1. US-Armee, nun befehligt von General Courtney Hodges, unter das Kommando von Bradleys 12th Army Group gestellt wurde. Gleichzeitig wurde die 1. kanadische Armee unter General Henry Crerar General Sir Bernard Montgomerys 21st Army Group zugeteilt.

Der nicht vorhergesehene grosse Erfolg der Operation Cobra führte am 4. August zu einer Planänderung der Alliierten, die einen weiteren Vorstoss nach Westen zu den Atlantikhäfen zugunsten eines schnellen Vordringens zur Loire und Seine zurückstellten und nur einen Teil der 3. US-Armee, das VIII. US-Korps unter Lieutenant General Troy H. Middleton, in die Bretagne schickten. Cobra kennzeichnete deutlich den Weg vom Stellungs- zum Bewegungskrieg und war der Beginn für die Verfolgung der deutschen Armeen durch Nordfrankreich, was schliesslich zu ihrer Umfassung im Kessel von Falaise führte.

Überraschenderweise fiel den Amerikanern die Brücke bei Pontaubault über die Sélune kurz vor Ende der Operation Cobra unbeschädigt in die Hände, so dass es Patton gelang, innerhalb von nur drei Tagen sieben komplette Divisionen mit etwa 100.000 Soldaten und 10.000 Fahrzeugen über die Brücke in die östliche Bretagne zu führen. Mit dem Vordringen des VIII. US-Korps der 3. US-Armee in die Bretagne gelang es den Amerikanern, den deutschen Besatzern die wichtigen Atlantikhäfen Saint-Malo und Brest abzunehmen und zur Nachschublieferung für die alliierten Truppen in Nordfrankreich zu nutzen. Lorient und Saint-Nazaire wurden langfristig eingekesselt. Ausserdem konnten die dort stationierten Truppen unter dem Befehlshaber der deutschen Einheiten in der Bretagne, General Wilhelm Fahrmbacher, daran gehindert werden, den Alliierten bei ihrem Vormarsch in Richtung Deutschland in den Rücken zu fallen.

Am 6. August starteten die Deutschen unter dem leitenden OB West, Generalfeldmarschall Günther von Kluge, einen Gegenangriff bei Mortain. Viele kleine und verstreute Elemente der 6. US-Panzerdivision wurden auf dem Weg nach Mortain zwischen den Flüssen Sée und Sélune aufgerieben. Gegen Mittag griffen dann aber die zur Hilfe gerufenen deutlich überlegenen alliierten Luftstreitkräfte ein und brachten den Vormarsch zum Stehen. In der Nacht zum 8. August entschied von Kluge, den Angriff vorerst einzustellen, da Teile der 3. US-Armee in das Gebiet zwischen Laval und Le Mans verschoben wurden und die deutsche Südflanke bedrohten. Hitler reagierte daraufhin äusserst ungehalten und drohte, von Kluge des Kommandos zu entheben, was er dann am 17. August mit der Einsetzung von Walter Model als neuen OB-West auch machte.

Mitte August kam es bei Falaise und Argentan zu einer entscheidenden Schlacht zwischen den Alliierten und den Deutschen. Die Alliierten konnten die deutschen Einheiten so empfindlich schwächen, dass sie sich nicht mehr von dieser Niederlage erholen konnten.

Vormarsch zur Seine
Erst beim alliierten Vormarsch Richtung Seine vom 21. bis 25. August wurde das Gebiet östlich der Orne erobert, von wo aus etwa einen Monat früher Sword Beach von deutscher Artillerie beschossen wurde und daher aufgegeben werden musste. Die britische 6. Luftlandedivision stiess vom 17. bis zum 27. August 40 Meilen bis nach Pont Audemer vor, während auf der gesamten Front ebenfalls Erfolge erzielt wurden. Sword Beach wurde allerdings nicht wieder aktiviert, da sich bereits ausreichend viele Häfen unter alliierter Kontrolle befanden.

Die deutsche Wehrmacht verlor in den Kämpfen in der Normandie allein am 6. Juni 45.000 Mann, bis 15. Juli stieg die Zahl auf 97.000 Tote und Verwundete, bis Ende Juli auf 114.000 Mann und 41.000 Gefangene, nach Abschluss der Kämpfe um Falaise am 21. August waren gesamt 240.000 Mann in alliierter Kriegsgefangenschaft. An Material büsste die Wehrmacht dabei 1500 Panzer und Sturmgeschütze, 3500 Geschütze und 20.000 Fahrzeuge ein. Die Alliierten bezifferten ihre Verluste bis 21. August auf 209.672 Mann, darunter 36.976 Gefallene.

Da den Alliierten nun kaum mehr deutscher Widerstand im Wege stand, konnten sie am 25. August Paris befreien. Ursprünglich war vorgesehen, die Stadt zu umgehen und erst später zu erobern. Vor allem die Pariser Bevölkerung erwartete jedoch, dass die Stadt erobert werden würde. In Paris war es zu Aufständen gekommen, bei denen französische Widerstandskämpfer der Résistance einige Strassen und Gebäude, so auch das Rathaus, einnahmen. Am Abend des 24. August liess Generalmajor Jacques-Philippe Leclerc de Hauteclocque eine kleine Panzerkolonne der französischen 2. Panzerdivision in die Stadt fahren und bis zum Rathaus vorrücken. Um 10:00 Uhr am Morgen des 25. August standen Leclercs Division sowie die 4. US-Infanteriedivision im Inneren der Stadt. Am 26. August zog Charles de Gaulle, Anführer der "Freien Französischen Streitkräfte" (force française libre, FFL) und des "Comité français de la Libération nationale" ("Französisches Komitee für die Nationale Befreiung"), in das Kriegsministerium in der Rue Saint-Dominique ein. Danach hielt Charles de Gaulle vom Balkon des Hôtel de Ville eine Ansprache an die Pariser Bevölkerung. Er bildete am 9. September eine provisorische neue französische Regierung.

Situation bei Abschluss der Operation
Die zähe – durch Hitlers Prinzip des ‚Kampfes um jeden Fussbreit Boden‘ bewirkte – Vorwärtsverteidigung hatte durch den mangelnden Nachschub das ‚Ausbluten‘ der deutschen Verbände zur Folge. So führte die Strategie Montgomerys, die starken deutschen Panzer-Divisionen fast vollständig auf der östlichen Seite des Landekopfes – gegenüber den britischen und kanadischen Truppen – zu binden, ab dem 25. Juli zum geplanten Durchbruch der Amerikaner auf der westlichen Seite.

Auf Seite der deutschen Führung bewirkte das Attentat vom 20. Juli eine Verschärfung der Situation, da Hitler durch seine ‚Wutreaktion‘ gegen alle "Verschwörer" nicht nur sein Zeitbudget vergeudete, sondern kaum mehr in der Lage war, der aktuellen Entwicklung auf rationale Weise zu folgen. Sein Wahn, detailliert in Truppenbewegungen einzugreifen oder sie im Vorhinein festzulegen, bewirkte verhängnisvolle Befehle – etwa den Gegenangriff von Mortain, den die Befehlshaber vor Ort als Todesurteil interpretierten. So protestierte General Paul Hausser gegen den Befehl, die 9. Panzer-Division vom bedrohten Le Mans nach Mortain abzuziehen: "Da das Ganze eine geschlossene Kampfhandlung darstellt, würde das Wegziehen der 9.Pz.Div. in dem Augenblick, wo starke feindl. Pz.Kräfte in die Flanke stossen, nicht nur der Armee, sondern dem gesamten Westheer den Todesstoss versetzen". Die lakonische Antwort v. Kluges war: "Der Führer hat es befohlen".

Zudem geriet Generalfeldmarschall v. Kluge durch die ständige Befürchtung, seine Verbindungen zu Widerstandskreisen könnten aufgedeckt werden, in immer grössere Unsicherheit, und er traute sich keinen Widerspruch mehr gegen Hitlers Anordnungen zu. Nachdem v. Kluge am 15. August fast den ganzen Tag lang für Hitler nicht mehr zu erreichen gewesen war (seiner Darstellung zufolge geriet er in Artilleriefeuer und Jagdbomber hätten seinen Funkwagen zerschlagen, er habe danach die meiste Zeit des Tages in einem Graben zugebracht), unterstellte ihm Hitler die versuchte Kontaktaufnahme mit dem Gegner und enthob ihn seines Kommandos. Er schickte dann Model als neuen Oberbefehlshaber an die Westfront.

Generalfeldmarschall Walter Model auf dem Kriegsschauplatz    
(aus Wikipedia)

Model wurde am Vormittag des 16. August von Hitler von der russischen Front zu sich berufen. Am nächsten Tag traf er in der Normandie ein und übernahm v. Kluges Kommando als OB West und Befehlshaber der Heeresgruppe B.

Es war eine "verzweifelte Lage, der sich Model als neuer Oberbefehlshaber West am ersten Tage gegenüber sah: […] In dem Kessel von Falaise drängten sich, während Bomben und Granaten sie erbarmungslos zusammenschlugen, hunderttausend Mann deutscher Truppen, die Reste von 15 Divisionen und Versprengte von einem weiteren Dutzend Verbände". Es gab noch zwei schmale Auswege, die aus der Luft und von beiden Seiten unter Feuer lagen.

"Es war ein Glück für die Deutschen, dass sie in Model einen Oberbefehlshaber bekommen hatten, der sich nicht fürchtete, es mit Hitler aufzunehmen".

Generalleutnant Hans Speidel, ein Hitler-Gegner und Chef des Stabes der Heeresgruppe B, meinte am 17. August bei der Ankunft Models im Hauptquartier der Heeresgruppe im Schloss La Roche-Guyon zu dem (ihm schon aus früheren Zeiten bekannten) Feldmarschall: "Das beste sei, sich im Westen mit den Alliierten zu arrangieren, um freie Hand im Osten zu bekommen. […] Model stimmte zu, schwieg einen Moment, sagte dann: ‚Ach, lassen wir die politischen Dinge.‘" Seine Aufgabe war, möglichst viele seiner Soldaten aus der Normandie herauszubekommen.

Charakterisierungen Models
Die Beschreibung der Handlungsweisen von Feldmarschall Model sind überwiegend einheitlich.

"Model ging mit Hitler in einer Weise um, wie es kaum jemand sonst gewagt hätte, und lehnte sogar die Ausführung von Befehlen ab, die er nicht billigte". Model teilte Hitler seine Entscheidungen lediglich mit – wie zum Beispiel wenig später: "Der Brückenkopf südl. der Seine wird solange als möglich zum eigenen Uferwechsel und zur feindl. Kräftebindung gehalten. Erst wenn die Nachteile die Vorteile überwiegen, wird er zurückgenommen werden".

 

Er "[…] brachte 1943 die gegen die baltischen Staaten gerichtete russische Winteroffensive zum Stehen". Er "[…] hatte im Frühjahr 1944, als Schukow in Polen einbrach […] die äusserst kritische Lage bei Lemberg wiederhergestellt […] im Juli, als sich die Russen Warschau näherten […] die Rote Armee abermals zum Stehen gebracht".

Gegen Model wird angeführt, dass er nach dem Attentat vom 20. Juli auf Hitler sofort mit einem ‚Ergebenheitstelegramm‘ an den Führer reagierte. Dies wird häufig zum Beweis dafür genommen, dass es sich bei ihm um einen mit dem Faschismus eng verbundenen Mann gehandelt habe. Es spricht aber mehr dafür, dass Model keinerlei Umstände mit dieser Angelegenheit haben wollte und – wie immer – eben pragmatisch reagierte. Er hatte an der Front genug zu tun. Mit diesem Telegramm sollte die Sache erledigt sein.

"Als der Feldmarschall endlich am Abend des 20. Juli in Lomza (damals sein Quartier in Nordpolen) erschien […] und Hitlers Rundfunkansprache anhörte […] war das einzige, was er dazu bemerkte: ‚Noch schlechter vorbereitet als der Kapp-Putsch‘. […] Am nächsten Tag vernahm mit anderen Offizieren Hauptmann v. Steinäcker vom Stab Mitte eine noch seltsamere Äusserung: ‚Wenn Sie mich fragen, meine Herren – die grösste Blamage für den preussisch-deutschen Generalstab‘.

Wollte er damit sagen, wenn schon der Generalstab ein derartiges Unternehmen einfädelte, hätte wenigstens ‚alles funktionieren‘ müssen"?

In der Folge deckte Model konsequent bedrohte Offiziere seines Umfeldes und legte vor Hitler am 16. August auch ein Wort für Generalfeldmarschall v. Kluge ein. Er warnte später General Graf von Schwerin (der Kommandeur der 116. Panzer-Division in der Normandie war) und liess diesen dann – als Himmler seine Verhaftung anordnete – kurzerhand selbst ‚vorläufig festnehmen‘, bis die Gefahr vorüber war.

Von Falaise zur Seine    
(aus Wikipedia)

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051_45/Reste einer von der 1. polnischen Panzerdivision überraschten deutschen Kolonne

Im Kessel von Falaise übertrug Model sofort "ohne Rückfrage beim Führer [General] Hausser das Kommando über alle eingekesselten Kräfte und befahl ihm, sich von der Orne abzusetzen und an der Dives eine neue Front zu bilden". Er setzte die verbliebenen Panzergruppen in und ausserhalb des Kessels zu Gegenstössen ein und bewirkte, dass eine grössere Anzahl deutscher [Rest-]Einheiten noch entkommen konnte. Vor allem entging auch eine bedeutende Anzahl von Truppenführern der Gefangenschaft. "Sie liessen 50 000 Mann für die Gefangenschaft und 10 000 Gefallene zurück: auf dem Altar des blinden Gehorsam den Befehlen des Führers geopferte".

Es blieb Model und seinem Stab nicht viel mehr übrig, als zu retten, was noch zu retten war. Dies war nur noch über die untere Seine möglich. Die amerikanische 2. Panzer-Division versuchte mit einem Stoss von Verneuil nach Norden die Zurückgehenden vom Flussufer abzuschneiden, "stiess jedoch am 24. August bei Elbeuf auf starken Widerstand von Panzerkräften, die Rouen und die zahlreichen Fähren weiter abwärts deckten. Die Deutschen hielten Elbeuf zwei Tage, führten gegen die von Westen aufschliessenden Briten und Kanadier ein gewandtes Nachhutgefecht und verhüteten so, dass die Rückzugsbewegung zur Flucht wurde".

Schlechtes Wetter erschwerte den Alliierten den Einsatz der Luftwaffe, doch war "nach General Dietrich, der den Rückzug leitete‚ der Übergang über die Seine hinsichtlich der Materialverluste fast so verheerend wie der Kessel von Falaise‘".

"Diese beiden Katastrophen waren der Gipfel zehnwöchiger schwerer Kämpfe, in denen die Deutschen eine halbe Million Mann verloren, darunter 210 000 als Gefangene. Die ernsteste Seite der beiden Niederlagen war die Vernichtung der Panzerkräfte. Ungefähr 2300 deutsche Panzer und Sturmgeschütze waren in der Normandie eingesetzt gewesen; von ihnen wurden, wie Blumentritt berichtet, nur 100 bis 120 über die Seine zurückgebracht‘".

Schon zu Beginn der Kämpfe um Elbeuf am 24. August hatte Model "Hitler eröffnet: Für die Somme-Marne-Linie werden benötigt insgesamt 4 A.O.K., 12 Gen.-Kdos. und mindestens 30–35 Div. in Front. […] ferner müssen, ähnlich wie an der Ostfront jetzt geschehen, vorausschauend neben Somme-Marne-Linie auch weitere rückwärtige Stellungen, bis einschl. Westwall, in Betracht gezogen und vorbereitet werden".

Model dürfte klar gewesen sein, dass Hitler dieser Forderung unmöglich nachkommen konnte, und er nutzte die Situation, um deutlich zu machen, dass es nun nur noch um den Rückzug und den Bau der vielgeschmähten "rückwärtigen Stellungen" gehen konnte.

Am 29. August legte er mit einem Fernschreiben an Jodl, 24:00 Uhr, über den Stand der Wehrmacht im Westen nach:

"Danach waren die Panzer- und Panzergrenadier-Divisionen, die in der Normandie gekämpft hatten, durchschnittlich ‚je 5 bis 10 Panzer‘ stark. Aus diesen 11 Divisionen könne er 11 Kampfgruppen in Regimentsstärke bilden, aber nur, wenn er sofort Ersatz an Mannschaften und Ausrüstung erhalte. Aus den Resten der über die Seine gebrachten 16 Infanterie-Divisionen könne er 4 Divisionen aufstellen, sie aber nicht ausrüsten. Ferner wies Model darauf hin, dass die erforderlichen Eingreifreserven an Sturmgeschützen und anderen schweren Pak völlig fehlen".

Damit waren dem Führer allmählich die Augen geöffnet. "Bis zum 31. August hatte Hitler in dem Glauben, den Verbündeten könne an der Somme-Marne-Linie Halt geboten werden, nichts unternommen, um den Westwall in Verteidigungszustand zu setzen" […] doch dann gab es "nach General Walter Warlimont, Jodls Stellvertreter, […] im OKW grosse Mühe und Aufregung, ehe man herausgefunden hatte, wer die Schlüssel verwahrte"!

"Am 4. September meldete Model dem Führerhauptquartier, dass die Linie Antwerpen – Albertkanal – Maas – Westwall – französisch-luxemburgische Grenze, falls die Heeresgruppe B sie halten solle, durch 25 frische Inf.-Div. besetzt und mit einer ausreichenden Panzerreserve von 5-6 Pz.-Div. gestützt werden" müsse. […] "Andernfalls ist das Tor nach Westdeutschland offen".

Allgemeine Frontlage im Spätsommer 1944
Zum Zeitpunkt der letzten Kämpfe in der Normandie hatte sich die Lage für Hitler und die Wehrmacht an allen Fronten dramatisch verschlechtert: Mitte August hatte die Rote Armee ihre Sommeroffensive tief in die baltischen Staaten und bis an die ostpreussische Grenze, in Südpolen bis an die Weichsel und an die Ölfelder der Karpaten vorgetragen. Hier waren alle schnellen Reserven im Einsatz. In kaum zwei Wochen hatten die Russen zwei Armeen Hitlers überwältigt und fast vernichtet, ihn um drei seiner Verbündeten gebracht (Finnland, Rumänien, Bulgarien), ihn seiner Hauptquelle für natürliches Öl beraubt, die Nordgrenze Jugoslawiens erreicht und die untere Donau in die Hand genommen. Im Norden standen sie wenig später vor Warschau und Riga.

Aus Griechenland mussten die deutschen Truppen einen schwierigen Rückzug ausführen. Nur die Tatsache, dass die alliierte Invasion in der Provence ab dem 15. August wenig zur Veränderung der strategischen Lage beitrug – Churchill hatte vergebens auf einer Landung in der nördlichen Adria bestanden – und die Front in Norditalien nicht weiter gefährdet war, verschaffte Hitler etwas Erleichterung.

Vormarsch der Alliierten im September 1944
Schon im August konnte das alliierte Hauptquartier SHAEF auf die neue Lage in Westeuropa reagieren: Der zu erwartende vollständige Zusammenbruch der deutschen Front machte eine neue Planung möglich und Montgomery schlug vor, nach einem direkten, konzentrierten Stoss durch Nordfrankreich, Belgien und Holland das Ruhrgebiet einzunehmen. Montgomery machte diesen Vorschlag am 17. August Bradley, der einverstanden schien, doch am 19. August von der Skepsis Eisenhowers berichtete.

Erst am 23. August hatte Montgomery Gelegenheit, die überfällige Entscheidung direkt mit Eisenhower zu besprechen:

"Eisenhower erwiderte, dass er nach wie vor beabsichtige, auf breiter Front vorzugehen, weil es wesentlich sei, dass Patton ostwärts vorrücke und sich mit den aus Südfrankreich herankommenden Kräften die Hand reiche".

Zwar versuchte Montgomery mit dem forcierten Vorstoss der britisch-kanadischen 21. Heeresgruppe, der am 31. August zur Einnahme von Amiens, am 2. September zur Überschreitung der belgischen Grenze, am 3. September zur Besetzung Brüssels und bereits einen Tag später des Hafens von Antwerpen führte, die Möglichkeit seines Planes praktisch nachzuweisen, doch da Patton die andere Hälfte des Nachschubs erhielt, um über Reims auf Metz vorzugehen, fehlte beiden Unternehmungen die Kraft zu einem schnellen Erfolg. Hitler konnte Patton in Italien freigewordene Truppen entgegenstellen und Montgomery besass keine ausreichenden Kräfte für das Luftlandeunternehmen bei Nijmegen und Arnheim.

"Eisenhower hatte sich gescheut, sich für einen der rivalisierenden Pläne wirklich zu entscheiden, und beiden seine eingeschränkte Zustimmung gegeben in der Hoffnung, dass der nötige Nachschub rechtzeitig verfügbar sein werde. Das Ergebnis war, dass beide Pläne vereitelt wurden".

Rückzug

"Am 23. August jagte Hitler den zweiten seiner Hassbefehle gegen die französische Hauptstadt hinaus: Paris war zu halten und notfalls in ein ‚Trümmerfeld‘ zu verwandeln".

Model gab den Befehl weiter und kümmerte sich dann nicht mehr drum.

"Sein Chef Speidel und General von Choltitz regelten die Nichtbefolgung des berüchtigten ‚Führerbefehls‘ in stillem Einvernehmen miteinander". Pflichtgemäss beantragte er ein Kriegsgerichtsverfahren gegen Choltitz, diktierte aber "dem IIa, Oberst Freyberg, sonderbare Stichworte für die Begründung. […] Jedenfalls kam es nie zu einer Verurteilung".

"Paris war der Drehpunkt für die aus Südwestfrankreich zurückgehende 1. Armee des Generals Kurt von der Kavallerie".

So war dies ursprünglich vorgesehen. Statt zu versuchen, diese Truppen zur Verteidigung von Paris einzusetzen, dirigierte sie Model nach Osten um.

"Der zum Teil überstürzte Rückzug aus Frankreich und Belgien, die Auflösung zahlreicher Land- und Bodenorganisationen der Marine und der Luftflotte 3 im Westen, die Räumungsbefehle für zahllose Feldkommandanturen, Versorgungsdienste und Feldintendanturen hatten zu Zuständen geführt, wie sie in der deutschen Kriegsgeschichte bisher unbekannt gewesen waren. […] Um in einem Chaos Ordnung zu stiften – dafür war der Feldmarschall wie geschaffen. […] die vage Kunde, Model sei da, […] erzeugte ebensoviel Schrecken wie Zuversicht bei den noch kampfwilligen Einheiten. Von seinem Namen ging jetzt eine sagenhafte Wirkung aus".

 

"Er wusste sehr wohl, dass er die (am 4. September von Hitler angeforderten) Kräfte niemals erhalten würde. […] Nachdrücklich wies er darauf hin, es sei nurmehr möglich, den alliierten Vormarsch vor den Zugängen zum Reich zu stoppen. […] Da kam Model die Tatsache zu Hilfe, dass bei den stark überdehnten Nachschublinien von der normannischen Küste her die amerikanischen Panzer-Divisionen wegen akuten Treibstoffmangels einen Stop einlegen mussten. […] Model nutzte die Atempause zur Konsolidierung seiner Verbände".

Es gelang Model, die alliierte Luftlandung – Operation Market Garden – bei Arnheim abzuwehren, den Alliierten den Versorgungs-hafen von Antwerpen weiter zu sperren, das Gros der 15. Armee über die Westerschelde zurückzuführen und eine geschlossene Verteidigungslinie aufzubauen.

Der Krieg war für die Alliierten 1944 nicht mehr zu beenden.

Konsequenzen der Entscheidungen Hitlers
Es war das Verdienst Models, mit ‚Realitätssinn‘ die Räumung des grössten Teiles Frankreichs auf schnellstem Wege durchzusetzen, die deutschen Truppen, die Trosse und die Vielzahl des Personals der Besatzungsbehörden einigermassen geschlossen zurückzubringen. Er hatte die Einsicht Hitlers in die Aussichtslosigkeit eines erneuten Kampfes um ‚jeden Fussbreit Boden‘ bewirkt und seine Neigung zum ‚Festhalten‘ und den damit auch unweigerlich verbundenen Zerstörungen unterlaufen.

"Hitler hatte dadurch, dass er auf dem Gegenangriff bei Mortain bestand und zu lange bei Falaise stehenblieb, die einzigen Divisionen geopfert, die die Front noch zusammenhalten und einen allgemeinen Rückzug hätten decken können".

  • die zur fast vollständigen Vernichtung des deutschen Westheeres führten und eine Abwehrfront an der Seine und einen Kampf um Paris und selbst eine Verteidigung an der Somme und an der Marne unmöglich machten.

Es bestand keine Möglichkeit mehr, Paris ‚brennen‘ zu lassen.

Hitlers taktische Führung, die von seinen eigenen Befehlshabern als realitätsfremd erkannt wurde, hatte zur Folge, dass – bis auf das Landeumfeld in der Normandie und die späteren Kampfzonen in Elsass-Lothringen – Frankreich vor den umfassenden Zerstörungen bewahrt blieb, die eine aus deutscher Sicht angemessene Abwehrstrategie mit sich gebracht hätte.

Aspekte der Kriegsführung 
(aus Wikipedia)

Propaganda
Auf deutscher wie auf alliierter Seite wurde die bevorstehende Invasion mit Propaganda wie auch mit – meist propagandistisch eingefärbten – Presseberichten begleitet. Die Deutschen ihrerseits gaben sich zuversichtlich, dass die Invasion gut für sie verlaufen werde, was in folgenden Auszügen aus Reden des deutschen Propagandaministers Joseph Goebbels erkenntlich wird. So sagte Goebbels in einer Rede am 5. Juni 1943 im Berliner Sportpalast:

"Man spricht heute von der Invasion in Europa, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt […] Der englische und der amerikanische Soldat aber werden eine blutige Zeche bezahlen müssen. Unsere Wehrmacht ist zu ihrem Empfang bereit"!

Am 4. Juni 1944 hielt Goebbels dann in Nürnberg bei einer Grosskundgebung anlässlich des Kreistages des Kreises Nürnberg-Stadt der NSDAP eine weitere Rede:

"Auch die Invasion wird sich nicht so abspielen, wie man sich das in London oder Washington vorstellt. Die erste Runde beispielsweise haben nicht wir, sondern die Feindseite verloren, denn sie hatte geglaubt, uns durch immer neu erfundene Nachrichten nervös zu machen. Ich habe nicht den Eindruck, dass Sie alle wahnsinnig nervös sind [Gelächter]. Aber in London ist man nervös. Die englischen Zeitungen schreiben selbst davon, dass eine neue Krankheit ausgebrochen sei: die Invasionitis [Gelächter]. Gestern wieder ist in Amerika direkt eine hysterische Massenstimmung gewesen, weil eine Fernschreiberin in London nach New York durchgeschrieben hatte –, die hatte sich im Fernschreiben geübt und hatte als Übungsmaterial einen Satz niedergeschrieben, dass die Invasion bereits begonnen hätte, worauf nun in ganz Amerika eine Sensation ausbricht. Die Engländer und Amerikaner glauben vielleicht, mit solchen Meldungen uns nervös zu machen. Sie denken wahrscheinlich, dass ich jetzt hier rede, um Sie jetzt wieder langsam abzuwiegeln, – dass ich sage: Na so schlimm ist es nicht, sein Sie doch nicht so nervös und nicht so hysterisch"!

Auch in deutschen Zeitschriften wurden die Vorkehrungen hochgelobt. So wurde der Atlantikwall oft heroisierend dargestellt, so etwa auf dem Titelbild der deutschen Wochenzeitung Das Reich, die einen standhaften deutschen Soldaten mit einem Schild darstellte, auf dem "Atlantikwall" steht und gegen das ein machtloser Brite anrennt. Auch andere Zeitungen kommentierten reisserisch, so etwa die Brüsseler Zeitung vom 13. April 1944:

  • "In blasser Angst vor der Invasion
  • ‚Das grosse Blutbad der Weltgeschichte‘

Der USA.-Publizist Reynolds zeigt das wahre Gesicht der Zweiten Front. Bei Landung von einer Million Mann rechnet er jeden zweiten als verloren. Die Geschütze der Maginot-Linie sind heute im Atlantikwall eingebaut".

Der alliierte Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower hingegen gab sich zuversichtlich, dass die Alliierten den Sieg erringen würden. So meinte er in seiner Ansprache vor dem D-Day:

"You will bring about the destruction of the German war machine, the elimination of Nazi tyranny over the oppressed peoples of Europe, and security for ourselves in a free world. […] The United Nations have inflicted upon the Germans great defeat in open battle man to man. Our air offensive has seriously reduced their strength in the air and their capacity to wage war on the ground. Our home fronts have given us an overwhelming superiority in weapons and munitions of war and placed at our disposal great reserves of trained fighting men. The tide has turned. The free men of the world are marching together to victory. I have full confidence in your courage, devotion to duty, and skill in battle. We will accept nothing less than full victory. Good luck, and let us all beseech the blessings of Almighty God upon this great and noble undertaking".

"Ihr werdet Zerstörung über die deutsche Kriegsmaschinerie, die Eliminierung der Nazi-Tyrannei über die unterdrückten Völker Europas und Sicherheit für uns in einer freien Welt bringen. […] Die Vereinten Nationen haben den Deutschen im offenen Kampf Mann gegen Mann grosse Verluste zugefügt. Unsere Luftoffensive hat ihre Stärke in der Luft und ihre Fähigkeit auf dem Boden Krieg zu führen ernsthaft geschwächt. Unsere Heimatfronten haben uns eine überwältigende Übermacht an Waffen und Munition gegeben und grosse Reserven von trainierten kämpfenden Männern zur Verfügung gestellt. Das Blatt hat sich gewendet. Die freien Männer der Welt marschieren zusammen zum Sieg. Ich habe vollstes Vertrauen in euren Mut, eure Pflichterfüllung und eure Kampferfahrung. Wir werden nichts anderes als den totalen Sieg akzeptieren. Viel Glück und lasst uns alle um den Segen des Allmächtigen Gottes für dieses grossartige und noble Vorhaben ersuchen".

Die Deutschen berichteten meist positiv über die Invasion und propagierten, dass man dem Feind schwere Verluste zufügen werde. So berichtete eine deutsche Redakteurin über Anweisungen zur Behandlung von Mitteilungen der alliierten Invasion:

"[…] Wir haben die Anweisung bekommen, recht erfreut über dieses langersehnte Ereignis zu schreiben".

Die Propaganda bezog sich allerdings nicht nur auf die Soldaten oder Bevölkerungen der Parteien, sondern auch auf den jeweiligen Gegner. So garantierten die Alliierten den deutschen Soldaten, die sich freiwillig ergeben würden, ein komfortables und sicheres Leben. Diese Nachrichten wurden über Flugblätter verteilt. So waren die ersten alliierten Flugzeuge am 5. bzw. 6. Juni 1944 über dem Himmel der Normandie unterwegs, um Flugblätter abzuwerfen, und erst danach folgten die Maschinen mit den Fallschirmjägern an Bord. Die Flugblätter waren in der Sprache des jeweiligen Gegners verfasst. Teilweise waren jedoch auch Befehle in der Sprache des Austeilers abgedruckt, um die komfortable Behandlung der Gefangenen zu gewährleisten. Neben Garantien und ähnlichem für die Soldaten enthielten diese Flugblätter manchmal auch Bombenwarnungen etc. für die Zivilbevölkerung. Die Alliierten warfen mehrere Millionen Exemplare dieser Flugblätter ab.

Auch Zeitschriften wurden aus der Luft hinter den gegnerischen Linien abgeworfen. So warfen die Alliierten ab dem 25. April 1944 täglich eine neue Ausgabe der Zeitung "Nachrichten für die Truppe" ab, die anfänglich aus zwei, später aus vier Seiten bestand und Nachrichten über die militärische Lage und anderes enthielt. Diese Kampagne wurde von einem vereinten amerikanischen und britischen Stab für die Operation Overlord entwickelt. Neben diesem Magazin erstellten die Briten und Amerikaner auch die Zeitschriften "Frontpost" und "Frontbrief".

Laut dem Buch Overlord von Max Hastings war die effektivste Methode dieser Propaganda jedoch der von den Briten betriebene Radiosender Radio Calais, der fast die halbe deutsche Armee erreichte. Laut Hastings hörten die Deutschen den alliierten Durchsagen über gefangengenommene deutsche Soldaten, die über das Radio verlesen wurden, aufmerksam zu.

Die Deutschen versuchten, mit ihren "Wunderwaffen" wie der V1 oder V2 sowohl die deutsche Bevölkerung von der Möglichkeit zu überzeugen, den Krieg noch gewinnen zu können, als auch durch die Abschüsse auf London die britische Bevölkerung zu demoralisieren.

Bei den alliierten Truppen kam ausserdem die heissblütige Stimme von Mildred Elizabeth Sisk Gillars gut an, die als Propagandistin beim Grossdeutschen Rundfunk, Radio Berlin unter dem Pseudonym Axis Sally bekannt wurde. Ihr infamstes Radio-Feature unter dem Titel Vision of Invasion bestand daraus, dass sie am 11. Mai 1944, kurz vor der geplanten Invasion in der Normandie eine amerikanische Mutter spielte, die ihren Sohn im Ärmelkanal verloren hatte. Eine Ansagerstimme brachte es auf den Punkt, mit den Worten: The D of D-Day stands for doom… disaster… death… defeat… Dunkerque or Dieppe.

Zivilbevölkerung
Opfer

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051_46/Französische Zivilisten, die vergessenen der Invasion

Aufgrund der Bedingungen für die Zivilbevölkerung in der Normandie (Artilleriebeschuss und Bombardement) war die Zahl von Zivilopfern besonders hoch. Um den Bomben und Granaten zu entkommen, suchten die Menschen Schutz in Kellern, Höhlen, Steinbrüchen und mit Brennholzbündeln bedeckten Gräben. Mehrere tausend Einwohner flohen nach Süden über Strassen und Wege, die regelmässig bombardiert wurden. Unter ihnen waren Männer, Frauen und Kinder, einschliesslich der Alten und Kranken, die zu Fuss, in Karren und manchmal mit ihren Kühen den Weg aufnahmen. Einige taten dies spontan, um vor den Kämpfen zu fliehen, während andere von der deutschen Armee Befehle erhielten, ihre Häuser zu verlassen. Die Flüchtlinge zogen manchmal allein und manchmal in Konvois Richtung Süden, meist auf Routen, die das Vichy-Regime ausgearbeitet hatte.

Der Grossteil der zivilen Opfer starb aufgrund alliierter Bombardements aus der Luft, die das Ziel hatten, Strassen zu zerstören, um den deutschen Nachschub aufzuhalten. Vor Bombardements wurden Flugblätter abgeworfen, um die Bevölkerung zu warnen. Die tödlichsten Angriffe fanden am Abend des 6. Juni und während der Nacht vom 6. auf den 7. Juni statt, wobei die Städte Lisieux, Pont-l’Évêque, Caen, Argentan, Flers, Condé-sur-Noireau, Vire, Saint-Lô und Coutances teilweise zerstört wurden. Mehr als 3000 Menschen wurden getötet. In den folgenden Tagen verwüsteten Bomben ausserdem L’Aigle, Avranches, Valognes, Vimoutiers, Falaise und Alençon. Die Luftangriffe nahmen danach ab, obwohl kleinere Städte und Dörfer wie Aunay-sur-Odon und Evrecy weiterhin stark bombardiert wurden.

Viele weitere Einwohner starben aufgrund des alliierten Artilleriebeschusses und des Beschusses von See aus. So wurden viele der Städte und Dörfer an den Landungsstränden zerstört und viele Einwohner getötet. Alexander McKee sagte zu dem Bombardement der Stadt Caen am 7. Juli folgendes:

"Die 2.500 Tonnen Bomben unterschieden in keiner Weise zwischen Freund und Feind. Sollten die britischen Befehlshaber geglaubt haben, dass sie die Deutschen einzuschüchtern vermochten, indem sie die Franzosen umbrachten, so hatten sie sich schwer getäuscht".

Als die Stadt Caen am 9. Juli von Briten und Kanadiern erobert worden war, waren viele Einwohner Caens tot oder obdachlos. Der Pionier Arthur Wilkes beschrieb den Zustand der Stadt wie folgt: "Berge von Trümmern, [etwa] 20 oder 30 foot [≈ 6 oder 9 m] hoch […] die Toten lagen überall".

Diverse Einwohner wurden von Deutschen getötet, entweder für Widerstandsaktionen oder weil sie sich geweigert hatten, Anordnungen (es gab allein 650 für die Niedernormandie) zu befolgen. So wurden am D-Day viele der im Gefängnis von Caen inhaftierten Menschen exekutiert. Am 10. Juni 1944 kam es zum so genannten Massaker von Oradour, bei dem der Ort Oradour-sur-Glane als Repressalie gegen Partisanentätigkeit zerstört und die Einwohner ermordet wurden (vgl. Massaker von Oradour). Bei dem Massaker starben 642 Menschen, von denen nur noch 52 zu identifizieren waren. Unter den Toten befanden sich 207 Kinder und 254 Frauen. Nur sechs Einwohner überlebten das Massaker.

Selbst Monate nach den Kämpfen fiel noch eine grosse Zahl von Einwohnern der Normandie – Bauern, Matrosen und häufig Kinder – Minen und fehlgezündeten Bomben zum Opfer.

Insgesamt verloren rund 20.000 Einwohner der Normandie ihr Leben – beträchtlich mehr als die Zahl von britischen und kanadischen Soldaten, die im Kampf getötet wurden (ca. 16.000) und etwa gleich viel wie die amerikanischen Gefallenen (ca. 21.000). Eine vermehrte Anzahl unter zivilen Opfern lässt sich im Gebiet um Caen finden, das durch die schweren Kämpfe während der Schlacht um Caen besonders hart getroffen wurde. Allein in Caen fanden 1989 Zivilisten den Tod, während es in den Vororten und umliegenden Dörfern nur 72 waren.

Reaktion
Die offizielle nach dem Krieg verbreitete Sichtweise ist, dass bei Ankunft der Alliierten in den Städten der Normandie mit Fahnen gefeiert wurde, Teile der Bevölkerung hätten sich sogar in Farben des Union Jacks angezogen. Die Alliierten seien mit Weinflaschen und offenen Weinkellern begrüsst worden, während diese wiederum den Einwohnern der Städte Schokolade, Tabak und Kaugummi gaben. So steht beispielsweise im Kriegstagebuch des 1. Battalion King’s Own Scotish Borderers ein Eintrag zum 9. Juli:

"In den verlassen wirkenden Häusern begann langsam ein Aufleben, als die [französischen] Zivilisten realisierten, dass wir die Stadt [Caen] eroberten. Sie kamen rennend mit Gläsern und Weinflaschen [aus ihren Häusern] heraus".

Nachdem am 25. August 1944 die Stadt Paris unter alliierter Kontrolle war, hielt Charles de Gaulle am 26. August einen Triumphzug ab und sprach danach vom Balkon des Rathauses zur Pariser Bevölkerung. Am selben Tag folgte eine französische Siegesparade über die Champs-Élysées. Ein Buchhändler aus Paris, Jean Galtier-Boissiére, beschrieb die Szenen in Paris am 25. August 1944 wie folgt:

"Eine erregte Menge drängt sich um die französischen Panzer, die mit Fahnen und Blumen geschmückt sind. Auf jedem Panzer, auf jedem gepanzerten Fahrzeug stehen Mädchen, Frauen, Jungen und Fifis mit Armbinden [Kämpfer der FFI] direkt neben den Männern in khakifarbenen Overall und képi. Die Menschen säumten die Strasse, warfen Kusshände, reckten die geballte Faust, zeigten den Befreiern ihre Begeisterung".

Tatsächlich war die Aufnahme der alliierten Soldaten in der Normandie zum Teil frostiger, da die französische Bevölkerung durch Bombenangriffe, Plünderungen und sexuelle Übergriffe alliierter Soldaten an die Schrecken des Kriegs erinnert wurde.

Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit der Invasion
Während der Operation Overlord verübten sowohl die deutsche als auch die alliierte Seite Kriegsverbrechen, wobei diejenigen von Amerikanern, Kanadiern und Briten erst in jüngster Zeit, durch die vor allem auf Augenzeugenberichten beruhenden Forschungen des britischen Historikers Antony Beevor aufgedeckt wurden. Auf beiden Seiten kam es zur Tötung von Kriegsgefangenen, entweder einige Zeit nach der bereits erfolgten Gefangennahme oder dann, wenn sich Soldaten deutlich erkennbar gerade ergeben wollten. Dass es sich dabei nicht nur um spontane Handlungen oder Reaktionen auf erbitterte, verlustreiche Kämpfe (die deutscherseits zum Teil mit Mitteln der asymmetrischen Kriegführung gefochten wurden) handelte, zeigt das nachweisbare Vorhandensein entsprechender Befehle, keine Gefangenen zu machen. Praktiziert wurde die Erschiessung deutscher Gefangener durch alliierte Soldaten zum Beispiel dann, wenn der eigene schnelle Vorstoss durch die erforderliche Evakuierung der Gefangenen verzögert worden wäre. Weiterhin, so Beevor, haben deutsche Soldaten Verwundete und Sanitätspersonal getötet, während alliierte Piloten deutsche Sanitätskraftwagen aus der Luft beschossen hätten. Schwerpunktmässig waren folgende Einheiten an solchen Verbrechen beteiligt: Auf deutscher Seite die 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" und umgekehrt die gegen sie kämpfenden Kanadier; allein in den ersten Tagen wurden 187 kanadische Gefangene getötet, darunter 18 in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni beim Massaker in der Abbaye d’Ardenne bei Caen. Für die amerikanische Seite werden mehrere Vorfälle aus der 101. und 82. Luftlandedivision berichtet, deren Fallschirmjäger besonders schwere Kämpfe schon am ersten Tag zu bestehen hatte; so wurden bei Audouville-la-Hubert am D-Day 30 gefangene Angehörige der Wehrmacht erschossen. Darüber hinaus kam es im Verlauf der Operation Overlord zu etlichen, unter dem Deckmantel der "Terroristenbekämpfung" durchgeführten Massakern an der französischen Zivilbevölkerung durch Angehörige folgender Waffen-SS-Divisionen: 1. SS-Panzer-Division "Leibstandarte SS Adolf Hitler", 2. SS-Panzer-Division "Das Reich", 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" (u. a. SS-Panzergrenadier-Regiment 26), 17. SS-Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen".

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051_47/Das zerstörte Oradour-sur-Glane heute

Nach Beevor verloren bei den 26 schlimmsten Massakern in Frankreich im Jahre 1944 insgesamt 1904 Menschen das Leben, darunter allein 642 (davon 207 Kinder, 254 Frauen) in Oradour-sur-Glane am 10. Juni 1944; der Ort wurde fast völlig zerstört. Noch im August töteten SS-Männer auf dem Rückzug hunderte von Zivilisten in Buchères bei Troyes, in Maillé sowie in Tavaux und Plomion. Die Gestapo ermordete angesichts der bevorstehenden deutschen Niederlage 600 bereits inhaftierte Mitglieder der Résistance. Der ehemalige SS-Standartenführer Kurt Meyer berichtet wie folgt über die Behandlung von deutschen Kriegsgefangenen durch kanadische Truppen:

"Am 7. Juni wurde mir ein Notizblock eines kanadischen Captains gegeben. Zuzüglich zu handgeschriebenen Befehlen wiesen die Notizen an: 'no prisoners were to be taken' [‚keine Gefangenen nehmen‘]. Einige kanadische Gefangenen wurden [daraufhin] gefragt, ob die Instruktionen der Wahrheit entsprechen würden […] und sie sagten, dass sie den Befehl hatten, wenn die Gefangenen den Fortschritt behinderten, sie nicht gefangen zu nehmen".

Meyer soll daraufhin befohlen haben: "Was sollen wir mit diesen Gefangenen tun? Die essen nur unsere Rationen. In Zukunft werden keine Gefangenen mehr gemacht".

Der kanadische Kompanieführer und Major Jacques D. Dextraze bestätigte nach dem Krieg Meyers Anschuldigungen:

"Wir passierten den Fluss – die Brücke war gesprengt worden. […] Wir nahmen 85 Kriegsgefangene. Ich wählte einen Offizier aus und sagte: 'bring sie zum P.W. Käfig zurück'. Er ging zurück und befahl ihnen, zu der Brücke […] zu rennen. Diese Männer waren schon einige Meilen gerannt. Sie kamen erschöpft an der Brücke an, [aber der Offizier sagte:] Nein Nein, ihr nehmt nicht die Brücke, ihr schwimmt. Jetzt fielen die Männer in das Wasser. Die meisten ertranken. […] Danach wurden sie von den Pionieren, die die Brücke reparierten, aus dem Wasser geholt. Ich fühlte mich sehr schlecht, als ich sie alle aufgestapelt neben der Brücke sah".

Verluste
Die genaue Zahl der Verluste an Soldaten während der Operation Overlord lässt sich nicht rekonstruieren. Bereits vor dem D-Day – zwischen April und Mai 1944 – verloren die Alliierten annähernd 12.000 Männer und mehr als 2000 Flugzeuge. Die Alliierten hatten seit dem D-Day etwa 53.700 Tote (37.000 Tote bei den Landstreitkräften und 16.714 Tote bei den Luftstreitkräften), 18.000 Vermisste und 155.000 Verwundete, die Deutschen 200.000 Tote, Vermisste und Verwundete und weitere 200.000 Kriegsgefangene zu verzeichnen. Von den Alliierten sind insgesamt 32.807 der Gefallenen in Kriegsgräberstätten in der Normandie begraben, während es bei den Deutschen 77.866 sind. Die Opfer unter der französischen Zivilbevölkerung beliefen sich auf etwa 20.000 Menschen.

Seekrieg während der Operation Overlord    
(aus Wikipedia)

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051_48/Übersicht alliierter Seeoperationen

Der Seekrieg während der Operation Overlord umfasste die Kampfhandlungen zwischen deutschen und alliierten Seeverbänden im Zeitraum von Anfang Juni bis Mitte August 1944 im Bereich des Ärmelkanals.

Unter dem Codenamen Operation Overlord planten die West-Alliierten seit 1944 ein militärisches Unternehmen zur Gewinnung einer festen Basis in Frankreich und zur Errichtung einer weiteren Front (in Deutschland Westfront) genannt gegen das nationalsozialistische Deutschland. Unteroperationen im Rahmen dieses Projekts erhielten eigene Code-Namen: Die Operation Neptune bezeichnete beispielsweise die eigentliche Invasion, also die Anfahrt, die Landung und die Sicherung eines Brückenkopfes an den Stränden der Normandie. Für diese Operation stellten die Alliierten eine grosse Flotte von Kriegsschiffen auf, die kurz vor und während der Landung die deutschen Verbände an den Stränden zermürben und deren Stellungen zerstören sollte. Ausserdem sollte sie die eigentliche Invasionsflotte und später die Nachschubtransporte schützen.

Beide Seiten setzten während der Seegefechte neben konventionellen auch spezielle Methoden wie Kleinst-U-Boote, bemannte Torpedos oder Raketen ein. Die grossen Verluste beider Seiten entstanden teilweise durch natürliche Widrigkeiten wie Stürme.

Den Alliierten gelang es, wichtige Versorgungseinrichtungen zu schaffen (zum Beispiel künstliche Häfen – die sogenannten Mulberrys – sowie zwei Pipelines durch den Ärmelkanal, eine am 12. August und eine am 10. Oktober). Sie eroberten in der Schlacht um Cherbourg (14.–26. Juni 1944) den unter anderem für die Versorgung wichtigen Hafen von Cherbourg. Durch das Zusammenspiel von Marine-, Luft- und Landstreitkräften gelang es den Alliierten, eine feste Basis in Frankreich zu etablieren und zu stabilisieren und dadurch schliesslich ihr Kriegsziel – die Eroberung Deutschlands und die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht – zu erreichen.

Hintergrund
Bereits vor dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 war ein Engagement auf dem europäischen Kriegsschauplatz absehbar. In der Konferenz von Washington 1941 kamen Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill überein, dass eine Landung auf dem europäischen Kontinent entweder über das Mittelmeer, von der Türkei aus auf dem Balkan oder in Westeuropa erforderlich wäre. Man zog den Angriff auf die deutsche Wehrmacht gegenüber dem Krieg im Pazifik gegen Japan vor.

Zur Entlastung der Roten Armee hatte Josef Stalin die Westalliierten zur Eröffnung einer zweiten Kriegsfront gedrängt. Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 wurden daher Landungen in Nord- und Südfrankreich – die Operationen Overlord und Anvil – beschlossen. Im Gegensatz zu Winston Churchill, der – angeblich aufgrund fehlender Transportmittel – auf die Operation Anvil verzichten wollte, favorisierte Stalin die ursprünglich geplante Zangenbewegung. Die Rote Armee hatte diese Taktik schon öfter erfolgreich angewandt. Unterdessen hielten die Amerikaner eine Invasion in Südfrankreich ebenfalls für sinnvoll, da die Häfen von Toulon und Marseille gute Nachschub- und Versorgungsmöglichkeiten für die alliierten Truppen in Frankreich böten. Eine Invasion in Südfrankreich (Operation Anvil) wurde verschoben und als Operation Dragoon schliesslich zeitversetzt im August 1944 durchgeführt, da Churchill befürchtete, dass durch einen zeitnahen Verlauf die Kampfkraft der alliierten Streitkräfte auf zu viele Kriegsschauplätze gleichzeitig verteilt würde und dadurch den Vormarsch verlangsamen würde.

Auf der Casablanca-Konferenz beschloss man in Abwesenheit Stalins die Gründung eines kombinierten Hauptquartiers, des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force. Die Führung als Supreme Allied Commander sollte Dwight D. Eisenhower übernehmen. Bereits vor seiner Ernennung Anfang 1944 wurde ein Planungsstab unter dem Chief of Staff to the Supreme Allied Commander (COSSAC), Lieutenant-General (Generalleutnant) Frederick E. Morgan, gebildet, der die Vorplanungen für die Operation Overlord betrieb.

  • Den Oberbefehl über die Landeeinheiten erhielt Feldmarschall Bernard Montgomery.
  • Die Seestreitkräfte befehligte Admiral Bertram Ramsay, und
  • die Luftstreitkräfte Air Chief Marshal Trafford Leigh-Mallory.

Ziel der Operation war, die Kontrolle über die Städte Caen, Bayeux, Saint-Lô und Cherbourg zu gewinnen.

Strategische Lage der Kriegsgegner
Die Briten hielten vor Schottland drei Flugzeugträger, drei moderne Schlachtschiffe und sechzehn weitere grössere Kriegsschiffe in Reserve, zum einen, damit diese nicht vor der Normandie durch Minen beschädigt würden, zum anderen, damit Geleitzüge durch die Arktis sowie das Küstengebiet Grossbritanniens geschützt werden konnten. Deshalb reichte das Repertoire an Schiffen, das der Royal Navy zur Verfügung stand, nicht für eine Invasion aus. Die Briten zogen deshalb Besatzungen von Heer, Luftwaffe und Minenlegeflottillen ab, um wichtigere Kriegsschiffe bemannen zu können. Ausserdem zog die britische Admiralität Schiffe aus dem Mittelmeerraum ab, stoppte die Verlegung von Schiffsverbänden in den Indischen Ozean und verminderte die Anzahl der Geleitschiffe für Konvois im Atlantik.

Da Eisenhower und sein Stab aber weiterhin befürchteten, die Armada könnte zu klein sein, wurden Schiffsverbände der US-Marine zur Verstärkung hinzugezogen. Die Amerikaner mussten jedoch auf im Pazifik stationierte Schiffe – so auch auf alle Flugzeugträger – verzichten. Durch die Lage im Pazifikkrieg liessen sich die Amerikaner vorerst auch nicht zu einer Zusicherung überreden, die von den Briten geforderte Anzahl an Landungsbooten zu schicken, obwohl die Massenproduktion von amphibischen Einheiten aufgrund des Marshall-Memorandums seit 1942 auf Hochtouren lief.

Nach Konflikten über die Notwendigkeit zusätzlicher amerikanischer Schiffe bei der Invasion in der Normandie entsandte der amerikanische Entscheidungsträger für die Marine, Ernest J. King, drei alte Schlachtschiffe und ein Zerstörergeschwader sowie zahlreiche Landungsboote zur Unterstützung der Invasion nach England. Neben diesen Schiffen sollten am 5. Juni 1944 auch 49 Kriegsschiffe mit französischen, polnischen, griechischen, niederländischen und norwegischen Besatzungen auslaufen.

Die Alliierten konnten zur Unterstützung der Invasion insgesamt sieben Schlachtschiffe, zwei Monitore, dreiundzwanzig Kreuzer, drei Kanonenboote, 105 Zerstörer und 1.073 kleinere Kriegsschiffe zusammenziehen. Des Weiteren zogen sie 4.126 Landungsschiffe und -boote, 736 Unterstützungsschiffe und -boote sowie 864 Handelsschiffe zusammen und kamen so insgesamt auf 6.939 eingesetzte Schiffe.

Der Stabschef der Royal Navy berichtete über die Anzahl der eingesetzten Schiffe:

"It is a commonplace expression to say that an anchorage is ‚full of ships‘, but in the case of East and West Solent, with an available area of approximately 22 square miles in which to anchor ships, it was literally true. On 18 May, the Admirality offered the C-in-C [Commander-in-Chief] Portsmouth the services of HMS Tyne, but it was only possible to accept her because HMS Warspite was not being sent to Portsmouth till D-Day, which gave us one berth in hand".

"Es ist eine allgemeine Redewendung, zu sagen, dass ein Ankerplatz ‚voll von Schiffen‘ sei, aber im Fall vom Ost- und West-Solent [den Ankerplätzen der alliierten Streitkräfte an der Küste Englands], mit einem etwa 22 Quadratmeilen grossen Ankergrund für die Schiffe, war es buchstäblich wahr. Am 18. Mai [1944] bot die Admiralität dem Oberbefehlshaber in Portsmouth die Unterstützung der HMS Tyne an, die jedoch nur angenommen werden konnte, weil die HMS Warspite bis zum D-Day nicht nach Portsmouth entsandt wurde, was uns einen Ankerplatz zur Verfügung stellte".

Die Einsatzmöglichkeiten der deutschen Kriegsmarine gegen die alliierten Landeoperationen waren begrenzt. Im Juni 1944 verfügte die Kriegsmarine über keine grösseren Überwassereinheiten in den Stützpunkten in Frankreich. Die Einfahrten zum Kanal wurden zudem durch starke Kriegsschiffverbände der Alliierten geschützt, die auch die Lufthoheit über dem Kanal hatten. Offensichtlich hatte daher die Kriegsmarine keine Chance, die alliierten Nachschublinien über den Kanal zu unterbrechen. Gleichwohl wurden Einheiten der Kriegsmarine in dieses Unterfangen geschickt.

Die Kriegsmarine besass am 6. Juni 1944 im gesamten Kanalbereich nur fünf Torpedoboote, 39 Schnellboote – von denen fünf nicht einsatzbereit waren – 163 Minensuch- und Räumboote, 57 Vorpostenboote (Kriegsfischkutter) und 42 Artilleriefährprahme. Hinzu kamen fünf Zerstörer, ein Torpedoboot, 146 Minensuch- und Räumboote und 59 Vorpostenboote, die an der Atlantikküste zwischen Brest und Bayonne stationiert waren. Im mittleren Kanal – dort, wo die Invasion stattfand – verfügten sie nur über vier Torpedoboote, fünfzehn Schnellboote, neun Vorpostenboote und sechs Artilleriefährprahme. Die Deutschen hatten eine Invasion aufgrund der kürzeren Distanz und getäuscht durch die Operation Fortitude eher in der Gegend von Boulogne und Calais erwartet.

Generalfeldmarschall Erwin Rommel inspizierte 1944 die deutschen Verteidigungsanlagen des Atlantikwalls, die zu diesem Zeitpunkt teilweise schon veraltet waren, und gab mehrere Neuerungen vor Juni 1944 in Auftrag. Er setzte sich dabei stark für den Ausbau der Strandbefestigungen und des nahen Hinterlandes mit Hindernissen und Minen ein. Einige der Bunker waren noch in der Bauphase, als die alliierten Verbände landeten. In Frankreich errichtete die Organisation Todt mit erheblichem Bauaufwand und dem Einsatz tausender Zwangsarbeiter Bunkeranlagen für Geschütze schwersten Kalibers.

Operation Neptune – Die Unterstützung der alliierten Landung an den Stränden
Am Montag, dem 17. April 1944, begann die Royal Navy, Minen an der von den Deutschen besetzten Küste des Kanals zu legen. Von diesem Tag an wurden bis Anfang Juni etwa 6.800 Seeminen an den Häfen zwischen IJmuiden in Holland und Brest in Frankreich gelegt. Die Alliierten benutzten zum Minenlegen meist kleinere Schiffe wie etwa Motortorpedoboote. Ziel war, die Deutschen durch die Minensperren daran zu hindern, der Operation Neptune mit Schiffen entgegenzuwirken. Im Tagebuch des OKW (Oberkommando der Wehrmacht) wird dazu bemerkt:

"[…], dass der Gegner erstmalig die Seine-Mündung bei Le Havre vermint hatte. Es fragte sich, ob daraus geschlossen werden durfte, dass er hier nicht zu landen beabsichtige. Es konnte sich aber auch um Minen handeln, die nur einige Zeit aktiv bleiben [und danach ungefährlich sind]".

Bei den Vorbereitungen auf die Normandielandungen wurden auch britische Chariots (bemannte Torpedos) und Kampftaucher eingesetzt. Diese untersuchten die Gewässer, in dem die Invasion stattfinden sollte, inspizierten die Strände, soweit das möglich war, und beseitigten Hindernisse, weshalb den Alliierten gute Informationen zum Landungsbereich zur Verfügung standen. Am 6. Juni zerstörten britische Kampftaucher viele der Strandhindernisse, die von den Deutschen zum Stoppen der Angreifer aufgestellt worden waren.

Am 23. Mai fing die Station X in Bletchley Park eine deutsche Marinenachricht auf, die deutsche Einheiten anwies, in der Seinebucht, dem alliierten Operationsgebiet, weitere Minen zu legen. Die alliierte Luftwaffe und Motortorpedoboote der Royal Navy wurden daraufhin entsandt, um die deutschen Verbände aufzuhalten und diese daran zu hindern, zusätzliche Minen in den Gewässern zu platzieren. Das gelang ihnen auch.

Die alliierte Landungsflotte war in fünf Gruppen eingeteilt, die Force U, O, G, J und S – jeweils eine pro Strandabschnitt.

Force U und O sollten in Dartmouth und Weymouth starten und die amerikanischen Strandsektoren anfahren. Diese zwei Gruppen waren zur Western Naval Task Force unter Konteradmiral Alan G. Kirk zusammengefasst, die zusammen mit der 1. US-Armee unter Lieutenant General Omar Bradley bei den Landungsstränden Omaha und Utah Beach operieren sollten. In der Nacht sollten die Force U (Konteradmiral Donald P. Moon) mit der 4. US-Infanteriedivision sowie die Force O (Konteradmiral John L. Hall) mit der 29. US-Infanteriedivision an den Stränden landen. Die Konvois für Utah und Omaha Beach bestanden insgesamt aus sechzehn Angriffstruppentransportern.

Die restlichen drei Gruppen starteten von Southampton (Force G), Portsmouth (Force J) sowie von Shoreham (Force S) und sollten die britischen und kanadischen Strandsektoren anfahren. Auch sie waren zu einer übergeordneten Gruppe, der Eastern Naval Task Force unter Konteradmiral Sir Philip Vian zusammengefasst, die zusammen mit der britischen 2. Armee unter Lieutenant General Miles Dempsey an den Landungsstränden Juno, Sword und Gold Beach operieren sollte. In der Nacht sollten die Force G (Commodore Sir Cyril Eustace Douglas-Pennant) mit der britischen 50. Infanteriedivision, die Force J (Commodore Geoffrey Oliver) mit der kanadischen 3. Infanteriedivision sowie die Force S (Konteradmiral Arthur G. Talbot) mit der britischen 3. Infanteriedivision an den Stränden landen.

Ausserdem war vorgesehen, dass von der Themsemündung bei Felixstowe die Nachschubgruppe L und von Plymouth aus die Nachschubgruppe B in See stechen und gegen Abend des 6. Juni bzw. am Morgen des 7. Juni an der Normandieküste ankommen sollten.

Alle Gruppen sollten zu einem Punkt Z fahren, der dreizehn Kilometer südöstlich der Isle of Wight lag, wo sich die Flotte in einem Kreis von acht Kilometern Radius aufhalten sollte, den man "Piccadilly Circus" nannte. Von dort würden Minensucher in Richtung Süden aufbrechen, um die fünf Küstenabschnitte vor Minen zu sichern und zu entminen. Für die Western Task Force waren hierfür 102 alliierte Minensucher und 16 Bojenleger[3] und für die Eastern Task Force 102 Minensucher und 27 Bojenleger zugeteilt worden.

Am Morgen des 4. Juni erreichten zwei Mini-U-Boote der Alliierten die Zielgebiete von Juno und Sword Beach. Sie waren davon ausgegangen, die Invasion sei angelaufen. Sie hatten nicht mitbekommen, dass sie wieder gestoppt worden war. Da sie sich unter Wasser und nahe der Normandieküste befanden, hatten sie auch den Funkverkehr gestoppt und empfingen so nicht die Nachricht über die Verschiebung der Invasion. Am 5. Juni um 0:55 Uhr tauchten die beiden Boote dann auf und empfingen die Nachricht. Neben den zwei U-Booten waren auch 120 LCTs in See gestochen, die sich gegen 9:00 Uhr 40 Kilometer südlich der Isle of Wight befanden, dort aber noch von zwei Zerstörern gestoppt und von den neuen Befehlen in Kenntnis gesetzt wurden, woraufhin sie zurückkehrten.

Admiral Sir Bertram Ramsay, der Befehlshaber der alliierten Seestreitkräfte, informierte die Seestreitkräfte vor der bevorstehenden Operation wie folgt:

"Our task in conjunction with the Merchant Navies of the United Nations, and supported by the Allied Air Forces, is to carry the Allied Expeditionary Force to the Continent, to establish it there in a secure bridgehead and to build it up and maintain it at a rate which will outmatch that of the enemy".

"Unsere Aufgabe ist es, zusammen mit den Handelsmarinen der Vereinten Nationen und unterstützt durch die alliierten Luftwaffen, die alliierten Expeditionskräfte zum Kontinent zu bringen, diesen dort einen sicheren Brückenkopf zu gewährleisten und ihn so schnell auszubauen, dass der Feind nicht mehr mitkommt".

Admiral Theodor Krancke, Marinebefehlshaber West, trat am 5. Juni seine Inspektionsreise nach Bordeaux an, berichtete dem Oberbefehlshaber West jedoch vorher noch, dass "wegen der groben See die Vorpostenboote ihre Stützpunkte nicht verlassen können, weshalb die Deutschen ihre sonstigen Aufklärungsfahrten am 5. Juni und in der Nacht zum 6. Juni nicht durchführten. Krancke berichtete später auch: "[…] nach den vorliegenden Wetterberichten […] schien eine Invasion in der Nacht vom 5. auf den 6. 6. kaum möglich".

Ausführung
Um 9:00 Uhr des 5. Juni stach die alliierte Armada – ausgenommen die Forces U und O – in See. Die Gruppen U und O starteten erst um 16:00 Uhr desselben Tages. Die Fahrt und die Räumung der Minen verliefen planmässig; nur ein amerikanischer Minensucher sank. Die ersten alliierten Schiffe, die vor der Normandieküste auf die zugewiesenen Positionen vor Anker gingen, waren die USS Bayfield um 2:29 Uhr 21 Kilometer vor dem Utah Beach mit General J. Lawton Collins an Bord und die USS Ancon um 2:51 Uhr 20 Kilometer vor dem Omaha Beach. Nach und nach erreichten auch die anderen 5'300 Schiffe der Invasionsflotte ihre Positionen, wobei die Schlachtschiffe etwa 9.900 Meter und die Zerstörer etwa 4.500 Meter vor der Küste ankern sollten. Viele der an Bord befindlichen Soldaten litten nach stundenlanger Überfahrt in schwerer See unter Seekrankheit. Um 4:15 Uhr begannen die Landungstruppen, in die Landungsboote umzusteigen.

Etwa um 4:30 Uhr, 45 Minuten vor der einsetzenden Morgendämmerung, befanden sich die ersten Landungsboote auf dem Weg zu den Stränden Utah und Omaha. Sie hatten mit hohem Wellengang, Strömungen und starkem Seitenwind zu kämpfen, die sie immer wieder vom vorgesehenen Kurs abbrachten. Die Landungsboote mussten daraufhin bei Omaha Beach etwa 17 Kilometer in Richtung Strand fahren. Hierbei wurden sie von mit Funk und Radar ausgestatteten Patrouillen- und Führungsbooten geleitet.

Der US-amerikanische Captain Anthony Duke erinnerte sich an die alliierte Armada:

"By God, I’ll never forget the feeling of power – power about to be unleashed – that welled up in me as I viewed the long, endless columns of ships headed toward Normandy".

"Bei Gott, ich werde niemals das Gefühl der Stärke vergessen – Stärke, die darauf wartete, freigesetzt zu werden – das in mir aufwallte, als ich die langen, endlosen Kolonnen von Schiffen sah, die in Richtung Normandie fuhren".

Erste deutsche Reaktionen
Das deutsche Gruppenkommando West liess um 4:35 Uhr Aufklärungspatrouillen auslaufen. Die 5. Torpedoboots-Flottille, die 15. Vorposten-Flottille und die 38. Minensuch-Flottille liefen aus der Seinemündung aus. Beiderseits der Cotentin-Halbinsel kreuzten die 5. und die 9. Schnellboot-Flottille. Korvettenkapitän Heinrich Hoffmann verliess mit den drei einsatzbereiten Booten seiner 5. Torpedoboots-Flottille (T 28, Jaguar, Möwe) um 4:15 Uhr Le Havre und befand sich um 5:15 Uhr mit seinen Booten direkt vor den britischen Schiffen vor dem Sword Beach. Hoffmann entschloss sich anzugreifen und liess um 5:35 Uhr 16 Torpedos abschiessen. Die alliierten Schiffe um die HMS Warspite reagierten sofort mit Ausweichmanövern und konnten den anlaufenden Torpedos entkommen. Nur der norwegische Zerstörer Svenner erhielt einen Treffer mittschiffs und sank. Unterdessen hatten die deutschen Boote gewendet und entkamen im Nebel.

Eröffnung des alliierten und deutschen Geschützfeuers und Untergang der USS Corry

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051_49/Der britische Kreuzer HMS Belfast beschiesst am D-Day die Normandieküste

Nachdem die alliierten Zerstörer Fitch und Corry von einer deutschen Batterie von der Küste aus unter Beschuss genommen worden waren, gab Konteradmiral Morton Deyo, Befehlshaber der Western Task Force Bombardement Group, um 5:36 Uhr, zwanzig Minuten vor dem geplanten Zeitpunkt, allen Schiffen den Befehl zum Feuern. Die Schiffe der Eastern Task Force hatten schon früher, um 5:10 Uhr, zu feuern begonnen. Der britische Major John Howard, der im Verlaufe der Operation Tonga schon in der Nacht mit Gleitern über der Normandie gelandet war, berichtete über den Schiffsartilleriebeschuss folgendes:

"The barrage coming in was quite terrific. It was as though you could feel the whole ground shaking toward the coast, and this was going on like hell. Soon afterward it seemed to get nearer. Well, they were obviously lifting the barrage farther inland as our boats and crafts came in, and it was very easy, standing there and hearing all this going on and seeing all the smoke over in that direction, to realize what exactly was happening and keeping our fingers crossed for those poor buggers coming in by sea".

"Das einsetzende Sperrfeuer war einfach grossartig. Es war, als ob man spürte, wie der ganze Boden in Richtung Küste bebt, und das ging weiter wie in der Hölle. Kurze Zeit darauf schien es näher zu kommen. Nun, sie verschoben das Feuer offensichtlich weiter landeinwärts, als unsere Boote und Fahrzeuge landeten, und es war sehr leicht, als wir da standen und alles vonstattengehen hörten und den ganzen Rauch in dieser Richtung sahen, zu begreifen, was genau geschah, und die Finger gekreuzt zu halten für jene armen Kerle, die dort vom Meer her landeten".

Holdbrook Bradley, ein Korrespondent der amerikanischen Zeitung Baltimore Sun, der an Bord eines Landungsschiffes zum Omaha Beach fuhr und von diversen Kriegsschauplätzen und Kriegen berichtet hatte, beschrieb das Schiffsbombardement später:

"The sound of battle is something I’m used to. But this [the opening bombardments on D-Day] was the loudest thing I have ever heard. There was more firepower than I’ve ever heard in my life and most of us felt that this was the moment of our life […]".

"Kampflärm ist etwas Vertrautes für mich. Aber dies [das Eröffnungsbombardement am D-Day] war das lauteste, was ich jemals gehört habe. Dort war mehr Feuerkraft, als ich jemals in meinem Leben gehört habe, und die meisten von uns hatten das Gefühl, dass das der [wichtigste] Moment unseres Lebens war […]".

Die Artilleriestellung bei Longues-sur-Mer eröffnete um 5:37 Uhr das Feuer auf den Zerstörer USS Emmons vor Omaha Beach. Die abgefeuerten zehn Schuss verfehlten aber das amerikanische Schiff. Als nächstes Ziel geriet das Schlachtschiff USS Arkansas ins Visier der Batterie. Auch hier konnten keine Treffer verzeichnet werden. Im Gegenzug eröffnete die USS Arkansas um 5:52 Uhr das Feuer auf die Batterie und schoss 130 Schuss auf sie ab, jedoch ohne zu treffen. Als näher liegende Ziele auftauchten, richtete die deutsche Batterie ihre Rohre darauf aus.

Alliierte Flugzeuge sollten eine Rauchwand zwischen der alliierten Armada und den deutschen Stellungen legen, um den Deutschen die Sicht zu nehmen. Einige dieser Flugzeuge erschienen um 6:10 Uhr auch am Utah Beach und legten die besagte Rauchwand. Das Flugzeug, das den US-amerikanischen Zerstörer USS Corry verdecken sollte, wurde jedoch vorher von deutscher Flak abgeschossen und konnte deshalb die Rauchwand nicht legen. Für einige Momente war die USS Corry deshalb das einzige für die Deutschen sichtbare alliierte Schiff, was dazu führte, dass die deutschen Geschütze ihre Salven auf den amerikanischen Zerstörer konzentrierten. Das Schiff begann zu manövrieren, um den Geschossen auszuweichen, was jedoch gefährlich war, da noch viel von der Wasserfläche vermint war. Der Maschinist Mate G. Gullickson bemerkte:

"All of a sudden, the ship literally jumped out of the water! As the floor grates came loose, the lights went out and steam filled the space. […] It was total darkness with steam severely hot and choking".

"Auf einmal sprang das Schiff buchstäblich aus dem Wasser! Als die Gitterroste herabfielen, ging das Licht aus, und Dampf erfüllte den Raum. […] Es war völlig dunkel wegen des Dampfes, der brennend heiss und erstickend war".

Das Schiff war mittschiffs auf eine Mine gefahren und begann zu sinken. Gullickson, der zu diesem Zeitpunkt bereits bis zu seiner Weste im Wasser war, berichtete weiter: "At this time, there was another rumble from underneath the ship". (Deutsch: "Zu diesem Zeitpunkt gab es ein erneutes Rumpeln von unterhalb des Schiffes".) – Die USS Corry war zum zweiten Mal auf eine Mine gelaufenen und brach in zwei Teile. Viele der Besatzungsmitglieder ertranken oder erlitten Verbrennungen oder erstickten.

Um 6:30 Uhr, 30 Minuten nach Sonnenaufgang, begannen die Landungen am Utah und Omaha Beach. Die vor der Küste liegenden Schiffe stellten ihren Beschuss kurz vorher ein und verlegten teilweise ihre Ziele weiter ins Hinterland, um die Soldaten an den Stränden nicht zu gefährden.

Ian Michie, ein Soldat der Royal Navy, der sich an Bord des britischen Kreuzers HMS Orion befand, berichtete Folgendes: "Our shooting was very good and direct hits were soon beeing recorded. We scored thirteen direct hits on the battery before shifting target". (Deutsch: "Unser Beschuss war sehr gut, und wir konnten bald einige Volltreffer verzeichnen. Uns gelangen dreizehn Volltreffer auf die Batterie, bevor wir das Ziel wechselten".) Die Batterien in Longues-sur-Mer, Pointe du Hoc und an anderen Stellen wurden durch die Schiffsartillerie nur geringfügig beschädigt, aber nicht zerstört, und sind teilweise noch heute vorhanden. In Stephen E. Ambroses Buch D-Day wird zu einem Bericht der Royal Navy aufgeführt:

"An official report from the Royal Navy admitted that ‚no serious damage either to the concrete structures or the guns in the strong points‘ was achieved, but pointed out that the shelling ‚effectively neutralized the positions by terrifying the enemy personnel in them and by preventing them from manning their weapons and firing on the troops during the landings‘".

"Ein offizieller Bericht der Royal Navy erkannte, dass ‚weder den Betonbauten noch den Geschützen in den befestigten Stellungen erheblicher Schaden‘ zugefügt werden konnte, hob jedoch hervor, dass der Beschuss die ‚Stellungen praktisch ausschaltete durch die Zermürbung der feindlichen Besatzungen darin und dadurch, dass sie von der Besetzung ihrer Waffen und der Beschiessung der Einheiten während der Landung abgehalten werden konnten‘".

Dies war laut Ambrose allerdings eher Wunschdenken, denn diverse deutsche Geschützbesatzungen konnten ihre Stellungen erneut bemannen, nachdem die Schiffe die Küste unter Beschuss genommen hatten. Die Batterien konnten allerdings aufgrund der alliierten Vorkehrungen wie beispielsweise dem Einsatz von künstlichen Rauchwänden keine oder nur wenige Ziele ausmachen und gezielt beschiessen.

Die deutschen Batterien wurden meist mit anderen Mitteln ausgeschaltet. So wurde die Artilleriebatterie bei Merville im Verlauf der Operation Tonga von britischen Fallschirmjägern zerstört. Gleiches versuchten US-amerikanische Ranger-Einheiten bei der Batterie am Pointe du Hoc, die allerdings nach der Eroberung des Geländes feststellen mussten, dass die Geschütze weiter ins Hinterland verlegt worden waren. Nach kurzer Suche konnten einige Ranger die Geschütze jedoch unbewacht im Hinterland finden und unschädlich machen.

Gefechte im Kanalbereich, an der Küste der Normandie und in der Bretagne
Juni 1944

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051_50/Drei britische Motortorpedoboote kehren von der Suche nach deutschen Schnellbooten bei Cherbourg zurück

In den folgenden Tagen versuchten deutsche Torpedoboote, die Landungsoperationen durch Torpedoangriffe und Minensperren zu stören, dies blieb allerdings grösstenteils erfolglos. Aus Cherbourg liefen in der Nacht zum 7. Juni die deutschen 5. und 9. Schnellbootflottillen aus. Bereits auf dem Auslaufweg gingen vor Cap Barfleur zwei Schnellboote auf einer von der britischen 64. Motortorpedobootflottille zuvor gelegten Minensperre verloren. Da gegen durchbrachen vier Schnellboote die Verteidigungslinien der alliierten Küstenstreitkräfte und versenkten zwei Landungsschiffe vor St. Vaast.

Vor Le Havre kam es in derselben Nacht zu einem Gefecht zwischen der deutschen 4. Räumbootsflottille und der britischen 55. Motortorpedobootflottille und der kanadischen 29. Motortorpedobootflottille, bei dem ein deutsches sowie zwei alliierte Schiffe schwer beschädigt wurden. Am selben Tag führten die 2. und 8. Schnellbootflottillen von Ostende einen erfolglosen Aufklärungsvorstoss in die südliche Nordsee aus.

Um 5:15 Uhr am Morgen des 8. Juni sank die alliierte Fregatte HMS Lawford, möglicherweise nach einem Treffer durch eine funkgesteuerte Gleiterbombe Henschel Hs 293, die von einer Dornier Do 217 abgeworfen wurde.

Auch in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni kam es zu Gefechten, in denen sowohl alliierte Landungsboote als auch deutsche Schnellboote versenkt wurden. Die Deutschen versenkten zudem einige ihrer Schiffe selbst, um eine Übernahme durch die Alliierten zu verhindern. Die Alliierten erlitten ihrerseits mehrere Verluste durch Seeminen, unter anderem zwei Zerstörer. Andere Schiffe wurden durch deutsche Luft- oder Artillerieangriffe zerstört, meistens Schiffe, die vorher durch Minentreffer bewegungsunfähig gemacht worden waren.

Zwischen dem 6. und 30. Juni 1944 setzten die Deutschen mehrere U-Boote ein, um den alliierten Seestreitkräften entgegenzuwirken. Im Grossteil der Fälle wurden diese U-Boote jedoch von alliierten Flugzeugen beschädigt oder zerstört und konnten dem Gegner nur Verluste von etwa fünf Schiffen zufügen.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Juni versuchte die Kriegsmarine mit vier Zerstörern, den letzten grösseren in Frankreich liegenden Schiffen, von Brest aus in den Invasionsraum vorzudringen. Der deutsche Admiral Theodor Krancke, Kommandeur der Marinegruppe West, hatte dies befohlen, wovon der alliierte Nachrichtendienst jedoch erfuhr. Die 10. Zerstörerflottille der Royal Navy wurde entsandt, um den deutschen Verband anzugreifen. Nordwestlich der Isle de Bas kam es gegen 1:30 Uhr nachts zum Kampf zwischen der deutschen und der alliierten Zerstörerflottille, die aus vier britischen, zwei kanadischen und zwei polnischen Zerstörern bestand. Nach vier Stunden Kampf versenkten die Alliierten den deutschen Zerstörer ZH 1 und beschädigten Z 32 so schwer, dass sie auf Grund gesetzt werden musste. Die zwei restlichen Zerstörer kehrten, ebenfalls schwer beschädigt, nach Brest zurück. Auf alliierter Seite wurde die HMS Tartar schwer beschädigt.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juni griffen 234 Lancaster-Bomber des Bomber Command der Royal Air Force die französische Stadt Le Havre an. Ein Flugzeug ging bei der Aktion verloren. Auf der anderen Seite verzeichneten die Deutschen Verluste von drei Torpedobooten, sechzehn Schnellbooten, zwei Geleitbooten sowie von zwei Räumbooten, sieben Minensuchern und acht Vorpostenbooten. Ausserdem wurden ein Artilleriefährprahm und mehrere kleinere Hilfskriegsschiffe und Hafenfahrzeuge zerstört. In der darauf folgenden Nacht vom 15. auf den 16. Juni griffen 297 Bomber der Alliierten Boulogne an. Die deutschen Verluste beliefen sich auf drei Räumboot-Begleitschiffe, sechs Räumboote, drei Minensucher sowie zwei Vorpostenboote, zwei Artilleriefährprähme, drei Schlepper und fünf Hafenschutzboote. Des Weiteren wurden zwei Räumboote schwer beschädigt. Ausserdem wurde der deutsche Tanker Sonderburg am 15. Juni im Hafen von Cherbourg als Blockschiff selbst versenkt.

In der Folgezeit kam es immer wieder zu Gefechten zwischen Hilfskriegsschiffen, bei denen Schnell-, Motor-, Räumboote und ähnliche Schiffe, manchmal aber auch alliierte Zerstörer und Fregatten zum Einsatz und diverse Male auch zu Schaden kamen. Diese Gefechte fanden bis mindestens Ende Juli vor der Normandie und der Bretagne statt. Ausserdem attackierte die deutsche Luftwaffe die alliierte Armada aus der Luft mit Bombern, Jägern und dem Abwerfen von Minen.

Am 19. Juni 1944 traf die Kommandobootflottille 211 mit zehn Kommando- und vierundzwanzig Sprengbooten in Bolbec östlich von Le Havre ein und wurde in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni zu einem vorgeschobenen Stützpunkt bei Honfleur verlegt. Der erste Angriff dieser Flottille sollte in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni stattfinden. Für diesen Angriff wurden am Abend desselben Tages acht Kommando- und neun Sprengboote entsandt, die von Räumbooten in Schlepp genommen worden waren. Eines der Sprengboote stiess jedoch gegen die Bordwand eines Räumbootes, explodierte und versenkte das Räumboot sowie zwei Kommandoboote. Trotz des Unglücks wurde die Fahrt fortgesetzt, die Aktion wurde jedoch etwas später durch schlechtes Wetter gestört und die Schiffe kehrten zurück. Nachdem zwei weitere Versuche im Juni aufgrund von Unglücken und Materialfehlern zu Misserfolgen geführt hatten, befahl Adolf Hitler, den Einsatz von Sprengbooten in der Seinebucht zu stoppen und stattdessen Kleinst-U-Boote des Typs Marder einzusetzen. Ab dem 28. Juni traf die Kommandoflottille 361 mit 60 dieser Kleinst-U-Boote, die über den Landweg aus Deutschland herantransportiert worden waren, in Trouville ein. Die Einheit wurde anschliessend in einen Wald bei Villers-sur-Mer verlegt, um dort ihre Einsätze vorzubereiten.

Zwischen dem 25. und 27. Juni unterstützten alliierte Schiffsverbände die Angriffe im Raum Caen und Cherbourg. Am 25. Juni traf ein Kleinst-U-Boot des Typs Biber in Rouen ein, das von Kiel über Aachen und Paris herantransportiert worden war. Von dort aus sollten mit dem Boot die Brücken über den Caen-Kanal und die Orne angegriffen werden. Der Einsatz wurde jedoch statt mit dem Biber durch deutsche Kampfschwimmer ausgeführt und schlug fehl. Über den Verbleib des Bootes ist nichts bekannt.

Bis zum 25. Juni verlor die Western Naval Task Force drei Zerstörer, einen Begleitzerstörer, zwei Minenräumboote und diverse kleinere Schiffe und Landungsboote. Ausserdem wurden diverse Schiffe, so auch zwei Zerstörer, schwer beschädigt.

Juli 1944

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051_51/Deutsches Schnellboot in der Normandie

Als einige Schnellboote in Le Havre einliefen, explodierte in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli aus nicht genau bekannten Gründen die Torpedo-Werkstatt im dortigen Hafen: 41 Torpedos wurden zerstört, und die Schnellboot-Operationen mussten wegen des darauffolgenden Torpedomangels stark eingeschränkt werden. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli wurden 26 der in Villers-sur-Mer stationierten Einmann-Torpedos des Typs "Marder" gegen den alliierten Landungsbereich eingesetzt. Die Operation wurde von den Deutschen als Erfolg gewertet. Elf der Boote meldeten Erfolge, obwohl tatsächlich nur zwei alliierte Minensucher und ein Geleitzerstörer versenkt worden waren. Im Gegensatz dazu kehrten allerdings nur sechzehn der Kleinst-U-Boote wieder zurück. Bei einem erneuten Einsatz in der darauffolgenden Nacht setzten die Deutschen 21 "Marder" ein und konnten einen Minensucher zerstören sowie den alten polnischen Kreuzer ORP Dragon so schwer beschädigen, dass dieser nur noch als Wellenbrecher im "Mulberry B" eingesetzt werden konnte. Von den U-Boot-Besatzungen kehrte niemand zurück.

Ausserdem kam es während des gesamten Monats zu Kampfhandlungen deutscher und alliierte Kriegsschiffe, bei denen meist Schnellboote oder Motortorpedoboote zerstört wurden, manchmal aber auch alliierte Zerstörer.

August 1944

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051_52/Deutsches Kleinst-U-Boot "Marder"

Vom 1. bis 27. August 1944 kämpften alliierte Seeverbände im Kanalgebiet und an der Küste der Biskaya gegen mehrere deutsche U-Boote, von denen elf versenkt wurden. Auf alliierter Seite ging nur ein Schiff verloren. Mitte August traf eine neue Welle deutscher U-Boote im Kanalbereich ein, denen es gelang, unter Verlust von vier U-Booten sechs alliierte Schiffe zu versenken so wie ein weiteres so schwer zu beschädigen, dass es kampfuntauglich war. Am 27. August wurden die fünf übrig gebliebenen deutschen U-Boote nach Norwegen zurückgerufen. Während der Rückfahrt legte eines der U-Boote, die U 218, am 20. August eine Minensperre bei Start Point, auf der am 10. Juli 1945 der britische Trawler Kned verlorenging.

Anfang August traf die Kommandobootflottille 211 in Houlgate ein, um einen kombinierten "Marder"- und "Linsen"-Einsatz unter gleichzeitiger Beteiligung von Schnellboot-Flottillen durchzuführen. In der Nacht vom 2. auf den 3. August fand der Einsatz statt, verbunden mit einem Luftangriff. Beteiligt waren eine aus sechzehn Kommando- und 28 Sprengbooten vom Typ "Linse" bestehende Gruppe sowie eine zweite Gruppe mit 58 Einmann-Torpedos vom Typ "Marder". Es gelang den Deutschen, den Zerstörer HMS Quorn, einen Trawler und ein Landungsboot zu versenken und zwei Frachter zu beschädigen. Mindestens sechs der "Marder" wurden von den Alliierten zerstört, ein weiterer wurde unbeschädigt erbeutet. Zum letzten Mal wurden in der Nacht vom 16. auf den 17. August 42 "Marder" eingesetzt. Sie versenkten ein alliiertes Schulboot, ein Landungsboot sowie den durch einen Schnellboot-Angriff beschädigten Frachter Iddesleigh. Nur sechzehn "Marder" kehrten von dem Einsatz zurück.

Zwischen dem 5. und 30. August 1944 versenkten die Deutschen bei der Räumung der Häfen diverse eigene Schiffe in Le Verdon, Nantes, Brest, Saint-Malo, an der Seine und bei Paris sowie in Saint-Nazaire, an der Gironde und in Bordeaux. Insgesamt waren ein Wohnschiff, ein Zerstörer, ein Versorgungstanker, zwei Frachter, zwei Hilfsminensucher, drei Minensucher, vier Motortorpedoboote, sechs Sperrbrecher, neun Tanker, neun Räumungsboote, fünfzehn Vorpostenboote, einundzwanzig Handelsschiffe sowie zahlreiche kleinere Schiffe betroffen.

Natürliche Gefahren – Stürme und Seegang
Gefahren für alliierte oder deutsche Schiffe drohten jedoch nicht nur bei Gefechten mit Schiffen der jeweiligen Gegenseite. Auch durch die Natur verloren beide Seiten Schiffe. So wurde beispielsweise der britische Zerstörer Fury am 21. Juni vor Sword Beach durch einen Minentreffer beschädigt. Nachdem er in Schlepp genommen worden war, rissen in einem Sturm die Trossen. Der Zerstörer lief auf Grund und ging verloren.

Aufgrund des Seegangs und hoher Windgeschwindigkeiten sanken bei der Überfahrt am 5. und 6. Juni einige kleinere Schiffe der Alliierten. Ausserdem litten die meisten Heeressoldaten, welche die Schifffahrt nicht gewohnt waren, unter Übelkeit. Einige der schwimmfähig gemachten Panzer (DD tank) sanken aufgrund hoher Wellen.

Vom 18. bis 22. Juni 1944 herrschte im Kanalgebiet ein schwerer Sturm, der Einsätze der Streitkräfte auf beiden Seiten unmöglich machte. Die Alliierten stoppten die Nachschublieferungen von England nach Frankreich und unterbrachen die Entlade- und Transporteinsätze im Landekopf. Während der nächsten vier Tage war das alliierte Expeditionskorps dem vielleicht heftigsten Sturm im Ärmelkanal seit 40 Jahren ausgesetzt. Im Sturm wurde der alliierte künstliche Hafen "Mulberry A", der vor Omaha Beach bei St. Laurent lag, weitgehend zerstört und unbrauchbar

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051_53/Mulberry "B" am 27. Oktober 1944 aus der Luft aufgenommen

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051_54/Mulberry "A" nach der Zerstörung durch den Sturm

Versorgung der Alliierten
Die Planung des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force sah im Rahmen der Operation Neptune nach der erfolgreichen Landung in der Normandie die Errichtung zweier grosser Anlegestellen für Transportschiffe vor. Ein Hafen, "Mulberry A", sollte vor Vierville–Saint-Laurent von den Amerikanern, und ein zweiter, "Mulberry B", vor Arromanches von den Briten errichtet werden. Die Einzelteile wurden in England vorgefertigt und vor der Normandieküste zusammengebaut.

In der ersten Phase der Errichtung der Mulberrys wurden am 9. Juni 1944 53 alte Handels- und Kriegsschiffe der Alliierten etwa 1400 Meter vor dem Strand der Normandie von den Alliierten versenkt, um ein vier Meilen grosses Becken zu bilden. An Land bauten die Alliierten grosse Speicherhäuser, alte Strassen wurden verbreitert und neue zum schnelleren Warenabtransport zur Front angelegt.

Im Sturm wurde "Mulberry A", der vor Omaha Beach lag, weitgehend zerstört und unbrauchbar. Viele Landungsfahrzeuge wurden ausserdem im Verlaufe des Sturms an den Strand geworfen und zerstört, was die Landung von alliierten Nachschubgütern stark störte. Die Amerikaner verzichteten auf die Reparatur, sodass die noch verwendbaren Teile zur Komplettierung des leichter beschädigten Hafens "Mulberry B" benutzt werden konnten. Bei Vierville-Saint-Laurent entluden die Amerikaner allerdings noch Transportschiffe an Land, was sich später sogar als effektiver erwies als die Entladung auf See.

Der britische Hafen "Mulberry B" ging kurz darauf voll in Betrieb. Insgesamt konnten hier bis zum 31. Oktober 628.000 Tonnen Nachschubgüter, 40.000 Fahrzeuge und 220.000 Soldaten an Land gehen.

Der Hafen von Cherbourg
Nachdem der Stadtkommandant von Cherbourg am 26. Juli gegenüber den Amerikanern kapituliert hatte, fiel der Hafen der Stadt in alliierte Hände. Er war durch zahlreiche Schiffswracks blockiert, vermint und zu grossen Teilen zerstört. Zuerst räumten die Alliierten die Minen mit Minensuchbooten und Tauchern, wonach eine Bergung der versenkten Schiffe folgte, um den Hafen wieder befahrbar zu machen. Ausserdem mussten Schutt und zerstörte Gebäude beseitigt bzw. repariert werden. Nach fünfzehn Tagen war der Hafen so weit instandgesetzt, dass er teilweise wieder benutzt werden konnte. Jedoch war der ganze Hafen erst nach drei Monaten, in denen Tag und Nacht gearbeitet werden musste, vollständig instandgesetzt.

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051_55/Luftaufnahme der Stadt Cherbourg und des Hafens aus dem Jahr 1944

Gilles Perrault bezeichnete den Hafen als "die wichtigste Versorgungsader der alliierten Streitkräfte". Am 7. September gingen 23.000 neue amerikanische Soldaten in Cherbourg an Land, um weiter an die Front transportiert zu werden. Ab dem 15. Oktober wurden täglich mehr als 20.000 Tonnen Ausrüstungsmaterial umgeschlagen, woraufhin der Hafen am 2. November mit 133 anlegenden Schiffen sowie mit einer Million Bruttoregistertonnen zum grössten Umschlagplatz der Welt wurde, was jedoch bereits im Februar 1945 von zwei Millionen Bruttoregistertonnen im selben Hafen übertroffen werden konnte.

Operation PLUTO

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051_56/Verlegung Pipe-Lines

Die Operation PLUTO (Pipe-Lines Under The Ocean) war eine Operation von britischen Wissenschaftlern, um durch eine unter dem Meer verlaufende Pipeline Öl von England durch den Englischen Kanal nach Frankreich zu transportieren. Der Plan wurde von A.C. Hartley, dem Chefingenieur der Anglo-Iranian Oil Company, entwickelt, nachdem er von Admiral Louis Mountbatten konzipiert worden war. Prototypen der Pipeline wurden im Mai 1942 über dem Fluss Medway und im Juni über dem Firth of Clyde erfolgreich getestet. Danach wurde mit der Produktion begonnen. Die erste Pipeline wurde am 12. August 1944 zwischen der Isle of Wight und Cherbourg gelegt; sie war 70 Seemeilen (ca. 135 Kilometer) lang. Später wurden weitere Pipelines bei Cherbourg und noch später auch durch die Strasse von Dover gelegt. Schlepper zogen riesige Trommeln über den Kanal und wickelten Kunststoffleitungen über 67 Seemeilen ab, wonach diese miteinander verbunden und über den Meeresgrund verlegt wurden. Die Operation war aufgrund sorgfältiger Vorbereitungen innerhalb von zehn Stunden beendet.

Mit der Pipeline wurden noch im Januar 1945 300 Tonnen Treibstoff pro Tag gepumpt, die Leistung wuchs danach schnell auf mehr als 4.000 Tonnen pro Tag. Insgesamt wurden bis zum Tag der deutschen Kapitulation 172 Millionen Gallonen Treibstoff durch die Pipeline gepumpt. Neben den Mulberry-Häfen wird PLUTO als eine der grössten militärischen Ingenieurleistungen der Geschichte angesehen.

Nachwirkungen
Durch die grosse Anzahl an eingesetzten Schiffen, den Bau der Pipelines unter dem Kanal, die künstlichen Häfen und durch die Eroberung des für die Versorgung wichtigen Hafens von Cherbourg sowie durch das Zusammenspiel von Marine-, Luft- und Landstreitkräften gelang es den Alliierten, eine feste Basis in Frankreich zu etablieren und dadurch schliesslich ihr Kriegsziel einer Eroberung Deutschlands zu erreichen. Ausserdem gelang es, den Luftraum und auch den grössten Teil des Kanalgebietes zu beherrschen.

Anschliessend konnten sich die Alliierten auf andere Einsatzorte für ihre Schiffe konzentrieren. Beispielsweise konnten sich die Amerikaner mehr dem Pazifikkrieg zuwenden, wenngleich deutsche U-Boote weiterhin eine Gefahr darstellten.

Im Oktober 1944 eroberten die Alliierten den Hafen von Antwerpen, einen der grössten Nordseehäfen. Diesen konnten sie aber erst benutzen, nachdem kanadische Streitkräfte in der Schlacht an der Scheldemündung (2. Oktober bis 8. November 1944) die Halbinsel freigekämpft hatten, die nördlich des Hafens liegt. Ab dann änderten sich die Nachschubströme erheblich; der Red Ball Express wurde am 16. November 1944 eingestellt.

Luftkrieg während der Operation Overlord   
(aus Wikipedia)

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051_57/Luftplan für den D-Day

Der Luftkrieg während der Operation Overlord gehört neben der Luftschlacht um England, den Trägerschlachten im Pazifik und dem strategischen Luftkrieg gegen das Deutsche Reich zu den bedeutendsten Luftschlachten des Zweiten Weltkrieges. Sie fand zwischen April und August 1944 im Verlauf der alliierten Landung in Nordfrankreich statt. Die alliierte Landung in der Normandie wurde auch durch die Luftüberlegenheit der alliierten Streitkräfte ermöglicht. Vor dem 6. Juni 1944, dem sogenannten D-Day, bereiten die alliierten Luftstreitkräfte die Invasion vor. Sie bombardierten deutsche Versorgungslinien, Artilleriebatterien und unterstützten die französische Résistance aus der Luft mit Munition und Ausrüstung.

Während des D-Days sicherten alliierte Jäger den Luftraum über dem Landungsbereich, und Bomberstaffeln griffen deutsche Stellungen im Hinterland an. Zum Schutz der Armada und der Nachschubschiffe suchten zugleich alliierte Flugzeuge die See nach deutschen U-Booten ab. Da die Deutschen an eine Landung an der Strasse von Calais geglaubt hatten und teilweise im Juni 1944 immer noch glaubten, konnten sie den Alliierten am D-Day nur wenige Jagdflugzeuge entgegensetzen. Ein Grossteil der Verbände war kurz zuvor weiter ins Landesinnere verlegt worden.

Nach dem D-Day unterstützten die Alliierten ihre Offensiven auf dem Boden mit konzentrierten Bombardements. Alliierte Jagdbomber suchten die Normandie nach deutschen Truppenverbänden ab und beschossen sie, um einen Einsatz gegen die Landstreitkräfte zu verhindern. Die deutsche Luftwaffe konnte den alliierten Luftstreitkräften und dem Vormarsch am Boden kaum Kräfte entgegensetzen. Die deutsche Wehrmacht erhoffte sich durch "Wunderwaffen", wie beispielsweise "Blitzbombern" und Düsenjägern (die jedoch nicht zum Einsatz kamen), vor allem aber durch den Einsatz von kampferprobten Panzerdivisionen, die Invasion abzuwehren. Ausserdem griff die deutsche Wehrmacht britische Städte mit den "Vergeltungswaffen" V1 und V2 an.

Die alliierten Luftstreitkräfte konnten alle an sie gestellten Aufgaben erfüllen, wenn auch, wie im Falle der Schlacht um Caen, mit Verzögerung aufgrund schlechten Wetters. Das Ausmass der eingesetzten Kräfte war bislang unerreicht, der Verlust von fast 17.000 alliierten Besatzungen innerhalb von weniger als drei Monaten war das höchste personelle und materielle Opfer in der Geschichte des Luftkrieges. Die deutsche Luftwaffe war nicht in der Lage, der alliierten Übermacht entscheidend zu begegnen. Der Versuch, den alliierten Vormarsch durch einen massiven Gegenschlag während ungünstigen Flugwetters im Winter 1944 zu stoppen, scheiterte ebenfalls (Ardennenoffensive, Operation Bodenplatte).

Hintergrund, Planung und Situation der Kriegsgegner
Alliierte Vorbereitung der Operation Overlord und Aufgabenstellung für die Luftstreitkräfte
Am 11. Januar 1944 begannen die alliierten Luftangriffe im direkten Zusammenhang mit der Vorbereitung auf Operation Overlord. Die Einsätze hatten bis zum Beginn der Invasion folgende Ziele, die parallel zueinander verfolgt wurden:

  1. Versorgung der Widerstandsgruppen im besetzten Frankreich (Résistance) mit Waffen und Gerätschaften, die zur Durchführung von Sabotageaktionen dienten.
  2. Angriff auf die kurz vor der Fertigstellung befindlichen deutschen Raketenabschussbasen an der Kanalküste (Operation Crossbow).
  3. Angriffe gegen deutsche Transporteinrichtungen im zukünftigen Landungsgebiet, hauptsächlich gegen Einrichtungen der von den Deutschen beherrschten französischen Eisenbahn (Transportation Plan).
  4. Angriffe gegen Einrichtungen der deutschen Luftwaffe, insbesondere gegen Einsatzbasen der Reichsverteidigung und deren Endmontagewerke.

Bereits vier Monate vor der Durchführung der Operation Overlord wurde von den Alliierten eine Serie von Luftangriffen gegen Ziele an der Kanalküste, der holländischen Küste und Ziele im Reichsgebiet durchgeführt, mitunter um die Verteidigungsbereitschaft der deutschen Luftwaffe zu testen. Bei diesen Operationen, die bei den alliierten Besatzungen als Big Week bekannt wurden, stellte sich heraus, dass die alliierten Luftstreitkräfte an jedem Ort und zu jeder Zeit die Luftherrschaft erringen konnten.

Darüber hinaus wurden im April 1944 Erdöllager im Fördergebiet um die rumänische Stadt Ploesti und Hydrierwerke im deutschen Reichsgebiet angegriffen, was zu einem Mangel an Flugbenzin führte und die Bewegungsfreiheit der Luftwaffe weiter einschränkte.

Beteiligte alliierte Luftstreitkräfte
Oberbefehlshaber der Alliierten Expeditions-Luftflotten (Allied Expeditionary Air Force, AEAF) und damit der grössten und vielseitigsten Luftarmada aller Zeiten war Air Chief Marshal Trafford Leigh-Mallory. Unter seinem Befehl befanden sich Luftlandeflotten, Taktische Luftflotten, Strategische Luftflotten, das Küstenkommando der Royal Air Force sowie die "Air Defence of Great Britain".

Luftlandeflotten
No. 38 Group AEAF und No. 46 RAF Transport Command mit zusammen 478 Transportflugzeugen und 1.120 Lastenseglern für Luftlandeoperationen. Ninth Troop Carrier Command der Ninth Air Force mit insgesamt 813 Transportflugzeugen und 511 Lastenseglern.

Taktische Luftflotten
Entwicklungsgeschichte
Während des Westfeldzugs 1940 waren die Methoden der alliierten Luftstreitkräfte, insbesondere der Royal Air Force, gegen die schnell vorrückenden Verbände des deutschen Landheeres noch unbefriedigend. Die für die Luftnahunterstützung vorgesehenen Verbände, die mit veralteten Flugzeugen des Musters Fairey Battle ausgerüstet waren, waren fast vollständig aufgerieben worden, ohne nennenswerte taktische Erfolge erzielt zu haben.

Während des Afrikafeldzuges, der für Grossbritannien eine Fortsetzung des Landkrieges gegen das Deutsche Reich darstellte, wurde dieses Defizit sowohl bei der RAF als auch bei den amerikanischen Luftstreitkräften aufgeholt. Die erste taktische Luftflotte der Royal Air Force war die Desert Air Force (DAF). Diese aus verschiedenen Jäger- und Bomberkommandos zusammengestellte Einheit entwickelte wichtige, für spätere taktische Luftflotten wegweisende Methoden wie zum Beispiel den Einsatz von Forward Air Controllern (zu deutsch sinngemäss: Vorgeschobene Angriffseinweiser).

Auf amerikanischer Seite wurde die Ninth Air Force am 12. November 1942 aus der US-Army Middle East Air Force (USAMEAF) in Nordafrika gebildet. Vorhandene Flugzeugmuster wurden für den Einsatz gegen Bodentruppen in einer taktischen Situation umgerüstet, Angriffsmuster wurden erprobt, die Voraussetzungen für die Entstehung von spezialisierten taktischen Luftflotten wurden geschaffen.

Die Second Tactical Air Force der Briten und die Ninth Air Force der Amerikaner
Als das Afrikakorps 1943 geschlagen war, wurden die taktischen Einheiten nach England verlegt und in zwei grosse Luftflotten zusammengefasst, die britische Second Tactical Air Force (2nd TAF) und die amerikanische Ninth Air Force.

Beide Luftflotten wurden auf die Umstände einer geplanten Invasion hin ausgerichtet und begleiteten die alliierten Bodentruppen von der Landung in der Normandie an bis zum Kriegsende. Die Ausrüstung wurde im weiteren Verlauf durch neue Flugzeugmuster und spezielle Munition komplettiert, wie zum Beispiel die Hawker Typhoon, ausgerüstet mit ungelenkten Luft-Bodenraketen zur Panzerbekämpfung.

Die Second Tactical Air Force und die Ninth Air Force verfügten am 6. Juni 1944 zusammen über ca. 2.600 Flugzeuge, darunter Jagdflugzeuge, Jagdbomber, leichte und mittlere Bomber, Aufklärer und Artilleriebeobachter.

Strategische Luftflotten
Royal Air Force Bomber Command (Strategisches Bomberkommando der Royal Air Force, Oberbefehlshaber Arthur Harris) bestand am 6. Juni 1944 aus 82 Squadrons mit insgesamt 1.681 Flugzeugen.

Eighth United States Army Air Force, seit 22. Februar 1944 unter dem Befehl der United States Strategic Air Force (USSTAF) und deren Oberbefehlshaber General Carl Spaatz. Die Luftstreitmacht, die zu Deutsch als 8. US-Luftflotte und im amerikanischen Militärjargon als "Mighty Eighth" (Mächtige Achte) bezeichnet wurde, war die grösste aller beteiligten Luftflotten. Sie bestand aus über 2.800 Flugzeugen und verfügte auch über grosse Begleitjägerverbände.

Royal Air Force Coastal Command (Küstenkommando)

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051_58/Short Sunderland Mk.V, im Einsatz als U-Boot-Jäger des Coastal Command

16th und 19th Group mit insgesamt 63 Squadrons, die am 6. Juni zusammen 678 einsatzbereite Flugzeuge umfassten, davon 549 aus Einheiten der Royal Air Force. Hauptaufgabe war die Durchführung der Operation Cork. Daneben wurden die alliierten Seestreitkräfte bei der Abwehr von Schnellbooten und anderen leichten Überwasserschiffen unterstützt und Nachschublinien an der Küste angegriffen.

Air Defence of Great Britain (ADGB)
Zur Verteidigung der britischen Inseln waren die 10th, die 11th, die 12th und die 13th Group mit insgesamt 45 Squadrons, die in etwa je einer deutschen Staffel entsprachen, vorgesehen. Diese Einheiten wurden teilweise auch kurzfristig der Second Tactical Air Force unterstellt und nahmen an vielfältigen Operationen teil, die weit über die Verteidigung des britischen Luftraumes hinausgingen.

Verteidigungsplan der deutschen Luftwaffe
Nach dem Kriegswinter 1943/44 kam es zu einer Vertrauenskrise zwischen dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring und Hitler. Göring, seit dem misslungenen Putsch 1923 engster Vertrauter Hitlers, hatte während des Krieges mehrfach leere Versprechungen gemacht. So wollte er 1940 das Britische Expeditionskorps in Dünkirchen durch die Luftwaffe vernichten, es gelang aber eine erfolgreiche Evakuierung von fast 340.000 alliierten Soldaten. Im August 1940 wollte er die Royal Air Force innerhalb von vier Tagen niederwerfen, scheiterte aber in der Luftschlacht um England auch damit. Die von ihm zugesagte Versorgung der eingeschlossenen 6. Armee in Stalingrad über den Winter 1942–43 aus der Luft versagte. Göring hatte sogar behauptet, das Reichsgebiet vor alliierten Luftangriffen vollständig schützen zu können.

Die Hoffnung auf starke Landstreitkräfte und die kapitalen Fehleinschätzungen Görings führten dazu, dass Hitler die Verteidigung der möglichen Invasionsstrände nicht der Luftwaffe übertrug. Er wählte dafür mit Generalfeldmarschall Erwin Rommel den Befehlshaber mit grossen Erfahrungen im Bodenkampf gegen alliierte Truppen.

Den Einsatz der Luftwaffe, insbesondere den Einsatz von "Blitzbombern" zur Bekämpfung gelandeter alliierter Truppen, gedachte Hitler selbst zu lenken. Die tatsächliche Aktivität der Luftwaffe beschränkte sich im Rahmen des Unternehmens Steinbock auf einzelne Nachtangriffe, wie am 29. April 1944 gegen Portsmouth mit 100 Bombern. Zusammen mit dem V-Waffeneinsatz bildete dies die sogenannte Fernkampfoffensive.

Abgeworfene Bombenlasten über England:

1940:           36'844 Tonnen
1941:           21'858 Tonnen
1942:             3'620 Tonnen
1943:             2'298 Tonnen
1944:             9'151 Tonnen (inklusive V-Waffen)
1945:                761 Tonnen (inklusive V-Waffen)

Die defensiven Vorkehrungen beschränkten sich auf die Verlegung von einigen Luftabwehrbatterien aus dem Reichsgebiet an die Atlantikküste. Mit der Verlegung von fliegenden Verbänden wollte man im Oberkommando der Wehrmacht "bis zum letzten Augenblick [warten]".

Die vom Oberkommando der Wehrmacht erwogenen Szenarien konzentrierten sich auf Feldschlachten gegen Luftlandetruppen und Heeresverbände der alliierten Invasionsarmee. Aspekte des Luftkrieges in diesem Zusammenhang wurden vernachlässigt. Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der die Verteidigungsanlagen der zukünftigen Westfront inspizierte, stellte fest, dass eine Invasionsarmee von den Verteidigern noch vor der Brückenkopfbildung zurückgeschlagen werden müsse. Rommel selbst konzentrierte sich dabei auf die Bereitstellung von gepanzerten Verbänden und den Ausbau von Verteidigungsanlagen. Wie der Luftüberlegenheit des Gegners zu begegnen sei, blieb offen.

Ab April wurden die militärischen Voraussetzungen für eine Invasion auf alliierter Seite vom Oberkommando der Wehrmacht als gegeben betrachtet. Jede Verzögerung des Angriffs wurde als Vorteil für die Verteidiger gewertet, da diese die Zeit für die Aufstellung weiterer Heeresverbände und zum Ausbau von Verteidigungsanlagen nutzen könnten. Dass der Grund der Verzögerung möglicherweise mit der Flugwetterlage zu tun hatte, wurde zwar erkannt, es wurden aber keine Anstalten zur Sicherstellung der Luftüberlegenheit über den möglichen Kampfgebieten getroffen.

Verfügbare Einheiten zum Zeitpunkt der alliierten Invasion
Am 6. Juni 1944 waren für die Verteidigung der Kanalküste bei Tage ausser den 39 veralteten Junkers Ju 88 des Zerstörergeschwaders 1 (ZG 1) lediglich die beiden dauerhaft dort stationierten Jagdgeschwader 2 (JG 2 "Richthofen") und Jagdgeschwader 26 (JG 26 "Schlageter") vorgesehen. Die Anzahl der einsatzbereiten Maschinen der beiden Geschwader betrug 119, was einer Einsatzbereitschaft von weniger als 50 % entsprach.

Ausserdem befanden sich insgesamt 154 Horizontalbomber aus verschiedenen Kampfgeschwadern und 36 Jagdbomber des Schlachtgeschwaders 4 (SG 4) in Reichweite des Kampfgebietes.

Alliierte Operationen vor dem D-Day
Aufklärungsflüge
Um die Landung an den Stränden, das Bombardement und auch den Schiffsbeschuss besser koordinieren zu können, flogen die Alliierten regelmässig Aufklärungsflüge über der Normandie. Damit die Aufklärungsflüge der Alliierten den Invasionsbereich nicht verrieten, flogen diese allerdings drei Einsätze über dem Pas-de-Calais, während sie einen über der Normandie flogen.

Transportation Plan

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051_59/Zerstörte Bahnanlage irgendwo in Frankreich

Der "Transportation Plan" war ein strategischer Plan von Professor Solly Zuckerman, einem Berater des Air Ministry während des Zweiten Weltkrieges.

Der Gedanke war, dass die Zerstörung aller Transporteinrichtungen im Besetzten Frankreich die deutsche Wehrmacht am ehesten daran hindern würde, die Invasion zurückzuwerfen. Das bedeutete die Zerstörung der französischen Eisenbahnknotenpunkte, der Verschubbahnhöfe und der Wartungsbetriebe. Es gab Kritik gegen diesen Plan unter anderem von Arthur Harris und Carl Spaatz, den Kommandeuren der Bombereinheiten. Ein damit konkurrierender Plan war der Oil Plan. Der Plan wurde dennoch genehmigt, im April 1944 erteilte Charles Portal den direkten Befehl, die Einrichtungen der Eisenbahn in Trappes, Aulnoye, Le Mans, Amiens, Longueau, Courtrai und Laon anzugreifen. Anfang Juni waren aufgrund der Luftangriffe im Verlauf des Transportation Planes 1.500 der 2.000 Dampflokomotiven in Frankreich aktionsunfähig.

Eisenhower schrieb an Marshall und Roosevelt:

"I consider the Transport Plan as indispensable to the preparations to Overlord. There is no other way this tremendous Air Force can help us, during the preparatory period, to get ashore and stay there".

(Deutsch: "Ich erachte den Transport-Plan als unverzichtbar für die Vorbereitungen zu Overlord. Es gibt keinen anderen Weg für diese fabelhafte Luftstreitmacht, uns in der Vorbereitungsphase zu helfen, an die Küsten zu gelangen, und uns dort zu halten").

Operation Cork
Das Ziel der Operation Cork war, den Durchbruch von deutschen U-Booten vom Golf von Biscaya oder vom Atlantik zu den Landungsgebieten und der Kanalküste zu verhindern. Dazu wurde das Seegebiet zwischen Südirland, Cornwall und der Halbinsel von Brest bei Tag und bei Nacht von U-Boot-Jägern patrouilliert. Dabei wurden innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der Invasion 20 U-Boote versenkt und mehrere weitere beschädigt. Sechs von sieben Zerstörern der deutschen Kriegsmarine, die in Brest oder Le Havre lagen, wurden ausgeschaltet und zahlreiche Schnellboote versenkt.

Der D-Day (6. Juni)
Luftlandungen

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051_60/Brigadegeneral Anthony C. McAuliffe instruiert die 101. US-Luftlandedivision einen Tag vor D-Day. Im Hintergrund zwei C-47 Transportmaschinen und davor etwas verdeckt ein Lastensegler

Kurz nach Mitternacht landete die britische 6. Luftlandedivision an der östlichen Flanke des Landungsgebietes der Invasion nördlich von Caen und östlich der Orne. Eine Flotte von 606 viermotorigen Transportflugzeugen und 327 Lastenseglern wurde dafür aufgeboten. Die Präzision beim Erreichen der geplanten "Abwurfzonen" ("Drop Zones", DZ) war beachtlich, Leigh-Mallory bezeichnete die Aktion als die grösste navigatorische Leistung des bisherigen Krieges. Bis vier Uhr früh waren alle operationellen Ziele der Luftlandedivision, die unter anderem aus der Sicherung zweier Brücken bestand, erreicht. An der westlichen Flanke des Landungsgebietes zeichnete sich eine völlig andere Situation ab. Die 338 Douglas C-47 Transporter und die 229 Lastensegler, die die 82. US-Luftlandedivision zu ihrer "Jump Zone" ("Absprungzone") im Zentrum der Halbinsel bringen sollten, gerieten über der Küste unter heftigen Beschuss durch Flak. 23 C-47 und zwei Lastensegler wurden abgeschossen, viele wurden durch Ausweichmanöver abgedrängt. Dazu kam starker Rückenwind, was dazu führte, dass die Fallschirmspringer und die Lastensegler zwischen fünf und 40 Kilometer entfernt von ihrer "Jump Zone" landeten. Dennoch konnten sich kleinere Gruppen zusammenfinden und ihre taktischen Aufgaben erfüllen, da die Verwirrung unter den deutschen Verteidigern gross war. Am zweiten Tag nach der Invasion waren erst 2000 von den 6000 abgesetzten Truppen mit ihrer Einheit vereint.

Der 101. US-Luftlandedivision erging es nicht besser als der 82. US-Luftlandedivision. Auch diese stark versprengten Einheiten, die von 443 C-47 und 82 Lastenseglern ans Ziel gebracht wurden, konnten ihre Aufgabe erfüllen, die unter anderem darin bestand, die Kleinstadt Sainte-Mère-Église zu erobern.

Die drei Luftlandedivisionen erlitten in den ersten drei Tagen der Invasion Verluste von zusammen mehr als 3000 Mann.

Unterstützung der Landungen und Einsatz schwerer Bomber

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051_61/Eine Handley Page Halifax Mark III, ein schwerer Bomber der RAF, der auch als Schleppflugzeug für Lastensegler eingesetzt wurde

Zwischen drei und fünf Uhr morgens griffen über tausend britische Halifax-Bomber des Bomber Command 26 ausgewählte Küstenbatterien und andere befestigte Stellungen entlang der französischen Atlantikküste an. Von der 8. US-Luftflotte nahmen 2600 schwere Bomber an den weit verteilten Angriffen teil. Obwohl aus dem Blickfeld der Landungszonen davon wenig zu sehen war, konnten alle ausser zwei der ausgewählten Küstenbatterien zerstört werden. Insgesamt gingen dabei 25 Maschinen beider strategischer Luftflotten verloren. Eisenhower sagte bereits in seiner D-Day-Ansprache:

"Macht euch keine Sorgen wegen der Flugzeuge über euch. Es werden unsere eigenen sein".

Der Einsatz strategischer Bomber zu taktischen Zwecken vor und während der Invasion wurde von den Befehlshabern der Bomberflotten teilweise mit Kritik kommentiert. Arthur Harris als Befehlshaber des britischen Bomber Command hielt eine Intensivierung des strategischen Luftkrieges gegen die Städte im Reichsgebiet für zielführend zur schnellen Beendigung des Krieges. Carl Spaatz als Oberbefehlshaber der amerikanischen strategischen Luftflotten war für eine Offensive gegen die Ölreserven des Deutschen Reiches ("Oil Plan") anstelle des Transportation Planes.

Im Verlauf der Invasion wurden jedoch auf Befehl Eisenhowers Flächenbombardements häufig zur Vorbereitung einer grossen Offensive durchgeführt. Dieser Einsatz zeigte Erfolge, wenn auch viele alliierte Soldaten Opfer von ungenauen Bombenabwürfen wurden.

Küstenpatrouillen
Während der ersten drei Tage der Invasion wurde der Luftraum über den Landungsstränden dicht gestaffelt überwacht. Von der Oberfläche bis 600 Meter Seehöhe war der Luftraum in eine westliche Angriffszone (Western Assault Area, WAA) und eine östliche Angriffszone (Eastern Assault Area, EAA) aufgeteilt. Jeweils drei Geschwader der Royal Air Force oder der Royal Canadian Air Force überwachten das Western Assault Area und das Eastern Assault Area. Die Einheiten wurden aus Verbänden der Second Tactical Air Force und der Air Defence of Great Britain zusammengestellt. Über 600 Meter Seehöhe wurde der Luftraum über der gesamten Angriffszone ohne Unterbrechung von jeweils drei Geschwadern der Ninth Air Force überwacht.

Für den D-Day war befohlen worden, dass in der Nacht ständig zwei Flugzeugstaffeln im Luftraum patrouillieren sollten. Hierbei musste darauf geachtet werden, dass die alliierten Flugzeuge auch als solche erkannt werden konnten, da die Schiffsbesatzungen auf jedes unbekannte Flugzeug schossen.

Allein am 6. Juni wurden 2300 Einzeleinsätze von etwa 650 Jagdflugzeugen zum Schutz der Angriffszonen über der Normandie geflogen.

Alle anderen taktischen Einheiten waren mit Einsätzen zur Unterstützung der Landungstruppen direkt gegen die Küstenverteidigung und gegen Nachschublinien im Hinterland im Einsatz.

Deutsche Reaktionen und erste Luftkämpfe
Aufgrund der Überraschung über den Ort der Invasion reagierten die Deutschen mit keinem grossen Gegenangriff aus der Luft. Zur Zeit der Landung am Morgen des 6. Juni waren es genau zwei deutsche Flugzeuge, geflogen von Oberstleutnant Josef Priller und Feldwebel Heinz Wodarczyk, die die alliierten Landungstruppen angriffen (So auch 1962 dargestellt im Spielfilm "Der längste Tag"). Alle anderen Flugzeuge waren am 4. Juni ins Landesinnere verlegt worden, da man die bisherigen Flugplätze für zu bedroht ansah.

Der erste Luftkampf ereignete sich kurz vor Mittag südlich von Caen, der letzte im Luftraum über Évreux und Bernay gegen 21 Uhr.

Die Verluste der alliierten Luftstreitkräfte an diesem Tag beliefen sich auf 55 Jäger und 11 mittelschwere Bomber, ausserdem 41 Truppentransporter und schwere Bomber. Von den 55 Jagdflugzeugen gingen 16 durch Luftkämpfe verloren, alle anderen durch Flak oder Unfälle.

Die Luftwaffe verlor am D-Day 18 Jäger und vier mittelschwere Bomber, ausserdem 12 leichte Bomber des Musters Ju 87, welche sich auf einem Überstellungsflug befanden.

Der Luftkrieg in der Folgezeit
Der 7. Juni – Tag Eins nach dem D-Day

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051_62/Ein Spitfire-Fotoaufklärer mit "Invasionsstreifen" zur sicheren Unterscheidung von Flugzeugen der Deutschen, Juni 1944

Bereits am zweiten Tag der Invasion brachten die Alliierten spezielle Einheiten in die Normandie, die mit der Errichtung und Verteidigung von Feldflugplätzen (englisch: Advanced Landing Grounds, ALGs) beauftragt waren. Auf britischer Seite waren das so genannte Service Command Units (SCUs, sinngemäss übersetzt: "Betriebs-Kommandoeinheit"). Diese Spezialeinheiten waren bereits ab 1942 in Nordafrika im Einsatz. Sie brachten Lastwagen – beladen mit Zelten, Treibstoff, Munition und Flugabwehr-geschützen – zu vorbestimmten Geländeabschnitten, die zur Errichtung von vorgeschobenen Feldflugplätzen bestimmt waren. Zusammen mit den Service Command Units kamen Airfield Construction Groups (ACGs, sinngemäss übersetzt: "Flugplatz-Errichtungstrupps"), die etwa 800 Mann stark waren und schwere Ausrüstung wie Bulldozer, Walzen und grosse Rollen aus Gitterstahl mitführten. Sie konnten in kurzer Zeit ein Flugfeld mit den erforderlichen Elektroinstallationen, Mannschaftsräumen und Kommunikationseinrichtungen errichten, während Service Command Units das Gelände sicherten. Sobald die fliegende Einheit mit ihrer Infrastruktur das Flugfeld übernommen hatte, zogen die Service Command Units weiter und bereiteten die Errichtung des nächsten voll ausgerüsteten Flugplatzes (= Advanced Landing Ground) vor.

Am 7. Juni kamen zwei Airfield Construction Groups und vier Service Command Units mit den Landungstruppen an; die ersten Notlandebahnen waren noch am selben Tag betriebsbereit. Bis zum 10. Juni waren vier Advanced Landing Grounds fertiggestellt, innerhalb eines Monats waren es 25.

Die United States Army Air Force brachte Engineer Aviation Bataillone als Kombination der schon genannten Service Command Units und Airfield Construction Groups ab 9. Juni in die Normandie. Die Bezeichnung erfolgte durchlaufend mit "B" für die britischen und "A" für die amerikanischen Flugplätze, also B.1, B.2, bzw. A.1, A.2 usw.

Die Möglichkeiten des taktischen Luftkrieges verbesserten sich für die Alliierten enorm durch den kurzen Anflug der Jagdbomber von den Advanced Landing Grounds. Der Druck und die Geschwindigkeit des alliierten Vorrückens wurden dadurch deutlich erhöht.

Schwerste Luftkämpfe der Normandie-Kampagne
Am Tag nach der Invasion wurden alle verfügbaren Jagdgeschwader aus dem Deutschen Reich an die Invasionsfront gebracht. Zudem verlegte man Jagdbomberstaffeln an die Küste, um die alliierte Landungsflotte bzw. den Nachschubweg dieser zu bekämpfen. Während die Anzahl der Einzeleinsätze bei den alliierten Luftstreitkräften in etwa das Ausmass des Invasionstages erreichte, verdoppelten sich die Einsätze der Luftwaffe. Die alliierten Verluste an diesem Tag waren mit 89 Jägern und Jagdbombern die schwersten der gesamten Normandie-Kampagne. Davon wurden 16 bei Luftkämpfen verloren, die Mehrzahl aber durch Flak oder Unfälle. Die Luftwaffe verlor 71 Flugzeuge, davon 13 mittlere Bomber des Musters Ju 88. Mit dem Verlust von 160 Flugzeugen auf beiden Seiten an einem Tag rangiert der 7. Juni 1944 an vierter Stelle der verlustreichsten Luftschlachten der Geschichte nach dem 7. Juli 1943 (ca. 350 Flugzeuge verloren, Unternehmen Zitadelle), dem 18. August 1940 (236 Flugzeuge verloren, davon 60 am Boden zerstört, Luftschlacht um England) und dem 19. August 1942 (165 Flugzeuge verloren, Operation Jubilee).

10. Juni – der RAF gelingt die Bombardierung eines deutschen Stabes

"Am 10. Juni war der Gefechtsstand der Panzergruppe West in einem Obstgarten bei La Caine aufgeschlagen worden, 12 Meilen südlich von Caen. Hier setzte General der Panzertruppen Freiherr Geyr von Schweppenburg [...] in seinen Plan für die grosse Offensive, die die Invasionsfront in zwei Teile spalten sollte, die letzten Farbtupfen. Geyr hatte in Russland ein Panzer-Korps erfolgreich geführt, niemals aber mit einem Gegner zu tun gehabt, der die Luft beherrscht und er machte sich nicht die Mühe, sein Hauptquartier zu tarnen. Vier grosse Funkwagen und mehrere Bürowagen und Zelte standen im Freien".

Tags zuvor war das Quartier nachrichtendienstlich ausgemacht worden und wurde danach von der Luftaufklärung bestätigt. Am Spätnachmittag bombardierten 40 Typhoons und 61 Bomber vom Typ B-25 Mitchell "das Hauptquartier mit solcher Zielsicherheit, dass ausser dem überraschten und wuttobenden Oberbefehlshaber wenig übrig blieb. Nach einem Augenzeugenbericht wurden ‚alle Stabsoffiziere getötet oder verwundet und die Funkwagen und die meisten anderen Fahrzeuge zerstört.‘ Erst nach 12 Stunden erfuhr die 7. Armee von dieser Katastrophe".

Geyrs Stabschef, General von Dawans, und 17 andere Stabsoffiziere wurden in einem Bombenkrater bestattet. Wilmot bemerkt dazu: "Die Deutschen errichteten darüber ein riesiges Kreuz aus poliertem Eichenholz mit Adler und Hakenkreuz – ein angemessen eindrucksvolles Denkmal, denn dies war das Grab der Hoffnungen Rommels, einen starken Gegenangriff führen zu können, ehe es zu spät war. Der verwundete Geyr und sein zerschlagenes Hauptquartier wurden nach Paris zurück gebracht, und Oberkommandierender im Abschnitt Caen wurde wieder Dietrich. [Kommandeur des I. SS-Panzerkorps] Er legte Geyrs Angriffspläne sofort beiseite".

Zum Zeitpunkt der Invasion war laut Führerbefehl jegliche Diskussion darüber verboten, ob die Düsenflugzeuge als Jäger oder als Bomber einzusetzen wären. Bei einer Vorführung der Me 262 im Dezember 1943 in Insterburg soll Hitler zu den Anwesenden Göring und Adolf Galland gesagt haben: "In diesem Flugzeug, das Sie mir hier als Jagdflugzeug präsentieren, erblicke ich den Blitzbomber, mit dem ich die Invasion in der ersten und schwächsten Phase abschlagen werde".

Hitler versäumte aber, diesen Entschluss, und vor allem die Umrüstung des als Jäger konzipierten Flugzeuges zum Bomber, per Führerbefehl zu erlassen. So stellte Hitler im April 1944 fest, dass bis dahin der Entwurf nicht geändert wurde, keine Vorrichtungen zum Tragen von Bomben angebracht wurden und sich die laufende Arbeit ausschliesslich auf die Jägerversion bezog. Ab diesem Zeitpunkt stellte Hitler das Projekt unter seine persönliche Aufsicht. Zum Zeitpunkt der Invasion waren dadurch weder die Bomber- noch die Jägerversion einsatzbereit.

Erst am 30. August erreichte der Chef des Generalstabes der Luftwaffe, General Kreipe, die Verwendung jeder zwanzigsten Me 262 für Erprobungszwecke im Jagdsektor. Im Kampf um die Normandie konnten diese Flugzeuge daher nicht eingesetzt werden.

Einsatz von deutschen "Mistelgespannen"

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051_63/Von einem absprengbaren Jagdflugzeug aus gesteuert, wurden unbemannte Junkers Ju 88 mit einem riesigen 4-Tonnen-Hohlladungs-Sprengkopf gegen Kriegsschiffe und Brücken eingesetzt

101, kam in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni zum Einsatz. Mit vier Flugzeugen flog der Kommodore der Einheit, Hauptmann Horst Rudat, in das Invasionsgebiet und lenkte mit den anderen Piloten seiner Einheit die mit Sprengstoff geladenen Maschinen auf alliierte Schiffe. Die HMS Nith, eine britische Fregatte der "River class", wurde durch die Explosion einer in unmittelbarer Nähe auf dem Wasser auftreffenden Ju 88 erheblich beschädigt. Neun der Besatzungsmitglieder starben, während 26 weitere verwundet wurden. Die HMS Nith wurde nach der Beschädigung zurück nach England gebracht, um dort repariert zu werden.

Die kanadische 1. und britische 2. Armee, mit etwa 115.000 Mann, sassen bei von deutschen Verbänden gehaltenen Dörfern nördlich von Caen fest, weshalb die Alliierten zunächst planten, am 7. Juli einen Bomberangriff auf die Dörfer zu fliegen, dies aber dann doch aufgrund der gefährlichen Nähe zu den eigenen Bodentruppen unterliessen. Daraufhin wurde das zu bombardierende Gebiet weiter in Richtung Caen verschoben. 467 Flugzeuge der Alliierten flogen am Abend des 7. Juli bei klarem Wetter zum Zielgebiet und warfen etwa 2276 Bomben ab. Das Bombardement schadete den deutschen Verbänden wenig, umso mehr jedoch den nördlich der Stadt gelegenen Vororten, die grösstenteils zerstört wurden, sowie den französischen Zivilisten, von denen etwa 3000 starben. Nachdem es den Deutschen gelang, mit einer Flak ein alliiertes Flugzeug abzuschiessen, stürzten später drei weitere über alliiertem Luftraum ab. Zusätzlich zum Bombardement schoss die Schiffsartillerie von den Stränden aus auf die Stadt.

Alexander McKee sagte zu dem Bombardement am 7. Juli folgendes:

"Die 2500 Tonnen Bomben unterschieden in keiner Weise zwischen Freund und Feind. Sollten die britischen Befehlshaber geglaubt haben, dass sie die Deutschen einzuschüchtern vermochten, indem sie die Franzosen umbrachten, so hatten sie sich schwer getäuscht".

Als am 8. Juli britische und kanadische Verbände zur Eroberung Caens ansetzten (Schlacht um Caen), wurden als Vorbereitung wieder strategische Bomber eingesetzt. Wie schon am D-Day und vor der Operation Epsom legten 800 Halifax-Bomber des Bomber Command einen Bombenteppich hinter der Hauptkampflinie, der so genannten "Bomb Line". In 40 Minuten warfen sie 3000 Tonnen Sprengbomben ab. Anschliessend wurden Jagdbomber der 2nd TAF zur Unterstützung der Bodeneinheiten und zur Abschirmung des Luftraumes gegen die Luftwaffe eingesetzt. Bis zum 11. Juli konnte die Stadtteile nordwestlich der Orne bis zum Orneufer eingenommen werden. Die deutschen Stellungen am südöstlichen Ufer waren zu diesem Zeitpunkt unerreichbar, da alle Brücken der Stadt zerstört waren.

Der Plan der Operation Overlord erforderte die unverzügliche Eroberung des Geländes zwischen Caen und Falaise, nicht zuletzt, weil sich dieses flache weitläufige Gelände am besten für die Errichtung neuer Feldflugplätze eignete. Am 18. Juli 1944 wurde deshalb ein 942 Flugzeuge umfassender Verband der Alliierten, bestehend aus Bombern und Jägern, damit beauftragt, fünf Dörfer im Bereich östlich von Caen anzugreifen, um der britischen 2. Armee die Operation Goodwood zu erleichtern. Die Angriffe fanden bei Dämmerung am Morgen des Tages und bei guten Wetterverhältnissen statt. Vier der Ziele waren durch Pfadfinderflugzeuge zufriedenstellend markiert, bei dem fünften Ziel mussten die Bombermannschaften auf anderem Weg das Ziel finden. Unterstützt von amerikanischen Bombern und Jägern warfen die britischen Flugzeuge ca. 6800 Tonnen Bomben über den Dörfern und dem umliegenden Gebiet ab. Zwei deutsche Einheiten, die 16. Feld-Division (L) und die 21. Panzer-Division, traf das Bombardement im Vergleich zu den restlichen deutschen Einheiten sehr hart. Insgesamt wurden sechs alliierte Flugzeuge von deutschen Flugabwehrgeschützen sowie anderen Bodentruppen, abgeschossen.

Ein walisischer Soldat sagte zu den Bombergeschwadern:

"Der gesamte nördliche Himmel war, so weit das Auge sehen konnte, von ihnen [den Bombern] gefüllt – Welle über Welle, eine über der anderen, die sich nach Osten und Westen ausdehnten, so dass man dachte, es ginge nicht mehr weiter. Jeder hatte jetzt sein Fahrzeug verlassen und starrte verwundert [in den Himmel], bis die letzte Welle von Bombern ihre Bomben abgeworfen hatte und den Rückflug antrat. Danach begannen die Geschütze, mit einem immer lauter werdenden Geschützfeuer das Werk der Bomber zu vollenden".

Danach überschritten britische und kanadische Verbände die Orne über Brücken nordöstlich von Caen, die schon am D-Day erobert wurden. Die 600 Panzer der Alliierten trafen auf heftigen Widerstand durch die deutsche Wehrmacht, am ersten Tag der Operation gingen bereits 200 britische Panzer verloren. Als sich am 20. Juli das Wetter verschlechterte, kam die Operation Goodwood zum Stillstand.

"Friendly Fire" bei der Operation Cobra
Durch die Öffnung des Hafens von Cherbourg kam es im Gebiet westlich von Caen zu einer starken Konzentration von amerikanischen Truppen. Diese sollten am 23. Juli bei Saint-Lô einen Grossangriff in Richtung Süden starten, der die Operation Cobra einleiten sollte. Dieser Angriff musste wegen des Unwetters, das bereits die Operation Goodwood zum Stillstand gebracht hatte, auf den 24. Juli verschoben werden. An diesem Tag sollten Bomber der 8. US-Luftflotte den Angriff vorbereiten und Ziele bei Saint-Lô angreifen, der Grossteil der Bomber wurde aber wegen unpassenden Wetters wieder zurückgerufen. 350 Bomber warfen dennoch ihre Bomben unter schwierigen meteorologischen Bedingungen ab. Dabei kam es zu Fehlwürfen auf der alliierten Seite der "Bomb Line". Der alliierte Feldflugplatz A.5 (Chipelle) wurde getroffen und Teile der 30. US-Infanteriedivision.

Der Angriff der Bodeneinheiten verzögerte sich deshalb um einen weiteren Tag, auf den 25. Juli um 11 Uhr. Diesmal sollten mittlere Bomber der 9. US-Luftflotte (Ninth Air Force) den Angriff unterstützen, wieder kam es zu Fehlwürfen in die eigenen Verbände. Innerhalb von zwei Tagen der Operation Cobra hatte die 30. US-Infanteriedivision 700 Opfer durch eigene Bomben ("Friendly Fire") zu beklagen. Dennoch wurde die Operation Cobra zu einem grossen Erfolg und führte zur Bildung des Kessels von Falaise.

Die deutsche Luftaufklärung und die Düsenmaschine Arado Ar 234
Am Morgen des 2. August 1944 startete von Juvincourt bei Paris aus der deutsche Leutnant Erich Sommer mit einem Prototyp des düsengetriebenen Bombers und Aufklärers Arado Ar 234. Er flog in einer Höhe von 9.200 bis 10.000 Metern (hier variieren die Quellen) mit einer Geschwindigkeit von etwa 740 Kilometer pro Stunde und sammelte während seines 90 Minuten dauernden Fluges mehr Informationen und Fotos über den alliierten Landekopf als die konventionellen Aufklärer der deutschen Luftwaffe in den vorangegangenen acht Wochen, wobei er den Landekopf von einem bis zum anderen Ende überflog. In der Folgezeit flogen Besatzungen der Arado-Maschinen regelmässig Aufklärungsflüge, was jedoch keinen weiteren Einfluss auf den Kriegsverlauf mehr hatte, da die Alliierten schon eine feste Basis in Frankreich aufgebaut hatten.

Alliierte Abwehr des deutschen Gegenangriffs am 7. August

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051_64/Zerstörter deutscher Schützenpanzerwagen und Tote durch Luftangriffe britischer Hawker Typhoons

Das schnelle Vorrücken der amerikanischen und britischen Verbände von Saint-Lô nach Avranches eröffnete für die Verteidiger die Möglichkeit eines Gegenangriffs. Teile der 15. deutschen Armee, die bis dahin am Pas-de-Calais zurückgehalten worden waren, und Teile der 7. deutschen Armee starteten in der Nacht vom 6. bis zum 7. August einen Grossangriff von Mortain aus in Richtung Westen, um die Flanke der Alliierten einzudrücken und in weiterer Folge grosse alliierte Verbände einzukesseln. Für diesen Angriff, der als Unternehmen Lüttich bezeichnet wurde, sollten 300 Jagdflugzeuge von deutschen Feldflugplätzen um Paris den alliierten Luftangriffen entgegenwirken. Der Grossangriff wurde von der alliierten Führung bereits früh erkannt und die Panzereinheiten bei Avranches durch zwei zusätzliche amerikanische Divisionen verstärkt. Die Führung der alliierten Luftstreitkräfte legte fest, dass die Typhoon-Jagdbomber der Second Tactical Air Force sich ausschliesslich gegen die vorrückenden deutschen Panzer richten sollten, während die Jagdflugzeuge der Second Tactical Air Force, der 9. Air Force und der 8. Air Force einen Abwehrkorridor gegen deutsche Jagdflugzeuge errichteten.

Bis zum 7. August kam der deutsche Gegenangriff gut voran, Bodennebel begünstigte den Angriff und verhinderte den Einsatz der Typhoons. Die 30. US-Infanteriedivision wurde bei Mortain auf einer Anhöhe von den deutschen Panzerverbänden eingekesselt. Doch zu Mittag des 7. August lichtete sich der Nebel, und hervorragendes Flugwetter setzte ein. Nun trafen die Jagdbomber der Second Tactical Air Force erstmals in diesem Konflikt auf eine Konzentration von über 250 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen. Die deutschen Jagdflugzeuge konnten nach heftigen und verlustreichen Kämpfen letztendlich vom Schlachtfeld abgedrängt werden. So konnten die Typhoons ungehindert die deutschen Panzereinheiten mit Raketen und Bordwaffen angreifen. Dabei zerstörten sie etwa zwei Drittel der Panzer. Damit war das Unternehmen Lüttich gescheitert.

Bei der Untersuchung der Wracks auf dem Schlachtfeld durch die Royal Air Force zeigte sich später, dass mehr Fahrzeuge von den Besatzungen vorzeitig evakuiert als zerstört wurden. Von den Fahrzeugen, die zerstört wurden, gingen mehr Fahrzeuge auf das Konto von Panzerabwehrkanonen als von Luft-Bodenraketen. Daraus schloss man auf die demoralisierende Wirkung von anfliegenden Typhoons, ähnlich der Wirkung, die man von den deutschen Sturzkampfflugzeug Junkers Ju 87 kannte.

Zur besonderen Wertschätzung der Leistung der Typhoon-Piloten wurde in Noyers-Bocage eine Typhoon-Gedenkstätte errichtet, welche, in schwarzem Marmor gemeisselt, die Namen der 151 von Mai bis August 1944 gefallenen Typhoon-Piloten zeigt.

Einsatz deutscher Vergeltungswaffen
Die in Peenemünde-West bei der Erprobungsstelle der Luftwaffe entwickelte flugzeugähnliche V1 wurde in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 1944 erstmals von Abschussanlagen an der Kanalküste gegen London eingesetzt. Bis zur Eroberung der Abschussanlagen ("Schleudern") am 6. September 1944 wurden ca. 8.000 V1 abgefeuert, von denen 29 % zum Ziel gelangten. Zur Abwehr wurden vor allem die schnellen Hawker Tempest eingesetzt. Durch den Einsatz der V1 gegen London starben 6.184 Zivilisten, weitere 17.981 wurden schwer verletzt.

Für die mit Überschallgeschwindigkeit fliegende V2 war eine Hauptabschussrampe in Saint Omer geplant, diese konnte aber wegen andauernder Luftangriffe und der Eroberung durch Invasionstruppen nicht in Betrieb genommen werden. Am 8. September 1944 kam es zum ersten Einsatz einer V2 von einer mobilen Abschussrampe aus, zuletzt wurde die Rakete von holländischen Inseln aus gestartet. Bis zum letzten Abschuss am 27. März 1945 wurden 2.724 Personen durch V2 Raketen getötet und 6.467 schwer verletzt. Die Erwartung Hitlers, diese Waffe würde die britische Bevölkerung zermürben, wurde nicht erfüllt. Der Wille, Deutschland zu besiegen, wurde jedoch gestärkt.

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051_65/Die Fieseler Fi 103 war der erste militärisch eingesetzte Marschflugkörper (Vordergrund)

Aggregat 4 (A4) war die Typenbezeichnung der im Jahr 1942 weltweit ersten funktionsfähigen Grossrakete mit Flüssigkeitstriebwerk (Hintergrund)

26./27. August – Deutscher Luftangriff auf Paris
Nachdem die Alliierten die Stadt Paris im Verlauf der Schlacht um Paris am 25. August 1944 erobert hatten, warfen in der Nacht des 26. auf den 27. August 50 deutsche Kampfflieger der in Reims stationierten Luftflotte 3 (Generaloberst Dessloch) Bomben über der französischen Hauptstadt ab. Knapp 600 Häuser gingen in Flammen auf. Durch den Bombenangriff kamen 213 Menschen ums Leben, während 914 weitere verwundet wurden.

Folgen
Vom 6. bis zum 30. Juni 1944 verloren die Alliierten Luftstreitkräfte 1284 Flugzeuge, hauptsächlich durch Flak. Insgesamt wurden in dieser Zeit 158.000 Einzeleinsätze geflogen.

Bis zur Auflösung des Kessels von Falaise Ende August 1944 stiegen die alliierten Verluste auf 4.099 Flugzeuge und 16.674 Flugzeugsoldaten. Unter den verloren gegangenen Flugzeugen gehörten 1.639 zur Klasse der Jagdflugzeuge, Jagdbomber oder mittleren Bomber. Dem gegenüber verlor die deutsche Luftwaffe allein 1522 Jagdflugzeuge. Die Verlustrate bei den Jagdflugzeugen im direkten Luftkampf war 3:1 zugunsten der Alliierten, zwei von drei abgeschossenen alliierten Jagdflugzeugen und Jagdbombern waren Opfer der deutschen und im geringen Masse auch der alliierten Flugabwehrgeschütze. Die Verlustrate der Jagdflugzeuge erklärt sich dadurch, dass die deutschen Jäger hauptsächlich die alliierten Bomberverbände attackierten und dabei von den Eskorten ihrerseits angegriffen wurden. Die Verlustrate pro Einsatz war bei der Deutschen Luftwaffe sechsmal höher als bei den Alliierten.

Während die Alliierten ihre materiellen Verluste über intakte Nachschubwege ersetzen konnten, blieb der Verlust für die deutsche Luftwaffe grösstenteils unersetzt.

Situation der deutschen Streitkräfte in der Normandie im Jahr 1944   
(aus Wikipedia)

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051_66/Die deutschen Stellungen am Ärmelkanal – deutlich ist die Konzentration der Truppen am Pas-de-Calais zu sehen

Die Deutsche Situation in der Normandie im Jahr 1944 war von vielen Faktoren bestimmt und durch alliierte Täuschungsoperationen, die von der Operation Overlord ablenken sollten, aber auch durch unterschiedliche Kriegserfahrungen der Entscheidungsträger geprägt.

Die Deutschen bereiteten sich vor allem im von ihnen besetzten Frankreich auf eine alliierte Invasion vor. Sie vermuteten sie an der Strasse von Calais, konnten andere Gebiete jedoch nicht ausschliessen und sich deshalb nicht konzentriert auf Gegenmassnahmen einer Invasion vorbereiten.

Entwicklung der Befehls- und Truppenstruktur im Westen
Infolge der Umorganisierung der deutschen Heeresgruppen im Frühjahr 1941, die der geplante Angriff auf die Sowjetunion mit sich brachte, wurde für das besetzte Frankreich die Heeresgruppe D unter Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben aufgestellt. Zugleich wurde das Amt des Oberbefehlshabers West eingerichtet und an den Oberbefehlshaber der für das Unternehmen Seelöwe vorgesehenen Heeresgruppe A, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, vergeben. Neben der Heeresgruppe A unterstanden seinem taktischen Kommando auch die Heeresgruppe D und der Wehrmachtbefehlshaber der Niederlande General der Flieger Friedrich Christiansen. Nach dem endgültigen Aus für einen Angriff auf England ging das Amt des OB West an von Witzleben über und von Rundstedt ging an die Ostfront. Nur noch zwei Armeen, die 7. und die 15. Armee, bewachten die lange Küstenlinie von der spanischen Grenze bis nach Antwerpen. Die 1. Armee war im Landesinneren Frankreichs stationiert und hatte ihr Hauptquartier zusammen mit dem OB West bei Paris.

Gegen Ende 1941 waren an der Kanalküste erst sieben schwere Artilleriebatterien errichtet worden. Diese sollten zur Beschiessung der englischen Insel als Unterstützung für das Unternehmen Seelöwe dienen. Weiterhin existierten einige kleinere Küstenbatterien, die von der Organisation Todt erbaut worden waren. Diese hatte aber nach der Planänderung von Hitler den Auftrag zum Bau der U-Boot-Bunker in Brest, Lorient und St. Nazaire bekommen und stand für den Ausbau des Atlantikwalls nicht mehr zur Verfügung. Weitere Baubataillone waren unabkömmlich. So blieb von Witzleben nichts anderes übrig, als sich mit der Kriegsmarine zu arrangieren und einige Arbeiter, die freigestellt werden konnten, auszuleihen und zusätzlich seine eigenen Truppen zum Festungsbau an der Kanalküste heranzuziehen. Die herrschende Materialknappheit setzte seinem Vorhaben enge Grenzen.

Der eigentliche Ausbau des Atlantikwalls, der sich von Norwegen bis zur französischen Biskaya erstreckte, begann erst im Frühjahr 1942, als durch den US-amerikanischen Kriegseintritt und die sowjetische Winteroffensive eine Zweite Front im Westen in den Bereich der Wahrscheinlichkeit rückte. Besonders in Nordfrankreich und dort an der engsten Stelle des Ärmelkanals, dem Pas-de-Calais, wurde grosses Augenmerk auf eine mögliche Invasionsabwehr von der Seeseite her gelegt. Es wurden schwere Artillerieanlagen, Geschützbunker und Widerstandsnester mit Maschinengewehrstellungen an der Küste erbaut. Die grösseren Häfen sowie die Flussmündungen wurden dabei besonders geschützt.

Anfang März übernahm von Rundstedt wieder das Amt des OB West und Hitler erliess zwei Wochen später seine "Weisung Nr. 40" zum Ausbau der westlichen Verteidigung. In dieser bekam der OB West die Zuständigkeit für alle Verteidigungsanlagen in den westlichen besetzten Gebieten und wurde zusammen mit dem Befehlshaber der deutschen Truppen in Dänemark direkt dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW) unterstellt. Das OKW unter Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel übernahm Anfang 1943 den kompletten westlichen Verteidigungsbereich. Dazu gehörten Frankreich, Belgien und die Niederlande sowie Skandinavien, Italien, der Balkan und Nordafrika.

Hitlers Weisung Nr. 40 zeigte den Weg für die künftige taktische Planung der Verteidigung Nordfrankreichs auf. Die Weisung enthielt den Befehl zur Organisation von Truppen, die jede mögliche Invasion des Gegners unmittelbar vor oder direkt nach der erfolgten Landung zurückwerfen konnten. Dabei sollten die Einheiten an den Stränden der Küste konzentriert werden, die für eine Landung am geeignetsten waren. Kleinere Küstenabschnitte waren durch starke Artilleriestellungen zu verteidigen. Der Rest der Küste sollte mit Patrouillen abgedeckt werden. Die Truppen erhielten zudem die Anweisung, die Küste "bis zum letzten Mann" zu verteidigen. Dazu sollten die Einheiten mit Waffen, Munition und Versorgungsmaterial ausgestattet werden, damit sie bei einem feindlichen Ansturm den Kampf auf alle Fälle fortsetzen konnten.

Nur fünf Tage nach seinem Erlass überraschte Hitler der erfolgreiche Angriff der Briten auf St. Nazaire (Operation Chariot). Hitler monierte wütend den Zustand der Küstenverteidigung. Als Folge kam es aber nur zu personellen Änderungen beim Oberkommando West.

Durch die angespannte Lage im Osten verlagerte das OKW bzw. das Oberkommando des Heeres (OKH) 1942 zunehmend Truppenteile aus dem Westen an die Ostfront. Damit dünnten sich die zur Verteidigung bereitstehenden Divisionen weiter aus. Von Rundstedt erliess im Mai eine Order, in der er den schnelleren Wiederaufbau der Abteilungen, die von der russischen Front zurück nach Frankreich verlegt wurden, forderte. Gleichzeitig warnte von Rundstedt davor, im Westen nur die ausgebrannten Frontkämpfer und im Osten nicht verwendbare Soldaten zu stationieren. Im Gegenzug schlug das OKH im letzten Jahresviertel 1942 einen regelmässigen monatlichen Austausch von zwei Abteilungen der Heeresgruppe Mitte und dem OB West und von einer Abteilung der Heeresgruppe Nord und der norwegischen Garnison vor. Das OKH verzeichnete zehn Infanterieeinheiten unter dem Kommando des OB West, die sofort für den Osteinsatz verwendbar waren. Um einen Einsatz der gepanzerten und motorisierten Einheiten im russischen Winter zu vermeiden, sollten diese nicht vor dem nächsten Frühjahr verlegt werden. Doch nur einen Monat später befahl Hitler die Verlegung der 6. Panzer-Division aus dem Westen in den Sektor von Stalino-Woltschansk. Innerhalb von elf Monaten wechselten 22 Infanterie- und sechs gepanzerte oder motorisierte Einheiten aus dem Westen an die Ostfront. Zusammen mit der Ausdünnung der Personaldecke an besten Offizieren und Soldaten sowie Nachschubmaterialien schwächte dies die westliche Verteidigung erheblich.

Bei einem dreistündigen Treffen am 29. September 1942 zwischen Hitler, Reichsmarschall Hermann Göring, dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition und Chef der Organisation Todt Albert Speer, von Rundstedt, dessen Stabschef Günther Blumentritt, General der Pioniere Alfred Jacob, Generalleutnant Rudolf Schmetzer, dem Festungsinspekteur des OB West und einigen anderen führenden Offizieren in der Reichskanzlei forderte Hitler den konsequenten Ausbau des Atlantikwalls. Er führte aus, dass nach der gelungenen Frühjahrsoffensive 1943 die Sowjetunion besiegt sein werde und eine zweite Front im Westen dann möglich werde. Als erstes sah er die norwegische Küste bedroht, schwenkte dann aber auf Nordfrankreich um, da dort eine Invasion, die wenigste Schiffstonnage benötigen würde. Nach seiner Analyse der Landung bei Dieppe (Operation Jubilee), die er für eine grossangelegte Invasion hielt, die fehlgeschlagen war, kam er zu dem Schluss, dass den Briten keine andere Wahl blieb, als es noch einmal zu versuchen. Daher wäre es unabdingbar, den Atlantikwall so stark wie nur möglich auszubauen – nicht nur gegen eine seewärtige Landung, sondern auch hinsichtlich einer möglichen gegnerischen Lufthoheit. Dazu sollten 1.000 Betonbunker errichtet werden, die schwerstem Artilleriebeschuss und Bomben standhielten und von 300.000 Soldaten verteidigt werden sollten. Weiterhin waren die Häfen und vor allem die U-Boot-Bunker weiter zu befestigen und gegen feindliche Angriffe zu schützen. Dieses Programm sollte bis zum 1. Mai 1943 erfolgreich ausgeführt werden.

Da die Küstenverteidigung aber immer noch unter der niedrigsten Prioritätsstufe lief, wäre die Organisation Todt froh gewesen, bis zum genannten Zeitpunkt 40 % der Anlagen fertiggestellt zu haben. Auch ein ausreichender Aufbau der militärischen Stärke lag bis zu einem alliierten Angriff jenseits der Vorstellungen.

Deutsche Vorbereitungen auf eine alliierte Invasion
Als im Herbst 1943 die ersten Informationen über die Inhalte der Aussenministerkonferenz von Moskau durch Geheimdiensttätigkeit zum deutschen Führungsstab durchdrangen, wurde diesem schnell bewusst, dass die Eröffnung einer neuen Front im Westen bald bevorstand. Diese Erkenntnis musste aber schon wenig später wieder relativiert werden, nachdem durchsickerte, dass die "Grossen Drei" auf der Teheran-Konferenz Ende November eine Verschiebung der europäischen Invasion um mehrere Monate beschlossen hatten. Daher schloss die deutsche Führung, dass mit einer Invasion nicht vor Ende Februar 1944 zu rechnen wäre, diese aber spätestens im Frühjahr stattfinden würde.

Noch während die Alliierten im Oktober ihre Konferenz in Moskau abhielten, schrieb Rundstedt einen langen, pessimistischen Bericht über die Lage der Verteidigungsanlagen im Westen an das OKW. Darin legte er dar, dass seine Truppen in keiner Weise in der Lage wären, einer möglichen alliierten Invasion Widerstand zu leisten. Während der dreijährigen Besatzungszeit in Frankreich war das Projekt "Festung Europa" noch nicht weit vorangetrieben worden. Hitler schloss sich von Rundstedt in seiner Führerweisung Nr. 51 vom 3. November 1943 an:

"Die Gefahr im Osten ist geblieben, aber eine grössere im Westen zeichnet sich ab: die angelsächsische Landung! Im Osten lässt die Grösse des Raumes äussersten Falles einen Bodenverlust auch grösseren Ausmasses zu, ohne den deutschen Lebensnerv tödlich zu treffen. Anders im Westen! Gelingt dem Feind hier ein Einbruch in unsere Verteidigung in breiter Front, so sind die Folgen in kurzer Zeit unabsehbar. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass der Feind spätestens im Frühjahr, vielleicht aber schon früher, zum Angriff gegen die Westfront Europas antreten wird. Ich kann es daher nicht mehr verantworten, dass der Westen zu Gunsten anderer Kriegsschauplätze weiter geschwächt wird. Ich habe mich daher entschlossen, seine Abwehrkraft zu verstärken, insbesondere dort, von wo wir den Fernkampf gegen England beginnen werden. Denn dort muss und wird der Feind angreifen […]. Mit Fesselungs- und Ablenkungsangriffen an anderen Fronten ist zu rechnen".

Die Weisung Nr. 51 war tatsächlich nicht nur durch von Rundstedts Oktoberbericht beeinflusst, sondern auch durch die aktuelle Lage im Osten und Süden, wo die deutschen Armeen mehr und mehr Rückschläge erlitten. Besonders das daraus resultierende Näherrücken einer westlichen Fronteröffnung durch die Alliierten, um eine schnellere Kriegsentscheidung herbeizuführen, trug zu Hitlers Einschätzungen bei. Aus all diesen Gründen sollte es zu keinen weiteren Schwächungen des Westens zugunsten anderer Fronten kommen. Das OKH sollte einen Plan ausarbeiten, um jede Panzer- und Panzergrenadier-Division mit 93 Panzerkampfwagen IV und starken Abwehrgeschützen auszustatten. Am Ende des Jahres sollte die Aufrüstung abgeschlossen sein. Die Reservepanzereinheiten sollten komplett ausgerüstet und dem OB West Maschinengewehre in vollstem Umfang geliefert werden. Der Truppenabzug gepanzerter Einheiten wurde ohne die direkte Genehmigung Hitlers verboten. Die Luftwaffe und Kriegsmarine bekamen die Anweisung, ihre Defensivposition zu stärken.

Trotz der neuen Befehle kam am 23. November die Order, die Panzergrenadier-Division Feldherrnhalle schnellstens umzuorganisieren und für die Verlegung in den Osten vorzubereiten. Am 3. Dezember ersetzte die Wehrmachtführung rund 10.000 erfahrene Soldaten des Einzugsjahrgangs 1925 mit bisher aus beruflichen Gründen nicht eingezogenen Männern. Etwa zur selben Zeit sanken die Zuteilungszahlen für schwere Waffen zugunsten der stark umkämpften Ostfront.

Uneinigkeit über Zeit, Ort und Gegenmassnahmen einer alliierten Landung
Im November 1943, als Hitler entschied, dass die Möglichkeit einer alliierten Invasion in Frankreich nicht länger ignoriert werden könne, wurde Generalfeldmarschall Erwin Rommel zum Inspekteur der deutschen Küstenverteidigung und später zum Kommandeur der Heeresgruppe B ernannt, die für die Bodenverteidigung in Nordfrankreich zuständig war. Die Umstände, die zu Rommels Ernennung führten, waren etwas konfus, da er bis zu diesem Zeitpunkt der Kommandierende der Heeresgruppe B in Norditalien war und von Hitler sogar als Oberkommandierender der kompletten Truppen in Italien vorgesehen war. Doch Hitler entschied sich plötzlich um und hob Kesselring auf den Posten des OB Süd. Drei Tage nach Kesselrings Ernennung stellte das OKW eine formale Anfrage, in der es eine Reserve-Heeresgruppe unter Rommel anforderte, die zu jedem möglichen Invasionsort geschickt werden könne. Das neue Hauptquartier rekrutierte sich aus dem Stab der Heeresgruppe B ohne einige Spezialoffiziere, die abgezogen worden waren, und etwa der Hälfte der Soldaten. Diese neue "Heeresgruppe für Spezialaufgaben" bezog ihr Quartier vorübergehend in München und wartete auf weitere Einsatzbefehle.

Zur Vorbereitung eines eventuellen Einsatzes der neuen Heeresgruppe in Frankreich bekam Rommel am 6. November den Befehl, die westlichen Verteidigungsanlagen zu inspizieren. Er hatte Weisung, unter Umgehung des OB West direkt an das OKW zu berichten. Das OKW teilte dies auch dem OB West von Rundstedt mit und stellte sofort klar, dass damit seine Befehlsgewalt in keiner Weise beschnitten werde.

Rommels erste Reise führte ihn nach Dänemark und dann nach Artois an die Kanalküste. Kurz danach inspizierte er die Vorbereitungen auf der Cotentin-Halbinsel, in den Niederlanden und dann in der Bretagne. Rommel hatte den festen Glauben, dass eine schnellstmögliche Verteidigung der Strände durch Panzertruppen die einzig mögliche Abwehr einer Invasion wäre. Daher wollte er für eine Gegenattacke eine entsprechende Anzahl an Panzern nahe an den Stränden postiert haben. Seine Forderungen gingen direkt an das OKW, das dann Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt konsultierte und dessen Meinung einholte. Von Rundstedt, der von Leo Geyr von Schweppenburg, dem Kommandeur der Panzergruppe West, unterstützt wurde und letzterer wiederum von Generaloberst Heinz Guderian, dem Generalinspekteur der deutschen Panzertruppen, favorisierte eine Konzentration der Panzereinheiten im Hinterland, so dass die komplette Hauptangriffslinie des Gegners ausgemacht und dann mit einem kraftvollen Gegenschlag zerschlagen werden könne. Als Schlachtfeld sah von Schweppenburg sogar erst das Gebiet zwischen der Loire und der Seine. Im November schlug von Rundstedt vor, dass sechs Infanteriedivisionen, die nach einer feindlichen Landung nicht direkt bedroht wären, sich in das Landesinnere zurückziehen sollten. Dazu wären Fahrzeuge aller Art von den anderen Armeen zur Verfügung zu halten. Die Divisionen sollten anschliessend zu zwei Korps zusammengefasst und unter den Befehl einer Armee gestellt werden. Vorhandene Panzer- und Panzergrenadierreserven sollten von einem Panzerreservekorps kommandiert und zusammen mit den beiden Infanteriekorps als spezielle Heeresgruppe unter Rommel organisiert werden.

Die Debatte spiegelte die unterschiedlichen Kriegserfahrungen der Entscheidungsträger wider. Rundstedt, Geyr von Schweppenburg und Guderian hatten den Grossteil ihrer Erfahrung gewonnen, als die Luftwaffe den Himmel über dem Schlachtfeld kontrollierte oder als keine Seite im Stande war, Luftüberlegenheit über die komplette Front zu erlangen. Die Erfahrungen von Rommel unterschieden sich davon gewaltig. Von Rundstedt und Guderian zogen anscheinend nicht in Betracht, dass die alliierte Luftmacht eine ähnliche Grösse wie die deutsche zu Beginn des Krieges haben könnte. Rommel, der im Verlauf des Afrikafeldzuges unter einer alliierten Luftüberlegenheit gekämpft hatte, schätzte die gegnerischen Kapazitäten höher ein als die anderen drei.

Um den Streit zu beenden, spaltete Hitler die sechs verfügbaren Panzerdivisionen im nördlichen Frankreich auf und unterstellte drei davon dem direkten Befehl Rommels. Die drei anderen Divisionen wurden ins Hinterland verlegt und unter den direkten Befehl Hitlers gestellt. Die Luftverteidigungen der französischen Nordküste umfassten nur noch 169 Jagdflugzeuge, da die Flugplätze im nördlichen Frankreich durch die Alliierten andauernd aus der Luft angegriffen wurden. Hitlers Entscheidung führte schlussendlich dazu, dass die deutschen Panzerdivisionen nach der Invasion nicht in der Lage waren, den späteren Brückenkopf zu zerschlagen.

Das OKW arbeitete gegen Ende des Jahres 1943 einen detaillierten Plan aus, der alle möglichen feindlichen Szenarien beinhaltete, die durch eine Invasion an den verschiedensten Küsten des Westens entstehen konnten. Der Plan sah für eine Invasion in Frankreich die Verschiebung von drei Infanteriedivisionen aus Norwegen und Dänemark, einer Infanteriedivision, eines Werferkorps und eines Korpshauptquartiers aus Italien sowie von vier Infanterie- und Jäger-Divisionen und kleineren Einheiten aus dem Balkanraum vor. Dies sollte vor dem Hintergrund geschehen, dass die Verbündeten im Westen "einen" grossen Invasionsangriff planten. Im Januar 1944 begann das OKW, an dieser "einen" grossen Attacke zu zweifeln. Obwohl alles auf einen Angriff am engsten Kanalpunkt hindeutete, meinten sie auch Zeichen ausgemacht zu haben, dass es auch zu Begleitinvasionen, beispielsweise in Portugal oder dem Balkan kommen könnte. Die deutschen Zweifel bekamen durch die alliierte Landung bei Anzio am 22. Januar noch mehr Nahrung. General Alfred Jodl war der Meinung, dass diese Landung, die nicht mit der italienischen Front zusammenhing, der Beginn von mehreren kleineren Operationen wäre, die die deutschen Kräfte zersplittern und von der Hauptlandung in Nordfrankreich ablenken sollten. Für Frankreich sah er Landungen in der Biskaya und Südfrankreich voraus, die die Iberische Halbinsel abschneiden sollten. Die Überlegungen wurden so ernst genommen, dass als Folge im Februar zwei neue Infanteriedivisionen aufgestellt und der 19. Armee im Süden zugewiesen wurden. Vom OB West wurde die 9. SS-Panzer-Division abgezogen und nach Avignon in Reserve verlegt. Zu Bewachung der spanischen Grenze und der Biskaya-Küste erhielt die 1. Armee eine neue Division.

Weil die Lage an der Ostfront und auf dem mediterranen Kriegsschauplatz schnellen Änderungen unterworfen war, konnte das OKW so gut wie keine langfristigen Zukunftspläne ausarbeiten und nur von Tag zu Tag planen. Schon im März erging der Befehl zur Rücknahme des vorher ausgegebenen Verteidigungsplans und der damit verbundenen Truppenverlegungen. Es erging zudem die Anweisung an die Kommandanten, dass Truppenverlegungen erst dann detailliert genehmigt würden, nachdem der Feind einen Hauptinvasionsangriff gestartet hätte. Dazu wurden Verlegungspläne der Reserveeinheiten für mögliche Invasionsszenarien ausgearbeitet. Nach diesen würde OB West ein Korpshauptquartier, zwei verstärkte Panzergrenadierregimenter, ein verstärktes Infanterieregiment, Kampfgruppen aus drei Infanterieregimentern als Basis für eine neue Division sowie ein motorisiertes Artillerieregiment, fünf Landschützenbataillone und ein Nebelwerferbataillon bekommen. Diese neu aufgestellten Einheiten waren natürlich in Erfahrung und Kampfkraft nicht mit den nach den alten Plänen zu erwartenden acht Divisionen vergleichbar. Da die oberste Führung jedoch mehrere Invasionsschauplätze anstelle eines Grossangriffs bevorzugte, schien jede mögliche Truppenkonzentration ausgeschlossen.

Bei einem Treffen der Führungsebene mit Hitler im März 1944 versuchte Rommel, eine Ausweitung seiner Befehlsgewalt durchzusetzen, was zu einer faktischen Ablösung von Rundstedts und Geyr von Schweppenburgs als Kommandierende der Verteidigungskräfte geführt hätte. Im Speziellen forderte Rommel eine Unterstellung aller Panzer- und motorisierten Verbände sowie der Artillerie unter sein Oberkommando. Im weiteren Gesprächsverlauf kamen auch seine Forderungen nach Kontrolle über die 1. und 19. Armee zur Sprache. Beide Armeen, die eine an der Atlantikküste und die andere an der Mittelmeerküste Frankreichs stationiert, unterstanden direkt dem OB West. In diesem Sinne erscheinen Rommels Forderungen plausibel. Wäre er erst einmal verantwortlich für die Verteidigung gegen eine alliierte Landung, benötigte er die Befehlsgewalt über alle an den Verteidigungsmassnahmen beteiligten Einheiten. So unternahm Rommel alles, um die in seinen Augen unbefriedigende Befehlsstruktur im Westen unter seiner Führung zu vereinen. Hitler war von seinen Einbringungen angetan und versprach eine Überprüfung der aktuellen Situation. Nur eine Studie des Operationsstabes des OKW, die einen später geschriebenen Protestbrief von Rundstedts unterstützte, liess Hitler wieder auf den alten Kurs einschwenken. Allerdings hatten einige Änderungen schon gegriffen und wurden nicht wieder revidiert. Die 2., 21. und 116. Panzer-Divisionen waren Rommel mit voller taktischer Kontrolle als Reserve für die Heeresgruppe B unterstellt worden. Von Schweppenburg blieb aber für deren Gefechtsausbildung und Organisation verantwortlich. Nichts hatte sich an der verworrenen Befehlsstruktur geändert.

Etwa zur gleichen Zeit wurden dem OKW im Sektor des OB West vier weitere Panzereinheiten zur Verfügung gestellt. Es handelte sich dabei um die 1. und 12. SS-Panzer-Division, die 17. SS-Panzergrenadier-Division und die Panzer-Lehr-Division. Sie sollten als zentrale mobile Reserve dienen. Beide Entscheidungen stellten einen Kompromiss des Märzgesprächs dar, mit dem Haupteffekt, dass der OB West der Mittel zur direkten Schlachtbeeinflussung beraubt wurde, ohne diese auf Rommel zu übertragen.

Die letzte Änderung in der Kommandostruktur fand im Mai statt, als von Rundstedt den Aufbau einer zweiten Heeresgruppe anordnete, die das Kommando über die 1. und 19. Armee übernahm. Die Heeresgruppe G unterstand Generaloberst Johannes Blaskowitz und übernahm neben den beiden Armeen auch die drei übrigen Panzerdivisionen in Frankreich, die 9., 10. und 2. SS-Panzer-Division. Über die Einrichtung des neuen Hauptquartiers versuchte von Rundstedt, seine Position neu zu definieren. So umriss er, abhängig von den bereits gegebenen Beschränkungen, die Befehlsstruktur des OB West für die Invasionsverteidigung. Er überliess den Befehlshabern der Heeresgruppen eine maximale Handlungsfreiheit in ihren eigenen Sektoren. Sein Eingreifen würde sich nur auf grundlegende politische Entscheidungen und auf übergeordnete Massnahmen, die den kompletten Verteidigungsbereich betrafen, beschränken. Seine eigenen Befehle unterstellte er den direkten Anweisungen Hitlers, die von allen anderen Oberbefehlshabern ebenfalls ausgeführt wurden. Damit stand fest, dass in der kritischen Phase der Verteidigungsvorbereitungen die Befehle vom OB West oder direkt von Hitler kommen würden. Hitler, der in Ostpreussen in seinem Hauptquartier Wolfsschanze sass, war so intensiv mit der Ostfront beschäftigt, dass er erst nach der erfolgten Invasion in den Westen reiste. Weiterhin schien er selbst keine direkten taktischen Vorschläge machen zu können, so dass sich seine Entscheidungen in Details verloren und kaum politische Definitionen enthielten. Hitlers Befehlsberechtigung störte weiterhin das ohnedies schon gestörte Verhältnis zwischen Rommel und von Rundstedt.

Die deutsche Hauptstreitmacht, die eine Invasion zurückschlagen sollte, konzentrierte sich auf das Gebiet an der Strasse von Dover, da dort die Entfernung von England nach Frankreich am geringsten ist. Diese Vermutungen wurden durch die alliierte Täuschungsoperation, die Operation Fortitude, bestärkt. Die Deutschen vermuteten des Weiteren, dass die Alliierten am Tag, bei gutem Wetter und bei Flut angreifen würden, da sie dies bei vorangegangenen alliierten Invasionen beobachtet hatten.

Da die deutschen Geheimdienste (Amt Ausland Abwehr, Fremde Heere West und Reichssicherheitshauptamt) nicht zusammenarbeiteten, wurden alliierte Täuschungsversuche meist ernst genommen. So dachte der Grossteil der deutschen Befehlshaber, die Invasion würde am Pas-de-Calais stattfinden, da sich dort nach ihrer Auffassung achtzig alliierte Divisionen, aufgeteilt in fünf Armeen (die wiederum in zwei Heeresgruppen), auf eine Invasion vorbereiten würden. Hitler, der Wehrmachtführungsstab, von Rundstedt und auch Rommel teilten diese Ansicht teilweise sogar noch nach der Operation Neptune. Lediglich das Marinegruppenkommando West und das Luftflottenkommando 3 hegten Zweifel. So vermutete die Marine, dass die Alliierten nicht an der engsten Stelle des Kanals und damit da, wo die Deutschen sie erwarten, angreifen würden. Ausserdem stellten sie den Wahrheitsgehalt der abgefangenen Meldungen über achtzig Divisionen im Südosten Englands in Frage, da die für eine Invasion in einer solchen Grössenordnung benötigten Schiffsverbände fehlen würden. Sie hielten das Gebiet zwischen Sommemündung und Cherbourg als Invasionsort für wahrscheinlicher. Das Luftflottenkommando 3 kam aufgrund alliierter Bombardierungen in dem Gebiet zum gleichen Schluss. Deren Nachricht an das Oberkommando der Wehrmacht wurde jedoch kaum berücksichtigt.

Die Deutschen vermuteten, dass die Alliierten etwa zwei bis drei Stunden nach Niedrigwasser im Morgengrauen eine Invasion beginnen würden. Nach den Messungen der Marine herrschten optimale Bedingungen für eine solche Landung im Gebiet von Le Havre und Cherbourg zwischen dem 5. und 7. Juni 1944. Hitler, von Rundstedt und Rommel sowie andere Befehlshaber alarmierte diese Erkenntnis jedoch nicht.

Ausbau des Atlantikwalls und andere deutsche Verteidigungsvorkehrungen

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051_67/Belgisches Tor, diese können miteinander verbunden werden

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051_68/Atlantikwall – Exerzieren am Geschütz (Frühjahr 1944)

Rommel inspizierte 1944 die deutschen Verteidigungsanlagen, die zu diesem Zeitpunkt teilweise schon wieder veraltet waren, und gab mehrere Neuerungen zur Küstensicherung in Auftrag. Einige der Bunker waren jedoch noch in der Bauphase, als die alliierten Verbände landeten. In Frankreich wurden mit einem riesigen Bauaufwand durch die Organisation Todt und mit dem Einsatz tausender Zwangsarbeiter Bunkeranlagen für Geschütze schwersten Kalibers errichtet. Nach Rommels Auffassung würde sich die "Schlacht um den Westen" direkt an der Küstenlinie entscheiden und zwar innerhalb der ersten 48 Stunden nach einer alliierten Landung. Aus diesem Grund war sein erstes Ziel der Aufbau eines Verteidigungsgürtels entlang der gesamten Küste, mit einer speziellen Konzentration im Raum der 15. Armee. Innerhalb dieses Gürtels sollten alle Infanterie-, Artillerie- und Reserveeinheiten bis zur Divisionsstärke, zusammen mit ihrem restlichen Personal, in Widerstandsnestern untergebracht werden. Zwischen den einzelnen Widerstandsnestern sollten Landminen und Hindernisse ausgelegt werden, die den Feind am Vorrücken hindern sollten.

In Anbetracht des nahenden Invasionszeitpunkts und der immer knapper werdenden Ressourcen an Material und Bauarbeitern begann Rommel sich 1944 mehr und mehr auf einfachere und kleinere Feldverteidigungsanlagen zu verlegen. Besonderen Druck machte er auf die Minenleger. Zudem führte er neuartige Hindernisse am Atlantikwall ein, die speziell auf die Abwehr von Landungsbooten ausgerichtet waren. In der gesamten Normandie wurden aus dem Hinterland Panzersperren, wie Tschechenigel und spanische Reiter an die Strände geschafft. Belgische Tore und schräg gesteckte Stangen unterstützten die Sperren seewärts. Die Absicht war, jeden möglichen Landungsstrand zwischen der Hoch- und Niedrigwassermarke mit den Hindernissen zu überziehen, die keinem noch so flachen Boot das Erreichen des Ufers erlauben würden. Dazu wurden die meisten Hindernisse zusätzlich mit Minen ausgestattet.

Auf zur Landung von Lastenseglern geeigneten Feldern im Hinterland wurden Holzpfähle eingerammt, die so genannten "Rommelspargel". Der Abstand zwischen ihnen war so gewählt, dass Lastensegler bei einer versuchten Landung förmlich zerfetzt würden. Grosse Teile der späteren Landegebiete der amerikanischen Fallschirmjäger im Westen waren von deutschen Pionieren durch Stauung der Flüsse Merderet und Douve überschwemmt worden.

Erweitert wurde das Schema der Küstenverteidigung durch das Auslegen von Minenfeldern im Ärmelkanal. 16 Felder, jedes etwa acht Kilometer lang, wurden von August 1943 bis zum Januar 1944 zwischen Boulogne und Cherbourg ausgelegt. Im Verlauf des Jahres waren sie zur Erneuerung und Erweiterung vorgesehen, da von ihnen kaum ausreichende Effekte auf alliierte Schiffe erwartet wurden. Schnell ausgelegte zusätzliche Minenfelder, wozu alle verfügbaren Schiffe im Einzugsbereich vorgesehen waren, sollten kurz vor der Invasion alle Fahrtrouten, inklusive der für deutsche Schiffe vorgesehenen, schliessen. Zwischen Zeebrugge und Granville waren dies 36 Felder. Ausserdem war vorgesehen, bei Bekanntwerden eines Invasionsplans britische Häfen aus der Luft mit Minen zu belegen.

Für die Baumassnahmen bekam das LXXXIV. Korps im Januar 1944 drei Pionierbataillone zugewiesen, davon zwei für den Festungsbau und eines zum Minenlegen. Dazu kamen 2850 Männer des ehemaligen französischen Arbeitsdienstes, die an einer zweiten Verteidigungslinie hinter dem ersten Gürtel arbeiteten. Eine Anfrage nach weiteren Hilfskräften führte zur Entsendung zweier Ost-Bataillone an Rommel. Die einzige Alternative, an Arbeitskräfte zu kommen, waren die eigenen deutschen Truppen, von denen besonders Soldaten der Reserveeinheiten mehrmals pro Woche zum Arbeitsdienst abkommandiert wurden.

Mit all diesen Massnahmen versuchte Rommel eine Invasion physikalisch fast unmöglich zu gestalten. Die alliierten Einheiten, die im Netz der Hindernisse festhingen, sollten von der an den Ufern wartenden Wehrmacht zerrieben bzw. zusammengeschossen werden.

Die strategische Lage
Die deutschen Verbände waren in eine relativ komplizierte Befehlsstruktur eingeordnet. So konnte der OB West nicht frei über alle Einheiten verfügen. Auch andere Befehlshaber, wie Rommel, mussten auf Zugehörigkeiten zu den Teilstreitkräften, wie bspw. der Kriegsmarine, oder zur SS Rücksicht nehmen. So war kein einheitlicher Zugriff auf alle Einheiten möglich. Die 2. Panzer-Division gehörte beispielsweise der Gliederung nach zur Panzergruppe West, taktisch zum I. SS-Panzerkorps, territorial zum Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich und versorgungstechnisch zur 15. Armee. Günther Blumentritt schrieb im Januar 1944 an Alfred Jodl: "Hier ist alles so verzwickt und durch 100 mögliche Stellen überschnitten und verfiltzt".

Ein Mitarbeiter in Rommels Stab beschrieb die Situation wie folgt:

"Das Hin und Her der Ansichten über die beste Art der Verteidigung zeigte sich darin, dass man Bunker am Strand von Fécamp zugemauert hatte, in Dieppe unbesetzt liess. Südlich der Somme-Mündung fanden wir später sogar einige, die gesprengt worden waren, als ein neuer Kommandant die Hauptkampflinie auf einen Höhenzug einige Kilometer vom Strande zurückverlegt hatte"

Die deutsche Heeresführung zog oftmals vor der alliierten Invasion Panzerverbände aus dem Befehlsbereich des OB West zurück, um sie an die Ostfront zu verlegen. Ausserdem waren viele der Divisionen in Nordfrankreich und vor allem in der Normandie noch im Aufbau bzw. ohne Kampferfahrung. Nach der Invasion wurden zwar erfahrene Divisionen in die Normandie verlegt, die jedoch etliche Etappen benötigen, um vollständig am Einsatzort anzukommen. So verfügten die Deutschen zwar über viele Divisionen, die jedoch eine geringe Kampfkraft hatten.

Der deutsche Atlantikwall wurde zudem von Divisionen bewacht, von denen ein Grossteil entweder aus Deutschen bestand, die meist aus gesundheitlichen Gründen nicht für den Einsatz an der Ostfront tauglich waren, oder aber aus Menschen anderer Nationalitäten, so beispielsweise sowjetischen Kriegsgefangenen, die den Dienst in der Armee gewählt hatten, um nicht den Alltag im Kriegsgefangenenlager erleiden zu müssen.

Die 21. Panzer-Division bewachte Caen und die 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" war im Südosten Caens stationiert. Die Offiziere und Unteroffiziere der SS-Division "Hitlerjugend" waren lange dienende Veteranen, aber die Soldaten mit niedrigeren Rängen waren 1943 in einem Alter von etwa sechzehn Jahren direkt aus der Hitlerjugend rekrutiert worden. Neben diesen zwei Panzerdivisionen lag auch die Panzer-Lehr-Division im Normandiegebiet.

Ein weiterer Faktor für die deutsche Lage war der zunehmende Mangel an Betriebsstoff, wie Treibstoff für die Fahrzeuge. Um diese Ressourcen zu schonen, mussten unter anderem Übungen verkürzt werden. Darüber hinaus herrschte Personalnot. So durchsuchten die Behörden ihr Personal nach entbehrlichen Mitarbeitern, die an die Front geschickt werden konnten. Beispielsweise waren allein in Paris 50.000 Soldaten in Dienststellen zu Verwaltungszwecken beschäftigt. Im Westen konnten dadurch 6.500 Soldaten rekrutiert werden.

Die Moral der deutschen Truppen war oft schlecht. Die Soldaten waren, sofern sie nicht von der Ostfront verlegt worden waren, lange nicht mehr im Kampfeinsatz gewesen. Daher wurden sie unvorsichtiger und in ihrer Dienstauffassung nachlässiger. Dies ging so weit, dass es sogar zu Waffen-, Munitions- und Materialverlusten kam. Auch gab es zwischen den deutschen Truppen an der Westfront einen wesentlichen Unterschied zu denen an der Ostfront: Die deutsche Propaganda hatte im Osten einen Kreuzzug gegen den Bolschewismus propagiert und so dazu beigetragen, die Soldaten besonders aggressiv gegen ihre Gegner zu machen. An der Westfront herrschte dagegen oft ein "humanes" Bild des Gegners.

Der deutsche Propagandaminister Joseph Goebbels sagte trotz der Probleme in einer Rede am 5. Juni 1943 im Berliner Sportpalast:

"Man spricht heute von der Invasion in Europa, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt […] Der englische und der amerikanische Soldat aber werden eine blutige Zeche bezahlen müssen. Unsere Wehrmacht ist zu ihrem Empfang bereit"!

Die deutsche Schlachtordnung
Die deutschen Verteidigungen in der Normandie befanden sich unter dem Kommando des LXXXIV. Armeekorps (General Erich Marcks), der 7. Armee (Generaloberst Friedrich Dollmann). Die Schlachtordnung im alliierten Landungsbereich war von Ost nach West etwa folgende:

  • Panzer-Division (Generalleutnant Edgar Feuchtinger):
  • "Veteranen-Panzerdivision", die in der Region um Caen stationiert und Teil Rommels mobiler Reserve war.
  • Infanterie-Division (Generalleutnant Wilhelm Richter):
  • Küstenverteidigungsdivision, die die Küstenabschnitte von Omaha, Gold, Sword und Juno bewachte.
  • Infanterie-Division (Generalleutnant Dietrich Kraiss):
  • Infanteriedivision, die die Küste von Omaha, Gold und die Stadt Saint-Lô bewachte.
  • Fallschirmjäger-Regiment 6 (Major Friedrich August von der Heydte):
  • Deutsches Elite-Fallschirmjägerregiment als Bestandteil der 2. Fallschirmjäger-Division. Das Regiment verteidigte die Stadt Carentan.
  • Infanterie-Division (Generalleutnant Wilhelm Falley):
  • Normale Infanteriedivision, die für Luftlandungen trainiert und ausgerüstet war. Die Division befand sich im Hinterland der Halbinsel Cotentin, einschliesslich des Bereichs, wo die amerikanischen Luftlandungen am 6. Juni stattfanden.
  • Infanterie-Division (Generalleutnant Karl-Wilhelm von Schlieben):
  • Küstenverteidigungsdivision, die die östliche und nördliche Küste der Cotentin Halbinsel (einschliesslich Cherbourg und Utah Beach) verteidigte.
  • Infanterie-Division (Generalleutnant Heinz Hellmich):
  • Küstenverteidigungsdivision, die die westliche Küste der Cotentin-Halbinsel bewachte.
  • Schnelle Brigade 30:
  • Infanterie-Brigade, bestehend aus drei Fahrradbataillonen.

Die Vorbereitungen und Reaktionen der deutschen Kriegsmarine
Nach Ansicht Hitlers waren die im Nordmeer und Atlantik befindlichen deutschen U-Boote seine erste Verteidigungslinie, die zweite vermutlich die im Ärmelkanal gelegten deutschen Minenfelder und die dritte die Küstenbefestigungen. Im Gegensatz zu ihm vermuteten der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Karl Dönitz und Vizeadmiral Friedrich Ruge die Landung zutreffend weiter westlich, in der Seine-Bucht am Seehafen Le Havre.

Die Einsatzmöglichkeiten der deutschen Kriegsmarine gegen die alliierten Landeoperationen waren jedoch begrenzt. Im Juni 1944 verfügte die Kriegsmarine über keine grösseren Überwassereinheiten in den Basen in Frankreich.

Etwa ab 1. April 1944 sollten die meisten von ca. 50 U-Booten der Klasse VII in ihren bombensicheren U-Boot-Bunkern bei Brest, St. Nazaire, Lorient und La Pallice mit neuen Torpedos, einem Schnorchel und weiterer neuester Waffentechnik ausgerüstet werden. Für U-Boote ohne Schnorchel waren Operationen im Kanalgebiet fast aussichtslos geworden. Die neu ausgerüsteten U-Boote sollten anschliessend ständig bereitgehalten werden, um binnen 6 Stunden auszulaufen. Durch alliierte Luftangriffe wurde jedoch die Produktion der Schnorchel und ihr Transport nach Frankreich erheblich gestört. Als die Invasion begann, waren erst 16 in Frankreich stationierte Typ VII U-Boote weitgehend gefechtsbereit. Neun weitere U-Boote waren gerade zur Neuausrüstung von Norwegen nach Frankreich unterwegs. Insgesamt verfügte die Kriegsmarine in Norwegen und Frankreich über etwa 100 U-Boote der Klasse VII, von denen jedoch erst etwa ein Drittel mit Schnorcheln ausgerüstet und weitgehend oder voll gefechtsbereit war.

Die Einfahrten zum Kanal wurden durch starke Kriegsschiffverbände der Alliierten geschützt, ausserdem hatten die Alliierten die Lufthoheit über dem Kanal. Es war daher offensichtlich, dass die Kriegsmarine keine Chance hatte, die alliierten Nachschublinien über den Kanal zu unterbrechen, gleichwohl wurden Einheiten der Kriegsmarine in dieses aus heutiger Sicht sinnlose Unterfangen geschickt. Die Sinnlosigkeit wird durch die Zahlen verdeutlicht: Die Alliierten hatten zur Unterstützung der Invasion sieben Schlachtschiffe, zwei Monitore, 23 Kreuzer, drei Kanonenboote, 105 Zerstörer und 1073 kleinere Kriegsschiffe zusammengezogen. Die Kriegsmarine besass am 6. Juni 1944 im Kanal-Bereich fünf Torpedoboote, 39 Schnellboote, von denen fünf nicht einsatzbereit waren, 163 Minensuch- und Räumboote, 57 Vorpostenboote und 42 Artillerieträger, hinzu kamen fünf Zerstörer, ein Torpedoboot, 146 Minensuch- und R-Boote, 59 Vorpostenboote, die an der Atlantikküste zwischen Brest und Bayonne stationiert waren und insgesamt 32 weitgehend gefechtsbereite U-Boote, z. T. noch in norwegischen oder deutschen Stützpunkten befindlich.

Am 6. Juni wurde ein Vorpostenboot, das zur Aufklärung von Le Havre aus nach Westen fuhr, von der alliierten Invasionsflotte versenkt. Der einzige erfolgreiche Einsatz der Kriegsmarine am D-Day erfolgte durch Schnellboote der 5. Torpedobootflottille, die in Le Havre stationiert war und die in einem überraschenden Angriff den norwegischen Zerstörer "Svenner", der die Landungsoperationen vor dem Abschnitt Sword Beach deckte, versenken konnte. In den folgenden Tagen erfolgten zahlreiche Versuche deutscher Torpedoboote, die Landungen durch Torpedoangriffe und Legen von Minensperren zu verhindern, blieben allerdings grösstenteils erfolglos.

Am 6. Juni liefen zudem 8 U-Boote mit Schnorchel und 28 U-Boote ohne Schnorchel aus französischen Stützpunkten aus. In den folgenden Tagen stieg die Gesamtzahl der U-Boote mit Schnorchel auf 15. Sie erhielten Befehl, alle sonst berechtigten Vorsichtsmassnahmen ausser acht zu lassen. Binnen vier Tagen hatten britische Flugzeuge 5 U-Boote ohne Schnorchel versenkt und 5 weitere zum Abbruch der Fahrt gezwungen. Sie wurden daraufhin in die Häfen Lorient, St. Nazaire und La Pallice zurückgezogen und dort zur Verteidigung einsatzbereit gehalten, da es ihnen im Landungsgebiet nahezu unmöglich war, ihre Batterien wiederaufzuladen.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Juni versuchte die Kriegsmarine mit vier Zerstörern, den letzten grösseren in Frankreich liegenden Schiffen, von Brest aus in den Invasionsraum vorzudringen. Nordwestlich der Isle de Bas wurde dieser Versuch von einer alliierten Zerstörerflottille aus vier britischen, zwei kanadischen und zwei polnischen Zerstörern vereitelt, die den deutschen Zerstörer ZH 1 versenkten und den Zerstörer Z 32 so schwer beschädigten, dass er auf Grund gesetzt und aufgegeben werden musste.

Von den 14 U-Booten mit Schnorchel erreichte U 621 am 15. Juni 1944 das Landungsgebiet und versenkte das amerikanische LST 280 mit 1490 Tonnen. Am gleichen Tag torpedierte U 764 die britische Fregatte Blackwood, die am folgenden Tag sank. U 984 torpedierte die Fregatte Goodson, die schwer beschädigt von der britischen Fregatte Bligh nach Portland abgeschleppt wurde. Am 29. Juni 1944 torpedierte es vier je 7400 BRT grossen Liberty-Frachter, die teilweise Truppen an Bord hatten. Auf der Henry G. Blaisdel kamen 76 amerikanische Soldaten ums Leben. Die Edward M. House wurde anschliessend repariert, die Henry G. Blaisdel, die James A. Farrell und die John A.Treutlen wurden verschrottet.

U 953 versenkte nach seinem Eintreffen im Landungsgebiet aus einem Konvoi den britischen Frachter Glendinning mit 1927 BRT. U 763 versenkte am 11. Juni 1944 vor Brest den norwegischen Frachter Ringen mit 1499 BRT. U 390 verursachte wahrscheinlich die Versenkung des ASW-Trawler Ganilly mit 545 BRT und die Beschädigung der amerikanischen Sea Porpoise 7934 BRT. Das U-Boot wurde anschliessend von der britischen Fregatte Tavy geortet und gemeinsam mit dem britischen Zerstörer Wanderer versenkt. U 269 wurde von der Fregatte Bickerton entdeckt, mit Wasserbomben an die Oberfläche gezwungen und anschliessend selbstversenkt. U 441 wurde in der Nacht des 8. Juni 1944 von einer Vickers Wellington versenkt.

Zwischendurch wurden vier U-Boote mit Schnorchel auf Befehl aus Berlin zum Munitionstransport nach Cherbourg eingesetzt, der abgebrochen wurde, als die Alliierten bereits kurz vor den Toren der Stadt standen.

Von Norwegen aus waren elf U-Boote mit Schnorchel in den Atlantik gefahren, um sich im Juni den dortigen U-Booten anzuschliessen. Sie erhielten von der U-Boot-Führung einen Befehl, der "rücksichtslosesten Einsatz" gegen die Invasionsflotte forderte, auch unter Gefahr des eigenen Verlustes. Sieben dieser U-Boote wurden versenkt, bevor sie ihr Zielgebiet erreichten. Nur vier erreichten Frankreich. U 767 versenkte am 15. Juni am westlichen Ende des Ärmelkanals die britische Fregatte Mourne mit 1370 Tonnen. U 247 versenkte am 5. Juni vor Cape Wrath den bewaffneten Fischtrawler Noreen Mary mit 207 BRT mit Flugabwehrgeschützen.

Die Situation der Deutschen während der alliierten Landung
Die deutsche Abwehr wusste von zwei Zeilen aus Paul Verlaines Gedicht Herbstlied, die kurz vor der Invasion Störaktionen der französischen Widerstandsbewegung auslösen sollten, und die über BBC verlesen wurden. Die entscheidende zweite Strophe kündigte die Invasion innerhalb der nächsten 48 Stunden gerechnet von 0:00 Uhr des auf die Durchsage folgenden Tages an. Diese Strophe wurde am 5. Juni um 21:15 Uhr von deutschen Funkstellen abgehört. Die 15. Armee, die allerdings am Pas-de-Calais stationiert war, wurde daraufhin in Alarmbereitschaft versetzt. Die 7. Armee in der Normandie wurde aus nicht mehr nachzuvollziehenden Gründen nicht benachrichtigt.

Da für den 5. und am 6. Juni 1944 schlechtes Wetter vorausgesagt worden war, waren viele Generäle abwesend. Einige, wie der Befehlshaber der 7. Armee, Generaloberst Friedrich Dollmann, hielten sich bei Kriegsspielen in Rennes auf. Rommel besuchte am 6. Juni seine Frau in Deutschland, da diese ihren 50. Geburtstag feierte.

Die SS-Panzer-Divisionen, also auch die 12. SS-Panzer-Division, durften nur mit Genehmigung Adolf Hitlers in Bewegung gesetzt werden. Da dieser aber schlief, blieb die Division dort, wo sie stationiert war und griff nicht in das Kampfgeschehen ein. Die Kampfhandlungen wurden von den Deutschen als Täuschungsversuch von der eigentlichen Invasion beim Pas-de-Calais herabgestuft. Da die Résistance die Telefon- und Telegraphenleitungen zerstört hatte, gab es bei den Deutschen nur wenige Informationen über die alliierten Truppenbewegungen. Die Alliierten setzten zudem Puppen in Fallschirmjägeruniform, die sie Rupert nannten und laute Kampfgeräusche imitierten, über der Normandie ab. Da zusätzlich zu diesen Imitaten auch sechs SAS-Soldaten absprangen und mehrfach Scheinattacken auf deutsche Stellungen ausführten, waren die Deutschen vollkommen irritiert und nicht dazu imstande, sinnvoll zu agieren.

Um eine Luftlandung zu vertuschen, führten die alliierten Flugzeuge Bomben mit, die sie über unterschiedlichen Zielen im Gebiet abwarfen. Eine Reihe alliierter Fallschirmjäger sprang zudem versehentlich über falschem Gebiet ab, so dass sie sich zu ihren Einheiten in der Normandie durchschlagen mussten und während ihres Marsches dorthin verschiedentlich deutsche Verbände angriffen. Auch dadurch wurden die Deutschen von den tatsächlichen Operationsgebieten abgelenkt und schickten ihre Truppen erneut in die unwichtigeren Areale.

Der alliierten Streitmacht stand eine relativ kleine deutsche Luftwaffe gegenüber. Am Tag der Landung waren es genau zwei deutsche Flugzeuge, geflogen von Oberstleutnant Josef Priller und Feldwebel Heinz Wodarczyk, die die alliierten Landungstruppen angriffen. Alle anderen Flugzeuge waren am 4. Juni ins Landesinnere verlegt worden, da man die bisherigen Flugplätze für zu bedroht ansah. Im Verlaufe des D-Days hatten die Alliierten die absolute Luftherrschaft. (Luftkrieg während der Operation Overlord)

Einige Zeit später wurde den Deutschen klar, dass eine Invasion stattfand. Doch sie hielten diese für eine Finte und vermuteten weiterhin, dass die eigentliche Invasion im Gebiet des Pas-de-Calais stattfinden würde. Manche der deutschen Generäle rechneten sogar noch Monate später mit einer Hauptinvasion beim Pas-de-Calais.

Deutsche Reaktionen auf die alliierte Invasion
Das Kampfgebiet bestand zum Teil aus einer Bocage-Landschaft mit vielen Feldern, kleinen Wegen, Flüssen und Bächen, die gute Verteidigungspositionen für die deutschen Verbände boten. Überlebende alliierte Soldaten berichteten, dass jedes einzelne Feld durch heftige Kämpfe erobert werden musste. Daneben war für Panzer sehr gut befahrbares Gelände vorhanden, was für die Alliierten wie auch für die Deutschen von grosser Bedeutung war.

Die Stadt Caen war für die Abstimmung der deutschen 7. und 15. Armee im Département Pas-de-Calais äusserst wichtig. Nahmen die Alliierten Caen ein, dann würde ein Rückzug der deutschen Truppen von der Kanalküste unvermeidbar werden, um eine Verbindung zwischen ihnen aufrechtzuerhalten. Ein Rückzug entsprach aber keineswegs den Vorstellungen Adolf Hitlers, der befohlen hatte, jeden Meter Land zu verteidigen bzw. zu halten. Aus diesem Grund konzentrierten die Deutschen ihre Streitkräfte im Gebiet um Caen, wo britische Truppen mehrere Operationen starteten. So verlegten die Deutschen 150 schwere und 250 mittlere Panzer in das Caen-Gebiet, jedoch lediglich 50 mittlere Panzer und 26 Panther in das Gebiet, in dem amerikanischen Verbände kämpften.

Als Antwort auf die alliierten Vorstösse starteten die Deutschen am 6. August 1944 zwischen den Städten Mortain und Avranches einen Gegenangriff, das Unternehmen Lüttich, auch Konterattacke von Mortain genannt. Der deutsche Plan sah vor, mit der 7. Armee die Linie der Alliierten im südlichen Bereich der Cotentin-Halbinsel zu durchbrechen und die amerikanischen Einheiten abzuschneiden und aufzureiben. Die Anweisung Hitlers dazu erreichte den OB West, Generalfeldmarschall Günther von Kluge, am 2. August. Von Kluge erklärte später, dass er den vorgelegten Plan für zu grandios und unmöglich in der Ausführung hielt, doch im Moment der Übergabe war er durchaus von ihm angetan. Nach einigen Rückschlägen entschied von Kluge gegen Mitternacht des 8. August, den Angriff vorerst auszusetzen, bereitete jedoch seine Einheiten auf einen späteren Vorstoss vor. Hitler war nicht sofort davon überzeugt, dass sein Vorrücken auf Avranches gescheitert war. In der Hoffnung, die Alliierten in der Bretagne abschneiden zu können und dann im Norden die wichtigen Häfen und Teile der Küstengebiete zurückzuerobern, bestand er auf einer Wiederaufnahme des Angriffs. Am 9. August warf er von Kluge vor, den Angriff zu früh gestartet zu haben und dass der Zeitpunkt den alliierten Luftoperationen in die Hände gespielt habe. Er befahl dem OB West, sein Unternehmen unverzüglich wieder aufzunehmen und zwar aus dem Raum um Domfront, südöstlich von Mortain.

Die Ansammlung der deutschen Panzereinheiten im Raum südlich von Falaise gab den Alliierten die Chance, sie zwischen Falaise und Argentan im so genannten Kessel von Falaise einzukesseln. Die deutsche Wehrmacht verlor zwischen dem 7. und 21. August im Westen 50.000 Soldaten und weitere 200.000 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt beliefen sich die Verluste der Deutschen in der Normandie auf mehr als 240.000 Tote oder Verwundete und weitere 250.000 Gefangene. An Material büsste die Wehrmacht dabei 1.500 Panzer, 3.500 Geschütze und 20.000 sonstige Fahrzeuge ein. Durch ihren Sieg bei Falaise waren die alliierten Streitkräfte anschliessend in der Lage, Richtung Seine und schliesslich Paris vorzurücken.

Behandlung von Kriegsgefangenen und Kriegsverbrechen
Der deutsche General der Waffen-SS Kurt Meyer berichtet wie folgt über die kanadische Behandlung von deutschen Kriegsgefangenen:

"Am 7. Juni wurde mir ein Notizblock eines kanadischen Captains gegeben. Zuzüglich zu handgeschriebenen Befehlen wiesen die Notizen an: 'no prisoners were to be taken' ['keine Gefangenen nehmen']. Einige kanadische Gefangenen wurden [daraufhin] gefragt, ob die Instruktionen der Wahrheit entsprechen würden […] und sie sagten, dass sie den Befehl hatten, wenn die Gefangenen den Fortschritt behinderten, sie nicht gefangen zu nehmen".

Meyer soll daraufhin befohlen haben: "Was sollen wir mit diesen Gefangenen tun? Die essen nur unsere Rationen. In Zukunft werden keine Gefangenen mehr gemacht".

Mehr als 156 kanadische Kriegsgefangene sind Berichten zufolge von der 12. SS-Panzer-Division in den Tagen und Wochen nach dem D-Day in der Nähe von Caen getötet worden. Beim Massaker in der Abbaye d’Ardenne wurden zwanzig kanadische Kriegsgefangene von Angehörigen der 12. SS-Panzer-Division erschossen.

Verluste

Am Abend des D-Day registrierten die Alliierten Verluste von rund 12.000 Mann, darunter etwa 4400 Tote. Die Zahl der deutschen Verwundeten, Vermissten und Gefallenen wird auf 4000 bis 9000 Mann geschätzt. Im weiteren Verlauf der "Operation Overlord" sollen bis zur Eroberung von Paris im August 200.000 Deutsche und 70.000 Verbündete ums Leben gekommen sein. In der verwüsteten Normandie starben bis zu 20.000 Zivilisten.

Operation Tonga (05.06.1944 – 06.06.1944)   
(aus Wikipedia)

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051_69/Kartenausschnitt Pegasusbrücke

Die Operation Tonga im Zweiten Weltkrieg war Teil der britischen Landungen in der Normandie und Teil der Operation Overlord bzw. Teil der Operation Neptune. Die Operation Tonga fand am 5. Juni 1944 statt. Die britische 6. Luftlandedivision landete im Verlauf der Operation mit Gleitern und Fallschirmen in dem hinter dem Strandabschnitt Sword gelegenen Teil der Normandie, um die Pegasusbrücke und die Horsabrücke zu nehmen, deutsche Panzerverbände vom Strand fernzuhalten und eine Artilleriebatterie bei Merville sowie deutsche Nachschubwege (die Brücken über die Dives und die Divette) zu zerstören.

Die Alliierten konnten die Schlüsselbrücken (Pegasus- und Horsabrücke) erfolgreich erobern und halten, die Artilleriebatterie bei Merville und die Nachschubwege zerstören. Es gelang durch die Operation Overlord bzw. durch den D-Day, an den Stränden Fuss zu fassen und eine feste Basis in Frankreich für die Rückeroberung Westeuropas zu schaffen.

Die Kämpfe um die Pegasusbrücke wurden später dem Sachbuch von Cornelius Ryan (The Longest Day: June 6, 1944) beschrieben, das später auch unter dem Namen The Longest Day (deutsch Der längste Tag) verfilmt wurde. Auch Computerspiele nahmen sich die Kämpfe um die Pegasusbrücke zum Vorbild.

Ausgangssituation
Um die Rote Armee zu entlasten, hatte Stalin die Westalliierten zur Eröffnung einer zweiten Front gedrängt, zumal die bereits 1943 erfolgte Landung der Briten und Amerikaner in Italien nicht den gewünschten schnellen Erfolg brachte. Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 einigten sich Roosevelt, Stalin und Churchill auf eine über den Ärmelkanal vorgetragene Landeoperation zur Rückeroberung Nordfrankreichs, einschliesslich Paris, mit dem Codenamen Operation Overlord. Diese sollte in der Normandie zwischen den Städten Cherbourg und Le Havre stattfinden. Bei der Casablanca-Konferenz wurde die Gründung eines kombinierten Hauptquartiers, des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, beschlossen, dessen Führung der Supreme Allied Commander Dwight D. Eisenhower übernahm. Eisenhowers Stabschef wurde, unter der Bezeichnung Chief of Staff to the Supreme Allied Commander, der Lieutenant-General (Generalleutnant) Frederick E. Morgan, der die Planung für die Operation Overlord leitete. Die Leitung über die Landeeinheiten übernahm Bernard Montgomery. Die Seestreitkräfte sollte Admiral Bertram Home Ramsay befehlen, wohingegen die Luftstreitkräfte von Air Chief Marshal Trafford Leigh-Mallory angeführt werden sollten.

Die erste Phase der Operation Overlord, die Bildung eines Brückenkopfes an den Stränden der Normandie, lief unter dem Codenamen Operation Neptune. Diese Operation war in mehrere Teiloperationen der beteiligten Truppenverbände aufgeteilt, wozu auch die Operation Tonga gehörte. Zur Sicherung der Flanken des von anfangs fünf Infanteriedivisionen gebildeten Brückenkopfes wurde östlich der Landestrände die britische 6. Luftlandedivision (Operation Tonga) und westlich die US-amerikanischen 82. und 101. US-Luftlandedivisionen (Operationen Detroit bzw. Chicago) abgesetzt. Ausserdem gehörten die Sicherung der Landungsflotte sowie die Bombardierung der deutschen Küstenstellungen durch Luft- und Seestreitkräfte zur Operation Neptune.

Planung
Kurz nachdem klar war, dass die britische 6. Luftlandedivision an der Invasion teilnehmen würde, traf Major-General Richard Gale mit seinem Stab im Hauptquartier des I. Korps in London ein, um die Befehle entgegenzunehmen. Es wurde ein Plan ausgearbeitet, der in den Folgemonaten kaum noch Veränderungen erfuhr.

Da wegen Kapazitätsproblemen nicht die gesamte Division eingeflogen werden konnte, beschloss man, erst einen kleinen Teil der Division und später den zweiten, grossen Teil einzufliegen. Für die erste Landung, die einige Zeit vor den Landungen an den Stränden stattfinden sollte, wurde der Codename Operation Tonga gewählt. Der zweite Anflug sollte am Abend des D-Day stattfinden und erhielt den Namen Operation Mallard. Während der Operation Tonga sollten Schlüsselbrücken genommen und einige andere Brücken und Objekte zerstört werden. Die eroberten Gebiete sollten gehalten werden, bis der Rest der Division im Verlauf der Operation Mallard das Gebiet sichert und die bereits gelandeten Verbände verstärkt.

Problematisch war ausser der Transportkapazität auch, dass die Deutschen Teile des Geländes mit Holzpfählen vor Gleiterlandungen schützten. Des Weiteren hatten sie grosse Teile des Gebietes um die Flüsse Dives und Divette herum überflutet, die der Absprungszone V (AZ-V) bedrohlich nahe waren.

Operation Tonga
Eroberung der Pegasus- und Horsabrücke
Die D-Kompanie des 2. Bataillons des Regiments Oxfordshire & Buckinghamshire Light Infantry der britischen 6. Luftlandedivision unter Major John Howard sollte in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni im Operationsgebiet landen, Schlüsselbrücken – die Benouvillebrücke über den Caen-Kanal und die Horsabrücke über die Orne – einnehmen und halten, und auf die britische Haupteinheit warten, die vom Strandabschnitt Sword vorrücken sollte.

Bei einer Fallschirmlandung wären alle Einheiten wahrscheinlich über das gesamte Gebiet verstreut worden und hätten sich erst sammeln müssen. Da dies als inakzeptabel hinsichtlich einer möglichen frühzeitigen Entdeckung der Einheiten verworfen wurde, kam als einzige Alternative nur eine Ausführung als Handstreich in Frage. Um überraschend schnell mit einer ausreichenden Zahl an Soldaten möglichst zielgenau beim anvisierten Objekt landen zu können, wurden sechs Lastensegler des Typs Horsa als Transportmittel gewählt. Jeder Gleiter konnte einen komplett ausgerüsteten Zug aufnehmen, der direkt nach der Landung einsatzbereit sein würde.

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051_70/Eine Albemarle zieht einen Horsa-Gleiter

Howards Männer, darunter auch Pioniere, sollten sehr nah an den Brücken landen, um dann mit Hilfe des Überraschungseffektes die Brücken zu stürmen. Wenn dies erledigt wäre, sollten die Pioniere den von den Deutschen am Gegengewicht der Brücke angebrachten Sprengstoff entfernen. Für diesen Teil der Operation wurden Modelle der Brücken und der Umgebung nachgebaut, die auf Luftbildern der Royal Air Force und Berichten von französischen Widerstandskämpfern basierten. Der mit der Eroberung der Brücken beauftragte Major John Howard bereitete seine Männer ausgiebig auf die Operation Tonga vor.

Im Verlauf der Kämpfe sollten Pfadfinder zusammen mit kleineren Fallschirmjägereinheiten in den Landezonen K, N und V landen. Ihre Aufgabe war die Sicherung der Umgebung und das Aufstellen der "Eureka"-Signallichter, die als Positionsbestimmung, für die eine halbe Stunde darauf einfliegenden Haupteinheiten galten.

Die 5. Fallschirmjägerbrigade war der Landezone N nördlich von Ranville zugewiesen. Sie sollte eine Riegelstellung um die Brücken bilden. Dazu musste das 7. Bataillon westlich über die Orne und die Städtchen Bénouville und Le Port sichern, während das 12. und 13. Bataillon Ranville und eine Anhöhe südlich davon erobern sollte.

Eroberung und Zerstörung der Merville-Batterie

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051_71/Die Anlage ist heute ein Museum

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051_72/Gedeckte und offene Geschützstellungen

In einer weiteren Teiloperation sollte die Artilleriebatterie bei Merville erobert und zerstört werden. Das 9. Bataillon unter dem Befehl von Lieutenant-Colonel (Oberstleutnant) Terence Otway sollte diesen Befehl ausführen.

Die Batterie konnte den am Strand landenden Truppen und den Landungsbooten mit ihren vier Kanonen erheblichen Schaden zufügen. Die effektivste Möglichkeit, diese Gefahr zu beseitigen, war nach Meinung der Alliierten ein Luftlandeangriff. Die Briten nahmen an, in der Batterie befänden sich vier 150-mm-Haubitzen, wovon sich jede wiederum in einer ca. 1,80 m dicken Betonkasematte befand, die vorn und hinten eine Stahltür aufwies.

Der Schutz der Merville-Batterie war beachtlich. Ein mehr als 360 Meter langer Panzergraben, der 4,5 Meter breit und drei Meter tief war, umgab die Batterie auf der West- und Nordwestseite. Zusätzlich waren zwei Reihen Stacheldraht ausgelegt, von denen die erste noch relativ harmlos, die zweite aber fast zwei Meter hoch und drei Meter breit war. Zwischen ihnen befand sich ein Minenfeld. Zudem waren weitere Minen auf möglichen Annäherungswegen zur Stellung ausgelegt. Die Batterie bzw. das Stellungssystem um diese war von 160 deutschen Soldaten besetzt. Die Nahsicherung der Batterie verteilte sich auf ca. 15 bis 20 Stellungen und Unterstände, welche jeweils mit ca. vier bis fünf Maschinengewehren ausgestattet waren. Dazu kamen noch drei 20-mm-Flakgeschütze, welche sowohl gegen Luftziele wie auch im Erdkampf eingesetzt werden konnten. Allerdings verfügten die Deutschen über wenig Munition, da Nachschubtransporte von der Résistance und alliierten Bomberverbänden zerstört worden waren. Der Befehlsstand der Batterie befand sich etwa zwei Kilometer weiter nördlich, nahe dem Strandabschnitt Sword.

Das 9. Fallschirmjägerbataillon war zur Landung in der Zone V vorgesehen, einem Feld, das rund zwei Kilometer von der Batterie entfernt lag. Zuvor sollte die C-Kompanie des kanadischen 1. Fallschirmjägerbataillons die Landezone einnehmen und sichern. Pfadfinder der 22. Unabhängigen Fallschirmkompanie sollten dann die Landungsstelle markieren, um die Hauptabsprungwelle zu leiten. Die A-Kompanie des kanadischen 1. Fallschirmjägerbataillons war zum Schutz der linken Flanke des 9. Fallschirmjägerbataillons vorgesehen, wenn diese zur Batterie vorrückten und den Angriff führten. Zwischen 0:30 Uhr und 0:50 Uhr sollten rund 100 Avro-Lancaster-Bomber der Royal Air Force das Ziel mit 635 Tonnen Bomben angriffsreif vorbereiten.

Das 9. Fallschirmjägerbataillon hatte den Angriff unter Otway mit 650 bis 785 Mann, die grösstenteils zwischen 18 und 20 Jahre alt waren, an einer 1:1-Attrappe der Batterie in West Woodhay, 11 Kilometer südwestlich von Newbury in England mehrfach geprobt, so dass jeder Soldat genau wusste, was er zu tun hatte. Mehrere Gruppen waren zusammengestellt worden, um die vorbereitenden Aufgaben auszuführen. Es gab eine Rendezvous-Gruppe, die um 0:20 Uhr abspringen sollte, um das Bataillon in der Landezone zu sammeln. Mit ihnen war eine Aufklärer-Gruppe (Troubridge) zum Absprung vorgesehen, die schnellstmöglich zur Batterie vorstossen, dort alles ausspähen, das Bataillon treffen und den kommandierenden Offizier über ihre Erkenntnisse informieren sollte. Anschliessend war die Einweisung der Einheit zur Merville-Batterie über den bestmöglichen Weg vorgesehen.

Der Hauptteil des Bataillons sollte um 0:50 Uhr abspringen. Zuerst sollte ein Teil mit Minensuchgeräten die Minenfelder bis zum Hauptzaun absuchen und säubern und dann mit Bändern einen sicheren Weg durch das Minenfeld kennzeichnen. Knapp anderthalb Stunden wurde für das Gruppieren usw. Zeit gegeben, so dass der Angriff um 2:35 Uhr starten sollte. Das Bataillon sollte sich für den Angriff an einer vorher bestimmten Position, ca. 500 Yards von der Batterie entfernt, zwischen 4:10 und 4:20 Uhr sammeln. Mit drei Horsa-Segelflugzeugen sollten die A-Kompanie und ca. 591 Pioniere, die die Sprengladungen trugen, innerhalb der Batterie abgesetzt werden. Ein Mörser sollte die Batterie unter Beschuss nehmen. Nach zweieinhalb Minuten sollte ein Hörsignal bewirken, dass das Feuer überall, ausser beim Haupttor, zur Ablenkung, eingestellt würde. Weitere zwei Minuten später, um 4:30 Uhr, als das erste Segelflugzeug landen sollte, sollte der Hornist ein anderes Signal erklingen lassen, der den Mörserbeschuss beenden sollte. Danach sollte mit dem Angriff begonnen werden. Die B-Kompanie sollte den Zaun sprengen, woraufhin die C-Kompanie anzugreifen hatte.

Falls bis 05:30 Uhr kein Erfolgssignal von Otways Truppe durchgegeben würde, sollte die HMS Arethusa das Feuer auf die Batterie eröffnen.

Zerstörung der Brücken über die Dives und die Divette
Die Brücken über die Dives und über die Divette sollten in einer dritten Teiloperation durch das kanadische 1. und das britische 8. Bataillon zerstört werden, damit die dahinter befindlichen deutschen Truppenverbände keine Bedrohung mehr für die Invasionstruppen, die am Strandabschnitt Sword landen sollten, darstellen konnten.

Nach Ausführung der Sprengungen lautete der Befehl: Rückzug und Halten der wichtigen Anhöhe, die sich vom Bois de Bavent, vier Meilen südöstlich von Ranville bis zu den Städtchen Le Plein und Le Mesnil, zwei Meilen im Norden und Osten von Ranville, erstreckt.

Die weitere Verfahrensweise
Da nun die Division die östliche Flanke der Normandieinvasion sicherte, konnten die Seelandungen am Sword-Beach im Morgengrauen des 6. Juni um 7:30 Uhr beginnen. Nach Planung sollten die Truppen unter Lord Lovat gegen Mittag in Bénouville eintreffen und dann die Brücken nach Osten in den Divisionsperimeter überqueren. Anschliessend war die Eroberung des Nordsektors der Anhöhe vorgesehen sowie die Säuberung des Küstenabschnitts zwischen Sallenelles und Franceville Plage.

Operation Mallard
Am Abend des 6. Juni 1944 sollte anschliessend der Grossteil der britischen 6. Luftlandedivision mit Ausrüstung, Waffen- und Munitionsnachschub, darunter leichte Panzer und eine Artilleriebatterie, mit Gleitern in den Landezonen N und W landen und die eroberten Gebiete sichern und verstärken. Obwohl zwei Anflugwellen vorgesehen waren, überstieg dies immer noch die Transportkapazitäten, da nicht so viele Gleiter zur Verfügung standen. So mussten Teile der Division am Folgetag über den Seeweg in die Normandie gebracht werden.

Planungshindernisse
Im Laufe der nächsten Monate nach erfolgter Planung der Operationen stellte der britische Geheimdienst verstärkte deutsche Tätigkeiten an den Normandiestränden und deren Hinterland fest. Im Besonderen bemerkten sie, dass lange metallene Stangen und Baumstämme auf freiem Gelände, das sich für eine Fallschirm- und Gleiterlandung eignete, errichtet wurden. Nach der ersten Annahme, der Plan der Normandie-Invasion wäre aufgeflogen, stellte der Geheimdienst aber fest, dass derlei Aktionen überall in Nordfrankreich ausgeführt wurden und nicht auf die Normandie beschränkt waren. Trotz allem stellten die Pfähle, die man später "Rommelspargel" nannte, eine enorme Gefahr für die Luftlandungen dar, zumal einige zusätzlich mit Minen gesichert waren. Es wurde daher entschieden, die Pioniere der 591. Fallschirmjägerschwadron als Begleitung der ersten Welle mit abspringen zu lassen, damit diese die Landezonen für die Gleiter von den Hindernissen räumen konnten.

Ein weiterer beunruhigender Aspekt waren die neuerdings gefluteten Bereiche im Hinterland, die ebenfalls eine tödliche Gefahr für die Fallschirmeinheiten darstellten. Einige dieser Bereiche lagen auch sehr nahe bei der Absprungzone V, wo die Hauptlandung der 3. Fallschirmjägerbrigade stattfinden sollte.

Deutsche Verbände
Das Operationsgebiet lag direkt auf der Grenze von den Einsatzräumen der deutschen 7. Armee und der deutschen 15. Armee. Die Alliierten wählten dieses Gebiet deswegen aus, da sie sich erhofften, dass es Verwirrung über die Zuständigkeit geben und so kein geregelter Gegenangriff möglich sein würde. Die deutschen Verbände waren alle über ein relativ breites Gebiet verteilt.

Die deutsche Hauptstreitmacht, die eine Invasion zurückschlagen sollte, konzentrierte sich auf das Gebiet an der Strasse von Calais, da dort die Entfernung von England nach Frankreich am geringsten ist. Diese Vermutungen wurden durch die alliierte Täuschungsoperation Fortitude bestärkt.

Die Deutschen vermuteten, dass die Alliierten am Tag und bei gutem Wetter angreifen würden, wie dies bei vorangegangenen alliierten Invasionen beobachtet worden war. Da für den 5. und am 6. Juni 1944 schlechtes Wetter vorausgesagt worden war, waren viele Generäle abwesend. Einige, wie z. B. der Befehlshaber der 7. Armee, Generaloberst Friedrich Dollmann, hielten sich bei einem Kriegsspiel in Rennes auf. Der Befehlshaber der deutschen Truppen in der Normandie, Generalfeldmarschall Erwin Rommel, besuchte am 6. Juni seine Frau in Deutschland, da diese ihren 50. Geburtstag feierte.

Die drei deutschen Infanterie-Divisionen in diesem Gebiet, die 352., die 711. und die 716. Infanterie-Division stellten als Westdivisionen mit mangelhafter Ausrüstung und geringerer Ist-Stärke als unbewegliche Grossverbände keine allzu grosse Gefahr für die britische 6. Luftlandedivision dar. Die gut ausgerüstete 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend", unter dem Befehl von SS-Brigadeführer Fritz Witt und die 21. Panzer-Division, die seit dem 8. Mai 1944 von Generalleutnant Edgar Feuchtinger befehligt wurde, hätten – jede verfügte nach Kriegsstärkenachweis über eine Soll-Stärke ca. 20.000 Soldaten – den Erfolg der Operation jedoch verhindern können. Die 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend", überwiegend aus 17-jährigen Mitgliedern der Hitlerjugend, hätte in ungefähr zwölf Stunden, das von der Operation Tonga betroffene Gebiet erreichen können. Die 21. Panzer-Division lag südlich der Stadt Caen und war deshalb eine grosse Gefahr für die Alliierten.

Ausführung
Eroberung der Pegasus- und Horsabrücke

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051_73/Die ursprüngliche "Pegasusbrücke", die neue Brücke der gleichen Bauart wurde 1990 neu erstellt, steht heute im Museum unmittelbar neben der Brücke

In den letzten Stunden des 5. Juni 1944 starteten Howards Einheiten, die D-Kompanie, Teile der B-Kompanie und einige Pioniere zu den Landezonen X und Y (LZ-X; LZ-Y). In sechs von Halifax-Bombern geschleppten Horsa-Segelflugzeugen wurden Howards Truppen transportiert. Über der Küste der Normandie, östlich von Merville, wurden die Gleiter in einer Höhe von 1900 Metern ausgeklinkt. Die Halifax-Bomber flogen weiter Richtung Caen, um dort zur Ablenkung eine Zementfabrik zu bombardieren. Gegen 0:16 Uhr (britischer Zeit) landete Howards Gleiter 47 Meter entfernt von der Brücke über den Caen-Kanal, der Pegasusbrücke, wie sie später heissen sollte. Bei der Bruchlandung prallte das Flugzeug jedoch gegen einen Felsen, wodurch das Flugzeug (besonders das Cockpit) schwer beschädigt wurde, viele Soldaten leicht verletzt bzw. das Bewusstsein kurzzeitig verloren und die beiden, die den Gleiter flogen, flogen durch die Cockpitscheibe, überlebten dieses aber mit einigen Verletzungen. Ein weiterer Gleiter, am Steuer die Staff Sergeants Boland und Hobbs, mit 28 Soldaten an Bord landete um 0:17 Uhr direkt neben Howards Gleiter, wohingegen ein dritter (am Steuer die Staff Sergeants Barkway und Boyle) um 0:18 Uhr zwar nahe diesen beiden landete, jedoch zerbrach und in einen Teich schlitterte. Dabei wurden zwei Soldaten schwer verletzt und verloren das Bewusstsein. Einer von ihnen, Lance Corporal Fred Greenhalgh, ertrank schliesslich im sumpfigen Wasser. Die deutschen Truppen, die die Brücke bewachten, reagierten jedoch nicht auf diese Landungen, weil sie sie entweder gar nicht mitbekamen oder weil sie sie für einen Flugzeugabsturz hielten.

Die Briten attackierten den am östlichen Flussufer gelegenen Bunker, der eine Maschinengewehrstellung beinhaltete, indem sie Handgranaten hineinwarfen. Die Männer stürmten danach die Brücke. Auf der anderen Seite warf der Lieutenant Den Brotheridge eine Granate in den dort befindlichen Bunker. Im darauffolgenden Moment wurde Brotheridge von einem Nackenschuss tödlich verwundet. Er gilt als erster alliierter Soldat, der am D-Day durch Feindeshand ums Leben kam. Als der erste Zug die Brücke attackierte, landete gerade der zweite Gleiter mit dem zweiten Zug an Bord und kam daraufhin dem ersten Zug zur Hilfe. Die Besatzung, die sich aus dem in dem Teich geschlitterten Gleiter befreien konnte, stiess unter Lieutenant Smith zur Westseite der Brücke vor. Die Pioniere entfernten daraufhin die Sprengladungen am Gegengewicht der Brücke, womit diese gesichert war.

Gegen 0:22 Uhr begann die andere Dreiergruppe mit dem Landeanflug bei der Horsabrücke. Doch einer der drei Gleiter landete 13 Kilometer von der vorgesehenen Landezone entfernt, nahe der Dives. Im Verlauf des Tages kämpfte sich dieser Teil der Briten zu Howards Truppen durch, wobei vier Männer umkamen. Gegen 0:26 Uhr waren schliesslich beide Brücken gesichert. Gegen 0:30 kamen die verletzten Piloten des Führungsfliegers, Staff Sergeants Wallwork und Ainsworth, wieder zu Bewusstsein, durchsuchten das Flugzeug nach funktionstüchtigen Waffen und Munition und brachten diese zu ihren Kameraden.

Um 1:40 Uhr starteten die deutschen ihren ersten Gegenangriff mit einem Panzer der 21. Panzerdivision. Doch den bemerkten die Briten frühzeitig und begaben sich in Stellung. Sie lockten die Deutschen in einen Hinterhalt. Sergeant Charles Thornton hatte die Panzerabwehrwaffe Piat im Anschlag. Das Hohlladungsgeschoss traf das Munitionslager, woraufhin der gesamte Panzer explodierte. Die Deutschen zogen sich zurück, weil sie vermuteten, es gäbe noch mehr solcher Waffen, doch im Gegenteil, die Briten hatten nur noch ein Geschoss übrig. Sie verteidigten die Brücke erfolgreich und schlugen Gegenangriffe, unter anderem von einigen Scharfschützen, zurück, wobei sie auch den deutschen Brückenkommandanten, Major Hans Schmidt, gefangen nahmen.

Gegen 8:30 Uhr flogen die Briten mit zwei Spitfire-Jagdflugzeugen über die Brücken, um deren Zustand zu überprüfen. Ausserdem warfen sie die Londoner Morgenzeitung ab. Danach drehten sie wieder ab. Als die Deutschen merkten, dass sie keine Chance hatten, die Alliierten aus Frankreich zu vertreiben, verfolgten sie nun den Plan, die Brücken zu zerstören. Dafür mobilisieren sie eine von nur noch wenigen Focke-Wulf 190. Bewaffnet mit einer 250 kg schweren Bombe flog sie einen Angriff. Die Bombe traf die Brücke, explodierte jedoch nicht. Sie prallte von ihr ab und flog in den Caen-Kanal.

Nachkommende Verstärkung hatte die Aufgabe, einen ungeschützten Gegenangriff auf die deutsche 21. Panzer-Division zu starten, um sie am Vormarsch auf die Strände der Normandie zu hindern. Als die Truppentransportgleiter über den Köpfen der deutschen Panzerkommandeure erschienen, meinten sie völlig abgeschnitten zu sein und zogen ihre Einheiten zurück.

Howards Einheit war eine der ersten, die in der Normandie gelandet war. Von den 181 Soldaten der D-Kompanie kamen bei der Eroberung der Brücken zwei ums Leben, 14 weitere wurden verwundet. Am Mittag des 6. Juni, um ca. 13:30 Uhr, stiess die 1st Special Service Brigade unter Lord Lovat zu Howards Truppen vor.

Obwohl die Landungen erfolgreich geprobt worden waren, wurden viele Einheiten in der Normandie verstreut.

Eroberung und Zerstörung der Merville Batterie

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051_74/Karte der Artillerie-Batterie bei Merville

Otways Truppen wurden über das gesamte Gebiet verstreut. Nur etwa 150 der Männer waren um 02:50 Uhr am vereinbarten Treffpunkt zusammengekommen. Ausserdem erreichten die für den Angriff eingeplanten Jeeps, panzerbrechenden Waffen, Mörser, Minensuchgeräte, Sanitäter und die Pioniere nicht den Treffpunkt. Sie sammelten sich nahe Gonneville-sur-Merville, wo sie auf Bomberverbände der Royal Air Force warteten, die die Merville-Batterie zerstören oder zumindest beschädigen sollten. Die Bomber verfehlten jedoch

ihr Ziel und trafen stattdessen Gonneville, was zu einem Durcheinander bei den britischen Fallschirmjägern führte. Einer der britischen Gleiter wurde von einer 2-cm-Flugabwehrkanone abgeschossen, was allerdings die Deutschen von einer kleinen Truppe um Otway ablenkte. Otway beschloss trotz der Tatsache, dass ihm viel weniger Mittel als geplant zur Verfügung standen, die Batterie mit seinen Männern anzugreifen. Der Soldat Alan Jefferson meinte über Otway: "Ich sah den Blick von Colonel Otway. Er sah aus wie direkt aus dem Gefrierschrank geholt, völlig starr und weiss und er fühlte sich sichtlich unwohl". Otway sagte später: "Ich hatte die Wahl: Aufgeben oder angreifen. Aber wie hätte man vor seinen Freunden dagestanden. Ich wollte nicht, dass Leute sagen, er hat aufgegeben. Also entschied ich mich, anzugreifen".

Die Minensucher entschärften die Minen auf den Minenfeldern ohne ihr Spezialwerkzeug, da sie ihre Ausrüstung nicht erhalten hatten, woraufhin Otways Truppe den Stacheldraht durchtrennte, der die Batterie umgab. Nun griffen sie von hinten die Batterie an. Die Fallschirmjäger mussten improvisieren, weil ihnen der Sprengstoff fehlte.

Der Befehlshaber der deutschen Garnison, Raimund Steiner, ein Telefonist, Funker und Vermessungstechniker, befand sich im etwa zwei Kilometer entfernten Befehlsstand, von wo aus er den Ärmelkanal beobachtete. Die Briten und Kanadier stürmten auf die Kasematten zu und überrumpelten die Deutschen. Nachdem Steiner gegen 04:00 Uhr per Telefon von dem Überfall erfuhr, befahl er den ihm verbliebenen Männern, sich in den Kommandobunker zurückzuziehen und sich dort zu verschanzen. Am Telefon hörte er, wie die ihm unterstellten Soldaten wegen des durch die Briten ins Innere geworfenen Phosphors mit dem Tode kämpften. Der Kampf zwischen Otways und Steiners Truppen dauerte etwa eine halbe Stunde.

Otway liess die Geschütze zerstören und an die HMS Arethusa funken, dass sie ihren Auftrag erfüllt hatten. Die Briten verliessen die Batterie nun wieder, woraufhin die überlebenden Deutschen aus ihren Verstecken hervorkamen, um die Batterie zurückzuerobern. Die Briten griffen mit Feuerunterstützung der HMS Arethusa die Batterie erneut an, um sie endgültig einzunehmen, was ihnen auch gelang.

Gegen 05:00 Uhr war die Batterie in britischer Hand. Es kamen 65 britische Fallschirmjäger ums Leben, 30 weitere wurden verwundet und 22 gefangen genommen. 190 weitere gelten bis heute als vermisst. Es stellte sich nach Beenden der Kampfhandlungen heraus, dass die Kanonen keine 150-mm-, sondern 100-mm-Haubitzen waren und eine weitaus geringere Bedrohung für die Landungstruppen dargestellt hätten.

Zerstörung der Brücken über die Dives und die Divette
Das kanadische 1. Fallschirmjägerbataillon hatte mehrere Aufgaben nach der erfolgten Landung zu erledigen. Die A-Kompanie war als linker Flankenschutz des 9. Bataillons an der Merville-Batterie bestimmt, doch nach der Landung mussten sie zuerst den Ort Gonneville-sur-Merville durchqueren. Dort angekommen, suchten sie schnellstmöglich Deckung auf, da die Royal Air Force das Dorf bombardierte. Kurz danach wurden sie von einer kleineren Gruppe Deutscher aus einem Château heraus beschossen. Die von der Kompanie daraufhin ausgeführte Attacke auf das Château war erfolgreich, ebenso der Flankenschutz für den Angriff auf die Merville-Batterie. Die A-Kompanie deckte daraufhin den Rückzug des 9. Bataillons und rückte dann auf Le Mesnil vor, wo sich die anderen Kanadier sammelten.

Die B-Kompanie war den Pionieren der 3. Fallschirmschwadron, die die Brücke bei Robehomme zerstören sollte, als Begleitung zugeteilt. Drei der vier Züge landeten aber zwei Meilen von ihrer Landezone entfernt in den von den Deutschen gefluteten Gebieten und kämpften zuerst einmal gegen ihr Ertrinken. Der von Lieutenant Toseland geführte 5. Zug landete auf festem Boden und wurden von einer Französin, der sie unterwegs begegnet waren, zur Brücke geführt. Auf ihrem Weg stiessen immer mehr Männer der 3. Fallschirmjägerbrigade zu ihnen, darunter sogar Soldaten des 8. Bataillons, das eigentlich sieben Meilen entfernt hätte landen sollen. An der Brücke wurden sie schon von Major Fuller, dem Kommandanten der B-Kompanie, erwartet. Allerdings war der zur Zerstörung nötige Sprengstoff nicht angekommen. Ein Sergeant sammelte zur Improvisation mehr als 13 Kilogramm explosives Material aus den mitgeführten kleinen Bomben zusammen und versuchte, damit die Brücke zu sprengen. Sie wurde dabei zwar erheblich beschädigt, aber nicht zerstört. Gegen 6:00 Uhr erreichten einige Pioniere die Brücke mit unterwegs zusammengesammeltem Sprengstoff. Diese mehr als 90 Kilogramm reichten dann zur Zerstörung der Brücke aus.

Die Männer der C-Kompanie waren die ersten Kanadier, die französischen Boden erreichten. Sie sollten mit den Pfadfindern etwa eine halbe Stunde vor der Hauptstreitmacht ziemlich genau in der Landezone DZ-V landen. Der Grund des früheren Absprungs lag in der Aufgabe, ein deutsches Hauptquartier nahe der Landezone zu nehmen und dann nach Varaville vorzurücken. Dort sollten die Brücken über die Divette zerstört und der Ort selbst eingenommen werden.

Die ohnehin schon weit verstreuten Absprünge erreichten bei Lieutenant Madden und der Hälfte seines Zuges jedoch bereits direkt zu Beginn der Invasion einen Höhepunkt, da ihr Pilot versehentlich die Flüsse Orne und Dives verwechselte, so dass sich die Soldaten auf der falschen Seite des falschen Flusses wieder fanden. Sie waren mehr als eine Meile vom Strandabschnitt Sword entfernt. Andere Fallschirmjäger wurden genauer abgesetzt, so dass Major McLeod nach einer zehnminütigen Wartezeit immerhin schon 15 Soldaten am Sammelpunkt vereint hatte. Gerade als er seine kleine Einheit auf den Weg nach Varaville schicken wollte, griffen die Bomber der RAF die Merville-Batterie an. Einige der Piloten warfen ihre ungenutzten Bomben rücksichtslos über die Landezone DZ-V ab, was einigen Soldaten einen gehörigen Schock verpasste.

Unterwegs konnte Major McLeod weitere Soldaten seiner und anderer Einheiten aufsammeln und unentdeckt das Dorf erreichen. Als sie sich auf die Attacke vorbereiteten, wurden sie jedoch bemerkt und von einem hochstehenden 75-mm-Infanteriegeschütz beschossen. Ein Treffer ging in eine Munitionskiste und tötete einen der Kanadier. Major McLeod wurde dabei schwer verletzt. Der folgende Kampf dauerte bis 10:00 Uhr. Die auf mittlerweile 46 Mann geschrumpfte deutsche Garnison ergab sich daraufhin. Eine Stunde zuvor war es Lieutenant Baille und seinen Pionieren gelungen, die Brücke zu zerstören.

Das 8. Bataillon, das sieben Meilen weiter westlich gelandet war, hatte grosse Schwierigkeiten, sich wieder zusammenzufinden, da sie über einen weiten Bereich verteilt gelandet waren. Hinzu kam, dass die Pfadfinder für DZ-K versehentlich bei Ranville, vier Meilen nördlich, abgesprungen waren, so dass 14 der 37 Dakotas ihre Fallschirmjäger über DZ-N abspringen liessen.

Gegen 3:30 Uhr hatten erst 141 Männer den Sammelpunkt erreicht. Mit dieser Streitmacht rückte Lieutenant Colonel Alastair Stevenson Pearson auf Troarn vor. Zur Rückendeckung postierte er zwei Panzerabwehrgeschütze an der Strasse, um gegnerische Einheiten von Westen abzufangen. Einige Stunden später zerstörte diese Gruppe sechs Fahrzeuge der deutschen 21. Panzer-Division. Da das 8. Bataillon für einen Angriff auf Troarn noch nicht stark genug war, hielten sie eine Meile nördlich des Städtchens an einer Strassenkreuzung an. Eine kleine Gruppe der 3. Fallschirmjägerschwadron bekam den Befehl, beide Brücken über die Dives bei Bures zu zerstören, den sie gegen 9:15 Uhr erfolgreich ausführten konnten.

Major John Couch Adams Roseveare, der Kommandant der 3. Fallschirmjägerschwadron, der die Situation des 8. Bataillons nicht kannte, befand sich zu diesem Zeitpunkt mit einem Jeep und einigen seiner Männer auf dem Weg nach Troarn. Sie fuhren geradewegs durch das Städtchen und zogen damit das Feuer der deutschen Garnison auf sich, die nun wusste, dass irgendetwas geschehen sein musste. Die Kanadier erwiderten das Feuer aus dem schnell fahrenden Jeep und kamen bis auf einen Mann ungeschoren davon. Der im Anhänger sitzende Sergeant Peachey wurde in einer Kurve aus dem Fahrzeug geschleudert und geriet kurz darauf in deutsche Gefangenschaft. Roseveare erreichte mit seinen Männern die Brücke hinter dem Städtchen. Sie brachten die Sprengladungen an und konnten um 5:00 Uhr ein Loch mit ca. sechs Meter Durchmesser in die Brücke sprengen.

Das 8. Bataillon hatte von all dem nichts mitbekommen und bereitete sich weiter auf den Angriff gegen Troarn vor. Im Laufe der Zeit traf immer mehr Verstärkung ein, wie etwa die halbe A-Kompanie und die meisten Mörser und leichten Maschinengewehre. Als die Gruppe von Bures wieder eintraf, befehligte Pearson sie und eine weitere Gruppe nach Troarn, um selbst mit der Hauptstreitmacht eine defensive Position im Wald zu errichten. Der Wald bildete die südliche Begrenzung der Anhöhe, die die 3. Fallschirmjägerbrigade verteidigen sollte. Die beiden Gruppen wurden auf ihrem Weg zweimal von deutschen Vorposten beschossen, die aber nach kurzen Verhandlungen aufgaben und gefangen genommen wurden. An der Brücke angekommen, stellten sie fest, dass diese bereits von Roseveare beschädigt worden war. Trotzdem brachten sie auch ihre Ladungen an und verdoppelten damit den Schaden an der Brücke.

Deutsche Reaktionen
Die SS-Panzer-Divisionen, also auch die 12. SS-Panzer-Division, durften nur mit Genehmigung Adolf Hitlers in Bewegung gesetzt werden. Da dieser aber schlief, blieb die Division dort, wo sie stationiert war und griff nicht in das Kampfgeschehen ein. Die Kampfhandlungen wurden von den Deutschen als Täuschungsversuch von der eigentlichen Invasion an der Strasse von Calais herabgestuft. Da die Résistance die Telefon- und Telegraphenleitungen zerstört hatte, gab es bei den Deutschen nur wenige Informationen über die alliierten Truppenbewegungen. Die Alliierten setzten zudem Puppen in Fallschirmjägeruniform, die sie Rupert nannten und laute Kampfgeräusche imitierten, über der Normandie ab. Da zusätzlich zu diesen Imitaten auch sechs SAS-Soldaten absprangen und mehrfach Scheinattacken auf deutsche Stellungen ausführten, waren die Deutschen vollkommen irritiert und nicht dazu imstande, sinnvoll zu agieren.

Um eine Luftlandung zu verschleiern, warfen alliierten Flugzeuge Bomben über unterschiedliche Ziele im Einsatzraum ab. Zusätzliche Verwirrung entstand durch den versehentlichen Absprung einer Reihe von alliierten Fallschirmjäger über falschem Gebiet, so dass sich diese zu ihren Einheiten durchschlagen mussten und während dessen verschiedene deutsche Verbände angriffen. Dadurch wurden die deutschen Kräfte von den tatsächlichen Operationsgebieten abgelenkt und befahlen ihre örtlichen Kräfte in die falschen Einsatzräume.

Obwohl den deutschen Befehlshabern klar wurde, dass eine Invasion stattfand, hielten sie und der damalige Oberbefehlshaber der Wehrmacht diese für eine Finte und vermuteten, dass die Hauptinvasion im Gebiet der Strasse von Calais stattfinden würde. Manche rechneten noch Monate später mit einer Hauptinvasion an dieser engsten Stelle des Ärmelkanals.

Nachwirkungen
Die Operation Tonga war ein voller Erfolg für die Alliierten. Die Einheiten konnten alle Schlüsselbrücken erfolgreich halten und alle vorgesehenen Ziele zerstören. Auch die anderen Operationen der Alliierten in der Normandie verliefen relativ erfolgreich, so dass die Alliierten in der Normandie Fuss fassen konnten. Durch fortwährenden Nachschub konnten sie die Brückenköpfe ausbauen und nach und nach tiefer nach Frankreich eindringen. Der britische Air Chief Marschall (Luftmarschall) Trafford Leigh-Mallory bezeichnete die Landung bei der Pegasusbrücke und der Horsabrücke als "one of the most outstanding flying achievements of the war". (deutsch: "eine der hervorragendsten fliegerischen Leistungen des Krieges").

Der Kampf um die Pegasusbrücke wurde zu einem der bekanntesten Ereignisse der alliierten Invasion in der Normandie. Viele Filme, Bücher oder andere Medien verarbeiteten den Kampf um die Pegasusbrücke, so beispielsweise der Spielfilm Der längste Tag.

Die Benouvillebrücke wurde nach der Eroberung durch die Luftlandedivision offiziell in Pegasusbrücke umbenannt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Verkehr auf der über die Brücke führende Strasse anstieg, wurde die alte Brücke durch eine vergrösserte Kopie der ursprünglichen Konstruktion – um den historischen Gesamteindruck zu wahren – ersetzt. Die Originalbrücke ist heute Teil des Pegasusbrücken-Museums. Ausserdem wurde die Strasse über die Pegasusbrücke zu Howards Ehren in "Major Howard Avenue" umbenannt.

John Howard wurde am 16. Juli 1944 von Feldmarschall Montgomery mit dem Distinguished Service Order ausgezeichnet. Viele weitere Soldaten der 6. britischen Luftlandedivision erhielten ebenfalls Auszeichnungen wie das Distinguished Service Cross oder den Order of the British Empire.

Die ehemalige Artilleriebatterie bei Merville kann von Touristen besichtigt werden. In einem der alten erhaltenen Bunkerbauten vom Typ Regelbau 611, der Kasematte Nr. 1, ist heute ein kleines Museum untergebracht. Vor der mit Gras überwachsenen Batterie stehen ein kleines Denkmal für das britische 9. Bataillon sowie ein Gedenkstein mit einer Büste, die Colonel Otway darstellt.

Operation Cobra (06.06.1944 – 04.08.1944)    
(aus Wikipedia)

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051_75/Kartenausschnitt des Operationsgebietes

Die Operation Cobra war eine militärische Angriffs-Operation der alliierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg. Sie dauerte vom 25. Juli bis zum 4. August 1944 und bedeutete den Ausbruch aus dem Normandie-Brückenkopf, der nach der Landung der Alliierten an der Küste der Normandie (Operation Neptune) entstanden war. Operation Cobra (sowie Neptune) sind Bestandteile der übergeordneten Operation Overlord. Die Operation Cobra kennzeichnet den Übergang vom material- und infanterielastigen Stellungskrieg hin zum motorisierten Bewegungskrieg in Nordfrankreich. Der erfolgreiche Ausgang er ermöglichte den alliierten Streitkräften raumgreifende Operationen, die letztlich zur Bildung des Kessels von Falaise führten. Die deutsche Niederlage in der Kesselschlacht von Falaise bedingte dann den Rückzug der noch handlungsfähigen deutschen Verbände über die Seine und die anschliessende Aufgabe eines Grossteils von Frankreich.

Mancherorts wird das Ereignis auch als Durchbruch bei Avranches bezeichnet, wobei der Durchbruch tatsächlich bei Saint-Lô stattfand. Nach der Eroberung von Avranches wurde der Wehrmachtführung lediglich der Umfang der Operation bewusst.

Hintergrund
Der Plan zur Operation Overlord sah nach einer erfolgreichen Landung einen stetigen Ausbau des Brückenkopfes durch schnell nachgeführte, zusätzliche alliierte Einheiten vor. Städte, Häfen und Landefelder dienten dabei als Eckpunkte für Operationen. Die Alliierten versuchten schnell in eine mobile Kriegsführung überzugehen, um ihre taktische Überlegenheit in der Luft, zu Lande mit Panzern und motorisierter Infanterie sowie mit Hilfe ihrer Logistik zum Tragen zu bringen. Damit sollte ein Stellungskrieg wie im Ersten Weltkrieg vermieden werden.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Alliierten war der Aufbau der Truppen im Brückenkopf, der schneller vonstattengehen musste, als die Deutschen ihre eigenen Truppen mobilisieren konnten. Der deutsche Truppenaufbau musste nachhaltig gestört werden. Damit begann ein Wettlauf in der Normandie, der einer der bedeutendsten für den Verlauf des alliierten Feldzuges wurde.

Zur Bekämpfung der deutschen Nachschubwege bombardierte die alliierte Luftwaffe das Eisenbahn- und Strassennetzwerk in Nordfrankreich. Die eigens für die Invasion geschaffene Second Tactical Air Force (2nd TAF) unterstützte mit Tiefflugangriffen effektiv die mittleren und schweren Bomber der USAAF und RAF (siehe Luftkrieg während der Operation Overlord).

Auch der Aufbau der alliierten Streitmacht auf dem europäischen Kontinent verlief planmässig und vor allem schneller als auf der Gegenseite. Im Juli wurde der Fortschritt allerdings dadurch behindert, dass der Brückenkopf noch nicht deutlich erweitert worden war, oder mit Montgomerys Worten: Es waren noch keine weiteren Claims im Inland abgesteckt worden. Der bisherige Brückenkopf war förmlich "übervölkert", die Anzahl der sich in alliierter Hand befindlichen Flugfelder war weit geringer als geplant. Caen, ein Primärziel am Landungstag, war noch nicht erobert worden und es befand sich auch kein grösserer Hafen in alliierter Hand.

Die Schlacht um die Normandie war in meist kleine Schlachten zerfallen, weshalb die alliierten Verbände nur sehr langsam gegen die deutsche Verteidigung vorstiessen. Beispielsweise verzeichnete das VIII Corps zwischen dem 2. und 14. Juli Verluste von mehr als 10.000 Mann (Tote, Verwundete und Vermisste) bei einem Raumgewinn von nur elf Kilometern. In der Schlacht um Saint-Lô, dessen Eroberung Vorbedingung für die geplante Ausbruchsoffensive war, verlor das XIX Corps im Juli 11.000 Mann. Am 25. Juli, dem Beginn der Operation Cobra, hatten die Alliierten erst die D+5-Linie erreicht, das heisst, sie hielten Positionen, die sie planmässig schon am 11. Juni hätten erreicht haben sollen.

Dies war eine Folge der Entscheidung des Oberbefehlshabers der deutschen Wehrmacht an der Westfront (OB West), Gerd von Rundstedt. Uneinig mit Erwin Rommel, der die Heeresgruppe B an der Invasionsfront befehligte, bevorzugte er die Stationierung von Panzerverbänden im Hinterland der möglichen Invasionsstrände. Das führte dazu, dass die Alliierten nach erfolgreicher Brückenkopfbildung erst verzögert auf starken Widerstand trafen, vor allem im Gebiet um Caen.

Die alliierten Verluste waren hoch, und Luftunterstützung wurde dadurch erschwert, dass Alliierte sowie Deutsche sehr nahe beieinander lagen. Die alliierten Kommandeure konnten ihre erreichten Fortschritte nicht unmittelbar in das Kampfgeschehen einfliessen lassen und ein Stellungskrieg schien sich anzubahnen.

Damit wurde ein Mangel der alliierten Planung für die Tage nach der Invasion aufgedeckt. Man war so mit den Problemen, die die Invasion selbst mit sich brachte, beschäftigt, dass ein adäquates Konzept zum Ausbau des Brückenkopfes fehlte. Besonders die taktischen Probleme an der Front der 1. US-Armee im Westen waren so nicht erwartet worden.

Auf der deutschen Seite war das Heranführen von Nachschub eine Aufgabe, die nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte. Das Oberkommando forderte eine Herauslösung der in vorderster Front gebundenen Panzerverbände durch nachrückende Infanterie. Dies hätte einerseits den Stellungskrieg unvermeidbar gemacht und andererseits die mobilen Verbände für Gegenangriffe loseisen sollen.

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051_76/Luftbild der Bocage-Landschaft in der Normandie, Cotentin, 1945

Auf der taktischen Ebene agierten die deutschen Einheiten effizient, sie wichen nur langsam zurück und fügten dabei den angreifenden Alliierten schwere Verluste zu. Das unübersichtliche Gelände im Westen kam der Wehrmacht dabei entgegen. Es bestand aus weiträumigem flachem Land, durchzogen von kleinen Strassen mit vielen Hecken als Deckungsmöglichkeit. Im offeneren Ostgebiet wurde die Frontlinie von motorisierten Einheiten wie der 9., 10. und 12. SS-Panzer-Division sowie deren schweren Panzerbataillonen und anderen Panzer- und Panzergrenadiereinheiten, wie der Panzer-Lehr-Division, der 2. SS-Panzer-Division und Teilen der 2. Panzer-Division verteidigt. Der grösste Bereich der Verteidigungslinie wurde aber nach Möglichkeit von nicht-mobilen Infanterieeinheiten gehalten.

Dies führte dazu, dass die Infanterie in aufreibenden Frontkämpfen hohe Verluste erlitt und die Panzereinheiten in den Rückzugsschlachten abgenutzt wurden. Luftunterstützung gab es für die deutschen Bodentruppen nicht mehr. Damit konnte deren gewohntes schnelles Vorrücken nicht stattfinden. Dazu kam der Erfolg der alliierten Operation Fortitude, der umfangreiche deutsche Kräfte der 15. Armee in den Niederlanden und im Raum Calais band.

Planung
Um den sich abzeichnenden Stellungskrieg in der Normandie zu verhindern, begann der Oberbefehlshaber der 1. US-Armee, Omar Bradley, einen Ausbruchsplan auszuarbeiten. Einige Wochen lang arbeitete er offenbar allein ein Konzept aus, das er am 10. Juli 1944 seinem unmittelbaren Vorgesetzten, dem britischen Feldmarschall Bernard Montgomery, und seinem britischen Gegenüber, General Miles Dempsey, präsentierte. Beide erklärten sich einverstanden, die vorgesehenen Unterstützungsattacken in Richtung Caen für den amerikanischen Durchbruch auszuführen. Im weiteren Verlauf begannen Montgomery und Dempsey einen eigenen britischen Ausbruchsplan zu verfolgen – die Operation Goodwood.

Der Oberkommandierende Dwight D. Eisenhower sicherte den Angriffen alliierte Luftunterstützung zu, die aus schweren und leichten Bombardements und taktischen Luftangriffen bestehen sollten. Allerdings waren die Kommandeure der strategischen Luftstreitkräfte sehr skeptisch, ihre Verbände in eine taktische Schlacht zu schicken, da sie glaubten, dass sie für diese Rolle ungeeignet und besser in ihrer strategischen Aufgabe aufgehoben wären. Trotzdem waren ihre Flugzeuge an vielen Flächenbombardements in der Normandie, wie der Operation Charnwood am 7. Juli, der Operation Goodwood am 18. Juli und der Operation Cobra am 24. und 25. Juli beteiligt.

Bradley unterrichtete am 12. Juli die ihm unterstellten Offiziere. Der Plan der Operation Cobra bestand aus drei Phasen. Zuerst sollte das VII Corps eine Lücke in die deutsche Front schlagen. Sodann sollten von den Ausbruchsdivisionen starke Flanken beiderseits der Lücke aufgebaut werden, damit ein aus drei Divisionen bestehender Stosskopf dort vorrücken konnte. Das VIII und XIX Corps waren für lokale Angriffe auf die Deutschen vorgesehen, damit diese keinen Nachschub zur Frontlinie führen konnten. Bei einem erfolgreichen Abschluss der ersten beiden Phasen wäre der deutsche Widerstand nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen und die komplette Cotentin-Halbinsel hätte eingenommen werden können. General J. Lawton Collins, Kommandeur des VII Corps, schlug kleinere Änderungen des Plans vor, um den Durchbruch mehr nach Süden zu verlegen. Bei einem Erfolg brachten seine Änderungen die Möglichkeit zu einem schnelleren Vorrücken in die Bretagne, um die dortigen Atlantikhäfen einzunehmen. Der Originalplan ging nicht von einem vollständigen Zusammenbruch der deutschen Front in der Normandie aus, sondern bestand nur aus einer Erweiterung des Brückenkopfes zur Einleitung in den Bewegungskrieg hinter dem deckungsbietenden Küstenland und der Einnahme von wichtigen Häfen.

Der Vorstoss sollte durch ein kurzes, aber heftiges Bombardement mit mittleren und schweren Bombern auf das vorgesehene Gebiet eröffnet werden. Die Erwartung ging dahin, dass die angerichteten Schäden und der Schockfaktor die deutsche Defensive aufweichen würde. Sofort danach sollte die Infanterie auf die deutschen Linien stossen. Wenn der deutsche Widerstand auf dem Höhepunkt des Zusammenbruchs war, sollten die drei Divisionen durchbrechen. Die Luftunterstützung war wegen ihrer Wetterabhängigkeit der kritischste Punkt der Operation. Deshalb bekam Trafford Leigh-Mallory, der Kommandeur der Luftflotte, die Befugnis, den Beginn der Operation zu bestimmen.

Schlüsseleinheiten der Erstschläge waren das VII Corps mit der 4., 9. und 30. US-Infanteriedivision. Die drei vorgesehenen Divisionen für den Ausbruch waren die 1. US-Infanteriedivision sowie die 2. und 3. US-Panzerdivision. Die 1. US-Infanteriedivision wurde dazu zeitweilig vom Quartiermeister der 1. US-Armee mit Fahrzeugen ausgestattet.

Das VIII Corps unter General Troy H. Middleton hatte die 8., 79., 83. und 90. US-Infanteriedivision für den Angriff vorgesehen und hielt die 4. US-Panzerdivision in Reserve.

Mehr als 1.300 mittlere M4-Panzer, 690 leichte M5A1-Panzer und 280 M10-Panzerjäger standen diesen Einheiten zusammen mit hunderten Artilleriegeschützen zur Verfügung. Annähernd 140.000 Schuss an Artilleriemunition aller Kaliber kamen hinzu. Der Frontabschnitt für den Vorstoss des VII Corps war etwa 6,4 Kilometer breit.

Die Folgen der britischen Operation Goodwood
Die Operation Goodwood, der britische Ausbruchsversuch, wurde am 18. Juli gestartet. Bei einem Treffen mit Feldmarschall Bernard Montgomery am 10. Juli 1944 schlug der Kommandeur der britischen 2. Armee, General Miles Dempsey, den Plan zur Operation Goodwood vor. Am selben Tag genehmigte Montgomery auch die Operation Cobra. Der kanadische Teil der Operation Goodwood wurde mit dem Codenamen Operation Atlantic bezeichnet.

Die Taktik, schwere Bomber als Vorbereitung für den Artilleriebeschuss einzusetzen, wurde wie einige Monate zuvor bei der Schlacht um Monte Cassino ausgeführt. Im Gegensatz zu Cobra beruhte Goodwood auf einem massiven Panzereinsatz, um den taktischen Ausbruch zu erreichen, und weichte die deutsche Front nicht mit Artilleriebeschuss auf. Der Fehlschlag der Operation, bei der mehr als 400 Sherman-Panzer am 18. Juli zerstört wurden, war enttäuschend, aber ironischerweise stellte er klar, dass die Hauptstreitmacht der deutschen Panzer im Bereich der britischen 2. Armee verblieb, weit weg von der Position der 1. Armee. Die Amerikaner vermuteten daher richtigerweise, dass mit einem deutschen Gegenschlag gegen Cobra in den ersten Tagen kaum zu rechnen war. Falls doch, würde er aber nur aus kleineren Einsätzen in Bataillonsstärke bestehen.

Die Zeit vor dem Angriff
In den Tagen, die noch bis zum Angriff verblieben, sicherten das VII und VIII Corps die Gebiete, in denen sich die Truppen für den Vorstoss aufstellen sollten. Dabei erlitt die Infanterie schwere Verluste. Die Positionen sollten taktisch ausgesucht und gut aus der Luft ausgemacht werden können. Die Linie entlang der Strasse von Saint-Lô nach Périers war ideal.

Die Kommandeure der Fliegereinheiten benötigten einen Abstand von mindestens drei Kilometern zwischen den Stellungen eigener und gegnerischer Verbände. Weil die Verlustzahlen bei den vorausgegangenen Operationen so hoch waren und jeder Landgewinn daher schwer bezahlt worden war, wollte Bradley das Gebiet nicht aufgeben und nur etwa 700 Meter zurückweichen. Schlussendlich wurden die Frontlinien der Infanterie doch um 1 bis 1,3 Kilometer nach hinten verlegt, um grösstmögliche Sicherheit während der Bombardements zu gewährleisten. Die Haupteinheiten zogen sich nur rund eine Stunde vor den Luftschlägen zurück und liessen noch bis 20 Minuten vor der Bombardierung Beobachtungsposten zurück.

Die Kampfhandlungen
Der Angriffstag war ursprünglich auf den 18. Juli festgesetzt worden, doch das schlechte Wetter führte immer wieder zu einer Verschiebung des Termins. Letztlich galt der 24. Juli als Starttermin. Doch wiederum veranlasste das schlechte Wetter Leigh-Mallory noch einmal zu einer 24-stündigen Verschiebung. Etliche schwere Bomber der 8th Air Force empfingen den durchgegebenen Rückruf nicht und setzten ihre Mission fort. Rund 335 B-17, von denen einige durch schlechte Sichtverhältnisse beeinträchtigt wurden, warfen 685 Tonnen Bomben im Zielgebiet ab. Obwohl der Verhinderung der Bombardierung eigener Positionen besondere Beachtung geschenkt worden war, fielen dennoch Bomben auf die Stellungen der amerikanischen Einheiten. Bradley hatte aus diesem Grund ein Überfliegen des Gebietes parallel zur Frontlinie gefordert, um das Risiko, von eigenen Bombern getroffen zu werden ("Friendly Fire"), zu minimieren. Er ging davon aus, dass die Kommandeure der Lufteinheiten zugestimmt hätten, doch nur die taktischen Kampfflugzeuge der 9th Air Force erreichten das Ziel parallel zum Frontverlauf. Die schweren Bomberverbände der 8th Air Force wussten von der Vereinbarung nichts und erreichten die Front rechtwinklig zu ihrem Verlauf. Die zu kurz geratenen Abwürfe trafen genau die für den Erstangriff vorgesehenen Truppenteile. Mehr als 100 Amerikaner wurden dabei getötet und rund 500 verletzt. Allein das 1. Bataillon des 120. Infanterieregiments der 30. Infanteriedivision beklagte 25 Tote.

Nachdem der Überraschungseffekt verloren war, wurde erwogen, den Angriff zu verschieben oder sogar ganz abzubrechen. Doch Bradley entschied sich zur Durchführung. Im Nachhinein war diese Entscheidung richtig, da die Deutschen während der ihnen geschenkten 24 Stunden nichts unternahmen, um ihre Verteidigungsstellungen zu verstärken. Sie gingen davon aus, dass sie einen amerikanischen Vorstoss durch ihren Artilleriebeschuss gestoppt hätten. Zwar wurden Einheiten der Panzer-Lehr-Division in das Zielgebiet verlegt, aber gleichzeitig Einheiten der 2. Panzer-Division zum britischen Sektor nach Osten abgezogen.

Der eigentliche Angriff beginnt (25. Juli)
Am Morgen des 25. Juli hatte sich das Wetter verbessert und der Angriff wurde um 9:40 Uhr wiederholt. Leichte und schwere Bomber warfen mehr als 3.300 Tonnen Bomben auf das Zielgebiet. Wieder fielen Bomben auch auf die amerikanischen Stellungen, 111 Soldaten kamen dabei ums Leben und 490 Mann wurden verwundet. Auch General Lesley J. McNair war unter den Getöteten. Die Fehlabwürfe resultierten aus dem kleingehaltenen Zielbereich und dem Wind, der den Bombenrauch in die amerikanischen Positionen blies. Einige Flugzeugbesatzungen warfen daher ihre Last voreilig in den Rauch ab, ohne ihr Ziel genau anzuvisieren. Die Opfer, die das Friendly Fire kostete, waren dennoch wahrscheinlich geringer als die zusätzlichen Verluste, die ohne Bombereinsatz durch das deutsche Abwehrfeuer entstanden wären.

Die Kampfeinheiten erholten sich schnell von der Bombardierung. Trotz schwerer Verluste in einigen Verbänden musste nur ein Bataillon ersetzt werden. Alle anderen griffen an diesem Morgen an, teilweise etwas verspätet. Aber um 11:00 Uhr lief der Angriff wie vorgesehen weiter.

Die deutschen Einheiten waren vom Bombensturm hart getroffen worden. Die Eliteeinheit der Panzer-Lehr-Division war fast vollständig aufgerieben. Panzer lagen umgekippt an den Strassen, Stellungen waren zerstört und die Überlebenden irrten oftmals orientierungslos durch das Gelände, so dass die Kommandostruktur in weiten Teilen zusammenbrach. Etwa zwei Drittel der Divisionen waren dem Angriff zum Opfer gefallen.

Bedingt durch das vorsichtige Vortasten durch die verteidigten umliegenden Gebiete, die mit ihren Hecken und Gräben hervorragende Deckungen für die Deutschen boten, kam die amerikanische Infanterie anfangs nur relativ langsam voran. Obwohl es nur wenige Verteidiger gab, waren sie nicht zu unterschätzen. Mehr und mehr wich aber die Front nach Osten zurück, so dass am ersten Tag etwa 3,5 Kilometer Landgewinn auf Kosten von mehr als 1.000 Opfern gemacht wurden. Am 26. Juli verlief der weitere Vorstoss etwas schneller und die Amerikaner drangen mehr als sieben Kilometer nach Westen vor.

Durch- und Ausbruch vom 27. Juli bis 4. August

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051_77/Amerikanische Vorstösse bis zum 4. August 1944

Collins spielte mit dem Gedanken, dass ein früherer Ausbruch unabdingbar wäre und unterrichtete am Morgen des 26. Juli die drei Divisionskommandeure darüber. Dies war eine bedenkliche Entscheidung, denn bei einem ein zu frühen Durchbruchsversuch vor dem Aufweichen der deutschen Frontlinie hätten die Einheiten den vorgesehenen Vorstosskeil überschwemmt, wären in einen Stau geraten und hätten damit einen Teil ihrer Kräfte darin verbraucht. Andererseits hätte bei einer zu langen Wartezeit der Durchbruch langsamer als vorgesehen erfolgt. Dies wiederum hätte den Deutschen die Möglichkeit gegeben, schnell Nachschub heranzuführen oder sogar einen Gegenangriff auszuführen. Am 27. Juli wurde dann die volle Stärke aller drei Divisionen in die Schlacht geworfen. Sie durchbrachen die Front der deutschen Einheiten vor dem VII Corps, indem die amerikanischen Fahrzeuge gegen den brechenden deutschen Widerstand vorrückten.

Die Frontlinie beim VIII Corps begann ebenfalls zu bröckeln, als die deutschen Einheiten sich aus Angst vor einer Einkesselung zurückzuziehen begannen. Die Richtigkeit von Collins Entscheidung bestätigte sich am 28. Juli, als das VIII Corps mehr als 19 Kilometer Landgewinn verzeichnete und die 4. Panzerdivision die wichtige Strassenkreuzung von Coutances einnahm, die direkt hinter der deutschen taktischen Verteidigungszone lag. Dort schloss sich das VIII Corps unter General Pattons Leitung an. Bis zum 30. Juli hatte die 4. Panzerdivision Avranches genommen und damit die deutschen Widerstandsnester im Norden der Cotentin-Halbinsel abgeschnitten und eingeschlossen. Unterdessen hielten die Kanadier mit ihrem II. Korps die Deutschen im Osten an ihren Positionen auf, indem sie sie in heftige Kämpfe verwickelten. Zu der Zeit existierte keine einheitliche deutsche Frontlinie mehr, die der 1. Armee im Wege stand, und so durchdrangen deren vorrückende Einheiten unverteidigtes Gebiet. Vier Divisionen des VIII Corps stiessen bis zum 4. August bis hinter Avranches vor. Das gut zu verteidigende Land des Bocage lag nun hinter ihnen, so dass von da an die Mobilität der amerikanischen Einheiten das Kampftempo und die Schlachtrichtung bestimmte.

Montgomery, der Kommandeur der alliierten Bodentruppen, verkündete am 4. August eine generelle Änderung im weiteren Invasionsplan. Anstatt die 3. US-Armee in die Bretagne zur Eroberung der Atlantikhäfen zu beordern, wurde ihr grösster Teil in Anbetracht des deutschen Zusammenbruchs nach Osten geschickt. Auch die 1. Armee operierte weiter östlich und die Briten und Kanadier setzten ihre Angriffe im Osten und nach Süden fort, um die restlichen deutschen Truppen einzuschliessen. Damit hatten die Kämpfe begonnen, die schliesslich zum Kessel von Falaise und einem schnellen Vorstoss durch Nordfrankreich führen sollten.

Auswirkungen der Operation Cobra
Die Operation Cobra brachte viele Änderungen der Kriegslage und beendete die Kämpfe um die Normandie. Sie leitete den schnellen Vorstoss durch Nordfrankreich ein, der bis etwa Mitte September 1944 andauerte. Der alliierte Vorstoss endete schliesslich nicht durch deutschen Widerstand, sondern aufgrund Ausrüstungsmangels. Die alliierten Truppen waren Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden und überforderten die Möglichkeiten ihrer Logistik.

Ironischerweise konnte das VIII Corps das Ziel der schnellen Einnahme der bretonischen Atlantikhäfen während der Schlacht um die Bretagne nicht erreichen: Die Deutschen hielten Brest bis Ende September, Lorient und Saint-Nazaire sogar bis in den Mai 1945. Da aber schon im August Marseille den Alliierten unzerstört in die Hände fiel, war dies irrelevant, was Montgomery in seiner Entscheidung vom 4. August auch so anführte.

Die Auswirkungen der Operation waren weitreichender als vorher angenommen, oder wie Bradley sagte: "[Cobra] had struck a more deadly blow than any of us dared imagine" (deutsch: "[Cobra] hatte einen tödlicheren Schlag ausgelöst, als sich irgendeiner von uns vorzustellen gewagt hätte"). Dies war als Anerkennung der Flexibilität und Mobilität der alliierten Armeen gedacht sowie für die Aufrechterhaltung des Vorstosses so lange und so weit wie möglich.

Am Mittag des 1. August wurde die 3. Armee aktiviert und das VIII Corps kam wie geplant unter deren Oberkommando. Das Oberkommando über die 1. Armee übernahm General Courtney Hodges. General Bradley, der bisher die 1. Armee befehligt hatte, übernahm das Kommando über die neu gegründete 12. US-Heeresgruppe, die aus der 1. und 3. Armee bestand.

Nach dem Zusammenbruch der Verteidigungsfront in der Normandie flohen die deutschen Truppen mit allem, was sie in der Eile mitnehmen konnten. Die alliierte Luftstreitmacht setzte ihnen erheblich zu, indem Strassen, Brücken und Eisenbahnstrecken angegriffen und stark beschädigt wurden. Damit senkten sie die Rückzugsgeschwindigkeit der Deutschen erheblich. Etliche Haupteinheiten wurden im Kessel von Falaise eingeschlossen.

Diese Niederlage war mit rund 60.000 Mann Verlusten eine der grössten für die Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Die Verluste seit dem Beginn der Operation Overlord beliefen sich damit auf mehr als 400.000 Soldaten, 1.500 Panzer und Lafettenfahrzeuge. Letztlich wurden 25 Divisionen praktisch komplett ausgeschaltet. Während der Ausbruchsphase waren die Verluste deutlich höher als in den vorherigen statischen Schlachten. So multiplizierte sich der deutsche Verlust an Panzern im August, verglichen mit den Zahlen vom Juni und Juli. Die deutschen Panzerdivisionen erreichten die deutsche Grenze vollkommen ausgebrannt und ohne Panzer.

Das am 2. Juli 1944 eröffnete Personal-Karussell im Wehrmachts-Führungsstab setzte sich fort, als der Oberbefehlshaber West (OB West) Generalfeldmarschall Günther von Kluge als Folge der Niederlage und des fehlgeschlagenen Gegenangriffes (Unternehmen Lüttich) bei Hitler in Ungnade fiel. Hitler wurde von Seiten der SS zugetragen, dass von Kluge möglicherweise die Kapitulation seiner Einheiten vorbereiten würde. Er wurde am 17. August durch Walter Model ersetzt, der wiederum Anfang September von Gerd von Rundstedt abgelöst wurde. Von Rundstedt war am 2. Juli angeblich altersbedingt von ebendiesem Posten durch Adolf Hitler abgesetzt worden. Die Absetzung folgte einem Vorschlag von Rundstedts und Erwin Rommels (Oberbefehlshaber Heeresgruppe B), die Front auf eine Linie südlich von Caen zurückzuverlegen und zu stabilisieren, was die folgende Operation Cobra erheblich gefährdet hätte.

Sowohl Erwin Rommel als auch Günther von Kluge waren zumindest teilweise in Umsturzpläne eingeweiht, die im Zusammenhang mit dem Claus Schenk Graf von Stauffenbergs Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944 standen. Kluge nahm sich am 19. August 1944, kurz nach seiner Ablösung durch Model, das Leben. Rommel, dem am 14. Oktober 1944 zwei Generäle im Auftrag Hitlers den Suizid nahelegten, beging ebenfalls Suizid.

Bis zum 25. August hatten alle in die Normandieschlacht eingebundenen alliierten Einheiten die Seine erreicht; am selben Tag kapitulierte der Stadtkommandant von Gross-Paris. Der Angst der alliierten Oberkommandierenden vor einem Stellungskrieg folgte eine Siegeseuphorie: Alle glaubten nun, der Krieg sei praktisch schon gewonnen. Die Alliierten setzten ihren schnellen Vorstoss durch Nordfrankreich fort und trafen die kurzsichtige Entscheidung, auf die Einnahme von Antwerpen und seines grossen Hafens vorerst zu verzichten und vorher die Operation Market Garden zu starten. Nach Erwin Rommel, der schon Anfang Juli einen Separatfrieden im Westen vorschlug, erklärte nun auch der "neue" OB West Gerd von Rundstedt, dass es besser sei, in Friedensverhandlungen einzutreten.

Verluste
Die Verluste sind auf beiden Seiten nicht genau bekannt.

Schlacht um Caen (06.06.1944 – 15.08.1944)    
(aus Wikipedia)

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051_78/Kartenausschnitt von Caen

Die Schlacht um Caen war eine Abfolge von militärischen Angriffsoperationen im Zweiten Weltkrieg, die sich im Zeitraum zwischen Juni und August 1944 in Nordfrankreich ereigneten.

Die Eroberung der verkehrsstrategisch wichtigen französischen Stadt Caen war ursprünglich bereits für die ersten Tage nach Beginn der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 im Rahmen der Operation Neptune geplant. Trotz einer weitestgehend erfolgreichen Landung der ersten alliierten Angriffsverbände misslang der Versuch, Caen im ersten Anlauf zu erobern. Der alliierte Kommandeur Bernard Montgomery sah sich deshalb in den nachfolgenden Monaten zu mehreren Angriffen zur Eroberung der Stadt und zur Kontrolle ihres Umlandes gezwungen. Verteidigt wurde das Gebiet von Verbänden der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS.

Darüber hinaus sollten die deutschen Befehlshaber mittels Vortäuschung eines Hauptangriffs auf Caen im britischen Sektor vom US-amerikanischen Sektor abgelenkt werden und die amerikanischen Truppen dadurch freien Handlungsspielraum für blitzkriegähnliche Operationen erhalten. Die folgenden Kämpfe um Caen entwickelten sich zu einer Materialschlacht und einem Stellungskrieg.

Am 9. und 10. Juli gelang es den Briten und Kanadiern, den Nord- und Westteil Caens zu erobern. Weitere neun Tage später, am 19. Juli 1944, war die gesamte Stadt unter alliierter Kontrolle. Daraufhin versuchten die Alliierten, über die Strasse Caen-Falaise nach Falaise durchzubrechen. Die nachfolgenden Kämpfe bezeichnet man als Kessel von Falaise.

Die wiederholten britischen Angriffe im Raum Caen banden wesentliche deutsche Truppenverbände. Dies ermöglichte den amerikanischen Landungstruppen, den Westteil des Brückenkopfes zu erweitern und letztlich bei Saint-Lô in der Operation Cobra den entscheidenden Durchbruch zu erreichen. Die Kämpfe um Caen waren zwar verlustreich, verhalfen den Alliierten schliesslich aber zu einer festen Basis in Nordfrankreich, von der aus sie erst Paris befreiten (Kapitulation am 26. August 1944) und später zum Angriff auf das Deutsche Reich ansetzten.

Die mittelalterliche Stadt Caen sowie die umliegenden Dörfer, Städte und auch das Gelände wurden durch das alliierte Bombardement, den Artilleriebeschuss und die Kämpfe zum Grossteil zerstört. Der Wiederaufbau des zerstörten Caen dauerte von 1948 bis 1962.

Hintergrund
Die Operation Neptune – Invasion in der Normandie

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051_79/Kanadische Truppen landen am Abschnitt 'Nan White' Beach bei Bernières-sur-Mer

Am 6. Juni 1944, dem sogenannten D-Day, griffen alliierte Truppen im Zuge der Operation Neptune mit einer grossen Streitmacht die französische Kanalküste an. Sie umfasste mehrere tausend Schiffe, etwa 2000 Jagdflugzeuge und 1000 Bomber. Die Landung der Truppen erfolgte auf einer Länge von 98 Kilometern zwischen Sainte-Mère-Église auf der Halbinsel Cotentin im Westen und Ouistreham im Osten. An den westlichen Strandabschnitten Utah und Omaha landeten an diesem 6. Juni die

US-amerikanische 1. Armee, an den östlichen (Gold, Juno und Sword) die britisch-kanadische 2. Armee, insgesamt rund 170.000 Mann. Insbesondere die Kämpfe am Omaha Beach erwiesen sich als äusserst blutig und verlustreich für beide Seiten.

Am Abend des Invasionstags hatten die Alliierten mit Unterstützung von Fallschirmjägern, die in der Nacht zuvor unter hohen Verlusten hinter der Landungsfront abgesetzt worden waren, fünf Landeköpfe gesichert. Bei der Operation Tonga sprangen britische und kanadische Fallschirmjäger und Kommandoeinheiten hinter dem Strandabschnitt Sword ab oder wurden mit Lastenseglern abgesetzt. Sie konnten operativ wichtige Brücken wie die Pegasus- und Horsabrücke sowie die Artilleriebatterie bei Merville einnehmen, anschliessend halten und damit den Nachschub der deutschen Verbände sowie das Heranführen von Verstärkung unterbinden. Damit schufen sie einen Brückenkopf nördlich von Caen, der den alliierten Truppen in der Schlacht um Caen von Vorteil war.

Um einen gesicherten Brückenkopf aufzubauen, mussten die nächstgelegenen Städte eingenommen werden und ein Zusammenschluss der Landungstruppen erfolgen. Caen und das Umland boten ein gutes Terrain für das Anlegen von Flugfeldern. Ausserdem hatte Caen einen Hafen, über den Nachschub in die Normandie transportiert werden konnte.

Verlauf
Die Einnahme von Caen war bereits am D-Day das Ziel der britischen 2. Armee gewesen. Die Kontrolle über Caen und das Umland hätte den Alliierten den Bau von Landebahnen für Nachschubflugzeuge bzw. die Nutzung des Flugfeldes bei Carpiquet ermöglicht. Darüber hinaus wäre die Überquerung des Flusses Orne durch die Einnahme der Stadt und ihrer Brücken erleichtert worden.

Da es aber den Briten und Kanadiern aufgrund des starken deutschen Widerstandes nicht gelang, die Stadt in den ersten Tagen der Invasion unter ihre Kontrolle zu bringen, befahl Montgomery mehrmals Angriffe auf Caen und dessen Umland. Diese Operationen sollten nebenbei dem Zweck dienen, die deutsche Wehrmacht vom US-amerikanischen Sektor abzulenken und ihr dementsprechend einen Hauptangriff im britischen Sektor vorzutäuschen.

Unterdessen sabotierte die französische Résistance während der alliierten Operationen strategisch wichtige Schlüsselpunkte der deutschen Verteidigung wie beispielsweise Eisenbahnlinien oder Strassen.

Das Kampfgebiet bestand zum Teil aus einer Bocage-Landschaft mit vielen Feldern, kleinen Wegen, Flüssen und Bächen, die gute Verteidigungspositionen boten. Überlebende alliierte Soldaten berichteten, dass jedes einzelne Feld in heftigen Kämpfen erobert werden musste. Daneben war für Panzer sehr gut befahrbares Gelände vorhanden, was für die Alliierten wie auch für die Deutschen von grosser Bedeutung war.

Caen war für die Abstimmung der deutschen 7. Armee und 15. Armee im Département Pas-de-Calais äusserst wichtig. Nahmen die Alliierten Caen ein, dann würde ein Rückzug der deutschen Truppen von der Kanalküste unvermeidbar werden, um eine Verbindung zwischen ihnen aufrechtzuerhalten. Ein Rückzug entsprach aber keineswegs den Vorstellungen Adolf Hitlers, der befohlen hatte, jeden Meter Land zu verteidigen und zu halten. Aus diesem Grund konzentrierten die Deutschen ihre Streitkräfte im Gebiet um Caen. Sie verlegten 150 schwere und 250 mittlere Panzer in das Caen-Gebiet, jedoch lediglich 50 mittlere Panzer und 26 Panzerkampfwagen V Panther in das Gebiet der amerikanischen Verbände.

Die Schlacht bei Tilly-sur-Seulles (8. bis 19. Juni)

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051_80/Ein Sherman der Royal Marines Armoured Support Group auf dem Weg nach Tilly-sur-Seulles am 13. Juni

Vom 8. bis 19. Juni 1944 entbrannte bei Tilly-sur-Seulles eine Schlacht zwischen Teilen des britischen XXX Corps und der deutschen Panzer-Lehr-Division, die gemeinhin als Schlacht bei Tilly-sur-Seulles bekannt ist. Beide Parteien lieferten sich heftige Kämpfe um den Ort und die Frontlinie. Erst als britische Verbände am Abend des 18. Juni in den grösstenteils zerstörten Ort vordrangen und sich dort trotz vereinzelter deutscher Gegenangriffe hielten, befahl Generalmajor Fritz Bayerlein, Kommandeur der Panzerlehrdivision, seinen Truppen, sich aus Tilly-sur-Seulles zurückzuziehen. Nachdem die Gegend etwa 23 Mal ihren Besitzer gewechselt hatte, gelang es der 50.britischen Infanteriedivision am 19. Juni, das Gelände komplett zu erobern. Bei den Kämpfen verloren auch 76 Dorfbewohner ihr Leben, etwa 10 % der Bevölkerung.

Die Panzerlehrdivision verfügte vor der Schlacht über 190 Panzer; danach nur noch über 66. Neben den Panzern verloren die Deutschen auch 5500 Mann. In Tilly-sur-Seulles befinden sich seitdem ein britischer Soldatenfriedhof und ein Museum, das an die Schlacht erinnert. Etwas weiter entfernt liegt ein weiterer Soldatenfriedhof, der Jerusalem War Cemetery, der kleinste Soldatenfriedhof in der Normandie.

Die Operation Perch (9. bis 14. Juni)

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051_81/Britischer Captain (links) mit seinem Cromwell VI und seiner Mannschaft aus der 4th County of London Yeomanry, 7. britische Panzerdivision, 17. Juni 1944

Der ursprüngliche Plan für Operation Perch sah vor, dass das britische XXX. Korps südöstlich von Caen vorstossen sollte. Die Einnahme von Caen sollte zu diesem Zeitpunkt schon abgeschlossen sein. Da der alliierte Zeitplan aber nicht eingehalten wurde, wurde der Operationsplan abgeändert. Das I. Korps sollte nun westlich von Caen, aus dem Orne-Brückenkopf, zwei Tage später zusätzlich angreifen. Nun sollte Caen mit Hilfe eines Zangenangriffs eingenommen werden.

Sowohl der Angriff des XXX. Korps als auch der des I. Korps verliefen schleppend. Das I. Korps, welches primär gegen die deutsche 21. Panzer-Division kämpfte, brach seinen Angriff am 12. Juni ohne grösseren Erfolg ab. Um die britischen Angriffe zu unterstützen, gingen nun auch kanadische Truppen zum Angriff über. Teile der kanadischen 3. Infanteriedivisiongriffen Stellungen der 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" an. Ziel war die Stadt Le Mesnil-Patry. Der kanadische Vorstoss scheiterte unter hohen Verlusten und wurde abgebrochen. Westlich von Caen entstand derweil für die britischen Verbände eine günstige Gelegenheit. Die 1. US-Infanteriedivision drängte die schwer angeschlagene 352. Infanterie-Division zurück und entblösste dadurch die westliche Flanke der deutschen Panzer-Lehr-Division. Montgomery änderte daraufhin den Plan der Operation Perch, um die Panzer-Lehr-Division anzugreifen und die Stadt Villers-Bocage sowie andere nahegelegene Orte einzunehmen. Dafür wurde die britische 7. Panzerdivision von den Kämpfen bei Tilly-sur-Seulles abgezogen und in Richtung der entstandenen Lücke eingesetzt. Die Position der Panzer-Lehr-Division wäre dadurch unhaltbar geworden.

In den frühen Morgenstunden des 13. Juni nahmen britische Verbände der 22. Panzerbrigade die Stadt Villers-Bocage ein. Teile der in der Nähe befindlichen schweren SS-Panzer-Abteilung 101 unter dem Befehl von Michael Wittmann, die zur Sicherung der Strasse N 175 südlich von Caen bei Villers-Bocage unterwegs war, griffen die britischen Verbände an. Im anschliessenden Gefecht, das unter dem Namen "Schlacht um Villers-Bocage" bekannt wurde, verloren die Briten 20 Cromwell-Panzer, vier Sherman Fireflys, eine Anzahl von Stuarts und über 30 Halbkettenfahrzeuge sowie Bren Gun Carriers.

Nach diesem Vorfall rückten andere deutsche Panzerverbände auf Villers-Bocage zu, verloren aber gegen die nun besser vorbereiteten Alliierten einige ihrer Tiger-Panzer. Auf deutscher Seite gingen während dieses Gefechts zehn von 25 Panzern, auf alliierter 30 Panzer und mehr als 30 leicht gepanzerte Fahrzeuge von insgesamt 200 verloren. Ohne militärische Notwendigkeit und trotz der erfolgreich abgewehrten Gegenangriffe befahlen die britischen Kommandeure nun den Rückzug der 7. Panzerdivision, was dazu führte, dass die Gelegenheit, deutsche Verbände zu flankieren, vergeben wurde.

Am 14. Juni, nach dem Rückzug aus Villers-Bocage, hatte die 7. Panzerdivision in der Nähe von Amayé-sur-Seulles Verteidigungspositionen bezogen. Derweil erneuerte die britische 50. Infanteriedivision ihren Angriff auf die Stellungen der Panzer-Lehr-Division, welche sich nun aus mehreren Richtungen bedroht sah. Ein Durchbruch durch die deutschen Linien gelang jedoch nicht. Daraufhin entschied man, die 7. Panzerdivision völlig zurück zunehmen und die Frontlinie zu begradigen. Operation Perch war beendet.

Der Fehlschlag der Operation Perch beendete die "mobile" Kriegsführung im Bereich Caen. Es folgte eine Serie von stückweisen alliierten Vorstössen zur Sicherung von Raum, welcher dringend benötigt wurde, um mehr Truppen und Material in den Brückenkopf bringen zu können. Die Kämpfe im östlichen Bereich der Normandie gingen nun in eine Art Abnutzungsschlacht über. Für den Fehlschlag der Operation wurden auf alliierter Seite vor allem der Kommandeur der 7. Panzerdivision George Erskine sowie der Kommandierende General des XXX. Korps Gerard Bucknall verantwortlich gemacht.

Michael Wittmann wurde von der deutschen Propaganda für seinen Einsatz bei Villers-Bocage als Kriegsheld gefeiert und von Josef Dietrich für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern vorgeschlagen. Am 25. Juni erfolgte die Verleihung des Ordens durch Adolf Hitler in Berchtesgaden.

Am 14. und 15. Juni griffen 337 Flugzeuge der Royal Air Force deutsche Truppen und Fahrzeuge bei Aunay-sur-Odon und Évrecy nahe Caen an. Hintergrund dieses schnell ausgeführten Angriffs war ein detaillierter Bericht der alliierten Aufklärung über deutsche Einheiten und ihre Positionen. Klares Wetter ermöglichte es der RAF, beide Ziele ohne eigene Verluste erfolgreich zu bombardieren.

Die Operation Epsom (25. bis 30. Juni)

Soldaten der 7th Seaforth Highlanders, aus der schottischen 15. Division, rücken während der Operation Epsom am 26. Juni vor.

Elf Tage nach der Operation Perch begannen die Alliierten – nachdem sie sich zuvor gesammelt sowie formiert hatten, aber zwischen dem 19. und 22. Juni durch einen Sturm aufgehalten worden waren – die Operation Epsom.

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051_82/Ein Munitionsfahrzeug der 11. britischen Panzerdivision explodiert, nachdem es während der Operation Epsom durch Mörserbeschuss getroffen wurde

Das aus kanadischen und schottischen Einheiten bestehende VIII. Korps unter Lieutenant General Richard O’Connor sollte den Fluss Odon westlich von Caen überschreiten und einen Brückenkopf bilden, mit dessen Hilfe die Einkreisung der Stadt ermöglicht werden sollte. O’Connor wurden für die Operation 60.000 Soldaten, über 700 Geschütze und etwa 600 Panzer zur Verfügung gestellt, von denen die meisten Truppen jedoch wenig Kampferfahrung besas- sen. Vorbereitende Angriffe durch Verbände des I. Korps und des XXX. Korps sollten den Hauptangriff unterstützen. Östlich der Hauptstossrichtung griff die britische 51st (Highland) Division die Stellungen der 21. Panzer-Division an. Der Angriff zielte darauf ab, die deutschen Verbände dort zu binden. Westlich des geplanten Hauptstosses griffen die 49. Infanterie-Division und die 8. Panzerbrigade an, um die dort gelegenen Höhen einzunehmen. Damit sollte die Flanke des Angriffes gedeckt werden.

Aufgrund schlechter Wetterverhältnisse und fehlgeschlagener Vorbereitungsangriffe wurde der alliierte Angriff erschwert. Die alliierte Artillerie unterstützte das Vorrücken mit einer Feuerwalze. Am 26. Juni wurde die alliierte Bomberflotte in England wegen schlechten Wetters an einer Luftunterstützung gehindert. Die alliierten Angriffe wurden überwiegend von SS- und Wehrmacht-Verbänden gestoppt. Die meisten der von den Alliierten besetzten Ortschaften konnten nicht gehalten werden. Nach schweren Kämpfen nahmen die Alliierten den Hügel 112 ein und sicherten ihn.

Wegen des starken deutschen Widerstands gelang den Alliierten bis zum Abend des 30. Juni 1944 zwar die Einnahme lokaler Ziele, jedoch musste der Brückenkopf über den Odon wieder geräumt werden. Das VIII. Korps verlor bei den Kämpfen schätzungsweise 4020 Soldaten. General Foulkes von der kanadischen 2. Infanteriedivision schrieb dazu: "Wenn wir bei Caen und Falaise ins Gefecht gingen, stellten wir fest, dass wir, wenn wir auf kampferprobte deutsche Truppen stiessen, ihnen nicht gewachsen waren. Ohne unsere Luft- und Artillerieunterstützung hätten wir uns nicht durchsetzen können".

Ein 266 Flugzeuge umfassender Bomberverband der Royal Air Force wurde am 30. Juni 1944 angewiesen, eine Strassenkreuzung in Villers-Bocage zu bombardieren, um einen für die Nacht auf den 1. Juli vorhergesagten Angriff zweier deutscher Panzerdivisionen des gerade in der Normandie eingetroffenen II. SS-Panzerkorps auf die Nahtstelle der alliierten Armeen zu verhindern. Der Befehlshaber des Bomberverbandes wies seine Piloten an, bis auf 1200 Meter herunterzugehen, um Markierungen im Rauch und in hochgewirbelter Erde zu erkennen. 1100 Tonnen Bomben wurden abgeworfen, zwei Flugzeuge gingen verloren und der deutsche Angriff wurde verhindert.

Die Operation Windsor (4. bis 5. Juli)
Operation Windsor war ursprünglich für den 30. Juni vorgesehen. Die Operation war in Kombination mit der Operation Epsom geplant. Da diese nicht planungsgemäss verlief, wurde "Windsor" einige Tage verschoben. Schliesslich erhielten kanadische Verbände, namentlich die kanadische 3. Infanteriedivision unter Rod Keller, den Auftrag, am 4. Juli 1944 das wenige Kilometer westlich von Caen gelegene Flugfeld bei Carpiquet einzunehmen. Das Flugfeld hätte bereits am D-Day erobert werden sollen, dies war aber fehlgeschlagen.

Das Dorf und das Flugfeld wurden von Grenadieren der 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend" verteidigt. Aufgrund der Wichtigkeit des Flugfeldes waren die Verteidigungsstellungen gut ausgebaut. Das Flugfeld war durch Stahlbetonbunker, Maschinengewehrtürme sowie unterirdischen Gänge, 7,5-cm-Panzerabwehrgeschütze und 20-mm-Flugabwehrkanonen befestigt. Des Weiteren war das Areal von Minenfeldern und Stacheldrahtverhauen umgeben. Die kanadischen Truppen wurden vor dem Angriff von der Résistance über die Verteidigungsanlagen informiert.

Auf deutscher Seite befand sich ein geschwächtes Infanteriebataillon im Kampf, das von 15 Panzern und sechs 8,8-cm-Geschützen unterstützt wurde. Auf kanadischer Seite kämpften vier Infanteriebataillone unterstützt von Panzerkräften in Stärke von zwei Bataillonen, dazu mehr als 700 Rohre sowie Schiffe als Artillerieunterstützung. Ein Geschwader Hawker Typhoon stand zusätzlich als Unterstützung bereit.

Der Angriff begann um 5 Uhr morgens mit Artillerieüberfällen von beiden Seiten. Die alliierte Artillerie bombardierte Carpiquet, während die deutsche reagierte und die vermuteten Vormarschrichtungen der kanadischen Soldaten unter Feuer nahm. Die ersten Kompanien des kanadischen Angriffes wurden vom deutschen Beschuss getroffen. Die Regimenter North Shore und Chaudière, die auf Carpiquet vorgingen, benötigten mehrere Stunden, um das Dorf von den Verteidigern zu säubern. Eine unterbesetzte Grenadierkompanie von ungefähr 50 Mann leistete erbitterten Widerstand im Häuserkampf und wurde erst durch den Einsatz von Panzern überwältigt. Weitere Truppenbewegungen wurden von den 8,8-cm-Flaks, die östlich von Carpiquet in Stellung gebracht waren, stark behindert. Die Angriffe der Royal Winnipeg Rifles von Westen her, die über offenes Gelände führten, fielen ähnlich schwer, als deutsche Truppen aus den südlichen Flugzeughallen das Feuer eröffneten. Deutsche Panzer unterbanden das Vordringen der alliierten Panzer und somit blieb die kanadische Infanterie auf sich gestellt. Nachdem einige Shermans ausgeschaltet worden waren, zogen sich die Soldaten des Royal Winnipeg Regiment wieder zurück.

Für die zweite Phase des Angriffes wurden die Queen’s Own Rifles in Marsch gesetzt. Sie bezogen Stellung nordwestlich des Flugfeldes. Die Winnipegs bekamen nun den Befehl, unterstützt von Artillerie und gepanzerten Fahrzeugen erneut in Richtung Flugfeld anzugreifen. Dieses Mal erreichten sie die äusseren Hangars, waren aber nicht in der Lage, diese einzunehmen. Da dieser Fehlschlag den Einsatz der Queen’s Own Rifles verhinderte, befahl Blackadder um 21 Uhr die Einstellung des Angriffes.

Die kanadischen Truppen konnten Carpiquet einnehmen und die unverteidigten Flugzeughallen im Norden des Flugfeldes besetzen. Die restlichen Flugzeughallen und der Kontrollturm blieben in deutscher Hand. Dadurch war Operation "Windsor" auf operativer Ebene ein Fehlschlag. Die kanadischen Verbände verloren an diesem Tag 377 Mann, die North Shore und Winnipeg hatten mit jeweils 132 Toten die grössten Verluste. Panzerverluste sind nur vom 10th Armoured Regiment bekannt und werden mit 17 angegeben. Die Verbände der 12. SS-Division erlitten 155 Verluste.

Die Operation Charnwood (7. bis 9. Juli)
Der alliierte Plan sah vor, mit einem Flächenbombardement die deutschen Stellungen nördlich von Caen anzugreifen, um die Verteidiger zu demoralisieren und die Moral der eigenen Truppen zu heben.

Währenddessen erging am 7. Juli 1944 vom Wehrmachtführungsstab folgender Befehl (Anmerkung: Die 12. SS-Panzer-Division stand bis zu diesem Zeitpunkt unter direktem Befehl Adolf Hitlers):

  • "Halten der jetzigen Front, […] Freimachen der 12. SS-Panzerdivision und Ersatz der abgekämpften Infanteriedivisionen durch frische;" […]
  • "Einsatz der gesamten Organisation Todt" (Bauorganisation für militärische Anlagen [...]

Der Kommandeur der Division SS-Oberführer Kurt Meyer kommentierte hierzu, es sei der Befehl, in Caen zu sterben.

Nachdem die Alliierten einige Zeit brauchten, um sich neu zu ordnen und logistische Anforderungen zu erfüllen, begann die Operation Charnwood am 7. Juli 1944. Die kanadische 1. und britische 2. Armee mit etwa 115.000 Mann sassen bei von deutschen Verbänden gehaltenen Dörfern nördlich von Caen fest, weshalb die RAF zunächst plante, ihren Angriff auf die Dörfer zu fliegen, dies aber dann doch aufgrund der gefährlichen Nähe zu den eigenen Bodentruppen unterliess. Daraufhin wurde das zu bombardierende Gebiet weiter in Richtung Caen verschoben. Rund 450 Lancaster- und Halifax-Bomber der RAF flogen am 7. Juli gegen 22 Uhr bei klarem Wetter zum Zielgebiet und warfen etwa 2300 Tonnen Bomben ab.

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051_83/Ein britischer Soldat hilft einer alten Frau nach der Eroberung Caens. Im Hintergrund sind die Ruinen der Stadt zu erkennen.

Das Bombardement schadete den deutschen Verbänden wenig, umso mehr jedoch den nördlichen Vororten der Stadt, die grösstenteils zerstört wurden sowie den französischen Zivilisten, von denen etwa 3000 starben. Nachdem es den Deutschen gelungen war, mit einer FlaK ein alliiertes Flugzeug abzuschiessen, stürzten später drei weitere über alliiertem Luftraum ab. Zusätzlich zum Bombardement schoss die Schiffsartillerie von den Stränden aus auf die Stadt.

Der Autor Alexander McKee sagte zu dem Bombardement am 7. Juli folgendes:

"Die 2500 Tonnen Bomben unterschieden in keiner Weise zwischen Freund und Feind. Sollten die britischen Befehlshaber geglaubt haben, dass sie die Deutschen einzuschüchtern vermochten, indem sie die Franzosen umbrachten, so hatten sie sich schwer getäuscht".

Der beabsichtigte demoralisierende Effekt war gering, da der Bodenangriff nicht unmittelbar nach dem Bombardement erfolgte, sondern erst am nächsten Morgen, dem 8. Juli, um 4:30 Uhr. Durch die entstandenen Schuttberge wurde zudem der Einsatz von Panzern erschwert. Später, als die Stadt eingenommen worden war, wurde festgestellt, dass sich weder deutsche Geschütze noch Panzer oder Tote im Zielgebiet befanden.

Am Ende des 8. Juli hatten sich die alliierten Truppen nur um einen Kilometer vorgekämpft. Nachdem sich die deutschen Truppenverbände am Morgen des 9. Juli grösstenteils aus dem Nord- und Westteil sowie dem Zentrum der Stadt zurückgezogen hatten, rückten alliierten Truppen in das nördliche Ende Caens ein, wurden aber beim weiteren Vorrücken von Scharfschützen aufgehalten. Um 18 Uhr des 9. Juli erreichten erste Einheiten den Fluss Orne in Caen. Am Abend des 9. und am 10. Juli rückten die Alliierten dann in das Stadtzentrum ein. Pioniere wurden damit beauftragt, die Brücken über die Orne zu reparieren und Trümmer aus dem Weg zu räumen. Der Pionier Arthur Wilkes beschrieb den Zustand der Stadt wie folgt: "Berge von Trümmern, [etwa] 20 oder 30 Fuss [≈ 6 oder 9 m] hoch […] die Toten lagen überall". Im Kriegstagebuch des 1st Battalion King’s Own Scottish Borderers steht in einem Eintrag zum 9. Juli: In den stehengebliebenen Häuser regte sich langsam das Leben, als die französischen Zivilisten realisierten, dass wir die Stadt erobert hatten. Sie kamen rennend mit Gläsern und Weinflaschen aus ihren Häusern heraus. Viele Einwohner Caens waren nach dem Ende der Operation tot oder obdachlos.

Die Operation Charnwood verfehlte ihr Ziel der Eroberung Caens. Der Norden und Westen der Stadt wurde besetzt, aber der östliche Teil der Stadt bzw. die östlich gelegenen Vororte, in dem sich auch die Stahlwerke von Colombelles (mit hohen Beobachtungsstellungen) befanden, blieben in deutschen Händen. Es dauerte noch etwa neun weitere Tage, bis die südlichen und östlichen Stadtteile sowie die Gegend und die Vororte südlich und östlich der Stadt am 19. Juli von den Briten und Kanadiern erobert wurden. Strategisch gesehen war die Operation jedoch ein Erfolg, denn die Deutschen vermuteten jetzt, dass der alliierte Hauptangriff im britischen Frontabschnitt stattfinden würde, was jedoch nicht der Fall war (siehe Operation Cobra). Schlussendlich verhalf diese Täuschung der deutschen Verteidiger den Alliierten zum Sieg in der Normandie.

Die Operation Jupiter (10. bis 11. Juli)

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051_84/Soldaten der 43. Wessex Division suchen Schutz vor deutschem Mörserbeschuss, 10. Juli

Das VIII. britische Korps unter Richard O’Connor versuchte erneut, den Brückenkopf bei Caen auszubauen. Die 43rd (Wessex) Infantry Division unter Generalmajor Ivor Thomas sollte dann am 10. Juli im Verlauf der Operation Jupiter den bereits während der Operation Epsom kurzzeitig gehaltenen "Hügel 112" von den Deutschen zurückerobern. Das Höhengelände um diesen zwischen den Flüssen Orne und Odon gelegenen Punkt wurde von beiden Seiten als entscheidend angesehen. In der ersten Phase sollten die Alliierten Hügel 112, Fontaine-Étoupefour und Éterville

erobern und in der zweiten Verteidigungspositionen auch den Hügel 112 beziehen sowie den Ort Maltot erobern. Später sollten die Verbände östlich in Richtung Orne vorstossen. Die 43. Division wurde für diese Operation durch mehrere zusätzliche Brigaden verstärkt. Insgesamt standen Generalmajor Thomas 13 Infanteriebataillone und 5 Panzerbataillone zur Verfügung. Des Weiteren wurden mehrere Artillerieverbände von anderen

Divisionen für den Angriff bereitgestellt, insgesamt über 300 Rohre. Auf deutscher Seite waren mehrere Teile von verschiedenen Verbänden der Waffen-SS beteiligt. Der Nordosten des Hügels im Bereich Maltot wurde von einigen Verbänden der 1. SS-Panzer-Division "Leibstandarte SS Adolf Hitler" gedeckt; diese wurden unterstützt von 30 Panzern der 12. SS-Panzer-Division "Hitlerjugend". Die Sicherung des Hügelkamms sowie der nördlich davon gelegenen Gebiete war Aufgabe der 10. SS-Panzer-Division "Frundsberg". Teile der 9. SS-Panzer-Division "Hohenstaufen" agierten im Verlauf der Operation als Reserve.

Um 4:55 Uhr eröffnete die britische Artillerie das Feuer auf deutsche Stellungen. Die britische Infanterie begann zusammen mit unterstützenden Churchill-Panzern ihren Vormarsch in Richtung Hügelkamm. Die deutschen Verbände reagieren ihrerseits mit Artilleriebeschuss unter anderem durch 8,8-cm-Geschütze und Nebelwerfer. Die britischen Truppen machten langsame Fortschritte in Richtung Hügel 112. Währenddessen bereiteten sich südöstlich des Hügelkamms 20 Tiger der schweren SS-Panzer-Abteilung 102 auf einen Gegenangriff vor. Einige Panzer IV sowie Sturmgeschütz III der Division "Frundsberg" bereiteten sich ebenfalls auf einen Gegenangriff zwischen Hügel 112 und 113 vor. Der Grossteil der britischen Panzer wurde bei diesen Gegenangriffen vernichtet. Die britischen Versuche, die südliche Seite des Hügels zu sichern, wurden somit abgewehrt; den deutschen Truppen gelang es aber auch nicht, die Nordseite des Hügels zurückzuerobern. Daraufhin erneuerten die Briten ihren Angriff mit frischen Kräften und Artillerieunterstützung. Die Deutschen reagierten wiederum mit Gegenangriffen. Die Kämpfe um den Hügel wurden nun von beiden Seiten verbissen geführt. Es entstand zum Abend des 10. Juli eine Pattsituation. Verbände beider Seiten waren nur wenige hundert Meter voneinander entfernt und eingegraben.

Neben dem Vormarsch auf den Hügelkamm selbst unternahmen die britischen Verbände gleichzeitig weiter nördlich Angriffe. In den Morgenstunden nahmen sie sowohl das Château de Fontaine-Henry als auch einige Stunden später das weiter westlich gelegene Éterville ein. Gegen 10 Uhr war auch Maltot in britischer Hand. Eine halbe Stunde später berichteten die britischen Truppen in Maltot, dass zwölf ihrer Churchill-Panzer ausgeschaltet worden seien. Einige Tiger-Panzer, unterstützt von Grenadieren der SS-Division "Leibstandarte", griffen das Dorf an und nahmen es schliesslich wieder ein. Am späten Nachmittag wurde ein weiteres britisches Bataillon nach Maltot geschickt. Dieser Vorstoss scheiterte unter hohen Verlusten, der Rest der Angreifer wurde durch einen weiteren deutschen Angriff am späten Abend aufgerieben. Bis zum Einbruch der Nacht waren die britischen Truppen wieder nach Éterville zurückgedrängt.

Der erste Tag der Operation Jupiter endete für die 43. Wessex-Division mit knapp über 1000 Mann Verlusten und 43 verlorenen Panzern. Der Angriff auf den Hügelkamm brachte Geländegewinne, aber deutsche Truppen waren immer noch in dem Gebiet eingegraben. Fontaine-Étoupefour und Éterville etwa drei Kilometer nördlich des Kamms waren in britischer Hand. Maltot östlich des Kamms wurde an deutsche Gegenangriffe wieder verloren. Die Frontlinie in der Nacht zum 11. Juli verlief nun ungefähr von Éterville nach Fontaine-Étoupefour und dann südlich in Richtung Hügel 112.

Bereits am Abend des 10. Juli unternahm Oberst Sylvester Stadler der 9. SS-Division Aufklärungsmissionen, um einen grösseren Gegenangriff vorzubereiten. Ziel der für den 11. Juli vorgesehenen Gegenstösse war die Rückeroberung von Éterville und Fontaine-Étoupefour durch Kräfte der 1. SS-Division sowie das Zurückdrängen der britischen Kräfte vom Hügelkamm durch Teile der 9. und 10. SS-Division.

Während der Nacht gab es ständig kleinere Gefechte zwischen deutschen und britischen Truppen. Zwei deutsche Bataillone griffen während der Nacht erneut in Richtung Éterville an. Der Ort war nun hart umkämpft und wechselte mehrmals den Besitzer. In den frühen Morgenstunden bezogen schottische Verbände dort Stellung. Gegen Mittag des 11. Juli nahmen Soldaten der Leibstandarte mit Sturmgeschütz-Unterstützung Éterville ein, gegen 14 Uhr verloren sie es wieder. Bis zum Ende des Tages wurde der Ortsrand wieder durch deutsche Truppen eingenommen. Die Frontlinie der Leibstandarte war bis zum Abend wiederhergestellt und verlief von Maltot nördlich nach Louvigny nahe Caen. Die Nacht zum 11. Juli war am Hügel 112 durch Artilleriebeschuss beider Seiten gezeichnet. Das britische Bataillon auf dem Gipfel des Hügels wurde in der Nacht durch 15 Sherman-Panzer verstärkt. Gegen 6 Uhr morgens griffen deutsche Grenadiere, unterstützt von einigen Tigern, den Hügel von Süden her an. Die Verteidiger sahen sich gezwungen, sich nördlich in Richtung Odontal zurückzuziehen. Der Gipfel des Hügels 112 blieb aber vorerst Niemandsland. Die britischen Truppen wurden reorganisiert und unternahmen einen erneuten Versuch, den Hügel einzunehmen, wurden jedoch durch einen weiteren deutschen Gegenangriff zurückgeworfen. Operation Jupiter war hiermit beendet.

Operation Jupiter endete mit sehr geringen Raumgewinnen. Die Verluste der Angreifer werden auf etwas über 2000 Mann geschätzt. Am ersten Tag der Operation wurden 43 Panzer als verloren gemeldet. Die Panzerverluste für den zweiten Tag sind ungewiss. Neben den geringen Raumgewinnen lässt sich der Operation der Fakt positiv anrechnen, dass sie deutsche Kräfte band. Die 9. SS-Division zum Beispiel war im Begriff gewesen, sich aus der Front herauszulösen, um eine operative Reserve zu bilden. Dies wurde durch die britischen Angriffe verzögert. Da es der Wehrmacht im Gegensatz zu den Alliierten an gepanzerten Kräften mangelte, kann dies als strategischer Vorteil betrachtet werden. Operativ war Jupiter ein aufwändiger Fehlschlag.

Die Operation Goodwood (18. bis 20. Juli)
Vorbereitung
Bei einem Treffen mit Feldmarschall Montgomery am 10. Juli 1944 schlug der Kommandeur der 2. Armee, General Miles Dempsey, den Plan zur Operation Goodwood vor. Am selben Tag genehmigte Montgomery auch die Operation Cobra.

Bis Mitte Juli 1944 hatten die Briten 2250 mittelschwere und 400 leichte Panzer in drei Panzerdivisionen und zahlreichen unabhängigen Panzerbrigaden in die Normandie gebracht. Da die 2. Armee es sich leisten konnte, Panzer zu verlieren, jedoch keine Soldaten, wurde ein Plan erstellt, der vorsah, die deutschen Positionen östlich von Caen mit mehreren Panzerdivisionen zu durchbrechen und in das südliche Hinterland Caens vorzustossen. Das kanadische II. Korps sollte gleichzeitig den noch von den Deutschen gehaltenen Teil Caens einnehmen. Dieser Teil der Operation wurde mit dem Codenamen Operation Atlantic bezeichnet. Die Operation Goodwood sollte am 18. Juli anlaufen, zwei Tage vor dem planmässigen Beginn der amerikanischen Operation Cobra. Die Operation Cobra begann jedoch erst am 25. Juli.

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051_85/Ein Sherman fährt am ersten Tag der Operation Goodwood über die "Euston Bridge", eine der wenigen Brücken über die Orne

Obwohl erwartet wurde, dass es eine verlustreiche Operation werden würde, glaubte Dempsey, dass die Briten gute Chancen für einen Durchbruch hätten. Als Hauptstreitkraft sollten die Panzerdivisionen des VIII. britischen Korps unter General O’Connor eingesetzt werden. Etwa 700 Geschütze sollten vorher mit rund 250.000 Schuss den Angriff erleichtern. Des Weiteren waren Bomberverbände der RAF für drei Ziele – Colombelles-Mondeville, Toufreville-Emiéville und Cagny – vorgesehen. Das Ziel war, Bras, Hubert-Folie, Verrières, Fontenay, Garcelles-Secqueville,

Cagny und Vimont zu erobern. Ein weiteres Ziel war, die Deutschen von dem Bourgebus-Bergrücken zurückzudrängen. Kanadische Verbände sollten die Ostflanke und britische Infanterie die Westflanke sichern. Währenddessen wurde der Oberbefehlshaber der deutschen Heeresgruppe B, Erwin Rommel, am 17. Juli von alliierten Tieffliegern verwundet und zur Genesung nach Deutschland gebracht. Er wurde daraufhin am 19. Juli durch Generalfeldmarschall Günther von Kluge ersetzt.

Ausführung

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051_86/Sherman-Panzer rücken mit aufsitzender Infanterie vor, 18. Juli

Am 18. Juli 1944 wurde ein 942 Flugzeuge umfassender Verband der Alliierten, bestehend aus Bombern und Jägern, damit beauftragt, fünf Dörfer im Bereich östlich von Caen anzugreifen, um die Operation Goodwood zu erleichtern. Die Angriffe fanden in der Dämmerung am Morgen des Tages und bei guten Wetterverhältnissen statt. Vier der Ziele waren durch Pfadfinderflugzeuge ausreichend markiert, bei dem fünften Ziel mussten die Bombermannschaften auf anderem Weg das Ziel finden. Unterstützt von amerikanischen Bombern und Jägern warfen die britischen Flugzeuge rund 6800 Tonnen Bomben über den Dörfern und dem umliegenden Gebiet ab. Zwei deutsche Einheiten, die 16. Luftwaffen-Felddivision der Luftwaffe und die 21. Panzer-Division, traf das Bombardement im Vergleich zu den restlichen deutschen Einheiten sehr hart. Insgesamt wurden sechs alliierte Flugzeuge von deutschen Flugabwehrgeschützen sowie anderen Bodentruppenabgeschossen. Ein walisischer Soldat beschrieb die Luftoperation:

"Der gesamte nördliche Himmel war, so weit das Auge sehen konnte, von ihnen [den Bombern] gefüllt – Welle über Welle, eine über der anderen, die sich nach Osten und Westen ausdehnten, so dass man dachte es ginge nicht mehr weiter. Jeder hatte jetzt sein Fahrzeug verlassen und starrte verwundert in den Himmel bis die letzte Welle von Bombern ihre Bomben abgeworfen hatte und den Rückflug antrat. Danach begannen die Geschütze mit einem immer lauter werdenden Geschützfeuer das Werk der Bomber zu vollenden".

Die drei alliierten Panzerdivisionen mussten Wasserhindernisse und ein Minenfeld überwinden, um in ihre Startposition zu gelangen. Der Fluss Orne und der Caen-Kanal verliefen hinter der britischen Front und stellten somit Hindernisse für das Vorankommen dar. Sechs kleine Brücken waren vorhanden, um die 8000 Fahrzeuge einschliesslich der Panzer, der Artillerie, der motorisierte Infanterie, der Pioniere und der Nachschubfahrzeuge über die Flüsse zu bringen. Es lag auf der Hand, dass ein Verkehrschaos folgen würde. Dempseys vorgeschlagene Lösung war verhängnisvoll – er beauftragte seinen Korpskommandanten O’Connor, die Panzer vorfahren zu lassen und alles andere, einschliesslich der Infanterie, der Pioniere und der Artillerie, auf der anderen Seite zurückzulassen, bis alle Panzer den Fluss überquert hatten.

Nachdem die Brücken überquert waren, musste ein britisches Minenfeld, das nur Tage vorher durch die 51st (Highland) Division gelegt worden war, überwunden werden. Das Minenfeld bestand aus einer Mischung aus Panzer- und Antipersonenminen. Dieses Hindernis hätte durch massive Pionierunterstützung vor der Schlacht geräumt werden können. Da die Deutschen jedoch das Minenfeld vom Stahlwerk im deutsch besetzten Caener Vorort Colombelles aus beobachten konnten, hätte sie eine gross angelegte Minensäuberung auf den bevorstehenden Angriff aufmerksam gemacht.

Ein Fehler der Alliierten war, dass sie den Überraschungseffekt vergaben. Die vielen Panzer wurden durch die engen Brücken und das Minenfeld verlangsamt. Durch das Entschlüsseln von alliierten Nachrichten waren die Deutschen seit dem 15. Juli ausserdem gut über die Zeit und den Ort des Angriffs informiert und verstärkten daraufhin ihre Verteidigung. Ausserdem war die Feuerunterstützung schlecht. Die Artillerieeinheiten blieben westlich der Orne, so dass die deutschen Hauptverteidigungsstellungen beim Bourgebus-Bergrücken nicht in ihrem Schussbereich lagen. Auch die Koordination zwischen der Feldartillerie und den Panzern war unzureichend. Hinzu kam, dass das Gelände schlecht gewählt worden war. Im Gebiet befanden sich viele kleine Dörfer, in denen jeweils eine kleine deutsche Garnison stationiert war und die ausserdem durch Tunnel verbunden waren. Im Angriffsbereich lagen ausserdem viele Beobachtungsposten, welche die alliierten Fortschritte überwachen konnten. Der Bergrücken war zudem mit zahlreichen deutschen Widerstandsnestern, denen schwere Waffen wie Maschinengewehre zur Verfügung standen, bestückt, die freies Schussfeld hatten.

Die deutsche Artillerie auf dem Bourgebus-Bergrücken bei Cagny und bei Emieville wurde weder durch Luft- noch durch Artillerieunterstützung geschwächt. Von diesen Orten hatten die Deutschen ein freies Schussfeld auf die alliierten Verbände. Die Deutschen hatten vor dem Bergrücken die 16. Luftwaffen-Felddivision sowie die 346. Infanterie-Division positioniert. Dahinter befanden sich am abfallenden Hang in massiven Steinhäusern Panzerabwehrgeschütze der 21. Panzer-Division, deren Schussfelder sich überschnitten und die von Infanterie unterstützt wurden. Auf dem Bergrücken waren 78 8,8-cm-FlaK postiert, die einen Sherman mit einem Schuss zerstören konnten. Auf dem Hinterhang lagen drei Kampfgruppen, bestehend aus jeweils 40 Panzern und einem Panzergrenadierregiment und weiter hinten standen Artilleriereserven bereit. Die Pioniere der 51st (Highland) Division säuberten zwei Nächte vor dem Angriff das Minenfeld, so dass 17 Korridore von der Breite eines Panzers entmint waren.

Ein weiterer Grund für den alliierten Misserfolg war die Überforderung der britischen 11. Panzerdivision: Obgleich sie die Einheit war, die den Angriff anführte, hatte die Division auch die Aufgabe, die Dörfer an der Frontlinie zu säubern, nämlich Cuverville und Démouville. Diese sollten dann durch die nachfolgenden Einheiten gesichert werden. Die Panzerverbände der Division griffen schliesslich den Bergrücken an, während die Infanteriebataillone die Dörfer säuberten. Dieses verlangsamte das Vorgehen und verhinderte eine sinnvolle Zusammenarbeit.

Der Grossteil der alliierten Verbände errang nur langsam Geländegewinne. Die 29. Panzerbrigade der 11. Panzerdivision – der aktivste Verband der Alliierten an diesem Tag – hatte am Mittag jedoch schon fast elf Kilometer erobert.

Als die Bahnstrecke Caen-Vimont am 18. Juli gegen 9:30 Uhr vormittags erreicht worden war, hatten sich die Deutschen von der Bombardierung erholt. Zwölf alliierte Panzer wurden zerstört, als eine 8,8-cm-FlaK mehrfach auf sie feuerte. Die Alliierten rückten langsam vor und überschritten die Bahnlinie, um sich dem Bourgebus-Bergrücken zu nähern, wo sie auf Verbände der 21. Panzer-Division, der 1. SS-Panzer-Division und zahlreiche Geschütze trafen. Für die meiste Zeit des Tages griff nur die 29. Panzer-Brigade ohne Artillerieunterstützung die deutschen Stellungen an. Die Infanteriebrigade war damit beschäftigt, zwei Dörfer hinter der Panzerbrigade zu säubern. Die restlichen zwei Panzerdivisionen waren noch dabei, die Brücken oder das Minenfeld zu passieren. Bei Dämmerung kämpfte zusätzlich nur ein Panzerbataillon der britischen 7. Panzerdivision, während die meisten der restlichen Panzerverbände bis um 10 Uhr nachmittags des 18. Juli an der Orne verharren mussten.

Einzelne Panzerbataillone kämpften ohne Unterstützung und nacheinander, anstatt zusammen zu kämpfen. Der grösste Teil des Geländegewinns wurde am Morgen des 18. Juli erzielt. Bis zum 19. Juli war auch die Stadt Caen grösstenteils unter alliierter Kontrolle.

Die Deutschen begannen am Nachmittag des 18. Juli einen Gegenangriff, der bis zum 20. Juli andauerte. Montgomery brach am 20. Juli die Operation ab, da bereits 6000 Soldaten ausgefallen und rund 400 Panzer verloren worden waren.

Auswirkungen

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051_87/Alliierter Brückenkopf in der Normandie, 6. Juni – 24. Juli 1944

Die Operation ging zum Nachteil der Alliierten aus. Sie verloren schätzungsweise 400 Panzer und etwa 5500 britische und kanadische Soldaten. Die Deutschen hielten ihre wichtigsten Stellungen mit einem Verlust von 109 Panzern, was für sie, im Gegensatz zu den Alliierten, hoch war, da sie die Verluste schwer ersetzen konnten. Taktisch gesehen war die Operation eine Niederlage für die Alliierten, strategisch gesehen jedoch erreichte die Operation, dass die Deutschen den alliierten Hauptangriff jetzt noch stärker im britischen Sektor vermuteten. Durch diese Täuschung hatten es die Amerikaner bei der Operation Cobra leichter, erfolgreich zu sein. Die Deutschen konzentrierten sich im britischen Sektor und rechneten zudem aufgrund der Operation Fortitude mit einer zweiten, noch grösseren Invasion an der Strasse von Calais.

Die Operation Spring (25. bis 27. Juli)
Auf einer Konferenz am 22. Juli 1944 wurde die Operation Spring beschlossen, die am 25. Juli, unter Befehl des kanadischen Generals Guy Simonds, beginnen sollte. Das Ziel der Operation war unter anderem die Eroberung des Hochplateaus bei Cramesnil und La Bruyers, etwa fünf Kilometer südlich von Bourgebous, durch das II. kanadische Korps. Die Operation sollte simultan zur amerikanischen Offensive weiter westlich ausgeführt werden.

Zwei kanadische Infanteriedivisionen sollten angreifen, woraufhin nachrückende Panzerdivisionen durch die von der Infanterie geschaffene Lücke durchbrechen und weiter vorrücken sollten, um entfernter gelegene Ziele zu erobern. Die kanadische 2. Infanteriedivision unter Generalmajor Foulkes sollte rechts, die kanadische 3. Infanteriedivision unter General Keller links vorrücken. Die Operation sollte aus drei miteinander verbundenen Teilen bestehen. Zuerst sollte die Linie May-sur-Orne–Verrières–Tilly-la-Campagne, danach die Linie Fontenay-le-Marmion–Roquancourt und das Hochplateau erobert werden. Wenn der Durchbruch durch die deutschen Linien gelungen sein würde, sollten gepanzerte Kräfte an der Strasse Caen–Falaise weiter vorrücken.

Da die deutschen Kommandeure weitere grössere Angriffe im britischen Sektor vermuteten, wurden zusätzliche Truppen in das Caen-Falaise-Gebiet gebracht. Am 25. Juni war das Heranführen der Kräfte laut OKW-Bericht im Wesentlichen abgeschlossen. Daher verfügten die Deutschen über fünf Panzerdivisionen und diverse Infanterieverbände, die in der Gegend stationiert waren. Diese grosse Konzentration an Formationen mit hohem Kampfwert machte einen alliierten Durchbruch an dieser Stelle sehr unwahrscheinlich.

Am Abend vor dem Angriff flogen 60 mittlere Bomber einen vorbereitenden Angriff auf deutsche Stellungen, welcher durch deutsches Flakfeuer stark behindert wurde. Der kanadische Angriff begann um 3:30 Uhr am Morgen des 25. Juli mit dem Vorstoss der North Nova Scotia Highlanders der kanadischen 3. Infanteriedivision. Der Angriff sollte durch künstliches Mondlicht unterstützt werden: Scheinwerfer strahlten die Wolkendecke an, um mit dem reflektierenden Licht die Positionen der Verteidiger zu illuminieren. Da die angreifende Infanterie aber gleichzeitig auch besser zu sehen war, ist der Nutzen dieser Aktion fragwürdig.

Die Operation erreichte nicht die vorher festgelegten Ziele, es gelang aber, Verrières zu erobern und zu halten, das eine gute taktische Position war. Der Ort an einem hochgelegenen Punkt ermöglichte es, ein grosses Gebiet zu überblicken. Auch wurde Tilly-la-Campagne erobert. Die Operation war eine der verlustreichsten der Kanadier im Zweiten Weltkrieg; sie verloren rund 1500 Mann.

Zeitgleich mit den Vorstössen der anderen Alliierten unternahmen die US-Truppen am 25. Juli einen Ausbruchsversuch aus ihrem Brückenkopf bei Saint-Lô, der in den Folgetagen im Westen zur Abschnürung der Cotentin-Halbinsel bis nach Avranches vordrang. Mit der Operation Cobra durchbrachen die US-Einheiten im Westen der Normandie nach anfänglicher Verzögerung schnell die deutsche Front und schwenkten dann nach Osten ein, was schliesslich mit Hilfe der nördlich kämpfenden Briten und Kanadier zum Kessel von Falaise führte. Der nicht vorhergesehene grosse Erfolg der Operation führte am 4. August zu einer Planänderung durch Montgomery, der einen weiteren Vorstoss nach Westen zu den Atlantikhäfen zugunsten eines schnellen Vordringens nach Osten abbrach. Operation Cobra kennzeichnet deutlich den Übergang vom Stellungs- zum Bewegungskrieg und war der Beginn des schnellen Vorstosses der Alliierten durch Nordfrankreich nach Osten.

Die Operation Bluecoat (30. Juli bis 7. August)

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051_88/Alliierte Soldaten auf dem Weg nach Caumont, 30. Juli

Montgomery wies den Oberbefehlshaber der britischen 2. Armee Dempsey an, im Verlauf der Operation Bluecoat mit kanadischer Unterstützung die deutschen Truppen südlich bzw. südwestlich von Caen zu vertreiben, um sie vom amerikanischen Sektor fernzuhalten. Der Grund war eine deutsche Aktion, die zum Ziel hatte, Nachschub und Unterstützung zu ihren Truppen vor dem amerikanischen Sektor zu schaffen. Die Operation begann am 29. Juli 1944 südlich von Caumont. Trotz des vorausgegangenen Artilleriefeuers gelang es den Briten und Kanadiern nicht, einen Durchbruch zu erzielen, da die Deutschen ihre Minenfelder gut platziert hatten und auch ansonsten starken Widerstand leisteten. Das Gelände war wegen vieler Hecken und anderer Deckungen gut zur Verteidigung geeignet, was den Alliierten den Vormarsch zusätzlich erschwerte.

Erst als Teile der britischen 11. Panzerdivision eine Lücke in den deutschen Verteidigungslinien fanden, konnten die alliierten Verbände durchbrechen und auf die für die deutsche Verteidigung wichtige Stadt Vire vorrücken. Sie hatten bald die Stadt vollkommen in ihrer Hand, die wegen des alliierten Bombardements und deutscher Sprengungen bis auf die Grundmauern abgebrannt war. Ausserdem eroberten die Briten den Mont Pinçon und trieben so einen sechs Meilen breiten Keil zwischen die deutsche 7. Armee und die 5. Panzerarmee.

Trotz einiger Niederlagen und Fehlschläge erreichte die am 7. August beendete Operation Bluecoat ihr Hauptziel, nämlich die deutschen Truppen vom US-Sektor fernzuhalten. Die deutschen Truppen waren ausserdem weiter ins Landesinnere zurückgeworfen worden.

Der deutsche Gegenangriff – Unternehmen Lüttich (6. bis 8. August)

Die Deutschen begannen am späten Abend des 6. August 1944 mit der von Generalfeldmarschall Günther von Kluge geleiteten 7. Armee einen Gegenangriff – das Unternehmen Lüttich –, um die Alliierten wieder zurückzuwerfen.

Der deutsche Plan sah vor, mit der 7. Armee die Linie der Alliierten im südlichen Bereich der Cotentin-Halbinsel zu durchbrechen und die amerikanischen Einheiten abzuschneiden und aufzureiben. Die Anweisung Hitlers dazu erreichte den Oberbefehlshaber West Kluge am 2. August.

Nach anfänglichen Erfolgen gegen die amerikanischen Einheiten, vor allem der 6. US-Panzerdivision, kam der Angriff durch starke alliierte Luftangriffe aber zum Stehen. Vermehrter alliierter Widerstand zwang von Kluge, gegen Mitternacht des 8. August den Angriff vorerst auszusetzen.

Die Operation Totalize (7. bis 10. August)

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051_89/Karte der Operation Totalize

Die Operation Totalize wurde am 7. August 1944 durch britische, kanadische und polnische Verbände ausgeführt. Ziel war der Ausbruch aus dem Normandie-Brückenkopf entlang der Strasse Caen–Falaise.

Wegen des Abzugs der Panzerverbände für das Unternehmen Lüttich hatten die Deutschen mehrere Infanterieverbände die Front bei Caen übernehmen lassen. Auf der 12. SS-Panzer-Division Hitlerjugend lag nun die Hauptlast der Verteidigung gegen den weiteren alliierten Vormarsch. Feldmarschall Montgomery setzte das kanadische II. Korps, die 51st (Highland) Division und die polnische 1. Panzerdivision zur Unterstützung ein, um Richtung Falaise vorzurücken.

Der Plan sah einen Nachtangriff ohne vorangehendes Artilleriefeuer vor. Bombergeschwader sollten zuerst die Flanken angreifen. Zum Zeitpunkt, in dem die alliierten Verbände die Startlinie überschritten, sollte die Artillerie feuern. Danach sollten in der Nacht vom 7. auf den 8. August zwei alliierte Infanteriedivisionen angreifen. Kurz nach dem Mittag des 8. August sollten dann schwere Bomber der USAAF die deutschen Verteidigungsstellungen angreifen, woraufhin im Verlauf der zweiten Phase zwei Panzerdivisionen durchbrechen sollten. 1019 alliierte Flugzeuge bombardierten in der Nacht vom 7. auf den 8. August fünf starke deutsche Verteidigungsstellungen, die sich im Weg der alliierten Verbände befanden. Die Bombergeschwader trafen zielgenau die deutschen Stellungen und die Strassen um sie herum. Zehn Bomber, allesamt Avro Lancaster kamen zu Schaden, sieben von deutschen Jägern, zwei von FlaK, sowie einer aus einem unbekannten Grund.

Ian Hamington, Befehlshaber einer Kompanie Minenräumpanzer, berichtete, dass die Panzerbesatzungen beim Vorrücken in der Nacht so gut wie kein Sichtfeld hatten und teilweise noch nicht einmal die Rücklichter der vorderen Panzer sehen konnten, weil es so dunkel war und da so viel Rauch und Staub die Sicht erschwerte. Seinen Angaben zufolge kam noch eine Verwirrung durch den alliierten Funkverkehr hinzu. Trotz dieser Schwierigkeiten verlief die erste Phase gut für die Alliierten und wurde schnell durchgeführt. Die zweite verlief jedoch weniger gut, denn die Alliierten konnten nur Geländegewinne von zwei Kilometern verzeichnen.

Bei der Operation Totalize wurde auf taktische Neuerungen bzw. Veränderungen zurückgegriffen. Nachtangriffe waren immer schwerer als Angriffe am Tag, hatten aber den Vorteil der Überraschung. General Guy Simonds erreichte, dass für die Operation M7 Priest Kangaroo-Panzer, die für besondere Zwecke, beispielsweise als Sanitätspanzer, umgebaut worden waren, erfolgreich eingesetzt wurden.

Obwohl die Alliierten Falaise nicht erreichen konnten, rückten sie 13 Kilometer vor und fügten den Deutschen schwere Verluste zu – 560 Tote und 1600 Verwundete. Die Operation verlief zwar nicht erfolgreich, aber die Gesamtsituation in der Normandie hatte sich verändert. Die amerikanischen Streitkräfte waren nur 40 Kilometer von Simonds’ Brückenkopf entfernt. Wenn sich die beiden Verbände im Raum Falaise–Argentan zusammenschliessen könnten, würden sie die deutsche 7. Armee einschliessen. Simonds startete daraufhin die Operation Tractable, um näher an Falaise heranzukommen. Am 9. August fiel der deutsche Panzerkommandant Michael Wittmann im Zuge der Kämpfe während der Operation Totalize zwischen Caen und Falaise.

Die Operation Tractable (14. bis 15. August)

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051_90/Ein britischer Sherman auf dem Weg nach Falaise bei der Durchfahrt durch Bois Holbout, 15. August

Der Plan der Operation Tractable war derselbe wie bei der Operation Totalise. Er sah wieder schweres Bombardement und einen in zwei Phasen gegliederten Angriff vor. Die Operation begann am 14. August. 805 Flugzeuge griffen sieben deutsche Truppenpositionen an, um den Vorstoss der kanadischen 3. Infanteriedivision auf Falaise am 14. August zu unterstützen, wobei zwei alliierte Flugzeuge zerstört wurden. Es wurde ein detaillierter Plan ausgearbeitet, der den Einsatz von Leuchtmarkierungen beinhaltete. Der Grossteil des Bombardements war genau und effektiv, einige Flugzeuge bombardierten aber auch Gelände, in dem sich Teile des kanadischen 12. Feldregiments aufhielten. Etwa 70 Bomber nahmen 70 Minuten lang das falsche Gebiet unter Feuer. Die Kanadier erlitten dadurch aber nur geringe Verluste: 13 Soldaten wurden getötet, 53 verwundet und viele Fahrzeuge und Geschütze zerstört. Dieser Vorfall war nicht der erste während der Schlacht in der Normandie, bei dem alliierte Flugzeugverbände eigene Truppen angriffen. Ein Tag später wurde das kanadische Artillerieregiment erneut durch die Maschinengewehre von Spitfires der Royal Air Force und Mustangs der USAAF angegriffen.

Am ersten Tag rückten die Alliierten 8 km vor, wobei sie den Fluss Laison überqueren mussten, der sich als ein schwerer zu überwindendes Hindernis für die Panzer erwies, als die Alliierten vorausberechnet hatten.

Am Ende des zweiten Tages, dem 15. August 1944, war jedoch noch ein Grossteil des Zielgebietes in deutscher Hand.

Der Kessel von Falaise (16. bis 20. August)
Der von Hitler befohlene Angriff der deutschen 5. Panzerarmee in westlicher Richtung gab den Alliierten die Chance, die Deutschen zwischen Falaise und Argentan im sogenannten Kessel von Falaise einzuschliessen.

Am 8. August erreichte Pattons 5. US-Panzerdivision den Ort Le Mans, wo sie sich mit der französischen 2. Panzerdivision unter Jacques-Philippe Leclerc de Hauteclocque zusammenschloss. US-General Omar Bradley sprach sich am selben Tag mit Bernard Montgomery ab und erklärte ihm seinen Plan, die deutsche Armee westlich der Seine einzuschliessen. Dazu mussten Pattons beide Panzerdivisionen von Le Mans aus nach Norden wenden, um sich dort mit Montgomerys Divisionen zusammenzuschliessen, welche von Caen aus in südwestliche Richtung abdrehten.

Bradley befahl, Pattons XV. Korps nördlich von Argentan zu stoppen. So entstand eine 25 km breite Lücke, durch die die deutschen Truppen zu entkommen versuchten. Teile der 12. SS-Panzer-Division und der kanadischen 1. Armee lieferten sich daraufhin harte Kämpfe, die sich über mehrere Tage hinzogen. Zwischen dem 18. und 21. August schrumpfte der Kessel zu einer acht Kilometer breiten Strasse zusammen, die von bis zu 80.000 Granaten täglich beschossen und vielen Luftangriffen ausgesetzt war. Am 1. September war der Kampf mit dem Abzug der letzten deutschen Soldaten vorüber.

Falaise ist als Sieg für die Alliierten zu bewerten, da die deutschen Verbände zwischen dem 7. und 21. August etwa 50.000 Soldaten (einschliesslich Kriegsgefangene) und nahezu ihre gesamten schweren Waffen verloren; allerdings konnten zwischen 20.000 und 30.000 deutsche Soldaten aus dem Kessel entkommen, was Antony Beevor mangelndem taktischem Geschick vor allem Montgomerys zuschreibt.

Kriegsverbrechen
Kriegsverbrechen an deutschen Kriegsgefangenen
Kurt Meyer berichtet wie folgt über die Behandlung von deutschen Kriegsgefangenen durch kanadische Truppen:

"Am 7. Juni wurde mir ein Notizblock eines kanadischen Captains gegeben. Zuzüglich zu handgeschriebenen Befehlen wiesen die Notizen an: 'no prisoners were to be taken' ['keine Gefangenen nehmen']. Einige kanadische Gefangene wurden [daraufhin] gefragt, ob die Instruktionen der Wahrheit entsprechen würden […] und sie sagten, dass sie den Befehl hatten, wenn die Gefangenen den Fortschritt behinderten, sie nicht gefangenzunehmen".

Meyer soll daraufhin befohlen haben: "Was sollen wir mit diesen Gefangenen tun? Die essen nur unsere Rationen. In Zukunft werden keine Gefangenen mehr gemacht".

Der kanadische Kompanieführer und Major Jacques D. Dextraze sagte und bestätigte damit Meyers Anschuldigungen gewissermassen:

"Wir passierten den Fluss – die Brücke war gesprengt worden. […] Wir nahmen 85 Kriegsgefangene. Ich wählte einen Offizier aus und sagte: ‚bring sie zum P.W. Käfig zurück.‘ Er ging zurück und befahl ihnen zu der Brücke […] zu rennen. Diese Männer waren schon einige Meilen gerannt. Sie kamen erschöpft an der Brücke an [aber der Offizier sagte:] Nein Nein, ihr nehmt nicht die Brücke, ihr schwimmt. Jetzt fielen die Männer in das Wasser. Die meisten ertranken. […] Danach wurden sie von den Pionieren, die die Brücke reparierten, aus dem Wasser geholt. Ich fühlte mich sehr schlecht, als ich sie alle aufgestapelt neben der Brücke sah. […]".

Kriegsverbrechen an kanadischen Kriegsgefangenen
Mehr als 156 kanadische Gefangene sind Berichten zufolge von der 12. SS-Panzer-Division in den Tagen und Wochen nach dem D-Day in der Nähe von Caen getötet worden.

20 Kanadier wurden beim Massaker in der Abbaye d’Ardenne, in der Nähe von Villons-les-Buissons nordöstlich von Caen exekutiert. Der Kommandant des SS-Panzergrenadierregiments 25 der 12. SS-Panzer-Division, Kurt Meyer, hatte in der mittelalterlichen Abtei Abbaye d’Ardenne sein Hauptquartier bezogen und die Exekutionen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Auftrag gegeben.

Am 7. Juni kämpften kanadische Truppen bei dem Ort Authie, wonach viele in der Abtei gefangen gehalten wurden. Zehn wurden daraufhin ausgewählt und vor der Abtei exekutiert. Der Rest wurde nach Bretteville-sur-Odon gebracht. Am Abend desselben Tages wurden elf Gefangene in den Garten eines Landschlosses geführt und erschossen.

Am Abend des 8. Juni wurden sieben weitere Kriegsgefangene, die bei Authie und Buron gekämpft hatten, zur Abtei gebracht, befragt und danach nacheinander erschossen. Die sieben Kanadier schüttelten sich vor der Exekution noch einmal die Hand, wurden dann in den Garten gebracht und mit Maschinenpistolenschüssen in den Hinterkopf exekutiert. Nach zehn Minuten waren alle sieben tot. Der polnische Gefreite Jan Jesionek, der in der 12. SS-Panzer-Division diente, berichtete später über die Geschehnisse. Die letzten Leichen wurden erst im Herbst 1945 gefunden.

Die Abbaye d’Ardenne wurde um Mitternacht des 8. Juli 1944 von den Regina Rifles erobert.

Kurt Meyer wurde wegen der Exekutionen im Dezember 1945 der Prozess gemacht. Er bestritt jedoch, davon gewusst zu haben. Er wurde trotzdem zum Tod verurteilt, was jedoch später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Am 7. September 1954 wurde er aus dem Gefängnis entlassen.

Zum Gedenken an die kanadischen Soldaten wurde bei der Abtei eine kleine Kapelle aufgestellt. Die Kapelle besteht aus einem Holzkreuz, über dem sich eine Nische befindet, in der wiederum eine Marienstatue aufgestellt wurde. Am Kreuz ist ein kanadischer Stahlhelm befestigt. An der Kapelle werden jedes Jahr Blumen der Kinder von Authie hinterlegt. 1984 wurde eine Gedenktafel aus Bronze an der Abtei aufgestellt, auf der steht:

"On the night of June 7/8, 1944, 18 Canadian soldiers were murdered in this garden while being held here as prisoners of war. Two more prisoners died here or nearby on June 17. They are dead but not forgotten".

(Deutsch: "In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1944 wurden 18 kanadische Kriegsgefangene in diesem Garten ermordet. Zwei weitere Gefangene starben dort oder in der Nähe am 17. Juni. Sie sind tot, aber nicht vergessen".)

Nachwirkungen und Gedenken
Es gelang den Alliierten durch die Operation Overlord und die Schlachten in der Normandie, Fuss zu fassen und eine feste Basis in Frankreich für die Befreiung Europas zu schaffen. Am 25. August beendeten die Alliierten die Schlacht um Paris mit der Einnahme der französischen Hauptstadt.

Caen sowie die umliegenden Dörfer und Städte wurden zum Grossteil zerstört. Die in Caen befindlichen Abteikirchen sowie die 1432 gegründete Universität Caen wurden ebenfalls zerstört. Die Gebäude wurden nach dem Krieg wieder aufgebaut und teilweise auch erweitert. Aufgrund dessen ist das heutige Symbol der Universität von Caen der Phönix. Etwa 35.000 Einwohner Caens waren nach den schweren Kämpfen obdachlos.

Der Wiederaufbau des zerstörten Caen dauerte offiziell von 1948 bis 1962. Erstmals war am 6. Juni 2004 mit Gerhard Schröder ein deutscher Bundeskanzler zur Jubiläumsfeier der Invasion eingeladen.

Um der Schlacht um Caen und der Operation Overlord zu gedenken, wurden viele Denkmäler errichtet, so beispielsweise an der Strasse zur Odon-Brücke, bei Tourmauville ein Denkmal für die 15. Schottische Division oder auf dem Hügel 112 ein Monument für die 53. Walisische Division sowie eines für die 43. Wessex-Division. Des Weiteren wurde in der Nähe des Hügels 112 ein neuer Wald gepflanzt, der heute als Gedenkpark dient.

An die Landung in der Normandie, die Schlacht um Caen und den Zweiten Weltkrieg erinnert heute zentral das Mémorial de Caen. Es wurde auf Initiative der Stadt Caen über dem ehemaligen Befehlsbunker des Generals Wilhelm Richter, dem Kommandeur der 716. Infanterie-Division, errichtet. Am 6. Juni 1988 wurde es vom damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand sowie von zwölf Botschaftern der an dem Kampf in der Normandie beteiligten Staaten eingeweiht. Das Museum ist pazifistisch orientiert und grenzt an den Parc international pour la Libération de l'Europe, einen Garten, der der alliierten Beteiligten der Invasion gedenkt.

Die alliierten Gefallenen sind auf dem Brouay War Cemetery, dem Banneville-la-Campagne War Cemetery (2.170 Gräber) und dem Bretteville-sur-Laize Canadian War Cemetery (2.957 Gräber) beerdigt.

Schlacht um Carentan (08.06.1944 – 15.06.1944)    
(aus Wikipedia)

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051_91/Kartenausschnitt von Caretan

Die Schlacht um Carentan fand vom 8. bis zum 15. Juni 1944 im Rahmen der alliierten Operation Overlord auf der französischen Halbinsel Cotentin im Département Manche statt. Die Stadt Carentan liegt im Hinterland des Strandabschnittes Utah, an dem die Amerikaner am D-Day, dem 6. Juni, landeten. Sie war eine Schlüsselstellung für die deutsche Verteidigung in der Norman-

Vorgeschichte
Den Landungen des VII. und V. US-Korps an den Strandabschnitten Utah und Omaha waren am 6. Juni Luftlandungen der 82nd und 101st Airborne Division im Hinterland des Utah-Sektors zwischen Carentan und Sainte-Mère-Église vorausgegangen. Ihre Aufgabe hatte darin bestanden, die Landungen gegen deutsche Flankenangriffe von auf der Halbinsel Cotentin stationierten Truppen abzuschirmen. Nachdem es den Landungstruppen nicht wie geplant gelungen war, am Landungstag die Verbindung der Utah- und Omaha-Brückenköpfe herzustellen, beschloss das amerikanische Oberkommando am 7. Juni, den Zusammenschluss durch einen konzentrierten Angriff des VII. Korps auf Carentan und des V. auf Isigny herbeizuführen. Der 101. Luftlandedivision wurde dabei die Einnahme Carentans als alleiniges Ziel gesetzt.

Die von Deutschen besetzte Stadt konnte sehr gut als Ausgangspunkt eines Angriffskeils, der zwischen das V. Korps und das VII. Korps getrieben werden könnte, dienen. Dies musste mit allen Mitteln verhindert werden, um den Brückenkopf in der Normandie zu stabilisieren. Der Befehlshaber der 1. US-Armee General Omar Bradley stimmte mit dem Kommandeur des VII. Korps General J. Lawton Collins darüber überein, dass die Division verstärkt werden müsse, wenn es ihnen nicht in kurzer Zeit gelänge zu den Einheiten des V. Korps durchzubrechen.

Die Schlacht
Als die aktuellen Befehle eintrafen, war die 101. in Kämpfe bei St. Come-du-Mont verwickelt. Die Attacke unter dem Kommando von Colonel Robert F. Sink der 506. Fallschirminfanterie war auf 04:45 Uhr am 8. Juni angesetzt. Dazu sollten vier Bataillone eingesetzt werden; auf der rechten Flanke das 1. und 2. Bataillon der 506. Fallschirminfanterie, im Zentrum das 3. Bataillon und auf der linken Flanke das 1. Bataillon der 401. Gleiterinfanterie.

St. Come-du-Mont
Die Attacke begann mit Feuerschlägen auf 15 vorher ausgemachte deutsche Ziele. Das 3. Bataillon nahm Droueries und konnte schnell weiter südlich vorrücken. Als sie die Strassenkreuzung östlich von St. Come-du-Mont erreichten, waren sie den beiden anderen Flanken bedrohlich nahegekommen. Eine schnelle Umstrukturierung wurde vorgenommen und das 1. und 2. Bataillon bekamen die Aufgabe westlich von St. Come-du-Mont Verteidigungspositionen einzunehmen.

Während das 1. Bataillon der 401. Gleiterinfanterie etwas nachhing, konnte das 3. Bataillon die Strasse Richtung Carentan am späten Morgen erreichen.

Der Kommandeur des 3. Bataillons Colonel Julian J. Ewell meinte gesehen zu haben, dass sich die Deutschen westlich von St. Come-du-Mont zurückzögen. So beschloss er, südlich der Strasse die Zufahrtswege und Brücken einzunehmen. Doch als seine Männer über die Strasse stürmen wollten, wurden sie von deutschem Maschinengewehrfeuer und Panzergranaten aus den gegenüberliegenden Häusern beschossen. Aus Carentan heraus wurden sie von 81 mm-Mörsergranaten bombardiert. Da sie keinerlei Funkverbindung mit der eigenen Artillerie aufbauen konnten, zogen sie sich auf Stellungen östlich der Strasse zurück.

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051_92/Der Zufahrtsdamm nach Carentan

Auf dem Weg dorthin standen sie plötzlich im Feuer einer deutschen Gegenattacke aus dem Norden. Sie konnte zwar zurückgeschlagen werden, aber es hielten sich noch immer Deutsche auf einem kleinen Hügel, der die Strasse im Westen überragte. Die Amerikaner bildeten eine Verteidigungslinie zum Hügel von Osten nach Westen und bekämpften fünf heftige deutsche Vorstösse, die bis kurz vor die Hecke verliefen, hinter der die Amerikaner lagen.

Am Nachmittag beorderte Colonel Sink das 1. Bataillon der 401. Gleiterinfanterie einzugreifen. Doch als sie vorzurücken begannen, zogen sich die Deutschen schnell zurück. Es wurde beobachtet, wie sie sich südwärts zwischen dem Bahndamm im Westen und der Strasse bewegten. Etwa vierzig beladene Lastkraftwagen auf der Strasse fielen in die Hände der Amerikaner.

Eine nach St. Come-du-Mont geschickte Patrouille fand den Ort völlig leer vor. Die 101. bereitete sich nun auf den Zugriff auf die vier Zufahrtsbrücken im Süden vor. Die zweite Brücke war schon am Nachmittag von den Deutschen gesprengt worden.

Die Attacke am Zufahrtsdamm
Am Abend des 8. Juni kontrollierte die 101. US-Luftlandedivision einen Verteidigungsbogen auf der südlichen Flanke des VII. Korps, der von Chef-du-Pont bis zur Mündung der Douve verlief. An der rechten Divisionsflanke hatte die 502. Fallschirminfanterie Positionen von Chef-du-Pont bis in der Nähe von Houesville bezogen. Das 327. Gleiterregiment unterstützte sie in der Nähe der Schleuse und der Hafenbrücken. Im Verteidigungszentrum stand die 506. Fallschirminfanterie beiderseits des Zufahrtsdamms nach Carentan. Die 501. Fallschirminfanterie stand bei Vierville-sur-Mer als Reserve im Rückraum.

Der Plan der 101. sah zwei Überquerungen der Douve vor. Der linke Flügel sollte um 01:00 Uhr am 10. Juni in der Nähe von Brevands den Fluss überqueren mit dem Ziel, das V. Korps südwestlich von Isigny bei der Brücke über die Vire zu erreichen, während die Hauptstreitmacht südwestlich nach Carentan vorrücken sollte. Der rechte Flügel musste zuerst den Zufahrtsdamm nordwestlich von Carentan überqueren, Carentan selbst aber umgehen und die Höhe 30 südwestlich der Stadt in Besitz nehmen. Die Höhe 30 lag genau am möglichen Fluchtweg der Deutschen, da die Wege nach Osten und Süden vom Canal de Vire et Taute und ausgedehntem Sumpfland versperrt waren. Im weiteren Verlauf sollten dann beide Flanken einen Ring um Carentan bilden, der sich immer weiter zuzog.

Der Vorstoss
Nach der Sicherung von St. Come-du-Mont war die rechte Flanke bereit zur Attacke auf den Zufahrtsdamm. Es gab Anzeichen dafür, dass Carentan nicht heftig verteidigt werden sollte. Die 506. hatte Aussenposten an den ersten zwei Brücken aufgestellt und am nächsten Tag machten sie einen Erkundungsvorstoss in die Aussenbezirke von Carentan. In der Nähe der vierten Brücke legten sie Feuer. Die amerikanische Luftaufklärung berichtete von der Evakuierung der Stadt und dass eine grosse Lücke in den Bahndamm gesprengt worden war, so dass die Strasse die beste Lösung war, um nach Carentan zu kommen. Der Zufahrtsdamm zog sich schmal und gerade durch die Marschlandschaft und die Amerikaner konnten anrückende Deutsche schnell ausmachen und sich selbst problemlos in alle Richtungen verteidigen.

Der Angriff wurde von der 502. ausgeführt. Lt. Col. Robert George Cole startete mit dem 3. Bataillon kurz nach Mitternacht am 10. Juni. Da die Pioniere, die die Brücke Nr. 2 reparieren sollten, nicht unter Feindbeschuss arbeiten konnten, wurde der Angriff kurz darauf aber abgebrochen. Etwas später wurde eine Patrouille zur Erkundung der Strasse ausgesandt. Der Kanal wurde von ihnen bei der Brücke Nr. 2 in einem Boot überquert. Als sie zur Brücke Nr. 4 weiterfahren wollten, war ihnen der Weg durch ein grosses Stahltor, ein sogenanntes Belgisches Tor, verwehrt. Während der Bemühung dieses Hindernis zu öffnen, explodierte plötzlich eine Mörsergranate neben ihnen. Im selben Augenblick begann ein Gewitter aus Maschinengewehrfeuer und weiteren Granaten von deutschen Stellungen neben der Strasse auf sie einzuprasseln. Zwar musste sich die Patrouille gegen 05:30 Uhr wieder zurückziehen, aber nun war bekannt, dass die Deutschen die Verteidigung von Carentan noch nicht aufgegeben hatten.

Als neuer Angriffstermin wurde dem Bataillon der Nachmittag angekündigt. Dieses Mal sollten das 65. Panzerfeldartilleriebataillon und das 907. Gleiterfeldartilleriebataillon mit ihren Geschützen eine erhebliche Unterstützung liefern. Das meiste Artilleriefeuer wurde auf die bekannten und vermuteten feindlichen Stellungen konzentriert, die hauptsächlich südwestlich der Brücke Nr. 4 lagen. Am Mittag war es den Pionieren noch nicht gelungen, die grosse Lücke an Brücke Nr. 2 zu schliessen. Lt. Col. Cole und drei andere Soldaten legten Planken über die Brücke, so dass am frühen Nachmittag das Bataillon einer nach dem anderen die Brücke überqueren konnte. Aus Richtung Carentan eröffnete immer wieder eine 8,8-cm-Kanone das Feuer auf die Strasse, hielt aber die Männer nicht auf. Die Soldaten gingen geduckt oder krochen den Damm entlang. Als nach drei Stunden die meisten Amerikaner drei Brücken überquert hatten und sich jenseits Brücke Nr. 2 befanden, eröffneten die Deutschen das Feuer aus schützenden Hecken und einem grossen Bauernhof an der rechten Seite. Die Männer liessen sich sofort in die Gräben rollen. Als sie versuchten, weiter vorzurücken bestrich ein Maschinengewehr mit zahlreichen Garben die Gräben. Nachdem drei Soldaten getroffen worden waren, zog sich die Gruppe wieder zurück.

In einer langen Reihe, Mann hinter Mann, zog das Bataillon die Strasse entlang, unfähig sich zur rechten und linken Flanke verteidigen zu können. Ständig lagen sie unter deutschem Maschinengewehrfeuer. Das belgische Tor an Brücke Nr. 4 musste von ihnen einzeln nacheinander bei direktem Beschuss unterquert werden. Ohne die Unterstützung der Artillerie, die von 16:00 bis 23:30 Uhr die deutschen Stellungen beschoss, wäre dies ein unmögliches Unterfangen gewesen. Ein Teil der G-Kompanie, die das Bataillon anführten, nahm Positionen rechts von der Brücke ein, während der Rest versuchte, durch die enge Öffnung zu schlüpfen. Sechs Soldaten gelang es durchzukommen, aber der siebte wurde getroffen. Sofort wurde die Aktion abgebrochen und eine Verteidigungsstellung aufgebaut. Auch drei Mörser kamen dazu.

Der Bauernhof
Das komplette Bataillon sass nun fest. Die I-Kompanie hockte neben dem Damm bei Brücke Nr. 3 und war so gut wie deckungslos dem deutschen Feuer ausgeliefert. Sie wurden schwer getroffen. Zuerst von Gewehrfeuer und gegen 23:30 Uhr auch von zwei deutschen Kampfflugzeugen, die sie beschossen und Bomben auf ihre Position abwarfen. Während einer kurzen Feuerpause um Mitternacht konnten sich von den ursprünglich 80 Soldaten der Kompanie nur noch 21 Männer und zwei Offiziere bis hinter die Brücke Nr. 2 zurückziehen. Die Feuerpause nutzten auch Soldaten der H-Kompanie, um Männer durch das Tor an Brücke Nr. 4 zu schleusen.

Gegen 04:00 Uhr am 11. Juni wurde das 3. Bataillon von der Regimentsführung angewiesen, die Attacke fortzusetzen. In der Dunkelheit stiessen die G-Kompanie und die Kompanie aus dem Hauptquartier durch das Tor an Brücke 4 weiter vor. Beiderseits des Strassendamms rückten sie vor. Die Hauptposition der Deutschen schien ein grosser Bauernhof rechts der Strasse zu sein, der von hohen Hecken umschlossen war. Er erhob sich deutlich auf einer kleinen Anhöhe aus dem Marschland.

Als sich die ersten Soldaten dem Hof näherten, wurden sie mit Gewehren, Maschinenpistolen und Mörsern angegriffen. Ein konzentrierter amerikanischer Artilleriebeschuss änderte an der Situation wenig. Daher befahl Lt. Col. Cole einen Bajonettangriff auf die deutsche Position. Dazu liess er von der Artillerie Rauchbomben in das Gebiet schiessen. Um 06:15 Uhr nach Beendigung des Artilleriefeuers pfiff Cole zum Angriff, doch ihm folgten von den ursprünglich 250 Männern nur 20, weitere 50 griffen mit Major Stopka das Haus an. Dadurch, dass die Amerikaner über ein weites Gebiet verteilt in Deckung lagen, hatte sich der Befehl nicht überall herumgesprochen. Zusätzlich hatte die G-Kompanie Feindkontakt und wurde von deutschen Einheiten mit Maschinenpistolen auf der Aue östlich der Strasse nach Carentan attackiert. Dabei wurde der kommandierende Offizier von einer zu kurz geschossenen Artilleriegranate verletzt. Als die Kompanie den Pfiff von Cole hörte, bzw. sah, dass die anderen Amerikaner auf den Bauernhof zustürmten, rannten sie eiligst hinterher.

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051_93/Die Attacke am Zufahrtsdamm

Männer der H-Kompanie erreichten als erste den Bauernhof, fanden ihn aber verlassen vor. Das feindliche Feuer kam jetzt aus einer hohen Hecke, die rechtwinklig zur Strasse verlief. Die Amerikaner stürmten den Bereich und töteten die Deutschen mit Handgranaten und den Bajonetten. Der einzige deutsche Widerstand, der nun noch existierte, lag im Süden, von wo aus stetig auf die Amerikaner gefeuert wurde. Cole wollte den Vorstoss eigentlich sofort weiter fortsetzen lassen, aber das Bataillon war kräftemässig nicht mehr dazu in der Lage. Alle Amerikaner versammelten sich nahe dem Bauernhof. Dort stellte sich schnell heraus, dass die Einheiten im Kampfgewirr durcheinandergeraten waren und teils hohe Verluste erlitten hatten. Daher wurde dem 1. Bataillon der 502. Fallschirminfanterie der Befehl übermittelt, über die Position des 3. Bataillons hinaus den Angriff fortzusetzen.

Der Befehl erreichte das 1. Bataillon nördlich der Brücke Nr. 4. Unter Führung von Colonel Cassidy überquerten die Soldaten bei heftigem deutschen Gegenfeuer die Brücke und erreichten die Felder beim Bauernhof. Doch anstatt weiter vorzurücken, verstand sich das 1. Bataillon als Verstärkung für das 3. Durch den deutschen Beschuss hatten sie aber ebensolche Verluste erlitten und waren genauso in Unordnung geraten wie ihre Kameraden.

Auf der rechten Flanke gelang es den Amerikanern, eine Stellung der Deutschen einzunehmen, als diese gerade einen Stellungswechsel durchführen wollten. Die Deutschen zogen sich schnell in die südlichen Häuser zurück und die Amerikaner folgten ihnen. Dort lagen sie sich für den Rest des Tages gegenüber. Die kleine amerikanische Gruppe war damit am weitesten vorgerückt und befand sich rund 140 m weit weg vom restlichen Bataillon. Eine andere Gruppe installierte in einer Heckenecke hinter dem Bauernhof zwei Maschinengewehre, mit denen der Bereich östlich bis zu den Obstplantagen und die Strasse bis zur nächsten Kreuzung abgedeckt wurden. Trotz allem war dies kein koordinierter Angriff und Lt. Col. Cole war im Bauernhof sehr besorgt darüber, da er ohne Funkverbindung die Situation an beiden Flanken nicht einschätzen konnte. Zudem empfand er die Hilfe der Artillerie als kaum effektiv. Der Rückzugsraum war durch den Fluss eingeengt und eine eigene Reserve stand auch nicht zur Verfügung. Weiterhin bekam man die deutschen Verteidiger fast nie zu Gesicht und musste deren Stellungen und Entfernungen anhand der Lautstärke des Geschützfeuers abschätzen.

Der deutsche Gegenangriff
Am Morgen erhöhte sich die Intensität des deutschen Artillerie- und Mörserfeuers. Die Deutschen begannen mit einem Gegenangriff. Einer der heftigsten Vorstösse kam über die Obstplantage und galt den Amerikanern südlich und östlich des Bauernhofs. Doch durch die neuen Maschinengewehrstellungen konnten die Angreifer zum Abbruch der Attacke gezwungen werden.

Durch eine unerwartete Gefechtspause kurz vor Mittag ergab sich für die Amerikaner die Möglichkeit, die linke Flanke wieder aufzubauen. Die C-Kompanie stiess von Brücke Nr. 4 bis zu einem Kohlfeld zwischen Hecke Zwei und Drei vor, so dass sie die nächste Hecke und die Strasse unter Feuer nehmen konnte. Die A-Kompanie lag direkt hinter ihnen.

Am Mittag wurden die Einheiten von der Regimentsführung über eine Anfrage der Deutschen für einen Waffenstillstand informiert und das Feuer wurde eingestellt. Brigadegeneral Anthony C. McAuliffe, der die Operation der 101. US-Luftlandedivision leitete kam dies entgegen, da er nun selbst in der Lage war, die amerikanischen Opfer zu bergen. Major Douglas T. Davidson, der Regimentsarzt, ging daraufhin mit zwei deutschen Abgesandten durch die feindlichen Linien, um den Kommandeur in Carentan um eine Feuerpause zu bitten. Eine Unterredung wurde aber abgelehnt und Davidson kehrte unverrichteter Dinge wieder bis zur Brücke Nr. 4 zurück. In diesem Moment eröffnete die deutsche Seite in einer bisher ungekannten Intensität das Feuer aus allen verfügbaren Waffen und Geschützen. Lt. Col. Cole fragte sofort bei der Regimentsführung um Feuererlaubnis nach, die er jedoch nicht bekam, da Davidson noch nicht wieder zurückgekehrt war. Die Amerikaner an vorderster Front fällten jedoch ihren eigenen Entschluss und begannen zurückzufeuern. Da sie die deutschen Bewegungen während der Feuerpause beobachtet hatten, waren sie überzeugt davon, dass diese dazu gedient hatten die Stellungen zu stärken und eine schwere Artillerieattacke vorzubereiten.

Der erneute deutsche Angriff brachte die Amerikaner an ihre Grenzen. Die rechte Flanke musste sich zurückziehen, aber die Maschinengewehrstellung am Bauernhof half den anderen, ihre Positionen zu halten. Die Soldaten im Kohlfeld an der linken Flanke hielten ihre Stellungen gegen immer wieder vorgetragene deutsche Attacken aus den umliegenden Hecken und Gräben. Sie kamen den Amerikanern teilweise so nahe, dass diese das Geräusch der Verschlüsse beim Nachladen hören konnten. Zwar war die deutsche Artillerie eher schwach, aber die Mörser feuerten ununterbrochen.

Auf deutscher Seite trug das Fallschirmjägerregiment 6 unter dem Kommandeur Major Friedrich August Freiherr von der Heydte (der 17. SS-Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen" unterstellt) die Hauptlast des Gefechtes.

Der amerikanische Erfolg
Gegen 18:30 Uhr wollte Cole die Regimentsführung über seinen Rückzugsentschluss informieren, aber das Funkgerät war defekt. Cole nahm an, dass nur deutlich gesteigerte Artillerieunterstützung seinen Männern helfen konnte. Als der Funkspruch endlich abgesetzt werden konnte, änderte sich die Situation schlagartig. Die komplette amerikanische Artillerie begann umgehend mit einem intensiven Beschuss der deutschen Stellungen, wobei das Feuer sehr nah an die amerikanischen Positionen gesetzt werden musste. Dabei kamen zwei Soldaten ums Leben. Der Beschuss dauerte nur fünf Minuten, aber das reichte aus, um die Deutschen zum Rückzug in die Stadt zu bewegen. Ausgesandte Patrouillen konnten dies nur bestätigen. Das 1. und 3. Bataillon waren endlich in der Lage, sich gegen 20:00 Uhr zurückzuziehen. Das 2. Bataillon übernahm die jetzt neu eroberten Bereiche. Damit war der Weg nach Carentan von Norden her freigekämpft, doch die 502. Fallschirminfanterie war zu schwach, die Attacke fortzusetzen. Die 506. Fallschirminfanterie wurde als Entsatz beordert, um den Ort letztendlich gegen Widerstand am 15. Juni 1944 einzunehmen.

Schlacht um Villers-Bocage (13.06.1944 – 16.06.1944)    
(aus Wikipedia)

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051_94/Kartenausschnitt Villers-Bocage

Die Schlacht um Villers-Bocage am 13. Juni 1944 war ein Zusammenstoss zwischen deutschen und britischen Panzerstreitkräften während der Schlacht in der Normandie. SS-Hauptsturmführer Michael Wittmann führte eine Einheit von sechs Panzerkampfwagen VI Tiger der Schweren SS-Panzer-Abteilung 101 zur Sicherung der Strasse N. 175 südlich von Caen bei Villers-Bocage. Die Kampfgruppe kam in der Nacht vom 12. zum 13. Juni an und fuhr in Richtung Nordosten von Villers-Bocage. Gegen 8:30 Uhr kamen zwei britische Bataillone (ein Panzerbataillon) und ein motorisiertes Infanterie-Bataillon) von Nordwesten her, beide Bataillone gehörten zur 7. britischen Panzerdivision (genannt Desert Rats). Wittmann selbst griff die Kolonne aus einer für ihn vorteilhaften Position heraus an; die anderen Tiger folgten ihm. Während Wittmann parallel zur Kolonne der überraschten Briten fuhr, hielt sein Funker mit dem Bug-MG die Fahrzeuge unter Beschuss, während sein Richtschütze mit der Kanone in die Kolonne hineinschoss. Die Verluste der Briten für diesen Tag beliefen sich auf 20 Cromwell-Panzer, vier Sherman Fireflies, mehrere Stuarts und über 30 Halbkettenfahrzeuge und Universal Carriers.

Hintergrund
Die Schlacht entstand aus dem Versuch der Briten, die Flanke des I. SS-Panzerkorps in der Operation Perch westlich zu umgehen. Eine Woche nach dem D-Day, dem 6. Juni 1944, wurde die 352. Infanterie-Division durch die Amerikaner zurückgedrängt, wodurch die Flanke der Panzerlehr-Division entblösst wurde. Feldmarschall Montgomery sah seine Chance und startete die Operation Perch, um die Panzerlehr-Division anzugreifen.

Die Briten waren sich nicht im Klaren darüber, dass Wittmann den Befehl bekommen hatte, den Punkt 213, welcher sich oberhalb der Kreuzung von Villers-Bocage befindet, zu halten. Wittmann hatte sechs Panzerkampfwagen VI Tiger unter seiner Führung, während die britische Kolonne aus etwa 200 teilweise gepanzerten Fahrzeugen bestand.

Alliierte

  • 8th Royal Irish Husars
  • 4th County of London Yeomanry (CLY) sollte Punkt 213 einnehmen.
  • 1st/7th Bn Queen's Royal Regiment hatte die Aufgabe, den Ausgang von Villers-Bocage zu sichern, Teile der Einheit sicherten zudem wichtige Objekte in der Ortschaft selbst.
  • 5th Royal Tank Regiment sicherte die Strasse zwischen Caumont und Villers.
  • 5th Royal Horse Artillery sicherte den anderen Ausgang von Villers-Bocage.

Deutsche

  • schwere Panzer-Kompanie (Tiger N° 221–223, N° 231, N° 233–234) der schweren SS-Panzer-Abteilung 101.
  • schwere Panzer-Kompanie der schweren SS-Panzer-Abteilung 101.
  • Teile der Panzer-Lehr-Division

Eröffnung des Kampfes
Zunächst beobachteten die Deutschen die vorrückenden Briten. Wittmann sah das CLY, welches auf Punkt 213 zufuhr, und entschied sich zum Angriff. Zwei Tiger blieben allerdings aufgrund technischer Probleme liegen und sicherten daraufhin Punkt 213. Mit dem Vorteil des Überraschungsmoments griff Wittmann die Briten an und fügte ihnen sehr schwere Verluste zu.

Die Schlacht

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051_95/Borgward B 3000 A bei den Kämpfen um Villers-Bocage an der Invasionsfront 1944

Um 9 Uhr startete Wittmanns Tiger. Wenige Minuten später zerstörte er, in Richtung Caen fahrend, drei Panzer, bevor er nach Villers einschwenkte: einen Firefly sowie einen Cromwell auf der rechten und einen auf der linken Seite. Anschliessend griff er auch die leichtgepanzerten Fahrzeuge der Infanterie-Division an; während dieses Angriffes wurden neun Halbkettenfahrzeuge, vier Universal Carriers, zwei Bren Carriers, zwei Sechspfünder-Panzerabwehrgeschütze, drei M5 Stuarts und ein weiteres Halbkettenfahrzeug zerstört. Am Eingang der Ortschaft schoss er drei der vier Cromwells ab. Danach fuhr Wittmann alleine in die Ortschaft hinein, zerstörte hier zwei Sherman-Befehlspanzer und beschädigte ein Spähfahrzeug sowie ein Halbkettenfahrzeug. Auf der Place Jeanne d’Arc standen sich der Panzer von Wittmann und ein Firefly gegenüber. Der Firefly schoss vier 17-Pfünder-Granaten auf den Tiger, beschädigte ihn aber nur leicht. Wittmann zog sich zurück und wurde von einem Cromwell mit zwei 75-mm-Granaten angegriffen, die an dem Tiger abprallten; Wittmann reagierte sofort und setzte den Cromwell ausser Gefecht.

Beim Verlassen von Villers-Bocage wurde Wittmanns Tiger von einem Sechspfünder-Panzerabwehrgeschütz in die Kette getroffen und blieb stehen. Wittmann und seine Besatzung verliessen den Tiger, ohne ihn zu zerstören, um ihn später wieder bergen zu können.

Wittmann traf im sieben Kilometer entfernten Hauptquartier der Panzerlehr-Division ein. Währenddessen hatten 15 Panzer IV unter dem Befehl von Helmut Ritgen den Befehl, den Ausgang von Villers-Bocage zu blockieren. Sie gerieten kurz vor ihrem Ziel unter Panzerabwehrfeuer, und ihr Vorstoss brach zusammen. Daher wurden die restlichen 14 Panzer von Fritz Bayerlein zurückbeordert, um sich vor Villers-Bocage neu zu formieren. Diese Kampfgruppe startete danach einen zweiten Angriff unter Hannes Phillipsen und griff Villers-Bocage vom Süden her mit vier Panzern an, welche aber von den Briten zerstört wurden.

Mit einem Schwimmwagen fuhr Wittmann zum Punkt 213 zurück, wo er sich mit Karl Möbius, dem Offizier der ersten Kompanie, traf und über einen zweiten Angriff der 101. Abteilung sprach. Die Panzer der 101. Abteilung trafen sich mit denen der Panzerlehr-Division in Villers-Bocage, um den eigenen Vorstoss gemeinsam voranzutreiben. Die Briten waren aber vorbereitet; einer Sechspfünder-Panzerabwehrkanone des 1st/7th Bn Queen’s Royal Regiment gelang es, drei Tiger abzuschiessen, von denen nur einer repariert werden konnte.

Gegen Abend zogen sich die Briten zurück und überliessen das völlig zerstörte Villers-Bocage den Deutschen.

Bilanz
Die britischen Verluste in der Schlacht beliefen sich auf:

  • 8th King’s Royal Irish Hussars: einige M5 Stuarts.
  • 4th County of London Yeomanry: 20 Cromwells, vier Sherman Fireflies, drei M5 Stuarts, ein Halbkettenfahrzeug, drei Spähwagen.
  • Infanterie Brigade: neun Halbkettenfahrzeuge, zwei Bren gun-carriers, vier Universal Carriers
  • 5th Royal Horse Artillery: zwei Cromwell, ein Sherman.

Die Deutschen verloren sechs Tiger und zwei Panzer IV.

Da die deutsche Propaganda gerade in dieser kritischen Phase des Krieges ihre Helden brauchte, wurde Michael Wittmann der Öffentlichkeit präsentiert; das Gefecht wurde auch in der Wochenschau breit dargestellt. Entgegen den historischen Tatsachen wurden Wittmann allein 27 der 30 zerstörten britischen Panzer angerechnet. Unter genauerer Betrachtung sind ihm jedoch zwölf Panzer, ein Spähwagen, zehn Halbkettenfahrzeuge und vier Carrier anzurechnen – insgesamt 27 Fahrzeuge, aber keine 27 Panzer.

Für seine Leistung bei Villers-Bocage wurde Wittmann von seinem Vorgesetzten Josef Dietrich für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern vorgeschlagen, welches ihm am 25. Juni 1944 von Adolf Hitler persönlich in Berchtesgaden übergeben wurde. Wittmann fiel wenige Wochen später am 8. August 1944 in der Normandie.

Schlacht um Cherbourg (14.06.1944 – 26.06.1944)    
(aus Wikipedia)

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051_96/Kartenausschnitt der Halbinsel Cotentin mit der Hafenstadt Cherbourg

Die Schlacht um Cherbourg fand im Zweiten Weltkrieg während der Schlacht in der Normandie im Juni 1944 statt. Ursprünglich beabsichtigten die Alliierten, die französische Stadt Cherbourg bei der Operation Neptune zusammen mit anderen wichtigen Städten der Normandie wie beispielsweise Caen zu erobern. Aufgrund des hartnäckigen Widerstands der deutschen Truppen konnten sie Cherbourg jedoch erst am 27. Juni 1944 einnehmen.

Ausgangssituation

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051_97/Karte der Halbinsel und der Truppenstärken und -bewegungen

Bereits vor Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 war ein Engagement am europäischen Kriegsschauplatz absehbar. In der Konferenz von Washington 1941 bestätigten Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill, dass eine Landung am europäischen Kontinent erforderlich werden würde, und zwar über das Mittelmeer, von der Türkei aus in den Balkan oder durch Landungen in Westeuropa. Dem Krieg gegen die deutsche Wehrmacht wurde Priorität gegenüber dem Pazifikkrieg gegen Japan eingeräumt.

Um die Rote Armee zu entlasten, hatte Josef Stalin die Westalliierten zur Eröffnung einer zweiten Front gedrängt. Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 wurden daher Landungen in Nord- und Südfrankreich (die Operationen Overlord und Anvil) beschlossen. Im Gegensatz zu Winston Churchill der, angeblich aufgrund fehlender Transportmittel, auf einen Verzicht auf die Operation Anvil drängte, favorisierte Stalin die ursprünglich geplante Zangenbewegung.

Die Rote Armee hatte diese Taktik schon öfter erfolgreich angewandt. Die Amerikaner hielten eine Invasion in Südfrankreich ebenfalls für sinnvoll, da die Häfen von Toulon und Marseille gute Nachschub- und Versorgungsmöglichkeiten für die alliierten Truppen in Frankreich bieten würden. Die Durchführung einer zeitgleichen Invasion in Südfrankreich (Operation Anvil) wurde aufgegeben und als Operation Dragoon zeitversetzt im August 1944 durchgeführt.

Bei der Casablanca-Konferenz wurde in Abwesenheit Stalins die Gründung eines kombinierten Hauptquartiers, des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, beschlossen. Die Führung der Supreme Allied Commander sollte Dwight D. Eisenhower übernehmen. Eisenhowers Stabschef wurde, unter der Bezeichnung Chief of Staff to the Supreme Allied Commander, der Lieutenant-General (Generalleutnant) Frederick E. Morgan, der die Planung für die Operation Overlord leiten sollte. Das Kommando über die Landeinheiten übernahm Bernard Montgomery. Die Seestreitkräfte sollte Admiral Bertram Ramsay befehligen, die Luftstreitkräfte Air Chief Marshal Trafford Leigh-Mallory. Als Hauptziele war die Einnahme der grossen Städte Caen, Bayeux, Saint-Lô und Cherbourg in der Planung vorgesehen.

Die Schlacht
Der Weg nach Cherbourg
Nachdem sich die amerikanischen Einheiten, die am Utah und Omaha Beach gelandet waren, zusammengeschlossen und Carentan erobert hatten, rückten sie auf Cherbourg vor. Das VII. US-Korps sollte die Halbinsel Cotentin von Norden und Westen her abriegeln, um so Cherbourg erobern zu können.

Die deutschen Einheiten waren zwar zahlenmässig unterlegen, konnten aber, da sie das Gelände und die Bocage-Landschaft für sich nutzten, den Vormarsch der alliierten Verbände verlangsamen, obwohl Omar Bradley die Truppen auf dem Cotentin gut mit Nachschub und Verstärkungen bedachte.

Am 14. Juni gelang es der 4. US-Infanteriedivision trotz starkem Widerstand, die deutsche Hauptverteidigungslinie im Norden zu durchbrechen. Im Westen kam das VII. US-Korps ebenfalls langsam voran, da sie die Flüsse Merderet und Douve überqueren mussten.

Am 15. Juni verstärkte General J. Lawton Collins, der Kommandeur des VII. US-Korps, die amerikanischen Truppen die westlich der Merderet vorrückten, mit der 82. US-Luftlandedivision, unter Matthew Ridgway, und der 9. US-Infanteriedivision, die unter dem Kommando von Manton S. Eddy stand.

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051_98/Luftaufnahme der Stadt Cherbourg aus dem Jahr 1944

Die deutschen Verbände zogen sich etwas zurück, um ihre Abwehrfront zu verkürzen, wodurch es der 82. US-Luftlandedivision gelang, Saint-Sauveur-le-Vicomte zu erobern, nachdem es ihnen zuvor, am 16. Juni gelungen war, die Douve zu überqueren. Collins sah daraufhin die Möglichkeit, schnell an die Küste zu gelangen. Er befahl der 82. US-Luftlande- und der 9. US Infanteriedivision entlang der Hauptstrassen in Richtung Westen bis an die Küste vorzurücken. Die beiden Divisionen überraschten die Deutschen durch ihren schnellen Vorstoss und erreichten in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni die Küste. Die deutschen Verbände verfügten nicht über ausreichende Kräfte für einen organisierten Gegenangriff.

Die meisten Städte und Dörfer wurden durch das alliierte Bombardement, Artilleriefeuer sowie durch die Kämpfe grossteils zerstört.

Die Amerikaner rückten daraufhin in nördlicher Richtung vor, eroberten Montebourg und Valognes sowie die nach Cherbourg führende Hauptstrasse. Am 20. Juni zogen sich die Deutschen in die Stadt Cherbourg zurück.

Der Kampf um die Stadt

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051_99/Deutsches Geschütz in der Festung Cherbourg

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051_100/Toter deutscher Soldat – einer der letzten Verteidiger der Stadt

Hitler ernannte im Januar 1944 die wichtigsten Hafenstädte im Westen zu "Festungen"; eine vor allem symbolische Handlung. Cherbourg war teilweise festungsartig ausgebaut worden. Die Verteidigungsanlagen bestanden aus diversen Bunkern, betonierten MG-, Granatwerfer- und Artilleriestellungen.

Am 20. Juni erreichten die Amerikaner den äusseren Verteidigungsring. Ihre Späh- und Stosstrupps wurden zunächst zurückgeworfen. Collins hoffte angesichts der gut ausgebauten Verteidigungsstellungen auf demoralisierte und schlecht ausgerüstete Soldaten innerhalb der Festung. Daraufhin forderte Collins den deutschen General Karl-Wilhelm von Schlieben, den Kommandanten der Stadt, am 21. Juni auf, zu kapitulieren. Von Schlieben jedoch lehnte ab.

Am 22. Juni griffen die Amerikaner die Verteidigungsstellungen an. Um etwa 12:40 Uhr griffen Jagdbomber des Typs Mustang und Typhoon die Stadt mit Bomben und ihren Bordwaffen an. Danach folgte gegen 13:00 Uhr ein Bombenangriff von 562 Jagdbombern, deren Bomben jedoch aufgrund verwehter Markierungen auch amerikanische Truppen trafen. Um etwa 14:00 Uhr erfolgte dann ein Bombardement durch 377 mittlere Bomber.

Nach Artillerie- und Panzerbeschuss griffen amerikanische Infanteristen und Sturmpioniere die Stadt an. Die Sturmpioniere schalteten die Verteidigungsanlagen systematisch aus, während Soldaten mit Maschinengewehren auf die Schiessscharten feuerten und so verhinderten, dass die Deutschen Widerstand leisteten. Als die Sturmpioniere an die Bunker gelangten, sprengten sie mit Hohlladungen die Bunkertüren und schalteten die Besatzungen mit Phosphorgranaten aus.

Am 23. Juni starteten die deutschen Verbände vereinzelte Gegenangriffe und leisteten weiterhin Widerstand. Die Amerikaner rückten immer weiter vor und beschossen die Stadt mit Artillerie und Bomben. Am 25. Juni nahmen neben der Artillerie und den Bombern drei Schlachtschiffe und vier Kreuzer am Beschuss teil. Unter ihnen das Schlachtschiff [USS Texas (BB-35)] das mindestens ein Geschütz der Hamburg Stellung ausschaltete. Im Kampf mit dem Festungswerk "Hamburg" wurden alle Schiffe beschädigt, die Amerikaner erlitten Ausfälle von 130 Mann.

Infolge des starken Artilleriebeschusses gelang es dem VII. US-Korps, in das Innere der Stadt zu gelangen. Daraufhin zerstörten die Deutschen die Hafenanlage der Stadt, damit sie nicht in die Hände der Alliierten fiel. Einige stark befestigte Stellungen leisteten am 26. Juni noch immer Widerstand, die Deutschen kämpften jedoch nicht mehr koordiniert.

Karl-Wilhelm von Schlieben, der am 23. Juni 1944 zum Kommandanten der Festung Cherbourg ernannt wurde, entschloss sich drei Tage später, am Abend des 26. Juni 1944, zur Kapitulation. Nach seiner Kapitulation zusammen mit Konteradmiral Walter Hennecke, dem Kommandanten der Seeverteidigung Normandie, gegenüber der 9. US-Infanteriedivision unter Generalmajor Manton S. Eddy ergab sich von Schlieben mit über 800 anderen Soldaten in seinem unterirdischen Befehlsbunker in St. Sauveur und ging daraufhin in Kriegsgefangenschaft. Es folgte eine zweite, offizielle, Kapitulation im Schloss von Servigny, dem Hauptquartier von General Collins.

Die deutschen Stellungen, die noch immer Widerstand leisteten, konnten am 27. Juni mit Lautsprecherdurchsagen, die beinhalteten, dass die Kapitulation unterzeichnet war, überredet werden sich zu ergeben. Am selben Tag überreichte Collins dem Bürgermeister Cherbourgs im Rathaus eine aus Fallschirmseide gefertigte Trikolore. Am 29. Juni waren auch die letzten Verteidiger unter alliierter Kontrolle.

Insgesamt gingen etwa 10.000 deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Die amerikanischen Verluste beliefen sich auf etwa 2.800 Tote, 3.000 Vermisste. Zudem hatten die Amerikaner etwa 13.500 Verwundete. Am 1. Juli war das gesamte nördliche Cotentin in amerikanischer Hand.

Die Verteidiger kämpften nicht so fanatisch wie zum Beispiel in OKW-Befehlen von Februar 1944 zur Verteidigung von Festungen gefordert. Darin war befohlen, 'bis zum letzten Mann' zu kämpfen und keinesfalls zu kapitulieren.

Befreiungs-Museum
In Cherbourg, im Fort du Roule, auf dem die Stadt geografisch beherrschenden Berg von Roule, Höhe 117 m, befindet sich heute das Musée de la Liberation de Cherbourg, das 1954 eröffnete Museum ist das älteste Museum in der Normandie, das an die Geschehnisse während der Operation Overlord, sowie der deutschen Besatzungszeit erinnert. Auf ca. 800 Qu.m. werden 500 Objekte, Karten und Dokumente gezeigt. Ein Schwerpunkt ist die Résistance wie auch nationalsozialistische Propaganda.