Der zweite Weltkrieg / Band 05/2

Kriegsverlauf ab August 1944

Vorwort und Themen dieses Buches

Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Grossmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den grössten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Er begann in Europa mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. In Ostasien befand sich das mit Deutschland verbündete Japan seit 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion und seit 1937 im Pazifikkrieg mit China. Im Kriegsverlauf bildeten sich zwei militärische Allianzen, die als Achsenmächte und Alliierte bezeichnet werden. Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten an diesem Krieg beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Der Krieg kostete über 60 Millionen Menschen das Leben und erfasste den ganzen Erdball.

Der Zweite Weltkrieg bestand in Europa aus Blitzkriegen, Eroberungsfeldzügen gegen die deutschen Nachbarländer mit Eingliederung besetzter Gebiete, der Einsetzung von Marionettenregierungen, Flächenbombardements sowie im letzten Jahr dem Einsatz von Atomwaffen in Japan; er verlief in drei Hauptphasen. Mittelbar starben Millionen Menschen durch Holocaust (Shoa), Porajmos und weitere Massenmorde, durch Zwangsarbeit und zahllose Kriegsverbrechen.

Das vorliegende Buch ist ein Zusammenzug von vorhandenen Daten und Dokumente und der Versuch diese in einen chronologischen Ablauf zu bringen. Die Quellen sind jeweils zu Beginn eines Themas aufgeführt.

Keiner dachte nach dem 1. Weltkrieg, dass ein solches furchtbares Ereignis noch übertroffen werden könnte. Aber bereits 15 Jahre später zogen wieder sehr düstere Wolken am Himmel dieser Welt auf. In Europa kam Adolf Hitler 1933 an die Macht und 1937 begann die Ausweitung des japanischen Kaiserreiches nach China und Südostasien. Bereits nach sechs Jahren an der Macht, begann Hitler mit dem Angriff auf Polen den zweiten Weltkrieg in Europa, nachdem er bereits vorher verschiedene Gebiete, die Deutschland nach dem ersten Weltkrieg an andere Staten abgeben musste, "zurück ins Reich" zu holen. Der Vertrag von Versailles und die daraus erstandenen Ungerechtigkeiten halfen mit, dass ein zum Sündenbock gemachtes Volk in einer charismatischen fanatischen Person sein Heil suchte und gelenkt von einem brutalen System in sein Verderben läuft. In dieser Dokumentation wird der Versuch gemacht, das ungeheure Verderbnis in wichtigen Abschnitten zusammen zu stellen. Auch sollen Details wie Waffentechnik und sonstige Besonderheiten aufgeführt werden.

Hauptthemen:

- Vorwort und Themen dieses Buches
- Chronologische Übersicht: Der Zweite Weltkrieg in Europa und Afrika

- Der Kriegsverlauf ab August 1944
- Schlachten ab August 1944

- Deutsche Treibstoffproduktion
- Der Kampf um das Ruhrgebiet
Red Ball Express (25.08.1944 – 16.09.1944)
Schlachten ab Ende August 1944
- Ardennenoffensive (13.12.1944 - 21.01.1945

Alle Themen:

Chronologische Übersicht: Der Zweite Weltkrieg in Europa und Afrika
- 1944
- Der Kriegsverlauf ab August 1944
- Karte Oktober 1944
- Schlachten ab August 1944
- Operation Dragoon (15.08.1944 – 12.09.1944)
- Mont Ormel (19.08.1944 – 21.08.1944)
- Kessel von Mons (27.08.1944 – 06.09.1944)
- Kampf um Metz (27.08.1944 – 13.12.1944)
- Schlacht von Gemmano (04.09.1944 – 15.09.1944)
- Kampf um Nancy (05.09.1944 – 15.09.1944)
- Schlacht um Hechtel (06.09.1944 – 12.09.1944)
- Deutsche Treibstoff - Produktion
- Luftschlacht über dem Erzgebirge (11.09.1944 – 11.09.1944)
- Deutsches synthetisches Benzin
- Der Kampf um das Ruhrgebiet
- Operation Market Garden (17.09.1944 – 27.09.1944)
- Red Ball Express (25.08.1944 – 16.09.1944)
- Schlachten ab Ende August 1944
- Operation Jassy-Kischinew (20.08.1944 – 29.08.1944)
- Schlacht von Arracourt (18.09.1944 – 29.09.1944)
- Schlacht von Overloon (24.09.1944 – 15.10.1944)
- Schlacht um Aachen (02.10.1944 – 21.10.1944)
- Schlacht an der Scheldemündung (02.10.1944 – 08.11.1944)
- Belagerung von Dünkirchen (03.10.1944 – 06.05.1945)
- Schlacht im Hürtgenwald (06.10.1944 – 13.02.1944)
- Petsamo-Kirkenes-Operation (07.10.1944 – 29.10.1944)
- Kurland-Kessel (10.10.1944 – 08.05.1945)
- Schlacht um Ungarn (06.10.1944 – 04.04.1945)
- Schlacht am Kapelsche Veer (09.11.1944 – 31.01.1945)
- Kämpfe um Elsass und Lothringen (12.11.1944 – 19.12.1944)
- Schlacht von Monte Castello (25.11.1944 – 12.02.1945)
- Schlacht bei Wahlerscheid (13.12.1944 – 26.12.1944)
- Ardennenoffensive (16.12.1944 – 21.01.1945)
- Malmedy-Massaker
- Belagerung von Bastogne (Bastnach) (20.12.1944 – 27.12.1944)
- Unternehmen Nordwind (31.12.1944 – 25.01.1945)


 

 

Chronologische Übersicht: Der Zweite Weltkrieg in Europa und Afrika

1944

Datum

Kurztext

15. Februar

Das Bergkloster Monte Cassino wird durch amerikanische Luftstreitkräfte zerstört; deutsche Truppen verteidigen den strategisch wichtigen Ort bis zum 18. Mai 1944.

22. Februar

Die amerikanische Luftwaffe bombardiert Nimwegen.

18. Februar und 22. März

Bombenangriffe auf Frankfurt am Main zerstören die historische Innenstadt.

23. Februar

Beginn der Luftangriffe auf Tokio.

04. Juni

Befreiung von Rom; die deutschen Truppen unter Generalfeldmarschall Albert Kesselring ziehen widerstandslos ab.

06. Juli

"D-Day": Die Alliierten landen in der Normandie; an der grössten amphibischen Landungsoperation (Operation Overlord) sind mehr als 6.000 Schiffe der Alliierten beteiligt. Zu den Kämpfen um den Brückenkopf in den folgenden Wochen gehört die Schlacht um Caen.

10. Juli

"Massaker von Oradour" in Oradour-sur-Glane (bei Limoges): Eine Kompanie des SS-Panzergrenadier-Regiments 4 "Der Führer" tötet fast alle Einwohner des Dorfes und zerstörte es.

12. Juli

Erster Abschuss einer V1-Rakete auf London.

Juni

Die Rote Armee durchbricht die Heeresgruppe Mitte, reisst die deutsche Front auseinander und dringt bis vor Warschau und vor Ostpreussen vor.

20. Juli

Attentat auf Adolf Hitler. Der Anschlag der Verschwörer um Stauffenberg im "Führerhauptquartier" Wolfsschanze scheitert.

23. Juli

Als erstes der deutschen Vernichtungslager wird das KZ Majdanek (Lublin) durch alliierte Truppen (Rote Armee) befreit.

01. August

Im Warschauer Aufstand erhebt sich die polnische Heimatarmee gegen die Deutschen. Von der Roten Armee nicht unterstützt, kapituliert sie am 2. Oktober 1944. Ab dem 19. Oktober 1944 wird die Stadt auf Hitlers Befehl fast völlig zerstört.

25. August

Paris wird befreit. Stadtkommandant Dietrich von Choltitz übergibt die französische Hauptstadt, die er nach Hitlers Willen hätte zerstören sollen.

16. September

Beginn der Baltischen Operation, mit der die Rote Armee bis zum 24.11.1944 das Baltikum unter sowjetische Kontrolle bringt. Die Heeresgruppe Nord der Wehrmacht wird im Kurland-Kessel abgeschnitten und über die Ostsee versorgt.

17. September

Britische und kanadische Fallschirmjäger versuchen bei Arnheim vergeblich, die Rheinbrücke zu erobern.

21. Oktober

Besetzung Aachens als erster deutscher Stadt.

16. Dezember

Mit der Ardennenoffensive misslingt der letzte deutsche Versuch der Wehrmacht, die Alliierten zurückzudrängen.


 

Der Kriegsverlauf ab August 1944

Sämtliche Fronten verschoben sich 1944 in Richtung Deutsches Reich. Unter dem Druck der deutschen Niederlagen fielen die Bündnispartner von Deutschland ab: Rumänien (25. August), Bulgarien (8. September), Finnland (19. September). Eine Absetzbewegung des Verbündeten Ungarn wurde im letzten Moment verhindert. Auch die deutsche Bevölkerung zweifelte 1944 zunehmend an dem vom NS-Regime unermüdlich propagierten "Endsieg". Die militärische Situation konnte weder von den als "Wunderwaffen" angekündigten V-Raketen noch vom verzweifelt einberufenen Volkssturm verbessert werden.

Die sich immer deutlicher abzeichnende Niederlage setzte auch regimefeindliche Verschwörer in der Wehrmacht unter erheblichen Zeitdruck, wenn sie nach ihrem geplanten Umsturzversuch nicht sämtliche Faustpfänder für Waffenstillstandsverhandlungen verlieren wollten. Das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler verschärfte aber nicht nur den innenpolitischen Terror durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo); Hunderte verhafteter und ermordeter Offiziere waren für die Wehrmacht nicht mehr zu ersetzen.

Die sowjetische Frühjahrsoffensive 1944 auf einer Breite von 1.100 Kilometern endete mit der Rückeroberung der Krim und der restlichen Ukraine. Die Sommeroffensive 1944 setzte konzentrisch gegen die Heeresgruppe Mitte an, der innerhalb von vier Wochen 28 ihrer 40 Divisionen verlorengingen. Durch einen gewaltigen Einbruch in die deutsche Mittelfront stieß die Rote Armee Richtung Ostpreußen und Weichsel vor. Anfang August kam sie 25 Kilometer vor Warschau zum Stehen. Dem beim Nähern der Sowjets von der nationalpolnischen Untergrundarmee entfachten Warschauer Aufstand verweigerte Stalin jedoch jede Hilfe in Form von Entlastungsoffensiven oder Luftunterstützung.

Nach ihrem Vordringen über Rumänien und Bulgarien stand die Rote Armee auch in Jugoslawien und Ungarn. Sämtliche Frontabschnitte zwischen Ostpreußen und Karpaten konnten von den Deutschen aber Ende des Jahrs ein letztes Mal stabilisiert werden.

Im Westen stießen 1,5 Millionen alliierte Soldaten nach der Invasion in der Normandie vom 6. Juni aufgrund einer enormen Luftüberlegenheit - und unterstützt durch Sabotageaktionen der Résistance - unaufhaltsam Richtung Deutschland vor. Nach der Befreiung Frankreichs scheiterte die Eroberung des Ruhrgebiets im September allerdings an der fehlgeschlagenen Besetzung der Rheinbrücken bei Arnheim und Nimwegen hinter den deutschen Linien. Zwar wurde am 21. Oktober Aachen als erste deutsche Großstadt von den Amerikanern eingenommen, doch der Frontdurchbruch an der Reichsgrenze mißlang. Bei Wintereinbruch gelang der Wehrmacht unter Ausnutzung aller verfügbaren Reserven eine Stabilisierung der Westfront von der Schweizer Grenze bis zum Westwall. Mit der Ardennenoffensive Mitte Dezember versuchte das OKW in einer letzten Kraftanstrengung noch einmal vergeblich, dem Kriegsverlauf im Westen eine Wende zu geben.

Karte Oktober 1944

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052_01/Frontverlauf Oktober 1944 (rote Linien)


 

Schlachten ab August 1944

Operation Dragoon (15.08.1944 – 12.09.1944)    
(aus Wikipedia)

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052_02/Kartenausschnitt Südfrankreich

Die Operation Dragoon (englisch für Dragoner) war eine während des Zweiten Weltkrieges ab dem 15. August 1944 durchgeführte Operation zur Landung zweier Armeen der Westalliierten an der französischen Côte d’Azur zwischen Toulon und Cannes und Vertreibung der deutschen Truppen aus Südfrankreich. Sie bildete das südliche Gegenstück zu der am 6. Juni 1944 mit der Landung in der Normandie begonnenen Operation Overlord.

Hintergrund
Ausgangspunkt für diese Operation waren ursprünglich zwei völlig unterschiedliche Konzepte auf der alliierten Seite: Briten und Amerikaner stimmten zwar darin überein, dass dem Kampf gegen Deutschland Vorrang gegenüber dem Kampf gegen Japan eingeräumt werden sollte. Deshalb waren sie auch prinzipiell bereit, dem Drängen Stalins entgegenzukommen und eine Zweite Front im Westen zu errichten. Darüber hinaus ergaben sich aber wesentliche Unterschiede: Während der US-Generalstab, angeführt von General George C. Marshall einen direkten Angriff mit einem schnellen Vorstoss in Nordfrankreich forderte, um von dort ostwärts nach Deutschland vorzustossen, bevorzugten die Briten, insbesondere Winston Churchill, aufgrund ihrer Erfahrungen im Ersten Weltkrieg einen peripheren Ansatz, bei dem die Alliierten ihre Überlegenheit zur See stärker zu Geltung bringen konnten. Churchill hatte mit der Landung in Süditalien die Hoffnung verbunden, schnell in den weichen Unterleib des von Nazi-Deutschland besetzten Südeuropas und von dort auf den Balkan und weiter nach Süddeutschland vorstossen zu können, um damit einem weiteren Vordringen der Sowjetunion nach Westen zuvorzukommen. Churchill sagte später aus, dass dies "die ersten wichtigen strategischen Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und unseren amerikanischen Freunden waren". Im britischen Konzept war der Angriff über den Ärmelkanal der letzte Schlag, dem vorher Angriffe auf die schwächsten Punkte des Gegners vorangehen sollten. Ausfluss dieser beiden unterschiedlichen Konzepte waren anfangs die britische Seeblockade und die alliierten Luftangriffe auf die deutschen Industrie- und Siedlungszentren. In den Jahren 1942 und 1943 erzwang der Mangel an Ressourcen einen Peripherie-Ansatz, da zu dieser Zeit noch nicht genügend Truppen, Ausrüstungsgegenstände und Schiffe für eine massive Landung in Frankreich zur Verfügung standen.

Die erste Hälfte des Krieges, bei dem die Wehrmacht den Einflussbereich des Dritten Reichs ständig ausdehnte, stand im Zeichen sich kontinuierlich verlängernder deutscher Versorgungswege, wachsender Transportprobleme, zunehmender Partisanenüberfälle auf die langen Versorgungswege und sich permanent erhöhenden Bedarfs an Besatzungs- und Reserveeinheiten der Achsenmächte. Das britische Konzept erforderte dagegen in der zweiten Hälfte des Krieges eine enorme Steigerung der Kriegsproduktion auf alliierter Seite, um über die ihrerseits extrem ausgedehnten Versorgungswege die weit voneinander entfernt liegenden Kriegsschauplätze in Europa und Asien regelmässig mit Waffen, Nachschub und Reserven versorgen zu können. Solange die französischen Kolonien in Nord- und Westafrika und Madagaskar unter Kontrolle Vichy-Frankreichs und Indochina unter Kontrolle Japans – also insgesamt der Achsenmächte – standen, waren diese ausgedehnten Transportwege von den USA nach Europa vorwiegend auf den Nordatlantik nach Grossbritannien und die UdSSR begrenzt; dort waren sie für deutsche U-Boote anfangs leicht angreifbar (siehe Atlantikschlacht). Erst mit der Operation Torch, der Landung der Alliierten in Französisch-Nordafrika (also in Marokko, Algerien und Tunesien) im November 1942 gewannen die Westalliierten zusätzliche Stützpunkte an der Peripherie Europas, die ihnen Land-See-Operationen, insbesondere den Aufbau von weiteren Fronten gegenüber den Achsenmächten Italien und Nazi-Deutschland ermöglichten. Für die Sicherung und Festigung alliierter Transportwege war die Unterstellung Dakars, Französisch-Westafrika, im November 1942 (1940 vergeblicher Eroberungsversuch) und Diégo-Suarez (Madagaskar) am 6. Mai 1942 unter General de Gaulle bedeutsam.

In diesem Zusammenhang hatten verschiedene Stäbe der strategischen Planung unterschiedliche Pläne entworfen, um vor oder während der Operation Overlord deutsche Kräfte in Südfrankreich zu binden. Dazu wurden alle amphibischen Fähigkeiten der Alliierten, die nicht in der Operation Overlord benötigt wurden, für die Operation Anvil verplant. Das gebirgige Terrain Süditaliens gab der Wehrmacht Vorteile, die sich Anfang 1944 gegen die amphibischen Operationen der Alliierten bei Anzio erfolgreich wehrte. Ausgedehnte, blutige Schlachten, wie bei Monte Cassino drohten den alliierten Vormarsch in Italien zu einem Abnutzungskrieg werden zu lassen, bei dem der Vormarsch zum Erliegen kommen würde. Deshalb betrachteten viele Amerikaner den Italienvorstoss bereits als eine strategische Sackgasse.

Die amerikanischen Befürworter versprachen sich von der Operation die schnelle Eroberung zweier grosser Häfen – Toulon und Marseille – deren Einnahme die Nachschubversorgung der in Frankreich kämpfenden Truppen erheblich erleichtern würde. Tatsächlich konnte bis zur Wiederinstandsetzung des Hafens von Antwerpen Anfang Dezember 1944 etwa ein Drittel der gesamten Versorgung der alliierten Truppen in Nordfrankreich von Marseille über die Rhone-Route inklusive reparierter Brücken und Eisenbahntrassen transportiert werden.

Die Deutschen hatten ihre Verteidigungsstrategie auf der Hypothese aufgebaut, es sei den Alliierten nicht möglich, zwei Landeoperationen in Frankreich gleichzeitig vorzubereiten und durchzuführen. Sie hatten bei Marseille und Toulon Truppen zusammengezogen und durch befestigte Stützpunkte eine Landung an den übrigen für unwahrscheinlich gehaltenen Stellen zu erschweren versucht. "Rommelspargel", unter der Wasserlinie stehende Pfosten, die bei einer Berührung durch eine verborgene Sprengladung detonieren sollten, sollten mit Schützengräben und Geschützstellungen entlang der Strände und einer etwa 32 Kilometer landeinwärts verlaufenden Verteidigungslinie für eine Abschreckung vor der Landung in der Provence sorgen.

Planung und Vorbereitungen
Ursprünglich sollte die Operation Anvil (= Amboss) heissen – passend zu der Operation Hammer, aus der dann aufgrund der Verzögerungen die Operation Overlord wurde. Der Name wurde vom britischen Premier Winston Churchill geändert, um trotz der vielen Änderungen des Startdatums die Operation geheim zu halten. Er opponierte lange gegen die Operation Anvil, weil ihm ein Vorgehen über Norditalien in Richtung Ungarn und Balkanhalbinsel wichtiger erschien, um diese Region nicht vollkommen in die Hände der verbündeten Sowjetunion fallen zu lassen. Er reklamierte, so lange bedrängt worden zu sein (nicht zuletzt, weil General de Gaulle gedroht hatte, die französischen Verbände aus Italien abzuziehen) bis er die Invasion akzeptierte. Am 2. Juli 1944 instruierten die Combined Chiefs of Staff den alliierten Oberbefehlshaber im Mittelmeerraum, Henry Maitland Wilson, eine Landung in Südfrankreich mit dem Zieldatum 15. August vorzubereiten.

Von Ende April bis zur Landung flogen die Alliierten mehr als 10.000 Bombereinsätze über der Côte d’Azur und griffen dabei systematisch alle Batterien und Minenfelder der Besatzer mit insgesamt 12.500 Tonnen Bomben an.

Als die BBC ein Dutzend Nachrichten, deren bekannteste "Gabi dort dans les herbes" (Gaby schläft im Gras), "Nancy a un torticollis" (Nancy hat einen steifen Hals) und "Le chasseur est affamé" (Der Jäger ist hungrig) sind, sendete, wusste die Résistance, dass die Invasion innerhalb der nächsten 24 Stunden bevorstand und sprengte daraufhin Brücken, unterbrach Telefon- und Stromleitungen, griff Fabriken und deutsche Lager an.

Beteiligte und Verlauf
Die 6. US-Heeresgruppe, auch als Südliche Heeresgruppe bekannt, kommandiert von Generalleutnant Jacob L. Devers, wurde Ende Juli auf Korsika aufgestellt und am 1. August 1944 aktiviert, um die französischen und amerikanischen Verbände zusammenzufassen, die für die Invasion Südfrankreichs in der Operation Dragoon vorgesehen waren. Während der Operation sollte die Heeresgruppe dem Allied Forces Headquarters (AFHQ) unter Henry Maitland Wilson unterstellt bleiben und erst nach der Herstellung des Kontakts zu den alliierten Truppen in Nordfrankreich unter den Befehl des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force (SHAEF) unter US-General Dwight D. Eisenhower kommen.

An der Operation waren 880 alliierte Seeschiffe, darunter neun Geleitflugzeugträger, sechs Schlachtschiffe, 21 Kreuzer und über 100 Zerstörer, insgesamt 34 französische Schiffe und 1370 Landungsboote sowie etwa 5.000 Flugzeuge beteiligt. Vizeadmiral H. Kent Hewitt, Oberbefehlshaber der 8. US-Flotte, befehligte sämtliche Marineoperationen. Hierfür wurde eine besondere Task Force (Western Naval Task Force) gebildet. Für die Luftoperationen zur Unterstützung der Landungen war Major General John K. Cannon, Oberbefehlshaber der 12. US-Luftflotte, zuständig, die Hauptaufgabe fiel dabei dem XII Tactical Air Command unter Gordon P. Saville zu.