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Das Ende der Reichshauptstadt

Schlacht um Berlin (16.04.1945 – 02.05.1945)    
(aus Wikipedia)

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06_144/Kartenausschnitt Berlin

Die Schlacht um Berlin war die letzte grosse Schlacht des Zweiten Weltkrieges in Europa. Sie dauerte vom 16. April bis zum 2. Mai 1945 und hatte die Besetzung Berlins, der Hauptstadt des Deutschen Reiches, durch die Rote Armee der Sowjetunion unter Beteiligung einiger polnischer Einheiten zur Folge. Die Kämpfe forderten Schätzungen zufolge über 170.000 Gefallene und 500.000 verwundete Soldaten sowie den Tod mehrerer zehntausend Zivilisten.

Nach der bereits weitgehend erfolgten Befreiung der vom nationalsozialistischen Deutschland besetzten Gebiete Europas bedeutete das Ende der Schlacht, das mit dem Selbstmord der politisch verantwortlichen Regierungsschicht des NS-Regimes einherging – in Berlin dem Suizid von Adolf Hitler und Joseph Goebbels – für das Deutsche Reich die vollständige militärische Niederlage.

Knapp eine Woche nach der Einnahme Berlins trat am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht mit der Unterschrift von Generaloberst Alfred Jodl, der vom Nachfolger Hitlers als Reichspräsident, Grossadmiral Karl Dönitz, zu deren Unterzeichnung autorisiert worden war, in Kraft. Damit wurde der Zweite Weltkrieg in Europa nach fast sechs Jahren beendet. Deutschland verlor seine staatliche Souveränität und wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Vorgeschichte
Faktisch stand die Kriegsniederlage des Deutschen Reichs schon vor dem Beginn der Schlacht um Berlin fest. Die Dimension der von Deutschland geführten Feldzüge gegen andere Länder standen in Ungleichgewicht zu den personellen und wirtschaftlichen Reserven des Reiches. Mit Dauer des Krieges, welcher sowohl zu geplanten Angriffen wie auch unerwarteten militärischen Aktionen gegen andere Staaten (vgl. Balkanfeldzug, Fall Achse) führte, schmolzen die deutschen Ressourcen dahin. Gleichzeitig wurde aber das zu verwaltende und zu versorgende Gebiet immer grösser. Eine wirtschaftliche Niederlage im Krieg war also nur bei einem möglichst kurzen Krieg zu verhindern gewesen, dies wurde aber spätestens ab Sommer 1940 immer unwahrscheinlicher. Entscheidend waren letztlich der Fehlschlag des Angriffs auf die Sowjetunion ab Juni 1941 und der Kriegseintritt der USA am 11. Dezember 1941.

Nach den Niederlagen in der Schlacht von Stalingrad (Winter 1942/1943) und am Kursker Bogen (Sommer 1943) befand sich die Wehrmacht an der Ostfront in der Defensive. Die Heeresgruppe Afrika hatte Mitte Mai 1943 nach dem Tunesienfeldzug kapituliert. Die westlichen Alliierten landeten am 10. Juli 1943 (Operation Husky) auf Sizilien, am 9. September 1943 auf dem italienischen Festland (Operation Avalanche) und eröffneten am 6. Juni 1944 (D-Day) in Frankreich mit der Invasion in der Normandie die von Stalin lange geforderte "Zweite Front". Damit war der Krieg entschieden. Gleichzeitig zur fortschreitenden Invasion in der Normandie erlitten die deutschen Truppen im Osten durch die Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte eine katastrophale Niederlage. Die Verluste dieser Schlacht nahmen der Wehrmacht ihre operative Handlungsfähigkeit an der Ostfront, so dass dort ab Sommer 1944 nur noch hinhaltender Widerstand möglich war.

Im Westen räumten die Deutschen nach der Befreiung von Paris am 25. August fluchtartig den grössten Teil Frankreichs und Belgiens, am 12. September überschritt das VII. US-Korps bei Aachen die deutsche Grenze. Anfang Oktober 1944 hatten sich die deutschen Abwehrfront jedoch wieder gefestigt und es kam zur langwierigen Schlacht um Aachen.

Mit dem Abwehrerfolg bei Arnheim (Ende September 1944), der letztlich gescheiterten Ardennenoffensive im Dezember 1944 und dem Unternehmen Nordwind (31. Dezember 1944 bis 25. Januar 1945 im Elsass und in Lothringen) war es Hitler gelungen, die Niederlage weiter zu verzögern. Doch Kraftstoff- und Nachschubmangel, fehlender Ersatz an ausgebildeten Soldaten sowie die pausenlosen Luftangriffe und der Zusammenbruch der Waffenproduktion machten den Truppen ab Winter 1944/1945 immer mehr zu schaffen. Den Westalliierten gelang im März 1945 der Übergang über den Rhein bei Remagen, Oppenheim und Wesel. Die Heeresgruppe B wurde im Ruhrkessel (Ruhrgebiet) eingeschlossen und legte am 21. April 1945 die Waffen nieder. Nach einem vergeblichen Gegenangriff im März 1945 am Plattensee in Ungarn war die Wehrmacht nun nicht mehr zu offensiven Aktionen in der Lage. In rascher Folge fielen ein grosser Teil der Alpen- und Donau-Reichsgaue und Österreich mit Wien bis Mitte April 1945 in die Hand der Sowjetarmee.

US-Amerikaner, Briten, Kanadier und nun auch französische Truppen waren bis Mitte April 1945 in ihren Landoffensiven nach Nord- und Süddeutschland und (mit schwachen Kräften) bis an die Elbe vorgedrungen. Damit stand die Anti-Hitler-Koalition vor einer Entscheidung über die Eroberung und Besetzung von Berlin.

Politische Lage
Auf der Konferenz von Jalta (4. bis 11. Februar 1945) beschlossen die Staatschefs der drei grossen alliierten Mächte, Winston Churchill (Grossbritannien), Franklin D. Roosevelt (USA) und Josef Stalin (Sowjetunion) unter anderem die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen. Jeder der Grossen Drei versuchte dabei, für sich machtpolitisch günstige Ausgangspositionen für die Gestaltung der Nachkriegsordnung zu erlangen. Über die Besetzung von Berlin war es zu keiner Vereinbarung gekommen.

Für Hitler und andere führende Nazis kam eine Kapitulation nicht in Frage; sie trieben u. a. mit Haltebefehlen ("Kampf bis zum letzten Mann"), Durchhalteparolen (siehe auch NS-Propaganda, Endsieg) sowie Gewalt- und Terrormassnahmen gegen Deserteure und Zivilisten (siehe Endphaseverbrechen) die Deutschen an, die aussichtslosen Kämpfe fortzusetzen. Noch im letzten Kriegsjahr starben Millionen Soldaten und Zivilisten. Generalität und Offiziere konnten sich bis fast zuletzt nicht den unsinnigsten Befehlen entziehen.

Militärische Ausgangslage
Im Osten war die Rote Armee in der Weichsel-Oder-Operation Mitte Februar 1945 auf ganzer Länge bis zur Oder vorgerückt und besetzte auch westlich des Flusses gelegene Teile Schlesiens (mit Ausnahme der Grafschaft Glatz). Nach vorbereitenden Offensiven zur Eroberung Ostpreussens (nach der Schlacht um Königsberg) und der Ostseeküste von Danzig bis zur Odermündung und Stettin sowie im Süden zu den Westkarpaten hin (hier hielt sich nur das eingeschlossene Breslau), stand nach dem Kampf um Küstrin die Sowjetarmee Mitte April in voller Stärke in mehreren Brückenköpfen auf dem Westufer angriffsbereit an der Oder. Die US-Truppen hielten auf Befehl Eisenhowers an der Elbe. Sie waren kaum weiter entfernt von Berlin als die Rote Armee, doch nur in geringer Stärke präsent.

Sowjetischer Angriffsplan

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06_145/Marschall Schukow (1941)

Am 1. April 1945 hatte Stalin die beiden wichtigsten Obersten Befehlshaber nach Moskau befohlen: die Marschälle Schukow und Konew. Truppen der 1. Belorussischen Front Schukows hatten den Kampf um Küstrin gewonnen und einen 44 Kilometer breiten und bis zu 20 Kilometer tiefen Brückenkopf auf dem westlichen Oderufer gebildet. Von hier aus sollte der Hauptstoss auf Berlin erfolgen. Die Flügel von Schukows Front sollten Berlin im Norden und Süden umfassen. Die 1. Ukrainische Front Konews, die ab Guben nach Süden anschloss, sollte dort die verteidigende deutsche 9. Armee nach dem Durchbruch im Rücken angreifen. Stalin gab seinen Befehlshabern zwei Tage Zeit, um einen Angriffsplan auf Berlin auszuarbeiten. Der Hauptstoss von Küstrin geradewegs auf die Reichshauptstadt zu, bevorzugte Schukow – Konew sollte den Direktangriff und die Umfassung der Stadt nur durch seinen Vorstoss nach Südwesten abschirmen. Stalin gestand Konew jedoch zu, im Falle eines raschen Vorgehens auch von Süden nach Berlin eindringen zu können.

"(Stalin) zog eine Trennungslinie zwischen Schukows und Konjews Heeresgruppen. Die Linie begann östlich der Oder, kreuzte den Fluss und verlief geradeaus weiter. Bei Lübben an der Spree, knapp 60 km südöstlich von Berlin, brach er plötzlich ab. ‚Wer als erster bis dahin vordringt, der soll Berlin erobern‘, erklärte er".

Am 3. April 1945 wurde der Angriffstermin für den 16. April 1945 beschlossen. Einige Tage später gingen detaillierte Weisungen des Oberkommandos Stawka an Schukow, Konew und Marschall Rokossowski. "Insgesamt waren die drei russischen Fronten 1 593 800 Mann stark".

Schlacht an der Oder
Die Rote Armee bereitete einen Zangenangriff vor, um Berlin einzukesseln. Zur Einnahme der Stadt konzentrierte die Stawka etwa 2,5 Millionen Soldaten (inklusive nichtkämpfender Einheiten), 6.250 Panzer und Selbstfahrlafetten, 7.500 Flugzeuge und 41.600 Artilleriegeschütze.

Am nördlichen Oder-Abschnitt zwischen der Ostseeküste über Schwedt bis Oderberg stand die 2. Weissrussische Front unter Marschall Konstantin Rokossowski. Sie stand an einem schwer überbrückbaren Flussabschnitt und sollte erst später, nach dem erfolgten Durchbruch der südlicheren Heeresgruppen über die Oder angreifen. Im westlichen Oderbrückenkopf von Küstrin bis nach Guben war die 1. Weissrussische Front unter Georgi Schukow konzentriert, sie sollte den direkten Vormarsch auf Berlin erzwingen. Im südlichen Abschnitt entlang der Neisse bereitete die 1. Ukrainische Front unter Konew ihren Durchbruch zwischen Forst und Muskau in Richtung auf Cottbus und Spremberg vor.

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06_146/Volkssturmmann mit Raketenpanzerbüchse („Panzerschreck“) vor Berlin (April 1945)

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06_147/Volkssturmsoldaten

Der Roten Armee gegenüber standen schwer angeschlagene Einheiten der deutschen Heeresgruppe Weichsel unter Generaloberst Gotthard Heinrici, zusammengesetzt aus der 3. Panzerarmee und der 9. Armee. Im Süden wurde auch die 4. Panzerarmee der Heeresgruppe Mitte vom sowjetischen Angriff erfasst. Den deutschen Heerestruppen waren starke Anteile an Waffen-SS und Allgemeiner SS unterstellt, zudem als "letztes Aufgebot Deutschlands" auch Volkssturm-Einheiten, bestehend aus militärisch unerfahrenen und schlecht vorbereiteten Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren sowie Männern bis 60 Jahren. Diese – bezogen auf Erfahrung und Motivation – äusserst uneinheitlichen Streitkräfte umfassten insgesamt rund eine Million Mann. Sie hatten aber nur etwa 800 Panzer, mussten faktisch ohne Luftunterstützung kämpfen (ihre Gegner hatten die Luftherrschaft) und waren aufgrund der schlechten Versorgung mit Treibstoff und Munition in ihrer Wirkungskraft und Flexibilität zusätzlich eingeschränkt.

Am 16. April eröffnete die Rote Armee ihre Offensive mit dem stärksten Artilleriefeuer des Krieges; statistisch kam entlang der Oderfront auf fünf Meter ein Geschütz. Dieser Beschuss war jedoch weitgehend wirkungslos, da Heinrici die vorderen Stellungen im Bereich von Schukows Hauptangriff auf die Seelower Höhen zurückgenommen hatte (Hardenberg-Stellung).

Noch am ersten Tag hatte Schukow, durch die Schwierigkeiten seiner Infanterie im Oderbruch ungeduldig geworden, den Einsatz seiner beiden noch östlich der Oder stehenden Panzerarmeen im mittleren Abschnitt befohlen und durch die folgende Vermischung der Truppen eine noch grössere Verwirrung bewirkt: "Als es den vereinigten Kräften aller Waffengattungen nicht gelang, Schukows unrealistischen Zeitplan einzuhalten, verstärkten die heftigen Panzerangriffe noch die Folgen der grundsätzlichen Fehleinschätzung". Erst am 19. April 1945 gelang der 1. Weissrussischen Front nach grossen Verlusten die Einnahme der Seelower Höhen.

Die Deutschen waren damit auf die äusseren Verteidigungslinien Berlins zurückgedrängt und ihre Reserven waren verbraucht. Der 1. Ukrainischen Front unter Marschall Konew gelang hingegen im Süden der rasche Durchbruch durch die deutsche Verteidigungslinie an der Lausitzer Neisse südlich Cottbus bei Spremberg. Mit einem gewagten Panzerangriff im Rücken der 9. Armee erreichte die 3. Gardepanzerarmee des Generalobersten Rybalko Lübben und Konew erhielt am 17. April die Erlaubnis von Stalin, Berlin von Süden her anzugreifen. Stalin selbst teilte dies dann Schukow mit.

Äusserer Verteidigungsring

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06_148/Zur Verstärkung einer Panzersperre am S-Bahnhof Hermannstrasse in Neukölln graben Volkssturmmänner am 10. März 1945 Stahlträger ein

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06_149/Einwohner zerlegen ein Pferd (Flughafen Tempelhof)

Der "Äussere Verteidigungsring" war keine lückenlose Linie, sondern meist nur stützpunktartig an Brücken und wichtigen Strassenkreuzungen besetzt. Die Abwehr war nicht koordiniert, da weder die Befehlsgebung in der Stadt geregelt noch die vorhandenen Einheiten planmässig verteilt waren. Neben lokalen Kommandeuren betätigte sich zwischenzeitlich Joseph Goebbels als Organisator.

20. April 1945
Im Nordosten gelang bereits morgens ein weiter Durchbruch ins Vorfeld Berlins mit der Eroberung von Bernau, die 5. Stossarmee stand vor Strausberg und besetzte nachts Altlandsberg. Die 3. Stossarmee schoss (zum Geburtstag Hitlers) mit Grosskalibern in die Stadt:

"Die von den sowjetischen Truppen am 20. April erzielten Geländegewinne waren ausreichend, um weitreichende Artillerie des 79. Korps der 3. Stossarmee und des 1. Bataillons der 30. Garde-Artilleriebrigade der 47. Armee zum Einsatz gegen den Stadtrand von Berlin zu bringen. Die ersten Salven auf das Stadtgebiet waren mehr eine herausfordernde Geste als eine taktische Massnahme. Sowjetische Eisenbahnpioniere wurden eingesetzt, in Schlesien erbeutete schwere deutsche Belagerungsartillerie (Granaten von einer halben Tonne) von Küstrin per Bahn in das Vorfeld Berlins zu führen, um sie gegen die Stadt einzusetzen".

Ebenfalls mit Hitlers Geburtstag begründet "flogen anglo-amerikanische Bomber Salut, einen sogenannten 1000-Bomber-Angriff gegen Berlin, der zwei Stunden dauerte. Die Angriffshöhe dieser Verbände war so gewählt, dass ein Eingreifen der deutschen Flak unmöglich wurde. […] Die Bomber liessen Berlin wie betäubt, still und zerstört zurück. […] Wasser gab es nur noch an den Pumpen auf der Strasse, so dass das Schlangestehen nach Wasser im Freien während des restlichen Kampfes um Berlin zu einem Überlebensrisiko wurde".

Die 2. Weissrussische Front begann mit ihrem Angriff nördlich von Schwedt bis zur Odermündung aus dem Brückenkopf von Stettin.

Noch in der Nacht zum 21. April trieb Konew im Süden Berlins seine Panzerkommandeure durch die sich auflösende deutsche 9. Armee – ohne Rücksicht auf die "Verwundbarkeit seiner Etappe" oder die Verbindung zur nachfolgenden Infanterie.

21. April 1945

Am Morgen überschritt im mittleren Abschnitt Schukows die 2. Garde-Panzerarmee (General Bogdanow) den Autobahnring und wandte sich auf breiter Front gegen das Stadtgebiet (Hohenschönhausen – Marzahn – Hönow).

Eine Einheit der ebenfalls zu Schukows Truppen zählenden 5. Stossarmee überschritt als erste die Stadtgrenze im Nordosten Berlins bei Marzahn. Ihrem Befehlshaber, Generaloberst Nikolai Erastowitsch Bersarin, fiel damit nach russischer Militärtradition das Amt des Stadtkommandanten zu. Die 3. Stossarmee erreichte Weissensee und südlich schwenkten die 8. Gardearmee (General Tschuikow) und die 1. Gardepanzerarmee (General Katukow) auf den Raum Erkner ein.

"Gegen 11.30 Uhr begannen die Sowjets, das Stadtzentrum mit Belagerungsgeschützen und schwerer Artillerie zu beschiessen". Das Feuer über diese Distanz überraschte alle in der Stadt und es kam zu dramatischen Szenen: In der Stadt zerfetzten mittags Artilleriegranaten viele der überraschten Menschen – so wie am Hermannplatz in Neukölln. Inzwischen war in der gesamten Stadt die Licht-, Gas- und Wasserversorgung ausgefallen.

Das deutsche LVI. Panzerkorps zog sich auf die Linie Marzahn – Köpenick zurück. Es verlor dabei die Verbindung zur 9. Armee südöstlich der Stadt. Diesen Rückzug interpretierte Hitler als Eigenmächtigkeit und befahl die Erschiessung des Kommandeurs Weidling. Hitler begann noch während der Lagebesprechung mit Schörner und Wenck, einen gross angelegten Gegenangriff zu planen.

Überraschungserfolg Konews
Während Konews Panzerspitzen auf der Reichsstrasse 96 weiter auf dem Weg in den Südwesten Berlins waren, eroberte die 3. und 5. Gardearmee der 1. Ukrainischen Front die weit im Hinterland liegenden Städte Spremberg (21. April) und Cottbus (22. April).

Gegen Abend erreichten Rybalkos Panzer mit dem 6. Garde-Panzerkorps bereits Zossen und hoben dort das Oberkommando des Heeres (OKH) aus. Das Personal und Material war in einer Fahrzeugkolonne nach Süden evakuiert worden und wurde kurz darauf von der deutschen Luftwaffe versehentlich "erfolgreich" bombardiert.

Am 21. April abends wurde die Einschliessung der deutschen 9. Armee bei Königs Wusterhausen durch die 3. Garde-Panzerarmee Konews zusammen mit Truppen der 1. Weissrussischen Front, die aus nordöstlicher Richtung kamen, vollendet: "Die Truppen der beiden Fronten erkannten jedoch noch nicht, dass sie nur durch die ausgedehnten Wasserläufe voneinander getrennt waren".

Berlin, das zuerst nur in die Zange genommen werden sollte, wurde durch Konews Erfolg nun direkt im Süden angegriffen. Sein Ziel war der Spreebogen mit den zentralen Regierungsgebäuden. Noch besass Schukow keine Kenntnis über die Positionen Konews bei dessen Vorgehen auf Berlin.

22. April 1945
Nachdem Konews Vorausabteilungen Zossen besetzt hatten, näherten sich erste Einheiten dem Teltowkanal an der südlichen Stadtgrenze bei Teltow. Auf dem rechten Flügel "überschritten Truppen des 9. (mech.) Korps gegen 9.00 Uhr den Autobahnring und erreichten (abends) Lichterfelde, Marienfelde und Lankwitz. […] Die Panzer walzten jeden Widerstand nieder und drangen in die Wohngebiete ein". Konew war Schukow in den südlichen Vororten zuvorgekommen, aber er war am 23. April dringend auf eine Kräftekonzentration angewiesen – "für den Angriff auf die Innenstadt, den er selbst leiten wollte".

Am Spätnachmittag des 22. Aprils hatte die 8. Gardearmee unter Schukows General Tschuikow im Südosten "die Vororte Dahlwitz, Schöneiche, Fichtenau, Rahnsdorf, Friedrichshagen und Wendenschloss eingenommen". In der Nacht erreichten sie Grünau und Falkenberg.

Schukows Truppen nutzten den Tag zur Vorbereitung auf die Strassenkämpfe oder wurden "um die nördlichen Bezirke herum zu den ihnen zugewiesenen Abschnitten für die Einschliessung der Stadt geführt".

In der Nacht zum 23. April gelang bereits die Überquerung der Havel bei Hennigsdorf durch die 47. Armee, die nun den Auftrag erhielt, "die Stadt endgültig einzuschliessen und eine Sicherungslinie soweit wie möglich nach Westen vorzuschieben".

Im nördlichen Bogen drangen Schukows Streitkräfte nach Reinickendorf und Pankow vor, im Osten standen sie in Weissensee, Lichtenberg, Karlshorst und Köpenick.

"Die Nacht vom 22. auf den 23. April war eine bedeutsame Zäsur für den Fortgang der Schlacht. Beide Seiten waren gezwungen, neu zu überdenken, wie sie die Lage in den Griff bekommen konnten. Die Russen hatten einen Vorgeschmack davon erhalten, was die nächste Phase der Operation bringen würde […] Die Deutschen mussten sich, verspätet, auf eine Belagerung mit all ihren Konsequenzen einrichten".

Operationen der 2. Weissrussischen Front
Aufgabe der 2. Weissrussischen Front unter Marschall Rokossowski in der Planung des Oberkommandos war, ab der zweiten Phase des Grossangriffs von der Oder die deutschen Linien vom Abschnitt Schukows aus bei Schwedt bis hin zur Odermündung am Grossen Haff anzugreifen:

"Obwohl Rokossowskijs Operation keinen direkten Einfluss auf die Schlacht um Berlin hatte, band sie doch die Kräfte der 3. Panzerarmee und schloss so Kräfteverschiebungen an andere Frontabschnitte aus. Dadurch trug sie nicht unwesentlich zum Zusammenbruch der deutschen Oderfront bei".

Ab 18. April gingen Rokossowskis Truppen aus dem Stettiner-Brückenkopf durch das überschwemmte Marschland vor und leiteten die Stettin-Rostocker Operation ein. Ab dem 20. April begann der Angriff auf die verteidigende 3. Panzerarmee des Generals Hasso von Manteuffel. Dessen letzte Panzer hatte Heinrici an den Südabschnitt bei Eberswalde befohlen, um dort Schukows Vorstoss aufzuhalten. Angesichts der mangelnden Ausrüstung bezeichnete Manteuffel seine Truppen als "die reinste Geisterarmee". Er hatte auch keine Artillerie, lediglich 600, teils einbetonierte Flakgeschütze zur Verfügung.

Der Angriff begann mit Artillerievorbereitung, doch nur der 65. Armee unter Generaloberst Batow gelang ein stabiler Brückenkopf auf dem Westufer des westlichen Oderarms. Der General: "Am 20. April trat der Gegner zwanzigmal zum Gegenangriff an […] (Da er) seine Reserven aus der Bewegung und dazu noch in einzelnen Teilen nacheinander in das Gefecht einführte [… konnte er] keinen Stosskeil bilden; ihre improvisierten Attacken aber halfen ihnen wenig, obwohl sie oft und erbittert wiederholt wurden". Massive Gegenangriffe, auch mit Panzern verzeichnete Batow bis zum 24. April.

Schon am 22. April erfuhr Schukow "dass die Anweisung (der Stawka) an Rokossowski aufgehoben sei, nach der die 2. Bjelorussische Front zur Umgehung Berlins von Norden angreifen sollte".

"Die 3. Panzerarmee verteidigte trotz starken Drucks am 23. April noch verzweifelt ihre Stellungen an der Oder. Generaloberst Heinrici war klar, dass General Manteuffels Truppen nicht mehr lange standhalten würden. Er plante deswegen, sie auf die andere Seite zurückzunehmen, um ihnen die Kapitulation vor den Westalliierten zu ermöglichen". Auf der Südflanke war Steiner bei Oranienburg umgangen worden und musste auf den Ruppiner Kanal zurück gehen.

Am 24. April
"(war) von der Heeresgruppe Weichsel [..] praktisch nur noch Manteuffels 3. Panzerarmee übrig. Manteuffel leistete erbitterten Widerstand, doch der Mittelabschnitt gab bereits gefährlich nach. Noch schlimmer war, dass Schukows Panzer, die entlang der südlichen Flanke vorstiessen, jetzt nach Norden schwenken und Manteuffel einschliessen konnten. Die einzige Truppe, die ihnen im Wege stand, war der Haufen des SS-Obergruppenführers Felix Steiner".

"In der Nacht (vom 26. auf den 27. April) zog sich die 3. Panzerarmee von ihren Stellungen aus der von Süd nach Nord verlaufenden Ücker in Prenzlau zurück und gab damit die letzte Chance zu einer geschlossenen Verteidigung auf".

Die 2. Weissrussische Front Rokossowskis besetzte in der Folge Vorpommern (Stralsund – Rostock), Mecklenburg (bis kurz vor Schwerin) und das nördliche Brandenburg (Wittstock – Wittenberge). Am 5. Mai besetzen Einheiten Rokossowskis Peenemünde; andere trafen am Kriegsende auf Truppen der britischen 21st Army Group, die an einigen Stellen über die Elbe vorgedrungen waren.

Deutsche Planung
Der Befehlshaber in Berlin, Generalleutnant Hellmuth Reymann, hatte auf Veranlassung Hitlers im grundsätzlichen Befehl vom 9. März 1945 angeordnet, Berlin "bis zum letzten Mann und zur letzten Patrone" zu verteidigen.

Für die Reichsregierung, Reichsministerien und den Sicherheitsapparat wurden schon seit Februar Evakuierungsmassnahmen vorbereitet, die aber erst ab April 1945 zur Ausführung kamen, da mit ihnen die Niederlage nicht frühzeitig eingestanden werden sollte. Hitler gab am 20. April 1945 den Fall Clausewitz aus, mit dem angesichts der herannahenden Front unter anderem die Evakuierung aller Berliner Gebäude und Gebiete, in denen Regierungs-, Wehrmacht- und SS-Dienststellen untergebracht waren, sowie die Zerstörung amtlicher Akten, Urkunden und Schriftstücke angeordnet wurde. Umgehend wurden in den Ämtern die Akten vernichtet und grosse Kolonnen von LKWs mit Personal und Wertgegenständen gebildet. Der Grossteil der zu evakuierenden Stäbe sollte sich in Richtung Norden absetzen. Lediglich Hermann Göring ging, nachdem Hitler sich am 22. April entschieden hatte in Berlin zu bleiben, mit seinem Stab nach Süddeutschland.

Deutsche Verteidigung
Nach vier Tagen harter Kämpfe war die deutsche Oderfront am 19. April 1945 zerbrochen. "Die Lücken noch zu schliessen, war aussichtslos. Das Ringen von Heeresgruppe und Armeeoberkommando um die Genehmigung zum Absetzen hielt ohne Erfolg an. […] In diese verzweifelte Lage platzte der völlig abwegige Befehl Hitlers, …" mit einem kombinierten Grossangriff von 9. Armee und 4. Panzerarmee, "die rückwärtigen Verbindungen der 1. Ukrainischen Front ab(zu)schneiden und deren Stoss auf Berlin zum Stehen (zu) bringen. Die Armee ging über diesen undurchführbaren Befehl hinweg und fasste den Entschluss, nunmehr auch ohne Befehl, alle Massnahmen für einen Durchstoss der Südgruppe nach Westen einzuleiten". Damit begannen die Versuche der deutschen Befehlshaber, sich Hitlers Befehlsgebung zu entziehen.

Während Hitler an seinem Geburtstag am 20. April sein Gehen oder Bleiben in der Reichshauptstadt erwog und seine Hoffnungen auf die 12. Armee des Panzergenerals Walther Wenck setzte, versuchte Heinrici konsequent, die Reste seiner zerschlagenen Heeresgruppe im Rückzug südlich und nördlich um Berlin herum zu führen. Als er am 29. April die "Übernahme der Geschäfte des Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel" an General von Manteuffel übertragen wollte – der dies jedoch ablehnte – wurde Heinrici von Generalfeldmarschall Keitel durch den General der Infanterie von Tippelskirch ersetzt.

In Berlin löste Hitler am 21. April General Reymann als Kampfkommandant von Berlin durch Oberst Kaether ab. Als am 23. April der General der Artillerie Helmuth Weidling, Kommandeur des LVI. Panzerkorps, bei Hitler erschien, um persönlich gegen seine Erschiessung auf Grund eigenmächtiger Handlungen zu protestieren, wurde er in die Lagebesprechung einbezogen: "Mit immer grösser werdendem Erstaunen hörte ich die Grosssprechereien des Führers". Er wurde von Hitler am Tag darauf zum neuen ‚Kommandanten der Verteidigung von Berlin‘ ernannt. Weidling sagte zu General Krebs, der ihm die Ernennung mitteilte: "Es wäre besser, wenn Sie befohlen hätten, mich zu erschiessen, dann ginge dieser Kelch an mir vorüber!"

Weidling übernahm die Befehlsgewalt und die Einteilung Berlins in neun Verteidigungsabschnitte. Er ordnete die Verteilung der Truppen neu und bemühte sich, reguläre Truppen, die "Abteilungen des Volkssturms und zusammengewürfelte Formationen jeglicher Art" militärisch sinnvoll zu verteilen.

Teilnahme von Truppen anderer Nationen
Am Angriff auf Berlin und den Kämpfen gegen die Heeresgruppe Mitte nahmen auch 180.000 polnische Soldaten teil. Im Norden schirmte die polnische 1. Armee den äusseren Flügel der 1. Weissrussischen Front gegen die 3. Panzerarmee General von Manteuffels ab und überwand anschliessend die Armeegruppe Steiner. Die polnische 2. Armee kämpfte im Süden gegen Reste der Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner.

"Unter Hitlers Fahne kämpften in Berlin als Reste der ‚europäischen‘ SS-Verbände Vertreter fast aller europäischen Völker. Wir finden Belgier, Holländer, Dänen, Norweger, Schweden, Esten, Letten, Ukrainer, Galizier, Siebenbürger, Schweizer, Franzosen und Spanier. Am zahlreichsten waren Franzosen und Spanier". Darunter waren die neunzig Franzosen der Rest-Division Charlemagne, "die nicht für Hitler, sondern für Europa gegen die Sowjets weiterkämpfen wollten".

Damit wurde, wie der Historiker Anthony Beevor kommentierte, "der Fall von Berlin zum Scheiterhaufen für die Reste der europäischen extremen Rechten".

Lage in der Stadt
Die Zivilbevölkerung Berlins wurde von den Militärbehörden zu Beginn der Schlacht um Berlin auf noch etwa 2,7 Millionen Einwohner geschätzt. 1939 waren 4,3 Millionen Menschen gezählt worden; nun waren es fast 40 Prozent weniger. Von den verbliebenen Einwohnern waren etwa zwei Drittel Personen weiblichen Geschlechts jeder Altersstufe. Das Drittel der männlichen Zivilbevölkerung machten vor allem Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 16 Jahren und ältere Männer über 60 Jahre aus. Ein Grossteil der vormaligen Einwohner Berlins war, wenn nicht als Soldaten an verschiedenen Frontabschnitten oder in Kriegsgefangenschaft, dann durch Evakuierungen oder Flucht – in der Regel nach Westen – nicht mehr in der Stadt (siehe auch Kinderlandverschickung). In den elf Wochen vor der Schlacht waren zudem etwa 200.000 Menschen durch 85 Luftangriffe, zumeist von britischen oder US-Bombern, zur Flucht aus Berlin veranlasst oder getötet worden. Berlin glich bereits zu Beginn der Landoffensive der Roten Armee auf Stadtteile im Zentrum einer Trümmerlandschaft.

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06_150/Ruine des Reichstags nach der Schlacht

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06_151/Siemensstadt

In diesen letzten Kriegstagen kam es zu ausgedehnten Zerstörungen von Gebäuden und der Verkehrs-Infrastruktur. So wurden unter nicht geklärten Umständen das Warenhaus Karstadt am Hermannplatz und der Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn unter dem Landwehrkanal gesprengt.

Während dieser Apriltage nutzten fanatische Nationalsozialisten und SS-Führer Standgerichte und Exekutionskommandos, um ein Weiterkämpfen bis zum Ende zu erzwingen. Propagandistisch eingepeitscht wurde die aussichtslose Verteidigung Berlins durch Goebbels, der zusammen mit dem Staatssekretär des Propagandaministeriums, Werner Naumann, das Kampfblatt für die Verteidiger Gross-Berlins mit dem Titel "Der Panzerbär" herausgab. In diesen Mitteilungen wurde Treue zum "Führer" gefordert und gleichzeitig Hoffnung auf einen Endsieg gemacht.

Innerer Verteidigungsring
23. April 1945
Neben dem Aufmarsch im Osten ermöglichte die nördliche Umfassung Berlins durch die Truppen Schukows mehrere Angriffskeile in Richtung Innenstadt. Im Süden standen Konews Einheiten vor dem Teltowkanal.

Norden
Die Angriffsspitze im Nordwesten an der Havel bildete die 47. Armee, der das 9. Garde-Panzerkorps, das 7. Garde-Kavalleriekorps und die 1. polnische Mörserbrigade unterstellt waren. Am Abend des 23. April standen die ersten Einheiten am Rand von Nauen.

Im Abschnitt Tegel begannen am 23. April dreitägige Kämpfe mit einem Werkschutz-Bataillon, das sich dann zu Wittlers Brotfabrik im Wedding zurückzog. Andere sowjetische Truppen umgingen die Stellung jedoch nach Hermsdorf, Waidmannslust und Wittenau – weiter östlich stiess das 12. Gardekorps über Lübars, Blankenfelde, Rosenthal nach Reinickendorf vor und kämpfte um das Rathaus Pankow. Das 79. Armeekorps der 3. Stossarmee stand in Niederschönhausen.

Osten
Die 5. Stossarmee kämpfte im Bereich Schlachthof Storkower Strasse (26. Garde-Schützenkorps) und an der S-Bahnlinie um den Bahnhof Ostkreuz (32. Schützenkorps). Das 9. Schützenkorps nahm Karlshorst mit seiner Pionierschule. "Gegen Abend des 23. April hatten die Kampfverbände der 8. Gardearmee die Stadtteile Karlshorst, Uhlenhorst, Schöneweide und Köpenick genommen und kämpften westlich der Dahme",

"Am Abend erreichten auch die Boote der Dnjepr-Flottille den Schauplatz, um die Truppen beim Übergang (über die Spree) zu unterstützen […] und um Berlin (auch) von Süden her anzugreifen".

Konkurrenz Schukow – Konew
"Man war weit hinter dem Zeitplan zurück, Stalin drängte, und Schukow muss über die Fortschritte Konjews besorgt gewesen sein".

Die 3. Garde-Panzerarmee Konews gruppierte an diesem Tag um und schloss "zu den Vorausabteilungen südlich des äusseren Verteidigungsringes zwischen Stahnsdorf und Lichtenrade auf". Hier nun überschätzte Konew die Kräfte der Verteidigung hinter dem Teltowkanal erheblich und liess sich durch seinen überdimensionierten Artillerieeinsatz aufhalten.

Der Misserfolg bewog Stalin zur Klärung der Aufgabenstellung seiner Feldmarschälle:

"Von diesem Tag an, dem 23. April, so lautete der Befehl (Nr. 11074), verlaufe die Grenze zwischen der 1. Weissrussischen Front und der 1. Ukrainischen Front von Lübben über Teupitz, Mittenwalde, Mariendorf zum Anhalter Bahnhof. Konjew war zutiefst enttäuscht: Stalin hatte Schukow den Siegespreis zugesprochen. Die Grenzlinie, die gerade durch die Stadt verlief, zwang Konjew mit seinen Truppen etwa 140 Meter westlich des Reichstages anzuhalten, auf dem die sowjetische Fahne aufgepflanzt werden sollte".

Die Hauptaufgabe von Konews Heeresgruppe bestand somit wieder im Vorstoss südlich Berlins. So erreichten seine Truppen Potsdam, Beelitz, Lehnin und bewegten sich in Richtung Torgau an der Elbe. Dazu kam der Vormarsch in Richtung Bautzen und Dresden.

24. April 1945
Norden/Osten
Das 12. Garde-Panzerkorps besetzte den Bereich Jungfernheide (heute Flugplatz Tegel) bis zum Hohenzollernkanal – nachts erlitt es jedoch schwere Verluste im Industriekomplex Siemensstadt. Das 79. Korps wurde durch den Widerstand um die Strafanstalt Plötzensee und am Westhafen aufgehalten.

"Das 12. Gardekorps begann in den Arbeiterbezirk Wedding einzusickern". Am Bahnhof Wedding, einer Schlüsselstellung im Inneren Verteidigungsring gelang der Durchbruch erst nach dem Einsatz schwerer Artillerie. Der Humboldthain mit dem Flakbunker wurde umgangen und abgeriegelt, die Besatzung kämpfte bis zum Ende.

Wenig Widerstand traf das 7. Korps in Prenzlauer Berg an, der innere Verteidigungsring wurde in Richtung Alexanderplatz durchbrochen.

Die 5. Stossarmee (26. Gardekorps, 32. Korps) drang entlang der Frankfurter Allee vor – stärkerer Widerstand erfolgte im Wirkungsbereich des Flakturmes Friedrichshain. Das 9. Korps der 5. Stossarmee überschritt in den frühen Morgenstunden des 24. Aprils die Spree in Höhe des Treptower Parks. 16.000 Mann wurden von der Dnjepr-Flottille übergesetzt. Dagegen formierte sich Widerstand durch die SS-Freiwilligen-Division "Nordland".

"Die 301. Schützendivision nahm das Kraftwerk Rummelsburg in Besitz – unzerstört und betriebsbereit".

Süden
Aus der südlichen Umfassung Berlins durch Konew begann am frühen Morgen des 24. April nach 55-minütigem Artilleriebeschuss der Angriff über den Teltowkanal, der trotz der Unterlegenheit ihrer Kräfte (in Lankwitz) "nach Anfangserfolgen von der deutschen Verteidigung unter schweren sowjetischen Verlusten und unter Aufgabe des russischen Brückenkopfs zurückgeschlagen (wird)". Im Zentrum waren Konews Truppen beim Übergang erfolgreicher und konnten bis zum Abend den Südteil Zehlendorfs unter Kontrolle bringen. Die Verteidiger zogen sich auf die Wannseeinsel zurück. Im Süden Berlins erreichte die Rote Armee die östlichen Vororte Potsdams sowie die Linie Brandenburg – Wittenberg.

Führerlage (Reichskanzlei)
Der deutsche Stabsoffizier Gerhard Boldt, der ab dem 22. April nach Berlin abkommandiert worden war, um Hitlers Lagebesprechungen vorzubereiten, notierte in seinen Erinnerungen zum Tag:

"Mittags: [Flughafen] Tempelhof unter Beschuss, fällt aus, 17 Uhr auch Gatow, Ausbau Ost-West-Achse [als Landebahn], Verstärkung Beschuss Zentrum (abends), […] Nacht zum 25.4.: Zusammenlegung OKW/OKH, Nachricht vom Einschluss [der Stadt]".

Umfassung und Vormarsch ins Zentrum
25. April 1945
Der 2. Weissrussischen Front gelang südlich Stettin der Durchbruch gegen die 3. Panzerarmee. "Heinrici gab Manteuffel augenblicklich die gewünschte Rückzugserlaubnis und befahl ausdrücklich die ‚Festung Stettin‘ zu räumen". Danach informierte er das OKW, das "achtundvierzig Stunden (benötigte), bis ein empörter Keitel bei ihm anrief".

In Berlin begann der von Hitler am 24. April zum Stadtkommandanten bestimmte General Weidling mit der Reorganisation der Verteidigung.

Marschall Nowikow, der Befehlshaber der sowjetischen Luftflotte, setzte "eine grossangelegte Luftoperation gegen Berlin unter dem Namen ‚Operation Salut‘ in Szene. Ein erster Schlag wurde von Bombern der 18. Luftarmee geführt; ihm folgten den ganzen Tag pausenlose Luftangriffe der 16. Luftarmee. Alles in allem waren 1368 Maschinen im Einsatz – einschliesslich 569 Sturzkampfbombern (Pe-2), die auf besonders festgelegte Ziele eingesetzt wurden".

Ebenfalls am 25. April trafen die Russen und die Amerikaner an der Elbe bei Torgau zusammen.

Einschliessung Berlins
Die südliche Umfassung durch Konjews Front mit der 4. Garde-Panzerarmee (General Leljuschenko) schloss auch Potsdam ein. Auf diesem Weg traf das 6. (mech.) Gardekorps am 25. April 1945 westlich der Reichshauptstadt bei Ketzin/Havel auf die über die Havel herankommende 47. Armee (General Perchorowitsch) aus Schukows Front. Damit war der Ring um Berlin endgültig geschlossen. Bis zuletzt blieb jedoch die westliche, durch Seen und Wälder unübersichtliche Seite Berlins lückenhaft besetzt.

Im Westen brach die Besatzung Spandaus in der Nacht vom 25. auf den 26. April zur Stadtmitte hin aus.

Vor der Innenstadt
Norden:
Um Siemensstadt wurde vom 25. bis zum 28. April gekämpft. Das 79. Korps gewann die Strafanstalt Plötzensee und wurde am Westhafenkanal festgehalten. Das 12. Gardekorps nahm in Moabit die unzerstörte Fennbrücke im Handstreich. Der Flakturm Humboldthain behinderte im Nordosten den Vormarsch. Harten Widerstand gab es auch nördlich der Invalidenstrasse, das 7. Korps erreichte den Alexanderplatz.

Osten:
Die 5. Stossarmee kam in Friedrichshain nur langsam voran. Die Eroberung des Schlesischen Bahnhofs (heute Ostbahnhof) bezeichnete Schukow später als eine der "schwierigsten Aufgaben".

Süden:
Die 8. Gardearmee und die 1. Garde-Panzerarmee drangen über den Teltowkanal nach Tempelhof und westlich des Tempelhofer Damms vor. Im Südosten sickerten sowjetische Truppen in Neukölln ein. Die 3. Garde-Panzerarmee des Generalobersten Rybalko kämpfte in den südwestlichen Vororten am S-Bahnring und stiess über den Botanischen Garten nach Schmargendorf, Nikolassee und Dahlem zum Grunewald vor. Ein Keil drang über Steglitz nach Schöneberg.

Konew begann eine Truppen-Konzentration mit der Absicht eines Vorstosses zum Potsdamer Platz.

Führerlage Reichskanzlei
"Der Artillerieeinsatz der Russen nahm beinahe stündlich zu. 18 Uhr: Spitzen in Zehlendorf und tief in Neukölln. Berlin nur ‚Versorgungsbomben‘. […] Erkundigungen zur ‚Moral der Truppe‘".

26. April 1945
Südwesten: Die 12. Armee des Generalobersten Wenck formierte sich in Richtung auf Potsdam (statt nach Jüterbog) und erreichte Beelitz. Konew musste sein 10. Garde-Panzerkorps frei bekommen, um dieses Wenck entgegenzustellen. Im Berliner Südwesten begannen in den dicht bebauten Gebieten die Strassenkämpfe.

Westen:
Nach Erreichen der Heerstrasse schwenkten Teile der 3. Garde-Panzerarmee "nach rechts in Richtung Charlottenburg und begannen sich langsam durch die Wohnbezirke auf beiden Seiten dieser breiten Durchgangsstrasse vorzuschieben. Der Widerstand der Verteidigung nahm erst zu, als ihr unerwartetes Auftauchen bemerkt wurde".

Süden:
Nach einem letzten Gegenangriff in Neukölln zog sich die Division Nordland am nächsten Morgen zur Stadtmitte zurück. Nach Eroberung des Flughafens Tempelhof besetzten Tschuikows Truppen den Viktoriapark (am nächsten Tag wurde auf Sicht der Anhalter Bahnhof beschossen). Der linke Flügel drang über die Yorckstrasse zum Kleistpark und erreichte über die Potsdamer Strasse bis zum Abend die Kurfürstenstrasse. Der rechte Flügel stand in der Nacht zum 27. April vor dem Landwehrkanal, dessen Brücken kurz zuvor gesprengt wurden.

Norden:
Mit starker Unterstützung der Luftflotte des Marschalls Nowikow wurde der Westhafen-Kanal überwunden und bis zum Abend war ein grosser Teil von Moabit in sowjetischer Hand. Der Alexanderplatz wurde noch heftig umkämpft.

Führerlage (Reichskanzlei):
Morgens: Munitionslage / Einsatz JU 52 / Teltow-Kanallinie überrannt […] Neukölln Südrand Flughafen / Weissensee / Reinickendorf / Tegel verloren / Kämpfe Stettiner- und Görlitzer Bahnhof / gegen Abend Charlottenburg […] Telefonbucherhebungen:"

"Sie ergaben in ihrer Vielzahl ein ziemlich lückenloses Bild und waren im Ergebnis wesentlich klarer als die teilweise recht verworrenen Meldungen von der Truppe".

27. April 1945
Süden:
Tschuikow legte eine Art Ruhetag für seine Truppen zur Vorbereitung auf den Kanalübergang ein. Auch der Beschuss wurde weitgehend eingestellt. Dem 28. Gardekorps Tschuikows gelang es unter Umgehung deutscher Positionen am Nollendorfplatz und am Lützowplatz bis zur Budapester Strasse voranzukommen: "Einigen Sowjetpanzern gelang es, auf das Zoogelände durchzubrechen und von dort das Feuer gegen die Flaktürme zu eröffnen". Dieser Vorstoss beraubte die 3. Garde-Panzerarmee Konews, die in schwere Kämpfe um den Fehrbelliner Platz verwickelt war, praktisch jeder Möglichkeit, noch vor den Truppen Schukows den Reichstag einzunehmen.

Westen:
Am 27. April ging der Flugplatz Gatow endgültig verloren: Am Vortag flog Hanna Reitsch vom Flugplatz mit Generaloberst Robert Ritter von Greim zum Führerbunker in das bereits vollständig eingeschlossene Berlin.

Die Sowjettruppen eroberten das gesamte Westufer der Havel. Die Kämpfe in Charlottenburg nahmen an Schärfe zu, denn Weidling hatte, "um sich ein Ausfalltor nach Westen offenzuhalten, einen Teil der 18. Panzergrenadierdivision zur Unterstützung der örtlichen Verteidigung abgestellt". Das 79. Korps in Moabit, das weiterhin nur langsam (auch gegen die Wlassow-Einheiten) vorankam, zielte bereits auf den Spreebogen mit dem Reichstag.

Die 5. Stossarmee kämpfte zwischen Spree und Alexanderplatz – das 9. Korps auf der anderen Seite des Flusses drang in Kreuzberg ein und erreichte entlang der Oranienstrasse den Moritzplatz.

Nach der Auflösung der 3. Panzerarmee Manteuffels im Norden und dem Verzicht Steiners auf jede Offensivbewegung, richtete sich "die einzige noch realistische Hoffnung der Verteidiger der Stadt Berlin [..] auf Wencks 12. Armee, die einen Fluchtweg nach Westen öffnen konnte [und …] nur noch etwa zehn Kilometer von Potsdam entfernt (war)".

Kämpfe im Zentrum
28. April 1945

"Am 28. April drangen die Russen ins Stadtzentrum ein". Die Reste der Besatzung der Spandauer Zitadelle (Volkssturm und Zivilisten) ergaben sich.

Vor dem Landwehrkanal gegenüber dem Anhalter Bahnhof hielt die sowjetische Aufklärungsarbeit den ganzen Tag an. Die S- und U-Bahnlinien unter dem Kanal waren verbarrikadiert und für den Vorstoss nicht nutzbar.

Das 79. Korps in Moabit, dem die 2. Garde-Panzerarmee folgte, gelangte bis zur Moltkebrücke vor dem Spreebogen und bereitete sich auf den Sturm auf das Regierungsviertel vor.

Aus südöstlicher Richtung griff das 32. Korps der 5. Stossarmee die Fischerinsel an, das 9. Korps besetzte das Gebiet um den Spittelmarkt.

Am 28. April hatte Konew mit der 3. Garde-Panzerarmee von Westen her den letzten Versuch unternommen, über Savignyplatz und Zoo zur ‚Zitadelle‘ vorzustossen: "Der Hauptangriff verlief wie geplant, und erst später am Vormittag stellte es sich plötzlich heraus, dass fast die ganze Osthälfte der Angriffsfront von Tschuikows Verbänden besetzt war, die Konjews Artillerievorbereitung wohl kaum begrüsst haben werden".

Kampf um den Reichstag
Der Reichstag verkörperte für die sowjetische Seite von Stalin bis zum einfachsten Soldaten den Nazifaschismus. Er war das symbolische Angriffsziel.

Am 28. April erhielt der Kommandant des 79. Schützenkorps, das zur 3. Stossarmee gehörte, Generalmajor Perewjortkin, den Befehl, den Reichstag anzugreifen. Der Übergang über den Spreebogen gelang den russischen Truppen in der Nacht vom 28. auf den 29. April über die halbzerstörte und mit Barrikaden versehene Brücke Alt-Moabit. In der Fortsetzung des Angriffs gelang den Einheiten bis zum Abend des 29. April die Eroberung des von den sowjetischen Soldaten "Haus Himmlers" genannten Innenministerium. In den Morgenstunden des 30. April beginnt von hier aus der Beschuss des Reichstags und ab 14 Uhr der direkte Angriff über den Königsplatz. Bis zum Abend gelingt die Besetzung der oberen Stockwerke, im Keller wird weiter gekämpft.

"Der Druck, den Stalin ausübte, um die Rote Fahne zu den Maifeierlichkeiten auf dem Reichstag wehen zu sehen, war so gross, dass keiner in der Befehlskette sich auch nur dem Verdacht aussetzen wollte, er sabotiere dieses Ziel. Verluste spielten von nun an keine Rolle mehr".

29. April 1945

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 06_152/Stadtzentrum, rechts unten der Anhalter Bahnhof

Nordwesten:
"Am Morgen des 29. gelang der Durchbruch im Abschnitt der 2. Garde-Panzerarmee;" – die Ruine des Schlosses Charlottenburg wurde besetzt, die Verteidigung beim S-Bahnhof Jungfernheide überwunden und die Landzunge am Zusammenfluss von Spree und Landwehrkanal in Angriff genommen.

Norden:
"Der Angriff des 79. Korps (in der Nacht) über die Moltkebrücke war ein tollkühnes und blutiges Unternehmen" – da der Lehrter Güterbahnhof noch nicht erobert war, kam es von dort zu Gegenangriffen und einer teilweisen Zerstörung der Brücke. Im Morgengrauen war jedoch ein Brückenkopf in einem Häuserblock auf der anderen Uferseite gebildet: "Die 150. Division bereitete sich darauf vor, über die Moltkestrasse zum Haupteingang des Innenministeriums, ‚Himmlers Haus‘, wie sie es nannten, vorzustossen. […] Die Kämpfe zogen sich schnell über die Haupttreppe in alle Stockwerke und hielten den ganzen Tag und die Nacht über an. […] Zwischen 8.30 und 10.00 Uhr erfolgte starker Artilleriebeschuss der Stellungen am Reichstag".

Nordosten:
Starker Widerstand am befestigten Stettiner Bahnhof (heute: S-Nordbahnhof), in der Stadtmitte wurde das Rote Rathaus gestürmt.

Südwesten:
Der Vorstoss in Wilmersdorf, der auf den Bereich Zoologischer Garten und den dortigen Flakbunker zielte, geriet für die Sowjettruppen zum "Durcheinander", da sich hier die nachts veränderte Frontgrenze befand und sich Konews und Schukows Einheiten im Zusammenhang der Kämpfe ‚verwickelten‘. Sie konnten erst in der folgenden Nacht neu geordnet werden.

An der südlichen Front in der Stadt wurde der Kampf um die nur teilweise zerstörte Potsdamer Brücke geführt. Gegen Abend war der Weg zum Potsdamer Platz freigekämpft.

Mit dem Angriff über den Landwehrkanal, der im Laufe des 29. April über die Trümmer des Hochbahnhof Möckernbrücke gelang – später konnten Panzer über eine Pontonbrücke am Halleschen Tor nachgezogen werden – fiel der "Orientierungspunkt, an dem die beiden angreifenden Fronten aufeinander stiessen" in die Hand der Truppen Schukows.

Ein Kampf um den Anhalter Bahnhof fand jedoch nicht statt – die riesige Zahl der Flüchtlinge dort hielt beide Seiten davon ab, zumal sich Verteidiger und Angreifer auf die nächste Position um das Luftfahrtministerium (heute Finanzministerium) konzentrierten. Dramen spielten sich im Anhalter Hochbunker und unterirdisch in den S-Bahn-Anlagen ab.

Am Abend des 29. April liess Hitler "Mohnke kommen, der für die Verteidigung der ‚Zitadelle‘ verantwortlich ist [… er berichtet:] Im Norden steht der Russe kurz vor der Weidendammer Brücke. Im Osten am Lustgarten. Im Süden am Potsdamer Platz und am Luftfahrtministerium. Im Westen im Tiergarten, 300 bis 400 Meter vor der Reichskanzlei. Hitler fragte weiter: ‚Wie lange können Sie noch halten?‘ ‚Höchstens noch 20 bis 24 Stunden, mein Führer, nicht länger.‘"

Hoffnungen auf Entsatz
Den Befehl Hitlers zum Durchbruch nach Berlin, der Wenck am 23. April persönlich im Forsthaus "Alte Hölle" bei Wiesenburg/Mark im Fläming durch Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, überbracht worden war, konnte und wollte Wenck nicht ausführen. Zwar konnte die deutsche 12. Armee unter Wenck nochmals bis in den Raum Ferch vordringen und Ende April die Reste der aus dem Kessel von Halbe ausgebrochenen deutschen 9. Armee und 15.000–20.000 Soldaten aus dem eingeschlossenen Potsdam aufnehmen, doch zielten die Operationen Wencks letztlich darauf ab, den bei Halbe eingekesselten und sich dann in Richtung Beelitz kämpfenden deutschen Verbänden den Weg in die amerikanische Kriegsgefangenschaft offen zu halten.

Die Gefechte in der Stadt gestalteten sich als ein erbitterter Häuserkampf. Oft wurde verbissen um nur wenige Gebäude oder um die Bahnlinien gekämpft. Die sowjetischen Einheiten waren im Stadtgebiet stets Scharfschützen und Kämpfern mit Panzerfäusten ausgesetzt. Bei den Kämpfen verlor die Rote Armee nach Konews Angabe etwa 800 Panzer gegen die regulären Truppen und die mit Panzerabwehrwaffen ausgerüsteten Kämpfer des Volkssturms und der Hitlerjugend. Die Übermacht der Roten Armee war jedoch zu stark, so dass die deutschen Verteidiger ihre Stellungen oft nicht lange halten konnten und unablässig zurückweichen mussten.

Kampf um die "Zitadelle"
Die Intensität der Kämpfe in Berlin nahmen nach Berichten beider Seiten zum Ende hin zu, sie konzentrierten sich auf deutscher Seite auf den Kern der Verteidigung im Spreebogen und den Versuch, den Weg in Richtung Westen frei zu halten.

In der Zitadelle "(standen) den Sowjets [..] schätzungsweise 5000 Mann gegenüber, überwiegend SS-Einheiten, aber nicht nur Waffen-SS. Zwei Bataillone Volkssturm, das Bataillon ‚Grossadmiral Dönitz‘, aufgestellt von der Marine-Nachrichtenschule, und einige kleinere Einheiten der 9. Fallschirmjägerdivision vervollständigten die deutsche Verteidigung. Unterstützt wurden diese Kräfte durch leichte Artillerie und Feldgeschütze, eine Anzahl der berühmten 88-mm-Flakgeschütze und Mörser".

Eine weitaus stärkere Besetzung stellte Hans Fritzsche im Zentrum fest, das er zu Fuss abschritt: "In der Nacht zum 1. Mai lief ich zu verschiedenen kämpfenden Gruppen […] in dem kleinen Viertel zwischen Gendarmenmarkt, Reichstag, Bahnhof Friedrichstrasse und Luftfahrtministerium. Ich hatte den Eindruck, dass hier weit über 10.000 Mann standen, ungerechnet die sicher auch 2.000 bis 3.000 Mann zählenden SS-Einheiten in der Reichskanzlei".

Kommandant der Zitadelle war der SS-Brigadeführer Wilhelm Mohnke.

Polnische Division
Als einzige Formation neben der Roten Armee nahm an der Erstürmung des Zentrums von Berlin die 1. polnische Infanterie-Division "Tadeusz Kościuszko" unter General Bewziuk teil. Die im Mai 1943 in Lenino aufgestellte Einheit wurde mit General Marian Spychalski in den Strassenkämpfen im Nordwesten Berlins eingesetzt. Sie verfügte noch von Kämpfen in Warschau bzw. Praga über besondere Erfahrungen im Strassenkampf und rückte im Verband mit der sowjetischen 2. Garde-Panzerarmee des Generals Semjon Bogdanow vor. Der Kościuszko-Division gelang der Vorstoss entlang der Neuen Kantstrasse zum Karl-August-Platz. Sie nahm an der Einnahme der Technischen Hochschule, des S-Bahnhofs Tiergarten sowie vier weiterer U-Bahnhöfe teil. Weitere Kämpfe führte sie entlang der Franklinstrasse, der Englischen Strasse, am Salzufer sowie im Tiergarten und am hinteren Teil der Reichskanzlei.

30. April 1945
Kampf um den Reichstag

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06_153/Kämpfe um das Regierungsviertel und den Reichstag

Um 4 Uhr morgens hatte die 150. Schützendivision das Innenministerium erobert und die 171. Division die Westhälfte des Diplomatenviertels besetzt. Die ersten Angriffe auf den Reichstag scheiterten, da umliegende Gebäude – vor allem die Ruine der Krolloper – noch von Deutschen besetzt waren und ihre Einnahme bis gegen Mittag andauerte.

Ab 14 Uhr begann der direkte Angriff über den Königsplatz. Bis zum Abend gelang die Besetzung der oberen Stockwerke, im Keller wurde weiter gekämpft.

Um 22:00 Uhr desselben Tages wehte die Rote Fahne auf der Kuppel des Gebäudes. Der sowjetische Soldat Michail Petrowitsch Minin hat als erster Rotarmist die sowjetische Fahne auf dem Reichstag gehisst. Das berühmte Foto Auf dem Berliner Reichstag, 2. Mai 1945 von Jewgeni Ananjewitsch Chaldei entstand erst später.

Zwar war damit der Reichstag als Gebäude besetzt, doch in den Kellern wurde noch weitergekämpft.

Am Abend des 30. April oblag es Tschuikow, seinem Oberbefehlshaber Schukow mitzuteilen, dass Stalins Wunsch, "zur Feier des 1. Mai ganz Berlin eingenommen (zu) haben" nicht in Erfüllung gehen werde. Die Weitergabe dieser Nachricht an Stalin oblag dann Schukow.

Zoobunker (Flakturm)
"Entsetzliche Kämpfe" tobten in den Strassen um den Zoo, der von den sowjetischen Truppen über die Schlossstrasse und die Berliner Strasse (heute Otto-Suhr-Allee) erreicht wurde: "Die Verluste der Infanterie hatten die schwindelnde Höhe von 90 % erreicht, daher wurde entschieden, die 1. polnische Division ‚Tadeusz Kościuszko‘ der 1. polnischen Armee in dieser Nacht zur Verstärkung der 2. Garde-Panzerarmee abzustellen". Weitere polnische Einheiten wurden in Kampfgruppen auf sowjetische Brigaden aufgeteilt.

Westen
"Der 30. April brachte besonders erbitterte Kämpfe in den Bezirken Charlottenburg und Wilmersdorf, als die 2. und 3. Garde-Panzerarmee an der S-Bahn, die die Frontgrenze bildete, zusammentrafen und deutsche Truppen versuchten, einen Weg in den westlichen Teil der Stadt offenzuhalten. […] Der Strom nach Westen verstärkte sich". (Kämpfe in Westend)

Südlich des Spreebogens (Landwehrkanal)
"Tschuikow berichtet: Nach der Eroberung einiger kleinerer Brückenköpfe über dem Landwehrkanal gingen die Einheiten meiner Armee von Süden her zum Sturm auf den Tiergarten über".

Im Anhalter Hochbunker fiel die Stromversorgung aus – die Finsternis wurde nur durch Kerzen gemildert. Im Bunker wurde alles, "wo ein Hakenkreuz drauf ist", vernichtet. Der Stillstand des Generators führte nicht nur zum Ausfall der Beleuchtung, sondern vor allem der Lüftung – dadurch stiegen die Temperaturen rasch an, oben wurden bereits 60 Grad Celsius gemessen. Es kam zu zunehmend unerträglichen und chaotischen Zuständen im Innern. Die Selbsttötungen häuften sich. Die Pumpe am Askanischen Platz fiel durch einen Granattreffer aus. "Auf dem Platz vor dem Bahnhof, gewissermassen vor unserer Haustür, stehen schon die russischen Panzer".

Deutsche Seite
Ein Weidling-Bericht bestätigte "Tiefe Keile des Gegners [..] im Gebiet des Potsdamer Platzes und des Anhalter Bahnhofes [und] längs der Wilhelmstrasse fast bis zum Luftfahrtministerium, eine breite Lücke zwischen Spittelmarkt und dem Alexanderplatz und Kämpfe in der Nähe des Reichstagsgebäudes. Beide Seiten der Leipziger Strasse waren in der Hand der Russen".

Nach Angaben von General Krebs bei den Unterhandlungen am 1. Mai mit General Tschuikow setzten Adolf Hitler und seine am Vortag angetraute Frau Eva Braun am 30. April 1945 um 15 Uhr 15 ihrem Leben ein Ende.

Goebbels verhandelt
Nach Hitlers Tod kam es unter verschiedenen Fraktionen zu Auseinandersetzungen um die Fortführung der Kämpfe. Abends, 30. April: General Krebs will verhandeln und dazu einen Waffenstillstand "erbitten". [Besprechung unter Leitung von Goebbels war erfolgt.] Der Propagandaminister "nahm das Heft an sich". (Axmann-Bericht).

Noch am 30. April, gegen 16 Uhr, erhielt General Weidling (nach eigener Darstellung) einen Hitler-Brief mit der Erlaubnis überbracht, "in kleinen Gruppen aus der Einkesselung auszubrechen". Die Erlaubnis wurde bald darauf von Mohnke widerrufen. Persönlich in der Reichskanzlei vorsprechend, erfuhr Weidling durch Krebs vom Tod Hitlers und von seinem Testament mit der Zusammensetzung einer neuen Reichsregierung. Es sollte ein Waffenstillstand erbeten werden, bis die "neue Regierung in Berlin zusammengetreten sei; […] um mit Russland in Verhandlungen über eine Kapitulation Deutschlands einzutreten". Kurz vor Mitternacht gelang es, durch einen Parlamentär mit Tschuikows Truppen Kontakt herzustellen.

1. Mai 1945

"Während die Russen teilweise den 1. Mai feiern, gehen die Kämpfe in der Innenstadt mit unverminderter Härte weiter".

Da der Anhalter Hochbunker als Verteidigungsanlage angesehen wird, steht er unter pausenlosem Direktbeschuss. Frühmorgens ab fünf Uhr werden die 10.000 Schutzsuchenden über unterirdische Gänge in die S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof evakuiert. Von dort aus sollen sie durch den Tunnel-Schacht bis zum Stettiner Bahnhof vor dem Nordausgang geführt werden. Das unterirdische Bahn-Netz ist mit Menschen überfüllt.

"In den Schächten und den Bahnhöfen der U-Bahn und der S-Bahn liegen Tausende verwundeter Soldaten und Zivilisten. Wie gross ihre Zahl wirklich war, wird nie jemand erfahren".

Erste Gespräche
Um 3.50 Uhr frühmorgens am 1. Mai trafen General Krebs, Oberst von Dufving, Chef des Stabes des LVI. Panzerkorps, und ein Dolmetscher mit einem Schreiben von Goebbels ein, das auf Rechtstitel aus Hitlers Testament bestand, die für Friedensverhandlungen notwendig seien. Tschuikow liess sich nach einigem Hin und Her mit Schukow verbinden, der seinerseits Stalin informierte. Stalin bestand auf der bedingungslosen Kapitulation und wünschte keine Verhandlungen. Falls dem nicht Folge geleistet würde, werde ab 10 Uhr 15 (am 1. Mai) Berlin wieder unter Artilleriefeuer genommen.

Kapitulationsverhandlungen
Um 13 Uhr am 1. Mai kehrte Krebs zurück. Axmann berichtete: Goebbels wies es zurück, seine "Unterschrift unter eine Kapitulationsurkunde zu setzen. […] Gegen 20.30 Uhr kam ich wieder in den Bunker der Reichskanzlei zurück. Auf dem Gang traf ich Mohnke. Er sagte: 'Dr. Goebbels und seine Frau sind tot'". Die Generale Krebs und Burgdorf und andere Militärs begingen Selbstmord.

Weitere Verhandlungen hatte Goebbels zudem mit dem Kommandeur der Truppen der 5. Stossarmee versucht, die vor der Reichskanzlei standen. Der Oberst der 301. Division wurde jedoch nicht ermächtigt, Verhandlungen zu führen. Da die Angelegenheit aber Stunden in Anspruch nahm, in denen in diesem Abschnitt Waffenruhe herrschte, kam es an diesem Tag nicht mehr zum eigentlich befohlenen Sturm auf die Reichskanzlei.

General Weidling berichtete über die Lage in der Stadt in der zweiten Hälfte des 1. Mai: "In den Händen der Russen waren: der Bahnhof Zoologischer Garten, die Weidendammbrücke, der Spittelmarkt, die Leipziger Strasse, der Potsdamer Platz, die Potsdamer Brücke und die Bendlerbrücke. Widerstand in Wilmersdorf zerschlagen, Lage im Westen der Stadt unbekannt".

Die von Stalin angedrohte erneute Offensive begann nun ab 18.30 Uhr mit heftigem Artillerie- und Raketenbeschuss. Das 29. Gardekorps der 2. Garde-Panzerarmee überschritt die Budapester Strasse und durchbrach die Zoomauer. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde erobert und der Turm mit Scharfschützen und Artilleriebeobachtern besetzt. Im östlichen Tiergarten wurde die Siegesallee erreicht. Die Einnahme des Potsdamer Bahnhofs und des Potsdamer Platzes wurde gemeldet. "Die 66. Garde-Panzerbrigade säuberte ihren Abschnitt nördlich des Landwehrkanals und nahm den Stützpunkt am S-Bahnhof Tiergarten". Der Stützpunkt in der Technischen Hochschule wurde erstürmt. Von Süden her überschritt die 3. Garde-Panzerarmee (Konews) den Kurfürstendamm "und um 8.30 Uhr am folgenden Morgen [2. Mai] trafen die beiden Panzerarmeen in der Nähe des Savignyplatzes zusammen".

Um 20 Uhr am 1. Mai, zurück von einer weiteren Vorsprache in der Reichskanzlei und in Kenntnis der gescheiterten Verhandlungsversuche, liess Weidling die Soldaten seines Gefechtsstandes zu sich rufen: "Alle waren sie mit mir darin einig: es gab nur einen möglichen Ausweg, und zwar die Kapitulation […] Um Mitternacht [vom 1. auf den 2. Mai] überschritt Oberst von Dufving als Parlamentär abermals unsere Kampflinie".

"Am 2. Mai, kurz vor 1 Uhr morgens, fing die 79. russische Gardeschützendivision einen Funkspruch auf. Er lautete: ‚Hier LVI. Panzerkorps. Wir bitten, das Feuer einzustellen. Um 12 Uhr 50 Berliner Zeit entsenden wir Parlamentäre auf Potsdamer Brücke.‘ […] Die Russen antworteten: Verstanden. Verstanden. Übermitteln ihre Bitte an Chef des Stabes. Als General Tschuikow die Botschaft erhielt, ordnete er sofort die Einstellung des Feuers an".

Kapitulation 2. Mai 1945
Der nunmehr von General Weidling zur Erklärung der Kapitulation beauftragte Oberst von Dufving traf zu seinem Erstaunen bei Tschuikow auf eine zivile Delegation unter Führung von Hans Fritzsche, Ministerialdirigent im Propagandaministerium, der anbot, im Rundfunk die Kapitulation Berlins zu verkünden. Während dies noch verhandelt wurde, traf General Weidling persönlich bei Tschuikow in dessen Hauptquartier im Schulenburgring 2 in Tempelhof ein.

Damit stand den sowjetischen Truppen ein militärischer Befehlshaber gegenüber, der auch faktisch in der Lage war, die Kampfhandlungen auf deutscher Seite einzustellen. Seinen Worten zufolge hatte er den Befehl dazu bereits um 6 Uhr morgens den ihm direkt unterstellten Truppen (dem LVI. Panzerkorps und angeschlossenen Einheiten) erteilt, auf Grund fehlender Verbindungen konnte er die allgemeine Einstellung der Kämpfe jedoch nicht garantieren.

Am 2. Mai, um 7 Uhr 50, begann Weidling mit der Abfassung des Kapitulationsbefehls. Es wurden Lautsprecherwagen mit je einem sowjetischen Offizier und einem Deutschen in die Stadt geschickt. Zur Vervielfältigung sprach Weidling den Kapitulationsbefehl auf Band.

Die Verteidiger in den Kellern des Reichstages widerstanden bis zur Erreichung des Kapitulationsbefehls am 2. Mai, 13 Uhr: "Dann erst legten die 1500 Überlebenden die Waffen nieder".

"Die Beendigung der Feindseligkeiten war auf den 2. Mai 1945, 13 Uhr, festgelegt worden, aber es war wohl eher 17 Uhr, als alle Kampfhandlungen in der Stadt eingestellt waren. […] Die Russen behaupten, an diesem Tag in Berlin 134 000 Gefangene gemacht zu haben, aber sie trieben auch alle arbeitsfähigen Männer und selbst Frauen und Jugendliche zusammen, um sie in die Arbeitslager der Sowjetunion zu bringen". In seinem "Sonder-Tagesbefehl" vom 2. Mai nennt Stalin "bis 21 Uhr […] mehr als 70 000 deutsche Soldaten und Offiziere" als Gefangene.

Über den Ruinen der Stadt war bereits am 2. Mai um 6:55 Uhr Moskauer Zeit auf dem Brandenburger Tor neben der sowjetischen auch die weiss-rote Flagge Polens gehisst worden.

Letzte Kämpfe
Überliefert ist das Andauern von Kampfhandlungen im Umfeld des Flakturms im Volkspark Humboldthain. Die Übergabe erfolgte dort am 3. Mai um 12 Uhr.

Umfeld Berlin
In der Nacht des 30. April auf den 1. Mai gelang es den Resten von Theodor Busses 9. Armee, sich in andauerndem Kampf zu den Linien der 12. Armee Wencks durchzuschlagen.

Busse schätzte, dass 40 000 Mann und mehrere tausende Flüchtlinge die Elbe erreichten. Dazu kamen die Soldaten der ‚Heeresabteilung Spree‘ des Generals Reymann aus dem Raum Potsdam. Der Befehlshaber der 9. US-Armee an der Elbe war jedoch nur bereit, die Soldaten, nicht aber die Flüchtlinge aufzunehmen. Die sowjetischen Luftangriffe auf die deutschen Truppen zwangen jedoch die Amerikaner von der Elbe zurück, so, "dass die Deutschen, die am 4. Mai beginnende Überquerung unbeobachtet von den Amerikanern durchführen konnten. Das XX. Armeekorps schirmte die Operation ab, die erst um Mitternacht des 7. Mai abgeschlossen war. Wenck schätzte, dass [bis dahin insgesamt] ungefähr hunderttausend Soldaten und dreihunderttausend Flüchtlinge erfolgreich evakuiert worden sind".

Am 2. Mai war die 2. Weissrussische Front bis zur Linie Wittenberge – Parchim – Bad Doberan vorgedrungen. Die britische 21. Armeegruppe hatte Lübeck und Wismar besetzt, die 9. US-Armee Ludwigslust und Schwerin und dabei die Reste der 3. Panzerarmee und der 21. Armee eingeschlossen. Nachts konnte General Hasso von Manteuffel vor US-Truppen und General Kurt von Tippelskirch vor britischen Truppen kapitulieren.

Ausbruchsversuche
In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai bereiteten sich mehrere Einheiten auf Ausbruchsversuche vor. Eine Gruppe von 300 Soldaten, die auf ihrem Weg auch "auf eine österreichische Panzereinheit mit fünfzehn ‚Tiger‘-Panzern stiess", gelangte mit zahlreichen zivilen Flüchtlingen über die Heerstrasse bis nach Döberitz. Dort mussten sie sich ergeben.

Einer grossen Gruppe unter Führung von Generalmajor Sydow gelang mit den Resten der Panzer-Division Müncheberg und der 18. Panzergrenadierdivision vom Zoo über die Kantstrasse und nach heftigen Kämpfen um die Charlottenbrücke am Olympiastadion vorbei – zum Teil durch die U-Bahn-Tunnel – über Ruhleben nach Spandau der Ausbruch. Eine sehr grosse Zahl von Flüchtlingen hatte sich hier angeschlossen. Ein Teil erreichte in den nächsten Tagen die Elbe.

General Bärenfänger zog über den Humboldthain mit einem Teil seiner Einheiten vom Alexanderplatz durch eine Frontlücke nach Norden. Die Panzer wurden am frühen Morgen des 2. Mai etwa 15 Kilometer nordwestlich Berlins abgefangen. Einigen Mannschaften gelang die Flucht.

Der Ausbruchsversuch aus der Reichskanzlei in verschiedenen Gruppen endete in einem Panzergefecht auf der Weidendammer Brücke (Gustav Krukenberg) und am Lehrter Bahnhof (Martin Bormann); andere ergaben sich (z. B. Wilhelm Mohnke). Einzelnen wie Artur Axmann gelang die Flucht.

Die lettische SS-Einheit im Luftfahrtministerium war "bei den Ausbruchsplänen übersehen worden". Einige der Männer konnten sich später noch durchschlagen; französische SS-Angehörige entschieden sich für die Übergabe.

Schukow – Konew
Nachdem Stalin die Eroberung der Reichshauptstadt Schukow zugesprochen hatte, gab er kurz nach dem Angriffsbeginn von der Oderlinie auch dem zu Beginn erfolgreicheren Konew diese Chance. Schukow wurde erst später davon unterrichtet.

Nachdem beide Marschälle direkt nach Berlin marschiert waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis Schukow die Lage durchschauen würde. Sein Armeeführer im Südosten Berlins, Tschuikow, bemerkte Konews rasch in den Süden der Stadt vorstrebende Panzerkeile beim Kampf um den Flughafen Schönefeld:

"Die Verbände des linken Flügels des XXVIII. Gardeschützenkorps sind heute um 6 Uhr im Raum des Flughafens Schönefeld mit Einheiten der 3. Gardepanzerarmee des Generalobersten Rybalko zusammengetroffen".

Umgehend setzte Schukow die 5. Stossarmee Bersarins auf Treptow und Kreuzberg an, um seinem Konkurrenten den Weg von Süden ins Zentrum zu verlegen. Da die SS-Division Nordland hartnäckig den Görlitzer Bahnhof bis hin zum Rathaus Neukölln verteidigte und Schukows Armee aufhielt, konnte Konew seinen Schwerpunkt zum Flughafen Tempelhof verschieben und plante, von dort auf den Anhalter Bahnhof zuzugehen. Doch stand er noch vor dem Teltowkanal, der zum äusseren Verteidigungsring Berlins gehörte und diese Linie bremste seinen Vormarsch. Tschuikow konnte den Flughafen Tempelhof erobern und am 27. April auch die Linie vor dem Landwehrkanal bis zur Potsdamer Brücke besetzen.

Im weiteren Verlauf musste sich die Konews 3. Garde-Panzerarmee (Rybalko) ihren Weg von Südwesten zur Stadtmitte bahnen und nach einem letzten Versuch, zum Potsdamer Platz vorzudringen, traf Rybalko auf die von Norden und Süden vorstossenden Truppen Schukows weit abgedrängt westlich des Zoo beim Savignyplatz.

Das gleichzeitige Vorgehen der beiden Marschälle hatte jedoch den Fall Berlins beschleunigt. Konew musste schon vor der Kapitulation seine Truppen umgruppieren und seine eigentliche Aufgabe, die Eroberung von Dresden und später von Prag in Angriff nehmen:

"Am (2. Mai) begann Marschall Konjew, seine Truppen aus dem Berliner Raum abzuziehen, als Vorbereitung für eine weitere grosse Operation zusammen mit der 2. und 4. Ukrainischen Front gegen die Heeresgruppe Mitte in der Tschechoslowakei, die am 6. Mai beginnen sollte".

Folgen
Die Schlacht um Berlin steht sinnbildlich für die Brutalität des gesamten Krieges. Obwohl der Krieg für Deutschland schon lange verloren war, hatte Hitler noch am Ende befohlen, Widerstand bis zum letzten Mann zu leisten. Mit dem Volkssturm wurden tausende Jugendliche und alte Männer in den letzten Wochen des Krieges geopfert. Deserteure oder Zivilisten, die sich kritisch äusserten, wurden auch noch in den letzten Tagen des Krieges von der SS und der Feldgendarmerie erschossen. Auch Stalin opferte Tausende sowjetische Soldaten, indem er die Eroberung Berlins so bald wie möglich forderte, um den Amerikanern zuvorzukommen und so auch einen propagandistischen Sieg für die Sowjetunion zu verzeichnen. So verlor die Rote Armee allein in den Anfangstagen der Offensive ca. 80.000 Mann und viele beim Häuserkampf in Berlin. Im Überblick betrachtet, existieren jedoch über die Verluste beider Seiten, sowohl unter den Soldaten als auch unter den Zivilisten, keine genauen Zahlen. In unterschiedlichen Quellen variieren die geschätzten Angaben über die Anzahl der in unmittelbarer Folge der Schlacht um Berlin ums Leben gekommenen Menschen erheblich; nach neuesten seriösen Forschungen verlor die Wehrmacht insgesamt über 100.000 Mann an Gefallenen in und um Berlin (einschliesslich der Schlacht um die Seelower Höhen und im Kessel von Halbe).

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06_154/Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet am 8./9. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst die ratifizierende Urkunde der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht

Noch Jahrzehnte nach der Schlacht wurden oft durch Zufall bei Bauarbeiten noch verschollene Tote gefunden, die teilweise in Massengräbern verscharrt worden waren. Die in diesem Artikel angegebenen Zahlen spiegeln lediglich einen Mittelwert der Schätzungen wider.

Die militärische Moral der noch andernorts verbliebenen deutschen Truppen sank weiter. Zudem konnte das Deutsche Reich in den letzten Kriegstagen nicht mehr von Berlin aus regiert und verwaltet werden. Hitlers Nachfolger Grossadmiral Dönitz trat am 2. Mai 1945 sein Amt, das als Regierung Dönitz im Grunde nur noch die Verwaltung des NS-Staates bis zur Kapitulation beinhaltete, im "Sonderbereich Mürwik" in Flensburg-Mürwik an. Mit der durch Dönitz autorisierten Unterschrift am 7. Mai 1945 im Hauptquartier der alliierten Expeditionsstreitkräfte in Reims unter die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht war mit deren Inkrafttreten am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr der Zweite Weltkrieg in Europa beendet.

Aus Angst vor der Roten Armee und aus Verzweiflung vor allem bei überzeugten Nationalsozialisten kam es in den letzten Tagen zu vielen Selbstmorden, so verzeichnete allein der Bezirk Pankow 215 Selbsttötungen.

Die Führung der Roten Armee befürchtete, dass es in der Euphorie des Sieges, gefördert durch Alkohol, zu Gewalttaten an der deutschen Zivilbevölkerung kommen würde. Deshalb gab Marschall Rokossowski einen Tagesbefehl heraus, nach dem Plünderern und Vergewaltigern das Kriegsgericht oder die unverzügliche Erschiessung drohte. Obwohl sich auch andere Offiziere der Roten Armee darum bemühten, Racheakte der Soldaten zu verhindern, entlud sich nach der Einnahme von Berlin der Schmerz über die zahlreichen sowjetischen Verluste und die Opfer des ideologisch motivierten Vernichtungskriegs seitens des Deutschen Reiches in Rachsucht durch zahlreiche Plünderungen und Vergewaltigungen. Neben den Rachegefühlen gegenüber Deutschland spielten aber auch die allgemeine Abstumpfung und die Verrohung der Soldaten durch die Brutalität des Krieges sowie die oft rücksichtslose Behandlung der Sowjetsoldaten durch die eigene Führung eine Rolle. Hierzu schreibt Karl Bahm, der an der Universität von Wisconsin Geschichte lehrt: "Natürlich führten sich nicht alle so auf, aber eine nicht zu kleine Minderheit tat es". Im teilweise umstrittenen, dennoch vieldiskutierten Dokumentarfilm BeFreier und Befreite der Feministinnen Helke Sander und Barbara Johr und deren gleichnamigen Buch aus den 1990er Jahren, wird von mindestens 100.000 (teils mehrfach) vergewaltigten Berliner Frauen ausgegangen, wobei es dabei allerdings eine hohe Dunkelziffer gebe. Cornelius Ryan behauptet in seinem Buch Der letzte Kampf, dass nach Schätzungen von Ärzten, mit denen er sprach, zwischen 20.000 und 100.000 Frauen vergewaltigt worden seien.

Kampf um Merkendorf (18.04.1945 – 20.04.1945)    
(aus Wikipedia)

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06_155/Kartenausschnitt mit Merkendorf

Der Kampf um Merkendorf war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Verbänden der US Army und der Waffen-SS gegen Ende des Zweiten Weltkrieges um die Stadt Merkendorf in Mittelfranken. Bei den dreitägigen Kämpfen vom 18. bis 20. April 1945, die mit der Einnahme Merkendorfs durch die Amerikaner endeten, starben 96 Menschen. Viele, teils historische Gebäude wurden zerstört.

Vorgeschichte
Ab dem 26. März 1945 begann die 7. US Armee, den Rhein bei Worms zu überqueren. Zu den Verbänden gehörte die 101. Cavalry Group (mechanized) der Nationalgarde unter dem Kommando von Colonel Charles B. McClelland. Sie war mit Spähpanzern und einigen Jagdpanzern ausgerüstet und übernahm Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben an den Flanken der 7. Armee. Hierbei geriet sie in kleinere Hinterhalte deutscher Truppen, die versuchten, das Vordringen der Alliierten zu verzögern. "Troop A" der 101. wurde am 18. April 1945 in Wolframs-Eschenbach in Kämpfe verwickelt, während "Troop C" diesen Ort umging und auf Merkendorf vorrückte.

Geschwächte Truppenverbände der deutschen Wehrmacht wichen vor den heranrückenden amerikanischen Panzerverbänden immer weiter nach Süden zurück, auch über die Reichsstrasse 13, an der Merkendorf lag. Die Heeresgruppe B entschied, Merkendorf zu verteidigen. Der Ort wurde zur "Festung" erklärt. Mit der Aufgabe wurde, die der Heeresgruppe B unterstellte SS-Kampfgruppe "Bataillon Deggingen" unter dem Befehl von SS-Sturmbannführer Willy Baumgärtel beauftragt und vom württembergischen Deggingen aus in die Region beordert. Merkendorf war die einzige Gemeinde im weiteren Umkreis, die verteidigt werden sollte.

Am 14. April protestierten einige Merkendorfer Frauen erfolglos gegen die Verteidigung der Stadt. Am 16. April wurden in Merkendorf Verteidigungsanlagen errichtet, darunter eine Panzersperre. Am Nachmittag des 17. April besichtigte Kreisleiter Gerstner die Verteidigungsanlagen. 150 Frauen und Kinder protestierten erneut gegen die geplante Verteidigung, jedoch ebenfalls ohne Erfolg. Amerikanische Truppenverbände überschritten die Reichsstrasse 14 bei Ansbach. Im Merkendorfer Rathaus hielten deutsche Offiziere eine Lagebesprechung ab. Zerschlagene Heeresteile der 2. Gebirgs-Division zogen sich auf der Reichsstrasse 13 von Ansbach kommend und auf der Staatsstrasse Wolframs-Eschenbach–Windsbach zurück. Sprengkommandos zerstörten auf ihrem Rückzug in Richtung Gunzenhausen alle grösseren Brücken, wie die in Ornbau.

Verlauf
Am Mittag des 18. April 1945 erschienen amerikanische Beobachtungsflugzeuge über Merkendorf. Amerikanische Truppen drangen in Richtung Wolframs-Eschenbach–Merkendorf vor. Der Volkssturm, der weitere Verteidigungsanlagen um die Stadt errichten sollte, wurde aus dem nahen Mönchswald zurückbeordert. In den nächsten Stunden suchte die Stadtbevölkerung Schutz in Kellern und behelfsmässig errichteten Unterständen in Gärten. Die deutschen Truppen bezogen Positionen in und um den Ort. Anrückende amerikanische Panzer auf der Anhöhe bei Gerbersdorf wurden mit Maschinengewehren beschossen. Diese erwiderten das Feuer. Die Stadtkirche "Unserer Lieben Frau" und weitere Gebäude gerieten in Brand.

Die Kampffront verlief im Nordosten zur Altstadt. US-Panzer beschossen die Stadt. Um den weiteren Beschuss zu verhindern ging ein Bewohner mit einem weissen Tuch den Gegnern entgegen und erreichte die Einstellung des Feuers. Die Amerikaner besetzten Merkendorf mit 40 bis 50 Panzern und Panzerspähwagen. Es brannte an 28 Stellen in der Stadt.

Das Kampfbataillon "Deggingen" zog sich etwa 2,5 Kilometer von Merkendorf entfernt in die Wälder zurück. Der Kommandant der SS-Truppen verfügte, dass zwei Kampfgruppen in der Nacht vom 18. auf den 19. April in der Nacht in Merkendorf einzudringen hätten, um die Panzer der Amerikaner zu zerstören.

Gegen 3 Uhr am 19. April arbeitete sich eine Kampfgruppe an das Untere Tor und das Taschentor heran und zerstörte in einem verlustreichen Strassenkampf sechs amerikanische Panzer und einen Panzerspähwagen. Ein weiterer Verband rückte von Süden und Südosten in die Vorstadt ein. Bei heftigem Kampf wurden mehrere Panzer zerstört. Unterdessen drang die 1. Kompanie des SS-Verbands bis zum Marktplatz vor. Beim Unteren Tor kam es erneut zu schweren Gefechten. Aufgrund der letztlichen militärischen Überlegenheit der Amerikaner zogen sich die SS-Kampftruppen wieder in den Mönchswald zurück. Der amerikanische Besatzungskommandant erliess für die Stadtbevölkerung für den Abend eine Ausgangssperre. Auch die amerikanischen Verbände zogen sich aus der Stadt zurück. Die Nacht vom 19. auf den 20. April blieb ruhig.

Am Morgen des 20. April kamen erneut deutsche Soldaten in die Stadt und versuchten, die Amerikaner aufzuhalten. Viele Bewohner flohen in Panik in die umliegenden Dörfer. Als die Amerikaner am Morgen des 21. April anrückten, war kein deutscher Soldat mehr in der Stadt. Sie liessen die Barrikade im Oberen Tor wegräumen und besetzten Merkendorf endgültig.

Folgen
Nach dem Zusammenbruch der Front bei Merkendorf wurde die Kampfgruppe "Deggingen" an die Bahnlinie Gunzenhausen–Cronheim–Wassertrüdingen beordert, um dort in Stellung zu gehen.

Insgesamt wurden bei den Kämpfen um Merkendorf 96 Menschen getötet, davon waren 12 Zivilisten, 70 amerikanische Soldaten und 14 Soldaten der Waffen-SS. Die getöteten Zivilisten und Soldaten wurden auf dem Merkendorfer Friedhof beigesetzt. Eine geplante Umbettung der Soldaten auf den Soldatenfriedhof Nagelberg bei Treuchtlingen unterblieb auf Wunsch der Stadt Merkendorf.

Sowohl in der Altstadt als auch in der Vorstadt wurden zahlreiche Gebäude während der Kampfhandlungen komplett zerstört oder schwer beschädigt. Insgesamt brannten 39 Gebäude ab, vier wurden schwer und 23 leicht beschädigt.

Zahl der Toten
Die Anzahl und Zusammensetzung der Getöteten ist umstritten. Die Dokumentation der 101st Cavalry gibt auf Seite 37 80 Tote SS-Soldaten bei nur zwei getöteten US-Soldaten an, während Stephen G. Fritz auf Seite 178 in "Endkampf: Soldiers, Civilians, And The Death Of The Third Reich" auf deutsche Berichte verweist, die elf Tote, 24 Verwundete und 29 Vermisste unter den angreifenden Waffen-SS Soldaten angeben, die Amerikaner verloren nach Fritz zwei Tote und vier Vermisste. Koch nennt in Krieg und Frieden – Merkendorf 1944–1949 insgesamt 96 Tote.

Stettin-Rostocker Operation (20.04.1945 – 05.05.1945)    
(aus Wikipedia)

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06_156/Kartenausschnitt Stettin - Stralsund

Die Stettin-Rostocker Operation vom 20. April bis 5. Mai 1945 war im Zweiten Weltkrieg eine der letzten Operationen der sowjetischen Truppen im Raum Mecklenburg und Vorpommern sowie Teil der Berliner Operation. Im Verlauf dieser Kämpfe wurde die deutsche 3. Panzerarmee an der nördlichen Oderfront durch mehrere sowjetische Armeen der 2. Weissrussischen Front geschlagen und verfolgt. Beim Abschluss der Kämpfe wurde der sowjetische Vormarsch in Vorpommern an der Linie Stralsund – Rostock, in Mecklenburg vor Schwerin und im nördlichen Brandenburg an der Linie Wittstock – Wittenberge an der Demarkationslinie gestoppt und die Verbindung mit den verbündeten Truppen der alliierten 21. Armeegruppe hergestellt.

Vorgeschichte

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06_157/Der Rückzug der Heeresgruppe Weichsel zur Elbe

Nach der Schlacht um Ostpommern wurden die Truppen der 2. Weissrussischen Front unter Marschall K. K. Rokossowski nach Westen an die nördliche Oder-Front verschoben, um die Truppen der 1. Weissrussischen Front bei der Berliner Operation zu unterstützen. Rokossowskis Front verlief auf etwa 170 Kilometer von der Mündung der Oder, weiter entlang des östlichen Ufers bis südlich nach Schwedt und Oderberg, wo der Anschluss an die 61. Armee der 1. Weissrussischen Front erfolgte. Die Hauptmacht der Front (65., 70. und 49. Armee) wurde zwischen Altdamm und Schwedt konzentriert.

Am 10. April führte Marschall Rokossowski die Erkundung des künftigen Angriffsraumes durch. Es stellte sich heraus, dass die Flussaue zwischen den beiden Armen der Oder überflutet war, es hatte sich ein durchgehender Wasserraum von bis 3 km Breite gebildet, der wegen des flachen Wassers durch Boote schwer passierbar war. Um die überflutete Oder-Aue besser zu überwinden, sollten die Überreste der baufälligen Staudämme genutzt werden. In Folge wurde beschlossen, den Fluss auf der ganzen Strecke gleichzeitig zu überschreiten, und an der Stelle wo sich der Erfolg zeigte, sofort alle Reserven zum Nachstossen nachzuführen. Am 13. April begannen sich die Truppen der 2. Weissrussischen Front auf die Offensive vorzubereiten, die 65. Armee besetzte die Ausgangsposition am Brückenkopf von Altdamm bei Ferdinandstein. Südlich davon kamen ab 16. April die Truppen der 70. Armee an der Oder an. Zwischen Kranzfelde bis Nipperwiese etablierte sich die sowjetische 49. Armee, einen Tag früher rückte als südlicher Nachbar die 61. Armee der 1. Weissrussischen Front in ihre Ausgangsstellungen. Die Truppen der 2. Stossarmee lösten ab 15. April früh, die nördlich der 65. Armee zwischen Kammin und Greifenberg stehenden Teile der polnischen 1. Armee ab. Am selben Tag bezog ein Teil der 19. Armee (W. S. Romanowski) die Ostsee-Küste und löste das 3. Garde-Kavallerie-Korps ab, das einen Übergang nach Schwedt führen sollte.

Aufmarsch
Im Rahmen der Heeresgruppe Weichsel stand die 3. Panzerarmee der sowjetischen Übermacht mit etwa 11 Divisionen und etwa 220 Panzer gegenüber: Von Nord nach Süd standen folgende Formationen unter General der Panzertruppe Hasso von Manteuffel und dessen Stabschef Generalmajor Burkhart Müller-Hillebrand an der Oderfront:

  • Verteidigungsbereich Swinemünde (Generalleutnant John Ansat) mit der Ausbildungs-Division 402 (Generalleutnant von Schleinitz) am Peeve-Abschnitt als Reserve bei Mellenthin, Festung Swinemünde und die 3. Marine-Division (Oberst Henning von Witzleben, später Oberst Fritz Fullriede) zunächst am Ostufer der Halbinsel Wollin. Als Seekommandant Swinemünde fungierte der Kapitän zur See Johannes Rieve.
  • Armeekorps (General der Infanterie Friedrich-August Schack) hielt mit der Kampfgruppe Ledebur die Küste am Haff von Neuwarp abwärts, die 549. Volksgrenadier-Division (Generalmajor Karl Jank) südlich davon zwischen Ziegenort bis Pölitz im Raum nördlich von Stettin. Als Reserve fungierte dahinter die Infanterie-Division "Voigt" (Oberst Hans-Jürgen von Ledebur) und die 281. Infanterie-Division (Generalleutnant Bruno Ortner) beidseitig der Festung Stettin, deren Garnison unter Generalmajor Ferdinand Brühl stand. Erste Teile der 7. Panzerdivision (Oberst Hans Christern) wurden bereits über See aus Danzig herangeführt.
  • Das Korps Oder (SS-Obergruppenführer und General der Polizei und Waffen-SS Erich von dem Bach-Zelewski) im Hauptangriffsfeld liegend mit der 610. Infanterie-Division (Oberst Fritz Fullriede) südlich von Stettin bei Kurow beiderseits der Autobahn, mit der Division "Wellmann" folgend nördlich von Pargow bis südlich Gartz, als Reserve bei Hohenleihe fungierte die Infanterie-Brigade "Klossek".
  • Panzerkorps (General der Infanterie Martin Gareis) mit der 547. Volksgrenadier-Division (Generalmajor Erich Fronhöfer) beiderseits von Schwedt und südlich davon mit der 1. Marine-Division (Generalmajor Wilhelm Bleckwenn) bis Hohensaaten, wo an der Naht zur 9. Armee die 5. Jäger-Division des CI. Armeekorps (General der Artillerie Wilhelm Berlin) anschloss.
  • Als Reserve war im Raum Passow und Löcknitz das III. SS-Panzerkorps (SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Felix Steiner) mit den Resten der 27. SS-Division "Langemark" (SS-Standartenführer Thomas Müller) und der 28. SS-Division "Wallonien" (SS-Standartenführer Leon Degrelle) verfügbar.
  • Panzer-Grenadier-Division (Generalmajor Josef Rauch) im Raum Joachimsthal
  • Waffen-Grenadier-Division der SS (lettische Nr. 1) (SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Karl Burk)

In der Nacht zum 16. April haben einzelne sowjetische Einheiten die Dämme in der Oderaue besetzt. Der erkannte Aufmarsch der sowjetischen Truppen wurde durch die Artillerie der Festung Stettin behindert. In den folgenden Tagen wurde die Masse der Angriffstruppen nach vorne verlegt. Bis zum 17. April war der Aufmarsch der gepanzerten Reserve, bestehend aus dem 1., 3. und 8. Garde-Panzer- und dem 8. Mechanisierten Korps abgeschlossen. Die ganze Nacht vom 19. auf den 20. April hindurch, bombardierte die sowjetische Luftwaffe die deutschen Verteidigungsanlagen. Um den Feind in die Irre zu führen, wurden Vorbereitungen getroffen, um den Fluss auch nördlich von Stettin mit Truppen der 2. Stossarmee zu überschreiten.

Der Angriff über die Oder am 20. April
Die 2. Weissrussische Front zählte 33 Schützendivisionen, drei Artilleriedivisionen und mehrere Artillerie- und Raketenwerferbrigaden. Rokossowskis Front besass 951 Panzer und Selbstfahrgeschütze sowie 8320 Artilleriegeschütze (davon 2770 Minenwerfer). Am Morgen des 20. April begann der Angriff der 49., 70. und 65. Armee zwischen Schwedt und Stettin über die Oder, als Reserve wurde die 2. Stossarmee bereitgestellt. Zu Beginn der Operation wurde die 4. Luftarmee unter General K. A. Werschinin eingesetzt. Die Trennlinie mit der 1. Weissrussischen Front war beim Vormarsch nach Westen an der Linie Arnswalde, Schwedt, Angermünde, Gransee, Wittenberge festgesetzt.

2. Weissrussische Front

  • Armee (Generalleutnant Wladimir Sacharowitsch Romanowski)
  • Garde-Schützenkorps – Generalleutnant Semjon Petrowitsch Mikulski
  • Schützenkorps – Generalmajor Andrei G. Frolenkow
  • Stossarmee (Generalleutnant Iwan Iwanowitsch Fedjuninski)
  • Schützenkorps – Generalleutnant Vitali Polenow
  • Schützenkorps – Generalleutnant Georgi Iwanowitsch Anisimow
  • Schützenkorps – Generalmajor Fjodor Kusmitsch Fetisow
  • Armee (Generaloberst Pawel Batow)
  • Garde-Schützendivision
  • Schützenkorps – Generalleutnant Dmitri Alexejew
  • Schützenkorps – Generalleutnant Konstantin Maximowitsch Jerastow
  • Schützenkorps – Generalleutnant Nikita Jemeljanowitsch Tschuwakow
  • ab 22. April 1. Garde-Panzerkorps, Generalmajor Michail Fedorowitsch Panow mit 15., 16. und 17. Garde-Panzerbrigade sowie 30. Panzerbrigade
  • Armee (Generaloberst Wassili Stepanowitsch Popow)
  • Schützenkorps – Generalleutnant Jakub Jangirowitsch Tschanyshew
  • Schützenkorps – Generalleutnant Michail Iwanowitsch Dratwin
  • Schützenkorps – Generalleutnant Dmitri Iwanowitsch Rjabyshew
  • Garde-Panzer Korps, Generalleutnant Alexei Pawlowitsch Panfilow mit 3., 18. und 19. Panzerbrigade sowie 2. Garde-Schützen-Brigade
  • Garde-Kavalleriekorps, Generalleutnant Nikolai Sergejewitsch Oslikowski mit 5. und 6. Garde- sowie 32. Kavallerie-Division
  • Armee (Generalleutnant Iwan Tichonowitsch Grischin)
  • Schützenkorps – Generalleutnant Wassili Terentjew
  • Schützenkorps – Generalleutnant Dmitri Iwanowitsch Smirnow
  • Garde-mechanisches Korps, Generalmajor Alexander Firsowitsch mit 58., 59. und 60. Garde-mechanisierte Brigade sowie 116. Panzerbrigade

Die 65. Armee, war die erste, die einen Brückenkopf am Westufer des Flusses bilden konnte, wo mit Fähren sofort weitere Truppen nachgeführt wurden. Von 9 Uhr morgens an verbesserte sich das Wetter, die sowjetische Luftwaffe konnte Unterstützung leisten. Bis 13.00 Uhr hatten die Pioniere der 65. Armee im Raum Pritzlow zwei 16 Tonnen schwere Brücken fertiggestellt. Am ersten Tag der Schlacht errichteten Batows Truppen einen Brückenkopf von über 6 Kilometern Breite und 1,5 Kilometer Tiefe. Dorthin wurden zunächst vier Schützendivisionen des 46. und 18. Schützenkorps unter Generalleutnant K. M. Jerastow und N. J. Tschuwakow übergesetzt. Nach dem Durchbruch der Verteidigung des Feindes wurde jede Armee durch ein Panzer-Korps verstärkt. Das 3. Garde-Kavallerie-Korps verblieb vorerst hinter der linken Flanke der 49. Armee in Reserve. Die Truppen der 70. Armee, die im Raum Greifenhagen konzentriert waren, gelang es im Raum Gartz ebenfalls am westlichen Ufer Fuss zu fassen, südlich davon hatte auch die 49. Armee erste Erfolge. Ihre Pioniere konnten über den Kanälen im leeren Kampfraum Übergänge errichten, nachdem dieser Raum von der deutschen Verteidigung verlassen worden war. Nach Einschätzung der neuen Situation entschied Rokossowski eine der Übergangsbrücken zur Übersetzung der 2. Stossarmee einzusetzen, die Festung Stettin sollte aus dem Süden umgangen werden.

General Manteuffel warf alle deutschen Reserven in den Durchbruchsraum der 65. Armee. Mit Unterstützung der Artillerie der Festung Stettin (Generalmajor Ferdinand Brühl) wurden die Truppen der sowjetische 65. Armee auch an der nördlichen Flanke bedroht. Dem separat im Norden Berlins an der Frontlinie Spandau – Oranienburg – Finow-Kanal mit Front nach Süden eingesetzten III. SS-Panzerkorps wurde zur Verstärkung die 4. SS-Polizeidivision (General Walter Harzer) zugeteilt, um die sowjetische Umfassung Berlins aus dem Westen aufzuhalten. Gleichzeitig hatte sich das an der Oder geschlagene CI. Armeekorps (Generalleutnant Sixt) auf den Brückenkopf von Eberswalde zurückgezogen.

Am folgenden Tag rangen die Truppen Rokossowskis um den Ausbau der errichteten Brückenköpfe. Die sowjetische 49. Armee schaffte es, bei Fiddichow Gelände am Westufer der Oder zu sichern, der Ausbruch über Hohenleide zum Randow-Bruch konnte aber noch nicht erreicht werden. Es wurde beschlossen, hier möglichst viele deutsche Truppen zu binden, den nächsten Hauptschlag rechts davon, aus dem Brückenkopf der 65. Armee zu führen. Am 22. April gelang es der sowjetischen 70. Armee im Raum Gartz ein begrenzter Durchbruch in Richtung auf Petershagen, wo schwache Gegenstösse der 27. SS-Grenadier-Division abgeschlagen wurden. Am 23. April war es möglich, über die Kanäle eine Brücke mit einer Nutzlast von 60 Tonnen zu errichten, die sofort durch deutsches Artilleriefeuer eingedeckt wurde. Obwohl einige Pontons beschädigt wurden, wurde die Brücke repariert und die deutschen Batterien zerstört. Sowjetische Panzer begannen danach sofort die Oder zu überqueren. Die letzten 300 bis 400 Verteidiger von Schwedt hatten sich bereits am 24. April auf Fahrrädern in Richtung auf Parchim abgesetzt.

Am südlichen Abschnitt der 3. Panzerarmee war bereits die sowjetische 2. Garde-Panzerarmee (General Bogdanow) zur Havel vorgestossen, die durch den Spandauer Forst auf Dolgow vorgehenden Kräfte konnte die Strasse nach Havelberg abschneiden. Auf breiter Front erreichten das über Hennigsdorf durchgebrochene 9. Garde-Panzerkorps und das 8. Kavalleriekorps die Linie Ferch-Drewitz-Güterfelde. Die bereits dezimierte 25. Panzer-Grenadier-Division des CI. Armeekorps gab den Brückenkopf am Finow-Kanal bei Eberswalde auf und wurde dem III. SS-Panzerkorps zugeführt. Sie übernahm die Sicherung am Hohenzollernkanal und sollte bei Germersheim einen Entlastungsangriff nach Süden auf Spandau führen, um die jetzt im Raum Ketzin erreichte Verbindung der sowjetischen Fronten wieder aufzureisen.

Bis zum 25. April hatten im Norden Einheiten der 65. und 70. Armee den westlichen Brückenkopf an der Oder auf etwa 8 km Tiefe erweitert. Das 1. Garde-Panzerkorps (General Panow) vollendete den Durchbruch an der deutschen Verteidigungszone. An diesem Tag war der Vormarsch der südlicher stehenden 70. Armee bedeutungsvoller. Unter Ausnutzung der Tatsache, dass der Feind seine Reserven gegen die 65. Armee warf, konnten jetzt auch die Schützendivisionen der 70. Armee vorgehen und am Ende des Tages mehr als 15 km tief vordringen. Der Vormarsch wurde vorübergehend durch den Randow-Bruch aufgehalten, wo sich die zweite Verteidigungslinie der Deutschen befand. Die 49. Armee an der linken Flanke überwand die Oder, indem sie die Übergänge der Nachbararmee nutzte und am Abend 5–6 km vorrückte. Auf deutscher Seite wurden die Reste der 25. Panzer-Grenadier-Division (Generalmajor Arnold Burmeister) aus dem Brückenkopf südlich des Ruppiner Kanals nach Kremmen verlegt, um den sowjetischen Durchbruch bei Oranienburg zu verzögern.

Am 26. April stürmten Truppen der 65. Armee die Stadt Stettin, die gegnerische Verteidigung erreichte den Randow–Bruch und setzte den Vorstoss nach Nordwesten fort. Bis zum Abend waren die deutschen Verteidigungsanlagen insgesamt auf einer 20 Kilometer langen Front durchbrochen, nicht nur die verteidigenden Truppen waren geschlagen, auch die neu herangebrachten Reserven wurden jetzt zurückgedrängt. Nach der Eroberung von Schwedt/Oder durch das 70. Schützenkorps (Generalleutnant Terentjew) der 65. Armee zog sich die 3. Panzerarmme in der Nacht vom 26. auf den 27. April aus dem von Süd nach Nord verlaufenden Uecker-Abschnitt zurück und gab damit die letzte Chance auf eine geschlossene Verteidigung auf.

Verfolgung durch Mecklenburg und Vorpommern

Die Verfolgung der sowjetischen Armeen folgte den neuen Hauptstossrichtungen:

  • Die verstärkte 19. Armee hatte entlang der Küste nach Swinemünde und dann nach Greifswald vorzurücken.
  • Die 2. Stossarmee setzte nördlich Stettin zwei Korps zur Verfolgung in Richtung Anklam an, ihr Ziel war die Küste bei Stralsund und die Säuberung der Inseln Usedom und Rügen.
  • Die 65. Armee mit dem 1. Garde-Panzerkorps voran, hatte in nordwestlicher Richtung nordöstlich von Stettin durch die mecklenburgische Seenplatte auf Rostock durchzustossen und das Meer zu erreichen.
  • Die 70. Armee mit dem 3. Garde-Panzerkorps voran, sollte über Prenzlau und Neubrandenburg in Richtung Wismar und Schwerin vorstossen.
  • Die südlich der Strelitzer Seenkette vorgehende 49. Armee, sollte das ihr neu zugeführte 8. mechanisierte Korps und das 3. Garde-Kavallerie-Korps über Templin-Wittstock-Pritzwalk westwärts nach Wittenberge, Lenzen und Ludwigslust zur Elde vorführen.

Am 27. April ging die sowjetische Offensive weiter, die 3. Panzerarmee wich durch die mecklenburgische Seenplatte zurück, der nördliche Armeeflügel war bereits in Auflösung begriffen. Die 19. Armee, die die Gristow-Halbinsel vom Feind gesäubert hatte, näherte sich mit ihrer rechten Flanke Swinemünde. Der rechte Flügel der 1. Marine-Division am Ueckersee wurde durchbrochen. Die Hauptkräfte der 2. Stossarmee, die entlang der Südküste des Stettiner Haffs agierte, rückten auf Anklam vor. Unterwegs wurden die Reste der ausgebrochenen Stettiner Garnison zerschlagen, die sich nach Norden zurückgezogen hatte, und die deutschen Truppenteile, die noch nördlich von Stettin verteidigten. Im Abschnitt der 70. Armee eingesetzt, brach das sowjetische 3. Garde-Panzerkorps (General Panfilow) im Zusammenwirken mit dem 47. Schützenkorps (Generalleutnant Dratwin) in Prenzlau ein.

Aus dem Brückenkopf Oranienburg kamen jetzt die 25. Panzer-Grenadierdivision als Verstärkung an, gleichzeitig traf die über Danzig zur See eingeschiffte 7. Panzerdivision am Kampffeld ein. Auf sowjetischer Seite wurde die 5. Garde-Division neu herangeführt und drängte die Reste des Korps der Verbände auf Templin und die Seen-Kette zwischen Lychen-Neubrandenburg zurück. Im Abschnitt westlich von Templin übernahm das aus Ostpreussen herangebrachte Generalkommando XXVII. Armeekorps (General Hörnlein) die Führung über die 547. Volksgrenadier-Division und Brigade 1001, beide Formationen gingen gegenüber der verfolgenden 49. Armee zurück.

Aus dem Raum Gransee-Löwenberg wurde die 1. RAD-Division Schlageter (Generalmajor Heun) zur Verstärkung in den Bereich des XXXXVI. Panzerkorps verlegt. Im Raum Neustrelitz versuchte die 7. Panzer-Division vergeblich gegen die bei Bergfeld und Goldenbaum durchgebrochenen sowjetischen Kräfte, eine Auffangstellung zu errichten. Die über Feldberg zugeführte 27. und 28. SS-Division musste sich über Neustrelitz auf Waren zurückziehen.

General Hoernlein übernahm am 28. April das Kommando über das XXVII. Armeekorps, das sich an der Linie Strasburg-Heinrichswald-Ferdinandshof-Ueckermünde auf Friedland abgesetzt hatte. Immer mehr deutsche Flüchtlinge und Verwundete strömten nach Anklam. Am Morgen des 28. April fanden bereits im nahe gelegenen Ducherow Kämpfe statt, der Kampfkommandant von Anklam, Oberst Rudolf Petershagen versuchte den Kampf zu vermeiden. Der linke Flügel der vorrückenden 65. Armee nahm am 29. April die Städte Friedland und Neubrandenburg ein, am gleichen Tag brach die 46. Schützen-Division des 108. Schützenkorps in Anklam ein. Am 30. April besetzte die 90. Schützendivision unter Generalmajor Ljaschchenko die Stadt Greifswald Der Kommandeur der 46. Schützen-Division, General Botschew nahm das Kapitulationsangebot der Greifswalder Parlamentäre an. Im Gegensatz zu den Nachbarstädten Anklam und Demmin wurde Greifswald vor der Zerstörung gerettet. Oberst Petershagen wurde wegen der kampflosen Übergabe zum Tode verurteilt. Deutsche Verbände, die sich durch das Peene-Tal zurückzogen, sahen Anklam in hellen Flammen. Die Stadt Stralsund wurde ebenfalls kampflos an Einheiten der 2. Stossarmee übergeben. Die Stadt Demmin wurde zum Fanal für die seelischen Gräuel des Krieges. In der Nacht zum 1. Mai plündern Rotarmisten die mit Flüchtlingen überfüllte Kleinstadt, besonders die Frauen mussten grosses Leid ertragen.

Kriegsende an der Elde und Elbe
Ende April lagen östlich der Demarkationslinie an der Elde und Elbe noch keine sowjetischen Verbände, sondern Einheiten der Wehrmacht und der SS. In Mecklenburg drängten sowjetische Truppen bis zur Linie Neuruppin-Müritzsee-Rostock vor. Ihre Jagd- und Schlachtflieger griffen unterstützend in die Kämpfe um Mecklenburg ein. An der mecklenburgischen Seenplatte erfolgen am 30. April sowjetische Panzerdurchbrüche von Penzlin auf Waren und von Neubrandenburg auf Malchin. Alt-Strelitz und Malchin wurden unter Feuer genommen, bei den Kämpfen gingen grosse Teile der Orte in Flammen auf. In Neustrelitz brannte das Schloss, das Theater und weitere Gebäude ab. Beim XXXXVI. Panzerkorps nahm die 281. Infanterie-Division (General Ortner) eine Zwischenstellung bei Demzin ein. Die 28. SS-Division nahm gegenüber der verfolgenden sowjetischen 70. Armee bei Waren eine letzte Abwehrstellung ein. Das XXVII. Armeekorps gab die Stellung zwischen Wesenberg und Fürstenberg auf, nachdem die sowjetische 49. Armee südlich des Plauer- und Müritzsees nach Westen durchgebrochen war. Mirow und Wesenburg wurden von der 547. Volksgrenadierdivision geräumt, der Rückzug erfolgte auf Röbel.

Im Süden begleitete die sowjetische 61. Armee (General Below) den Vormarsch aus dem Raum Fehrbellin über den Hohenzollern-Kanal nach Havelberg zum Elbe-Abschnitt, deren linke Flanke sicherte die Vorhut der polnischen 1. Armee, die in Richtung auf Sandau vorging. Die Reste des CI. Armeekorps (General Sixt) musste Zehdenick aufgeben. Im Raum Rheinsberg wurden die Reste der nach Norden abgedrängten 5. Jäger-Division (Generalmajor Blaurock) eingekesselt, südlich davon bei Lindow kämpfte sich die 3. Marine-Division über Alt-Ruppin nach Westen zurück. Die Brigade Schirmer und die Reste der 4. SS-Polizei-Division wurde auf die Ruppiner Seenkette abgedrängt. Die Reste des XXXII. Armeekorps befanden sich auf dem Rückzug nach Güstrow. Die Truppen der 71. Schützen-Division (Oberst Nikolai Beljaew) des 47. Schützenkorps besetzten Malchin. Die 7. Panzerdivision erkämpfte sich westlich von Waren den Rückzug über Jabel, die 281. Infanterie-Division wurde auf den Krakower See gedrängt, nördlich davon ging die 25. Panzer-Grenadier-Division zwischen den Malchiner-Seen nach Teterow zurück.

Bei Wolgast zogen sich die deutschen Verbände am 30. April unter Feuerschutz von auf dem Peene verkehrenden Schiffen der Kriegsmarine an das jenseitige Peene-Ufer zurück, um von dort aus die auf die Stadt vorgehenden Truppen der sowjetischen 2. Stossarmee unter Feuer zu nehmen. Deutsche Pioniereinheiten zündeten Sprengladungen an den Wolgaster Brücken, um den sowjetischen Truppen durch das Zerstören der Querungen den Weg auf die Insel Usedom abzuschneiden. Bis zum Morgen des 3. Mai wurde von sowjetischen Pionieren eine Behelfsbrücke über den Peene errichtet. Die 354. Schützen-Division (Generalmajor Wladimir Nikolajewitsch Janjgaw) des 105. Schützenkorps rückte in Grimmen ein. Die Kampfhandlungen endeten hier erst am 5. Mai, in Wolgast wurde eine russische Kommandantur eingerichtet.

Am 1. Mai erreichte die 70. Armee mit dem 3. Garde-Panzerkorps (Generalleutnant Panfilow) Rostock, am folgenden Tag besetzte die 3. Panzer-Brigade (Oberstleutnant Fedor Chrisanfowitsch Jegorow) die Küste säubernd auch Warnemünde. In den letzten Kriegstagen wurden noch mehr als 60.000 Flüchtlinge, Soldaten und Verwundete mit Kriegs- und Handelsschiffen über die Häfen Rostock und Wismar nach Westen evakuiert, um der sowjetischen Gefangenschaft zu entgehen.

Folgen
Obwohl Rokossowskis Operation keinen direkten Einfluss auf die Schlacht um Berlin hatte, band sie doch die Kräfte der 3. Panzerarmee und schloss so Kräfteverschiebungen an andere Frontabschnitte aus. Dadurch trug sie wesentlich zum schnellen Zusammenbruch der deutschen Oderfront bei. Der Rückzug gegenüber den sowjetischen Truppen an der Ostseeküste gab dem deutschen Oberkommando keine Möglichkeit mehr, evakuierte Truppen aus dem Kessel von Kurland zur Verteidigung Deutschlands an die Häfen Mecklenburgs auszulanden. Grosse Verbände der Wehrmacht zogen sich auf die Linie Ludwigslust, Grabow und Schwerin zurück, um in US-amerikanische Gefangenschaft zu gehen. Vor den Truppen der 1. Ukrainischen Front war das Oberkommando der Wehrmacht von Zossen nach Nordwesten geflüchtet. Die 2. Weissrussische Front Rokossowskis besetzte in den letzten Kriegstagen in Vorpommern (Stralsund – Rostock), in Mecklenburg (bis kurz vor Schwerin) und das nördliche Brandenburg an der Linie Wittstock – Wittenberge.

Am 3. Mai nahm das sowjetische 3. Garde-Panzer-Korps südwestlich von Wismar Kontakt zu den vorderen Einheiten der britischen 2. Armee auf. Am 4. Mai trafen die Truppen der 70., 49. Armee, 8. mechanisierten und 3. Garde-Kavalleriekorps an der Demarkationslinie mit den Truppen der britischen 21. Armeegruppe zusammen, die an einigen Stellen über die Elbe vorgedrungen waren. Teile der sowjetischen 19. Armee und Truppen der 2. Stossarmee kämpften einen weiteren Tag um die Insel Wollin, Usedom und Rügen von deutschen Truppen zu säubern. Am 5. Mai besetzen Einheiten der 2. Stossarmee Peenemünde; zwei Divisionen der 19. Armee landeten zur Säuberung auf der dänischen Insel Bornholm.

Bei Schwerin kam es zum Aufeinandertreffen zwischen der Roten Armee unter Marschall Konstantin Rokossowski und Soldaten der Westalliierten. Ein Treffen zwischen Feldmarschall Montgomery und Marschall Rokossowski fand am 7. Mai in Wismar statt. Die Demarkationslinie verlief zunächst östlich von Wismar–Schweriner See–Ludwigslust–Dömitz. Schwerin und Westmecklenburg wurden zuerst von Amerikanern und Briten besetzt, bevor am 1. Juli die Sowjets die Kontrolle übernehmen. Die Trennungslinie wurde gemäss den Beschlüssen der Konferenz von Jalta weiter nach Westen verlegt.

Schlacht um Bautzen (21.04.1945 – 26.04.1945)    
(aus Wikipedia)

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06_158/Kartenausschnitt von Bautzen

Als Schlacht um Bautzen, die vom 21. April bis zum 26. April 1945 stattfand, werden die umfangreichen Kampfhandlungen zwischen der deutschen Wehrmacht auf der einen sowie polnischen und sowjetischen Einheiten auf der anderen Seite in und um die Stadt Bautzen im Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Die Schlacht war in erster Linie gekennzeichnet von der letzten grösseren deutschen Panzeroffensive sowie einem tagelang geführten Häuserkampf, der zur vollständigen Zurückeroberung Bautzens führte, betraf darüber hinaus aber auch die nordöstlich der Stadt gelegenen Gebiete, vor allem auf der Linie Bautzen-Niesky. Insbesondere die 2. Polnische Armee verzeichnete im Verlauf der Kämpfe hohe Verluste.

Ablauf der Kampfhandlungen
Wie viele deutsche Städte, vor allem an der Ostfront, wurde auch Bautzen in der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges zur Festungsstadt erklärt und als "Bollwerk" gegen alliierte Truppen ausgebaut.

Der Kommandeur der "1. Ukrainischen Front" der Roten Armee, Marschall Iwan Stepanowitsch Konew, eröffnete am 16. April 1945 mit seinem Grossangriff den Vorstoss nach Westen und damit die Schlacht um Berlin. Die 2. Polnische Armee der Polnischen Volksarmee unter General Karol Świerczewski (auch bekannt als "General Walter") sollte dabei im Rahmen der Operation Lausitz die linke südliche Flanke des geplanten Vorstosses etwa auf der Linie Dresden-Bautzen-Niesky sichern.

Die deutschen Einheiten verfügten im Raum Bautzen und Oberlausitz über etwa 50.000 Mann, darunter die "Fallschirm-Panzer-Division 1 Hermann Göring" (Anmerkung: der Schwesterverband "Fallschirm-Panzergrenadier-Division 2 Hermann Göring" befand sich entgegen den Angaben in Teilen der Literatur zum fraglichen Zeitpunkt noch nicht im Kampfgebiet), die 20. und 21. Panzer-Division sowie die 17. und 72. Infanterie-Division. Teilweise waren diese Einheiten kampferfahren, aber zum Teil auch mit Rekruten aufgefüllt. Sie verfügten über bis zu 300 Panzer (vorwiegend Pz.Kpfw. IV und wenige Pz.Kpfw. V Panther), etwa 450 gepanzerte Kampffahrzeuge (Sd.Kfz. 234, Sturmgeschütze III und IV, Jagdpanzer IV, Jagdpanzer 38(t) und diverse andere) sowie 600 Artilleriegeschütze. 

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06_159/Kampfgebiet von Bautzen

Die 2. Polnische Armee bestand aus etwa 90.000 Mann und einer grossen Anzahl an von der Sowjetunion gelieferten Panzern (hauptsächlich T-34/85), gepanzerten Fahrzeugen (inklusive Jagdpanzer SU-85, einige Sturmpanzer SU-152) und Geschützen diverser Art. Ein Grossteil der Soldaten hatte nur wenig Kampferfahrung. Zunächst lief die polnische Offensive gegen die deutschen Verteidigungsstellungen in und um Bautzen erfolgreich an. An einigen Stellen konnten die deutschen Verteidigungslinien durchbrochen und die deutschen Truppen voneinander abgeschnitten werden. Bautzen wurde völlig eingekesselt und teilweise besetzt. Besonders auf der Ortenburg verschanzten sich allerdings Angehörige der Wehrmacht, der Hitlerjugend sowie des Volkssturms. Zeitweise waren über 1200 deutsche Soldaten in der Festung Bautzen eingeschlossen.

Ab dem 21. April 1945 begann die letzte grössere und erfolgreiche deutsche Panzeroffensive des Zweiten Weltkrieges auf der Linie Bautzen-Weissenberg, zwischen Spree und Schwarzem Schöps in Richtung Nord-Nordwest und erreichte am 26. April ihren Höhepunkt. Das Panzerkorps "Grossdeutschland" unter General der Panzertruppe Jauer, bestehend aus der 20. und 21. Panzer-Division unter Generalmajor Hermann von Oppeln-Bronikowski (seit November 1944 Kommandeur der 20. Pz.Div.), konnte infolgedessen mit der 17. und 72. Infanterie-Division trotz weniger modernerer "Panther"-Panzer und später fehlenden Treibstoff-Nachschubs aus den Hydrierwerken (i.v.F. Benzin) die in Bautzen eingeschlossenen Truppenteile befreien. Die 1. Fallschirm-Panzer-Division "Hermann Göring" griff das teilweise besetzte Bautzen von Südwesten her an und ging gleichzeitig westlich der Stadt entlang der Spree zum Angriff über. Der deutsche Panzerangriff mit Infanterie-Unterstützung kam vor allem östlich der Stadt rasch voran, spaltete die polnische Armee in zwei Gruppen auf und schnitt deren Versorgungswege teilweise ab. Bei Förstgen wurden die Reste der 16. Polnischen Panzerbrigade aufgerieben. Dabei wurde ein Grossteil der polnischen Panzer sowjetischer Bauart (über einhundert) vernichtet. Zahlreiche Fahrzeuge konnten erbeutet werden. Der 1. Fallschirm-Panzer-Division gelang es nördlich von Bautzen, die Reste der 5. Polnischen Infanteriedivision zu zerschlagen und weiter nordöstlich einen Teil der 9. Polnischen Infanteriedivision bei ihrer Absetzbewegung einzukesseln. Der im Kampf verwundete Kommandeur der 5. Polnischen Infanteriedivision, General Aleksander Waszkiewicz, wurde von deutschen Panzertruppen gefangen genommen, nach polnischen Quellen während des Verhörs gefoltert und anschliessend standrechtlich erschossen. Die Führung der 2. Polnischen Armee verlor den Überblick und erteilte mehrmals widersprüchliche Befehle. Den deutschen Einheiten gelang es unterdessen nach mehrtägigen und verlustreichen Häuserkämpfen, ihre Gegner wieder aus Bautzen zu vertreiben. Nur die Tatsache, dass Konew sowjetische Einheiten von seinem Vorstoss nach Westen zurückzog und den polnischen Einheiten zur Unterstützung sandte, verhinderte deren völlige Vernichtung. Aber auch die sowjetischen Truppen, die mit einem entschlossenen Angriff der Wehrmacht durchaus rechneten, erlitten bei den folgenden Kämpfen schwere Verluste. In den folgenden zwei Tagen wurde die 1. Polnische Division von der 1. Fallschirm-Panzer-Division in der Nähe von Königsbrück vernichtet. Verbliebene polnische und sowjetische Soldaten, sofern nicht gefangen genommen oder umgekommen, zogen sich eilig in nordöstlicher Richtung zurück, woraufhin die Kämpfe abebbten und sich die Situation langsam wieder beruhigte.

Nahe Bautzen kam es bis zum 30. April zu vereinzelten Zusammenstössen, in der Zeit bis zum Kriegsende gab es jedoch nur noch wenige einzelne Scharmützel. Im Zuge der Kampfhandlungen kam es auf beiden Seiten zu einer Reihe von Kriegsverbrechen. Am 22. April 1945 wurde im heutigen Bautzener Ortsteil Niederkaina eine Scheune, in der sich etwa 200 Volkssturmleute befanden, von sowjetischen und/oder polnischen Soldaten niedergebrannt. Am gleichen Tag brachten deutsche Truppen in Guttau, nordöstlich von Bautzen, das gesamte Personal sowie alle Verwundeten und Kranken eines polnischen Feldlazaretts um. Bautzen selbst wurde durch die Panzeroffensive zurückerobert und blieb bis Kriegsende in deutscher Hand. Die Stadt wurde erst nach der Gesamtkapitulation der deutschen Streitkräfte vom 8. Mai 1945 an sowjetische und polnische Soldaten übergeben.

Bilanz

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06_160/Mahnmal für sowjetische Gefallene der Schlacht um Bautzen auf dem Soldatenfriedhof in Bautzen

Besonders die 2. Polnische Armee erlitt während der Kämpfe bei der "Operation Lausitz" um Bautzen sehr schwere Verluste. Insgesamt verzeichnete sie – nach offiziellen Angaben – 4.902 Tote, 2.798 Vermisste und 10.532 Verwundete. In einer relativ kurzen Zeit verlor die polnische Armee damit über 22 Prozent ihrer Soldaten und 57 Prozent ihrer Panzer und gepanzerten Fahrzeuge. 27 Prozent der gesamten polnischen Militärverluste in den 20 Monaten vom Oktober 1943 bis zum Mai 1945 sind nach eigenen Angaben auf die Schlacht, um Bautzen zurückzuführen. Ausser dem Warschauer Aufstand vom Herbst 1944 soll es keine einzelne Militäroperation gegeben haben, bei der mehr Polen ums Leben kamen. Die Verluste der sowjetischen und der deutschen Armee waren ebenfalls beträchtlich. Direkt in und um die Stadt Bautzen selbst sind auf beiden Seiten jeweils circa 6.500 Soldaten gefallen und – nach teilweise widersprüchlichen Angaben – etwa 350 deutsche Zivilpersonen getötet worden. Bei den Kampfhandlungen wurden etwa 10 Prozent der Wohnhäuser mit circa 33 Prozent des Wohnungsbestandes der Stadt zerstört. 18 Brücken, 46 Kleinbetriebe, 23 grössere Betriebe und 35 öffentliche Gebäude wurden völlig zerstört. Trotz der starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zeichnet sich Bautzen auch heute noch durch eine besonders reichhaltige historische Bausubstanz aus.

Trotz des militärischen Debakels wurde General Świerczewski nach der Schlacht um Bautzen zum Armeegeneral befördert. Die polnische Propaganda verschwieg auch die unrühmliche Rolle des polnischen Stabes während der Kämpfe. Die Schlacht wurde zwar als äusserst blutig beschrieben, aber niemals als Niederlage für die Polnische Volksarmee bezeichnet. Um Świerczewski wurde der Mythos des unbesiegten Feldherrn aufgebaut. Im heutigen Polen wird er wegen seiner zweifelhaften politischen und militärischen Rolle deutlich kritischer gesehen.

Folgen
Der letzte grössere Erfolg der Wehrmacht hatte keine wesentlichen Auswirkungen auf den Kriegsverlauf und die nahe Kapitulation der deutschen Truppen.

Kesselschlacht von Halbe (25.04.1945 – 28.04.1945)    
(aus Wikipedia)

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06_161/Kartenausschnitt von Halb und Berlin

Die Kesselschlacht von Halbe bezeichnet die Einkesselung deutscher Truppen und folgende Kämpfe mit der Roten Armee gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Gebiet der Ortschaft Halbe, 60 km südlich von Berlin. Nach dieser Schlacht erfolgte der Kampf um Berlin.

Verlauf
Nach dem Zusammenbruch der 9. Armee (zu diesem Zeitpunkt bestehend aus dem CI. Armeekorps, V. SS-Freiwilligen-Gebirgskorps und XI. SS-Panzerkorps) unter dem Oberbefehl von General der Infanterie Theodor Busse im Raum Frankfurt (Oder) und bei Cottbus wurden die kaum noch kampffähigen Reste in einem kleinen Waldgebiet zwischen Märkisch Buchholz und Halbe, südöstlich von Berlin, durch Truppen der Roten Armee eingeschlossen. Entscheidend für die Schliessung des Kessels waren Befehle aus dem Führerhauptquartier, die einen rechtzeitigen Rückzug nicht erlaubten. Dies ermöglichte es der sowjetischen Armee unter Marschall Iwan Konew, den Kessel zu schliessen.

Die letzten gepanzerten deutschen Truppen brachen auf Befehl Busses, der zuvor ein Kapitulationsangebot abgelehnt hatte, unter grossen Verlusten zwischen dem 25. und 28. April 1945 aus dem Kessel aus.

In der Schlacht von Halbe standen sich gegenüber:

  • Rote Armee mit 45 Schützendivisionen, 13 Panzer-/mechanisierte Brigaden (etwa 700 Panzer), eine Artilleriedivision (300 Geschütze/Werfer). Darunter waren die 3. und 4. Panzerarmee der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee.
  • Wehrmacht und Waffen-SS mit 11 Infanteriedivisionen, 2 motorisierten Divisionen, einer Panzerdivision.

Die deutsche Ausbruchsgruppierung führten am 28. April 1945 die Panzergrenadier-Division "Kurmark" und die schwere SS-Panzer-Abteilung 502 an, unterstützt von Artillerie und Granatwerfern. Der nördliche Stosskeil, der die Abschirmung des Ausbruchs nach Norden zur Aufgabe hatte, wurde dabei von der Panzer-Abteilung der Panzergrenadier-Division "Kurmark" sowie Resten der SS-Panzeraufklärungs-Abteilung 10 gebildet. Der südliche Stosskeil wurde dabei von der schweren SS-Panzer-Abteilung 502 mit einer Werfer-Batterie, einer Schützenpanzerwagen-Kompanie und dem Grenadier-Regiment der Panzergrenadier-Division "Kurmark" gebildet. Diesen Einheiten folgten der Divisionsstab der "Kurmark", der Stab des XI. SS-Panzerkorps, der Stab 9. Armee und Einheiten des V. SS-Gebirgskorps sowie des V. Armeekorps. Die Nachhut der deutschen Ausbruchsgruppierung bildeten Korpseinheiten des XI. SS-Panzerkorps und Reste der Panzerjagd-Abteilung 32.

Verluste und Folgen

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06_162/Zerstörte deutsche Fahrzeuge nahe dem Spreewald

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06_163/Zerstörte Deutsche Schützenpanzer Kolone

Während der Kesselschlacht von Halbe starben 30.000 deutsche Soldaten, dazu geschätzte 10.000 deutsche Zivilisten sowie viele sowjetische Zwangsarbeiter. Die Verluste der Roten Armee betrugen 20.000 Tote. Die sowjetischen Toten sind überwiegend auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof in Baruth/Mark bestattet, die deutschen Toten überwiegend auf dem Waldfriedhof Halbe. Auf dem Waldfriedhof Halbe wurden etwa 22.000 Kriegstote (20.000 Soldaten sowie 2.000 Zivilisten, die zusammen in dem grossen Dreieck Königs Wusterhausen – Beeskow – Lübben in der zweiten Aprilhälfte 1945 zu Tode kamen) begraben.

Etwa 25.000 deutsche Soldaten und etwa 5.000 Zivilpersonen gelangten am 29. April 1945 bei Beelitz (Elsholz) südlich von Potsdam zur deutschen 12. Armee unter dem Oberbefehl von General der Panzertruppe Walther Wenck. Die 12. Armee bestand zu diesem Zeitpunkt einerseits aus Hitlerjungen und Männern des Reichsarbeitsdienstes, andererseits aus fronterfahrenen Soldaten und schweren Waffen, welche aus den Ausbildungsstätten der Wehrmacht herangezogen wurden. Unter den Soldaten der 12. Armee war damals auch der spätere Bundesaussenminister Hans-Dietrich Genscher, der in seinen Memoiren berichtet, dass die ersten Soldaten der deutschen 9. Armee, die ihm entgegenkamen, Stabsoffiziere mit umgehängten Maschinenpistolen waren. Wenck führte die 12. Armee sowie die aus dem Kessel von Halbe entkommenen Soldaten über die Reste der zerstörten Elbbrücke in Tangermünde, ehe sie sich in westliche Gefangenschaft begaben.

Etwa 120.000 deutsche Soldaten gerieten nach der Kesselschlacht von Halbe in sowjetische Gefangenschaft. Der Kommandeur des V. SS-Freiwilligen-Gebirgskorps, SS-Obergruppenführer Friedrich Jeckeln, geriet ebenfalls in sowjetische Gefangenschaft, während der Kommandeur des XI. SS-Panzerkorps, SS-Obergruppenführer Matthias Kleinheisterkamp, am 2. Mai 1945 bei Halbe Selbstmord beging.

Befreiung KZ Dachau (29.04.1945)    
(aus Wikipedia)

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06_164/Kartenausschnitt von Dachau nähe München

Die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau gelang alliierten Truppen Ende April 1945. Eintreffende und abmarschierende Häftlingsgruppen frequentierten zu dieser Zeit das Konzentrationslager Dachau und seine Aussenlager. Viele der Aussenlager des KZ Dachau waren zuvor durch die SS geräumt worden. Das Hauptlager befreite die US-Armee am 29. April 1945, dabei kam es – nach dem Anblick der Schrecklichen Zustände – auch zu einer Racheaktion gegen eine 39–50 Personen umfassende Gruppe von noch im Lager befindlichen letzten SS-Soldaten durch die Befreier.

Vorgeschichte
Am 14. April 1945 hatte der Reichsführer SS Heinrich Himmler die "Totalevakuierung" befohlen, die er später auf Reichsdeutsche, Russen, Polen und Juden eingrenzte. Die Dachauer SS zwang die KZ-Häftlinge, sich zu Fuss auf Evakuierungs- und Todesmärsche zu begeben.

Das Hauptlager Dachau befand sich im Räumungsprozess. Ein Grossteil des ursprünglichen Dachauer KZ-Personals bereitete seine Flucht vor, oder war längst auf der Flucht. Am 23. April verliessen die Arbeitskommandos erstmals nicht mehr das Hauptlager, d. h. sie wurden nun nicht mehr zu Arbeitseinsätzen (z. B. Bombenräumungs-Kommando) eingesetzt.

Befreiung der Aussenlager
Am 26. April rückte sowohl die US-amerikanische als auch die französische Armee ins westlich von Dachau liegende Allgäu ein. Am 27. April nahmen sie das fast leerstehende KZ-Aussenlager Kottern-Weidach ein.

Ebenfalls westlich von Dachau lag das Aussenlager Kaufering. Angehörige der SS-Wachmannschaft zündeten das Lager Kaufering IV am Morgen des 27. April an, obwohl sich nicht mehr gehfähige KZ-Häftlinge darin befanden. Die Alliierten trafen nur wenige Stunden zu spät ein.

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06_165/Leichen im Zug beim KZ Dachau, fotografiert von Éric Schwab (AFP) zwischen 29. April und 1. Mai 1945

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06_166/Am 29. April 1945 erreichten die ersten amerikanischen Soldaten das Konzentrationslager Dachau nordwestlich von München. Was sie sahen, überstieg ihre Vorstellungskraft.

Am 27. April traf nachts der Eisenbahnzug mit Häftlingen aus Buchenwald ein, von denen viele verhungert und verdurstet waren. Die Leichen verblieben teilweise in den Waggons. Unter anderem sollte dieser schreckliche Anblick zwei Tage später – beim Eintreffen der US-Armee – zu Schock, Entsetzen und zu amerikanischen Vergeltungsaktionen führen, später auch Dachau-Massaker genannt.

Am darauffolgenden Tag, 28. April zur Mittagszeit, traf der KZ-Häftling Karl Riemer, dem zwei Tage zuvor die Flucht aus dem Lager gelungen war, auf näherrückende US-Truppen. Er schilderte dem US-Befehlshaber die Situation im Lager und bat um sofortige Hilfe. Riemer, der zwölf Jahre im Lager inhaftiert war, konnte nicht wissen, dass der US-Befehl zur Einnahme des Hauptlagers wenige Stunden zuvor erfolgt war.

Befreiung des Hauptlagers Dachau

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06_167/In einem Zug entdeckten die Soldaten die Leichen von etwa 2300 Häftlingen, die die SS unter unmenschlichen Bedingungen aus Buchenwald evakuiert hatte

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06_168/Die Befreier wurden von wenigen tausend Überlebenden begrüßt. Insgesamt verloren in Dachau bis zu 40.000 Menschen ihr Leben

Es war ein Samstag, 28. April, als Generalmajor Max Ulich die deutsche 212. Volksgrenadier-Division vom Lagergelände abzog. Er wollte unnötige Verluste der Wehrmacht vermeiden. In der Stadt Dachau fand währenddessen der Dachauer Aufstand statt. Die Häftlinge hörten bereits nachts Gefechtslärm in ihren Baracken und Aufregung entstand. Es bildete sich daher das Häftlingskomitee, das sich zur Aufgabe machte, die aufkeimende Erregung im Lager für die kommenden Stunden zu mässigen. Das Häftlingskomitee wollte erreichen, dass die Öffnung des Lagers mit 32.000 Häftlingen einigermassen geregelt ablaufen könne.

Morgens traten Häftlinge auf den Appellplatz und stellten von dort aus fest, dass auf einem SS-Wachturm die weisse Fahne gehisst war. Dennoch hatte die letzte Wachtruppe die Besatzung der acht Wachtürme verstärkt und 16 Maschinengewehre aufs Lager gerichtet, um die Flucht der Häftlinge in umliegende Dörfer sowie Plünderungen und Racheaktionen zu vermeiden. Victor Maurer, Delegierter des Roten Kreuzes, hatte dies befürchtet. Auch hätte sich die grassierende Fleckfieber-Epidemie durch fliehende Häftlinge noch weiter ausgebreitet. SS-Lagerführer Heinrich Wicker, der in den letzten Tagen dieses Amt nur provisorisch übertragen bekommen hatte, kündigte an, seine Truppen aus dem Lager abzuziehen. Maurer, der in einem Gebäude der SS untergebracht war, verhandelte mit Wicker. Letztendlich konnten sie sich einigen, dass die Wachtürme besetzt bleiben sollten. Restliche SS-Wachmannschaften verliessen das Lager.

Am Sonntag, den 29. April 1945, marschierte Colonel Sparks mit dem 3. Bataillon des 157. Infanterie-Regiments der 45. Infanterie-Division der 7. US-Armee und die 42. Infanterie-Division in das Lager ein, von dem sie einige Zeit nicht gewusst hatten, wo es genau liegt. Bei ihnen war die Kriegsberichterstatterin Marguerite Higgins. Zahlreiche "Evakuierungsmärsche" waren längst aus dem Lager aufgebrochen. In der Nähe der Plantage kreiste ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug. Nur wenige SS-Männer, unter ihnen neu eingezogene Burschen, befanden sich noch im Lager. Die ursprüngliche Lager-SS hatte sich grösstenteils abgesetzt. Die Zurückgebliebenen boten kaum Widerstand und ergaben sich. Im Tumult und Jubel der Befreiung kam es auch vereinzelt zu tragischen Todesfällen, als Häftlinge die Lagerabzäunung überklettern wollten, die zunächst noch unter Strom stand.

Die US-Truppen kamen von Westen, jedoch der einzige Zugang zum Häftlingsbereich, das sogenannte Jourhaus, lag östlich. Die US-Truppen marschierten über den Lagerbereich der SS. Dort trafen sie ohne jede Vorwarnung oder Ahnung auf den Eisenbahnzug mit unzähligen erschossenen und verhungerten Häftlingen (etwa 2.300 Tote). Den ersten Eindruck dieses Eisenbahnzuges beschrieben einige US-Soldaten später als extrem schockierend und verstörend. Voller Entsetzen und Wut über die schrecklichen Zustände kam bei US-Soldaten die Flüsterparole "Hier machen wir keine Gefangenen!" auf. Aufgrund der schrecklichen Zustände im Lager kam es seitens US-Soldaten und ehemaligen Häftlingen zu Übergriffen und zur Ermordung von SS-Männern. Das Kriegsverbrechen wurde später als Dachau-Massaker bezeichnet.

Zeitzeugen berichten, dass die Befreiung ein ergreifendes Ereignis war. In den darauffolgenden Tagen veranstalteten jene Häftlinge, die körperlich nicht vollends geschwächt waren, schlichte Feierlichkeiten und Zusammenkünfte mit Musik.

Befreiung restlicher Aussenlager
Am 29. April konnten die Aussenlager in der Nähe Landsberg-Kaufering befreit werden. An diesem Aussenlagerkomplex wurde nach Kriegsende die Europäische Holocaustgedenkstätte errichtet.

Nach der Befreiung des KZ Dachau marschierten US-Truppen am 30. April in München ein, wo zuvor die Freiheitsaktion Bayern stattgefunden hatte. Der Tag, an dem die Truppen die Hauptstadt der Bewegung einnahmen, war auch der Tag, an dem Adolf Hitler in Berlin Suizid begangen hatte, was jedoch nicht umgehend bekannt wurde.

In der Münchner Umgebung trafen sie an diesem Tag auf weitere Häftlingstransporte, beispielsweise auf einen Zug aus dem Aussenkommando Mühldorf, in dem sich auch Max Mannheimer befand.

Am 30. April stoppten die Alliierten einen Eisenbahnzug, der am 25. April mit 3.000 Häftlingen gestartet war, von Emmering über München, Wolfratshausen und Kochel am See nach Seeshaupt am Starnberger See. Der Evakuierungstransport vom 26. April über Emmering–München–Wolfratshausen–Penzberg–Staltach mit 1.759 Juden konnte ebenfalls am 30. April befreit werden. Ebenso der Marsch mit etwa 7.000 Häftlingen, der am 26. April begonnen hatte und über Pasing, Wolfratshausen und Bad Tölz zum Tegernsee führte.

Die Befreiung der Mühldorfer Lager, die östlich von München lagen, vollzogen die Siegermächte am 1. und 2. Mai. Ein Evakuierungstransport war mit der Reichsbahn über Emmering–München–Wolfratshausen–Mittenwald nach Seefeld in Tirol unterwegs. Diese 2.000 Häftlinge waren am 4. Mai frei.

Während Hitlers Berghof, der mehr als 100 km südlich von Dachau lag, bereits am 4. Mai eingenommen wurde, kamen andere US-Truppen am 5. Mai ins Sudelfeld, wo sich das Aussenlager SS-Berghaus Sudelfeld und das Aussenlager Sudelfeld – Luftwaffe befand.

Am 8. Mai, dem V-E-Day, trat die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft.

Heute
Jährlich findet gegen Ende April ein Gedenktag statt, mit dem die heutige Gedenkstätte an die Jahre im Lager und die Tage der Befreiung erinnern will. Zum 65. Jahrestag der Befreiung fand in der KZ-Gedenkstätte Dachau eine Gedenkfeier statt, an der erstmals ein amtierender Bundespräsident (Horst Köhler) teilnahm.

Das Dachau-Massaker
Als Dachau-Massaker wird ein Kriegsverbrechen bezeichnet, das zum Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 29. April 1945 durch US-Soldaten an Angehörigen der SS verübt wurde. Der Hintergrund dazu ist, dass die erobernde alliierte US-Armee kurz vor der Befreiung des KZ Dachau auf den Todeszug aus Buchenwald traf, mit Tausenden darin vorgefundenen Leichen, was heftige Empörung unter den Soldaten und Offizieren auslöste.

Kritiker des Begriffes weisen darauf hin, dass in deutschen rechtsextremen Kreisen oft der Eindruck erweckt wird, es hätte sich um eine systematische Exekution sämtlicher deutscher Kriegsgefangenen gehandelt. Diese Auffassung stützt sich auf ein Buch des ehemaligen amerikanischen Militärarztes Col. Howard A. Buechner, in dem die Hinrichtung von 560 Personen des SS-Wachpersonals behauptet wird. Es ist jedoch nicht erkenntlich, dass diese Zahl wissenschaftlich belegt wäre. Unabhängige Quellen kommen dagegen übereinstimmend zu dem Schluss, dass es sich um voneinander unabhängige, spontane Racheakte handelte. Bei diesen wurden 39 (gesichert) bis vermutlich 50 Angehörige des Wachpersonals der SS völkerrechtswidrig erschossen.

Tod von Adolf Hitler (30.04.1945)    
(aus die Welt)

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06_169/Besichtigung der Leichen Verbrennungsgrube

"Der Chef brennt! Willst du mal gucken?"

Am 30. April 1945 zwischen 15.15 und 15.50 Uhr entzog sich Hitler seiner Verantwortung durch Suizid. Seine Frau Eva Braun nahm er mit sich. Sein letzter Gedanke galt einmal mehr ihm selbst.

Am siebten Tag der Woche soll man ruhen. Doch in Berlin dachte am 29. April 1945 wirklich niemand daran, die Sonntagsruhe einzuhalten. Noch immer donnerte es in den Straßen, schoss sowjetische Artillerie letzte Widerstandsnester der Wehrmacht und der Waffen-SS zusammen.

Bis auf ein paar Viertel in den Bezirken Mitte, Prenzlauer Berg und Charlottenburg war die Reichshauptstadt von der Roten Armee erobert. In den schon seit knapp einer Woche besetzten Vororten machten sich einige wenige Menschen auf zu Gottesdiensten, die mutige Pfarrer anboten – doch in den meisten Kirchen fanden sich noch keine Gläubigen ein.

Irgendwann an diesem Tag erreichte eine letzte, wichtige Meldung den Führerbunker im Garten der Reichskanzlei. Hitlers früheres Vorbild und späterer Partner Benito Mussolini, der sich ab 1938 zum Klotz am Bein entwickelt hatte, war auf der Flucht in Norditalien von Partisanen aufgegriffen worden. In einem Dorf bei Como wurde er erschossen und an einer Tankstelle in Mailand an den Füßen aufgehängt.

Darauf reagierte der Führer in inzwischen gewohnter Art: Er kündigte seinen Selbstmord an: "Ich will dem Feind weder tot noch lebendig in die Hand fallen. Nach meinem Ende soll mein Körper verbrannt werden und so für immer unentdeckt bleiben". Doch diesmal meinte er es ernst, anders als etwa 1923 nach seinem gescheiterten Putsch oder 1932, als das Auseinanderbrechen der NSDAP bevorzustehen schien.

Am späten Nachmittag des 29. April 1945 begannen tatsächlich die letzten Vorbereitungen im Bunker. Zuerst diktierte Hitler einer der beiden verbliebenen Sekretärinnen ein politisches und ein privates Testament. Traudl Junge erinnerte sich an ihre Gefühle unmittelbar vor dem Diktat: "Jetzt kommt endlich das, worauf wir seit Tagen warten: die Erklärung für das, was geschah, ein Bekenntnis, ein Schuldbekenntnis sogar, vielleicht eine Rechtfertigung". In diesem letzten Dokument des Dritten Reiches musste doch die Wahrheit stehen, bekannt von einem Menschen, der nichts mehr zu verlieren hatte.

Aber die Erwartung der Sekretärin wurde enttäuscht: "Teilnahmslos, fast mechanisch spricht der Führer Erklärungen, Anklagen und Forderungen aus, die ich, die das deutsche Volk und die ganze Welt kennen". Tatsächlich enthielten die beiden Testamente wenig mehr als eine Zusammenfassung all seines Hasses, seiner von der Wirklichkeit komplett gelösten Weltanschauung.

Hitler im Urteil der Historiker
Vor seinem Tod legalisierte Hitler noch seine Beziehung zu Eva Braun. Allerdings tat er das wohl nicht aus eigenem Antrieb: "Diese Todeshochzeit ist auf ihr Drängen, auf ihre Bemühungen zurückgegangen. Hitler war ja gar nicht mehr in der Lage dazu", erinnerte sich ein langjähriger Hausangestellter der Alpenresidenz Berghof. Er kannte Eva Braun sehr gut: "Sie wollte das haben".

An diesem Sonntagabend gegen 23.00 Uhr schickte Hitler einen letzten Funkspruch an die Wehrmachtsführung im längst eingekesselten Hauptquartier südlich Berlins. Noch einmal erkundigte er sich, wann die Entsatztruppen kämen. Knapp vier Stunden später antwortete Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, dass mit einer Besserung der Situation nicht mehr zu rechnen sei.

Inzwischen standen die Angriffsspitzen der Roten Armee nur noch knapp hundert Meter südlich der Reichskanzlei. Zwischen Leipziger und Vossstrasse wurde bereits Mann gegen Mann gekämpft. SS-Brigadeführer Wilhelm Mohnke, der Kampfkommandant der Reichskanzlei, teilte Hitler mit, dass man die Stellung noch einen, höchstens zwei Tage halten könnte.

Daraufhin legte der "Führer und Reichskanzler" als Zeitpunkt seines Todes den 30. April 1945 um 15 Uhr fest. Als letzte Befehle gab er Mohnke und dem Befehlshaber in Berlin, General Helmuth Weidling, die Erlaubnis, in aussichtsloser Lage auszubrechen. Von Kapitulation wollte der Diktator noch immer nichts wissen. Das letzte Kapitel war nun beinahe zu Ende.

Ungefähr zu dieser Zeit zogen sich Eva Braun und Adolf Hitler in das winzige Wohnzimmer der Bunkerwohnung zurück und schlossen die Stahltüren. Zuvor hatte der Diktator sich noch von seiner engsten Umgebung verabschiedet und seinem persönlichen Diener Anweisungen über den Umgang mit seiner Leiche gemacht. Am Ende seines Krieges, der 50 Millionen Menschen das Leben gekostet hatte, war Adolf Hitlers größte Sorge, sein Leichnam könnte in die Hände der Roten Armee fallen und wie in einem Panoptikum ausgestellt werden.

Seine engsten Mitarbeiter führten den letzten Befehl ihres Chefs genau aus: Sie blockierten für die entscheidenden Minuten die Tür zum Wohnzimmerchen im Bunker. Nach einiger Zeit schnupperten sie nach Pulvergeruch. Durch die massiven Wände und geschlossenen Stahltüren waren beim permanenten Geräuschpegel im Bunker durch den Artilleriebeschuss und die laufende Dieselmaschine ein einzelner Pistolenschuss nicht zu hören.

Kurz vor 16 Uhr betraten Kammerdiener Heinz Linge und der persönliche SS-Adjutant Otto Günsche den Sterberaum des deutschen Diktators. Sie fanden beide Leichen in der Sitzgruppe vor, erinnerten sich später aber immer wieder unterschiedlich, wie sie gesessen hatten.

Linge und Günsche nahmen die Leichen, trugen sie durch den Gartenausgang aus dem Führerbunker und legten sie in eine Grube – entweder in einen Granattrichter oder einen nicht mehr geschlossenen Kanalgraben. Die Körper wurden mit viel Benzin überschüttet und dann angesteckt. Ein SS-Wachmann schaute zu und rannte in den Bunker hinab. "Der Chef brennt!", rief er und fragte seinen Kameraden Rochus Misch, den Telefonisten des Führerbegleitkommandos: "Willst du mal gucken?"

Wie genau waren Adolf und Eva Hitler gestorben? Darüber gibt es Dutzende unterschiedlicher Darstellungen. Nahezu alle Menschen aus der Umgebung des Führers, die das Jahr 1945 lebend überstanden, äußerten sich später mehrfach dazu und oft widersprüchlich.

Erschossen sie sich beide? Nahmen beide Gift? Erschoss sich Hitler, entweder in den Mund oder in die rechte Schläfe, während Eva Braun sich vergiftete? Ging der Führer gar auf Nummer sicher: mit Zyankali und einem Kopfschuss? Da es keinerlei Untersuchung zwischen Tod und Einäscherung gab, lassen sich diese Fragen nicht beantworten. Sie sind auch nicht wichtig, denn entscheidend ist allein: Adolf Hitler starb am 30. April 1945 zwischen 15.15 und 15.50 Uhr.

Tod von Joseph Goebbels    
(Zeit Oneline, Law A. Besymenski)

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06_170/Die eigenen Kinder ermordet

Anne Frank war ein Kind. Maria Rolnikaite, die im Warschauer Getto eingekerkert war und nicht weniger erschütternde Notizen hinterließ, war ebenfalls erst vierzehn Jahre alt. Auch unter den Opfern von Babij Jar, unter den Opfern von Lidice gab es viele Kinder. Und wie viele sind in Dresden umgekommen?

Diese paar Hinweise mögen einen Maßstab setzen, wenn wir uns nun dem Mord an den sechs Kindern der Familie Goebbels zuwenden. Gewiß, sechs sind nicht sechshunderttausend. Aber Mord bleibt Mord. Und sogar jene Historiker, die sich mit dem Leben des ehemaligen Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda voreingenommen auseinandersetzen, wagen nicht zu behaupten, dass Helga (geb. am 1. 9. 1932), Hilde (13. 4. 1934), Helmut (2. 10. 1935), Holde (19. 2. 1937), Hedda (5. 5. 1938) und Heide (29. 10. 1940) freiwillig in den Tod gegangen seien.

Im Durcheinander der Ereignisse um den 1. Mai 1945 wurde das Schicksal dieser Kinder kaum beachtet. Aber am Beispiel der Familie Goebbels wird erschreckend deutlich, in welche Abgründe eine "Greuelpropaganda" sogar ihre Urheber führen kann. Glaubten Goebbels und seine Frau etwa im Ernst, daß die Alliierten ihren Zorn an den sechs Kindern auslassen könnten? Die Nachkriegszeit hat solche Vermutungen widerlegt. Den Kindern von Bormann, Himmler und vielen anderen Bonzen des Dritten Reiches ist kein Haar gekrümmt worden.

Schwerlich läßt sich alles mit dem Fanatismus erklären, der vor nichts zurückschreckt. Aber ein Regime, das den Mord als Mittel der Selbstbehauptung gutheißt, muß auf die Dauer Schaden an seiner eigenen Seele nehmen. Wer andere nicht als Menschen respektiert, hört früher oder später selbst auf, ein Mensch zu sein.

Wie wurden die Kinder von Goebbels ermordet? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Einige, zum Beispiel Gobbels’ einstiger Staatssekretär Werner Naumann, behaupten, Magda Goebbels selbst habe Hand angelegt. Eine andere Version besagt, die Mutter habe sich draußen aufgehalten, als die Ärzte ihren Kindern das Gift einflößten. Und wieder andere meinen, man werde den genauen Ablauf des Geschehens nie erfahren.

Ich möchte nicht behaupten, daß die folgenden Dokumente ein volles Licht auf die Vorgänge werfen. Aber sie haben einen Vorzug: sie wurden unmittelbar nach den Ereignissen abgefaßt. Der Leser wird bemerken, daß Tatzeuge Dr. Helmut Kunz nicht gleich die ganze Wahrheit gesagt hat. Aber die sowjetischen Untersuchungsrichter unterzogen ihn nochmals einem sehr sorgfältigen Kreuzverhör.

Vernehmungsprotokoll
Den 7. Mai 1945. Der Chef der 4. Abteilung der Abwehrverwaltung "Smersch" der 1. Weißrussischen Front, Oberstleutnant Wassiljew, hat den Kriegsgefangenen der deutschen Wehrmacht, Helmut Kunz, vernommen, wobei Untersuchungsrichter Oberleutnant Wlassow die Übersetzung ins Deutsche und aus dem Deutschen besorgte.

Zur Person: Kunz, Helmut Gustavowitsch, geb. 1910 in Ettlingen/Baden, Zahnarzt, zuletzt als Adjutant des Chefarztes in der Sanitätsverwaltung der SS in der Reichskanzlei. Am 21. 4. 45 wurde seine Sanitätsabteilung aufgelöst, und er wurde von einem Lazarett übernommen. Als das Lazarett am 23. April aus Berlin wegzog, wurde er zur Reichskanzlei abkommandiert. Um diese Zeit gab es dort keinen Zahnarzt.

Frage: Hatten Sie bis zum 23. April d. J. irgend etwas mit der Reichskanzlei zu tun?
Antwort: Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nichts mit der Reichskanzlei zu tun.

Frage: Was ist Ihr Dienstgrad?
Antwort: SS-Sturmbannführer.

Frage: Wen haben Sie während Ihrer Tätigkeit in der Reichskanzlei persönlich betreut?
Antwort: Ich betreute Frau Goebbels persönlich und behandelte später auch die Soldaten, die der Reichskanzlei zugeteilt waren.

Frage: Wie lange kennen Sie Goebbels und seine Familie?
Antwort: Goebbels habe ich am 1. Mai d. J. durch die Vermittlung seiner Frau kennengelernt. Bis dahin kannte ich ihn nur aus seinen Reden bei den Kundgebungen.

Frage: Wie ist es denn gekommen, daß Sie, ohne vorher Zugang zur Reichskanzlei gehabt zu haben, am 1. Mai d. J. mit Goebbels bekannt gemacht wurden und sofort ohne weiteres seine Wohnung betreten durften?
Antwort: Wahrscheinlich, weil ich Frau Goebbels behandelt hatte.

Frage: Waren Sie in der Wohnung von Goebbels?
Antwort: Ich war im Bunker, in der Reichskanzlei, wo auch seine Familie wohnte – seine Frau und seine Kinder.

Frage: Welche körperlichen Fehler an Goebbels, seiner Frau und seinen Kindern kennen Sie?
Antwort: Seine Frau und Kinder waren völlig normal, und Goebbels hinkte mit dem rechten Fuß.

Frage: Erzählen Sie etwas eingehender, was mit Goebbels und seiner Familie passiert ist.
Antwort: Am 27. April d. J. traf ich vor dem Abendessen Frau Goebbels zwischen acht und neun Uhr im Korridor am Eingang zu Hitlers Bunker. Sie sagte mir, daß sie mich in einer sehr wichtigen Angelegenheit sprechen möchte, und fügte gleich hinzu, die Situation sei jetzt so, daß wir wahrscheinlich sterben müßten. Deshalb bat sie mich, ihre Kinder töten zu helfen. Ich gab mein Einverständnis.

Nach diesem Gespräch führte mich Frau Goebbels in das Kinderschlafzimmer und zeigte mir all ihre Kinder. Die Kinder machten gerade Anstalten, zu Bett zu gehen, und ich sprach mit keinem von ihnen.

In dem Augenblick, als die Kinder zu Bett gingen, kam Goebbels herein, wünschte den Kindern eine gute Nacht und verschwand wieder.

Ich hielt mich etwa 10 bis 15 Minuten im Zimmer auf, dann wurde ich von Frau Goebbels verabschiedet, und ich ging zurück zu meinen Praxisräumen, die in einem der Bunker lagen, ungefähr 500 Meter von dem Bunker entfernt, wo sich Hitler, Goebbels und die anderen Personen des Führerhauptquartiers aufhielten.

Am 1. Mai d. J. gegen 4 bis 5 Uhr nachmittags wurde ich in der Praxis von Frau Goebbels angerufen; sie sagte, es sei schon viel Zeit verstrichen und bat mich, sofort zu ihrem Bunker zu kommen. Dann ging ich zu ihr, nahm aber keine Medikamente mit. Als ich Goebbels’ Wohnräume betrat, sah ich ihn selbst, seine Frau und den Staatssekretär des Propagandaministeriums, Naumann, im Arbeitszimmer, wo sie sich über irgend etwas unterhielten.

Ich wartete etwa zehn Minuten vor der Tür des Arbeitszimmers, bis Goebbels und Naumann weggingen. Dann bat mich Frau Goebbels hinein und teilte mir mit, die Entscheidung sei nun gefallen (sie meinte den Entschluß zur Tötung der Kinder), denn der Führer sei schon gestorben, und die Truppen würden ungefähr um 8 bis 9 Uhr einen Durchbruch versuchen. Deshalb müßten wir sterben, wir hätten keinen anderen Ausweg. Etwa nach 20 Minuten, als wir noch miteinander sprachen, kam Goebbels in sein Arbeitszimmer zurück und wandte, sich an mich mit den Worten: "Doktor, ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie meiner Frau helfen würden, die Kinder einzuschläfern".

Ebenso wie seiner Frau bot ich auch Goebbels an, die Kinder im Lazarett unterzubringen und unter den Schutz des Roten Kreuzes zu stellen. Er erwiderte aber: "Das geht nicht; es sind doch die Kinder von Goebbels!"

Danach ging Goebbels, und ich blieb bei seiner Frau, die sich etwa eine Stunde lang mit Kartenlegen beschäftigte.

Nach etwa einer Stunde kam Goebbels wieder zu uns, zusammen mit dem stellvertretenden Gauleiter von Berlin, Schach. Wie ich aus ihrer Unterhaltung entnehmen konnte, sollte Schach mit den Soldaten auszubrechen versuchen. Er nahm jetzt von Goebbels Abschied. Goebbels schenkte ihm eine Brille mit einer dunklen Hornfassung und sagte: "Nehmen Sie das als Andenken, diese Brille hat immer der Führer getragen". Dann verabschiedete sich Schach von Frau Goebbels und von mir und ging.

Als Schach gegangen war, sagte Frau Goebbels: "Unsere Truppen ziehen nun weg, die Russen können jede Minute hier sein und uns stören. Deshalb müssen wir uns beeilen".

Als wir, d. h. ich und Frau Goebbels, das Arbeitszimmer verließen, saßen zwei mir unbekannte Personen in Uniform im Vorzimmer, einer von ihnen hatte die Hitlerjugenduniform an; wie der andere gekleidet war, kann ich mich nicht mehr erinnern. Goebbels und seine Frau verabschiedeten sich von den beiden, wobei diese Unbekannten fragten: "Und wie haben Sie sich entschieden, Herr Minister?" Goebbels erwiderte nichts, und seine Frau erklärte: "Der Gauleiter von Berlin und seine Familie bleiben in Berlin und werden hier sterben".

Nach dem Abschied von den genannten Personen kam Goebbels in sein Arbeitszimmer zurück, und ich ging mit seiner Frau zu ihrer Bunkerwohnung. Im Vorzimmer nahm Frau Goebbels eine mit Morphium gefüllte Spritze aus dem Schrank und gab sie mir. Dann betraten wir das Kinderzimmer, die Kinder lagen schon im Bett, schliefen aber noch nicht.

Frau Goebbels sagte zu den Kindern: "Kinder, habt keine Angst, der Doktor gibt euch jetzt eine Spritze, die jetzt alle Kinder und Soldaten bekommen". Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer. Ich blieb dort allein und spritzte das Morphium ein – zunächst den beiden älteren Mädchen, dann dem Jungen und den übrigen Mädchen.

Ich spritzte am Unterarm unter dem Ellenbogen je 0,5 cm hoch 3 ein, um die Kinder schläfrig zu machen. Das Spritzen dauerte ungefähr 8 bis 10 Minuten, dann ging ich wieder ins Vorzimmer, wo ich Frau Goebbels antraf. Ich sagte zu ihr, man müsse etwa 10 Minuten warten, bis die Kinder eingeschlafen seien. Gleichzeitig sah ich auf die Uhr. Es war 20 Uhr 40 (am 1. Mai). Nach 10 Minuten ging Frau Goebbels in meiner Begleitung ins Kinderzimmer hinein, wo sie sich etwa fünf Minuten aufhielt und jedem Kind eine zerdrückte Ampulle mit Zyankali in den Mund legte. (jede Glasampulle enthielt 1,5 cm hoch 3 Zyankali.) Als wir in das Vorzimmer zurückkamen, sagte sie: "Jetzt ist Schluß mit allem".

Dann ging ich mit ihr zum Arbeitszimmer von Goebbels hinunter, wo wir ihn in einem sehr nervösen Zustand, im Zimmer auf- und abgehend, antrafen. Beim Betreten des Arbeitszimmers sagte Frau Goebbels: "Mit den Kinder ist es vorbei, jetzt müssen wir an uns selber denken". Goebbels erwiderte: "Wir müssen uns beeilen, denn wir haben sehr wenig Zeit". Dann sagte Frau Goebbels: "Hier im Bunker wollen wir nicht sterben", und Goebbels fügte hinzu: "Es ist klar, wir gehen in den Garten hinaus". Seine Frau erwiderte: "Nicht in den Garten, sondern zum Wilhelmsplatz, wo du dein ganzes Leben lang gearbeitet hast". (Der Wilhelmsplatz liegt zwischen dem Gebäude des Reichspropagandaministeriums und der Reichskanzlei.)

Im Laufe des Gesprächs dankte mir Goebbels dafür, daß ich ihr Schicksal erleichtert habe, dann verabschiedete er sich von mir, wünschte mir Erfolg im Leben und glückliches Heimkommen. Danach begab ich mich zu meiner Praxis (es war ungefähr 15 oder 20 Minuten nach 10 Uhr abends).

Frage: Wo konnte Frau Goebbels Giftstoffe (Zyankali) bekommen?
Antwort: Frau Goebbels selbst teilte mir mit, daß sie das Morphium und die Spritze von Stumpfegger, dem zweiten Arzt Hitlers bekommen habe. Woher sie die Ampullen mit Zyankali hatte, weiß ich nicht...

Frage: Haben Sie allein an der Tötung der Kinder von Goebbels teilgenommen?
Antwort: Ja, ich war allein.

Kunz wurde bald noch einmal vernommen. Hier sind die Auszüge aus dem Protokoll, das Untersuchungsrichter Wlassow am 19. Mai aufgenommen hat:

Frage: ... die Untersuchungsrichter haben Angaben vorliegen, daß Ihnen Dr. Stumpfegger bei der Tötung der Kinder von Goebbels geholfen hat. Können Sie das bestätigen?
Antwort: Ja, ich gebe zu, daß ich während der Untersuchung falsche Aussagen über die Umstände der Tötung der Kinder von Goebbels gemacht habe. Es ist wahr, daß Dr. Stumpfegger mir dabei geholfen hat. Die genauen Umstände der Tötung der Kinder von Goebbels waren so:

Nachdem ich allen Kindern Morphium eingespritzt hatte, ging ich aus dem Kinderschlafzimmer in den benachbarten Raum hinaus und wartete dort zusammen mit Frau Goebbels ab, bis die Kinder eingeschlafen waren. Sie bat mich, ihr in helfen, den Kindern das Gift zu geben. Das lehnte ich ab und sagte, daß ich dazu nicht genug seelische Kraft hätte. Dann forderte mich Frau Goebbels auf, Dr. Stumpfegger, den ersten Begleitarzt von Hitler, zu holen. Nach drei bis vier Minuten fand ich Stumpfegger, der im Bunker Hitlers im Speisezimmer saß, und sagte zu ihm: "Doktor, Frau Goebbels bittet Sie, zu ihr zu kommen". Als ich mit Stumpfegger in den Vorraum zum Kinderschlafzimmer kam, wo ich Frau Goebbels zurückgelassen hatte, war sie nicht mehr dort, und Stumpfegger ging gleich in das Schlafzimmer. Ich aber wartete im Nebenzimmer. Nach vier bis fünf Minuten kam Stumpfegger mit Frau Goebbels aus dem Kinderzimmer heraus, er ging gleich weg, ohne mir auch nur ein Wort zu sagen. Frau Goebbels sagte auch nichts und weinte nur.

Ich stieg mit ihr zum unteren Bunkergeschoß hinunter und kam zum Arbeitszimmer von Goebbels, wo ich mich von den beiden verabschiedete und dann zu meiner Praxis ging.

Frage: Warum haben Sie sich bei vorherigen Verhören über die Beteiligung Dr. Stumpfeggers an der Tötung der Kinder von Goebbels ausgeschwiegen?
Antwort: Die Ereignisse in den letzten Tagen vor der Kapitulation der deutschen Truppen in Berlin haben mich sehr mitgenommen, und ich habe diesen Umstand einfach ohne jede Absicht aus dem Blick verloren.

Soweit die Aussage von Dr. Kunz. Da Stumpfegger umgekommen sein soll, ist es schwer, diese Angaben zu prüfen. Das Ergebnis aber ist bekannt. Dr. Schkarawskij hat es in den Protokollen Nr. 1–2 und 8–11 über die Untersuchung der Kinderleichen festgehalten. Die Akten, die am 7. und 8. Mai 1945 in Buch abgefaßt wurden, ähneln sich, so daß es hier genügt, das Resümee der "Akte Nr. 1 über die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche eines unbekannten Mädchens" wiederzugeben. (Es handelt sich um die 12jährige Helga Goebbels.)

Schlußfolgerung:
Auf Grund der gerichtsmedizinischen Obduktion der Leiche eines etwa 15jährigen Mädchens (1) und der gerichtsmedizinischen Untersuchung seiner inneren Organe kommt die Kommission zu folgenden Schlüssen:

  1. Bei der Obduktion wurden keine Verletzungen oder krankhaften Veränderungen festgestellt, die den Tod der Verstorbenen verursacht haben könnten.
  2. Im Mund wurden Splitter einer zerdrückten Glasampulle gefunden; bei der Sektion der Leiche spürte man einen ausgeprägten bitteren Mandelgeruch, und bei der chemischen Untersuchung der inneren Organe wurde darin das Vorhandensein von Zyanverbindungen festgestellt.

Deshalb muß die Schlußfolgerung gezogen werden, daß der Tod des etwa 15jährigen Mädchens infolge Vergiftung durch eine Zyanverbindung eingetreten ist.

Protokoll über die Entdeckung der Familie Goebbels (Auszug)
Berlin, 3. Mai 1954
Am 2. Mai 1945 wurden im Zentrum von Berlin im Gelände des Bunkers der deutschen Reichskanzlei einige Meter von der Eingangstür entfernt von Oberstleutnant Klimenko und den Majoren Bystrow und Chasin in Anwesenheit von Berliner Einwohnern – den Deutschen Lange, Wilhelm, Koch der Reichskanzlei, und Schneider, Karl, Garagenmeister der Reichskanzlei – um 17.00 einer die angekohlten Leiche eines Mannes und einer Frau entdeckt; die Leiche des rechten war von niedrigem Wuchs, der Fuß des rechten Beines steckte in halbgekrümmter Stellung (Klumpfuß) in einer angekohlten Metallprothese; darauf lagen die Überreste einer verkohlten Parteiuniform der NSDAP und ein angesengtes Goldenes Parteiabzeichen; bei der Leiche der Frau wurde ein angesengtes goldenes Zigarettenetui entdeckt, auf der Leiche ein Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP und eine angesengte goldene Brosche.

Zu Häupten der beiden Leichen lagen zwei Walther-Pistolen Nr. 1 (durch Feuer beschädigt).

Am 3. Mai d. J. wurden vom Zugführer der Abwehrabteilung "Smersch" der 207. Schützendivision, Oberleutnant Iljin, im Bunker der Reichskanzlei in einem separaten Zimmer auf Betten liegend Kinderleichen im Alter von drei bis vierzehn Jahren aufgefunden. Sie waren mit leichten Nachthemden bekleidet und zeigten Vergiftungserscheinungen ...

Zur Identifikation der Leichen an Ort und Stelle wurden die Kriegsgefangenen – der persönliche Vertreter von Großadmiral Dönitz im Führerhauptquartier, Vizeadmiral Voß, Hans-Erich, geb. 1897, der Garagenmeister der Reichskanzlei, Schneider, Karl Friedrich Wilhelm und der Koch der Reichskanzlei, Lange, Wilhelm – hinzugezogen, die Goebbels, dessen Ehefrau und Kinder persönlich gut gekannt haben.

Vizeadmiral Voß, Lange und Schneider identifizierten eindeutig die Leichen – beim Verhör und bei der Vorführung der Leichen – als Goebbels, dessen Ehefrau und Kinder... Am 1. Mai d. J. sah Voß Goebbels zum letztenmal um 20.30 Uhr im Luftschutzbunker, wo Hitlers Hauptquartier untergebracht war. Dabei erklärte Goebbels im Gespräch mit Voß, daß er dem Beispiel Hitlers folgen, d. h. seinem Leben durch Selbstmord ein Ende setzen werde.

Voß erkannte in der angekohlten weiblichen Leiche die Ehefrau Goebbels’ und begründete seine Aussage mit den Angaben, daß die Frauenleiche dem Wuchs nach (etwas über mittelgroß) und wegen des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP die Leiche der Ehefrau Goebbels’ sei. (Sie war die einzige deutsche Frau, die dieses Abzeichen trug; es war ihr von Hitler drei Tage vor seinem Selbstmord überreicht worden.)

Außerdem entdeckte man bei der Untersuchung des bei der Frauenleiche aufgefundenen Zigarettenetuis auf der Innenseite eines der Deckel das Monogramm "Adolf Hitler – 29. X. 34" in deutscher Sprache; das Etui sei, wie Voß erklärte, in den letzten drei Wochen von der Ehefrau Goebbels’ benützt worden.

Bei der Besichtigung der Kinderleichen identifizierte Voß alle ausnahmslos als die Kinder von Goebbels, da er sie mehrmals gesehen hatte; eines der Mädchen, die etwa dreijährige Goebbels-Tochter Heide, sei zu wiederholten Malen in der Wohnung von Voß gewesen ...

1) Die Sachverständigen schätzten das Alter nach dem Aussehen. Eine Verrechnung um ein bis zwei Jahre ist in solchen Fällen zulässig.

Schlacht um Schloss Itter (05.05.1945)    
(aus Wikipedia)

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Die Schlacht um Schloss Itter wurde am 5. Mai 1945 um das Schloss im Tiroler Dorf Itter in Österreich ausgetragen. Es war die einzige Schlacht des Zweiten Weltkrieges, bei der Soldaten der United States Army und der Wehrmacht gemeinsam kämpften, und zwar mit befreiten prominenten französischen Kriegsgefangenen gegen Einheiten der 17. SS-Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen".

Vorgeschichte
Schloss Itter wurde Ende 1940 offiziell durch die deutsche Regierung vom Besitzer Franz Grüner gepachtet und am 7. Februar 1943 von SS-Generalleutnant Oswald Pohl auf Befehl Heinrich Himmlers in Besitz genommen. Am 25. April 1943 wurde das Schloss als Aussenlager des Konzentrationslagers Dachau eröffnet, um hier für das Deutsche Reich wichtige, in der Mehrzahl französische Kriegsgefangene unterzubringen. Gefangen gehalten wurden hier unter anderem der Tennisspieler Jean Borotra, die ehemaligen Premierminister Édouard Daladier und Paul Reynaud, die ehemaligen Hauptbefehlshaber Maxime Weygand und Maurice Gamelin, Charles de Gaulles ältere Schwester Marie-Agnès Cailliau, das Mitglied der Résistance François de La Rocque sowie der Gewerkschaftsführer Léon Jouhaux. Daneben befanden sich hier einige Gefangene aus osteuropäischen Ländern, die überwiegend für Unterhaltsarbeiten eingesetzt wurden.

Die Schlacht

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06_172/Schloss Itter 1979

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06_173/Haupteingang zum Schloss, 1979

Der letzte Kommandeur des Konzentrationslagers Dachau, Eduard Weiter, beging am 2. Mai 1945 nach seiner Flucht von Schloss Itter Selbstmord. Am 3. Mai 1945 verliess Zvonimir Čučković, ein Mitglied des jugoslawischen kommunistischen Widerstands, der im Schloss als Gehilfe arbeiten musste, das Gebäude unter dem Vorwand, für den Kommandeur des Schlosses, SS-Sturmbannführer Sebastian Wimmer, Hilfe zu holen. Er hatte einen Brief in englischer Sprache bei sich, den er dem ersten von ihm gefundenen Amerikaner geben sollte und in dem zu alliierter Hilfe aufgerufen wurde.

Das nur 5 km talabwärts gelegene Wörgl war noch in deutscher Hand, weshalb sich Čučković das Inntal aufwärts in Richtung des 70 km Fussweg entfernten Innsbruck begab. Am späten Abend erreichte er den Stadtrand von Innsbruck, wo er die Vorhut des 409. Infanterieregiments der amerikanischen 103. Infanteriedivision des VI. Corps antraf und über die Gefangenen im Schloss informierte. Die amerikanischen Soldaten wollten eine Rettungsaktion nicht auf eigene Faust starten, sagten aber Čučković eine Antwort ihres Kommandeurs bis zum Morgen des 4. Mai zu. Am Morgen stiess eine amerikanische Einheit in Richtung Schloss Itter vor, wurde jedoch auf halbem Wege kurz hinter Jenbach durch heftiges Artilleriefeuer zum Halten gebracht.

Als Čučković am 3. Mai nicht zurückkehrte, verliess Sebastian Wimmer seinen Posten, und die Wachmannschaften der SS-Totenkopfverbände folgten ihm bald danach. Daraufhin bewaffneten sich die Gefangenen mit dem zurückgelassenen Kriegsmaterial und übernahmen die Kontrolle über das Schloss.

Da Čučković auch am 4. Mai nicht zurückkam, entschloss sich am Mittag der tschechische Koch Andreas Krobot, mit dem Fahrrad nach Wörgl zu fahren und Hilfe zu suchen. Die Stadt war von der Wehrmacht geräumt, anschliessend aber von Einheiten der Waffen-SS besetzt worden. Hier fand er Angehörige des Österreichischen Widerstandes, die ihn zu Major Josef Gangl brachten. Dieser kommandierte die Reste einer Wehrmachtseinheit, die dem Räumungsbefehl nicht gefolgt war und sich dem Widerstand vor Ort angeschlossen hatte.

Gangl hatte bereits vor, die Gefangenen im Schloss zu befreien, wollte jedoch seine wenigen Soldaten nicht in einem Himmelfahrtskommando, gegen das von schwer bewaffneter SS bemannte Schloss opfern. Stattdessen hielt er seine Männer bereit, um Bewohner der Stadt vor Repressalien der SS zu schützen, bis die Amerikaner in der Stadt eintreffen würden. Nun sah sich Gangl aber gezwungen, den Amerikanern unter weisser Flagge entgegenzueilen, um sie um Hilfe zu bitten. Im 8 km entfernten Kufstein traf er auf eine Aufklärungseinheit der Amerikaner mit vier Panzern M4 Sherman des 23. Panzer-Battalions der 12. Panzer-Division des XXI. Corps der US Army unter dem Kommando von Hauptmann John C. "Jack" Lee. Dieser zögerte nicht, die erbetene Rettungsaktion einzuleiten, wofür er auch sofort Erlaubnis seines Kommandeurs erhielt.

Nachdem Lee und Gangl von Gangls Kübelwagen aus das Schloss beobachtet hatten, liess Lee zwei seiner Panzer zurück, übernahm aber fünf weitere sowie unterstützende Infanterie vom soeben eingetroffenen 142. US-Infanterieregiment der 36. Infanterie-Division. Lee sah sich jedoch an einer zu unsicher erscheinenden Brücke gezwungen, die Verstärkung zurückzuschicken und mit nur 14 US-Soldaten, Gangl sowie einem Lastwagen mit einem Fahrer und zehn ehemaligen Artilleristen der Wehrmacht zum Schloss vorzustossen, wobei er einen Panzer an der Brücke zurückliess. Der Vorstoss zum Schloss wurde gegen eine Einheit der Waffen-SS erzwungen, die vergeblich versuchte, den Weg zu blockieren.

Währenddessen baten die französischen Gefangenen den SS-Offizier Kurt-Siegfried Schrader, der sich zur Genesung von einer Verwundung in Itter befand, um Schutz. Als Lee das Schloss erreichte, wurde er freudig begrüsst, doch waren die ehemaligen Gefangenen angesichts der geringen Anzahl von Amerikanern enttäuscht. Während Lees Männer Verteidigungsstellungen um das Schloss herum einnahmen, wurde der Panzer (Besotten Jenny) am Haupttor aufgestellt. Obwohl Lee die befreiten Franzosen angewiesen hatte, sich zu verstecken, kämpften sie an der Seite der US- und Wehrmachtssoldaten. Gangl gelang es, Alois Mayr von der österreichischen Widerstandsgruppe in Wörgl anzurufen und um Hilfe zu bitten, woraufhin zwei weitere Wehrmachtssoldaten und der jugendliche Widerstandskämpfer Hans Waltl zum Schloss fuhren. Nachdem in der Nacht Spähtrupps das Schloss beobachtet hatten, griffen am Morgen des 5. Mai etwa 100 bis 150 Mann der Waffen-SS an. Gangl wurde beim Versuch, den ehemaligen französischen Premierminister Reynaud aus der Schusslinie zu bringen, von der Kugel eines Scharfschützen tödlich getroffen. Er starb als einziger der Verteidiger des Schlosses. Der Sherman-Panzer wurde durch eine 8,8-cm-FlaK 18/36/37 zerstört, doch gelang es dem amerikanischen MG-Schützen, sich in Sicherheit zu bringen.

Am frühen Nachmittag wurde schliesslich eine Entsatzeinheit des 142. Infanterieregiments in Marsch gesetzt. Der Tennisspieler Borotra meldete sich freiwillig, um sich durch die Linien der SS zu schlagen, und erreichte die US-Truppen, die er nun über die Lage im Schloss informieren konnte.

Die Entsatztruppen erreichten gegen 16 Uhr das Schloss und besiegten die Belagerer, wobei etwa 100 SS-Leute gefangen genommen wurden. Die befreiten französischen Gefangenen wurden am selben Abend nach Frankreich geschickt und erreichten Paris am 10. Mai 1945.

Historische Bewertung
Lee wurde für seinen Einsatz mit dem Distinguished Service Cross ausgezeichnet. Gangl wurde als Held des österreichischen Widerstands geehrt, und in Wörgl wurde eine Strasse nach ihm benannt.

Die Schlacht um Schloss Itter, geschlagen nur zwei Tage vor Kriegsende und fünf Tage nach Hitlers Tod, wird als die "seltsamste Schlacht des Zweiten Weltkrieges" bezeichnet und gilt als einzige Schlacht dieses Krieges, bei der Amerikaner und Deutsche auf einer Seite kämpften.