Der Zweite Weltkrieg / Band 09/1

Zusatzinformationen über die Geschehnisse im zweiten Weltkrieg 1. Teil

Vorwort und Themen dieses Buches

Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Grossmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den grössten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Er begann in Europa mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. In Ostasien befand sich das mit Deutschland verbündete Japan seit 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion und seit 1937 im Pazifikkrieg mit China. Im Kriegsverlauf bildeten sich zwei militärische Allianzen, die als Achsenmächte und Alliierte bezeichnet werden. Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten an diesem Krieg beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Der Krieg kostete über 60 Millionen Menschen das Leben und erfasste den ganzen Erdball.

Der Zweite Weltkrieg bestand in Europa aus Blitzkriegen, Eroberungsfeldzügen gegen die deutschen Nachbarländer mit Eingliederung besetzter Gebiete, der Einsetzung von Marionettenregierungen, Flächenbombardements sowie im letzten Jahr dem Einsatz von Atomwaffen in Japan; er verlief in drei Hauptphasen. Mittelbar starben Millionen Menschen durch Holocaust (Shoa), Porajmos und weitere Massenmorde, durch Zwangsarbeit und zahllose Kriegsverbrechen.

Das vorliegende Buch ist ein Zusammenzug von vorhandenen Daten und Dokumente und der Versuch diese in einen chronologischen Ablauf zu bringen. Die Quellen sind jeweils zu Beginn eines Themas aufgeführt.

Keiner dachte nach dem 1. Weltkrieg, dass ein solches furchtbares Ereignis noch übertroffen werden könnte. Aber bereits 15 Jahre später zogen wieder sehr düstere Wolken am Himmel dieser Welt auf. In Europa kam Adolf Hitler 1933 an die Macht und 1937 begann die Ausweitung des japanischen Kaiserreiches nach China und Südostasien. Bereits nach sechs Jahren an der Macht, begann Hitler mit dem Angriff auf Polen den zweiten Weltkrieg in Europa, nachdem er bereits vorher verschiedene Gebiete, die Deutschland nach dem ersten Weltkrieg an andere Staten abgeben musste, "zurück ins Reich" zu holen. Der Vertrag von Versailles und die daraus erstandenen Ungerechtigkeiten halfen mit, dass ein zum Sündenbock gemachtes Volk in einer charismatischen fanatischen Person sein Heil suchte und gelenkt von einem brutalen System in sein Verderben läuft. In dieser Dokumentation wird der Versuch gemacht, das ungeheure Verderbnis in wichtigen Abschnitten zusammen zu stellen. Auch sollen Details wie Waffentechnik und sonstige Besonderheiten aufgeführt werden.

Hauptthemen:

- Vorwort und Themen dieses Buches
- Vorwort Nachkriegszeit
- Kriegsverbrechen der Nazis
- Zwangsarbeit und Greuel
- Aufarbeitung
- Die Verbrechen der Nationalsozialisten
- Konzentrationslager
- Flucht und Vertreibung
- Menschenverluste der Wehrmacht an der "Ostfront"
- Übersicht Materialverluste zweite Weltkrieg
- Informationen über Technik und Ausrüstung
- Treibstoffproduktion 2. Weltkrieg
- Nachschub für Wehrmacht und Waffen-SS
- Nachrichtentruppe

Alle Themen:

- Vorwort und Themen dieses Buches
Vorwort Nachkriegszeit
- Kriegsverbrechen der Nazis
- Verbrechen der Wehrmacht
- Struktur und Rolle der Wehrmacht vor Kriegsbeginn
- Die Generalität
- Verbrecherische Befehle
- Kriegsgerichtsbarkeitserlass
- Osteuropa
- Polen
- Tschechoslowakei
- Sowjetunion
- Partisanenbekämpfung
- Behandlung der Kriegsgefangenen
- Krankenmorde
- Südosteuropa
- Zwangsarbeit und Greuel
- Zwangsarbeit
- Zerstörungsmassnahmen
- Sexuelle Gewalttaten
- Raub und Zerstörung von Kulturgütern
- Menschenversuche
- Wehrmacht und Recht
- Aufarbeitung
- Nürnberger Prozesse
- Nachkriegsordnung
- Rezeption
- Die Verbrechen der Nationalsozialisten
- "Alltag" in den Konzentrationslagern
- Holocaust - Das beispiellose Verbrechen
- Der systematische Völkermord
- Hitler und das "lebensunwerte Leben"
- Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges
- Liste Kriegsverbrechen im zweiten Weltkrieg
- Konzentrationslager
- Allgemeine Informationen
- 1933 bis 1935
- 1936 bis 1938
- 1939 bis 1941
- 1942 bis 1945
- Die KZ-Systeme im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten
- Funktion der KZ
- Organisation
- Befreiung von Überlebenden
- Weitere NS-Lager in besetzten Gebieten
- Aufarbeitung
- Flucht und Vertreibung
- Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950
- Potsdamer Beschlüsse
- Zwangsaussiedlung
- Zahlen zu Flucht und Vertreibung
- Die "wilden" Vertreibungen aus der Tschechoslowakei
- Neubesiedlung der Vertreibungsgebiete
- Aufnahme in Deutschland und Österreich
- Menschenverluste der Wehrmacht an der "Ostfront"
- Verluste der Wehrmacht an der "Ostfront" nach Monaten
- Übersicht Menschen-Verluste im zweiten Weltkrieg
- Übersicht Materialverluste zweite Weltkrieg
- Flugzeugverluste
- Verluste an Kriegsschiffen und Handelsschiffen
- Panzerverluste
- Informationen über Technik und Ausrüstung
- Deutsche Funkmesstechnik im Zweiten Weltkrieg
- Aufrüstung der Wehrmacht
- Skurille Erfindungen der Wehrmacht im Dritten Reich
- Versenkt, verscharrt, verschollen
- Treibstoffproduktion 2. Weltkrieg
- Wie wichtig war Öl im Zweiten Weltkrieg?
- Lebenssaft der Wehrmacht
- Mineralölsicherungsplan
- Deutsches synthetisches Benzin
- Nachschub für Wehrmacht und Waffen-SS
- Nachschubtruppen
- Versorgung im Feldheer der Wehrmacht
- Nachrichtentruppe
- Nachrichten- und Verbindung von Wehrmacht und Waffen-SS
- Propaganda Truppe der Wehrmacht

Vorwort Nachkriegszeit

Am 30. April 1945 begeht Adolf Hitler in Berlin Selbstmord. Der Krieg war verloren. Das deutsche Oberkommando unterzeichnet am 8. Mai 1945 im französischen Reims beziehungsweise am Morgen des 9. Mai in Berlin die bedingungslose Kapitulation.

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091_01/Karte mit den Besatzungszonen

Deutschland wird von den Siegermächten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Zwischen 1945 und 1949 übernahm der Alliierte Kontrollrat die Verwaltung. Auf der Potsdamer Konferenz verhandelten die USA, Grossbritannien und Sowjetunion über die Zukunft des Deutschen Reiches. Differenzen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion führten aber schnell dazu, dass aus der Kooperation ein Kalter Krieg wurde, der Deutschland in zwei Staaten teilte.

In Teil 07 der zusammengestellten Dokumentation über den zweiten Weltkrieg in Europa und Afrika werden verschiedene Themen zur Bewältigung, respektive Informationen zu den Geschehnissen und Ereignissen während und nach der Kapitulation aufgeführt.

Neben der Versorgung der Bevölkerung, die zu sichern versucht wurde, hatten sich die vier Besatzungsmächte Grossbritannien, Sowjetunion, USA und (später hinzutretend) Frankreich bei der Nachkriegsordnung Deutschlands anfangs auf fünf Ziele geeinigt: Demontage, Demilitarisierung, Denazifizierung, Demokratisierung und Dezentralisierung ("die fünf Ds"). Die Siegermächte verstanden jedoch darunter sehr Unterschiedliches, zum Teil einander Widersprechendes. Sie verfolgten diese Ziele in ihren vier Besatzungszonen mehr oder minder energisch und auf sehr verschiedenen Wegen, was mit Hinblick auf die sich abzeichnende bipolare Weltordnung des späteren Ost-West-Konflikts zu konträren Ergebnissen führte.


 

 

 

 

Kriegsverbrechen der Nazis

Verbrechen der Wehrmacht    
(aus Wikipedia)

Als Verbrechen der Wehrmacht werden Verbrechen bezeichnet, die Angehörige der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg begangen haben. Zu ihnen gehören Planung und Durchführung von Angriffs- und Vernichtungskrieg, Massenmorde an Zivilisten und als Partisanen Verdächtigten, Misshandlung und Ermordung von Kriegsgefangenen, Besatzungsverbrechen sowie die direkte und indirekte Teilnahme an Völkermorden, darunter dem Holocaust und dem Porajmos. Die Wehrmachtführung erliess verbrecherische Befehle, die gegen Normen des Kriegsvölkerrechts (Genfer Konventionen, Haager Landkriegsordnung und Gepflogenheiten des Krieges) verstiessen.

Die juristische und politische Aufarbeitung dieser Verbrechen ist bis heute nicht abgeschlossen. In NS-Prozessen seit 1945 wurden nur wenige Verbrechen der Wehrmacht verhandelt. Sie wurden in der Bundesrepublik Deutschland lange öffentlich bestritten oder verharmlost, ihre Strafverfolgung verschleppt und behindert. Wie viele einfache Soldaten an ihnen beteiligt waren, die Opferzahlen und die Motive der Täter sind bis heute umstritten.

Verbrechensbereiche
Verbrechen der Wehrmacht verteilen sich auf die Vorbereitung eines Angriffskriegs, der auf Vernichtung zielte, und tödliche Begleiterscheinungen und Folgen der Kriegführung. Ersteres geschah vor allem in Bezug auf Osteuropa, Letzteres geschah in und nach allen Eroberungskriegen der Wehrmacht, zuletzt auch beim Rückzug deutscher Truppen im "Altreich".

Die Verbrechen erfolgten hauptsächlich in folgenden Bereichen:

Sie fanden vor allem in den rückwärtigen Gebieten der Ostfront statt, so dass Besatzungsverbände mit etwa 700'000 Soldaten im Herbst 1943 daran häufiger beteiligt waren als Frontverbände mit etwa zwei Millionen Soldaten. Einheiten wie die Geheime Feldpolizei oder das so genannte Jagdkommando waren durch ihr Aufgabengebiet erheblich stärker an den Verbrechen beteiligt als die restlichen Soldaten ihrer Divisionen.

Struktur und Rolle der Wehrmacht vor Kriegsbeginn    
(aus Wikipedia)

Die Wehrmacht war 1935 aus der Reichswehr hervorgegangen, deren Offizierskorps auch in der Weimarer Zeit grossenteils die konservativen und reaktionären Traditionen des Kaiserreichs fortgesetzt und bewahrt hatte.

Diese Wandlung vollzog sich in mehreren Schritten: Voraussetzung war die Zustimmung zur Wiederaufrüstung ab Herbst 1933, danach folgte die Aufnahme vieler ehemaliger SA- und Polizeiangehöriger nach dem Röhm-Putsch (der indirekt auch auf Betreiben der Wehrmacht ausgeführt wurde, da sie die SA als so genanntes "Volksheer" und unliebsamen Konkurrenten sah). Neu war sodann der Führereid 1934 sowie die Einführung der Wehrpflicht und Neubildung von Oberkommandos für alle Teilbereiche 1935. So gab die Militärführung die Theorie der zwei Machtsäulen von Partei und Militär schrittweise auf und wurde überwiegend zur Armee des Dritten Reiches ausgebaut.

Im Januar 1938 stürzten der Reichswehrminister Werner von Blomberg und der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Werner von Fritsch, über Homosexuellen-Vorwürfe (Fritsch) und Intrigen der SS. Dies öffnete Hitler den Weg, sich selbst als Oberbefehlshaber einzusetzen und NS-treue Generäle in leitenden Dienststellungen einzuführen (Keitel und Jodl). Als Führungsorgan trat das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) an die Stelle des Reichswehrministeriums. Nachdem Hitler das OKW einrichtete und übernahm, war die Wehrmacht eine der tragenden Machtsäulen des NS-Regimes, mit dessen Interessen sie ideologisch und politisch weitgehend übereinstimmte. Mit rund 18 Millionen Angehörigen während des Krieges wurde die Wehrmacht auch militärisches Instrument für die nationalsozialistische Eroberungs- und Vernichtungspolitik.

Aufgrund der Aufarbeitung umfangreicher Dokumente der Wehrmacht ist es unbestreitbar, dass das Heer auch aktiv an Vernichtungsaktionen teilnahm und die Wehrmacht durch aktives Handeln oder Unterlassen an Verbrechen beteiligt war. Besonders die Oberkommandos, aber auch mittlere Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften waren an Massenverbrechen in den besetzten Gebieten beteiligt.

Die Generalität     
(aus Wikipedia)

Ein relativer Konsens besteht über die politische Mitverantwortung der Wehrmachtführung für viele NS-Verbrechen in den von deutschem Militär besetzten und verwalteten Gebieten. Die Kriegsverbrechen der Wehrmacht waren häufig Teil der spezifisch nationalsozialistischen Gewaltverbrechen und ermöglichten diese zum Teil erst in dem ausgeführten Umfang. Sie lassen sich daher historisch nicht klar von den grossangelegten Deportations-, Vertreibungs- und Ausrottungsvorhaben des NS-Regimes trennen. Mitwissen, Zustimmung oder offene beziehungsweise stillschweigende Duldung des Grossteils der Generalität hinsichtlich der Planung und Ausführung der Verbrechen kann als erwiesen gelten. Dies wird durch etliche Befehle und Anweisungen von OKW, einzelnen Generälen und untergeordneten Befehlsstellen deutlich.

Hitler und die Wehrmachtführung bezogen wesentliche Impulse aus der Schrift Erich Ludendorffs "Der totale Krieg von 1934". In dieser wurde eine optimale Mobilisierung der Gewaltbereitschaft und eine Einheit zwischen ziviler Gesellschaft und militärischer Organisation eingefordert. Wesentliche Elemente nationalsozialistischer Gedanken wurden von Ludendorff vorformuliert. Und obwohl Ludendorff damit Hitler eines der nachhaltigsten Stichwörter der NS-Ideologie geliefert hat, wich dessen Militärstrategie im totalen Krieg doch inhaltlich deutlich von den Überlegungen Ludendorffs ab. Anders als Ludendorff, der basierend auf der Dolchstosslegende dem Militär sämtliche Verfügungsgewalt überlassen wollte, sah Hitler den Krieg als genuin politisch an; dadurch gewann der Krieg an Grausamkeit, die weder der Ideologie Ludendorffs noch seines geistigen Antipoden Clausewitz, dessen Werk Ludendorff als überholt betrachtete, unterlag.

Schon vor Ausbruch des Krieges wurde die Armee durch Erlasse der Führung auf einheitliche ideologische Linie mit dem NS-Staat eingeschworen. Generaloberst Werner von Fritsch, Oberbefehlshaber des Heeres bis 1937, erwartete gemäss Erlass vom 25. April 1936 besonders vom Offizier,

"… dass er den Anschauungen des 3. Reiches gemäss handelt, auch wenn solche Anschauungen nicht in gesetzlichen Bestimmungen, Verordnungen oder dienstlichen Befehlen festgelegt sind".

Der Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber des Heeres ab 1938 Walther von Brauchitsch betonte Ende 1938 in einem Erlass über die Erziehung des Offizierskorps:

"Wehrmacht und Nationalsozialismus sind desselben geistigen Stammes. Sie werden weiter Grosses für die Nation leisten, wenn sie dem Vorbild und der Lehre des Führers folgen, der in seiner Person den echten Soldaten und Nationalsozialisten verkörpert".

OKW und OKH-Dokumente belegen eindeutig, dass die Entwürfe für den Gerichtsbarkeitserlass Barbarossa und den Kommissarbefehl im Verantwortungsbereich des OKW (Halder, Müller, Jodl, Warlimont u. a.) und der Wehrmacht vorgedacht und ausgearbeitet wurden.

Etliche andere Befehle der Führung forderten von der Truppe ein extrem hartes und teilweise völkerrechtswidriges Vorgehen. Beispiele hierfür sind der Befehl Keitels vom 16. September 1942, ein Befehl des Befehlshabers der Panzergruppe 4, Erich Hoepner, vom Mai 1941 oder Generalfeldmarschall von Mansteins vom 20. November 1941.

Verbrecherische Befehle     
(aus Wikipedia)

Kommissarbefehl
Am 30. März 1941 wies Hitler auf einer Konferenz zur Vorbereitung des "Russlandkrieges" (Unternehmen Barbarossa) die anwesenden Generäle an, die sowjetischen "Kommissare" (Parteifunktionäre) nach Kriegsbeginn zu töten. Dieser Absicht folgend formulierten das OKW und die Rechtsabteilung des Oberkommandos des Heeres (OKH) entsprechende Befehle.

Der Kommissarbefehl des OKW vom 6. Juni 1941 befahl, "politische Kommissare jeder Art und Stellung" – zivile sowjetische Parteifunktionäre und Führungsoffiziere in der Roten Armee – schon wegen des blossen Verdachts von Widerstand oder Sabotage sofort auf dem Gefechtsfeld oder nach Gefangennahme hinzurichten:

"Diese Kommissare werden nicht als Soldaten anerkannt; der für Kriegsgefangene völkerrechtliche Schutz findet auf sie keine Anwendung".

General Walter Warlimont, der die Ausführungsrichtlinien des Befehls im Auftrag des OKW unterzeichnete, bekräftigte, dass hier "eine Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme" falsch sei: "Sie sind daher, wenn im Kampf oder Widerstand ergriffen, grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen". Auch Generalleutnant Hermann Reinecke übernahm den Befehl für die ihm unterstehende Abteilung Kriegsgefangene im OKW mit einem Grundsatzbefehl vom 8. September 1941 dahingehend, dass der "Waffengebrauch gegenüber sowjetischen Kriegsgefangenen in der Regel als rechtmässig gilt".

Dahinter stand auch die antisemitische Wahnidee, dass es sich bei sowjetischen Parteifunktionären mehrheitlich um Juden handele und diese die Führungspositionen in der Roten Armee innehätten. "Kommissar" und "Jude" wurden somit in der Praxis häufig gleichgesetzt. Bis Juli 1941 gab es dort jedoch nur niedere Ränge, sogenannte Politruks (Politarbeiter, Agitatoren). Nach Bekanntwerden des Befehls entfernten zudem viele sowjetische Führungsoffiziere ihre Abzeichen von den Uniformen und waren dann nicht mehr von einfachen Soldaten unterscheidbar.

Der Kommissarbefehl wurde den drei Wehrmachtteilen und den Oberbefehlshabern aller Armeen und Luftflotten schriftlich, von dort aus den meisten rangniederen Einheiten mündlich weitergegeben. Er stiess zwar in einigen Truppenteilen auf Widerspruch, wurde jedoch laut Aktenlage von bis zu 80 Prozent der deutschen Divisionen vollstreckt. Im Ergebnis führten deutsche Fronttruppen laut Aktenbelegen 4'000 Exekutionen durch, die Gesamtopferzahl könnte aber auch im fünfstelligen Bereich liegen. Im Mai 1942 hob Hitler den Kommissarbefehl nach einer Bitte des OKH zur Überprüfung versuchsweise auf, um den feindlichen Widerstand aufzuweichen und eingeschlossene sowjetische Truppen eher zur Kapitulation zu bewegen. Danach wurde der Befehl nicht erneuert, jedoch für Juden unter den Rotarmisten bis zum Kriegsende weiter vollzogen.

Kriegsgerichtsbarkeitserlass     
(aus Wikipedia)

Am 14. Mai 1941 erliess das OKW den von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichneten Kriegsgerichtsbarkeitserlass. Dieser sah vor,

Gemeint war, als Herkunft von Partisanen verdächtige Orte kollektiv zu bestrafen, etwa durch Niederbrennen, Töten und Deportieren der Einwohner. Ausdrücklich verboten wurde, "verdächtige Täter zu verwahren, um sie […] an die Gerichte weiterzugeben". Damit entzog der Erlass als Partisanen verdächtigten Zivilisten von vornherein jeden Rechtsschutz und erlaubte beziehungsweise befahl den Truppeneinheiten Lynchjustiz und Kollektivgewalt an der sowjetischen Zivilbevölkerung. Zugleich entzog er den Militärgerichten die gesetzliche Pflicht zur Strafverfolgung der Täter ausser bei exzessiven Vergewaltigungen.

Sühnebefehl
Mit dem Sühnebefehl vom 16. September 1941 erging vom OKW die Weisung an die Truppe, für jeden aus dem Hinterhalt getöteten Soldaten 50 bis 100 Zivilpersonen zu töten. Zu diesem Zweck wurden vorsorglich Zivilisten (vorrangig Kommunisten, Juden und Zigeuner) als Geiseln interniert.

Nacht- und Nebelerlass
Mit dem Nacht- und Nebelerlass vom 7. Dezember 1941 gab das OKW die geheime Anweisung, des Widerstands verdächtigte Personen aus Frankreich, Belgien, Holland und Norwegen bei Nacht und Nebel ohne Militärgerichtsverfahren nach Deutschland an einen geheimen Ort zu verschleppen. Davon versprach sich die Wehrmachtsführung einen grösseren Abschreckungseffekt.

Kommandobefehl
Mit dem Kommandobefehl vom 18. Oktober 1942 erging über das OKW die Weisung als Geheime Kommandosache an die Truppe, Angehörigen alliierter Kommandoeinheiten sei jeder Pardon zu verweigern. Sollte die Wehrmacht lebende Gefangene erhalten, wären sie zur Liquidierung an den Chef der Sicherheitspolizei und des SD zu übergeben.

Kugel-Erlass
Mit dem Kugel-Erlass des OKW vom März 1944 erging ein Geheimbefehl mit der Weisung, wiedergefangene Offiziere und höhere Unteroffiziere nach ihren Fluchtversuchen an den Chef der Sicherheitspolizei und des SD zu übergeben. Diese Kriegsgefangenen kamen dann in das KZ Mauthausen, wo sie systematisch ermordet wurden.

Zahlen
Täter
Die Anteile einfacher Wehrmachtsoldaten im Ostheer an den Verbrechen sind ebenso wie die Kriterien für ihre Beteiligung umstritten. Schätzungen reichen von unter fünf Prozent bis zu achtzig Prozent.

Juristisch wurden 0,05 Prozent der Wehrmachtssoldaten von deutschen und alliierten Gerichten wegen Kriegsverbrechen oder Beteiligung am Holocaust verurteilt. In diese Zahl eingeschlossen sind auch die Massenurteile der sowjetischen Gerichtsbarkeit aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, von denen die meisten Anfang der 1990er Jahre von der Militärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation als unbegründet aufgehoben wurden.

Opfer
Der Kommissarbefehl führte zu einigen Tausend Todesopfern. Der Befehl zur Auslieferung von jüdischen und politischen Kriegsgefangenen an den SD führte zu nachgewiesenen 140'000 Opfern. Schätzungen veranschlagen jedoch bis zu 600'000 Opfer.

Über die Anzahl der Partisanen und der gegen sie eingesetzten deutschen Truppen, die Verluste auf beiden Seiten sowie die Opfer unter der Zivilbevölkerung kann, nicht nur für die östlichen Kriegsschauplätze, wegen erheblicher Quellenprobleme kaum etwas Präzises ausgesagt werden. Meist handelt es sich um verschiedene, stark voneinander abweichende Schätzungen.

Insgesamt starben nach einer Schätzung von Christian Streit 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene, das sind 57 Prozent aller in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen Rotarmisten. Nach Angaben von David J. Dallin verstarben sogar 3,7 Millionen bzw. 63 %. Zwei Millionen waren bereits vor dem Frühjahr 1942 tot, weil sie nicht schonend behandelt werden sollten und ihre Aufnahme in Lagern mangelhaft oder gar nicht vorbereitet worden war. Das Massensterben ging zurück, als man die Kriegsgefangenen der Sowjets als Arbeitskraft benötigte, aber erst ab Juli 1944 wurden sie wie westliche Gefangene versorgt. Nach der Quellenlage lässt sich die Frage, wie "Absicht oder Notstand" zusammenwirkten, zwar nicht abschliessend, aber dahingehend beantworten, dass sich ein erheblicher Teil der Truppenführer die ideologischen Vorgaben der politischen Führung zu eigen gemacht hatte. Bei englischen und amerikanischen Kriegsgefangenen betrug die Todesrate etwa 3,5 Prozent.

Osteuropa

Polen    
(aus Wikipedia)

Adolf Hitler machte den Heeresgruppenführern und Armeeführern auf dem Obersalzberg am 26. August 1939 klar, dass ein militärischer Sieg im vorbereiteten Überfall auf Polen nicht ausreiche. Vielmehr komme es "auf die Beseitigung der lebendigen Kräfte" an, um das zu erobernde Gebiet für das deutsche "Volk ohne Raum" zu sichern. Dazu vereinbarten Reinhard Heydrich und Eduard Wagner, Generalquartiermeister des Heeres, schriftlich, dass "rückwärts der fechtenden Truppe" sogenannte Einsatzgruppen aus SS, Sicherheitspolizei und SD die "Bekämpfung aller reichs- und deutschfeindlichen Elemente" wahrnehmen sollten. Aus dem Vorgehen im Reich war bekannt, dass darunter vor allem Juden und Kommunisten zu verstehen waren. Die Wehrmachtführung trat ihre nach der Haager Landkriegsordnung gegebene Verantwortung für die besetzten Gebiete und deren Zivilbevölkerung also an die Kräfte ab, die bereits im Reich mit den rassenpolitischen Säuberungen beschäftigt waren.

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091_02/Vom Infanterieregiment 15 (mot.) erschossene polnische Kriegsgefangene in Ciepielów (9. September 1939)

Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) und des Heeres (OKH) vertraten die Notwendigkeit dieser Vereinbarung aktiv gegenüber dem Offizierskorps. Walther von Brauchitsch bot Himmler Unterstützung bei ihrer Erklärung an; einzelne Generale wie Walter von Reichenau, Erich von Manstein und andere waren für die propagandistische Indoktrination der Truppenkommandeure zuständig. Diese und die unmittelbar Ausführenden blieben nach geltendem Recht jedoch verantwortlich für ihre Taten. Das Militärstrafgesetzbuch

(MStGB), die Kriegsstrafverfahrensordnung (KStVO) und die Kriegssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO) bedrohten Vergehen gegen die "Manneszucht", das heisst insbesondere Plünderung und Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung, mit Festungshaft oder Todesstrafe. Allerdings setzten der Kriegsgerichtsbarkeitserlass und andere Verordnungen diese Gesetze faktisch ausser Kraft.

Angeknüpft wurde an eine traditionelle, am "Kriegszweck" orientierten Abwertung des Kriegsvölkerrechts. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, verfügte am 12. September 1939 mit einer "Verordnung über Waffenbesitz", dass die Gebiete westlich von San, Mittellauf Weichsel und nördlich des Narew nicht mehr als Kampfgebiet anzusehen seien. Tausende versprengter polnischer Soldaten, die sich noch in diesen Gebieten aufhielten und als Kombattanten mit dem Recht zu kämpfen bzw. Waffen zu tragen hätten angesehen werden müssen, wurden dadurch zu Freischärlern, Räubern und Banditen erklärt. Damit wurden Massaker wie die Erschiessung Hunderter solcher polnischen Soldaten am 8. September im Wald bei Ciepielów legitimiert.

Gemäss der vereinbarten Aufgabenteilung sorgte die Wehrmacht für Unterkünfte, Versorgung und Kraftfahrzeuge der Einsatzgruppen, die in und nach dem Polenfeldzug bis Ende 1939 etwa 60'000 polnische Intellektuelle, darunter 7'000 Juden, ermordeten. Die Wehrmachtführung blieb in diese letalen Tätigkeiten eingebunden. Mehr als 3'000 polnische Soldaten wurden abseits der Kampfhandlungen von deutschen Soldaten ermordet. Zwischen dem 1. September und dem 25. Oktober 1939 wurden über 16'000 Zivilisten hingerichtet. Es ist davon auszugehen, dass zumindest während des deutschen Einmarsches mehr als die Hälfte der Opfer auf das Konto der Wehrmacht gingen. Historiker wie Gerd R. Ueberschär kommen daher zu dem Ergebnis: "Die Wehrmacht war bereits in Polen erheblich in die NS-Verbrechen verstrickt". Bis Februar 1940 erhoben Vertreter der Heeresführung wie Generaloberst Johannes Blaskowitz bei Brauchitsch zwar Vorwürfe gegen das Vorgehen von Polizei- und SS-Verbänden, fanden dort aber kein Gehör mehr. Mit seinem Befehl "Heer und SS" vom 7. Februar 1940 betonte Brauchitsch vielmehr die Notwendigkeit der von Hitler "für die Sicherung des deutschen Lebensraumes" angeordneten "Lösung volkspolitischer Aufgaben", die "zwangsläufig" zu sonst ungewöhnlichen, harten Massnahmen gegen die polnische Bevölkerung geführt habe.

Durch den geheimen Gnadenerlass nach dem Polenfeldzug wurden deutsche Straftaten auf polnischem Gebiet am 4. Oktober 1939 amnestiert.

Tschechoslowakei    
(aus Wikipedia)

Nach dem Münchner Abkommen wurde durch die Zerschlagung der Rest-Tschechei der Tschechische Landesteil der Tschechoslowakei völkerrechtswidrig durch die Wehrmacht besetzt. Nach dieser Annexion wurde das unter deutscher Verwaltung stehende Reichsprotektorat Böhmen und Mähren errichtet. Aus dem slowakischen Landesteil wurde der Slowakische Staat, ein vom Deutschen Reich kontrollierter Sa