Der Zweite Weltkrieg / Band 09/2

Zusatzinformationen über die Geschehnisse im zweiten Weltkrieg 2. Teil

Vorwort und Themen dieses Buches

Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Grossmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den grössten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Er begann in Europa mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. In Ostasien befand sich das mit Deutschland verbündete Japan seit 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion und seit 1937 im Pazifikkrieg mit China. Im Kriegsverlauf bildeten sich zwei militärische Allianzen, die als Achsenmächte und Alliierte bezeichnet werden. Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten an diesem Krieg beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Der Krieg kostete über 60 Millionen Menschen das Leben und erfasste den ganzen Erdball.

Der Zweite Weltkrieg bestand in Europa aus Blitzkriegen, Eroberungsfeldzügen gegen die deutschen Nachbarländer mit Eingliederung besetzter Gebiete, der Einsetzung von Marionettenregierungen, Flächenbombardements sowie im letzten Jahr dem Einsatz von Atomwaffen in Japan; er verlief in drei Hauptphasen. Mittelbar starben Millionen Menschen durch Holocaust (Shoa), Porajmos und weitere Massenmorde, durch Zwangsarbeit und zahllose Kriegsverbrechen.

Das vorliegende Buch ist ein Zusammenzug von vorhandenen Daten und Dokumente und der Versuch diese in einen chronologischen Ablauf zu bringen. Die Quellen sind jeweils zu Beginn eines Themas aufgeführt.

Keiner dachte nach dem 1. Weltkrieg, dass ein solches furchtbares Ereignis noch übertroffen werden könnte. Aber bereits 15 Jahre später zogen wieder sehr düstere Wolken am Himmel dieser Welt auf. In Europa kam Adolf Hitler 1933 an die Macht und 1937 begann die Ausweitung des japanischen Kaiserreiches nach China und Südostasien. Bereits nach sechs Jahren an der Macht, begann Hitler mit dem Angriff auf Polen den zweiten Weltkrieg in Europa, nachdem er bereits vorher verschiedene Gebiete, die Deutschland nach dem ersten Weltkrieg an andere Staten abgeben musste, "zurück ins Reich" zu holen. Der Vertrag von Versailles und die daraus erstandenen Ungerechtigkeiten halfen mit, dass ein zum Sündenbock gemachtes Volk in einer charismatischen fanatischen Person sein Heil suchte und gelenkt von einem brutalen System in sein Verderben läuft. In dieser Dokumentation wird der Versuch gemacht, das ungeheure Verderbnis in wichtigen Abschnitten zusammen zu stellen. Auch sollen Details wie Waffentechnik und sonstige Besonderheiten aufgeführt werden.

Hauptthemen:

- Vorwort und Themen dieses Buches
- Hitler, der Albtraum der Menschheit
- Hitlers Feldmarschälle
- Hitlers Zuwendungen (Schlechthin unwürdig)
- Die hohen Verluste der Roten Armee
- Europa nach dem Krieg

Alle Themen:

Vorwort und Themen dieses Buches
- Hitler, der Albtraum der Menschheit
- Wer finanzierte Hitler und die NSDAP?
- Hitlers Schuldendiktat: Wie Hitlers Kriegswirtschaft wirklich lief
- Hitlers willige Buchhalter
- Die verschwundenen Schätze der Nazis
- Hitler und die wichtigsten Helfer
- Hitlers Feldmarschälle
Übersicht der Feldmarschälle
- Heer
- Luftwaffe
- Marine
- Hitlers Zuwendungen (Schlechthin unwürdig)
- Korruption auf hohem Niveau
- Adolf Hitler – Massenmörder und Multimillionär
- War Hitler ein Junkie?
- Die Droge, mit der Hitlers Soldaten in den Krieg zogen
- Die hohen Verluste der Roten Armee
- Wie die hohen Verluste der Roten Armee entstanden
- Europa nach dem Krieg
- Deutschland 1945 bis 1949
- Berliner Luftbrücke
- Londoner Schuldenabkommen
- Der Marshallplan

Hitler, der Albtraum der Menschheit

Wer finanzierte Hitler und die NSDAP?     
(sauber.50webs)

Ohne Geld keine Revolution, ohne Geld kein Hitler. Wer gab der NSDAP so viel Geld, dass sie innerhalb von zehn Jahren aus dem Nichts an die Macht kommen konnte? Unsere Spurensuche zeigt: Niemand spendete Hitler aus Idealismus Geld. Jeder sah in ihm einfach ein Mittel zum eigenen Zweck. Eine Rezension über das Buch "Der finanzierte Aufstieg des Adolf H". von Wolfgang Zdral.

"Geld ist das Brecheisen der Macht. Friedrich Nietzsche"

Bevor wir Hitlers weiteren Aufstieg zur Macht weiterverfolgen, gehen wir hier der Frage nach, wer seine Geldgeber waren. Denn Geld ist das Benzin, nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Weltpolitik. Zu Recht kommentiert das Ministerium des Äusseren im Jahre 1923 über die Nazis: "Wie zum Krieg, so gehört zur Revolution erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld. Ohne Geld keine Revolution".

Als Adolf Hitler im Herbst 1919 erstmals zur NSDAP stösst, befinden sich in der Parteikasse gerade mal 7 Mark und 50 Pfennig. "Das war ja eine Vereinsmeierei allerärgster Art", erinnert sich Hitler. "Ausser einigen Leitsätzen war nichts vorhanden, kein Programm, kein Flugblatt, überhaupt nichts Gedrucktes, keine Mitgliedskarten, ja nicht einmal ein armseliger Stempel". Hitler bemüht sich um zusätzliches Geld, doch das ist eine frustrierende Arbeit, welche die Parteikasse nach grossen Anstrengungen auch nur mit lächerlich geringen 700 Reichsmark füllt.

Die politische Existenz der NSDAP steht denn auch mehr als einmal in Frage: Nach dem missglückten Hitler-Putsch im Herbst 1923 wandert der NS-Chef ins Gefängnis, die Partei wird bis 1925 verboten und die Regierung beschlagnahmt das Vermögen. "Bis zu den ersten Reichstagswahlen mit NSDAP-Beteiligung bleibt die Basis wackelig", schreibt Wolfgang Zdral in seinem Buch "Der finanzierte Aufstieg des Adolf H".. Im Januar 1928 berichtet die Münchner Polizei: "Die von Hitler immer wieder behaupteten Fortschritte der nationalsozialistischen Bewegung treffen besonders für Bayern nicht zu. In Wirklichkeit ist das Interesse an der Bewegung sowohl auf dem Lande als auch in München im Abflauen begriffen. Sektionsversammlungen, an denen im Jahre 1926 noch 3'000 bis 4'000 Personen teilnahmen, sind nur mehr von höchstens 60 bis 80 Mitgliedern besucht".

Auch das Votum der deutschen Wähler am 20. Mai 1928 fällt für die Nationalsozialisten enttäuschend aus: Nur zwölf Abgeordnete dürfen in den Reichstag einziehen - von Erfolg kann da noch keine Rede sein. Dies ändert sich erst mit der Wahl vom 14. September 1930, bei der die NSDAP 107 Mandate erzielt. Zdral: "Eine absolute Mehrheit schafft Hitler bis zu seiner Machtübernahme nie; 37 Prozent der Stimmen bleiben sein bestes Ergebnis".

Es war also keineswegs ein unaufhaltbarer Aufstieg, durch den Hitler an die Macht kam. Um das Jahr 1928 hätte die NSDAP genauso gut wieder untergehen können - wenn da nicht auf einmal beträchtliche Parteispenden gewesen wären, die Hitler die Mittel für gewaltige Propagandaschlachten lieferten.

Dieser Artikel soll der Frage nachgehen, wer Hitler und der NSDAP wann wieviel Geld aus welchen Gründen gegeben hat - wenn auch diese Frage nicht endgültig zu beantworten ist, da viele Dokumente "verschollen" und manche Quellen nicht über alle Zweifel erhaben sind.

Die ersten Geldgeber Hitlers
Wenn ein kleiner österreichischer Gefreiter innerhalb von vierzehn Jahren aus dem Nichts eine Massenbewegung aufbaut, wenn er eine Hunderttausende zählende Privatarmee wie die SA auszurüsten (die SA hatte 1924 30'000, 1930 80'000, 1932 220'000, 1933 400'000 und 1934 etwa 4 Millionen Mitglieder), auszubilden und zu ernähren vermag und eine gewaltige Propagandamaschinerie inklusive Grossveranstaltungen mit hunderttausend Teilnehmern finanziert, wenn er zweimal die Woche und später täglich den Völkischen Beobachter herausgeben kann, wenn er überall klotzt und nicht kleckert - feudale Parteizentralen kauft, Tausende von Flaggen und gleich zwei Flugzeuge aufs Mal - dann muss das Geld in Strömen fliessen oder gigantische Schuldenberge müssen in die Höhe wachsen.

Bei Hitler ist beides der Fall. Das Geld fliesst überreichlich und reicht doch oft nicht aus. "Selbst die engsten Getreuen Hitlers leiden unter den masslosen Ansprüchen des Chefs", schreibt Wolfgang Zdral in "Der finanzierte Aufstieg des Adolf H".. Joseph Goebbels nach der Eröffnung der Berliner NS-Dependance: "Die Finanzlage war katastrophal. Der Gau-Berlin besass damals nichts als Schulden. ( ... ) Keiner will uns Kredit geben. Wenn man die Macht hat, kann man Geld genug bekommen, aber dann braucht man es nicht mehr. Hat man die Macht nicht, dann bedarf man des Geldes, aber dann bekommt man es nicht".

Zwar stellen die Behörden nach Hitlers Putschversuch im Jahre 1923 fest, dass die NSDAP über ein Vermögen von 170'000 Goldmark verfügt (damals enorm viel Geld), doch die Partei hatte bei der Machtübernahme mehrere Millionen Mark Schulden und die SA-Leute mussten auf die Strasse, mit ihren Büchsen klappern und Geld zusammenbetteln.

Ohne massive Geldspenden hätte also die NSDAP niemals den Lauf der Weltgeschichte dermassen beeinflussen können, wie sie es später tat. Hitler wäre ein belächelter Eiferer unter vielen geblieben, eine verkrachte Existenz mit Grössenwahn.

Deshalb ist es gerechtfertigt, dass man den Spuren des Geldes folgt und fragt: Welche Kreise haben Hitler langsam, aber sicher zur Macht verholfen? Gab es einen Augenblick, wo man ihn durch Entzug von Spenden hätte stoppen können? Oder war er nur eine willkommene Figur im Schachspiel der wirklich Einflussreichen? In einem Spiel, bei dem die Regeln von unsichtbaren Spielern gemacht werden?

Dichter, Gönner, Magier - Dietrich Eckart 1920

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092_01/Dietrich Eckart war ein früher Anhänger des Nationalsozialismus und Ideengeber Adolf Hitlers.

Der Schriftsteller Dietrich Eckart, ein depressiver morphium- und alkoholsüchtiger Frauenhasser, jener Mann, der nach Hitlers eigenem Bekunden die grösste Bedeutung für seinen Lebensweg hatte, weiht den jungen Revolutionär nicht nur in schwarzmagische Riten ein, sondern öffnet ihm auch finanziell immer wieder Türen. Zu seinen frühesten Gönnern gehört das Ehepaar Edwin und Helene Bechstein, Miteigentümer der berühmten Pianofabrik C. Bechstein. Helene Bechstein nimmt den jungen Hitler unter ihre Fittiche, bringt ihm Benehmen bei und die richtige Art, sich zu kleiden. Immer wieder gibt sie ihm Geld; einmal die stolze Summe von 45'000 Mark als Darlehen, die er in gegenseitigem Einverständnis aber nie zurückzahlt. Sie überlässt ihm auch wertvolle Kunstgegenstände, die Hitler als Sicherheit einsetzt, wenn er Kredite braucht. Eckart leiht Hitler ebenfalls Geld, beispielsweise, als dieser im Herbst 1922 zwei Lastkraftwagen kauft.

John Pierpont Morgan, amerikanischer Bankier; adlige Exil-Russen, welche das Zarenreich (Flagge) wiederherstellen wollten; Dr. Max Erwin von Scheubner-Richter; Kurt Lüdecke; Benito Mussolini; Emil Kirdorf; John D. Rockefeller; Frankreich; Stahlbaron Fritz Thyssen; Henry Ford, US-Autokönig; Dietrich Eckart. Sie alle ermöglichten Hitlers Aufstieg zur Macht mit der Leistung oder Vermittlung teils erheblichen Geldspenden.

Hitler erkennt bald, dass er eine Propagandawaffe benötigt. So nutzt er Ende 1920/Anfang 1921 die Gelegenheit und kauft die in finanzielle Schräglage geratene Zeitung Der Völkische Beobachter. Eckart ist es, der die zwei dafür notwendigen Kredite von knapp 120'000 Mark auftreibt. Mit der Zeitung beginnen die Finanzkrisen aber erst richtig, und Eckart muss immer wieder einspringen, um auf seine unnachahmliche Art neuerliche Gelder aufzutreiben - manchmal buchstäblich in letzter Minute vor dem Ruin. Auch an die Leser wird appelliert, mit Spenden ihr Blatt am Leben zu erhalten.

Im Mai 1922 erhält der junge, noch weitgehend unbekannte Hitler die erste Gelegenheit, ausserhalb Bayerns vor den Reichen und Mächtigen zu reden. Dem National-Club von Berlin gehören Bankiers, Grossgrundbesitzer, Offiziere und Professoren an. Hitler ist erfolgreich: Ernst von Borsig, Besitzer einer Lokomotivfabrik, wird ihn künftig unterstützen und bei anderen Industriellen für ihn Werbung machen. Dieser Umstand wird übrigens auf den Seiten von Borsig in der Biografie von Ernst von Borsig diskret verschwiegen. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass der älteste Sohn Karl ein glühender Nazihasser und der jüngste Sohn Ernst, Beteiligter am Widerstand gegen Hitler im Kreisauer Kreis war.

Der Geschäftsführer einer Münchner Malzkaffeefirma, Hermann Aust, arrangiert daraufhin mehrere Treffen Hitlers mit bayerischen Industriellen. Diese sind beeindruckt und zücken die Geldbörse. Ein Vorarlberger Freund von Dietrich Eckart namens Gansser reist 1923 in die Schweiz und geht die dortigen gut situierten Bürger um Spenden für Hitler an. Hitler wird zu Vorträgen eingeladen und reist mit einem Gesamthonorar von 33'000 Schweizer Franken (zu Inflationszeiten waren ausländische Devisen ein Mehrfaches wert) nach Hause.

Dietrich Eckart legt auch den Grundstein für einen weiteren Auslandskontakt, der die begehrten Fremdwährungen einbringt. 1919 lernt er Warren C. Anderson kennen, der als Europa-Präsident des amerikanischen Autoproduzenten Ford arbeitet. Konzernchef Henry Fords Abneigung gegen die Juden ist weit herum bekannt; sie geht soweit, dass er sogar ein Buch mit dem Titel "The International Jew" schreibt, in welchem er den Juden die Schuld an der Misere in Wirtschaft und Politik gibt. Eckart nutzt seinen Kontaktmann zu Ford, und tatsächlich überweist der Autoindustrielle bald darauf Gelder an Hitler und seine Partei.

Der bekennende Antisemit Henry Ford unterstützt Hitler - 1920
Henry war das älteste von insgesamt sechs Kindern. Er konnte nur Dorfschulen besuchen, so erhielt Ford nur eine geringe Bildung. Als Kind war er sehr interessiert an mechanischen Einzelheiten und verbrachte im Alter von zwölf Jahren viel Zeit in seinem Werkraum, den er selbst eingerichtet hatte. Mit fünfzehn Jahren hatte er bereits seinen ersten Verbrennungsmotor gebaut.

Henry Ford war auch der Herausgeber antisemitischer Schriften wie das Buch "Der internationale Jude – Ein Weltproblem", eine Zusammenfassung von Artikeln, die 1920 bis 1922 in seiner Haus-Postille, dem "Dearborn Independent", veröffentlicht wurden. Auch wurde mit seiner finanziellen Unterstützung das Pamphlet, "Die Protokolle der Weisen von Zion" in viele Sprachen übersetzt und weltweit verbreitet. Diese Schrift wurden bisher von nahezu allen Geschichtsforschern als Fälschung bezeichnet.

Ein Bild von Henry Ford hing im Münchner Hauptquartier der NSDAP. Weiterhin überwies die Ford-Werke AG jährlich 50'000 RM als Geburtstagsgeschenk auf Hitlers Privatkonto beim Kölner Bankhaus J. H. Stein. Inhaber der Stein Bank war der anglophile (dem englischsprachigen zugeneigt) Kurt Freiherr von Schröder, der auch dem "Freundeskreis des Reichsführers SS" ein Konto einrichtete. Nicht umsonst wurde Henry Ford von Hitler mit dem Grosskreuz des Deutschen Adlerordens ausgezeichnet, die höchste Auszeichnung, die Nazi-Deutschland an Ausländer zu vergeben hatte.

Die Ford Motor Company war beteiligt am Aufbau der deutschen Streitkräfte vor dem Zweiten Weltkrieg. 1938 wurde beispielsweise ein Fertigungswerk in Berlin in Betrieb genommen, dessen einzige Aufgabe es war, LKWs für die deutsche Wehrmacht herzustellen. Ford produzierte insgesamt 78'000 LKW und 14'000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht. Die Ford-Werke wurden bis Ende 1944 von der alliierten Bombardierung verschont und dann auch nur wenig beschädigt. In den Ford-Werken wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt, die man für vier Reichsmark pro Tag von der SS auslieh.

Dr. Max Erwin Richter, ein Pseudoadliger mit Revolutionärsblut - 1920
Ein weiterer früher Gönner und Geldeintreiber Hitlers ist der Baltendeutsche Dr. Max Erwin Richter, der sich seit der Heirat mit der 29 Jahre älteren Adligen Mathilde fortan "von Scheubner-Richter" nennt. Er hat Hitler im Oktober 1920 kennen gelernt und ist geradezu ein Genie im Beschaffen von Geldmitteln. Von Scheubner-Richter wird beim Hitler-Putsch 1923 in München erschossen. Wie wichtig er für Hitler war, mag dessen Aussage erhellen: "Alle sind ersetzbar, nur einer nicht: Scheubner-Richter!"

Diese Anerkennung hatte sich der Balte durch sein Anzapfen von Finanzquellen bei russischen Zarenfreunden und in rechtsradikalen Kreisen um General Erich Ludendorff erworben. Scheubner-Richter ist es auch, der das erste Treffen zwischen Hitler und seinem späteren Gönner, dem Konzernerben Fritz Thyssen arrangiert.

Scheubner-Richter macht sich bei den in Deutschland lebenden rechtsradikalen adligen und reichen Exilrussen beliebt, indem er sie organisiert und zu Treffen einlädt. Diese Exilrussen sind in der Regel russische Rechtsradikale, die vor der Machtübernahme der russischen kommunistischen Bolschewiki 1917, der russischen Oktoberrevolution, geflohen sind. Zur Geldbeschaffung gründete er zwei gemeinnützige Organisationen, weil man solchen leichter spendet als Privatleuten. Zudem setzt er damalige Prominente als Galionsfiguren ein - beispielsweise den bayerischen Aristokraten Freiherr Theodor von Cramer-Klett, Vertreter des Vatikans in Bayern und glühender Faschist.

Ferner Grossfürstin Viktoria Fedorowna, deren Gatte Kirill Ansprüche auf den Zarenthron erhebt, und den einflussreichen General Vasilij Biskupsij, der vor der Oktoberrevolution einer der jüngsten Generäle der russischen Armee gewesen ist. Diesem ist klar, dass Lenin & Co. sich nur mit Waffengewalt aus seinem Heimatland vertreiben lassen, und daher zeigt er sich willig, jenen deutschen Politiker zu unterstützen, der sich als Bolschewisten-Hasser hervortut und in einer kommunistisch-jüdischen Weltverschwörung den Quell allen Übels sieht.

Die Höhe des geflossenen Geldes beschreibt Biskupsij 1935 rückblickend in einem Bericht an Heinrich Himmler als eine "geradezu horrende Summe"; zusätzlich hat die Grossfürstin Viktoria "aus dem Verkauf ihrer Juwelen" bedeutende Beträge zur Verfügung gestellt. In einem Brief vom Jahr 1939 beziffert der General die damals gewährte Finanzhilfe auf eine halbe Million Goldmark - für damalige Verhältnisse wahrlich ein fürstliches Vermögen, kostete doch ein Haus nur ein paar tausend Mark!

General Biskupskij lässt auch seine Beziehungen nach Paris spielen und zapft den dort ansässigen Russländischen Kommerz-, Industrie- und Handelsverband an. Die Spenden fliessen, denn Mitglieder der Organisation sind die Unternehmer und Erdölmagnaten Denisov, Nobel und Gukasof, die aus dem russischen Zusammenbruch grosse Summen gerettet haben. Der General ist bei den reichen Ölmagnaten beliebt, da er nach seiner Flucht aus Russland mit Armeefreunden abenteuerliche Pläne geschmiedet hat, um die verlorengegangenen Erdölfelder im Kaukasus zurückzuerobern. "Solche Sirenengesänge hören die Unternehmer gern - die ferne Hoffnung auf diese Besitztümer öffnet ihre Brieftaschen", schreibt Wolfgang Zdral.

Der Playboy Kurt Lüdecke betritt die Bühne - 1922
Zu den frühesten Finanziers Hitlers gehört auch ein dubioser Playboy und Abenteurer namens Kurt Lüdecke. Der gewissen- und orientierungslose Lüdecke erlebt Hitler zum ersten Mal im August 1922, da dieser vom Rednerpult aus über den "jüdischen Bolschewismus" herzieht. Lüdecke erinnert sich schwärmerisch an den nur ein Jahr älteren Hitler: "Ich vergass alles um mich herum, ausser diesen Mann. Er schien ein anderer Luther zu sein. Ich wusste, meine Suche hatte ein Ende. Ich hatte mich selbst gefunden, meinen Führer und mein Ziel". In den kommenden Jahren wird Lüdecke für Hitler Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten vermitteln und pflegen und - vor allem - Geld herbeischaffen.

Lüdecke selbst ist auf äusserst zweifelhafte Weise zu Vermögen gekommen: Erst liess er sich von reichen Damen aushalten, später dann entdeckte er homosexuellen Sex mit anschliessender Erpressung als lukrative Geldquelle. Damals stand Homosexualität noch unter Strafe, und seine "Partner" aus der besseren Gesellschaft bezahlten lieber, als dass sie sich öffentlicher Schande und Ächtung ausgesetzt hätten. Später reist Lüdecke durch die Welt, um da und dort ein möglichst lukratives Geschäft abzuschliessen und erwirbt sich so in kurzer Zeit ein riesiges Vermögen von einer halben bis einer Million Mark, das er inflationssicher im Ausland anlegt.

Kleiner Zwischeneinwurf
Sowohl der Schriftsteller Dietrich Eckart als auch der umtriebige Kurt Lüdecke waren homosexuell. Der Bremer Historiker Lothar Machtan schrieb ein Buch, in dem er die Behauptung aufstellte, Hitler sei ebenfalls homosexuell gewesen. Unter anderem soll es Hinweise darauf gegeben haben, dass Hitler im Ersten Weltkrieg deshalb nicht befördert worden sei, weil ein Kriegsgericht ihn einer homosexuellen Beziehung zu einem Offizier überführt habe.

Auch gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass Hitler selber jüdische Vorfahren hatte und einer inzestösen Verbindung entstamme, die er sorgsam zu verbergen suchte. Hierzu ist zu sagen, dass Hitlers Grossmutter Anna Schickelgruber über 14 Jahre lang Alimente ihres jüdischen Dienstherrn Frankenberger erhalten hatte. Das heisst, der Mann, der später mit dem Ariernachweis ein ganzes Volk zwang, nicht-jüdische Grosseltern nachzuweisen, war unsicher, ob er nicht selbst einen jüdischen Grossvater hatte.

Sollte dagegen Johann Hiedler (Hüttler) doch Hitlers Urgrossvater sein, was dieser immer bestritt, so entspricht die Ehe seiner Eltern einer Inzucht. Unter Inzucht versteht man im Allgemeinen eine Ehe zwischen Verwandten zweiten bis vierten Grades. Jedenfalls hat Hitlers Vater Alois Schicklgruber seine um 23 Jahre jüngere Nichte Klara Pölzl geheiratet. Aus dieser Ehe stammen insgesamt 6 Kinder u.a. auch Adolf Hitler. Johann Hiedler (Hüttler) wäre dann nämlich sowohl der Vater von Alois Schicklgruber (Hitlers Vater) als auch der Urgrossvater von Klara Pölzl (Hitlers Mutter).

Einer der Kontakte, die Lüdecke für Hitler knüpft, ist jener zu Benito Mussolini in Italien, der im Oktober 1922 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen ist und Hitler dazu noch nicht einmal dem Namen nach kennt. Als Hitler am 8./9. November 1923 den Duce kopieren will und den Marsch auf Berlin beginnt, wird er schon bei der Feldherrenhalle in München durch Gewehrfeuer gestoppt und ins Gefängnis Landsberg verfrachtet. Trotzdem will er den Kontakt zu Mussolini intensivieren. Dieser hat an sich nichts dagegen, fürchtet jedoch, dass jemand deutscher Zunge darauf bestehen könnte, das deutschsprachige, erst nach dem Ersten Weltkrieg Italien zugesprochene Südtirol, solle zu Österreich zurückkehren. Hitler will von Mussolini vor allem Geld. "Fetzen Sie aus Mussolini heraus, was Sie können!" - deshalb ist er bereit, Südtirol aufzugeben.

Da die NSDAP die einzige Partei ist, die offen auf Südtirol verzichtet, ist es für Mussolini nur konsequent und vernünftig, jene Rechtspartei in Deutschland zu fördern, die seinen Interessen am besten dient. Wolfgang Zdral schreibt dazu: "Lüdeckes erste Kontakte zu den Faschisten im Süden tragen für Hitler in den Folgejahren reichlich Früchte - auch finanziell: An italienischen Geldzuwendungen hat es seit Mussolinis Marsch auf Rom nicht gefehlt. Die genauen Summen lassen sich heute nicht mehr ermitteln. Die Münchner Post, und der Bayerische Kurier berichten von den Geldzahlungen; die Rede ist von 50'000 Goldmark".

Auch André-François Poncet, in den dreissiger Jahren Botschafter Frankreichs in Deutschland und Kenner der internationalen Diplomatie, schreibt in seinen Memoiren, dass die Nazis Geld von den italienischen Schwarzhemden einstrichen. Und SS-General Wolff, Chef des persönlichen Stabs von Heinrich Himmler und höchster Polizeiführer in Italien, bestätigt ebenfalls, dass die Nationalsozialisten vor ihrer Machtübernahme Finanzmittel von Mussolini kassierten.

Der preussische Ministerpräsident Otto Braun erklärt im Rückblick über die italienische finanzielle Wahlhilfe für die Nazis, die er auf 18 Millionen Mark beziffert: "Hitler erhält enorme Beträge aus Italien. Sie gelangen über eine Schweizer Bank nach München".

Lüdecke pumpt aber auch aus seinem eigenen Vermögen erhebliche Summen in die Partei, gibt dem "Führer" auch privat Geld, lädt ihn zu feudalen Abendessen ein. Insgesamt sind es 130'000 Mark, die er für die Parteikasse spendet, stellt die Polizei fest?

Lüdecke leistet sich neben Massanzügen, teuren Zigarren und gutem Wein noch ein weit kostspieligeres Hobby: Er unterhält eine eigene SA-Abteilung ähnlich der Truppe von Schwarzhemden, die er bei Mussolini gesehen hat. "Dafür wendet er nochmals 100'000 Mark auf. Das beeindruckt Hitler", schreibt Zdral. Denn der NS-Führer sieht in eigenen paramilitärischen Truppen einen wichtigen Machtfaktor für den Aufbau der Partei. Entsprechend emsig arbeitet er am Aufbau dieser Privatarmee. Doch das verschlingt Unsummen. Deshalb ist jeder Sponsor, der die Parteikasse entlastet, hochwillkommen".

Lüdecke macht sich mit Begeisterung ans Werk und rüstet innerhalb von kurzer Zeit eine Truppe von rund hundert Mann - meist arbeitslose Freiwillige - mit Uniformen und Waffen aus, die er sich über zwei jüdische Händler auf dem Schwarzmarkt besorgt. Lüdecke ist es auch, der die Truppe schult und sie am Wochenende zu Übungen im Geländekampf in die Wälder ausserhalb Münchens schickt. Als er wieder öfters ins Ausland reist, verliert Lüdecke "sein Interesse an dem Spielzeug SA" (Zdral) - er überträgt schliesslich das Kommando auf Hermann Göring.

Nach dem misslungenen Münchner Putsch sieht es Ende 1923 schlecht aus für die NSDAP: Ihr Führer im Gefängnis, sie selbst verboten, das Vermögen (170'000 Goldmark) beschlagnahmt.

Vom Landsberger Gefängnis aus beauftragt Hitler Lüdecke nun, für die Interessen der deutschen Freiheitsbewegung in Nordamerika zu werben und besonders finanzielle Mittel hierfür zu sammeln". Hitlers Schreiben ist insofern bemerkenswert, da er in späteren Jahren öffentlich immer leugnet, Gelder aus dem Ausland angefordert zu haben.

Mitte Januar 1924 schifft sich Lüdecke nach Amerika ein. An Bord des Schiffes "Amerika" befinden sich auch Siegfried und Winifred Wagner, Sohn und Schwiegertochter des berühmten Komponisten Richard Wagner. "Das ist kein Zufall - Lüdecke weiss von der geplanten Konzerttournee der Wagners und deren Reisetermin. Also bucht er einfach dieselbe Passage", bemerkt Zdral. "Mit der Empfehlung des inhaftierten NS-Diktators als Trumpfkarte gewinnt er schnell das Vertrauen des Paares und etabliert sich als deren Begleiter für die Vereinigten Staaten. Die Wagners, bereits Bewunderer von Hitler, wollen Lüdeckes Geldsammelaktivitäten tatkräftig unterstützen und selbst jenseits des Atlantiks nach Spendern suchen".

Die Wahl fällt auf Henry Ford, den Automobilproduzenten aus Detroit. Lüdecke, der Jahre zuvor für Ford als Privatdetektiv in New York gearbeitet hat, wird tatsächlich eingeladen; allerdings macht Ford kein Geld locker. Dies ändert sich, als kurz darauf das Ehepaar Wagner bei Ford zu Gast ist. Wie Hitler sieht Ford in Macht und Einfluss des internationalen Judentums eine Gefahr. Winifred Wagner erinnert sich: "Die Philosophie und Ideen Fords und Hitlers waren sehr ähnlich". Winifred Wagner lässt durchblicken, dass Hitler jetzt Geld besonders dringend brauche. Ford lächelt und sagt, er sei immer noch bereit, jemanden wie Hitler zu unterstützen, der auf die Befreiung Deutschlands von den Juden hinarbeite.

Spätere gerichtliche Untersuchungen ergaben, dass schon im Jahre 1923 dreimal grössere Geldbeträge vom Saargebiet bei der Deutschen Bank überwiesen worden waren. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass dieses Geld von dem amerikanischen Automobilfabrikanten Ford stammte, der einer der massgeblichen Leute im französischen Eisensyndikat war und an einer deutschen Aufrüstung sehr interessiert.

Doch Amerika hatte noch auf ganze andere Weise dafür gesorgt, dass ein Extremist wie Hitler in Deutschland an die Macht kommen konnte. Das heisst: Eigentlich war es nicht ganz Amerika, sondern einige wenige grosse Firmen und eine ganz bestimmte Strasse weit im Süden von Manhattan.

Die "Geldmacht" USA trifft Kriegsvorbereitungen - seit 1918
"Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, fanden sie heraus, dass schon seit 1918 Schritte unternommen worden waren, um Deutschland in ökonomischer und industrieller Hinsicht auf einen Krieg vorzubereiten". Zu diesem eindeutigen Fazit kamen die Aussagen verschiedener Regierungsbeamter vor dem amerikanischen Kilgore Committee nach dem Zweiten Weltkrieg.

Diese Kriegsvorbereitungen vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 gingen zum grossen Teil auf die finanzielle Unterstützung der Wall Street zurück, welche in den zwanziger Jahren mithalf, das deutsche Kartellsystem zu formieren. Zudem stellten bekannte amerikanische Firmen später technisches Know-How zur Verfügung, um die deutsche Wehrmacht aufzubauen.

Der dies behauptet, ist kein dubioser Verschwörungshysteriker, sondern ein amerikanischer Professor, Geschichtsforscher und Autor zahlreicher Bücher, der sich auf erstklassiges Primärquellenmaterial stützt: "Wall Street and the Rise of Hitler" ist eines der vielbeachtetsten Bücher des gebürtigen Engländers Antony C. Sutton (1925-2002). Die finanzielle und technische Unterstützung Deutschlands durch die Wall Street sei weder zufällig noch kurzsichtig geschehen, hebt Sutton hervor.

Es beginnt mit dem Dawes-Plan - 1924
"Was jetzt inszeniert wurde, war auch ein Krieg, ein unblutiger, leiser, der die Nationen finanziell ausbluten sollte, um sie auf den rechten Weg einer Welt-Wirtschaft und einer Welt-Finanz unter dem richtigen Dach zu bringen", kommentiert E. R. Carmin in seinem Buch "Das schwarze Reich". Der Anfang allen Übels war der vermaledeite Versailler Vertrag. Seine Verfasser wussten, dass es Deutschland niemals möglich sein würde, die ihm aufgebürdeten, immensen Schulden abzutragen. Vielmehr sollte es nur gerade in der Lage sein, die Zinsen jener gigantischen Summe zu begleichen, auf dass die Schuld selbst niemals kleiner würde, sondern in alle Ewigkeit nur anwachsen und drückender werden könne.

Frankreich weigerte sich, Reparationszahlungen in Form von Gütern und Rohstoffen zu akzeptieren, sondern verlangte ausschliesslich Gold. Deutschland jedoch war nicht in der Lage, auch nur annähernd jene Menge Wirtschaftsgüter zu produzieren und vor allem zu exportieren, die notwendig gewesen wären, um diesen Verpflichtungen nachzukommen.

Da hat einer der mächtigsten Bankiers der Welt, J. P. Morgan, die rettende Idee, welche die Alliierten (USA, Sowjetunion, England, Frankreich) dankbar aufnehmen: Sie ernennen 1924 ein Bankiers-Komitee unter der Leitung des amerikanischen Bankmannes Charles Gates Dawes, um ein Programm für die Reparationszahlungen zu entwickeln.

1902 hatte Charles Dawes übrigens erfolglos für den US-Senat kandidiert. Danach setzte er sich für soziale Dienste ein. So gründete er 1913 in Chicago das "R. F. Dawes Hotel for Men", eine Einrichtung für Obdachlose. 1925 wurde er für den Dawes-Plan mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Von 1925 bis 1929 war Dawes Vizepräsident der USA.

Deutschland wird zu hohen Zinsen zunächst ein Rahmenkredit für die nächsten vier Jahre eingeräumt, mit dem es seine Kriegsschulden ungeachtet der französischen Forderungen zurückzahlen soll. Diese Dollars gehen wenige Tage später von den Kriegsschuldnern (Deutschland) wieder an Amerika zurück, denn auch die USA verlangen die Rückzahlung internationaler Schulden ausschliesslich in Gold und Dollars. Auch die Zinsen nehmen sie weder in Waren noch in Rohstoffen. "So bekamen die amerikanischen Geldverleiher allemal ihr Geld zurück - aber das nannten sie Zinsen, und die Kapitalschuld blieb", schreibt E. R. Carmin.

Carroll Quigley, ein Georgetown Professor, für internationale Angelegenheiten, der auch Lehrer des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton war, nennt die Dinge beim Namen: "Es ist zu beachten, dass dieses System von den internationalen Bankiers eingeführt wurde und dass das Ausleihen des Geldes anderer (nämlich amerikanischer Investoren) an Deutschland für diese Bankers höchst gewinnbringend war. Mit Hilfe dieser Kredite konnten die deutschen Schuldner ihre Kriegsschuld an England und die USA zurückzahlen, ohne Waren und Dienstleistungen zu exportieren. Die Devisen, die in Form von Krediten an Deutschland gingen, flossen an Italien, Belgien, Frankreich und England in Form von Reparationen zurück und schliesslich an die Vereinigten Staaten in Form von Rückzahlung der Kriegsschulden.

Was allein an diesem System schlecht war, war (a) dass es zusammenbrechen würde, sobald die USA kein Geld mehr liehen und (b) dass in der Zwischenzeit die Schulden lediglich von einem Konto auf ein anderes verschoben wurden und niemand der Zahlungsfähigkeit auch nur einen Schritt näher kam. - Es war überhaupt nichts gelöst, aber die internationalen Bankiers sassen im Himmel, wo es von Gebühren und Provisionen nur so regnete".

Die Rechnung sieht am Ende so aus: Zwischen 1924 und 1931, während dem Dawes-Plan und dem darauf folgenden Young-Plan, zahlte Deutschland an die Alliierten ungefähr 36 Milliarden Mark an Reparationen. Im selben Zeitraum borgte Deutschland aber hauptsächlich in den USA etwa 33 Milliarden Mark, was bedeutete, dass in Wirklichkeit von der Reparationsschuld lediglich drei Milliarden bezahlt und der Rest auf neue Kredite umgelagert worden war.

Antony C. Sutton listet in seinem Buch die Experten des Dawes-Plans akribisch auf: Da war natürlich der Bankier Charles G. Dawes, welcher das Alliierten-Komitee 1924 präsidierte. Ferner Owen D. Young von der Morgan Bank, der gemeinsam mit Charles Dawes ein Konzept entwickeln sollte, der auch noch Präsident des Stromgiganten General Electric Company war. Ab 1929 wurde Young, der Direktor der New Yorker Federal Reserve Bank, Präsident des Dawes-Komitees, unterstützt von J. P. Morgan selbst, der sich abwechselte mit T. W. Lamont, einem Partner von Morgan und T. N. Perkins, einem Bankier mit Morgan-Verbindungen. "Mit anderen Worten, die US-Delegationen waren einzig und allein - wie es Quigley nannte - J. P. Morgan-Delegationen, welche die Autorität und das Siegel der Vereinigten Staaten benutzten, um finanzielle Pläne umzusetzen, welche allein ihren eigenen pekuniären (finanziellen) Interessen dienten".

Zu den deutschen Mitgliedern des Expertenkomitees gehörten Hjalmar Schacht, Präsident der Deutschen Reichsbank und Carl Voegler von den Vereinigten Stahlwerken, welche dann später die Aufrüstung betreiben sollten.

Anmerkungen zu Hjalmar Horace Greeley Schacht
Der Sohn eines deutschen Kaufmanns und einer dänischen Mutter empfing seine Vornamen zur Ehre von Horace Greeley; einem US-amerikanischen Zeitungsverleger und Politiker. Hjalmar ist ein dänischer Name.

Am 16. März 1933 wurde er Präsident der Deutschen Reichsbank, ab August 1934 Reichswirtschaftsminister und ab Mai 1935 Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft. Im November 1937 tritt er als Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft zurück, er bleibt bis 1943 Minister ohne Geschäftsbereich. Im Juli 1944 wird er Aufgrund seiner Kontakte zum Widerstand festgenommen und verbleibt bis zum Kriegsende in den Konzentrationslagern Ravensbrück (90 Kilometer nördlich von Berlin) und Flossenbürg in Bayern.

Als die US-Armee sich 1945 dem KZ-Flossenbürg nähert, wird Hjalmar Schacht zusammen mit anderen prominenten Häftlingen zunächst ins KZ-Dachau und dann nach Österreich verbracht. Dort wurde er von den Amerikanern befreit und anschliessend gleich wieder inhaftiert. Nach Zwischenstationen auf Capri und in Aversa bei Neapel wurde er schliesslich dem Nürnberger Militärgericht überstellt.

Vor dem Nürnberger Militärgericht wurde er von den Anklagepunkten Verschwörung und Verbrechen gegen den Frieden freigesprochen. Von der Stuttgarter Spruchkammer wurde er 1947 allerdings als Hauptschuldiger eingestuft und zu 8 Jahren Arbeitslager verurteilt. Das Urteil wurde jedoch in einem Berufungsverfahren 1948 wieder aufgehoben. In den darauf folgen Jahren betätigte er sich erfolgreich als Finanzberater von Entwicklungsländern. 1953 gründete er die Aussenhandelsbank Schacht & Co. und machte ein Vermögen. Hjalmar Schacht starb am 3. Juni 1970.

"Schlussendlich waren die Mitglieder und Berater der Dawes- und Young-Kommissionen nicht nur mit New Yorker Finanzinstituten verbunden, sondern, wie wir später noch sehen werden, gleichzeitig auch Direktoren von Firmen, die zu jenen deutschen Kartellen gehörten, welche Hitler zur Macht verhalfen", schreibt Sutton, und kommt zum Schluss: "Der Beitrag, welchen der amerikanische Kapitalismus an die deutschen Kriegsvorbereitungen vor 1940 leistete, kann nur als phänomenal bezeichnet werden. Er war zweifellos entscheidend für die deutsche Militärkapazität".

... und setzt sich fort im Young-Plan - 1930
Laut Hitlers Finanzgenie, Hjalmar Horace Greeley Schacht, war im Grunde der Young-Plan dafür verantwortlich, dass Hitler 1933 an die Macht gelangte. Gleicher Ansicht war übrigens der Industrielle Fritz Thyssen, welcher nach dem Krieg aussagte: "Ich wandte mich der Nationalsozialistischen Partei erst zu, als ich die Überzeugung gewann, dass der Kampf gegen den Young-Plan unvermeidlich war, wenn der völlige Zusammenbruch Deutschlands abgewendet werden sollte".

Der Young-Plan legte 37 Jahresraten von jeweils 2,05 Milliarden Goldmark sowie weitere 22 Jahresraten von jeweils 1,65 Milliarden Goldmark als Reparationszahlungen fest. Nach 59 Jahren - also 1988 - sollten die Reparationsverpflichtungen abgeleistet sein". Das war aber noch nicht alles.

Zwischen dem Young-Plan und dem Dawes-Plan gab es einen grossen Unterschied: Während der Dawes-Plan Reparationszahlungen in Form von Gütern verlangte, welche mit ausländischem Kapital in Deutschland produziert wurden, verlangte der Young-Plan Geldzahlungen, und "meiner Meinung nach", schrieb Thyssen, "mussten die so auflaufenden finanziellen Schulden zwingend zum Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft des Reiches führen".

Der Young-Plan war ausdrücklich als Mittel bestimmt, Deutschland mit amerikanischem Kapital zu besetzen und die unbeweglichen deutschen Vermögenswerte an Amerika zu verpfänden.

Owen Young war übrigens auch der wichtigste Geldgeber für Franklin D. Roosevelt und dessen United European Venture, als der damalige Wall Street-Bankier und spätere US-Präsident Roosevelt versuchte, aus der deutschen Hyperinflation von 1923 Kapital zu schlagen. Die United European Venture diente der Spekulation und sollte mit dem Dawes-Plan Profit machen. Sie ist ein klarer Beweis dafür, wie Privatbankiers die staatliche Aussenpolitik manipulieren, um die Macht des Staates für ihre persönlichen Interessen zu missbrauchen.

So kam es, dass Ex-Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht Owen Young direkt dafür verantwortlich machte, dass die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kommen konnten.

Dennoch war es Schachts und nicht Owens Idee, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zu gründen. Sie war einfach nur ein weiterer Schritt zur Erringung der Kontrolle über die (politischen) Geschäfte der Welt. Der Georgetown Professor Carroll Quigley nannte es "ein Weltsystem der finanziellen Kontrolle, in privaten Händen, und fähig, das politische System eines jeden Landes und die Wirtschaft der ganzen Welt zu kontrollieren".

Zu jener Zeit kontrollierten Privatleute schon die Zentralbanken der Vereinigten Staaten, Deutschlands, Frankreichs und Englands. US-Präsident Hoover machte 1932 konkret die Wall Street für seine Nichtwiederwahl verantwortlich. Wall Street wollte Roosevelt und bekam ihn auch. So dürfte Antony Sutton denn auch mit seiner Einschätzung recht haben, dass Politiker von den wahren Machthabern der Welt - den Herren des Geldes - wie Hunde an der Leine gehalten und durch ein System von Zuckerbrot und Peitsche fügsam gemacht werden.

Kartelle (IG Farben, AEG, Verein. Stahlwerke) als Kriegsmittel - 1933
Die Anleihen aus dem Dawes-Plan werden in Deutschland zu einem Grossteil für die Bildung und Konsolidierung dreier gigantischer Kartelle verwendet, nämlich der IG-Farben, der Allgemeinen Elektrizitäts Gesellschaft (AEG) und der Vereinigten Stahlwerke. Der IG Farben gehörten zu Spitzenzeiten in Deutschland 200 Werke, sowie etwa 400 deutsche und 500 ausländische Unternehmensbeteiligungen an. Die Vereinigten Stahlwerke beinhaltete fast alle grossen deutschen Eisen-, Stahl- und Bergwerksgesellschaften. Zeitweise galten die Vereinigten Stahlwerke als europaweit grösster Stahl-Konzern. Diese Kartelle tragen 1933 nicht nur wesentlich dazu bei, Hitler an die Macht zu bringen, sondern spielen später auch eine Schlüsselrolle bei der Produktion kriegswichtiger Materialien.

Gerne wird heute kolportiert (das Gerücht verbreitet), Wall Street habe nicht erkannt, wohin Deutschland treibe. Dem widerspricht Sutton heftig. Analysen der zeitgenössischen Wirtschaftspresse Amerikas hätten unmissverständlich gezeigt, dass man sich der Nazibedrohung voll bewusst gewesen sei, weshalb man die Leser jener Wirtschaftsmagazine auch vor den deutschen Kriegsvorbereitungen gewarnt habe. Nicht nur hätten die betroffenen Amerikaner genau über die Natur des Nationalsozialismus Bescheid gewusst, nein, sie hätten ihn wann und wo immer zu ihrem eigenen Vorteil unterstützt - "in dem vollen Wissen, dass das wahrscheinliche Ergebnis ein Krieg sein würde, der Europa und die Vereinigten Staaten betrifft". Die Primärquellen, die Antony C. Sutton im Laufe seiner Recherchen konsultieren konnte, beweisen dies zweifelsfrei.

So ermöglichten die Mittel aus dem Young-Plan vor allem den Aufbau der deutschen Kriegsindustrie. Und: Bei zwei der drei Kartelle sitzen amerikanische Finanziers im Aufsichtsrat! James Stewart Martin (man kann das Buch "All honorable men" herunterloaden) beschreibt die Kartelle so: "Diese Anleihen zum Wiederaufbau wurden zu einem Instrument für Arrangements, welche mehr dazu beitrugen, einen Zweiten Weltkrieg herbeizuführen, als Frieden nach dem Ersten Weltkrieg".

Die Deutsche Bank im Dritten Reich
Es sollte am Rande angemerkt werden, dass auch die Deutsche Bank im Dritten Reich ähnliche Geschäftspraktiken anwendete, wie die amerikanischen Banken Morgan & Co. Untersuchungen der Deutschen Bank hatten 1946/47 ergeben, dass sie eine ungewöhnliche Konzentration wirtschaftlicher Macht darstellte und an der Durchführung der verbrecherischen Politik des Naziregimes auf wirtschaftlichem Gebiet teilgenommen hat.

Nur eine Handvoll New Yorker Finanzhäuser finanzierten nach dem Ersten Weltkrieg die deutschen Reparationszahlungen. Drei Finanzhäuser, nämlich 1. Dillon, Read & Co. - Harris, Forbes & Co. und National City Company vergeben fast drei Viertel des Gesamtbetrages und fahren auch die grössten Profite ein. Die übrigen Bankhäuser sind Speyer & Co. - Lee, Higginson & Co. - Guaranty Company of New York - Kuhn, Loeb & Co. sowie die Equitable Trust Company.

Ab Mitte der zwanziger Jahre dominieren die zwei deutschen Kombinate IG Farben und Vereinigte Stahlwerke den Chemie- und den Stahlmarkt. Am Vorabend des Kriegs, nämlich in den Jahren 1937/38, produzieren diese beiden 95 Prozent des deutschen Sprengstoffs! Um es noch einmal hervorzuheben: Die Produktion von synthetischem Benzin und von Sprengstoff - welche beide unverzichtbar für die Kriegsführung waren - wurde von zwei Kartellen kontrolliert, welche unter dem Dawes-Plan von Wall Street-Anleihen geschaffen worden waren.

Als Beiträge und in Form anderer Spenden an die Nationalsozialisten leistete die IG Farben von 1933 bis 1945 folgende Summen in RM:

Rockefeller und die Standard Oil Company
Ein weiterer grosser Benzin-Lieferant für die Nationalsozialisten war natürlich die Standard Oil Company des Amerikaners John D. Rockefeller. Er galt durch seine Unternehmungen als der reichste Mann seiner Zeit und erreichte monopolartige Machtstellungen. Sein damaliges Vermögen betrug rund 900 Millionen Dollar (1913), was 2001 etwa einem Wert von 200 Milliarden Dollar entsprach. Damit war John D. Rockefeller der reichste Mann, der jemals gelebt hat.

Rockefeller und das Ludlow-Massaker von 1914
John D. Rockefeller baute in der Kleinstadt Ludlow eine Siedlung, konzerneigene Wohnhäuser, die den Arbeitern gegen Lohnabzug zur Verfügung gestellt wurden. Im Jahr 1914 kam es, wie an anderen Orten, unter den Arbeitern von Ludlow zum Wunsch einer Gewerkschaftsbildung. Nach der Ablehnung Rockefellers riefen sie einen kontrollierten Streik aus, bei dem rund 70% die Arbeit niederlegten.

Daraufhin entzog Rockefeller mitten im Winter seinen Arbeitern das Wohnrecht, indem er sie mit sofortiger Wirkung entliess. Die Häuser der Familien, die sich weigerten die Wohnung zu verlassen, wurden in Brand gesteckt. Zahlreiche Kinder und Frauen verbrannten. Als der Rest der Arbeiter vertrieben werden sollte, kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen den Arbeitern und der von Rockefeller bezahlten Miliz. Diese verübten kurzerhand Selbstjustiz, bei der über 45 Arbeiter ihr Leben verloren. Das grausame Treiben wurde erst beendet, als US-Präsident Woodrow T. Wilson nach 10 Tagen durch die Entsendung der Armee dem Massaker ein Ende setzte.

Die Rockefeller Foundation
Um sein Ansehen in der Öffentlichkeit wiederherzustellen, verteilte Rockefeller grosszügige Spenden in unterschiedlichen Bereichen. Rockefeller gründete Stiftungen, soziale Einrichtungen und begründete die "Rockefeller-Foundation" die noch bis heute Bestand hat.

Die amerikanische Hilfe für die deutsche Aufrüstung erstreckt sich noch auf weitere Gebiete. In Hitlerdeutschland sind die zwei grössten Hersteller von Panzern Opel, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der amerikanischen General Motors, die wiederum von J. P. Morgan kontrolliert wird; sowie die Ford AG, eine Tochtergesellschaft von Henry Fords Ford Motor Company in Detroit.

Der Molloch - Leseprobe von Karlheinz Deschner
Der deutsche Schriftsteller und Religionskritiker Karlheinz Deschner schreibt in seinem Buch "Der Molloch" zur Finanzierung der Deutschen nach dem ersten Weltkrieg durch die Amerikaner:

"Amerikas Geschäft ist das Geschäft" war eines der grossen Worte des Präsidenten Calvin Coolidge (Präsident der USA von 3. August 1923 - 3. März 1929). Und es passt dazu, dass man wenige Monate nach seinem Amtsantritt mit Deutschland am 8. Dezember 1923 bereits einen Freundschaftsvertrag schloss - nur wenige Jahre nachdem man es zu Tode bekriegt hatte. Und schon im nächsten Jahr ist es bezeichnenderweise ein Bankier, Charles G. Dawes, der (in dem seinen Namen tragenden Plan) für eine Reorganisation der Deutschen Reichsbank und die Stabilisierung der deutschen Währung eintritt durch eine Anleihe von nicht weniger als 800 Millionen Goldmark.

Auch ein weiterer Grosskapitalist wurde zur Rettung Deutschlands aktiv. 1929 appellierte Alfred Hugenberg, eine Art Axel Springer der Weimarer Republik, dessen Medienkonzern, etwa 40 deutsche Zeitungen, darunter der "Völkische Beobachter", das tägliche Parteiblatt der NSDAP, einige Verlage und die grösste deutsche Filmgesellschaft "Ufa" angehörten, in einem Rundschreiben an 3'000 US-Millionäre, das drohende Chaos in Deutschland abzuwenden.

Hugenbergs Aufruf verhallte jenseits des Atlantik nicht ungehört. Es war das Jahr der heraufziehenden grossen Wirtschaftspanik, die US-Stahlkonzerne lagen darnieder. Wie hätte da nicht das mit einer deutschen Aufrüstung verbundene Geschäft verlocken sollen! Zwar hatte die Weimarer Republik die Remilitarisierung bereits eingeleitet, doch im grossen Stil konnte man dies wohl erst von dem Heil- und Siegbringer aus Braunau (Hitler) erhoffen.

Dass der deutsche "Führer" käuflich war, ist früh bekannt gewesen. Schon ein Prozess im Sommer 1923 wegen der NSDAP-Finanzierung hatte ergeben, dass der Partei dreimal grosse Geldbeträge aus dem Saargebiet über die Deutsche Bank zugegangen waren. Nach Überzeugung des Gerichts stammten sie von amerikanischer Seite, dem Grossindustriellen Henry Ford, der lebhaft eine deutsche Aufrüstung wünschte.

So ist es dann ja auch gekommen. 1938 wurde beispielsweise ein Fertigungswerk in Berlin in Betrieb genommen, dessen einzige Aufgabe es war, LKWs für die Wehrmacht herzustellen. Ford produzierte insgesamt 78'000 LKW und 14'000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht.

Agenten des langjährigen preussischen Innenministers Carl Severing (zwischen 1928 und 1930 Reichsinnenminister) hatten seit 1929 aber auch Verhandlungen Hitlers mit US-Bankiers im Berliner Hotel Adlon beobachtet, Verhandlungen, die dort bis 1933 stattfanden. (Das Resultat dieser Untersuchungen gelangte später ins "Abegg-Archiv" in Zürich, wo es allerdings nicht mehr ist.)

Severing beauftragte Ende 1931 seinen Staatssekretär Dr. Abegg mit Nachforschungen über Hitlers Vorleben und seine ausländischen Finanzquellen. Dabei ergab sich, das Geld für die aufwendige Nazipropaganda stammte "nur aus dem Ausland, insbesondere aus den USA". - Übrigens hatte Hitler auch einen grossen Teil der Waffen für SA und SS nicht von der Reichswehr, sondern vom Ausland erhalten.

Bei Beratungen der Präsidenten der "Federal Reserve"-Banken, des eigentlichen Finanzzentrums der Wallstreet, der fünf unabhängigen Banken, Vertreter der Royal Dutch (Shell), der Standard Oil Rockefeller jun. u.a. im Sommer 1929 wurde Warburg schliesslich gebeten zu prüfen, ob Hitler für amerikanisches Geld zugänglich sei. Als Gegenleistung hätte dieser gegenüber Frankreich eine aggressive Aussenpolitik einzuleiten, sollte aber "in die wirklichen Motive der amerikanischen Unterstützung nicht eingeweiht werden".

Hitler seinerseits habe bei den Verhandlungen in Berlin betont, "dass er mit den Arbeitslosen alles machen könne, wenn er ihnen nur Uniformen und Verpflegung gebe... Auf diese Weise werde er Frankreich schon klein bekommen... Alles hinge vom Geld ab... Die USA-Hochfinanz habe doch sicher ein Interesse daran, dass er, Hitler, an die Macht komme, denn sonst hätte sie ihm nicht bereits 10 Millionen Dollar übergeben... Wenn er von der USA-Hochfinanz 500 Millionen Mark erhalte, sei er in "sechs Monaten fertig". Hitler habe auch die Kommunisten als erledigt bezeichnet und erklärt, er werde nun die Sozialdemokraten ausschalten, durch Wahlen oder mit Gewalt. Eventuell komme noch eine Verhaftung von Hindenburg, Schleicher, Papen, Brüning in Betracht, aber alles koste Geld, und das bisher aus den USA erhaltene sei verbraucht.

Selbstverständlich standen die Hitler so verhängnisvoll fördernden ausländischen Geldgeber nicht vor dem Nürnberger Tribunal. Selbstverständlich wurden die Dokumente des Abegg-Archives beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess nicht zugelassen. Das heikle Thema der Hitler-Unterstützung durch die grossen Finanzmächte der USA durfte unter keinen Umständen auch nur erwähnt werden. Als es der zunächst länger mit Hitler kooperierende Bankier und Politiker Hjalmar Schacht, bis 1937 Reichswirtschaftsminister, bis 1939 Reichsbankpräsident, zur Sprache bringen wollte, wurde er rasch zum Schweigen gebracht. "Als Schacht", meldete die Neue Zürcher Zeitung am 2. Mai 1946, "wiederum auf die Haltung ausländischer Mächte gegenüber der Nazi-Regierung und auf die Hilfe, die sie ihr angedeihen liessen, zu sprechen kam, entschied der Gerichtshof, dass diese Dinge mit der Sache nichts zu tun hätten und daher unzulässig seien"...

John Foster Dulles - eine Milliarde Dollar für den "Führer"
Schon im Oktober 1944 hatte US-Senator Claude Pepper, Florida, geäussert, zu jenen, die Hitler zur Macht verhalfen, habe auch John Foster Dulles, der unter Präsident Dwight D. Eisenhower von 1953 bis 1959 als Aussenminister diente, gehört, "denn es waren Dulles Firma und die Schroeder-Bank, die Hitler das Geld beschafften, das er benötigte, um seine Laufbahn als internationaler Bandit anzutreten". Der ehemalige amerikanische Botschafter in Berlin, William E. Dodd, notiert in seinem Tagebuch, dass die von Dulles vertretenen Banken schon Ende 1933 Deutschland Anleihen im Wert von einer Milliarde Dollar gewährt hätten.

Die Nazis gewähren Opel 1936 Steuerfreiheit, damit General Motors mit dem gesparten Geld die Produktionskapazitäten ausbauen kann. General Motors revanchiert sich dafür, indem die Firma die erwirtschafteten Gewinne in der deutschen Industrie reinvestiert. Henry Ford wird von den Nazis für seine Verdienste dem Nationalsozialismus gegenüber sogar im August 1938 mit dem Grossen Kreuz des Deutschen Adlers ausgezeichnet.

Die Konzerne Alcoa (Aluminium Company of America) und Dow Chemical (Kunststoffe, synthetischer Kautschuk, Magnesium für Leichtbauteile von Kampfflugzeugen) arbeiten eng mit der Nazi-Industrie zusammen. Dies schliesst zahlreiche Transfers ihrer amerikanischen Technologie mit ein. Bendix Aviation (Luftfahrt), bei welcher die von J. P. Morgan kontrollierte General Motors einen Mehrheitsanteil hält, beliefert die Siemens & Halske AG in Deutschland mit Daten über automatische Piloten und Flugzeuginstrumente. Noch 1940, also nach Kriegsausbruch, liefert Bendix Aviation die kompletten technischen Daten für Anlasser von Dieselmotoren und Flugzeugen an Robert Bosch und erhält dafür Tantiemen Zahlungen.

Amerikanische Firmen, welche mit den internationalen Investitionsbankiers Morgan und Rockefeller in Verbindung standen - jedoch wohlverstanden nicht die grosse Zahl unabhängiger amerikanischer Industrieller - waren stark in das Wachstum der Nazi-Industrie involviert. "Es ist wichtig zu beachten, dass General Motors, Ford, General Electric (Medizintechnik, Flugzeugtriebwerke, Industrie-Anlagenbau, Finanzierungen), DuPont (Kunststoffe, Sprengstoffe, Elektronik, Lebensmittel) und die Handvoll US-Firmen, welche eng in die Entwicklung Nazi-Deutschlands verwickelt waren - mit Ausnahme der Ford Motor Company - durch die Wall Street-Elite kontrolliert wurden - namentlich die J. P. Morgan Firma, die Rockefeller Chase Bank und, zu einem geringeren Teil, die Warburg Manhattan Bank, schreibt Antony Sutton.16

Franzosen finanzieren Aufständische - 1923
Wie das amerikanische Kilgore-Komitee nach dem Krieg ermittelt, leistet der Deutsche Industrielle Krupp schon im Jahre 1919 finanzielle Hilfe an eine reaktionäre Gruppe, welche den Samen der Nazi-Ideologie sät.17 Allerdings, hält E. R. Carmin, Autor des Buches "Das schwarze Reich", fest: "Schon in der Anfangszeit der "Bewegung" war die Finanzierung etwa der aber- und aberdutzenden Bünde, Wehrverbände und Freikorps eine zwielichtige und keineswegs nur innerdeutsche Angelegenheit". So werden die bayerischen Separatisten Anfang der zwanziger Jahre, man höre und staune, ausgerechnet mit Geld vom "Erzfeind" Frankreich gesponsert, denn nichts ist den Herrschern Frankreichs damals "peinlicher, als wenn Deutschland demokratisch, pazifistisch oder sozialistisch wäre. Denn dies wäre das Ende der Existenzberechtigung einer französischen Armee. Und die Rüstung ist doch so ein gutes Geschäft".

Am 12.11.1923 wurde die "autonomen Republik Speyer" durch Franz Josef Heinz ausgerufen. Die Gegner der Separatisten antworten mit organisierten Protestaktionen. Am 09.01.1923 wird Franz Josef Heinz in Speyer erschossen. Am 12.1.1924 werden die Pirmasenser Separatisten zur Aufgabe gezwungen.

Auch Hitler soll schon in den frühen 20er Jahren von Frankreich Geld bekommen haben. Jedenfalls versichert 1952 der ehemalige preussische Finanzminister Klepper, ihm sei ini Quai d'Orsay, dem französischen Aussenministerium in Paris, eine Quittung Hitlers für Geldbeträge gezeigt worden, die er von französischen Agenten erhalten habe. Bemerkenswerterweise beteiligt sich Hitler tatsächlich nicht am Ruhrkampf, als Frankreich vorübergehend das Ruhrgebiet besetzt, und Konrad Heiden kann sich in seinem 1936 erschienenen Buch "Adolf Hitler" die Bemerkung nicht verkneifen: "lm Jahre 1921 herrschte in der Partei ein merkwürdiger franzosenfreundlicher Ton".

Deutschland war auf Grund des Versailler Vertrages gezwungen Reparationen an die Alliierten des Ersten Weltkriegs zu zahlen. Die alliierte Reparationskommission stellte Ende Dezember 1922 einen geringfügigen Lieferrückstand deutscher Reparationen an Frankreich fest. Darum besetzten am 8. März 1923 französische und belgische Truppen die Städte Duisburg und Düsseldorf.

Die Besetzung löste einen Aufschrei nationaler Empörung im Deutschen Reich aus. Die Reichsregierung unter dem parteilosen Kanzler Wilhelm Cuno rief die Bevölkerung zum "passiven Widerstand" auf: Es wurden keine Reparationen mehr gezahlt, Industrie, Verwaltung und Verkehr wurden mit Generalstreiks teilweise lahm gelegt. Betriebe und Behörden leisteten teilweise den Anordnungen der Besatzer keine Folge. Frankreich reagierte darauf mit 150'000 verhängten Strafen, die mitunter bis zur Ausweisungen aus dem besetzten Gebiet gingen.

Inzwischen begingen ehemalige Freikorpsmitglieder (in der Regel nationalistisch, monarchistisch und rechtsradikal eingestellt) und auch Kommunisten Sabotageakte und Anschläge gegen die Besatzungstruppen. Die wiederum reagierten mit Sühnemassnahmen und Todesurteilen, die Situation eskalierte und forderte 137 Tote.

Als am 9. Januar 1923 die Reparationskommission behauptete, dass Deutschland absichtlich die Lieferungen zurückhalten würde, wurde am 11. Januar 1923 das gesamte Ruhrgebiet, ausgehend vom bereits besetzten Düsseldorfer und Duisburger Raum von französischen und belgischen Truppen mit anfangs 60'000, später 100'000 Mann eingenommen. Ziel war, die Reparationszahlungen direkt in Kohle einzutreiben (Politik der "produktiven Pfänder").

Wegen grosser wirtschaftlicher Probleme des Deutschen Reiches verzichteten die Alliierten 1922 auf Reparationszahlungen in Form von Geld und forderten stattdessen Sachleistungen (Stahl, Holz, Kohle) ein.

E. R. Carmin schreibt, dass hinter den Geheimbünden und deren Aktivitäten auch ausländische Interessen standen: "Ein von Mitgliedern des aus dem Freikorps Oberland hervorgegangenen Blücherbundes für März 1923 geplanter, allerdings durch Denunziation aufgeflogener Putsch in München war mit über 92'000 Goldmark, immerhin an die 40 Millionen Reichsmark, von Frankreich finanziert worden".

"Das Verblüffendste und Rätselhafteste am Erfolg dieses Menschen (Hitlers) ist die Tatsache, dass er 1923, auf dem Höhepunkt des Inflationstaumels, über Devisen verfügte, über Dollars, Tschechenkronen, holländische Gulden, ja offenbar auch über französische Franken", schreibt Görlitz in "Geldgeher der Macht". Von den 1923 höchstens 100'000 eingeschriebenen NSDAP-Mitgliedern hat Hitler jenes Kapital ganz sicherlich nicht, das es ihm schon damals erlaubt, - noch ehe er im Gefängnis Landsberg "Schriftsteller" wird (Mein Kampf) und Interviews an die Hearst-Blätter verkauft - einen beträchtlichen Aufwand zu treiben und zu finanzieren:

"Seine Anhänger reisen in Extrazügen. Er hat einen grossen Stab, hält Felddienstübungen ab, überfällt benachbarte Städte, rüstet Strafexpeditionen aus. Lauter Dinge, die ohne beträchtliche Gelder unmöglich wären. Unmöglich ist, dass diese Ausgaben der Partei von Beiträgen der Mitglieder aufgebracht werden können. Hitler besitzt eine riesige Plakat- und Flugblattpropaganda. Manche Angehörige der Sturmtrupps widmen sich ausschliesslich der Partei, fahren die ganze Zeit zu Agitationen im Land herum".

Fritz Thyssen - der ergebene Gönner – 1923

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Hitlers frühester, treuester und freigebigster Förderer unter den deutschen Industriellen ist jedoch der schon erwähnte Fritz Thyssen, einer der bekanntesten und reichsten Männer des deutschen Reichs, dessen Name als Inbegriff der Schwerindustrie gilt. Thyssen lernt Hitler im Jahre 1923 kennen. Als Vermittler dient dabei General Ludendorff, der ihm Hitler als einzigen Hoffnungsträger für Deutschland anpreist. Thyssen ist von Hitler so beeindruckt, dass er ihm 100'000 Goldmark spendet - in Zeiten der Hyperinflation eine Riesensumme. Im Jahre 1928, als Hitler Geld für eine neue, pompöse Parteizentrale in München benötigt, greift Thyssen wieder tief in den Geldbeutel und spendet 300- bis 400'000 Mark. Die Spende tarnt er als Kredit, welchen er über die holländische Bank "Voor Handel en Scheepvaart N. V" in Rotterdam abwickelt. Die Nazis bezahlen nie etwas zurück.

Von da an wirbt Thyssen für die NSDAP mit Hingabe und Verve (Begeisterung). Er tritt bei politischen Veranstaltungen auf, versucht andere Wirtschaftsmagnaten in kleiner Runde zu überzeugen, steht mit Geld und seinem prominenten Namen für das Volksbegehren gegen den Young-Plan ein. Weiterhin lässt Thyssen im Umkreis Hitlers mal da 50'000, mal dort 100'000 Mark springen.

Eine seiner "grössten" Taten ist jedoch, dass er den äusserst exklusiven Zirkel der "Ruhrlade", dem zwölf einflussreiche und finanzkräftige Industrielle angehören, überreden kann, einen politischen Fonds aufzulegen, aus dem Parteien und einzelne Politiker alimentiert werden. Die Summen sind beträchtlich, schwanken zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Mark jährlich.

Anfänglich fliessen die Gelder in bürgerliche und rechte Parteien. Nach dem Wahlerfolg der NSDAP im September 1930 schafft es Thyssen gegen anfängliche Skepsis und Widerstand der Wirtschaftsführer, die "Ruhrlade"-Mitglieder davon zu überzeugen, dass man den "vernünftigen" Nationalsozialisten unter die Arme greifen sollte, indem man die NSDAP von den Wirtschaftsspenden abhängig mache - daraufhin fliessen die Gelder.

Thyssen rührt immer stärker die Werbetrommel für die NSDAP. Für den 27. Januar 1932 lädt er Hitler ein, vor dem "Industrieklub" in Düsseldorf zu sprechen, dem die Elite der "Ruhr-Barone", der Banken, Verleger und Wirtschaftsjuristen angehört. Der Abend wird ein riesiger Erfolg. Hitlers Pressechef kommentierte: "Das Eis war gebrochen, der nationalsozialistische Gedanke hatte in wichtigen und einflussreichen Kreisen des Systems fruchtbaren Boden gefunden". Thyssen selbst gibt später zu Protokoll: "Die Rede machte auf die versammelten Industriellen einen tiefen Eindruck und in der Folge floss eine Reihe grosser Beiträge aus den Quellen der Schwerindustrie in die Kasse der Nationalsozialistischen Partei".

Damit hat sich der Wind für die Nazis endgültig gedreht: Die Wirtschaftselite Deutschlands lässt die braunen Rabauken nicht länger in der Ecke stehen. Um deren Unterstützung zu erringen, schreckte Hitler nicht davor zurück, Kreide zu fressen: Auch diesmal verzichtet er auf seine bewährten Kampfparolen für die Massen, wie die Auflehnung gegen die Zinsknechtschaft, das Diktat des Staates über die Firmen oder die Enteignung einzelner Wirtschaftszweige. Auch seine Abneigung gegen die Juden thematisiert er nicht. Statt dessen geht er geschickt auf die Sorgen und Nöte der Wirtschaftskapitäne ein und vermeidet peinlichst den Eindruck eines Radikalen oder politischen Eiferers.

Thyssen lobbyiert weiterhin für Hitler und spendet nach eigener Einschätzung insgesamt etwa eine Million Mark. Hitler dankt es ihm später dadurch, dass er Thyssen, der viel zu spät die wahre Natur Hitlers erkennt und sich entsetzt von ihm abwendet, Anfang Januar 1941 in die Irrenanstalt in Neubabelsberg bei Potsdam einwiesen lässt, zusammen mit seiner Frau. Die späteren Kriegsjahre verbringt das Ehepaar Thyssen dann in den Konzentrationslagern von Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau.

Kontakte zu den besseren Kreisen - Emil Kirdorf - 1927
Einer der "Paten" Hitlers für den Zugang zu den sogenannt besseren Kreisen ist Emil Kirdorf, ein fast 80jähriger Kohlemagnat (der während 54 Jahren Vorstandsvorsitzender der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft gewesen war und bei der Gründung des mächtigen Rheinisch- Westfälischen Kohle-Syndikats mitgewirkt hatte). Aufgrund seiner einflussreichen Stellung und feudalistischen Auffassung von Arbeitshierarchie nennt man ihn nur den "Schlotbaron".

Buchautor Henry Ashby Turner attestiert Kirdorf, "den künftigen Diktator während seines Aufstiegs zur Macht in den Augen von Millionen Deutschen gesellschaftsfähig" gemacht zu haben. Durch sein öffentliches Eintreten für die Nazis und seine finanzielle Unterstützung "half er dem Führer unermesslich".

1926 sucht Hitler den Kontakt zu Industriellenkreisen. Er buhlt um deren Einfluss und, noch wichtiger, deren Geld. "Schon eine einzige Spende, die für Wirtschaftsführer nur ein Taschengeld bedeutet, kann der niederliegenden Nazipartei flugs wieder auf die Beine helfen, nachdem das zeitweilige NSDAP-Verbot die Quellen hat versiegen lassen", schreibt Wolfgang Zdral.

Hitler tritt im Herbst 1927 in mehreren privaten Zirkeln vor Wirtschaftsführern auf und erläutert seine Ziele. Bei einem dieser Treffen in Essen hört Kirdorf den Propagandisten zum ersten Mal und ist ergriffen. So sehr, dass er im August 1927 als erster Industrieller NSDAP-Mitglied wird. Sein Streben geht nun dahin, "ihn in dem nächsten Monat mit einigen führenden Personen diesseitiger Industrie" zusammenzubringen. "Gelingt es mir, ihm in diesen Kreisen Anhänger zu gewinnen, so wird meine Hoffnung auf Rettung des Vaterlandes Stärkung erfahren".

Auch seine private Geldschatulle öffnet Kirdorf. Einmal springt er ein, als Hitler wegen eines ungedeckten Schecks von 40'000 Mark schon den Selbstmord erwägt. Insgesamt spendet Kirdorf etwa 100'000 Mark. Viel wichtiger ist jedoch, dass Kirdorf Hitler einlädt, seine Gedanken zu Ökonomie und Unternehmertum niederzuschreiben, damit er diese diskret unter seinen Freunden und Bekannten verteilen kann. Dies tut Hitler nur zu gern, und es ist zu seinem Glück, dass das Blättchen geheim und unter der Hand weiterverteilt wird, denn die Inhalte weichen gar stark von der Polemik ab, mit der er das gemeine Volk zu gewinnen trachtet, und sie unterscheiden sich auch von dem, was er in "Mein Kampf" als seine Weltanschauung verkündet.

Erst im Frühjahr 1966 taucht ein Exemplar des Pamphlets wieder auf und offenbart, dass Hitler sich darin weder - wie sonst üblich - für Enteignungen ausspricht noch gegen die Zinsknechtschaft oder gegen die Juden wettert; letzteres Thema erwähnt er nur einmal im Zusammenhang mit dem "internationalen Juden" und dem Marxismus. Ganz offensichtlich sucht er seinen potenziellen Geldgebern zu gefallen.

Kirdorf tritt allerdings im August 1928 wieder aus der NSDAP aus, weil die NS-Zeitung "Die neue Front" einen bösen Artikel über das Rheinisch- Westfälische Kohlesyndikat publiziert hat, das er als seinen grössten Lebenserfolg betrachtet. Seiner Bewunderung für und seinem Kontakt zu Hitler tut dies jedoch keinen Abbruch, und nach Hitlers Machtergreifung bittet er um Wiederaufnahme in die Partei.

Die Folgen seines Wirkens im Hintergrund waren in der Zwischenzeit immerhin rund 500'000 bis 600'000 Reichsmark, welche die Bergbauindustrie auf regelmässiger Basis nach den Wahlen von 1930 an die NSDAP zahlte.

1929-1933: Hitler wird als künftige Macht im Staate aufgebaut
Ende der zwanziger Jahre herrscht in den Kreisen der deutschen Arbeitslosen Kriegsstimmung. Man will Krieg gegen die internationale Hochfinanz und Krieg gegen den Osten. Diese Stimmung ist Hitlers erste grosse Chance. Von nur 0,8 Millionen Stimmen in der Wahl des Jahres 1928 wachsen die NS-Stimmen 1930 auf 6,3 - 1932 auf 13,7 und 1933 auf 17,2 Millionen an. In Wirklichkeit wollen die verzweifelten Menschen natürlich keinen Krieg, sondern ein Recht auf Arbeit. Und sie sind bereit, gegen all jene anzutreten, die ihnen dieses Recht verweigern. Die Reichen beginnen sich zu fürchten. So unauffällig wie möglich pirschen sie sich an Hitler heran und bitten um Schutz...

Und der braucht ihr Geld dringend, denn trotz der vielen Spenden gibt die NSDAP immer viel mehr Geld aus, als hereinkommt. So gibt ein Steuerberater der NSDAP am 2. Januar 1933 beim Berliner Finanzamt zu Protokoll, die Partei sei nur unter Aufgabe ihrer Unabhängigkeit zur Zahlung ihrer Steuern in der Lage. Das zeigt, dass selbst Beiträge von über einer Million Mitgliedern nicht für die Bedürfnisse Hitlers ausreichen und nur zusätzliche Spenden aus der Wirtschaft die Finanznot zumindest lindem können.

Die Nationalsozialisten erscheinen manchen Exponenten der Hochfinanz gefährlicher als die Kommunisten, die ihrer Ansicht nach keine reelle Chance haben, in Deutschland an die Macht zu kommen. Doch wenn Hitler mit seinen Wählern aus dem verarmten Mittelstand den Kurs der Linken noch verstärkt, dann können sie gemeinsam die deutsche Hochfinanz erdrücken. Gefährdet sind vor allem die Bankiers, die Industriellen und die Grossgrundbesitzer. Deren Ziel ist deshalb klar: Der Linkskurs des Mittelstandes muss verhindert werden.

Hitler ist Realpolitiker, er will vor allem die Macht. Also muss man Hitler die Macht zwar übergeben, ihn jedoch so binden, dass er sie nicht zum Nachteil seiner Geldgeber verwenden kann. Eine Rechnung, die - siehe Thyssen - für die reichen Herren nur zum Teil aufgeht.

Ende der 20er Jahre beginnen die Parteispenden plötzlich üppiger zu fliessen. 1929 etwa richtet der damalige deutsche Pressezar Alfred Hugenberg einen Bittbrief an dreitausend Millionäre in den USA. Er beschwört das Chaos, das Deutschland drohe und malt in düsteren Farben die Gefahr eines Krieges mit der Sowjetunion an die Wand. Es sei unumgänglich, dass Deutschland für einen Krieg aufrüste, und die einzige Partei, die zur Aufrüstung bereit sei, sei Hitlers NSDAP.

Die Weltwirtschaftskrise 1929
Den amerikanischen Grossindustriellen und Bankiers ist zu jener Zeit klar, dass Amerika eine Wirtschaftskrise bevorsteht. Nach dem Ersten Weltkrieg war Amerika zum reichsten Land der Erde avanciert und die amerikanische Wirtschaft wuchs unaufhörlich, nicht zuletzt dank der vom Krieg ruinierten europäischen Staaten, die gar nicht anders konnten, als zunächst bei "Onkel Sam" einzukaufen - selbstverständlich mit amerikanischen Krediten, denn doppelt und dreifach verdient hält einfach besser.

Bald überstieg jedoch das Produktionsvolumen der USA die Nachfrage. Die europäischen Länder hatten selbst die Produktion wieder aufgenommen, und so blieb Amerika schliesslich auf seinen Waren sitzen. Russland belieferte die Europäer mit günstigem Getreide, und die amerikanischen Landwirte konnten ihre Kredite für die überzogenen Investitionen nicht mehr zurückzahlen. Spätestens Mitte der zwanziger Jahre ist einigen illuminierten Köpfen klar, dass die Blase dieser übersteigerten Wirtschaft bald einmal platzen würde.

Und vorausblickend, wie solch illuminierte Geister nun mal sind, nehmen sie das Schicksal, das wie ein Damoklesschwert über der amerikanischen Wirtschaft hängt, in ihre Hände und blasen erst noch tüchtig den Aktienmarkt künstlich auf, auf dass er wuchere wie ein Krebsgeschwür.

So dauert es nicht lange, bis das Volk nahezu alle seine Ersparnisse in überbezahlte Wertpapiere gesteckt hat. Um die europäischen Länder an die Goldkandare zu bekommen, beginnt die Federal Reserve Bank schliesslich, amerikanisches Gold im Wert von 500 Millionen Dollar nach Europa, und da vor allem nach England zu transferieren.

Am 9. August 1929 ist es soweit: Die Federal Reserve Bank erhöht den Diskontsatz und zweieinhalb Monate später, am 24. Oktober 1929, platzt die Blase: Schwarzer Freitag. E. R. Carmin bemerkt bissig: "Binnen kürzester Zeit waren an die 160 Milliarden Dollar an Wertpapieren futsch (der ganze Zweite Weltkrieg - kostete die USA "bloss" 200 Milliarden). Das heisst: Das Geld war natürlich nicht einfach futsch, vornehm ausgedrückt hatte das Volksvermögen mal eben die Besitzer gewechselt".

1930 bis 1933 - 150 Millionen Mark aus dem Ausland?
Dies also die Stimmung, in welcher der Brief des Deutschen Hugenberg die amerikanischen Millionäre erreicht. Dr. Gelpke, ein Mitarbeiter des damaligen preussischen Staatssekretärs Dr. Abegg, erinnert sich später: "Die Sowjetunion war damals noch sehr schwach. Niemand dachte an Krieg, wohl aber sahen einige tüchtige Geschäftsleute voraus, dass eine Krise zu erwarten war". Was kann man dagegen tun? Die Schwerindustriellen denken natürlich zuerst an ihr bestes Geschäft: die Aufrüstung. Um aber die Aufrüstung durchzusetzen, müssen die nicht am Rüstungsgeschäft interessierten Reichskanzler Müller, Brüning und Schleicher, sowie die sozialistische Regierung Preussens (SPD, Zentrum und DDP - Ministerpräsident = Otto Braun, Sozialdemokrat) gestürzt werden. Dazu braucht man einen Strohmann und einen Demagogen, der das Volk anzog. Dieser Mann ist Adolf Hitler.

Die ersten Millionen aus dem Ausland rollen kurz vor dem unerwarteten Wahlsieg Hitlers von 1930 und rollen weiter bis zu Hitlers Machtantritt Ende Januar 1933. Der Staatssekretär des preussischen Ministerpräsidenten Otto Braun Dr. jur. Wilhelm Abegg schätzt sie auf rund 150 Millionen Mark. Sein Mitarbeiter Gelpke schreibt: "Doch die ganze Wahrheit kann kein Zeuge veröffentlichen, weil er weiss, dass er früher oder später das Opfer einer Clique von ungekrönten Königen würde. Als Rechtsanwalt und Revisor hatte ich für Finanzkreise Beteiligungen im In- und Ausland, insbesondere den Zahlungsverkehr Schweiz-Deutschland zu kontrollieren. Auch bei einer Waffenfabrik. Ich wusste, dass die SA und die SS einen grossen Teil der Waffen nicht von der Reichswehr, sondern vom Ausland erhielten".

Gelpke fährt fort: "Nach dem unerwarteten Wahlsieg Hitlers vom 14. September 1930 sah sich nun Dr. Abegg veranlasst, den ausländischen Finanzquellen Hitlers nachzuforschen. Er liess unter anderem auch das Hotel Adlon, Berlin, daraufhin beobachten, ob hier zwischen Hitler und amerikanischen Finanzleuten Besprechungen stattfinden". Dazu habe man die Gäste-Anmeldungslisten durchforstet. "Diese Recherchen verliefen positiv. Es fanden in den Jahren 1929/1933 im Hotel Adlon, Berlin, Verhandlungen über die Finanzierung Hitlers statt. Auf amerikanischer Seite waren eingeweiht: Bankier Warburg, als Treuhänder des New Yorker Bankhauses Kuhn, Loeb & Cie., sowie eine Gruppe der amerikanischen Ölfinanz. Auf deutscher Seite haben an den Verhandlungen teilgenommen: Hitler, Göring, Gregor Strasser, von Heydt, ein Berliner Rechtsanwalt von Loewenfeld".

Hierzu gilt es anzufügen, dass diese Informationen wohl in einigen Büchern auftauchen, nicht jedoch beim Primärquellenforscher Antony Sutton. Dies gilt auch für die folgenden Sätze.

"Staatssekretär Abegg verschaffte sich eine Abschrift von Hitlers Budget für Partei, SA und SS. Er stellte fest, dass Hitler neben der Parteikasse noch über einen Geheimfonds verfügte. Im Sommer 1930 stellte die preussische Polizei fest, dass die Mitgliederbeiträge der NSDAP, sowie die Beiträge aus der deutschen Industrie stark zurückgingen. Trotzdem war Hitler im Hinblick auf die Septemberwahlen 1930 in der Lage, mit einem bisher in Deutschland unbekannten Aufwand Wahl-Propaganda zu machen. Dieses Geld konnte nur aus dem Ausland, insbesondere den USA, stammen".

Diese Aussagen stützen sich auf ein angebliches Dokument der badisch- württembergischen "Deutschen Gemeinschaft", welche es im Jahre 1950 veröffentlichte. Die Gemeinschaft habe aufgrund stichhaltiger Unterlagen den daraufhin gegen sie geführten Prozess gewonnen, was sich jedoch nicht verifizieren (nachprüfen) lässt.

Ende 1931 soll der preussische Staatssekretär Dr. Abegg von Minister Severing den Auftrag erhalten haben, das Vorleben Hitlers, sowie dessen ausländische Finanzquellen abzuklären. Offenbar ging es darum, Hitler, der damals noch nicht deutscher Staatsbürger war, auszuweisen oder ihn vor Gericht zu stellen. In diese Pläne sollen Reichskanzler Brüning, General von Schleicher und später auch der adlige Minister ohne Geschäftsbereich Hans Schlange-Schöningen (DNVP = Deutsch-Nationale-Volks-Partei), der sich später dem Widerstand gegen Hitler anschloss und ein Herr Passarge eingeweiht gewesen sein.

Angeblich observierte die Polizei einen Möbelwagen, der ständig in Deutschland unterwegs war und in dem sich Hitlers Privatarchiv befunden haben soll. Es habe die Bankunterlagen Hitlers der Jahre 1929 und 1931 enthalten. Dieser habe einen Geheimfonds unterhalten, über den nur er verfügen konnte. "Das Ergebnis unserer Untersuchungen war für Hitler derart belastend, dass, wenn das Material dem Reichspräsidenten unterbreitet worden wäre, der Präsident keine andere Wahl gehabt hätte, als Hitler vor Gericht zu stellen".

So die nicht verbürgte Aussage des Archivars des ehemaligen Zürcher Abegg-Archivs, der anfügte: "Es scheint, dass Hitler eine Ahnung hatte, was geplant war. Jedenfalls liess er im Frühjahr 1933, als Dr. Abegg nach der Schweiz verreist war, in der Berliner Wohnung von Dr. Abegg durch die SS eine Hausdurchsuchung machen, wobei das Dossier Hitler beschlagnahmt wurde. Etwa ein Jahr später, anlässlich des Röhm-Putsches, erhielt die SS den Auftrag, bei General von Schleicher eine Hausdurchsuchung zu machen, und das Doppel des Dossiers Hitler zu beschlagnahmen. Bei diesem Anlass sind sowohl General Schleicher als auch seine Ehefrau ermordet worden".

Ausländische Geldgeber in Spendierlaune - Royal Dutch Shell - 1921
Auf seiner Spurensuche ist Professor Antony Sutton auf einige weitere Namen gestossen. Schon 1925 habe die Familie des Grossindustriellen Hugo Stinnes Geld gespendet, um die Nazi-Wochenzeitung Völkischer Beobachter in eine Tagespublikation umzuwandeln. Anfang der dreissiger Jahre finden einige Treffen zwischen Hitler (oder dessen Repräsentanten Hjalmar Schacht und/oder Rudolf Hess) und deutschen Industriellen statt. "Der kritische Punkt liegt in der Tatsache, dass die deutschen Industriellen, welche Hitler finanzierten, vorwiegend Direktoren von Kartellen mit amerikanischer Beteiligung oder Eignerschaft waren. Im Grossen und Ganzen waren Hitlers Geldgeber weder Firmen ausschliesslich deutschen Ursprungs noch Repräsentanten deutscher Familienunternehmen.

Mit Ausnahme von Thyssen und Kirdorf waren es die deutschen multinationalen Unternehmen beispielsweise die IG Farben, AEG., DAPAG (Deutsche Amerikanische Petroleum AG), etc. Diese Konzerne hatte man durch amerikanische Anleihen in den 20er Jahren geschaffen. Sie wurden in den frühen 30er Jahren von amerikanischen Direktoren geführt und besassen eine starke amerikanische Finanzbeteiligung".

Bislang keine Erwähnung gefunden hat ein weiterer bekannter Name: Royal Dutch Shell (identisch mit Shell), die grosse Konkurrentin von Rockefellers Standard Oil auf dem Erdölmarkt der 20er und 30er Jahre. Ihr Chef, Sir Henri Deterding, soll Hitler, laut weit verbreiteten Gerüchten, kräftig mit persönlichem Geld finanziert haben.

Deterding-Biograph Glyn Roberts schreibt in "The most powerful man in the world", dass Deterding schon 1921 von Hitler beeindruckt gewesen sei und ihm schon in jenen frühen Tagen durch den Agenten George Bell vier Millionen Gulden gespendet habe. Roberts berichtet auch, George Bell habe als Repräsentant von Hitler und Deterding 1931 an Treffen (rechtsradikaler) ukrainischer Patrioten in Paris teilgenommen. Deterding soll den Nazis grosse Summen gespendet haben, mit dem Gedanken, dass ihm dies zu einer besseren Position auf dem deutschen Ölmarkt verhelfen würde. Man sprach von Beträgen bis zu 55 Millionen Pfund.

Antony Sutton gelang es jedoch nicht, konkrete Belege für diese Gerüchte zu finden - obwohl Deterding seit nunmehr über achtzig Jahren im Verdacht steht, er habe die Nazis finanziert. Immerhin verlegte er seinen Wohnsitz nach Nazi-Deutschland, wo er seinen Anteil am deutschen Ölmarkt tatsächlich ausbauen konnte.

Nicht gesichert sind auch Anschuldigungen, die schon am 11. Januar 1932 erhoben wurden: dass nämlich die französische Waffenfabrik Schneider-Creuzot Hitler finanziert habe. Paul Fauré äusserte damals in der französischen Zeitung Le Journal, Hitler habe 300'000 Schweizer Goldfranken erhalten. Allerdings konnte Sutton dies nicht verifizieren.

Kurz vor der Machtübernahme 1932 fast am Ende
Im Mai 1932 findet das sogenannte "Kaiserhof Meeting" zwischen Schmitz von der IG Farben, Max Ilgner von der Amerikanischen IG Farben, Kiep von der Hamburg-Amerika-Linie und Diem vom Deutschen Pottasche- (oder Kaliumkarbonat)-Trust statt. An diesem Treffen werden über 500'000 Reichsmark aufgebracht und zugunsten von Rudolf Hess an die Deutsche Bank überwiesen. Am 31. Juli 1932 erhält die NSDAP bei den Wahlen 13,8 Millionen Stimmen und ist damit die stärkste Partei. Dennoch war es nicht einfach gegeben, dass Hitler Reichskanzler werden musste - mit all den fatalen Folgen.

Auch E. R. Carmin urteilt: "Hitlers Aufstieg zur Macht war weder schicksalhaft noch unaufhaltsam". Noch 1932 hätte man strafrechtlich gegen Hitler und die Nazis vorgehen können, wäre da nicht der Reichskanzler Heinrich Brüning von der Zentrumspartei (Bild links) gewesen, der 1947 in einem Brief an den Herausgeber der Deutschen Rundschau schrieb: "Das Finanzieren der Nazipartei, teilweise durch Menschen, von denen man es am wenigsten erwartet hätte, dass sie sie unterstützen würden, ist ein Kapitel für sich. Ich habe niemals öffentlich darüber gesprochen, aber im Interesse Deutschlands könnte es notwendig sein, es zu tun und aufzudecken, wie dieselben Bankiers im Herbst 1931 den amerikanischen Botschafter Sackett gegen meine Regierung zugunsten der Nazipartei zu beeinflussen suchten.

Einer der Hauptfaktoren bei Hitlers Aufstieg, den ich nur im Vorübergehen erwähnt habe, war die Tatsache, dass er grosse Geldsummen von fremden Ländern 1923 und später empfing und gut für die Sabotage des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet bezahlt wurde. In späteren Jahren wurde er bezahlt, um Unruhen hervorzurufen und revolutionäre Tendenzen in Deutschland zu ermutigen - von Männern, die sich einbildeten, dass dies Deutschland schwächen könnte und das Bestehenbleiben irgendeiner verfassungsmässigen zentralen Regierung unmöglich machen würde. Diejenigen, die so lange versucht haben, diese Tatsachen zu unterdrücken täuschen sich, wenn sie glauben, dass sie dies auf Dauer tun könnten".

Brünings Einsicht kam etwas spät, hatte er doch eigenhändig im Jahre 1932 einen Teil des ihm vom preussischen Ministerpräsidenten Braun vorgelegten Beweismaterials vernichten lassen, das die NSDAP als "staats- und republikfeindliche, hochverräterische Verbindung" brandmarkte, wodurch Brüning die vermutlich letzte Möglichkeit sabotierte, strafrechtlich gegen Hitler und die Nazis vorzugehen. Man erinnere sich: Bis zu seiner "totalen" Machtübernahme hatte Hitler niemals die Mehrheit des deutschen Stimmvolks hinter sich; sein bestes Resultat belief sich auf einen Wähleranteil von 37 Prozent!

Wie E. R. Carmin es herausstreicht, hat Hitler "nicht an der Spitze einer revolutionären Massenbewegung die Macht ergriffen, sondern er ist vielmehr durch Hintertreppen-Intrigen zum Reichskanzler ernannt worden, und zwar zu einem Zeitpunkt, als seine politische Bewegung bereits ihren Gipfelpunkt überschritten hatte und die wirtschaftlichen und politischen Faktoren, die seinen Aufstieg begünstigt hatten, bereits schwanden. In der Partei herrschte Zwietracht, und Hitler spielte Ende 1932 sogar mit dem Gedanken, sein Leben mit einer Kugel zu beenden".

In dieser Zeit, da Hitler genauso gut auch wieder hätte untergehen können, erhält er die grosszügigsten Summen vom Grosskapital. "Es gibt unwiderlegbare dokumentarische Beweise für eine weitere Rolle der internationalen Bankiers und Industriellen bei der Finanzierung der Nazipartei und der Volkspartei für die Wahlen im März 1933", schreibt Antony Sutton. "Die Gesamtsumme von drei Millionen Reichsmark wurde von prominenten Firmen und Geschäftsleuten bezahlt, welche passenderweise über ein Konto der Delbrück Schickler Bank gewaschen und dann in die Hände von Rudolf Hess übergeben wurde - zur Verfügung Hitlers und dessen NSDAP". Dieses Spendengeld-Treffen hatte am 20. Februar 1933 im Heim von Göring stattgefunden, welcher damals Reichstagspräsident war.

Nur eine Woche später, am 27. Februar 1933, brennt der Reichstag. Ein Tunnel gewährt den Brandstiftern Zugang zum Reichstag, und dieser beginnt just in jenem Haus, in dem sich ein alter Hitler-Spezi und Geldbeschaffer namens Ernst "Putzi" Hanfstaengl aufhält. Das Reichstagsfeuer selbst wird schliesslich von Hitler als Vorwand benutzt, um die konstitutionellen Rechte abzuschaffen und via Ermächtigungsgesetz die absolute Macht zu übernehmen.

Dr. Ernst Hufstaengl
Dr. Ernst Hanfstaengl, auch "Putzi" genannt, war der Sohn eines Münchener Kunsthändlers, der seine Jugend in den USA verbrachte. Hanfstaengl selber war ebenfalls Kunsthändler und Pianist. In den USA gehörte zu den unmittelbaren Bekannten der einflussreichen Roosevelt-Familie. Hanfstaengl hatte in Harvard studiert und spielte als vollendeter Pianist für Theodore und Franklin Roosevelt, für Winston Churchill und auch für Hitler. Hitler hatte ja ebenfalls eine künstlerische Ader. Schliesslich wollte er einst Malerei studieren und war ein begeisterter Anhänger der Musik Richard Wagners.

Hanfstaengl, einst ein persönlicher Freund Hitlers, führte Hitler 1922 in die Münchener Gesellschaft ein. Hanfstaengl wurde 1931 Leiter der NSDAP Auslandspresse und blieb es bis 1933. Enttäuscht von Hitler ging er 1937 nach England und anschliessend in die Vereinigten Staaten. Während des 2. Weltkrieges wurde er Berater Roosevelt's und der Hearst Presse. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte bis zu seinem Tode in München.

Hitlers Schuldendiktat: Wie Hitlers Kriegswirtschaft wirklich lief     
(Marianne Enigl)

Arbeit für alle, Autobahnen und Modernisierung der Industrie: Adolf Hitler inszenierte sich als perfekter Krisenmanager der Grossen Depression. In Wahrheit aber wussten die Nazis schon lange vor Kriegsausbruch nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollten. Den Ausweg fanden sie in Vertuschung, Raub und Ausbeutung.

Salzburger Festspiele, 9. August 1939. Adolf Hitler erschien, überraschend, zu Mozarts Don Giovanni, der Vorhang hob sich erst nach langen Ovationen für den Führer. Vor dem Festspielhaus sammelten sich die Salzburger, Hitler schauen. Der hatte die Spiele als Altäre der Erbauung gerühmt, gerade in einer Zeit wirtschaftlicher Nöte und Sorgen und fuhr rasch wieder ab. Denn in seinem Sommerdomizil auf dem nahen Obersalzberg wurde in diesen Tagen Abhilfe für die wirtschaftliche Not des Deutschen Reichs vorbereitet: der Eroberungsfeldzug nach Polen am 1. September, Auslöser des Zweiten Weltkriegs.

Die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten ist bis heute von Mythen umwoben. Hitler stilisierte sich gern als derjenige, der das Volk aus dem Elend der Grossen Depression der dreissiger Jahre geführt hat. Zu Unrecht. Denn die angeblich ordentliche Beschäftigungspolitik und der viel zitierte Autobahnbau sind Schimären. Die Nationalsozialisten hatten keinen wirtschaftlichen Masterplan. Ihre Vorgangsweise war mehr Improvisation als Strategie; ihre Wirtschaftspolitik die eines rassistischen, nach Macht und Krieg strebenden Regimes. Während die NS-Führung prahlte, sie würde die Fundamente für ein Tausendjähriges Reich legen, wusste sie schon weit vor Kriegsbeginn nicht, wie sie am nächsten Tag die Rechnungen zahlen sollte.1) Propagandaminister Joseph Goebbels höchstpersönlich bekannte Farbe. Er schrieb bereits 1938 in sein Tagebuch, das Finanzloch in der Reichskasse sei schlimmer als ich gedacht. Profil wird sich in einer mehrteiligen Serie einer bisher in der öffentlichen Auseinandersetzung vernachlässigten Seite des Dritten Reichs widmen: der NS-Wirtschaftspolitik.

Hitlers Festspielauftritt in weisser ­Galauniform war inszeniert, um von Gerüchten über den drohenden Krieg abzulenken. In Paris erholte sich unterdessen ein Mann, der von der NS-Führung monatelang als Geisel in einer Wiener Gestapo-Zelle eingesperrt worden war: Louis Rothschild. Zweifellos war der 56-jährige Spross des Wiener Zweigs der jüdischen Bankiersdynastie damals der reichste Mann Österreichs und er verfügte über wichtige Industrien. Genau deshalb hatte es das Regime auf ihn abgesehen: In der wohl spektakulärsten Lösegelderpressung dieser Zeit wurde für seine Freilassung nicht weniger gefordert als die Übertragung des gesamten Vermögens sowie das seiner Brüder Eugène und Alphonse, die bereits nach Paris und London geflüchtet waren.

Doch der Baron erwies sich als zäh: Nach seiner Verhaftung am 12. März 1938 hielt er im Gestapo-Keller am Wiener Morzinplatz länger als ein Jahr dem Druck stand. In den Nachbarzellen sassen ebenfalls Prominente: Kommunisten, Ex-Kanzler Kurt Schuschnigg und der Christlichsoziale Leopold Kunschak. Wir waren uns schnell einig, dass dies der klassenloseste Keller der Welt war, erinnerte sich Rothschild später an Gespräche. Doch letzten Endes musste er klein beigeben. Aus dem Verkauf der Kunstschätze, Unternehmensbeteiligungen und Ländereien der drei Brüder sollen die Nazis rund 35 Millionen Reichsmark lukriert haben, das Wiener Bankhaus S. M. v. Rothschild ging an das Münchner Finanzhaus Merck, Finck & Co, die wertvolle Beteiligung an den tschechischen Eisenwerken Witkowitz wurde den Hermann-Göring-Werken zugeschlagen. Rothschild hatte diese Beteiligung vor seiner Verhaftung noch an eine englische Holdinggesellschaft übertragen, um sie vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. Doch am Ende hatte auch das nichts geholfen. Er musste einem Verkauf zum Preis von knapp drei Millionen britischen Pfund zustimmen. Bei seiner Freilassung am 4. Mai 1939 hielt der Baron für seine Erpresser noch eine Überraschung bereit: Da es nun schon nach 20 Uhr sei, wolle er seinen Diener nicht mehr stören ob er wohl noch eine Nacht im Keller verbringen dürfe? Die Nationalsozialisten gaben sich Rothschild gegenüber bis zuletzt keineswegs als Gentlemen: Unter dem Vorwand des Kriegsausbruchs wurden der Kaufpreis nie bezahlt.

Der Fall ist ein Beispiel für den kleptokratischen Charakter der nationalsozialistischen Volkswirtschaft, die letztlich auf Ausplünderung und Ausbeutung der eroberten Länder und Menschen angelegt war. Juden waren immer das erste Ziel der Finanzbeschaffung, da ihre Enteignung auf den geringsten Widerstand stiess. Im Haushaltsjahr 1938/39 bezog das Deutsche Reich auf einen Schlag annähernd zehn Prozent der Einnahmen aus arisiertem Vermögen.

Es folgten ungeheure Profite aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern: Das 1940 eroberte Frankreich etwa hatte allein 35 Milliarden Reichsmark (nach heutigem Wert annähernd 150 Milliarden Euro) als Besatzungskosten abzuliefern. Dänemark deckte während des Zweiten Weltkriegs 90 Prozent des Fisch- und 20 Prozent des Fleischbedarfs des Deutschen Reichs. Und im grössten Teil Osteuropas plünderten die Deutschen alles, was sie sahen, so Mark Marzower von der Columbia University, New York. Der Kärntner SS-Führer Odilo Globocnik liess aus dem besetzten Polen allein an Textilien, geraubt von den ermordeten Juden, 1901 Waggons abtransportieren.

Ohne Ausbeutung von Menschen hätte die NS-Wirtschaft nicht funktioniert. Knapp vor Kriegsende betrug die Zahl der Zwangsarbeiter im Deutschen Reich mehr als neun Millionen: Das war jeder Vierte. Die rund 1,6 Millionen KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen unter ihnen wurden unter katastrophalsten Umständen eingesetzt.

Politisch und ökonomisch hatte die Grosse Depression der dreissiger Jahre dem Nationalsozialismus den Boden aufbereitet. Otto Bauer, der Wortführer der österreichischen Sozialisten, besass eine Vorahnung, wohin die strikte Sparpolitik führen würde, mit der damals sowohl Deutschland als auch Österreich reagierten: Siegen werden in den Wirren dieser Zeit am Schluss diejenigen, die dem Volk einen Ausweg aus seiner Not zeigen und den Mut und die Entschlossenheit haben, es auf diesem Weg zu führen.

1933 kamen die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht, doch es ist ein Mythos, dass sie die Ersten ­waren, die auf Investition zur Krisenbekämpfung gesetzt hätten. Den eigentlichen Bruch mit der harten Sparpolitik schreibt der Schweizer Wirtschaftsanalytiker René Erbe der von Hitler abgelösten Weimarer Republik unter Franz von Papen zu. Die Nationalsozialisten übernahmen diese Massnahmen und setzten sie in viel grösserem Massstabe fort, fügten ihnen aber in den ersten Jahren nichts prinzipiell Neues hinzu, so Erbe. Ganz ähnlich gingen die Nationalsozialisten 1938 beim Anschluss Österreichs vor: Sie setzten das noch in den letzten Monaten der Regierung Schuschniggs ausgearbeitete Konzept um und profitierten von der bereits begonnenen Wirtschaftserholung, sagt Wirtschaftshistoriker Fritz Weber.

Hitler traf 1933 in Deutschland auf hervorragende Bedingungen: Die Löhne waren durch die Depression niedrig und die Talsohle der Krise bereits 1932 durchschritten. Da Konjunkturprogramme zeitlich verzögert wirken, ist der Abbau der Arbeitslosigkeit zu Beginn des Nazi-Regimes seinen Vorgängern zuzuschreiben, argumentiert Historiker Christoph Buchheim. Und er geht noch weiter: Anfangs hat die NS-Herrschaft die wirtschaftlichen Auftriebskräfte wohl eher behindert als unterstützt.

Das sollte besonders für den Anschluss Österreichs 1938 gelten: Da der Wechselkurs vom Schilling zur Reichsmark auf Hitlers Bestimm völlig überhöht angesetzt wurde (eine Reichsmark für 1,5 Schilling), produzierten Österreichs Betriebe vergleichsweise teuer, die Unternehmen mussten Arbeitskräfte entlassen. Die Arbeitslosigkeit sank 1938 nur, weil Hunderttausende Österreicher ins Altreich abgeworben und völlig neue Rüstungskonzerne aus dem Boden gestampft wurden.

Das NS-Regime hatte keineswegs ein stimmiges Wirtschaftskonzept, auf das es sich stützen konnte. Hitler selbst verstand nicht viel von ökonomischen Zusammenhängen. Er sah in der Wirtschaft nur eine notwendige Dienerin im Leben eines Volkskörpers. Zwar arbeitete Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser 1932 ein Wirtschaftliches Sofortprogramm der NSDAP aus, doch wenige Wochen nach der Publizierung liess Hitler es einstampfen und durch ein gemässigteres Aufbauprogramm ersetzen. Zu heftig war der Widerstand in Unternehmerkreisen, mit denen Hitler es sich offenbar nicht verscherzen wollte. Dieses Sofortprogramm stammte keineswegs von einem wirtschaftlich bewanderten Kopf aus den eigenen Reihen: Strasser hatte die Grundzüge vielmehr vom österreichischen Ökonomen jüdischer Herkunft, Robert Friedländer-Prechtl, abgeschrieben. Einiges davon sollte richtungsweisend werden: die postulierte Unabhängigkeit vom Ausland, die produktive Kreditschöpfung sowie die Preiskontrollen.

Von Beginn an finanzierte sich das Regime mit drastischer Ausweitung der Staatsverschuldung. Schon in den beiden ersten Jahren nahm der adelige Reichsfinanzminister Lutz Graf Schwerin von Krosigk zehn Milliarden Reichsmark (nach heutigem Wert rund 43 Milliarden Euro) Kredit auf. Bis Kriegsbeginn summierte sich die Neuverschuldung von Hitler-Deutschland auf etwa 40 Milliarden Reichsmark (RM). Weil seine Politik ständig im Vorgriff auf die Zukunft lebte, verbot Adolf Hitler bereits im ersten Jahr seiner Reichskanzlerschaft 1933, die Zahlen des nächsten Budgets bekannt zu geben. Dabei blieb es die zwölf Jahre bis zum Ende des Regimes.

Vater der produktiven Kreditschöpfung wurde der renommierte Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht. Er liess über die Scheinfirma Metallurgische Forschungsgemeinschaft (Mefo), hinter der unter anderem Krupp und Siemens standen, die berüchtigten Mefo-Wechsel ausstellen. Die Reichsbank übernahm die Bürgschaft, als Schuldner schien das Reich aber nicht auf. So wurde zwischen 1934 und 1936 die Hälfte aller Wehrmachtsaufträge verdeckt finanziert.

Das NS-Wirtschaftswunder auf Pump war von Anfang an auf Grossindustrielle Rüstung getrimmt, Mittelstandspolitik wurde vernachlässigt. Von den geborgten Milliarden flossen lediglich sechs in zivile Arbeitsbeschaffungsprogramme. Hitler hatte in einer seiner ersten Kabinettssitzungen angeordnet, Beschäftigungsmassnahmen aus öffentlichen Geldern nur zu stützen, wenn sie zugleich der Wehrhaftmachung des deutschen Volkes dienten. Allzu offensiv betriebene Aufrüstung war jedoch durch den Vertrag von Versailles vorerst untersagt. Daher wurde auch in die propagandistisch bestens verwertbare Reichsautobahn, in öffentliche Bauten wie das gigantomanische Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und in den Wohnbau investiert.

Wie sehr die NS-Wirtschaft auf Krieg eingestellt wurde, demonstriert der Anteil der Ausgaben für Militär und Aufrüstung: Er wurde von vier Prozent im Jahr 1933 auf exorbitante 39 Prozent im Jahr 1936 gepusht. In der Rüstungsindustrie herrschte nun bereits Arbeitskräftemangel: Von den ursprünglich sechs Millionen Arbeitslosen hatten 4,5 Millionen Beschäftigung gefunden. Die Einführung von Reichsarbeitsdienst und Wehrpflicht 1935 kam dem Beschäftigungswunder zugute: Bis 1939 wurden eine Million Deutsche zu Soldaten.

Die zentrale Zuspitzung der NS-Wirtschaftspolitik auf ihr eigentliches Ziel erfolgte 1936: Hermann Göring, mächtigster Mann nach Hitler, wurde de facto Wirtschaftsdiktator. Als Beauftragter des Vierjahresplans sollte er Deutschland in vier Jahren militärisch und ökonomisch kriegsfähig machen.

Spätestens diese Entscheidung macht offensichtlich, dass die NS-Wirtschaftspolitik nicht dem Dogma der aktiven Konjunkturpolitik des wohl bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, folgte. Ab 1936 herrschte im Reich Vollbeschäftigung die expansiven Staatsausgaben auf Pump waren daher der Wirtschaftsentwicklung eher schädlich.

Der Improvisationscharakter der NS-Wirtschaftspolitik kam nun immer deutlicher zum Vorschein. Reichsbankpräsident Schacht warnte bereits früh vor dem massiven Einsatz der Notenpresse: Aus Papier kann man weder Brot backen noch Kanonen giessen. Um die Symptome der Inflation zu bekämpfen, wurden Preis- und Lohnstopps erlassen. Die Warnungen Schachts, dass das Wirtschaftssystem unweigerlich an die Wand fahren musste, verhallten bei Hitler ungehört. 1937 legte Schacht sein Amt als Wirtschaftsminister nieder, im Jänner 1939 entliess ihn Hitler letztendlich auch als Reichsbankpräsidenten. Der Führer wollte seinen Aufrüstungswahnsinn nicht von einem Bedenkenträger bremsen lassen. Sein Ziel hiess Eroberung von ­Lebensraum für die arische Rasse, die völkische Bewegungen bereits im Deutschen Kaiserreich gefordert hatten. Ausplünderung war vorgegeben. Hitler: Wir können uns auf der eigenen ­Grundlage nicht ernähren. Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes.

Österreich war als Expansionsziel schon lange im Visier des NS-Regimes. Kanzler Engelbert Dollfuss aber hatte sich im Einklang mit Italiens Faschistenführer Benito Mussolini gegen Deutschland gestellt. Um Druck auszuüben, wurde daher im Mai 1933 die 1'000-Mark-Sperre verhängt: Diese Summe (heute knapp 4'000 Euro) mussten Deutsche vor einer Österreich-Reise zahlen. 1936 schloss Kanzler Schuschnigg mit Hitler das Juli-Abkommen, das den Anschluss vorbereitete.

Anfang 1938 stand das Deutsche Reich kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Propagandaminister Joseph Goebbels schrieb in sein Tagebuch: Danach siehts doch schlimmer aus als ich gedacht. Aber an Schulden ist noch nie ein Volk zugrunde gegangen. Wohl aber am Mangel an Waffen. Zwei Wochen nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März war er mächtig erleichtert: Wir haben einen bedeutenden Fehlbetrag. Dafür aber Österreich (Goebbels Tagebuch, 27. März 1938).

Letztlich war der Anschluss 1938 im Wesentlichen ökonomisch begründet, so Wirtschaftshistoriker Peter Eigner. Die heim ins Reich-Phrasen seien dem nur umgehängt worden.

Die augenblicklich wichtigste Beute waren die Gold- und Devisenvorräte, die das autoritäre Dollfuss-System zur Währungsstabilität angesammelt hatte. An Feingold hatte die österreichische Nationalbank 78.267 Kilogramm. Ein Teil davon lagerte in den Tresoren der Bank of England und wurde anstandslos an die Reichsbank ausgeliefert. Mit den Beständen, die eingeschüchterte Österreicher an die Deutschen verkauften, dürften 1938 aus Österreich Gold und Devisen im Wert von 1,3 Milliarden Reichsmark nach Berlin transferiert worden sein. Das war etwa 18-mal mehr, als die Reichsbank selbst hatte. Das im österreichischen Bewusstsein eingegrabene Hitler hat uns Arbeit gegeben ist demnach schlichtweg falsch. Denn nicht Hitler, sondern Österreich selbst finanzierte den Aufschwung.

Die Ostmark hatte zudem reiche Bodenschätze an Magnesit, Eisenerz und Erdöl, welche die NS-Rüstung dringend brauchte: 1939 kamen je ein Fünftel der Erdölproduktion und des Eisenerzes des Reichs bereits aus Österreich. In den Alpen (Kaprun) und an der Donau (Ybbs-Persenbeug) wurde mit dem Bau von Kraftwerken begonnen. Der Kriegsverlauf zwang die NS-Strategen jedoch laufend zu Änderungen ihrer Projekte: Die beiden Baustellen wurden bald eingestellt.

Der Steyr-Konzern sollte Paradebeispiel für die Umwandlung eines grossen österreichischen Industriebetriebs in ein regelrechtes Rüstungsimperium der NS-Ära werden, und zwar in allen Aspekten. 1938 war er in Mehrheitsbesitz der Creditanstalt. Die Bank wurde gezwungen, Steyr an den Rüstungskonzern Hermann-Göring-Werke zu verkaufen. Der jüdische Direktor Paul Goetzl musste gehen, Generaldirektor wurde der in Mondsee geborene Georg Meindl, der als SS-Mitglied exzellente Kontakte sowohl zu Göring als auch zu SS-Chef Heinrich Himmler hatte.

Unter ungeheurem Druck wurde modernisiert und gebaut. 1938 machte das Unternehmen 57 Millionen Reichsmark Umsatz, 1943 das Achtfache. Ähnlich explodierte die Zahl der Mitarbeiter: von 7'000 im Jahr 1938 auf 50'000 im Jahr 1944. Jeder zweite von ihnen war KZ-Häftling oder Zwangsarbeiter. Das neue Nibelungenwerk in St. Valentin, Oberösterreich, wurde neben Krupp grösstes Panzerwerk im Dritten Reich.

Steyr-Generaldirektor Meindl gelangte zur zweifelhaften Ehre, im gesamten Deutschen Reich als Pionier beim Einsatz von KZ-Häftlingen in der Rüstung zu gelten. Anfang 1942 errichtete die SS für Steyr ein eigenes KZ-Nebenlager, beim gigantischen Stollenbau zur unterirdischen Verlagerung bei Melk wurden 15'000 KZ-Häftlinge eingesetzt. Nach Kriegsende wurde Meindls verkohlte Leiche gefunden. Der Historikerbericht Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus urteilt über einen der wichtigsten Konzernmanager im nationalsozialistischen Österreich: Wenn man überhaupt von einem industriellen Erbe Meindls sprechen könne, dürfe man nicht verschweigen, dass es auch von ­extremer Kriminalität getränkt war.

Hitlers willige Buchhalter     
(Berlin / taz)

Ins ehemalige Reichsluftfahrtministerium - einen strengen Nazi-Bau, in dem heute Wolfgang Schäuble als Finanzminister residiert - lud am Montag jene unabhängige Historikerkommission ein, die die Geschichte des Reichsfinanzministeriums zur Zeit des Nationalsozialismus erforscht. Sie gab einen zweiten Zwischenbericht ab, nachdem letztes Jahr über die fiskalische Judenverfolgung referiert worden war. Diesmal stand die Behördengeschichte des Ministeriums und seine Politik der Staatsschuld auf der Agenda.

Die Historikerin Stefanie Middendorf stellte ihr Referat unter die Überschrift "Hitlers Hauptbuchhalter?". War das Ministerium nur eine reine Fachbehörde, hatte es keinerlei Einfluss auf die Durchführung der Nazi-Strategie? Dies waren die zentralen Behauptungen gewesen, die in der Nachkriegszeit vor allem von Minister Lutz Graf Schwerin von Krosigk nicht ohne Erfolg verbreitet worden waren.

Schwerin, ein deutschnationaler Konservativer, arbeitete seit den zwanziger Jahren führend im Finanzministerium, wurde bereits 1932 unter von Papen Minister und blieb es bis 1945. Er wurde vom amerikanischen Kriegsverbrecher-Gerichtshof zu zehn Jahren verurteilt, von denen er nur eines absass. Alle Verantwortung für die Durchführung der NS-Finanzpolitik im Ministerium wurde auf den Staatssekretär Fritz Reinhardt abgeschoben, einen glühenden Nazi, vor dessen ideologischer Besessenheit sich die sachliche Arbeit der Beamten vorteilhaft abhob.

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092_03/Lutz Graf Schwerin von Krosigk

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092_04/Franz von Papen