Europa nach dem Krieg

Deutschland 1945 bis 1949     
(aus Wikipedia)

Die Besatzungszeit in Deutschland zwischen 1945 und 1949 war die Phase zwischen dem Ende des NS-Staats und des Zweiten Weltkriegs und der Gründung der zwei konkurrierenden Machtblöcken angehörigen deutschen Staaten, der Bundesrepublik Deutschland und der DDR.

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092_79/Das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937, wie es (ohne die Freie Stadt Danzig) völkerrechtlich – aufgrund alliiertem Vorbehaltsrecht – bis 1990 Bestand hatte, jedoch ab 1970 zunehmend an Bedeutung verlor

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092_80/Deutschland 1947: die vier Besatzungszonen gemäss dem Potsdamer Abkommen, das von Deutschland politisch

Die Lage nach Kriegsende
Der Historiker Lutz Niethammer zählt die Jahre von der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und der Niederlage des Deutschen Reiches bis zur Neuorganisation beziehungsweise der Gründung zweier deutscher Staaten als Teile der deutschen Nation und damit den Beginn der 40-jährigen Geschichte deutscher Teilung zu den "kompliziertesten Abschnitten der deutschen Geschichte […], einem interdependenten Prozess, an dem alle Weltmächte beteiligt waren".

Situation vor der Besetzung
Die Staatsorganisation des Deutschen Reiches war schon vor dem "Zusammenbruch" nicht mehr voll funktionsfähig. Nachdem die Siegermächte die Obersten Reichsbehörden und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) aufgelöst hatten, waren Bevölkerung und nachgeordnete Verwaltung weitgehend auf Selbstorganisation zurückgeworfen. Noch lange im Exil, bezeichnete Thomas Mann 1945 die Deutschen als "dies unglückselige Volk". Die Westwanderung von 12 bis 14 Millionen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen und der Zerfall der deutschen Wirtschaftsräume verschärften das soziale Elend.

Übernahme der Regierungsgewalt durch die Alliierten
Ausgehend von seinem Gebietsstand von 1937 wurde das besetzte Deutschland aufgeteilt. Dies geschah auf Beschluss der Alliierten auf der Konferenz von Jalta (2. bis 11. Februar 1945). Die Ostgebiete (Oder-Neisse-Gebiete), die rund ein Drittel des Staatsgebietes ausmachten, waren von der sowjetischen Roten Armee direkt an die Volksrepublik Polen beziehungsweise an die Russische SFSR als eine der Unionsrepubliken der Sowjetunion zur Verwaltung übergeben worden. Die Russische SFSR verwaltete den heute zu Russland gehörenden, nördlichen Teil Ostpreussens, die restlichen Ostgebiete wurden seit 1945 von Polen verwaltet und gehören heute zu Polen.

Die verbliebenen zwei Drittel des Staatsgebiets wurden in vier Besatzungszonen aufgeteilt:

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092_81/Viersektorenstadt Berlin

Am 5. Juni 1945 übernahmen die Oberbefehlshaber der Vier Mächte (USA, Grossbritannien, Frankreich und Sowjetunion) durch die Berliner Erklärung die oberste Regierungsgewalt über Gesamtdeutschland. Diese lag beim Alliierten Kontrollrat mit Sitz in Berlin. Für Gross-Berlin erfolgte eine gemeinsame Besetzung der Alliierten und die Einrichtung der Alliierten Kommandantur für die Verwaltung des Stadtgebietes, wobei die Stadt selbst ebenfalls in vier Sektoren aufgeteilt wurde, welche jeweils einem alliierten Besatzungsregime unterworfen waren.

Die Briten und die US-Amerikaner räumten Sachsen, Thüringen und Teile von Mecklenburg, um sie zum 1. Juli 1945 sowjetischer Kontrolle zu überlassen. Im Gegenzug erhielten sie und Frankreich die drei Westsektoren Berlins. Am 10. Juli rückten französische Besatzungstruppen in das Saarland ein, das von den US-Truppen verlassen wurde.

Die ersten Länder wurden im Juli 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet; allerdings verfolgte die Sowjetunion dabei einen Einheitsstaat, in dem die Länder lediglich Verwaltungseinheiten sein sollten. Auch die Briten organisierten ihre Besatzungszone in Nordwestdeutschland eher zentralistisch. Die Amerikaner hingegen verfolgten in Süddeutschland ein föderalistisches Konzept, nach dem die Länder auch eine wichtige politische Rolle spielen sollten.

In der Atlantik-Charta, der Casablanca-Konferenz, der Konferenz von Teheran und der Erklärung von Jalta hatten die Alliierten die verschiedenen Strategien teilweise schon ab 1943 ausgearbeitet, als man von einem absehbaren Sieg über das nationalsozialistische Deutschland ausging. Trotzdem wurden die wechselhaften Ergebnisse der Besatzungspolitik sowohl von den Besatzungsmächten als auch von den Deutschen über lange Zeit als Provisorien betrachtet. Erst mit der Blockbildung im Kalten Krieg wurde aus Vorläufigem – vor allem aus der deutschen Teilung – scheinbar Endgültiges.

Potsdamer Konferenz
U.S. Department of State, Karte vom 10. Januar 1945: Germany – Poland Proposed Territorial Changes – Secret ("Vorschlag zur Gebietsveränderung – Geheim"), 4 Vorschläge des amerikanischen Aussenministeriums, genutzt während der Konferenz von Jalta und der Potsdamer Konferenz.