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Hitlers Feldmarschälle

Übersicht der Feldmarschälle

Heer
- Generalfeldmarschall Anton Ludwig Friedrich August Mackensen
- Generalfeldmarschall Werner von Blomberg
- Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch
- Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel
- Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt
- Generalfeldmarschall Fedor von Bock
- Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb
- Generalfeldmarschall Wilhelm List
- Generalfeldmarschall Günther von Kluge
- Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben
- Generalfeldmarschall Walter von Reichenau
- Generalfeldmarschall Erwin Rommel
- Generalfeldmarschall Georg von Küchler
- Generalfeldmarschall Erich von Lewinski genannt von Manstein
- Generalfeldmarschall Friedrich Paulus
- Generalfeldmarschall Ewald von Kleist
- Generalfeldmarschall Maximilian Freiherr von Weichs
- Generalfeldmarschall Ernst Busch
- Generalfeldmarschall Walter Model
- Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner

Luftwaffe
- Reichsmarschall Hermann Göring
- Generalfeldmarschall Albert Kesselring
- Generalfeldmarschall Erhard Milch
- Generalfeldmarschall Hugo Sperrle
- Generalfeldmarschall Wolfram Freiherr von Richthofen
- Generalfeldmarschall Robert Ritter von Greim

Marine
- Grossadmiral Erich Raeder
- Grossadmiral Karl Dönitz

Heer     
(Wikipedia)

Generalfeldmarschall Anton Ludwig Friedrich August Mackensen

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092_43/Eigentlich kein aktiver Soldat mehr, in der Rangliste weitergeführt

Anton Ludwig Friedrich August Mackensen, ab 1899 von Mackensen (* 6. Dezember 1849 in Leipnitz; † 8. November 1945 in Burghorn) war ein preussischer Generalfeldmarschall. Aus bürgerlichen Verhältnissen stammend, stieg er als Offizier bis zum Adjutanten des Kaisers Wilhelm II. auf und wurde von diesem 1899 geadelt. Im Ersten Weltkrieg war er ein erfolgreicher Heerführer und wurde später als Anhänger Hitlers von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke eingesetzt.

Jugend und Ausbildung
August Mackensen wurde als Sohn des Gutsverwalters Ludwig Mackensen (1817–1890) und seiner Frau Marie (geborene Rink, 1824–1916) in der preussischen Provinz Sachsen geboren. Nach dem Besuch der Dahlenberger Dorfschule wechselte er 1859 auf das staatliche Gymnasium in Torgau. Mackensen erhielt dort auch Klavierunterricht und wirkte in Theateraufführungen mit. 1865 wechselte er auf ein Realgymnasium der Franckeschen Stiftung in Halle an der Saale. Diese Schule änderte später ihren Namen in Mackensen-Schule. 1866 wurde er konfirmiert.

Ostern 1868 verliess er nach der Unterprima auf Druck seines Vaters die Schule, um bei ihm in die Lehre zum Landwirt zu gehen. Wegen seiner schwachen Konstitution wurde er zunächst vom Militärdienst ausgemustert, 1869 aber doch für tauglich befunden und trat als Einjährig-Freiwilliger in das 2. Leib-Husaren-Regiment "Königin Viktoria von Preussen" Nr. 2 in Lissa in der Provinz Posen ein.

Vor dem Deutsch-Französischen Krieg begann er zunächst ein Studium der Agrarwissenschaft an der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale, unter anderem bei Julius Kühn. In Halle schloss er sich auch der ALV Agronomia, später Corps Agronomia, an. Er hörte auch Geschichte bei Gustav Droysen.

Nach der Rückkehr aus dem Krieg studierte Mackensen ab Oktober 1871 zunächst weiter, persönliches Interesse leitete ihn jedoch nach den Kriegserfahrungen, sich mit Heereskunde zu befassen. So wandte er sich vom Beruf des Landwirtes ab, brach im Frühling 1873 sein Studium ab und wurde Berufssoldat.

1898 begründete er die Deutsche Gesellschaft für Heereskunde mit und wurde ihr Ehrenvorsitzender.

Militärkarriere
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 diente Mackensen als Reserveoffiziersanwärter. Für einen wagemutigen Erkundungsritt bei Toury in der Nähe von Orléans erhielt er im Oktober 1870 aus den Händen seines Divisionskommandeurs Prinz Albrecht von Preussen das Eiserne Kreuz II. Klasse. Im Dezember wurde er zum Leutnant befördert.

1873 setzte er seine Militärlaufbahn als Berufsoffizier fort. Sein Fleiss und Ehrgeiz schlugen sich in positiven Qualifikationsberichten nieder. Mackensen verstand es, Vorgesetzte für sich zu gewinnen. Als weiteres Mittel für sein berufliches Fortkommen erwiesen sich seine militärhistorischen Schriften. Sein 1877 veröffentlichtes Werk Das 2. Leib-Husaren-Regiment Nr. 2 im Kriege gegen Frankreich wurde positiv aufgenommen.

1877 wurde er zur Garnison nach Königsberg versetzt. Dort lernte er Dorothea von Horn kennen, deren im Krieg verstorbenen Bruder Georg von Horn Mackensen in seinem Buch gewürdigt hatte. Mitte 1878 wurde Mackensen zum Premierleutnant befördert. Am 14. Mai 1879 verlobte er sich mit Dorothea von Horn, am 21. November desselben Jahres wurde das Paar getraut. Das Einheiraten in die einflussreiche adelige Familie – Dorotheas Vater Karl von Horn (1807–1889) war Oberpräsident der Provinz Ostpreussen – half seinem gesellschaftlichen und beruflichen Fortkommen.

Ohne die Kriegsakademie besucht zu haben, wurde Mackensen 1880 in den Generalstab beordert und 1882 zum Grossen Generalstab versetzt. Im Jahr 1891 stieg er zum Ersten Adjutanten des damaligen Chefs des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen auf. Am 17. Juni 1893 mit der Führung des 1. Leibhusaren-Regiments beauftragt und ein halbes Jahr später am 27. Januar 1894 unter Beförderung zum Oberstleutnant zum Kommandeur des Regiments ernannt. 1898 wurde er Flügeladjutant und 1903 Generaladjutant von Kaiser Wilhelm II. sowie zwischenzeitlich Mitte April 1900 zum Generalmajor befördert. 1901 übernahm Mackensen das Kommando der neu gebildeten Leibhusarenbrigade in Danzig-Langfuhr, nachdem er zuvor das Leibhusaren-Regiment kommandiert hatte. 1911 übergab er dieses Kommando an Kronprinz Wilhelm von Preussen, doch wurde es Mackensen auf Lebenszeit erlaubt, weiterhin die Uniform des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1 zu tragen. Am 11. September 1903 wurde er zum Generalleutnant und Kommandeur der 36. Division in Danzig ernannt. Am 27. Januar 1908 stieg er zum General der Kavallerie und zum Kommandierenden General des XVII. Armee-Korps auf.

Heerführer im Ersten Weltkrieg
An der Kriegführung der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg hatte Mackensen grossen Anteil. Gemeinsam mit seinem Stabschef Hans von Seeckt galt er als Architekt der strategisch wichtigen Siege von Gorlice-Tarnów, Brest-Litowsk, Pinsk, Belgrad und Rumänien.

Flüchtlings- und Evakuierungs­transport aus Serbien in Leibnitz, 1914
Bei Kriegsausbruch im August 1914 war Mackensen zunächst in Ostpreussen Kommandeur des XVII. Armee-Korps, das in der Schlacht bei Gumbinnen schwere Verluste (über 9'000 Mann in nur zwei Stunden) erlitt. Er selbst sprach in seinen Erinnerungen von "Massenmord" und "Massenschlächterei". In der anschliessenden Schlacht bei Tannenberg war Mackensens Korps an entscheidender Stelle an der Umfassung der russischen 2. Armee beteiligt. Ab 1. November 1914 führte er die 9. Armee und erhielt am 16. April 1915 den Oberbefehl über die neu gebildete 11. Armee. Mit dieser nahm er im Sommer 1915 an der Offensive in Polen teil. In der Schlacht von Gorlice-Tarnów (1. bis 3. Mai 1915) gelang seiner Armee ein überraschender Durchbruch durch die westgalizische Front der Russen, im Juni erzielte er einen weiteren Durchbruch bei Gródek und Magierów. Nach der Rückeroberung von Lemberg zum Generalfeldmarschall ernannt, nahm er im Sommer 1915 mit der nach ihm benannten Heeresgruppe an der weiteren Offensive in Polen teil.

Die ersten Offensiven der österreichisch-ungarischen Armee im Feldzug der Mittelmächte gegen Serbien 1914 scheiterten allesamt aufgrund des erbitterten serbischen Widerstands, besonders in der Schlacht von Cer und Schlacht an der Kolubara. Erst der von Mackensen geführten Heeresgruppe gelang es, die serbische Hauptstadt Belgrad einzunehmen.

Ein Jahr später war eine deutsch-österreichische Offensive unter Mackensen gegen Rumänien ebenso erfolgreich: bis Jahresende 1916 war das Land zum grössten Teil erobert. Die letzten zwei Jahre des Krieges verbrachte er dort als Militärgouverneur und bewahrte so trotz des schlussendlich verlorenen Krieges seinen Nimbus als unbesiegter Heerführer. Seine militärischen Erfolge brachten ihm den respektvollen Spitznamen "(Neuer) Marschall Vorwärts" ein, in Anlehnung an Gebhard Leberecht von Blücher, der diesen Namen in den Befreiungskriegen gegen Napoleon erhalten hatte und zu dem er auch eine gewisse physiognomische Ähnlichkeit besass.

Weimarer Zeit und Nationalsozialismus
Bei Kriegsende wurde er in Ungarn und Saloniki interniert. Im Dezember 1919 kehrte er ins nunmehr republikanische Deutschland zurück, nahm seinen Abschied aus der Armee und engagierte sich in verschiedenen Organisationen mit meist militärischer Ausrichtung. Während er als treuer Monarchist der aufkommenden Ideologie des Nationalsozialismus ähnlich ablehnend gegenüberstand wie der parlamentarischen Demokratie der Weimarer Republik, waren ihm Adolf Hitler als Person sowie dessen Erfolge bei der "Revision" des Vertrags von Versailles ausgesprochen sympathisch.

Als konservativer Vertreter der alten Ordnung stand Mackensen – wie mehr oder weniger das gesamte rechte Spektrum dieser Zeit – der Weimarer Republik ablehnend gegenüber. Auch war er zweifellos alles andere als ein Demokrat. Wie fast alle deutschen Heerführer des Weltkriegs gab er die Schuld an der Niederlage den politischen Gegnern (Dolchstosslegende), anstatt die militärische Unterlegenheit einzuräumen. Er empfand Genugtuung angesichts der Ermordung Matthias Erzbergers, der von der Rechten für den Friedensvertrag von Versailles verantwortlich gemacht wurde ("Den Schädling sind wir los"), und betrachtete die Überwindung der damals von vielen als Diktatfrieden empfundenen Bedingungen für den Friedensschluss als wichtigste Aufgabe deutscher Politik. Auf der Basis dieser Anhaltspunkte lässt sich Mackensens Gesinnung relativ eindeutig dem deutschnationalen Lager zuordnen.

Sein Verhältnis zu den Nationalsozialisten war zwiespältig. Wie vielen traditionsbewussten Verfechtern der alten preussischen Kultur war ihm das Gebaren und Auftreten der Nazi-Partei ausgesprochen suspekt. In einem auffälligen Widerspruch dazu steht seine persönliche Bewunderung für Hitler, wodurch sich seine Haltung deutlich von der Paul von Hindenburgs unterschied. Wie dieser liess er sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten als Symbol des alten Preussen instrumentalisieren, ohne jedoch ausdrücklich für das neue Regime Partei zu ergreifen. Beim Tag von Potsdam am 21. März 1933 war Mackensen anwesend.

Die NS-Propaganda baute auf von Mackensens enorme Popularität bei der Bevölkerung und benutzte ihn symbolträchtig, um eine Kontinuität zwischen der Kaiserzeit und dem Dritten Reich herzustellen. Der Ex-Militär nutzte seinen Einfluss und seine Stellung vereinzelt, um vom Regime verfolgten Personen zu helfen. Insbesondere Repressalien gegenüber den Kirchen und ihren Vertretern, aber auch Gräueltaten der SS im Zweiten Weltkrieg in Polen bestürzten den frommen Protestanten von Mackensen, brachten ihn aber nicht von seiner Bewunderung für Hitler ab. Die Inanspruchnahme durch die nationalsozialistische Propaganda trug ihm den Spottnamen "Reichstafelaufsatz" ein. Otto von Habsburg bezeichnete ihn als "Edel-Preussen" des "Dritten Reiches".

Am 22. Oktober 1935 erhielt Mackensen die preussische Domäne Brüssow im Kreis Prenzlau per Gesetz von Adolf Hitler als Dotation übereignet. Diese hatte einen Umfang von mehr als 1231 Hektar Land "inklusive Wald von 150 und See von 300 Morgen". Zudem erhielt er 350'000 Reichsmark als Bar-Dotation. Zusätzlich wurde er 1936 zum Chef des in der Garnison von Stolp stationierten Kavallerie-Regiments 5 ernannt, das die Tradition des Pommerschen Husaren-Regiments "Fürst Blücher von Wahlstatt" Nr. 5 fortführte.

Gegen gewalttätige Übergriffe der SA protestierte er mehrfach. Missstände, beispielsweise der Kirchenkampf, welcher mit seiner protestantischen Frömmigkeit unvereinbar war, waren in seinen Augen ausschliesslich die Schuld von Hitlers Gefolgsleuten. Die Verantwortung des Diktators bestritt er hingegen. Im Juli 1934 hatte von Mackensen an der Synode der Wartburg-Gemeinde teilgenommen und seit der Zeit Kontakte zur Bekennenden Kirche. Er intervenierte in einigen drastischen Fällen zugunsten von Pastoren. Auch schrieb er öffentliche Protestbriefe gegen Kriegsgräuel hinter den deutschen Linien in Polen. Anfangs der 1940er Jahre verdächtigten Hitler und Goebbels von Mackensen der Illoyalität, wollten aber nicht gegen ihn vorgehen.

Von Mackensen blieb Monarchist. 1941 reiste er zur Beisetzung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. nach Haus Doorn in die Niederlande und wohnte in preussischer Husarenuniform dem Begräbnis bei. Das Attentat auf Hitler durch Offiziere der Wehrmacht verurteilte er allerdings scharf ("fluchwürdiges Attentat"). Noch im November 1944 richtete Mackensen als bereits 95-Jähriger einen Aufruf an die Jugend, um sie im Tonfall nationalsozialistischer Durchhaltepropaganda zu "Opferbereitschaft und Fanatismus" zu ermahnen. An seiner Verehrung für Hitler änderte sich bis zu seinem Tode augenscheinlich nichts.

Anfang 1945 floh der Generalfeldmarschall mit seiner Frau vor der Roten Armee nach Niedersachsen und starb dort am 8. November 1945, knapp einen Monat vor seinem 96. Geburtstag. Er wurde auf dem Stadtfriedhof in Celle beigesetzt. Sein Grab wird gepflegt.

Generalfeldmarschall Werner von Blomberg

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092_44/Generalfeldmarschall Werner von Blomberg (1937)

Werner Eduard Fritz von Blomberg (* 2. September 1878 in Stargard, Pommern; † 13. März 1946 in Nürnberg) war von 1933 bis 1938 Reichswehrminister (ab 1935 Reichskriegsminister) und ab 1936 der erste Generalfeldmarschall der Wehrmacht.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg

Werner von Blomberg entstammte einer 1771 legitimierten Linie des deutsch-baltischen Adelsgeschlechts Blomberg, sein Urgrossvater Julius von Blomberg (1769–1841) war ein ausserehelicher Sohn des preussischen Obersten Karl August von Blomberg (1726–1793). Er selbst war der Sohn des Oberstleutnants Emil von Blomberg und dessen Frau Emma (geb. Tschepe). Nach dem Besuch der Preussischen Hauptkadettenanstalt in Gross-Lichterfelde begann er 1897 seine Militärkarriere als Leutnant im Füsilier-Regiment "General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preussen" (Hannoversches) Nr. 73. Für den Generalstabsdienst als geeignet befunden, absolvierte Blomberg von 1907 bis 1910 die Kriegsakademie in Berlin und wurde anschliessend in den Grossen Generalstab versetzt. 1911 wurde er zum Hauptmann befördert.

Den Ersten Weltkrieg erlebte Blomberg von wenigen Truppenkommandos abgesehen ausschliesslich im Stabsdienst und an der Westfront. Zunächst war er als Generalstabsoffizier Ia der 19. Reserve-Division eingesetzt, die unter anderem in der Schlacht an der Marne kämpfte. Am 22. März 1915 zum Major befördert, gehörte Blomberg zu den Planern der Angriffsoperationen der Division im Rahmen der Schlacht um Verdun. Auf Empfehlung von Friedrich Graf von der Schulenburg wurde Blomberg Erster Generalstabsoffizier bei der 7. Armee. Chef des Generalstabes war dort Walther Reinhardt, der Blomberg nachhaltig beeindruckte und beeinflusste. Für seine Leistungen wurde Blomberg am 3. Juni 1918 der Orden Pour le Mérite verliehen.

Weimarer Republik
Nach dem Krieg war Blomberg von 1919 bis 1921 als Referent im Reichswehrministerium tätig. 1920 zum Oberstleutnant befördert, war er von 1921 bis 1924 Stabschef beim Wehrkreiskommando V in Stuttgart und wurde in dieser Funktion 1923 zum Oberst befördert. 1925 avancierte Blomberg zum Chef des Heeresausbildungswesens. 1927 übernahm er die Leitung des Truppenamtes, das in der Zeit der Weimarer Republik aufgrund des entsprechenden Verbotes des Versailler Vertrages die Tarnbezeichnung des Generalstabes war, und im folgenden Jahr wurde er zum Generalmajor befördert. Nach einer Kontroverse über die deutschen Chancen eines Zweifrontenkrieges mit Frankreich und Polen, die das Reichswehrministerium anders als er als aussichtslos beurteilte, wurde er von Kurt von Hammerstein-Equord abgelöst. 1929 bis 1933 war er Kommandeur der 1. Division, Befehlshaber des Wehrkreises I (Ostpreussen) und leitete 1932 die deutsche Militärdelegation bei der Genfer Abrüstungskonferenz. Er bereitete Deutschlands Austritt aus der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund vor und verliess damit die frühere Militärpolitik Groeners, der die deutsche Rüstungspolitik in das 1919 entstandene multilaterale Sicherheitssystem eingeordnet hatte. Blomberg befürwortete die einseitige, aussenpolitisch nicht abgesicherte Aufrüstung Deutschlands.

1932 starb seine 1880 geborene Ehefrau Charlotte (geb. Hellmich), mit der er seit 1904 verheiratet war und fünf Kinder hatte.

Blomberg war an der deutsch-sowjetischen Rüstungszusammenarbeit bei den Projekten Panzerschule Kama, Tomka für die chemische Kriegführung und Fliegerschule Lipezk beteiligt und befürwortete eine Zusammenarbeit mit dem stalinistischen Regime. Dabei handelte es sich um Rüstungsvorhaben, die explizit durch den Versailler Vertrag verboten waren.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Am 30. Januar 1933, wenige Stunden vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg entgegen den Bestimmungen der Reichsverfassung, nach der Minister nur auf Vorschlag des Reichskanzlers ernannt werden konnten, Blomberg zum Reichswehrminister und beförderte ihn zum General der Infanterie; er sollte so zur konservativen "Einrahmung" und "Zähmung" Hitlers beitragen. Blomberg schloss sich jedoch eng mit Hitler zusammen, wurde am 4. April sein ständiger Vertreter in allen Fragen der Reichsverteidigung und Ende April 1933 Oberbefehlshaber der Reichswehr, was öffentlich nicht bekanntgegeben wurde. Werner von Blomberg gehörte ferner 1933 zu den Gründungsmitgliedern der Akademie für deutsches Recht. Einer der ersten Ausschüsse der Akademie für deutsches Recht war der Ausschuss für Wehrrecht.

Blomberg galt als Militärfachmann alter Schule ohne Sinn für Politik. Persönlich neigte er der Weltsicht Rudolf Steiners zu. In konservativen Kreisen der Bevölkerung war Blomberg populär, einigen Offizieren der Reichswehr galt er jedoch als allzu willfährig gegenüber Hitler, den er seit 1931 persönlich kannte.

Während des so genannten Röhm-Putsches im Juni und Juli 1934 verhielt sich Blomberg trotz der Ermordung der ehemaligen Generäle der Reichswehr (Kurt von Schleicher und Ferdinand von Bredow) passiv. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass Blomberg sich 1935 wie seine Kabinettskollegen Gürtner, Neurath und Frick für die von der Gestapo festgehaltenen Rechtsanwälte einsetzte, die die Witwe des im Zuge der politischen Säuberungswelle beim "Röhm-Putsch" ermordeten katholischen Politikers Erich Klausener vertraten. Proteste innerhalb des Offizierskorps gegen die Entfernung jüdischer Kameraden wurden von Blomberg unterdrückt. In einem Artikel im Völkischen Beobachter vom 29. Juni 1934 sicherte er Hitler die Loyalität des Heeres zu.

Vereidigung der Reichswehr auf Hitler
Nach dem Tod Hindenburgs am 2. August 1934 veranlasste Blomberg in Absprache mit Walter von Reichenau die Vereidigung der Reichswehrsoldaten auf Hitler ("Führereid"). 1935 übertrug ihm Hitler den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht (Heer, Marine, ab 1936 zusätzlich über die neu aufgestellte Luftwaffe) und ernannte ihn im selben Jahr (1936) – als ersten Soldaten der Wehrmacht – zum Generalfeldmarschall. Am 30. Januar 1937 erhielt Blomberg das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP und wurde mit diesem Datum in die NSDAP (Mitgliedsnummer 3.805.226) aufgenommen.

Hossbach-Protokoll
Am 5. November 1937 nahm Blomberg, mit den Oberbefehlshabern der drei Wehrmachtteile Heer (Werner Freiherr von Fritsch), Kriegsmarine (Erich Raeder) und Luftwaffe (Hermann Göring) sowie dem Reichsaussenminister Konstantin Freiherr von Neurath an einer Konferenz mit Hitler teil. Thema des in der "Hossbach-Niederschrift" festgehaltenen Gesprächs waren Hitlers Pläne für einen Angriffskrieg gegen Deutschlands Nachbarstaaten. Blomberg und Fritsch bezweifelten, dass die Wehrmacht einen europäischen Krieg erfolgreich ausfechten könnte – die Konferenz endete im Dissens.

Blomberg-Fritsch-Krise
Ende 1937 wandte sich Blomberg an Göring mit der Bitte, ihn bezüglich seiner geplanten zweiten Eheschliessung mit Luise Margarethe "Eva" Gruhn (* 22. Januar 1913 Berlin-Neukölln; † 1978) zu beraten, da erst jüngst verschärfte Heiratsvorschriften für Angehörige der Wehrmacht dies grundsätzlich untersagten. Göring bestärkte ihn dennoch in seinem Entschluss, sorgte für die Entfernung eines Nebenbuhlers, dem eine Stelle im Ausland angeboten wurde, und fungierte gemeinsam mit Hitler am 12. Januar 1938 als Trauzeuge. Wenige Tage später jedoch konfrontierte Göring ihn mit einem Polizeidossier über seine Frau, die einmal wegen Diebstahlverdachts in Haft gewesen sowie als Model für Pornobilder aktenkundig geworden war. Göring forderte ihn auf, seine Ehe annullieren zu lassen oder unverzüglich zurückzutreten. Blomberg schied am 27. Januar 1938, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, aus dem Amt. Bei seinem Abschied erhielt er einen "goldenen Handschlag" von 50''''''000 Reichsmark, was in etwa seinem doppelten bisherigen Jahresgrundgehalt entsprach. Bei seinem Abschiedsbesuch schlug er Adolf Hitler als neuen Oberbefehlshaber der Wehrmacht vor.

Am 3. Februar entfernte Hitler Generaloberst Fritsch, einen weiteren militärischen Kritiker, unter dem Vorwurf der Homosexualität aus dem Amt. Fritsch wurde angeklagt, jedoch am 18. März 1938 wegen eindeutig erwiesener Unschuld rehabilitiert.

Hitler gliederte das bislang von Blomberg geleitete Kriegsministerium in das neue Oberkommando der Wehrmacht (OKW) ein und betraute den General der Artillerie Wilhelm Keitel mit dessen Führung. Er selbst übernahm am 4. Februar 1938 den Oberbefehl über die Wehrmacht. Zum Oberkommandierenden des Heeres (OKH) ernannte er den ihm willfährigen General Walther von Brauchitsch.

Nachkriegszeit
Im Zweiten Weltkrieg ohne militärische Verwendung, verhafteten die Alliierten Blomberg 1945 unter dem Verdacht, Kriegsverbrechen begangen zu haben und vernahmen ihn im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg (1945–1946) als Zeugen für das Internationale Militärtribunal.

Von Blomberg starb im März 1946 in Nürnberg in einem amerikanischen Militärlazarett an Darmkrebs. Sein Grab befindet sich auf dem Bergfriedhof von Bad Wiessee.

Blombergs zweite Ehefrau Eva musste sich 1947 als "Nutzniesserin des Nazismus" vor der Spruchkammer in Miesbach verantworten. 1952 kehrte sie nach Berlin zurück.

Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch

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092_45/Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch (1939

Walther Heinrich Alfred Hermann von Brauchitsch (* 4. Oktober 1881 in Berlin; † 18. Oktober 1948 in Hamburg) war ein deutscher Generalfeldmarschall und in der Zeit des Nationalsozialismus von 1938 bis 1941 Oberbefehlshaber des Heeres.

Familie und Herkunft
Walther von Brauchitsch entstammte dem alten schlesischen Adelsgeschlecht von Brauchitsch. Er war das sechste von sieben Kindern des späteren preussischen Generals der Kavallerie und Direktors der Preussischen Kriegsakademie Bernhard von Brauchitsch (1833–1910) und dessen Ehefrau Charlotte Sophie Auguste Bertha, geborene von Gordon (1844–1906). Er war ein Onkel des Rennfahrers Manfred von Brauchitsch und als Schwager von Hans von Haeften auch ein Onkel der Widerstandskämpfer Hans Bernd von Haeften und Werner von Haeften. Seine Schwester Hedwig war eine Oberin des evangelischen Diakonissenmutterhauses in Frankenstein. Sein 1935 verstorbener älterer Bruder war Generalmajor Adolf von Brauchitsch.

Am 29. Dezember 1910 heiratete er in erster Ehe auf Gut Fretzdorf Elisabeth von Karstedt (* 1. März 1881 in Rossow; † 15. Juni 1952 in Braunschweig), die Tochter des Achim von Karstedt, Fideikommissherr auf Gut Fretzdorf und anderen, und der Elisabeth von Rohr genannt von Wahlen-Jürgass. Diese Ehe, der drei Kinder entstammen, wurde am 8. April 1938 in Berlin geschieden. Der ältere Sohn Bernd (1911–1974) wurde später Chefadjutant des Oberbefehlshabers der Luftwaffe Hermann Göring.

In zweiter Ehe heiratete er am 23. September 1938 in Bad Salzbrunn Charlotte Rüffer (* 8. Juli 1903 in Bolkenhain, Niederschlesien; † 14. Juni 1992 in Braunschweig), die Tochter des Amtsgerichtsdirektors Georg Rüffer und der Else Wendorf. Diese Ehe blieb kinderlos.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Nach seiner Schulausbildung trat Brauchitsch 1895 dem Kadettenkorps in Berlin bei und diente als Leibpage der Kaiserin Auguste Viktoria. Im März 1900 wurde er als Leutnant in das Charlottenburger Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3 aufgenommen und wechselte im Jahr darauf zum 3. Garde-Feldartillerie-Regiment. Vom 10. Februar 1903 bis 31. Mai 1903 besucht er den 2. Kurs der Feldartillerie-Schule. Vom 1. bis zum 13. Mai 1905 war er in die Gewehrfabrik Spandau abkommandiert. Vom 5. Februar 1906 bis zum 28. Februar 1909 war er Adjutant des II. Bataillons seines Regiments. Im Jahr 1909 wurde er – inzwischen Oberleutnant – vorläufig zum Grossen Generalstab versetzt, ohne zuvor die Kriegsakademie besucht zu haben, und diente vom 13. April 1909 bis zum 31. März 1912 in seinem Stammregiment als Regimentsadjutant. Anschliessend wurde er zum Grossen Generalstab kommandiert und nach seiner Beförderung zum Hauptmann Anfang 1914 endgültig in diesen versetzt.

Im Ersten Weltkrieg war Brauchitsch in verschiedenen Verbänden als Stabsoffizier tätig. Am 2. August 1914 kam er zum Stab des XVI. Armee-Korps, am 17. Oktober 1915 zum Stab der 34. Division. Am 19. März 1917 wurde er dem Generalstab der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz zur besonderen Verwendung zugeteilt und wenig später in den Oberbaustab 7 versetzt. Am 23. August 1917 wurde er zum Ersten Generalstabsoffizier der 11. Division ernannt. Ab dem 19. Februar 1918 bekleidete er die gleiche Funktion bei der 1. Garde-Reserve-Division und nach seiner Beförderung zum Major im Juli ab dem 6. August 1918 schliesslich beim Garde-Reserve-Korps.

Weimarer Republik
Brauchitsch wurde in die Reichswehr übernommen und zunächst als Generalstabsoffizier im Wehrkreis II (Stettin) eingesetzt, anschliessend in der Heeresausbildungsabteilung. Später wurde er Kommandeur einer Abteilung des 6. (Preussisches) Artillerie-Regiments. Am 1. April 1925 wurde Brauchitsch zum Oberstleutnant befördert.

Mit dem 1. November 1927 erhielt er seine Ernennung zum Chef des Stabes im Wehrkreis VI (Münster), verbunden mit der Stellung als Chef des Stabes der 6. Division. Am 1. April 1928 wurde Brauchitsch zum Oberst befördert. Im Dezember 1929 wurde er stellvertretender Leiter der Heeresausbildungsabteilung im Truppenamt des Reichswehrministeriums, deren Leitung er Anfang 1930 übernahm. Am 1. Oktober 1931 erfolgte die Beförderung zum Generalmajor. Ein halbes Jahr darauf, am 1. März 1932 wurde Brauchitsch zum Inspekteur der Artillerie ernannt.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Wenige Tage nach dem Regierungsantritt Hitlers wurde Brauchitsch im Februar 1933 als Nachfolger des neuernannten Reichswehrministers Werner von Blomberg Befehlshaber im Wehrkreis I (Königsberg) und Kommandeur der 1. Division. Im Oktober dieses Jahres erging die Ernennung zum Generalleutnant. Mit der Enttarnung der Verbände wurde Brauchitsch im Juni 1935 Kommandierender General des I. Armeekorps und am 20. April 1936 zum General der Artillerie befördert. Am 1. April 1937 wurde Brauchitsch zum Oberbefehlshaber des neu gebildeten Gruppenkommandos 4 in Leipzig ernannt.

Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise wurde von Brauchitsch als Kompromisskandidat der verschiedenen Interessengruppen am 4. Februar 1938 zum Nachfolger des Generalobersten von Fritsch als Oberbefehlshaber des Heeres und gleichzeitig selbst zum Generaloberst ernannt.

Brauchitsch sagte 1938:

"In der Reinheit und Echtheit nationalsozialistischer Weltanschauung darf sich das Offizierskorps von niemanden übertreffen lassen … Es ist selbstverständlich, dass der Offizier in jeder Lage den Anschauungen des Dritten Reiches gemäss handelt".

Dennoch war von Brauchitsch aus Kriegssorgen schon 1938 an Planungen zur sogenannten Septemberverschwörung auf dem Höhepunkt der Sudetenkrise beteiligt.

Zweiter Weltkrieg
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges leitete er gemeinsam mit seinem Stabschef Franz Halder das Heer im Polenfeldzug (1. September bis 6. Oktober 1939) und im Westfeldzug (10. Mai bis 25. Juni 1940).

Im Vorfeld des Westfeldzuges kam es im Winter 1939/40 zu einer Verschwörung gegen Hitler. Auslöser war dessen Absicht, Frankreich bereits im November 1939 angreifen zu lassen. Die Spitze der Wehrmacht hielt dieses Vorhaben jedoch für absolut undurchführbar. Brauchitsch und Halder erklärten sich bereit, Hitler zu verhaften, sobald er den Angriffsbefehl geben werde. Als Hitler Brauchitsch abkanzelte und drohte, den "Geist von Zossen" – dort befand sich der Generalstab – auszurotten, brach Brauchitsch die Verbindung zum Widerstand ab. Nach dem Sieg über Frankreich wurde er am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall ernannt.

Von Brauchitsch wies den Militärbefehlshaber in Frankreich Otto von Stülpnagel und die nachgeordneten Militärbezirkschefs im November 1940 an, die günstige Gelegenheit zu nutzen und die Arisierung jüdischer Unternehmen im besetzten Frankreich voranzutreiben.

Für die Rückschläge der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion (Schlacht um Moskau) im Winter 1941/42 machte Hitler die Generäle und das OKH verantwortlich und entschloss sich, zusätzlich zu seiner Eigenschaft als oberster Befehlshaber der Wehrmacht auch den Oberbefehl des Heeres persönlich zu übernehmen. Brauchitsch, der aufgrund von Hitlers eigenmächtigen Eingriffen bereits mehrfach vergeblich um seinen Abschied ersucht gehabt haben soll und zudem gesundheitlich angeschlagen war, wurde schliesslich am 19. Dezember 1941 offiziell entlassen.

Brauchitsch wurde in die "Führerreserve" versetzt und hatte bis Kriegsende keine weitere Verwendung. Von 1942 bis 1945 lebte er auf dem Jagdschlösschen Tři trubky (Dreiröhren) auf dem Truppenübungsplatz Kammwald im mittelböhmischen Waldgebirge. Er hatte dieses als Reichsdotation erhalten.

Nachkriegszeit
Brauchitsch wurde bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg als Zeuge vernommen und starb, inzwischen fast erblindet, am 18. Oktober 1948 vor der Eröffnung eines Prozesses gegen ihn in Hamburg in britischer Militärhaft an Herzversagen.

Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel

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092_46/Wilhelm Keitel als Generalfeldmarschall (1942)

Wilhelm Bodewin Johann Gustav Keitel (* 22. September 1882 in Helmscherode; † 16. Oktober 1946 in Nürnberg) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1940 Generalfeldmarschall) und von 1938 bis 1945 Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. Er gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen, wurde am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen, zum Tod durch den Strang verurteilt und mit neun weiteren Verurteilten am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Wilhelm Keitel war der älteste Sohn des Gutsbe- sitzers Carl Keitel (1854–1934) aus Helmscherode am Harz und dessen Frau Apollonia Vissering (1857–1889). Seine Kindheit verbrachte er auf dem Familiengut. Die Mutter starb 1889 nach der Geburt des jüngeren Bruders Bodewin, eines späteren Generals der Infanterie, am Kindbettfieber. Keitel erhielt zunächst Hausunterricht und besuchte später das Humanistische Gymnasium in Göttingen, das heutige Max-Planck-Gymnasium. Seine schulischen Leistungen gehörten zum Klassendurchschnitt. Genau wie sein Vater wollte Keitel Landwirt werden, was aber nicht möglich war, weil der Vater das Gut weiterhin selbst bewirtschaften wollte. Daher trat er nach dem Abitur 1901 in die preussische Armee ein, wie es bei Gutsbesitzersöhnen üblich war. Aus Standes- und Kostengründen entschied sich Keitel gegen die Kavallerie und für den Dienst bei der berittenen Feldartillerie.

Einige Historiker gehen auf die Prägung Keitels durch seine Herkunft ein. Samuel W. Mitcham und Gene Mueller rechnen sein loyales und gehorsames Verhalten gegenüber der Obrigkeit zu den Erfahrungen der Jugendjahre. Die Beschreibung als "typisch preussischer Junker", die in der älteren Forschung verbreitet war, wird dagegen abgelehnt, weil er aus einer hannoverschen Familie stammte, die der preussischen Uniform eher kritisch gegenüberstand.

Am 18. April 1909 heiratete Keitel Lisa Fontaine, Tochter von Anna und Armand Fontaine, der in Hannover das Rittergut Wülfel und die Brauerei Wülfel besass. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, von denen eines früh starb. In einigen biografischen Darstellungen wird Lisa Keitel als ihrem Ehemann überlegen geschildert. Sie habe einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Karriere ihres Mannes genommen, denn bis zum Ersten Weltkrieg und auch später gab Keitel seinen Wunschtraum, Landwirt auf dem Familiengut zu werden, nicht auf. Nach dem Tod seines Vaters am 10. Mai 1934 reichte er ein Rücktrittsgesuch beim Chef der Heeresleitung, General Werner Freiherr von Fritsch, ein. Seine Entscheidung, doch beim Militär zu bleiben, wurde nicht nur von einer in Aussicht gestellten Beförderung, sondern auch vom Wunsch seiner Ehefrau, lieber die Frau eines Offiziers als die eines Landwirtes zu sein, entscheidend beeinflusst.

Keitel begann seine Karriere im Kaiserreich als Fahnenjunker im Niedersächsischen Feldartillerie-Regiment Nr. 46 in Wolfenbüttel. Ein Jahr später wurde er turnusgemäss zum Leutnant ernannt. Ab 1908 wurde er als Regimentsadjutant eingesetzt und 1910 zum Oberleutnant befördert. Schon zu Anfang des Ersten Weltkriegs wurde er von einem Granatsplitter am rechten Unterarm verwundet. Nach seiner Genesung kehrte er als Hauptmann und Batterieführer zu seinem Regiment zurück. 1914 lernte er Major Werner von Blomberg kennen, der seine spätere berufliche Laufbahn stark beeinflusste. Im Frühjahr 1915 wechselte er ohne die bis dahin übliche Ausbildung in den Generalstab. 1916 wurde er als Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 19. Reserve-Division eingesetzt, 1918 dann als Ia des Marinekorps Flandern. Eingesetzt wurde er in den Schlachten von Namur, an der Marne, in den Vogesen, vorübergehend an der Ostfront, dann wieder bei Verdun und schliesslich in Flandern. Insgesamt wurde er während des Krieges zwölf Mal ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.

Weimarer Republik
Auch nach Kriegsende blieb Keitel beim Militär und wurde in die Reichswehr übernommen. In der Weimarer Republik wurde er zunächst als Taktiklehrer der Kavallerieschule in Hannover eingesetzt. Drei Jahre später folgte eine Versetzung zum Stab des 6. (Preussischen) Artillerie-Regiments. Im Jahre 1923 erhielt er seine Ernennung zum Major. Von 1925 bis 1927 war er Gruppenleiter in der Heeres-Organisationsabteilung (T 2) im Truppenamt; 1927 wurde er zum Kommandeur der II. Abteilung des 6. (Preussischen) Artillerie-Regiments ernannt und 1929 zum Oberstleutnant befördert. Von Oktober 1929 bis Oktober 1933 war er wiederum im Reichswehrministerium eingesetzt, diesmal als Abteilungschef "T 2". Dabei beteiligte er sich an dem illegalen Ausbau der Reichswehr, mit dem im Falle eines nationalen Notstandes die Möglichkeit der Erhöhung der Reichswehr von 10 auf 30 Divisionen bestand. 1931 reiste Keitel mindestens einmal in die Sowjetunion, um dort geheime Ausbildungslager der Reichswehr zu inspizieren.

Mueller beschreibt Keitel als gewissenhaften und fleissigen Stabsarbeiter, was auch auf Kosten seiner Gesundheit ging und 1933 zu einer Krankheit und Beurlaubung führte. Während seines Aufenthalts in einem tschechoslowakischen Sanatorium in der Hohen Tatra fand die sogenannte "Machtergreifung" durch Adolf Hitler in Deutschland statt.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit und Aufstieg zum Chef des OKW
Im Oktober 1933 kehrte Keitel als Artillerieführer III und stellvertretender Kommandeur der 3. Division in den Truppendienst zurück. Obwohl Keitel als Offizier, der nach aussen unpolitischen Reichswehr politisch neutral sein sollte, sympathisierte er mit Hitler und dem nationalsozialistischen Gedankengut. Von der ersten Begegnung mit Hitler im Juli 1933 und dessen Rede auf dem Tempelhofer Feld in Berlin war Keitel sehr beeindruckt. 1939 sollte er das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP erhalten, durch dessen Annahme er auch automatisch Mitglied der Partei wurde.

Am 1. März 1934 wurde Keitel zum Generalmajor ernannt und im Oktober 1934 als Infanterieführer VI und Kommandant von Bremen mit der Aufstellung der 22. Infanterie-Division beauftragt. Am 1. Oktober 1935 wurde er schliesslich zum Chef des Wehrmachtamts im Reichskriegsministerium berufen. Dies geschah auf Betreiben des Chefs des Generalstabs des Heeres, General Ludwig Beck, der sich damit gegen Reichswehrminister Blomberg durchsetzen konnte. Im neuen Amt versuchte Keitel, die Koordinierung zwischen Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe durch einen gemeinsamen Führungsstab zu verbessern. Dieser Plan scheiterte aber an dem Widerstand der Generäle. Am 1. Januar 1936 wurde Keitel zum Generalleutnant und am 1. August 1937 zum General der Artillerie befördert.

Nach der Blomberg-Fritsch-Krise und der damit verbundenen Veränderung der Kommandostruktur der Wehrmacht, wie die Reichswehr seit 1935 offiziell hiess, wurde er zum Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) berufen. Diese Dienststelle war im selben Jahr neu eingerichtet worden und ersetzte das Amt des Reichskriegsministers, das pro forma von Hitler persönlich übernommen wurde. Die Neuorganisation der militärischen Führung war monatelang von Keitel selbst gemeinsam mit dem damaligen Oberst Alfred Jodl ausgearbeitet worden, mit dem er auch in Zukunft eng kooperieren sollte. Keitel war als Chef des OKW direkt Hitler unterstellt. Während die operativen Aufgaben der Kriegführung vom Wehrmachtführungsstab unter Alfred Jodl besorgt wurden, lagen in Keitels Verantwortung die Bereitstellung von Soldaten und Kriegsgerät, die Spionage, die Versorgung der Kriegsgefangenen und Verwundeten sowie die Verwaltung der Wehrmacht und des Heeresgebietes, in dem sie tätig war. Dabei war es seine Aufgabe, die Befehle Hitlers weiterzugeben; nach dem Ausbruch des Krieges hatte er ausserdem die Aufgabe, die Verbindung zwischen Hitler und seinen Generälen aufrechtzuerhalten. Diese vermittelnde Rolle spielte Keitel bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Zweiter Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg war Keitel als Chef des OKW in alle zentralen militärischen Entscheidungsprozesse eingebunden, agierte aber hauptsächlich als Hitlers Erfüllungsgehilfe: Initiativen zur Änderung der Strategie gingen von ihm nicht aus. Hitler sagte nach dem schnellen Sieg im Westen (Westfeldzug Mai/Juni 1940) bzw. nach dem Waffenstillstandsgesuch Frankreichs zu Keitel: "Jetzt haben wir gezeigt, wozu wir fähig sind. Glauben Sie mir, Keitel, ein Feldzug gegen Russland wäre dagegen ein Sandkastenspiel". Am 19. Juli 1940 ernannte Hitler Keitel – und gleichzeitig elf weitere Generäle – zum Generalfeldmarschall. Keitel sah es fortan nur noch als seine Aufgabe an, Hitlers Entscheidungen bedingungslos zu unterstützen oder ihm zuzuarbeiten, so zum Beispiel beim sogenannten Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941.

In der Forschung wird seine Dienstbeflissenheit und Willfährigkeit gegenüber Hitler hervorgehoben. Keitel prägte nach der Eroberung der Benelux-Staaten und Frankreichs den Begriff "Grösster Feldherr aller Zeiten" für Hitler, der nach Stalingrad als Gröfaz verulkt wurde. (Originalzitat: "Mein Führer, Sie sind der grösste Feldherr aller Zeiten"., ausgesprochen am 17. Juni 1940, nachdem das französische Waffenstillstandsgesuch in Hitlers Hauptquartier eingetroffen war.) Von seinen Kameraden wurde Keitel als "Ja-Sager" bezeichnet, und laut Mueller hatte es fatale Folgen für andere Generäle, wenn sie eine abweichende Meinung vertraten. Im Offizierkorps genoss Keitel deshalb nur wenig Respekt und hatte den Spitznamen "Lakeitel".

Hitler belohnte Keitels Loyalität 1942 mit einer Bardotation in Höhe von 250'000 Reichsmark sowie im Oktober 1944 mit 246 Hektar Waldbesitz in Lamspringe im Wert von 739'340 Reichsmark.

Verantwortung für Kriegsverbrechen
Als Chef des OKW war es Keitels Aufgabe, Hitlers teils völkerrechtswidrigen Weisungen mit seiner Unterschrift Befehlskraft zu verleihen.

Die Anweisungen zur Ausrottung der polnischen Eliten trug er widerspruchslos mit und verteidigte sie gegenüber Kritikern. So erklärte er am 12. September 1939 gegenüber dem über die Massenerschiessungen entsetzten Admiral Wilhelm Canaris:

"Die Sache [sei] bereits vom Führer entschieden …, der dem Ob.d.H. klargemacht habe, dass, wenn die Wehrmacht hiermit nichts zu tun haben wolle, sie es auch hinnehmen müsse, dass SS und Gestapo neben ihr in Erscheinung treten. Es werde daher in jedem Militärbezirk neben den Militär- auch Zivil-Befehlshaber eingesetzt werden, letzteren würde eben die ‚Volkstums-Ausrottung‘ zufallen".

Nach dem Balkanfeldzug und ersten Kampfhandlungen mit jugoslawischen Partisanengruppen gab Keitel am 16. September 1941 den Sühnebefehl für Serbien:

"Als Sühne für ein deutsches Soldatenleben muss in diesen Fällen im Allgemeinen die Todesstrafe für 30 bis 100 Kommunisten als angemessen gelten".

Im so genannten Banditenbekämpfungsbefehl vom 16. Dezember 1942 erklärte er im Zusammenhang mit dem Partisanenkrieg in Jugoslawien:

"Die Truppe ist daher berechtigt und verpflichtet, in diesem Kampf ohne Einschränkung auch gegen Frauen und Kinder jedes Mittel anzuwenden, wenn es nur zum Erfolg führt".

An den Entscheidungsprozessen, die in Vorbereitung des Unternehmens Barbarossa zu den verbrecherischen Befehlen führten, war Keitel nicht beteiligt. Er unterzeichnete aber mehrere Befehle, die Massenmord anordneten oder billigten. Dazu gehören der Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941 und der Nacht-und-Nebel-Erlass vom 7. Dezember 1941. Am 12. September 1941 wies er die Truppe in einem Geheimbefehl an:

"Der Kampf gegen den Bolschewismus verlangt ein rücksichtsloses und energisches Durchgreifen, vor allem auch gegen die Juden, die Hauptträger des Bolschewismus".

Ausserdem gab er Hitlers Durchhaltebefehle während und nach der Schlacht von Stalingrad ohne Bedenken weiter und verschrieb sich bedingungslos der Idee, die Kampfmoral der Truppe durch die Erziehung zum unbedingten Glauben an die "Genialität des Führers" wieder aufzurichten.

Endphase des Krieges und Kapitulation der Wehrmacht
Bei dem Attentat vom 20. Juli 1944 in der Wolfschanze war Keitel während der Besprechung in der Lagebaracke anwesend. Er half danach dem nur leichtverletzten Hitler aus den Trümmern der Baracke. Anschliessend gab er telefonische Befehle zur Verfolgung der Verschwörer aus. Er wurde anschliessend Mitglied des sogenannten Ehrenhofs der Wehrmacht, der über die Ausstossung von am Attentatsplan beteiligten Offizieren aus der Wehrmacht entschied, damit diese vom Volksgerichtshof abgeurteilt werden konnten.

Erst in den letzten Wochen des Krieges übernahm das OKW auch die Aufgaben der operativen Führung, die aber für den Verlauf der Ereignisse nicht mehr von grosser Bedeutung waren. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichnete Keitel zusammen mit Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht.

Verhaftung und Prozess
Am 13. Mai 1945 wurde Keitel von den Alliierten in Flensburg festgenommen und zusammen mit anderen hochrangigen Wehrmachtangehörigen und Mitgliedern der NSDAP-Hierarchie in das Kriegsgefangenenlager Nr. 32 (Camp Ashcan) im luxemburgischen Bad Mondorf eingeliefert. Im August 1945 wurde er nach Nürnberg überstellt.

Zusammen mit 23 anderen wurde er im Prozess angeklagt. In allen vier Anklagepunkten wurde er schuldig gesprochen, zu den folgenden Straftaten individuell beigetragen zu haben:

  • Verschwörung zur Planung eines Angriffskrieges,
  • Verbrechen gegen den Frieden durch Überfälle auf andere Länder
  • Kriegsverbrechen wie den Kommandobefehl, den Kommissarbefehl, den Nacht- und Nebelerlass, den Sühnebefehl vom 16. September 1941, die Ermordung von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen und Zivilisten, Plünderung öffentlichen und privaten Eigentums (rote Mappe), Ermordung der polnischen Elite u. a.
  • Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Laut der Anklage war er für die Verstrickung der Wehrmacht als Institution in die verbrecherischen Aktionen des NS-Regimes besonders verantwortlich.

Am 1. Oktober 1946 wurde er zum Tod durch den Strang verurteilt und mit neun weiteren Verurteilten am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. Der Leichnam wurde einen Tag später im Städtischen Krematorium auf dem Münchner Ostfriedhof eingeäschert und die Asche in den Wenzbach, einen Zufluss der Isar, gestreut.

Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt

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092_47/Gerd von Rundstedt 1940 nach seiner Ernennung zum Generalfeldmarschall

Karl Rudolf Gerd von Rundstedt (* 12. Dezember 1875 in Aschersleben, Provinz Sachsen; † 24. Februar 1953 in Hannover) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall im Zweiten Weltkrieg, und führte während des gesamten Kriegs militärische Grossverbände (Heeresgruppen) an mehreren Fronten. Seine wichtigste Position war die des Oberbefehlshabers West, die er – mit mehreren Unterbrechungen – zwischen 1940 und 1945 innehatte. Von Rundstedt wurde nach dem Krieg wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands wurde das Verfahren nie zum Abschluss gebracht.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg

Der gleichnamige Sohn des Rittmeisters und Eskadronschefs des in Aschersleben stationierten Magdeburgischen Husaren-Regiments Nr. 10

und späteren Generalmajors derPreussischen Armee Gerd von Rundstedt entstammte dem altmärkischen Adelsgeschlecht von Rundstedt. Die Familie übersiedelte im Dezember 1882 anlässlich der Versetzung des Vaters zum Husaren-Regiment "König Humbert von Italien" (1. Kurhessisches) Nr. 13 nach Hessen. Er trat nach Schulbesuch in Mainz (1884–86) und Frankfurt am Main (zuletzt Oberrealschule) 1890 in die Kadettenanstalt Oranienstein ein und wechselte 1890 auf die Preussische Hauptkadettenanstalt Gross-Lichterfelde, wo er 1892 die Primareife erlangte.

Am 22. März 1892 trat Gerd von Rundstedt als Fähnrich in das Infanterie-Regiment "von Wittich" (3. Kurhessisches) Nr. 83 in Kassel ein. Nach Kommandierung zur Kriegsschule Hannover wurde er am 17. Juni 1893 zum Leutnant befördert. Nach zehnjährigem Truppendienst, unter anderem als Bataillons- und Regimentsadjutant, besuchte er, seit 1902 Oberleutnant, von 1903 bis 1906 die Preussische Kriegsakademie in Berlin und wurde nach erfolgreichem Abschluss 1907 auf Probe in den Grossen Generalstab kommandiert, in den man ihn 1909 als Hauptmann endgültig übernahm. 1912 erhielt er als Kompaniechef im 2. Ober-Elsässischen Infanterie-Regiment Nr. 171 erstmals ein Truppenkommando.

Im Ersten Weltkrieg wurde von Rundstedt als Generalstabsoffizier in der Türkei und in Frankreich eingesetzt. Bereits kurz nach Beginn des Krieges wurde er zum Major befördert.

Weimarer Republik
Nach Ende des Kaiserreichs wurde Gerd von Rundstedt in die neuorganisierte Reichswehr der Weimarer Republik übernommen. Er wurde 1920 als Oberstleutnant Chef des Stabes der 3. Kavalleriedivision in Kassel und 1923 zum Oberst befördert. Ab 1925 war er Kommandeur des 18. Infanterie-Regiments in Münster. 1927 folgte die Ernennung zum Generalmajor. 1928 erhielt von Rundstedt das Kommando über die 2. Kavalleriedivision in Breslau, 1929 eine weitere Beförderung zum Generalleutnant. 1932 wurde von Rundstedt zum General der Infanterie befördert und gleichzeitig Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I in Berlin.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Während der Machtergreifung der Nationalsozialisten, der Auflösung der Weimarer Republik und der Umwandlung der Reichswehr in die Wehrmacht war er Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I in Berlin. Am 1. März 1938 wurde er zum Generaloberst befördert. Während der Sudetenkrise 1938 unterstützte er bei der Generalsbesprechung vom 4. August die allgemeine Auffassung der Generalität, dass Wehrmacht und Land noch nicht kriegsbereit seien. Nach der Besetzung des Sudetenlandes im Oktober 1938 wurde von Rundstedt auf eigenen Wunsch am 31. Oktober aus der Armee verabschiedet. Am 4. November 1938 wurde er zum Chef des Infanterieregiments 18 in Bielefeld ernannt; diese Ernennung wurde am 25. April 1939 mit einer grossen Parade vollzogen.

Im April 1939 wurde er als Leiter des geheimen "Arbeitsstabs Rundstedt" reaktiviert, der bei der geplanten Invasion Polens (Deckname: "Fall Weiss") als Heeresgruppenkommando der Heeresgruppe Süd dienen und dafür Aufmarsch- und Operationspläne entwerfen sollte. Ihm zur Seite standen zunächst nur Generalleutnant Erich von Manstein als Stabschef und Oberst Günther Blumentritt als Operationsoffizier. Am 23. August 1939 wurde der erweiterte "Arbeitsstab Rundstedt", jetzt bezeichnet als AOK 12, nach Neisse in Oberschlesien verlegt und übernahm am 25. August den Befehl über die drei unterstellten Armeen.

Zweiter Weltkrieg
Angriff auf Polen
Mit Beginn des Angriffs auf Polen am 1. September 1939 wurde von Rundstedt zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd ernannt. Mit diesem 886'000 Soldaten umfassenden Verband marschierte er von Schlesien und der Slowakei aus in Polen ein und besiegte gemeinsam mit der Heeresgruppe Nord die polnischen Streitkräfte innerhalb eines Monats vollständig.

Am 9. September hatten, die von von Rundstedt geführten Truppen die Vororte von Warschau erreicht. Nachdem anfängliche Angriffe auf das dicht bebaute Stadtgebiet erfolglos waren, liess er die Stadt 19 Tage lang durch Luftwaffe und Artillerie bombardieren, bis die verbliebenen Verteidiger am 28. September kapitulierten. Diesem Bombardement fielen etwa 26'000 Zivilisten zum Opfer; grosse Teile der historischen Stadt wurden zerstört.

Westfeldzug
Gerd von Rundstedts Truppen wurden nach der Kapitulation Polens in Heeresgruppe A umbenannt und für den geplanten Westfeldzug an die deutsche Westgrenze verlegt. Nach acht Monaten ohne grössere Kampfhandlungen im so genannten Sitzkrieg griff die deutsche Wehrmacht am 10. Mai 1940 die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Nordfrankreich (Fall Gelb) nach dem Sichelschnittplan an. Dieser sah im Kern vor, überraschend durch die von französischen und belgischen Militärs für unpassierbar gehaltenen und daher schwach verteidigten Ardennen bis zur Kanalküste vorzudringen und grosse alliierte Streitkräfte in Belgien einzuschliessen. Dies gelang von Rundstedts Truppen innerhalb von zwei Wochen. Gerd von Rundstedt gab dann in der Schlacht von Dünkirchen nach Streitigkeiten unter den deutschen Generälen den berühmt gewordenen Haltebefehl, der es den Alliierten ermöglichte, in der Operation Dynamo rund 370'000 eingeschlossene Soldaten aus Dünkirchen nach Grossbritannien zu evakuieren, die später den Kern der alliierten Invasionsarmee bildeten.

Danach eroberten die deutschen Truppen in kurzer Zeit die nördliche Hälfte Frankreichs (Fall Rot), bis die französische Regierung am 17. Juni um Waffenstillstand nachsuchte. Der schnelle Sieg wurde von der deutschen Propaganda als Durchbruch zu einer neuen, revolutionären Taktik gepriesen, der man die Bezeichnung Blitzkrieg gab. Für seine Erfolge wurde von Rundstedt gleichzeitig mit elf weiteren Offizieren am 19. Juli 1940 in den höchsten militärischen Rang des Generalfeldmarschalls befördert.

Gerd von Rundstedt war als Oberbefehlshaber der in der Folge geplanten Invasion Grossbritanniens (Unternehmen Seelöwe) vorgesehen. Nach der deutschen Niederlage in der Luftschlacht um England wurde dieser Plan mehrfach verschoben und schliesslich fallen gelassen, der Generalfeldmarschall 1941 an die deutsche Ostfront versetzt.

Krieg gegen die Sowjetunion
In dem am 22. Juni 1941 von deutscher Seite begonnenen Krieg gegen die Sowjetunion stand von Rundstedt an der Spitze der Heeresgruppe Süd, die die Ukraine und den Kaukasus erobern sollte. Für seine Streitkräfte erwies sich jedoch der vorgesehene Vorstoss an die Wolga und zum Kaspischen Meer aufgrund der personellen und materiellen Unterlegenheit als illusorisch, auf Höhe der Krim stagnierte die Offensive des Südostflügels des deutschen Ostheeres, da man auch zwei Kesselschlachten bei Uman und Kiew schlagen musste. Am 24. September 1941 gab er angesichts der Morde des zur Einsatzgruppe C gehörenden Sonderkommandos 4a folgenden Befehl an die ihm untergebenen Soldaten:

"Eigenmächtiges Vorgehen einzelner Wehrmachtsangehöriger […] gegen die Juden ist verboten, ebenso das Zuschauen oder Photographieren bei der Durchführung der Massnahmen der Sonderkommandos".

Entgegen Hitlers Weisung, einen Rückzug nicht in Betracht zu ziehen, dachte von Rundstedt an eine taktische Rücknahme seiner logistisch und physisch überstrapazierten Verbände, kurz nachdem seine Truppen Rostow erobert hatten.

Von Rundstedt gehörte deshalb zu den Generälen, die während der Winterkrise 1941 an der Ostfront aufgrund strategisch-taktischer Differenzen mit Hitler von ihren Posten abgelöst wurden. Gleichwohl erhielt er am 12. Dezember 1941 anlässlich seines Geburtstags von Hitler eine Dotation in Höhe von 250'000 Reichsmark.

Verteidigung in Frankreich
Wenige Monate später erhielt er wieder als Oberbefehlshaber West mit Hauptquartier in Paris ein neues Kommando, dem ab dem 15. April 1941 in Personalunion auch der Oberbefehl über die Heeresgruppe D angekoppelt war. In dieser Funktion schlug er die Operation Jubilee, ein britisch-kanadisches Kommandounternehmen bei Dieppe, erfolgreich zurück. Die britischen Kriegsgefangenen liess er entgegen dem geltenden Völkerrecht an die Gestapo ausliefern.

Als Kopf des schwerpunktmässig in Nord- und Südwestfrankreich stationierten Westheeres oblag ihm nach der Führung von Hitlers Blitzkriegen nun eine defensive Aufgabe. Zusammen mit der NS-Bautruppe Organisation Todt (OT) sollte er zur Abwehr, der von der Wehrmachtführung bereits erwarteten Invasion der Alliierten den Auf- und Ausbau der Befestigungen des Atlantikwalls organisieren. Von Rundstedt machte sich über die Erfolgschancen der deutschen Defensivmassnahmen keine Illusionen und rechnete schon Monate vor der eigentlichen Invasion mit einem Erfolg der alliierten Streitkräfte im Falle einer erneuten Landung auf französischem Boden. Seine taktischen Planspiele zielten auf eine Vernichtung der Landungskräfte nach der Landung mit schweren Panzereinheiten ab, Feldmarschall Erwin Rommel hingegen setzte sich bei Hitler durch und trieb den Ausbau des Atlantikwalls weiter voran.

Von Rundstedt war als höchste militärische Instanz für die Aufrechterhaltung der Ordnung in den am 11. November 1942 besetzten ("Unternehmen Anton") Gebieten Vichy-Frankreichs zuständig. Die Initiative zur Zerstörung grosser Teile der Altstadt von Marseille im Januar 1943 und Umsiedlung bzw. Deportation von Teilen ihrer Bewohnerschaft geht jedoch primär auf Heinrich Himmler zurück. Dabei kam es zur Kooperation zwischen Himmlers SS und örtlichen Wehrmachtbefehlshabern.

Als am 6. Juni 1944 die alliierten Truppen im Rahmen der amphibischen Operation Overlord in der Normandie landeten, waren von Rundstedts Reaktionsmöglichkeiten stark begrenzt, da die mobilen Hauptreserven für einen konzentrierten Gegenschlag im Raum Paris nur mit Hitlers ausdrücklicher Genehmigung eingesetzt werden durften ("Führervorbehalt"), die zu spät erteilt wurde, um den Gegenschlag erfolgreich führen zu können.

Nachdem die Vernichtung des alliierten Brückenkopfs aufgrund der massiven materiellen und personellen Unterlegenheit der Wehrmacht und der fehlenden Lufthoheit misslang, sah von Rundstedt keine Chancen mehr zur militärischen Wende. Nach offener Kritik an der obersten Führung in einem Gespräch mit OKW-Chef Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel ("… den Krieg beenden, ihr Idioten!"), liess Hitler ihn am 2. Juli 1944 von Generalfeldmarschall Günther von Kluge als Oberbefehlshaber West ablösen. Auch danach wurde die Lage der Westfront nicht besser.

Vorsitz des Ehrenhofs der Wehrmacht
Unter anderem um sich karrieristisch zu rehabilitieren, übernahm von Rundstedt anschliessend den Vorsitz des am 2. August 1944 errichteten Ehrenhofs der Wehrmacht. In dieser Funktion stiess er im Auftrag des NS-Regimes zahlreiche mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 kompromittierte Wehrmachtsangehörige aus dem Heer aus, sodass das Reichskriegsgericht für ihre Aburteilung nicht mehr zuständig war und sie vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler in Schauprozessen abgeurteilt werden konnten.

Am 18. Oktober 1944 hielt von Rundstedt anlässlich des Staatsaktes in Ulm die offizielle Trauerrede für den am 14. Oktober 1944 vom NS-Regime zum Selbstmord getriebenen Generalfeldmarschall Rommel, wobei die wahren Hintergründe des Ablebens Rommels nicht zur Sprache kamen.

Rückzug an der Westfront
Bereits Anfang September 1944 setzte Hitler ihn wieder als Oberbefehlshaber West ein; in dieser Funktion leitete Gerd von Rundstedt von Koblenz aus die rasante Absetzbewegung der deutschen Weststreitkräfte nach Belgien und Elsass-Lothringen. In dieser Funktion gelang ihm und dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, Generalfeldmarschall Walter Model, einer der letzten deutschen Siege an der Westfront bei Arnheim, wo alliierte Fallschirmjägerverbände im Rahmen der Operation Market Garden die Niederlande befreien wollten, indem sie einen Keil zwischen Ruhrgebiet und den niederländischen Flussgebieten beabsichtigten. Der alliierte Weg in die norddeutsche Tiefebene wäre dann möglich gewesen.

Nachdem sich aufgrund des verlangsamten alliierten Vorstosses die prekäre Lage der deutschen Truppen an der Westfront kurzzeitig stabilisieren konnte, führte von Rundstedt auf Befehl Hitlers im Dezember 1944 die letzte deutsche Grossoffensive im Zweiten Weltkrieg. Der von 250'000 Soldaten und 600 Panzern geführte Angriff auf die Ardennen scheiterte jedoch bereits in der Anfangsphase, da er von Hitler viel zu grossräumig ausgelegt worden war, und führte zum Verschleiss der letzten deutschen Truppenreserven und zu einer substanziellen Dezimierung des Westheeres. Von Rundstedt hatte für eine kleinere Offensive argumentiert, konnte sich aber nicht durchsetzen und führte die überdimensionierte Operation nach Hitlers Planung durch. Den daraufhin wieder aufgenommenen Vormarsch der Alliierten und die sukzessive Vernichtung seiner durch Nachschubprobleme geschwächten Resttruppen konnte der Oberbefehlshaber West nicht mehr verhindern, da man in der Ardennenoffensive zu hohe Verluste erlitten hatte.

Am 18. Februar 1945 verlieh Hitler von Rundstedt die Schwerter zum Ritterkreuz. Nach der Rheinüberquerung von US-Truppen über die Ludendorff-Brücke in Remagen (ab 7. März) setzte Hitler den Generalfeldmarschall 1945 ab und ersetzte ihn durch Generalfeldmarschall Albert Kesselring, der das Kommando am 12. März übernahm. Seine lange Dienstzeit machte von Rundstedt zum ältesten Offizier der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Zum Ende des Krieges befand sich von Rundstedt zur Kur bei Bad Tölz, das aufgrund seiner Einflussnahme vor grösseren Zerstörungen bewahrt blieb.

Nachkriegszeit
Ab Mai 1945 in britischer Kriegsgefangenschaft in Grizedale Hall, wurde Rundstedt wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ihm wurde unter anderem Massenmord in den besetzten sowjetischen Gebieten vorgeworfen. Der Vorwurf wurde mit dem so genannten Reichenau-Befehl begründet, weil Feldmarschall Walter von Reichenau zu diesem Zeitpunkt von Rundstedt unterstand. In dem Befehl wird unverhohlen zur Vernichtung des "jüdischen Untermenschentums" aufgerufen. Nachweislich kannte von Rundstedt diesen Befehl, hat ihn gutgeheissen und sich mit ihm "voll einverstanden" erklärt.

Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands und seines hohen Alters kam es zu keiner Verurteilung mehr. Seine Herzerkrankung bewog die Briten, ihn im Mai 1949 aus der Gefangenschaft zu entlassen.

Gerd von Rundstedt starb am 24. Februar 1953 in Hannover und wurde auf dem Stadtfriedhof Stöcken beigesetzt.

Generalfeldmarschall Fedor von Bock

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092_48/Fedor von Bock (1939)

Moritz Albrecht Franz Friedrich Fedor von Bock (* 3. Dezember 1880 in Küstrin, Provinz Brandenburg; † 4. Mai 1945 in Oldenburg in Holstein) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall). Während des Zweiten Weltkrieges war er Oberbefehlshaber verschiedener Heeresgruppen der Wehrmacht.

Herkunft
Moritz Albrecht Franz Friedrich Fedor von Bock war der Sohn des preussischen Generalmajors Moritz Albert von Bock (* 15. Januar 1828 in Koblenz; † 16. April 1897 in Charlottenburg) und dessen Ehefrau Olga Franziska Helene, geborene von Falkenhayn (* 4. März 1851 in Burg Belchau; † 14. Dezember 1919 in Berlin). Seine Mutter war eine Schwester von Erich von Falkenhayn.

Militärkarriere
Nach seinem Schulbesuch in Wiesbaden und Charlottenburg besuchte er die Kadettenanstalt in Potsdam, später wechselte er auf die Hauptkadettenanstalt nach Gross-Lichterfelde. Am 15. März 1898 trat er als Fähnrich in das 5. Garde-Regiment zu Fuss in Spandau in die Preussische Armee ein. Am 1. Mai 1898 wurde er im selben Regiment Sekondeleutnant, später wurde er als Zugführer Hilfslehrer der Spandauer Militär-Turnanstalt. Im Juli 1904 wurde er Bataillons- und im Januar 1906 Regimentsadjutant. Am 10. September 1908 wurde er Oberleutnant, ab April 1910 wurde er zur Generalstabsausbildung abkommandiert. Von Bock trat im März 1911 in den Grossen Generalstab ein und wurde dort am 22. März 1912 zum Hauptmann befördert.

Erster Weltkrieg
Seit Oktober 1913 fungierte er als Stabsoffizier im Generalstab des Gardekorps, mit dem er zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 an der Westfront eingesetzt wurde. Im Mai 1915 wechselte er in den Stab der 11. Armee an die Ostfront und nahm an der Schlacht von Gorlice-Tarnow teil. Im folgenden Jahr trat er in den Generalstab der 200. Division über und nahm am Gebirgskrieg in den Karpaten und an der Abwehr der Brussilow-Offensive teil. Am 30. Dezember 1916 wurde er zum Major ernannt. Im April 1917 diente er im Generalstab der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz wieder an der Westfront, am 1. April 1918 wurde er für seine Generalstabsarbeit in der Frühjahrsoffensive mit dem Pour le Mérite ausgezeichnet.

Weimarer Republik
Nach dem Waffenstillstand von Compiegne im November 1918 wurde von Bock in die Vorläufige Reichswehr übernommen und als Erster Generalstabsoffizier dem neugebildeten Gruppenkommando 1 zugeteilt. Als Chef des Stabes der 3. Division in Berlin war er zugleich Kommandeur über die republikfeindliche Schwarze Reichswehr. Im Oktober 1919 neu vereidigt, verweigerte er seine Teilnahme am Kapp-Putsch. Am 18. Dezember 1920 wurde er Oberstleutnant und nach langjähriger Stabsarbeit begann 1924 seine Tätigkeit als aktiver Truppenführer. Am 1. April 1924 übernahm er die Führung eines Bataillons des 4. (Preussisches) Infanterie-Regiments in Kolberg. Am 1. Mai 1925 wurde er zum Oberst befördert und übernahm am 1. Februar 1926 die Führung dieses Regimentes. Am 1. Februar 1929 wurde von Bock Generalmajor und im Dezember 1929 übernahm er das Kommando über die 1. Kavallerie-Division in Frankfurt an der Oder. Am 1. Februar 1931 wurde er zum Generalleutnant befördert und im Dezember 1931 wurde er Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis II in Stettin.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 verhielt er sich dem NS-Regime gegenüber neutral. Am 1. März 1935 wurde er zum General der Infanterie befördert und zum Oberbefehlshaber des neuerrichteten Gruppenkommandos 3 in Dresden ernannt.

Beim Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 marschierte er an der Spitze der aus seiner Befehlsstelle gebildeten 8. Armee in Österreich ein und wurde dafür rückwirkend zum 1. März zum Generaloberst befördert. Am 1. November desselben Jahres wurde er zum Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos 1 in Berlin ernannt und am 26. August 1939 Oberbefehlshaber der daraus gebildeten Heeresgruppe Nord.

Zweiter Weltkrieg
In dieser Funktion nahm er auch am Überfall auf Polen teil. Er befehligte dabei die aus Pommern (4. Armee) und Ostpreussen (3. Armee) vorstossende Heeresgruppe Nord und wurde nach der Kapitulation Warschaus am 30. September mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach Abschluss des Polenfeldzugs wurde er mit dem Heeresgruppenkommando an die Westgrenze verlegt und stellte dort ab Oktober 1939 die Heeresgruppe B auf. Im November 1939 erfuhr er von "Vorgängen der ‚Kolonisierung‘ des Ostens", die ihn zutiefst erschreckten. Er kommentierte diese in seinen Aufzeichnungen: "Macht man dort weiter so, so werden diese Methoden sich einmal gegen uns kehren!".

Mit der Heeresgruppe B, die den nördlichen Flügel der deutschen Streitkräfte bildete, führte er im Rahmen des Westfeldzugs den Angriff auf Belgien und die Niederlande. Nach dem Einmarsch in Paris nahm er am 14. Juni 1940 die Parade der deutschen Truppen am Arc de Triomphe ab. Am 19. Juli 1940 wurde er gleichzeitig mit elf weiteren Generälen zum Generalfeldmarschall ernannt. Zu seinem 60. Geburtstag schenkte Hitler ihm 100'000 Reichsmark.

Aufgrund der "Weisung Nr. 21 Fall Barbarossa" vom 18. Dezember 1940 wurde von Bock mit der Vorbereitung der ihm unterstellten Truppen auf den Angriff auf die Sowjetunion beauftragt. Gegen den in diesem Zusammenhang im Mai 1941 erlassenen Kommissarbefehl legte er auf Drängen seiner Stabsoffiziere Henning von Tresckow und Rudolf-Christoph von Gersdorff beim Oberkommando des Heeres mündlich Widerspruch ein. Nachdem sein Protest völlig fruchtlos geblieben war, sagte er zu seinem Stab: "Meine Herren, ich stelle fest: Der Feldmarschall von Bock hat protestiert".

Mit Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion war von Bock Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, deren Auftrag der Vorstoss auf Moskau war. Von Bock gehörte im Herbst zu den stärksten Befürwortern einer Offensive auf Moskau noch im Jahr 1941. Eines seiner Argumente war, dass bei zwei gleichermassen erschöpften Gegnern derjenige mit dem stärkeren Willen die Entscheidung herbeiführen könne. Nachdem von Bock während der Schlacht um Moskau aufgrund der Erschöpfung seiner Truppen für einen taktischen Rückzug an der Ostfront plädiert und diesen auch eingeleitet hatte, wurden am 19. Dezember er und der Oberbefehlshaber des Heeres Walther von Brauchitsch abgelöst.

Er übernahm am 18. Januar 1942, nach dem plötzlichen Tod (durch Schlaganfall) Walter von Reichenaus, dessen Heeresgruppe Süd. Im Anschluss an erneute Auseinandersetzungen mit Hitler über das Unternehmen Braunschweig wurde er am 15. Juli 1942 seines Amtes als Befehlshaber der Heeresgruppe B enthoben und bis Ende des Krieges in die Führerreserve versetzt. Sein Nachfolger wurde Generaloberst Maximilian von Weichs.

Er lebte in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges zurückgezogen in Bayern. Sein Neffe Henning von Tresckow versuchte mehrmals vergeblich, ihn für den militärischen Widerstand gegen Hitler zu gewinnen. Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verurteilte er als Verbrechen. Nach Hitlers Suizid bot er sich der neuen Reichsregierung unter Karl Dönitz an.

Am 3. Mai 1945 wurde von Bock bei einem englischen Tieffliegerangriff in der Nähe von Lensahn schwer verwundet; am folgenden Tag erlag er seinen Verwundungen in einem Marinelazarett in Oldenburg in Holstein. Beim Angriff fanden auch seine zweite Ehefrau Wilhelmine, seine Stieftochter Katharina von der Osten sowie sein Kraftfahrer den Tod. Fedor von Bock ist der einzige Feldmarschall des Dritten Reiches, der durch unmittelbare Feindeinwirkung zu Tode kam.

Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb

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Wilhelm Leeb, ab 1915 Ritter von Leeb (* 5. September 1876 in Landsberg am Lech; † 29. April 1956 in Füssen), war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber verschiedener Heeresgruppen im Zweiten Weltkrieg.

Er war der Sohn des bayerischen Majors Adolf Leeb und dessen Ehefrau Katharina, geborene Leeb. Der spätere General der Artillerie Emil Leeb (1881–1969) war sein jüngerer Bruder. Leeb verheiratete sich am 2. Juli 1913 mit Maria Schrott. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Bayerische Armee
Nach Absolvierung eines Humanistischen Gym nasiums trat Leeb am 16. Juli 1895 als Freiwilliger auf Beförderung in das 4. Feldartillerie-Regiment "König" der Bayerischen Armee in Augsburg ein. Nach dem Besuch der Kriegsschule, die er mit Allerhöchster Belobigung abgeschlossen hatte, wurde Leeb zum Sekondeleutnant befördert. Es folgte seine weitere Ausbildung an der Artillerie- und Ingenieur-Schule, bevor er Ende August 1900 zum Ostasiatischen Expeditionskorps übertrat. Als Zugführer bei der 1. Gebirgsbatterie beteiligte Leeb sich an der Niederschlagung des Boxeraufstands in China. Nach seiner Rückkehr nach Bayern wurde er im August 1901 wieder im 4. Feldartillerie-Regiment "König" angestellt. Von 1903 bis 1906 absolvierte Leeb die Kriegsakademie, die ihm in erster Linie die Qualifikation für den Generalstab und ferner für die Höhere Adjutantur, den Referatsdienst und das Lehrfach (Taktik, Kriegsgeschichte) aussprach. Im Anschluss daran folgten seine Kommandierung zunächst zur Zentralstelle des Generalstabs in München und 1909 zum Grossen Generalstab nach Berlin. Vom 23. März 1912 bis 24. Januar 1914 diente der zwischenzeitlich zum Hauptmann beförderte Leeb als Chef der 3. Batterie im 10. Feldartillerie-Regiment. Anschliessend war er für knapp zwei Monate in der Zentralstelle des Generalstabs und wurde dann zum Generalstab des I. Armee-Korps versetzt.

Erster Weltkrieg
In dieser Stellung war Leeb auch bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs und beteiligte sich an den Kämpfen in Lothringen und Frankreich. 1915 wurde er als Erster Generalstabsoffizier zur 11. Infanterie-Division versetzt und kam auf verschiedenen Schauplätzen zum Einsatz. Aufgrund seiner Leistungen in der Schlacht bei Gorlice-Tarnow, bei der Einnahme der Festung Przemyśl sowie beim Übergang über die Donau im Feldzug gegen Serbien wurde er am 2. Mai 1915 in den Militär-Max-Joseph-Orden aufgenommen. Damit verbunden war die Erhebung in den persönlichen Adel und er durfte sich nach Eintragung in die Ritterklasse der Adelsmatrikel Ritter von Leeb nennen.

1916 wurde Leeb zum Major befördert. Von Mai 1917 bis zum Ende des Krieges war er an der Westfront im Stab der Heeresgruppe "Kronprinz Rupprecht" eingesetzt, zuerst als Zweiter Generalstabsoffizier und später als Oberquartiermeister.

Für seine Leistungen während des Krieges war Leeb mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes, dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern, dem Militärverdienstorden III. Klasse mit Schwertern, dem Ritterkreuz II. Klasse des Albrechts-Ordens mit Schwertern, dem Ritterkreuz des Ordens der Württembergischen Krone mit Schwertern, dem Hanseatenkreuz von Hamburg und Bremen sowie dem Österreichischen Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration und dem Eisernen Halbmond ausgezeichnet worden.

Weimarer Republik
Nach Kriegsende kam Leeb als Chef der Armeeabteilung in das Ministerium für militärische Angelegenheiten, beteiligte sich an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik und wurde nach Auflösung der Behörde als Referent in der Heeresabteilung in das Reichswehrministerium nach Berlin versetzt. Im weiteren Verlauf seiner Militärkarriere bekleidete Leeb in der Reichswehr Dienstposten als Stabsoffizier in den Wehrkreisen II (Stettin) und VII (München), war Kommandeur des 7. (Bayerisches) Artillerie-Regiments sowie seit 1929 als Generalmajor Artillerieführer VII. Anfang 1930 zum Generalleutnant befördert, wurde Leeb dann Befehlshaber des Wehrkreises VII und Kommandeur der 7. (Bayerische) Division.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler verhielt sich Leeb als konservativer Katholik dem neuen Regime gegenüber reserviert. Dennoch stieg er in der Wehrmacht weiter auf und wurde am 1. Oktober 1933 Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos II in Kassel. Am 1. Januar 1934 erfolgte seine Ernennung zum General der Artillerie. In den folgenden Jahren entstand sein Buch Die Abwehr, in dem er den herrschenden Vorstellungen vom "Blitzkrieg" widersprach.

Im Verlauf der Blomberg-Fritsch-Krise Anfang 1938 wurde Leeb auf Anweisung Hitlers vom neuen Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, unter Verleihung des Charakters als Generaloberst in den Ruhestand versetzt. Bereits im Juli 1938 wurde er jedoch im Zuge der Sudetenkrise reaktiviert und als Oberbefehlshaber der 12. Armee an der Besetzung des Sudetenlandes beteiligt. Unmittelbar im Anschluss daran wurde Leeb wiederum in den Ruhestand verabschiedet.

Im Sommer 1939 wurde Leeb ein zweites Mal reaktiviert und erhielt als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe C das Kommando über die deutschen Truppen an der französischen Grenze. Mit 62 Jahren war er zu diesem Zeitpunkt nach Gerd von Rundstedt der zweitälteste Soldat des deutschen Heeres. Als Reaktion auf die Kriegserklärungen Frankreichs und Englands an Deutschland schrieb er in seinem Tagebuch "Hitler ist ein verblendeter Narr, ein Verbrecher!".

Zweiter Weltkrieg
Beim Westfeldzug, der am 10. Mai 1940 begann, überrannte Leeb im Juni 1940 mit der Heeresgruppe C die Maginotlinie. Nach der Kapitulation Frankreichs wurde Leeb zusammen mit elf weiteren Generälen am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall befördert. Bereits vorher war er am 24. Juni 1940 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet worden.

Im Rahmen der Vorbereitungen für den deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 wurde Leebs Heeresgruppenkommando im Herbst 1940 von Frankreich nach Dresden verlegt. Im Frühjahr 1941 wurde er Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord.

Die Heeresgruppe Nord hatte nach dem 22. Juni 1941 die Aufgabe, die baltischen Häfen zu erobern, anschliessend zügig in Richtung Leningrad vorzustossen und die Stadt einzunehmen. Im Winter 1941/42 begann die Leningrader Blockade. Im Osten des Aufmarschbereiches war die Heeresgruppe bis Tichwin vorgestossen. Nach einem Zerwürfnis mit Hitler über den von Leeb empfohlenen Rückzug auf eine strategisch günstigere Position bat dieser um seine Ablösung als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord. Am 16. Januar 1942 wurde Leeb seines Postens entbunden, in die Führerreserve versetzt und nicht wieder verwendet.

Trotz seiner kritischen Haltung dem NS-Regime gegenüber nahm Leeb im September 1941 zu seinem 65. Geburtstag von Hitler eine Dotation von 250'000 Reichsmark entgegen. 1944 wollte er in Bayern einen Landbesitz im Wert von rund 638'000 Reichsmark kaufen, erhielt ihn aber nach einer Entscheidung Hitlers als Geschenk. Somit hatten die ihm zugeflossenen Dotationen einen Wert von insgesamt 888'000 Reichsmark. Wie auch einige andere hohe Militärs sandte Leeb nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 eine Ergebenheitsadresse an Hitler.

Nachkriegszeit
Im Mai 1945 kam Leeb in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Durch die Verwechslung von Dokumenten wurde er beim Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht in Nürnberg 1948 schuldlos zu drei Jahren Haft verurteilt, die durch die Zeit der Kriegsgefangenschaft als verbüsst galten. Zu einer Aufhebung des Urteils kam es nicht, obwohl ein schuldhaftes Verhalten nicht nachweisbar war.

Generalfeldmarschall Wilhelm List

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Siegmund Wilhelm Walther List (* 14. Mai 1880 in Oberkirchberg bei Ulm; † 16. August 1971 in Garmisch-Partenkirchen) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall) und während des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber verschiedener Armeen und Heeresgruppen. Er wurde im Prozess Generäle in Südosteuropa 1948 als Kriegsverbrecher verurteilt.

List war der Sohn des praktischen Arztes Walter List (1853–1907). Er heiratete 1911 Hedwig Kleinschroth. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Bayerische Armee
List trat nach dem Besuch des Luitpold-Gymnasiums 1898 als Zweijährig-Freiwilliger in das 1. Pionierbataillon der Bayerischen Armee ein. 1900 wurde er zum Leutnant befördert und zum 3. Pionierbataillon versetzt. Nach seiner Kommandierung zur Artillerie- und Ingenieur-Schule diente List ab 1904 über mehrere Jahre als Bataillonsadjutant. Von 1908 bis 1911 absolvierte List die Kriegsakademie, die ihm die Qualifikation für den Generalstab, den Militär-Eisenbahndienst und das Lehrfach (Festungskrieg) aussprach. 1912 folgte dann seine Kommandierung zur Zentralstelle des Generalstabs sowie im Jahr darauf die Beförderung zum Hauptmann. Daran schlossen sich Kommandierungen zum 1. Infanterie-Regiment "König" und zur Festung Ingolstadt an. In der Zeit bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er dann in der Zentralstelle des Generalstabs verwendet.

Nach Kriegsausbruch 1914 wurde List zunächst als Generalstabsoffizier im II. Armee-Korps eingesetzt. Im Winter 1915 erkrankte er schwer und musste operiert werden. Nach seiner Genesung diente er erst als Zweiter Generalstabsoffizier (Ib) in der Armeeabteilung Strantz und ab 1917 als Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 8. Reserve-Division. Im Januar 1918 wurde List zum Major befördert. Zum Kriegsende war er im Kriegsministerium eingesetzt.

Weimarer Republik
In den frühen 1920er-Jahren war List als Angehöriger des Freikorps Epp an verschiedenen Einsätzen gegen die Räterepublik beteiligt. Im Übergangsheer diente er im Stab des Gruppenkommandos 4 (München), aus dem später das Wehrkreiskommando VII hervorging.

Von April 1923 bis Oktober 1924 war List Kommandeur des III. (Jäger-)Bataillons im 19. (Bayerisches) Infanterie-Regiment in Kempten (Allgäu), das hier auch auf eine Gebirgsverwendung hin ausgebildet wurde. Die folgenden rund zehn Jahre war List überwiegend im Ausbildungswesen der Reichswehr tätig. Von 1924 an war er, inzwischen zum Oberstleutnant befördert, zwei Jahre lang als Erster Generalstabsoffizier der 7. Division und Leiter der Führergehilfenausbildung im Wehrkreis VII eingesetzt. 1926 wechselte er in das Reichswehrministerium, um dort zunächst als Referent der Heeresausbildungsabteilung (T 4) eingesetzt zu werden. Am 1. März 1927 wurde List zum Oberst befördert und gleichzeitig mit der Leitung der Abteilung betraut. Am 1. Februar 1930 übernahm er die Leitung der Infanterieschule in der Dresdener Albertstadt. in dieser Dienststellung wurde List am 1. Oktober 1930 zum Generalmajor und 1932 zum Generalleutnant befördert.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Am 1. Oktober 1933 wurde List dann Befehlshaber im Wehrkreis IV (Dresden) und Kommandeur der 4. Division. Zwei Jahre später, am 1. Oktober 1935, wurde List zum General der Infanterie ernannt und war jetzt Kommandierender General des IV. Armeekorps.

Im Februar 1938 übernahm List die Position des Oberbefehlshabers des Heeresgruppenkommandos 2 in Kassel. Bereits am 1. April wurde List nach dem "Anschluss Österreichs" an das Deutsche Reich Oberbefehlshaber des Heeresgruppenkommandos 5 in Wien, mit der Aufgabe, das österreichische Bundesheer in die Wehrmacht einzugliedern. Am 1. April 1939 wurde er zum Generaloberst befördert.

Zweiter Weltkrieg
Als Oberbefehlshaber der 14. Armee nahm List am Polenfeldzug 1939 teil und erhielt am 30. September das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Beim Westfeldzug unterstand sein jetzt in 12. Armee umbenannter Verband der Heeresgruppe A im Zentrum der Front. Für seinen wesentlichen Anteil am Sieg über Frankreich wurde er am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall befördert (ebenso 11 weitere Generäle).

Im Balkanfeldzug mit Beginn am 6. April 1941 war List Oberbefehlshaber der 12. Armee und in dieser Stellung Chef der gesamten deutschen Bodenoperationen gegen Griechenland und Ostjugoslawien. Am 21. April nahm List die griechische Kapitulation entgegen, nachdem bereits am 17. April das Königreich Jugoslawien kapituliert hatte. Am Rande der griechischen Kapitulation kam es zu Verwicklungen mit dem damaligen deutschen Verbündeten Italien. List liess, von Hitler angewiesen, die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde ohne Beteiligung italienischer Offiziere vornehmen. Nachdem der italienische Diktator Mussolini bei Hitler dagegen protestierte, sandte dieser den Chef des Wehrmachtführungsstabes, Alfred Jodl, nach Griechenland, um den Akt der Kapitulation ein zweites Mal – diesmal mit italienischer Beteiligung – durchzuführen.

Nach dem Abschluss des Balkanfeldzuges wurde List Wehrmachtbefehlshaber Südost. In dieser Funktion unterstanden ihm die Militärbefehlshaber Serbien sowie Nord- und Südgriechenland. Am 4. Oktober 1941 gab er den Befehl, Sammellager für Geiseln zu errichten, um diese beim Widerstand von Partisanen zu erschiessen. Aufgrund einer Erkrankung gab List seinen Posten im Oktober 1941 wieder ab.

Anfang 1942 erhielt List von Hitler den Auftrag einer Inspektionsreise durch das von Deutschland seit 1940 besetzte Norwegen, um die Abwehrbereitschaft gegen eine eventuelle britische Landung an der norwegischen Westküste zu ermitteln.

List, dem nicht eine übermässige Nähe zum Nationalsozialismus nachgesagt werden kann und der diese Einstellung auch Hitler gegenüber nicht verbarg, wurde dann allerdings erst auf Fürsprache verschiedener Offiziere aus Wehrmacht- und Heeresführung mit einer neuen Aufgabe betraut. Am 1. Juli 1942 bekam List den Oberbefehl über die neugebildete Heeresgruppe A im Süden der Ostfront. In dieser Stellung kam es schon bald zu Streitigkeiten mit Hitler über die Operationsführung. Bereits am 10. September wurde List von seinen Aufgaben als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A wieder entbunden.

Er wurde bis zum Kriegsende nicht wieder eingesetzt. Auch wenn List sich dem militärischen Widerstand nicht anschloss, so ist doch registriert worden, dass er nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 keine Ergebenheitsadresse schickte – im Gegensatz zu etlichen anderen höheren Offizieren.

Im Mai 1945 wurde er von amerikanischen Truppen in Garmisch-Partenkirchen gefangen genommen.

Nachkriegszeit
Bei den Nürnberger Prozessen in dem sogenannten "Geiselprozess", auch als Prozess der Südost-Generale bekannt, wurde Wilhelm List 1948 zu lebenslanger Haft verurteilt. In seinem Schlusswort nahm er noch einmal Stellung zu den Morden an Zivilisten und versuchte, jegliche Schuld von sich zu weisen: "Die Schuld verbleibt bei denjenigen, die diesen Kampf von Anbeginn grausam und hinterhältig auf Balkan-Art geführt haben".

Der amerikanische Hochkommissar John Jay McCloy lehnte am 31. Januar 1951 nach Rücksprache mit einem Beratenden Ausschuss ein Gnadengesuch für List ab. In einer Mitteilung an die Presse erklärte er:

"Ebensowenig kann ich irgendwelche mildernde Umstände für den Nachdruck finden, mit dem sie [hier ist auch Walter Kuntze gemeint] die Terrorisierung der ihnen unterstellte Gebiete durchgeführt haben. Persönlich unterzeichnete Befehle dokumentieren diesen Tatbestand. Ihr hoher Rang schuf gewissermassen die Atmosphäre für die verübten Brutalitäten, und ihre eigenen Befehle können nur als Aufhetzung zu Exzessen gedeutet werden. In diesen Fällen liegt tatsächlich mehr vor als die blosse Weitergabe eines zweifellos illegalen Befehls, so schlimm auch dies bereits an sich gewesen wäre. Auch wenn man sich bemüht, den zermürbenden Charakter der Partisanen- und Guerillakriegsführung voll zu berücksichtigen, mit der Offiziere in diesem Feldzug es zu tun hatten, so kann man sich der vom Ausschuss festgestellten Tatsache nicht verschliessen: diese in hohem Masse verantwortlichen Offiziere haben die durch militärische Rücksichten zu rechtfertigenden Grenzen weit überschritten, sowohl durch Handlungen als auch durch Unterlassungen. Das Gericht hat anerkannt, dass im äussersten Fall und als letzter Ausweg das Erschiessen von Geiseln eine Begleiterscheinung dieser Art von Kriegsführung waren. Die Beweisaufnahme hat jedoch ergeben, dass bei vielen Exekutionen Hunderte von Zigeunern, Juden und anderen Personen getötet wurden, die mit irgendwelchen Zwischenfällen, denen deutsche Truppen ausgesetzt waren, nicht im geringsten Zusammenhang standen, weder räumlich noch ursächlich. Überdies standen die Festnahmen und Erschiessungen von Geiseln in einem willkürlichen und masslos übersteigerten Verhältnis zu den Verstössen, durch die diese Massnahmen hervorgerufen wurden. Der Ausschuss weist auf die Möglichkeit hin, den Gesundheitszustand von List und Kuntze, beides Männer vorrückenden Alters, eine weitere ärztliche Untersuchung wünschenswert erscheinen lasse zwecks Feststellung, ob eine Entlassung wegen Haftunfähigkeit angebracht ist".

List, der schwer erkrankt war, wurde 1952 aus der Haft in Landsberg entlassen. Bis zu seinem Tod 1971 lebte er in Garmisch-Partenkirchen.

Generalfeldmarschall Günther von Kluge

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Günther Adolf Ferdinand (von) Kluge (* 30. Oktober 1882 in Posen; † 19. August 1944 bei Verdun; auch bekannt als Hans Günther von Kluge) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall) und während des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber der 4. Armee sowie verschiedener Heeresgruppen.

Kluge heiratete 1907 Mathilde von Briesen (1885–1945). Das Ehepaar bekam drei Kinder: Günther, Ester und Marie Louise. 1936 war von Kluge als Kommandierender General des VI. Armee-Korps in Münster stationiert; zu dieser Zeit hielten sich ebenfalls seine Frau und seine jüngere Tochter dort auf. Kluge war mit seiner Familie von 1930 bis zu seinem Tode in dem Ort Böhne wohnhaft. Seine Ehefrau Mathilde hatte das Böhner Gut von ihrem Onkel Robert von Briesen geerbt. Sein Bruder Wolfgang von Kluge (1892–1976) erreichte in der Wehrmacht den Rang eines Generalleutnants

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Günther von Kluge war der Sohn des 1913 in den erblichen Adelsstand erhobenen Generalmajors Max Kluge und trat am 22. März 1901, aus der Kadettenanstalt kommend, als Leutnant in das Niedersächsische Feldartillerie-Regiment Nr. 46 in Altona ein. Er wurde in seiner Jugend auf Grund seiner besonderen geistigen Fähigkeiten auf der Kadettenschule von seinen Freunden in Anlehnung an ein damals sehr bekanntes "rechnendes" Pferd der kluge Hans genannt. Daraus hat sich später der Vorname Hans Günther eingebürgert.

Im Ersten Weltkrieg war von Kluge als Hauptmann im Generalstab des XXI. Armee-Korps. Er kämpfte an der Westfront in der Zweiten Flandernschlacht und wurde in der Schlacht um Verdun schwer verwundet.

Weimarer Republik
Nach Kriegsende wurde er in die Reichswehr übernommen, am 1. April 1923 zum Major ernannt und am 1. Juli 1927 zum Oberstleutnant befördert. Im Jahr darauf wurde er Chef des Stabes der 1. Kavalleriedivision in Frankfurt (Oder), Brandenburg. Mit der Beförderung zum Oberst am 1. Februar 1930 ernannte man ihn gleichzeitig zum Kommandeur des 2. (Preussischen) Artillerie-Regiments in Schwerin.

(Vorkriegs-)Zeit des Nationalsozialismus
Die nächsten Ernennungen und Beförderungen von Kluges waren jene zum Generalmajor und Inspekteur der Nachrichtentruppe am 1. Februar 1933 sowie zum Generalleutnant am 1. April 1934. Ein Jahr später erfolgte die Ernennung zum Kommandierenden General des VI. Armeekorps sowie Befehlshaber im Wehrkreis VI (Münster). Die Beförderung zum General der Artillerie erfolgte am 1. August 1936.

Zweiter Weltkrieg
Von Kluge führte im Polen- und Westfeldzug die 4. Armee. Er war auch derjenige, der nach dem Gefecht um das polnische Postamt in Danzig noch im September 1939 die Todesurteile für die polnischen Verteidiger bestätigte. Am 1. Oktober 1939 erfolgte seine Beförderung zum Generaloberst.

Am 19. Juli 1940 ernannte Hitler ihn – zusammen mit elf weiteren Generalen – zum Generalfeldmarschall.

Im Deutsch-Sowjetischen Krieg führte von Kluge die 4. Armee. Seine Verteidigungsmethoden galten und gelten als durchdacht.

Am 18. Dezember 1941 wurde von Kluge als Nachfolger Fedor von Bocks zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte ernannt; einen Tag später übernahm er den Oberbefehl. Anlässlich seines 60. Geburtstags erhielt er 1942 eine Dotation Hitlers über 250'000 Reichsmark.

Edwin von Rothkirch und Trach, Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebiets Mitte in "Weissruthenien", wandte sich im Sommer 1943 mit mehreren Berichten über die Ermordung von 1'200 bis 1'500 Juden täglich am Eisenbahnknotenpunkt Malkinia an von Kluge. Von Kluge unternahm nichts, da er um seinen Posten bei einem Protest fürchtete, wie er seinem Ordonnanzoffizier Eberhard von Breitenbuch erklärte.

Henning von Tresckow, sein Erster Generalstabsoffizier, bemühte sich, allerdings nur mit geringem Erfolg, von Kluge auf die Seite des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus zu ziehen. Am 13. März 1943 hatte Tresckow sich einen insgesamt dreiteiligen Plan ausgedacht: Beim Mittagessen sollten Tresckow, Georg von Boeselager und andere auf ein Zeichen aufstehen und mit Pistolen auf Hitler feuern. Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe erfuhr von Kluge von diesem Teil des Planes, und die Offiziere seines Stabes gehorchten seinem Verbot, so etwas "nicht in seinem Verantwortungsbereich" zu tun. Ein Autounfall am 12. Oktober 1943 zwang von Kluge zu einer längeren Erholungspause. Er wurde am 7. Juli 1944 – also einen Monat nach Beginn der Operation Overlord – zum Oberbefehlshaber West (Abk. OB West) ernannt und am 17. Juli desselben Jahres zusätzlich Oberbefehlshaber über die Heeresgruppe B. Dadurch wurde er für die Verschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944 zur Schlüsselfigur im Westen. Obwohl er zunächst schwankte, verweigerte er sich einer Teilnahme am geplanten Umsturz, als er von Hitlers Überleben erfuhr. Zu dieser Zeit waren in Paris auf Befehl des Militärbefehlshabers von Frankreich Carl-Heinrich von Stülpnagel bereits SS-Angehörige verhaftet worden. Von Kluge nahm den Befehl zurück und entliess General von Stülpnagel.

Nach dem Durchbruch der Allied Expeditionary Force in der Normandie in der Operation Cobra beauftragte Hitler von Kluge mit einem Gegenangriff, dem Unternehmen Lüttich, der am späten Nachmittag des 6. August 1944 eröffnet wurde. Schon in der Planungsphase gab es Differenzen mit Hitler. Nachdem von Kluges Verbände durch heftigen alliierten Widerstand, vor allem aus der Luft, zum Stehen kamen, reagierte Hitler äusserst ungehalten und drohte, von Kluge des Kommandos zu entheben. Von Kluge verliess am Morgen des 15. August sein Hauptquartier und begab sich zu einer Besprechung mit den Führungsoffizieren der 7. Armee, darunter General der Panzertruppe Heinrich Eberbach, direkt an der Frontlinie. Wegen eines alliierten Luftangriffs, bei dem die Funkverbindung unterbrochen und einige seiner Begleiter getötet wurden, gelang es ihm nicht, zu dem geplanten Treffen zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt versuchte Hitler vergebens, von Kluge im Hauptquartier des OB West telefonisch aus Berlin zu erreichen, um schnellstmöglich eine Entscheidung über das weitere Vorgehen in der Normandie herbeizuführen. Damit war für Hitler die Grenze der Geduld erreicht. Als vorläufigen Befehlshaber der Heeresgruppe B setzte Hitler Paul Hausser, seit 1. August 1944 SS-Oberst-Gruppenführer und Generaloberst der Waffen-SS, ein und bestimmte Generalfeldmarschall Albert Kesselring und Generalfeldmarschall Walter Model als von Kluges mögliche Nachfolger, falls dieser nicht zurückkehrte.

Nun wurden auch wieder die Stimmen laut, die Hitler den Verdacht der Geheimen Staatspolizei zutrugen, die von einer Verstrickung von Kluges in das Attentat vom 20. Juli 1944 sprachen. Zudem nahmen sie an, dass von Kluge möglicherweise deswegen nicht zu erreichen sei, weil er im Begriff sei, eine Kapitulation seiner Einheiten vorzubereiten. Wortführer gegenüber Hitler war in diesem Zusammenhang vor allem Ernst Kaltenbrunner, der Chef der Sicherheitspolizei und des SD. Aus all diesen Gründen entschied Hitler am 16. August, von Kluge seines Postens zu entheben und Model einzusetzen. Diese Weisung trat am Folgetag in Kraft.

Von Kluge schrieb Hitler in einem Abschiedsbrief am 19. August, dass er ihm immer treu geblieben sei und er die Selbsttötung als einzigen Ausweg zu seiner Ehrerhaltung sehe. Am Ende seines Briefes schrieb und riet er Hitler: "Zeigen Sie nun auch die Grösse, die notwendig sein wird, wenn es gilt, einen aussichtslos gewordenen Kampf zu beenden". Auf der Fahrt mit dem Auto nach Deutschland nahm von Kluge Gift in Form von Zyankali zu sich und verstarb in der Nähe von Verdun.

Nahe dem Ort Böhne, Provinz Brandenburg, wurde er am 1. September 1944 mit militärischen Ehren in unmittelbarer Nähe des Mausoleums der Familien von Briest und von Briesen beigesetzt. Bei der Trauerfeier waren keine politischen Würdenträger anwesend. Auf seinen Wunsch wurde er erdbestattet.

Nach Kriegsende entfernten Unbekannte den Sarg mit dem Leichnam aus der Gruft. Es ist nicht bekannt, wer das veranlasst hatte und wohin der Leichnam gebracht wurde.

Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben

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092_52/Generalfeldmarschall von Witzleben (1940)

Job Wilhelm Georg Erwin Erdmann von Witzleben (* 4. Dezember 1881 in Breslau; † 8. August 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall und während des Zweiten Weltkrieges Armeeoberbefehlshaber und Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Er war von den Verschwörern im Fall des Gelingens des Unternehmens Walküre als Oberbefehlshaber über die gesamte Wehrmacht vorgesehen.

Herkunft
Erwin entstammte dem Elgersburg-Angelrodaer Zweig der thüringischen adligen Offiziersfamilie von Witzleben. Sein Vater war der preussische Hauptmann Georg von Witzleben (1838–1898), seine Mutter die bürgerliche Therese geb. Brandenburg (1847–1925).

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Witzleben absolvierte das preussische Kadettenkorps (1892–1896 in Wahlstatt, ab 1896 in Lichterfelde) und trat am 22. Juni 1901 als Leutnant in das Grenadier-Regiment "König Wilhelm I". (2. Westpreussisches) Nr. 7 im schlesischen Liegnitz ein, wo damals seine verwitwete Mutter lebte. 1910 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Seit 1907 war er mit Else Kleeberg verheiratet; die beiden hatten zwei Kinder.

Im Ersten Weltkrieg war Witzleben zunächst Brigadeadjutant der 19. Reserve-Infanterie-Brigade, bevor er im Oktober 1914 zum Hauptmann und Kompaniechef im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 6 aufrückte. Später wurde er im selben Regiment Bataillonskommandeur. Witzlebens Einheit kämpfte u. a. bei Verdun, in der Champagne und in Flandern. Witzleben wurde schwer verwundet und mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach seiner Verwundung kam er 1918 zur Generalstabsausbildung und erlebte das Kriegsende als Erster Generalstabsoffizier der 121. Division.

Weimarer Republik
In die Reichswehr wurde Witzleben als Kompaniechef übernommen. 1923 kam er als Major in den Stab der 4. Division nach Dresden. 1928 wurde er Bataillonskommandeur im 6. Infanterie-Regiment, seit 1929 als Oberstleutnant. Anschliessend war er Chef des Stabes der 6. Division und übernahm nach der Beförderung zum Oberst 1931 das 8. (Preussisches) Infanterie-Regiment in Frankfurt (Oder).

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Im Frühjahr 1933 erfolgte die Versetzung auf die Stelle des Infanterieführers VI in Hannover. Am 1. Februar 1934 wurde er zum Generalmajor ernannt und als Kommandeur zur 3. Division in Potsdam versetzt. Als Nachfolger von General von Fritsch wurde er Befehlshaber des Wehrkreises III in Berlin. In dieser Position wurde er Generalleutnant und im September 1935 Kommandierender General des III. Armeekorps in Berlin. 1936 erhielt er seine Beförderung zum General der Infanterie.

Bereits 1934 bezog Witzleben Position gegen das NS-Regime, als er nach der Ermordung der Generale Schleicher und Bredow im Zuge des sogenannten Röhm-Putsches beim Chef der Heeresleitung vorstellig wurde und gegen die Ermordung der beiden Generale protestierte und eine gerichtliche Untersuchung forderte.

Seit 1937 suchte Witzleben nach einer Möglichkeit, Hitler zu stürzen. Im Sommer 1938 – während der Sudetenkrise – war er der Gesamtverantwortliche, der zusammen u. a. mit Oberst Oster (Amt Abwehr), General der Artillerie Halder (Chef des Generalstabes), seinen Mitarbeitern Generalleutnant Graf von Brockdorff-Ahlefeldt und Generalmajor von Hase sowie Generalleutnant Hoepner (der ihm mit seiner 1. Leichten Division unterstellt werden sollte) die sogenannte Septemberverschwörung plante, um das NS-Regime zu beseitigen. Witzlebens Kommando über den wichtigen Berliner Wehrkreis sollte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Durch Hitlers Erfolg beim Münchner Abkommen wurde dem geplanten Staatsstreich jedoch die Grundlage entzogen.

Witzleben war inzwischen im November 1938 als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe 2 nach Frankfurt (Oder) versetzt worden.

Zweiter Weltkrieg
Westfeldzug
Im September 1939 übernahm der wenig später zum Generaloberst beförderte Witzleben den Oberbefehl über die im Westen stationierte 1. Armee. Beim Angriff auf Frankreich am 10. Mai 1940 gehörte Witzlebens Armee zur Heeresgruppe C unter dem Befehl von Generaloberst Wilhelm Ritter von Leeb. Sie durchbrach am 14. Juni die Maginot-Linie und zwang am 17. Juni mehrere französische Divisionen zur Kapitulation. Dafür wurde Witzleben mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet und am 19. Juli 1940 – zusammen mit elf weiteren Generälen – zum Generalfeldmarschall befördert. 1941 wurde er noch zum Oberbefehlshaber West als Nachfolger von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt berufen, aber bereits Mitte März 1942, angeblich aus gesundheitlichen Gründen, tatsächlich aber wegen des Verdachts, er sei Teil einer militärischen Opposition, auf Betreiben Franz Halders (der sich mittlerweile vom Widerstand distanziert hatte) durch Hitler in die Führerreserve versetzt und erneut durch Rundstedt ersetzt.

20. Juli 1944
1944 war Erwin von Witzleben eine Schlüsselposition in den Staatsstreichplänen der Verschwörergruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg zugedacht. Während Generaloberst Ludwig Beck als vorläufiges Staatsoberhaupt und Generaloberst Erich Hoepner als Befehlshaber des Ersatzheeres vorgesehen waren, sollte Generalfeldmarschall von Witzleben nach Hitlers Tod als ranghöchster deutscher Soldat den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht übernehmen. Witzleben, der sich am 20. Juli zunächst im Oberkommando des Heeres in der Bendlerstrasse aufgehalten hatte, wurde tags darauf auf dem Gut seines Adjutanten Wilhelm Graf zu Lynar verhaftet und später von dem am 2. August 1944 gebildeten sogenannten "Ehrenhof" unter Vorsitz von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt "unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestossen", sodass das Reichskriegsgericht für seine Aburteilung nicht mehr zuständig war.

Volksgerichtshof und Tod
Witzleben gehörte zusammen mit Hoepner und sechs weiteren Kameraden zur ersten Gruppe Angeklagter, die sich am 7. und 8. August 1944 vor dem Volksgerichtshof wegen Hochverrats verantworten mussten; den Vorsitz führte dessen Präsident Roland Freisler. Bei Beginn der Verhandlungen zeigte von Witzleben den Hitlergruss, was sich Freisler verbat, da der Angeklagte in seinen Augen ehrlos sei und es, seiner Meinung nach, nur "ehrenhaften Volksgenossen" gestattet sei, diesen zu gebrauchen.

Während des Schauprozesses musste er sich durchweg die Hose festhalten, da die Geheime Staatspolizei ihm die Hosenträger abgenommen hatte und er im Gefängnis abgemagert war. Freisler reagierte darauf, indem er von Witzleben fragte: "Was fassen Sie sich dauernd an die Hose, Sie schmutziger, alter Mann"?

Er wurde am 8. August 1944 zum Tode verurteilt. Witzlebens Schlussworte, an Freisler gerichtet, sollen gewesen sein: "Sie können uns dem Henker überantworten. In drei Monaten zieht das empörte und gequälte Volk Sie zur Rechenschaft und schleift Sie bei lebendigem Leib durch den Kot der Strassen".

Noch am Tag des Urteils wurde Erwin von Witzleben im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch Hängen, statt – wie sonst bei Militärangehörigen üblich – durch Erschiessen hingerichtet.

Generalfeldmarschall Walter von Reichenau

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092_53/Walter von Reichenau. Aufnahme aus dem Jahr 1941

Walter von Reichenau (* 8. Oktober 1884 in Karlsruhe; † 17. Januar 1942 auf dem Lufttransport von Poltawa nach Lemberg) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall). Er war seit 1933 federführend bei der Eingliederung der Reichswehr in den NS-Staat tätig. Während des Zweiten Weltkrieges war Reichenau als Armee- und Heeresgruppenoberbefehlshaber an führender Stelle an Kriegsverbrechen in der Sowjetunion beteiligt.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Walter von Reichenau war der Sohn des späteren preussischen Generalleutnants Ernst August von Reichenau (1841–1919). Einer seiner Brüder war Ernst von Reichenau. Nach dem Abitur 1903 trat er in die Preussische Armee ein. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war Reichenau Adjutant des 1. Garde-Feldartillerie-Regiments und in dieser Stellung wurde er noch im Verlauf des Jahres 1914 zum Hauptmann befördert und mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet. Im folgenden Jahr wurde er zum Generalstab versetzt und im Lauf des Jahres 1915 diente er als Zweiter Generalstabsoffizier (Ib) der 47. Reserve-Division sowie anschliessend als Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 7. Kavallerie-Division.

Weimarer Republik
In der Zeit vom Waffenstillstand bis zu seiner Übernahme in die Reichswehr war Reichenau Generalstabsoffizier beim Grenzschutz Ost in Schlesien und Pommern.

Bis Anfang der 1930er Jahre wurde Reichenau in verschiedenen Stellungen verwendet. 1924 wurde er zum Major und 1929 zum Oberstleutnant befördert. Seit 1930 war er Chef des Stabs im ostpreussischen Wehrkreis I / 1. Division, dessen Befehlshaber Werner von Blomberg, der spätere Reichswehrminister war. Am 1. Februar 1932 erfolgte die Beförderung zum Oberst.

Er heiratete im April 1919 Alexandrine Gräfin Maltzan Freiin zu Wartenberg und Penzlin (1895–1984).

Rolle im Sport
Bis zum Ersten Weltkrieg war von Reichenau als Leichtathlet aktiv, später spielte er Tennis und fuhr Ski. Als Leichtathletiktrainer in Münster entdeckte er Hans Hoffmeister, den deutschen Meister im Diskuswurf von 1926, 1930 und 1931 und Olympiateilnehmer von 1928. Zudem war er ein begeisterter Fussballspieler. Als Mitglied des Berliner SC lernte er Carl Diem kennen, dem er freundschaftlich verbunden blieb. Gemeinsam entwickelten die beiden Männer das Konzept des Sportabzeichens und waren dann auch die ersten beiden Absolventen. Er gehörte dem Organisationskomitee der Spiele 1936 in Berlin an und wurde anschliessend auf Betreiben von Diem Mitglied des IOC.

Für Reichenau war der Sport "nur Mittel zum Zweck, nicht eigentliches Ziel". Dieses Ziel war die Vorbereitung der militärischen Ausbildung mit Breitensport, denn "ein guter Sportsmann ist ein guter Soldat". Besondere Bedeutung mass er den Mannschaftssportarten zu, da sie die "Unterordnung des Einzelwillens unter den Gesamtwillen" fördern würden. Sein Ideal war eine Nivellierung von Standesunterschieden durch den Sport. Aber auch als "Sportgeneral", wie er genannt wurde, konnte er seine Vorstellungen in der Wehrmacht nicht durchsetzen.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Bereits vor der Machtergreifung knüpfte Reichenau Kontakte zur NSDAP wie zu Adolf Hitler selbst, mit dem er im April 1932 – wahrscheinlich erstmals – eine persönliche Unterredung geführt hatte. Ab 1933 ging auch Reichenaus Karriere voran: Mit der Ernennung Blombergs zum Reichswehrminister wurde er am 1. Februar 1933 unter Ernennung zum Generalmajor Chef des Ministeramtes im Reichswehrministerium. In dieser Position kündigte er die politische Neutralität, die die Reichswehr gegenüber allen Regierungen der Weimarer Republik gezeigt hatte, auf und formulierte die Parole: "Hinein in den neuen Staat, nur so können wir die uns gebührende Position behaupten". Am 1. Februar 1934 wurde er im Zuge der Umstrukturierung der Reichswehr Chef des neugeschaffenen Wehrmachtamtes und blieb damit engster Berater Blombergs.

Zunächst hatte Reichenau keinerlei Berührungsängste gegenüber der SA, mit der er schon 1933 im ostpreussischen Grenzschutz gut zusammengearbeitet hatte. Im Juni 1933 legte er Pläne für einen "Wehrstaat" vor, in dem die gesamte Jugend in Wehrsport, vormilitärischer Ausbildung und Wehrpflicht militärisch gedrillt werden sollte. In diesem Konzept sollte die SA die gesamte Rekrutenausbildung übernehmen. Er handelte mit dem SA-Chef Ernst Röhm aus, dass seine Organisation das Reichskuratorium für Jugendertüchtigung übernehmen sollte, eine bereits 1932 gegründete Tarnorganisation zur Aufrüstung. Sie sollte künftig dem SA-Obergruppenführer Friedrich-Wilhelm Krüger unterstehen. Mit diesem Konzept brach Reichenau mit der traditionellen Vorstellung vom Militär als "Schule der Nation". Die künftige Reichswehr stellte sich der modern und pragmatisch denkende General vielmehr als Organisation der bewaffneten Spezialisten der Kriegführung vor. Die SA-freundliche Haltung Reichenaus zeigte sich auch in seiner Weisung vom Oktober 1933 an die Wehrkreiskommandos, die Interessen der SA möglichst zu berücksichtigen.

Erst im Februar 1934 geriet Reichenau mit Röhm in Konflikt, dem er unterstellte, die Kompetenz für Mobilmachung und Kriegsführung für seine Truppe zu verlangen und der Reichswehr nur die militärische Ausbildung überlassen zu wollen. Damit schien die Monopolstellung der Reichswehr als einzigem "Waffenträger der Nation" bedroht. Daher drängte Reichenau gemeinsam mit Blomberg am 27. Juni 1934 Hitler zum Handeln: Die SA musste entmachtet werden, ebenso die konservativen Eliten um Vizekanzler Franz von Papen, die einer völligen Machteroberung der Nationalsozialisten noch im Wege standen. Als Papen um eine Audienz bei Reichspräsident Paul von Hindenburg für den 28. Juni 1934 nachsuchte, versetzten Blomberg, Reichenau und Reinhard Heydrich, der Chef des Sicherheitsdiensts der SS ihre Truppen in Alarmbereitschaft. Am 29. Juni 1934 wurden in den Röhm-Morden der Führungskader der SA ermordet, ebenso mehrere konservative Gegner des Regimes und die Reichswehrgeneräle Kurt von Schleicher und Ferdinand von Bredow, beide Amtsvorgänger Reichenaus als Chef des Ministeramts. Reichenau gehörte mit Hermann Göring und dem Reichsführer SS Heinrich Himmler zu dem "furchtbaren Triumvirat […], das an diesem 30. Juni 1934 über Leben und Tod entschied": Die drei Männer gingen gemeinsam Namenslisten durch und entschieden durch Kopfschütteln oder Nicken, wer sterben musste.

Nach Hindenburgs Tod am 2. August 1934 befahlen Blomberg und Reichenau allen Reichswehrangehörigen, einen persönlichen Treueeid auf Hitler abzulegen, ohne dass es dafür eine gesetzliche Grundlage gab. Ihnen kam es darauf an, das Bündnis zwischen Reichswehr und Führer noch enger zu schmieden und konkurrierende Machtansprüche von Partei und SS abzuwehren.

Reichenau war massgeblich am Aufbau der Wehrmacht und ihrem Einbau in den nationalsozialistischen Staat beteiligt. Am 1. Oktober 1935 wurde er zum Kommandierenden General des VII. Armeekorps und des Wehrkreises VII in München ernannt, verbunden mit der Beförderung zum Generalleutnant. Ein Jahr darauf erfolgte die Beförderung zum General der Artillerie. Im Jahr 1938 wurde Reichenau im Zusammenhang mit der Blomberg-Fritsch-Krise mit der Führung des Heeresgruppenkommandos IV in Leipzig betraut. Er war als Befehlshaber der 10. Armee am Einmarsch in das Sudetenland und später an der "Zerschlagung der Rest-Tschechei" beteiligt.

Reichenau, der seit seiner ersten Begegnung mit Hitler 1931 zu dessen Bewunderern zählte, "propagierte und förderte" die Eingliederung der Reichswehr in das nationalsozialistische System wie "kein Zweiter". Deshalb wird er von Historikern auch als (erster) "politischer General" bezeichnet. Er bekannte sich öffentlich zur "nationalsozialistischen Wehrmacht", verlangte von Soldaten nationalsozialistische Weltanschauung und die Wahrung der "ewigen Werte unsres Volkstums von Blut und Rasse". Trotz dieser Bekenntnisse soll er nach Angaben seiner Mitarbeiter selbst kein überzeugter Nationalsozialist gewesen sein. Vielmehr zielte seine Militärpolitik darauf ab, den Berufsoffizieren eine starke Stellung im "wehrfreudigen" NS-System zu sichern.

Zweiter Weltkrieg
Am Überfall auf Polen nahm Reichenau als Oberbefehlshaber der 10. Armee, der Schwerpunkt-Stossarmee auf Warschau, teil. Am 30. September 1939 erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, mit dem 1. Oktober 1939 wurde er zum Generaloberst befördert.

Im Westfeldzug 1940 kommandierte Reichenau die 6. Armee und nahm in dieser Stellung die Kapitulation Belgiens entgegen. Am 19. Juli 1940 wurde er nach dem Sieg über Frankreich zum Generalfeldmarschall ernannt.

Ab Beginn des Unternehmens Barbarossa unterstand Reichenau die 6. Armee der Heeresgruppe Süd. Dabei kämpfte sie unter anderem im September 1941 in der Schlacht um Kiew. Aufgrund Hitlers Unzufriedenheit mit Gerd von Rundstedt wurde Reichenau am 1. Dezember 1941 an Rundstedts Stelle zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd an der Ostfront ernannt. Sein Nachfolger bei der 6. Armee wurde auf Reichenaus Empfehlung, für viele überraschend, sein früherer Stabschef Friedrich Paulus.

Kriegsverbrechen in der Sowjetunion
Im Krieg gegen die Sowjetunion propagierte Reichenau als überzeugter Anhänger Hitlers den "Weltanschauungskrieg" gegen "Bolschewisten" und Juden. Er befehligte anfänglich die 6. Armee. In dieser Funktion trug er (Mit-)Verantwortung für Massaker in seinem Verantwortungsbereich: Am 22. August 1941 befahl Reichenau die Ermordung von 90 jüdischen Kindern in Belaja Zerkow, deren Eltern man erschossen hatte. Als der Offizier der Wehrmacht Helmuth Groscurth unter Umgehung des Dienstweges über das Schicksal der zunächst verschont gebliebenen Kinder eine eigene Entscheidung des Armeeoberkommandos verlangte, bestätigte Reichenau, dass auch die Kinder zu erschiessen seien.

Aufgrund enger Kontakte zum Führer des Sonderkommandos 4a, SS-Standartenführer Paul Blobel, kam es ausserdem zur engen Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht und Sonderkommando beim grössten Massaker in der besetzten Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs, dem Massaker von Babyn Jar, bei dem über 33'000 Juden innerhalb von zwei Tagen erschossen wurden (29./30. September 1941). Angehörige der Wehrmacht bewachten den Ort während des Mordens und bedeckten nach dem Massaker durch Sprengungen die Leichen mit Erde.

Am 10. Oktober 1941 erliess er den so genannten "Reichenau-Befehl", der bis hinunter auf die Ebene der Kompanien verteilt und vorgelesen wurde:

"[…] Das wesentlichste Ziel des Feldzuges gegen das jüdisch-bolschewistische System ist die völlige Zerschlagung der Machtmittel und die Ausrottung des asiatischen Einflusses im europäischen Kulturkreis. Hierdurch entstehen auch für die Truppe Aufgaben, die über das hergebrachte einseitige Soldatentum hinausgehen. Der Soldat ist im Ostraum nicht nur ein Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch Träger einer unerbittlichen völkischen Idee und der Rächer für alle Bestialitäten, die deutschem und artverwandtem Volkstum zugefügt wurden. […] Deshalb muss der Soldat für die Notwendigkeit der harten, aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben. Sie hat den weiteren Zweck, Erhebungen im Rücken der Wehrmacht, die erfahrungsgemäss stets von Juden angezettelt wurden, im Keime zu ersticken. […]"

Adolf Hitler bezeichnete den Reichenau-Befehl als "ausgezeichnet" und befahl allen Armeeoberbefehlshabern an der Ostfront, Reichenaus Beispiel zu folgen.

Tod
Am 14. Januar 1942 erlitt Reichenau nach einem Waldlauf bei minus 40 Grad Celsius einen schweren Schlaganfall. Auf dem Lufttransport zur Behandlung nach Deutschland am 17. Januar 1942 starb Reichenau im Flugzeug zwischen Poltawa und Lemberg. Er wurde auf dem Berliner Invalidenfriedhof beigesetzt.

1944 erhielten seine Nachkommen eine Dotation an Grundbesitz im Wert von 1,01 Millionen Reichsmark.

Generalfeldmarschall Erwin Rommel

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092_54/Generalfeldmarschall Erwin Rommel, 1942

Johannes Erwin Eugen Rommel (* 15. November 1891 in Heidenheim an der Brenz; † 14. Oktober 1944 in Herrlingen) war ein deutscher Generalfeldmarschall in der Zeit des Nationalsozialismus. Sein Einsatz während des Afrikafeldzugs in Nordafrika brachte ihm den Beinamen "Wüstenfuchs" ein.

Die NS-Propaganda förderte gezielt die Entstehung des "Mythos Rommel", der auch noch das heutige Bild Rommels prägt. Rommels Einstellung zum Nationalsozialismus sowie sein Verhältnis zur Widerstandsgruppe vom 20. Juli 1944 sind umstritten.

Rommel wurde 1891 als zweites von vier Kindern des Oberrealschullehrers und späteren Rektors Erwin Rommel und dessen Frau Helene, geborene Luz (seit 1880 von Luz), in Heidenheim an

der Brenz geboren und wuchs in Aalen auf. Von 1900 bis 1908 besuchte er dort die Lateinschule, anschliessend von 1908 bis 1910 das Realgymnasium Schwäbisch Gmünd (heutiges Parler-Gymnasium). 1910 trat er in die Württembergische Armee ein.

Ab 1912 hatte Rommel eine Liebesbeziehung mit Walburga Stemmer aus Weingarten, die im Dezember 1913 die gemeinsame Tochter Gertrud zur Welt brachte. Im November 1916 heiratete Rommel Lucie Maria Mollin (1894–1971), die er 1911 während eines Kriegsschullehrgangs in Danzig kennengelernt hatte. Die uneheliche Tochter Gertrud wuchs bei ihrer Grossmutter auf. Rommel und seine Frau kümmerten sich um das Mädchen, das als Rommels Nichte ausgegeben wurde. Im Dezember 1928 kam ihr Sohn Manfred Rommel zur Welt. Walburga Stemmer starb im Oktober 1928. Die Kinder von Gertrud, Rommels Enkel, liessen sich im Allgäu nieder.

Rommels Frau war eine Nichte des polnischen Priesters Edmund Roszczynialski in Neustadt in Westpreussen bei Danzig. Dieser galt nach der deutschen Eroberung Polens als verschollen. Auf Bitten seiner Frau erkundigte sich Rommel nach dem verfolgten Onkel. Er wurde von der Bürokratie hingehalten und musste ihr ein Jahr später mitteilen, dass nichts herausgefunden wurde. Roszczynialski war am 30. Oktober 1939 durch die Gestapo verhaftet worden und wurde knapp zwei Wochen später, am 11. oder 12. November, in der Nähe von Cewice, wahrscheinlich im Wald von Piaśnic, erschossen.

Im Oktober 1943 zog die Familie Rommel aus Wiener Neustadt kommend nach Herrlingen. Sie bezog dort ein Gebäude, das als "Haus Breitenfels" bzw. "Martin-Buber-Haus" Teil des im Frühjahr 1939 aufgelösten jüdischen Landschulheims war. Diese unter der Leitung des Berliner Pädagogen Hugo Rosenthal stehende reformpädagogische Einrichtung war 1926 von Anna Essinger gegründet worden, die im Herbst 1933 mit ihren Zöglingen nach England geflohen war. Die Bewohner des in diesen Gebäuden Mitte 1939 eingerichteten jüdischen Zwangs-Altersheims waren 1941/42 deportiert worden.

Das Propagandaministerium dichtete Rommel eine andere Lebensgeschichte an, die im April 1941 in der Wochenzeitung Das Reich abgedruckt wurde. Darin wurde er als Arbeitersohn dargestellt, der als einer der ersten SA-Führer nationalsozialistische Überzeugungen aus einem persönlichen Verhältnis zu Hitler gewonnen habe. Rommel selbst beschwerte sich über diese falsche Vita.

Militärische Laufbahn
Deutsches Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Rommel, der eigentlich Flugzeugingenieur werden wollte, wurde von seinem Vater vor die Wahl gestellt, entweder Lehrer oder Offizier zu werden. Rommel entschied sich für eine Militärlaufbahn. Nachdem er von der Artillerie und den Pionieren abgelehnt worden war, trat er am 19. Juli 1910 als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment "König Wilhelm I". (6. Württembergisches) Nr. 124 im oberschwäbischen Weingarten ein. Zwischen März und November 1911 absolvierte er den obligaten Lehrgang an der Kriegsschule in Danzig.

Am 27. Januar 1912 wurde Erwin Rommel zum Leutnant befördert und war nun im Rahmen der Rekrutenausbildung in Weingarten tätig. Zum 1. März 1914 wurde er für fünf Monate zur 4. Batterie des Feldartillerieregiments Nr. 49 nach Ulm kommandiert. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 kämpfte er mit seinem alten Regiment im Raum Longuyon, an der Maas und westlich von Verdun. Im September 1914 erhielt er das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, im Januar 1915 folgte das Eiserne Kreuz erster Klasse. Am 18. September 1915 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Ab Oktober 1915 war Rommel unter Theodor Sproesser Kompanieführer beim württembergischen Gebirgsbataillon, das zunächst im Stellungskrieg in den Hochvogesen und 1916 dann an der rumänischen Front kämpfte. Ende September 1917 wurde Rommels Bataillon an die Isonzo-Front verlegt und nahm am Gebirgskrieg teil. Unter Rommels Beteiligung gelang zunächst der Einbruch in die Kolovrat-Stellung und in der Schlacht von Karfreit Ende Oktober 1917 die Erstürmung des Monte Matajur. Mitte November nahm Rommel an der Einnahme von Longarone teil. Für seinen Einsatz erhielt Rommel im Dezember den Orden Pour le Mérite ohne die sonst übliche vorherige Verleihung des Hausordens von Hohenzollern. Vor der Verleihung hatte sich Rommel beschwert, da der Erfolg am Matajur zunächst einem Offizier einer anderen Einheit angerechnet worden war. In seinem 1937 veröffentlichten Buch Infanterie greift an berichtete Rommel ausführlich über seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg.

Im Januar 1918 wurde Rommel Ordonnanzoffizier im württembergischen Generalkommando z. b. V. 64 in Friedrichshafen, wo er am 18. Oktober zum Hauptmann befördert wurde. Nach dem Kriegsende kehrte er gegen Weihnachten 1918 zur 7. Kompanie des Infanterieregiments Nr. 124 nach Weingarten zurück.

Weimarer Republik
Der Versailler Vertrag legte fest, dass die Heeresstärke der Reichswehr hunderttausend Mann nicht übersteigen durfte. Von den Massenentlassungen blieb Rommel verschont: er konnte beim Militär bleiben.

Im März 1919 führte Rommel die württembergische Sicherheitskompanie 32 in Friedrichshafen. Am 25. Juni 1919 wurde er Kompaniechef im Schützen-Regiment "Alt-Württemberg" (1. Württ.) Nr. 25. Am 18. Oktober wurde er auf die neue Weimarer Verfassung vereidigt. 1919 und 1920 befand Rommel sich im Einsatz gegen Aufständische in Lindau, im Münsterland und in Westfalen. 1924 war er im Stab des II. Bataillons des 13. Infanterie-Regiments eingesetzt, von 1925 bis 1929 war er Chef der 4. (MG) Kompanie dieses Regiments.

Von Oktober 1929 bis September 1933 war Rommel Inspektionschef und Lehrer an der Infanterieschule in der Dresdener Albertstadt, der heutigen Offiziersschule des Heeres. Am 1. April 1932 wurde er zum Major ernannt.

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Wie viele andere Mitglieder der Reichswehr nahm auch Rommel die Machtergreifung der Nationalsozialisten positiv auf. Er war der Ansicht, dass es nach den Jahren der politischen Unruhe wieder eine klare Führungspersönlichkeit gebe. Dies galt umso mehr, als Adolf Hitler die Revision des Versailler Vertrags forderte und auch durchsetzte. Die Aufwertung, Vergrösserung und Modernisierung des Militärs durch Hitler stiessen auf die Zustimmung der Soldaten, deren soziales Ansehen nach dem Ersten Weltkrieg ebenso gelitten hatte wie die zentrale Position des Militärs im Staat. Mit Unbehagen reagierten Rommel und andere Offiziere jedoch auf die Rolle, welche die als Konkurrenz empfundene SA unter dem neuen Regime spielte. Die Ausschaltung der SA im Juni 1934 wurde daher auch von Rommel positiv bewertet. Die vom NS-Staat vorangetriebene Aufrüstung der Wehrmacht implizierte bessere Karriereperspektiven für Offiziere.

Rommel begegnete Hitler erstmals Ende September 1934, als dieser das Herbstmanöver der 5. Division auf der Schwäbischen Alb besuchte. Am 1. Oktober 1933 wurde Rommel als Kommandeur des III. Bataillons ("Goslarer Jäger") des 17. Infanterieregiments nach Goslar versetzt, wo er bis Mitte Januar 1935 blieb. Im Jahr 1934 erschien Rommels Buch für die Ausbildung Gefechts-Aufgaben für Zug und Kompanie: Ein Handb. f. d. Offizierunterricht. Dieses Buch wurde bis 1945 in fünf Auflagen mit Überarbeitungen und Titeländerungen gedruckt.

Mitte Oktober 1935 wurde Rommel, der am 1. Januar 1935 zum Oberstleutnant befördert worden war, Lehrgangsleiter an der neuen Kriegsschule in Potsdam, die er im November 1938 wieder verliess. Während dieser Zeit verfasste er sein Buch Infanterie greift an, das bis 1945 in einer Auflage von ungefähr 400'000 Exemplaren erschien. Vom 21. Februar 1937 bis zum 31. August 1938 war Rommel ausserdem im Nebenamt Verbindungsoffizier der Wehrmacht zum Reichsjugendführer. Anfang Oktober 1937 wurde Rommel zum Oberst befördert.

Als (friedensmässiger) Lehrgangsleiter hatte Rommel eine Mobilisierungsverwendung als Kommandeur des Führerbegleitbataillons. Als solcher wurde er erstmals beim Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg im September 1936 eingesetzt, ebenso beim Anschluss Österreichs im März 1938 und kurz danach während des Einmarsches in das Sudetenland im Oktober 1938. In der Folge war Rommel vom 10. November 1938 bis 22. August 1939 kurzzeitig Kommandeur der Kriegsschule in Wiener Neustadt.

Während der Zerschlagung der Rest-Tschechei und beim Einmarsch ins Memelland im März 1939 war Rommel als Kommandeur des Begleitbataillons zugleich auch Kommandant des Führerhauptquartiers.

Polen- und Frankreichfeldzug
Während des Überfalls auf Polen, der den Beginn des Zweiten Weltkriegs darstellte, war Rommel vom 23. August 1939 bis zum 14. Februar 1940 abermals Kommandant des Führerhauptquartiers. Hitler ernannte ihn rückwirkend zum 1. August 1939 zum Generalmajor.

Nach dem Polenfeldzug kam Hitler Rommels Wunsch nach, eine Panzerdivision zu führen, indem er ihn im Februar 1940 in Bad Godesberg zum Kommandeur der 7. Panzer-Division ernannte. Rommel hatte bis dahin zwar keinerlei praktische Erfahrung in der Führung von Panzerverbänden, erwies sich im "Fall Gelb" in Frankreich mit seiner eigenwilligen Vorne-Führung aber als erfolgreich. Die Unvorhersehbarkeit und Geschwindigkeit seiner Operationen irritierten nicht nur seine Gegner, sondern auch das deutsche Oberkommando. Sie brachte seiner Division den Beinamen "Gespensterdivision" ein. Rommels Verband stiess bei Dinant über die Maas vor, durchbrach die verlängerte Maginotlinie und rückte an den La-Bassée-Kanal vor. Am 27. Mai 1940 wurde ihm dafür das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Einsatz in Libyen und Ägypten
Im September 1940 hatte Italien von Italienisch-Libyen aus eine Invasion in das mit Grossbritannien verbündete Königreich Ägypten begonnen. Die britische Gegenoffensive ab Anfang Dezember 1940 liess die italienische 10. Armee zusammenbrechen und führte bis zum 8. Februar 1941 zum vollständigen Verlust der Cyrenaika. Unter diesem Eindruck einigten sich Benito Mussolini und Hitler im Verlauf des Januars auf eine direkte deutsche Unterstützung in Libyen. Diese sollte neben zusätzlichen Luftwaffenverbänden aus einem Panzerkorps mit zwei Divisionen bestehen.

Rommel, der im Januar 1941 zum Generalleutnant befördert worden war, wurde für das Kommando von Hitler persönlich gegen den Widerstand des Oberbefehlshabers des Heeres Walther von Brauchitsch ausgesucht. Am 12. Februar 1941 erreichte Rommel im Rahmen des Unternehmens Sonnenblume Tripolis und wurde mit Wirkung zum 15. Februar zum Befehlshaber der deutschen Truppen in Nordafrika ernannt. Sein Auftrag war, Italien bei der Verteidigung zu unterstützen, einen britischen Vorstoss auf Tripolis zu verhindern und bis zum 20. April einen Plan für die Rückeroberung der Cyrenaika vorzulegen. An sich war das deutsche Afrikakorps dem italienischen Oberbefehlshaber vor Ort unterstellt, doch die deutsche Führung hatte sichergestellt, dass das Korps nur als kompletter Verband eingesetzt werden durfte, was Rommel taktische und operative Freiheiten gab, die er extensiv nutzte. Schon am 3. April 1941 sollte er mit General Italo Gariboldi in Konflikt geraten, als er gegen dessen Willen einen Aufklärungsvorstoss nach Adschdabiya zu einer Gegenoffensive ausbaute. Der italienische Operationsstab drohte mit seinen strategischen Planungen "in das Schlepptau der Initiativen Rommels zu geraten".

Rommel wartete nur die Ankunft der ersten seiner beiden Divisionen ab: Mit den ersten in Afrika eingetroffenen Abteilungen der 5. Leichten Division (mot.), später in die 21. Panzer-Division umgegliedert, rückte Rommel rasch an der Mittelmeerküste entlang nach Osten vor und erreichte am 16. Februar Sirte, während der britische Generalstab davon ausging, es werde "beträchtliche Zeit verstreichen, bevor von Tripolis aus eine ernst zu nehmende Gegenoffensive gestartet werden kann". Das Gebiet von El Agheila, wo die Briten am 8. Februar den Vormarsch ihrer Operation Compass abgebrochen hatten, erreichte Rommel am 22. Februar. Zwei Tage darauf kam es dort zum ersten Gefecht mit einer britischen Einheit, den King’s Dragoon Guards.

Am 20. März 1941 empfing Rommel bei einem Besuch in Deutschland für seinen Einsatz in Frankreich und Libyen aus der Hand Hitlers als zweiter Soldat des Heeres das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Am 24. März gelang ihm bei einem Aufklärungsvorstoss überraschend die Besetzung von El Agheila, obwohl das Oberkommando des Heeres ihn vorher mehrfach angewiesen hatte, auf das Eintreffen der 15. Panzer-Division zu warten. Da die Briten die Enigma-Verschlüsselung entschlüsselt hatten, hörten sie die wiederholten Wartebefehle an Rommel ab und erwarteten keine weiteren Schritte von seiner 5. Leichten Division. Daher gelangen ihm weitere Vorstösse und mit der Unterstützung zweier nach Afrika verlegter italienischer Divisionen bis zum 10. April die Rückeroberung der Cyrenaika bis zur Festung Tobruk sowie die Einschliessung der Stadt. Seine folgenden Angriffe auf Tobruk scheiterten (vgl. Belagerung von Tobruk). Nicht zuletzt die Verlegung britischer Kräfte des Nahost-Kommandos nach Griechenland wegen des Balkanfeldzugs hatte Rommels Erfolg ermöglicht.

Ein weiterer Vormarsch war ohne die Eroberung Tobruks nicht möglich. Ein Versuch dazu wurde von Rommel Anfang Mai nach dem Eintreffen der noch fehlenden 15. Panzerdivision unternommen. Rommel und seinen Truppen gelang es, eine britische Gegenoffensive Mitte Mai und eine weitere grössere Gegenoffensive der Alliierten Mitte Juni (Operation Battleaxe) zurückzuschlagen.

Insgesamt war der deutsche Einsatz in Nordafrika von Nachschubproblemen geprägt. Die Hauptursache dafür war die bevorzugte Versorgung der deutschen Truppen im Krieg gegen die Sowjetunion, der im Juni 1941 mit dem Unternehmen Barbarossa begonnen hatte. Die Nachschublieferungen für die Häfen Tripolis und Benghazi litten stark unter britischen Marine- und Luftangriffen, da die Versorgungsrouten und -termine den Briten durch die Entschlüsselung der Enigma bekannt waren. Zudem wurde die deutsche Eroberung Maltas, des Stützpunktes der Nachschubbehinderung, immer wieder verschoben. Die operativen Einschränkungen, die sich daraus ergaben, nahm Rommel nicht hinreichend zur Kenntnis beziehungsweise bezog sie nicht in die weitere offensive Operationsführung ein.

Im Juli 1941 wurde Rommel zum General der Panzertruppe befördert. Im September wurde er zum Befehlshaber der Panzergruppe Afrika ernannt, welche die gesamten – grösstenteils italienischen – Achsenstreitkräfte in der Cyrenaika umfasste. Einem für den 23. November 1941 geplanten weiteren Angriff Rommels auf Tobruk kam am 18. November die britische Grossoffensive Crusader zuvor. Bis zum 31. Dezember mussten sich Rommels Truppen bis hinter die El-Agheila-Linie zurückziehen.

Am 20. Januar 1942 wurde Rommel als erster Soldat des Heeres mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet. Indem die Panzergruppe Afrika zur Panzerarmee Afrika aufgewertet wurde, war Rommel ab 22. Januar 1942 nun Armee-Oberbefehlshaber. Ende Januar unternahm Rommel die zweite Cyrenaika-Offensive, bei der die britische 1. Panzerdivision überrollt und die 8. Armee bis zum 7. Februar wieder bis Gazala/Bir Hacheim zurückgedrängt wurde. Rommel wurde daraufhin am 1. Februar 1942 zum Generaloberst befördert.

Am 26. Mai begann Rommel die Gazala-Offensive. Während er zeitweise am Rand einer völligen Niederlage stand, gelang es ihm Mitte Juni, die gesamten britischen Panzerkräfte vor Tobruk zu besiegen. Am 21. Juni 1942 eroberte Rommels Armee schliesslich die Stadt. Dafür wurde er am folgenden Tag zum Generalfeldmarschall befördert. Mit 50 Jahren war er zu diesem Zeitpunkt der jüngste Inhaber dieses Ranges in der Wehrmacht.

Im Juli 1942 fand die erste Schlacht von El Alamein statt, die in einer Pattsituation endete. Auf britischer Seite wurde Claude Auchinleck Mitte August durch General Alexander als Oberbefehlshaber Nahost und durch General Bernard Montgomery als Befehlshaber der 8. Armee ersetzt. Ein zweiter Versuch Rommels, die alliierten Stellungen zu durchbrechen, wurde in der Schlacht von Alam Halfa Ende August/Anfang September verhindert. Rommel litt zu diesem Zeitpunkt bereits an Magenbeschwerden, meldete dem OKH am 22. August, dass er krank sei und schlug Generaloberst Heinz Guderian als seinen Nachfolger vor. Zwei Tage später wurde er jedoch in Kenntnis gesetzt, dass zurzeit kein geeigneter Panzergeneral verfügbar sei. Ein Notfallplan sah vor, dass Albert Kesselring das Oberkommando über den afrikanischen Kriegsschauplatz übernehmen sollte, während Walther Nehring die Rolle als Oberbefehlshaber der Panzerarmee und Gustav von Vaerst das Kommando über das Afrikakorps innehaben sollte. Daraufhin antwortete Rommel, dass er sich nun zwar gesund genug fühle, die Operation zu leiten, dass er jedoch anschliessend eine grössere Pause in der Heimat benötige. Der Angriff der Achsenmächte auf Alexandria und dann Kairo war damit gestoppt. Von Ende September bis Ende Oktober hielt Rommel sich aus gesundheitlichen Gründen in Deutschland auf. Seine Vertretung übernahm der General der Panzertruppe Georg Stumme.

Am 23. Oktober begannen die Alliierten unter General Montgomery ihre Gegenoffensive und zwangen Rommel in der zweiten Schlacht von El Alamein zum Rückzug. Trotz erheblicher Verluste wies Hitler Rommel in einem Durchhaltebefehl vom 3. November an, mit allen Mitteln eine Niederlage abzuwenden. Rommel, der nicht mehr an einen Sieg in Nordafrika glaubte, widersetzte sich dem Befehl und zog seine Armee zurück, nachdem die britischen Truppen unter Montgomery die Linien bei El Alamein durchbrochen hatten. Am 8. November 1942 landeten schliesslich britische und amerikanische Streitkräfte im Rahmen der Operation Torch in Französisch-Nordafrika.

Einsatz in Tunesien
Nach dem Rückzug nach Tunesien kam die Front im Westen Tunesiens und im Osten zur libysch-tunesischen Grenze zum Erliegen. Die britische 8. Armee stoppte ihren Vormarsch vor der Mareth-Linie, um ihren Nachschub nachrücken zu lassen. Dieses Zeitfenster nutzte Rommel. Nach seinem Plan sollte die britische 1. Armee durch eine Umfassungsbewegung zwischen der tunesischen Grenze, Constantine und Bône eingekesselt werden. Dies führte zur Schlacht am Kasserinpass. Obwohl diese Schlacht einen taktischen Erfolg bedeutete, wurde das strategische Ziel verfehlt, die in Algerien stehenden alliierten Kräfte zu vernichten und damit den Zweifronten-Krieg zu vermeiden. Diese Schlacht war der letzte Erfolg Rommels in Afrika. Zu Rommels Ungunsten unterblieb ein gemeinsames Achse Oberkommando in Tunesien, was die strategischen Ziele erschwerte, da beide Armeen völlig autonom agierten. Während im Norden die 5. Panzerarmee unter Hans-Jürgen von Arnim vorsichtig und zögerlich agierte, hatte Rommels südliche Armee die Hauptlast des Angriffes zu leisten. Dauerhafte Erinnerung schuf er sich dabei bei der United States Army, da (unter anderem) die amerikanische 1. Panzerdivision bei ihrer ersten Konfrontation in moderner mobiler Kriegsführung trotz quantitativer und qualitativer Überlegenheit eine herbe Niederlage erlitt. Der britische Historiker Paul Kennedy bezeichnet die Niederlage der amerikanischen Landstreitkräfte bei Kasserine als "demütigendste Niederlage" (neben der Schlacht um die Philippinen) im gesamten Krieg. Am 23. Februar 1943 wurde Rommel Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Afrika. Als die Niederlage der deutschen Truppen abzusehen war, verliess Rommel am 6. März Afrika: Der von der deutschen Bevölkerung verehrte Rommel, der vom NS-Regime gezielt als Propagandafigur eingesetzt wurde, sollte nicht mit der Niederlage in Verbindung gebracht werden. Am 11. März verlieh Hitler Rommel für seinen Einsatz in Afrika die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern. Rommel war der erste Soldat des Heeres, der diese exklusive Auszeichnung erhielt. Erst nachdem Mitte Mai 1943 Rommels Nachfolger Generaloberst Hans-Jürgen von Arnim bei Tunis kapituliert hatte, erfuhr die Öffentlichkeit, dass Rommel Afrika bereits im März verlassen und eine weitere Auszeichnung erhalten hatte. Zuvor war es wegen der Befehlsmissachtung Rommels erstmals zu Spannungen zwischen Hitler und Rommel gekommen, die sich erst auflösten, als sich Rommels Einschätzung der nicht mehr abzuwendenden Niederlage in Nordafrika schliesslich bestätigte.

Einsatz in Italien
Rommel war vom 20. Mai bis zum 12. Juli 1943 als Leiter eines nach ihm benannten Arbeitsstabes mit den Vorbereitungen für die deutschen Gegenmassnahmen beim erwarteten Kriegsaustritt Italiens befasst. Als im Juli die Alliierten in der Operation Husky auf Sizilien landeten, wurde ihm am 15. Juli der Oberbefehl über die Heeresgruppe B übertragen. Nach der Absetzung Mussolinis im Juli begann unter Rommels Kommando die Besetzung Italiens. Während er die Truppen in Norditalien anführte, war in Süditalien Albert Kesselring zuständig. Im September landeten alliierte Truppen auf dem italienischen Festland. Daraufhin wurde am 8. September der Waffenstillstand von Cassibile bekanntgegeben.

Am 23. September 1943 gab Rommel die Weisung:

"Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber badogliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht. Wer von diesen gegen den deutschen Soldaten kämpft, hat jedes Anrecht auf Schonung verloren und ist mit der Härte zu behandeln, die dem Gesindel gebührt, das plötzlich seine Waffen gegen seinen Freund wendet. Diese Auffassung muss beschleunigt Allgemeingut aller deutschen Truppen werden".

Entgegen den Bestimmungen des Genfer Abkommens von 1929 wurden rund 1'070'000 entwaffnete italienische Soldaten als "Militärinternierte" deklariert und zur (für Kriegsgefangene zulässigen) Zwangsarbeit in der deutschen Kriegswirtschaft verpflichtet (die Regierung Badoglio erklärte Deutschland erst am 13. Oktober auf Druck der Alliierten den Krieg). Rommels Befehl vom 1. Oktober 1943 hierzu lautete:

"Dieser Krieg ist ein totaler Krieg. Soweit die Männer Italiens nicht mehr die Gelegenheit haben, mit der Waffe für die Freiheit und Ehre ihres Vaterlandes zu kämpfen, haben sie die Pflicht, ihre volle Arbeitskraft in diesem Kampf einzusetzen".

Einsatz am Atlantikwall

Im November 1943 wurde die Heeresgruppe B unter ihrem Oberbefehlshaber Rommel nach Frankreich verlegt. Rommel wurde ausserdem mit der Überwachung der Verteidigungsmassnahmen am Atlantikwall beauftragt. In dieser Funktion war er Hitler direkt unterstellt und baute mit Durchsetzungswillen und Organisationsgeschick die Befestigungen an der Küste aus. Seine taktische Kreativität zeigte sich dabei unter anderem am Einsatz einfacher Hindernisse aus Baumstämmen gegen Landungsboote und Lastensegler. Die Soldaten benannten einzeln eingegrabene Baumstämme als "Rommelspargel".

Anfang Januar 1944 übernahm Rommel das Kommando über alle deutschen Truppen nördlich der Loire. Unterstellt war er dabei dem Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt. Zwischen ihm und Rommel kam es zu Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Frage, wo die alliierte Invasion stattfinden und wie man sie am effektivsten bekämpfen könnte.

Im März 1944 unterzeichnete Rommel wie alle anderen Generalfeldmarschälle eine Loyalitätserklärung gegenüber Hitler, obwohl er diese als unnötig empfand, da seiner Ansicht nach ein einmal gegebenes soldatisches Treuegelöbnis ohnehin dauerhaften Bestand habe. Vom 4. bis zum 6. Juni hielt Rommel sich anlässlich des Geburtstags seiner Frau zu einem Kurzurlaub in Süddeutschland auf. Als die alliierte Invasion am D-Day, dem 6. Juni, doch stattfand, kehrte Rommel an die Front zurück. Sowohl in persönlichen Besprechungen mit Hitler im Juni 1944 als auch in seinem Schreiben "Betrachtungen zur Lage" vom 15. Juli machte Rommel deutlich, dass er einen Sieg der deutschen Truppen für unwahrscheinlich hielt: "Die Truppe kämpft allerorts heldenmütig, jedoch der ungleiche Kampf neigt dem Ende entgegen. Es ist m.E. nötig, die [politischen] Folgerungen aus dieser Lage zu ziehen". Sein Generalstabschef Hans Speidel, der dem Widerstand nahestand, konnte Rommel überzeugen, das Wort "politischen" zu streichen. Am 17. Juli wurde Rommel bei Sainte-Foy-de-Montgommery bei einem Tieffliegerangriff schwer verwundet und in das Luftwaffenlazarett Bernay überführt. Am 1. August trat Rommel in Paris zum letzten Mal bei einer Pressekonferenz auf, um Gerüchte der ausländischen Presse über seinen Tod zu zerstreuen. Rommel musste seinen Oberbefehl über die Heeresgruppe niederlegen und hielt sich anschliessend zur Erholung in seinem Haus in Herrlingen auf.

Rommel und die nationalsozialistische Ideologie
Die Frage nach der Einstellung Rommels zur nationalsozialistischen Ideologie ist schwer zu beantworten und droht von der Darstellung seiner militärischen Karriere und des mit ihm verbundenen Mythos verdeckt zu werden. Zwar war Rommel nie Mitglied der NSDAP, er akzeptierte aber widerspruchslos die Etablierung des nationalsozialistischen Systems und machte in der Wehrmacht Karriere.

In der Literatur wird immer wieder von dem engen Verhältnis zwischen Hitler und Rommel gesprochen. Hitler förderte Rommels Karriere persönlich. Als Kommandant des Führerhauptquartiers befand er sich schon früh in direkter Nähe des Diktators. Beide Männer sollen einander respektiert und sich äusserst gut verstanden haben. Rommel galt allgemein als Hitlers "Lieblingsgeneral". Laut Albert Kesselring übte er auf Hitler einen "fast hypnotischen Einfluss" aus. Goebbels notierte im Oktober 1942 nach einem Gespräch mit Hitler:

"Rommel hat auf ihn [Hitler] einen sehr tiefen Eindruck gemacht. […] Er ist weltanschaulich gefestigt, steht uns Nationalsozialisten nicht nur nahe, sondern ist ein Nationalsozialist […]".

Maurice Philip Remy weist darauf hin, dass Rommel Hitler und das von diesem etablierte Regime bewunderte und ihm widerspruchslos diente. Diese Haltung solle man aber nicht mit einer nationalsozialistischen Überzeugung gleichsetzen, zumal Rommel sich mit der NS-Ideologie wenig beschäftigt zu haben scheine. Die Loyalität Rommels gegenüber Adolf Hitler wird in der Literatur wiederholt betont und Rommel als "überzeugter Anhänger" und "bedingungsloser Gefolgsmann Hitlers" beschrieben. In einem Brief an seine Frau vom 2. September 1939 schwärmte Rommel: "Es ist doch wunderbar, dass wir diesen Mann haben".

Hitler bemühte sich, Rommel durch Gunstbeweise, beispielsweise persönliche Gespräche oder die Teilnahme an wichtigen Besprechungen, an sich zu binden. Rommel dankte es ihm mit Bewunderung und Gehorsam: "Seine [Hitlers] Anerkennung zu finden für mein Tun und Handeln ist das Höchste, was ich mir wünschen kann". An anderer Stelle schrieb er: "Bin viel mit dem F[ührer] zusammen oft bei intimen Besprechungen. Dies Vertrauen ist für mich die grösste Freude, mehr als mein Generalsrang". Teilweise scheint Rommel dabei die Bedeutung seiner Person für Hitler überschätzt zu haben.

Im Rahmen seines Einsatzes in Nordafrika kam es erstmals zu Spannungen zwischen Rommel und Hitler. Rommel, der bisher immer Hitlers militärisches Verständnis bewundert hatte, musste erkennen, dass Hitler seine Lagebeurteilungen nach anderen Kriterien vornahm als er selbst. Während Rommel seine eigenen Einschätzungen nach militärstrategischen Gesichtspunkten vornahm, sah er bei Hitler ideologische Gründe vorherrschen. Ungewöhnlich scharf verurteilte er Hitlers Agieren in Bezug auf Nordafrika: "Mir wurde es klar, dass Adolf Hitler die wahren Verhältnisse nicht sehen wollte und sich gefühlsmässig gegen das wehrte, was sein Verstand ihm sagen musste". Weitere Spannungen gab es, als Rommel nach dem D-Day Mitte 1944 zu der Auffassung gelangte, der Krieg sei nicht mehr zu gewinnen, und Hitler bat, aus dieser Lageeinschätzung Konsequenzen zu ziehen. Er verkannte dabei jedoch den Charakter des von den Nationalsozialisten begonnenen Kriegs (Totaler Krieg).

In der Literatur wird daher immer wieder betont, wie wenig Rommel sich mit der nationalsozialistischen Ideologie auseinandergesetzt und wie unkritisch er sich den politischen Verhältnissen angepasst habe. Rommel wird als "politisch naiv" eingeschätzt, als jemand, der nicht in der Lage oder willens war, "politische Tatbestände differenziert wahrzunehmen". Rommels Selbstverständnis als Soldat beinhaltete auch, sich nicht politisch zu äussern. Weil er Hitler bewunderte und sich als loyalen Soldaten verstand, ignorierte oder übersah er den verbrecherischen Charakter des Regimes. Rommel habe "niemals Hitlers Strategie und Kriegführung begriffen", so Reuth. Diese Einschätzung teilt auch Fraser: "Gleichwohl war er politisch naiv. Hitler beeindruckte ihn besonders, ohne dass er – entweder aus Unwissenheit oder vorsätzlich – dessen verbrecherische Seite zur Kenntnis nahm". Wie zutreffend diese Forschungspositionen sind, verdeutlicht folgende Episode: Rommel soll 1943 Hitler zu bedenken gegeben haben, dass es dem Ansehen Deutschlands im Ausland gut täte, wenn auch ein Jude zum Gauleiter ernannt würde. Hitler reagierte mit den Worten: "Mein lieber Rommel, Sie haben nichts von dem verstanden, was ich will".

Laut dem Militärhistoriker Peter Lieb sei Rommel zwar "Goebbels’ Lieblingsgeneral", aber "kein Nazi" gewesen. Auch die britischen und amerikanischen Gegner hätten ihm Fairness bescheinigt. Zudem seien Rommel weder Kriegsverbrechen noch antisemitische Äusserungen nachzuweisen. Er habe verbrecherische und unsinnige Befehle Hitlers mehrfach "nicht befolgt" und scheine auch Dotationen des Diktators "nicht angenommen" zu haben. Nach der Landung der Alliierten in der Normandie hielt Rommel den Krieg für verloren und forderte "im Gegensatz zu vielen anderen Generalen" Hitler zu "politischen Konsequenzen" auf, was aus Sicht des Diktators ein "ungeheuerlicher Vorgang" war. Briefe, in denen er sich als treuer Gefolgsmann Hitlers ausgab, müssten "quellenkritisch" gelesen werden, da Rommel eine Überwachung durch die Gestapo oder den SD befürchten musste.

Rommel und der Widerstand
Rommels Name wurde und wird immer wieder mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht. Insgesamt wird heute aber betont, dass Rommel nicht an den Planungen und der Ausführung des Attentats beteiligt war. Keine Einigkeit herrscht jedoch hinsichtlich der Frage, ob er vom geplanten Attentat wenigstens Kenntnis hatte oder zumindest ahnte, dass die Ermordung Hitlers geplant war.

In einem Brief an seine Frau vom 24. Juli 1944 äusserte sich Rommel ablehnend gegenüber dem gescheiterten Attentat: "Zu meinem Unfall hat mich das Attentat auf den Führer besonders stark erschüttert. Man kann Gott danken, dass es so gut abgegangen ist". Ob er damit seine wahre Meinung darlegte oder ob er sich mit diesem Schriftstück lediglich entlasten wollte, bleibt unklar.

Generalleutnant Hans Speidel war im April 1944 als Stabschef zu der von Rommel geleiteten Heeresgruppe B gekommen. Sein inoffizieller Auftrag war es, Rommel für den Widerstand zu gewinnen. Anfang Juli 1944 wurde ausserdem Caesar von Hofacker zu Rommel geschickt, um zu klären, ob dieser sich dem Widerstand anschliessen wollte. Hofacker, der den Umsturzversuch in Paris leitete, wurde nach dessen Misslingen verhaftet und gefoltert. Noch Anfang September besuchte Speidel Rommel in Herrlingen und berichtete ihm, dass er von seinem Posten als Stabschef der Heeresgruppe B abgesetzt worden war. Rommels Name wurde in den Unterlagen des ehemaligen Leipziger Oberbürgermeisters Carl Friedrich Goerdeler gefunden, der ebenfalls dem Widerstand angehörte. Insgesamt gibt es aber weiterhin Unklarheiten darüber, wie genau die belastenden Aussagen zustande kamen. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es in der Wehrmachtführung durchaus ein Interesse daran gab, Rommel auszuschalten. "Wegen seiner steilen Karriere, seiner Popularität und vor allem aufgrund der Gunst, die er bei Hitler genoss, hatte er viele Feinde in der Wehrmacht".

Nach dem Krieg veröffentlichte Speidel, der im Gegensatz zu von Hofacker zwar ebenfalls verhaftet, doch nicht zum Tode verurteilt worden war, das Buch 1944. Ein Beitrag zu Rommels und des Reiches Schicksal, in dem er Rommel als Mitglied des Widerstandes darstellte. Rommels Witwe veröffentlichte 1950 Aufzeichnungen ihres Mannes und erklärte ausserdem, dass das soldatische Selbstverständnis ihres Mannes ihm jegliche politischen Aktivitäten versagt hätte: "Er war während seiner ganzen Laufbahn immer Soldat und nie Politiker". Er sei daher nicht am Widerstand beteiligt gewesen.

Helmut Krausnick rechnete Rommel bereits 1953, als das Attentat vom 20. Juli 1944 in Deutschland noch umstritten war, zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Über das Militärische hinaus habe Rommel "auch die Untergrabung des Rechtsstaates durch die Methoden der Gestapo, die Masslosigkeit Hitlers im menschlichen, militärischen und staatlichen Bereich, seine Unterdrückung der Kirchen und seine Ausrottungspolitik gegen die Juden, seine Verachtung jeder echten Humanität überhaupt" beunruhigt. Er habe Hitlers Verhaftung und Verurteilung geplant, um den Diktator durch eine Ermordung nicht zum Märtyrer zu machen, was auch andere Widerstandskämpfer unterstützten. Von den anderen Personen des 20. Juli 1944 unterscheide den Generalfeldmarschall "keine abweichende innere Haltung, sondern allenfalls der Zeitpunkt seiner Erkenntnis und die Frage der Form einer Ausschaltung Hitlers als Person". Rommels Wandlung zum Gegner Hitlers besitze "umso grösseren Wert in sich selbst und für eine noch vielfach irrende Nachwelt".

Wistrich schrieb 1983, dass Rommel mit den Verschwörern "sympathisierte […] ohne sich selbst aktiv an der Verschwörung zu beteiligen", insgesamt aber "unentschieden" geblieben sei. Er ging aber davon aus, dass Rommel sehr wohl über die Pläne informiert gewesen war. Reuth urteilte 1987 hingegen, dass Rommel weder von den Attentatsplänen wusste noch für den Widerstand gewonnen wurde. Er meinte, Rommel habe zwar im Hinblick auf die Einschätzung der militärischen Situation mit den Vertretern des Widerstandes, Speidel und von Hofacker, übereingestimmt, und ebenso wie diese Konsequenzen aus dem für die Wehrmacht ungünstigen Kriegsverlauf gefordert. "Was sie mit ‚Konsequenzen‘ meinten, unterschied sich jedoch grundlegend". An eine Ermordung Hitlers habe Rommel dabei nie gedacht.

Auch in seinem Aufsatz von 1997 stellt Reuth fest, dass "weder Hofacker noch Speidel […] Rommel also definitiv für den Widerstand gewonnen" hatten. David Fraser unterstützt die Einschätzung Reuths: "Rommel hatte stets die Vorstellung einer Tötung Hitlers abgelehnt, obwohl er inzwischen von der Notwendigkeit, den Krieg zu beenden, überzeugt war und erkannte, dass dies die Ausschaltung Hitlers einschloss". Sowohl Fraser wie auch Reuth sehen Rommel deshalb nicht als Mitwisser der Verschwörung gegen Hitler, erkennen aber an, dass es ganz offensichtlich das Bestreben der Verschwörer war, den populären Rommel für sich zu gewinnen. Ab Mitte der 1990er Jahre verschwanden dann die Einträge zu Rommel aus den Werken 20. Juli. Porträts des Widerstandes (herausgegeben von Rudolf Lill) sowie aus dem Lexikon des Widerstandes 1933–1945 (herausgegeben von Peter Steinbach).

Im September 1944 gab General Heinrich Eberbach gegenüber anderen deutschen Offizieren an, Rommel habe sich ihm gegenüber in einem Vieraugengespräch dafür ausgesprochen, Hitler und seine nächste Umgebung umzubringen. Eberbach befand sich im September 1944 in britischer Kriegsgefangenschaft in Trent Park; die dort abgehörten Gespräche wurden 2005 erstmals veröffentlicht. Nach Kriegsende wiederholte Eberbach seine Angaben von 1944. Der Historiker Sönke Neitzel sieht in den Äusserungen Eberbachs keinen Beweis, aber ein Indiz für die von Maurice Philip Remy vertretene These, Rommel sei durch Cäsar von Hofacker über das geplante Attentat auf Hitler informiert worden. Daneben verwies Peter Lieb 2013 auf Generalleutnant Alfred Gause, der handschriftlich in seinem Exemplar von Desmond Youngs Biographie "Rommel: Der Wüstenfuchs" (1950) festgehalten hatte, dass es nicht stimme, dass Rommel nicht von Walküre gewusst habe. Im Jahr 2010 wiederholte der Militärgeschichtsforscher Jörg Echternkamp in einem populärwissenschaftlichen Werk die bekannte These, dass sich Rommels Rolle als Widerstandskämpfer 1944 darin erschöpfte, dass er zwar "mit den westlichen Alliierten einen Separatfrieden schliessen wollte, aber doch nur, um den Krieg im Osten gegen die Rote Armee zu gewinnen".

Laut dem Militärhistoriker Gerd R. Ueberschär wird "ein steter, schon ab 1941, spätestens jedoch ab Ende November 1942 in Verbindung mit der verlangten Räumung Nordafrikas zu beobachtender Wandel" Rommels vom Anhänger zum Gegner Hitlers "in der Forschung weitgehend akzeptiert", wie auch die jüngsten Biographien von Sir David Fraser und Maurice P. Remy zeigten. Seit 1943 habe Rommel eine "distanzierte und kritische Einstellung zu Hitler und dessen Kriegführung" gehabt und "durch v. Hofacker von den Überlegungen zum Staatsstreich" gewusst.

Nach Auswertung neuer Quellen kam der Militärhistoriker Peter Lieb 2018 zu dem Ergebnis, dass Rommel "nicht nur von dem Attentat wusste, sondern sich sogar auf die Seite des Widerstands gestellt hatte. Sicher ist aber auch, dass er an den operativen Planungen des Anschlags nicht beteiligt war. Und unklar bleibt nach wie vor, welche Rolle Rommel konkret während und nach dem Attentat zugedacht war". Lieb beruft sich dabei auf Aussagen von General Heinrich Eberbach, Rommel habe ihn während der Schlacht um die Normandie konkret auf den Sturz der NS-Diktatur angesprochen; auf Unterlagen des Pariser Verschwörers Rudolf Hartmann, der Rommel als "Träger des Widerstands" in Frankreich bezeichnete; und auf Aktennotizen von Hitlers Privatsekretär Martin Bormann, dass Rommel über den Staatsstreich "durchaus im Bilde gewesen" sei und "der neuen Regierung nach gelungenem Attentat zur Verfügung stehen" würde. "Dass Hitler dem populären Rommel die Option auf eine Gerichtsverhandlung eröffnete, ohne dass belastendes Material vorhanden gewesen wäre, erscheint wenig plausibel", so Lieb. Allein dies spreche für eine Unterstützung des Widerstands durch Rommel, der mehr als nur ein Sympathisant der Verschwörer gewesen sei. Er habe das Attentat unterstützt.

Suizid und Staatsbegräbnis
Nach einem Anruf vom Vortag trafen am 14. Oktober 1944 General Wilhelm Burgdorf, Hitlers Chefadjutant, sowie General Ernst Maisel, Chef für Ehrenangelegenheiten im Heerespersonalamt, in Herrlingen ein. Sie legten Rommel das vermeintlich belastende Material vor und stellten ihn vor die Alternative, sich selbst zu töten oder sich vor dem Volksgerichtshof zu verantworten. Zwar war Rommel überzeugt, dass es sich dabei um eine Intrige handeln müsse, dennoch widersetzte er sich nicht. Im Auto fuhr er mit den beiden Generälen bis hinter die Ortsgrenze von Herrlingen, wo er sich mit Hilfe der von den Generälen mitgebrachten Zyankaliampulle das Leben nahm. Rommels Ehefrau wurde anschliessend mitgeteilt, ihrem Ehemann sei während der Fahrt unwohl geworden, und er sei schliesslich an den Folgen einer Embolie verstorben.

Diese Umstände hinderten das Regime jedoch nicht daran, die tatsächlichen Umstände seines Todes zu verschleiern, um auch noch den toten Rommel propagandistisch wirkungsvoll für sich zu nutzen. In der Öffentlichkeit wurde der Tod als Folge der Verletzungen dargestellt, die Rommel sich am 17. Juli bei einem Tieffliegerangriff der Alliierten in der Normandie zugezogen hätte. Offiziell sprach man jedoch von einem Autounfall, da der Nimbus des unbesiegbaren Soldaten nicht getrübt werden sollte. Die Trauerfeier für Rommel fand am 18. Oktober im Rahmen eines Staatsaktes im Rathaus in Ulm statt. Dass der Staatsakt dort stattfand, hatte Rommel den Angaben seines Sohnes zufolge noch ausgehandelt. Die Trauerrede hielt Gerd von Rundstedt. Anschliessend wurde sein Leichnam eingeäschert, die Urne später auf dem Friedhof der St. Andreaskirche in Herrlingen, Gemeinde Blaustein, beigesetzt.

Der Tagesbefehl Hitlers ehrte Rommel mit den Worten: "Sein Name ist im gegenwärtigen Schicksalskampf des deutschen Volkes der Begriff für hervorragende Tapferkeit und unerschrockenes Draufgängertum".

Auch Gerd von Rundstedt (s. o.) war in seiner Trauerrede bemüht, den "Mythos Rommel" aufrechtzuerhalten: "im Namen des Führers, der uns als oberster Befehlshaber an diese Stätte gerufen hat, um Abschied zu nehmen von seinem im Felde der Ehre gebliebenen Generalfeldmarschall […] Das deutsche Volk hat in einer geradezu einmaligen Art den Generalfeldmarschall Rommel geliebt und gefeiert. Mit Rommel ist jener grosse soldatische Führer von uns gegangen, wie sie einem Volke nur selten gegeben werden. Tief verwurzelt im deutschen Soldatentum gab er sein Leben ausschliesslich der Arbeit und dem Kampf für Führer und Reich". Die Rede endete mit den Worten: "sein Herz gehörte dem Führer".

Propagandafigur Rommel
Rommel wurde gezielt zu einer nationalsozialistischen Propagandafigur aufgebaut. Er war ausserordentlich ehrgeizig und sah sich als Angehöriger des Militärs auch zu einer absoluten Loyalität gegenüber den Machthabern verpflichtet, auf die er vereidigt worden war (siehe Führereid). Hinzu kamen sein militärisches Talent und sein besonderer, oftmals erfolgreicher Führungsstil. Von der Propaganda um seine Person versprach er sich eine Förderung seiner Karriere. Hilfreich war dabei das sich schon früh entwickelnde enge Verhältnis zum Diktator Hitler, als dessen "Lieblingsgeneral" er galt. Hitler, der ansonsten strengstens die Veröffentlichung von Bildmaterial seiner Heerführer und Generäle kontrollierte, machte bei Rommel eine Ausnahme. Propagandaminister Goebbels hatte freie Hand, Rommel gezielt zu einer Propagandafigur aufzubauen, die all die Tugenden verkörperte, die nach NS-Verständnis einen idealen Soldaten ausmachten. Es gab auch ganz konkrete personelle Verbindungen zwischen dem Propagandaministerium und Rommels Stab, beispielsweise in Gestalt von Karl Hanke und Alfred-Ingemar Berndt. Goebbels schenkte Rommel eine Kamera, mit der er seine Einsätze in Frankreich und Afrika festhalten konnte. Rommel nutzte begeistert diese Möglichkeit der Selbstinszenierung, deren Resultate auch teilweise in Deutschland veröffentlicht wurden. Goebbels war daher wohl nicht zu Unrecht der Meinung, "dass kaum ein General so von der Wichtigkeit des Propagandaeinsatzes durchdrungen sei wie Rommel. Auch die Tatsache zeuge dafür, wie sehr er ein geistig aufgeschlossener, moderner General im besten Sinne des Wortes sei". Wie wichtig Rommel für die Propaganda war, zeigte sich auch daran, dass sein erfolgreicher Durchbruch der Maginot-Linie beim Westfeldzug in Frankreich (Juni 1940) noch im selben Jahr unter dem Titel "Sieg im Westen" vom Propagandaministerium an Originalschauplätzen verfilmt wurde. Der Film hatte im Februar 1941 im Berliner Ufa-Palast am Zoo Premiere.

Der Einsatz in Nordafrika führte dazu, dass Rommels Charakter und Fähigkeiten nun auch von alliierter Seite überhöht wurden. Die Anerkennung, die ihm beispielsweise der britische Premier Churchill zollte, war allerdings weniger dem Talent Rommels geschuldet als dem Versuch, der eigenen Öffentlichkeit zu erklären, warum die britischen Truppen in Nordafrika trotz militärischer Übermacht noch nicht gesiegt hatten. Tatsächlich, so der britische Historiker Antony Beevor, habe Rommel bei seinen militärischen Entscheidungen von Beginn an eher leichtsinnig gehandelt und letztlich nur deswegen grosse Reputation erlangt, weil die alliierten Propagandisten ein Interesse daran gehabt hätten, ihn zum fähigen Heerführer zu stilisieren, um das unfähige Handeln der britischen militärischen Führung in Nordafrika zu verschleiern.

Um das Interesse der ausländischen Presse zu befriedigen, veröffentlichte das Propagandaministerium sogar einen Lebenslauf Rommels, der nationalsozialistischen Idealen angepasst war. Rommel wurde darin eine Herkunft aus der Arbeiterschicht angedichtet und die Mitgliedschaft in SA und NSDAP unterstellt. Erfolglos protestierte Rommel gegen diese Verfälschungen.

Wie populär Rommel auch im Ausland war, zeigte eine Gallup-Umfrage aus dem Jahre 1942: Nach Hitler war Rommel der weltweit bekannteste Deutsche. Goebbels notierte dazu im Februar 1942 in seinem Tagebuch: "Rommel ist weiterhin das erklärte Lieblingsobjekt selbst der feindlichen Nachrichtendienste".

Um Schaden von der sorgfältig inszenierten Propagandafigur Rommel abzuwenden, wurde Rommel vor der absehbaren Niederlage aus Nordafrika abberufen. Rommels anschliessende Versetzung an den Atlantikwall sollte der Bevölkerung die gleiche Hoffnung und den gleichen Durchhaltewillen vermitteln wie schon in Bezug auf Nordafrika. Die Verletzung, die er am 17. Juli 1944 bei einem alliierten Tieffliegerangriff erlitt, passte dabei nicht in das Bild eines unbesiegbaren und ehrenvollen deutschen Soldaten und wurde daher als Folge eines Autounfalls dargestellt. Spekulationen der ausländischen Presse, Rommel sei dabei ums Leben gekommen, wurde mit einer Pressekonferenz in Paris am 1. August 1944 begegnet, auf der sich Rommel zum letzten Mal der Presse stellte.

Nachwirkungen
Das öffentliche Bild Rommels ist auch weiterhin stark vom "Mythos Rommel" geprägt. Seine Person wird dabei weniger kritisch gesehen als andere Vertreter der Wehrmacht, obwohl er in der Zeit des Nationalsozialismus den Höhepunkt seiner Karriere erreichte und ein ambivalentes Verhältnis zum Widerstand hatte. Mit ihm verbinden sich immer noch Vorstellungen von einem ehrenvollen und "ritterlichen" Kampf, von einer "sauberen Wehrmacht". Dabei steht vor allem sein Einsatz in Nordafrika im Vordergrund. Die Tatsache, dass dieser Kriegsschauplatz weit entfernt von den Deportationen und Vernichtungslagern im Osten war, machte es leichter, das Bild eines unbefleckten Soldaten aufrechtzuerhalten. Die Ehrenhaftigkeit seines Einsatzes in Nordafrika wurde auch von seiner Ehefrau betont, welche 1950 die Kriegsaufzeichnungen ihres Mannes unter dem Titel Krieg ohne Hass herausbrachte.

Das immer wieder thematisierte Verhältnis Rommels zum Widerstand trägt seinen Teil dazu bei, Rommel in positivem Licht erscheinen zu lassen. Welch grosse Anerkennung und Aufmerksamkeit Rommel nach 1945 auch im Ausland erfuhr, zeigt sich daran, dass die ersten Biografien Rommels von Engländern veröffentlicht wurden, beispielsweise von Desmond Young, der in Nordafrika selbst gegen Rommel gekämpft hatte. Insgesamt verwundert es daher nicht, dass sich nach dem Krieg Gruppen wie der "Verband Deutsches Afrika-Korps e.V". sowie das "Rommel Sozialwerk e.V". gegründet haben.

Ehrungen
Die Bundeswehr ehrte ihn 1961 mit der Benennung der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf und 1965 mit der Rommel-Kaserne in Dornstadt bei Ulm. Die Rommel-Kaserne in Osterode am Harz wurde inzwischen geschlossen. Die Bundesmarine taufte 1969 einen Zerstörer der Lütjens-Klasse auf den Namen Rommel. Den Taufakt nahm seine Witwe vor. Das Schiff wurde 1998 ausser Dienst gestellt.

Zahlreiche Strassen deutscher Städte, vor allem in Baden-Württemberg, sind nach ihm benannt, beispielsweise in seinem letzten Wohnort Blaustein-Herrlingen die Erwin-Rommel-Steige, früher Wippinger Steige, an der sein damaliges Wohnhaus liegt. In Erlangen ist ein Studentenwohnheim nach der daran angrenzenden Erwin-Rommel-Strasse benannt.

Am 12. November 1961 wurde auf dem Zanger Berg in Heidenheim ein Denkmal zu Ehren Rommels aufgestellt. Festredner war Hans Filbinger. Zum 50. Jahrestag seiner Einweihung liess die Stadtverwaltung im November 2011 auf Vorschlag von Oberbürgermeister Bernhard Ilg (CDU) eine Hinweistafel anbringen. Sie enthält den Satz "Tapferkeit und Heldenmut, Schuld und Verbrechen liegen im Krieg eng zusammen", den Peter Steinbach, Geschichtsprofessor an der Universität Mannheim und wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, als "betulichen Text, der Angst hat, sich mit der Komplexität der Person auseinanderzusetzen", kritisierte: Bei Erwin Rommel von "Heldenmut" zu sprechen, sei völlig verfehlt.

Generalfeldmarschall Georg von Küchler

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092_55/Georg von Küchler (August 1943)

Georg von Küchler (* 30. Mai 1881 auf Schloss Philippsruhe bei Hanau; † 25. Mai 1968 in Garmisch-Partenkirchen) war ein deutscher Generalfeldmarschall und während des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber von Armeen und Heeresgruppen sowie Ehrenritter des Johanniterordens.

Er wurde im April 1949 in Nürnberg im OKW-Prozess wegen Kriegsverbrechen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt und 1953 vorzeitig entlassen.

Seine Eltern waren der Grossherzoglich hessische Oberst, Flügeladjutant und Hofmarschall Karl von Küchler (1831–1922) und dessen Ehefrau Marie, geborene von Scholten (1851–1924), eine Tochter des preussischen Generalleutnants Wilhelm von Scholten (1797–1868). Er heiratete 1921 in Darmstadt Elisabeth von Enckevort (1888–1966), eine Tochter des preussischen Generalmajors Eduard von Enckevort (1845–1924). Aus der Ehe ging der Sohn Dieter (1926–1951) sowie die Tochter Sybille (* 1929) hervor, die den Diplomaten Rudolf Hahn heiratete.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Nach dem Abitur am Ludwig-Georg-Gymnasium in Darmstadt trat Küchler im Jahr 1900 in das 1. Grossherzoglich Hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 25 der Preussischen Armee ein. 1901 wurde er zum Leutnant befördert und nach einem mehrjährigen Dienst an der Militär-Reitschule in Hannover avancierte er 1910 zum Oberleutnant. Nach dem Besuch der Kriegsakademie, wurde Küchler Anfang 1914 in den Grossen Generalstab nach Berlin versetzt.

Im Ersten Weltkrieg wurde Küchler als Batteriechef verwendet und zum Hauptmann befördert. Später wurde er in den Generalstab versetzt und zum Kriegsende hin als Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 206. Infanterie-Division sowie der 9. Reserve-Division eingesetzt. Küchler erhielt u. a. beide Klassen des Eisernen Kreuzes sowie das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.

Weimarer Republik
Nachdem der Krieg im Westen zu Ende gegangen war, wurde Küchler Generalstabsoffizier der Brigade "Kurland" und nahm in dieser Funktion an den aufkommenden Kämpfen im Baltikum teil.

In der Reichswehr wurde Küchler zum I. Armeekorps versetzt. Nach anschliessender kurzer Tätigkeit in der Heeresausbildungsabteilung des Reichswehrministeriums im Jahr 1920 folgten für Küchler verschiedene Verwendungen im Bereich der Ausbildung bis in die 1930er Jahre hinein. In dieser Zeit wurde er 1923 zum Major, 1929 zum Oberstleutnant und schliesslich 1931 zum Oberst befördert.

Am 1. Oktober 1932 wurde Küchler zum Artillerieführer I in Ostpreussen ernannt.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Nach der Beförderung zum Generalmajor am 1. April 1934 wurde er im Jahr darauf zum Inspekteur der Kriegsschulen ernannt. Am 1. Dezember 1935 (inzwischen war aus der Reichswehr die Wehrmacht geworden) wurde er zum Generalleutnant befördert.

Bevor er am 1. April 1937 als General der Artillerie zum Kommandierenden General des I. Armeekorps ernannt wurde, war Küchler ein halbes Jahr lang stellvertretender Präsident des Reichskriegsgerichts. Das I. Armeekorps hatte seinen Sitz in Königsberg.

Im März 1939 betraten deutsche Soldaten unter Küchlers Befehl erstmals nach Ende des Ersten Weltkriegs das Memelland, nachdem dieses im Rahmen eines Deutsch-Litauischen Staatsvertrags an das Deutsche Reich gefallen war.

Zweiter Weltkrieg
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Küchler Oberbefehlshaber der 3. Armee. Für die erfolgreiche Führung seiner Truppen erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Nachdem Küchler für den am 22. September 1939 vor Warschau gefallenen ehemaligen Oberbefehlshaber des Heeres, Werner Freiherr von Fritsch, eine Trauerfeier angeordnet und bei dieser Gelegenheit kritische Worte zu den Umständen, unter denen Fritsch seinen damaligen Posten verloren hatte, geäussert hatte, wurde er umgehend seines Amtes enthoben. Auf Intervention Walther von Brauchitschs wurde er jedoch bald darauf mit dem Kommando über die 18. Armee betraut.

Im Westfeldzug besetzten Küchlers Truppen die Niederlande; am 19. Juli 1940 wurde er zum Generaloberst befördert. Küchler, der über die Verbrechen gegen die Menschlichkeit im besetzten Polen genauestens unterrichtet war, schrieb am 20. August 1940 im Kriegstagebuch:

"Ich betone die Notwendigkeit, dafür Sorge zu tragen, dass sich alle Soldaten der Armee, besonders die Offiziere, jeder Kritik an dem im Generalgouvernement durchgeführten Kampf mit der Bevölkerung, z. B. der Behandlung der polnischen Minderheiten, der Juden und kirchlicher Angelegenheiten, enthalten. Die völkische Endlösung dieses Volkskampfes, der an der Ostgrenze seit Jahrhunderten tobt, verlangt besonders strenge Massnahmen".

Am 22. Juni 1941 sagte er in seinem Stab, der eben begonnene Feldzug sei nicht die blosse Fortsetzung eines Kampfes zwischen Germanentum und Slawentum; vielmehr stünde nun der Kampf zwischen zwei Weltanschauungen, dem Nationalismus [sic] und dem Bolschewismus, bevor.

Auch im Krieg gegen die Sowjetunion 1941–1945 befehligte Küchler die 18. Armee, die im Verband der Heeresgruppe Nord eingesetzt war. Nach dem Rücktritt von Generalfeldmarschall Ritter von Leeb als Oberbefehlshaber bekam Küchler am 17. Januar 1942 das Kommando über die Heeresgruppe Nord und übernahm damit die Verantwortung für die Belagerung von Leningrad.

Den Kommissarbefehl begrüsste Küchler ausdrücklich:

"Wenn bekannt wird, dass wir die politischen Kommissare und G.P.U.-Leute sofort vor ein Feldgericht stellen u. aburteilen, so ist zu hoffen, dass sich die russ. Truppe u. die Bevölkerung selbst von dieser Knechtschaft befreien. Wir wollen das Mittel jedenfalls anwenden. Es spart uns deutsches Blut u. wir kommen schnell voran".

Am 26. Dezember 1941 stellte oder unterstützte Küchler einen Antrag des XXVIII. Armeekorps, wegen Seuchengefahr etwa 230 Patientinnen einer Anstalt im ehemaligen Kloster Makarevskaja Pustin durch Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD töten zu lassen. Im Nürnberger Generalsprozess bestritt er dies und sprach von einem Irrtum. Im ähnlichen Makarevskaja-Fall, bei dem etwa 1'200 Patienten (Irre) einer grossen psychiatrischen Anstalt im November 1941 zur Tötung an die Einsatzgruppen übergeben wurden, ergaben spätere Forschungen seine Mitverantwortung.

Am 30. Juni 1942 erfolgte Küchlers Ernennung zum Generalfeldmarschall. Am 21. August 1943 erhielt er das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Nach etwas mehr als zwei Jahren auf dem Posten des Oberbefehlshabers der Heeresgruppe Nord wurde er (nach einer Meinungsverschiedenheit mit Hitler) am 29. Januar 1944 von Hitler seines Kommandos enthoben und von Walter Model abgelöst. Um diese Zeit gelangen der Roten Armee Fortschritte an der Leningrader Front (Leningrad-Nowgoroder Operation).

Bis Kriegsende wurde Küchler nicht mehr eingesetzt.

Nachkriegszeit
Küchler gehörte 1946 und 1947 der Operational History (German) Section der Historical Division der US Army an. In seiner Weisung vom 7. März 1947 für die in seinem Bereich des Lagers Garmisch zu schreibenden Erfahrungsberichte und Abhandlungen sollte als Grundsatz gelten, dass die Darstellung historischer Wahrheit mit dem Lob auf das eigene Heer zu verbinden sei:

"Es werden die deutschen Taten vom deutschen Standpunkt gesehen, festgelegt und dadurch unseren Truppen ein Denkmal gesetzt […] Die Leistungen unserer Truppen sind gebührend zu würdigen und herauszustellen. Die Wahrheit darf hierdurch natürlich nicht missachtet werden".

Die Mitarbeit dort schützte ihn jedoch nicht wie erhofft vor Strafverfolgung. Als Angeklagter im Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht wurde Küchler am 14. April 1949 zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Haftzeit wurde auf 12 Jahre herabgesetzt; 1953 wurde Küchler aus dem Kriegsverbrechergefängnis Landsberg entlassen.

Generalfeldmarschall Erich von Lewinski genannt von Manstein

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092_56/Erich von Manstein, 1942

Fritz Erich von Lewinski genannt von Manstein (* 24. November 1887 in Berlin; † 10. Juni 1973 in Irschenhausen) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1942 Generalfeldmarschall) und während des Zweiten Weltkrieges Armee- und Heeresgruppenoberbefehlshaber. Im August 1945 wurde er von den Briten zunächst als Kriegsgefangener behandelt, dann inhaftiert und 1949 als Kriegsverbrecher verurteilt. Nach seiner Haftentlassung 1953 wurde er als einziger ehemaliger Feldmarschall bis 1960 inoffizieller Berater der Bundesregierung zur neuen Aufstellung eines Heeres (ab 1956 Bundeswehr).

Fritz-Erich von Lewinski wurde als zehntes Kind des Obersten und späteren Generals der Artillerie Eduard von Lewinski und seiner Frau Helene in eine alte preussische Soldatenfamilie hineingeboren. Schon bei der Taufe wurde er seinem Onkel, dem Major und späteren General Georg von Manstein, und dessen Frau Hedwig übergeben, deren Ehe selbst kinderlos geblieben war. Seine Adoptivmutter war die jüngere Schwester seiner Mutter. Er wuchs zusammen mit seiner ebenfalls adoptierten Schwester Martha auf. Sechzehn direkte Vorfahren der eigenen Lewinski-Linie und der von Mansteins waren Generäle in preussisch-deutschen oder zaristisch-russischen Diensten gewesen. Mansteins ehemaliger Ordonnanzoffizier Alexander Stahlberg schreibt in seinen Memoiren, sein Chef habe ihm gegenüber während des Krieges die Abstammung von einem "Ur-Ur-Ahnherrn Lewi" behauptet, was wiederum der Manstein-Biograph Oliver von Wrochem in seiner Dissertation als Spekulation Stahlbergs über "keine ernstgemeinte Äusserung" des Generals bezeichnet. Im Übrigen gebe es keine Belege für eine "jüdische Herkunft des Namens".

Manstein besuchte von 1894 bis 1899 in Strassburg das Lyzeum, ein katholisches Gymnasium. Im Alter von 13 bis 19 Jahren besuchte er zuerst die Kadettenanstalt Plön und später die Preussische Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin. Im Juni 1905 war Manstein Leibpage bei der Heirat des Kronprinzen Wilhelm mit Cecilie von Mecklenburg-Schwerin.

Am 10. Juni 1920 heiratete Manstein in Lorzendorf (Kreis Namslau) Jutta Sibylle von Loesch (1900–1966). Sie hatten drei gemeinsame Kinder: Gisela (1921–2013), Gero (* 1922; gefallen am 29. Oktober 1942 als Leutnant an der Ostfront) und Rüdiger (* 1929).

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Im Jahr 1906 trat Manstein als Fähnrich in das 3. Garde-Regiment zu Fuss der preussischen Armee ein und wurde dort 1907 zum Leutnant befördert. In den Jahren 1913/14 besuchte er die Kriegsakademie in Berlin.

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges war Manstein Oberleutnant und wurde Adjutant im 2. Garde-Reserve-Regiment. Nach schwerer Verwundung im November 1914 und Rückkehr in den Dienst wurde Manstein 1915 Hauptmann und als Ordonnanz- sowie Generalstabsoffizier in der Armeeabteilung Gallwitz eingesetzt. Anschliessend fand er Verwendung bei der 1. Armee, und ab Herbst 1917 war er Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 4. Kavallerie-Division, die an der Ostfront in Estland eingesetzt war. Im Mai 1918 wurde er, ebenfalls als Ia, zur 213. Infanterie-Division an die Westfront versetzt.

Weimarer Republik
Manstein wurde nach dem Krieg in die Reichswehr übernommen und war zunächst beim Grenzschutz-Oberkommando Süd und danach im Stab des Gruppenkommandos II mit Sitz in Kassel eingesetzt.

Am 1. Oktober 1921 wurde Manstein Kompaniechef im 5. (Preussisches) Infanterie-Regiment in Angermünde, am 1. Oktober 1923 wiederum Stabsoffizier, zunächst beim Wehrkreiskommando II, dann beim Wehrkreiskommando IV zur Führergehilfenausbildung. Ab Herbst 1927, als Generalstabsoffizier beim Infanterieführer IV in Magdeburg, wurde er zum Major befördert. Ende September 1929 avancierte Manstein zum Leiter der Gruppe I in der Abteilung T 1 im Truppenamt, wo er am 1. April 1931 zum Oberstleutnant befördert wurde. Im Oktober 1932 wurde er zum Kommandeur des Jägerbataillons des 4. (Preussisches) Infanterie-Regiments in Kolberg ernannt.

Beginn der Zeit des Nationalsozialismus
Am 1. Oktober 1933 wurde Manstein Oberst, anschliessend am 1. Februar 1934 Chef des Stabes des Wehrkreises II und am 1. Juli 1935 Chef der Operationsabteilung im Generalstab des Heeres. In dieser Funktion verfasste er eine Denkschrift über die Schaffung einer Begleitartillerie auf Selbstfahrlafetten zur Infanterieunterstützung, aus welcher schliesslich die Sturmartillerie entstehen sollte. Am 1. Oktober 1936 wurde er unter gleichzeitiger Ernennung zum Generalmajor Oberquartiermeister I., somit Vertreter von Generalstabschef Beck und traditionell als dessen designierter Nachfolger vorgesehen.

Im Verlauf der Blomberg-Fritsch-Krise versetzte man Manstein am 4. Februar 1938 jedoch überraschend auf den Posten des Kommandeurs der 18. Infanterie-Division in Liegnitz (Schlesien). Im März war er noch im Auftrag des Oberkommandos der Wehrmacht an der Vorbereitung des Einmarsches deutscher Truppen in Österreich und der Eingliederung des österreichischen Heeres in die Wehrmacht beteiligt. In der Folge des Münchener Abkommens führte Manstein die 18. Infanterie-Division in das Sudetenland.

Zweiter Weltkrieg
1939/40 Polenfeldzug und Strategieplan für den Westfeldzug
1939 nahm Manstein im Rang eines Generalleutnants als Chef des Generalstabs der Heeresgruppe Süd am Polenfeldzug teil. Anschliessend erarbeitete er einen alternativen Angriffsplan für den Westfeldzug, der später als Sichelschnittplan bezeichnet wurde. Für den Einmarsch in Frankreich hatte das Oberkommando des Heeres (OKH) zunächst eine Operation geplant, die dem schon im Ersten Weltkrieg gescheiterten Schlieffen-Plan ähnelte und einen massiven Vorstoss durch Flandern vorsah. Es bestand die Gefahr, dass sich daraus ein ähnlich langwieriger Stellungskrieg wie nach 1914 entwickeln würde. Da die Wehrmacht aber wegen der knappen Ressourcen des Reichs eine schnelle strategische Entscheidung herbeiführen musste, setzte Mansteins Sichelschnittplan darauf, die deutschen Panzerverbände bei der Heeresgruppe A (ex Heeresgruppe Süd) zu konzentrieren. Sie sollte durch die Ardennen in die Flanke des nach Belgien und Holland vorrückenden Gegners stossen und ihn dort einkesseln. Auch dieser Plan barg enorme Risiken. Er setzte voraus, dass die französischen und englischen Truppen nach Belgien vorrückten. Und da der deutsche Vormarsch, auf den nur von wenigen Strassen durchzogenen Ardennen in weit auseinander gezogenen Kolonnen erfolgen musste, hätte er bei einer frühzeitigen Entdeckung leicht gestoppt und die Wehrmachtsverbände vernichtet werden können.

Manstein machte wegen seines Operationsplans laufend Eingaben beim OKH. General Franz Halder, der Generalstabschef des Heeres befürchtete, dass Generaloberst Rundstedt als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A den riskanten Sichelschnittplan befürworten würde. Daher entfernte er dessen Urheber Manstein, der als unbequemer Mahner gesehen wurde, aus seiner Position und gab ihm am 27. Januar 1940 überraschend das Kommando über ein neu aufzustellendes XXXVIII. Armeekorps. Mittlerweile war jedoch der ursprüngliche Feldzugsplan des OKH durch den Mechelen-Zwischenfall den Alliierten bekannt geworden. Ein Kurierflugzeug mit den Plänen hatte sich im Nebel verirrt und war versehentlich in Belgien gelandet. Hitler, der von Mansteins Vorschlag erfahren hatte, befahl dem OKH daher nun, den Sichelschnittplan auszuarbeiten und zur Grundlage des Frankreichfeldzugs zu machen. An diesem Feldzug nahm Manstein mit seinem Armeekorps teil. Er selbst wurde am 1. Juni 1940 zum General der Infanterie befördert und erhielt einen Monat später das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

1941/42 Ostfeldzug bis zur Eroberung der Krim
Im Februar 1941 wurde ihm das Kommando über das ebenfalls neu aufzustellende LVI. Armeekorps (mot.) – so hiessen die späteren Panzerkorps bis 1942 – übertragen. In dieser Funktion hatte er keine Kenntnis und keinen Einfluss auf die strategische Planung des Krieges gegen die Sowjetunion. Wenige Tage vor Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion erhielt er den sogenannten Kommissarbefehl, der besagte, dass alle in Gefangenschaft geratenen Politkommissare der Roten Armee sofort erschossen werden sollten. Entgegen den Behauptungen Mansteins in seinen Memoiren, "dass er den Kommissarbefehl abgelehnt habe und ihn seine Truppen nicht ausführten", kam es schon in den ersten Wochen nach Beginn des Unternehmens Barbarossa zu "Erschiessungen von Kommissaren sowie antijüdischen Aktionen in Mansteins Befehlsbereich".

Am 22. Juni 1941 um 3 Uhr begann das LVI. AK den Überfall auf die Sowjetunion, legte innerhalb von fünf Tagen 240 Kilometer zurück und eroberte am 27. Juni Dünaburg. Am 12. September wurde Manstein der Befehl über die 11. Armee übertragen, deren Oberbefehlshaber Generaloberst Eugen von Schobert am selben Tag gefallen war. Wenig später schlug er im Zusammenwirken mit der 1. Panzerarmee Ewald von Kleists und rumänischen Verbänden in der Schlacht am Asowschen Meer die Truppen der sowjetischen Südfront. Am rechten Flügel der Heeresgruppe Süd stehend, war das nächste Ziel die Eroberung der Krim. Nach dem Durchbruch der 11. Armee über die Landenge von Perekop wurden im November 1941 in schneller Folge Simferopol, Feodossija und Kertsch besetzt und ein erster Versuch zur Eroberung Sewastopols unternommen; nach dessen Fehlschlag begann die achtmonatige Belagerung der Festung. In Simferopol kam es im Dezember 1941 zum berüchtigten Simferopol-Massaker, bei dem annähernd 14'000 Juden innerhalb von wenigen Tagen von SS-Leuten und Angehörigen der Feldgendarmerie Abteilung 683 ermordet wurden. Am 20. November 1941 hatte von Manstein einen Befehl erlassen, der dem von Hitler gelobten Reichenau-Befehl entsprach. Von Manstein bekräftigte darin, dass das "jüdisch-bolschewistische System" ein für alle Mal ausgerottet werden müsse, und forderte von seiner Truppe, alle Erhebungen, die meist von Juden angezettelt würden, im Keime zu ersticken.

Im Mai 1942 gelang dem zuvor zum Generaloberst beförderten Manstein im Unternehmen Trappenjagd die Vernichtung der auf der Halbinsel Kertsch im Osten der Krim gelandeten sowjetischen Truppen und wenig später in einem zweiten, diesmal erfolgreichen Anlauf die Eroberung Sewastopols. Hierfür wurde er am 1. Juli zum Generalfeldmarschall ernannt. Im Spätsommer bereitete sich die 11. Armee auf ihren Einsatz zur Eroberung des belagerten Leningrads im geplanten Unternehmen Nordlicht vor und begann mit der Verlegung dorthin.

1942/43 Stalingrad und Rückeroberung Charkows
Im Zuge der Einkesselung der 6. Armee in Stalingrad wurde Manstein jedoch am 24. November zum Oberbefehlshaber der neugebildeten Heeresgruppe Don ernannt. Zu dieser gehörte neben der 6. Armee und zwei rumänischen Armeen die 4. Panzerarmee unter Generaloberst Hermann Hoth. Letztere sollte sich mit zunächst nur zwei Panzerdivisionen aus südwestlicher Richtung bis etwa 30 Kilometer an den Kessel herankämpfen (Unternehmen Wintergewitter) und sich dort mit ausgebrochenen Teilen der 6. Armee (Unternehmen "Donnerschlag") vereinigen, womit ein Korridor hergestellt gewesen wäre. Der Befehl zu "Donnerschlag" wurde aber trotz heftigsten Drängens Mansteins durch Hitler verweigert, die Truppen Hoths blieben 48 Kilometer vor dem Kessel stecken. Damit war das Schicksal der 6. Armee besiegelt. Manstein hatte daraufhin allerdings massgeblichen Anteil daran, den vollständigen Zusammenbruch des gesamten deutschen Südflügels der Ostfront als Folge der Stalingrader Niederlage zu verhindern.

Im März 1943 gelang es ihm, im Rahmen einer Gegenoffensive (Schlacht um Charkow) Charkow und Belgorod zurückzuerobern, wofür er das Eichenlaub zum Ritterkreuz erhielt. Während und nach der Stalingrad-Krise zeichnete sich ein immer stärker werdendes Zerwürfnis zwischen Manstein und Hitler ab.

1943 Schlacht bei Kursk
Im Sommer 1943 bereitete sich die Wehrmacht im Frontbogen bei Kursk auf eine grosse Offensive vor, bei der durch Mansteins Heeresgruppe Süd und die Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Günther von Kluge die Feindtruppen abgeschnitten und anschliessend vernichtet werden sollten (Unternehmen Zitadelle). Mansteins Forderung nach einem frühzeitigen Beginn der eigenen Angriffsoperationen – gegen die noch geschwächten sowjetischen Verbände – wurde von Hitler abgelehnt, da der erst die Auffrischung der eigenen Divisionen sowie insbesondere die Zuführung neuer Waffen (Panther und Elefant) abwarten wollte. Den dadurch entstandenen Zeitgewinn nutzten die sowjetischen Verteidiger zum Aufbau tiefgestaffelter Verteidigungssysteme und ebenfalls zur Auffüllung ihrer angeschlagenen Einheiten mit dem Ergebnis, dass die letzte Grossoffensive der Wehrmacht im Osten scheiterte.

1943/44 Bemühungen des Widerstands um Manstein
Am Widerstand in der Wehrmacht und an einem Staatsstreich gegen Hitler wollte sich Manstein aber nicht beteiligen. In die verschiedenen Attentatspläne vor dem Attentat vom 20. Juli 1944 war Manstein nicht eingebunden. Er wusste aber von einem 1944 geplanten Attentat. Stauffenberg hatte ihn im Vieraugengespräch Ende Januar 1943 auf seine Unzufriedenheit mit Hitlers Entscheidungen hingewiesen, die wahren Ziele aber nicht deutlich zum Ausdruck gebracht. Manstein empfahl, den Major an die Front zu versetzen, "damit er den Kopf freibekomme", was ihm später als Versuch der Verhaftung von Stauffenbergs ausgelegt wurde. Es gab zwei weitere Gespräche Mansteins mit Widerstandskämpfern: Am 8. August 1943, vor Beginn des Unternehmens Zitadelle, traf der Oberst i. G. Rudolf-Christoph von Gersdorff Manstein. Unter vier Augen sprach Gersdorff die unbefriedigende Situation mit der obersten Führung der Wehrmacht an. Manstein stimmte zu. Gersdorff schlug im weiteren vor, dass alle Feldmarschälle gemeinsam Hitler die Pistole auf die Brust setzen sollten, worauf Manstein laut Gersdorff mit der umstrittenen Stellungnahme erwidert haben soll: "Preussische Feldmarschälle meutern nicht". Der Wahrheitsgehalt dieses Zitats Gersdorffs wird von Historikern bezweifelt, zumal Gersdorff es erst 1977 und damit nach Mansteins Tod bekannt machte. Schliesslich trug Gersdorff im Auftrag des Oberbefehlshabers Mitte, Günther von Kluge, Manstein vor, Kluge würde sich im Falle eines Staatsstreichs Manstein unterstellen und ihn bitten, die Position eines Chefs des Generalstabs der Wehrmacht, d. h. der vereinigten Generalstäbe aller drei Waffengattungen, zu übernehmen. Manstein lehnte das Vorhaben ab und berief sich dabei auf drei Punkte: Erstens sei politisch der Zeitpunkt für einen Frieden falsch, da der Feind von einem Sieg überzeugt sei. Zweitens besässe Hitler aus wehrmachts-interner Sicht als einzige Person das Vertrauen der Bevölkerung und der Soldaten. Drittens sei die Situation bezüglich des militärischen Oberbefehls zweifellos unbefriedigend und sei das Ergebnis von Irrtümern im Kommando. Man könne aber völlig ausschliessen, dass Hitler den Oberbefehl abgäbe. Der Antrag auf einen Wechsel Mansteins auf das Oberkommando könne nicht von ihm selbst kommen, da feindliche Propaganda ihn bereits dafür propagiert habe. Am 25. November 1943 war der mit Manstein befreundete Oberst Henning von Tresckow bei Manstein und versuchte vergeblich, ihn im Zuge der Schilderung der drohenden Kriegsniederlage zum Handeln gegen Hitler zu bewegen. Dies war der letzte Versuch der Oppositionellen, Manstein als Leitfigur für ihre Vorhaben zu gewinnen.

1943/44 Konflikt mit Hitler und Entlassung
Nach dem Scheitern des Unternehmens Zitadelle befehligte Manstein weiterhin die Heeresgruppe Süd während deren weiterer Abwehrkämpfe. Im Februar 1944 kam es zu einer eigenmächtigen Entscheidung Mansteins ohne Befehl Hitlers, als er sechs Divisionen mit 56'000 Soldaten aus einer drohenden Umklammerung zurück befahl. Am 21. März 1944 wurde die 1. Panzerarmee in der Kesselschlacht von Kamenez-Podolski annähernd eingeschlossen. Manstein stellte Hitler am 24. März Mittag ein Ultimatum, dass er den Rückzug der Armee anordnen würde, wenn er von Hitler bis 15 Uhr nichts Gegenteiliges höre. Hitlers Antwort traf um 16 Uhr ein und enthielt das Einverständnis, dass die 1. Panzerarmee ihre Kommunikationswege nach Westen aufrechterhalten solle bei gleichzeitigem Halten der gegenwärtigen Frontposition. Manstein erkannte, dass dies einer Wiederholung der Situation von Stalingrad gleichkam, das Verbot des Ausbruchs aus dem Kessel mit ähnlichen Konsequenzen. Eine vergleichbare Katastrophe stand neuerlich bevor. Manstein wurde von Hitler für den nächsten Tag zur Besprechung nach Lemberg beordert. Die 1. Panzerarmee erhielt noch am 24. März abends von Manstein Weisung, sich auf einen Rückzug vorzubereiten.

Unter Androhung des Rücktritts von seinem Kommando gegenüber Hitlers Chefadjutanten Rudolf Schmundt rang Manstein am 25. März Hitler dieses Mal in langwierigen, wiederholten Lagebesprechungen in Lemberg unter gegenseitigen Vorwürfen die Zustimmung zum Rückzug ab und befahl den riskanten Ausbruch der Armee nach Westen, der von der sowjetischen Armeeführung wegen einer noch verbliebenen Lücke nach Süden erwartet worden war. Der Gegner wurde durch Mansteins Plan getäuscht. Die von drei Seiten eingeschlossene Armee mit 220'000 Soldaten konnte mit diesem überraschenden Manöver gerettet werden.

Die Befreiung der 1. Panzerarmee war die letzte Grossoperation Mansteins. Sie führte auf Grund seiner wiederholten militärischen Hartnäckigkeit zur unüberbrückbaren Zuspitzung des Verhältnisses mit Hitler. Das Umfeld der sich anbahnenden Entlassung Mansteins wurde auch mitbestimmt durch einen Leitartikel Battle of Russia des amerikanischen Magazins Time vom 10. Januar 1944, auf dessen Titelseite Manstein zudem abgebildet war. In dem Artikel wurde Mansteins Können auf ungewöhnliche Art dargestellt und neben seiner Loyalität zum Staatschef die Loyalität gegenüber dem Staat herausgestellt. Der Artikel vertrat die These: "Sogar für den geradlinigen Manstein mag ein solcher Verrat annehmbar sein. Denn ebenso wie andere Junker ist er erzogen worden im Geiste der immer gültigen Lektionen des Junkers Carl von Clausewitz". Damit wurde die Frage des Verrats am Staatsoberhaupt im Interesse eines legitimen Kampfes gegen einen Tyrannen aufgeworfen und Manstein durch diese kaum versteckte Aufforderung mit dem militärischen Widerstand in Verbindung gebracht. Am 27. Januar 1944 provozierte Manstein Hitler bei einem Treffen der Feldmarschälle in der Wolfsschanze mit dem Einwurf, dass unbedingter Gehorsam und Loyalität Hitler gegenüber selbstverständlich sei. Hitler fasste das als Affront und "als hinterlistigen Anwurf auf". Am 30. März 1944 entliess Hitler Manstein als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd und versetzte ihn in die Führerreserve, verlieh ihm aber gleichzeitig die Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes. Eine weitere Verwendung, etwa auf dem Posten des Generalstabschefs des Heeres, erfolgte nicht mehr, obwohl er hierfür geeignet gewesen wäre. Als Alternative erwartete er auch vergeblich die Wiedereinberufung als Oberbefehlshaber West. Manstein wurde am 26. August 1945 von britischen Truppen interniert.

1946 Zeuge im Nürnberger Prozess
In der Gefängniszelle des Nürnberger Justizpalastes arbeitete von Manstein zusammen mit Walther von Brauchitsch, Franz Halder, Walter Warlimont und Siegfried Westphal intensiv an der Verteidigung des als verbrecherische Organisationen angeklagten OKW und des Heeresgeneralstabs. Dazu wurde er am 10. August 1946 als Zeuge im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher gehört. Der Gerichtshof beurteilte Generalstab und OKW formal nicht als "Gruppe" oder "Organisation" im Sinne der Gerichtssatzung und verordnete die Durchführung von Einzelverfahren. Von Manstein wurde 1948 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und unmittelbar anschliessend in Haft genommen.

Generalfeldmarschall Friedrich Paulus

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092_57/Friedrich Paulus (1942)

Friedrich Wilhelm Ernst Paulus (* 23. September 1890 in Guxhagen; † 1. Februar 1957 in Dresden-Oberloschwitz) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1943 Generalfeldmarschall) und im Zweiten Weltkrieg Oberbefehlshaber der 6. Armee während der Schlacht von Stalingrad. Am 4. Juli 1912 heiratete er die rumänische Adelstochter Constance Elena Rosetti-Solescu (* 25. Januar 1889; † 9. November 1949), die Schwester eines Regimentskameraden. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Olga, verh. von Kutzschenbach (1914–2003) und die 1918 geborenen Zwillinge Friedrich († 29. Februar 1944 in der Schlacht von Anzio) und Ernst Alexander († 1970). Paulus war von 1943 bis 1953 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und lebte danach bis zu seinem Tod in der DDR.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Nach dem Umzug seiner Familie nach Kassel schloss Friedrich Paulus seine Schulzeit am dortigen Wilhelmsgymnasium 1909 mit dem Abitur ab. Sein ursprüngliches Ziel, Offizier bei der Kaiserlichen Marine zu werden, konnte er nicht verwirklichen, da er abgelehnt wurde. Stattdessen schrieb er sich an der Philipps-Universität Marburg für Rechtswissenschaften ein. Nach einem Semester verliess er die Universität wieder und trat am 18. Februar 1910 als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment "Markgraf Ludwig Wilhelm" (3. Badisches) Nr. 111 der Preussischen Armee in Rastatt ein, wo er am 18. Oktober 1910 zum Fähnrich ernannt wurde. Nach dem Besuch der Kriegsschule Engers avancierte er am 15. August 1911 zum Leutnant. Vor Kriegsausbruch war er Adjutant des III. Bataillons.

Nach dem Kriegsausbruch und der Verlegung seines Regiments nach Freiburg im Breisgau am 6. August 1914 wurde Paulus’ Verband wenig später an der Westfront eingesetzt. Das Rastatter Regiment wurde zunächst zur Unterstützung der deutschen Truppen eingesetzt, die unmittelbar nach Kriegsbeginn durch das französische Heer auf das rechte Rheinufer zurückgeworfen worden waren. Das französische Heer hatte durch die Vogesen Mülhausen erreicht und einen grossen Teil des Oberelsass besetzt. Die Kämpfe um die Rückeroberung des Sundgaus begannen am 9. August, am 13. wurde Belfort von deutschen Truppen besetzt. Zwei Tage später wurde Paulus’ Regiment nach Strassburg transportiert. Bei Saarburg erlitt der Verband bei wiederholten Sturmangriffen gegen französische Stellungen schwere Verluste, konnte aber anschliessend die Verfolgung der flüchtenden Feinde aufnehmen. Mitte September wurde das Regiment in die Region zwischen Nancy und Metz (Festung Metz) verlegt, von wo aus es zwischen den französischen Festungen Toul und Verdun nach Westen vorstossen sollte. Dieser Plan war erfolglos, der Durchbruch misslang. Am 8. Oktober, mittlerweile im Einsatz zwischen Lille und Arras, meldete sich Paulus krank.

Nach einer längeren Krankheit war er erst 1915 wieder voll verwendungsfähig und wurde als Ordonnanzoffizier beim Stab des Pommerschen Jäger-Bataillons "Fürst Bismarck" Nr. 2 eingesetzt. Im Mai 1916 stieg Paulus, mittlerweile zum Oberleutnant befördert, zum Bataillonsadjutanten auf. Das Bataillon wurde, im Rahmen des im Mai 1915 neu aufgestellten Deutschen Alpenkorps, zunächst in Südtirol zur Verteidigung der Grenze Österreich-Ungarns gegen Italien eingesetzt. Im Oktober 1915 kam es nach Serbien und stand im Februar 1916 in Mazedonien. Wenig später kämpfte Paulus mit seinem Bataillon an der Westfront, zunächst (März 1916 bis Mai 1916) in der Champagne, dann (bis August 1916) in der Schlacht um Verdun. Es folgten bis zum September 1916 die Teilnahme an den Kämpfen in den Argonnen und danach der Krieg in Rumänien. Dort blieb er, von einem kurzen Einsatz in den Vogesen im Mai/Juli 1917 abgesehen, bis zum September 1917. Ab September 1917 Teilnehmer der Isonzoschlachten, wurde er im Frühjahr 1918 mit seinem Regiment nach Flandern verlegt. Er war unterdessen als für das Nachrichtenwesen zuständiger Dritter Generalstabsoffizier seines Korps zum Hauptmann befördert und im Mai 1918 in den Stab des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 48 versetzt worden, das aber nicht mehr zum Einsatz kam. Deshalb nahm er an den Kämpfen in Flandern nicht mehr teil.

Die Kriegszeit hatte auf Paulus in mehrfacher Hinsicht weitreichende Auswirkungen. Bei den Einsätzen auf dem Balkan erkrankte er an der Amöbenruhr, von der er sich zeitlebens nicht mehr völlig erholte. Abgesehen von der Beförderung zum Hauptmann wurde er mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Er hatte aber auch die Eskalation der Kriegsführung erlebt. In den Materialschlachten wurde der Gegner gnadenlos bekämpft, die örtliche Bevölkerung durch Geiselnahmen und Erschiessungen eingeschüchtert. Paulus erlebte in Serbien den Bewegungskrieg und in der "Hölle von Verdun" den Stellungskrieg. Prägend wurde für ihn auch ein starkes elitäres Bewusstsein, da er einer bereits gut motorisierten Eliteeinheit angehörte. Sein Vorbild fand er in dem erzkonservativen Truppenführer Franz Ritter von Epp.

Weimarer Republik
Nach dem Krieg war Paulus seit Ende 1918 Angehöriger eines Freikorps beim Grenzschutz Ost, das gegen die Besetzung schlesischer Gebiete durch polnische Truppen kämpfte. Er war in der Organisation des Freiwilligeneinsatzes sowie der Werbung und Rekrutierung eingesetzt, nahm aber selbst nicht an Kämpfen teil.

1919 wurde Paulus in die vorläufige Reichswehr übernommen, 1920 wurde er in Konstanz Regimentsadjutant des 14. Infanterie-Regiments. Paulus sympathisierte mit den Kapp-Putschisten, konnte aber seine Karriere dennoch zielstrebig fortsetzen. In Stuttgart war er von 1924 bis 1927 als Generalstabsoffizier eingesetzt und erhielt anschliessend als Kompaniechef im 13. Infanterie-Regiment sein erstes Truppenkommando. Hier lernte er Erwin Rommel kennen, der Kompaniechef der Maschinengewehrkompanie war. Danach war Paulus bis 1931 als Taktiklehrer in der Division tätig und machte in dieser Funktion durch seine operative Begabung auf sich aufmerksam. Im Februar 1931 wurde er an die Kriegsschule nach Berlin versetzt und zum Major ernannt. Als Lehrgangsleiter für Taktik und Kriegsgeschichte wurde er in der Offiziersausbildung eingesetzt.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
In der Reichshauptstadt wurde Paulus Zeuge der Machtübernahme der NSDAP; seine persönliche Einstellung dazu ist nicht dokumentiert. Das Offizierkorps blieb eher indifferent, da die Reichswehr an der unmittelbaren Verfolgung der politischen Gegner und den Strassenschlachten nicht beteiligt war. Lediglich die Ambitionen der SA wurden mit Beunruhigung gesehen.

Seit April 1934 Kommandeur der Kraftfahr-Abteilung 3 in Wünsdorf nahe Berlin, wurde Paulus mit seinem Verband während des Röhm-Putsches zwar in Alarmbereitschaft versetzt, kam jedoch nicht zum Einsatz.

Die 1935 wieder eingeführte Wehrpflicht sowie die verstärkte Aufrüstung fanden ausdrücklich Zustimmung im Offizierskorps. Paulus profitierte von dieser Entwicklung, als er 1935 zum Oberst befördert und im September zum Chef des Generalstabs der Kraftfahrtruppen ernannt wurde. Hier war er massgeblich am Aufbau und an der Entwicklung der deutschen Panzerwaffe beteiligt. Nach vier Jahren wurde er Anfang 1939 Chef des Generalstabs des XVI. Armeekorps unter dem Kommando Generalleutnant Erich Hoepners, gleichzeitig wurde er zum Generalmajor ernannt.

Zweiter Weltkrieg
Die Mobilmachung 1939 brachte Paulus den Posten als Chef des Generalstabs der 10. Armee in Leipzig, die nach dem Sieg über Polen am 10. Oktober 1939 in 6. Armee umbenannt wurde. Als rechte Hand von Oberbefehlshaber Generaloberst Walter von Reichenau nahm Paulus am Polenfeldzug und am Westfeldzug teil, dabei gelangte er im Osten über Częstochowa, Kielce, Radom und Lublin bis nach Warschau, im Westen über Lüttich, Flandern, Lille, die Somme, Oise, Aisne, Marne und Seine nach Orléans und über die Loire bis an die Kanalküste in der Normandie, die sein Verband Ende Juli 1940 erreichte.

Oberquartiermeister I
Am 3. September 1940 trat Paulus seine neue Stelle als Oberquartiermeister I beim Generalstab des Heeres an. Damit war er Stellvertreter des Generalstabschefs Franz Halder. Über ihm standen nur noch Halder und der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch. Erste Operationsstudien für den von Hitler befohlenen Angriff auf die Sowjetunion, das Unternehmen Barbarossa, lagen bereits vor. Paulus übernahm nun die detaillierte Ausarbeitung des operativen Vorgehens. Er erkannte die Notwendigkeit eines schnellen Vorstosses mit dem Ziel der Eroberung Moskaus. Um die Sowjetunion schnell niederwerfen zu können, war es nach seinem Dafürhalten notwendig, mit schnellen Panzerverbänden vorzustossen und zu verhindern, dass kampfkräftige feindliche Verbände in die Weite des Raumes abziehen konnten. Für den Fall, dass dieser Plan nicht gelang, sah der Generalstab einen lange dauernden Krieg voraus, dem die Wehrmacht schwerlich gewachsen wäre. Am 18. Dezember 1940 gab Hitler den Befehl, den Angriff in die Wege zu leiten.

Im ersten Halbjahr 1941 war Paulus an den Verhandlungen mit den deutschen Verbündeten für den Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt. Sein Anteil an der Vorbereitung des Unternehmens Barbarossa beschränkte sich somit nicht nur auf Planspiele, sondern schloss auch die aktive Abstimmung mit den anderen Partnern der Achse mit ein.

Am 24. April wurde Paulus nach Nordafrika gesandt, wo seit Februar 1941 das Deutsche Afrikakorps das italienische Heer im Kampf gegen die britische Armee unterstützte. Der Generalstab stand den Offensiven Rommels skeptisch gegenüber, da sie nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt waren und für den Angriff auf die Sowjetunion benötigte Ressourcen banden. Ein verzögerter Angriffstermin aber würde es unmöglich machen, die Kampfhandlungen vor Beginn der herbstlichen Schlammperiode siegreich zu Ende zu führen. In Nordafrika nahm Paulus am 30. April und 1. Mai am erfolglosen Angriff auf die Festung Tobruk teil, flog dann am 8. Mai nach Rom zu einem Treffen mit dem Duce Benito Mussolini. Von Rom aus kehrte er zwei Tage später nach Berlin zurück.

Am 22. Juni 1941 begann der Feldzug gegen die Sowjetunion. Nach anfänglichen grossen Erfolgen der deutschen Truppen geriet der Vormarsch in den Monaten August und September 1941 durch das Hereinbrechen der Schlammperiode ins Stocken. Hitler, der von Anfang an statt einer militärischen Kriegführung eine wirtschaftliche angestrebt hatte, entschloss sich nun gegen den heftigen Widerstand des Generalstabes des Heeres, das Hauptgewicht auf die Besetzung des wichtigen Industriegebietes im Donezbecken zu legen und gleichzeitig an dem Ziel der Eroberung Leningrads festzuhalten. Diese gelang nicht, es kam zur jahrelangen Leningrader Blockade. Damit fehlten der Wehrmacht die Kräfte für die Einnahme Moskaus und ein langwieriger Krieg stand bevor. In dieser Situation schickte Generalstabschef Halder Paulus zur Beurteilung der örtlichen Lage an verschiedene Frontabschnitte. Im August 1941 besuchte er auch die 6. Armee und ihren Oberbefehlshaber von Reichenau im Abschnitt der Heeresgruppe Süd. Hier erkrankte er wieder an der Amöbenruhr, zudem machte er auf Beobachter einen müden und überarbeiteten Eindruck. Obwohl Paulus wusste, dass Hitler sich mit der Einschätzung, die Sowjetunion würde schnell zusammenbrechen, geirrt hatte, versah er seinen Dienst dennoch pflichtschuldig und gestand Hitler die Entscheidungsgewalt zu.

Verwendung an der Ostfront
Am 3. Dezember 1941 wurde von Reichenau als Oberbefehlshaber der 6. Armee in Personalunion zum Chef der Heeresgruppe Süd ernannt. Er erinnerte sich seines fähigen Untergebenen aus den Jahren 1939 und 1940 und wünschte sich diesen zu seiner Entlastung auf den Posten des Oberbefehlshabers der 6. Armee. Tatsächlich wurde Paulus am 5. Januar 1942 unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Panzertruppe dazu ernannt. Er trat seinen Posten allerdings erst an, nachdem von Reichenau an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben war. Seine Nominierung stiess auch auf Kritik: So waren nicht nur dienstältere Offiziere übergangen worden, Paulus verfügte auch kaum über Kommandoerfahrung. Er hatte noch nicht einmal eine Division oder ein Armeekorps geführt und bekam nun Befehlsgewalt über eine ganze Armee mit rund 300'000 Mann. Am 20. Januar trat Paulus seinen neuen Posten bei der im Grossraum Charkow liegenden Armee an.

Mit ihm änderte sich der Führungsstil des AOK 6: Während von Reichenau ein "Troupier" und "Haudegen" gewesen war, führte Paulus seine Armee eher vom Schreibtisch aus. Erste Amtshandlung von Paulus als neuer Oberbefehlshaber war die Aufhebung des Befehls von Reichenaus, der deutsche Soldat habe "Träger einer unerbittlichen völkischen Idee" zu sein. Gleichzeitig sprach er sich gegen die weitere Befolgung des Kommissarbefehls in seinem Armeebereich aus. Er konnte sich mit dieser Haltung freilich nicht bei allen seinen Kommandeuren durchsetzen.

Die Angriffe der Roten Armee seit Mitte Januar 1942 nördlich Charkow konnte die 6. Armee abweisen. Am 12. Mai begann ein massiver sowjetischer Grossangriff in dieser Region. Paulus bewährte sich und ging siegreich aus der Zweiten Schlacht um Charkow hervor. 20'000 Mann eigenen Verlusten standen allein knapp 240'000 gefangengenommene Rotarmisten gegenüber. Damit verstummten alle seine Kritiker, die ihm vorgeworfen hatten, keine Ahnung von der Führung einer Armee zu haben. Nach diesem militärischen Desaster waren die Sowjets soweit geschwächt, dass das Unternehmen Blau beginnen konnte, der Angriff auf das Donezbecken und den Kaukasus. Am 23. Juli bekam die 6. Armee den Auftrag, anders als ursprünglich geplant, allein gegen Stalingrad zu marschieren, während die Masse der deutschen Truppenverbände weiter im Südabschnitt gegen den Kaukasus vorstiess. Paulus warnte noch am 29. Juli den persönlichen Adjutanten Hitlers, dass die 6. Armee zu schwach sei, um allein die Stadt einzunehmen. Er erhielt aber nur die Zusage einer gewissen Unterstützung durch Verbände der am Südflügel der 6. Armee stehenden 4. Panzerarmee.

Stalingrad
Bereits in der Frühphase des Angriffs auf Stalingrad bestanden erhebliche Nachschubschwierigkeiten, unter anderem auch wegen der Sprunghaftigkeit Hitlers, so dass sich die Überquerung des Don durch die 6. Armee um acht Tage verzögerte. Dies gab der Roten Armee genug Zeit, um sich nach Stalingrad zurückzuziehen und die Stadt zu befestigen. Während bis dahin noch eine gewisse Schwerpunktbildung geherrscht hatte, wonach drei Armeen nach Süden vorstossen sollten, bekam die 4. Panzerarmee nun ebenfalls Befehl, südlich Stalingrads vorzustossen. Hier wurden erste operative Fehler begangen: Statt die Stadt nach zu besetzenden Schwerpunkten einzuteilen, wurden Angriffsstreifen festgelegt. Nach einigen Tagen Kampf war die Lage schon zu verfahren und zu gefährlich für eine Umgruppierung. So blieb die Fährstelle an der Wolga, der wichtigste Punkt in der Stadt, in sowjetischer Hand. Dennoch war am 4. September das strategische Ziel erreicht: Die Wolga war als Verkehrsweg unterbrochen. Der in den folgenden Wochen erbittert geführte Kampf um die vollständige Einnahme der Stadt wäre nicht notwendig gewesen, wurde aber auf beiden Seiten zu einer "Frage der Ehre". Den deutschen Truppen gelang es trotz ständig neuer Angriffe jedoch nicht, Stalingrad komplett unter Kontrolle zu bringen.

Paulus, der am 26. August das Ritterkreuz erhalten hatte, erbat angesichts der schlechten Versorgung seiner Soldaten die Einstellung der Kämpfe und den Rückzug aus der Stadt: Hunger, Kälte und Seuchen setzten den Soldaten zu; auch Paulus selbst war erneut an der Amöbenruhr erkrankt. Hitler verbot eine Einstellung der Kämpfe; die Front durfte um keinen Meter zurückgenommen werden. Am 19./20. November 1942 durchbrachen die sowjetischen Armeeverbände in einem Grossangriff, der Operation Uranus, die rumänischen Linien nördlich und südlich Stalingrads und schlossen die Stadt vollständig ein. Hitler hatte der Roten Armee diesen Durchbruch nicht mehr zugetraut, obwohl Paulus ihn am 12. September bei einem Gespräch im Führerhauptquartier "Werwolf" bei Winniza (Ukraine) auf die Gefahr aufmerksam gemacht hatte. Nun sass die 6. Armee in der Falle.

Das Armeeoberkommando (AOK) 6, das durch den sowjetischen Vorstoss von den eigenen Linien abgeschnitten worden war, erhielt am 22. November den Befehl, in den Kessel einzufliegen und sich mit der gesamten Armee einzuigeln. Gleichzeitig bereitete die 6. Armee jedoch ihren Ausbruch vor. Paulus meldete am Abend des gleichen Tages die Einkesselung und bat Hitler um Handlungsfreiheit für den Ausbruch. Hitler gewährte ihm diese nicht; stattdessen erhielt die 6. Armee am 24. November seine endgültige Entscheidung, die Stellungen unter allen Umständen zu halten. Der General der Infanterie Walther von Seydlitz-Kurzbach als Befehlshaber des eingeschlossenen LI. Armeekorps hatte bereits begonnen, seine Verbände in Richtung auf den Ausbruchsschwerpunkt zurückzunehmen. Als Hitler davon erfuhr, verlangte er dafür sofort Rechenschaft von der Armeeführung. Paulus stellte sich vor von Seydlitz, verlangte aber eine Erklärung von ihm; gleichzeitig teilte er den anderen Kommandeuren den Haltebefehl mit. Seydlitz fügte sich zwar, forderte aber in einer Denkschrift an Paulus den sofortigen Ausbruch und erklärte, dass wenn "das OKH den Befehl zum Ausharren in der Igelstellung nicht unverzüglich [aufhebt], so ergibt sich vor dem eigenen Gewissen gegenüber der Armee und dem deutschen Volk die gebieterische Pflicht, sich die […] Handlungsfreiheit selbst zu nehmen und von der […] noch bestehenden Möglichkeit, die Katastrophe […] zu vermeiden, Gebrauch zu machen". Bei Paulus fand er für diese Position keine Unterstützung, dieser verliess sich auf die oberste Führung und deren besseren Überblick über die Gesamtsituation, worin er durch einen Brief seines neuen Oberbefehlshabers von Manstein bestärkt wurde, der ihm versprach, man werde ihn nicht im Stich lassen. Nach dem Krieg wurde Paulus von verschiedenen Seiten vorgeworfen, nicht auf eigene Verantwortung einen Ausbruch befohlen zu haben.

Trotz der bereits katastrophalen Lage herrschte im Kessel Zuversicht, dass das am 12. Dezember 1942 von der Heeresgruppe Don begonnene Unternehmen Wintergewitter zur Befreiung der 6. Armee zum Erfolg führen würde. Paulus selbst machte einen abgespannten und nervösen Eindruck, offenbar war er mit der Entwicklung unzufrieden, konnte sich aber nicht zu einem Durchbruchsversuch in Richtung Entsatzarmee entschliessen. Die Kräfte der 6. Armee reichten längst nicht mehr für einen erfolgreichen Durchbruch zu den deutschen Linien aus. Der Mangel an Munition, Proviant, Treibstoff, Heiz- und Sanitätsmaterial war so gross, dass die Armee praktisch unbeweglich geworden war.

Der Entsatzangriff musste am 23. Dezember beendet werden, Paulus hoffte angesichts der Unmöglichkeit eines Ausbruchs dennoch auf Hilfe von aussen. In einem Fernschreiben an die Heeresgruppe Don bekundete er am 26. Dezember zwar den unbedingten Durchhaltewillen, bat aber gleichzeitig darum, das Führerhauptquartier zu energischen Massnahmen zu bewegen, da sich die "Festung Stalingrad" ansonsten trotz ihres Willens zum Widerstand nicht mehr lange gegen die massiven Angriffe würde halten können.

Paulus, der am 30. November 1942 zum Generaloberst befördert wurde, erhielt am 8. Januar 1943 ein Kapitulationsangebot der Roten Armee, gleichzeitig überbrachte aus dem Führerhauptquartier der am selben Tag im Kessel gelandete General der Panzertruppe Hube von Hitler die Nachricht, dass im Februar ein neuer Entsatzversuch geplant sei; so lange habe die Armee auszuhalten. Paulus glaubte nicht, dass ohne verstärkten Nachschub ein weiteres Durchhalten möglich sei, bemerkte aber, dass er die Transportmöglichkeiten durch die Luftwaffe nicht kenne. Das Kapitulationsangebot wurde sowohl vom Oberkommando des Heeres als auch vom AOK 6 abgelehnt, so dass Paulus es schliesslich zurückwies und Befehl gab, sowjetische Parlamentäre durch Beschuss abzuweisen. Der durch Flugblätter und Lautsprecherdurchsagen von der Roten Armee informierten Truppe liess er mitteilen, dass es sich lediglich um Propaganda und Täuschung handle.

Am Morgen des 10. Januar 1943, einem Sonntag, begann um sechs Uhr früh mit 47 Divisionen der sowjetische Generalangriff auf die 6. Armee. Mit 218'000 Soldaten, über 5'000 Geschützen, 170 Panzern sowie 300 Flugzeugen wurde der Kessel von Westen her zusammengedrückt. Die 6. Armee hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen: Am 14. Januar ging der provisorische Landeplatz Basargino, am 16. Januar schliesslich der Flugplatz Pitomnik verloren. Die Verzweiflung der Eingeschlossenen erreichte ihren Höhepunkt: Tausende versuchten, vom verbliebenen Behelfsflugplatz Gumrak ausgeflogen zu werden. Der grösste Teil der Armee flüchtete aber bereits in die Ruinenstadt von Stalingrad, die einen gewissen Schutz gegen die feindlichen Angriffe verhiess. Angesichts der Härte der Kämpfe erhielt Paulus am 15. Januar das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Die kommandierenden Offiziere im Kessel waren sich der Lage bewusst. Das Versprechen Hitlers, die Armee zu retten, sahen sie durch die Luftwaffe sabotiert. Ein Major, der zur Inspektion des Flugplatzes Gumrak eingeflogen war, musste sich heftigste Vorwürfe machen lassen. Das Spektrum der Emotionen der Armeeführung reichte von bemühter Objektivität (Seydlitz) über hochgradige Nervosität (Paulus) bis zum Wutanfall des Stabschefs Arthur Schmidt. Ihr Glaube an Hitler war dennoch ungebrochen. Als am 22. Januar der Flugplatz Gumrak verloren ging, funkte Paulus erkennbar verzweifelt und hilflos an das OKH:

"Russe im Vorgehen in 6 km Breite beiderseits Woroponowo, zum Teil mit entrollten Fahnen nach Osten. Keine Möglichkeit mehr, Lücke zu schliessen. Zurücknahme in Nachbarfronten, die auch ohne Munition, zwecklos und nicht durchführbar. Ausgleich mit Munition von anderen Fronten auch nicht mehr möglich. Verpflegung zu Ende. Über 12'000 unversorgte Verwundete im Kessel. Welche Befehle soll ich den Truppen geben, die keine Munition mehr haben und weiter mit starker Artillerie, Panzern und Infanteriemassen angegriffen werden? Schnellste Entscheidung notwendig, da Auflösung an einzelnen Stellen schon beginnt. Vertrauen zur Führung aber noch vorhanden".

Als Folge dieses Funkspruchs verwendete sich auch Paulus’ Vorgesetzter v. Manstein gegenüber Hitler für die Aufnahme von Kapitulationsverhandlungen, die Hitler aber weiterhin ablehnte: Schon aus Gründen der Ehre würde eine Kapitulation nicht in Frage kommen.

Paulus fügte sich und forderte seine Truppen weiter zum Durchhalten auf. Am 25. Januar 1943 verliess vom Behelfsplatz Stalingradski das letzte Flugzeug den Kessel, jetzt musste jeglicher Nachschub abgeworfen werden, wobei der grösste Teil verlorenging. Bis Ende Januar gelang es den Sowjets, den Kessel in einen nördlichen und einen südlichen Teil zu spalten. Paulus und sein Stab befanden sich im Univermag-Kaufhaus im Südteil. Tatsächlich hatte er aber die Befehlsgewalt über die Verbände schon weitgehend verloren: Einzelne Kommandeure bereiteten die Kampfeinstellung vor und gingen mit ihren Truppenteilen in Gefangenschaft. Andere versuchten, mit ihren Gruppen auszubrechen: Einer einzigen Gruppe gelang das Unternehmen, aber nur ein Mann kam durch. Viele Offiziere begingen Selbstmord oder suchten den Tod im feindlichen Feuer: Beim IV. Armeekorps führte am 24. Januar der Kommandeur der 297. ID die Reste seiner Division in die Gefangenschaft, am Abend des 25. Januar erschoss sich der Kommandeur der 371. ID, Generalleutnant Richard Stempel, und am nächsten Morgen stellten sich die Kommandeure des IV. Armeekorps, der 71. Infanterie-Division und der Artillerieabteilung IV. Armeekorps auf den Bahndamm an der Zariza und schossen ohne Deckung auf die Russen. Bis Paulus davon erfuhr und ihnen befahl, die Linien zurückzunehmen, war einer bereits tot. Während Paulus anderen Offizieren die Initiative überliess, hielt er sich an den gegebenen Befehl, durchzuhalten, und liess noch am 29. Januar eine Ergebenheitsadresse an Hitler funken. Der Funkspruch lautete:

"An den Führer! Zum Jahrestage Ihrer Machtübernahme grüsst die 6. Armee ihren Führer. Noch weht die Hakenkreuzfahne über Stalingrad. Unser Kampf möge den lebenden und kommenden Generationen ein Beispiel dafür sein, auch in der hoffnungslosesten Lage nie zu kapitulieren, dann wird Deutschland siegen. Heil mein Führer! Paulus, Generaloberst".

Dafür wurde er am 30. Januar, quasi in letzter Minute, zum Generalfeldmarschall befördert. Am 31. Januar drangen morgens Truppen der Roten Armee in das Kaufhaus "Univermag" ein, wo sich im Keller das Hauptquartier der 6. Armee befand. Um 7:35 Uhr gab die dortige Funkstation ihre letzten beiden Meldungen ab: "Russe steht vor der Tür. Wir bereiten Zerstörung vor". Kurz darauf: "Wir zerstören".

Offiziere aus dem Hauptquartier von General Michail Schumilow führten daraufhin mit General Arthur Schmidt die Übergabeverhandlungen, während sich Paulus in einem Nebenraum vom Adjutanten der 6. Armee Oberst Wilhelm Adam informieren liess. Er wurde anschliessend in seinem eigenen Stabs-Mercedes zum Hauptquartier der Donfront bei Zawarykino gefahren, 80 km von Stalingrad entfernt.

Gefangenschaft
Paulus wurde per se ohne eigene Mitwirkung am 31. Januar 1943 Kriegsgefangener der Roten Armee. Zunächst wurde er von der sowjetischen Armeeführung durch den späteren Marschall der Sowjetunion, Konstantin Rokossowski, am 2. Februar 1943 um 4 Uhr nachmittags verhört: Er leugnete vehement, der Südkessel habe kapituliert, sondern bestand darauf, man habe lediglich aus Munitionsmangel den Kampf einstellen müssen. Ausserdem weigerte er sich trotz mehrfacher Aufforderung, dem noch kämpfenden Nordkessel von Stalingrad die Einstellung der Kampfhandlungen zu befehlen. Er sagte, er habe keine Befehlsgewalt über diesen, weil er sich nicht bei der Truppe befinde. Am 20. Februar 1943 wurden Paulus und sein Stab dann in das Kriegsgefangenenlager Nr. 27 in Krasnogorsk bei Moskau verlegt, wo sie sechs Wochen blieben, bevor sie weiter ins Lager Nr. 160 in Susdal kamen.

Die Offiziere der Stalingrad-Armee unterlagen seit ihrer Gefangennahme geheimer Überwachung durch das NKWD, das regelmässig Dossiers über deren politische Haltung erstellte. Mitte Mai 1943 wurde über Paulus berichtet, dass er bemüht sei, Haltung zu bewahren, und damit rechne, bei sich bietender Gelegenheit gegen einen russischen General ausgetauscht zu werden, zudem begrüsse er seine Offiziere weiterhin mit "Heil Hitler" und lehne die sozialistischen Feiern zum 1. Mai ab.

Bei einem Besuch Wilhelm Piecks, der Werbung für das neu zu begründende Nationalkomitee Freies Deutschland machen wollte, zeigte er sich jedoch – anders als der grösste Teil der Offiziere, die Pieck lediglich Verachtung entgegenbrachten – gesprächsbereit. In diesem Gespräch gestand er seine Enttäuschung über Hitler ein, beharrte aber darauf, dass er als Soldat unter allen Umständen zu gehorchen habe. So weigerte er sich entschieden, zur Gründung des Komitees beizutragen.

Nach der Verlegung in das Kriegsgefangenenlager 5110/48 Woikowo im Juli 1943 musste sich Paulus als ranghöchster Offizier als Schlichter in Streitigkeiten zwischen der Gruppe, der zur Mitarbeit beim NKFD bereiten Soldaten und den übrigen Lagerinsassen betätigen. Zudem wurde er von General von Seydlitz, dessen Vorgesetzter er im Kessel von Stalingrad noch gewesen war, bedrängt, an der Gründung des NKFD teilzunehmen, da von der Teilnahme eines so hochdekorierten Soldaten Signalwirkung erwartet wurde. Paulus begründete seine Weigerung aber mit dem Hinweis, dass er als Kriegsgefangener nicht gegen seine politische Führung Stellung beziehen dürfe. Eine von ihm mitunterschriebene Erklärung, die die Mitglieder des Bundes Deutscher Offiziere (BDO) des Landesverrats bezichtigte, fand allerdings ebenso wenig seine innere Zustimmung.

Die sowjetischen Behörden liessen in ihrem Bemühen dennoch nicht nach und verlegten ihn ohne seine Begleitung nach Saretschje bei Lunowo/Moskau. Nachdem am 11./12. September in Lunowo der BDO ohne Paulus gegründet werden musste, wurde der Druck auf den Feldmarschall grösser: Er durfte nur noch mit Angehörigen des BDO Kontakt haben, diese wie auch seine sowjetischen Bewacher drängten ihn zum Beitritt. Paulus beschwerte sich: Er teile die Meinung seiner Stubengenossen nicht, tue das aber nicht aus Borniertheit, sondern weil er sich zu einer Entscheidung in dieser Angelegenheit nicht in der Lage fühle. Bis zum 20. Juli 1944 wurde er daher zurück nach Woikowo gebracht, nach dem Attentat auf Hitler aber erneut für zwei Wochen unter Druck gesetzt, bis Paulus sich zu einer Kooperation bereit erklärte. Der Grund lag im Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei, die zu einer Landung der Alliierten auf dem Balkan führen würde, der Krieg sei damit für Deutschland verloren. Am 8. August 1944 unterschrieb er daher einen Appell an das deutsche Volk, in dem er es aufrief, sich von Hitler loszusagen.

Mit seinem langen Zögern bzw. mit seinem Einschwenken auf die sowjetische Linie erntete Paulus beim BDO bzw. den anderen deutschen Kriegsgefangenen nur Empörung. Die Angehörigen des BDO vertraten den Standpunkt, dass Paulus keine leitende Funktion haben könne, da seine Unentschlossenheit ihn unglaubwürdig gemacht habe. Auch im Ausland stiess sein Schritt auf Befremden, da doch gerade Paulus Hitlers Befehle bedingungslos und bis in die letzte Konsequenz befolgt hatte. In Deutschland wurden seine Angehörigen in Sippenhaft genommen, seine Frau kam ins KZ Dachau und sein Sohn nach Immenstadt in Festungshaft. Paulus selbst überschätzte seinen Einfluss und versuchte, andere Offiziere vom Beitritt zu überzeugen, zudem stellte er sich einen neuen Stab zusammen. Zwei Aufrufe an die Heeresgruppe Nord und die neuaufgestellte 6. Armee, die Waffen niederzulegen, blieben ohne Resultat. Am 30. Oktober 1944 bat er Stalin um ein Gespräch, um ihm die Aufstellung deutscher Freiwilligenverbände – vergleichbar zur auf deutscher Seite eingerichteten Russischen Befreiungsarmee unter Andrei Andrejewitsch Wlassow – vorzuschlagen. Angesichts der Erfolg- und Bedeutungslosigkeit des NKFD und des BDO, sowohl unter den deutschen Kriegsgefangenen als auch bei der kämpfenden Truppe, blieb sein Ersuchen ohne Reaktion.

Nachkriegszeit
Zeuge der Anklage in Nürnberg
Die Ankündigung der Prozesse gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher war im November 1945 Grund für grosse Unruhe unter den kriegsgefangenen Offizieren, die in Stalingrad gekämpft hatten: Ein Anklagepunkt bezog sich auf die Tötung von 40'000 Zivilisten im Raum Stalingrad. Untergebene von Paulus wiesen jede Verantwortung dafür von sich und verwiesen auf ihn als Vorgesetzten. Möglicherweise veranlasste ihn das zur Zusammenarbeit mit der Sowjetunion: Er machte dem NKWD-Verbindungsoffizier deutlich, dass er zur Vorbereitung des Russlandfeldzuges und zu dem Wissen der Generalität aussagen wolle.

Unter dem Decknamen "Satrap" wurde Paulus Anfang 1946 nach Deutschland geflogen und trat am 11. Februar unter sowjetischer Protektion im Gericht als Zeuge der Anklage auf. Er berichtete über seine eigene Rolle bei der Vorbereitung von Unternehmen Barbarossa und dessen Charakter eines Eroberungs- und Vernichtungskrieges, der den Angeklagten nicht verborgen geblieben sei. Nach den Hauptschuldigen befragt, nannte er Wilhelm Keitel, Alfred Jodl und Hermann Göring. Der Verteidigung gelang es nicht, seine Aussagen durch Vorhaltung seiner Rolle im Generalstab, in der 6. Armee und im NKFD abzuweisen, da die Richter diese Aspekte nicht für relevant hielten. Paulus’ Aussage erfüllte in vollem Umfang die Erwartungen seiner sowjetischen Betreuer. Paulus nützte das freilich nichts: Ein Wiedersehen mit seiner schwerkranken Frau blieb ihm mangels "Zweckdienlichkeit" verwehrt. Sie starb 1949, ohne ihren Mann noch einmal gesehen zu haben.

Der Auftritt des Feldmarschalls fand bei Soldaten und Offizieren in sowjetischer Gefangenschaft ein geteiltes Echo: Die meisten hielten es für würdelos und ihn für nicht weniger schuldig als Keitel, Jodl und Göring. Sehr viele gingen deshalb auch davon aus, dass man ihm später selbst den Prozess machen würde. Paulus wurde nach seiner Rückkehr nicht in das allgemeine Lager zurückgebracht, sondern in eine Datscha in Tomilino verlegt. Ausser ihm waren dort noch die Generale Vincenz Müller und Arno von Lenski untergebracht; Paulus’ Adjutant, Oberst Wilhelm Adam, war ebenfalls häufiger anwesend. Zur Genesung nach einer verschleppten Lungentuberkulose verbrachten sie im Sommer 1947 zwei Monate auf der Krim. Eine Änderung trat 1948 ein, als – im Gegensatz zu Paulus selbst – die Offiziere entlassen wurden, so dass ihm lediglich als Koch und Ordonnanz zwei deutsche Kriegsgefangene verblieben. Dies und die Nachrichten über den sich stetig verschlechternden Gesundheitszustand seiner Frau führten bei Paulus zu zunehmenden Depressionen. Im Juni 1948 bat er daher um Repatriierung in die Sowjetische Besatzungszone, da er beim Aufbau eines demokratischen, eng mit der Sowjetunion verbundenen Deutschland mithelfen wolle. Anscheinend rechnete er sich damit grössere Chancen aus, entlassen zu werden. Diese Bitte blieb unbeantwortet. Paulus ahnte, dass man begonnen hatte, gegen ihn zu ermitteln. Theaterbesuche in Moskau waren ihm nicht mehr gestattet, Funktionäre besuchten ihn nicht mehr, und man hatte ihm unter einem Vorwand das Radio weggenommen. Obwohl 1949 genügend belastende Hinweise vorlagen, kam es jedoch zu keiner Anklage gegen ihn.

Der Tod seiner Frau im November 1949 wurde ihm vier Wochen lang verheimlicht: Es sollte vermieden werden, dass Paulus seine Zusage, in die DDR überzusiedeln, zurückzog, nachdem ihm nur noch Sohn und Tochter geblieben waren, die beide in der Bundesrepublik Deutschland wohnten. Aus diesem Grund wurde einem erneuten Ersuchen im Mai 1950 lediglich prinzipiell zugestimmt, die konkrete Erlaubnis blieb aber aus. In einem Bericht von 1953 heisst es: "Im Weiteren wurde die Repatriierung von Paulus bis auf besondere Anordnung verschoben, danach wurde die Frage nicht mehr geprüft". Im September 1953 kam es noch zu einem Treffen zwischen Walter Ulbricht und Paulus, bei dem seine Rückkehr besprochen wurde. Bevor Paulus am 24. Oktober 1953 mit seinen beiden Bediensteten den Zug nach Frankfurt (Oder) bestieg, schrieb er voller Dankbarkeit noch eine weitere Ergebenheitsadresse an die Sowjetunion, mit der er sich in den Augen der westdeutschen Öffentlichkeit endgültig zum Verräter und "Wendehals" abstempelte.

Weiteres Leben
Am 26. Oktober 1953 betrat Paulus erstmals seit 1946 wieder deutschen Boden. Am Bahnsteig wurde er von Arno von Lenski und Wilhelm Adam empfangen. Anschliessend wurde er nach Ost-Berlin zu einem offiziellen Empfang der Staats- und Parteiführung der DDR gebracht. Sein Name hatte wieder Gewicht gewonnen, seit Bundeskanzler Adenauer die Bundesrepublik auf Westkurs geführt hatte. Die DDR wollte mit Prominenten, die sie unterstützten, gegensteuern. So bekam Paulus als Wohnung eine Dresdner Villa am Weissen Adler in Oberloschwitz zugewiesen und erhielt das Privileg einer eigenen Handfeuerwaffe sowie eines westdeutschen PKW, eines Opel Kapitän.

Paulus stand seit seiner Ankunft als "Objekt Terrasse" unter der Überwachung durch die Staatssicherheit. Ein Teil seiner Bediensteten waren Zuträger des Geheimdienstes, seine Post wurde kontrolliert, das Telefon und die Wohnung wurden abgehört. Einflussreiche Positionen wurden ihm in der DDR nicht übertragen, seine offizielle Funktion war Leiter des Kriegsgeschichtlichen Forschungsrates an der Hochschule der Kasernierten Volkspolizei.

Paulus beschäftigte sich mit der Niederlegung seiner Ansichten sowie in zwei Vorträgen 1954 mit der Schlacht von Stalingrad. 1955 war er die Galionsfigur der SED-Initiative "Gesamtdeutsche Offizierstreffen", die die Wiederbewaffnung sowie aussenwirtschaftliche und aussenpolitische Westintegration Westdeutschlands verhindern sollte. Während der Treffen wurde er von den Beteiligten West beauftragt, sich um die Freilassung der letzten Kriegsgefangenen zu bemühen. Er wandte sich deswegen an die DDR-Führung, die allerdings den Interessen Moskaus an einer Annäherung an die Bundesrepublik in dieser Phase Tribut zollen musste. Ein zweites Treffen der Initiative rief "zum nationalen Widerstand gegen die Politik der dauernden Spaltung Deutschlands" auf. Diese Töne und die Beteiligung von Waffen-SS-Offizieren führten zur Beendigung der Treffen durch die DDR. Danach zog sich Paulus, vor allem aus gesundheitlichen Gründen, aus der Öffentlichkeit zurück, da er seit 1955/1956 an amyotropher Lateralsklerose litt, die bei völliger geistiger Klarheit zur Lähmung der Muskulatur führt. Aufgrund seines sich rapide verschlechternden Gesundheitszustandes blieb eine Studie über die Schlacht von Stalingrad, mit der er sich noch zuletzt beschäftigt hatte, unvollendet. Paulus starb am späten Nachmittag des 1. Februar 1957 in seiner Dresdner Villa. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Friedhof von Dresden-Tolkewitz beigesetzt. Seine Urne wurde später in das Familiengrab auf dem Hauptfriedhof in Baden-Baden umgebettet.

Generalfeldmarschall Ewald von Kleist

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092_58/Ewald von Kleist (1940)

Paul Ludwig Ewald von Kleist (* 8. August 1881 in Braunfels an der Lahn; † 13. oder 16. November 1954 im Zentralgefängnis Wladimir, Sowjetunion) war ein deutscher Kavallerie-Offizier (ab 1943 Generalfeldmarschall) und während des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber verschiedener Armeen und Heeresgruppen der Wehrmacht. Er wurde in Jugoslawien und in der Sowjetunion wegen Kriegsverbrechen verurteilt.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Ewald von Kleist war Angehöriger des Adelsgeschlechts von Kleist, sein Vater war der Geheime Studienrat Christof Hugo von Kleist. Ewald von Kleist trat am 9. März 1900 als Fahnenjunker in das Feldartillerieregiment "Generalfeldzeugmeister" Nr. 3 ein, wo er am 18. August 1901 zum

Leutnant befördert wurde. Am 22. März 1914 wurde er als Rittmeister zum Leibhusarenregiment Nr. 1 versetzt.

Nach Beginn des Ersten Weltkrieges nahm Ewald von Kleist an der Schlacht bei Tannenberg teil. Von 1915 bis 1918 wurde er als Stabs- und Truppenoffizier an der Westfront verwendet.

Weimarer Republik
Kleist trat 1919 in ein Freikorps ein. Im Baltikum führte er die Angriffsgruppe der Eisernen Division während der Schlacht von Wenden. 1920 wurde er in die Reichswehr übernommen. Ab 1924 war er als Taktiklehrer an der Kavallerieschule in Hannover tätig, bevor er 1928 als Chef des Stabes zur 2. Kavalleriedivision nach Breslau versetzt wurde. Dieselbe Position hatte er anschliessend von 1929 bis 1931 bei der 3. Division in Berlin inne. Der inzwischen zum Oberst beförderte Kleist wurde 1931 Kommandeur des 9. (Preussisches) Infanterie-Regiments in Potsdam und mit Beginn des Jahres 1932 Kommandeur der 2. Kavalleriedivision. Im Oktober 1932 erfolgte in dieser Stellung die Beförderung zum Generalmajor.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Nachdem er am 1. Dezember 1933 zum Generalleutnant befördert worden war, wurde Kleist im Oktober 1934 Befehlshaber der "Heeresdienststelle Breslau", aus der das spätere VIII. Armeekorps hervorging. Seit der Enttarnung der Verbände 1935 trug er den Titel des Befehlshabers im neugebildeten Wehrkreis VIII und Kommandierenden Generals des VIII. Armeekorps. Am 1. August 1936 wurde er als solcher zum General der Kavallerie befördert. Im Februar 1938 wurde von Kleist im Zusammenhang mit den Vorgängen während der Blomberg-Fritsch-Krise aus dem Dienst verabschiedet, wobei er die Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 8. Kavallerieregiments erhielt. Zur Sicherung seines Ruhestands erwarb er anschliessend ein Gut bei Breslau.

Zweiter Weltkrieg
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Kleist reaktiviert und nahm als Befehlshaber des XXII. motorisierten Armeekorps am Überfall auf Polen teil. Dort gelang seinem Korps der Durchbruch durch den Südflügel der polnischen Armee. Im Mai 1940 bildete die "Panzergruppe Kleist", die allein fünf Panzerdivisionen umfasste, die Spitze des Westfeldzuges. Kleist wurde am 19. Juli 1940 zum Generaloberst befördert und erhielt das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Im April 1941 nahm er mit der Panzergruppe 1 als Teil der 12. Armee unter der Führung von Generalfeldmarschall Wilhelm List am Balkanfeldzug teil. Im Juni des gleichen Jahres führte er im Russlandfeldzug die Panzergruppe 1, die unter anderem für den Durchbruch durch die "Stalin-Linie" verantwortlich war. Die Panzergruppe 1 erbeutete in den Kesselschlachten von Uman und Kiew zusammen mit der Panzergruppe 2 von Generaloberst Heinz Guderian über 800 sowjetische Panzer und nahm ca. 650'000 Kriegsgefangene. In Anerkennung ihrer Leistungen wurden die Panzergruppen Kleists und Guderians Anfang Oktober 1941 in Panzerarmeen umgewandelt, was eine Gleichstellung ihrer Oberbefehlshaber mit anderen Armeebefehlshabern bedeutete. Am 18. Februar 1942 wurde Kleist zudem mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet. Im Sommer 1942 führte er die durch Unterstellung der 17. Armee gebildete "Armeegruppe Kleist", bis im weiteren Verlauf des Falls Blau Generalfeldmarschall Wilhelm List den Oberbefehl über die für die Operationen im Kaukasus gebildete Heeresgruppe A übernahm. Im gleichen Jahr erhielt er Grundbesitz im Wert von 567'000 Reichsmark als Dotation.

Kleist wurde am 22. November 1942 neuer Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A, die nach der Entlassung Lists im September Hitler zeitweilig persönlich geführt hatte, und am 1. Februar 1943 zum Generalfeldmarschall befördert. Nach wiederholten Meinungsverschiedenheiten mit Hitler über die Kriegsführung im Osten wurde Kleist im März 1944 von diesem entlassen und durch Ferdinand Schörner ersetzt. Infolge des Attentats vom 20. Juli 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet, aber anders als sein Verwandter Ewald von Kleist-Schmenzin, der bereits in die Septemberverschwörung involviert gewesen war und enge Kontakte zum Goerdeler-Kreis unterhalten hatte, später freigelassen.

Nachkriegszeit
Kleist wurde Ende April 1945 in Bayern von US-Soldaten verhaftet, an die britische Armee übergeben und von dieser im September 1946 an Jugoslawien ausgeliefert. Dort wurde er wegen Kriegsverbrechen zu 15 Jahren Haft verurteilt. 1948 wurde er an die Sowjetunion ausgeliefert und dort wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 13. oder 16. November 1954 starb er im Gefangenenlager Wladimirowka. Er war der ranghöchste unter den in sowjetischer Kriegsgefangenschaft gestorbenen deutschen Soldaten.

Generalfeldmarschall Maximilian Freiherr von Weichs

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092_59/Maximilian von Weichs im Jahre 1943

Maximilian Maria Joseph Karl Gabriel Lamoral Reichsfreiherr von und zu Weichs an der Glon (* 12. November 1881 in Dessau; † 27. September 1954 auf Schloss Rösberg in Bornheim-Rösberg) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1943 Generalfeldmarschall) und während des Zweiten Weltkrieges Armee- und Heeresgruppenoberbefehlshaber. Er entstammte dem alten bayerischen Adelsgeschlecht Weichs und war der Sohn eines herzoglich anhaltinischen Oberstallmeisters und Rittmeisters a. D. Weichs verheiratete sich 1928 mit Margarethe von Niesewand.

 Bayerische Armee
Weichs trat nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München 1900 als Fahnenjunker in das 2. Schwere-Reiter-Regiment "Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este" der Bayerischen Armee in Landshut ein. Dort stieg er bis zum Oberleutnant auf und war von 1905 bis 1908 als Regimentsadjutant eingesetzt. Nachdem Weichs 1908 in München die Equitationsanstalt besucht hatte, absolvierte er von 1910 bis 1913 die Kriegsakademie, die ihm die Qualifikation für den Generalstab und den Referatsdienst aussprach. Im Anschluss wurde Weichs in die Zentralstelle des Generalstabs versetzt und hier 1914 zum Rittmeister befördert.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Weichs als Kommandant des Stabsquartiers der Kavallerie-Division eingesetzt und bereits im Oktober 1914 wurde er zum Adjutanten der 4. Kavallerie-Brigade ernannt. 1915 wurde Weichs Ib der 5. Infanterie-Division, bei Kriegsende 1918 war er im Stab des stellvertretenden Generalkommandos des II. Armee-Korps eingesetzt.

Weimarer Republik
Nach Abschluss des Versailler Vertrags war Weichs im Stab der Reichswehr-Brigade 23 eingesetzt und seit 1920 für drei Jahre Generalstabsoffizier bei der 3. Kavallerie-Division in Kassel. 1923 wurde Weichs, zwischenzeitlich zum Major befördert, Eskadronchef beim 18. Reiter-Regiment in Stuttgart-Cannstatt. Anschliessend war er bis Ende Januar 1928 als Taktiklehrer an der Infanterieschule in Ohrdruf eingesetzt. Ab 1. Februar 1928 war Weichs als Oberstleutnant Kommandeur des 18. Reiter-Regiments. Mit dem 1. März 1930 wurde er Chef des Stabes der 1. Kavallerie-Division in Frankfurt (Oder). Am 1. November desselben Jahres wurde er zum Oberst ernannt.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Nachdem Weichs am 1. April 1933 zum Generalmajor befördert und gleichzeitig zum Infanterieführer III in Potsdam ernannt worden war, erfolgte bereits im Oktober 1933 die Ernennung zum Kommandeur der 3. Kavallerie-Division in Weimar.

1935 wurde unter Weichs’ Leitung begonnen, die 3. Kavallerie-Division zur 1. Panzer-Division umzubilden. Weichs wurde im April 1935 zum Generalleutnant befördert, eineinhalb Jahre später zum General der Kavallerie und nach einem weiteren Jahr am 12. Oktober 1937 zum Kommandierenden General des XIII. Armeekorps und des Wehrkreises XIII in Nürnberg.

Im Frühjahr 1939 war Weichs mit seinem Korps an der Besetzung der Rest-Tschechei beteiligt.

Zweiter Weltkrieg
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges während des Polenfeldzuges war Weichs weiterhin Kommandierender General des XIII. Armeekorps und nahm in dieser Stellung an der Eroberung Warschaus teil. Im Oktober 1939 wurde er zum Oberbefehlshaber der 2. Armee ernannt und nahm am Frankreichfeldzug teil. Nach Abschluss der Kampfhandlungen wurde Weichs am 19. Juli 1940 zum Generaloberst befördert.

Mit der 2. Armee nahm Weichs dann ab dem 10. April 1941 am Balkanfeldzug teil und nahm am 16. April die Kapitulation der jugoslawischen Armee entgegen.

Bei Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion am 22. Juni 1941 waren Weichs und seine 2. Armee im Verband der Heeresgruppe Mitte eingesetzt. Für die Schlacht um Kiew wurden die 2. Armee und die Panzergruppe 2 zeitweilig nach Süden abgedreht. Im Juni 1942 wurde Weichs zum Oberbefehlshaber einer nach ihm benannten Armeegruppe ernannt, die den Auftrag erhielt, Woronesch einzunehmen. Mitte Juli 1942 übernahm er anstelle des abgesetzten Fedor von Bock die Führung der neu gebildeten Heeresgruppe B, mit der er das Unternehmen Braunschweig, den Vorstoss nach Stalingrad, durchführen sollte. Nach den Erfolgen der sowjetischen Operation Uranus in der Schlacht von Stalingrad bildete der südliche Teil seiner Heeresgruppe die neue Heeresgruppe Don, die jedoch bereits im Winter 1942/43 durch Gegenoffensiven der Roten Armee praktisch zerschlagen und aufgelöst wurde. Am 1. Februar 1943 wurde Weichs dennoch zum Generalfeldmarschall ernannt und im Juli 1943 in die Führerreserve versetzt.

Bereits im August 1943 wurde Weichs jedoch reaktiviert und zum Oberbefehlshaber Südost und gleichzeitig zum OB der Heeresgruppe F ernannt. In dieser Zeit war er Empfänger, Leser und vermutlich Verteiler der Sonette von Reinhold Schneider, welche seine mit Schneiders Verleger Karl Borromäus Glock befreundete Frau ihm zusandte.

Im Herbst 1944 organisierte er die Räumung Griechenlands und Jugoslawiens von deutschen Truppen während der sowjetischen Belgrader Operation entgegen den Befehlen Hitlers, indem er planmässige Rückzugsbewegungen in den Lagemeldungen an das OKW als durch feindliche Angriffe bedingt darstellte.

Am 25. März 1945 wurde Weichs endgültig in die Führerreserve versetzt und am 2. Mai 1945 von US-amerikanischen Einheiten in Ettal in Bayern gefangen genommen.

Im Geiselmord-Prozess wurde Weichs mit anderen Offizieren der Wehrmacht wegen der Ermordung Hunderttausender von Personen der Zivilbevölkerung angeklagt. Das Verfahren gegen Weichs wurde aber wegen seines schlechten Gesundheitszustands eingestellt und Weichs aus der Haft entlassen.

Generalfeldmarschall Ernst Busch

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092_60/Generalfeldmarschall Ernst Busch (1940)

Ernst Wilhelm Bernhard Busch (* 6. Juli 1885 in Essen-Steele, Rheinprovinz; † 17. Juli 1945 in Aldershot, Hampshire, Vereinigtes Königreich) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall im Zweiten Weltkrieg. Er war einer der treuesten Anhänger Hitlers in der deutschen Generalität und mitverantwortlich für den Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte während der sowjetischen Sommeroffensive Operation Bagration.

Ernst Busch war der Sohn des Direktors des königlichen Waisenhauses der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung Essen-Steele, Wilhelm Ernst Busch. Im Alter von zwölf Jahren begann er seine militärische Laufbahn, als er 1897 in die Kadettenanstalt Bensberg eintrat. 1901 wechselte er in die Preussische Hauptkadettenanstalt Gross-Lichterfelde und legte dort 1904 sein Abitur ab

und wurde daraufhin in die Preussische Armee als Fähnrich übernommen. Nach seiner Beförderung wurde er in das Infanterie-Regiment "Herwarth von Bittenfeld" (1. Westfälisches) Nr. 13 nach Münster in Westfalen versetzt. Im folgenden Jahr wurde er zum Leutnant befördert. 1908 wurde Busch zum Infanterie-Regiment "Herzog Ferdinand von Braunschweig" (8. Westfälisches) Nr. 57 nach Wesel versetzt, in dem er bis zum Jahr 1913 Dienst tat. Es folgte am 16. Juni 1913 die Beförderung zum Oberleutnant und eine Versetzung an die Kriegsschule Kassel, wo er als Inspektionsoffizier tätig war.

Erster Weltkrieg
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Busch als Kompaniechef in das Infanterie-Regiment "Vogel von Falckenstein" (7. Westfälisches) Nr. 56 versetzt, mit dem er fast während des ganzen Ersten Weltkrieges an der deutschen Westfront eingesetzt wurde. Er nahm an den folgenden Schlachten teil:

  • Angriff auf Lüttich (4.–16. August 1914)
  • Schlacht bei St. Quentin (29. August 1914)
  • Wettlauf zum Meer (13. September bis 19. Oktober 1914)
  • Erste Flandernschlacht (20. Oktober bis 18. November 1914)
  • Winterschlacht in der Champagne (16. Februar bis 20. März 1915)
  • Zweite Flandernschlacht (22. April bis 25. Mai 1915)
  • Schlacht um Verdun (21. Februar bis 20. Dezember 1916)
  • Schlacht an der Aisne (16. April bis Ende Mai 1917)
  • Deutsche Frühjahrsoffensive 1918 (21. März bis 17. Juli 1918)

1915 wurde er zum Hauptmann befördert und im Lauf des Jahres 1916 als Bataillonskommandeur eingesetzt. Aufgrund seiner militärischen Erfolge wurde Busch 1918 mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet. Während des Kriegs wurde er dreimal verwundet. (21. Mai 1915, 10. März 1917, 23. Oktober 1917). Am 7. September 1918 übernahm er eine Kompanie des Regiments z. b. V. "von Möller", mit dem er in das Deutsche Reich zurückkehrte.

Sein Status als hochdekorierter Veteran des Ersten Weltkriegs brachte Busch später bei Adolf Hitler grosse Anerkennung ein.

Weimarer Republik

In der chaotischen Zeit nach dem Waffenstillstand von Compiègne verblieb Busch, der im Dezember 1918 zum Infanterie-Regiment 56 zurückgekehrt war, bis zum August des folgenden Jahres in dieser Einheit. Danach hatte er verschiedene, nur kurz andauernde Verwendungen, bevor er mit der Bildung des 100'000-Mann-Heeres am 1. Oktober 1920 Kompaniechef im 18. Infanterie-Regiment wurde. Anschliessend kam er zum Stab der 6. Division in Münster. 1924 wurde er zum Stab des Reichswehrgruppenkommandos I versetzt und am 1. April 1925 zum Major befördert. Im Oktober 1925 wurde er Inspekteur der Verkehrstruppen im Reichswehrministerium. 1928 wurde Busch dann zur 2. Division nach Stettin versetzt, wo er im Divisionsstab als Erster Generalstabsoffizier (Ia) eingesetzt war.

Am 1. Februar 1930 erfolgte Buschs Beförderung zum Oberstleutnant und die Ernennung zum Bataillonskommandeur im 9. Preussischen Infanterie-Regiment. Im Jahr 1932 wurde Busch schliesslich Kommandeur des Regiments und am 1. Oktober 1932 folgte die Ernennung zum Oberst.

Busch war bereits vor der Machtergreifung Adolf Hitlers ein Anhänger des Nationalsozialismus.

Zeit des Nationalsozialismus
Am 1. September 1935 wurde Busch zum Generalmajor und gleichzeitig zum Kommandeur der 23. Infanterie-Division ernannt. Am 1. Oktober 1937 erfolgte die Beförderung zum Generalleutnant. Während der Blomberg-Fritsch-Krise Ende Januar und Anfang Februar 1938 stand er klar auf der Seite Hitlers und wurde deshalb noch im gleichen Monat zum General der Infanterie befördert und als Kommandierender General des VIII. Armeekorps und Befehlshaber im Wehrkreis VIII in Breslau eingesetzt. Im Sommer 1938 wandte er sich auf dem Generalstreffen am 4. August 1938 zusammen mit Walter von Reichenau gegen den Generalstabschef Ludwig Beck, als dieser die aggressive Politik Hitlers gegenüber der Tschechoslowakei als falsch darstellte (Sudetenkrise). Generell gehörte Busch zusammen mit Walter von Reichenau, Wilhelm Keitel und Alfred Jodl zu den treuesten Anhängern Hitlers in der deutschen Generalität und war mit den Angriffsplänen auf Polen voll einverstanden.

Busch war ein Kritiker der von Heinz Guderian entwickelten Panzertruppe als selbstständiger Waffengattung, da er zwar die Möglichkeiten der Motorisierung erkannte, jedoch auf der schlachtentscheidenden Rolle der Infanterie beharrte und Panzern nur eine unterstützende Funktion im Schlachtgeschehen zugestand. Er verband diese Ansicht mit sozialdarwinistischem Gedankengut. Das Schlachtfeld sollte in einer von Busch 1937 veröffentlichten Schrift der Ort sein, an dem die Auslese erfolgen sollte:

"Der Krieg der Zukunft wird ein totaler Krieg sein, ein Krieg, der die drei Dimensionen – Land, Wasser, Luft – ausnutzen wird, ein Volkskrieg, mit allen politischen, wissenschaftlichen und psychologischen Kräften [... Es ist selbstverständlich], dass in Zukunft Kriege ohne die Mitwirkung von mechanisierten und motorisierten Einheiten und auch ohne allgemeine Ausnutzung des Motors nicht denkbar sind. [...] Die Zone des Angriffs, in der der Infanterist auch im Kriege der Zukunft die Hauptlast des Kampfes tragen wird, ist zugleich die Zone des Siegens oder Sterbens. [...] Nur Kampfnaturen, selbstständig, entschlussfreudig, hart und zäh, können die an den Infanteristen zu stellenden Forderungen erfüllen".

Zweiter Weltkrieg
Während des Polenfeldzugs eroberte Busch mit dem VIII. Armeekorps Krakau und stiess bis nach Lemberg (heute Ukraine, 1918–1939 polnisch) vor. Er erhielt anschliessend den Oberbefehl über die neuaufgestellte 16. Armee. Mit dieser war er im Westfeldzug am linken Flügel der Heeresgruppe A eingesetzt. Für seine Führungsleistung wurde ihm am 26. Mai 1940 das Ritterkreuz verliehen. Am 19. Juli 1940 erfolgte seine Beförderung zum Generaloberst. Bis zum Mai 1941 verblieb Busch mit der 16. Armee in Frankreich.

Befehlshaber der 16. Armee im Deutsch-Sowjetischen Krieg
Mit Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges war Buschs 16. Armee im Verband der Heeresgruppe Nord der südliche Flügel. In der zweiten Augustwoche 1941 eroberte die 16. Armee Staraja Russa südlich des Ilmensees, wobei sie Gefahr lief, von der sowjetischen 38. Armee eingeschlossen zu werden. Deswegen musste das LVI. motorisierte Armee-Korps unter dem Kommando von Erich von Manstein seinen Vorstoss auf Leningrad abbrechen, um die 38. sowjetische Armee zu zerschlagen.

Während der am 8. Januar 1942 beginnenden sowjetischen Winteroffensive durchbrachen fünf Armeen der sowjetischen Nordwestfront die Verteidigungsstellungen der 16. Armee zwischen Seligersee und Ilmensee. Busch befahl gemäss den Weisungen Adolf Hitlers seinen Korps-Kommandeuren, ihre Stellung unbedingt zu halten, obwohl dies aufgrund des ungünstigen Kräfteverhältnisses in Kombination mit den Witterungsbedingungen bei Temperaturen um −40 Grad praktisch unmöglich war. Im Ergebnis von Buschs Haltebefehl wurden 5'500 deutsche Soldaten am 28. Januar 1942 in der Stadt Cholm eingeschlossen (Schlacht um Cholm) und das II. Armee-Korps am 8. Februar 1942 im Raum Demjansk (Kesselschlacht von Demjansk). Die Verbindung zur Heeresgruppe Mitte ging vollständig verloren und die 290. Infanterie-Division wurde bei Demjansk fast vollständig aufgerieben. Busch hatte das Glück, dass die sowjetischen Verbände nach ihrem Durchbruch in südlicher Richtung in den Rücken der Heeresgruppe Mitte vorstiessen, wo sie vom XXXXI. deutschen Armee-Korps unter dem Kommando von Generalleutnant Walter Model aufgehalten wurden.

Generaloberst Georg von Küchler war mit Buschs Führungsleistung so unzufrieden, dass er sich zusammen mit dem Generalstabschef Franz Halder bei Hitler darum bemühte, ihn von seinem Kommando zu entheben. Hier kam Busch wieder seine unbedingte Treue zu Hitler zugute. Hitler schlichtete den Streit und Busch konnte, seiner selbstständigen Kommandoführung beraubt, weiterhin Befehlshaber der 16. Armee bleiben.

Die 16. Armee wurde im Frühjahr verstärkt, sodass im April 1942 die Entsetzung des Kessels von Demjansk durchgeführt werden konnte und im Mai 1942 auch die Besatzung von Cholm aus der sowjetischen Umklammerung befreit wurde. Ab Sommer 1942 konzentrierten sich die sowjetischen Angriffe bis zum Januar 1944 auf die weiter nördlich gelegene 18. Armee, die die Leningrader Blockade aufrechterhielt (Erste Ladoga-Schlacht, Zweite Ladoga-Schlacht, Dritte Ladoga-Schlacht). Buschs Armee konzentrierte sich auf Abwehrkämpfe bei Demjansk und Staraja Russa, sodass der Generaloberst vorerst keine kritische Situation zu meistern hatte. Trotz seiner mittelmässigen Leistung als Befehlshaber der 16. Armee wurde er als Günstling Adolf Hitlers am 1. Februar 1943 zusammen mit Ewald von Kleist und Maximilian von Weichs zum Generalfeldmarschall befördert. Im August 1943 erhielt Busch das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Nachdem der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte Günther von Kluge am 12. Oktober 1943 bei einem Autounfall schwer verletzt worden war, übertrug Hitler Busch das Kommando über die Heeresgruppe.

Befehlshaber der Heeresgruppe Mitte
Die Aufgaben eines Heeresgruppenbefehlshabers überforderten Busch. Er hatte sich nicht wirklich bewährt und war sich dessen bewusst. Er neigte dazu, sich auf Hitlers Lagebeurteilungen zu verlassen. Eine Weisung Hitlers musste nach der Auffassung Buschs unbedingt befolgt werden. Laut dem US-amerikanischen Historiker Earl Ziemke wurde das Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte unter Busch zu einem "ideenlosen Werkzeug, das lediglich Führerbefehle weiterleitete".

Busch unterstanden mit Generaloberst Georg-Hans Reinhardt (3. Panzer-Armee), Generaloberst Gotthard Heinrici (4. Armee) und Generaloberst Walter Weiss (2. Armee) erfahrene Befehlshaber. Deshalb gelang es im Winter 1943/44, die Stellungen der Heeresgruppe Mitte im Wesentlichen zu halten. Einzig der Verlust des Eisenbahnknotenpunkts Newel war ein schwerwiegenderer Rückschlag. Doch im Vergleich zu den Gebietsverlusten der anderen beiden deutschen Heeresgruppen war der Rückzug der Heeresgruppe Mitte minimal. Während der sogenannten Rollbahnschlachten bei Witebsk und Orscha, die von Januar 1944 bis zum März 1944 andauerten, konnte die Front der Heeresgruppe Mitte gehalten werden. Busch trug wenig zu diesem Erfolg bei, der von der NS-Propaganda im Frühjahr 1944 intensiv ausgeschlachtet wurde.

Aufgrund von Fehlinformationen der Abteilung Fremde Heere Ost liess Busch es zu, dass seine Heeresgruppe im Frühjahr 1944 von nahezu allen beweglichen und gepanzerten Einheiten mit Ausnahme der 20. Panzer-Division entblösst wurde. Seinen Untergebenen Armeebefehlshabern war die Unhaltbarkeit des von der Heeresgruppe besetzten Frontvorsprungs bewusst; daher versuchten sie mehrfach, Busch dazu zu bewegen, von Hitler eine Rückzugsgenehmigung zu erhalten. Zunächst lenkte Busch ein und liess eigenmächtig eine Sehnenstellung errichten, die die Frontlinie der Heeresgruppe erheblich verkürzte. Als er auf einer Besprechung am 20. Mai 1944 versuchte, eine Rückzugsgenehmigung von Hitler zu erhalten, fragte dieser, ob Busch jetzt auch zu den Generälen gehöre, "die nach hinten blicken". Tief getroffen nahm Busch von den Rückzugsplänen Abstand und setzte sie trotz energischen Protests seiner Armeebefehlshaber nicht um. Stattdessen wurden die von Hitler definierten "festen Plätze" Witebsk, Orscha, Mogilew und Bobruisk weiter befestigt.

Der mit weit überlegenen Kräften geführten sowjetischen Sommeroffensive, die am dritten Jahrestag des deutschen Angriffes am 22. Juni 1944 begann, war die Heeresgruppe Mitte nicht gewachsen und bereits am zweiten Tag der Offensive zerriss die Frontlinie. Die durch Hitler vorgegebene, starre Verteidigungstaktik der "festen Plätze" entsprach nicht dem asymmetrischen Kräfteverhältnis zwischen den deutschen und sowjetischen Streitkräften. Busch informierte das OKH nur unvollständig über die tatsächliche Lage der Heeresgruppe und untersagte zunächst jegliche Rückzugsbewegungen. Erst am 26. Juni flog er zu Hitler auf den Obersalzberg, um die Genehmigung für eine beweglichere Kriegführung zu erreichen. Hitler lehnte die Bitten Buschs erneut ab, begriff aber erstmals, dass die Heeresgruppe einer Katastrophe entgegenging.

Busch hatte ab dem 27. Juni keinerlei Überblick mehr über die tatsächliche Lage, am Morgen des 28. Juni 1944 bat er erneut telefonisch im OKH um die Freigabe der "festen Plätze" Bobruisk und Mogilew. An beiden Orten war die Vernichtung grosser Korpsverbände jedoch bereits unabwendbar. Busch wurde als Oberbefehlshaber entlassen und am Abend des 28. Juni durch Generalfeldmarschall Walter Model ersetzt. Er empfand diese Entlassung als persönliche Kränkung, da er immer treu die Befehle Adolf Hitlers befolgt hatte. Busch verliess daher am 29. Juni seinen Posten, ohne Model in die gegenwärtige Lage einzuweisen, die ihm ohnehin nur noch lückenhaft bekannt war. Durch sein unselbstständiges Handeln trug er eine grosse Teilschuld am Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte.

Endphase des Dritten Reiches
Nach dieser Niederlage schien die Militärkarriere von Busch beendet zu sein. Er zog sich nach Schlesien und später nach Ostbevern zurück. Jetzt bewahrte ihn seine Loyalität gegenüber Hitler vor einem möglichen Kriegsgerichtsverfahren. Unabhängig davon nagte der von ihm mitverursachte katastrophale Untergang der Heeresgruppe Mitte an seiner Psyche. Im Juli 1944 wurde er als gebrochen und deprimiert beschrieben. Es kursierten bald Gerüchte, dass er Suizid begangen habe. Auf Anraten von Generaloberst Guderian, der nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 zum Chef des Generalstabes des Heeres ernannt worden war, liess Hitler Busch die Beerdigungsrede für den an den Folgen des Attentats am 1. Oktober 1944 verstorbenen General der Infanterie Rudolf Schmundt halten.

Im April 1945 übernahm Busch offenbar die Heeresgruppe H, die offenbar kurz darauf in Heeresgruppe Nordwest umbenannt wurde. Als Nachfolger von Grossadmiral Karl Dönitz, der nach Hitlers Tod zum "Staatsoberhaupt" und Oberbefehlshaber der Wehrmacht aufgerückt war, wurde Busch in den letzten Kriegstagen noch "Oberbefehlshaber Nord" (d. h. Befehlshaber aller Resttruppen im norddeutschen Raum). Buschs Hauptquartier befand sich Anfang Mai 1945 bei Flensburg in Kollerup, ungefähr zehn Kilometer von Flensburg-Mürwik entfernt, wo sich die letzte Reichsregierung unter Karl Dönitz angesiedelt hatte. Nach der Teilkapitulation im Nordwesten, die am 4. Mai durch Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg, nach Autorisation durch Dönitz, gegenüber dem britischen Feldmarschall Bernard Montgomery in der Lüneburger Heide unterzeichnet worden war, ergab sich auch Busch den Alliierten.

Gefangenschaft und Tod
Nach seiner Gefangennahme am 23. Mai 1945 wurde Busch nach England gebracht und dort im Lager Aldershot in der Grafschaft Hampshire interniert. Dort verstarb er als gebrochener Mann am 17. Juli des gleichen Jahres an Angina pectoris. Er wurde ohne Zeremonie auf der Deutschen Kriegsgräberstätte Cannock Chase bestattet.

Generalfeldmarschall Walter Model

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092_61/Model als Generalfeldmarschall

Otto Moritz Walter Model (* 24. Januar 1891 in Genthin, Provinz Sachsen; † 21. April 1945 bei Duisburg) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1944 Generalfeldmarschall) und während des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber verschiedener Armeen und Heeresgruppen sowie 1944 kurzzeitig Oberbefehlshaber West. Aufgrund der von ihm befohlenen Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung wurde er von der Sowjetunion in die Liste der Kriegsverbrecher aufgenommen. Er galt unter Offizieren der Wehrmacht als Anhänger Hitlers und wurde in den deutschen Stäben auch "Hitlers Feuerwehrmann" genannt, da er ab 1943 immer wieder an verschiedene, kritisch gewordene Punkte der (Ost-)Front geschickt wurde, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Walter Model war der ältere Sohn des städtischen Musiklehrers Otto Model und seiner Frau Maria, geborene Demmer. In seiner Kindheit und Jugend besuchte er Schulen in Genthin, Erfurt und Naumburg. Seine Schullaufbahn endete mit dem Bestehen der Abiturprüfung. Im Jahr 1909 trat Walter Model als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment "von Alvensleben" (6. Brandenburgisches) Nr. 52 in Cottbus ein. Im selben Jahr besuchte er, nun als Fähnrich, die Kriegsschule Neisse. Am 22. August 1910 wurde er zum Leutnant im I. Bataillon in Crossen ernannt.

Ernennungen/Beförderungen:

  • Februar 1909 Fahnenjunker
  • November 1909 Fähnrich
  • August 1910 Leutnant
  • Februar 1915 Oberleutnant
  • Dezember 1917 Hauptmann
  • Oktober 1929 Major
  • November 1932 Oberstleutnant
  • Oktober 1934 Oberst
  • März 1938 Generalmajor
  • März 1940 Generalleutnant
  • Oktober 1941 General der Panzertruppe
  • Februar 1942 Generaloberst
  • März 1944 Generalfeldmarschall

Bei Beginn des Ersten Weltkriegs war Model Bataillonsadjutant; noch vor dem Jahresende wurde er Regimentsadjutant.

Am 25. Februar 1915 erhielt er die Beförderung zum Oberleutnant und wurde im Mai 1915 schwer verwundet. Ab April 1916 belegte Model einen Kurzlehrgang für angehende Generalstabsoffiziere in Sedan und wurde – zurück an der Westfront – Adjutant bei der 10. Infanterie-Brigade und später Kompaniechef im Leib-Grenadier-Regiment "König Friedrich Wilhelm III". (1. Brandenburgisches) Nr. 8. Hier wurde er abermals schwer verwundet. Nach seiner Genesung wurde Model am 7. Juni 1917 als Ordonnanzoffizier zur Obersten Heeresleitung (OHL) kommandiert. Dort wurde er dem Chef der Operationsabteilung zugeteilt und begab sich unter anderem auf eine Dienstreise in die Türkei. Am 18. November 1917 wurde er zum Hauptmann ernannt. Am 10. März 1918 wurde Model als Zweiter Generalstabsoffizier (Ib) zur Garde-Ersatz-Division und am 30. August 1918 als Ib zur 36. Reserve-Division versetzt.

Weimarer Republik
Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 marschierte die 36. Reservedivision über Aachen nach Danzig zurück und wurde dort demobilisiert. Model meldete sich zu neuer Verwendung und wurde vom 19. Januar bis zum 19. Juli 1919 als Generalstabsoffizier beim XVII. Armee-Korps dem Grenzschutz Ost zugeteilt. Nach dem am 28. Juni 1919 unterzeichneten Frieden von Versailles wurde Danzig Freistaat und Model zur Reichswehrbrigade 7 in Westfalen versetzt. Im Auftrag löste Model ab September/Oktober 1919 im Baltikum widerstrebende Truppeneinheiten auf, vor allem die sogenannte Eiserne Division. Kurzzeitig tat er Dienst in Münster als Kompaniechef im II. Bataillon des Infanterieregiments 14. Im März 1920 wurde Model dem Kommandeur der Sicherungstruppen im Abschnitt II der ‚militärisch verdünnten Zone‘ östlich des Rheins, im Bergischen Land, zugeteilt. Er übernahm die MG-Kompanie im I. Bataillon des I.R. 14, die am 15. März 1920 nach Elberfeld-Barmen wegen schwerer Unruhen während des Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch verlegt wurde. Gegen die Übermacht der Aufständischen musste Models Bataillon den Rückzug der Reichswehrtruppen decken. Nach der Konsolidierung der Reichswehr im Oktober 1920 wurde Model 1921 Generalstabsoffizier im ‚getarnten Generalstab‘ in Münster. Im Oktober 1925 erfolgte die Versetzung zum 8. (Preussisches) Infanterie-Regiment und die Umsiedlung mit seiner Frau Herta nach Görlitz. Dort schrieb Model die biografisch-kriegsgeschichtliche Studie über Gneisenau, die 1929 im Sammelband "Führertum" publiziert wurde. Am 30. September 1928 wurde er als Generalstabsoffizier zur 3. Division nach Berlin versetzt und unterrichtete unter anderen auch die späteren Bundeswehr-Generale Hans Speidel und Adolf Heusinger. 1929 wurde Model zum Major ernannt und im Jahr darauf zum Truppenamt in die Ausbildungsabteilung versetzt. Vom 20. August bis zum 1. Oktober 1931 befand sich Model auf einer 'Russlandreise' im Rahmen der geheimen Beziehungen zwischen Reichswehr und Roter Armee. 1932 engagierte sich Model für Aktivitäten, um die "ob der Arbeitslosigkeit verzweifelnde Jugend […]" weg von den in "grossen paramilitärischen Verbänden organisierten Gruppen […]" an die Reichswehr heranzuführen (Reichskuratorium für Jugendertüchtigung). "Einer der Mitarbeiter des Reichskuratoriums, Oblt. a. D. Dr. Boysen, gewann die Überzeugung, Model sei aufgrund der ewigen Schwierigkeiten mit der SA-Führung damals zum Gegner der NSDAP geworden". Am 1. November 1932 wurde Model zum Oberstleutnant befördert.

Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Bald nach der Machtübernahme durch Hitler am 30. Januar 1933 löste die SA das "Reichskuratorium" auf. Anfang November wurde Model als Bataillonskommandeur zum Infanterieregiment Nr. 2 nach Allenstein in Ostpreussen versetzt. Am 1. Oktober 1934 wurde Model zum Oberst befördert und am 1. November 1934 Kommandeur des 2. (Preussisches) Infanterie-Regiments, ebenfalls in Allenstein. Model wurde am 15. Oktober 1935 zum Chef der neu eingerichteten technischen Abteilung im Generalstab des Heeres ernannt. Auf Models Anregung ging "die Konstruktion eines motorisierten, gepanzerten Infanteriebegleitgeschützes", das Sturmgeschütz, zurück.

Am 1. März 1938 wurde er zum Generalmajor und am 10. November 1938 zum Chef des Generalstabes des IV. Armeekorps in Dresden ernannt.

Zweiter Weltkrieg
Krieg gegen Polen und Frankreich
Den Zweiten Weltkrieg begann Model als Chef des Generalstabes des IV. Korps der 10. Armee des Generals Walter von Reichenau. Schon kurz nach dem Ende des Polenfeldzugs, am 13. Oktober 1939, wurde Model vom Chef des Generalstabs des Heeres, General Franz Halder, als Chef des Generalstabes der neuen 16. Armee unter General Ernst Busch vorgesehen. In dieser Funktion nahm Model ab dem 10. Mai 1940 am Westfeldzug teil. Am 1. April 1940 war Model zum Generalleutnant befördert worden. Am 13. November 1940 wurde er Kommandeur der 3. Panzer-Division, einem wegen zahlreicher Abgaben nach Nordafrika in Auflösung befindlichen Verband, den er erst wieder einsatzfähig machen musste und ein halbes Jahr lang nach seinen Vorstellungen völlig umformte.

Krieg gegen die Sowjetunion
Am 31. Mai 1941 erhielt die 3. Panzer-Division Befehl zur Verlegung nach Ostdeutschland. In der Truppe dachte man an eine Verwendung als Grenzschutz. Mitte Juni 1941 bezog die Division Bereitstellungsräume in Polen, westlich des Bugs. "Seit April 1941 muss Model klar gewesen sein, was die Stunde geschlagen hatte".

Marsch bis vor Moskau
Nach dem Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 erzielten Models Panzer Anfang Juli 1941 den Durchbruch über den Bug, nahmen an weiteren Gefechten teil und schlossen im September 1941 den Kessel von Kiew. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1941 zum General der Panzertruppe befördert, erreichte ihn am 26. Oktober 1941 auf dem Weg nach Moskau die Nachricht von seiner Versetzung als Kommandierender General des XXXXI. Panzerkorps an den Mittelabschnitt der Ostfront. Beim Angriff auf Moskau gelangte Models Korps Anfang Dezember 1941 in eine Position nördlich der Hauptstadt. "Am 5. und 6. Dezember 1941 schlug jedoch der Gegner zurück".

Frontbogen von Rschew
Die 9. Armee, der Models XXXXI. Korps unterstellt war, wurde nach Südwesten auf Rschew abgedrängt. Über ihren Oberbefehlshaber notierte Generalstabschef Halder: "Strauss kann nicht mehr". Model wurde am 16. Januar 1942 für das Kommando über die 9. Armee vorgesehen. Die Armee war im ‚Bogen von Rschew‘ durch einen Zangenangriff von Konews Kalinin-Front und Schukows Westfront schon fast eingekesselt, als Model sich die Lage erläutern liess. Am nächsten Tag stand Model in der Wolfsschanze erstmals Hitler gegenüber: Er schlug eine Klärung der Lage durch eine Angriffsoperation vor. "Hitler war perplex und sagte: ‚Dann machen Sie es!‘" Am 5. Februar 1942 war die Lage bereinigt – die abgeschnittenen Reste von drei sowjetischen Angriffsarmeen bedrohten jedoch in den grossen Waldgebieten weiterhin den Rücken der 9. Armee. Am 28. Februar 1942 wurde Model zum Generaloberst befördert und erhielt das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Am 25. Mai 1942 wurde Model schwer verwundet. Am 7. August 1942 brach er seinen Genesungsurlaub in Dresden ab und flog wieder zur Front, "wo die Hölle los war". Die Schlacht endete am 26. September 1942 mit hohen Verlusten der sowjetischen Westfront. Gleichzeitig mit der Operation Uranus setzten die Sowjets unter Marschall Schukow am 24. November 1942 in der Operation Mars auch zum Grossangriff am Rschew-Bogen an, der am 10. Januar 1943 mit dem nächsten Abwehrerfolg Models endete. Obwohl Model offensiv weiterdachte, hatte sich doch die Gesamtlage so entwickelt, dass selbst Hitler die Räumung des "kräftezehrenden Bogen von Rschew" unumgänglich schien. Das "Unternehmen Büffel" organisierte Model als geordneten Rückzug bis Ende März 1943. Am 3. April 1943 erhielt er das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz. Die schweren Schlachten um Rschew, die Model gegen einen weit überlegenen Gegner über zwei Jahre lang führte und mit einem geglückten Rückzug abschloss, begründeten seinen Ruhm als "Meister der Defensive". Die durch den Rückzug eingesparten Kräfte bestärkten Hitler in seinen Plänen zu einer Sommeroffensive 1943.

Im Krieg gegen die Sowjetunion war Model in seinem Befehlsbereich verantwortlich für die Umsetzung der Taktik der verbrannten Erde; dies beinhaltete unter anderem die Vernichtung der russischen Ernte und die Deportation der Zivilbevölkerung nach Westen. Er kooperierte auch mit den Einsatzgruppen von SS und SD. Vor allem für seine Zeit als Kommandeur der 9. Armee ist eine "laufende Zusammenarbeit" mit der Einsatzgruppe B nachzuweisen. Entsprechend seiner Gräueltaten gegenüber russischen Zivilisten wurde Model von der Sowjetunion auf die Liste der Kriegsverbrecher gesetzt.

Kursk
Als Oberbefehlshaber der 9. Armee hatte Model eine Schlüsselposition für das Unternehmen Zitadelle, der dritten und letzten Sommeroffensive der Wehrmacht in Russland, die am 5. Juli 1943 begann. Die deutschen Soldaten kamen aufgrund schwerer Kämpfe nur langsam voran. In den Tagen zwischen dem 5. und dem 13. Juli 1943 fand im Rahmen des Unternehmens Zitadelle im Kursker Frontbogen die bis heute grösste Panzerschlacht der Geschichte statt, in der auf deutscher knapp über 1'000 und auf sowjetischer Seite mehrere tausend Panzer eingesetzt waren. Am 12. Juli 1943 ordnete Hitler an, die Offensive abzubrechen. Am 5. November 1943 wurde Model für zwei Monate in die Führerreserve versetzt. Das Kommando über die 9. Armee übernahm Josef Harpe.

Ernennung zum Generalfeldmarschall
Im Januar 1944 wurde Model von Adolf Hitler zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord ernannt (Leningrad-Nowgoroder Operation) und am 30. März 1944 zum Generalfeldmarschall ernannt, bei gleichzeitiger Ernennung zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nordukraine. Als im Zuge der am 22. Juni 1944, dem 3. Jahrestag des deutschen Angriffs, beginnenden sowjetischen Sommeroffensive die Heeresgruppe Mitte zusammenbrach, löste Model Generalfeldmarschall Busch als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe am 28. Juni 1944 ab. Den Befehl über die Heeresgruppe Nordukraine gab er erst einen Monat später ab (Lwiw-Sandomierz-Operation). Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 bekundete Model gegenüber Hitler seine Loyalität. Er tat dies so ausdrücklich, dass er hierin alle anderen Ergebenheitsadressen deutscher Generalfeldmarschälle übertraf. Model war einer der wenigen, die es riskierten, Hitler in Fragen der Kriegsführung zu widersprechen. Sein Umgang mit untergebenen Offizieren und auch mit gleichrangigen Befehlshabern war ruppig und harsch, weshalb er gefürchtet und bisweilen gehasst wurde.

Krieg im Westen
Nachdem sich Model bei verschiedenen Verwendungen in Russland den Ruf erworben hatte, in schwierigen Situationen Fronten stabilisieren zu können, wurde er am 16. August 1944 von Hitler von der Ostfront nach Berlin befohlen und zum Oberbefehlshaber West (OB West) ernannt bei gleichzeitiger Übernahme des Oberbefehls über die Heeresgruppe B. Am 17. August 1944 erhielt er die Brillanten zum Ritterkreuz und traf noch am selben Tag an der Westfront ein. Seine Aufgabe dort war, die Lage zu festigen und Paris zu halten, doch handelte es sich zu diesem Zeitpunkt – nach der Schlacht um Falaise – bereits um eine zusammengebrochene Front. Da auch die Seine-Linie nicht mehr zu halten war, organisierte Model sofort den Rückzug der deutschen Truppen aus Frankreich. Mit dem Abwehrerfolg bei Arnheim gelang die Stabilisierung der Front an der deutschen Grenze (Westwall). Zu seiner Entlastung und aus propagandistischen Zwecken wurde auf dem Posten des Oberbefehlshabers West sein Vorgänger, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, am 5. September 1944 wieder sein Nachfolger.

Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive im Dezember 1944 und dem Durchbruch der alliierten Streitkräfte ab März 1945 in das Reichsgebiet über den Rhein wurde Models Heeresgruppe B im Ruhrkessel eingeschlossen.

Zusammenbruch des Reichs
Das Bild Walter Models in den letzten Kriegstagen ist zwiespältig. Noch Ende März 1945 betonte er vor den ihm unterstellten Generälen und Offizieren: "Der Sieg der nationalsozialistischen Idee steht ausser Zweifel, die Entscheidung liegt in unserer Hand!". Er unterstützte die Weisungen Heinrich Himmlers, mit unmenschlicher Härte gegen Deserteure vorzugehen. In Essen liess er Fahnenflüchtige standrechtlich erschiessen. In Düsseldorf wurden der Kommandant der Schutzpolizei Franz Jürgens und einige andere Personen, die sich im Rahmen der Aktion Rheinland eigenmächtig um Übergabeverhandlungen mit den bis an den Rhein vorgerückten amerikanischen Streitkräften bemüht hatten, von einem Standgericht, das von Model offenbar geduldet worden war, am 16. April 1945 abgeurteilt und erschossen. Model beschwor somit einerseits den Endsieg, andererseits hatte er jedoch die Aussichtslosigkeit der militärischen Lage erkannt und schliesslich zumindest teilweise zur Handlungsgrundlage genommen.

Model führte den "Nerobefehl", die von Hitler angeordnete vollständige Zerstörung sämtlicher Industrie-, Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen, im Ruhrgebiet zwar teilweise, aber nicht vollständig aus.

Er entschied sich eigenmächtig, seine Heeresgruppe aufzulösen. Seinen Stabschef Generalmajor Carl Wagener wies er an, die ganz jungen und die alten Soldaten sofort zu entlassen, damit sie als Zivilisten nach Hause zurückkehren konnten. Die übrigen sollten sich innerhalb der nächsten drei Tage entscheiden, entweder ebenfalls heimzukehren, sich einzeln zu ergeben oder aber sich zur nächsten noch kämpfenden Truppe durchzuschlagen. Schon zwei Tage später, am 15. April 1945, spalteten die Alliierten den Kessel. Noch am gleichen Abend war der östliche Teil überrannt. Models Truppe löste sich nun schnell auf. Da ihm der Gedanke an eine Kapitulation unerträglich war, lehnte er noch am 17. April das Angebot des US-Generals Matthew B. Ridgway ab, sich zu ergeben und so die Zivilbevölkerung zu schonen.

Tod
Am 21. April 1945 erschoss sich Walter Model unter einer Gruppe Eichen im Spee’schen Wald, zwischen Wedau und Lintorf unweit der Sechs-Seen-Platte. Denn für ihn war schon der Gedanke einer Kapitulation als verantwortlicher Feldmarschall gegenüber Bernard Montgomery oder den Amerikanern unvorstellbar gewesen. Seine verbliebenen Generalstabsoffiziere, Oberst Theodor Pilling, Oberstleutnant Roger Michael und Major Winrich Behr, begruben ihn, seinem Wunsch entsprechend, an Ort und Stelle. Den unterstellten Kommandeuren im Ruhrkessel hinterliess er die nationalsozialistisch geprägte Botschaft: "Unter dem Druck der Kriegsereignisse zeigt sich, dass noch immer weite Kreise des deutschen Volkes und damit auch der Truppe vom jüdischen und demokratischen Gift der materialistischen Denkweise verseucht sind". Das Vorbild des Offiziers sei entscheidend, um den Sieg der nationalsozialistischen Idee zu erzwingen. Am 26. Juli 1955 wurde Models Feldgrab mit Hilfe von Winrich Behr und im Beisein seines Sohnes Hansgeorg Model wiedergefunden und die Leiche exhumiert. Auf der Kriegsgräberstätte Vossenack in der Nordeifel fand er seine letzte Ruhe. Sein Grab dort trägt die Nummer 1074. Die Grabplatte von Models Grab musste aufgrund Diebstahls mehrfach erneuert werden.

Privatleben
Am 12. Mai 1921 heiratete Model in Frankfurt am Main Herta Huyssen (* 4. Februar 1892 in Niederbreisig; † 5. Mai 1985 in Bonn). Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. Der Sohn Hansgeorg war Brigadegeneral bei der Bundeswehr.

Alle drei Kinder Models wurden von Pastor Martin Niemöller getauft. Model und Niemöller waren seit 1923 miteinander bekannt. Sie stimmten in vielem überein. Model war evangelischer Christ und Kirchgänger und hielt sich von den nationalsozialistischen, auch von Niemöller abgelehnten "Deutschen Christen" fern. Auch ab 1929 in Berlin war Niemöller ein gern gesehener Gast im Hause Model.

Ein Bruder von Walter Model war der Rechtsanwalt und Publizist Otto Model.

Einem breiteren Publikum wurde die Person Models durch den englisch-amerikanischen Spielfilm "Die Brücke von Arnheim" aus dem Jahr 1977 bekannt, in dem die Ereignisse um die alliierte Operation Market Garden behandelt werden. Darin wird Model von dem österreichischen Schauspieler Walter Kohut dargestellt.

Persönlichkeit
Heinz Guderian beschrieb Model als "kühnen, unermüdlichen Soldaten". In der Tat war Model ein rastloser, unentwegt hart arbeitender Offizier. Er wurde von vielen als sehr ehrgeizig, dabei doch immer kompetent eingeschätzt. Darüber hinaus galt Model als ein sehr unbequemer Mensch, der sich nicht scheute, seine Meinung – auch Vorgesetzten oder Hitler persönlich – zu sagen. Friedrich Wilhelm von Mellenthin erwähnte sein hitziges und oft unberechenbares Temperament. Bei der Übernahme neuer Kommandos kam es oft zu Beleidigungen, so zum Beispiel 1944, als Model Georg von Küchler als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord ablöste.

Model versuchte stets demonstrativ als unpolitischer Soldat aufzutreten. Damit erreichte er jedoch das genaue Gegenteil, so dass er zuletzt sogar unter Offizieren der Wehrmacht als überzeugter Anhänger Hitlers galt. Dementsprechend äusserte er sich – wie viele andere Generäle auch – abfällig über das am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler verübte Attentat. Auch Models Sohn Hansgeorg beschrieb seinen Vater als loyalen Gefolgsmann Hitlers.

Typisch für ihn war ein enormes Selbstbewusstsein, das bisweilen in Selbstüberschätzung ausartete. Beispielhaft hierfür seien folgende Begebenheiten erwähnt: Als er Anfang 1942 das Kommando über die 9. Armee an der linken Flanke der Heeresgruppe Mitte übernahm, wurde er gefragt, wie viele Männer er (für einen bevorstehenden Angriff) an Verstärkung mitgebracht habe. Seine Antwort: "Mich!". Als er von der alliierten Luftlandeoperation bei Arnheim erfuhr, dachte er, es handele sich um ein Kommandounternehmen, durch das er entführt werden sollte. Eine Marotte Models war, dass er ledige Offiziere nur ungern für Orden oder Beförderungen vorschlug.

Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner

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092_62/Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner

Ferdinand Schörner (* 12. Juni 1892 in München; † 2. Juli 1973 ebenda) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1945 Generalfeldmarschall). Im Zweiten Weltkrieg war er Oberbefehlshaber von Armeen und Heeresgruppen sowie 1945 kurzzeitig der letzte Oberbefehlshaber des Heeres. Schörner galt als überzeugter Nationalsozialist. Er wurde in der Sowjetunion 1952 wegen Kriegsverbrechen und in der Bundesrepublik Deutschland 1957 wegen Totschlags an deutschen Soldaten verurteilt.

Bayerische Armee
Schörners militärische Laufbahn begann nach dem Abitur mit einer Dienstzeit als Einjährig-Freiwilliger beim Infanterie-Leib-Regiment der Bayerischen Armee. Anschliessend zur Reserve entlassen, studierte er in München sowie in Lausanne und Grenoble Philosophie und neue Sprachen.

Mit dem Kriegsausbruch 1914 wurde Schörner als Vizefeldwebel und Reserveoffiziersanwärter beim Infanterie-Leib-Regiment reaktiviert und im November 1914 zum Leutnant der Reserve befördert sowie als Kompanieführer verwendet. Schörner war an der Westfront, in Tirol, Serbien, Rumänien und in der Zwölften Isonzoschlacht gegen Italien eingesetzt. Für die Erstürmung des Monte Matajur im Oktober 1917 wurde ihm – als einzigem bayerischen Infanterieleutnant – der Orden Pour le Mérite verliehen. Neben Schörner erhielt auch der damalige Oberleutnant Erwin Rommel diese hohe Auszeichnung. 1918 wechselte Schörner von der Reservelaufbahn in den aktiven Dienst und wurde zum Oberleutnant befördert. Während des Krieges wurde er dreimal schwer verwundet.

Weimarer Republik
Nach dem Waffenstillstand war Schörner zunächst beim Freikorps Epp aktiv, und im Jahr 1920 trat er in die Reichswehr ein. Er wurde als Kompanieführer eingesetzt und absolvierte den Führergehilfenlehrgang. Im Jahr 1923 war Schörner Adjutant des Wehrkreisbefehlshabers von München, General von Lossow, und an der Niederschlagung des Hitlerputsches beteiligt.

Nachdem er seine Generalstabsausbildung beendet hatte, wurde Schörner am 1. Juli 1926 zum Hauptmann befördert, verbunden mit der Übernahme einer Kompanie in Landshut und wenig später in Kempten (Allgäu). Schörner, der gute Italienischkenntnisse besass, wurde anschliessend für einige Zeit als Dolmetscher zu den Alpini, der italienischen Gebirgsjägertruppe, versetzt. Ab dem Jahr 1931 war Schörner als Taktiklehrer an der Infanterieschule Dresden eingesetzt.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Im Jahr 1934 wurde Schörner zum Major befördert und zum Leiter der 4. Gruppe in der 3. Abteilung (Fremde Heere) des Truppenamtes ernannt. In dieser Stellung war er für den Süden bzw. Südosten Europas zuständig. Am 1. März 1937 wurde Schörner zum Oberstleutnant befördert.

Am 1. Oktober 1937 wurde Schörner Kommandeur des Gebirgsjäger-Regiments 98. In dieser Dienststellung war er auch am Einmarsch in Österreich im März 1938 beteiligt. Am 27. August 1939, wenige Tage vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurde Schörner zum Oberst befördert.

Zweiter Weltkrieg
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war Schörner beim Angriff auf Polen Kommandeur des Gebirgsjäger-Regiments 98. Im Mai 1940 wurde Schörner Kommandeur der neu aufgestellten 6. Gebirgs-Division und nahm am Frankreichfeldzug teil. Am 1. August 1940 wurde er zum Generalmajor ernannt.

Im Frühjahr 1941 war Schörner mit der 6. Gebirgs-Division im Balkanfeldzug eingesetzt. Am 20. April 1941 wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes für das Durchstossen der Metaxas-Linie bei Belasica-Planina, einen erfolgreichen Angriff bei Krusa-Planina und einen weiteren Vorstoss in Richtung Thessaloniki verliehen. Am 27. April hisste seine Vorausabteilung auf der Akropolis die Reichskriegsflagge. Nach Abschluss des Feldzuges blieb Schörner mit seiner Division in Griechenland als Besatzungstruppe.

Im Herbst 1941 wurden Schörner und die 6. Gebirgs-Division an die Eismeerfront verlegt (siehe: Verteidigung des Hohen Nordens). Im Januar 1942 übernahm Schörner als Nachfolger von Eduard Dietl die Führung des Gebirgskorps Norwegen (später XIX. Gebirgskorps) und wurde Ende des Monats zum Generalleutnant befördert. Bereits im Juni 1942 erhielt er die Beförderung zum General der Gebirgstruppe, als der er auch Kommandierender General des Korps wurde.

Im Oktober 1943 übernahm Schörner für den verwundeten Sigfrid Henrici als Kommandierender General das XXXX. Panzerkorps der 1. Panzerarmee in der Ukraine. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Rote Armee mit der Überquerung des Dnepr begonnen und bereitete einen Vorstoss auf Kriwoi Rog vor, um die im Dnepr-Bogen stehenden deutschen Truppen abzuschneiden (Nikopol-Kriwoi Roger Operation). Ende des Monats übernahm Schörner die Führung der in diesem Brückenkopf stehenden drei Korps, die als Gruppe Schörner oder Armeeabteilung Nikopol bezeichnet wurden.

Schörner, der stets eine demonstrativ nationalsozialistische Gesinnung zur Schau stellte, wurde trotzdem erst 1943 Mitglied der NSDAP. Er führte die ihm unterstellten Truppen mit grosser Härte ("Mehr Angst im Rücken, als von vorne!") und wurde am 1. Februar 1944 zum Chef des neu geschaffenen Nationalsozialistischen Führungsstabes des Heeres ernannt. In dieser Funktion war er für die Schulung der Truppe im nationalsozialistischen Sinn verantwortlich. Am 17. Februar 1944 erhielt Schörner das Eichenlaub zum Ritterkreuz für die erfolgreiche Räumung des Brückenkopfes bei Nikopol. Bereits zwei Wochen später legte er aufgrund eines schweren Konfliktes mit Hitlers Sekretär Martin Bormann das Amt nieder.

Anfang März übernahm er zeitweilig die Führung der 17. Armee auf der Krim und wurde nach der Entlassung des Oberbefehlshabers der Heeresgruppe A, Generalfeldmarschall Ewald von Kleist, Ende des Monats mit der Führung der nunmehrigen Heeresgruppe Südukraine beauftragt. Rückwirkend zum 1. März 1944 wurde Schörner im Mai zum Generaloberst befördert.

Im Juli 1944 übernahm Schörner das Kommando über die Heeresgruppe Nord. Am 28. August 1944 wurde er für die Wiederherstellung der Verbindung zur Heeresgruppe Mitte in Kurland (Unternehmen Doppelkopf) mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet, am 1. Januar 1945 erhielt er die Brillanten für drei schwere, zweimonatige Abwehrkämpfe im Raum Kurland. Mit dem 20. Januar 1945 wurde Schörner Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A (Weichsel-Oder-Operation) und am 5. April 1945 in dieser Stellung zum Generalfeldmarschall ernannt.

Unter Schörners Führung konnten 1,6 Millionen Flüchtlinge aus Schlesien und dem Sudetenland dem Zugriff der anrückenden sowjetischen Verbände entzogen werden (siehe Vertreibung). Gleichzeitig schickte er zahlreiche Soldaten und Volkssturmmänner auf sogenannte Himmelfahrtskommandos. Regelmässig riss er zurückweichenden Offizieren Orden und Rangabzeichen herunter und verurteilte versprengte Soldaten zum Tode. Im März 1945 wollte Schörner Generalmajor Hanns von Rohr hinrichten lassen, weil dieser sich geweigert hatte, Soldaten, die vor sowjetischen Panzern geflüchtet waren, zu erschiessen. Das OKH milderte das Todesurteil zu Degradierung und Bewährungseinsatz ab.

Im Tagebucheintrag von Joseph Goebbels zum 12. März 1945 heisst es:

"Ich berichte dem Führer dann ausführlich von meinem Besuch in Lauban. Der Führer ist auch der Meinung, dass Schörner einer unserer hervorragendsten Heerführer ist. … Es sei Schörner gelungen, die Front in seinem Kampfraum im wesentlichen zu stabilisieren. Auf ihn sei es zurückzuführen, dass die Moral der Truppe dort so hervorragend gehoben worden sei. Ich berichte dem Führer von den radikalen Methoden, die Schörner zur Erreichung dieses Zieles anwendet. Deserteure finden bei ihm keine Gnade. Sie werden am nächsten Baum aufgeknüpft, und ihnen wird ein Schild um den Hals gehängt mit der Aufschrift: ‚Ich bin ein Deserteur. Ich habe mich geweigert, deutsche Frauen und Kinder zu beschützen und bin deshalb aufgehängt worden.‘ Solche Methoden wirken natürlich. Jedenfalls weiss der Soldat im Kampfraum Schörners, dass er vorne sterben kann und hinten sterben muss".

Hitler bestimmte Schörner am 30. April 1945 in seinem politischen Testament zum Oberbefehlshaber des Heeres. Am 8. Mai 1945 überbrachten ihm amerikanische Truppen unter Oberstleutnant Robert Pratt in seinem Hauptquartier in Bad Welchow die deutsche Kapitulationsurkunde. Am nächsten Tag floh Schörner in Zivilkleidung und mit einigen tausend Mark aus der Stabskasse in einem Fieseler Storch auf eine Alm in Göriach (Österreich), wo er von amerikanischen Truppen gefangen genommen und wenige Tage später an die Sowjetunion ausgeliefert wurde.

Verurteilungen und Nachkriegszeit
Schörner wurde im Februar 1952 in der Sowjetunion wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und war bis Ende 1954 in verschiedenen Lagern inhaftiert. Am 15. Januar 1955 wurde er entlassen. Seine Rückkehr nach Deutschland (zunächst nach Dresden, dann nach Bayern) fiel in die Zeit der Wiederbewaffnung; die Gründung der Bundeswehr stand bevor. Am 31. März 1955 eröffnete der Bundesdisziplinaranwalt das Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Aberkennung seiner Versorgungsbezüge. Dass ehemalige dem NS-Regime ergebene Wehrmachtoffiziere in der Bundesrepublik Pensionen nach der 131er-Regelung erhielten und teilweise sogar mit nationalsozialistischen Äusserungen hervortraten, wurde von den Wiederbewaffnungsgegnern scharf kritisiert. Auch konservative Politiker sprachen sich nun im Fall Schörners gegen die Gewährung einer Pension aus. Der spätere Verteidigungsminister Franz Josef Strauss distanzierte sich von ihm ("Ungeheuer in Uniform"), und der Bundestag beschloss am 13. Juli 1955 eine rückwirkende Änderung der Bundesdisziplinarordnung, die als Lex Schörner galt. Die zuständige Bundesdisziplinarkammer sah das Rückwirkungsverbot verletzt und legte den Fall dem Bundesverfassungsgericht vor, das im Sinne des Bundesdisziplinaranwalts entschied.

Im Jahr 1957 wurde gegen Schörner Anklage erhoben. Er wurde wegen der von ihm ausgesprochenen Todesurteile bei Kriegsende, die vom Gericht als verübter und in einem anderen Fall als versuchter Totschlag gewertet wurden, zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe und der Aberkennung der Pensionsberechtigung verurteilt. Am 4. August 1960 wurde Schörner aus Gesundheitsgründen vorzeitig aus der Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg entlassen. 1963 wurde ihm vom Bundespräsidenten Heinrich Lübke ein Teil seiner Pension gewährt.

Der "blutige Ferdinand" galt als "der brutalste von Hitlers Feldmarschällen". Er wurde 1973 in Mittenwald bestattet. Soldaten der Bundeswehr war die Teilnahme an der Beisetzung in Uniform verboten, eine Teilnahme in Zivil war nicht erwünscht.

Luftwaffe     
(aus Wikipedia)

Reichsmarschall Hermann Göring

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092_63/Hermann Göring in Augsburg nach seiner Verhaftung (Mai 1945)

Hermann Wilhelm Göring (* 12. Januar 1893 in Rosenheim; † 15. Oktober 1946 in Nürnberg) war ein führender deutscher nationalsozialistischer Politiker. Ab Mai 1935 war er Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe.

Göring erlangte im Ersten Weltkrieg einige Bekanntheit und Ansehen als Jagdflieger und erhielt den Orden Pour le Mérite. Er nahm am Hitlerputsch (November 1923 in München) teil und trug massgeblich zum Aufstieg der NSDAP bei. Im August 1932 wurde er zum Reichstagspräsidenten gewählt. Am Tag der Machtergreifung ernannte Adolf Hitler ihn zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich, zum Reichskommissar für den Luftverkehr und zum Reichskommissar für das preussische Innenministerium. Am 11. April 1933 wurde Göring auch Ministerpräsident Preussens.

In den beiden letzten Positionen war Göring massgeblich an der Gleichschaltung und der Verfolgung der Opposition beteiligt, die er mit äusserster Brutalität betreiben liess. Er war für die Gründung der Gestapo sowie die Einrichtung der ersten Konzentrationslager ab 1933 verantwortlich. Ab Oktober 1936 betrieb er als Beauftragter für den Vierjahresplan die weitere Aufrüstung der Wehrmacht zur Vorbereitung eines Angriffskrieges. Er leitete Massnahmen im Zusammenhang mit dem Anschluss Österreichs, mit denen österreichische und deutsche Nationalsozialisten im März 1938 die Eingliederung des Bundesstaates Österreich in das nationalsozialistische Deutsche Reich veranlassten. In der Nacht auf den 12. März 1938 lösten – nach telefonischen Drohungen von ihm, noch vor dem Einmarsch deutscher Einheiten – österreichische Nationalsozialisten das austrofaschistische Ständestaatsregime ab.

Er organisierte systematisch Wirtschaftsmassnahmen gegen von den Nationalsozialisten als Juden diskriminierte Menschen und erliess am 12. November 1938 die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben. Im Juli 1940 – nach dem schnellen Ende des Westfeldzuges – ernannte Hitler Göring zum Reichsmarschall.

In der Öffentlichkeit des In- und Auslands galt Göring bis zum Kriegsende als einer der einflussreichsten NS-Politiker. Tatsächlich verlor er, wie die historische Forschung später zeigte, vor und während des Krieges trotz einer Häufung von Ämtern und Titeln Schlüsselbefugnisse an konkurrierende NS-Funktionäre wie Heinrich Himmler und Joseph Goebbels. Als Chef der Luftwaffe geriet Göring wegen der Niederlage in der Luftschlacht um England (Mitte 1940 bis Anfang 1941), der beginnenden verheerenden Bombardierung des Reichsgebiets durch die Alliierten und des Scheiterns einer Luftbrücke bei der Schlacht von Stalingrad (Ende 1942) in Misskredit.

Am 31. Juli 1941 beauftragte er Reinhard Heydrich mit der Organisation der sogenannten "Endlösung der Judenfrage".

Ab 1942/43 (Zeit der Kriegswende) zog sich Göring – auf parteiinternen Druck hin wie auch aus eigenem Antrieb – zunehmend ins Privatleben zurück und pflegte einen dekadent-luxuriösen Lebensstil. Viele Ämter führte er seitdem – wenn überhaupt – nur noch in repräsentativer Weise aus.

Familie und Herkunft
Hermann Göring wurde während eines Kuraufenthalts seiner Mutter Franziska Göring (geb. Tiefenbrunn) im Marienbad in Rosenheim geboren. Vater Heinrich Ernst war promovierter Jurist und diente zwischen 1885 und 1890 als erster Reichskommissar für Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) sowie zwischen 1892 und 1895 als Ministerresident für Haiti und die Dominikanische Republik. Die schwangere Mutter war von Port-au-Prince auf Haiti nach Rosenheim mit der Absicht gereist, ihren Säugling nicht dem tropischen Klima auszusetzen.

Göring hatte vier Vollgeschwister: einen älteren Bruder Karl Ernst Göring (* 3. August 1885; † 4. Oktober 1932), zwei Schwestern, Olga Therese Sophie und Paula Elisabeth Rosa (die beide in Österreich mit Juristen verheiratet waren), und einen jüngeren Bruder, Albert Göring, der die nationalsozialistische Ideologie ablehnte.

Kindheit und Jugend
Seine Mutter gab ihn die ersten drei Jahre zur Pflege an die Familie Graf in Fürth, während sie mit ihrem Mann in Haiti war. 1896 kehrten die Görings nach Deutschland zurück. Die Familie wohnte in den folgenden Jahren in dem Haus Fregestrasse 19 in Berlin-Friedenau, das Hermanns Patenonkel, Hermann Epenstein (ab 1910 mit dem Adelsprädikat "Ritter von"), gehörte. Danach lebte die Familie Göring auf den Ländereien Epensteins, eines Arztes jüdischer Herkunft, mit dem sich Görings Vater in Deutsch-Südwestafrika angefreundet hatte. Epenstein stellte der Familie Göring die Burg Veldenstein (ca. 50 Kilometer nordöstlich von Nürnberg) als Wohnsitz zur Verfügung. Manche Sommer verbrachte die Familie als Epensteins Gäste auf dessen Burg Mauterndorf im Land Salzburg. Hermanns Mutter pflegte offen ein Verhältnis mit Epenstein. Bei Besuchen wohnte sie bei ihm, während der über 20 Jahre ältere Vater ausserhalb der Burg logierte.

Göring wurde 1900 in Fürth in eine Privatschule eingeschult und besuchte ebendort von 1902 bis 1904 mit mässigem Erfolg das Humanistische Gymnasium. Von 1904 bis 1905 war er ein Jahr Alumne des Gymnasiums Carolinum in Ansbach. In seinen "Kinderspielen ging es ständig um Krieg".

Mit zwölf Jahren schickte ihn sein Vater in das Kadettenhaus in Karlsruhe. 1909 wechselte er an die Hauptkadettenanstalt (Oberstufe) in Lichterfelde bei Berlin, wo er neben einer militärischen Ausbildung (Exerzieren und Gefechtsübungen) allgemeinbildenden Unterricht (u. a. in Französisch und Englisch) erhielt. 1911 absolvierte er das Fähnrichsexamen mit Auszeichnung und dem Prädikat "vorzüglich". Seit März 1912 war er Fähnrich im 4. Badischen Infanterie-Regiment "Prinz Wilhelm" Nr. 112. Im Januar 1913 bestand er das Abitur. Anschliessend absolvierte er einen achtmonatigen Kriegsschulkurs, den er mit dem Offiziersexamen abschloss.

Erster Weltkrieg
Am 10. Januar 1914 wurde er Zugführer in seinem Regiment, das in Mülhausen lag, seit dem 20. Januar 1914 im Rang eines Leutnants. Im Ersten Weltkrieg nahm er an einigen der ersten Gefechte im Elsass teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Wegen seines Gelenkrheumatismus wurde er am 23. September 1914 in ein Krankenhaus in Metz, anschliessend in Freiburg im Breisgau eingeliefert, wo er von seinem Freund und Regimentskameraden Bruno Loerzer, einem Kampfflieger, überzeugt wurde, der Fliegertruppe beizutreten. Göring verliess ohne Genehmigung das Krankenhaus, wurde am 16. Oktober zur Ausbildung als Beobachter zur Fliegerersatzabteilung 3 in Darmstadt abkommandiert und am 28. Oktober zur Feldfliegerabteilung 25 versetzt.

Er diente kurz darauf als Beobachter in einer Fliegertruppe. Am 25. März 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse. Von Juni bis September 1915 wurde er in Freiburg zum Piloten ausgebildet, u. a. von Ludwig Weber. Er wurde im September zur 5. Armee abkommandiert. Am 16. November 1915 errang er seinen ersten Luftsieg. Anfangs eskortierte er Bomberverbände, später wurde er Jagdflieger.

Am 14. März 1916 schoss er den ersten feindlichen Bomber ab. Nach einer Bruchlandung verbrachte Göring die Zeit vom 2. November 1916 bis zum Februar 1917 in verschiedenen Lazaretten.

Am 17. Mai 1917 wurde ihm die Führung der Jagdstaffel 27 übertragen. Er stieg am 18. August 1917 zum Oberleutnant auf. Nach seinem 19. Abschuss wurde ihm am 2. Juni 1918 der Orden Pour le Mérite verliehen.

Als der Kommandeur des Jagdgeschwaders Nr. 1, Hauptmann Wilhelm Reinhard, im Juli 1918 bei einem Testflug tödlich verunglückte, wurde Göring am 6. Juli 1918 Kommandeur dieses als Richthofens "Fliegender Zirkus" bekannten Geschwaders. Er flog unter anderem eine weisse Fokker D.VII. In seiner neuen Position errang er schliesslich seinen 22. und letzten Luftsieg.

Zeit der Weimarer Republik
Nach dem Waffenstillstand 1918 verlegte er sein Geschwader noch nach Deutschland zurück. Bei einer öffentlichen Versammlung in Berlin fiel er durch heftige Kritik am preussischen Kriegsminister Walther Reinhardt wegen dessen Eintretens für die Republik auf. Er ging als Militärberater nach Dänemark und später nach Schweden. Dort führte er die Maschinen von Anthony Fokker vor. Am 2. August 1919 erwarb er eine schwedische Fluglizenz und übernahm Aufträge für die Svenska Lufttrafik AB.

Am 13. Februar 1920 reichte er von Stockholm aus seinen Abschied bei der Reichswehr ein, die nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages keine Luftstreitkräfte besitzen durfte. Dabei beantragte er seine nachträgliche Beförderung zum Hauptmann und verzichtete auf etwaige Versorgungsansprüche. Im Juni 1920 wurde seinem Antrag stattgegeben.

Am 20. Februar 1920 flog er vom Stockholmer Flughafen Lindarängen aus Eric von Rosen auf dessen Gut Rockelstad und lernte dort seine erste Frau, die verheiratete Schwedin Carin Freifrau von Kantzow, geb. Freiin von Fock, kennen. Sie verliess ihren Ehemann Nils von Kantzow und lebte mit Göring an verschiedenen Orten in Schweden und ab 1921 in Hochkreuth bei Bayrischzell. Am 13. Dezember willigte Carins Gatte in die Scheidung ein. Am 25. Januar 1923 heiratete Göring die vier Jahre ältere Carin in Stockholm. Die Trauung wurde am 3. Februar 1923 am neuen Wohnort der Görings in Obermenzing bei München wiederholt.

Göring immatrikulierte sich 1921 an der Universität München, um ab Winter 1922 Geschichte, Volkswirtschaft und Staatswissenschaften zu studieren. Zu seinen Professoren gehörten der Historiker Karl Alexander von Müller und der Staatsrechtler Hans Nawiasky. Vermutlich besuchte er mehrere Veranstaltungen der NSDAP, bevor er am 12. Oktober 1922 erstmals Hitler um eine Unterredung bat. Dieser ernannte ihn Anfang 1923 zum Kommandeur der Sturmabteilung (SA). Göring entzog die SA dem Einfluss der Organisation Consul, organisierte sie neu und schuf ein eigenes Oberkommando. An Stelle der bisherigen organisierten Hundertschaften traten Sturmkompanien in der unteren Struktur – diese wurden in der höheren zu Sturmbataillonen und Sturmregimentern zusammengefasst. Organisatorisch wurde die SA von der NSDAP abgenabelt und von einer Parteitruppe in einen Wehrverband umgewandelt. Hitler forderte zudem, dass die NSDAP kein aus dem Hintergrund gesteuerter Geheimbund, sondern eine "moderne", offen agierende Massenpartei werden solle. Daher war es durchaus konsequent, die SA dem Einfluss Hermann Ehrhardts, des Führers der Organisation Consul, zu entziehen.

In seiner Funktion als SA-Kommandeur nahm Göring zudem am 9. November 1923 am Hitlerputsch teil, der von einer Einheit der bayerischen Landespolizei beendet wurde. Göring wurde durch einen Schuss in den Oberschenkel verletzt – einige englischsprachige Quellen sprechen von einem Schuss in die Hüfte und einem in die Leiste – und von Mitputschisten in den Hof des Hauses Residenzstrasse 25 getragen. Der jüdische Eigentümer des Anwesens, Robert Ballin, nahm den stark blutenden Göring bei sich auf. Ballin und seine Frau wurden auf Betreiben Görings nach dem Novemberpogrom 1938 aus dem KZ Dachau freigelassen.

Göring gelang unter Begleitung von Carin die Flucht nach Österreich. Wegen seiner Schmerzen erhielt er in einem Innsbrucker Krankenhaus Morphin-Injektionen – der Beginn von Görings Morphinismus. Als in München der Hitler-Prozess stattfand, hielt Göring sich nach wie vor in Österreich auf. Ende April 1924 wurde er zum Verlassen Österreichs aufgefordert. Er ging nach Italien und hielt sich als Bevollmächtigter Hitlers in Venedig und Rom auf.

Im Frühjahr 1925 zog er mit Carin in eine Wohnung in Stockholm und verfiel hier erstmals der Drogensucht. Im August 1925 wurde er in eine Klinik eingewiesen, und nach einer Entziehungskur erlitt er im Oktober einen Rückfall, weshalb er in die Nervenheilanstalt Långbro im Stockholmer Stadtteil Älvsjö eingeliefert wurde. Schon nach wenigen Wochen konnte er die Klinik als geheilt wieder verlassen und erhielt eine ärztliche Bescheinigung, dass er während der Behandlung nie Anzeichen einer Geisteskrankheit gezeigt habe.

Die Generalamnestie des neuen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg 1925 (es war die erste von vier Hindenburg-Amnestien; weitere gab es 1928, 1932 und 1934) erlaubte ihm die Rückkehr nach Deutschland. Er nahm am 3. und 4. Juli 1926 am NSDAP-Parteitag in Weimar teil, wo sich herausstellte, dass man ihn aus der Liste der Parteimitglieder gestrichen hatte. Göring kehrte nach Schweden zurück, wo er wegen Morphiummissbrauchs erneut in die Klinik von Långbro eingeliefert wurde. Nach 19 Tagen Aufenthalt konnte er die Klinik am 26. September 1927 wieder verlassen. 1929 will er die Droge endgültig abgesetzt haben.

Er kehrte Ende 1927 endgültig nach Deutschland zurück und trat erneut in die NSDAP und SA ein. Göring knüpfte Kontakte zu alten Fliegerkameraden wie Bruno Loerzer, Ernst Udet und Paul Körner. Der zu Geld gekommene Loerzer stellte ihn dem Vorstandsmitglied der Lufthansa Erhard Milch vor und führte ihn in die "besseren Kreise" ein. Mit Carin wohnte er nun in Berlin-Schöneberg und zog nach den Reichstagswahlen vom 20. Mai 1928 in den Reichstag ein. Später wurde er von Hitler zum SA-Gruppenführer ernannt. Bei seinen Besuchen in Berlin war Hitler ein häufiger Gast bei den Görings. Nach der Reichstagswahl vom 14. September 1930, die der NSDAP beträchtliche Stimmengewinne brachte, ernannte ihn Hitler, der weiter in München blieb, formell zu seinem "politischen Beauftragten in der Reichshauptstadt". Göring versuchte, die nationalsozialistische Bewegung in der besseren Gesellschaft hoffähig zu machen. So veranstaltete er 1931 in seiner Wohnung ein Treffen zwischen Fritz Thyssen, Hjalmar Schacht und Adolf Hitler. Nach diesem Treffen verteilte Thyssen einige Spenden an nationalsozialistische Zeitungen. Vor allem aber unterstützte er seinen Freund Hermann Göring, um ihm einen adäquaten Lebens- und Wohnstil zu ermöglichen.

Im Sommer 1931 reisten die Görings nach Schweden, wo Carins Mutter am 25. September unerwartet starb. Carin Göring starb wenige Wochen später am 17. Oktober 1931 an Tuberkulose.

Göring nannte später in Andenken an sie sein pompöses Anwesen in der Schorfheide bei Gross Schönebeck "Carinhall".

Reichstagspräsident 1932
Nachdem in der Reichstagswahl Juli 1932 die NSDAP erstmals zur stärksten Partei geworden war, konnte sich Göring in der ersten Sitzung des Reichstags am 30. August 1932 bei der Wahl zum Reichstagspräsidenten mit Unterstützung der bürgerlichen Parteien gegen die Kandidaten Paul Löbe (SPD) und Ernst Torgler (KPD) durchsetzen. Damit hatte die NSDAP zunächst das dritthöchste Amt in der Weimarer Republik besetzt.

In der Reichstagssitzung vom 12. September 1932 erreichte Göring durch einen Verfahrenstrick, dass trotz einer bereits erlassenen Verfügung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zur Auflösung des Reichstags noch über ein Misstrauensvotum gegen das Kabinett Papen abgestimmt werden konnte. Vor Beginn der Abstimmung, als von Papen die wenige Minuten zuvor erlassene und von ihm gegengezeichnete Auflösungsverfügung Hindenburgs bekanntgeben wollte, übersah Göring absichtlich den sich stehend zu Wort meldenden Reichskanzler (dem er zu diesem Zeitpunkt nach der Geschäftsordnung des Reichstags sofort das Wort hätte erteilen müssen) und erklärte die Abstimmung für eröffnet. Anschliessend verwies er auf die Geschäftsordnung, wonach während einer Abstimmung keinerlei Wortmeldungen mehr zulässig seien. Mit 513 zu 42 Stimmen sprach der Reichstag dem Kabinett Papen daraufhin das Misstrauen aus. Erst jetzt nahm Göring die Auflösungsverfügung zur Kenntnis, tat sie aber mit der Bemerkung ab, sie sei von Männern gegengezeichnet, denen der Reichstag gerade das Misstrauen ausgesprochen habe. Da Papen allerdings die Mappe mit der Auflösungsverfügung noch vor dem Ende der Abstimmung auf Görings Pult gelegt hatte, war der Reichstag dennoch rechtskräftig aufgelöst und das Misstrauensvotum formal ungültig; das für Papen blamable Ergebnis der Abstimmung aber war öffentlich.

Bei den daraufhin für den 4. November 1932 ausgeschriebenen Neuwahlen zum Reichstag musste die NSDAP zwar Stimmenverluste hinnehmen, blieb aber die stärkste Fraktion. Göring wurde erneut mit bürgerlicher Mehrheit zum Reichstagspräsidenten gewählt. In den folgenden Monaten hatte er entscheidenden Anteil an der Zerschlagung der Weimarer Republik.

Zeit des Nationalsozialismus
Görings Rolle bei der Festigung der NS-Diktatur
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser holte Göring und Wilhelm Frick als einzige nationalsozialistische Minister in sein Kabinett. Göring wurde Reichsminister ohne Geschäftsbereich, Reichskommissar für das preussische Innenministerium und Reichskommissar für Luftfahrt. Als kommissarischer Innenminister war er Dienstherr der gesamten preussischen Polizei. Damit spielte er bei der Machtübernahme und dem Aufbau des NS-Regimes eine entscheidende Rolle, da man sich nur mittels der Kontrolle über die Ordnungsorgane der politischen Gegner entledigen konnte (siehe auch Hilfspolizei). Den ihm vorgesetzten kommissarischen Preussischen Ministerpräsidenten Franz von Papen überging er. Nach dem Rücktritt von Papens in dieser Funktion wurde Göring am 10. April 1933 zum Ministerpräsidenten von Preussen ernannt.

Bereits am 17. Februar 1933 hatte er die Polizeibeamten angewiesen, mit "nationalen Verbänden" (SA, SS und Stahlhelm), "in deren Kreisen die wichtigsten staatserhaltenden Kräfte vertreten sind, das beste Einvernehmen herzustellen". Zeitgleich formulierte er wörtlich: "Polizeibeamte, die in Ausübung dieser Pflichten (gegen staatsfeindliche Organisationen) von der Schusswaffe Gebrauch machen, werden ohne Rücksicht auf die Folgen des Schusswaffengebrauchs von mir gedeckt". Dies bedeutete praktisch die Anordnung eines Schiessbefehls ("Schiesserlass") und beinhaltete die unverhohlene Aufforderung zu politischer Willkür zu seinem Nutzen. Zur Druckerhöhung auf die Polizeibeamten wurden den regulären Polizeieinheiten mit Erlass vom 22. Februar zusätzlich SA- und SS-Einheiten als Hilfspolizei – angeblich zur Abwehr "zunehmender Ausschreitungen von linksradikaler, insbesondere kommunistischer Seite" – untergeschoben.

Es mussten nach einem Verteilungsschlüssel von den insgesamt fünfzigtausend eingestellten Hilfskräften auch ein Fünftel aus den Reihen des bewaffneten Armes der – ebenfalls demokratiefeindlichen – Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, kommen. Dies war zwar keine NSDAP-Organisation, aber Göring rekrutierte zur genauen Kontrolle seiner Erlasse zugleich einige "Kommissare zur besonderen Verfügung", die meist SS-Führer waren, aber bisher keine staatliche Funktion innehatten. NSDAP-Parteifunktionäre und somit auch Privatpersonen hatten nun faktisch direkten Zugriff auf grosse Bereiche der staatlichen Verwaltung und der Polizei erlangt.

Auf seine Initiative hin wurden ab Februar 1933 die ersten, zunächst noch sehr unstrukturierten Konzentrationslager gebaut (teils als "wilde KZs" bezeichnet), in denen Polizei und SA festgenommene Oppositionelle inhaftierten. Die Gründung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), aus der später das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) hervorging, wurde von Göring veranlasst. Der erste Inspekteur der Gestapo, Rudolf Diels, war mit Göring familiär verbunden. Am 20. April 1934 übertrug Göring das Amt Heinrich Himmler. Im Juni 1934 übernahm die Gestapo eine Schlüsselrolle bei der auch von Göring veranlassten Ermordung von Ernst Röhm und etwa 200 weiteren Personen. Hitler, Göring und andere Spitzen des Regimes einigten sich zuvor auf eine "Reichsliste" der zu Ermordenden und Festzunehmenden.

Göring gehörte 1933 zu den Gründungsmitgliedern der nationalsozialistischen Akademie für deutsches Recht Hans Franks. Als Reichstagspräsident verlas Göring am 15. September 1935 vor dem nach Nürnberg einberufenen Reichstag die Nürnberger Gesetze, welche einstimmig angenommen wurden.

Am 16. August 1933, über drei Monate vor Erlass des weltweit ersten Tierschutzgesetzes, mit dem erstmals ein Tierschutzfachgesetz in Kraft trat, nutzte er die – nach Aktivitäten von Tierschützern und mehreren Gesetzentwürfen entstandene – unklare Situation in Detailfragen zu einem medienwirksamen Schnellschuss. Göring hat in seiner Funktion als preussischer Ministerpräsident die "Vivisektion an Tieren aller Art für das gesamte preussische Staatsgebiet" per Erlass für verboten erklärt, mit dem Hintergrund, dass diese umstrittene Erprobung von Operationsmethoden der Hauptstreitpunkt mit den Tierschützern war. Übereilt kommentierte die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz am nächsten Tag für die Presse: "Der Ministerpräsident hat die zuständigen Ministerien beauftragt, ihm unverzüglich ein Gesetz vorzulegen, nach dem die Vivisektion mit hohen Strafen belegt wird. Bis zum Erlass dieses Gesetzes werden Personen, die trotz des Verbotes die Vivisektion veranlassen, durchführen oder sich daran beteiligen, ins Konzentrationslager abgeführt".

Die frühe Verwendung des Wortes Konzentrationslager in den gleichgeschalteten Medien verdeutlicht, wie ernst der NS-Staat seine Tierschutz-Bemühungen nahm: Vivisektoren wurden strafrechtlich mit erklärten Feinden des NS-Regimes und den von seinem Rassismus und Antisemitismus Bedrohten auf eine Stufe gestellt. Görings Drohung hat die in Preussen tätigen Wissenschaftler und zu erwartenden Proteste der Ärzteschaft damit mundtot gemacht. Es wirkte nur, weil – ohne Detailwissen – die KZ-Drohung bereits Terrorwirkung hatte und die KZs propagandistisch nutzbar wurden. Eine Karikatur von Arthur Johnson aus dem Kladderadatsch vom 3. September 1933 belegt den Widerhall: Eine uniformierte Göring-Figur schreitet eine Parade von potenziellen Labor-Tieren ab, welche gleichsam den Hitlergruss und mit "Heil Göring" salutieren. Diese Ironisierung von Görings Mediencoup belegt, dass zumindest in der Frühzeit seiner NS-Staatsämter spöttische Äusserungen in den Medien kursierten. Der Erlass wurde treffenderweise hier mit versuchter politischer Vereinnahmung und einer zweifelhaften Tierliebe verknüpft. Göring musste bereits zwei Wochen nach dem Erlass, in seinem über die radikalsten Forderungen der Vivisektions-Gegner hinausschiessenden Erlass, zurückrudern. Ein neuer Runderlass für Preussen definierte strafbare Vivisektion anders; derartige gab es fast nicht.

Thesen einer Naturverbundenheit des "nordisch-germanischen Menschen" der Völkischen Bewegung und Antisemitismus waren schon früh gemeinsame Punkte in der Argumentation von radikalen Tierschützern und der NS-Ideologie: Der Tierversuch galt allgemein als Werk jüdischer Wissenschaftler und verkörperte angeblich Bestrebungen, diesen Menschen von der ihm eigenen Naturverbundenheit loszulösen und durch eine mechanistische, die Natur ausbeutende Wissenschaft zu verdrängen. Zudem ging es den neuen Machthabern darum, jegliche Agitation einer potenziellen Protestbewegung auszuschalten, was auch gelang.

Göring war in der Zeit des Nationalsozialismus – zumindest in den Augen der Öffentlichkeit – nach Hitler zweiter Mann im NS-Staat. 1934 wurde er per Führererlass zum Nachfolger Hitlers im Falle dessen Todes bestimmt. Indiz für Görings Popularität (vor dem Bombenkrieg) mag sein, dass er – anders als Hitler – zur stehenden Hauptfigur zahlreicher und nicht nur regimekritischer Witze wurde. Seine Yacht Carin II nutzte er ab 1937 intensiv als Propagandainstrument, um sich volksnah zu inszenieren. Sein Hang zu Pompösem und zu prunkvollen Uniformen brachte ihm den Spitznamen "Lametta-Heini" ein. Mehrfach berichtete der linkssozialistische Rote Stosstrupp 1933 über Korruption, Lügen und Prunkgehabe Görings. Dieser liess daraufhin erfolglos in eigenen Reihen nach Geheimnisverrätern fahnden. Er erkannte nicht, dass der Hausmeister seiner Dienstvilla Sozialdemokrat und Vertrauter von Rudolf Küstermeier war. 1934 setzte sich Göring dafür ein, dass der Prozess gegen die Führungsriege der Widerstandsgruppe vom Leipziger Reichsgericht an den Volksgerichtshof verlegt wurde.

Aufbau der Luftwaffe und Leiter des Vierjahresplans
Am 30. Januar 1933 wurde Göring von Hitler zum Reichskommissar für den Luftverkehr bestellt. Am 2. Februar folgte die Umbenennung des Amts in Reichskommissar für die Luftfahrt. In dieser Funktion verfügte Göring Ende März den Zusammenschluss sämtlicher Luftsportorganisationen zum Deutschen Luftsportverband. Im Zuge der Umwandlung des Reichskommissariats für Luftfahrt in das Reichsluftfahrtministerium wurde Göring am 5. Mai Reichsminister der Luftfahrt. Am 30. August wurde Göring von Reichspräsident Hindenburg der Charakter eines Generals der Infanterie verliehen, was ein Überspringen von fünf Rängen bedeutete, da er als Hauptmann aus der Reichswehr ausgetreten war. Dies sollte ihm in militärischen Kreisen eine gewisse Autorität beim Aufbau der Luftwaffe verschaffen. Im Mai 1935 wurde ihm unter gleichzeitiger Umernennung zum General der Flieger der Oberbefehl über die neu gegründete Luftwaffe übertragen. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1936 wurde er zum Generaloberst befördert.

Göring unterzog die wiederaufgerüstete Luftwaffe einem ersten Bewährungstest und setzte die Legion Condor in einer verdeckten Operation zugunsten von Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg ein. Er gab dem Unternehmen in einer typisch theatralischen Geste den Decknamen Operation Feuerzauber, nach dem letzten Akt von "Siegfried". Als ehemaliger Oberbefehlshaber der Luftwaffe sagte er später dazu vor dem Internationalen Militärgerichtshof:

"[…] Der Führer überlegte sich, ich drängte lebhaft, die Unterstützung unter allen Umständen zu geben. Einmal, um der Ausweitung des Kommunismus […] entgegenzutreten, zum zweiten aber, um meine junge Luftwaffe bei dieser Gelegenheit […] zu erproben. Ich sandte mit Genehmigung des Führers einen grossen Teil meiner Transportflotte und sandte eine Reihe von Erprobungskommandos meiner Jäger, Bomber und Flakgeschütze hinunter und hatte auf diese Weise Gelegenheit, im scharfen Schuss zu erproben, ob das Material zweckentsprechend entwickelt wurde. […]"

1934 wurde Göring Reichsjägermeister, Reichsforstmeister und Oberster Beauftragter für den Naturschutz. In ersterer Funktion setzte er das Reichsjagdgesetz vom 3. Juli 1934 durch (es gilt im Wesentlichen bis heute). Auf vielen Fotos ist er mit einer Anstecknadel an der Oberbekleidung (z. B. an Revers oder Krawattenknoten), der "Reichsjägermeisternadel", zu sehen (einer goldenen, mit Edelsteinen bestückten Nadel). Um seiner Jagdleidenschaft nachgehen zu können, liess er seine beiden Landsitze inmitten von Wald errichten – ab 1933 Carinhall in der Schorfheide und 1935/36 den Reichsjägerhof Rominten in der Rominter Heide. Göring förderte die Abbildzüchtung des Auerochsen und Tarpans.

Am 18. Oktober 1936 wurde Göring zum Beauftragten für den Vierjahresplan ernannt. Damit war er faktisch Wirtschaftsdiktator in Deutschland. Ein Ziel der Kriegsvorbereitungspolitik war, die Auslandsabhängigkeit bei Eisen und Stahl auf ein Minimum zu reduzieren. Zur Ausbeutung geringwertiger Eisenerze wurden am 15. Juli 1937 die Reichswerke Hermann Göring gegründet. Damit sollten kriegswirtschaftliche Erfordernisse gesichert werden, was nur ungenügende Profitchancen für das Privatkapital bot. Den Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht verdrängte er schnell. Sein Auftrag war es, die deutsche Wirtschaft kriegsbereit zu machen (siehe auch Aufrüstung der Wehrmacht). Letztlich scheiterte er an dieser Aufgabe. Diese Funktion übernahm ab 17. März 1940 Fritz Todt, als Reichsminister für Bewaffnung und Munition, und letztlich 1942 Albert Speer.

Die Reichswerke Hermann Göring (HGW) waren neben der I.G. Farben und der Vereinigte Stahlwerke AG der grösste deutsche Konzern im nationalsozialistischen Deutschen Reich. Für die historische Betrachtung der Zwangsarbeit im "Dritten Reich" sind die HGW von zentraler Wichtigkeit. In den HGW wurden auf Grundlage eines ausufernden Lager- und Verwaltungssystems alle Formen von Zwangsarbeit in Höchstzahlen angewendet, dies schloss die grossangelegte Ausbeutung von KZ-Häftlingen mit ein. Das Unternehmen war 1944 der grösste europäische Stahlkonzern.

Während der Blomberg-Fritsch-Krise im Januar 1938 intrigierte Göring gegen Werner von Blomberg und nötigte diesen zum Rücktritt, offenbar in der Hoffnung, den Oberbefehl über die Wehrmacht von ihm übernehmen zu können. Schliesslich übernahm Hitler diesen selbst, und Göring wurde am 4. Februar 1938 zum Generalfeldmarschall befördert. Nach Blombergs Rücktritt war Göring bis 1939 der einzige Träger dieses Dienstgrades und wurde somit zum ranghöchsten Offizier der Wehrmacht.

Novemberpogrome
Am 12. November 1938, im Anschluss an die auch als "Kristallnacht" bekannten Novemberpogrome, berief Göring eine Sitzung im Reichsluftfahrtministerium ein, um Massnahmen zu beschliessen, die reichsdeutschen Juden zu enteignen und zur Auswanderung zu zwingen. So schlug er vor, den deutschen Juden eine Geldbusse von einer Milliarde Reichsmark wegen des Attentats auf den deutschen Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath, die Judenvermögensabgabe, aufzuerlegen. Durch die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben und die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens sorgte er dafür, dass die wilde Arisierung staatlich geregelt und forciert wurde. Die Ausschreitungen, bei denen über 1'400 Synagogen zerstört, unzählige Geschäfts- und Wohnungseinrichtungen jüdischer Bürger zerstört worden waren und 400 Tote zu beklagen waren, kommentierte er, es wäre ihm lieber gewesen, wenn "200 Juden erschlagen" worden wären, statt "solche Werte" zu vernichten.

Sudetenkrise und Münchner Konferenz
Hitlers Kriegsplänen stand Göring intern skeptisch gegenüber, da er deren Erfolgsaussichten bezweifelte. Hingegen äusserte er auf einer Besprechung mit Luftfahrtindustriellen auf seinem repräsentativen Anwesen Carinhall am 8. Juli 1938:

"Wir müssen uns ganz klar darauf einstellen. Ich glaube, so wie die Lage ist, ist es zu 10, zu 15 % so, dass sich irgendwie die Sache verhältnismässig noch in kleineren Aktionen lösen kann. Aber zu 80, 85, 90 % bin ich überzeugt, dass es doch einmal einen grösseren Kladderadatsch geben wird und dass wir dann einmal den grossen Kampf machen müssen, den ich nicht scheue. Es kommt nur darauf an, dass nicht wieder schlapp gemacht wird. […] Dann ist Deutschland die erste Macht der Welt, dann gehört Deutschland der Markt der Welt, dann kommt die Stunde, wo Deutschland reich ist. Aber man muss was riskieren, man muss was einsetzen".

1938, während der Sudetenkrise, arrangierte er hinter dem Rücken des Aussenministers Joachim von Ribbentrop gemeinsam mit dem italienischen faschistischen Diktator Benito Mussolini die Münchner Konferenz, in der die Vertreter der Entente und ihrer Verbündeten im Ersten Weltkrieg (Italien, Grossbritannien und Frankreich) – unter Abwesenheit der nichtgeladenen Tschechoslowakei – zur Enttäuschung Hitlers nachgaben, um einen möglichen Krieg zu verhindern. Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs wurde Göring deswegen aussenpolitisch kaltgestellt, um nicht noch einmal Hitlers Pläne zu stören.

Frankreichfeldzug, gescheiterte Luftschlacht um England und Luftbrücke nach Stalingrad
Hitler ernannte am 19. Juli 1940 (also kurz nach dem Ende des Westfeldzuges) gleichzeitig zwölf Generäle (neun Heer, drei Luftwaffe) zum Generalfeldmarschall. Göring wurde im selben Monat von diesem Rang zum Reichsmarschall des Grossdeutschen Reiches befördert, ein eigens für ihn geschaffener, höchster Dienstgrad. Ein Jahr später übertrug ihm Hitler per Erlass vom 29. Juni 1941 die Führernachfolge mit allen Vollmachten für den Fall, dass er selbst "seiner Handlungsfähigkeit beraubt" sei. In diese Zeit fällt auch seine Freundschaft zu seinem italienischen Amtskollegen Italo Balbo.

Bis zum Frankreichfeldzug im Mai und Juni 1940 wurde Göring als Held der Luftwaffe gefeiert. Wegen seiner katastrophalen Luftkriegsstrategie gegen England (siehe Luftschlacht um England) fiel er mehr und mehr in Ungnade. Er war auch mitverantwortlich für das Debakel von Stalingrad, weil er Hitler wider besseres Wissen zusagte, die Luftwaffe könne die eingeschlossene 6. Armee aus der Luft versorgen.

Ausbeutung besetzter Gebiete und Beteiligung am Holocaust
In seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan organisierte er die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete. Dass dem von ihm mitverantworteten Hungerplan Millionen von Menschen zum Opfer fallen würden, bezeichnete er als notwendig und erwünscht. So sagte er am 25. November dem italienischen Aussenminister Graf Ciano:

"In diesem Jahr werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Russland verhungern. Vielleicht ist es gut so, da bestimmte Völker dezimiert werden müssen".

Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher bestätigte er, sich in einer Besprechung mit den Reichskommissaren für die besetzten Gebiete am 6. August 1942 in Bezug auf das besetzte Frankreich unter anderem wie folgt geäussert zu haben:

"Früher schien mir die Sache doch verhältnismässig einfacher zu sein. Da nannte man das Plündern. Da stand dem Betreffenden zu, das wegzunehmen, was man eroberte. Nun, die Formen sind humaner geworden. Ich gedenke trotzdem zu plündern, und zwar ausgiebig […]".

Seine Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Holocaust ist durch einen Befehl vom 31. Juli 1941 belegt, dessen Echtheit er auch im Nürnberger Prozess bestätigte. In diesem beauftragte er Reinhard Heydrich, alle notwendigen Vorbereitungen zur "Endlösung der Judenfrage" zu treffen und einen "Gesamtentwurf" hierfür zu erarbeiten. Im Dezember 1941 berief dieser für den 20. Januar 1942 die Wannseekonferenz ein, an der 15 hochrangige Vertreter des NS-Regimes teilnahmen. Im Nürnberger Prozess stritt Göring jede Verantwortung und Kenntnis über den Holocaust ab. Nachdem ihm ein Film über ein Konzentrationslager gezeigt worden war, sagte er, er habe die genauen Zustände in den Lagern nicht gekannt; die Darstellungen im Film halte er für übertrieben.

Hermann Göring und die Kunst
Göring war als Sammler von Kunstwerken bekannt und berüchtigt. Es gab einen massgeblich durch Spenden deutscher Grossindustrieller gespeisten "Kunstfond". Durch Raub und Erpressung, aber auch durch Kauf häufte er über 4'000 Kunstobjekte an. Allein in Italien nahmen die Einkäufe Görings und Hitlers derartige Ausmasse an, dass die Regierung den Verkauf von Kunstschätzen an Nicht-Italiener im September 1941 per Dekret verbot. Für die Sammlung wollte Göring seinen Landsitz Carinhall in der Schorfheide bei Berlin in ein Museum, die Norddeutsche Galerie, umwandeln. Sammelschwerpunkt war die Kunst des Mittelalters und der Renaissance. Er arbeitete mit dem für Kunstraub bekannten Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) zusammen, der für ihn auch Tauschgeschäfte durchführte. Dabei tauschten Rosenbergs Leute beschlagnahmte Werke der Moderne gegen Gemälde alter Meister ein. Zudem setzte er auch eine eigene Organisation, die "Devisenschutzkommandos" ein, die in seinem Auftrag in besetzten Gebieten Kunst beschlagnahmte. Für ihn besorgten der Kunsthändler Walter Andreas Hofer und der ERR-Mitarbeiter Bruno Lohse auch Bilder aus beschlagnahmtem jüdischem Besitz. Seiner Bau- und Sammelleidenschaft kam eine ihm 1943 von Hitler gewährte Dotation in Höhe von 6 Millionen Reichsmark sehr zustatten. Von der Preussischen Schlösserverwaltung entlieh sich Göring ein Gemälde von August Weber – es tauchte nie wieder auf.

Im Juni 1942 weihte er die nach ihm benannte Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in Kronenburg (Eifel) ein. Ebenfalls 1942 wurde während der deutschen Besatzung der Niederlande eine Jan Vermeer-Fälschung Christus und die Ehebrecherin an Göring verkauft, obwohl dieses Bild leicht als Fälschung hätte erkannt werden können, da es mit Kobaltblau eine Farbe enthielt, die es zu Vermeers Zeit noch nicht gab.

Im Frühjahr 1945 wurden viele Kunstgüter der Sammlung nach Bayern transportiert; dort fanden vorrückende Truppen der US Army (101st Airborne Division) sie.

Allmählicher Bedeutungsverlust
Seit 1942 sank Görings Einfluss. Während er sich bei Lagebesprechungen häufig vertreten liess, reiste er viel umher und widmete sich seiner Sammel- und Jagdleidenschaft; an der Entwicklung des Krieges nahm er nur noch wenig Anteil. Einer der Gründe waren die verheerenden Luftangriffe etwa auf Lübeck, Rostock und Köln, denen Görings Luftwaffe kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Vor dem Krieg soll Göring angegeben haben, er wolle "Meier heissen, wenn auch nur ein einziges feindliches Flugzeug die deutsche Grenze überfliegen" werde. Ein Nachweis für dieses Zitat findet sich zwar nirgends, doch es wurde ihm jetzt höhnisch vorgehalten, und er bekam den Spitznamen "Hermann Meier".

Am 23. Juli 1944, drei Tage nach dem Stauffenberg-Attentat, ordnete Göring nach Absprache mit Hitler an, dass für alle Wehrmachtsteile künftig nur noch der Deutsche Gruss als Ehrenbezeigung zulässig sei.

Entmachtung
Am 20. April 1945 verliess Göring nach dem offiziellen Geburtstagsempfang für Adolf Hitler Berlin in Richtung Berchtesgaden. Er verabschiedete sich von Hitler mit der Begründung, dass in Süddeutschland wichtige Aufgaben auf ihn warteten.

Am 23. April 1945 teilte Göring in einem Telegramm an Hitler aus Berchtesgaden mit, er betrachte sich für den Fall, dass Hitler weiterhin in Berlin ausharre und bis 22 Uhr keine anderslautende Mitteilung einginge, gemäss der im Juni 1941 per Erlass getroffenen Regelung ab sofort als Nachfolger des Führers mit allen Vollmachten. Hitler interpretierte dies als versuchten Staatsstreich und unterzeichnete einen von Martin Bormann aufgesetzten Funkspruch, wonach der Reichsmarschall seiner Ämter enthoben und sofort wegen Hochverrats zu verhaften sei. Göring wurde daraufhin auf dem Obersalzberg von der dortigen SS-Kommandantur festgesetzt. Am 25. April meldete der Grossdeutsche Rundfunk, Göring sei aufgrund von Herzproblemen von all seinen Ämtern zurückgetreten. In seinem politischen Testament vom 29. April 1945 stiess Hitler ihn aus der NSDAP aus und entzog ihm alle aus dem Erlass von 1941 resultierenden Rechte.

Gefangennahme, Prozess und Tod
Nachdem Hitler und Eva Braun am 30. April 1945 Selbstmord begangen hatten, wurde Göring aus der Haft entlassen. Auf die Frage, wohin er nun wolle, antwortete er: "Auf die Burg meiner Jugend". Er fuhr am 7. Mai 1945 in Richtung Burg Mauterndorf (Österreich), und da es unsicher war, ob es den sowjetischen Streitkräften nicht doch noch gelingen würde, ins Murtal, also bis in den Salzburger Lungau vorzustossen, floh er nach Schloss Fischhorn im Salzburger Pinzgau und begab sich in die Hände der 36. US-Infanteriedivision der 7. US-Armee. Zuvor hatte sein Adjutant Oberst Bernd von Brauchitsch die Gefangennahme ausgehandelt. Bei seiner Festnahme durch die Alliierten trug er zwei Koffer mit Paracodintabletten bei sich, die er suchtmässig konsumierte, nachdem er sie 1937 gegen Zahnschmerzen genommen hatte. Im amerikanischen Gewahrsam wurde Göring direkt von den Generälen John Dahlquist und William W. Quinn vernommen. Dabei geschossene Pressefotos sorgten später in der amerikanischen Bevölkerung für Unmut, da sie eine zu ungezwungene Gesprächsatmosphäre mit Göring suggerierten.

Am 9. Mai gab Göring im Hauptquartier der 7. US-Armee in Kitzbühel eine Pressekonferenz für die internationale Presse. Dabei sprach er u. a. über Hitler, die Luftangriffe auf England und äusserte die Ansicht, dass er den Krieg als Fussballspiel betrachte, an dessen Ende sich die Gegner die Hände geben würden. Anschliessend wurde er am 10. Mai nach Augsburg geflogen, wo er in einem Internierungslager der Amerikaner im Stadtteil Bärenkeller zehn Tage lang u. a. von Eric M. Warburg verhört wurde. Bei einer weiteren Pressekonferenz war Klaus Mann, damals Reporter der Armeezeitung Stars and Stripes, anwesend.

Am 21. Mai 1945 wurde Göring in Begleitung seiner Frau Emmy und seiner Tochter Edda in das geheime US-Lager Camp Ashcan im luxemburgischen Bad Mondorf gebracht, in dem zwischen Mai und September 1945 ein Grossteil der bis dahin gefangenen NS-Funktionäre und hochrangigen Militärs festgehalten und verhört wurde. Ab November 1945 war er als ranghöchster Nationalsozialist in Nürnberg angeklagt. Nach seinem Drogenentzug wirkte er auf viele Protagonisten des Nürnberger Prozesses lebendiger und schlagfertiger als in all den Jahren des Dritten Reiches zuvor.

Er wurde in allen vier Anklagepunkten (Verschwörung gegen den Weltfrieden; Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges; Verbrechen gegen das Kriegsrecht; Verbrechen gegen die Menschlichkeit) schuldig gesprochen und zum Tod durch Hängen verurteilt. Göring stellte beim Gericht den Antrag, erschossen zu werden, was aber abgelehnt wurde. Der Vollstreckung des Urteils entzog er sich schliesslich am 15. Oktober 1946, in der Nacht vor dem Hinrichtungstermin, durch Selbsttötung mit einer Zyankali-Giftkapsel.

Woher Göring das Gift hatte, wurde bald Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Erich von dem Bach-Zelewski, ein ehemaliger Obergruppenführer der Waffen-SS, behauptete in der Untersuchungshaft, es sei von ihm. Er habe schon vor Beginn des Prozesses den Kontakt zum ehemaligen Reichsmarschall gesucht und ihm im Korridor das Gift in einem Stück Seife zukommen lassen. Diese Behauptung belegte Bach-Zelewski damit, dass er den Amerikanern 1951 eine weitere Ampulle lieferte, deren Glas aus derselben Herstellungsserie stammte wie die Splitter, die in Görings Mundhöhle gefunden worden waren. Nach einer anderen Version soll Jack G. Wheelis, ein Leutnant der US Army, mit dem sich Göring angefreundet hatte, ihm das Gift zugesteckt haben. Anfang 2005 meldete sich schliesslich der ehemalige Wachsoldat Herbert Lee Stivers, der bei den Nürnberger Prozessen seinen Dienst getan hatte, und behauptete, dass er damals von einer Frau ("Mona") und einem Mann gebeten worden sei, Göring Notizen und eine in einem Füllfederhalter versteckte Kapsel zuzustecken. Diese hätten ihm gesagt, dass Göring ein sehr kranker Mann sei und Medizin benötige. Herbert Lee Stivers sei seit dem Bekanntwerden von Görings Suizid davon überzeugt, dass es sich bei der "Medizin" um das Zyankali für den Selbstmord gehandelt habe; aus Furcht vor Strafverfolgung aber habe er bis dahin geschwiegen.

Göring selbst beschrieb den Plan seiner Selbsttötung in einem Abschiedsbrief an den Gefängniskommandanten. Demnach habe er von Anfang an drei Zyankalikapseln bei sich gehabt. Eine versteckte er so, dass sie gefunden werden konnte, eine weitere so gründlich, dass sie nicht gefunden wurde; während des Nürnberger Prozesses hatte er diese Kapsel bei sich im Stiefel. Die dritte Kapsel befand sich in einer Dose mit Hautcreme in Görings Gepäck, auf die er durch den amerikanischen Offizier Jack G. Wheelis Zugriff hatte.

Sein Leichnam wurde im Städtischen Krematorium auf dem Münchner Ostfriedhof eingeäschert und die Asche in den Wenzbach, einen Zufluss der Isar, gestreut.

Ämtervielfalt
Göring bekleidete zahlreiche Posten, die er sich alle bezahlen liess. Seine wichtigsten Ämter waren:

  • politischer Beauftragter des Führers in der Reichshauptstadt (1932–1933)
  • Preussischer Minister des Innern (1933–1934)
  • Preussischer Ministerpräsident (1933–1945)
  • stellvertretender Reichsstatthalter von Preussen (1933–1945)
  • Präsident des Preussischen Staatsrates (1933–1945)
  • Präsident des Reichstags (1932–1945)
  • Reichsminister ohne Geschäftsbereich (1933)
  • Reichsforstmeister (1934–1945)
  • Reichsjägermeister (1934–1945)
  • Reichsbeauftragter für Rohstoff- und Devisenfragen (6. Juli 1936)
  • Mitglied des Geheimen Kabinettsrats (1938–1945)
  • Vorsitzender des Ministerrats für Reichsverteidigung (1939–1945)
  • designierter Nachfolger des Führers (1934–1945)
  • Präsident des Reichsforschungsrats (1943–1945)
  • Reichskommissar für die Luftfahrt (1933)
  • Reichsminister der Luftfahrt (1933–1945)
  • Präsident des Reichsluftschutzverbandes (1933)
  • Oberbefehlshaber der Luftwaffe (1935–1945)
  • Reichskommissar für Rohstoffe und Devisen (1936)
  • Beauftragter für den Vierjahresplan (1936–1945)
  • Vorsitzender des Zentralen Planungsamts (1943–1945)
  • Hauptleiter der Reichswerke Hermann Göring (1937–1945)

Rezeption
Für sein Streben nach Auszeichnungen, seine Sammelleidenschaft und seine Vorliebe für Prunk bekannt, liess er Gemälde, die ihm gefielen, konfiszieren. Trotz der angespannten Lage der deutschen Streitkräfte in der Sowjetunion feierte Göring seinen 50. Geburtstag 1943 mit enormem Aufwand und forderte vom Finanzminister zwei Millionen Reichsmark zur Vergrösserung von Carinhall. Hitler kannte und duldete diese Forderungen. In der ostpreussischen Rominter Heide hielt er, auch mit ausländischen Gästen, grosse Jagden ab. Oberforstmeister Walter Frevert berichtete in seinen Büchern über Görings Jagdneid, wenn einer seiner Gäste einen zu starken Hirsch geschossen hatte.

Im Volksmund wurde Göring wegen seiner auffälligen, oft aus Uniform und vielen Orden bestehenden Garderobe "Goldfasan" oder "Lametta-Heini" genannt. In einer populären Parodie auf ein ursprünglich von Claire Waldoff gesungenes Couplet hiess es:

"Rechts Lametta, links Lametta,
Und der Bauch wird imma fetta,
In den Lüften ist er Meesta –
Hermann heesst er"!

Wie Hitler und Himmler unterstanden auch Göring bewaffnete "Elite-Einheiten": Die SA-Standarte "Feldherrnhalle", deren "Ehren-Standartenführer" er wurde, und das Polizeiregiment "General Göring", das später in die Luftwaffe überführt und während des Krieges zum Fallschirm-Panzerkorps "Hermann Göring" ausgebaut wurde (siehe Fallschirm-Panzer-Division 1 Hermann Göring).

Göring war Ehrenbürger zahlreicher deutscher Städte. Im Zuge seiner Verurteilung als einer der Hauptschuldigen im Nürnberger Prozess verlor Göring alle Ehrenbürgerschaften (Vorrechte) gemäss Artikel VIII, Ziffer II, Buchstabe i der Direktive 38 des Alliierten Kontrollrats vom 12. Oktober 1946.

1974 liess der Freistaat Bayern den Nachlass Görings versteigern, was die DDR-Dokumentarfilmer Walter Heynowski und Gerhard Scheumann in ihrem Kurzfilm "Meiers Nachlass" (1975) problematisierten.

Generalfeldmarschall Albert Kesselring

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Albert Kesselring (* 30. November 1885 in Marktsteft; † 16. Juli 1960 in Bad Nauheim) war ein deutscher Heeres- und Luftwaffenoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall), der während des Zweiten Weltkrieges verschiedene Führungspositionen innehatte.

Bayerische Armee
Kesselring wuchs als Sohn eines Lehrers und späteren Stadtschulrates in Bayreuth auf. Nach bestandenem Abitur am Gymnasium Christian-Ernestinum trat er am 20. Juli 1904 in das in Metz stationierte 2. Fussartillerie-Regiment der Bayerischen Armee ein. Am 8. März 1906 erfolgte seine Ernennung zum Leutnant. Nachdem er am 29. März 1910 seine Frau Pauline geheiratet hatte, adoptierte das Paar 1913 einen Jungen (Rainer). Im Juni 1912 absolvierte er einen Ballonbeobachter-Kurs in einer Luftschiffabteilung (bevor es Aufklärungsflugzeuge gab, verwendete man Fesselballone). Am 25. Oktober wurde er zum Oberleutnant befördert.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges diente Kesselring als Bataillonsadjutant bei der Artillerie. Am 5. Dezember 1914 wurde er zum Hauptquartier der Fussartillerie-Brigade versetzt. 1916 zum Hauptmann befördert, war er als Generalstabsoffizier bei Divisions- und Korpsstäben tätig. Seine Leistungen während des Krieges wurden durch die Verleihung beider Klassen des Eisernen Kreuzes, des Militärverdienstordens IV. Klasse mit Schwertern und mit Krone sowie des Ritterkreuzes II. Klasse des Albrechts-Ordens mit Schwertern gewürdigt.

Weimarer Republik
Nach dem Krieg wurde Kesselring 1919 in die Reichswehr übernommen und zunächst als Batteriechef verwendet. 1922 wurde er ins Reichswehrministerium versetzt, wo er unter anderem in der Heeres-Ausbildungsabteilung (T 4) und im Stab des Chefs der Heeresleitung verwendet wurde. Nach Tätigkeiten als Generalstabsoffizier in verschiedenen Divisionsstäben übernahm Kesselring von 1931 bis 1933 als Oberstleutnant die Funktion des Kommandeurs der III. Abteilung im 4. Artillerie-Regiment in Dresden.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
1933 wechselte Kesselring, inzwischen Oberst, in das neugebildete Reichsluftfahrtministerium, wo er die Leitung des Amtes D (später Luftwaffenverwaltungsamt) übernahm. Sein Aufgabengebiet umfasste hierbei den Aufbau der späteren Luftwaffe. Er schied 1934 auch formal aus dem Heer aus und legte die Flugzeugführerprüfung ab. 1936 erfolgte die Beförderung Kesselrings zum Generalleutnant, im Juni dieses Jahres wurde er als Nachfolger des verunglückten Walther Wever zum Chef des Generalstabs der Luftwaffe ernannt. Im Juni 1937 übernahm er unter Beförderung zum General der Flieger den Befehl im Luftkreis III (Dresden). Zu Beginn des folgenden Jahres wurde er Befehlshaber des Luftwaffengruppenkommandos 1 in Berlin, das später in die Luftflotte 1 umgewandelt wurde. Ihm unterstand zu dieser Zeit der deutsche Luftraum von Berlin und Mitteldeutschland nach Osten.

Zweiter Weltkrieg
Erste Feldzüge
Als Hitler am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg begann, kommandierte Kesselring die Luftflotte 1; sie war während des Polenfeldzugs für die Luftunterstützung der Heeresgruppe Nord zuständig. Nach der Kapitulation Warschaus, das zuvor schwer bombardiert worden war, wurde ihm am 30. September 1939 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Im Januar 1940 übernahm er den Befehl über die Luftflotte 2 im Westen, die während des Westfeldzugs die Heeresgruppe B unterstützte. Verbände unter seinem Befehl führten am 14. Mai einen verheerenden Luftangriff auf Rotterdam aus, um die Kapitulation der Niederlande zu erzwingen. Am 19. Juli 1940, nach Beendigung der Kampfhandlungen in Frankreich, wurde Kesselring unter Überspringen des Ranges Generaloberst zum Generalfeldmarschall befördert (zeitgleich mit elf weiteren Generälen). Während der anschliessenden Luftschlacht um England war seine Luftflotte für die Angriffe auf Südostengland und ab September 1940 auch auf London (The Blitz) zuständig.

In Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion wurde Kesselrings Luftflotte im Juni 1941 nach Polen verlegt. Ihre Aufgabe war die Unterstützung der Heeresgruppe Mitte bei deren Vormarsch auf Moskau. Sie hatte einen entscheidenden Anteil bei den erfolgreichen Kesselschlachten in den ersten Monaten der Invasion. Im November 1941 erhielten der Stab und mehrere unterstellte Verbände den Befehl zur Verlegung nach Italien.

Mittelmeerraum und Italien
Kesselring bezog sein Hauptquartier in Frascati bei Rom. Er erhielt zusätzlich den Titel "Oberbefehlshaber Süd beim italienischen Oberkommando". Seine Aufgabe war die Bekämpfung der britischen Truppen auf Malta und die Sicherung des deutschen Nachschubs über See, insbesondere nach Nordafrika. Dort standen bzw. kämpften im Rahmen des Afrikafeldzuges (9. September 1940 bis 13. Mai 1943) deutsche Truppen.

Als Anerkennung für seine Führung und die Leistung der Truppe wurden Kesselring am 25. Februar 1942 das Eichenlaub und am 18. Juli desselben Jahres die Schwerter zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Für seinen 200. Frontflug erhielt er 1942 die goldene Frontflugspange. Im Oktober 1942 wurde seine Befehlsgewalt auf alle nominell unter italienischem Oberbefehl stehenden Wehrmachtverbände im Mittelmeerraum mit Ausnahme von Erwin Rommels Panzerarmee Afrika ausgedehnt, Anfang 1943 erhielt er den Gesamtbefehl über den Brückenkopf Tunesien (Tunesienfeldzug Februar bis Mai 1943). Seine überoptimistischen Lagebeurteilungen trugen zum Untergang der Heeresgruppe Afrika im Tunesienfeldzug bei.

Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien (ab 10. Juli 1943) und dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 wurde Kesselring mit der Vorbereitung der im süditalienischen Raum einzuleitenden Massnahmen bei einem Abfall Italiens beauftragt (Fall Achse). Nach der Landung der Alliierten in Italien wurde Kesselring am 21. November zum Oberbefehlshaber Südwest und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe C ernannt. Zudem wurde ihm die Vollziehende Gewalt in den italienischen Operationsgebieten übertragen.

Geiselerschiessungen in Italien
Kesselring war Hitler stets loyal ergeben und äusserte sich zum NS-Regime nie konkret. Als Oberbefehlshaber in Italien war er für mehrere sogenannte "Sühnemassnahmen" der Wehrmacht gegen die italienische Zivilbevölkerung nach Angriffen der italienischen Resistenza gegen Angehörige der Wehrmacht verantwortlich.

So liess Kesselring nach einem Attentat in der Via Rasella in Rom am 23. März 1944, dem 33 Mitglieder des Polizeiregimentes Bozen zum Opfer fielen, 335 völlig unbeteiligte italienische Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen erschiessen.

Ab April 1944 leitete Kesselring auch die gesamte "Bandenbekämpfung" in den italienischen Operationsgebieten. Der Höchste SS- und Polizeiführer wurde ihm persönlich unterstellt und erhielt von Kesselring die Richtlinien.

Ein logistisches Problem beim deutschen Rückzug war Rom mit seinen unschätzbaren Denkmälern und unersetzlichen Gebäuden. Die Alliierten hatten angefangen, San Lorenzo, einen vorwiegend von Arbeitern bewohnten Stadtteil Roms zu bombardieren, da sich dort angeblich deutsche Truppen und Nachschubzentren befanden. Um ein zweites Monte Cassino oder gar Stalingrad zu verhindern, weigerte sich Papst Pius XII. die Stadt zu verlassen und bemühte sich um eine allseitige Erklärung Rom als offene, militärfreie Stadt. Viele halfen ihm dabei, auf vatikanischer Seite Pankratius Pfeiffer, Domenico Tardini, Otto Faller, auf deutscher Seite Ernst von Weizsäcker und SS-General Karl Wolff.

Anfang Juni 1944 erklärte Kesselring Rom zur "offenen Stadt" und zog bis auf eine Nachhut alle Truppen ab. Am 4. Juni 1944 marschierten Truppen der 5. US-Armee in Rom ein.

Kesselring bekam am 19. Juli 1944, einen Tag vor seinem vierzigjährigen Dienstjubiläum, die Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern verliehen. Er war einer von 27 Trägern dieser Auszeichnung.

Gegen Ende einer der schwersten Abwehrschlachten in Italien, am Nordhang des Apennin, wurde Kesselring am 23. Oktober 1944 bei einem seiner täglichen Truppenbesuche schwer verwundet. Stellvertretend für ihn übernahm Generaloberst Heinrich von Vietinghoff bis Mitte Januar den Oberbefehl in Italien. Am 5. Januar 1945 empfing Adolf Hitler Kesselring im Führerhauptquartier Adlerhorst.

Kriegsende
Kesselring wurde am 8. März 1945, einen Tag nach der Einnahme der Ludendorff-Brücke bei Remagen, erneut ins Führerhauptquartier einbestellt und dort zum Nachfolger Gerd von Rundstedts als Oberbefehlshaber West ernannt. Am 11. März übernahm er den Befehl über die Westfront. Einen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Krieges hatte er infolge der nicht mehr zu stoppenden Rheinüberschreitung durch die Alliierten – sie überquerten den Fluss am 23. März bei Nierstein, am 24./25. März zwischen Emmerich und Wesel (Operation Plunder), sowie an weiteren Stellen – nicht mehr. Für den Fall einer Zerschneidung der Heeresfronten und Kesselbildung wurde er von Hitler zum Oberbefehlshaber im Südkessel bestimmt. Ende April 1945 wurden ihm auch die bis dahin unabhängigen Oberbefehlshaber Südwest und Südost unterstellt.

Der Nachfolger Kesselrings als OB Südwest, Heinrich von Vietinghoff-Scheel, und dessen Stabschef Hans Röttiger bahnten Ende April 1945 die Kapitulation in Italien an. Kesselring wollte sie standrechtlich erschiessen lassen, konnte aber nicht verhindern, dass am 2. Mai die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Italien unterzeichnet wurde.

Am 15. Mai – eine Woche nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht – geriet Kesselring selbst in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Die Westalliierten internierten ihn nebst anderen hohen Offizieren und NSDAP-Funktionären im Camp Ashcan im luxemburgischen Bad Mondorf.

Nachkriegszeit
Am 6. Mai 1947 wurde er von einem britischen Militärgericht in Mestre bei Venedig wegen Kenntnis und Duldung von Geisel-Erschiessungen sowie seiner Befehle zur "Bandenbekämpfung" nach 57 Verhandlungstagen zum Tod durch Erschiessen verurteilt, im Juli jedoch zu lebenslanger Haft begnadigt und nach Werl in ein Militärgefängnis verlegt. Kesselrings Verteidiger war Hans Laternser. 1948 wurde die Haftstrafe auf 21 Jahre verkürzt.

Am 23. Oktober 1952 wurde er begnadigt, auch wegen seiner durch eine Krebserkrankung schlechten gesundheitlichen Verfassung, und vorzeitig entlassen.

Von 1952 bis 1960 war Kesselring dann Bundesführer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, eine Neugründung des Stahlhelm der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs. 1953 veröffentlichte Kesselring den ersten Teil seiner Memoiren (Soldat bis zum letzten Tag) und 1955 den zweiten (Gedanken zum Zweiten Weltkrieg). Er distanzierte sich nicht von seinen Taten oder seiner bedingungslosen Loyalität zu Adolf Hitler. Am 16. Juli 1960 starb er in einem Sanatorium in Bad Nauheim an einem Herzinfarkt; er wurde auf dem Bergfriedhof in Bad Wiessee beigesetzt. Die Grabrede hielt der damalige Inspekteur der Luftwaffe und frühere Wehrmachtsgeneral Josef Kammhuber.

Rezeption
In der 2004 erschienenen knapp 400-seitigen Monographie Kesselrings letzte Schlacht. Kriegsverbrecherprozesse, Vergangenheitspolitik und Wiederbewaffnung von Kerstin von Lingen wird dargestellt, dass die Nachkriegsöffentlichkeit in Deutschland die moralische Bewertung Kesselrings weitgehend einseitig zu seinen Gunsten vorgenommen hat.

Sie beschreibt im Detail, wie eine regelrechte Pressekampagne "Freiheit für Kesselring!" für seine Begnadigung stattfand. Die FAZ etwa titelte: "Unschuldige kann man nicht amnestieren". Höhepunkt war eine Serie der Illustrierten Stern, die 1951 mit dem Titel aufmachte "Nicht Gnade, sondern Recht". Zugutegehalten wurden ihm vor allem die Sicherung von Kunstschätzen und die Deklaration Roms zur "Offenen Stadt".

Verdrängt bzw. ignoriert wurde die Auslöschung ganzer italienischer Dörfer einschliesslich Frauen, Kindern und Greisen, die auf den "Bandenbefehl" vom 17. Juni 1944 hin begangen wurden. Im Deutschland Adenauers war das "Kraftfeld von Antikommunismus und Kaltem Krieg" ihrer Ansicht nach wirksam zur Umdeutung "des Kriegsverbrechers zum Ehrenmann, der im Kerker schmachtete".

Das begnadigende Entgegenkommen der alliierten Justiz, so ihr Befund, erzeugte den falschen Eindruck, eine "Siegerjustiz" werde nun korrigiert. Der Rezensent der Frankfurter Rundschau urteilte, von Lingens Buch sei eine detailreiche, "hochdifferenzierte Studie, die dem Generalfeldmarschall historische Gerechtigkeit widerfahren lässt, ohne dem Kriegsverbrecher Kesselring das Geringste zu schenken".

Generalfeldmarschall Erhard Milch

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Erhard Milch (* 30. März 1892 in Wilhelmshaven; † 25. Januar 1972 in Wuppertal) war deutscher Heeres- und Luftwaffenoffizier (ab 1940 Generalfeldmarschall) und in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 Staatssekretär des Reichsluftfahrtministeriums (RLM), zugleich Generalinspekteur der Luftwaffe und nach Ernst Udets Suizid im November 1941 bis Juli 1944 Generalluftzeugmeister. Im Nürnberger Milch-Prozess vom 2. Januar bis 17. April 1947 vor dem amerikanischen Militärgerichtshof wurde Milch als Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. 1954 wurde er entlassen.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Milch war Sohn des jüdischen Marinebeamten und Oberstabsapothekers Anton Milch. Er trat im Februar 1910 nach bestandenem Abitur als Fahnenjunker in das "Fussartillerieregiment von Linger (Ostpreussisches) Nr. 1" ein und wurde 1911 Leutnant.

Er entwickelte schon früh ein Interesse für die Fliegerei, jedoch blieb ihm eine Versetzung zunächst verwehrt, und so zog er im September 1914 als Adjutant im II. Reserve-Bataillon des Fussartillerie-Regiments "von Dieskau" (Schlesisches) Nr. 6 in den Ersten Weltkrieg.

Ab 1. Juli 1915 wurde er als Flugzeugbeobachter ausgebildet und eingesetzt. Hierbei wurde ihm auch das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen. Im Spätherbst 1916 war Milch Oberleutnant und Adjutant des Schulkommandeurs der Fliegerschule Alt-Autz in Kurland (und direkter Vorgesetzter Kurt Tucholskys). Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs erhielt, der inzwischen zum Hauptmann beförderte Milch noch das Kommando über die "Jagdgruppe 6".

Weimarer Republik
Nach Kriegsende war Milch Führer der "Freiwilligen Fliegerabteilung 412" beim Grenzschutz Ost, bis er am 31. Januar 1920 Führer der "Polizeifliegerstaffel Königsberg" wurde. Nachdem auch die Polizeifliegerei durch den Versailler Vertrag untersagt wurde, quittierte Milch den Polizeidienst und wurde Geschäftsführer der u. a. von Hugo Junkers gegründeten Danziger Luftpost GmbH.

Milch war anschliessend Technischer Direktor und Vorstandsmitglied der 1926 gegründeten Deutschen Luft Hansa, ab 1942 deren Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Umgehend nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Milch von Hermann Göring angeworben und trat der NSDAP bei. Er war als Görings Staatssekretär in den 1930er Jahren für den Aufbau der Luftwaffe zuständig, durch gleichzeitige Reaktivierung als Oberst, dann 1934 Generalmajor, 1935 Generalleutnant, 1937 General der Flieger, 1938 Generaloberst und Generalinspekteur der Luftwaffe Vertreter des Oberbefehlshabers (Göring).

Zweiter Weltkrieg

Am 19. Juli 1940 wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt und ab 1941 wurde er als Generalluftzeugmeister der eigentliche Leiter der technischen Entwicklung und der Rüstungsproduktion der Luftwaffe. In dieser Funktion war er auch verantwortlich für die Unterdruck-Menschenversuche der Luftwaffe ab 1942 im KZ Dachau. Nach dem Suizid von Ernst Udet, der das Amt des Generalluftzeugmeisters vor Milch innehatte, hatte er die Versäumnisse seines Vorgängers aufzuarbeiten. Udet hatte die technische Entwicklung der Luftwaffe vernachlässigt und die Produktionszyklen neuer Typen verkürzt, indem er sie vor der Serienreife zur Fertigung freigab. Beispiele hierfür sind die Projekte He 177, Me 210 und auch die Ju 188. Neben Albert Speer war Milch der zentrale Akteur der deutschen Rüstungsproduktion, insbesondere der Luftrüstung, die er bis August 1944 als Generalluftzeugmeister leitete. 1942 erhielt er von Adolf Hitler eine Dotation über 250'000 Reichsmark.

Im Januar 1943 wurde Milch von Hitler per Führerbefehl beauftragt, die Versorgung der eingeschlossenen Verbände der 6. Armee in der Schlacht von Stalingrad durch die Luft zu gewährleisten. Hierzu reiste Milch mit engen Mitarbeitern aus dem Reichsluftfahrtministerium (RLM) direkt an die Front. Die Aufgabe erwies sich jedoch als unerfüllbar: es gab zu wenig fliegendes Personal, zu wenige Flugzeuge und insbesondere keine geeigneten Flug- und Landeplätze in Reichweite Stalingrads.

Milch hatte zu dieser Zeit den Zenit seiner Karriere überschritten. Die immer stärker werdenden Luftangriffe der Alliierten ab Sommer 1943 auf das Reichsgebiet und der damit einhergehende Verlust der Lufthoheit führten letztendlich zu einem Vertrauensverlust bei Göring und auch Hitler. Dieser Machtverlust verstärkte sich, als Milch die Jägerproduktion, also den Grossteil der deutschen Luftrüstung, Anfang 1944 nach verheerenden Angriffen der Alliierten (Big Week) auf deutsche Städte und Rüstungsziele an den so genannten Jägerstab – sprich das Rüstungsministerium – abgeben musste.

Im Juli/August 1944 wurde er schliesslich entmachtet, als das Reichsluftfahrtministerium umstrukturiert und die Luftrüstung vom Rüstungsministerium übernommen wurde. Milch selbst wurde zwar noch zu einem Stellvertreter Speers ernannt, trat aber bis Kriegsende nicht mehr in Erscheinung.

Fragliche jüdische Abstammung
Als Milch 1933 von Göring zum Staatssekretär im Luftfahrtministerium ernannt worden war, wurde von Neidern verbreitet, Milchs Mutter sei mit einem konvertierten Juden verheiratet. Milch bestritt offenbar, aus dieser Verbindung zu stammen; Göring übernahm diese Version und liess möglicherweise sogar Dokumente entsprechend manipulieren. Milch wurde offiziell als "Vollarier" beglaubigt. Milch, der von Görings Verteidiger Otto Stahmer als Entlastungszeuge im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher benannt worden war, gab 1946 im Kreuzverhör an, dass er ausserehelich gezeugt worden sei.

Ob Erhard Milch wirklich Anton Milch zum Vater hatte und damit nach den 1935 erlassenen Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als "jüdischer Mischling" galt, war längere Zeit umstritten. Milch hatte 1967 David Irving erzählt, seine Mutter Clara habe eine inzestuöse Beziehung zu ihrem Onkel Karl Brauer unterhalten, welcher der tatsächliche Vater ihrer Kinder gewesen sei. Seine Mutter und Anton Milch hätten diesen Sachverhalt 1933 bestätigt. Irving übernahm diese Geschichte in seine 1970 erschienene Biographie Milchs, Die Tragödie der Deutschen Luftwaffe. Der Historiker Horst Boog wiederum folgte dieser Darstellung 1994 in seinem Artikel zu Milch in der Neuen Deutschen Biographie. Angesichts neuerer Forschungsergebnisse rückte Boog allerdings wenig später davon ab und bezeichnete Erhard Milch als leiblichen Sohn von Anton Milch und Clara Milch geb. Vetter, die zusammen sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter hatten, und die von Milch und Irving verbreitete Herkunftsversion als reine Schutzbehauptung. Der US-amerikanische Historiker Bryan Mark Rigg vertritt die These, dass Erhard Milch neben einer nennenswerten Anzahl weiterer Offiziere und Mannschaften ranghöchster "jüdischer" (im Sinne der nationalsozialistischen Rassenideologie) Soldat in der Wehrmacht war. Grundlagen seiner Thesen sind unter anderem verschiedene in den 1990er Jahren geführte Interviews und auch Material des Bundesarchivs. Eine kritische Sichtung der Literatur findet sich bei Kuss.

Nachkriegszeit
Verurteilung in den Nürnberger Prozessen
Milch war ein glühender Verfechter des Nationalsozialismus. Die Frage, ob er von Menschenversuchen im KZ Dachau gewusst hatte, konnte während der Nürnberger Prozesse im sogenannten Milch-Prozess nicht geklärt werden, so dass er in diesem Punkt freigesprochen wurde. Milch war aber für den Einsatz von Zwangs- und Fremdarbeitern in der Rüstungswirtschaft des Dritten Reichs mitverantwortlich. In dem Strafprozess vor einem US-amerikanischen Militärgericht gehörte zu seinen Verteidigern auch sein Bruder, der Jurist und ehemalige Offizier der Wehrmacht Werner Milch. Am 17. April 1947 wurde Erhard Milch von dem Gericht wegen Förderung der Zwangsarbeit und der Ausbeutung von Zwangsarbeitern in den NS-Flugzeugfabriken zu lebenslanger Haft verurteilt.

Begnadigung und Entlassung aus der Haft
Am 31. Januar 1951 gab der amerikanische Hochkommissar John Jay McCloy einem Gnadengesuch nach Absprache mit einem beratenden Ausschuss statt und setzte die Strafe von lebenslänglich auf 15 Jahre Haft herab. Sein Gnadengesuch berief sich auf die Unausgeglichenheit des Temperaments von Erhard Milch, die auf eine verschärfte Überreizung der Nerven durch eine Kopfverletzung zurückzuführen sei.

Am 28. Juni 1954 wurde Milch vorzeitig aus der Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg entlassen. Er nahm seinen Wohnsitz im Ruhrgebiet und fand später Arbeit als Industrieberater.

Er verstarb am 25. Januar 1972 im Alter von 79 Jahren und wurde auf eigenen Wunsch in aller Stille auf dem Zentralfriedhof Lüneburg beigesetzt.

Generalfeldmarschall Hugo Sperrle

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092_66/Hugo Sperrle, 1940

Hugo Sperrle (* 7. Februar 1885 in Ludwigsburg; † 2. April 1953 in München) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall der Luftwaffe, und während des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber der Luftflotte 3.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Sperrles militärische Laufbahn begann 1903 mit dem Eintritt als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment "Grossherzog Friedrich von Baden" (8. Württembergisches) Nr. 126. Nach verschiedenen Verwendungen und Beförderungen meldete sich Sperrle bei Beginn des Ersten Weltkrieges zur Fliegerausbildung.

Gegen Ende 1914 wurde er zum Hauptmann befördert. Im Dezember 1915 wurde er Führer der Feldfliegerabteilung 42. Im Februar 1916 stürzte

Sperrle mit seinem Flugzeug ab und wurde schwer verletzt. Bereits zwei Monate später meldete er sich wieder zum Dienst, doch erst im Juli bekam Sperrle ein neues Kommando. Im weiteren Verlauf des Ersten Weltkrieges wurde er Kommandeur der Flieger der 7. Armee. Sperrle wurde mehrfach ausgezeichnet, so mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes und mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.

Weimarer Republik
Nach dem Krieg wurde Sperrle von der Reichswehr übernommen und ab 1. März 1925 im Reichswehrministerium verwendet, wo er bis zum 15. August 1927 in der Luftschutzgruppe (auch Fliegergruppe genannt) als Leiter des Referats I (als Nachfolger von Helmut Wilberg) und anschliessend bis 31. Januar 1929 als Gruppenleiter (wiederum als Nachfolger von Wilberg; als Gruppenleiter folgte ihm Hellmuth Felmy) an der Aufstellungsplanung der noch getarnten Luftwaffe entscheidend mitwirkte. Dabei wurde er am 1. Oktober 1926 zum Major, am 1. Februar 1931 zum Oberstleutnant und schliesslich Ende 1933 zum Oberst befördert. Am 28. Februar 1934 schied er aus dem Reichsheer aus und trat in das Reichsluftfahrtministerium über.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Bereits Anfang 1934 wurde mit dem verdeckten Aufbau einer neuen deutschen Luftwaffe begonnen; Sperrles Fähigkeiten und Kenntnisse auf diesem Gebiet wurden genutzt, indem er zum Kommandeur der 1. Flieger-Division ernannt wurde. Mit dem 1. Oktober 1935 wurde Sperrle zum Generalmajor befördert und als Kommandierender General und Befehlshaber im Luftkreis V nach München versetzt.

Am Spanischen Bürgerkrieg nahm Sperrle als erster Kommandeur der Legion Condor teil. Nach der Rückkehr aus Spanien wurde Sperrle am 1. November 1937 zum General der Flieger befördert. Am 1. April 1938 übernahm er den Befehl über das Luftwaffen-Gruppenkommando III in München.

Zweiter Weltkrieg
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde aus dem Luftwaffen-Gruppenkommando III die Luftflotte 3, die ausschliesslich im Westen eingesetzt wurde. Nach dem Sieg über Frankreich gehörte Sperrle zu jenen Generälen, die am 19. Juli 1940 zu Generalfeldmarschällen befördert wurden. Nach der Luftschlacht um England 1940/41 verblieben aufgrund des Angriffs auf die Sowjetunion im Westen nur noch relativ schwache Fliegerkräfte, die Sperrles Luftflotte 3 unterstellt wurden.

Am D-Day der alliierten Invasion am 6. Juni 1944 unterstanden Sperrle ca. 400 Flugzeuge, von denen aber weniger als die Hälfte einsatzfähig war. Entsprechend gering waren Sperrles Möglichkeiten, den alliierten Luftstreitkräften etwas entgegenzusetzen. Er fiel deshalb bei Hitler in Ungnade, wurde im August 1944 entlassen und bis Kriegsende nicht wieder verwendet.

Nachkriegszeit
Nach dem Krieg war Sperrle unter den Angeklagten im Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht. Als einer von zwei unter den 14 Angeklagten wurde er freigesprochen. Ebenfalls mit Freispruch endete ein Verfahren gegen ihn vor der Spruchkammer München im Juni 1949.

Danach lebte Sperrle zurückgezogen in Thaining bei Landsberg am Lech. Am 2. April 1953 starb der an Mastdarmkrebs erkrankte Sperrle während einer Operation in einem Krankenhaus in München. Er wurde zunächst in Thaining begraben, auf Initiative der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger dann auf den Soldatenfriedhof Schwabstadl nahe dem Fliegerhorst Lechfeld umgebettet.

Generalfeldmarschall Wolfram Freiherr von Richthofen

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Wolfram (gen. Ulf) Karl Ludwig Moritz Hermann Freiherr von Richthofen (* 10. Oktober 1895 in Barzdorf im Kreis Striegau; † 12. Juli 1945 in Bad Ischl) war ein deutscher Heeres- und Luftwaffensoldat. Als Stabschef der Legion Condor war er im Spanischen Bürgerkrieg verantwortlich für die kriegsvölkerrechtswidrige Zerstörung von Gernika. Im Zweiten Weltkrieg war er zeitweise Befehlshaber der Luftflotte 4 und der Luftflotte 2 sowie ab 1943 Generalfeldmarschall der Luftwaffe des Deutschen Reichs.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Seine Eltern waren Wolfram von Richthofen († 1922) und Therese Götz von Olenhusen. Ulf wurde Adoptivsohn seines Onkels, des Kavalle-rie Generals Manfred von Richthofen. 1913 trat Ulf im Alter von 18 Jahren als Fähnrich in das Husaren-Regiment" von Schill" (1. Schlesisches) Nr. 4 der Preussischen Armee ein. Im Jahr 1914 wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule Kassel zum Leutnant befördert. Bis 1917 nahm er mit dem Regiment am Ersten Weltkrieg teil, in dem er es zum Führer einer Eskadron brachte. Danach wechselte er in die Fliegertruppe und durchlief eine Ausbildung zum Flugzeugführer in der Fliegerersatzabteilung in Halle. Nach deren Abschluss ging Richthofen im März 1918 erneut in den Fronteinsatz als Pilot in der Jagdstaffel 11, die von seinem berühmten Vetter Manfred von Richthofen, dem "Roten Baron" geführt wurde. Bis zum Kriegsende errang Richthofen acht Luftsiege.

Weimarer Republik
Aus dem aktiven Militärdienst schied Richthofen zum Anfang des Jahres 1920 als Oberleutnant aus. In Breslau heiratete er 1920 Jutta von Selchow (1896–1991). Anschliessend studierte er bis 1923 an der Technischen Hochschule Hannover Maschinenbau und schloss als Diplom-Ingenieur ab.

1922 kam sein erster Sohn zur Welt, Wolfram (1944 verschollen).

Im November 1923 trat Richthofen in Ohlau als Leutnant in das 11. (Preussisches) Reiter-Regiment der Reichswehr ein. Dort blieb er nur kurz, denn Richthofen war bereits in dieser Zeit an den Vorbereitungen zum verdeckten Aufbau einer zukünftigen Luftwaffe beteiligt. Offiziell tat er Dienst bei der Berliner Stadtkommandantur, tatsächlich arbeitete er für das Heereswaffenamt. Ab 1925 trug Richthofen wieder den Dienstgrad eines Oberleutnants. Am 1. November 1928 wurde er Kompanieführer in der 5. Kraftfahr-Abteilung und am 1. Februar 1929 zum Hauptmann befördert. Während dieser Zeit promovierte Richthofen mit einer Studie zum "Einfluss der Flugzeugbauarten auf die Wirtschaftlichkeit des Flugbetriebes" an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg zum Dr.-Ing. Die Erkenntnisse dieser Untersuchung, bei der es darum ging, qualitativ hochwertige Flugzeugtypen für bestimmte luftkriegerische Aufgaben zu optimieren, wurden von Richthofen später auch bei den Luftangriffen auf Gernika und Wieluń angewendet und weiter erprobt.

Im April 1929 wurde Richthofen für zweieinhalb Jahre als Attaché an die deutsche Botschaft in Rom versetzt, um dort – immer noch inoffiziell – die italienischen Luftstreitkräfte kennenzulernen. Nachdem er nach Deutschland zurückgekehrt war, wurde er wiederum als Kompaniechef eingesetzt, diesmal in der 6. (Preussische) Kraftfahrt-Abteilung.

Zeit des Nationalsozialismus
Anfänge
Zum 1. Oktober 1933 trat Richthofen in die neu eingerichtete deutsche Luftwaffe über. Bei dieser wurde er zunächst im Reichsluftfahrtministerium Chef der Entwicklungsabteilung. Im Jahr 1934 wurde er zum Major befördert und 1936 zum Oberstleutnant.

Spanischer Bürgerkrieg
Ab 1936 wurde Richthofen als Mitglied der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Falangisten im Kampf gegen die demokratisch gewählte republikanische Regierung eingesetzt. Dabei sah Richthofen seine Abkommandierung nach Spanien als Chance an, neue Flugzeugtypen und Bomben unter Kriegsbedingungen zu testen.

Richthofen war Stabschef der Legion Condor während ihres sehr bekannt gewordenen Luftangriffs auf Gernika im April 1937. Dieser Angriff, bei dem die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes fast vollständig zerstört und hunderte Zivilisten getötet wurden, war das erste Flächenbombardement der Geschichte und der erste grosse Verstoss der deutschen Luftwaffe gegen das Kriegsvölkerrecht. Richthofen notierte seine Bewertung des Angriffs in seinem Kriegstagebuch: "Die 250er warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Die Bauart der Häuser: Ziegeldächer, Holzgalerie und Holzfachwerkhäuser, führte zur völligen Vernichtung. (..) Bombenlöcher auf Strassen noch zu sehen, einfach toll".

Nach Rückkehr aus Spanien im Oktober 1937 wurde Richthofen im Januar 1938 zum Oberst befördert und übernahm am 1. April 1938 das Kampfgeschwader 257 in Lüneburg. Bereits am 1. November 1938 wurde er zum Generalmajor und Befehlshaber der Legion Condor ernannt, der er bis zum Ende des Bürgerkriegs im Frühjahr 1939 blieb.

Zweiter Weltkrieg
Beim Überfall auf Polen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war Richthofen als "Fliegerführer zur besonderen Verfügung" zur Unterstützung der 10. Armee eingeteilt. Am 1. September 1939 befehligte Richthofen noch vor dem offiziellen Angriffsbeginn einen Luftangriff auf die polnische Stadt Wieluń. Deren weitgehende Zerstörung durch 87 deutsche Sturzkampfbomber (mehrere Luftangriffe von 4:35 bis 14:00 Uhr) führte zum Tod von bis zu 1'200 der 16'000 Einwohner. Dem Militärhistoriker Hans-Erich Volkmann zufolge wählte Richthofen Wieluń als grenznahes militärisches Übungsziel aus, um möglichst ohne eigene Verluste die Einsatzfähigkeit und Funktionstüchtigkeit der Sturzkampfbomber zu erproben, habe aber keinen Terrorangriff beabsichtigt. Da es sich um einen Angriff auf ein nicht militärisches Ziel handelte, sei die Bombardierung als Kriegsverbrechen zu werten. Der Militärhistoriker Rolf-Dieter Müller betont hingegen, dass der Angriff militärischen Zielen gegolten habe, da in Wieluń eine polnische Division und eine Kavalleriebrigade in Stellung ging. Wegen Bodennebels seien diese Ziele aber weitestgehend verfehlt worden. Der Angriff sei daher trotz der verheerenden Wirkung kein beabsichtigter Terrorangriff gewesen.

Bei Beginn des Westfeldzuges war Richthofen Kommandierender General des VIII. Fliegerkorps und erhielt am 18. Mai 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Im Balkanfeldzug befehligte Richthofen die Verbände in der Luftlandeschlacht um Kreta. Im Krieg gegen die Sowjetunion war Richthofens Fliegerkorps anfänglich zur Unterstützung der Panzergruppe 3 eingesetzt. Am 17. Juli 1941 wurde er mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz dekoriert.

Am 1. Februar 1942 wurde Richthofen zum Generaloberst befördert, im Juli dieses Jahres übernahm er von Alexander Löhr die Führung der Luftflotte 4, mit der er an der Schlacht von Stalingrad teilnahm. Am 16. Februar 1943 wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt und damit ausser Göring der jüngste Inhaber dieses Dienstgrades in der Luftwaffe sowie in der Wehrmacht. Ende Juni 1943 übernahm er zusätzlich die Führung der Luftflotte 2 von Albert Kesselring, zu deren Chef er dann im September ernannt wurde. Mitte 1944 wurde bei Richthofen ein Hirntumor festgestellt, der operativ entfernt werden musste, er gab daraufhin sein Kommando ab.

Am 12. Juli 1945 starb er in amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Luftwaffenlazarett von Bad Ischl.

Generalfeldmarschall Robert Ritter von Greim

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Robert Greim, ab 1918 Ritter von Greim (* 22. Juni 1892 in Bayreuth; † 24. Mai 1945 in Salzburg), war ein deutscher Heeres- und Luftwaffenoffizier (ab 1945 Generalfeldmarschall) und nach der Ablösung Hermann Görings wenige Wochen lang der letzte Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Robert Greim wurde am 22. Juni 1892 in Bayreuth als Sohn eines Königlich Bayerischen Gendarmeriehauptmanns geboren. Greim trat im Juli 1911 als Fähnrich in das bayerische Eisenbahn-Bataillon ein und wurde im November 1912 zum 8. Feld-Artillerie-Regiment nach Nürnberg versetzt. Nach dem Besuch der Kriegsschule in München wurde er zu seinem Regiment zurück versetzt und zum Leutnant ernannt. Greim war anfänglich als Batterieoffizier in seinem Regiment eingesetzt.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er zunächst als Ordonnanzoffizier und später als Adjutant bei der I. Abteilung verwandt. 1915 meldete er sich für eine Ausbildung als Flugzeugbeobachter, die er im August 1915 begann. Nach deren Abschluss wurde Greim als Beobachter in der Feldfliegerabteilung 3 b eingesetzt. Im Jahr 1916 kam Greim zur Flugzeugführerausbildung nach Schleissheim und wurde im Januar 1917 zum Oberleutnant befördert. Mit Abschluss der Flugzeugführerausbildung kehrte Greim zu seiner Abteilung zurück, die inzwischen – infolge von Umstrukturierungen – als Fliegerabteilung 46 b bezeichnet wurde. Ab April 1917 war er in der Jagdstaffel 34 eingesetzt und wurde dort noch im gleichen Jahr Staffelführer. Bei einem Einsatz am 11. März 1918 gelang es Greim als vermutlich erstem deutschen Jagdpiloten, einen britischen Panzer aus der Luft mittels MG-Feuer zu zerstören. In der deutschen Frühjahrsoffensive des Jahres 1918 befehligte Greim mehrere Jagdstaffeln. Er hatte inzwischen 28 Luftsiege errungen und war mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. auch mit dem Orden Pour le Mérite. Am 23. Oktober 1918 wurde er schliesslich mit dem bayerischen Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet, was ihm die Erhebung in den persönlichen Adelsstand mit dem Titel "Ritter von" einbrachte.

Weimarer Republik
Beim Kapp-Putsch im März 1920 übernahm Greim die Flugdienste zwischen München und Berlin. Auf eigenen Wunsch schied Greim 1920 aus dem Militärdienst mit dem Ehrenrang eines Hauptmanns aus, worauf er an der Münchener Universität ein Jurastudium begann. Nach Abschluss des Studiums wurde er 1922 Angestellter bei einer Bank. Da Greim weiterhin ein starkes Interesse an der Fliegerei hatte, beteiligte er sich an der Durchführung von Luftsportveranstaltungen. Im Jahr 1924 ging er für drei Jahre nach China und war dort mit dem Aufbau einer Luftwaffe für die chinesische Nationalregierung beschäftigt.

Als Greim im Jahr 1927 nach Deutschland zurückkehrte, wurde er Leiter der Zivilfliegerschule in Würzburg. Zu seinen Schülern während dieser Zeit gehörten u. a. Elly Beinhorn.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Am 1. Januar 1934 trat Greim im Rang eines Majors in die Reichswehr ein, wo man ihn anfänglich zum Artillerie-Regiment Nr. 7 kommandierte. Bereits nach kurzer Zeit wurde er zum neu gegründeten Reichsluftfahrtministerium versetzt, wo er an der Aufstellung des neuen Jagdgeschwaders Döberitz Richthofen beteiligt war. Dieses wurde später in Jagdgeschwader 132 umbenannt, dann in Jagdgeschwader 131, und ging schliesslich im Jagdgeschwader 2 auf.

Am 1. August 1935 wurde Greim Inspekteur der Jagdflieger und am 1. September 1935 zum Oberstleutnant befördert. Am 20. April 1936 erfolgte die Beförderung zum Oberst mit gleichzeitigem Wechsel in die Stellung des Inspekteurs für Flugsicherung und Gerät. Ab 1937 war Greim zusätzlich mit der Führung der Geschäfte des Luftwaffenpersonalamtes im Reichsluftfahrtministerium betraut, und 1938 wurde er offiziell Amtschef. Am 1. Februar 1938 erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor.

Am 31. März 1939 übergab Ludwig Wolff das Kommando über die 5. Flieger-Division an Greim.

Zweiter Weltkrieg
Im Oktober 1939, nach Ende des Polenfeldzuges, wurde Greim als Generalleutnant Kommandierender General des V. Fliegerkorps. Nach dem Ende des Westfeldzuges wurde er am 19. Juli 1940 zum General der Flieger befördert. Anschliessend waren die zu seinem Korps gehörenden Geschwader an der Luftschlacht um England beteiligt.

Im Winter 1941/42 führte Greim in Mariupol den aus Teilen seines Korps gebildeten "Sonderstab Krim". Am 1. April 1942 bekam er den Oberbefehl über das Luftwaffenkommando Ost mit Sitz in Smolensk, als sein Korps das VIII. Fliegerkorps in diesem Frontbereich ablöste. Im Februar 1943 zum Generaloberst befördert, wurde er im Mai 1943 zum Oberbefehlshaber der aus seinem Kommando gebildeten Luftflotte 6 ernannt. Dieser Verband war weiterhin für die Luftwaffeneinsätze zur Unterstützung der Heeresgruppe Mitte zuständig. Im Rahmen des Unternehmens Zitadelle, der dritten und letzten deutschen Sommeroffensive in der Sowjetunion, bot Greims Luftflotte im Juli 1943 730 Flugzeuge auf. Durch hohe Verluste und auf die mangelhafte Versorgung mit Ersatzteilen zurückzuführende technische Ausfälle waren beim Beginn der sowjetischen Sommeroffensive im Juni 1944 nur noch knapp 50 Maschinen einsatzbereit.

Noch im Januar 1945 legte Greim ein Bekenntnis zum "Führer" ab: "Der ich an den Führer geglaubt habe – und verdammt noch mal, noch immer an ihn glaube. Ich kann nicht zum Verräter werden. Ich nicht!" Nachdem Göring von Hitler am 23. April 1945 aller Ämter enthoben worden war, wurde Greim von Hanna Reitsch am 26. April 1945 in das bereits eingeschlossene Berlin geflogen, wo er von Hitler persönlich zu Görings Nachfolger als Oberbefehlshaber der Luftwaffe ernannt und gleichzeitig zum Generalfeldmarschall befördert wurde. Greim beteuerte danach: "Mich haben das Zusammensein mit dem Führer und seine Kraft ausserordentlich bestärkt". Am 29. April 1945 nutzten Reitsch und Greim die Charlottenburger Chaussee als Startbahn, um mit dem letzten Flugzeug, einer kleinen Arado, weiter nach Plön zu fliegen, wo sich zu dieser Zeit noch Hitlers Nachfolger Karl Dönitz aufhielt. Im Anschluss flogen Reitsch und Greim weiter nach Kitzbühel in Tirol. Dort geriet Greim in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Greim ergab sich den Amerikanern mit den Worten "Ich bin der Chef der deutschen Luftwaffe, aber ich habe keine Luftwaffe". Er wurde nach Salzburg gebracht, wo er erfuhr, dass die Amerikaner ihn in sowjetische Gefangenschaft überstellen wollten. Am 24. Mai 1945 beging Ritter von Greim in Salzburg Selbstmord. Dabei nahm er die Giftkapsel, die ihm Adolf Hitler Ende April 1945 im Führerbunker überreicht hatte. Sein Grab befindet sich auf dem Salzburger Kommunalfriedhof.

Marine     
(aus Wikipedia)

Grossadmiral Erich Raeder

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092_69/Raeder in der Uniform eines Grossadmirals

Erich Johann Albert Raeder (* 24. April 1876 in Wandsbek; † 6. November 1960 in Kiel) war ein deutscher Marineoffizier. Von 1928 bis 1943 war er Leiter des Oberkommandos der Marine und ab 1935 Oberbefehlshaber der Reichs- bzw. Kriegsmarine. Er erhielt am 30. Januar 1937 das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP.

Raeder wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagt, in drei Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. 1955 wurde er entlassen.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Erich Raeder wurde in Wandsbek, heute Stadtteil von Hamburg, als Sohn des Realschullehrers Hans Friedrich Eduard Raeder und dessen Ehefrau Gertrud Wilhelmine Margaretha geb. Zim-

mermann geboren. Sein Vater wurde später Gymnasialdirektor in Grünberg in Schlesien. Nach dem Besuch eines Realgymnasiums in Grünberg legte er 1894 das Abitur ab. Raeder trat im April 1894 in die Kaiserliche Marine ein und fuhr nach Beendigung der Grundausbildung auf dem Schulschiff Stosch und anschliessend auf der Gneisenau. Am 25. Oktober 1897 wurde er, nach dem Bestehen der Seeoffiziersprüfung mit Auszeichnung, zum Unterleutnant zur See ernannt. 1900 wurde Raeder zum Oberleutnant zur See befördert, nachdem er als Signaloffizier auf verschiedenen Panzerkreuzern eingesetzt war. Es schlossen sich verschiedene Land- und Bordkommandos sowie ein Aufenthalt an der Marineakademie an, und im März 1905 wurde Raeder zum Kapitänleutnant ernannt.

Im April 1906 wurde er als Referent zum Nachrichtenbüro des Reichsmarineamtes versetzt, und zwei Jahre später kam Raeder als Navigationsoffizier an Bord des Grossen Kreuzers Yorck. Ebenfalls als Navigationsoffizier war er von 1910 bis 1912 auf der kaiserlichen Yacht Hohenzollern eingesetzt. Im Zuge dieses Kommandos wurde er im April 1911 zum Korvettenkapitän befördert. Seit dieser Zeit auf der Hohenzollern hegte Raeder eine persönliche Sympathie für Wilhelm II., die er auch später nicht verleugnete.

Nach Ende des Kommandos auf der Hohenzollern folgte die Ernennung zum Ersten Admiralstabsoffizier beim Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Raeder sich schon mehrfach schriftstellerisch betätigt und übersetzte den französischen Seekriegsexperten René Daveluy, einen Vertreter der Jeune École, mit dessen Theorien er sich kritisch auseinandersetzte.

Auf diesem Posten nahm Raeder nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges am Gefecht auf der Doggerbank und an der Skagerrakschlacht teil. Im April 1917 wurde er zum Fregattenkapitän befördert, und sein Dienstposten wurde in Chef des Stabes beim Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte umbenannt. Raeder behielt diesen Posten bis Anfang 1918, als er das Kommando über den Kleinen Kreuzer Cöln erhielt, mit dem er allerdings an keiner Gefechtshandlung mehr teilnahm.

Weimarer Republik
Bereits im Oktober 1918 wurde er durch die Ernennung zum Chef der Zentralabteilung des Reichsmarineamtes wieder an den Schreibtisch beordert. Diese Stellung bekleidete er über die Zeit des Zusammenbruchs und der Gründung der Weimarer Republik hindurch bis zum Kapp-Putsch. Während Raeder in seinen Memoiren darauf hinweist, während des Putsches loyal zur gewählten Regierung gestanden zu haben, galt er – nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit mit dem Chef der Admiralität Adolf von Trotha, der über seine Verwicklung in den Putsch stürzte – als kompromittiert genug, um auf einen weniger einflussreichen Posten im Marinearchiv versetzt zu werden. Dort verfasste er im Rahmen des amtlichen Werkes über den Seekrieg 1914–1918 zwei Bände über den Kreuzerkrieg. Ausserdem studierte er Nationalökonomie, Verwaltungsrecht, Staatswissenschaften und Wirtschaftsgeschichte.

Im Jahr 1922 wurde Raeder mit der Ernennung zum Inspekteur des Bildungswesens der Marine in das politische Zentrum der Marineleitung zurückversetzt und gleichzeitig zum Konteradmiral befördert. Im Herbst 1924 trat er dann den Posten des Befehlshabers der leichten Seestreitkräfte der Nordsee an. Bereits im Januar 1925 wurde Raeder zum Vizeadmiral befördert und zum Chef der Marinestation der Ostsee ernannt. Seine Arbeit als Marinegeschichtsschreiber fand auch wissenschaftliche Anerkennung, die sich am 31. Mai 1926 in der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Kieler Universität äusserte.

Wohl auf Betreiben des Reichswehrministers Wilhelm Groener wurde im Rahmen der sogenannten "Lohmann-Affäre" auf die Entlassung des Marinechefs Hans Zenker hingearbeitet; und es dürfte ebenfalls Groener gewesen sein, der die Ernennung Raeders zum neuen Chef der Marineleitung am 1. Oktober 1928 durchsetzte. Raeder bemühte sich in der neuen Position, seinem Image als republikfeindlichem Rechtsaussen entgegenzuwirken, welches ihm seit den Tagen des Kapp-Putsches anhaftete; er bekannte sich wiederholt zur Weimarer Verfassung. Im April 1931 entliess er den späteren Leiter des NS-Reichssicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, wegen "ehrwidrigen Verhaltens" aus der Marine.

Auf der einen Seite gehen aus seinem privaten Briefverkehr mit dem der NSDAP nahestehenden Admiral von Levetzow seine grundsätzliche Ablehnung der Sozialdemokratie und seine Befürwortung einer autoritären Rechtsregierung hervor; auf der anderen Seite hegte er noch im Jahre 1932 keine Sympathien für Adolf Hitler. So nannte er Hitlers politische Reden "verbrecherisch" und war der Auffassung, dass Hitler seine Partei in eine üble Lage hineinmanövriert habe. In seiner neuen Funktion als Chef der Marineleitung trieb Raeder die Entscheidung für den Bau des schnellen, offensiven Panzerschiffes voran, für das er sich nach anfänglichen Zweifeln ebenfalls erwärmt hatte.

Nachdem der Bau der ersten Panzerschiffe nach erbittertem politischen Tauziehen gesichert worden war, legte er am 15. November 1932 einen so genannten "Umbauplan" vor. Dieser sah eine umfangreiche Erweiterung der Seestreitkräfte über die im Versailler Vertrag zugestandenen Einheiten hinaus vor und war damit rechtswidrig. Aber innerhalb der Marine spielte der Vertrag ohnehin keine Rolle mehr: Man erwartete die Gleichberechtigung Deutschlands auf der Genfer Abrüstungskonferenz, anderenfalls würde man den Versailler Vertrag einseitig kündigen. Daher wurden auch schon Planungen für wesentlich grössere Kampfschiffe in die Wege geleitet.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Raeder ordnete sich (und damit die Marine) ohne Einschränkungen Adolf Hitler unter. Nach seiner Entlassung (1943) blickte er mit Stolz darauf zurück, dass es ihm gelungen war,

"im Jahre 1933 die Marine geschlossen und reibungslos dem Führer in das Dritte Reich zuzuführen. Das war dadurch zwanglos gegeben, dass die gesamte Erziehung der Marine in der Systemzeit […] auf eine innere Haltung hinzielte, die von selbst eine wahrhaft nationalsozialistische Haltung ergab. Aus diesem Grunde hatten wir uns nicht zu verändern, sondern konnten von vornherein aufrichtigen Herzens wahre Anhänger des Führers werden".

Nach der Machtübernahme Hitlers setzte Raeder alles daran, diesen von der Notwendigkeit des Aufbaus und der Unterhaltung einer schlagkräftigen Marine zu überzeugen. Hitler hatte zuvor in "Mein Kampf" sowie in zahlreichen Reden und Artikeln einen Verzicht auf Seerüstung eingefordert. Diese sei für die Feindschaft Grossbritanniens im Ersten Weltkrieg verantwortlich gewesen – das Inselreich nahm in Hitlers Zukunftsplänen aber den Platz eines Verbündeten ein.

Mit dem Hinweis auf die französische Marine schien es Raeder in einer Unterredung im März 1933 gelungen zu sein, Hitlers Zustimmung zum Ausbau der Marine zu erhalten. Dabei benutzte Raeder wieder einmal den Gedanken der "Bündnisfähigkeit", mit dem schon die Tirpitz’schen Flottengesetze begründet worden waren. Sowohl quantitativ als auch qualitativ fielen die letzten Hemmungen, was die Geheimrüstungen und andere Überschreitungen der Versailler Rüstungsbeschränkungen anging, als Deutschland im Oktober 1933 die Abrüstungskonferenz und den Völkerbund verliess.

1934 erhielt Raeder die Kieler Ehrenbürgerschaft, die ihm am 27. Dezember 1945 wieder aberkannt wurde. Nachdem der Kieler Magistrat 1956 zu der Auffassung gelangt war, dass die Aberkennung aus formalen Gründen unwirksam war, verzichtete Raeder auf die Ehrenbürgerschaft.

Eine Teilnahme an den internationalen Flottenkonferenzen (die nächste war für 1936 anberaumt) lehnte Raeder ab, da er die erneute vertragliche Festlegung einer Obergrenze verhindern wollte. Auch die Anbahnung des deutsch-britischen Flottenabkommens ab 1934 bereitete er mit gemischten Gefühlen vor, denn das letztendlich vereinbarte Verhältnis von 35:100 zur britischen Flotte hielt er für zu niedrig angesetzt. Da das Abkommen aber endlich den lange ersehnten Bau von Grosskampfschiffen gestattete, gab Raeder sich zunächst mit den Umständen zufrieden und forcierte den Bau der ersten Schlachtschiffe und des ersten Flugzeugträgers.

Im Zuge der Neuordnung der Wehrmacht wurde Raeders Posten im Jahr 1935 in Oberbefehlshaber der Kriegsmarine umbenannt. Am 20. April 1936 erfolgte seine Ernennung zum Generaladmiral. Hitler verlieh Raeder anlässlich einer Gedenksitzung des Kabinetts zum Jahrestag der Machtergreifung am 30. Januar 1937 das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP, das er nach eigenen Angaben später vernichtete.

Anlässlich des "Heldengedenktags" am 12. März 1939 bekannte sich Raeder erneut zum Nationalsozialismus: "Das deutsche Volk hat den aus dem Geiste des deutschen Frontsoldaten geborenen Nationalsozialismus zu seiner Weltanschauung gemacht und folgt den Symbolen seiner Wiedergeburt mit fanatischer Leidenschaft". Einen halben Monat später wurde Raeder am 1. April 1939 von Hitler zum Grossadmiral befördert.

Im Herbst 1938 hatte die Marineführung erstmals ein Konzept für den Aufbau einer Seestreitmacht erarbeitet, das auch eine mögliche Feindschaft Grossbritanniens berücksichtigte. Raeders Beschäftigung mit dem Kreuzerkrieg machte sich hierbei insofern bemerkbar, dass ein weltweiter ozeanischer Handelskrieg mit kreuzerartigen Einheiten als Kern der Strategie vorgesehen war. Der als "Z-Plan" bekannt gewordene Rüstungsplan wandte sich gegen die Idee einer relativ schnell zu erstellenden U-Boot-Flotte und sah stattdessen den Bau einer grossen Zahl von schweren Überwassereinheiten vor, von denen die Schlachtschiffe (welche die längste Bauzeit erforderten) die höchste Priorität erhielten. Die Konsequenz daraus war, dass die deutsche Marine bei Kriegsbeginn keinesfalls "fertig" war. Raeder selbst notierte nach der britischen Kriegserklärung am 3. September 1939:

"Was die Kriegsmarine anbetrifft, so ist sie selbstverständlich im Herbst 1939 noch keineswegs für den grossen Kampf mit England hinreichend gerüstet. Sie hat zwar in der kurzen Zeit seit 1935 (Flottenvertrag) eine gut ausgebildete, zweckmässig aufgebaute U-Bootswaffe geschaffen, von der zurzeit ca. 26 Boote atlantikfähig sind, die aber trotzdem noch viel zu schwach ist, um ihrerseits kriegsentscheidend zu wirken. Die Überwasserstreitkräfte aber sind noch so gering an Zahl und Stärke gegenüber der englischen Flotte, dass sie – vollen Einsatz vorausgesetzt – nur zeigen können, dass sie mit Anstand zu sterben verstehen und damit die Grundlage für einen späteren Wiederaufbau zu schaffen gewillt sind".

Zweiter Weltkrieg
Das Überwasserkonzept Raeders und anderer Offiziere war damit gescheitert, Erfolge erzielten vor allem die U-Boote. Trotzdem wurde auch mit Überwasserschiffen zunächst die Linie des Handelskrieges weiterverfolgt. Nachdem auf Initiative Raeders und des Aussenpolitischen Amtes der NSDAP im April 1940 die Invasion Norwegens erfolgt war (Unternehmen Weserübung), standen hierfür bessere Ausgangspositionen zur Verfügung.

Dennoch führte der angekündigte "volle Einsatz" der wenigen vorhandenen Einheiten zu hohen Verlusten an Menschen und Material (Panzerschiff Admiral Graf Spee 1939, Schwerer Kreuzer Blücher 1940, Schlachtschiff Bismarck 1941) bei mässigen Erfolgen, was bei Hitler zu immer schärfer werdenden Zweifeln an der Existenzberechtigung der grösseren Überwasserschiffe führte. Nur mit Mühe konnte Raeder den "Führer" noch beschwichtigen. Dessen ungeachtet erhielt er 1941 anlässlich seines 65. Geburtstags eine Dotation in Höhe von 250'000 Reichsmark.

Als am Jahresende 1942 ein Vorstoss des Panzerschiffes Lützow und des Schweren Kreuzers Admiral Hipper im Verband mit sechs Zerstörern in der Schlacht in der Barentssee kläglich scheiterte, bekam Hitler einen Wutanfall, warf der Marine Feigheit in ihrem Vorgehen vor und kündigte die Ausserdienststellung und Verschrottung der Überwasserschiffe an.

Raeder, der das Scheitern seines Lebenswerkes erkannte und sich in seiner Ehre gekränkt fühlte, bat Hitler daraufhin um seinen Abschied. Dieser erfolgte am 30. Januar 1943. Raeder bekam vorher noch Gelegenheit, seine Positionen in einer Denkschrift zu verteidigen. Sein Nachfolger Karl Dönitz schaffte es, Hitler davon zu überzeugen, die grossen Überwasserschiffe in Ausbildungseinheiten zu behalten und so vor der von Hitler schon befohlenen Verschrottung zu retten. Der Raeder verliehene Titel eines "Admiralinspekteurs" war in der Marinehierarchie nicht vorgesehen, er hatte keinerlei Bedeutung und diente nur der Ehrenrettung des Grossadmirals.

Verhaftung und Prozess
Zum Zeitpunkt der Kapitulation befand er sich zur Behandlung in einem Krankenhaus in Potsdam-Babelsberg. Nach seiner Entlassung im Mai 1945 stellte er sich der sowjetischen Besatzungsmacht. Am 23. Juni 1945 wurde er zunächst verhaftet und in das Lichtenberger Gefängnis verbracht. Im August 1945 wurden seine Frau Erika und er in die Sowjetunion geflogen und unter strengster Geheimhaltung in einem Landhaus in der Nähe Moskaus untergebracht, wo sie wie Gäste und nicht wie andere deutsche Kriegsgefangene behandelt wurden. Auf Veranlassung seiner Gastgeber verfasste Raeder mehrere Abhandlungen über die deutsche Marine vor und im Zweiten Weltkrieg. Angesichts dieser Behandlung waren die Raeders vollkommen überrascht, als sie am 17. Oktober 1945 nach Berlin gebracht wurden und Erich Raeder ins Justizgefängnis des Nürnberger Militärgerichtshofes überstellt wurde.

Raeder wurde im Hauptkriegsverbrecherprozess in den Anklagepunkten 1 ("Gemeinsamer Plan oder Verschwörung"), 2 ("Verbrechen gegen den Frieden") und 3 ("Kriegsverbrechen") beschuldigt, nicht jedoch nach Punkt 4 ("Verbrechen gegen die Menschlichkeit"). Das einstimmige Urteil vom 1. Oktober 1946 sprach Erich Raeder in den drei Anklagepunkten schuldig und verurteilte den 70-Jährigen zu lebenslanger Haft. Die wesentlichen Begründungen lauteten dabei:

Punkt 1 – "Gemeinsamer Plan": Raeders Spitzenstellung als Chef eines Wehrmachtteils während der gesamten Friedenszeit des "Dritten Reiches" und bis 1943; seine ideologische Nähe zum Nationalsozialismus, wie sie etwa in einer Rede Raeders vom 12. März 1939 zum Ausdruck kam ("Schonungslose Kampfansage an den Bolschewismus und das Internationale Judentum") sowie seine Anwesenheit bei zentralen Besprechungen, in denen Hitler seine Pläne enthüllte (siehe z. B. Hossbach-Niederschrift sowie Besprechungen am 23. Mai und 22. August 1939).

Punkt 2 – "Verbrechen gegen den Frieden": Seine tragende Rolle bei den Geheimrüstungen; die mutwilligen Verletzungen des Versailler Vertrages; der dramatisch angestiegene Marineetat und – vor allem – der Plan zur Invasion in Norwegen.

Punkt 3 – "Kriegsverbrechen": Raeder liess den uneingeschränkten U-Boot-Krieg führen, der zur Versenkung unbewaffneter Handelsschiffe und zur Beschiessung von Schiffbrüchigen führte. Siehe bspw. den Athenia-Zwischenfall. Das Gericht kam bei ihm in Bezug auf die Zeitspanne bis 1943 zur gleichen Entscheidung wie im Fall Dönitz. Raeder gab zu, dass er den Kommandobefehl, der sich ausdrücklich nicht auf den Seekrieg bezog, weiterleitete und keinerlei Einspruch bei Hitler erhob.

Nach der Urteilsverkündung bat er den Alliierten Kontrollrat darum, sein Urteil in Erschiessung umzuwandeln, musste jedoch seine Strafe im Kriegsverbrechergefängnis Spandau antreten.

Lebensende
Am 26. September 1955 wurde er aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen. Zunächst wohnte er mit Frau und Tochter in Lippstadt, bevor er später nach Kiel zog. 1957 veröffentlichte er unter dem Titel Mein Leben seine Memoiren, die überwiegend von dem ehemaligen Admiral Erich Förste geschrieben worden waren und der Rechtfertigung Raeders nach den Nürnberger Prozessen dienen sollten. Sie sollten auch dazu dienen, ein geschlossenes Bild der deutschen Marineführung im Zweiten Weltkrieg zu liefern, wozu auf Drängen der Herausgeber Auseinandersetzungen mit Dönitz, die Raeder in seine Memoiren einbringen wollte, unterdrückt wurden.

Er starb am 6. November 1960 in Kiel. Bei seiner Beerdigung in Kiel hielt auf Wunsch des Inspekteurs der Marine, Friedrich Ruge, Raeders Nachfolger als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, der ehemalige Grossadmiral Karl Dönitz, die Grabrede.

Sein Grab befindet sich auf dem Nordfriedhof Kiel.

Grossadmiral Karl Dönitz

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092_70/Karl Dönitz als Grossadmiral, 1943 NS-Propagandasammelbild

Karl Dönitz (* 16. September 1891 in Grünau bei Berlin; † 24. Dezember 1980 in Aumühle) war ein deutscher Marineoffizier (ab Januar 1943 Grossadmiral), NSDAP-Mitglied, Gefolgsmann Adolf Hitlers und nach dessen Willen unter dem Titel Reichspräsident für wenige Tage letztes Staatsoberhaupt des NS-Staates Deutsches Reich. Dönitz war einer der 24 Angeklagten im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Er wurde wegen Führens von Angriffskriegen und Kriegsverbrechen schuldig gesprochen und am 1. Oktober 1946 zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er bis zum 1. Oktober 1956 vollständig verbüsste.

Anfang 1936 wurde Dönitz "Führer der U-Boote" (ab 1939: "Befehlshaber der U-Boote") und war in der deutschen Kriegsmarine die treibende Kraft beim Aufbau der U-Boot-Waffe. Ende Januar 1943 von Hitler zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ernannt, wurde er in dessen politischem Testament vom 29. April 1945 als sein Nachfolger in den Ämtern des Reichspräsidenten und Oberbefehlshabers der Wehrmacht benannt.

Nach dem Suizid von Hitler am 30. April und von Goebbels am 1. Mai 1945 setzte Dönitz am 5. Mai eine bereits Ende April vorbereitete Geschäftsführende Reichsregierung unter dem seitherigen Finanzminister L. Schwerin von Krosigk als Leitendem Reichsminister ein, die sich in den Sonderbereich Mürwik in Flensburg als letzten Stützpunkt der zusammenbrechenden Staatsgewalt zurückzog und daher allgemein als Regierung Dönitz oder "Flensburger Regierung" bekannt wurde. Ungefähr zwei Wochen nach der am 7. Mai durch ihn autorisierten und am 8. Mai in Kraft getretenen bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurden am 23. Mai 1945 Dönitz, die hohen Generäle des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und alle Mitglieder der Regierung verhaftet, die in der Marinesportschule auf dem Marinestützpunkt in Flensburg-Mürwik angetroffen wurden.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Beförderungen:

  • April 1910: Seekadett
  • April 1911: Fähnrich zur See
  • September 1913: Leutnant zur See
  • März 1916: Oberleutnant zur See
  • Januar 1921: Kapitänleutnant
  • November 1928: Korvettenkapitän
  • Oktober 1933: Fregattenkapitän
  • Januar 1939: Kommodore
  • Oktober 1939: Konteradmiral
  • September 1940: Vizeadmiral
  • März 1942: Admiral
  • übersprungen: Generaladmiral
  • Januar 1943: Grossadmiral

Dönitz entstammte der sozialen Schicht des staatstreuen preussischen Bürgertums. Er war der Sohn des Ingenieurs und Leiters der Patentabteilung der Zeiss-Werke Emil Dönitz und dessen Ehefrau Anna, geborene Beyer. Seine Mutter starb bereits, als er noch keine vier Jahre alt war; er und sein zwei Jahre älterer Bruder Friedrich wurden von da an von ihrem Vater alleine aufgezogen.

Nach dem Abitur auf dem Realgymnasium Weimar trat Dönitz am 1. April 1910 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Zu diesem Ausbildungsjahrgang, der so genannten "Crew 10", gehörte auch Martin Niemöller. Im Anschluss an die Infanterieausbildung in der Marineschule Mürwik trat der Kadett Dönitz am 12. Mai die Bordausbildung auf dem Grossen Kreuzer SMS Hertha an. Am 1. April des folgenden Jahres kehrte er zurück an die Marineschule, um seine Offiziersausbildung zu beginnen. Am 15. April 1911 wurde Dönitz zum Fähnrich befördert. Im Sommer 1912 absolvierte er seinen Infanterielehrgang beim II. Seebataillon und einen Torpedolehrgang auf der Panzerkorvette SMS Württemberg. Mit dem Absolvieren eines Artillerielehrgangs an der Schiffsartillerieschule in Kiel-Wik beendete Fähnrich z. S. Dönitz seine Ausbildung als Seekadett und wurde am 1. Oktober 1912 als Wachoffizier und Adjutant auf den Kleinen Kreuzer SMS Breslau kommandiert. Als väterliche Figur und Mentor nach dem Tod des Vaters galt der Erste Offizier der Breslau, Kapitänleutnant Wilfried von Loewenfeld. Zu dieser Zeit war die Breslau der modernste Kleine Kreuzer der deutschen Flotte. Am 27. September 1913 folgte die Beförderung zum Leutnant zur See.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges gelang es der Breslau und dem Schlachtkreuzer SMS Goeben unter der Führung von Konteradmiral Wilhelm Souchon, den französischen und britischen Seestreitkräften auszuweichen und nach Konstantinopel zu entkommen, wo die Schiffe der Osmanischen Marine unterstellt wurden. Die Breslau nahm fortan unter dem Namen Midilli an Gefechten gegen Einheiten der Kaiserlich russischen Marine im Schwarzen Meer teil. Dönitz wurde im Kriegsjahr 1914 mehrfach ausgezeichnet.

Im August 1915 lag die Midilli zu Reparaturarbeiten in der Werft von Stenia bei Konstantinopel (heute İstinye, Stadtteil von Istanbul). Leutnant zur See Dönitz wurde in dieser Zeit als Flugplatzleiter einer Fliegerabteilung an die Dardanellen-Front und nach San Stefano versetzt, wo er auch als Beobachtungsoffizier eingesetzt wurde und sich als Flieger ausbilden liess. Im September verliess Dönitz die Breslau.

Seine Heirat 1916 mit Ingeborg Weber, der Tochter des preussischen Generalmajors Erich Weber, bedeutete für Dönitz einen sozialen Aufstieg.

Zwischenzeitlich zum Oberleutnant z. S. befördert, meldete sich Dönitz freiwillig zu der neuen Waffengattung der Unterseeboote und wurde am 15. September der U-Abteilung der Kaiserlichen Marine zugeteilt. Die U-Ausbildung begann für ihn mit einem weiteren Torpedolehrgang, diesmal speziell auf die Erfordernisse des modernen Waffensystems Unterseeboot zugeschnitten. Dieser Lehrgang brachte ihn im Oktober zurück an Bord der Württemberg. Den Jahreswechsel verbrachte Dönitz an der U-Schule. Am 17. Januar wurde er als Wachoffizier auf U 39 kommandiert. Auf U 39 nahm Dönitz unter den Kommandanten Walter Forstmann und Heinrich Metzger insgesamt an fünf Feindfahrten teil, bis er im Dezember 1917 von Bord ging, um sich auf ein eigenes Kommando vorzubereiten. Im ersten Halbjahr 1917 fuhr auch der spätere Theologe und Widerstandskämpfer Martin Niemöller als Steuermann auf U 39.

Am 1. März 1918 erhielt Dönitz das Kommando auf UC 25, einem – von der Hamburger Vulkanwerft gebauten – minenführenden UC-II-Boot. Auf der ersten der beiden Feindfahrten, die er mit diesem Boot unternahm, drang er in den italienischen Hafen Augusta ein und versenkte ein dort liegendes Schiff. Die Torpedos von UC 25 trafen einen italienischen Kohlefrachter und nicht, wie befohlen, beabsichtigt und auch später gemeldet, das britische Werkstattschiff Cyclops. In der Annahme, Dönitz habe dieses versenkt, empfahl sein Flottillenchef ihn zur Auszeichnung. Infolgedessen wurde Dönitz am 10. Juni 1918 das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern verliehen. Im September 1918 erhielt er das Kommando auf UB 68, einem erheblich grösseren, hochseefähigen Zweihüllenboot. Bei einem Angriff auf einen britischen Geleitzug im Mittelmeer wurde UB 68 tauchunfähig und erheblich beschädigt, weshalb es von der Besatzung aufgegeben wurde. Nach Verlassen des Bootes geriet Dönitz in britische Kriegsgefangenschaft, die er nutzte, um die spanische Sprache zu erlernen. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er im Juli 1919 entlassen und kehrte zu seiner Frau und zu Tochter Ursula nach Deutschland zurück.

Weimarer Republik
Dönitz wurde in die zunächst vorläufige Reichsmarine der Weimarer Republik übernommen und im Juli 1919 zum Stab der Marinestation der Ostsee kommandiert, wo er Hilfsarbeiten unter anderem als Referent für Offizierspersonalien verrichtete. Seit März 1920 war er Kommandant von verschiedenen Torpedobooten, namentlich V 5, T 157 und G 8. Dönitz, der dem Chef des Stationskommandos, Vizeadmiral Magnus von Levetzow, persönlich bekannt war, war von diesem deshalb zum Kommandanten des Torpedobootes "V 5" ernannt worden, um sich ab dem ersten Tag des Kapp-Lüttwitz-Putsches für die Unterstützung der Putschisten "zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung" bereitzuhalten. Dem Militärhistoriker Herbert Kraus zufolge erlebte Dönitz das "Scheitern des Putsches […] als persönliche Niederlage an Bord seines Bootes", da er erkennen musste, "dass die alte Ordnung mit Waffengewalt […] nicht wiederhergestellt werden konnte". Am 1. Januar 1921 wurde er zum Kapitänleutnant befördert und war der I. Torpedobootshalbflottille unterstellt.

Ab Frühjahr 1923 war er Referent und Adjutant der Inspektion des Torpedo- und Minenwesens. In dieser Zeit erhielt er eine Admiralstabsausbildung durch den damaligen Inspekteur des Bildungswesens der Marine Konteradmiral Erich Raeder. Mit dem 3. November 1924 wurde Kapitänleutnant Dönitz Referent in der Marinewehrabteilung; in dieser Stellung verblieb er etwas mehr als zwei Jahre. Anschliessend war er als Navigationsoffizier auf dem Kreuzer Nymphe eingesetzt. Im Herbst 1927 nahm er an einer Navigationsbelehrungsfahrt auf dem Vermessungsschiff Meteor teil und absolvierte einen Kurs für Wetterkunde am Observatorium der Marine in Wilhelmshaven.

Am 24. September 1928 wurde Dönitz Chef der 4. Torpedobootshalbflottille, und am 1. November 1928 wurde er zum Korvettenkapitän befördert. Zwei Jahre später wurde er 1. Admiralstabsoffizier der Marinestation der Nordsee.

Hilfreich für den rasanten Aufstieg waren die überaus positiven Beurteilungen, die Dönitz von seinen militärischen Vorgesetzten erhalten hatte – 13 im Zeitraum von Juli 1913 bis November 1933. Lediglich der spätere Admiral und damalige Kapitän zur See Wilhelm Canaris bemängelte in seiner ersten Beurteilung vom November 1931, Dönitz’ "Charakterbildung" sei "noch nicht abgeschlossen", er sei sehr ehrgeizig und geltungsbedürftig, erklärte diese Mängel aber in seiner zweiten Beurteilung ein Jahr später für vollständig behoben.

Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
In der Funktion des 1. Admiralstabsoffiziers der Marinestation der Nordsee wurde er am 1. Oktober 1933 zum Fregattenkapitän befördert. Als Kommandant des Kreuzers Emden, seit Ende September 1934, machte Dönitz im Jahr 1935 eine mehrmonatige Auslandsreise nach Südostasien. Nach der Rückkehr von dieser Reise wurde Dönitz von dem zwischenzeitlichen Generaladmiral Raeder mit dem Aufbau der neuen deutschen U-Boot-Waffe beauftragt. Dönitz empfand diese neue Stellung zuerst als Abstellgleis, revidierte diese Ansicht aber sehr bald. Der Bau deutscher U-Boote war möglich geworden, nachdem sich Adolf Hitler im selben Jahr mit dem Deutsch-britischen Flottenabkommen über den Versailler Vertrag hinweggesetzt hatte, indem er einseitig die deutsche Wehrhoheit erklärte.

In der allgemeinen Strategie der deutschen Marine, dem Unterbrechen der Seewege des Gegners (der damaligen Militärdoktrin zufolge insbesondere der britischen Royal Navy), war für das Waffensystem U-Boot keine massgebliche Rolle vorgesehen. Am 22. September 1935 wurde Fregattenkapitän Dönitz zum Chef der U-Boot-Flottille Weddigen ernannt und am 1. Oktober 1935 zum Kapitän zur See befördert. Im Januar des Jahres erhielt er auf Antrag das Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Bereits am 1. Januar 1936 wurde Dönitz’ Posten aufgewertet und in Führer der Unterseeboote (FdU) umbenannt. Am 28. Januar 1939 erfolgte seine Ernennung zum Kommodore.

Zweiter Weltkrieg
Einen Monat nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Dönitz am 1. Oktober 1939 zum Konteradmiral ernannt. Kurz zuvor, am 19. September 1939, war sein Dienstposten in Befehlshaber der Unterseeboote (BdU) umbenannt worden.

Im Bewusstsein der politischen Krisen in den Jahren 1935 bis 1938 musste Dönitz die Möglichkeit einer Gegnerschaft Englands bei der strategischen Ausrichtung der U-Boot-Waffe berücksichtigen. Ein effektiver Handelskrieg setzte laut Dönitz eine Sollstärke der U-Boot-Waffe von rund 300 Booten voraus. Gemäss der Doktrin der "Drittelparität" sollten sich ein Drittel der Boote im Fronteinsatz befinden, ein weiteres Drittel im An- bzw. Abmarsch und das letzte Drittel zur Überholung in den Heimathäfen. Im Z-Plan vom 1. März 1939 wurde der Bau von 249 U-Booten beschlossen. So begann der Seekrieg im Atlantik zwar mit einer geringen Zahl an U-Booten (57 U-Boote, davon nur 37 für den Atlantik geeignet), aber dennoch mit Erfolgen für die deutsche Seite. Aufgrund dieser Erfolge wurde Dönitz am 1. September 1940 zum Vizeadmiral befördert.

Dönitz liess die U-Boot-Besatzungen dazu ausbilden, gegen Geleitzüge zu kämpfen, hierbei plante er, einer Massierung an Schiffen eine Massierung an U-Booten entgegenzusetzen – die so genannte Rudeltaktik.

Im Zuge der verminderten Rohstoffzuteilung an die Kriegsmarine, die im November 1941 erfolgte und für das Jahr 1942 nur 60 % der angeforderten Menge an Stahl und Aluminium vorsah, forderte Dönitz eine Förderung des U-Bootbaus auf Kosten der grösseren Einheiten. In einer Eingabe an die Seekriegsleitung bewertete er die Vorstösse der deutschen Kriegsschiffe in den Atlantik bisher als gescheitert und zukünftig als aussichtslos. Diese indirekte Kritik an der Strategie Raeders, in der Dönitz eine bereits geäusserte Kritik Hitlers wiederholte, offenbarte einen grundsätzlichen Konflikt zwischen dem Oberbefehlshaber der Marine und dem Befehlshaber der U-Boote, der sich allerdings zunächst nicht zu einem offenen Machtkampf entwickelte, da die deutschen Grosskampfschiffe zu diesem Zeitpunkt nicht einsatzbereit waren. Als im Frühjahr 1942 die beiden Schlachtschiffe der Scharnhorst-Klasse und der Kreuzer Prinz Eugen auf Drängen Hitlers ihre Basis am Atlantik in Brest verlassen mussten und mit dem Schlachtschiff Tirpitz nach Norwegen verlegten, war die offensive operative Strategie Raeders im Wesentlichen gescheitert. Von Brest und den anderen Stützpunkten an der nordfranzösischen Atlantikküste aus führte nun Dönitz mit U-Booten die Schlacht im Atlantik. Zunächst schienen die hohen Versenkungszahlen im Frühjahr 1942 den Erfolg des von ihm definierten "Tonnagekrieges" anzudeuten. Bereits am 14. März 1942 wurde Dönitz zum Admiral befördert.

Oberbefehlshaber
Am 30. Januar 1943 wurde Dönitz unter Auslassung des Dienstgrades Generaladmiral zum Grossadmiral befördert und als Nachfolger Erich Raeders zum Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine ernannt. Der Ernennung war eine Konfrontation Raeders mit Hitler vorausgegangen, die den Rücktritt Raeders zur Folge hatte. Anlässlich eines Lagevortrags am 6. Januar im Führerhauptquartier Wolfsschanze hatte Hitler den Zustand der Kriegsmarine als Ganzes und insbesondere Raeders Strategie der Seekriegsführung (Unternehmen Rösselsprung im Juni 1942 und Unternehmen Regenbogen im Dezember 1942) kritisiert, sowie den Einsatz der grossen Schiffe wie der Bismarck, die 1941 versenkt worden war und der Tirpitz, die zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr in Norwegen isoliert war, bemängelt. Raeder bot unter dem Eindruck dieser Kritik unmittelbar seinen Rücktritt an, den Hitler annahm.

In einem Schreiben vom 14. Januar benannte Raeder auf Wunsch Hitlers zwei Offiziere, die seiner Ansicht nach als Nachfolger in Frage kämen. Neben Dönitz war dies Generaladmiral Rolf Carls. Für den sieben Jahre älteren Carls, der wie Dönitz auch U-Bootkommandant im Ersten Weltkrieg gewesen war, sprach laut Raeder die umfassende Erfahrung in der Führung militärischer Operationen, hinsichtlich unterschiedlicher Schiffstypen, als auch Organisationen. Zudem wäre seine Ernennung "ohne alle Reibungen" möglich, denn kein Offizier von gleichem Verdienst würde in der Beförderung übersprungen werden. Für Dönitz sprach, dass durch seine Ernennung ein erkennbarer Schwerpunkt auf die U-Boot-Waffe gelegt werde. Hitler entschied sich für Dönitz, der am 30. Januar – dem zehnten Jahrestag von dessen sog. Machtergreifung – zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ernannt wurde.

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine liess Dönitz am 30. Januar 1943 allen Marinedienststellen eine Nachricht über seine Beförderung mitteilen. Auch die Schiffe auf See erhielten diese per Funk. Die zuständigen Nachrichtenoffiziere sendeten den Text wortgleich und nach Verschlüsselung mit allen relevanten Verschlüsselungsverfahren. Damit wurde den Kryptologen der gegnerischen Entschlüsselungszentralen, z. B. in Bletchley Park, für alle Marine-Chiffrierverfahren eine Klartextverschlüsselung angeboten, die den Briten die Möglichkeit zur Dekodierung der Verfahren lieferte. Das Senden der Information als Geheimtext war unsinnig, da am nächsten Tag – ganz öffentlich – die deutsche Presse informiert wurde.

Als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine gab Dönitz den Posten als Befehlshaber der Unterseeboote nicht auf. Nachdem die Atlantikschlacht im Frühjahr 1943 aufgrund technologischer Unterlegenheit der veralteten U-Boot-Typen gescheitert war, versuchte er, einerseits durch eine Massenproduktion neuer U-Boote und andererseits durch rücksichtslose Durchhalteappelle an die U-Boot-Besatzungen, die sachlich durch nichts mehr gerechtfertigt waren, eine strategische Offensivoption zurückzuerlangen: "… vor Flugzeugen nicht tauchen, schiessen und abwehren. Vor Zerstörern möglichst über Wasser ablaufen. Hart sein, nach vorne kommen und angreifen. Ich glaube an Euch". Dies bedeutete jedoch, in den Worten des britischen Sachbuchautors Andrew Williams: "Jeder U-Boot-Kommandant, der den Befehl von Dönitz befolgen würde, auf der Wasseroberfläche zu kämpfen, unterschrieb sein eigenes Todesurteil".

Bei der Invasion in der Normandie (1944) liess er 36 U-Boote auslaufen:

"Jedes feindliche Fahrzeug, das der Landung dient, auch wenn es etwa nur ein halbes Hundert Soldaten oder einen Panzer an Land bringt, ist ein Ziel. Es ist anzugreifen, auch unter Gefahr des eigenen Verlustes. […] Das Boot, das dem Feinde bei der Landung Verluste beibringt, hat seine höchste Aufgabe erfüllt und sein Dasein gerechtfertigt, auch wenn es dabei bleibt".

Das war angesichts der zu diesem Zeitpunkt massiven alliierten Wasser- und Luftüberlegenheit ein Kamikaze-Befehl, da nur geringe Aussichten bestanden, dass ein U-Boot einen Angriff auf die stark gesicherten Konvois im Kanal oder auf die Schiffskonzentrationen vor der Küste der Normandie überstehen würde.

Obwohl die Zahl der versenkten U-Boote in der Folgezeit immer weiter stieg, wurde die Möglichkeit, dass die Alliierten die deutsche Enigma-Maschine endgültig entschlüsselt haben könnten, weiterhin ausgeschlossen. Stattdessen wurde vermutet, dass U-Boote und damit auch Enigma-Maschinen und Schlüsselunterlagen in alliierte Hände gefallen seien.

Trotz der erdrückenden eigenen Verluste und der sehr stark abgefallenen Versenkungserfolge konnte sich Dönitz, von einer kurzen Phase in der Mitte des Jahres 1943 abgesehen, zu keinem Zeitpunkt dazu entschliessen, die Konsequenzen zu ziehen und den U-Boot-Krieg abzubrechen. Er begründete dies mit strategischen Überlegungen. Seiner Auffassung nach hätte ein Abbruch der Atlantikschlacht den Westalliierten ermöglicht, grosse Mengen von Menschen und Material freizumachen, die dann an anderer Stelle gegen Deutschland zum Einsatz gebracht worden wären.

Das Ergebnis dieser Haltung lässt sich auch an den Verlustzahlen ablesen: Von den rund 41'000 deutschen U-Boot-Fahrern des Zweiten Weltkrieges starben bis Kriegsende fast 26'000 im Einsatz. Unter den Toten war auch Dönitz’ jüngerer Sohn Peter. Der andere Sohn, Klaus, fiel auf dem Schnellboot S 141 bei einem Angriff auf die südenglische Hafenstadt Selsey.

In dem 68 Monate dauernden Kampf gingen 781 von 820 deutschen U-Booten (95,2 Prozent) verloren, 632 wurden nachweislich von den Alliierten versenkt. Eine solche Verlustquote hatte keine andere Waffengattung zu verzeichnen, weder auf deutscher noch auf alliierter Seite.

Befehligt wurden die U-Boote zuerst von Wilhelmshaven aus (1939/1940), dann vom Schloss Kernével bei Lorient (1940–1942), wo der BdU mit nur sechs Stabsoffizieren die Einsätze dirigierte, schliesslich vom Hauptquartier Koralle in Bernau bei Berlin (1943–45). Die geringe Zahl auf deutscher Seite stand in einem eklatanten Missverhältnis zu den Hunderten von Stabsoffizieren, mit denen die britische U-Boot-Abwehr von London und Liverpool aus ihre Gegenmassnahmen strategisch und taktisch koordinierte und technisch revolutionierte.

Stationen während des Zweiten Weltkriegs:

  • September 1939 bis 30. Januar 1943 Befehlshaber der Unterseeboote
  • Januar 1943 bis 30. April 1945 Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, gleichzeitig weiterhin Befehlshaber der Unterseeboote
  • –30. April 1945 zugleich Wehrmacht-Oberbefehlshaber Nordraum
  • –23. Mai 1945 Reichspräsident und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht

Hitlers "Nachfolger" als Reichspräsident
Hitler ernannte Dönitz testamentarisch zu seinem Nachfolger als Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Kriegsminister und Reichspräsident. Das entsprach zwar nicht der noch gültigen Weimarer Verfassung, jedoch dem Gesetz über den Nachfolger des Führers und Reichskanzlers vom 13. Dezember 1934, das Hitler gestattete, "für den Fall seines Todes oder sonstiger Erledigung der in seiner Person vereinigten Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzler seinen Nachfolger" selbst zu bestimmen. Allerdings war dieses Gesetz stets als "Geheime Reichssache" behandelt und nie bekanntgemacht worden, weshalb Zweifel an seiner Wirksamkeit bestehen. Aber Dönitz akzeptierte seine Ernennung, über die er am 30. April 1945 um 18:35 Uhr telegraphisch durch Martin Bormann an seinem Aufenthaltsort Plön unterrichtet wurde, und antwortete telegraphisch am 1. Mai 1945 um 1:22 Uhr:

"Mein Führer, meine Treue zu Ihnen wird unabdingbar sein. Ich werde daher weiter alle Versuche unternehmen, um Sie in Berlin zu entsetzen. Wenn das Schicksal mich dennoch zwingt, als der von Ihnen bestimmte Nachfolger das Deutsche Reich zu führen, werde ich diesen Krieg so zu Ende führen, wie es der einmalige Heldenkampf des Deutschen Volkes verlangt".

Dönitz hielt sich so sehr für das letzte Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches, dass er noch 1975 eine Art "Testament" verfasste, in welchem er meinte, Inhalt und Aufgabe seines Amtes auf den Bundespräsidenten zu übertragen. Sein Amt als "Nachfolger des Führers" trat er mit einer Ansprache an das deutsche Volk an, die der Reichssender Flensburg am 1. Mai um 22:30 Uhr mit der Mitteilung einleitete, Hitler sei "heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei bis zum letzten Atemzuge gegen den Bolschewismus kämpfend für Deutschland gefallen". Auch Dönitz verschwieg, dass Hitler sich selbst getötet hatte; er sprach ebenfalls davon, Hitler sei "gefallen", und von dessen "Heldentod". Der provisorische Regierungssitz lag in Flensburg-Mürwik, im dort eingerichteten Sonderbereich Mürwik, dem letzten noch unbesetzten Teil des Dritten Reiches. Nach der Kapitulation vom 8. Mai 1945 wurde die Flensburger Regierung am 23. Mai von den Alliierten abgesetzt und Dönitz verhaftet, der anschliessend im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wegen Kriegsverbrechen und Planung eines Angriffskrieges unter Anklage gestellt wurde.

Kapitulation
Dönitz und die geschäftsführende Reichsregierung strebten einen Separatfrieden mit den Westalliierten an, um die Rote Armee aus Deutschland zurückzudrängen. Nachdem bereits auf der alliierten Konferenz von Casablanca im Jahr 1943 die Forderung des amerikanischen Präsidenten Roosevelt nach bedingungsloser Kapitulation der Kriegsgegner verabschiedet worden war und Churchill einen Konflikt mit den russischen Alliierten befürchtete, lehnten die westlichen Alliierten jedoch jede Teilkapitulation ab. Nach dem Krieg begründete Dönitz die Fortsetzung des Krieges auch damit, dass möglichst viele deutsche Soldaten in westalliierte Gefangenschaft gebracht werden sollten, um sie so vor sowjetischer Gefangenschaft zu bewahren. Diese Darstellung wird jedoch von jüngerer historischer Forschung zum Teil in Frage gestellt und als beschönigend dargestellt, da Dönitz erst zwei Tage vor der Kapitulation befahl, die gesamten verfügbaren Schiffe zur Rettung von Flüchtlingen einzusetzen (vgl. z. B. die Arbeiten von Heinrich Schwendemann im Literaturverzeichnis). Weiterhin fällten Marinekriegsgerichte im noch von deutschen Truppen kontrollierten Gebiet unter Berufung auf Dönitz’ Durchhaltebefehle bis in die Tage nach der Gesamtkapitulation hinein zahlreiche Todesurteile wegen Fahnenflucht und "Wehrkraftzersetzung". Dönitz persönlich bestand darauf, den Hitlergruss als Ehrenbezeugung beizubehalten und alle Hitlerbilder an ihrem Platz zu belassen.

Nachdem am 1. Mai 1945 um 21:25 Uhr der Reichssender Hamburg erstmals den Tod Hitlers bekannt gegeben hatte, erklärte Dönitz am 2. Mai 1945 über den Sender Flensburg, dass die Reichsregierung Dönitz die Nachfolge Hitlers angetreten habe. Am selben Tag befahl in Berlin General Weidling die Einstellung aller Kampfhandlungen in der Reichshauptstadt. Dönitz bereitete umgehend eine Teilkapitulation gegenüber den Westalliierten vor. Generaladmiral von Friedeburg traf am 3. Mai 11:30 Uhr im britischen Hauptquartier von Feldmarschall Montgomery in Wendisch Evern bei Lüneburg ein, um eine Teilkapitulation in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Dänemark vorzubereiten. Sie wurde am 4. Mai 18:30 Uhr unterzeichnet und trat am 5. Mai 8:00 Uhr (dt. Sommerzeit) in Kraft. Am 5./6. Mai trafen Generaladmiral von Friedeburg und am 6. Mai Generaloberst Alfred Jodl im Hauptquartier von General Dwight D. Eisenhower wegen einer weiteren Teilkapitulation gegenüber den Westalliierten ein. Eisenhower bestand jedoch auf einer Gesamtkapitulation, aber mit dem Zugeständnis, dass nach der Unterzeichnung 48 Stunden zur Umsetzung verbleiben könnten. Damit hatte die Regierung Dönitz ihr Ziel erreicht, grosse Teile der Wehrmacht in Mittel- und Süddeutschland vor sowjetischer Gefangennahme zu bewahren und sie hinter die westalliierten Linien fliehen zu lassen.

Am 7. Mai um 2:41 Uhr morgens unterzeichnete im Auftrag von Dönitz im operativen Hauptquartier der SHAEF (Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force) im französischen Reims Generaloberst Jodl die bedingungslose Gesamtkapitulation aller deutschen Streitkräfte. Die Einstellung aller Kampfhandlungen musste also spätestens bis 9. Mai 0:01 Uhr erfolgt sein. Da keine hochrangigen sowjetischen Offiziere in Reims teilgenommen hatten, musste auf Wunsch Stalins die Unterzeichnung im sowjetischen Hauptquartier wiederholt werden. Der Kapitulationsakt wurde einen Tag später durch das Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine ratifiziert. Daher unterzeichneten, diesmal im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst, am 8. Mai um 23:30 Uhr (dt. Sommerzeit) der von Dönitz dazu bevollmächtigte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generaladmiral von Friedeburg sowie Generaloberst Stumpff eine weitere Kapitulationsurkunde.

Nachkriegszeit
Nach der Kapitulation
Heinrich Himmler, der mit grossem Gefolge in Flensburg angekommen war, bemühte sich, Mitglied der neuen Reichsregierung zu werden, doch Dönitz berücksichtigte ihn nicht bei seiner Regierung, die er am 5. Mai ernannte. Bei einem Essen am 6. Mai sprach Dönitz mit Himmler darüber. Am 10. Mai stimmte Dönitz zu, dass SS-Angehörige mit Personalpapieren der Kriegsmarine ausgestattet wurden, damit sie ihre Mitgliedschaft in der SS verschleiern konnten, denn es war offensichtlich, dass Mitglieder der SS u. a. für den Völkermord an den Juden und von ihr begangene Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen werden würden.

Dönitz’ politische Sicht liess keine grosse Einsicht in die Realitäten nach dem verlorenen Krieg erkennen. Aus seiner Sicht hatte sich die Wehrmacht einschliesslich der Kriegsmarine bewährt. Sie habe sich – im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg – nicht gegen die Regierung gewandt. Meuterei und Revolution seien ausgeblieben. Die pluralistische Regierungsform der westlichen Demokratien lehnte Dönitz vehement ab.

"Die wahre Volksgemeinschaft, die der Nationalsozialismus geschaffen hat, muss erhalten werden; der Wahnsinn der Parteien wie vor 1933 darf nicht wieder Platz greifen"

schrieb er eine Woche nach der Kapitulation. Er lehnte eine Verantwortung der NS-Führung für die Vorgänge in den Konzentrationslagern ab. Dass dies keine Staatsverbrechen seien, sondern normale juristische Fälle, die Einzeltätern anzulasten seien, ist seinem Tagesbefehl an die Wehrmacht vom 18. Mai zu entnehmen. Dönitz versuchte noch, über Dwight D. Eisenhower eine Verordnung in Kraft zu setzen, die das Reichsgericht für die Verbrechen in den Konzentrationslagern zuständig gemacht hätte. Er legte Eisenhower auch nahe, sein Vorgehen gegen den Nationalsozialismus einzuschränken, weil sonst eine Bolschewisierung Deutschlands drohe. In persönlichen Gesprächen mit den Abgesandten der Alliierten am 17. und 20. Mai legte er diese Ansichten nochmals dar. Am 23. Mai 1945 wurden Dönitz und die Angehörigen des OKW Jodl und Friedeburg auf die Patria bestellt, auf der die alliierte Überwachungskommission für das OKW unter dem amerikanischen Generalmajor Rooks und dem britischen Brigadegeneral Foord residierte. Auf der Patria wurde ihnen die auf Befehl General Eisenhowers mit Zustimmung des sowjetischen Generals Schukow angeordnete Verhaftung als Kriegsgefangene mitgeteilt. Auch die Mitglieder der Geschäftsführenden Reichsregierung wurden an diesem Tag verhaftet. Anschliessend wurden die Verhafteten im Hof des Flensburger Polizeipräsidiums der Weltpresse vorgeführt. Am 5. Juni 1945 verkündeten die Alliierten in der Berliner Erklärung ihre Übernahme der obersten Regierungsgewalt über Deutschland.

Dönitz wurde zusammen mit anderen hohen Wehrmachtangehörigen und Vertretern der NSDAP-Hierarchie im Kriegsgefangenenlager Nr. 32 (Camp Ashcan) im luxemburgischen Bad Mondorf interniert. Im Oktober 1945 wurde er dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg überstellt und angeklagt. Die Verteidigung übernahm der ehemalige Flottenrichter Otto Kranzbühler. Der 38-Jährige hatte vor seinem Eintritt in die Reichsmarine im Jahr 1934 Jura studiert und wurde auf Dönitz’ Wunsch zu seinem Verteidiger berufen. Er wurde während des Prozesses von Hans Meckel, dem ehemaligen Kommandanten von U 19 unterstützt. Bei der Suche nach Akten halfen den beiden Kurt Assmann, der bis 1943 das Marinearchiv (die Kriegswissenschaftliche Abteilung der Marine) geleitet hatte und Eberhard Weichold, der mehrfach im Oberkommando der Marine gedient hatte und Meckel bei der Ermittlung entlastenden Materials behilflich war. Kranzbühlers Team, das nach Meckels Ansicht von britischer Seite "fair unterstützt" wurde, erreichte für Dönitz Freisprüche in einem von drei Anklagepunkten. Dönitz wurde nicht nach Anklagepunkt IV Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Hinsichtlich des Anklagepunkts I wurde festgestellt, dass Dönitz aufgrund seiner Dienststellung nicht an der Verschwörung zur Durchführung eines Angriffskrieges beteiligt gewesen war. Hinsichtlich der Anklagepunkte II "Verbrechen gegen den Frieden" und III "Verbrechen gegen das Kriegsrecht" erfolgte eine Verurteilung.

Von Dönitz stammte der Laconia-Befehl vom 17. September 1942, der es untersagte, Angehörige versenkter Schiffe zu bergen oder ihnen Nahrungsmittel oder Wasser zu geben, wenn sie sich in Rettungsbooten befanden. Dönitz hatte diesen Befehl gegeben, nachdem ein amerikanischer Bomber das U-Boot U 156 bombardiert hatte, das gerade mit anderen deutschen U-Booten Rettungsboote mit Überlebenden des zuvor versenkten britischen Truppentransporters Laconia im Schlepp hatte.

Während einer Inspektion in einem U-Boot-Verband im Oktober 1942 sagte Dönitz:

"die U-Boot-Erfolge hätten sich zwar verringert, aber die Lage würde sich in Kürze bessern, denn es sei für die Alliierten sehr schwer, genügend Besatzungen für ihre Schiffe zu finden. Es sei jetzt ein Stadium erreicht worden, da der totale Krieg auch zur See geführt werden müsse. Die Schiffsbesatzungen seien für die U-Boote genauso ein Ziel wie die Schiffe selbst"!

Im Operationsbefehl Atlantik Nr. 56 vom 7. Oktober 1943 stand ein neuer Absatz, der sogenannte Rettungsschiffbefehl, für die frisch ausgelaufenen U-Boote im Atlantik, der nach Ansicht einiger Alliierter Hitlers Absicht bestätigte, die Besatzungen der alliierten Handelsmarine möglichst zu vernichten:

"Rescueships

Zu jedem Geleitzug gehört im Allgemeinen ein sogenanntes rescue ship, ein Spezialschiff bis zu 3'000 BRT, das zur Aufnahme der Schiffbrüchigen nach U-Bootangriffen bestimmt ist. Diese Schiffe sind meist mit Bordflugzeug und grossen Motorbooten ausgerüstet, stark bestückt (Wabowerfer) und sehr wendig, so dass sie häufig vom Kommandanten als U-Bootfallen angesprochen werden. Ihre Versenkung ist im Hinblick auf die erwünschte Vernichtung der Dampferbesatzungen von grossem Wert".

Tatsächlich waren Rettungsschiffe weder schwer bewaffnet noch hatten sie Flugzeuge an Bord und sie dienten auch nicht als U-Boot-Fallen, wie es Dönitz im Prozess behauptete. Dönitz war unbekannt, dass sie während des Krieges mit Huff-Duff-Geräten ausgerüstet und an der Ortung der nach den Massgaben der Rudeltaktik fühlungshaltenden deutschen U-Boote beteiligt waren.

US-amerikanische Nachrichtendienst-Offiziere, die die acht überlebenden Besatzungsmitglieder des am 19. März 1944 versenkten Torpedoversorgers U 1059 einschliesslich seines gegen die Nationalsozialisten eingestellten Kommandanten Leupold verhörten, schrieben:

"Vor dem Auslaufen von U 1059 hatte Leupold ein Gespräch mit Korvettenkapitän Karl-Heinz Moehle, dem Chef der 5. U-Boot-Flottille. Im Verlauf der Befehlsausgabe für die Feindfahrt übermittelte Moehle Leupold besondere mündliche Anweisungen des den Befehl über die U-Boote führenden Admirals (Eberhard Godt), dass bei Schiffsversenkungen alle Überlebenden vernichtet werden sollten. Als der Kommandant von U 1059 wegen eines solchen Befehls überrascht und empört war, sagte ihm Moehle, dies sei ein ausdrücklicher Befehl vom Oberbefehlshaber (Dönitz) und Teil des totalen Krieges, der jetzt geführt werden müsse. Vor seiner Abfahrt hatte Leupold Gelegenheit, diesen Befehl mit anderen U-Boot-Kommandanten zu erörtern. Alle diese Kommandanten erklärten ihm, Befehl hin oder her, dass sie nicht vorhätten, dieser Anweisung Folge zu leisten".

Aus nicht bekannten Gründen präsentierten die Alliierten Leupolds Behauptungen weder beim Kriegsverbrecherprozess gegen den Kommandanten von U 852, Eck, noch beim Prozess gegen Dönitz.

In Nürnberg meldeten sich zwei Offiziere der Kriegsmarine, Karl-Heinz Moehle (Chef der 5. Schulflottille) und Oberleutnant zur See Peter Josef Heisig, ein am 27. Dezember 1944 in Gefangenschaft geratener Wachoffizier von U 877. Beide vermittelten laut Blair unter Eid den Eindruck, Dönitz habe U-Boot-Kommandanten insgeheim aufgefordert, schiffbrüchige Besatzungen zu ermorden, um die Bemannung weiterer Schiffe zu verhindern, was Blair aber als unwahr bezeichnet.

In den Unterlagen der Kriegsmarine soll Blair zufolge trotz umfangreicher Suche kein Beweis gefunden worden sein. Zudem sei es Kranzbühler gelungen, die Glaubwürdigkeit der Dönitz belastenden Zeugen Karl-Heinz Moehle und Peter Josef Heisig beim Prozess zu erschüttern. Moehle habe sich möglicherweise selbst vom Vorwurf entlasten wollen, den Laconia-Befehl ausgegeben zu haben, und diesen zudem völlig missverstanden. Heisig habe möglicherweise seinen im Eck-Prozess angeklagten Freund Hoffmann, Zweiter Wachoffizier auf Ecks Boot, vor dem Erschiessungskommando retten wollen. 67 U-Boot-Kommandanten sollen laut Blair eidesstattliche Aussagen abgegeben haben, der Laconia-Befehl sei nicht als Aufforderung angesehen worden, Schiffbrüchige zu töten. Auch der im Eck-Prozess angeklagte Kommandant von U 852 habe erklärt, nur im Sinne seines eigenen Interesses gehandelt zu haben.

Zu den Unterzeichnern der eidesstattlichen Aussagen gehörte auch der Kommandant der U-Boote U 560, U 351, U 1007 und U 1231, Oberleutnant zur See Helmut Wicke. Dieser soll allerdings am 28. September 1998 erklärt haben, dahingehend belehrt worden zu sein, dass es kriegswichtig sei, Schiffbrüchige nicht überleben zu lassen. Dem Autor Dieter Hartwig zufolge hat es zudem deutliche Hinweise auf das Verschwindenlassen kompromittierender Akten gegeben.

Der Verteidiger von Dönitz, Otto Kranzbühler, erreichte, dass der schwerwiegende Vorwurf des (laut Londoner U-Boot-Protokoll von 1936 verbotenen) "Versenkens von feindlichen Handelsschiffen ohne Warnung" gegen seinen Mandanten und Grossadmiral Erich Raeder fallengelassen wurde, was die beiden Admirale vor der Todesstrafe bewahrte. Dazu trug insbesondere die schriftliche Zeugenaussage des Oberbefehlshabers der US-Pazifikflotte, Admiral Chester W. Nimitz, bei, in der dieser erklärte, dass amerikanische U-Boote im Seekrieg gegen Japan Handelsschiffe ohne Warnung versenkt hatten, wenn es sich nicht erkennbar um Lazarettschiffe handelte. Feindliche Überlebende seien von der US Navy nicht gerettet worden, wenn es eine zusätzliche Gefahr für das eigene U-Boot bedeutet hätte. Tatsächlich war es sogar vorgekommen, dass amerikanische U-Boot-Besatzungen japanische Überlebende in Rettungsbooten oder im Wasser schwimmend ermordet hatten.

Dönitz war ein Befürworter des NS-Regimes und verurteilte in seiner Aussage vor dem Gerichtshof alle, die sich gegen Hitler gewandt hatten, besonders aber den "Putsch des 20. Juli". Im Prozess wurde Dönitz von der Anklage zu seiner Rundfunkrede zum Heldengedenktag am 12. März 1944 befragt:

"Was wäre unsere Heimat heute, wenn der Führer uns nicht im Nationalsozialismus geeint hätte? Zerrissen in Parteien, durchsetzt von dem auflösenden Gift des Judentums und diesem zugänglich, da die Abwehr unserer jetzigen kompromisslosen Weltanschauung fehlte, wären wir längst der Belastung des Krieges erlegen und der erbarmungslosen Vernichtung unserer Gegner ausgeliefert worden".

Auf Nachfrage, was er mit dem "auflösenden Gift des Judentums" meine, bekräftigte Dönitz ausdrücklich, dass er mit der Vertreibung der Juden aus Deutschland einverstanden war. Weitere Themen des Prozesses waren 12'000 KZ-Häftlinge, die in Dänemark zum Bau und zur Reparatur von Schiffen eingesetzt wurden, und die Erschiessung von britischen Kommandos in Norwegen 1943 auf der Grundlage des Kommandobefehls.

Am 1. Oktober 1946 sprach der Gerichtshof Dönitz vom Vorwurf der Verschwörung zur Führung eines Angriffskriegs frei, da er bei den Planungen nicht einbezogen worden war. Der Vorwurf der Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Anklagepunkte I und IV) war nicht gegen ihn erhoben worden. Dönitz wurde aber wegen der Durchführung von Angriffskriegen verurteilt. Wegen dieser "Verbrechen gegen den Frieden" und wegen Kriegsverbrechen wurde er zu zehn Jahren Gefängnis in Spandau verurteilt. Seine Mithäftlinge dort waren Rudolf Hess, Erich Raeder, Walther Funk, Albert Speer, Baldur von Schirach und Konstantin von Neurath. Für den von den Alliierten mit dem Verhör von Wehrmachtbefehlshabern beauftragten Juristen Walter Hasenclever (1910–1992) war der Gefangene Dönitz "anscheinend der einzige unter den höchsten Befehlshabern der Wehrmacht, der bis zuletzt dem Nationalsozialismus verschrieben blieb".

Dönitz und der Nationalsozialismus
Das zum Zeitpunkt von Dönitz’ Eintritt in die Reichsmarine gültige Wehrgesetz versagte dem Reichswehrangehörigen neben dem Wahlrecht und weiteren Bürgerrechten auch die Zugehörigkeit zu jedweder Partei. Diese Bestimmungen wurden in der Neufassung des Wehrgesetzes im Rahmen des Aufbaus der Wehrmacht im März 1935 präzisiert – ab jetzt war insbesondere die Zugehörigkeit zur NSDAP für die Dauer des Dienstes untersagt. Am 30. Januar 1944 erhielt Dönitz das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP und wurde ab diesem Zeitpunkt – mit der Mitgliedsnummer 9664999 – als Angehöriger der NSDAP geführt. Allein der Besitz dieser Auszeichnung, die einigen exponierten Angehörigen der Wehrmacht übereignet wurde – beispielsweise Eduard Dietl, der sie mit Stolz trug, oder Erich Raeder, der sie vernichtete –, macht Dönitz jedoch noch nicht zu einem Nationalsozialisten. Die Ansprachen, die er insbesondere an der U-Boot-Schule und vor Rekruten hielt, strotzten allerdings vor NS-Ideologie und forderten fanatische Opferbereitschaft. Die Idealisierung der selbstmörderischen Einsätze der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine und die Aufforderung an seine U-Boot-Kommandanten, Mannschaft und Boote zu opfern, und vor allem sein lobender Kommentar über den Mord an mitgefangenen Kameraden in einem australischen Gefangenenlager illustrieren darüber hinaus seine NS-typische, menschenverachtende Grundhaltung. In einem Geheimerlass vom 19. April 1945 über die Beförderung "verantwortungsfreudiger Persönlichkeiten" begrüsste Dönitz, dass ein Oberfeldwebel als Lagerältester eines Gefangenenlagers in Australien die unter den Gefangenen sich bemerkbar machen den Kommunisten "planvoll und von der Bewachung unauffällig umlegen" liess. Diesem Unteroffizier gebühre für seinen Entschluss und seine Durchführung Anerkennung: "Ich werde ihn nach seiner Rückkehr mit allen Mitteln fördern, da er bewiesen hat, dass er zum Führer geeignet ist". Zeitgenossen berichten überdies von einer Bewunderung Hitlers. Die Teilnahme an Hitlers Lagebeurteilungen liess ihn beispielsweise schlussfolgern, "wie unbedeutend wir alle im Vergleich mit dem Führer sind". In Ansprachen betonte er wiederholt seine völlige Übereinstimmung mit Hitlers eliminatorischem Antisemitismus und bezichtigte "das internationale Judentum" der geplanten Vernichtung des deutschen Volkes.

Vertrauten zufolge ist Dönitz dem Nationalsozialismus auch nach Kriegsende und Gefängnisaufenthalt hinaus verbunden geblieben. In seinem Aufsatz Marine, Nationalsozialismus und Widerstand stellte Walter Baum 1963 die These auf, dass es Dönitz’ Haltung, Taten und vor allem seinen Verlautbarungen nach dem 20. Juli zu verdanken gewesen sei, dass Hitler ihn später zum Nachfolger ernannt habe. Der in diesem Aufsatz ebenfalls behaupteten Nähe der deutschen Marine zum bzw. Anfälligkeit gegenüber dem Nationalsozialismus und der Beschreibung seiner Person als "politisch", als Hitler in Bewunderung ergeben und als von dessen Ideologie, namentlich dem Rassenwahn, überzeugt, plante Dönitz zu widersprechen. Das Vorhaben, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen, gab er aber 1967 auf.

Entlassung aus dem Gefängnis und Lebensabend
Nach der vollständigen Verbüssung seiner Strafe am 1. Oktober 1956 lebte Dönitz in Aumühle bei Hamburg. Seine Frau Ingeborg starb 1962. Seine beiden Söhne waren gefallen: Leutnant zur See Peter Dönitz am 19. Mai 1943 als Wachoffizier auf U 954, Oberleutnant zur See Klaus Dönitz am 13. Mai 1944 auf dem Schnellboot S 141. Nur die Tochter Ursula, die 1937 den Marineoffizier Günter Hessler geheiratet hatte, überlebte den Krieg.

1958 kam es zu einem Eklat, als der Wehrexperte der SPD, Fritz Beermann, auf einer Tagung von Offizieren und Anwärtern der Bundeswehr zur Tradition der Bundesmarine sprach und ausführte, er sympathisiere eher mit Max Reichpietsch und Albin Köbis, im Ersten Weltkrieg als Meuterer hingerichteten Matrosen, denn mit Dönitz und Raeder. Die anwesenden Marineoffiziere verliessen daraufhin den Saal. Das Bundesverteidigungsministerium begrenzte den Eklat durch die Erklärung, die einstigen Grossadmirale seien keine Vorbilder für die Bundesmarine mehr.

Einen weiteren Eklat verursachte Dönitz’ einziger Nachkriegsauftritt an einer Schule am 22. Januar 1963 im Otto-Hahn-Gymnasium (Geesthacht). Der Schülersprecher Uwe Barschel, später Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, hatte auf Anregung seines Geschichtslehrers Heinrich Kock Dönitz eingeladen, vor Schülern der Klassen 9 bis 13 über das Dritte Reich zu referieren. Die Schüler wurden von ihren Lehrern auf den Auftritt nicht vorbereitet. Daher gab es keine kritischen Nachfragen, weder von den Schülern noch von den Lehrern. Nachdem die Bergedorfer Zeitung einen begeisterten Bericht über diesen Geschichtsunterricht in höchster Vollendung veröffentlicht hatte, griffen überörtliche und ausländische Medien den Fall auf. Die Kieler Landesregierung wurde auf einer Pressekonferenz mit starker Kritik an dem Vorgang konfrontiert. Nachdem ein Regierungsrat aus dem Kultusministerium die Schule am 8. Februar 1963 aufgesucht und mehrere Stunden mit dem Schulleiter Georg Rühsen (* 1906) gesprochen hatte, ertränkte sich dieser noch am selben Abend in der Elbe. Seine Leiche konnte erst am 25. April 1963 geborgen werden.

Begräbnis
Als letzter deutscher Offizier im Feldmarschallsrang starb Dönitz 1980 im Alter von 89 Jahren und wurde auf dem Waldfriedhof von Aumühle-Wohltorf neben seiner Frau beerdigt. Obwohl Dönitz laut Zentraler Dienstvorschrift von Seiten der Bundeswehr sowohl nach Rang als auch aufgrund seines Ritterkreuzes ein Ehrengeleit zugestanden hätte, erging am 25. Dezember 1980 von Seiten des Bundesverteidigungsministeriums eine Anordnung, die Soldaten untersagte, in Uniform an der Beisetzung teilzunehmen, die ohne militärische Ehren zu erfolgen habe. Diese Entscheidung erzeugte eine Welle der Empörung, die sich gegen den Verteidigungsminister Hans Apel richtete. Der Vorgang, der zu dieser Entscheidung führte, die das Ministerium bereits lange vor Dönitz’ Tod getroffen hatte, reichte allerdings bis ins Jahr 1969 zurück und wurde vom Generalinspekteur der Bundeswehr Ulrich de Maizière ausgelöst, der dem damaligen Verteidigungsminister Gerhard Schröder (CDU) vorgeschlagen hatte, der Distanz der Bundeswehr gegenüber Dönitz im Falle von dessen Ableben durch den Verzicht auf Redebeiträge, Geleit und Kranzniederlegung Ausdruck zu verleihen. Den Einwänden und Abänderungsvorschlägen des ihm unterstellten Inspekteurs der Marine, Gert Jeschonnek, der sich für genau diese Ehrenbezeugungen aussprach, entgegnete de Maizière, man könne "den Soldaten Dönitz nicht von seinem politischen Verhalten um und nach dem 20.7.44 trennen". Der Verteidigungsminister Helmut Schmidt stellte im Jahr 1971 die dementsprechend von Schröder formulierte Ansicht des Verteidigungsministeriums in dieser Angelegenheit nochmals klar und ging über de Maizières Vorschläge sogar hinaus, indem er aktiven Truppenvorgesetzten Redebeiträge im Rahmen einer Beisetzung Dönitz’ untersagte. Bei dieser Haltung blieb Schmidt auch, als sich de Maizières Nachfolger Armin Zimmermann auf Anregung des nunmehrigen Inspekteurs der Marine und ehemaligen U-Boot-Offiziers Heinz Kühnle nochmals für eine Abmilderung dieser Entscheidung einsetzte. Prinzipiell beschied auch Schmidts Amtsnachfolger Georg Leber gegenüber Generalinspekteur Zimmermann ebenso, liess aber von Kühnle einen Text ausarbeiten, der als Ansprache verlesen werden durfte, und formulierte eine Kranzwidmung. Dieser Sachstand wurde unter dem Nachfolger Zimmermanns, Jürgen Brandt, der laut seinem Marine-Inspekteur Hans-Rudolf Boehmer über Dönitz sagte, dieser sei "damals in Kiel schon ein Nazi gewesen und habe Nazi-Reden gehalten", abgeändert und entsprechend von Apel entschieden.

An der Trauerfeier in der Aumühler Bismarck-Gedächtnis-Kirche am 6. Januar 1981 nahmen 5'000 Trauergäste teil. Etwa 100 von ihnen trugen ihr Ritterkreuz. Teilnehmer erkannten den ehemaligen Kommandanten des Führerbunkers Wilhelm Mohnke und Hans-Ulrich Rudel, der Autogramme verteilte. Im Anschluss an die Rede des Pastors sangen die Trauergäste die erste Strophe des Deutschlandliedes. In seinem Werk Mein Jahrhundert kommentierte der Autor Günter Grass das Ereignis in einer Zeichnung, die einen Sarg in der Form eines U-Bootes mit der Jahreszahl 1981 darstellt, der von Sargträgern mit Ritterkreuz und Marinemütze getragen wird. Beim Begräbnis waren auch einige Mitglieder neonazistischer Bewegungen anwesend. An Dönitz’ Grab fanden einige Ehrungen und Gedenkveranstaltungen rechtsextremer Organisationen statt, die NPD legte regelmässig Kränze nieder.

Rezeption
Mythenbildung
Karl Dönitz war massgeblich für den Versuch verantwortlich, die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg in einen moralischen Sieg umzudeuten und die Wehrmacht positiv darzustellen. Begonnen hatten er und seine Berater damit bereits unmittelbar nach der Übernahme der Staatsgewalt am 1. Mai 1945. Der letzte Wehrmachtbericht vom 9. Mai 1945 zeichnete das Bild einer makellosen und effizienten Wehrmacht, die einem übermächtigen Gegner erlegen sei. Die darin enthaltene Apologie wurde zum Ausgangspunkt der Legende der "sauberen Wehrmacht". Da, für Dönitz der Zweite Weltkrieg nicht aufgrund der Überlegenheit des Gegners, sondern aufgrund mangelnder nationaler Geschlossenheit des deutschen Volkes verloren worden war, belebte er zugleich den Mythos, der Zusammenbruch der "Heimatfront" sei Ursache der Niederlage gewesen, und knüpfte an die Dolchstosslegende vom Ende des Ersten Weltkriegs an. In der Rezeption der Ereignisse in Plön und Flensburg kurz vor Kriegsende wurde Dönitz teilweise als "Retter" wahrgenommen, der die Kapitulation gegen den Willen Hitlers durchgesetzt habe. Bereits aus dem ersten Funkspruch vom 30. April 1945, mit dem ihm die Nachfolge Hitlers übertragen wurde, hatte Dönitz jedoch gefolgert, dass Hitler den Weg zur Kapitulation ebnen wolle und ihm dabei völlige Handlungsfreiheit überliess. In der Fortsetzung früherer Bemühungen um einen Separatfrieden, wie sie Ribbentrop, Himmler, Goebbels und Göring unternommen hatten, opferte Dönitz bewusst Teile der Kriegsmarine, um seine Verhandlungsposition gegenüber den Westalliierten zu verbessern. Spielraum für Verhandlungen oder zum Taktieren hatte er allerdings nicht.

Begünstigt wurde die Legendenbildung durch die emotionale Bindung vieler Soldaten und Zivilisten, die in den letzten Kriegstagen durch die Marine über die Ostsee evakuiert worden waren. Bis in die Gegenwart gestehen breite Kreise der deutschen Öffentlichkeit Dönitz zu, sich bei der Evakuierung der Bevölkerung aus dem Osten vorbildlich verhalten zu haben. Die Landsmannschaft Ostpreussen etwa verlieh ihm 1975 dafür ihre höchste Auszeichnung, den "Preussenschild". Dönitz’ Fortführung des Krieges in Richtung Westen wurde in der Rezeption als notwendig angesehen, um Zeit für die Evakuierung von Flüchtlingen aus dem Osten zu gewinnen. Übersehen wird dabei, dass Dönitz selbst die zunächst nur auf Soldaten ausgerichtete Rettungsoperation durch Treibstoffbeschränkungen eher behinderte und dass Soldaten und Bevölkerung in den deutsch besetzten Gebieten weiter terrorisiert wurden.

Die Verurteilung im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, die ausdrücklich nicht auf Dönitz’ "Verstösse[n] gegen die internationalen Bestimmungen für den U-Boot-Krieg" fusste, leistete der Legendenbildung Vorschub. Da auch ehemalige Kriegsgegner, die ihre U-Boote in vergleichbarer Weise eingesetzt hatten, der deutschen Kriegsmarine attestierten, ehrenhaft gekämpft zu haben, wurde die Verurteilung Dönitz’ von den Angehörigen der Kriegsmarine als "Siegerjustiz" gewertet. "Karl Dönitz wurde zum Märtyrer", argumentiert Jörg Hillmann, "da er für die gesamte Kriegsmarine eine Schuld zu tragen hatte, die entweder ausschliesslich in der Tatsache des verlorenen Krieges und/oder in der Nachfolge Adolf Hitlers begründet lag". Traditionsverbände der Marine wie der Deutsche Marinebund beklagten in der Folge das "Martyrium" Dönitz’, den sie nur als vorbildlichen Truppenführer wahrnahmen. Aber auch der kommissarische Leiter der Abteilung Marine, Karl-Adolf Zenker, erinnerte in seiner Ansprache gegenüber den ersten Freiwilligen der neugegründeten Bundesmarine am 16. Januar 1956 an die Grossadmirale Raeder und Dönitz, die aus politischen Gründen zu Haftstrafen verurteilt worden seien. Zenkers Ehrenerklärung für Dönitz führte im April 1956 zu einer Grossen Anfrage der Sozialdemokraten im Deutschen Bundestag und zu einem mit grosser Mehrheit aus den Reihen von Regierung und Opposition gefassten Beschluss, dass die vermeintlichen militärischen Leistungen Dönitz’ nicht von seinem politischen Versagen als Oberbefehlshaber zu trennen seien. Indem aber in den zum Teil leidenschaftlich geführten Debatten Ereignisse und Personen des Ersten Weltkriegs als unbelastet dargestellt worden waren, wurde zugleich einer maritimen Verklärung Vorschub geleistet. Die maritime westdeutsche Solidargemeinschaft versuchte, so die Analyse Jörg Hillmanns, politische Funktionen und militärische Verhaltensweisen zu entkoppeln und die Grossadmirale unter Hervorhebung militärischer Effizienz und soldatischer Tugenden mit der Kriegsmarine zu verbinden.

Eine kritische Betrachtungsweise Dönitz’ wurde durch die Ehrenbezeugungen der früheren Feinde erschwert, die sich schon während des Krieges angedeutet hatten und bis zu Dönitz’ Tod anhielten. Der um Dönitz’ Rehabilitierung bemühte ultrarechte amerikanische Publizist H. Keith Thompson begann 1958 mit der Sammlung von Aussagen hoher Militärs zu Kriegsverbrecherprozessen allgemein und speziell Dönitz’ Verurteilung, die er per suggestiver Fragestellung als "gefährlichen Präzedenzfall" wertete. Innerhalb eines Jahres hatte Thompson bereits 237 Stellungnahmen, neben denen von 115 Offizieren der Alliierten auch von Politikern und Privatpersonen, gesammelt. Thompson stellte bei seinen Bemühungen fest, dass insbesondere hohe Dienstgrade, wie zum Beispiel Joseph J. Clark, Jesse B. Oldendorf und H. Kent Hewitt, sich in erheblicherem Masse beteiligten als niedrigere und britische Offiziere deutlich weniger geneigt waren, zu seiner revisionistischen Sammlung beizutragen, als amerikanische. Thompsons Sammlung apologetischer Äusserungen von 385 hauptsächlich amerikanischen Offizieren, Politikern und prominenten Privatpersonen, die den Soldaten Dönitz lobten und den Nürnberger Prozess kritisierten, erschien 1976. Bereits zu Beginn seiner Sammlung hatte Thompson Kontakt zu Dönitz aufgenommen und ihm auch zahlreiche Stellungnahmen überlassen, die dieser für ein eigenes Buchprojekt zu nutzen plante. 1967 gab Dönitz einen Teil der Texte an Ewald Schmidt di Simoni weiter, mit der Bitte, deren möglichen publizistischen Wert zu prüfen. Von diesem oder von Dönitz selbst erhielt dessen Crewkamerad Maximilian Fels die Texte aus Thompsons Sammlung. Fels hatte anlässlich des Erscheinens von Dönitz’ Buch Zehn Jahre und zwanzig Tage einige ausschliesslich britischen Urteile darüber in der Vereinszeitschrift des Deutschen Marinebundes veröffentlicht. Sieben Jahre später gab er eine Auswahl von 38 einseitig positiven, hauptsächlich amerikanischen Stimmen zu Dönitz im Charakter einer Festschrift unter dem Titel Dönitz in Nürnberg und danach heraus. Der 22-seitige Text ist gerahmt von Fels’ persönlichen Ansichten und einem langen Zitat einer Veröffentlichung Kranzbühlers, fand weite Verbreitung und findet sich auch heute noch in zahlreichen Nachlässen.

Dönitz selbst verbreitete nach seiner Haftentlassung am 1. Oktober 1956 durch Bücher und Interviews seine Sicht der Ereignisse der Jahre 1935 bis 1945 und baute ein Bild des unpolitischen Berufsoffiziers auf, der für die Verbrechen des NS-Regimes keine Verantwortung trage. Dazu trug auch bei, dass einschlägiges Aktenmaterial der Forschung lange nicht zugänglich war, sodass Dönitz über einen Wissensvorsprung verfügte. Dönitz berief sich stets auf das Preussentum. Er kenne keinen individuellen Geist, sondern nur das preussische Gemeinschaftsgefühl. Hatte er die nationalsozialistische Volksgemeinschaft zuvor als unmittelbare Folge dieses preussischen Gemeinschaftsgefühls verstanden, so vermochte er das nationalsozialistische Gedankengut nach dem Krieg auszublenden und trotzdem mit Tugenden wie Pflichtbewusstsein, Verantwortungsgefühl und Treue das Bild eines tadelsfreien Offiziers zu stilisieren. Gegenüber Albert Speers gegenteiligen Aussagen bestand Dönitz darauf, dass jener Hitler dazu gebracht habe, ihn zum Nachfolger zu bestimmen, und betonte damit sein eigenes Opfer. Seine bedingungslose Gefolgschaft, seine antisemitischen Hetzkampagnen und Durchhalteparolen verschwieg er. "Karl Dönitz", so folgert Jörg Hillmann, "hat sich selbst zum unpolitischen Opfer der NS-Diktatur stilisiert und sein Wirken als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ausschliesslich als eine militärische Aufgabe, fernab des Regimes dargestellt und die besondere Bedeutung der U-Bootwaffe sowohl vor und während des Krieges, wie zum Kriegsende und in der Rezeptionsgeschichte vollkommen überbetont". Einen Wandel des Dönitz-Bildes löste Lars Bodenstein zufolge der Bestseller Das Boot von Lothar-Günther Buchheim aus, in dem Dönitz als inkompetenter Maulheld charakterisiert wird. Auch Ian Kershaw bezeichnete Dönitz im Gegensatz zum erwähnten teilweise postulierten Bild eines Profi-Militärs als "Erznazi".

Historische Forschung
Die Unterlagen der deutschen Marine wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst von den Alliierten beschlagnahmt. Auch wenn Anfang der 1960er Jahre mit der Rückgabe der Akten begonnen wurde, erschwerte dieser Umstand die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle Dönitz’ im Zweiten Weltkrieg. Die Memoirenliteratur im Nachkriegsdeutschland und die von Dönitz verfassten Autobiographien prägten das Bild einer Kriegsmarine und ihres Oberbefehlshabers, die vom Holocaust abgekoppelt schienen. Dönitz’ eigene Bücher enthalten wenig Persönliches, sondern sind vor allem Erzählungen seines Lebens in der Marine bis 1935 oder ausführliche Darstellungen des U-Boot-Krieges im Zweiten Weltkrieg. Er war zwar in grösserem Masse selbst Autor als etwa Erich Raeder, dessen Erinnerungen von einem Autorenteam geschrieben wurden. Unterstützt wurde er aber bis zu seinem Tod von dem Historiker Jürgen Rohwer, einem ehemaligen Offizier der Kriegsmarine, den Dönitz bald nach Kriegsende kennengelernt hatte und der ihn in Fachfragen zum Seekrieg beriet.

Die Zeitzeugengeneration tendierte dazu, eine emotionslose Operationsgeschichte zu verfassen, in der zwar jede militärische Operation im Detail untersucht und mit Operationen des Kriegsgegners verglichen wurde, die aber dadurch auch zur Relativierung tendierte und mit Glorifizierung und Heroisierung verknüpft war, indem handlungsleitende Motive auf soldatische Tugenden reduziert wurden. Die wissenschaftlichen Studien von Reimer Hansen und Marlis G. Steinert, die sich zum Teil schon in den 1960er Jahren kritisch mit der Regierung Dönitz befassten, blieben in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet. Die von Fritz-Otto Busch (1963), Walter Görlitz (1972) und Karl Alman (d. i. Franz Kurowski) (1983) verfassten Biographien, aber auch die fast romanhaften Darstellungen des U-Boot-Krieges, etwa von Günter Böddeker, Jochen Brennecke, Harald Busch und Wolfgang Frank, genügen nicht wissenschaftlichen Ansprüchen. Die kritische Arbeit, die der Marinehistoriker Bodo Herzog 1986 im (in Tel Aviv herausgegebenen) Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte veröffentlichte, stützt sich unter anderem auf historisch zweifelhafte Quellen, nämlich auf Aussagen ehemaliger U-Boot-Kommandanten, die 1981 in der Zeitschrift konkret veröffentlicht wurden und gegen Dönitz als Beispiel des angeblich in Westdeutschland vorherrschenden Militarismus polemisieren. Ungeachtet von Einwänden in Detailfragen gilt die von Peter Padfield verfasste Biographie (1984) als in weiten Teilen aussagekräftig.

Als grundlegend zum Verständnis der Rolle Dönitz’ im Zweiten Weltkrieg gilt ferner die dreibändige Darstellung Michael Salewskis Die deutsche Seekriegsleitung 1933–1945 (1970–1975). Jörg Hillmann konstatiert in diesem Zusammenhang eine sich auch anlässlich von Salewskis Darstellung zunehmend verhärtende Umgangsweise zwischen Zeitzeugen und Marine-Historikern. Dies habe die Aufarbeitung des U-Boot-Einsatzes im Zweiten Weltkrieg in den Folgejahren verhindert und sei stets in der Person Dönitz kulminiert. Zu einem neuen Dönitz-Bild trugen die Arbeit von Jost Dülffer, Weimar, Hitler und die Marine (1973), und die Beiträge Werner Rahns in der Publikation Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg bei. Herbert Kraus und Howard Grier beschäftigten sich mit Dönitz unter speziellen Fragestellungen. Eine Gesamtschau auf die Ereignisse des U-Boot-Krieges auf deutscher wie auf alliierter Seite unternahm Clay Blair (1996 u. 1998). Jörg Hillmann (2004 u. 2007) und Lars Bodenstein (2002) publizierten Arbeiten zum "Mythos" Dönitz. Dieter Hartwig, Marinegeschichtslehrer an der Marineschule Mürwik und der Führungsakademie der Bundeswehr, hielt ab 1987 Vorträge über Dönitz und legte 2010 eine Veröffentlichung vor, in der er sich anhand thematischer Fragestellungen mit Dönitz beschäftigt.